Kategorie: untold feuilleton

  • Schnittstellen und Selbstfindung: Sun’s Sons und ihre „Clean Slate“ EP

    Schnittstellen und Selbstfindung: Sun’s Sons und ihre „Clean Slate“ EP

    Der Bandname ist gerade nicht nur passend zum Juli-Wetter, sondern auch zu der Wärme ihrer Songs. Zwischen sommerlichen Indie-Pop Sounds, ruhiger Melancholie und politisch-gesellschaftlichen Einflüssen finden sich Sun’s Sons. Am vergangenen Freitag veröffentlichte die Frankfurter Band ihre zweite EP mit dem Titel Clean Slate. Im Vergleich zu ihrer Debüt-EP wird eine Entwicklung und vor allem Verfestigung des Stils deutlich, den die junge Band für sich gefunden hat. Die intimen Texte und die sanfte Stimme von Sänger Lasse kreieren eine wärmende, liebevolle Atmosphäre, während auch Songs mit rhythmischen Tanz- und Mitsingparts, sowie Streichinstrumente die EP ausmachen.

    Nachdem ich die Band auch live spielen gesehen habe, wurde deutlich wie viel Energie, Potential und Liebe hinter dem ganzen Projekt steckt. Der eingängige Titeltrack der EP wird definitiv zu meinen Sommer-Soundtracks des Jahres gehören und ich bin gespannt, was uns Sun’s Sons in Zukunft noch von sich zeigen werden. Ich bin mir sicher: Das ist gerade erst der Anfang.

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    Wer also eine neue Lieblings-Indie-Band zum Supporten sucht, ist hier bestens aufgehoben. Checkt auch ihren sympathischen Instagram Account aus, um nichts zu verpassen: https://www.instagram.com/sunssonsmusic/?hl=de

    Um den frischen Release zu verarbeiten, erzählte die Band im Folgenden selbst von ihrer EP:

    Sun’s Sons über „Clean Slate“

    „Unsere neue EP ist so etwas wie der Soundtrack zu unserem derzeitigen Lebensgefühl. Das war schon bei unserer Debüt-EP „You & My Mind“ so, nur dass es damals um Themen wie Verlust und Hoffnung ging. Diesmal machen wir mit unserer Musik einen sauberen Schnitt, einen „Clean Slate“, wie auch der Titel der EP lautet. Die Vergangenheit liegt hinter uns, jetzt geht es um Veränderung und Aufbruch, um einen Neustart in Richtung Zukunft. Das betrifft übrigens ganz private Erlebnisse und Erfahrungen genauso wie Politisch-Programmatisches. 

    Wer uns kennt, weiß natürlich, dass das Um- und Irrwege und die eine oder andere Sackgasse mit einschließt. Die gerade Linie zum Ziel beherrschen wir noch nicht so richtig. Aber das macht unsere Musik vielleicht auch gerade so spannend. 

    Hinzu kommt – auch das ist ein Neustart –, dass die EP diesmal eine echte Teamarbeit war. Alle vorherigen Veröffentlichungen gingen nämlich aus der Zusammenarbeit unseres Sängers Lasse Kuhl mit dem ehemaligen Bassisten der Band hervor. Seit letztem Jahr bestehen die sun’s sons jedoch aus fünf Vollblutmusikern, die sich alle in die Entwicklung der Songs eingebracht haben. Das war nicht ganz einfach, wie man sich vorstellen kann, auch dieser Weg war steinig und holprig. Aber die Arbeit hat sich gelohnt, wie wir finden. Oder anders gesagt: Viele Köche haben hier keinen Brei verdorben, sondern gemeinsam ein wunderbares, mehrgängiges Menü gezaubert! 

    Was Vor- und Hauptspeise und was Zwischengang und Dessert ist, muss jeder und jede für sich selbst entscheiden. Wir finden nur, dass uns der Spagat zwischen tanzbaren Indie-Pop Songs und intimen Balladen diesmal tatsächlich ganz gut gelungen ist. Mal werden Funk-Rhythmen mit orchestralen Streichinstrumenten gemischt, ein anderes Mal wechseln sich rockige Gitarrensounds und mit Inbrunst herausgeschriene Gefühle ab mit ruhigeren, nachdenklichen Momenten – inklusive der stets melancholischen Texten, die es natürlich auch wieder auf der neuen EP gibt. Etwas Kontinuität muss es schließlich auch bei einem Neuanfang geben…“ 

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    Foto Credit: @/chayapqformel auf Instagram
  • Initiative Cock am Ring: Gibt es noch Hoffnung für das traditionsreiche Rockfestival?

    Wir schreiben das Jahr 2022 und es ist Pride Month. Ganz Gallien hat die Regenbogenflagge gehisst, sogar die alten weißen Männer in ihren Chefetagen entstauben feierlich die Wimpel auf ihren Cocobolo-Schreibtischen und spielen uns wenigstens die nächsten 30 Tage ganz fortschrittliche Lebewesen vor. Ganz Gallien? Hm, nee. Denn da ist ja auch noch Rock am Ring.

    Im Musikbusiness sieht es leider noch schlechter aus, als in so manchen milliardenschweren Wirtschaftsunternehmen, die verstanden haben, dass diverse und feministische Inhalte zur Zeit wenigstens ein guter PR-Gag sind. Solch gigantische Festivals wie Rock am Ring oder Rock im Park stehen zwar schon jahrelang in der Kritik, weil in den Line-Ups FLINTA+ Artists noch nie angemessen vertreten waren, passiert ist allerdings nichts. Jucket.

    Darauf angesprochen sagt der Chef der Rock am Ring-Veranstalterfirma DreamHaus, Matt Schwarz: „Wir haben zentrale Bereiche und Führungspositionen bei Rock am Ring weiblich besetzt, von der Veranstaltungs- und Festivalleitung, Ticketing-, Marketing- und PR-Leitung über das komplette Festivalproduktionsbüro, das Akkreditierungsteam und diverse Produktionsleiterinnen der einzelnen Bühnen. Wir werden dieses Thema also in Zukunft weiter maßgeblich priorisieren und haben damit in den laufenden Programmplanungen für das kommende Jahr bereits begonnen.“ Klar sei jedoch auch, „dass ein Festival Diversität nicht alleine umsetzen kann“. Nötig sei dafür das strukturelle Handeln aller Mitspieler*innen wie etwa der Plattenfirmen, Bandmanagements und auch der Medien.

    Also zuerst: Es ist super, dass FLINTA+ in den vielen Bereichen des Festivals eingebunden werden, wobei das im Jahr 2022 auch ehrlicherweise absolut kein Punkt mehr ist, für den man besonderes Lob erwarten sollte. Nichtsdestotrotz ändert das nichts daran, dass das Booking bei Rock am Ring und Rock im Park in den letzten 10 Jahren aus durchschnittlich gerade einmal 4 % FLINTA+ bestand. Dass man da leider nichts tun könne und dass es nur ein Abbild der Realität sei, ist eine wirklich schwache Begründung. Wer genau ist nochmal für das Booking verantwortlich? Wenn trotz aller Kritik die immer gleichen männlichen Bands auf den Bühnen stehen, dann ist das schon etwas, wo man mal was tun könnte. Nicht nur, dass FLINTA+-Personen und -Bands unter dem Deckmantel, es würde ja kaum welche geben, von Rock am Ring quasi ausgeschlossen werden. Man verhindert für diese Gruppe wichtige Chancen. Man verweigert ihnen ein Sprungbrett. FLINTA+ wird also auf der einen Seite gesagt, sie haben keine Bühnenerfahrung und können deshalb nicht spielen, auf der anderen Seite gibt man ihnen aber keinen Space, um eben diese Erfahrung zu sammeln. Merkste selber.


    Cock am Ring gegen Lippenbekenntnisse

    Zahlen, Statistiken und Fakten wurden pünktlich zum Start des RaR/RiP-Wochenendes endlich mal gebündelt und kanalisiert. Jetzt könnte der Grundstein für Veränderung in die Steinschleuder gespannt worden sein, denn die frisch aufgestellte Initiative Cock am Ring prangert die Ignoranz im Booking von Rock am Ring jetzt öffentlich an. Unter der Schirmherrschaft von Kulturstaatsministerin Claudia Roth veröffentlichte die Initiative nicht nur umfassende Informationen über die Unsichtbarkeit von FLINTA+-Personen in Festival-Line-Ups, sondern gleich noch einen tollen Sampler dazu. Auf diesem Sampler covern 24 Bands mit FLINTA+-Anteil die Songs jener Männerbands, die dieses Jahr bei Rock am Ring gebucht wurden.

    Und der bittersüße Coup: Die Einnahmen durch die Streams der Coverversionen gehen nicht an die Künstler*innen, weil sie vollständig an das für die Organisation von Rock am Ring verantwortliche Unternehmen DreamHaus gespendet werden. Dazu meint Cock am Ring: “Mit dem Geld können sie [DreamHaus] sich dann hoffentlich für Rock am Ring 2023 etwas mehr diverse Beteiligung leisten. Unser Team arbeitet dabei übrigens ehrenamtlich und aus schierem Idealismus. Wir stehen für Vielfalt und Diversität − und wünschen uns das auch auf den Bühnen dieser Welt.” Das ist der erste Treffer ins Auge und ein kluger Schachzug, der DreamHaus ganz schön alt aussehen lässt.

    Der zweite Treffer (und damit ganz ehrlich k.o.) sind die wirklich tollen und allesamt hörenswerten Neuinterpretationen auf dem Cock am Ring-Sampler. Im Grunde zeigen uns die FLINTA+-Artists hier, worauf es hauptsächlich ankommt. Nämlich Perspektiven zu verschieben und blind spots sichtbar zu machen. Diese Compilation schafft das alleine durch die Songauswahl im Kontext der, wir müssen es so sagen, Diskriminierung von FLINTA+.

    Wir stellen euch unsere vier Highlights hier vor:


    Kochkraft durch KMA – “Mein schöner Hodensack” (Die Kassierer)

    Wie könnte ein solcher Sampler passender beginnen, als mit den buchstäblichen Kronjuwelen des Patriarchats? Dem höchstwahrscheinlich einzigen Grund für diese Missstände? “Mein schöner Hodensack” der Punk-Urgesteine Die Kassierer ist sicherlich nie 100% ernst gemeint gewesen (wobei?), allerdings spielt das Licht, in dem ein solcher Song steht, eine entscheidende Rolle. Grölen diesen Song 25.000 besoffene Männer vor der Bühne bei Rock am Ring, hinterlässt das halt einfach ein Geschmäckle. Performt diesen Song allerdings Mitinitiatorin Lana Giese mit ihrer klanggewaltigen Electro-Punk Band Kochkraft durch KMA, ist er am Ende vor allem eines: bloßstellend. Jeder Mann im Line-Up sollte sich bei diesen Zeilen doch einmal kurz an die eigene Nase fassen und diese Worte auf sich wirken lassen. “Ich habe kein besonderes Talent, bin eher etwas inkompetent” ist spätestens ab jetzt kein Augenzwinkern mehr. Es ist Fakt.


    ELL – “Let Me In“ (Beatsteaks)

    Was ELL aus dem 2002 von den Beatsteaks veröffentlichten „Let Me In“ gemacht haben, spricht eigentlich schon ganz allein für sich. Das selbsternannte Krach-Pop-Duo hat den im Original auf Englisch geschriebenen Song ins Deutsche übersetzt – und auch, wenn der Inhalt des Songs gar nicht verändert werden musste, gibt es ihm in dem hier zu interpretierenden Sampler-Zusammenhang fast schon einen ikonischen Hymnen-Charakter. Denn alles, was ELL und ihre Kolleg*innen wollen, ist genauso wie ihre männlichen Kollegen auf die großen Bühnen des Landes gelassen werden. Sie verstehen (zu Recht!) nicht, warum man sie nicht sieht – oder sehen will. Eingehüllt von lauten Gitarren und Drums kommt in diesem Song die jahrelang angestaute Wut in ihrer vollen Pracht zur Geltung.


    Wenn einer lügt dann Wir – “Bayern” (Die Toten Hosen)

    Sehr gelungen auf dem Sampler sind die Ebenen, die die Texte der Coversongs gewinnen. Gerade bei Texten von den Kassierern oder hier von den Toten Hosen, die sich auch sowieso schon selbst so ironisch und mega lustig finden, gibt die Neuinterpretation den eigentlichen Twist. Auch bei der Version von “Bayern” der Punkband Wenn einer lügt dann Wir, die die Aktion zusammen mit ihrem Label Ladies & Ladys co-initiieren. Nur begleitet von E-Gitarre und sanften Basstönen, wirken die Lyrics einmal mehr wie hohle Phrasen. Die einzige Bedeutung verleiht diesen dann glücklicherweise die Autotune-Performance von Sängerin JK, durch die die nächste große Männerdomäne, Fußball, ebenfalls vorgeführt wird. Dieser Song war noch nie gut, jetzt ist er es.


    Mina Richman – “Red Flag“ (Billy Talent)

    Eine Band, die ungefähr schon 1 Mio. Mal bei Rock am Ring gespielt hat, ist Billy Talent. Und ihr Song „Red Flag“ ist einer, den wir in unserer Jugend fast alle zu Tode gehört haben. Fair enough, guter Song. Mina Richman hat daraus eine ruhigere, soulige und reggae-angehauchte Nummer gemacht und rückt den Song damit in ein emotionales Licht: Egal wie unbedeutend deine Stimme auf dich wirken mag, sie wird etwas verändern. Hör niemals auf damit laut zu sein. Und Mina Richman macht einmal mehr sehr einnehmend darauf aufmerksam, dass es mehr als an der Zeit ist, sich von dem loszumachen, was vielleicht am einfachsten und angenehmsten scheint, das eigentliche Riesenkackproblem damit aber nicht einmal im Ansatz bekämpft. Immer wieder wirklich bemerkenswert, was Musik so kann.


    Ohne Diversität kein safe space

    Wie wird es jetzt weitergehen? Rock am Ring ist in jedem Fall auf dem sicheren Weg, vielleicht nächstes Jahr schon einer grenzüberschreitenden Massenkirmes, einem Volksfest of Doom, in nichts mehr nachzustehen. Vielleicht kostet dann die Maß auch dort 14 Euro. Da hätte selbst die breite Masse einen Grund, sich über etwas zu beschweren! Leider dürfte die Wahrscheinlichkeit, dass die Bierpreise um 10 % sinken, höher sein, als dass die FLINTA+ Acts um 10 % ansteigen.

    Eine weitreichende Folge des schlechten Bookings: Auch für FLINTA+ im Publikum kann kein safe space geschaffen werden, wenn das Line-Up diese nicht verkörpern kann. Hinzu kommt nämlich, dass die meisten der gebuchten Bands bei Rock am Ring mit ihrer Attitüde schon auf eine bestimmte Sorte Männer abzielen. Die Sorte, die sich hemmungslos besäuft und dann, ups, auch mal die Hände nicht bei sich lassen kann. Sehen können wir das tatsächlich auch schon, obwohl wir uns gar nicht auf dem Festivalgelände befinden. Die hässlichen Kommentare unter dem Twitter-Post unserer Redakteurin Dascha beweisen es.

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    Doch, sollten wir wirklich versuchen, Rock am Ring zu bekehren? Offensichtlich ist die Kritik der letzten Jahre angekommen. Offensichtlich wurde aber auch nichts verbessert, während ein paar andere Festivals mit offenen Karten spielen und ihre Line-Ups sichtlich diverser gestaltet haben. Müssen wir als Konsument*innen dann davon ausgehen, dass FLINTA+ auch im Publikum nicht erwünscht sind? Am Ende ist das leider ein Grund, dieses Festival einfach lieber zu canceln und zu boykottieren, wie wir es ja auch zum Beispiel mit Rechtsrock-Festivals machen würden. Denn wir sehen da in puncto Toleranz, um ehrlich zu sein, keinen Unterschied mehr.

    Wir müssen und wollen an dieser Stelle aber noch einen Deckanstoß geben: Es gibt im Line Up weit oben stehend Künstler, die sich sehr für die Sichtbarkeit von FLINTA+ einsetzen, die bedacht FLINTA+-Personen und -Bands als Supportacts auf ihre Touren mitnehmen oder diese auf vielen verschiedenen Wegen unterstützen und sichtbar machen. Künstler, die eine große Reichweite haben und mit nicht allzu viel Aufwand einen Teil dazu beitragen könnten, dass Geschlechtergerechtigkeit auch auf den großen Festivalbühnen ankommt. Warum seid ihr hier so ruhig? Wo ist euer supportive spirit hin, wenn es um Rock am Ring geht? Ihr seid damit ebenso Teil genau des Problems, das ihr das restliche Jahr über kritisiert. Niemand verlangt, dass Festival-Gigs abgesagt oder Anfragen abgelehnt werden. Aber wir sind uns sicher, es gibt Wege, die für euch gangbar sind und mit denen ihr weder eure Ansichten über Bord werfen, noch Auftritte absagen/ablehnen müsst und trotzdem für FLINTA+ einsteht.


    Wer sich noch ein bisschen mehr mit Cock am Ring beschäftigen möchte, kann das hier tun.

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    Autor*innen dieses Artikels: Jule & Lukas
    Artwork: Janika Streblow

  • Paula Carolina über die menstruierenden Blumen in „Gerlindes Garten“

    Paula Carolina über die menstruierenden Blumen in „Gerlindes Garten“

    Manchmal treten wir hier gern einen Schritt beiseite und lassen die Künstler*innen selbst über ihre Musik philosophieren – im weitesten Sinne. Als es Feng Suave das letzte Mal getan haben, hat uns das sehr zum Lachen gebracht, Paula Carolina stößt uns heute sehr zum Nachdenken an. Am 22.04. (also übermorgen) kommt ihre Debüt-EP „Aus der Blüte des Lebens“ raus, auf der sie sehr persönlich aber auch sehr empowerend ihre Entwicklung zu einer Frau vertont. Musikalisch vielfältig, irgendwo zwischen Indie und Pop, und lyrisch Teil der sehr, sehr spannenden und aufblühenden (ha, Wortwitz) Generation von jungen Künstlerinnen, die endlich mal sagen, was Sache ist. In diesem Fall geht es um das vermeintliche Tabu-Thema der Menstruation und was da noch so alles passiert in „Gerlindes Garten„.


    Paula Carolina über die menstruierenden Blumen in „Gerlindes Garten“

    Es ist Freitagabend, der 21. Juni 2023. Die Menge atmet erwartungsvoll auf, als Paula Carolina die Bühne betritt. „Paula, Paula, Paula!“, schreit das Publikum.

    Die Künstlerin steht in der Mitte der Bühne und sucht nach den richtigen Worten:

    „Hey Leute! Schön, dass ihr heute alle gekommen seid. Ich freu mich riesig auf den Abend. Erwartet nur nicht meine normale Energie. Ich habe meine Periode.“

    Schon mal diesen Satz gehört? Ich nicht. Und deswegen werden wir heute darüber sprechen.

     

    Hier ein paar Fakten zu unserer Stimme während des Zyklusses von menstruierenden Menschen:

    • Forscher der University of California in Los Angeles fanden heraus, dass die Stimme vor und nach dem Eisprung höher, während des Eisprungs ungewollt tiefer klingt.
    • Während der Menstruation wird die Stimme rauer und ungleichmäßiger.
    • In diesem Zeitraum schwellen die Schleimhäute der Stimmlippen an. Die Stimmlippen verfestigen sich etwas, sodass es schwerer wird hohe Töne anzusingen.
    • Zudem kann die Stimme grundsätzlich von dem psychischen und körperlichen Zustand der singenden Person beeinflusst werden. Das erschwert die stimmliche Performance während der Periode.
     

    Die Vorstellung auf einer Bühne zu stehen, stimmlich nicht 100 Prozent geben zu können und zusätzlich Periodenschmerzen zu haben, kann überfordernd sein. Genauso wie viele andere Situationen während der Periode. Und deshalb ist es wichtig, dass „Ich habe meine Periode“ zu einem ganz normalen, alltagstauglichen Satz wird. Manchmal muss einfach darüber gesprochen werden, damit Akzeptanz entsteht.

    Gerlindes Garten“, mein Song über die Periode, macht genau das.

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    Und hier noch ein lustiger Fakt:

    Ich habe „Gerlindes Garten“ während meiner Periode einsingen müssen. Also habe ich mich vor jeder Aufnahme auf das Bett meiner Produzentin gelegt, kurz durchgeatmet und dann ging es weiter. Was mir hier den Tag gerettet und den Song zu einem ganz besonderen gemacht hat, war ihr Verständnis.

     

    In ein paar Tagen könnt ihr hier in die EP reinhören, bis dahin erstmal „nur“ diese fantastische Single:

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    Fotocredit: Filip Boban

    Quellen: Süddeutsche, Welt

  • untold soundtrack of 2021 – Ein Jahr, in dem (fast) nur die Musik schön war

    untold soundtrack of 2021 – Ein Jahr, in dem (fast) nur die Musik schön war

    Nachdem die untoldency-Redaktion euch schon ihre individuellen Jahresrückblicke nahegebracht hat (hier könnt ihr euch durchstöbern), folgt jetzt der „ultimative“ Jahresrückblick in Form der untold soundtrack of 2021 – Playlist. Viele von euch haben hoffentlich auf dem Schirm, dass wir euch jede Woche in dieser Playlist mit den besten neuen Releases versorgen. Das Kuratieren dieser Playlist hat unsere Wahrnehmung und Verarbeitung von neuer Musik dieses Jahr einen 180° Twist gegeben. Es ist unglaublich addictive, ständig auf der Suche nach diesem einen Song zu sein. Ein paar dieser Songs haben wir gefunden und sie hier für euch gesammelt.

     
    Die zwei Pop-Ikoninnen des Jahres und der chartstürmende Abschluss eines Solo-Projekt

    Auch wenn wir im Herzen alle kleine Indie-Babes sind, komm ich nicht drum rum als erstes die zwei erfolgreichsten Frauen der Pop-Musiklandschaft dieses Jahr zu küren. Olivia Rodrigo und Billie Eilish sind zusammen 38 Jahre jung, haben 14 Grammy Nominierungen (7 each) und beweisen, dass die (musikalische) Zukunft in den Händen von jungen Frauen liegt. Lucas konnte das vor allem bei Olivia Rodrigos Debütalbum sour dieses Jahr sehr fühlen, ich eher bei Happier Than Ever. Billie Eilish hält die Welt seit vier Jahren mit ihrer Stimme und dem musikalischen Genius ihres Bruders Finneas in Atem und schafft es, die Selbstreflektion und das Empowerment einer ganzen Generation auf eine berührende Art festzuhalten. Wenn ich überlege, was ich mit Anfang 20 gemacht hab..

    Und mit diesem deepen Einstieg gehen wir direkt zum ersten Song auf der Playlist, der ironischerweise auch der letzte ist (wer’s jetzt schon gecheckt hat, hier ist dein Keks): Der letzte Song (Alles Wird Gut) von Kraftklubs Frontcutie Felix und seinem Solo-Projekt Kummer, das er mit diesem Song beendet. Der Druck war hoch, aber alle Erwartungen wurden getroffen – Top1 der Deutschen Singlecharts sollte da für sich sprechen. To be fair: sich Fred Raabe von Giant Rooks als Feature zu holen, war ein grandioser Move und direkt ins Herz. Wie kann man etwas nicht lieben, was Fred Raabe singt?

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    2021 – ein Jahr voller Newcomer:innen

    Das schönste an unserer Plattform von untoldency war dieses Jahr das Entdecken von wahnsinnig vieler guter Musik von Newcomer:innen. (Für ausführliche Empfehlungen hier klicken). Doch anstatt sie nur für uns zu entdecken, haben wir 2021 damit verbracht, sie euch zu präsentieren. Ob Zimmer90, Die Mode, Power Plush oder Mar Malade – wir haben uns alle ganz schön viel verliebt dieses Jahr. Am meisten vielleicht in Schmyt – der Berliner erobert gerade Single für Single ganz Deutschland. Ich bin eh ständig am Schwärmen, aber auch der Rest unserer Redaktion hat ihr Herz an den süßen ehemaligen Rakede-Sänger verloren.

    Ganz persönlich hab ich mich sehr in den weirden Elf, der auf den Namen RⱯHM ⚉ hört, verguckt. Ich hab schon mal versucht, in Worte zu fassen, was seine Musik bei mir auslöst, so richtig geschafft hab ich’s nicht. RⱯHM ⚉ Sound ist mein persönlicher depressiver aber trotzdem leicht therapeutischer Rave, der mich immer dann kriegt, wenn ich es am wenigsten erwarte. Passt vor allem im Winter sehr gut.

    Für Jule schreib ich hier jetzt stellvertretend offiziell, dass sich untoldency in Mayberg verliebt hat und wir gerne alles präsentieren wollen, was der süße Singer Songwriter aus Kassel hervorzaubern wird.

     
    2021 – ein Jahr voller Empowerment

    Ihr merkt schon, das Grund-Thema 2021 scheint die Liebe zur Musik und zur Entdeckung von Künstler:innen zu sein. Der Rest des Jahres hat sich so halb-diabolisch dahingezogen, doch Musik hat vieles gerettet. Sie hat gesellschaftliche Diskussionen aufgegriffen und weiter angeheizt. Im Februar hab ich meinen Spotify-Algorithmus durchbrochen und mich gezielt mit mehr Musik von BPoC-Künstler:innen auseinander gesetzt (hier zu hören). In dem Zuge gefunden habe ich u.a. Berwyn. Mit seiner erschlagenden Ehrlichkeit in Songs wie I’D RATHER DIE THAN BE DEPORTED hat er mich auf mein eigenes priviligiert geprägtes Verständnis von Schmerz hingewiesen. Es ist so wichtig, sich selbst weiterzubilden und den Leuten zuzuhören, die unter den Strukturen leiden.

    Das gilt auch für das aktivere Unterstützen und Fordern der Frauenquote im Indie. Im Punk. Pop. Soul. Überall. Die gesamte Untoldency Redaktion ist sich einig: wir brauchen mehr Frauen in 2022. Falls ihr das auch so seht, findet ihr in unserer women rising up Playlist ein paar wertvolle musikalische Anstöße. Für einen full-circle Moment im R’n’B-Soul empfehlen wir die Pip Millet Diskografie, das neue Joy Crookes Album und alles, was Jorja Smith je gemacht hat.

    Und weil’s wirklich mehr als gut passt:

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    2021 – ein Jahr ohne Konzerte

    Das stimmt natürlich nur in Maßen. Viele von euch haben auf Open Air Konzerten und der handvoll Clubkonzerte die eigenen Lieblingskünstler:innen auf der Bühne sehen können. Ein richtiges „Konzert-Jahr“ war es aber bei Weitem nicht. Von meinen drei Konzertmomenten war das der australischen Band Tora wahrscheinlich das beste. Ja, Sam Fender in einer 700 Kapazität zu erwischen bevor er in die große Max-Schmeling huscht, war auch sehr besonders, aber es war auch sehr bedrängend voll. Tora im Prince Charles hingegen war befreiend locker, und hatte eine Live-Energie, an die ich mich nur noch ganz entfernt erinnern konnte.

    Wenn ihr euch entscheidet müsstet, für wen schlägt euer Teenie-Herz mehr – Jeremias oder Provinz?

    Mein Teenieherz entscheidet sich für Twenty One Pilots. True ones wissen, warum. Mein Teenieherz schlägt aber auch immer noch für Casper. TNT feat. TUA hat mich immer wieder in die hochemotionale Casper‑Phase zurückgeworfen, die wir vor zehn Jahren alle hatten. Hat die neue Ära für euch aber auch diesen leicht bitteren Nebengeschmack, der sich in folgender Frage ausdrücken lässt: Ist Casper kein Indie mehr? Alles, was ich sehe, ist ein Promowahn, der versucht zu rechtfertigen, warum man eine Vinyl zum Album in 7 verschiedenen Farben gestaffelt verkaufen muss. Willkommen im Mainstream-Musikbusiness, in dem die Verkaufszahlen einfach stimmen müssen. Naja. Wem mach ich was vor, wir sehen uns trotzdem auf den Clubshows in Berlin und Hamburg. Ich hoffe, ihr seid mit mir gealtert und ich muss nicht alleine den Teeangerschweiß der 14-18-Jährigen einatmen.

     
    Comeback des Jahres..

    *inserts Abba Album*

    ..und weitere random Preise

    Das größte virale Wunderwerk geht an Måneskin, die meisten Gefühle an Novaa, der fetzigste Valentinssong an Pabst und Kiss Me und Danger Dan gewinnt für uns alle vor Gericht. Die vielleicht größten Tragödien des Jahres (musikalisch gesehen) gehen an die Bandauflösungen von Daft Punk (Matilda hat stellvertretend für uns alle getrauert) und FIBEL (Tränen flossen auch hier).

    Wet Leg hat den englischen Staffelstabs von Arlo Parks aufgenommen, Glass Animals sind endlich auch für einen Grammy nominiert und The Wombats haben es irgendwie geschafft mir mit Method to the Madness durch ne Trennung Mitte des Jahres zu helfen. Shirin David krempelt gerade den Deutschrap auf, Trille ruft „mehr Geigen!“ und Drangsal kriegt jetzt schon (ungelesen) unseren Kritiker-Preis für sein Buch „Doch“ – allein nur des Titels wegen.

    Adele ist das Comeback des Jahres.

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    Weitere Alben, die dieses Jahr rauskamen und fantastisch gut waren:

    Ganz viel Liebe im Allgemeinen geht raus an IDER, Alli Neumann, girl in red, Antje Schomaker und die Live-Version von What I Know Is All Quicksand von den Giant Rooks. Oder wie ich diese unvollständige Liste nenne: Female Empowerment 2021 und die schönste Live-Version eines Songs, die dieses Jahr rauskam.

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    2021 –  das wars?

    Wer sich bis hier hat (hoffentlich) entertainen lassen, bekommt noch einen extra Tipp für 2022 in die Hand: das neue Album von Alt-J. Wir verlorenen Indie-Babes können im Februar endlich wieder unsere Lieblings-Kuscheldecke rausholen und das musikalische Genie der drei Briten uns über unsere Ohren zergehen lassen, denn es wird gut. Freut euch drauf.

    An dieser Stelle vielleicht auch eine schöne Abschlussanekdote: Oehl haben das hier zu ihrer „umfangreichste, witzigste und schönste“ Review zu ihrer Platte gekürt und dafür möchte ich mich in Form von Schwärmereien bedanken. Ist irgendwie anders, wenn die Leute, über deren Musik man schreibt, sich dieselben Worte durchlesen, die ich ins Internet tippe <3

    Ansonsten – 2021 war a lot, es hat sich viel verändert (ich hab jetzt einen coolen Job 👉🏼👈🏼), dieses Magazin ist 1 Jahr alt geworden und ich hab überdurchschnittlich viele liebe Menschen kennengelernt. Aber auch: ein Jahr Pandemie mehr auf dem Rücken, das in 2019 verlorene Gefühl für Zeit und die gescheiterte Beziehung mit einer Person, die mir immer noch unfassbar viel bedeutet. Diese Dinge haben mich durch mein 2021 begleitet, während folgende Songs durch sowohl mein als auch euer Leben flogen:

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  • Eigentlich wollte Lukas (26) nur ein Top-10 Ranking machen. Doch was dann geschah, ist einfach unglaubl…

    Eigentlich wollte Lukas (26) nur ein Top-10 Ranking machen. Doch was dann geschah, ist einfach unglaubl…

    Ich gebe zu, ich tue mich sehr schwer mit Jahresrückblicken. Das liegt vermutlich daran, dass mein Gedächtnis einem spaghetti strainer gleicht und ich schon Probleme habe, mir ne normale Einkaufsliste zu merken. Oder deinen Geburtstag. Außerdem schlafe ich quasi keine Nacht mehr durch und frage mich stattdessen, in welcher Reihenfolge ich meine Lieblingsalben dieses Jahr bloß anordnen soll? Ich terrorisiere mittlerweile schon mein komplettes Umfeld mit diesen Überlegungen. Die gesamte Redaktion habe ich mehrfach genötigt, endlich ihre Top-10 Listen rauszurücken. Nur damit ich abgucken kann. Ich habe das Gefühl, die Auslastung meines Hirns ist zum ersten Mal in 2021 auf 101% overload.

    Allgemein möchte ich schon mal ganz am Anfang loswerden, dass ich das Jahr sehr viel besser fand, als das dämliche 2020. Na klar, auch dieses Jahr hatte uns das Virus fest im Griff. Aber im Gegensatz zum letzten Jahr, keimte wieder etwas Hoffnung in mir auf. Irgendwie fühlt sich 2021 für mich an wie eine frisch aufgeräumte Wohnung. Allerdings hast du halt nicht selbst aufgeräumt, sondern irgendein völlig übermotivierter Hans-Gerd, früh morgens nach der Houseparty. Deshalb ist vielleicht noch nicht alles wieder so ganz an seinem Platz.
    Aber ich bin auch ganz ehrlich mittlerweile einfach an einem Punkt, an dem ich nur noch das Positive sehen möchte. Das Jahr war toll! War’s echt!!!1!!11!

    Herzklopfen und Rausch

    Zum Beispiel habe ich noch nie mehr Musik gehört, als in diesem Jahr. Ich glaube ich habe sogar meine eigenen Rekorde aus verschmockten Teenagerzeiten gebrochen. Und da musste ich die AA-Batterie meines Mp3-Players zeitweise täglich wechseln! Natürlich habe ich diese Tatsache hauptsächlich untoldency zu verdanken. Jahresrückblick bedeutet für mich nämlich auch auf ein (1) Jahr Musikjournalismus im süßesten und diversesten Profi-Blog der WELT zu schauen. Durch diese glückliche Fügung unseres Zusammenfindens, habe ich so viele talentierte Künstler:innen kennenlernen dürfen, das hätte mein kümmerlicher Spotify Mix der Woche mit seinen dünnen Ärmchen sicherlich niemals gestemmt. Durch untoldency kann ich endlich über all das schreiben. Schreiben, wenn im Sommer alle meine Freunde im Biergarten sitzen. Oder sich im Winter in meiner eigenen Küche ohne mich mit Glühwein betrinken. DANKE EY! haha

    Um ein paar absolut heiße Interpret:innen Geheimtipps aus diesem Jahr bin ich natürlich nie verlegen: da wäre zum Beispiel Pink Lint, der ein tolles Anti-Folk-Avantgarde Album veröffentlicht hat; das Indiekollektiv die neue leichtigkeit mit einem jetzt schon legendären Split-Release auf Vinyl; die Band Micro Circus mit ihrem düsteren Synth-Rocksound, der so viel größer klingt als ich erwartet hatte; und natürlich Botticelli Baby mit DER Jazzplatte für Nicht-Jazzer (wie mich). Das alles (und noch viel meeehr) nur durch die tollen Agenturen und das ziemlich familiäre Promonetzwerk. Tja, ich wette ihr habt es kaum bemerkt, aber da sind wir dann auch schon voll im Rückblickmodus!

    Wenn ich Musik höre, möchte ich, dass da war passiert in meinem Kopf. Ich möchte eine schäumende chemische Reaktion. Kleine Explosionen. Herzklopfen. Rausch! Ich liebe wirklich nichts mehr, als akustisch etwas Neues zu erfahren und meine Nerven von Songs so lange kitzeln zu lassen, bis ich ein bisschen Pipi… naaaaaah, lassen wir das.
    Jedenfalls müsst ihr über mich wissen, dass mir absurde Musik und alles, was erstmal komisch klingt, ziemlich sicher gefällt. Mein Faible! Gleichzeitig bin ich aber auch einfach eine ziemlich basic person. Ich liebe Popmusik und alles, was ich schnell mitsingen kann. Wer diese beiden Welten miteinander verbinden kann, hat mich.

    Das UK-Post-Punk-Revival und ich

    Ein Genre, das vor einiger Zeit ganz stürmisch die Tür zu meinem Herzen eingetreten hat, ist POST-PUNK. Und 2021 war definitiv ein Jahr im Sternzeichen Post-Punk! Man kann wohl sagen, dass vor allem das UK-Post-Punk-Revival in die zweite Runde ging. Es gab so viele Veröffentlichungen, dass ich zeitweise den Überblick fast verloren habe und jede Band irgendwie gleich klang lol. Naja, eine gewisse Ähnlichkeit weisen diese Bands halt auch immer auf: 4-5 englische Jungs (meistens) mit Segelohren in absolut feschen Klamotten (als hätte man einen HUMANA-Container gesprengt), viel viel Gitarrenkrach und ein wütender, oberkörperfreier Frontmann, der uns seine schlechte Laune ins Gesicht spuckt. Ich weiß auch nicht warum, aber manchmal lasse ich mich irgendwie echt gerne VOLLE KANNE von Millenials mit britischem Akzent anschreien.

    Den Anfang machten dieses Jahr shame mit ihrer Platte „Drunk Tank Pink“, das nach unfassbar vielen Live Shows der Band nun ihr zweites und (imho) bisher bestes Album ist. Auch die Idles legten vor kurzem erst mit „Crawler“ nach, wobei mir da im Vergleich zum Vorgänger die politische Schlagkraft und die typische Kaltschnäuzigkeit etwas abhanden gekommen scheint. Bemerkenswert für mich waren dagegen definitiv Squid mit ihrem Debüt „Bright Green Field“, das noch etwas raffinierter und dringlicher wirkt, als die anderen Alben dieser Kategorie. Natürlich haftet auch diesem Genre eine weiße, männliche Note an. Allerdings gab es dieses Jahr Hoffungsträger mit weiblichen Protagonistinnen. Zum einen wären da z.B. Dry Cleaning mit der gefeierten Platte „New Long Leg“. Die charismatische Sängerin Florence Shaw lernte ihre Band bei einem Karaokeabend kennen und hatte— ohne Scheiß jetzt — bis dato noch nie vorher gesungen. Gut, genau genommen singt sie jetzt eigentlich immer noch nicht.

    Zum anderen ist da ein ganz heller Stern am Post-Punk-Himmel aufgegangen. Dieser trägt den Namen Wet Leg und weist uns hoffentlich den Weg zur Krippe (wow). Das Frontfrauenduo von der Isle of Wight hat allein mit seiner Single „Chaise Lounge“ den Olymp quasi schon bestiegen und letztes Jahr so ziemlich überall live gespielt, wo ging, inklusive US-Tour. Ich sags mal so, das Album kommt nächstes Jahr und wird ziemlich sicher alles abreißen. Da freu ich mich drauf.

    Nerven schreddern mit Black Midi <3

    Dabei sollte es aber nicht bleiben, denn auch Black Midi (mittlerweile wohl LEGENDENSTATUS) hat ihr heißersehntes, zweites Album „Cavalcade“ veröffentlicht. Darauf hatte ich tatsächlich sehr hingefiebert, weil mir das erste Album „Schlagenheim“ Augen, Ohren und die sämtlichen anderen Sinnesorgane geöffnet hat. Ich würde sogar behaupten, Black Midi ist der Grund, warum es Rockmusik überhaupt noch geben sollte. Tatsächlich haben sie sich auf dem neuen Album etwas vom ursprünglichen Post-Punk entfernt und ihren ganz eigenen, naja, keine Ahnung was genau, erschaffen. Ein wilder Mix aus Noise, Jazz und steilen Gitarrenwänden. Ihr sagt Krach. Ich sage Avantgarde. Mich fasziniert dieses Album nach wie vor. Meistens darf ich es nur alleine hören, weil (fast) alle meine Freunde in Knoblauchöl getränkte Cruzifixe nach mir werfen und anfangen zu fauchen, wenn ich es in einer gemütlichen Runde mal wieder auflegen möchte. Naja! Es ist eben speziell. Give it a turn tho!

    Kommen wir zu meinen absoluten Highlights aus 2021. Ich habe erst beim Schreiben dieses Textes gemerkt, dass ich meine drei Lieblingsreleases dieses Jahr auch tatsächlich live erleben konnte. Das bestärkt mich natürlich nochmal mehr in meiner Entscheidung, den folgenden drei Bands die Krone aufzusetzen:

    Highlight 1: International Music und der „Ententraum“

    Ein (erneut) epochales Werk, ihr könnt es mir glauben. Ich bin in eine Band verliebt und diese Band heißt International Music. Dieser klangvolle Bandname verrät schon sehr viel über den Humor, allerdings recht wenig über die Musik dieses Trios. Für mich klingt diese Band irgendwie immer nach Birkenstocksandalen, 80er Jahre Elektronik (Made in Germany) und Maggi. Das verrät zugegebenermaßen noch weniger über die Musik der Band. I know. Mit „Ententraum“ bescherten sie uns jedenfalls meiner Meinung nach einen Geniestreich. Deutschsprachige Texte im endlos weiten Raum, die X-Achse heißt ULKIG und die Y-Achse PSYCHEDELISCH. Der Krautrock wurde wieder ausgebuddelt und mundzumundbeatmet. Und er lebt, Leute, ER LEBT!

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    International Music live @Zitadelle Mainz

    Ich bin schon fast in Ohnmacht gefallen, als Anfang des Jahres ihr Auftritt beim ESNS-Festival gestreamt wurde (Live-Konzerte waren zu dem Zeitpunkt undenkbar) und dort der Song „Museum“ zum ersten Mal live zu hören war. Ein gelungener Vorgeschmack und damals wusste ich schon: das Album muss großartig werden. Und es ward großartig! Im Sommer durfte ich International Music dann tatsächlich mal wieder richtig live erleben, Open Air, Zitadelle Mainz. Es waren vielleicht 200 Sitzplätze, es gab ästhetische Drinks und trotz des großen Geländes und der strengen Coronaregeln, kam eine richtig intime Stimmung auf. Wieder einmal hat mich diese Band gelehrt, dass nicht alles immer perfekt sein muss. Charme auf der Bühne ist eben der Gamechanger. Und halt krasse Songs. Das war das erste Konzert seit Beginn der Pandemie für mich. Das erste Mal wieder Bassdrum in der Magengrube spüren. Das erste Mal Glück dieses Jahr.

    Highlight 2: ZOUJ und sein „Tagat Mixtape“

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    Zouj live @Schalander, Kusel

    Durch Zufall bin ich auf das experimentelle Projekt Zouj von Tausendsassa und Wahl-Leipziger Adam Lenox gestoßen. Als Zouj hat eben jener im Sommer das Mixtape „Tagat“ zum Besten gegeben. Und ja, es ist tatsächlich auch als Tape erschienen! Die Vielfalt an Sounds, seien sie durch schrankwandgroße Synthesizer generiert oder einfach mit einem Handy aufgenommen, ist überwältigend. Es gibt am laufenden Band Überraschungen in seiner Musik. Hier eine Transition, da eine Pause. Irgendwo im Hintergrund abgelenkt von einem Endlosecho, und die 808-Kick boxt dir in die Leber. Ich habe sowas noch nie vorher gehört.

    Eine meiner schönsten Erfahrungen war dann die Liveperformance dieses Ausnahmekünstlers. Die Umstände waren strange. Mein bester Freund und ich sind für dieses Konzert über eine Stunde in die komplette Walachei gegurkt. Es hat so krass geregnet, dass der Scheibenwischer fast seine Karriere an den Nagel hängen musste. Das klitzekleine Dorf namens Kusel, kurz vor Kaiserslautern, beheimatet genau einen (1) Liveclub. In einem alten, maroden Kino spielen rund ums Jahr tatsächlich internationale Indie- und Punkbands. Und ganz ehrlich, bei dem Booking dort bekommen so manche Großstadtschuppen wässrige Münder. Allerdings machte dieses ganze Szenario zugegeben auch genau den Eindruck, den wir uns kaum trauten, laut auszusprechen: wo zur Hölle sind wir hier? Trotz aller eitlen Vorurteile wurden wir mit einer heftigen (aber zu kurzen!) Show von Zouj belohnt und mischten uns unter die ca. 30 glücklichen Dorfbewohner mit exzellentem Musikgeschmack.

    Highlight 3: Black Country, New Road und ihr Debüt „For the first time“

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    BCNR beim Signieren @Rotondes Luxemburg

    Ja, das habe ich mir zum Schluss aufgespart. Ich sage schon so circa seit der Veröffentlichung des Albums im Februar, dass es das Album des Jahres wird. Und dabei bleibe ich jetzt auch. Black Country, New Road — das sind sieben Musiker:innen aus London, die alle exakt so aussehen, wie die Charaktere aus dem English G 2000 Schulbuch. Der musikalische Mix aus Post-Rock, Jazz, Folk und Punk lässt für mich einfach keine Wünsche mehr offen. Die Texte des Sängers Isaac Wood sind das hässliche Spiegelbild seiner Generation, sie betören und verstören zugleich. Übrigens stammt der Name Black Country, New Road aus einem Zufallsgenerator und das komplette Artwork besteht aus stock photos. Hier wurde für mich alles richtig gemacht. That’s my vibe.

    Auch live hat mich dieses „Miniorchester“ sehr überzeugt. Ich konnte sie, noch kurz vor allen Konzertabsagen, in Luxemburg sehen. Es gab keine Show, es gab nicht mal ein Hallo, geschweige denn Ansagen zwischen den Songs. Das ist aber eben alles Firlefanz, den diese Band nicht braucht. Dicht an dicht standen wir mit offenen Mündern, die wir nur zumachten, um uns beim Pogo nicht die Zunge abzubeißen. Ich habe sogar ein Tourplakat signiert bekommen. Drummer Charlie Wayne schrieb: „ahhhhhhhh“, Isaac Wood unterschrieb mit „Signature“.

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    Mein signiertes Tourplakat

    Tja und während ich hier noch sitze und schreibe, erreicht mich die Nachricht, dass auch für Geimpfte und Genesene das gesellschaftliche Leben bald wieder sehr kurzgestutzt wird. Da bin ich doch wirklich dankbar, dass uns 2021 zumindest zeitweise wieder sehr viel Spaß und Lebenslust in Form von Konzerten und Parties bieten konnte. Für die langweiligen Abende Zuhause, empfehle ich euch zukünftig noch eines meiner liebsten Lockdown-Hobbies: TIE DYE! Für die, die es nicht kennen: Das ist wie Batiken, nur andersrum. Ihr braucht dafür nur eine kleine Wanne, Chlorbleiche, Handschuhe, Maske, eine Sprühflasche und ein paar Gummibänder. Passt nur auf, dass ihr beim Kauf nicht von den Cops beobachtet werdet. Sieht bisschen komisch aus im Einkaufswagen…

    Zum Schluss möchte ich euch noch ein wenig belohnen. Ich habe ja zu Anfang schon geteasert, dass ich echt lang an meiner TOP-10 Alben des Jahres rumgedoktert habe. Nun möchte ich sie euch präsentieren! Einige Namen habt ihr bereits oben im Text gelesen. Falls ihr nur schnell gescrollt habt, um bei meiner TOP-10 abzugucken: Das ist ok für mich. Ihr seid ja schließlich auch auf den clickbait reingefallen.
    Viel Spaß!

    Ich habe gelogen, es ist eine TOP-11, sorry.

    1. Arlo Parks – Collapsed in Sunbeams
      (verrückt, dass diese Platte nur auf die 11 kommt. Grandioses Soulalbum mit 90s Trip-Hop Einflüssen und extrem wichtigen, queeren Lyrics)
    2. Japanese Breakfast – Jubilee
      (die stärkste Weiterentwicklung im musikalischen Sinne für mich. Michelle Zauner ist eine bemerkenswerte Frau, jede:r sollte sie kennen.)
    3. Squid – Bright Green Field
      (diese steigende, irgendwie unangenehme Spannung in „Narrator“… Gänsehaut)
    4. Faye Webster – I know I’m funny haha
      (country-ish, folk-ish, also eigentlich so gar nicht mein Fall. Sie schafft es aber, diese altbackenen Genres irgendwie wieder knusprig zu machen. Übrigens auch mega Musikvideos!)
    5. Black Midi – Cavalcade
      (WARUM haben alle Bands jetzt wieder ein Saxophon im Kader?!?)
    6. Audiobooks – Astro Tough
      (keine Ahnung WAS das ist, aber ist krass. Electropunk trifft Artrock, dazu female spoken word von Künstlerin und Model Evangeline Ling. David Wrenchs neuestes Meisterwerk)
    7. Theon Cross – Intra-I
      (der britische Jazztubist zieht alle Register, ob Hip Hop, Dub oder RnB. Dazu holt er alles aus seiner Tuba raus. Sehr coole Features. Ein akustisches Erlebnis!)
    8. Dijon – Absolutely
      (Frank Ocean meets Bon Iver meets James Blake… RnB wie ich ihn sehr, sehr gerne habe. Wären da nicht diese drei heißen Feger auf den ersten Plätzen, „Absolutely“ hätte Chancen gehabt)
    9. International Music – Ententraum
      („Museum“, „Zucker“ und „Raus aus’m Zoo“ sind meine Lieblinge! Unbedingt anspielen)
    10. Zouj – Tagat
      (hier solltet ihr alles hören und, ganz wichtig, die krassen 3D-Animationen gucken!)
    11. Black Country, New Road – For the first time
      (Slint und Talk Talk geben sich die Hand und schauen sich ganz tief in die Augen. Was dann passiert, ist einfach unglaubl….
      Ganz groß. Mehr kann eine Rockband nicht leisten)

    Und damit sage ich VIELEN DANK an euch alle. Für’s Lesen, Geheimtipps austauschen, Anhören, Streiten. Wir lesen nächstes Jahr voneinander. Frohes Fest!
    Hier habe ich euch noch eine Playlist mit meinen Hits des Jahres gemacht:

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  • Evelin und die emotionale Fahrt in die Sehnsucht

    Evelin und die emotionale Fahrt in die Sehnsucht

    Ich muss ehrlich sein, als ich so an meinen Jahresrückblick gedacht habe und worüber ich schreiben möchte, war ich massiv überfordert. Ich habe das ganze Jahr so viel Musik gehört, um genau zu sein 80.586 Minuten laut Spotify, da sind fast 2 Monate durchgehend. Aber was ist eigentlich hängengeblieben?

    Mein Goldfischgedächtnis konnte mir da nicht so wirklich weiterhelfen. Mein Spotify Wrapped schon eher. Bevor ich dazu komme… Shoutout an mein How Bad Is Your Streaming Music? Roundup. Wenn jemand weiß, was mir das sagen soll, hit me up.

    Jedenfalls habe ich dieses Jahr sehr viel neue Musik gehört, deshalb die Verwirrung. Ich habe auch kurz eine Ausfahrt Richtung K-Pop gemacht, bin dann aber auch schon wieder auf der Indie-Schnellstraße gelandet. Deshalb dachte ich mir, leite ich euch einfach durch die Songs durch, die ich in bestimmten Situationen und Gefühlslagen rauf und runter gehört habe. Eine Reise durch Sehnsuchtsgefühle, Flucht und Loslassen. Neuentdeckungen, meine persönlichen Dauerbrenner, es ist alles dabei. So, here we go!



    Ich, wie ich auf den verregneten Asphalt starre

    Lasst uns die Lieder, die das wohl unangenehmste Gefühl auslösen, gleich hinter uns bringen: die Depri-Songs… Lieben wir es nicht alle, ab und an in ein wenig Selbstmitleid zu planschen? Ich jedenfalls zu oft, obwohl das wahrscheinlich mehr Selbstsabotage als Wohlsein fördert.

    Gerade als ich den Text hier so schreibe, höre ich durch meine selbst zusammengestellte Jahresrückblick Playlist und der erste Song der spielt ist Long Way Off von Sam Fender. Ich bin mir zu 100 % sicher, dass ich von diesem Intro nie gelangweilt sein werde, egal wie oft ich es auch höre. Obwohl das Album Seventeen Going Under nicht allzu lang her erschienen ist, hab ich diesen Song so oft gespielt, dass es fürs ganze Jahr reicht, um in meinem Spotify Wrapped seinen festen Platz zu bekommen.

    Zwar keine Neuentdeckung dieses Jahres, aber genauso geht es mir mit Schmyt und Poseidon. Der mit Abstand geilste Schmyt-Song für mich. Er schafft es, eine ganze Welt mithilfe von gelungenen Metaphern und der im wahrsten Sinne des Wortes tiefen Melodie zu schaffen. Die Thematik des Songs wiegt sehr schwer und trotzdem kann man sich nur darin verlieben. Und in diesem Sinne darf ich hier auf keinen Fall die tolle Novaa vergessen. Mit ihrem Talent, schwermütige Themen mit ihrer sanften Stimme, so wunderschön wie keiner es kann, zu verpacken, hat sie sich dieses Jahr schnell einen Platz bei meinen Lieblings-Künstler:innen gesichert. An dieser Stelle: Hört euch bitte This Ain’t Your Home an. Ein unfassbar wichtiger Song und wie schön ist bitte dieses Artwork?!

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    In dieser Auswahl finden sich die meisten Schätze, die ich dieses Jahr neu entdeckt habe: u. a. School of X mit seiner unverkennbaren Stimme,. Tilman, die Newcomer-Band aus der Nähe meiner Heimat mit den poetischen Texten. NIGHT FLIGHT mit ihrer subtilen Mystik und viele mehr.


    Ich, wie die Sonne meinen aus dem Auto gestreckten Arm streicht 

    Mit Sicherheit möchten die meisten von uns aus der momentanen Situation entfliehen. Da wünsche ich mir, dass Paralleluniversen tatsächlich existieren. Oder wenn sie das tun, dann möchte ich bitte ein Reiseticket reservieren. In der Zwischenzeit habe ich hier ein paar Songs für euch, die eure Reiselust noch schlimmer machen. Ich entschuldige mich hiermit für alle Frustration und Sehnsucht, die ich damit erwecke. Aber es sind nun mal richtig gute Songs 😀

    Für Ben Howard habe ich schon immer viel Liebe übrig, aber das diesjährige Album Collections From The Whiteout hat mich wirklich begeistert. Meine Liebeserklärung bekommt ihr hier nochmal zu lesen. Aber besonders hat es mir Rookery angetan. So leicht und beflügelt der Song klingt, kann man nur dahinschmelzen. Wenn’s doch etwas mehr Energie sein soll, rate ich euch ganz stark an, The Pressure von VARLEY in eure Roadtrip Playlist aufzunehmen. Obwohl jeder andere Song von der Band aus Berlin da auch perfekt reinpasst.

    Zu meiner größten Neuentdeckung dieses Jahr: Die russische Band Увула. So gut wie jeder Song begeistert mich hier, aber für einen lauen Sommerabend mit einer guten Menge Wein und hurbeligen Gewippe ist Увидел другой der perfekte Soundtrack. Shoutout geht an Dascha raus, durch die ich die zweite Hälfte des Jahres Russian New Wave für mich entdeckt habe. Nicht nur musikalisch geil, sondern auch für mein mehr als eingefrorenes Russisch. Mama wäre stolz 😀

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    Ich wie ich meinem Teenager-Ich nach London folge

    Dieser emotionale Abschnitt schließt direkt weiter an die Reisesehnsucht an. Hier steht eine Band ganz besonders im Mittelpunkt. Nämlich ISLAND. Die britische Band kann seit diesem Jahr mein Herz voll und ganz ihr Eigen nennen. Ich habe schon in meinem Interview mit den Jungs von meiner Liebe zur Musik geschwärmt. Deshalb halte ich mich hier mal zurück und rate euch an, einfach mal durch die komplette Diskografie zu hören. Meine Jahresrückblicks-Playlist könnte auch nur aus ISLAND (und FIBEL) bestehen, aber hier ein paar meiner Favourites: God Forgive, All in My Head, The Day I Die und Try. Als offizieller Ambassador der Band (I wish lol): hört euch die Songs an, ihr werdet es sicher nicht bereuen. Trust me. Zwei weitere Favourites aus der UK, die dasselbe Gefühl in mir wecken, sind die Newcomer FLOWVERS und die immer bezaubernd bleibenden Her’s.


    Ich, wie meine Nachbarn sich über meine Solo-Tanzabende beschweren

    Wer dank TikTok seine Zubettgehzeit immer weiter nach hinten verlagert, dem wird der folgende Song wahrscheinlich bei jedem 3. Video entgegen gekommen sein. Wie oft ich schon zu Cloud 9 von Beach Bunny in meiner Küche wild herumgesprungen bin, kann ich schon gar nicht mehr zählen. Geht aber ja auch nirgends anders gerade 🙁 Als nächstes auf meiner Solo-Kochparty läuft talk to me von der Newcomer-Band UMBER aus Ravensburg. Während ich sehnsüchtig auf mehr von den Jungs warte, nerve ich halt mit diesem Song meine Nachbarn mit meinem Gehüpfe. “Noch eine Newcomerin!” – Kommt sofort! IUMA hab ich durch das c/o pop dieses Jahr entdeckt. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es nur drei veröffentlichte Songs, die aber alle Ohrwurm-Potenzial haben. Spiel war bei mir das Jahr über auf Repeat. Ein voll und ganz gelungener runder tanzbarer Banger.

    Mehr Songs zum Abdancen oder trancigen Abdriften, über die es bereits in anderen Artikeln von mir viel zu lesen gab, aber die immer noch übertrieben geil sind: cbb to be sad von IDER, You’re The One von LAUREL und Burning Hour von Jadu Heart.


    Ich, wie ich meiner Post-Hardcore Zeit nachsehe

    Es überrascht mich selbst, aber ich wurde als gequälter Teenager vom Post-Hardcore verschluckt and I regret every single second of it. Na ja, vielleicht nicht jede 😀 Ich bin zwar dieses Jahr nicht zu meinen Pseudo-Emo-Roots zurückgekehrt, habe mich aber wenigstens wieder ins Planschbecken getraut. Für die, die ihrer Emo-Mucke aus der Teenager-Zeit einen hochwertigeren Anstrich verpassen wollen, gibt euch auf jeden Fall Cleopatrick und Nobody Wants You von Junodream. Außerdem geballert habe ich Control von Mannequin Pussy, um die Wiener-Party besonders in diesem Bereich mal zu crashen.


    Ich, wie ich bei tropischer Hitze am Strand das Leben genieße
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    Neben all dem tollen Indie, den ich Tag ein Tag aus höre, hab ich auch wahnsinnig viel für R’n’B und Neo-Soul übrig. In meinen Girl Crush Jorja Smith bin ich ja eh schon Jahre verliebt und das Album Be Right Back hat daran auch nichts geändert. Meine Neuentdeckung dieses Jahr war aber die dominikanisch-italienische Sängerin YEИDRY. Gerade als ich Spotify gecheckt habe, merke ich aber, dass ich etwas spät zur Party erschienen bin. Denn die Gute hören schon über zwei Millionen Menschen.



    Ich, wie ich versuche, cooler zu sein als ich es tatsächlich bin

    Wenn ich mich mal richtig edgy fühlen will, hör ich mir neben Russian New Wave eine meiner deutschen Lieblingsbands an: FIBEL (eine Träne fällt oder auch 27). Die ganze Avatar EP ist eine Eins plus mit Sternchen. Aber der Song, der bei mir in Dauerschleife lief, war wohl Zukunft. Dieselben Badass-Vibes gibt mir die Schweizer-Newcomerin LEILA mit Gun To My Head und Verifiziert mit Butterflies.


    Ich, wie ich mich auf der nächsten Hausparty blamiere

    In dem Bereich gab’s ja dieses Jahr nicht so viel Action, deshalb hier meine Ode an weirde Hauspartys, die so ausarten, dass man ¾ der Personen nicht kennt und keiner so genau weiß, was er hier eigentlich macht. Dance in Room Song von Sipper hat das Konzept voll und ganz verstanden. Zu Blade Runner von einer meiner Lieblings-Neuentdeckungen Supergold irre ich dann durch die Gänge des mir fremden Hauses und suche panisch meine Freund:innen, weil ich zu socially awkward bin und lieber bedröppelt an meinen Drink schlürfe als zu socializen. Sobald der Aperol dann aber kickt, mache ich meine Augen zu und lass zu когда? von источник komplett los.


    So viel zu meiner chaotischen emotionalen Reise in 2021. Natürlich gibt es da noch mehr, wo das herkommt. Wer meine mentalen Zustände genauso nacherleben will, hört sich meinen untold Jahresrückblick 2021 der Reihenfolge nach an. Und wer kein Fan von Ordnung ist, dann ist die Zufallswiedergabe the way to go 😉

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  • Das Tagebuch einer zwiegespaltenen Indie-Seele: Annas Jahresrückblick

    Das Tagebuch einer zwiegespaltenen Indie-Seele: Annas Jahresrückblick

    Liebes Tagebuch,

    Ich hoffe du nimmst es mir nicht übel, dass ich dir dieses Jahr wieder so wenig geschrieben habe. Das ist nicht wieder aufzuholen. Das ist mir bewusst. Aber ich nehme dich jetzt mal mit auf den Versuch meine wirren Gedanken über das musikalische Jahr 2021 zu sortieren. Denn dieses Jahr ist da so einiges passiert und auch doch wieder nicht. Spoiler alert: Meine deutsche Indie-Rock Seele wurde dieses Jahr so einige Male auf die Probe gestellt. Ich habe nicht nur in den verschiedensten Sprachen gestreamt, sondern auch die Komfort-Zone meiner heißtgeliebten Indie Bubble verlassen und mich durch indonesischen Post Punk, deutschem Hip Hop, russischen New Wave und kitschen Scandi-Pop probiert.

    Ich habe mir unter meinen Freunden mittlerweile den Status des „speziellen aber guten Musikgeschmack’s“ angelacht. Positiv: Ich kann, ohne regelmäßig Hass abzubekommen, über Ed Sheeran, Robin Schulz und Felix Jaehn, oder wie auch immer all diese Platzhüter:innen der deutschen Charts heißen, ablästern. Negativ: Meine Euphorie über die Neuentdeckung einer Indie Band kann ich meist nur mit mir selbst teilen. Lösung des Problems: Ich bin seit Juni Teil des untoldency-Teams mit 18 weiteren Musik-Nerds, die ähnlich nischige Musikvorlieben haben wie ich.

    Ich habe ein Problem und das nennt sich Indie Rock

    Ich beginne mal mit einer Band, die mich seit 2013 treu begleitet: The Neighbourhood. Laut Spotify Wrapped 2021 ist die Band auf Platz 1 meiner meistgehörten Artists. Das hat mich ehrlich gesagt dieses Jahr zum ersten Mal etwas überrascht, weil ich gar nicht das Gefühl hatte, sie dieses Jahr so sehr gesuchtet zu haben wie sonst. Zudem hat die Band dieses Jahr mit „Fallen Star“ nur eine Single veröffentlicht. Aber gut, wahrscheinlich höre ich The Neighbourhood schon unbewusst im Schlaf und brabble die Texte zu „Prey“ oder „Void“ vor mich hin. Das 2015er-Album „Wiped Out“ bleibt auf jeden Fall unangefochten auf meiner Nummer 1 der Komfort-Alben, von denen ich nie genug bekommen kann, was natürlich nicht heißt, dass ich die anderen Alben nicht genauso sehr feiere.

    Unimportant fact on the side: Wusstest ihr, dass Devon Lee Carlson, die Freundin von Jesse, dem Frontsänger von The Neighbourhood, das Styling für Olivia Rodrigo’sgood 4 u“ Video übernommen hat? Jetzt wisst ihr es. Ich bin nicht nur ein großer Fan des Stylings in den Musikvideos von Olivia Rodrigo, sondern auch der Songs. An „sour“ kam wohl dieses Jahr keiner so wirklich vorbei und auch ich wurde von dem Hype heimgesucht. Irgendwie schafft Olivia es, mich wieder in meine Teenie-Jahre zurückzuversetzen, sodass ich die Zeilen „I’m so sick of 17, where’s my fucking teenage dream?“ in „brutal“ fühle als wäre ich selbst 17 (haha, schön wär‘s). Vermutlich sind es die Paramore-Vibes und punkigen Rockelemente, die man ja sonst in den globalen Charts vergeblich sucht, die es mir so angetan haben. Wenn eine 18-jährige also dieses Jahr die Wiedergeburt eines Sounds zwischen Taylor Swift, Paramore und Avril Lavigne angestoßen hat, dann bin ich sehr bereit für alles, was 2022 kommt.

    Selbstverschriebene Frauenquote
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    Das passt sowieso perfekt in meinen Vorsatz die Frauenquote meiner Playlists zu erhöhen. Vor allem im Indie Rock und Post-Punk fehlt mir oft noch die Frauenpower. Sanfte weibliche Stimmen, die zu gefühlvollen Balladen und entspannten Soul-Pop Beats singen fallen mir hingegen direkt ein. Arlo Parks, THALA, Amilli, Lorde und Holly Humberstone sind Künstlerinnen, die mir da sofort in den Sinn kommen. Mir ist dieses Jahr auch erst so richtig bewusst geworden, wie stark meine Playlists durch männliche Indie Bands dominiert sind. In meinen Spotify Top 100 Songs 2021 befinden sich schwache 23 Songs mit weiblichen Stimmen. Meine Forderung an mich selbst lautet also: Mehr Diversity im Spotify-Algorithmus!

    Ein Kategoriensystem zur Klassifizierung meines Musikgeschmacks, weil ich Listen liebe

    Beim Zusammenstellen der Playlist ist mir aufgefallen, dass es bestimmte Kriterien gibt für meine Top Songs 2021, die sich wie ein roter Faden durch die Playlist ziehen. Deswegen liste ich sie hier einmal auf:

    1. Ich muss ihn lauthals mitkreischen können während ich versuche in meinem Zimmer alleine ein Moshpit nachzustellen. Liebe Grüße an meinen Nachbarn im Erdgeschoss!
      Dazu eigenen sich besonders gut „Taximann“ von Schmyt, „Gras“ von Van Holzen und „brutal“ von Olivia Rodrigo

    2. The Lyrics hit differently.
      Texte, die ich zum Beispiel sehr fühle sind „Halt“ von Goldroger, „diditagain“ von THALA und „1119“ von Edwin Rosen

    3. Ich verbinde den Song mit einer bestimmten Situation.
      Schöne Erinnerungen bringen bei mir folgende Songs hervor. „ich mags“ von JEREMIAS teleportiert mich direkt wieder in den Sommer zurück. Ich liege in der Hängematte direkt an einem See in der Nähe von Göteborg. Ich lese ein Buch in der Sonne und ab und zu gehe ich mit Freunden zur Abkühlung im See schwimmen. Das funktioniert ähnlich gut mit „ocean view“ von easy life. Diesmal sitze ich allerdings am Pier in Saltholmen, dem Fährterminal in Göteborg, und warte auf die Fähre zu einer der Schäreninseln außerhalb der Stadt. Ok, zugegebenermaßen klappt es irgendwie mit Sommerszenarien am besten. „Farbiges Licht“ von International Music erinnert mich allerdings sehr an kalte, aber sonnige Wintertage im Februar und die Spiegelung eines warmen Sonnenuntergangs auf dem Meer, das mit kleinen Eisschollen gedeckt ist.

    4. Sehr tanzbare Songs – in a groovy way.
      Da eignet sich eigentlich so ziemlich alles von den Parcels. Vom neuen Album „Day/Night“ ist es besonders „Comingback“ für mich. Mein all time favourite und auch dieses Jahr wieder ganz oben dabei ist „Music Sounds Better With You“ von NEIL FRANCES.

    5. Alles zum Mitfühlen, viben und einfach mal an nichts denken.
      Lost in Thoughts“ von Zimmer90 und „Lovesong“ von Tussilago vertreten diese Kategorie.

    6. Songs, die Nostalgie-Gefühle hervorrufen.
      Bestes Beispiel hierfür ist „Feels Like We Only Go Backwards“ von Tame Impala.

    7. Songs, die sich perfekt zum Sonnenuntergang beobachten eignen. Zur Erklärung: Ich bin ein bisschen obsessed damit jeden Sonnenuntergang zu beobachten und bekomme fomo, wenn ich es einmal nicht schaffe einen guten Sonnenuntergang zu sehen.
      Meine Empfehlung in dieser Kategorie sind „kippers/curtains“ von EASY EASY und „Seeing Red“ von Mac DeMarco. Mein Liebling ist allerdings „Into your arms“ von Giant Rooks. Der Song erinnert mich an eine krasse Nacht in Stockholm, in der ich Sonnenuntergang und -aufgang in der kürzesten Nacht des Jahres beobachtet habe. Und das Ganze in einer Zeitspanne von drei Stunden. „Into your arms“ wirft mich direkt in diesen magischen Moment zurück und würde somit auch in Kategorie 3 passen.
    Heja Sverige!

    Dass ich dieses Jahr in Schweden gewohnt habe, macht sich ebenfalls bemerkbar. Wenn ich letztes Jahr noch dachte, dass die Sprache leicht komisch klingt für deutsche Ohren, habe ich mich dieses Jahr Hals über Kopf in sie verliebt. 24/7 schwedische Indie Musik zu hören hilft dabei enorm. Besonders angetan haben es mir die Bands Mares und bob hund. Letztere haben es sogar in meine CD-Kollektion geschafft mit ihrem Album „Jag rear ut min själ“ aus 1998, was sich in „Ich verkaufe meine Seele“ oder „Meine Seele ist im Angebot“ übersetzen lässt. Einfach ein toller Titel, oder? Die südschwedische Band hat es mir besonders für ihre ehrlichen, rauen und energiegeladenen Songs angetan. Sänger Thomas Öberg scheut nicht davor einfach mal ein paar Zeilen zu kreischen, auszurufen oder was auch immer ihm grad so in den Sinn kommt. Hauptsache es ist vollgepackt mit einer ordentlichen Portion Dramatik. Ich habe selten so authentische Musik gehört.

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    Mehr Informationen
    Deutsche Sprachkunst

    Mein 16-jähriges würde mich wahrscheinlich dafür hassen, denn in meinen Teenie-Jahren habe ich jegliche deutschsprachige Musik verabscheut. Wenn man mich damals gefragt hätte, was ich so höre, hätte ich wahrscheinlich „Hauptsache nichts Deutsches“ geantwortet. Das hat sich zum Glück geändert, denn es gibt so viele verdammt gute deutsche Künstler:innen, die ich sonst verpasst hätte. Vor allem das textliche Genie hinter Goldroger-Songs zieht mich immer wieder aufs Neue in seinen Bann. Die „Diskman Antishock“-Trilogie ist ein bisschen wie eine Schatzkiste, in der ich bei jedem Hören neue Schätze entdecke. Von Harry-Potter Referenzen, Nostalgie-Schwärmereien bis hin zu philosophischen Fragestellungen verpackt in Computerspiel-Referenzen ist – selbst in einem kitschigen Liebeslied geht es bei Goldroger nie alleine um seine Gefühle. Es gibt immer mindestens eine weitere Ebene zu entdecken.

    Neue und alte Liebe

    Wie habe ich es bisher geschafft in den mehr als 1200 Wörtern nicht einmal meinen meistgestreamten Song zu erwähnen? Gute Frage, aber das wird jetzt schnell geändert. Ganze 59 Mal habe ich „Roccastrada“ von Luke Noa gehört. Ehrlich gesagt hört sich das gar nicht viel an, aber das könnte auch der Tatsache geschuldet sein, dass ich seine EP „Bleach“ rauf und runter gehört habe. Luke Noa ist einer meiner liebsten Newcomer:innen Entdeckungen des Jahres. Ich hab eine ungesunde Vorliebe für Künstler:innen, die nur 5 monatliche Hörer:innen auf Spotify haben. Es gibt mir irgendwie einen Adrenalinschub zu wissen, dass ich etwas Neues entdeckt habe. Gut, Luke Noa hat natürlich mittlerweile deutlich mehr Hörer:innen, aber die hat er sich auch deutlich verdient. Weitere Newcomer:innen, die mir sehr ans Herz gewachsen sind, sind Cinema Nova, Sweed, THALA und Zimmer90.

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    Der Release, auf den ich mich, neben dem neuen Lorde und dem Leoniden-Album wohl am meisten gefreut habe, war die EP „Might Delete Later“ von Razz. Die Indie Rocker aus meiner Heimat haben nach 4 Jahren Funkstille mit leicht verändertem Sound wieder einmal mein Herz erobert und werden sich wohl dauerhaft dort einnisten. Meine Review zur EP findet ihr hier. „Complex Happenings Reduced To A Simple Design“ ist definitiv auf Platz 2 wiederzufinden. An dem Album beeindruckt mich besonders die Komplexität an Themen, die die Leoniden einfangen. Zum Release der Single „Blue Hour“ hat Sänger Jakob Amr mich mit seinem Statement zu Depressionen und Panikattacken total mitgenommen. Der Song fühlt sich seitdem noch tausend Mal persönlicher an und bestätigt, was ich auch schon vorher wusste: Die Leoniden sind für mich einer der authentischsten deutschen Indie Bands und einfach tolle Menschen!

    Am Ende ist alles genauso durcheinander wie vorher

    Lustigerweise habe ich am Anfang geschrieben, dass ich versuche meine Gedanken zu ordnen und habe das Gefühl jetzt nur noch ein größeres Wirrwarr in meinem Kopf und auf diesem Bildschirm produziert zu haben. Es gibt einfach zu viele gute Songs und Artists, die mich dieses Jahr begleitet haben, dass es fast unmöglich ist, allen in diesem Beitrag einen fairen Anteil an Platz einzuräumen. Also auch, wenn ich bestimmte Künstler:innen hier jetzt nicht erwähnt habe, möchte ich kurz festhalten, dass ich sie trotzdem genauso lieb habe. So, jetzt reicht’s aber auch. Chapeau an alle, die bis hier hin durchgehalten haben. Es ist Zeit, das Tagebuch wieder bis zum nächsten Jahr zu schließen. Für die volle Dröhnung aller meiner Lieblinge der letzten 12 Monate, geht’s hier zur Playlist:

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    Fotocredit: Anna, Morgan Miller, Niren Mahajan

  • Julia’s Jahresrückblick: Über neu entfachte Liebe und andere Schätze aus 2021

    Julia’s Jahresrückblick: Über neu entfachte Liebe und andere Schätze aus 2021

    Um ehrlich zu sein, weiß ich gar nicht, wo ich überhaupt anfangen soll. 2021 war – a lot. Mein Spotify-Jahresrückblick war zwar alles andere als überraschend für mich, allerdings habe ich mich rückblickend sehr viel Neuem zugewendet. Neben meinen üblichen Hörgewohnheiten zu denen Sam Fender, Elliot Smith, The Smiths, Giant Rooks oder Nada Surf gehören, habe ich vor allem durch Untoldency sehr viel Neues konsumiert. Um mal ein paar Beispiele zu nennen: Novaa, Zimmer90 oder Mar Malade – an dieser Stelle ein Herzchen an meine Team-Kolleg:innen für den erstklassigen Content. 


    Indie-Pop Queens on repeat

    Zugegebenermaßen habe ich bisher kaum weiblichen Künstlerinnen besonders große Aufmerksamkeit geschenkt. Das hatte mit diesem Jahr auf jeden Fall ein Ende. Schock-verliebt bin ich von einem Album ins Nächste gehüpft und ja – dass sah man spätestens in meinem Spotify-Jahresrückblick (girl in red macht da einfach den zweiten Platz?!). Daher kann ich gar nicht anders als zuerst über meine zwei liebsten Künstlerinnen aus diesem Jahr zu schwärmen. Arlo Parks und Holly Humberstone haben 2021 all meine Beachtung bekommen. 


    Arlo Parks – „Eugene“ 

    Im Januar lief das Debut-Album von Arlo Parks Collpased In Sunbeams bei mir rauf und runter. Ein unglaublich gutes Album, über das ich (fast) ein Jahr später immer noch nicht hinweg bin. „Eugene“ war der erste Song, den ich gehört habe und laut Spotify auch mein meistgehörter Song aus diesem Jahr. Arlo verarbeitet im Song ihre Gefühle für eine enge Freundin, für die sie Gefühle entwickelt hat, die allerdings nicht erwidert werden. Für mich ist der Song an Schönheit und Verletzlichkeit einfach nicht zu übertreffen. Im Video passiert szenisch nicht viel. Alles spielt sich in, auf und neben einem Bett ab. Es ist unfassbar passend, weil es visuell alle Emotionen verdeutlicht. Aber seht selbst.  

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    Holly Humberstone – „Scarlett“

    Neben Arlo Parks hat sich auch Holly Humberstone über BBC Introducing in der UK einen Namen gemacht – und das vollkommen zu Recht. Dieses Jahr hat sie ihre zweite EP „The Walls Are Way Too Thin“ veröffentlicht, die mich absolut nicht enttäuscht hat. Bereits letztes Jahr war ich obsessed mit ihrem Song „Overkill“, den ich bis jetzt noch auf Dauerschleife suchte. Möglicherweise muss ich zugeben, dass „Scarlett“ den Song abgelöst hat – zumindest für den Moment. 


    „We go together like bad British weather
    on the one day I made plans.“


    Nun kam vor ein paar Tagen mein Dream-Collab raus: Sam Fender featuring Holly Humberstone mit einer Akustik-Version von „Seventeen Going Under“. Davon mal abgesehen, dass die beiden musikalisch unfassbar gut harmonieren, scheinen sie sich auch noch sehr gut zu verstehen. Sam hat ihr dann persönlich, im Zuge der Performance, die Neuigkeit überbracht, dass sie den 2021 BRITS Rising-Star-Award verliehen bekommen hat. (Worauf sie erstmal mit „fuck off“ antwortete – irgendwie sympathisch.)

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    Eine EP für’s Herz

    Im Mai diesen Jahres veröffentlichte Luke Noa endlich seine erste EP „Bleach. Ich glaube kaum ein Release hat mich dieses Jahr so emotional gemacht, wie diese fünf Songs. Wobei ich sagen muss, dass ich bereits Ende 2020 „Roccastrada“ auf Dauerschleife gehört habe. Zum Glück muss ich mich nicht für einen der Songs entscheiden, dass wäre nämlich unmöglich.

    „Relief“ habe ich sicherlich am meisten von allen gehört und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass mir beim Hören nicht auch ein paar Tränen entflossen sind – eigentlich jedes Mal. Für mich ist es die Mischung aus den melancholischen Texten und Lukes unfassbarer schönen Stimme, welche die Emotionen der Songs ziemlich passend rüberbringt. So passend, dass ich das Gefühl habe, ich hätte selbst ein schmerzendes Herz. Aber genug von traurigen Songs. Auf der EP befinden sich ebenso (neben „Roccastrada“) zwei weitere Banger: „She Looms“ und „Bleach“. Da wären wir wieder bei meiner altbekannten Liebe für Indie-Rock angelangt. Fazit: sehr empfehlenswert. Ich warte bereits auf ein Album.


    Weitere Release-Schätze aus 2021

    So viel zu meinen absoluten Highlights aus diesem Jahr. Allerdings verspüre ich noch das Bedürfnis, ein paar Alben mit euch zu teilen, die dieses Jahr das Licht der Welt erblickt haben. Zu einem handelt es sich um das Debüt-Album von Inhaler „It Won’t Always Be Like This“, sowie das neue The War On Drugs Album „I Don’t Live Here Anymore“ (der Titelsong ist so genial) und girl in red’s Debüt „if i could make it go quiet“ (auch wahnsinnig tolles Album). Das neue Sam Fender-Album befindet sich selbstverständlich ganz oben auf meiner Liste. Rückblickend ein gar nicht mal so schlechtes Jahr, zumindest was die musikalischen Veröffentlichungen angeht. Trotzdem kann ich es nicht mehr abwarten, bis Konzerte wieder zur Normalität werden – live music just hits different.


    Da ich hier aber nicht alles erwähnen kann, habe ich mal eine Playlist mit meinen liebsten Releases aus diesem Jahr erstellt.

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  • Das Dilemma: Matilda und die fünf Phasen einer Trennung

    Das Dilemma: Matilda und die fünf Phasen einer Trennung

    Das Jahr neigt sich dem Ende zu, Weihnachten steht vor der Tür. In einer Zeit, in der alle schon besinnliche Weihnachtslieder hören und sich den Kopf darüber zerbrechen, was sie Ihren Liebsten zu Weihnachten schenken, holt der Spotify Jahresrückblick 2021 alte Gefühle hoch und wirft mich zurück. 


    Das Daft Punk Drama

    Als ich am 1. Dezember meinen Jahresrückblick auf Spotify gesehen habe, war ich wenig überrascht. „Instant Crush“ von Daft Punk war nun das dritte Mal in Folge auf Platz eins meiner Top Songs. „Random Access Memorys“ auf Platz eins meiner Top Alben. Ich denke, ich kann mich outen: Ich bin ein großer Daft Punk Fan. 

    Anfang 2021 habe ich „Random Access Memorys“ als Platte zum Geburtstag bekommen, und ja, ich habe vor Freude geweint. Am 22. Februar 2021 entschied sich Daft Punk dann plötzlich dazu, ihre Trennung bekannt zu geben…WTF? An diesem Tag hat sich nicht nur die Hoffnung auf neue Musik in nichts aufgelöst, sondern auch mein äußerst unrealistischer Traum, das Duo einmal Live zu erleben. Auch wenn ich mir wirklich wünschen würde, dass der Abgang der beiden Legenden Thomas Bangalter und Guy – Manuel Homen – Christo unfair oder wenigstens unspektakulär gewesen wäre, es ist nicht möglich. Nicht mal dieser Wunsch wurde mir erfüllt. 

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    Schweren Herzens musste ich mir eingestehen: Daft Punk und unspektakulär passt einfach nicht zusammen. 07:58 Minuten haben eine Ära beendet. Mit einem Video seinen Abgang zu erklären hat auf jeden Fall Klasse. Zu meiner Enttäuschung: Es war ein verdammt gutes Video. Ganz im Stil vom Musikvideo zu „Veridis Quo“ entfernen sich die beiden Roboter voneinander, bis Thomas Bangalter durch den ausgelösten Selbstzerstörungsmechanismus explodiert (so wie meine Hoffnung). 

    Ob sie damals mit „Veridis Quo“ schon angedeutet haben, dass uns eine Trennung der beiden bevorsteht? Wäre möglich. Ich habe jedenfalls nicht damit gerechnet. Vielleicht ist bei mir am Ende des Videos auch die eine oder andere Träne der Trauer geflossen, als der letzte Part von „Touch“ eingespielt wurde und Guy–Manuel Homem-Christo allein in Richtung Sonnenuntergang geht. An sich kein besonders toller Start ins Jahr 2021, aber eine Trennung öffnet ja bekanntlich neue Türen, oder?

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    (bitte für die Emotionen beim lesen hören)

    Phase 1: Vorübergehendes Trostpflaster

    März 2021: 

    Ich habe natürlich nicht aufgehört unendlich viel Zeit mit Daft Punk zu verbringen. Realisiert hatte ich die Trennung auch noch nicht, deswegen war ich verzweifelt auf der Suche nach einer Band oder Künstler*innen, die ähnlich klingen und vor allem noch aktiv sind. Nach langer Suche hatte ich leider niemanden gefunden, der die entstandene Lücke in meinem Herzen füllen konnte.

    Sebastian Tellier, the look, song

    Schon beinahe aufgegeben, rettete das gute alte Spotify Radio meine Hoffnung. So stieß ich auf die Musik von Sébastian Tellier, ein meiner Meinung nach sehr guter Künstler, der großartige Musik schreibt. Dreimal könnt ihr jetzt raten wo er herkommt – richtig, aus Frankreich. Keine Ahnung was es ist, aber die Franzosen haben das Musikschreiben einfach verstanden. Der erste Song, den ich von oben genanntem Künstler zu Ohren bekam, war „The Look“. Alleine das Intro gab mir schon absolute Daft Punk Vibes: Synths, Gitarren, die Ähnlichkeit der Stimme zu Paul Williams bei „Touch“ – ich war schockverliebt. Auch so Dinger wie „L’amour et la violence“ oder „Sexual Sportswear“, die man locker mit „Contact“ und „Motherboard“ vergleichen könnte: Einfach geil! 

    Falls Ihr also auch noch in besagtem Daft Punk Loch hängt, Sébastian Tellier ist definitiv ein würdiges Trostpflaster. Natürlich klingt er nicht eins zu eins wie Daft Punk, das wäre schließlich langweilig. Nach einer Trennung sucht man schließlich etwas, dass sich von Altem unterscheidet, aber dennoch ähnliche Züge hat – trifft zu. Auf dem Album „Sexuality“ findet man auch Songs, die in eine ganz andere Richtung gehen. Beispielweise „Divine“  könnte man vom Synth Vibe im Intro mit „Melancholy Hill“ von den Gorillaz vergleichen. Ich sagte ja: Ein würdiges Trostpflaster! 


    Phase 2: Where is my Mind?

    Juni 2021: 

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    (auch hier, einmal zum untermalen des geschriebenen hören)

    Der Juni war gefüllt von sehr viel Klassik Rock. Wie hätte es denn auch anders sein können, ich war schließlich in der Wut-Phase angekommen.

    Meine Gefühle gegenüber der Daft Punk Situation waren geprägt von Frustration. Stichwort: Where is my Mind? Meine Gefühlswelt plus die Sehnsucht nach den Zeiten, in denen ich noch behaupten konnte, dass Daft Punk eine existierende Formation ist, ergibt den perfekten Nährboden für die Pixies. „Where is my Mind“ lief im Juni sehr oft und außerdem war er so passend zu meiner Situation. Daft Punk hat sich getrennt, wo steht mir der Kopf? Wie kann ich damit am besten umgehen? 

    All diese Fragen schwirrten durch meine Gedanken und wurden von diesem passiv aggressiven Song unterstützt. Die Pixies hatten sich zwar damals in den 90ern auch mal getrennt, aber sind wenigstens mit gutem Vorbild vorangegangen und haben sich wiedervereinigt. Das Gleiche erwarte ich übrigens noch von Thomas Bangalter und Guy–Manuel Homem–Christo. Auch jetzt gerade beim Schreiben des Artikels: Ich erwarte es. 


    Phase 3: TikTok

    August 2021: 

    Hört auf mich anzulügen, wir hatten alle mal diese Phase, in der wir Personen, die TikTok auf dem Handy hatten, als unglaublich peinlich bezeichneten. Was soll ich sagen? Ich benutze diese App mittlerweile sehr häufig und bin selber zu einer dieser Personen geworden, die als peinlich bezeichnet werden können. War mir aber egal, denn ich brauchte neuen Musik-Input. Spotify konnte mir nicht mehr das geben, was ich brauchte. Alles klang ab einem bestimmten Zeitpunkt gleich und bevor ich in irgendwelche DMs von Daft Punk Produzenten sliden konnte, um meiner unendlichen Enttäuschung und Trauer freien Lauf zu lassen, installierte ich halt TikTok

    Aber ganz ehrlich: Ohne TikTok gäbe es die Hälfte meiner heutigen Playlists nicht. Jetzt aber zum eigentlichen Thema: „Crime Wave“ von den Crystal Cales und HEALTH. Das erste Mal auf TikTok gehört, hat sich der Song mittlerweile in jede Playlist eingeschlichen und einen würdigen Platz zwei in meinen Top Songs erkämpft. Mein erster Gedanke zu diesem Song war: „Was ist das?!“ Doch irgendwie ging mir die Melodie nicht mehr aus dem Kopf und ich brauchte ohnehin mal wieder etwas Abwechslung, nachdem ich nun über Monate die Musik von Sébastian Tellier gehört hatte. Gesagt getan und die Obsession nahm ihren Lauf. Ihr fragt euch jetzt sicherlich, was denn an „Crime Wave“ so toll ist.

    Nun ja, mein von Daft Punk geprägtes (und auch immer noch gebrochenes) Herz, welches höher schlägt, wenn Songs metallern und voll mit Synthesizern sind, wurde hier einfach abgeholt. Das Sympathische an diesem Stück: Es klingt so als würde nichts wirklich Sinn ergeben und doch passt trotzdem alles perfekt zusammen. Sowas überhaupt hinzubekommen, ist beeindruckend! Ob es mich ein bisschen getröstet hat? Ja schon. Denn ich habe den Song so gefühlt, dass ich für einen Monat ausgesorgt war. 

    Kein nächtelanges Geweine darüber, dass meine Lieblingsband sich getrennt hat. Nein! Eher nächtelanges Tanzen und Mitsingen, was sich bei diesem Song zwar etwas schwer gestaltet, da man die Wörter nicht unbedingt versteht, aber trotzdem irgendwie funktioniert. Naja, ich denke, ihr wisst, worauf ich hinaus will. Für einen Moment habe ich mal nicht an Daft Punk gedacht.

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    (ich möchte Videos wie ihr mit singt!)

    Phase 4: Das Daft Punk Drama 2.0

    Oktober 2021: 

    Phase vier der Bewältigung einer Trennung ist ja bekanntlich die härteste. Man realisiert langsam, dass es vorbei ist, steht kurz davor zu akzeptieren, dass es wohl auch so bleiben wird. Genau das war bei mir im Oktober der Fall. Ich habe sehr oft das Album „Random Access Memorys“ gehört und vor allem auch sehr oft den Song „Within“. 

    Daft-Punk-Untoldency-Elektopop

    Tiefgründig, traurig, wunderschön und: von Daft Punk. Aber nicht nur „Within“ lief auf Dauerschleife, auch Songs wie „Lose yourself to dance“ und „Instant Crush“ habe ich gestreamt, als gäbe es kein Morgen (gab es bei Daft Punk ja wirklich nicht *drops a tear*). Letzterem Song muss ich einfach mal öffentlich meine Liebe erklären. Es kommt sehr selten vor, dass ich einen Song wirklich über mehrere Jahre höre und nicht davon ernüchtert bin.

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    Genau das ist bei „Instant Crush“ der Fall. Auch nach drei Jahren kann ich den Song hören, ohne dass ich mir denke: „Och nee, nicht schon wieder der!“ Ich liebe alles an diesem Song. Das Opening mit Palm Mute Gitarre, den Synth, die Stimme von Julian Casablancas, die Auflösung von Verse zu Refrain – einfach schön. Vielleicht bin ich auch das ein oder andere Mal etwas zu emotional geworden und es könnte auch ganz vielleicht sein, dass ich gerade hier sitze, „Instant Crush“ höre und mich erneut Frage, warum sich so ein Duo einfach so trennt. 

    Aber es geht ja um den Oktober und nicht um jetzt. Die Schwelle zur Akzeptanz hatte ich fast überwunden. Doch irgendwie war es noch eine lange Reise zum „Ich bin darüber weggekommen, dass sich meine Helden getrennt haben“.


    Phase 5: Neuanfang

    Dezember 2021:

    Hallo und herzlich Willkommen zur Akzeptanzphase! Zehn Monate nach der Daft Punk Trennung – was mache ich jetzt? Oder besser gesagt: Was höre ich jetzt? Nun ja, ich kann zwar immer noch nicht behaupten, dass ich nicht mehr traurig über die Auflösung von Daft Punk bin. 

    Das große Aber folgt jetzt: Ich habe es akzeptiert und meine Musikwelt sogar noch ein bisschen erweitert. In den fünf Phasen habe ich viele neue und alte Künstler*innen für mich entdeckt. Meine Hoffnung, dass Daft Punk noch einmal ein Comeback startet, existiert irgendwo auch noch ein bisschen, aber falls die beiden Jungs jetzt doch keine Lust mehr auf die Musik haben, ist es auch in Ordnung für mich.

    In meiner Trauerphase habe ich auch gar nicht wirklich realisiert, wie alt die beiden sind und wie lange es ihre Musik schon gibt. Ich meine, die beiden haben das Projekt 1993 in die Welt gerufen – das sind (Stand jetzt) 28 Jahre. Verdammt gute 28 Jahre. Was ich aber eigentlich sagen will: Daft Punk, ich lass es euch noch einmal durch gehen, dass ihr eure gemeinsame Karriere beendet habt. Die Musik die hinterlassen wurde, bereichert jeden Tag meine Seele und ich werde wahrscheinlich niemals damit aufhören, alle meine Freunde mit diesem Duo zu nerven. In dieser Hinsicht: Danke, dass ich meine Reise mit euch teilen durfte.

    Foto Credit: Daft Punk: https://open.spotify.com/artist/4tZwfgrHOc3mvqYlEYSvVi , Sèbastian Tellier: https://open.spotify.com/artist/23ymPLjbtAMzTJS2qRtQ8Z

  • Jahresrückblick: 2021 hat Leifs all time favorites vom Thron gestoßen

    Jahresrückblick: 2021 hat Leifs all time favorites vom Thron gestoßen


    Das war’s fast schon wieder mit 2021 und jetzt bin ich dran, meinen musikalischen Jahresrückblick mit Euch zu teilen. Ich möchte Euch nicht nur von Songs, Alben und Künstler:innen berichten, die ich neu entdeckt, gefeiert oder auch nicht gefeiert habe, sondern auch von meinen Konzerthighlights 2021 erzählen.

    Wer mich kennt, weiß ganz genau um meine Obsession mit der Musik der Beatles. Sie begleitet mich schon seit bald einem Jahrzehnt, beinahe unangefochten an der Spitze meiner Hörgewohnheiten und tauchen auch heute noch immer mal wieder in meinen Playlists auf. Aber nicht nur was das Hören betrifft, sondern auch beim Thema Songwriting und die Art und Weise, wie ich Musik spiele ist weitestgehend von ihnen (zumindest) inspiriert. Umso überraschender ist es daher, dass die Beatles in meinem diesjährigen Spotify Wrapped nicht unter den Top 3 meiner meistgehörtesten Künstler:innen wiederzufinden sind. Und daran hat das Jahr 2021 mit seinen musikalischen Ereignissen, die es für mich auf Lager hatte, eine erhebliche Mitschuld. Grund für die neue Konstellation meiner favourite artists sind aber keine expliziten Alben, sondern endlich mal wieder Konzerte!


    Ein Album mit Enttäuschungspotential

    Am Anfang des Jahres – muss ich zugeben – bin ich zu einem Dauerhörer der gesamten Diskografie von John Mayer mutiert. Seine Musik hat mich zwar auch schon im letzten Jahr, als ich erstmals auf ihn gekommen bin, ziemlich beeindruckt, Anfang 2021 habe ich aber angesichts eines schmerzenden Herzens das erste Mal das Gefühl gehabt, seine Texte zu verstehen.

    Immer mal wieder schimmerten allerdings in sämtlichen Kompilationsplaylists so ein paar Early-bis-Mid-2000’s-Klischeelovesongs von ihm durch, die in ihrer Unangenehmheit teilweise nicht zu übertreffen sind. Irgendwann nach dem zwanzigsten Mal hören von der Line „Your Bubblegum Tongue“ in „Your Body Is A Wonderland“ kam mir dann das Kotzen und ich habe mich auf eine präzisere Auswahl von besseren Mayer Songs, die mehr Gitarrenvirtuosität beinhalten, beschränkt.

    Im Juli erschien dann „Sob Rock und in der Hoffnung auf ein „New Light“ für neue, überzeugende Songs habe ich mir das Album direkt angehört und habe gemerkt, dass jene neue, überzeugende Songs auf dem Album gänzlich fehlten. Drei davon waren sowieso schon gefühlt vor 10 Jahren veröffentlicht worden (nicht wirklich, sondern 2018 & 2019) und dem Rest kaufe ich die 80er Nostalgie und die softe Ästhetik nicht wirklich ab. Klar, das Album hält, was der Titel verspricht. Wer aber Mayer‘s Bluesrock und mitreißende Gitarrensoli möchte, sollte die Hoffnung bei dem Album aufgeben. John Mayer war danach erstmal raus. So viel zu meiner musikalisch größten Enttäuschung von 2021.


    Das erste Konzert seit Dezember 2019

    Das erklärt aber immer noch nicht, warum die Beatles von ihrem ewigen Thron meiner Nummer 1 verstoßen wurden. Um eine Erklärung zu finden, erzähle ich jetzt von etwas bei mir mittlerweile sehr Rarem, etwas, was ich lange nicht mehr erlebt habe: Konzerte. Ein Konzert hat 2021 bei mir komplett auf den Kopf gestellt. Am 19. Juli war ich in Köln auf einem Picknick-Konzert von Giant Rooks. Mit der Unwetterkatastrophe im Nacken, musste das Konzert vom 15. auf den 19. verschoben werden, fand dann aber ohne Probleme unter freiem Himmel statt. Wieder ein Konzert anzutreten war erstmal komisch und es war etwas beängstigend, wieder unter Menschen zu gehen.

    Das Konzept der Picknick-Konzerte war aber unfassbar ausgeklügelt umgesetzt und einfach nur perfekt. Ich war überrascht, wie sicher und frei ich mich während des ganzen Konzertes gefühlt habe. Nebenbei war alles reibungslos, unchaotisch und von Anfang bis Ende durchdacht geplant. Ganz zu schweigen vom Konzert selbst. Voller Energie und sichtlich erfreut über die Möglichkeit endlich wieder spielen zu können, haben Giant Rooks mit ihrer Show einen so guten Eindruck bei mir hinterlassen, dass ich Dauerhörer, praktisch Fanboy geworden bin – auch, wenn ich damit eher ein Spätzünder bin. Somit waren die im Juni erschienenen Rookery Live Tapes seither permanent in der Dauerschleife. Am besten finde ich davon übrigens „The Birth of Worlds“.

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    Ein Stück Newcastle in Berlin

    Dass Sam Fender nächstes Jahr die legendäre Marke Wembley knackt, ist schon mal ein Zeichen dafür, dass er zu einem wirklich großen Musiker geworden ist. Umso seltener ist es dann jedoch, ein wirklich „kleines“, intimes Konzert von ihm erleben zu können. Dieses Juwel von Chance wurde mir im November zuteil, als ich in Berlin auf einem Clubkonzert von ihm dabei war.

    Allerdings hätte der Abend schlechter nicht starten können. Berlin hat sich an diesem Tag von seiner kalten und windigen Seite gezeigt und es sich scheinbar zur Aufgabe gemacht, jeden freien Millimeter der Stadt mit Regenwasser zu füllen. Und als wäre das nicht schon genug, war die Location vollkommen überfordert mit den 700 Menschen, die am Konzert teilnehmen wollten. Nach einer Dreiviertelstunde Vollregnenlassen sind wir dann endlich reingekommen, hatten dann aber erhebliche Schwierigkeiten noch irgendwo im Club Platz zu finden – es war alles bis auf den letzten Quadratzentimeter voll mit Publikum. Eine eigentlich für ein Konzert ziemlich gute Ausgangssituation, innerhalb einer Pandemie und trotzt 2G dennoch abschreckend und beängstigend, zumindest für mich.

    Als das eigentliche Konzert anfing, war der ganze Raum plötzlich mit einer ungeheuren Energie gefüllt, die alle vorherigen Negativeinflüsse komplett weggefegt hat. Die Beengung schien umgehend aufgehoben, man wollte sich bewegen und hatte eine wirklich gute Zeit. Nach dem dritten Song ging Sam Fender dann kurz von der Bühne, because he had to „take a piss“. Währenddessen hat seine Live-Band den Laden in Schacht gehalten und einfach weiterimprovisiert. Aber auch Mr. Fender himself hat im seinem Geordie Accent gute Stimmung verbreitet und ist persönlich und spaßig mit seinen Fans umgegangen.

    Die Musik klang natürlich wie direkt von der Platte und gewährte keinen qualitativen Nachlass – es war der Wahnsinn. Nebenbei fällt einem dann immer ein: „Der Typ steht gerade 10 Meter weg von mir und spielt nächstes Jahr Wembley!“. Was für ein Feeling, was für gute Musik, was für ein hammer Konzert und – ja, trotz des Wetters und allem anderen – was für ein schöner Abend.

    Dementsprechend hab ich auch sein im Oktober gedropptes Album „Seventeen Going Under“ geblastet. Biblical.

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    Wo sind die Beatles geblieben?

    Keine Angst, die sind direkt auf Platz vier gelandet und stellen immer noch einen großen Bestandteil meines Musikkonsums dar. Sie sind aber auf jeden Fall auch weniger greifbar, als Giant Rooks oder Sam Fender. Vielleicht liegt das an ihrem Legendenstatus. Oder daran, dass es sie schon lange nicht mehr gibt und die Hälfte der Besetzung nicht mehr lebt. Und vielleicht entfacht die vor kurzem herausgekommene Beatles-Doku „Get Back“ auch wieder neues Feuer. Das weiß aber nur der Spotify Rückblick vom nächsten Jahr.

    Ich hasse Vorsätze für das kommende Jahr. Aber anhand der Musik, die ich höre sieht man, dass sich dort eine ausschließlich männliche Schiene durchzieht und das werde ich nächstes Jahr definitiv ändern.