Kategorie: untold feuilleton

  • Über eine Identitätskrise, die Lucas‘ ersten Liebeskummer wieder aufleben lässt

    Über eine Identitätskrise, die Lucas‘ ersten Liebeskummer wieder aufleben lässt

    Meine Lust auf das Jahr zurückzublicken, ist durchaus begrenzt. Ich könnte es vermutlich nicht einmal, weil mein Gehirn bereits alles verdrängt hat, was dem Wort „Lockdown“ nahekommt. Zum Glück liebe ich es, über Musik zu reden, zu schreiben und meine Expertenmeinung ungefragt mit der Welt zu teilen. Deshalb freue ich mich auf den einzigen Jahresrückblick, der meine Nerven aufbaut, statt ihnen zu schaden. Endorphine Go! Und ab in die Musiknostalgie des Jahres.


    Mood des Jahres: 14-jähriges, pubertierendes, GenZ, Emo-Fangirl

    Ich weiß nicht, woran es liegt, ob es womöglich eine kleine Identitätskrise ist. Aber ich habe in Ansätzen den Musikgeschmack eines pubertierenden Mädchens entwickelt, das nicht weiß, wohin mit ihren Herzschmerz-Gefühlen. Und Schuld daran ist vor allem Olivia Rodrigo. Ihr Album „Sour“ hat den Wunsch geweckt, in meinem Kinderzimmer lauthals und mit gebrochenem Englisch Lieder mitzusingen, von denen ich gerade noch verstehe, dass sie Breakup-Songs sind. Auch egal, worum es geht. Hauptsache, sie helfen mir über meinen Crush in der Schule hinwegzukommen, mit dem ich noch kein einziges Wort gewechselt habe. Neben einem großen BRAVO-Poster von Olivia Rodrigo hängen außerdem noch Bilder von Upsahl, Willow und Pinkpantheress über meinem Bett und genau in diesem Moment wird mir schlagartig klar, woher all diese irritierenden Gedanken kommen: TikTok! Dieses Jahr bin ich ins TikTok-Game eingestiegen und das hat mir eine neue Welt der Generation Z nähergebracht, die mir vorher nicht bekannt war. Resultat: ich höre plötzlich Indie-Pop und weine nachts ab und zu vor Liebeskummer in mein Kissen.


    Neuentdeckung des Jahres: Schmyt

    Eigentlich habe ich jedes Jahr einen „Ich bin geflasht“-Moment. Ich dachte, dieses Mal hätte ich ihn verpasst. Doch dann ist mir wieder die EP von Schmyt eingefallen. Keine Ahnung wie solche Musik überhaupt existieren kann. Denn die Musikalität, Kreativität und textliche Originalität auf Gift“ machen mich fassungslos. Kurz: ich wünschte, ich hätte diese Lieder geschrieben. Ich lege mich emotional unglaublich gerne in düstere, leicht depressive Stimmungen und die bringt Schmyt auf den Punkt. Dazu Hip Hop Beats, denen es nicht an Musikalität mangelt und dann noch alles auf Deutsch, ohne platt zu wirken. Wie sollen deutscher Hip Hop und vor allem er selbst mit dieser EP zukünftig noch mithalten? Wie gesagt, ich war und bin noch immer geflasht. Vermutlich würde ich dieses Tape als meine Lockdown EP bezeichnen. Düster und leicht depressiv passt in jedem Fall zum Anfang des Jahres.


    Song des Jahres: Jorja Smith – Burn

    Meine Entdeckung des Jahres 2018 hat dieses Jahr eine EP rausgebracht, die mich zuerst enttäuschte, in die ich mich dann aber doch noch ganz schön doll verschossen habe. Jorja Smith hat auf „Be Right Back“ die großen Popklänge des ersten Albums für einen minimalistischen, intimen Sound ausgetauscht. Nachdem ich mich langsam reingehört habe, bin ich in der Gefühlswelt dieser Platte versunken. Der leicht hypnotisierende Beat von „Burn“ und die weiche, leicht weinerliche Stimme von Jorja Smith catchen mich jedes Mal. Wenn der nächste Lockdown mich zu einem Song auf Repeat zwingt, höre ich „Burn“ in Dauerschleife und werde wieder zum 14-jährigen Teenager, der ins Kissen weint. *cryemoji*

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    Album des Jahres: Jorja Smith “Be Right Back”

    Damn it! Mein Song des Jahres war strategisch nicht clever. Um nicht erneut die gleichen Sätze über „Be Right Back“ schreiben zu müssen, erweitere ich einfach meine Liste zur Top 3. Und dieses Ranking offenbart, dass ich scheinbar auch ohne GenZ-TikTok-Künstler:innen Herzschmerz Musik mag. Denn Jorja Smith wird ergänzt durch London Grammar „Californian Soul“ und Joy Crookes „Skin”. Soulige Frauenstimmen über melancholischer Popmusik – shit, mein einfältiger und vorhersehbarer Musikgeschmack wurde entlarvt. Nichtsdestotrotz, alle drei Platten überzeugen mit einem warmen Sound, viel Kaminfeuer Atmosphäre und zarten wie kraftvollen Stimmen. Dabei erscheinen nicht nur Heartbreak Anthemns auf den Alben, sondern überwiegend gesellschaftliche und politische motivierte Songs, die die  Qualität dieser Musik inhaltlich zusätzlich unterstreichen. 


    Musikvideo des Jahres: Olivia Dean – The Hardest Part

    Eine Rubrik des Jahres musste ich mir noch ausdenken, um meine letzte Entdeckung und aktuelle Lieblingsstimme unterzubekommen. Ich bin großer Fan von Musikvideos und habe dieses Jahr zahlreiche gute und aufwendig produzierte Videos gesehen. Der denkwürdigste Moment, der sich in die Rückseite meiner Augäpfel gebrannt hat, war wohl Lil Nas X, wie er dem Teufel im Video zu „Montero“ einem Lapdance gab. Dennoch sehe ich dieses Mal von den pompösen Visuals ab und küre Olivia Dean zur Siegerin. Die Stimme ist, wer hätte es gedacht, von Soul durchtränkt, mit etwas Jazz angereichert und in schöner Popästhetik verpackt. Das Video von „The Hardest Part“ ist nicht super actionreich, aber unglaublich sympathisch. Olivia Dean singt im Retro Look authentisch ihren Song und mimt zugleich im Hintergrund ihre eigenen Backgroundtänzerinnen. Das Lachen der Sängerin und der Song catchen mich in Kombination so sehr, dass der Minimalismus dieses Jahr gewinnt. 

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    Konzert des Jahres: ?

    Welche Konzerte?


    Musikmoment des Jahres: Untoldency

    Ehrlicherweise sind es zwei Momente, die dieses Musikjahr unabhängig von den neu entdeckten Liedern und Alben besonders gemacht haben. Zum einen ist das die neu gewonnene Plattform, die mir ermöglicht mein Musiktagebuch endlich mit der Öffentlichkeit zu teilen, anstatt es einsam in meiner Harry Potter-Fanbox in der Ecke meines Altbauzimmers vergilben zu lassen. Dank Untoldency muss ich für meine Therapiesitzungen nicht mehr bezahlen, sondern schreibe einfach all meine Empfindungen, in musikalischen Content verpackt, auf eine Seite im Internet. 

    Zum anderen habe ich es endlich geschafft, meine eigene Musik auf Spotify zu veröffentlichen. Das ist rein technisch kein großer Akt, aber emotional dann doch ein kleines bisschen. Naja, das muss niemanden groß interessieren. Nur so viel sei gesagt, ich beschreibe meine Lieder mit: Schmyt auf Wish bestellt.


    Fazit des Jahres

    Ich habe das ganze Jahr auf meine persönlichen großen Musikmomente gewartet und irgendwie habe ich sie nie so richtig wahrgenommen. Rückblickend merke ich, da waren schon ein paar Glanzmomente am Horizont. Einen besonders großen Raum in meinem Musikjahr haben Teenie-Stars und Frauenstimmen eingenommen. Wer mein Jahr in Liedern nachverfolgen möchte, findet die most important ones in der folgenden Playlist. Aber seid gewarnt! Wenn ihr euch dabei wiederentdeckt, wie ihr eure Fingernägel schwarz lackiert, während ihr good 4 u“ von Olivia Rodrigo hört und Dartpfeile auf das Bild eures Ex-Partners werft, bin ich nicht daran Schuld!

    https://open.spotify.com/playlist/5EcxJWDoZoTl2jRAiJ8lD5?si=510f4a7f4fe74bfa
  • artists to watch 2022: Die vielversprechendsten Künstler:innen

    artists to watch 2022: Die vielversprechendsten Künstler:innen

    Zwischen all den Jahresrückblicken von 2021 quetschen sich Anna und Jule kurz mal mit etwas Zukünftigem dazwischen und präsentieren euch die Künstler:innen, die ihrer bescheidenen Meinung nach 2022 zu ihrem Jahr machen werden. Letztes Jahr haben wir uns schon an einer Liste der 10 heißesten Musiker:innen versucht und retrospektiv haben wir da gar nicht so schlecht gelegen: Arlo Parks? 2x nominiert für einen Grammy – mit ihrem Debütalbum! Jeremias? 1Live Krone-Nominierung für “Beste:r Newcomer:in” und fette Konzerte, auf denen die Hälfte von euch doch auch war. Anaïs? Support auf der Provinz-Tour und versprechende Singles, die auf ein noch besseres 2022 erhoffen lassen. Trille, MELE, Luke Noa, MAJAN, WizTheMC – alle haben sich im Jahr 2021 extrem weiterentwickelt, tolle Songs veröffentlicht und, soweit es eben möglich war, viele Fans dazu gewonnen.

    Jetzt schauen wir also auf das Jahr 2022 und geben euch auch dafür die heißesten 10+1 Tipps an die Hand, wen man als artist to watch auf dem Schirm haben sollte (hier klicken, um parallel zu hören).


    2022 wird das Jahr von…


    Wet Leg
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    Kennt ihr die Isle of Wight? Das ist ein kleiner Schnipsel von der englischen Insel, im Meer vor Hampshire. Von dort erobert ein ganz besonderes Möbelstück die ganze Welt: die “Chaise Lounge”. Mit nur dieser einen Single katapultiert sich Wet Leg über Nacht in die traurigen Herzen aufgekratzter Indieheads und auf die ganz große Bühne. Inzwischen ist klar: Rhian Teasdale und Hester Chambers, die beiden umwerfenden Frontfrauen, begeistern schlechtgelaute Post-Punk-Purist:innen und pogotanzende Popfans gleichermaßen. Nie war ein Schlafzimmerblick energiegeladener, ein Schulterzucken elektrisierender. Ohne auch nur ein einziges Album veröffentlicht zu haben, spielte Wet Leg sich 2020 in UK und Europa die Finger wund, jetzt folgt ihre erste US-Tour. Dass es live genauso gut funktioniert, beweist das gerade erschienene NPR Tiny Desk Concert! Kauft also schon mal ein Ticket für die Shows im Frühjahr, denn nächstes Jahr gehen die beiden wohl komplett durch die Decke!

    Hier noch ein Youtube Kommentar, für den letzten Stupser Überzeugung: „I’ve never experienced a new band I liked so much in the modern era. Like this is the first time I’ve got to watch every little clip of ever little thing a band does. It’s fun. I’m 141 years old. The last band I liked this much was The Strokes in 2001. Internet was like 7 pages then.“


    Novaa
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    Wir haben uns 2021 so in Novaa verliebt, dass wir gar nicht anders können als sie hier mit an die Spitze zu setzen. Sie ist zwar lange keine Newcomerin mehr, dafür hat sie einfach schon viel gute Musik released, aber gerade beobachten wir eine Musikerin und Produzentin, die all ihre Erfahrung zu etwas Purem formt – und damit immer mehr Künstler:innen um sich herum inspiriert. Das hat 2021 mit ihrem dritten Album “She’s A Roseordentlich an Fahrt aufgenommen und ist mehr als überfällig, auf so vielen Plattformen wie möglich stattzufinden. Denn was Novaa macht, sind nicht nur wunderschöne Melodien in einen Klangteppich zu wickeln, der 1:1 unserer comfort zone entspricht. Ihre Texte sind ehrlich verletzlich und trotzdem berührend empowernd, dass Anna schon in der Review zu “This Ain’t Your Home” die Worte gefehlt haben. Nach dem (wirklich unfassbar guten) Album kam erst vor wenigen Wochen ihre Kollaborations-EP “MooN” mit Moglii raus und mit „You Can F With Meauch die erste Single ihres für 2022 angekündigten Albums. Als würde das also nicht ihr Jahr werden!

    Alles an Novaas Musik ist so atemberaubend ehrlich, nah und berührend, dass wir wirklich jede Person, die sie noch nicht kennt, dazu ermutigen wollen, sich das mal anzuhören. Sie könnte die deutsche Musiklandschaft mit ihrer empowernden und sensiben Art und Weise maßgeblich verändern. Ihr müsst sie nur lassen.


    Schmyt
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    Wir kommen hier auch absolut nicht daran vorbei, Schmyt mit Großbuchstaben und mindestens drei Ausrufezeichen (!!!) auf die Liste der artists to watch 2022 zu packen. Bei uns hat er schon öfter seinen verdienten s/o bekommen (hier im Interview und hier zur EPReview). Und ganz offensichtlich sind wir nicht die Einzigen, die von Anfang an den Hype um den ehemaligen Rakete-Sänger glaubten – die Colors Session zu seiner Single Ich wünschte, du wärst verloren beweist, dass er sich zu einem waschechten kurz-vorm-Durchbruch-Newcomer durchgekämpft hat. Und das in so kurzer Zeit und mit einer Pandemie im Nacken! Schmyt wirbelt die Deutschrap- und Indie-Szene gleichermaßen auf. Wir können nur daneben stehen und wie die echten Fangirls der ersten Stunde sagen: “Den kannte ich, da war er noch ganz unbekannt”. Und damit ihr da auch noch einsteigen könnt, bevor es 2022 richtig knallt (wir sind da zuversichtlich), legen wir ihn euch auch hier nochmal nahe – für den herzzerreißenden Liebeskummer zwischendurch.


    Stanovsky
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    Auch mit Stanovsky tun wir euch einen echten Gefallen. Nach dem Projekt KAIND war er zunächst als Songwriter für Artists wie LEA, Prinz Pi oder Celine aktiv. Im April 2021 veröffentlichte er dann die Doppelsingle Dünnes Eis” / “Jogginghoseund startete damit gefühlt aus dem Nichts durch. Aber wer erst einmal in den Genuss seiner Musik, in der er Klavierakkorde mit elektronischen Sounds kombiniert und dieser mit seiner unvergleichbaren Stimme seinen absolut eigenen Stempel aufsetzt, gekommen ist, kommt davon nicht mehr so schnell los. Im Sommer stand er nicht nur als Support von Joris, Clueso und Lotte auf der Bühne, er hat auch einige Wochen in Portugal verbracht, um dort an neuer Musik arbeiten. Die Weichen für weitere wunderbare Songs, die Stanovsky uns 2022 präsentieren wird, sind also gestellt. Wir sind auf jeden Fall mega gespannt, was da auf uns zukommt, wissen aber eigentlich schon jetzt, dass wir nicht enttäuscht werden können.


    Paula Hartmann
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    Wenn ihr genauso Newcomer:innen vernarrt seid wie wir, dann habt ihr bestimmt auch schon von Paula Hartmann gehört. Die eigentliche Schauspielerin hat Mitte diesen Jahres mit “Nie Verliebtund “Truman Show Bootdie ersten musikalischen Zeichen gesetzt – und wir sind völlig hin und weg. Also völlig. Sie klingt für uns wie eine geniale Mischung aus Haiyti und Lina Maly, weil sie einfach dieses einzigartige Feingefühl hat für sowohl raumfüllende Beats und sitzende Lines als auch für emotionale Texte und wunderschöne Melodien. Dazu noch ihre ganz besondere Stimme und diese perfekt Kombination beider Welten ist bereit für die große Musikwelt da draußen. Wir wissen noch nicht, was da nächstes Jahr genau auf uns zu kommt, aber was sicher ist: Wenn das nur so halb so gut wird wie das, was 2021 angestoßen wurde, dann könnte Paula Hartmann in eine ähnliche Hype-Richtung wie die rund um Schmyt gehen. Und das wollt ihr nicht verpassen, oder? Sehr gut, wir nämlich auch nicht.


    Edwin Rosen
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    Wer in dieser Aufzählung auch auf keinen Fall fehlen darf, ist Edwin Rosen – der laut Laras Jahresrückblick mit „leichter//kälter“ schon im letzten Jahr mietfrei Plätze in ihren Playlists bekommen hat. Und wie ihr ging es vielen von uns. War alles rund um den jungen Stuttgarter am Anfang noch sehr geheimnisvoll, hat man ihn inzwischen schon auf einigen Bühnen des Landes erspähen können. Mit seinen poetischen Texten und experimentellen Sounds hat er sich so inzwischen auch (völlig zu Recht) eine beachtliche Fangemeinschaft erspielt. Im nächsten Jahr geht’s für ihn auf große Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Doch so schön das auch erstmal klingen mag, die Tour ist leider bereits restlos ausverkauft. Wenn ihr aber doch die Chance bekommen solltet, Edwin Rosen live zu sehen (fingers crossed für einen machbaren Festivalsommer), dann nehmt sie unbedingt wahr. Es wird 2022 nämlich sicherlich nicht nur neue Musik für uns, sondern auch weitere große Schritt für seine musikalische Laufbahn geben. Sagt nicht, wir hätten euch nicht darauf vorbereitet.


    Panda Lux
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    Auch der nächste Act hier ist eigentlich nur reine Formsache. Panda Lux sind wirklich seit Jahren schon ein ewiger Newcomer-Brenner – da fehlt nur noch der kleine Stupser Glück und dann sollten die vier Schweizer in Bilderbuchs Fußstapfen treten und alle Clubs Deutschlands durchspielen. Musikalisch ist das ein absolutes hohes Level, auf dem die studierten Musiker sich bewegen. Und auch lyrisch ist das, was die vier da machen, Kunst auf jedem Level. Eigentlich hätte ihr letztes Album “Fun, Fun, Fun2020 die Jungs auf so viel mehr Radare bringen sollen (warum, hat Anna in ihrer Review schon einmal niedergeschrieben), aber Covid hat auch da einiges ausgebremst. Doch jetzt kam November 2021 mit “Blumen so ein neuer Knaller-Song raus, dass da auf jeden Fall mehr in der Pipeline liegen sollte. Und wenn das alles rauskommt, dann streamt das kaputt, damit unsere Quarterlife-Crisis endlich auch auf den großen Bühnen von Panda Lux besungen werden kann, direkt mit Ensemble.


    Pip Millett
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    Wir nehmen den internationalen Vibe aus der Schweiz mit und richten unseren Blick einmal nach England. Da hat sich Pip Millett nämlich einen Platz auf der „DSCVR Artists to Watch 2022„-Liste von vevo gesichert und wir können und wollen das auf ganzer Linie unterschreiben. Wenn es in Richtung Soul oder R’n’B geht, dann steht Pip Millett ganz oben auf der Agenda. Vor allem wenn er aus England kommt. Anna hat sie erst in diesem Jahr mit ihrem Song “Hard Lifeentdeckt und sich selten so schnell in eine ganze Diskografie verliebt wie hier. Ihre erste Single “Make Me Cry kam 2018 raus und ist ein souliger Song über Depressionen und hat direkt eine COLORS Session bekommen. Wenn Künstlerinnen wie Jorja Smith und Joy Crookes (zu Recht, wie Lucas in beiden Reviews auch schon festgehalten hat!) in euren Jahresrückblicken 2021 zu finden waren, dann solltet ihr dieser Musikerin hier auf jeden Fall auch ein Ohr leihen. Pip Millett kann eurer musikalisches 2022 eigentlich nur noch besser machen.


    Badmómzjay
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    Schon seit einigen Jahren kommt man nicht an Badmómzjay vorbei. Die 19-jährige hat noch vor ihrer Volljährigkeit ein eigenes Label gegründet und letzten Monat ihr Album Badmomz.” veröffentlicht, mit dem sie aufgrund ihrer musikalischen Finesse nicht nur eingefleischte Rap-Fans zufrieden gestellt hat. Mit ihrer Vielfältigkeit und mitreißenden Beats überzeugt sie auf so vielen Ebenen. Wir schauen gerade einer jungen Künstlerin dabei zu, wie sie mit großen Schritten ihren Weg ganz nach oben besteigt. Nicht umsonst betitelte hip-hip.de sie als eine der “spannendsten Nachwuchs- Rapperinnen der Szene”. Und trotz oder gerade wegen ihres Erfolges wird Badmómzjay auch nicht müde, auf Missstände in der Musikbranche (Stichwort hier: Ungleichbehandlung) aufmerksam zu machen und sich für LGBTQIA+ Community einzusetzen. Die Zeichen stehen also gut, dass 2022 sowohl musikalisch als auch menschlich ein mehr als erfolgreiches Jahr für sie wird.


    Mayberg
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    Kommen wir zu einem Künstler, bei dem wir uns ein bisschen ärgern, dass er nicht schon früher auf unserem Radar aufgetaucht ist – immerhin veröffentlicht er bereits seit 2020 regelmäßig Songs: Mayberg ist ein junger Singer-Songwriter aus Kassel (treue Leser:innen checken: das ist der Aufgabenbereich von Jule), der inzwischen aber in Leipzig lebt und sich, als das noch möglich war, durch viele Live-Auftritte, u.a. auch als Support für Provinz bei den Picknick-Konzerten, die Herzen seiner heutigen Fans erspielt hat. Die Vergleiche mit Henning May bzw. AnnenMayKantereit und Faber sind zwar nicht von der Hand zu weisen – aber wenn man sich erstmal mit seiner Musik auseinandersetzt, merkt man schnell, dass da so viele Eigenheiten drinstecken, die diese Vergleiche unnötig werden lassen. Aktuell arbeitet Mayberg an seiner ersten EP und wir hoffen, dass wir die 2022 zu hören bekommen. Wir sehen hier auf jeden Fall riesiges Potential für eine steile Karriere und einen extrem talentierten Künstler, von dem bald alle reden werden.


    Anoki
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    Und zuletzt noch ein kleines und untypisches Add-on. Quasi unsere 10+1, weil wir ihn auch schon als artist to watch 2021 aufgelistet haben. Aber aufgrund seiner im April 2022 erscheinenden EP “Irgendwann wird alles leichter” müssen und wollen wir das unbedingt wiederholen: Anoki. Es gibt Menschen in unserer Redaktion (Jule), die musikalisch nichts auf den in Berlin lebenden Künstler kommen lassen. Und wer sich die zuletzt erschienenen EP-Vorboten Sie bauen eine Mall” und Is Ok schon angehört hat (falls nicht, gerne in unserer Playlist nachholen), wird dem sofort zustimmen. Was wir alle schon erahnen können: 2022 erwarten uns eingängige Beats, krasse Melodien und Songs, die aufgrund ihrer berührenden Texte und Geschichten einfach direkt unter die Haut gehen werden. Dazu aber zu gegebener Zeit mehr. Behaltet Anoki daher also bitte auf jeden Fall auch nächstes Jahr im Auge – ihr werdet es nicht bereuen, großes untoldency-Ehrenwort.


    Weil aber Worte nur Worte sind und nur die Musik selbst so richtig überzeugen kann, ist hier die Playlist zu all den vielversprechenden Künstler:innen: (Ja, da haben wir, kitschig wie wir sind, uns selbst aus letztem Jahr zitiert, aber it’s true).

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    Fotocredits:
    Frances Beach / Dork – Alexandra Maria – Lea Bräuer – Max Hartmann – Claudia Schröder – Vivien Staff – Anja Furrer – Jake Millers – Universal Music – Rafael Michel – Charlotte Hanner

  • Von Doomer-Youtube-Playlists und euphorischen Dauerschleifen: Laras Jahresrückblick

    Von Doomer-Youtube-Playlists und euphorischen Dauerschleifen: Laras Jahresrückblick

    Wenn man meinem Spotify Wrapped Audio Vibe Check Glauben schenken mag, ist mein diesjähriger musikalischer Vibe von Wehmut und Euphorie geprägt. Als ich das gelesen hab, musste ich erst mal lachen. Nicht weil es nicht passt, sondern, weil dieser Vibe Check nicht nur meine im vergangenen Jahr gehörte Musik widerspiegelt, sondern auch mein letztes (aber wahrscheinlich auch das vieler anderer) mehr als passend beschreibt. Ob „wehmütig“ und „euphorisch“ als Beschreibung jetzt paradox oder logisch ist, sei jedem selbst überlassen. In diesem Jahresrückblick stelle ich einige meiner meistgehörtesten und bedeutsamsten Artists vor, bei denen ich es mir nicht verzeihen könnte, diese nicht in die Welt hinauszutragen.


    there is no guilt in pleasure

    First of all, muss ich zugeben, dass im vergangenem Jahr wohl eher der wehmütige Part dominiert hat. Es ist fast ein bisschen peinlich, wie viele Abende ich mit German-Doomers-Youtube-Playlists verbracht habe. Aber, ich versuche mir einfach immer einzureden: there is no guilt in pleasure. Oder so ähnlich zumindest. Auch wenn ich mich jetzt nicht gerade mit der Symbolik des Doomers identifizieren kann, fiel es mir erstaunlich leicht sämtliche Playlists immer und immer wieder durchzuhören. Manchmal braucht man das eben. Und manchmal braucht man das auch ein bisschen mehr. And that’s okay! Wunderschön melancholische, kaputt klingende New Wave/Post Punk Songs, mit den schönsten Bass-Lines überhaupt.

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    German-Doomer-Music Vol. 666 und Soundcloud

    Allen voran, in der deutschen ((New)New) Wave Szene, ist aktuell wahrscheinlich Edwin Rosen. Mit leichter//kälter bekam der Stuttgarter schon im letzten Jahr mietfrei Plätze in meinen Playlists, Ohren und meinem musikalischen Herzens (wow, wie dramatisch). Mit der Ende September erschienenen EP „mitleerenhänden“ und den insgesamt fünf Tracks, welche mit dieser einhergehen, konnte er diese Plätze easy festigen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wenn der namensgebende Song „mitleerenhänden“ nicht der zuletzt veröffentlichte Song der EP gewesen wäre, dieser mein meistgehörtester Track 2021 geworden wäre.

    Edwin Rosen & Flawless Issues at Oetinger Villa

    Schaut man sich etwas weiter in der aktuell immer populärer werdenden, deutschen Retrowavebewegung um, wird man direkt neben Edwin gleich auf Max Philipp, alias Flawless Issues stoßen. Er selbst beschreibt seine Musik als Surfgoth und Hyperwave. Sein Song „Cut the Rope“ sowie sein Darkwave-Cover „Good Vibrations“ von The Beach Boys haben es mir besonders angetan und liefen, mit den anderen drei auf Spotify veröffentlichten Songs, über das gesamte Jahr verteilt immer wieder in Dauerschleife.

    Wie vorhin schon verraten, habe ich einiges an Zeit auf Soundcloud verbracht. Ein Artist, welcher mir besonders im Kopf und Ohr umher schwirrt, ist diggidaniel. Die Tracks von diggidaniel liegen alle irgendwo zwischen New Wave, House und Pop. Einer meiner meistgehörtesten Songs trägt den schönen Namen vergiss nicht wer du bist (den kannst du hier hören) und ist auch sein bisher erfolgreichstes Piece auf Soundcloud. Mein Nr. 1 Toptrack auf Soundcloud ist ebenfalls von ihm und heisst hilflos vor dir. Und das, obwohl dieser Hit gerade erstmal drei Wochen alt ist. Und das, meine Freunde, heisst schon etwas. Erfreulicherweise ist hilflos vor dir auch der erste Track, welchen diggidaniel auch auf Spotify veröffentlicht hat.

    Wie sollte es auch anders sein, stammt mein liebstes Album des Jahres 2021 ebenfalls aus der „German-Doomers/Retrowave-Bubble“. Mit seinem Album „Rot“ hat Levin Goes Lightly bei mir vor allem mit wunderschönen Lyrics und der perfekten Unperfektheit schwer Eindruck hinterlassen.

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    Alte Liebe neu entfacht

    Jetzt komme ich zu einem Artist, bei dem es einfach weird wäre, wenn ich ihn nicht in meinem Jahresrückblick erwähnen würde. Weird deshalb, weil mich wohl keine anderen Artists so geprägt haben, wie dieser. Und wenn dieser Artist dann auch noch ein Album raushaut, muss man einfach davon schreiben.

    Die Rede ist natürlich von unserem Lieblingspfälzer, welcher auf den Namen Drangsal hört. 2016 habe ich total zufällig den Release von Harieschaim mitbekommen und vor allem Lieder wie Der Ingrimm oder Will ich nur dich haben mich voll und ganz gepackt. Damals war Drangsal noch irgendwie die Grumpy Cat der deutschen Indieszene (shame on me für diesen schrecklichen Vergleich) und hat mich, als damals 14-Jährige, mit dieser speziellen art total fasziniert.

    Aber jetzt genug Geschwafel; Drangsal hat sich im August mit dem Album „Exit Strategy“ zurück gemeldet. And I can not deny, ich war skeptisch. Bei den ersten Singlereleases war ich sogar schon fast etwas enttäuscht. Was ist bloß aus dem etwas vorlauten, rauchenden Bub geworden? Im Nachhinein kann ich sagen, er ist halt obvious einfach erwachsen(er) geworden.

    Ich musste mich selbst erstmal wieder daran erinnern, dass es GUT ist, wenn sich Künstler*innen und Bands weiterentwickeln und eben NICHT nur die Musik machen sollten, die von ihnen erwartet wird, selbst wenn sie nicht mehr denselben Sound haben, durch welchen man sich damals so in diese Band/Artists verknallt hat. Als ich mir diese Phrase nochmal selbst verdeutlicht habe und versucht hab, das Album aus einem neutraleren Standpunkt zu hören, hat es dann auch bei mir sofort „Klick“ gemacht. Und spätestens als ich Drangsal beim Popkulturfestival, einen oder zwei Tage nach Release die neuen Songs live performen gesehen hab, hab ich einfach gemerkt wie gut das ganze alles dem neuen Drangsal steht.


    Highlight
    Tom Taschenmesser, verstehst du nein gut, EP, review, untoldency, untold music, indie, post punk, singer, songwriter,

    Kommen wir zu meinem Highlight. Und das ist nicht etwa meine meistgehörte Platte, sondern die, die im vergangenen Jahr für mich am einprägsamsten war. Keine Platte hat mich 2021 so beschäftigt wie verstehst du nein gut von Tom Taschenmesser. Es ist für mich schon irgendwie etwas mental anstrengend, die EP zu hören. Nicht, weil sie so schrecklich schlecht, oder ähnliches wäre. Ganz im Gegenteil, die Platte ist sowohl musikalisch, als auch lyrisch unglaublich gut. Fast zu gut. Die Lyrics hämmern nämlich einfach direkt mitten auf die Seele und hinterlassen dort bleibenden Eindruck. Eine ausführliche Review findest du übrigens hier.


    Wo ist die Euphorie?

    Mit dieser Überschrift habe ich nicht nur die Band Trümmer zitiert, nein, das ist auch eine Frage an mein Spotify Wrapped. So richtig viel Euphorie habe ich in meinen Top 100 ehrlich gesagt nicht gefunden. Wenige, sind allerdings dann doch vorhanden.

    Denn wenn ich dann mal “happy” Songs gehört habe, dann auch auf voller Lautstärke und in Dauerschleife. Und wenn ich Dauerschleife schreibe, meine ich es auch so. Stunden(bis Tage)lang derselbe Song, ohne Pause? Kein Problem für mich. Und ja, ich wurde auch (berechtigterweise) des öfteren gefragt, warum ich das so mache und wie ich das aushalte, but what can I say; ich habe keine Ahnung. 

    Also; wer es bis hierhin geschafft hat, kommt jetzt in den Genuss, meine wenigen, aber dafür umso besseren euphoric Songs kennenzulernen. Den Anfang macht Declan McKenna mit Why do you feel so down? (Ok, Wow, was für ein euphorischer Titel). Declan habe ich ziemlich zeitgleich mit einer meiner Lieblingsbands Wallows entdeckt, welche es auch immer wieder schaffen meine Stimmung aufzuhellen. Ebenfalls ganz weit oben in meiner Liste ist Luis Ake mit Umweg zu finden. Eine Künstlerin die ich auch schon seit letztem Jahr mit ganzer Kraft verfolge, ist Verifiziert. Mein absoluter Favorit ist und bleibt Rote Gauloises, wobei ich auch alle anderen Tracks wärmstens empfehlen kann.

    Wenn ich schonmal bei deutschsprachigen female Artists bin, komme ich keinesfalls an Alli Neumann vorbei. Vor allem die Tracks Bike Boy und Madonna Whore Komplex haben’s mir angetan. Eine weitere deutsche Newcomerin, die mir dieses Jahr ans Herz gewachsen ist, ist Girlwomen. Let me be honest, als ich Rote Riesen schlafen nicht das erste mal gehört hab, hatte ich ein paar Tränen in den Augen. So ein wunderschöner Text, mit einer noch kraftvolleren Stimme.


    So schlimm war’s nicht

    Glücklicher Weise kann ich sagen, dass mein Jahr gar nicht so arg schlimm war, wie mein überwiegend melancholischer Rückblick vermuten lässt. Ich bin total happy, seit diesem Jahr ein Teil des Untoldency’s sein zu können. Ausserdem kam dieses Jahr wieder so viel gute Musik raus! Das kann einen doch nur freudig stimmen. Man kann erahnen, dass meine Liste an Artists und Bands eigentlich noch um einiges länger wäre. Leider, leider, kann ich nicht alle aufzählen und auf diese eingehen. Sonst würde ich wahrscheinlich nie ein Ende finden. Aber keine Angst, ich hab hier natürlich noch eine Playlist, passend zu meinem Jahresrückblick. Feel free to enjoy it!

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    Fotos: Lara, Philipp Czampiel

  • Daschas Jahresrückblick: Über Veränderungen, Konstanten und vor allem Wünsche

    Daschas Jahresrückblick: Über Veränderungen, Konstanten und vor allem Wünsche

    Dass dieses Jahr für alle absolut seltsam war, brauch ich wahrscheinlich gar nicht zu erläutern. Vom Verlust jeglichen Realitätsgefühls durch ewigen Lockdown in der ersten Jahreshälfte, zu jeden Tag busy und unterwegs sein in der zweiten Jahreshälfte – ich weiß nicht genau, wie ich das Jahr für mich bewerten soll. Und auch jetzt, wo ich musikalisch auf das Jahr zurückgeblickt habe, bin ich ein wenig ratlos. Ich habe versucht, Auffälligkeiten oder Veränderungen innerhalb meines Musikgeschmacks festzustellen. Super Dascha, du hast wie jedes Jahr seit 2013 extrem viel The Kooks gehört. Krass, wie außergewöhnlich und neu! So ein verrücktes Jahr, aber kaum Wandel in meiner Spotify-Schatzkiste? Nun ja, vielleicht habe ich in 2021 jeden Tag Rikas gehört, statt nur jeden zweiten oder dritten, wie im vorherigen Jahr. Doch nach längerem überlegen ist mir klar geworden, dass dieses Jahr dafür eine Menge Newcomer:innen, vor allem aus Deutschland, meine Kopfhörer erreichten. Da lohnt es sich mal genauer zu schauen!

    Ziemlich neu und ziemlich gut

    Beim Durchstöbern meiner Spotify Top 100 Playlist fielen einige neue Acts immer wieder auf – denn von ihnen war immer mehr als nur ein Song vertreten. Ganz vorne vor allem Zimmer90, die mit ihrer gesamten Debüt-EP Fall Back plus Singles wie Drowning vertreten sind und mich das ganze Jahr über nicht losgelassen haben. (Zu meinem Interview mit der Band gerne hier klicken!) Vor allem Momente, in denen ich Entspannung von Welt und Kopfschmerzen gebraucht habe, gab es in diesem Jahr einige. Genau diese konnten perfekt mit den sanften Synthie-Sounds von Zimmer90 gedeckt werden.

    Brandneue Bands, die ich dieses Jahr besonders in’s Herz geschlossen habe sind die lieben Menschen von Power Plush und FORWARD (Interviews gibt’s hier und hier). Beide haben im September fantastische Debüt-EPs veröffentlicht, die ich in 2021 nicht hätte missen wollen. Ich bin mir sicher, dass das für beide Bands erst der Startschuss war und sie 2022 komplett aufblühen werden. Kann’s kaum erwarten in einem Jahr ganz emotional zu schreiben, wie schön das rückblickend ist! Die zwei Singles Realität und Alle Worte Tanzen von den Lieferanten haben mich außerdem komplett von der Band überzeugt, auch da bin ich gespannt auf mehr. Aber auch Debütalben hatten dieses Jahr eine Menge zu bieten. Besonders die von Alli Neumann, Shelter Boy und girl in red haben mich für sich gecatched.

    Zwar keine Newcomer, aber neu in meinem Herzen (sorry, Kitsch) sind Buntspecht. Das war mit ziemlicher Sicherheit die Band, für die ich mich in diesem Jahr am meisten neu begeistern konnte. Keine Musik hat meine Nächte besser untermalt und keine Wortwahl mich so sehr mit ihrer Geschicklichkeit fasziniert.

    Okay, wie exakt kann man meinen Musikgeschmack treffen und vereinen? Donkey Kid hat die Antwort wohl parat. Ein weiterer Newcomer, der dieses Jahr richtig begonnen hat Musik zu releasen und mich komplett (!) mitgerissen hat, ist nämlich dieser junge Herr. Mit bisher nur vier Singles hat er sich bereits über 46 Tausend monatliche Hörer:innen erspielt. Und ich bin definitiv eine davon. Jede Single war anders als die vorherige und hat meine Aufmerksamkeit erneut auf ihn gelenkt. Deep Blue war einer meiner meistgehörtesten Songs des Jahres und ich habe jede Sekunde geliebt! Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal so hungrig auf mehr von einem Künstler war. Ey, scheiß auf Glück und Gesundheit, wenn ich mir eine Sache für 2022 wünsche, dann mehr Donkey Kid Songs.

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    Hype mit Freude

    Besonders freut es mich, dass neue Künstler in Richtung New Wave / Post-Punk wie Edwin Rosen, dessen uns allen bekannter Hit leichter//kälter schon in 2020 zu meinen top Spotify-Songs gehörte, so viel Aufmerksamkeit erhielten. Verdienterweise eben! Dieses Jahr spielte Edwin seine erste Tour und ich hab seine Liveshows auch ein paar mal erwischt. Die Energie, die die Zuschauer:innen mit sich gebracht haben, beweisen, dass das viel mehr als nur ein kurzweiliger Internet-Hype ist. Hierzulande für die breite Masse neu angekommen sind in diesem Jahr auch Molchat Doma. Anfang 2020 hab ich sie noch für 13€ in einer kleinen Location zwischen zurückhaltenden Kenner:innen gesehen. Aber vergangenen Monat dann auf ihrer World Tour in einer ausverkauften, engen Halle für mehr als verdoppelten Ticketpreis. Zwischen Moshpits, Crowdsurfer:innen und jubelnden Fans. Es ist so faszinierend und verwirrend zu erleben, wie eine Band, die ihre Songs ausschließlich auf meiner Muttersprache schreibt, hier so eine Welle an Aufmerksamkeit generiert. Bei Leuten, die keinen Plan davon haben, was sie da überhaupt singen! Nicht mit mainstreamtauglichen Pop, Rock oder Rap, sondern Dark Wave! Verrückt! Und ziemlich unerwartet. Meine Mutti glaubt mir auch immer noch nicht, dass die belarussische Band, die klingt wie die Lieblingsbands ihrer Jugend, hier so gefeiert wird. Ob ich ihr wohl noch beweisen kann, dass ich nicht übertreibe?

    Da ich schätzungsweise zu 50% russischsprachige Musik konsumiere, freut es mich umso mehr, dass jetzt so viele auf den Genuss dieser krass guten Musikecke gekommen sind. Wenn ich ehrlich bin, ist es auch ein bisschen amüsant zu sehen, wie die teilweise ahnungslosen Fans zu den traurigsten Songs, die vom Wunsch zu sterben handeln, auf den Konzerten abgehen und jubeln. Aber hey, gute Musik kann eben alle überall für sich überzeugen! Für alle, die auch auf den Genuss gekommen sind und mehr davon wollen, kann ich das neue Album der russischen Band Ploho nur empfehlen. Weitere neue Albumveröffentlichungen aus dieser Richtung, die mich begleitet haben, stammen unter anderem von Levin Goes Lightly, Amiture, Luis Ake und Electroforez. New Wave blüht auf und begeistert nun, meiner Beobachtung nach, auch Leute, die vorher nichts damit anfangen konnten. Ein Wandel, der mich sehr freut und hoffentlich länger hält, als der durchschnittliche Hype.

    Gute, schlechte und wichtige Nachrichten

    Das lässt sich für mich relativ kurz zusammenfassen. Eine der besten Nachrichten des Jahres: Die neue EP Avatar von Fibel erblickt endlich das Licht der Welt. Eine der schlechtesten Nachrichten: Fibel sagen kurz nach Release alles ab und kündigen eine Bandpause auf unbestimmte Dauer an. Aua. Letzteres möchte ich am liebsten verdrängen und so tun, als wär das einfach nicht passiert. Die EP hingegen ist meiner Meinung nach eine der besten Veröffentlichungen des Jahres, das wusste ich schon, bevor ich sie gehört hatte. Wie kann eine Band so krass gut sein? Winter hat mich in der Anfangszeit des Jahres wie eine herzliche Umarmung empfangen und mir jeden Lockdown-Tag ein kleines Stückchen Durchhaltevermögen geschenkt. Vielleicht hab ich echt dringend jemanden gebraucht, der mir sagt „Irgendwann ist der Spuck vorbei!“. Jetzt ist es Dezember und ich kann den Song passenderweise wieder hören, mitfühlen, permanent mit mir tragen. Aber auch die restlichen Songs der EP reichen von Bangern wie Odyssee, zu Melancholie wie in Ufo. Und das alles mit ganz abstrakten, unwirklichen, mystischen Texten, die mich bei jedem Hören zum Staunen und in eine ferne Welt bringen. Bitte, bitte bleibt nicht für immer weg, Fibel! 🙁

    Der Song aus meiner 2021-Sammlung, der wohl die wichtigsten Nachrichten vermittelt ist Frühling Winter und kommt von meinen geliebten OK KIDs. Die haben in diesem Jahr wieder richtig sich selbst und ihren Sound gefunden, sich von allem losgelöst und jetzt alles auf eigene Faust weitergemacht. Geil! Als erster Teil dieses neuen Abschnitts diente die eben genannte Single. Die wies nicht nur auf durch Lockdown aufgedeckte und verstärkte Probleme der Kulturbranche hin. Sondern befasste sich auch mit dem Verdrängen von eigener Verantwortung bei wichtigen Problemen unserer Zeit. Ich glaube nicht nur OK KID haben den Release dieses Songs gebraucht. Um wieder zu zeigen, wer sie eigentlich sind, wofür sie stehen und dass man sie sich gegeben falls in Erinnerung rufen sollte. Ich glaube, alle haben diesen Song gebraucht. Ende Januar 2021, als der Song rauskam, schien das Land wie in einem festen Winterschlaf. Dann Zack – ein Release schlug allen mitten ins Gesicht. Und das nicht nur wegen dem überraschenden, großen Rock-Finale des Songs, das klingt, als würde die Apokalypse eingeleitet werden. In Reviews las ich damals häufig, dass der Song als offener Brief diene. Ich finde aber, er hat so viel mehr Dringlichkeit und Intensität. Einen Brief ließt man und denkt im Nachhinein vielleicht darüber nach. Frühling Winter hingegen schreit jeden an und lässt niemanden wegschauen. Zurecht. Vielleicht sind wir besonders in diesem Jahr müde geworden und haben versucht vor den unzähligen Missständen die Augen zu verschließen. Genau deshalb bin ich dankbar, dass sich OK KID zur Aufgabe gemacht haben, uns das vor Augen zu führen. Besonders froh bin ich darüber, dass das von Menschen kommt, die ich eh gern hab. Lasst uns den Song auch in 2022 nicht vergessen!

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    Livemusik und Wünsche

    Nachdem ich mich in der ersten Jahreshälfte ganz, ganz schrecklich nach Events und Livemusik gesehnt habe, sah die zweite schon viel besser aus. Um einiges. Ich hatte von Mitte Juni bis Ende November keine einzige Woche, in der ich keine Livemusik gehört habe. Manchmal waren es auch mal vier Konzerte pro Woche, aber ich hatte ja einiges nachzuholen. Ich glaube viele hatten, vor allem im Sommer, das Gefühl, sie müssten jeden Tag komplett nutzen und ganz viel erleben. Einerseits, um nach zu holen, was im Lockdown verloren ging, andererseits aus Angst, dass das alles im nächsten Lockdown wieder verloren geht. Dieses eingeengte Gefühl ließ auch mich nicht los und leitete mich durch einige schöne Abende und schlaflose Nächte.

    Besonders verliebt bin ich in die Liveshow von Drangsal, den ich dieses Jahr mit neuem Album im Gepäck zwei Mal live gesehen habe. Zwar hatte ich ihn und seine Musik schon immer auf dem Schirm, aber hätte ihn wohl nicht zu meinen Herzensfavoriten gezählt. Exit Strategy war wohl der letzte Ruck, den ich gebraucht habe. Das Album ist rückblickend mein absolutes Lieblingsalbum 2021. Jede:r Hörer:in braucht wahrscheinlich keine Erklärung dafür. Vor allem sind die Songs live das energiereichste, was ich seit Langem erlebt habe. Ich konnte nichts anderes, als Begeisterung zu empfinden. Diese zwei Shows werden mir sicherlich noch ganz lange in bester Erinnerung bleiben. Auch die zwei Leoniden Shows, bei denen ich im Sommer war, müssen unter „energiereich“ genannt werden. Zwar hab ich sie schon oft live gesehen und jedes Mal geliebt, aber sie haben es wieder geschafft mich vom Hocker zu hauen. Haha, literally. Denn wie geil kann eine Liveshow trotz Corona-bedingter Bestuhlung sein? Krasseste Live-Band des Landes, diese Meinung wird nie jemand ändern.

    Neben gewöhnlichen Konzertbesuchen prägten mein Musik-Jahr auch ein paar andere Faktoren. Natürlich das Dasein als Teil von untoldency, aber auch mein Job in einem Club, durch den ich einige Konzerte mitnehmen konnte. Im Sommer noch ein eigenes Festival mitorganisiert (1A Acts wie Mia Morgan und Cinemagraph) und dann zum dritten Mal als Teil des Stadt ohne Meer Festivals mitgearbeitet. Letzteres gehört auch zu meinen absoluten Highlights, wie jedes Jahr. Vor allem als, zu dem Zeitpunkt, erste 2G Veranstaltung ohne Abstände! Auf all den vielen Events hab ich natürlich nette Freund:innen und Bekannte getroffen, neue Kontakte geknüpft und gehofft, dass das nie wieder verschwindet. Jetzt ist Dezember und ich befürchte, wir sind an einem viel zu ähnlichen Punkt wie vor einem Jahr. Zumindest was Live-Musik betrifft. Wie es um die Kulturbranche zu so einer Zeit steht, ist euch wahrscheinlich allen bewusst. Dazu haben in den vergangenen Lockdowns schon genug Menschen die passenden Worte gefunden.

    Aber weil ich am Anfang des Artikels über fehlende Veränderungen geschrieben habe, wünsche ich mir welche für das kommende Jahr. Rückblick heißt ja auch immer Neubeginn, oder? Ich wünsche mir, dass Musik, Kunst und Kultur nicht wieder in den Schatten rücken. Ich wünsche mir, dass sich alle daran erinnern, was wir aus den ersten Lockdowns gelernt haben. Als Kunst- und Filmstudentin wird mir immer wieder bewusst, was für einen wichtigen Einfluss Kultur auf jegliche Formen von Gesellschaft hatte. Und das so gut wie immer in der Geschichte! Immer sehnten sich Menschen nach Formen der Unterhaltung, zugänglich vermittelter Kunst, verbindender Kultur. Wir sollten jetzt diesen Wert sehen, schätzen und Kultur nicht immer an die aller letzte Stelle rücken. Kultur und Live-Musik ist mehr als nur belangloser Spaß und Bierchen sippen, sowohl für Teilnehmende, als auch für Zuschauende. Also wünsche ich mir, dass wir alle diesen Stellenwert anerkennen und sichtbar machen. Und ich wünsche mir noch, dass wir alle unsere Lieblingskünstler:innen noch mehr supporten. Ich habe mir bereits für 2021 vorgenommen, dass ich jedes Mal, wenn ich mir denke, wie genial ein Album oder eine EP sind, ich dem Artist etwas zurückgebe, in dem ich etwas kaufe (wenn das zu dem Zeitpunkt finanziell möglich ist) oder mindestens etwas von der Musik teile. Denn schließlich verdienen die Künstler:innen so gut wie nichts an meinem Stream, während ich den Zugang zu ihrer Kunst als selbstverständlich wahrnehme. Der Gedanke tut jedes Mal ein bisschen weh und ist sogar, wie ich finde, mit Scham behaftet.

    Außerdem wünsche ich mir, dass die Musikszene noch diverser, offener, freundlicher und belehrbarer wird. Zwar sind wir auf einem sehr guten Weg und weiter als manch andere Musik-Ecken, so gibt es beispielsweise trotzdem das immer wieder auftauchende Muster der basic Band-Männer, die sehr viel von sich halten und ganz wenig von allem anderen. Ich bin müde davon und erhoffe mir für 2022 ganz frischen Wind und neue Überraschungen. Ich wünsche mir, dass wir alle mehr Musik von nicht-männlichen Bands und Künstlerinnen hören und unterstützen. Auch, wenn dieser Diskurs sich lobenswerterweise in diesem Jahr entwickelt und gesteigert hat, gibt es noch eine Menge zu tun. Zum Glück ist mittlerweile mehr Sensibilität und Plattform für diese Themen geschaffen worden. Es werden mehr Künstlerinnen gebucht, umworben, gefeiert. Aber raus aus der kleinen, gemütlichen Bubble. Trotzdem sehen die Line Ups der großen Festivals zum Beispiel einfach traurig aus, wenn man immer als erstes die Diversität überprüft. Ich will hier keine Schuld zuweisen, denn in meinen Top 5 Spotify Artists sind zugegebenermaßen ausschließlich Männer vertreten. Obwohl in diesem Jahr natürlich auch so viel fantastische Musik von Frauen in meinem Radar gelandet ist! Das nehme ich aus meinem persönlichen Jahresrückblick mit. Ich wünsche mir, dass auch ich noch bewusster Musik konsumiere.

    Wen es interressiert: Das hier sind ein paar meiner liebsten Songs, die dieses Jahr erschienen sind. Denn es gab viel zu viele gute Releases, es wäre unmöglich gewesen, die alle zu erwähnen. Zusammengefasst in einer netten Playlist, voilá! Lasst es euch schmecken.

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  • Fraency goes Pop Punk

    Fraency goes Pop Punk

    Vom Basic Indie Babe, die wirklich jedes Jahr aufs Neue in ihrem Spotify Wrapped Arctic Monkeys mit unter ihren Top 5 Artists hat (die einzige verlässliche Konstante in meinem Leben), mausere ich mich langsam zum wannabe Pop Punk/Emo Babe. Aber ich finde, so verwunderlich ist das gar nicht, denn Pop Punk ist präsenter denn je (und ich glaube nicht, dass das nur an meiner Tiktok Bubble liegt, in der ich mich bewege). Was zum Beispiel dafür spricht ist, dass die Pop Punk Queen Avril Lavigne herself mit ihrer Single Bite Me zurück im Game ist und gleichzeitig bekannt gegeben hat, beim Label DTA Records gesignt zu haben. Und dieses Label gehört niemand geringerem als Travis Barker, dem Drummer von Blink 182, der gefühlt gerade bei jedem pop punkigen Release seine Finger mit im Spiel hat.

    Naja, aber zurück zu meinen Hörgewohnheiten: Avril Lavigne bringt schon sehr viele nostalgische Gefühle in mir hoch. Ihr Album Let Go hat einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen. Mit 13/14 Jahren hatte ich auf meinem MP3-Player (lel, feeling old) über dieses Album hinaus noch ganz viele Songs von Sum41, FM Static, Paramore, Good Charlotte, Panic! At the Disco, Fall Out Boy etc. und die Tracks natürlich rauf und runter gehört.

    Irgendwie habe ich das alles dann aber ein paar Jährchen aus den Augen und aus den Ohren verloren, vor allem weil mein Freundeskreis ganz andere Musik gehört hat, und mich deswegen auch eher mit anderen Bands, Künstler:innen und Genres beschäftigt. Fast forward zum Jahr 2019: neue Stadt und neue Leute, da bin ich wieder auf den Geschmack gekommen. Und ich hatte ordentlich was auf meinem Zettel an verpasster Musik. Also musste ich ganz schön viele Pop Punk und Emo Sachen der 2010er in den letzten zwei, drei Jahren aufholen. Aber vor allem dieses Jahr bin ich dann wirklich so doll into it gewesen. Deswegen dachte ich mir, widme ich meinen Jahresrückblick einfach mal diesem Thema. Also let’s go.

    https://giphy.com/gifs/PureNoiseRecords-rock-show-7vzEYgOZ1apWF2iX8F


    It’s all love now

    Well, where to begin? Ganz klar mit den bekannten Sachen wie The Story So Far, Tigers Jaw, The Front Bottoms, Hot Mulligan, Neck Deep. Natürlich ist das keine vollständige Liste, aber die kommen mir zumindest als erstes in den Kopf. Gerade The Story So Far und Tigers Jaw liebe ich mittlerweile sehr. Zu meinen Lieblings TSSF Tracks gehören ganz klar Clairvoyant und Nerve, aber auch Empty Space und Upside Down mag ich richtig gerne. Bei Tigers Jaw sind meine Top drei Escape Plan, Plane Vs. Tank Vs. Submarine und Charmer. Eigentlich könnt ihr euch auch einfach das Album spin anhören, wärmste Empfehlung meinerseits.

    Aber um nicht wieder nur hauptsächlich Dudes zu nennen, hier noch ein paar nice Bands mit Musikerinnen und Sängerinnen wie Yours Truly, Meet Me @ The Altar, Stand Atlantic, Short Fictions, Tonight Alive, Eat Your Heart Out oder Camp Cope, die es auch auf alle Fälle verdient haben gehört zu werden!

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    Diese Bands solltet ihr auf dem Radar haben

    Da wir hier ja auch immer einen kleinen Augenmerk auf noch nicht ganz so große Musiker:innen und Bands legen, hab ich natürlich meine endlos lange Spotify Playlist durchforstet und hier noch ein paar Bands für euch, die ihr unbedingt mal checken solltet.

    Meinen Favoriten stell ich einfach mal an erster Stelle: Arm’s Length sind vier Jungs aus Quinte West, Ontario und haben dieses Jahr ihre zweite EP Everything Nice veröffentlicht. Auf der EP werden – ganz emo-like – Themen wie psychische Gesundheit, familiäre Frustrationen und gescheiterte Beziehungen thematisiert. Meine beiden Favs von der Platte: Gallows Humour und Garamond. Ehrlich, von den beiden Songs kann ich nicht genug bekommen.

    „And if it’s what you want
    Why do you look like that?
    I will bend over backwards to keep what you’ve got here intact“

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    Ein Song, den ich dieses Jahr auch echt oft gehört habe ist Assisted Harakiri von Home Is Where. Ich finde zwar ehrlich gesagt, dass die Lyrics ein bisschen sehr kryptisch sind oder ich steh einfach hart auf dem Schlauch, aber den Song mag ich trotzdem. Das muss manchmal auch ausreichen als Erklärung. Vielleicht kommt bei mir irgendwann ja noch der Aha-Moment was den Songtext angeht.

    Eine weibliche Stimme habe ich auch noch im Gepäck mit der Band Fox Teeth aus New Jersey und ihrem Album Tite!, welches schon letztes Jahr veröffentlicht wurde. Abgesehen von dem Instrumental The Intro mag ich vor allem die Songs Photograph, School Friends und Lost auch sehr. Gerade der Refrain von Lost kriegt mich irgendwie jedes Mal.

    „lost lost, looking for you
    lost lost, still looking for you
    still hear you at night
    just wish i could hold you one last time“  

    Zu guter Letzt hätte ich als Tipp noch Dog Hotel aus Boston. Hier kamen über das Jahr mehrere Singles raus und ich warte brennend auf das erste richtige Album der Band. Favs bis jetzt: One Way Ticket und Meant.

    Und weil wir hier Service großschreiben, habe ich natürlich eine Playlist für euch zusammen gestellt. Wer mich kennt weiß, dass die Länge meiner Playlists schnell mal ausarten kann, aber ich hab mich hier (unter größtem Kopfzerbrechen) auf 50 Songs beschränkt.

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  • Der Musikstrudel 2021 – ODER: Wie oft kann Sarah einen Song hören, ohne dass es dieser in die Spotify Top 5 Tracks schafft?

    Der Musikstrudel 2021 – ODER: Wie oft kann Sarah einen Song hören, ohne dass es dieser in die Spotify Top 5 Tracks schafft?

    Ja Freunde, was soll ich sagen. Ich kann’s eigentlich selbst noch nicht fassen, dass ich gerade dabei bin, meinen Jahresrückblick zu schreiben. In vier Wochen schon 2022? Bisschen unrealistisch, wenn ihr mich fragt. Das letzte Jahr ist vorbeigerauscht wie nichts, hat aber trotzdem deutliche Spuren hinterlassen… in gutem sowie schlechten Sinne, i guess? Jedes Jahr denk ich mir wieder: mein Musikgeschmack hat sich krass verändert. Und wenn ich jetzt so meine On Repeat Playlist durchschaue… schwanke ich zwischen „schon geil, was für unterschiedliche Musik hier drin ist“ und „das kann man doch niemandem zeigen“???

    TOP TRACK DES JAHRES

    (und ein paar weitere abschweifende Gedanken)

    Da ich gerade (30.11.) meinen Spotify Rückblick noch nicht habe, schätze ich jetzt einfach mal wie der Trend da so aussieht: Mein Top Track ist mit 99%iger Wahrscheinlichkeit Umweg von Luis Ake. Und der ballert! Hab ich zwar erst im August gefunden, aber seitdem so circa in Dauerschleife gehört……… und dann bin ich einfach 10 Minuten zu spät zum Maifeld Derby im September gekommen und hab genau das Lied verpasst. Just my luck. Aber wenn ihr diesen Artikel lest, bin ich gerade in Prag angekommen und hol das Verpasste heute Abend nach, und gönn mir dabei auch noch ne Ladung Molchat Doma.

    (record scratch)

    Das war jedenfalls mein eigentlicher Plan B.

    Plan A war der Gig in Wien – dann ging das ganze Land in Lockdown.

    Dann hab ich alles für Prag gebucht.. ZACK, Gig abgesagt. Aber gut, Plan C ist Berlin, und dafür sitze ich in Zug während ich diesen Artikel schreibe (Dienstagmorgen, hello). Das Recap habt ihr vermutlich schon in unserer Instagram Story gesehen! (Ganz ganz fettes Shoutout an Luca an dieser Stelle)

    RUSSISCHER NEW WAVE

    Womit mein 2020-Ich absolut nicht gerechnet hätte, ist das: ich, finde irgendwie meinen Weg zu russischem New Wave… gut, New Wave fand ich schon immer geil, und Oldies wie Blue Monday hab ich auch immer gerne gehört. Meine Duolingo App wartet zwar seit Monaten vergeblich darauf, dass ich meine Russisch-Grundkenntnisse weiter ausbaue, aber die Musik hat es mir doch ziemlich angetan.

    Allen voran ist der bekannteste Genre-Vetreter wahrscheinlich Molchat Doma – die alle TikTok Süchtigen auf jeden Fall durch Sudno (судно) kennen dürften. Die Disco 80er Jahre vibes kombiniert mit moderner Sehnsucht, und das alles auf russisch? Wer meine Liebeshymne an russischen New Wave im September gelesen hat, sollte eigentlich schon wissen, dass das mein Jahreshighlight ist.

    Auch wichtiger Teil meines Rückblicks ist Stereopolina (Стереополинa) geworden, obwohl ich über ihre Musik auch erst im letzten Drittel des Jahres gestolpert bin. Aber ey….. der Shit geht richtig ab. Synthies vom Feinsten und ein richtig nicer Beat drauf! (Ihre Musik macht auch den Großteil meiner Aufräum-Playlist aus, die wir im Café immer laufen lassen, wenn wir den Laden abends dicht machen).

    Kann ich also nur empfehlen für einen kleinen Energieschub, etwas Feuer unterm Arsch.

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    WOMEN IN MUSIC

    Ich hab wirklich wirklich viel gute neue Musik dieses Jahr gefunden. Aber was mir noch mehr am Herzen liegt ist, nicht mehr so viel Musik von Menners zu hören.

    (Mein 13-Jähriges Ich, das unbedingt cOol unD AndErs sein wollte, hat damals noch behauptet, dass mir die Stimmen von Sängerinnen „einfach nicht so gut gefallen“. Dabei war ich, wenn ich daran zurückdenke, einfach nur stinkfaul und hab mir selten die Mühe gemacht überhaupt nach Künstlerinnen zu suchen und mir diese anzuhören. Jetzt, 10 Jahre später sieht das zum Glück deutlich anders aus.)

    Meine beiden Band Highlights dieses Jahr waren eindeutig Wolf Alice und Men I Trust.

    Das neuste Album von Wolf Alice wurde zwar bereits Anfang Juni released, so richtig reingefunden hab da ich aber erst im August. Und jetzt? ON. REPEAT. Mein Lieblings – Men I Trust – Album hat zwar schon Ende 2019 das Licht der Welt erblickt, aber das lassen wir jetzt einfach mal gelten. Hab ich schließlich auch erst 2021 entdeckt.

    Und wenn man in mein Zimmer läuft, sieht man inzwischen immer entweder Blue Weekend von Wolf Alice ODER Oncle Jazz von Men I Trust auf meinem Plattenspieler liegen.

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    GIGS 2021

    Leider (wie schon letztes Jahr) konnte ich auch 2021 meinen Rekord von 2019 nicht übertreffen. Nur 17 Gigs dieses Jahr? Schwach. Vor zwei Jahren waren es noch 50 innerhalb eines Jahres.

    Wenn ich mir jetzt rückblickend den schönsten Tag des Jahres aussuchen müsste, würde die Wahl vermutlich auf den Maifeld Derby Freitag fallen. Auch wenn der Tag deutliche Startschwierigkeiten hatte (heißt: Streik der DB, also musste ich mit dem Auto fahren, und wurde dann in einen Auffahrunfall verwickelt, was auch der Grund für mein Zuspätkommen war) … der Blick über das Festivalgelände bei Sonnenuntergang hat irgendwie pure Glücksgefühle in mir ausgelöst.

    Mein erstes richtiges Konzert, das sich wieder normal angefühlt hatte, war Zimmer90 und Bruckner. Beides Bands, bei denen sich andere in Punkto Liveauftritt noch einiges abschauen können – auch wenn Zimmer90 gerade erst aus dem Ei geschlüpft sind. Also, reinhören da! Und supporten wo geht!

    Oh und uffff, Crowdsurfing, Moshpits, Tanzen – es hat sich fast wieder wie früher angefühlt. Jakob hat am Ende sogar noch einen Stagedive vom Feinsten hingelegt, den ihr euch hier noch anschauen könnt:

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    Fazit: Auch wenn ich mental noch irgendwo Ende 2019 festhänge, war der Strudel der mich 2021 mitgerissen hat wohl ein wichtiger Bestandteil meiner musikalischen Reise – und auch wenn meine Playlists manchmal absolut nicht zusammenpassen ……. was wäre denn das Leben ohne ein bisschen Abwechslung?

    Hier nochmal alle Songs vom Artikel und ein paar Überraschungen!

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  • not a broken record: Tom Odell und „Another Love“

    not a broken record: Tom Odell und „Another Love“

    Jeden Tag inspiriert mich Musik in jeglicher Situation, doch ein Song hat es mir in den letzten Monaten ganz besonders angetan. Wir reden hier von keinem geringeren Song als „Another Love“ vom britischen Singer Songwriter Tom Odell.


    Eine alte Liebe

    Der Titel hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel, ich glaube, dass wissen wir alle. Erschienen ist dieses Meisterwerk der Popmusik im Oktober 2012, als vorab Release in Form einer EP, die Tom Odell „Songs from Another Love“ nannte. Doch bevor der Sänger sich einen Namen in der Musikwelt machte, fing er wie jeder klein an. Klavierunterricht im Alter von sieben Jahren, bis hin zu den ersten eigenen Songs. Mit 18 eine musikalische Ausbildung am Institute of Modern Music, nebenbei allerdings weiterhin ein aktiver Songschreiber.

    Wie das mit 18 so ist, lag die erste Band auch nicht fern. Entdeckt von Lily Allen ging die Musikkarriere erst richtig los. Ein perfektes Match zwischen zwei sehr starken Songwritern? Ja! Denn kurz darauf unterschrieb Tom Odell einen Vertrag in Lily Allen’s eigenem Label „In the Name of“ und veröffentlichte seine erste EP „From Another Love“. Im Folgejahr erschien das erste Album „Long Way Down“, auf dem „Another Love“ nochmals vertreten war. Dieses überaus emotionale Lied, handelt von vielen gescheiterten Beziehungen und emotionaler Ohnmacht „all my tears had been used up“, heißt es im Refrain. Doch trotz der melancholischen Stimmung hielt „Another Love“ sich sage und schreibe 66 Wochen auf Platz 11 der deutschen Charts – und das zurecht, denn dieser Song umfasst sehr viele musikalische Fassetten.

    Mit 13 habe ich den Song das erste mal im Radio gehört. Irgendetwas dran hat mich fasziniert, doch was genau so faszinierend war konnte ich nicht erklären. So verging also die Zeit und das Stück wurde nach und nach durch andere Stücke ersetzt, geriet beinahe in Vergessenheit. Klar, hin und wieder wurde der Song im Radio gespielt, aber wahrgenommen habe ich das nicht. Erst vor kurzem ist mir aufgefallen, wie großartig die Art und Weise des Songwritings überhaupt umgesetzt wurde. „Another Love“ übermittelt so starke Gefühle, dass dieser Song mir immer wieder die Tränen in die Augen treibt.


    Weniger ist manchmal doch mehr!

    Der simple Einsatz des Klaviers und der Stimme mag für viele unspektakulär sein. Doch das wunderschöne an diesem Song ist ja eigentlich genau dieses simple Gerüst, welches im Laufe durchbrochen wird. Während wir am Anfang noch die schüchterne Stimme von Tom Odell hören, die verzweifelt versucht ihre Liebe zu beweisen, werden wir nach dem ersten Refrain geradezu erschlagen mit kräftigen Chorstimmen, die einem das Gefühl von einem inneren Kampf mit sich selbst vermitteln – Gänsehaut.

    Hier ist auch mal kurz hervorzuheben, wie erfindungsreich eigentlich dieser Part des Chores ist. Ich habe einen absoluten Faible für mehrstimmigen Gesang, sprich, ich werde hier voll und ganz abgeholt. Was ich aber eigentlich sagen möchte, dieser Part ist das perfekte Beispiel für die Details, von denen ich gesprochen habe. Beim genaueren Hinhören wird einem erst klar, wie viele Stimmen da eigentlich sind, welche Harmonien abgedeckt werden und wie die Lautstärke verteilt ist. Eine kleine stimmliche Abenteuerreise. Es macht irrsinnig viel Spaß, sich jedes mal auf eine andere Stimme zu konzentrieren. Der Chor tritt ja auch abgeschwächt immer wieder auf – alles Details, die ich sonst nicht wahrgenommen habe.

    Doch nicht nur der Gesang wandelt sich. Auch bei der Aufstellung der Instrumente ist ein deutlicher Unterschied zu bemerken. Das Klavier wird plötzlich von einer Gitarre im Palm Mute Stil unterstützt, sowie von einem dumpf klingenden Schlagzeug. Der Gesang wird zunehmend immer intensiver. Und nicht nur der Gesang und die Instrumente werden präsenter – Der Text spitzt sich auch immer weiter zu. Mehr Emotion, mehr vom Inneren des Künstlers „I wanna cry, I wanna learn to love“. Es wird eine mitreißende Atmosphäre geschaffen, in der man von Text und Musik an die Hand genommen wird und in eine Welt der Melancholie eintaucht. Man beginnt immer und immer mehr zu verstehen. Es ist dieses Gefühl von beinahe schon angenehmer Bedrücktheit, ähnlich wie heute bei Billie Eilish. Schwere Themen werden in eine wunderschöne Ästhetik verpackt und jeder kann sich irgendwie besser in die Situation hineinversetzen. Es ist schön, aber schrecklich zugleich.


    Verletzlichkeit und die Auseinandersetzung mit sich selbst

    Wir alle kennen das Gefühl verletzt zu sein. Entweder man geht offen damit um, oder eben nicht. Gerade dann, wenn es um eine zerbrochene Beziehung geht, müssen die meisten von uns erst einmal schlucken.

    Doch genau aus diesem Grund, finde ich die gesamte Geschichte die hinter den Lyrics steht so unglaublich nachvollziehbar. Tom Odell singt darüber, dass er sich ausgebrannt fühlt, weil er den Eindruck hat alles falsch gemacht zu haben. Er singt darüber, dass er nicht weiß woher all die Kälte kommt. Er phantasiert sogenannte „Was wäre wenn Situationen“ vor sich hin und schreit diese in Form von Musik in die Welt. So offen mit seinen Gefühlen umzugehen, ist Stark, Mutig und vor allem beeindruckend. Man bekommt immer stärkere Bilder vom Künstler zugeworfen, in denen er den Kampf mit sich selbst offen legt. Auf der einen Seite wirkt er stark und selbstbestimmt „and if somebody hurts you, I wanna fight“ und auf der anderen Seite fällt das aufgebaute Kartenhaus wieder in sich zusammen „but myhands been broken, one too many times“Unsicherheit begleitet jeden von uns.


    Fazit

    Tom Odell’s Kreation „Another Love“ ist eine melancholische Reise ins Innere des Sängers, die mich als Hörerin durch und durch berührt. Es ist ein Song der wohl thematisch immer aktuell bleibt und in dem man durchaus auch nach mehrmaligem Hören viele neue Aspekte und Details entdecken kann. Er ist eine wärmste Empfehlung von mir an jeden, der Songs mit Tiefgang liebt – denn glaubt mir, den hat dieses Werk auf alle Fälle!

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  • KID DAD: Warum unsere neue EP „Bloom“ so anders klingt als das Debüt „In A Box“

    KID DAD: Warum unsere neue EP „Bloom“ so anders klingt als das Debüt „In A Box“

    Im Interview zu ihrem Debütalbum hatten wir KID DAD vorgestellt als die Band, bei der jede Person hellhörig werden sollte, die sich nach guten alten spannungsgeladenen und emotionalen Gitarrenrock sehnt. Mit ihrem Debütalbum „In A Box“ haben sie, jedenfalls bei mir, alle Türen eingerannt, die da so offen rumstanden. So eine Band behält man dann natürlich im Auge. Deshalb präsentieren wir euch hier das neue musikalische Zeichen der vier Jungs aus Paderborn! Vor wenigen Wochen kam bereits die neue Single „Apartment“ raus, und nun „As Soon As America“ – beides sind Vorankündigungen auf die neue EP „Bloom„, die im Dezember erscheint.

    Den rockigen Sound haben KID DAD seit dem Album nicht verloren, in As Soon As America aber eine Stufe weitergeführt: stillvoller Art-Pop mit deutlich politischer Tiefe unterstreicht nun die eigentliche musikalische Breite der Band:

    „Es ist häufig von Gegenwind begleitet, wenn Künstler*Innen Länder, Staaten, System oder politische Konstrukte kritisieren – vor allem, wenn es nicht das eigne ist. Das wissen wir sehr gut und deshalb war es für uns stets ein schmaler Grat zwischen einem unreflektiertem Fingerzeig auf andere und dem Verlangen danach, der eigenen Wut über Ungerechtigkeit, Leid und Unmenschlichkeit Luft zu machen.“

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    KID DAD verarbeiten in ihrer EP die politischen Themen, die man immer schlechter vom Privaten trennen kann. Zu Recht finden sie deshalb ihren Platz in der Musik. Und weil wir ihre Entwicklung als eine der spannendsten Newcomer Band Deutschlands weiter aus erster Hand präsentieren wollen, haben wir sie prompt eingeladen, ein paar Worte selbst dazulassen. Über ihre neue EP, über die andere Seite des mittelständischen American Dreams und warum Punk eigentlich so wütend macht.

     
    KID DAD: „Warum unsere EP Bloom so anders klingt als das Debüt In A Box:

    Das Jahr nach unserem Debütalbum „In A Box“ war maßgeblich durch Corona geprägt und das hatte nicht nur Nachteile. Wir hatten mehr Zeit denn je. Für neue Ideen, für ausgiebige Proben und natürlich auch Musikkonsum, was letztlich zu unserer neuen Platte geführt hat. Neben der Tatsache dass es unser allererstes eigenes Album war, war „In A Box“ primär Selbsttherapie. Einige von uns hatten eine recht toughe Zeit zwischen 2018 & 2020, das haben wir in den Texten verarbeitet. Dementsprechend ist es unsere wahrscheinlich intimste Platte.

    Die kommende EP „Bloom“ zeigt alle Facetten, die KID DAD jemals hatte. Sie kombiniert das wunderschönste Hoch mit dem traurigsten Tief. Was allerdings alle Songs gemeinsam haben, ist die persönliche Entwicklung zum Extrovertierten – gerade in der Themenpalette. Ein Beispiel für einen Song, wie er auf „In A Box“ noch nicht denkbar gewesen wäre, ist „As Soon As America“, unsere aktuelle Single.

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    Der „American Dream“ ist die Idee, dass harte, ehrliche Arbeit in direkter Korrelation mit Erfolg, gesellschaftlicher Akzeptanz und Wohlstand steht. Menschen strömen in ein Land, in der Hoffnung, dass „alles besser“ wird. Aber – natürlich je nach Herkunftsort – meist werden diese Menschen Opfer desselben ungerechten Systems – nur auf Hochglanz poliert. Als weiße, privilegierte Cis-„Mittelständler“, wie es hier heißt, wurden wir nie mit Problematiken wie Rassismus, Sexismus oder ähnlichem konfrontiert. Was ist das also für ein Kollektiv-Traum, wenn nicht jeder in diesem Kollektiv die gleichen Chancen hat, ihn sich zu erfüllen?

    Wir sind viel mit Punk und anderer politischer Musik aufgewachsen. Green Day, Rage Against The Machine und auch Die Ärzte haben immer Haltung gezeigt. Das hat uns schon in unseren Kinderschuhen imponiert. Irgendwann ging das ein bisschen verloren, dieses Nachahmen. Ich sage bewusst Nachahmen, weil wir damals wohl alle noch nicht wussten, wieso Punk eigentlich wütend ist – es hat uns einfach vereinnahmt, eingehüllt und fasziniert. Jetzt entdecken wir diese Wut.

    Auf „In A Box“ und es ging nur um das „Ich“ und die innere Gefühlswelt. Auf „Bloom“ versuchen wir Politik mal anders anzugehen. Die Wut kommt diesmal aus dem Herzen, nicht aus der Kehle. Und obwohl es sich komisch anfühlt, so klar offen seine reflektierte Meinung rauszurufen, ist es irgendwie trotzdem immer noch Selbstheilung – nur eben anders.

     

    Für Referenzen und eure Playlisten ist hier das Debütalbum „In A Box“ als Schnell-Klick:

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    Fotocredit: Max Zdunek

  • Feng Suave’s approved gardening principles

    Feng Suave’s approved gardening principles

    Heute haben wir ein ganz besonderes Feature für euch, welches auch uns neu ist. Denn anstatt über Bands zu schreiben oder sie zu interviewen (in diesem Fall haben wir das auch schon mal gemacht), haben wir die beiden Daniels von Feng Suave einfach mal selbst was schreiben lassen. Wenn euch Feng Suave noch kein Begriff ist, absolut nicht schlimm, denn eigentlich ist jetzt der perfekte Zeitpunkt, um die sympatischen Holländer ins Herz zu schließen. Mit „So Much For Gardening“ haben sie Ende August ihre neue EP veröffentlicht und in diesem Sinne haben wir zu einem kleinen Gastbeitrag eingeladen. Musikalisch befinden wir uns in super entspannten Alternative/Soul Vibes direkt aus Amsterdam, inhaltlich zwischen Gesellschaftskritik und einfach super lustigen Dudes. Letzteres beweisen sie in im folgenden Text, bei dem wir ihnen völlig freie Hand gelassen haben und selbst wirklich sehr, sehr lachen mussten, als wir ihn gelesen haben.

     
    Feng Suave’s approved gardening principles

    1. Flowers look nice but are lame

    Okay, firstly, flowers are beautiful. The tragic irony of many beautiful things is that their beauty often leads to their destruction or imprisonment. Ornamental flowers are stupid. They look cosy colourful but are actually dying an unnecessary death in our living rooms. We would suggest changing the symbol to a dying on a table to living lavender in the front yard. Peace.

    2. Christmas trees look stupid because they are

    There’s nothing wrong with conifers. Conifers are great. But the aforementioned irony extends to their part of the Plant Kingdom as well. Or should we say their neck of the woods? Haha. We digress. A small, prematurely chopped pine tree in the living room is associated with a festive vibe, but is, of course, very, very stupid. Most people have the tree in their house for a few withering winter weeks before shamelessly leaving it out front to be picked up on bin day. The worst part is how pathetic and disconnected a reenactment it is of the original prehistoric tradition of tribes gifting each other a tree to bear fruit for a generation. It also has nothing to do with that bloke called Jesus. We’re willing to bet he never even saw a Christmas tree in ancient Palestine. 

    3. All things soy suck

    Only 7% or soy produced for human consumption as tofu, tempeh, pi pa po… A lot of prime forest is making way for soy plantations to be harvested for fodder. Fodder! There are, of course, also those who claim that soy products give men boobies, but we’re not sure about that.

    4. Golf courses (in most climates) are really, really, stupid

    Golf courses demand excessive delicacy, care, energy and resources to be considered acceptable by the fastidious elites of the developed world. Many golf courses are in climates where they absolutely don’t need to be (I’m looking at you, Portugal and California). Ridiculous! Maintaining a highly manicured football pitch in Qatar is also considered a crime against humanity by Feng Suave.

    5. Weeds don’t exist

    We would love to invite all the happy people of planet earth to accept that weeds are just more free plants. We fully understand the need to remove them from your veggie garden, but when your tiled backyard, sidewalk or local playground displays some of that lovely green colour, look inside your heart and learn to give these lovely little plants some of the much-needed appreciation they deserve. People are conditioned to look down upon weeds as just being parasitic sidewalk intruders, which is a bloody shame. We vote green.

     

    Zusätzlich oder vielleicht eher Hand in Hand gehend zu diesen 5 sehr reasonablen Punkten könnt ihr euch hier noch ein paar weitere Tipps der Band abholen:

    https://www.youtube.com/watch?v=M2MuS4w7_GE
    https://www.youtube.com/watch?v=dy2MQEFrp_M
     

    Wenn die beiden Daniels euch damit mindestens ein Mal zum Lächeln bringen konnten, dann bringt sie zum Lächeln und hört hier rein:

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  • Musik gegen Rechts: deutsche Künstler:innen werden politisch

    Ausländerfeindliche Übergriffe, steigende Gewaltbereitschaft und wachsende Wahlerfolge der AfD – der Rechtsruck in Deutschland ist deutlich zu spüren. Ein Großteil der Bevölkerung hat es jedoch satt. Doch wie kann rassistisches Gedankengut am effektivsten bekämpft werden? Am besten vermittelt man es durch etwas, das jedem Spaß macht: Musik. Deshalb zeigen mittlerweile viele Musiker:innen, wo sie politisch stehen. Das hört man in ihren Songs, sieht man bei ihren Konzerten und liest man auf Social Media. Das ist ihre Strategie: So mischen sich deutsche Künstler:innen in die Politik ein!


    „Es gibt viele Feinde der freien Gesellschaft.“
    Christoph Sell, Feine Sahne Fischfilet



    #WIRSINDMEHR – Doch was bleibt nach dem Hashtag?

    Es ist der 26. August 2018 und es ereignet sich auf den Straßen der Chemnitzer Innenstadt. „Volksverräter, Schweinehunde, Faschisten!“, rufen die Rechtsextremist:innen während sie auf die Polizisten einschlagen. Ihre geplante Hetzjagd auf Migrant:innen ist in vollem Gange. Alles, was sich gegen sie stellt wird angegriffen – egal, ob Polizist:in, Journalist:in oder Passant:in. Sie lassen ihrer Wut freien Lauf. Der Auslöser für ihren Zorn: Am Vortag gingen ein Syrer und ein Iraker mit einem Messer in einem Streit auf eine andere Gruppe Männer los, wobei einer tödlich verletzt wurde. Grund genug für die rechte Szene, sich mit Gewalt auf der Straße an den ausländischen Mitbürger:innen zu rächen. Die fremdenfeindlichen Ausschreitungen an diesem Tag sind gefolgt von Demonstrationen und einem Trauermarsch der AfD und Pegida an den folgenden Tagen.


    Chemnitz – eine Stadt im Ausnahmezustand
    Musik gegen Rechts: Marteria und Casper auf dem #wirsindmehr-Konzert


    Doch bevor Chemnitz den Stempel als Hochburg der rechten Gewalt aufgesetzt bekommt, meldet sich Kraftklub zu Wort. Die Band um Frontsänger Felix Brummer will nicht zusehen, wie ihre Heimatstadt von Neonazis instrumentalisiert wird. Sie organisieren zusammen mit dem Chemnitzer Stadtmarketing ein kostenloses Konzert. Das Konzept dahinter: Deutsche Musiker:innen positionieren sich klar und deutlich gegen die Rechtsgewalt und nutzen ihre große Reichweite, um den Hetzern zu zeigen, dass sie in der Unterzahl sind. Das Motto lautet „Wir sind nicht allein, wir sind mehr!“ und gibt der Veranstaltung den Namen #wirsindmehr. Unter dem Hashtag wird das Konzert innerhalb kürzester Zeit ein viraler Hit. Immer mehr Künstler:innen schließen sich der Bewegung an.


    #wirsindmehr

    Am 3. September 2018 ist es dann soweit. 65.000 Besucher:inneb machen sich auf den Weg nach Chemnitz um durch ihre gemeinsame Liebe zur Musik ein Zeichen gegen den Rechtsruck zu setzen. Auf der Bühne stehen neben Kraftklub weitere deutsche Künstler:innen: Die Toten Hosen, Casper, Feine Sahne Fischfilet, K.I.Z, Marteria, Nura und Trettmann. Das Konzert wird auf YouTube im Livestream und auf 3sat im Fernsehen übertragen. Alles läuft friedlich und störungsfrei ab.


    Ziel erreicht!

    Wenn mehr als 50 Tausend Leute „Nazis raus!“ rufen, dann hat wohl auch das dickköpfige, unbelehrbare AfD-Mitglied verstanden, dass es hier nicht willkommen ist.

    Die Social Media-Gemeinde ist sich da allerdings nicht ganz so einig. n-tv kritisiert über Twitter, dass „nur die üblichen Verdächtigen“ vor Ort seien und die komplette Deutschpop-Front nicht vertreten ist. Helene Fischer kontert darauf, indem sie sich per #wirsindmehr zum Konzert bekennt. Größtenteils ist das Feedback aber positiv. Die spontane und trotzdem einwandfreie Organisation wird gelobt und die Künstler:innen sind für viele ein Vorbild. Deutschlandfunk stellt klar: Die schweigende Mehrheit Sachsens ist zwar immer noch da, wird aber so langsam wach.

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    https://twitter.com/DrWaumiau/status/1036616923520409602?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1036616923520409602%7Ctwgr%5E%7Ctwcon%5Es1_c10&ref_url=https%3A%2F%2Fpreview.shorthand.com%2FzbHsb4lJwaQIR7et

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    Aber es bleibt nicht nur bei dem einen #wirsindmehr-Konzert. Im Juli 2019 findet in Chemnitz die nächste Veranstaltung mit Musik gegen Rechts statt. Das Kosmos-Festival unter dem Motto „Wir bleiben mehr“ zählt 50.000 Besucher:innen, die zu Künstler:innen wie Alligatoah, Herbert Grönemeyer oder Tocotronic wieder ein Zeichen setzen wollen, dass die Rechten nicht das Zepter der Stadt in ihren Händen haben.  


    #wirbleibenmehr

    #wirsindmehr ist nicht einfach ein einmaliges Konzert. Der Hashtag ist heute Synonym für eine bunte, offene und von rechter Gewalt freie Gesellschaft. So schleicht sich #wirsindmehr immer wieder unter die Twitter-Trends, wenn es einen Angriff rechtsradikaler Gruppen gibt. Auch im Jahr 2021 ist es wichtiger denn je, der rechten Szene zu kontern und zu zeigen, dass sie nicht die Oberhand in Deutschland hat.


    #wirsindschonlangemehr

    Musiker:innen, die sich gegen rechte Gewalt auflehnen – das ist keine Entdeckung des 21. Jahrhunderts. In den letzten Jahrzehnten gab es immer wieder Bewegungen, Initiativen und Aktionen der linken Musikszene, die sich deutlich gegen Unruhen durch Fremdenhass, rechte Hetze und für die Freiheit aller einsetzen. Ein Großteil findet seinen Ursprung im Deutschpunk, aus dem auch das heutige Flaggschiff der linken Musik entstanden ist: der Politpunk. Hier kurz einmal einige wichtige Eckpunkte der deutschen Punkgeschichte, an die heutige Musikevents wie #wirsindmehr erinnern:


    FEINE SAHNE FISCHFILET – Politpunk gegen Rechts

    Dass Rechtsextremismus in Sachsen ein großes Problem ist, ist mittlerweile bekannt. Doch die Ausschreitungen in der ehemaligen Karl-Marx-Stadt lassen ein anderes Bundesland oft im Hintergrund stehen: Mecklenburg-Vorpommern. Der Ostsee-Bezirk bekommt von den meisten Deutschen nur einmal im Jahr Aufmerksamkeit, nämlich dann, wenn es zum Sommerurlaub nach Rügen oder an den Timmendorfer Strand geht. Doch wohnen möchten dort die wenigsten. Meilenweite freie Flächen, kleine Dörfer, abgeschottet von der Außenwelt – kein Wunder, dass sich die Einwohner:innen von der Regierung oft vernachlässigt fühlen. Das Problem an der Situation: Viele geraten dadurch in die rechte Szene. Der 35-Einwohner Ort Jamel ist sogar als Nazidorf bekannt, dort leben die Menschen nach dem Motto „frei, sozial, national“ und haben das auch auf ihren Häusern verewigt. Auch wenn Jamel ein Extremfall ist, ist der Ort leider nicht das einzige Sorgenkind in Mecklenburg-Vorpommern.

    Schwer vorstellbar, in so einer Region öffentlich zu seiner antifaschistischen, linken Haltung zu stehen. Für die Politpunk-Band Feine Sahne Fischfilet aus Jarmen gibt es allerdings gar keine Alternative: Auch sie machen Musik gegen Rechts. In ihrem Musikvideo zu „Alles auf Rausch“ machen Sie das mehr als deutlich.

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    Das Aufwachsen auf dem Land hat die Einstellung der Band und wie sie mit bestimmten Situationen umgehen bedeutend geprägt. In Jarmen gab es nur wenige andere Punkbands und ab und zu kleine Demos der linken Szene, die die Gewaltbereitschaft der Rechten eher gefördert als gefordert hat. Laut Gitarrist Christoph gewöhnt man sich an sowas aber schnell.


    „Man nimmt es immer einfach so auf. Aber eigentlich ist es total skandalös, was da abgeht.“
    Monchi von Feine Sahne Fischfilet

    Den Zuständen in Jarmen haben die DIY-Punker gepflegt getrotzt und einfach ihr eigenes Ding gemacht. Von der Organisation von Veranstaltungen bis hin zum Presse-Statement, Feine Sahne Fischfilet hat sich alles selbst erarbeitet und beigebracht. Das hebt sie von vielen anderen Bands ab. Die Jungs aus dem Osten haben dabei auch gelernt, sich immer den Humor zu behalten und die Lebenslust nicht zu verlieren. Das hört man auch in ihren Songs.

    Den aufmerksamen Zuhörer:innen fällt schnell auf, dass Feine Sahne in ihren Songs ganz unverblümt zu Gewalt aufrufen. Andererseits positionieren sie sich deutlich gegen rechte Gewalt. Wie passt das zusammen? Ganz einfach, gegen die rechte Szene anzureden bringt leider meistens nichts. Das mussten Feine Sahne Fischfilet selbst auf die harte Tour lernen.


    „Wenn du immer noch deine andere Wange mit hinhälst, wenn du mal einen in die Fresse kriegst, dann hast du irgendwann keine Zähne mehr im Maul. Das bringt gar nichts!“


    Seitdem schlagen die Jungs auch mal zurück. Dabei geht es ihnen nicht nur um die bloße körperliche Tat, sondern viel mehr die Botschaft dahinter: Wir lassen uns das nicht gefallen. Wir sind gegen euch und stehen dazu! Sie sind bereit für ihren Grundsatz zu kämpfen, nämlich für eine freie Gesellschaft, würden aber selbst nicht behaupten, dass sie für Gewalt einstehen, sondern viel mehr von den Nazis und Rechten dazu gezwungen werden, da diese sonst die Oberhand bekommen würden.


    „Das finde ich total notwendig: Wenn Nazis auf dem Land aktiv sind und alles einschüchtern, was irgendwie für eine bunte Gesellschaft und eine freiheitliche Gesellschaft steht, dann muss sich diese Gemeinschaft wehren!“


    Vor ihrem Konzert am 30.11.2019 in Lingen habe ich mit Feine Sahne Fischfilet über ihre Texte, den Rechtsruck und die deutsche Politik geredet. Das sind die Antworten von Christoph und Olaf:

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    „‘Wir sind mehr‘ ist für mich immer noch ein Leitsatz, an den ich glaube.“

    #wirsindmehr ist nicht die einzige Kampagne, für die die Punker aus Jarmen sich bereits eingesetzt haben. Zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern 2016 starteten sie selbst die Kampagne „Noch nicht komplett im Arsch – Zusammenhalten gegen den Rechtsruck!“. Ihr Ziel: Das Wir-Gefühl stärken! Dass die AfD zu dem Zeitpunkt wieder neue Wahlerfolge erzielen konnte und das rassistische Klima im Land wuchs, war den Jungs bewusst. Dass sie das durch die Kampagne auch nicht aufhalten konnten, auch das war ihnen bewusst. Trotzdem war es wichtig, ein Zeichen zu setzen und der rechten Front etwas Gegenwind zu bieten – und das unabhängig von Parteien. Eine Reihe von Veranstaltungen sollte die Bürger:innen vor Ort informieren und aufmerksam machen. Lesungen, gemeinsames Singen, Gesprächsrunden und Grillen stand auf dem Plan, außerdem spielte Marteria ein Konzert in Anklam. Den krönenden Abschluss bildete das „Wasted in Jarmen“-Festival, das seitdem jährlich wiederholt wird und ein beliebter Schauplatz für Musik gegen Rechts geworden ist.


    KEIN BOCK AUF NAZIS – Die Kampagne gegen Rechts

    Sei es durch klare Worte oder ohrwurmverdächtige Sounds, Musik verbindet Menschen einfach. Wenn dann auch noch eine politische Message dahintersteckt, kann Musik sogar bildende Eigenschaften haben. Doch in der Politik erreicht man damit leider wenig. Das ist den Musiker:innen bewusst. Viele wollen das auch gar nicht unbedingt.

    Die Punkband ZSK hat die Schnauze voll, denn sie haben Kein Bock auf Nazis und bereits 2006 die gleichnamige Kampagne ins Leben gerufen. Sie wollen vor allem die Jugend damit erreichen. Jugendliche können sich über Kein Bock auf Nazis zum Thema Rechtsextremismus informieren und sich vernetzen. Wer Hilfe beim Organisieren von Demonstrationen oder Infoständen braucht oder in der Schule das Thema behandeln möchte, findet hier Unterstützung. Dazu gibt es eine kostenlose DVD, Broschüren, Plakate, Sticker und weiteres Infomaterial. Vor allem in den Schulen wird das Angebot sehr gut angenommen. Viele Lehrer:innen bauen die Materialien und den Film mittlerweile in ihren Unterricht ein, um Präventionsarbeit zu leisten. ZSK ist dabei nur wichtig, dass sich keiner auf den Lorbeeren anderer ausruht, sondern selbst etwas startet und sich mit Freund:innen zusammentut. Jeder soll selbst die Initiative ergreifen.

    Die Kampagne hat eine breite Basis an Unterstützern. Bands wie Die Ärzte, Die Toten Hosen, Fettes Brot oder Deichkind stehen hinter dem Projekt. Auch Feine Sahne Fischfilet engagiert sich aktiv für Kein Bock auf Nazis. Die Vertreter:innen von Musik gegen Rechts wollen es nicht einfach nur bei ihren Songs belassen, sondern auch Initiative ergreifen. ZSK-Sänger Joshi ist begeistert von dem Rückhalt, den seine Band und die Kampagne in der deutschen Musikszene genießt:


    „Ich finde es wichtig, dass man bei ganz vielen Bands weiß, dass sie im richtigen Moment auf der richtigen Seite stehen.“
    Musik gegen Rechts: ZSK auf der Bühne mit Banner "Make racists afraid again


    Bei der Gründung von Kein Bock auf Nazis wurde die Bands von vielen Seiten belächelt, doch das Thema der Kampagne ist mit den Jahren immer aktueller und wichtiger geworden. Was steckt also heute noch hinter dem Projekt und wer ist die Band dahinter?


    „Ich hätte mir gewünscht, dass vieles, was ich damals gesungen habe, heute nicht mehr aktuell wäre. Aber so ist es nicht.“


    Politische Texte mit einer klaren Message – das steht bei den Songs von ZSK im Mittelpunkt. Sie wollen nicht „einfach nur“ Musik machen, sie wollen bewusst politisch sein. Laut Sänger Joshi ist die deutsche Gesellschaft momentan in zwei Extreme gespalten: AfD, NSU und Anschläge auf der einen Seite stehen Hambi-Demos, Antifa und Ende Gelände auf der anderen Seite gegenüber. ZSK positioniert sich klar und deutlich: Alerta, Alerta, Antifacista! Sie unterstützen eine Vielzahl an antifaschistischen Organisationen und nehmen diese auch immer wieder gerne mit auf Tour. Vor ihren Konzerten findet man so gut wie immer Infostände gegen Rechtsextremismus. Sänger Joshi erinnert das Publikum auch auf der Bühne regelmäßig daran, sich gegen den Rechtsruck zu wehren. Ein gemeinsamer Antifa-Ruf darf da natürlich nicht fehlen. Man könnte also sagen, die Band lebt in ihrer Nazi-freien Blase. Damit geben sich die Punker allerdings nicht zufrieden. Ihrer Meinung nach unternimmt die Politik viel zu wenig bis gar nichts gegen den Rechtsruck in Deutschland. Deswegen nehmen die Jungs das Ganze lieber gleich selbst in die Hand. Getreu dem Motto „Do it yourself“. Mit der Kein Bock auf Nazis Kampagne haben sie ihre Filterblase aufgelöst und leisten Präventionsarbeit für die ganze Gesellschaft.


    Es hilft dir auch keine Polizei oder keine Politiker:innen, die immer sagen: „Zivilcourage finden wir ganz toll. Und wenn es dann aber beim Nazi-Aufmarsch eine Sitzblockade gibt, eine friedliche, und alle kriegen Pfefferspray ins Gesicht, dann sind die Politiker:innen nicht da.“
    Musik gegen Rechts: Joshi, der Sänger von ZSK

    #WIRWERDENIMMERMEHRSEIN – Wieso das Konzert nicht einfach nur ein Konzert war

    #wirsindmehr, Kein Bock auf Nazis und Noch nicht komplett im Arsch! – alle drei Projekte sind Kampagnen gegen den Rechtsruck in Deutschland, ins Leben gerufen durch Musiker:innen. Sie stehen beispielhaft für den Einsatz deutscher Künstler:innen für die politische Lage der Nation. Die Bands und ihre Musik gegen Rechts werden für ihr Engagement immer wieder gelobt, oft auch aus der Politik. Das prominenteste Beispiel dafür ist wohl Frank Walter Steinmeiers Aufruf, das #wirsindmehr-Konzert zu besuchen, für das er allerdings Kritik von Annegret Kramp-Karrenbauer einstecken musste.

    Die große Frage, die seit #wirsindmehr kontrovers diskutiert und immer wieder bei Kampagnen ähnlicher Art aufkommt, ist wohl diese: Hat das Konzert eine Veränderung schaffen können? Ist nicht alles noch genauso wie vorher?


    Was bleibt am Ende noch über?

    Joshi von ZSK kann solche Ansichten nicht verstehen. Die Leute, die sich über so etwas beschweren, seien eigentlich nur neidisch, dass es nicht ihre eigene Idee war. Er findet, dass das Konzert wahnsinnig viel gebracht hat. Joshi bringt es auf den Punkt:


    „Da waren 65 Tausend Leute. Selbst, wenn nur 1% davon danach sagt: ‚Das war so ein überwältigendes Erlebnis. Ich mach jetzt in meiner Stadt auch was gegen Nazis.‘ – Alleine dann hat sich das gelohnt. Dieses ganze Gejammer, das Konzert hätte ja gar nichts gebracht, geht mir wahnsinnig auf die Nerven. Dann macht doch was anderes, besseres. Aber ich glaube das war ein super Signal und das sollte es ruhig öfter geben!“
    Christoph von Feine Sahne Fischfilet


    Feine Sahne Fischfilet macht es vor: #wirsindmehr war nicht einfach nur eine einmalige Veranstaltung. Es ist ein Leitsatz, nachdem jeder einzelne sein alltägliches Handeln ausrichten sollte. Seit dem Konzert engagieren sich deutlich mehr Bands politisch. Das ist vor allem bei der Europawahl im Mai 2019 aufgefallen, bei der ein Großteil der deutschen Musiker:innen ihre Fans zur Stimmabgabe bei der Wahl aufgerufen hat. Dadurch werden auch Leute erreicht, die sich sonst nicht aktiv politisch einsetzen und lieber stille Beobachter:innen sind. Die Aufmerksamkeit für ihren eigenen politischen Aktivitäten steigt. Es geht dabei nicht einmal darum, die Menschen in eine bestimmte Richtung zu lenken, sondern einfach Bewusstsein für das eigene Handeln zu schaffen. Natürlich ist das nichts Neues für aktive Antifa-Mitglieder oder die Supporter:innen der AfD. Aber es geht hierbei doch auch vielmehr um das schweigende Mittelfeld und die Message: Bilde dir deine Meinung und steh dazu! (und höre Musik gegen Rechts)