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Elena Steri verdeutlicht in „Pavement“: Auch ein stilles „Nein“ heißt „Nein“

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Ein Song, ein Herzschlag. Das ist das erste, was mir einfällt, wenn Pavement, die neue Single von Singer Songwriterin Elena Steri, anspielt. But let’s rewind first. Wer ist Elena Steri und was macht Pavement zu so einem berührenden Song, dass mein erster Gedanke so kitschig zu sein scheint?

 
Manchmal kommen die schönsten Klänge aus einer kleinen Ukulele

Elena Steri ist eine von vielen talentierten Singer-Songwriter:innen da draußen und doch sticht sie heraus. Durch ihre Art, ihr Gefühl für Melodien, ihre persönlichen Geschichten hinter den Songs. Und ja, dazu kann man sich durchaus mal ne Ukulele schnappen. Das erste Mal von ihr gehört hab ich von den Jungs der Indie-Band A Tale Of Golden Keys als ich sie in Nürnberg besuchen war. Sie haben Elena als erstes und einziges Feature auf ihrer Single Whirling. Mit Pavement hat sie jetzt ihre erste Single dieses Jahr veröffentlicht und dazu eine sehr wichtige Message dagelassen. Ich lass euch erstmal erste Eindrücke im Video sammeln:

Ihr werdet merken, dass ich mit dem Herzschlag gar nicht so daneben lag. Kitschig ist es auf alle Fälle aber nicht. Eher das Gegenteil – es fühlt sich an wie kurz vor einer Panikattacke. Und wenn man das in dem lyrischen Kontext von Pavement setzt, dann macht das auch Sinn.

 
Auch ein stilles „Nein“ heißt „Nein“.

Pavement macht auf das Thema Missbrauch in Beziehungen aufmerksam, sowohl physisch als auch emotional. Es geht um die Situationen, in denen man nicht mehr unterscheiden kann, was ist okay und was ist es nicht. Um Momente, in denen man Dinge aus Angst oder aus Liebe tut, ohne „Nein“ zu sagen, aber definitiv „Nein“ zu meinen. Wer nicht „Ja“ sagt, sagt halt einfach nicht „Ja“. Eigentlich recht simpel. Pavement fängt diese Momente getrieben von Angst und Unwohlsein ein. Elena Steri schafft es mit ihrer klaren Stimme durch Strophen und Refrains zu leiten. Sie nimmt einen an die Hand während man die Reise, die Pavement ist, antritt. Der panische Herzschlag wird abgelöst von schönen Gitarrenmelodien, wechselt von erdrückend zu melodisch, baut sich ständig wieder auf, um dann wieder in seiner Quintessenz zurückzukehren. Diese Quintessenz ist Elena und eine Bridge, nur unterlegt von Klavier, die mir sehr viel Gänsehaut gibt:

You always thought that I radiated peace

But truthfully it was the silent fear you set in me

You’d make me shiver ten feet apart

Elena sagt selbst über den Song:

“Ich habe mit einigen Leuten (vor allem Frauen) über diesen Aspekt von Beziehungen geredet. Fast allen ist im Nachhinein aufgefallen, dass da auf irgendeine Art und Weise Grenzen überschritten wurden, die im Nachgang eine Belastung hervorgerufen haben. Leider ist das auch immer noch ein Thema, über das gerade in der Musik eher wenig geredet wird, obwohl das was ist, was jedem passieren kann und vielen passiert.“

Ihr merkt, Pavement ist nicht nur ein sehr schöner Song, sondern auch ein unglaublich wichtiger. Auch wenn es seit der #MeToo-Bewegung, die 2017 gestartet hat, immer mehr Impulse in diese Richtung gibt, so sind wir immer noch ganz weit weg, diese Probleme auch nur annähernd gelöst zu haben. Es ist einfach so tief verwurzelt, dass wie Elena in ihren Gesprächen gemerkt hat, man es manchmal gar nicht selbst merkt oder eingestehen will. Offen darüber zu sprechen und dieses Thema nicht ruhen zu lassen, sind wichtige Schritte in die richtige Richtung.

 
“this just makes me sad in a good way and happy in a sad way”

Elena Steri, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, elena steri, nürnberg, pavement, a tale of golden keys, whirlingDas ist ein YouTube Kommentar unter dem Video und ich fand es so passend, ich hab’s für Überschrift-Zwecke geklaut. Ihr habt das Video gerade ja schon geguckt (wenn nicht, scrollt hoch oder klickt hier), deshalb wisst wir, was ich meine, wenn ich sage: Wow. Es startet mit Elena selbst in einer Club-Toilette (mega unpassender Gedanke, aber ich vermisse Clubs) und stellt immer mehr Menschen vor, die sich in einem anderen Raum befinden. Bekleidet nur mit Unterwäsche und einer Maske erscheinen die Lyrics auf ihren Körpern – und ziehen mich völlig in den Bann. Im ersten Teil des Songs, der von diesem panischen Herzschlag getrieben wird, weiß auch die Kameraführung, wie sie mich mulmig fühlen lässt. Es wird rein- und rausgezoomt, die Szenenbilder drehen sich um 180° bis alles auf dem Kopf steht. Alles wirkt intim, aber auch ernst. Denn trotz viel nackter Haut geht es nicht darum, sondern um die Message, die auf ihr zu lesen ist:

„In dem Video wollte ich zeigen, dass es jedem passieren kann. Deswegen haben die Statist*innen meistens Masken auf – um anfangs zu zeigen “Hey, da könnte jetzt absolut jeder stehen” und am Ende “Das ist kein Thema, das unter den Tisch gekehrt werden sollte”. Außerdem wollten wir mit dieser leider oft immer noch überhöhten Körper-Ästhetik in Musikvideos brechen und Menschen einfach mal so zeigen wie sie sind. “

Das hat Elena Steri auf jeden Fall gemacht. Das Musikvideo zu Pavement ist berührend auf eine intime Art, fühlt sich gleichzeitig aber auch sehr ernst und empowernd an. Das kombiniert mit den dann doch sehr schönen Klängen der Single zeigt, dass wir hier etwas ganz Besonderes haben. 

 

Fotocredit: Zoe Jungmann

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