Kategorie: untold feuilleton

  • Open Diary: 4 Monate mit Untoldency

    Manchmal macht man Sachen, die fühlen sich einfach richtig an. Hätte mir jemand vor 2 Jahren gesagt, ich würde mal Artikel über Musik schreiben und andere Leute würde die lesen, hätte ich dem nicht viel Glauben geschenkt. Es fühlt sich noch immer sehr komisch an, mich selbst als Musikjournalistin zu sehen. Immerhin ist das nur ein Hobby, oder? Im Corona-Jahr ein Musikmagazin innerhalb von 3 Wochen zu gründen ist schon crazy genug. Nach nur 4 Monaten schon von über tausend Menschen begleitet zu werden, die interessiert, was wir machen und über Untoldency neue Musik entdecken, das ist beyond crazy. Was euch hier erwartet, weiß ich auch noch nicht, aber seht es als meinen Versuch zu verarbeiten, wie sich mein Leben im letzten halben Jahr um 180° gewendet hat. Dank euch. (Ja, heute wird es cheesy).

     
    Tausend!!!

    Als wir Untoldency gegründet haben, haben Jule und ich nicht gedacht, dass wir so schnell so wachsen würden. Es fühlt sich jetzt, 4 Monate nach Gründung, immer noch surreal an. Unser Start war geprägt von toxischen Dramen und so unangenehm das auch war, so sehr sind wir dadurch zusammengewachsen. Wir haben anstatt uns davon einschüchtern zu lassen, einfach alles selbst in die Hand genommen. Während ich mich zur Webdesignerin durchgeschummelt hab, hat Jule die technische Struktur aufgebaut, die alles hier zusammenhält. Braucht ihr ein Girl zum Website-Bauen, ich kann’s jetzt – YouTube sei Dank. Rückblickend war es wahrscheinlich die stressigste und irgendwie auch schönste Zeit aus 2020. Wir wollten alles neu machen und einen frischen, positiven Touch in die Musikszene bringen. Und das Verrückte an der Sache ist: Wir haben das wirklich geschafft. Mit euch. Über 1000 Leser:innen im Monat und Instagram-Follower:innen, da muss ich auch kurz mal emotional werden.

    Tausend!!! Was für eine verrückte Vorstellung. Als ich mich nach dem Abitur entscheiden musste, was ich mache, habe ich mich eigentlich gegen die Richtung des Journalismus entschieden. Ich habe schon immer viel und gern geschrieben, aber für mich war das irgendwie immer mit Existenzminimum assoziiert: Ein Freelance-Job an der Grenze zum Nicht-Überleben. Also habe ich Soziologie studiert (ich sehe die Ironie). Aber nachdem ich auf Jobmessen immer nur die Werbegeschenke abgesammelt habe (da gibt’s den verrücktesten Scheiß), und immer noch nicht wusste, wohin ich eigentlich will, war ich schon knee deep in meiner quarterlife crisis. Wenn dazu noch ein Pandemie-Jahr wie 2020 kickt und alles Übrige unter den Füßen wegreißt… Und trotzdem haben wir inmitten all dem Chaos etwas extrem Geiles ins Leben gerufen. Wir sind zugegeben mit ein bisschen Netzwerk-Hilfe gestartet (Liebe an euch alle), aber dass es so schnell zu tausend (tausend!!!) Leuten wächst – absolut unvorstellbar.

     
    Wir haben etwas Besonderes

    Auch wenn es nur Zahlen sind, die im Internet kursieren, sind es trotzdem Menschen hinter diesen Zahlen. Wenn ich mir die alle auf einem Haufen vorstelle, werd ich fast ein bisschen nervös. Aber gleichzeitig will ich jeder Person in diesem Haufen Danke sagen. Danke, dass ihr uns interessant genug findet, um da zu bleiben, dass ihr genauso viel Leidenschaft für Musik habt wie wir und all den Newcomer:innen da draußen ein Ohr bietet. Und dass wir zusammen was wirklich Positives für die graue Musikszene schaffen, in der alles so kurzlebig ist und voller Konkurrenz. Klingt cheesy, ist aber wahr. Ich hab jeden Tag das Gefühl, mit Untoldency etwas Besonderes ins Leben gerufen zu haben. Wo woanders nur Copy Paste Pressetexte ins Internet gehauen werden, sagen wir euch hier genau, was die Musik mit uns macht. Als würden wir es unseren besten Freund:innen erzählen. Denn (Achtung: cheesy), genau das seid ihr.

    Wir haben in dieser kurzen Zeit auch so viele tolle Menschen kennengelernt. Von den Leuten, mit denen wir arbeiten dürfen, bis hin zu den absolut tollen Künstler:innen, die uns nah ans Herz gewachsen sind. Ihr wisst, wer ihr seid (auch ein Satz, den ich irgendwie schon immer mal sagen wollte). Euer Feedback führt uns immer wieder vor Augen, dass es sich lohnt, was wir machen. Auch wenn es nach außen immer sehr professionell wirkt (wir geben uns Mühe), ist es Stand jetzt immer noch ein Hobby. Alles, was wir hierfür machen, ist unbezahlt und in unserer Freizeit. Dass das ein Problem von vielen Musikblogs und Journalismus allgemein ist, weiß jede Person, die sich ebenfalls in dieser Position befindet oder mal befand. Auch wenn das grundsätzlich natürlich nicht optimal ist, ist es etwas, was wir gerade in Kauf nehmen. Weil die andere Seite sich so sehr lohnt.

     
    Unbezahlter Musikjournalismus, er lebt.

    Für viele Menschen ist „Musikjournalismus“ ein nicht wirklich greifbarer Begriff. Und ey, ich hab das auch nicht studiert, so richtig weiß ich es auch nicht. Um euch aber mal hinter die Kulissen zu nehmen, kann ich ja ausführen, wie ich ihn innerhalb der letzten Monate versucht habe, für mich selbst zu definieren. Gerade ist er zeitlich begrenzt auf abends im Bett, weil der Rest des Tages die Erwerbsarbeit ansteht (ja, this girl ist nicht mehr arbeitslos). Aber bis auf diese unprofessionelle Zeit, strukturiert sich der Rest schon relativ professionell. Es werden Mails beantwortet, interne Sachen besprochen, neue Projekte geplant und Artikel geschrieben. Recherche zu jedem Song und Künstler:in, Vor- und Nachbereiten von Interviews, viel Musik hören, immer auf dem neusten Stand mit allem bleiben. All das sind Dinge, die man sich in jede freie Stunde des Tages quetscht. Unbezahlter Musikjournalismus, er lebt. Er macht aber auch Spaß.

    Allgemein ist das Musikbuisness unfassbar kurzlebig. Alles soll immer direkt zum Release kommen und jede News eingebettet werden. Und auch wenn die meisten Agenturen und Menschen, mit denen wir arbeiten, das wissen und nachsichtig in der Kommunikation sind, so ist der Druck immer da. Weil sie ihn ja auch selbst verspüren. So wie die Künstler:innen ihn an allererster Stelle spüren. Alles hat seinen Peak in der Release-Woche und danach soll schon der Erfolg abzulesen sein. Wir sind einfach nur ein Mitglied der Kette, das von diesem kurzlebigen Druck der Musikszene lebt. Und diesem wollen wir entgegenwirken.

     
    Für einen Touch mehr Liebe

    Natürlich arbeiten wir auch zeitaktuell, denn uns dem Ganzen komplett entbinden können und wollen wir ja auch nicht. Aber wir nehmen uns die Zeit für die Songs. Für die Künstler:innen hinter den Songs. Wir können deshalb zwar nicht über alles schreiben, dafür aber ausführlicher und persönlicher. Denn wenn Musik was ist, dann doch persönlich. Es ist das, was jede:r Musiker:in mit ihrer Musik erreichen will: Menschen zu berühren und ein Teil ihrer persönlicher Reise zu werden. Wir haben hier nur das Ego zu hoffen, dass die Songs, die uns berühren, auch euch berühren könnten.

    Es gibt so viel wahnsinnig gute und ungehörte Musik da draußen, dass uns es schon eine Ehre ist, die euch hier jeden Tag vorstellen zu dürfen. Mit Untoldency haben wir eine kleine Herzens-Plattform erarbeitet, auf der wir das, was uns die Künstler:innen mit ihrer Musik geben, zurückgeben können. Mit den new untold releases haben wir auch eine New Release Playlist, auf der wir jeden Sonntag die besten neuen Hits der Woche für euch ganz kompakt ans Herz legen. Mir ist bewusst, dass dieser Satz nach schamloser Eigenwerbung klingt (ist es ja auch), aber auch in dieser Playlist legen wir jede Woche eine Menge Liebe rein. Auch weil wir nicht über jeden geilen, neuen Song schreiben können – hier habt ihr jede Woche ein persönliches Durchstöbern der von uns approvedten Releases.

     
    Be kind.

    Genug Eigenwerbung. Ich drifte ja auch schon wieder ein bisschen ab. Was mir eigentlich super wichtig war, ist ein Danke an uns selbst (Ha). Nein, aber ernsthaft. Untoldency sind ja nicht nur Jule und ich. Untoldency hatte von Anfang an ein absolut sensationelles Team. Ohne Kim und Paul hätten wir es nicht geschafft, dass bei uns alles so geil aussieht, wie es aussieht. Paula hat uns all the way from Finnland mit der Untold Tea Time beschenkt: ein IGTV-Format, in dem sie Künstler:innen wie Fejwar, Kaffkiez oder Paul Weber ein bisschen zu ihrem Tee und mehr ausquetscht. Franzi, Evelin, Dascha, Lukas und Julia sind die süßen Menschen, die euch mit all den Artikeln versorgen. Auch sie investieren so viel Zeit in dieses Projekt, dass ich echt auch hier einfach nochmal Danke sagen möchte. Und nicht zu vergessen Helen, die für euch in einem Coming Soon Kontext super spannende und geile Sachen umsetzen wird.

    Alle zusammen sind wir Untoldency und wer weiß, vielleicht ist ja eine:r von euch auch bald dabei (ja, das ist ein kleiner Hint darauf, dass wir bald weitere redaktionelle Unterstützung suchen). Denn – es fängt gerade erst an. Es ist ein weiterer Grund, warum mich dieser 1K-Meilenstein nach so kurzer Zeit so glücklich macht. Er bestätigt, wie viel Luft nach oben da noch ist. Unsere kleine Indie-Bubble ist so musikblogfreundlich, dass es uns wirklich jeden Tag das Herz erwärmt. Es fühlt sich einfach super schön und aufbauend an, ein Teil davon zu sein. Und die Vorstellung, dass wir erst angefangen haben, mit all den tausend Plänen, die uns im Kopf rumschwirren, ist schon ein bisschen überwältigend. Aber auch ziemlich geil.

    Und damit schließ ich ab oder? Ist ja auch genug Gefühls-Duselei für so ein Open Diary. Vielleicht hab ich euch ja einen kleinen Einblick hinter die (emotionalen) Kulissen gewährt und ihr fandet‘s interessant. Mögt uns jetzt ein bisschen mehr und empfiehlt uns an euren Freundeskreis? Nein? Auch okay. Aber be kind. (Und folgt uns hier auf Instagram). (Spaß).

    (Link ist hier).

  • Braucht Popmusik eine Frauenquote?

    Kurz vorab: ich bin ein weißer Cis-Mann und meine Mutter hat mir im Streit in meiner jugendlichen Sturm-und-Drang-Phase oft vorgeworfen, ich sei als Kind schon ein Macho gewesen. „Danke Mama“ dachte ich dann immer halbironisch. Dass da allerdings erschreckend viel dran ist, habe ich vor einiger Zeit erst in einem Selbstexperiment erfahren müssen.


    Musik nur als nettes Nebenprodukt?

    Als ich so durch meine Shazam- und Spotify-Playlists scrollte, fiel mir auf, dass ich in letzter Zeit erstaunlich viel Musik mit weiblichem Hauptgesang aufgeschnappt hatte. Mehr als Songs mit Männerstimmen. Das war gefühlt noch nie vorgekommen und das brachte mich ins Grübeln. Habe ich überhaupt weibliche Vorbilder in der Musik? Lieblingsbands mit Frontfrauen oder Künstlerinnen, die ich bewundere? Die Ausbeute meiner Suche war gering bis nicht existent. Doch woran liegt das?

    Zu behaupten, es gäbe keine Frauen in der Popmusik ist ja offensichtlich falsch. Von Janis Joplin über Tina Turner, Madonna, Britney Spears bis hin zu Billie Eilish gibt es offensichtlich in jedem Genre und jeder Generation entsprechende Vertretungen des weiblichen Geschlechts, nur um jetzt mal ein paar wirklich prominente Beispiele zu nennen. Was mich störte war aber zunächst folgender Punkt: sind diese Frauen wirklich hauptsächlich MusikerInnen, die ihre eigenen Songs schreiben und performen? Oder sind es in den meisten Fällen doch eher bis in die letzte Haarsträhne kommerzialisierte Sexobjekte, deren Musik ein nettes Nebenprodukt ist?

    But slow down: Sowohl Songs nicht selber zu schreiben und dafür großartige Songwriter zu engagieren, als auch die Vermarktung der Person oder des Aussehens darf eigentlich kein Kriterium sein, Musik der entsprechenden KünstlerInnen „schlecht“ zu finden. Auffällig für mich war nur, dass der „handwerkliche“ Aspekt der Musik bei Künstlerinnen weit weniger in den Vordergrund gestellt wird, als bei ihren männlichen Kollegen. Und auch Bands mit ausschließlich weiblichen Mitgliedern gibt es sehr selten, Bands mit ausschließlich männlichen Musikern allerdings an jeder Straßenecke.

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    Der perfekte Teufelskreis

    Es scheint irgendwie schon in der frühen musikalischen Entwicklung einen springenden Punkt zu geben. Die Art und Weise, junge Menschen für das Musikmachen zu begeistern, funktioniert nicht besonders heterogen. Ein Beispiel: Jungs gründen eine Band, spielen Rockmusik und besaufen sich jeden Freitag im muffigen Keller des Drummers. Mädchen… Ja, was denn?
    Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass heranwachsende Frauen weniger Interesse an einer Bandgründung oder an Pop- und Rockmusik haben respektive haben könnten. Auch hier sind es höchstwahrscheinlich wieder die gesellschaftlichen Gepflogenheiten, die die Wünsche und Chancen der Frauen systematisch unterdrücken, ja gar nicht erst aufkommen lassen. Unser popkulturelles System ist gar nicht darauf ausgelegt, weibliche Personen vollständig zu integrieren.

    Dieses Konzept zieht sich wie ein roter Faden durch die Poplandschaft. Wie viele Festival Line-Ups habe ich in den letzten Jahren sehen müssen, die keinen einzigen weiblichen Act zu bieten hatten? Und dann ist der Teufelskreis ja perfekt: junge Frauen haben keine Vorbilder und verlieren das Interesse, in den entscheidenen Jahren Musik zu machen. Hinzu kommt eine völlig nachvollziehbare Abneigung, sich in einer männerdominierten Kultur buchstäblich Gehör verschaffen und durchbeißen zu müssen. Bei dem Gedanken, wie viele angehende KünstlerInnen wahrscheinlich schon Front of Stage und hinter den Kulissen tituliert oder belächelt worden sein müssen, kann ich mir wirklich nur die Finger in die Schläfen rammen. Vielen Männern wäre es wahrscheinlich ganz recht, Frauen blieben „einfach nur Groupies“.


    Kein Platz für Ausreden

    Also, braucht Popmusik eine Frauenquote, ja oder nein? Für mich ist die Antwort „Ja“. Allerdings muss die Methode stimmen. Eine platte Quote, beispielsweise im Radio, packt das Problem nicht an der Wurzel. Stattdessen müssen weibliche Jugendliche schon ganz früh gezielt und langfristig gefördert werden und das machen dürfen, worauf sie Bock haben. Vorstellen kann ich mir da vieles: Workshops, Coachings, Toursupport, Projektfinanzierung, etc. pp., die Liste ist lang. Etablierte Institutionen wie die Initiative Musik oder PopNRW müssen hier zum Vorreiter werden. Hier wäre es doch ein Leichtes, die Musikszene etwas diverser zu protegieren. Eine Quote, die solche Unterstützungen gerecht und angemessen an junge MusikerInnen verteilt, ist wahrscheinlich das hilfreichste Mittel.

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    Sie lässt einfach keinen Platz für Ausreden. Außerdem hätten MusikerInnen weniger Hemmungen, sich für diese Fördermittel zu bewerben. Und daraus könnten so unendlich viele neue und kreative Möglichkeiten entstehen: ein ganz neues Songwriting, neue Produktionsweisen, neue Genres. Klar, das würde dauern, aber es geht bei diesem Thema auch um Nachhaltigkeit und nicht um Einzelphänomene. Parallel dazu müssten natürlich genauso trans- und intersexuelle MusikerInnen gestützt und geschützt werden, denn auch hier liegt das Niveau im Jahre 2021 weit unter dem Potenzial.

    Als kleines Selbstexperiment zum Schluss empfehle ich, 10 Bands mit ausschließlich männlichen Akteuren aufzuzählen. War leicht, oder? Dann jetzt 10 Bands mit ausschließlich weiblichen. Hm? Hmm… Erschreckend, wo wir uns doch die Weltbevölkerung eigentlich fast 50/50 teilen.

    Es wäre doch wirklich spannend, wenn wir erst eine Hälfte der Popmusik kennengelernt hätten, oder?



    Ihr habt Lust, starke Künsterinnen zu entdecken? Hier eine ein paar Links unserer letzten Reviews auf untoldency:

  • Fangirls: the real player in the game

    Das typische Stigma, das Fangirls anhaftet, ist das der weiblichen Teenager, die schon Stunden bevor das Konzert losgeht, vor der Venue warten. Die vor Freude kreischen, sobald sie ihr Idol vorbeihuschen sehen. Sie werden zu oft als hysterisch und überemotional beschrieben und nicht ernstgenommen. Aber neben all der Euphorie, die diese Mädchen ausstrahlen, sind sie viel mehr als „nur“ Fangirls: Sie sind Supporterinnen*, Promoterinnen* und vor allem Expertinnen* auf ihrem Gebiet.

    Also warum werden Fangirls auch heute noch belächelt? Wieso sollte man jungen Mädchen das Gefühl geben, dass sie sich für das schämen sollten, was ihnen doch offensichtlich so wichtig ist?


    The Groupie and the Band

    Das Phänomen Fangirl oder Groupie ist sicherlich keine Neuheit. Ende des 19. Jahrhunderts löste der Pianist Franz Liszt die erste „Manie“ bei seinem Publikum aus. Was später als Lisztomania betitelt wurde, sollte beschreiben, warum vor allem sein weibliches Publikum während seiner Auftritte wohl völlig verrücktspielte. Auch die französische Band Phoenix ging diesem Phänomen rund um den berühmten Pianisten in ihrem Song „Listzomania“ von dem Album „Wolfang Amadeus Phoenix“ (2009) und dem dazugehörigen Musikvideo nach.

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    Das sollte aber bei weitem nicht die erste und einzige Manie bleiben, die sich um einen Popstar dreht. So hatten Frank Sinatra und Elvis Presley eine enorm große Anhängerschaft von jungen Frauen. Die Beatles lösten eine Beatlemania aus und Boybands wie The Backstreet Boys, *NSYNC und OneDirection sind quasi dafür gemacht, junge Mädchen als Zielgruppe anzusprechen. Auch Solokünstler wie Justin Bieber oder Harry Styles können auf eine überwiegend weibliche Fanbase stolz sein, genauso wie eine Beyoncé, Rihanna, Taylor Swift oder Lady Gaga.

    Als in den 1960er Jahren mit dem Aufkommen der Popkultur und der sexuellen Revolution der Begriff Groupie populär wurde, waren damit vor allem die weiblichen Fans gemeint, die auch alles dafür getan hätten, um ihr Idol zu treffen. Und nicht wenige davon hatten einige Affären mit namenhaften Rockmusikern, wie beispielsweise Pamela Des Barres, eine der wohl bekanntesten Groupies dieser Zeit. Mitte der 60er und Anfang der 70er Jahre hatte Miss Pamela, wie sie auch genannt wurde, Affären mit Rockmusikern wie Mick Jagger (The Rolling Stones), Jim Morrison (The Doors) oder Jimmy Page (Led Zeppelin). Aus dem Groupie wurde eine erfolgreiche Schriftstellerin, die in zwei autobiografischen Büchern („I’m with the Band“ (1987) und „Take Another Little Piece of My Heart: A Groupie Grows Up“ (1993)) ihre Erfahrungen aus dieser Zeit niedergeschrieben hat.

    Wahrscheinlich bleibt wegen des offenen Umgangs mit der Sexualität aus dieser Zeit das Vorurteil immer noch bestehen, Groupies hätten kein Interesse an der Musik, sondern nur an den Musikern. Oft wird das Fangirl-Dasein unberechtigterweise damit gleichgesetzt und behauptet, dass die einzige Anziehungskraft für diese Mädchen aus der physischen Erscheinung der männlichen Pop- und Rockstars bestehe und dass sie die Musik gar nicht zu schätzen wüssten. Pamela sagt selbst in einem Interview mit The Guardian: „A fan is content with an autograph or a look from the stage, or a selfie. A groupie takes the next step. And that takes a lot of courage“.


    Die Doppelstandards der Gesellschaft

    Und hiermit landen wir einmal mehr bei den Doppelstandards und dem Sexismus in der Gesellschaft. Wenn Jungs Musik wertschätzen, haben sie ein tieferes Verständnis für die Kunst. Wenn Mädchen dasselbe tun, kann das nur aus naiver Idolisierung und Lust heraus passieren. Jungs reden genauso begeistert über Musik wie es Mädchen tun, nur bringen sie ihre Begeisterung vielleicht auf andere Weise zum Ausdruck, als vor Freude und Aufregung ihre Lieblingsband oder Künstler*in lauthals zu bejubeln. Natürlich dürfen Fangirls auch kritisiert werden, wenn sie mit extremen Verhaltensweise Grenzen überschreiten, aber oft werden sie nur aus dem Grund belächelt, weil es sich bei der Gruppe zu großen Teilen um weibliche Teenager handelt. Das alles basiert auf sexistischen und altersdiskriminierenden Vorstellungen, die weibliche Teenager als impulsiv, hysterisch, naiv und nur von ihren Emotionen gesteuert abstempeln.

    Solche Verhaltens- und Denkmuster wirken sich nicht nur nachteilig auf Fans aus, sondern auch auf Bands, deren Publikum größtenteils weiblich und im Teenageralter ist, und die deswegen von Kritikern nicht ernstgenommen werden. Ein Beispiel hierfür ist die Band The 1975, deren Debutalbum bei NME auf keine große Begeisterung stieß, wohingegen ihr zweites Album drei Jahre später sogar zum Album des Jahres gekürt wurde – their fangirls knew it first.

    Noch einen obendrauf setzen dann solche Bands, die meinen, sie müssten ihren Ruf verteidigen, sich irgendwie in einem Gespräch mit Journalist*innen legitimieren eine richtige Band zu sein, indem sie Sätze von sich geben wie „we don’t want to just be, like, for girls“. Die Journalistin Alexandra Pollard merkt zu diesem Thema in einem Artikel im The Guardian iroronisch an:


    „What an incredible moment that must be for them – to glimpse a man among a sea of female frivolity, each Y chromosome taking them one step closer to credibility.“


    Damit auch einmal die Perspektiven der Fangirls selbst beleuchtet werden, lässt Hannah Ewens diese in ihrem Buch „Fangirls: Scenes From Modern Music Culture“ (2019) selbst zu Wort kommen. Sie hat hunderte Interviews geführt, mit Ariana Grande-Fans, die den schrecklichen Anschlag in Manchester überlebt haben, aber auch mit der älteren Fangirlgeneration von Hole und Courtney Love. Neben den vielen Geschichten bringt Hannah auch ihre eigenen persönlichen Erfahrungen als Fan mit ins Buch.


    Bands und Fans sind wie Yin und Yang

    Wieso sollte also ein Band das Bedürfnis haben, sich von der Mehrzahl ihrer Fans abgrenzen zu müssen? Sollte eine Band seine Fangirls nicht genauso wertschätzen, wie Fangirls ihre Band mit dem Kauf von Alben, Konzerttickets und Merchartikeln unterstützen? Mit Bands und Fans verhält es sich wie mit Yin und Yang: Das eine braucht das andere. Eine Band wäre nichts ohne ihre Fans, genauso wie Fans ohne eine Band niemanden hätten, dem sie auf einem Konzert entgegenjubeln können.

    Einer der heutigen Weltstars hat es verstanden. Harry Styles sagte in einem Interview mit dem Rolling Stone:


    „We’re so past that dumb outdated narrative of ‘Oh, these people are girls, so they don’t know what they’re talking about.’ They’re the ones who know what they’re talking about. They’re the people who listen obsessively. They fucking own this shit. They’re running it.“


    Ich glaube auch, dass es an der Zeit ist, jungen Mädchen nicht mehr das Gefühl zu geben, sie wären als Fans weniger wert als männliche Fans. Und ich denke auch, dass sich da in den letzten Jahren schon einiges getan hat. Auch wenn es manchmal befremdlich wirken mag oder es sehr laut werden kann, wenn Teenager vor Freude schreien. Sollten wir uns nicht lieber für sie freuen, wenn sie etwas gefunden haben, das ihnen so wichtig ist und das sie mit voller Leidenschaft verfolgen können? An sich sind das doch positive Dinge, die man bestärken und nicht ins Lächerliche ziehen sollte.

  • artists to watch 2021: Die heißesten Künstler:innen

    artists to watch 2021: Die heißesten Künstler:innen

    Ein ereignisreiches Jahr 2020 geht zu Ende und in unseren Rückblicken haben wir es schon Revue passieren lassen. Doch anstatt in Erinnerungen zu schwelgen, wollen wir lieber in die Zukunft blicken. Genauer: In die Zukunft von 12 fantastischen Künstler:innen, die unserer bescheidenen Meinung nach 2021 richtig aufgehen werden – und deshalb unbedingt auf euren Radar sollten. Artists to watch – you heard it here first.


    2021 wird das Jahr von…


    Arlo Parks
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    Wenn wir eine Prognose für nächstes Jahr geben müssten, dann würden wir alles auf Arlo Parks setzen. Die erst 20 Jahre alte Londonerin wird vermehrt schon als heißester Newcomer gehandelt und wir schließen uns dem vollkommen an. Kein vermeintlicher Mainstream-Hype, sondern ehrliche berührende Musik, die eine einzigartige Spanne zwischen R’n’B-Vibes und cozy Dream-Indie-Klängen schafft. Einmal hören und verlieben.

    Doch wer ist sie eigentlich? „Arlo Parks is the favourite artist of your favourite artist. She’s going to be the biggest star in the world one day.” – diese Worte sind geliehen von Anna Fliege, aber so zutreffend wahr, dass wir sie zitieren mussten.


    In her words she spent most of school feeling like
    that black kid who couldn’t dance for shit, listening to too much emo music
    and crushing on some girl in her Spanish class.

    Arlos Texte sind voller ehrlicher und persönlicher Geständnisse, an die sich ihre verträumte Musik anpasst. Sie schafft einzigartige Soundwelten, in denen man sich nur verlieren kann. In England schon voll etabliert, wurde sie letztes Jahr als BBC Introducing Artist Of The Year gekürt. Wenn man ihre Songs hört, weiß man auch, warum. Der Sprung auf die große Bühne ist deshalb nicht weit – unsere Prognose: 2021 ist es so weit. Debütalbum: Collapsed In Sunbeams am 29.01.2021.


    Jeremias 
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    Ihr kennt sie alle und deshalb sind wir uns bei der nächsten Prognose auch alle einig: JEREMIAS werden nächstes Jahr ganz Deutschland erobern. Dieses Jahr haben sie sich mit einer EP und weiteren Single-Auskopplungen schon auf den großen Indie-Radar in Deutschland geschlichen. Was dieses Jahr Provinz war, sind nächstes Jahr JEREMIAS.

    Mit Liedern wie schon okay oder hdl spielen sie sich in immer mehr Herzen – und bleiben. Wer sie jetzt schon feiert, weiß, dass da ganz viel Potential für mehr drinsteckt. Die poppigen Indie-Riffs, Jeremias‘ erkennbare Stimme und das Gefühl für die richtigen Melodien – all das kombiniert macht den Sound von JEREMIAS, den man, einmal gehört, nicht mehr los wird.

    Wenn Konzerte nächstes Jahr stattfinden (fingers crossed), werden die Jungs ganz schnell ganz groß. Nervt eure Freunde jetzt schon mit ihnen, denn nächstes Jahr wird’s nur noch besser. Neue Musik in Arbeit.


    anaïs

    Aus der Bubble der Jeremias-Jungs entsprang in diesem Jahr anaïs. Im Juli 2020 veröffentlichte die erst 20-jährige ihre erste Single, die melancholische Pop-Ballade My World So Blue und hat damit so viel Zuspruch bekommen, wie ihn nur wenig Newcomer:innen bekommen. Die Hannoveranerin mit belgischen Wurzeln ist trilingual aufgewachsen und verwöhnt uns regelmäßig auf ihrem Instagram-Kanal mit Songs in englischer, deutscher und französischer Sprache.

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    Die Zerbrechlichkeit in ihrer Stimme ist wirklich einzigartig und mitreißend. Natürlich völlig zweit- oder sogar drittrangig, aber wenn man zu der akustischen Melancholie auch das bildhübsche Antlitz von anaïs erblickt, dann ist man ganz schnell verzaubert. Kurz vor Weihnachten hat sie ihre zweite Single Yellow Hearts, ein Feature mit Dillistone veröffentlicht, mit der sie eine weitere Facette von sich gezeigt hat. Es bleibt also spannend, in welche Richtung sich ihr Sound so entwickeln wird. Ihr stehen aktuell auf jeden Fall alle Türen offen.

    Wenn anaïs am Ball bleibt und uns 2021 vielleicht sogar mit einer EP beschenkt, dann dürfte ihr aus unserer Sicht eine steile Karriere sicher sein. Wir bleiben auf jeden Fall dran.


    Trille

    Genauso, wie wir das ganze Jahr über an Trille drangeblieben sind. Er ist studierter Musikwissenschaftler, Tonmeister und hat zudem auch noch einen Master in Popular Music. Und nachdem wir uns gefragt haben, wie und wann der 29-jährige das geschafft hat, erklärt genau das doch die Qualität seiner Musik. Irgendwie Indie, irgendwie Trap, irgendwie Pop und irgendwie Rap. Aber immer große Emotionen, sowohl stimmlich als auch textlich. Nicht selten haben wir gelesen, dass Hörer:innen weinen, wenn sie seine Songs hören.

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    Nachdem niemand geringeres als Fynn Kliemann seinen Song Phase gesampelt hat, sind glücklicherweise noch viel mehr Menschen auf ihn aufmerksam geworden. Im Herbst erschien nach mehreren Singles dann die Phase EP – sein Jahr 2020 war daher schon ziemlich erfolgreich. Aber da schlummert noch so viel mehr in Trille, das dringend raus in die Welt und rein in unser Ohr muss.

    Wir sind auf jeden Fall große Fans von ihm und hoffen für das Jahr 2021 ganz doll auf ein Debütalbum oder eine neue EP, hauptsache voll von 808s, Vocoder- und Autotune-Sounds. Sollten unsere Hoffnungen in Erfüllung gehen, dann steht Trille mit Sicherheit ein großartiges Jahr bevor.


    Anoki

    Wo wir doch gerade bei Trille und seiner Phase EP waren.. Der folgende Künstler ist auf eben jener EP mit einem Feature vertreten: Anoki. In Utrecht geboren und in Schweinfurt aufgewachsen, landete er nach mehreren Zwischenstopps letztlich in Berlin. In seiner Jugend von Indie und Punk umgeben, macht er inzwischen urbanen HipHop, der seine früheren Einflüsse aber nicht verschweigt.

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    Jule ist auf Anoki aufmerksam geworden, als dieser aus vorgenanntem Grund bei Trille’s Release-Konzert im Oktober aufgetreten ist – und er hat sie schon in der ersten Sekunde voll von sich überzeugt. Drei Songs gibt es aktuell von ihm auszuchecken, die allesamt ziemlich geil sind (Profitipp: Winter in Berlin anhören). Er liefert ohrwurmlastige Texte und catchige Beats, gepaart mit einem krassen Flow. Und all diese Attribute begründen unseren Wunsch nach mehr Spotlight für ihn.

    Wir wissen nicht genau, was Anoki für das nächste Jahr geplant hat, aber wir halten sowohl Augen als auch Ohren offen. Egal mit was er uns dann 2021 versorgt, wir sind uns ziemlich sicher, dass es ein weiterer großer Schritt in Richtung unsäglicher Berühmtheit sein wird.



    Pessimist
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    Weiter geht’s mit Pessimist, einem Künstler aus Saarbrücken, der schon seit 2019 regelmäßig Songs veröffentlicht – aber trotzdem noch immer irgendwie unter dem Radar läuft. Seine Songs bespielen super viele Genres. Sie pendeln von schmusigem Pop in ballernde Gitarrenriffs und weiter zu funkigen Synthie-Beats, die durch seinen Gesang allesamt einen Rapflow bekommen. Es geht genauso um good times wie um bad times, alles in sehr persönlichen Texte verpackt.

    Der Grund, weshalb wir ihn in dieser Liste aufzählen, ist, wenn man sich seine Diskografie mal komplett reinzieht, ziemlich obvious: Pessimist wird einfach von Song zu Song besser. Punkt. Die Songs klingen ausproduzierter, klarer und haben für sich genommen inzwischen eine richtig straighte Linie. Es ist super spannend, Künstler:innen bei ihren Entwicklungen zuzuschauen und bei ihm macht es uns besonders viel Freude.

    Nach fast zwei Jahren kontinuierlichem Releasen darf es nun also ruhig mal soweit sein, dass Pessimist die Aufmerksamkeit bekommt, die er sich verdient hat. Und wenn er 2021 so weitermacht, wie er 2020 aufgehört hat, dann stehen die Chancen wirklich gut.


    MELE
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    Girlcrush-Alarm! Auch ein heißer Tipp fürs nächste Jahr ist MELE. Die 25-jährige, die in Osnabrück am Institut für Musik studiert, dürfte vielen bereits bekannt sein. Mit Songs wie deine cousine oder Rosalie hat sie sicherlich auch schon einen Platz in eurer Playlist gefunden. Falls nicht: dringend ändern. Sie macht unverblümte Popmusik und nimmt in ihren Songs kein bis wirklich gar kein Blatt vor den Mund.

    Wenn man ihre Musik hört, hat man einfach eine gute Zeit. Besonders gut wird die dann, wenn man MELE mit ihrer Band live spielen hört – war in diesem Jahr ja leider eher selten möglich. Aber auch abseits der Musik ist sie die Art von Mensch, die man einfach liebhaben muss. Sie ist witzig, herzlich und einfach nur sweet.

    Im Zuge unseres Adventskalenders hat sie uns im Livestream-Interview verraten, dass für das nächste Jahr eine EP geplant ist. Wir haben hohe Erwartungen aber wissen, dass die easy erfüllt werden. Und wenn dann Livespielen auch wieder möglich ist (fingers are still crossed), könnte 2021 wirklich MELEs Jahr werden.


    WizTheMC
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    WizTheMC ist auch einer unserer absoluten Newcomer-Tipps, den ihr nicht verpassen wollt. Der in Südafrika geborene und in Lüneburg aufgewachsene Rapper ist auf der Schwelle zum Durchbruch und das interessanterweise nicht unbedingt in Deutschland. Mit 17 ist er nach Kanada gegangen, mit nur einem Mikro, Laptop und Keyboard im musikalischen Gepäck. Inzwischen ist er 21 Jahre alt und kurz davor, Nordamerika zu erobern. 

    Und auch die Genre-Schublade „Rap“ scheint er immer mehr aufzubrechen. Er hat dieses Jahr zwei EPs rausgebracht, die auch immer mehr von energetischen Indie-Pop Elementen aufgemischt werden. Mit dem Ziel, sich immer weiterzuentwickeln, macht WizTheMC genau das:

    “Ich arbeite gerade an neuer Mukke und habe alleine musikalisch krasse Pläne für das nächste Jahr. Ich bin gespannt darauf, meine Musikevolution mit der Welt zu teilen.”

    WizTheMC hat als er angefangen hat, Musik zu machen, sich selbst einen 10-Jahresplan zu seinen Träumen aufgestellt. Nach 5 Jahren ist er jetzt schon bald da. Ihn jetzt schon auf dem Schirm zu haben, lohnt sich.


    MAJAN
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    Ebenfalls krasse musikalische Pläne für nächstes Jahr hat MAJAN. Als Bester Newcomer Act bei der 1Live-Krone nominiert, dürfte er auch schon das ein oder andere Mal über euer 2020 gehuscht sein. Letztes Jahr hat er schon angekündigt, dass er gerade ein bisschen mehr Wind aufnimmt und noch viel zu erwarten ist. Ein Song, der 2019 in absoluter Endlosschleife lief: Tag Ein Tag Aus.

    2020 vor allem als großer Feature-Gast unterwegs, hat er Beats von BLVTH seine Stimme geliehen, zusammen mit Ahzumjot gearbeitet und zuletzt auch eine Single mit LEA gedroppt. Wenn das keine Ansage nach oben ist, wissen wir auch nicht. Für jeden, der sich in der deutschen Indie-Rap Szene wohlfühlt, könnte MAJAN jedenfalls der nächste große Hit sein. Laut Spotify was für Fans von badchieff, Kelvyn Colt, Tua, Bruckner und JEREMIAS.

    Nächstes Jahr sollte auf jeden Fall auch das Jahr von MAJAN werden. Wir sind unfassbar gespannt, was da noch alles kommt. Auf endlich wieder guten Deutschrap abseits von Capital und Co. oder?


    Betterov

    Wir wären super inkonsequent, wenn wir Betterov in unserer watch out 2021-Liste nicht erwähnen würden, oder? Der 26-jährige ist ausgebildeter Schauspieler und hat Ende 2019 angefangen, regelmäßig Musik zu veröffentlichen – die von Tim Tautorat produziert wird, der u.a. auch mit Faber oder AnnenMayKantereit zusammenarbeitet.

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    Er hat mit seinen Songs geschafft, einen perfekten Bogen zwischen Lethargie und Herzschmerz zu spannen, ohne kitschig oder ermüdend zu wirken. Sein Sound lebt von peitschenden Gitarrenriffs, wummernden Drums, aber vor allen Dingen von seiner tiefen, unverwechselbaren Stimme. Im März erschien seine EP Viertel vor Irgendwas, die (zu Recht) großen Anklang fand. Aber sich darauf auszuruhen kam für Betterov nicht in Frage – inzwischen hat er bereits zwei weitere Singles veröffentlicht.

    Auf Instagram war zu sehen, dass er vor dem Lockdown wieder im Studio war. Vielleicht erwartet uns 2021 also eine weitere EP oder sogar ein Album von Betterov? Wir wünschen uns das jedenfalls. Und wenn das so ist und er so weitermacht, wie er angefangen hat, dann wird auch er richtig große Erfolge feiern.


    Steiner & Madlaina

    Zugegeben, Nora Steiner und Madlaina Pollina aus Zürich, die zusammen das Duo Steiner & Madlaina bilden, sind alles andere als Newcomerinnen. Ihre Diskografie reicht schließlich bis in das Jahr 2015 zurück. Während die ersten EPs Ready to Climb und Speak noch hauptsächlich auf Englisch gesungen wurden, haben sie mit ihrem 2018 erschienenen Album Cheers das Augenmerk auf deutsche Texte gelegt, den Song Herz vorus id Wand singen sie sogar auf Schwyzerdütsch.

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    In den vergangenen Jahren haben die beiden sämtliche Bühnen der Lande bespielt – eigene Touren und Auftritte auf diversen Festivals, wie dem Deichbrand, Kosmonaut oder auch Lollapalooza. Für Kenner sind Steiner & Madlaina also längst etabliert. Ihr Sound bewegte sich zuletzt in der folkigen Popmusik. Und da kommen wir auch schon zu dem Grund, warum wir Nora und Madlaina hier aufzählen: Die in den letzten Wochen erschienenen Singles lassen erahnen, dass sich der Sound der beiden abermals weiterentwickelt hat.

    Am 29.01.2021 erscheint dann endlich ihr neues Album Wünsch mir Glück und wir sind unfassbar gespannt, was uns darauf erwartet. Wir prognostizieren, dass dieses Album und das Jahr 2021 der Beginn einer neuen Steiner & Madlaina-Ära ist.



    Luke Noa
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    Den Abschluss unserer 2021 Prognosen bildet Luke Noa. Wer ihn jetzt noch nicht kennt, wird ihn nächstes Jahr auf jeden Fall kennen lernen, da führt wenig dran vorbei. Erst vor Kurzem hat er seine Single Roccastrada veröffentlicht, die ihn auch auf unseren Radar gebracht hat. Was sich nach astreinem britischen Indie-Rock anhört, kommt aus Süddeutschland und mischt einfach so die ganze Szene einmal ordentlich auf. 

    Luke Noa macht nicht nur mit diesem Song große Ansagen. Auch mit der Ankündigung seines Supports bei der Fil Bo Riva Tour nächstes Jahr steht fest: Wir beobachten gerade einen Senkrechtstart in unsere geliebte Indie-Szene. Mit einer rauchig-verträumten Stimme lässt er bald alle Herzen weich werden und wir müssen sagen, wir sind dem schon vollkommen verfallen.

    Luke Noa – definitiv einer der heißesten Newcomer des englischsprachigen Indies aus Deutschland. Wer jetzt nicht dabei ist, wird’s bereuen.


    Das war’s also – unsere artists to watch 2021. Von ganz groß bis klein, von bereits geliebten Künstler:innen zu noch ungeschliffenen Diamanten. In allen sehen wir das Potential, 2021 zu ihrem Jahr zu machen und Wellen von neuen Fans anzuziehen. Weil aber Worte nur Worte sind und nur die Musik selbst so richtig überzeugen kann, ist hier die Playlist zu den Prognosen.

    Watch out artists 2021 prognostiziert von eurem neuen Musikmagazin des Vertrauens – untoldency.

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    Weitere Informationen

    Fotocredits: BROCK / Lucio Vignolo / Lou / Haley / Anoki / MIKARI / Luisa Kummerfeld / Mica Daniels / MAJAN / Massimiliano Corteselli / Tim Wettstein / Bernhard Schinn