Gefühle sind selten praktisch. Sie kommen oft zu spät, gehen zu früh und halten sich grundsätzlich nicht an Vereinbarungen. Mit „1 A Feelings“ nehmen Elena Rud dieses Chaos einfach so, wie es ist und packen es in sechs Songs, die klingen wie ein Kribbeln im Kopf.
Nach dem Debüt-Album “Heimlich weinen” von 2024, geht es nun für die Münchener Band im Indie-Rock / NDW Sound weiter, immer mit der richtigen Menge Humor und Ironie. Man fühlt sich erinnert an Ideal, Nena oder Wir Sind Helden. Markantestes Merkmal bleibt dabei die kratzige Stimme von Frontfrau Elena.
Alter Sound, frische Gefühle
Die EP beginnt mit „Vielleicht“, einem Crush in Songform: leicht peinlich, leicht horny, völlig unvernünftig – aber ehrlich genug, dass man es sofort versteht. Endlich jemandem ins Gesicht brüllen, dass man ihn will.
„Vielleicht, vielleicht, vielleicht Wäre ich gern mit dir allein Vielleicht, vielleicht, vielleicht Könnten wir dabei auch nackt sein“
„Kein Bock“ ist dagegen das Anti-Work-Antlitz einer Generation, die seit Jahren übermüdet ist und Silent Quitting perfektioniert hat. Ein Song wie ein Augenrollen im Takt und eine Hymne an den Arbeitszeitbetrug.
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„Please Please Please“ macht aus Verliebtheit wieder etwas Heimliches. Mit seinen The Smiths-Anspielungen klingt der Song wie der Soundtrack einer 2000er-Romcom.
Doch es bleibt ein Auf und Ab der Gefühle. Elena Rud switchen in Highspeed von romantischem Liebeslied zu “Foto” , dem unerwartete Punk-Moment der EP. Da wird natürlich in originaler Punk-Marnier erstmal im Intro ein bisschen geflucht. Und während Elena dann von Rausch, Therapiesitzung und Heartbreak singt, hat man als Zuhörer das Bedürfnis zu pogen.
„Ich schick‘ dir ein Foto von mir, wie ich heul‘ in Therapie Ein schönes Foto von mir, so gut ging’s mir noch nie!“
Mit „Ein Kuss“ folgt dann der weiche Kern der EP. Ein Liebeslied das genauso zärtlich wie schonungslos ist. Zwischen seichten Indie-Gitarren wird die Sehnsucht nach dieser einen Person besungen.
„Warum fühle ich mich so allein, wenn ich in den Spiegel schau?“
Und „XXS“ schließt nicht nur mit der EP, sondern mit all den unbequemen Gedanken, die man lieber nicht denken würde. Ein Spiegelbild, das man kennt – und manchmal nicht erträgt.
Ein Song für die Generation, die von GNTM und Heroin-Chic geprägt wurde und mühsam versucht, sich selbst zu lieben. Ein Stück Hoffnung, auf dieser Reise nicht allein zu sein.
Elena Rud präsentieren mit „1A Feelings“ sechs Songs über alles, was man normalerweise runterschluckt. Sechs Anläufe, sich selbst nicht im Weg zu stehen. Ein bisschen süß, ein bisschen salzig, ein bisschen kaputt.
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Nach dem von Charli xcx eingeläuteten BRAT-Summer ist die Sängerin zurück und steckt mal wieder mitten im Hype. Neben der Premiere ihres eigenen Films „The Moment“ hat sie nun ihr neues Album „Wuthering Heights“ veröffentlicht. Das Album ist der Soundtrack zum gleichnamigen Film von Emerald Fennell – eine Neuinterpretation von Emily Brontës Roman „Sturmhöhe“. Beim Film scheinen sich die Geister zu spalten: Zwischen scharfer Kritik und begeisterten Zuschauer*innen ist alles dabei. Ob sich Emily Brontë wegen des Films im Grab umdrehen würde, kann ich leider noch nicht beurteilen, da ich es noch nicht geschafft habe, den Film im Kino zu schauen (Schande über mich).
Deswegen gibt’s heute nur eine Review von Charlies neuem Album – und das hat keine Probleme für sich allein zu stehen. Die Künstlerin schafft es, eine Geschichte von Liebe, Hass, Schmerz und Verzweiflung zu erzählen und in hervorragende musikalische Inszenierungen einzubetten. Charli xcx dreht ihrer Popidentität zwar nicht den Rücken zu, schreckt aber nicht davor zurück ihren Sound weiterzuentwickeln.
Kein Entkommen vor diesem Song
Ein gutes Beispiel für diese Weiterentwicklung ist der Opening-Song „House“ mit John Cale. Als ich den Song das erste Mal vor ein paar Wochen gehört habe, hätte ich vieles erwartet, aber nicht das. Der Track beginnt mit einem Monolog, gesprochen von John Cales ikonischer Stimme, und läutet eine unbehagliche Stimmung ein. Cales Worte fesseln und spätestens in dem Moment, in dem Charlies Gesang sich mit den aggressiven, schrillen Streichinstrumenten mischt und sich alles zu verzerren scheint, gibt es kein Zurück mehr.
Mit den Worten „I think I’m gonna die in this house“ entkomme ich dem Song genauso wenig, wie Charli. Das Ganze hat etwas Beunruhigendes, fast schon Gruseliges. Das Pop-Girl scheint verschwunden zu sein, doch keine Sorgen – fort ist sie nicht. Ab hier werden die Lieder sanfter, obwohl die düstere Atmosphäre bei vielen Songs mitschwingt. Für mich war dieser erste Song der stärkste des gesamten Albums, obwohl Charli noch einiges zu bieten hat.
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Mit „Wall of Sound“ lassen die verstörenden Streichklänge besonders gegen Ende des Songs noch nicht ganz locker. Die Lyrics beschreiben eine hoffnungslose romantische Verbindung, der sie nicht entfliehen kann. Zeilen wie „Love and hatred and I can’t escape it“ oder „Every time I try, something stops me“ werden mit teilweise sanften, teilweise erdrückenden Streichelementen untermalt. Die Verzweiflung wird hier durch ihre wiederkehrenden hallenden Worte und Sounds besonders transportiert und symbolisiert einen Zyklus, der undurchdringlich scheint (zumindest meiner bescheidenen Interpretation nach).
Im nächsten Track „Dying for You“ verlassen uns die bedrückenden Lyrics nicht, obwohl das die musikalische Tonalität erst einmal nicht vermuten lässt. Zu dem Song habe ich nämlich in meinem überteuerten WG-Zimmer schon das Tanzbein geschwungen und dabei fröhlich Lyrics wie „I’m losing gallons of blood / the river’s turning to red“ mitgesungen. Darf ein so tragischer Song gute Laune machen? Ich sage, Charli xcx darf das.
Balladen, Dramatik und facettenreicher Pop
„Always Everywhere“ und „Chains of Love“ sind zwei moderne Balladen, die das Album vom gute Laune-Trip runterholen. „Always Everywhere“ ist zart und angelic – genau wie die begleitenden Streicher*innen. Ich muss gestehen, dass ich von „Chains of Love“ als zweite Single etwas enttäuscht war. Vielleicht liegt das aber auch daran, weil „House“ so gescheppert hat, dass jeder andere Song danach nur wenig Chancen gehabt hätte.
Beim zweiten und dritten Hören konnte ich mich mit dem Track anfreunden, wobei das Musikvideo seinen Teil dazu beigetragen hat. Jetzt fühle ich besonders den Refrain und kann mich in der Dramatik richtig suhlen. Die Zeilen „Shattering like glass / It’s the breaking of my heart / The chains of love are cruel“ brechen aus Charli (und mir) förmlich heraus.
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Eine prägnante Mischung aus poppigen Beats und Streichmusik bietet auch der Song „Out of Myself“ zu dem ich persönlich wenig Zugang gefunden habe. Ähnlich wie „Dying for You“ setzt der Song textlich auf qualvolle Begierde, entlädt diese Spannung aber mit Popmelodien. Obwohl ich die musikalische Mischung des Tracks spannend finde, blieb der Song bei mir wenig hängen. Umso besser gefällt mir dafür der kürzeste Song des Albums „Open up“, der sich mehr wie ein Interlude anfühlt.
Charli xcx goes Taylor Swift?
Bei „Seeing Things“ dachte ich kurz, Charli xcx hätte ein Feature mit Taylor Swift gemacht, obwohl das wohl ein Collab der Unmöglichkeit ist (if you know, you know). Die Lyrics erschaffen mit dem Storytelling eine Szenerie, die mich stilistisch sehr an Swift erinnert hat. Auch der Pre-Chorus und der Refrain könnten lyrisch und musikalisch aus einem Swift-Song sein. Ein Lied, das Ohrwurm-Potential hat, für mich aber wenig herausgestochen ist.
Ein weiterer offensichtlicher Popsong, der mir allerdings besser gefällt, ist „Altars“. Wie ihr wahrscheinlich schon mitbekommen habt, spielt in diesem Album Streichmusik eine große Rolle (Überraschung). Wenn ihr den zauberhaftesten Einstieg eben dieser Streichmusik hören wollt, dann hört euch „Altars“ an. Die Streicher*innen spielen so sanft und zaghaft und füllen den Song trotzdem melodisch so aus, dass ich heulen möchte. Was diesen Track dann noch besser macht, ist der Umschwung zum Refrain. Als Charli mit der Zeile „One is not the loneliest number“ ihre raspy Stimme raushaut, war es um mich geschehen. Ich finde, der Song wirkt anfangs unscheinbar, hat sich aber zu einem meiner Lieblingssongs des Albums entwickelt.
Düsterer wird es wieder mit dem Song „Eyes of the World“ feat. Sky Ferreira. Die altbekannten verzerrten Streichinstrumente kommen zurück und hätten nicht besser platziert sein können – ein Unbehagen, das ich gerne in Kauf nehme. SkyFerreiras und Charlies Stimmen mischen sich zu finsteren Abgründen zusammen und unterstreichen die musikalische Stimmung: „You’re gonna think the things you think about me anyway / Put my flesh upon the cross until I scream / Oh, the eyes of the world“.
Zwischen Hoffnung und Doomsday-Stimmung
Die letzten beiden Songs des Albums könnten unterschiedlicher nicht sein. Während ich bei „My Reminder“ noch fröhlich mitgewippt habe, fühlt sich „Funny Mouth“, mit schweren und doomigen Musiksequenzen, verstörend an.
„My Reminder“ wirkt auf mich fast wie eine Synth-Pop-Versöhnung in Anbetracht der vorherigen Lyrics. „I’m not gonna be your bitter rival / We grew together in the same four walls“ und „I don’t hate you, we’re just different“ erzählen von dem Umgang mit einer komplizierten Geschwisterbeziehung. Doch das Album wäre nicht „Wuthering Heights“, wenn es nicht düster enden würde.
Obwohl die Zeile: „If there’s a light, don’t let it go out“ einen kleinen Schimmer der Hoffnung verspricht, hüllt uns die Schwere der Musik in „Funny Mouth“ ein. Ganz so beklemmend, wie der erste Song „House“ ist der Track zwar nicht, trotzdem ist es ein starker Abschluss.
Mit „Wuthering Heights“ lässt Charli xcx die dröhnenden Clubbeats von „BRAT“ hinter sich und taucht in die vollen Klänge der Streichmusik ein – die sie wirklich fabelhaft einsetzt. Eine Weiterentwicklung, die ich sehr begrüße, obwohl „BRAT“ eine Zeit lang gefühlt das einzige Album war, das ich gehört habe. Ich finde, dass Werke nicht immer verglichen werden müssen und als das stehen können, was sie sind: gute Musik. Auch wenn mich nicht alle Songs gleichermaßen begeistert haben, ist das Album hörenswert – nicht nur für Popliebhaber*innen. Und falls der Film von Fennell nicht überzeugend sein sollte, weiß ich wenigstens: Charli delivered.
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Neues Jahr, neuer Folk aus Kanada: Luca Fogale legt mit Challenger einen eindrucksvollen Start in 2026 hin und liefert eine intime Kollektion von Songs, die berühren und uns ein Stück weit Einblicke in die Persönlichkeit des Singer-Songwriters gewähren. Ganz nach seinem Prinzip „every word matters to me” wirkt jede Zeile bewusst geschrieben, jede Pause bedacht gesetzt. Fogale veröffentlicht Songs nur dann, wenn sie für ihn einen Mehrwert für die Welt haben – und dies merkt man dem Album an.
Nach dem Motto „in der Ruhe liegt die Kraft” ist Challenger eher leise als laut gestaltet und Fogale bleibt somit seinem bisherigen Sound treu. Er schrieb die Songs in ruhigen Zwischenmomenten des Tourlebens, oft zurückgezogen in einer kleinen Hütte in British Columbia. Diese Abgeschiedenheit hört man der Platte an: Sie wirkt wie ein emotionaler Rückzugsort. Neben sanften Worten findet sich auf dem Album gleichzeitig ein Drang zur Konfrontation und Selbstreflexion. Challenger ist eine Sammlung, deren Funktion es nicht ist, ein Statement zu setzen, sondern Raum für Fragen und Auseinandersetzungen zu bieten. Es geht um Gedanken zur eigenen Vergangenheit, erlernte Muster und die Frage, wer man eigentlich werden möchte.
„I will not give up, I do not fear death”
Im Opener „Everything“ spricht sich Fogale selbst Mut und eine gewisse Verpflichtung zum Wachsen zu. Mit Zeilen wie „all of the light that you never could see, it flows in your veins” und „I know what it’s like, feeling everything, feeling nothing” wird der Reflexionsprozess, dem das Album folgt, eröffnet.
„Could I begin? / Could we begin?”
Los geht es mit der Frage des Neuanfangs. Wie kann man sich neu entfalten, sich neu entwerfen und was passiert, wenn alles Bekannte einen verlässt? Als erste Single vom Album findet sich „Begin„– ein Song, der sich diesen Gedanken aussetzt. Sanfte Gitarren tragen eine existenzielle Selbstbefragung, die im Refrain von einem „I“ zu einem kollektiven „We“ kippt und seine Nächsten miteinbezieht. Im Zentrum stehen der Wunsch nach Erneuerung und die sehnsüchtige Flucht aus Gleichgültigkeit.
„hold on for all that lasts”
Auch im nächsten Song schwanken zwei Perspektiven hin und her: der Drang, alles bewahren zu wollen und die Erkenntnis, dass nichts bleibt. „For“ ist gleichzeitig eine Reflexion über Zeit und Vergänglichkeit als auch eine Erinnerung an Dinge, die wichtig sind und an denen man festhalten sollte. Kleine Chöre im Hintergrund verleihen dem Song etwas Hymnisches übers Menschsein, während sich die Lyrics zwischen Ehrgeiz und Demut bewegen.
„cause too often these days, I can’t see the use, I lose track of the road, I lose sight of the truth, oh I’d be lost, I’d be lost without you”
Was jedoch immer währt, ist Liebe. Der nächste Track, „Lost Without You”, ist ein zarter, klaviergetragener Liebessong über das Angenommenensein, und darüber, wie schwer es ist, Liebe zu akzeptieren, wenn man sich selbst noch nicht vollständig annehmen kann. Liebe, die ihm entgegengebracht wird, bietet Luca hier Schutz und Spiegel zugleich. Der Song beinhaltet die Zeilen „But you see me for all I am“ und „I’m trying to do my part, oh I’m trying with all my heart” und spendet somit Hoffnung, sich durch Augen anderer selbst klarer sehen zu können, auch wenn man es im Moment vielleicht noch nicht schafft.
„can you forget all that you know and find some truth and release control to reconcile all that we are”
Von Akzeptanz handelt auch der nächste Song. „Hymn” ist ein Track über das Loslassen. Was passiert, wenn man Kontrolle abgibt? Bei diesem fast schwebenden Song steht Fogales Stimme im Vordergrund, begleitet von spärlichen Gitarrenklängen. Die Lyrics kreisen um die Schönheit der Stille und das Finden von Sinn im Kontrollverlust und bieten eine meditative Pause innerhalb des Albums.
„Some things can change without warning, others get taken away. It’s hard to feel strong in these moments, it’s hard to know what we can take. Some times you carry on hoping, others your spirit can break.”
Loslassen ist auch Thema des sechsten Songs. „Ashes” thematisiert die Erlaubnis, loszulassen und zu fühlen. Luca Fogale zeigt sich verletzlich und bricht mit den Texten starre Männlichkeitsbilder auf. „Love carries all of us home” sind die Backgroundvocals, die sich zwischen den Strophen und in der Bridge befinden und zentral für diesen Song. „Ashes” handelt von Verlust und Trauer, wobei Liebe das ist, was zusammenhält und Zeit alle Wunden heilt. Es ist einer dieser Tracks, die mitten im Album stehen und sich als emotionaler Mittelpunkt herauskristallisieren.
„leave the past in the past, it doesn’t have to be your truth, it doesn’t define you”
Der nächste Song zieht das Tempo leicht an. „Define You“ ist ein empowerndes Stück über Identität und Selbstdefinition. Es dient als Erinnerung, dass Schmerz und Vergangenheit nicht definieren müssen, wer man ist. Der Song ist eine Hymne für einen Freund, dem man eine Orientierung mit auf den Weg gibt, die er einst verloren hat. „I know that you see yourself in the way I see you now, I have always known deep in your heart, there is a light that won’t ever burn out”. Der Song dient als Ermutigung, nach vorn zu schauen und sich nicht von den Sachen definieren zu lassen, die man sich nicht im Leben ausgesucht hat.
„when everything is cold and I cannot find my way and the light is dying, oh, you are my horizon”
Das Tempo wird auch im Song „Horizon” gehalten. Schlagzeug und Gitarre treiben den Track voran und der Refrain öffnet sich in helle Klangflächen. „Wherever I am, a vision of you makes the darkness fall away in all the times I’ve reached toward a hiding place, you never let me go, no and through your eyes I watch myself become who I’m supposed to be” – Fogale beschreibt Liebe hier als Orientierungspunkt, wobei der Song eine Liebeserklärung an seine:n Partner:in und an das Leben, das diese Liebe ermöglicht hat, darstellt.
„you are right where you’re meant to be”
Nach dem instrumentalen „Relief“ folgt „Daniel’s Theme“, der kürzeste Track des Albums. Der Song ist ein Porträt eines archetypischen Mannes, der trotz Narben mit Güte und Stärke durchs Leben geht, und gleichzeitig eine Erinnerung daran, dass unser eigener Schmerz nicht bestimmen muss, wie wir anderen begegnen.
„you are not what came before, you are an unending form”
Der Titeltrack „Challenger“ startet mit einem Gitarrenintro und ist ein ganz besonderer Song, da der Sänger ihn seit fast fünf Jahren mit sich trägt. Fogale ruft im Track dazu auf, transgenerationalen Schmerz abzulegen und erlernte Zyklen zu durchbrechen, um sein Potenzial auszuschöpfen und vollständig in sich hinein oder sogar über sich hinaus zu wachsen: „Hold them close and break the chain, kill the rage and kill the shame”. Identität wird als etwas Veränderbares beschrieben, das man herausfordern kann und der Song fasst das Album thematisch in sich zusammen.
„may you find what you’re looking for, may this world be an open door and may your love lead you on, now and evermore”
Der finale Song des Albums ist „Yours.“ Der Track schließt das Kapitel als Ehrung unserer Anstrengungen und mit der Schönheit, menschlich zu sein. Er reduziert sich zum Ende auf ein leises Klavier mit den Lyrics: „This life is yours. So for all your worth, be the challenger”. Ein Kreis schließt sich – vom inneren Zweifel des Openers zur Selbstermächtigung am Ende.
Insgesamt dient Challenger als Auseinandersetzung mit dem, was nicht mehr dient, und mit dem Mut, loszulassen. Das Album wirkt wie ein zusammenhängender Gedankengang, in dem sich Selbstreflexion, Wachstum und ein leiser Kampf gegen das Stagnieren gegenseitig ergänzen. Luca Fogale hat eine Kollektion geschaffen, die sich anfühlt wie ein stiller Dialog mit sich selbst, und in dem sich viele Menschen wiederfinden können.
Im April geht Luca Fogale mit Band auf Tour und macht auch in Berlin, Hamburg, München und Köln Halt. Für unter 30 Euro bekommt man nicht nur neue Songs, sondern einen Querschnitt durch vier Alben voller feinfühliger Lyrics. Kurz gesagt: unbedingt hingehen!
Fotos: Brandon Artis / Nettwerk Music Group
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Vorfreude, schönste Freude – Ende des Jahres haben die ein oder anderen vielleicht davon gehört. Manchmal erwische ich mich dabei, einen Song kurz vor dem drop zurück auf den Anfang zu spulen, weil die Antizipation meine Nerven kitzelt, ich das Herbeisehnen des einen Freude bringenden Tons, dieser einen Harmonie, des einen Bassanschlags oder Tempowechsels noch einen Moment länger erhalten möchte.
Spannung aufzubauen und bis zum Höhepunkt zu halten, hat die australische Band Parcels mit einem 1+ Meisterbrief abgeschlossen. Tobeloved, der erste Song auf ihrem jüngst erschienenen Album, eröffnet das Set ihres Konzerts (in Berlin, Düsseldorf, Amsterdam, Brüssel und Paris – Anne war auf allen fünf!, Anmerk. der Red.) mit einem langen Instrumental-Intro. Doch die Band steht nicht auf der Bühne. Sie sitzen Sidestage auf einem Teppich, mit Keyboard und Gitarre, was fragmentarisch im Schummerlicht gefilmt und auf eine große, bühnenüberspannende Leinwand übertragen wird.
Nach und nach wird immer mehr preisgegeben über den Ort und die Akteure, von denen erst nur Hände, dann Silhouetten, dann Gesichtszüge und final der gemeinschaftliche Aufbruch zu sehen ist. Genau an dem Punkt, an dem das Publikum zu verstehen beginnt, was gerade passiert, steigt das Quintett das Treppchen zur Bühne hinauf. Visuell und emotional verbindet sich hier die Steigerung, die sich in ihrer Komposition musikalisch durch stetig reicher, lauter, eindringlicher werdende Harmonien aufbaut. Die Musiker stimmen im Gesang mit an und was sich auf der Album-Aufnahme etwas schneller in einen engelsgleich schimmernden Chor auflöst, wird live mit Wiederholungen dramatisch aufgeladen. Spätestens jetzt ist der gesammelte innere Nervenkitzel zu hoch, um noch stillzustehen. Und dann, in diesem einen speziellen Moment, fallen Musik und Lichttechnik explosionsartig zusammen, sodass ich weinen muss, weil mein Körper das Eintreten dieser (eigentlich gar nicht so plötzlichen) Erleichterung von all der Vorfreude nicht anders verarbeiten kann.
2. die erinnerung
„Es wird uns öfter gesagt: Wow, ihr seid so groß geworden! Aber wir als Band sind ja immer noch dieselben. Wir sind immer noch die fünf Personen, die zusammen Musik machen. Das, was sich verändert hat, ist die Größe des Publikums vor uns“, sagt der Drummer während der Paris Show.
Es erscheint mir einleuchtend, auch wenn ich irgendwie noch nie genauer darüber nachdachte. Also darüber, wie sich die Band selbst wahrnimmt in dieser riesigen mit einer Menschenmasse gefüllten Arena.
Zum ersten Mal sah ich Parcels auf einer weit aus kleineren Bühne 2016. Dazwischen liegen Jahre, in denen wir (über uns selbst hinaus-) gewachsen sind und uns weiterentwickelt haben. Aber nach dieser emotionalen Rede, die in variierender Form immer vor dem neunten Song im Konzertset von einem der Bandmitglieder gehalten wird, fühle ich mich wieder wie sechzehn, als ich erstmals ihrer Musik lauschte. Ohne Arena, ohne Show, nur die Musik. Für den Song Leaveyourlove lassen die fünf Musiker ihre Position an den Instrumenten zurück, um sich im Grüppchen am Bühnenrand einzufinden. Einzig ein Keyboard steht dort bereit, der Drummer mit einem Tambourin, der Rest mit Mikrofonen ausgestattet. Sie sind jetzt nah an dem Publikum und setzen zu einer reduzierten, gefühlvollen Version der sonst schwungvoll groovigen Leitsingle des Albums an.
Es ist, als ob ein initialer Moment der Bandgründung beim gemeinsamen Singen in einem Vakuum präserviert wurde und wir als Publikum hier das Glück haben, einen Einblick zu erhaschen. Und dabei meine ich nicht dieses: hach damals, da waren die Venues noch klein undauthentisch… Mit all meinem Herzen, Parcels sollen die richtig großen Bühnen bekommen. Sie gehören da hin, mit all den Lichtern und vor allem einer richtig ordentlichen Soundanlage! Mit der Größe der Produktion der LOVED Tour entfaltet sich ein Potenzial, dass diese Konzerte zu den besten macht, die ich von der Band je gesehen habe. Und bei all dem Raum für Neues blitzt trotzdem hier und da die Erinnerung auf. Ob es alte Songs sind, die sich in einem neuen Arrangement perfekt in den Ablauf einfügen oder neue Songs, die vergangenes aufgreifen. Iwanttobeyourlightagain ist die höchst emotionale, revuepassierende Kirsche auf dieser Schichttorte von Vision und Erinnerung.
3. die liebe
Gut, dass die Liebe ein integraler Teil dieser Auflistung wird, lässt sich bei dem Albumtitel erahnen. LOVED ist quasi ein Geliebtsein in Tonspuren gepresst. Nicht nur in der Gegenwart, das Partizip II spannt mit seinen unterschiedlichen Verbindungen bis in die Vergangenheit und diesesich habe wurde werde geliebtentsteht beim Hören des Albums als gleichzeitiges Gefühl.
Wie bereits beschrieben, verbinden die Songs Altes mit Neuem, nicht nur musikalisch und emotional. Auch thematisch werden Fäden gesponnen zwischen einem frischen Gefühl von Geborgenheit und dem Retrospektiv auf eine verblasste oder verblassende Liebe. Bei manchen Titeln sind beide Fälle koexistent und der warme Klang der Musik kann im einen Moment umarmend vor Zuneigung und im anderen vor Trost sein.
Diese manchmal nicht zu trennende Gleichzeitigkeit wird ikonisch präsentiert, als die Band bei ihrem Auftritt zum melancholisch fragenden Song Summerinlove eine Kisscam durchs Publikum gehen lässt und (frisch) verliebte Paare auf die Leinwand holen. Es geht ein Jubeln durch die Menge und mit dem Schmunzeln der Band bekommt auch der Song direkt eine andere Klangfarbe.
Parcels zeigen, was es bedeutet, LOVED zu sein, mit jedem Song und mit ihren Konzerten. Ich glaube dem Drummer, wenn er mit Marker auf eine Plexiglasscheibe BRUSSELS U R LOVED BY PARCELS ♡ schreibt. Noch mehr glaube ich an all die Liebe, die in die gesamte Produktion geflossen ist. Die oft benannte Liebe zum Detail. Auf der Bühne zu sehen sind nicht nur die fünf Musiker und ihre wirklich herausragenden Instrumentalfähigkeiten. Es ist auch ein Kamerateam, das die Abende live mit Requisiten und Storyline, die an eine kleine Kriminalermittlung angelehnt scheint, visuell gestaltet.
Tatort Parcels Konzert. Identifizierte Charaktere bekommen wie im Fall des Gitarristen ein Namensschild, später sind auf der Leinwand Pinnwände zu sehen, Fäden überspannen Notizen, Zettel und Bilder, Namen, die auf das Album zurückzuführen sind. Auf der Sidestage vorbereitet steht ein Tisch auf dem unter rotem Licht die Herstellung von Fotoabzügen im Chemiebad simuliert wird. Der Keyboarder verschwindet kurz vor der Bühne, begutachtet die Bilder, die Szenen des Yougotmefeeling Musikvideos zeigen und hängt sie auf eine Wäscheleine. In der weiteren Geschichte ermitteln wir unter Zeitdruck den Grundriss des Bühnenaufbaus und Songzeilen. Die Kameras wechseln und positionieren sich im Bühnengraben, nichts wirkt statisch. Alles ist durchgeplant und an manchen Stellen haarraufend für das Team, weil man live nicht durchplanen kann, etwas nicht schnell genug geht oder der entscheidende Shot entgangen ist.
Aber diese kleinen Interaktionen machen die Konzerte so besonders. Kein Abend ist wie ein anderer und obwohl so viel Vorbereitung und Übung in der Performance steckt, wirkt sie zu keinem Zeitpunkt einstudiert. Man ey, ich kann nur ganz schwer drüber schreiben gerade, weil ich direkt wieder zurück möchte in den Pit, vor die Bühne und alles noch einmal anschauen.
brb ich muss kurz nachsehen, ob ich im Sommer zu der Show am 18. August nach Milano fahren kann-
text: annekatrin schulz
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Wer uns schon ein paar Jahre verfolgt, weiß, dass wir nichts mehr lieben, als neue Musik zu entdecken. Besonders im Dezember, denn dort nutzen wir unsere kollektive untoldency-Brainpower, um uns Artists und Bands rauszupicken, die wir euch als Artists To Watch vorstellen wollen. Sie alle haben nächstes Jahr Großes vor, gehen auf Headline-Tour oder veröffentlichen ein mit Spannung erwartetes Album! Sie jetzt auf dem Schirm zu haben, könnte euch einige Pluspunkte in eurer Musik-Friends-Bubble einheimsen.
Und jetzt zieht die Kuscheldecke fest an, wir steigen direkt ein: hier sind unsere Artists To Watch 2026:
Eine unserer größten Entdeckungen dieses Jahr war Chloe Slater. Die 22-Jährige Britin hat uns aus dem Nichts überrascht und das mit so einer Wucht, dass wir sie euch mit viel Nachdruck empfehlen wollen. Ihre Songs klingen wie ein Protestschrei und das ist auch das, was uns am meisten catcht. Politisch und sozial aufgeladene Songs, die auch musikalisch diesen Drang nach Veränderung ausdrücken. Dabei hangelt sie sich zwischen Indie-Rock, Post-Punk und verträumten Bedroom Produktionen durch, als läge es in ihrer Natur. Mit ihren zwei EPs You Can’t Put A Price On Fun (2024) und Love Me Please (2025) können wir gar nicht erwarten, was da noch von der Manchesterin kommt. Eins ist sicher: Chloe Slater inspiriert nicht nur junge Menschen in Großbritannien, sondern auch uns.
Nina Carolina
Fans von Holly Humberstone, Gracie Abrams und Olivia Dean sollten hier ihre Ohren spitzen. Denn hier wartet eine Newcomerin, die mit ihrer 2025 erschienenen Debüt-EP Outsider beweist, dass sie nicht lange warten will, um in dieser Liga mitzuspielen. Nina Caroline fasst die Sorgen, Ängste, Lebensentscheidungen und Herzschmerz der Zwanziger in Songs, die mit einer verdächtigen Ohrwurm-Potential-Rate von 100% nicht nur in unseren Playlisten hoch und runter laufen. Mal melancholisch, mal energiegeladen schreibt Nina Caroline Indie-Pop Songs, die internationaler klingen als ihre Reichweite gerade (noch) schließen lässt. Doch das wird sich 2026 ändern, da sind wir uns mehr als sicher. Die nächste EP soll schon geschrieben sein, ihr könnt euch also auf noch mehr freuen!
JACOTÉNE
Wenn ihr die folgende Künstlerin noch nicht kennt, dann lasst euch mal auf ein kleines Kennenlernspiel ein. Spielt den meistgehörten Track in JACOTÉNES Diskographie an, schließt die Augen und tippt das Alter. Wenn ihr diese soulige Stimme hört, würdet ihr nicht denken, die Künstlerin aus Melbourne ist erst 19, oder? Wir waren schockiert. Die Zeit, in der wir 19 waren, liegt schon eine kleine Weile hinter uns, und wir haben längst aufgegeben uns zu vergleichen mit so manchen Künstler*innen und wie sie mit ihrem jungen Talent die ganze Welt erobern. JACOTÉNE könnte eine davon werden. Das erste Mal auf sich aufmerksam gemacht hat sie mit 16 mit Demo-Tracks, die auf Spotify die 2 Millionen Marke knacken. 2024 geht es dann richtig los und auch wir wurden dieses Jahr wie im Sturm von dieser unfassbar souligen und charakterstarken Stimme in den Bann gezogen. Uns ist klar: this woman is going places. Folgt ihr jetzt schon, wenn sie 2026 Songs veröffentlicht, die dann die ganze Welt hören wird. You heard it here first!
Panda Lux
Wir sind ehrlich, hier haben wir ein wenig geschummelt. Panda Lux haben wir schon als Artist To Watch 2022 gelistet, weil wir überzeugt waren, dass nach diesem Banger neue Musik nicht weit sein kann. Naja, wir haben ein wenig falsch gelegen. Es sollte noch ein paar Jahre mehr dauern bis aus den Schweizer Band ein neues Album rauspurzeln sollte. Aber wisst ihr was? Das Warten hat sich mehr als gelohnt und wir können mit gutem Gewissen und voller Stolz eine unserer Lieblingsbands nochmal empfehlen! Die Tiefe und Verschlungenheit der Texte kombiniert mit der Experimentierfreude von vier studierten Musikern haut uns einfach immer wieder um. Wir hatten schon die Möglichkeit in das Ende Januar 2026 kommende Album Herz reinzuhören und tun das seitdem ehrlich gesagt auf Dauerschleife, immer auch in großer Vorfreude auf die kommende Tour im Frühjahr. Das Album ist genau das, wonach es klingt: ein tiefer Einblick in das Herz von Panda Lux. Wir sind so froh, dass sie wieder zueinander und zu sich gefunden haben. Denn die deutschsprachige Indie-Welt braucht sie einfach. Und ihr auch.
Mina Richman
Eine längst überfällige Auflistung als Artist To Watch ist Mina Richman. Song für Song hat sich die deutsch-iranische Singer Songwriterin die letzten Jahre in unser Herz gestohlen. Mit ihrem Debütalbum Grown Up (2024) war dann endgültig klar: Mina Richman ist der Shit. Ehrlich, queer und selbstbestimmt fegt sie alle vom Stuhl, die sie in ihre Welt lassen. Ihr Sound ist von Einflüssen aus Soul, Folk, Reggae und HipHop – da ist also für wirklich alle was dabei. Auf „Grown Up“ beschäftigt sie sich mit dem Erwachsenwerden, kultureller Entwurzelung, vermeintlichen Schönheitsidealen und dem Suchen nach einem Platz in der Welt. 2025 ging es direkt weiter mit neuen Songs, die uns mindestens genauso packen, wenn nicht noch mehr. Im August 2026 soll dann das neue Album kommen, gefolgt von einer fetten Headline-Tour, die wir auch präsentieren dürfen. Falls Mina Richman bis jetzt also noch nicht auf eurem Zettel war, sollte sie das spätestens jetzt!
SCHRAMM
SCHRAMM ist jemand, der Songs und Zeilen schreibt wie “I died when you asked me to go out” oder “Komm, zünd mich an, ich bin dein Streichholzmann“ und uns damit völlig umhaut. Eine ungeschönte Ehrlichkeit verpackt in einem mal melancholisch-tanzbaren, mal deprimierend-energischen Post Punk. Mal auf Englisch, mal auf Deutsch, aber eigentlich ist all das auch egal. SCHRAMM findet für jedes klitzekleine Gefühl einen Sound, immer ein bisschen bitter-zynisch, und genau das ist es, was uns so catcht. Seine erste EP I made this for myself (I didn’t make this for you) hat der Wahl-Berliner 2022 veröffentlicht, die zweite How to fail at love EP kam 2024. In diesen Jahren hat sich schon eine kleine Fanbubble um den Künstler gebildet, denn wer sich einmal in seinem Sound verliert, will sich gar nicht mehr davon lösen. Das Gute ist, das müssen wir auch nicht! Im Gegenteil, es kommt 2026 noch mehr von SCHRAMM, weshalb wir das gerade als einen perfekten Zeitpunkt sehen, ihn euch ganz gezielt ans Herz zu legen.Seine neue EP something smelly funnyerscheint am 06.02.2026. Und eine Tour gibt es auch! Wir geben euch alles an die Hand, was ihr braucht.
fiio
fiio hat sich auf diese Liste mit einer großen Empfehlung aus unserer Redaktion geschlichen. Auch viele von euch haben den Wiener Indie-Rock-Musiker schon auf den Radar. Es scheint also, als sei es fast schon überfällig, ihn als Artist To Watch aufzunehmen. Sein drittes Album Athena. ist gerade einmal einen Monat alt und trotzdem können wir das Gefühl nicht abschütteln, als würde nächstes Jahr ein besonderes Jahr für fiio werden. Es kitzelt aber auch einfach besonders wenn Wiener Sprechgesang auf moderne Pop-Melodien trifft, oder? fiio gibt einen unverblümten Eindruck in das Chaos des modernen Lebens der Mitte Zwanziger, ein Coming-of-Age mit einem wahnsinnig catchigen Soundtrack. Wir sind begeistert, ihr seid begeistert, jetzt warten wir noch auf die Leute um uns herum und dann können wir sagen: wir kannten fiio schon, bevor ihn alle kannten.
STRAHLEMANN
Ähnlich ist es bei STRAHLEMANN. Auch diese Band hat riesengroße Fans in unserer Redaktion und ist auch schon seit einigen Jahren bei einigen von euch sehr beliebt. “Relativ idealistisch, ziemlich sozialkritisch, hauptsächlich selbstzentriert” – so steht es in der Beschreibung der Indie-Rock Band aus Münster. Was wir da noch hinzufügen würden: eine kleine Prise melancholisches Fernweh nach diffusen Momenten der tiefen Gefühle. Ihre Debüt-EP Die Sonne scheint nur für mich (2023) hat uns schon große Ohrwürmer gebracht und auch die folgende EP Tut gar nicht mehr so weh (2024) lässt uns unsere Gefühle rausschreien (und tanzen). Dieses Jahr kamen weitere fünf Songs, die sich in der Komm, wir machen uns gemeinsam verletzlich-EP gesammelt haben und uns SO VIEL BOCK auf das kommende Album machen. Falls ihr das lest, es ist überfällig, STRAHLEMANN. Wir wollen mehr moderner Kuschelrock mit moralischem Rückgrat.
Sampa The Great
Neben Chloe Slater und JACOTÉNE haben wir mit Sampa The Great eine weitere sehr starke Empfehlung aus dem Ausland für euch. Zugegeben, Sampa The Great ist alles andere als eine Newcomerin – ihre Diskografie reicht zurück bis 2015. Die in Sambia geborene und in Botswana aufgewachsene Künstlerin macht einen unvorhersehbarer Mix aus abstrakten Hip-Hop Beats, afrikanischen Einflüssen, Jazz-Electronica und spirituellen Neo-Soul. Der Grund, warum wir sie mit in unsere Artists To Watch Liste aufnehmen, ist der nach einer zweijährigen Pause erschienene Song Can’t Hold Us feat. ihrer Schwester und R’n’B Künstlerin Mwanjé. Mit ihm hat sie ihren Sound neu erfunden, Nu Zamrock: eine kraftvolle Verschmelzung von der rohen Energie von Rock, Hip-Hop, Soul und sambischen Rhythmen. “Zamrock is my sound. It’s my voice. Being Zambian, being loud, being defiant — that’s what Zamrock is.” Und dieser Sound ist so stark, dass wir davon überzeugt sind, dass Sampa The Great 2926 ein mehr als vielversprechendes Jahr vor sich hat. Und wir dem alle gespannt folgen sollten.
RAR
Zu guter Letzt möchten wir euch RAR empfehlen. Eine absolute Nischen-Empfehlung, von der wir gar nicht genau sagen können, wie groß sie 2026 werden wird. Aber eins ist sicher: RAR solltet ihr auf eurem Radar haben. Vielleicht haben es ein paar von euch auch schon! Immerhin war Jonas Pentzek, der Kopf und Stimme hinter RAR, bis 2022 Teil der Post-Wave Band Fibel. Vielleicht ist euer Herz auch noch ein wenig angekratzt seit der offenen Pause der Band, und falls das so ist, könnte das hier eins der schönsten Pflaster sein, das die Musikbubble hergibt. Alte Synths, weißes Rauschen, tiefsinnige deutsche Texte – all das legt sich über eine Weite Range an BPMs und erschafft Musik, die sich in die tiefsten Poren unseres Körpers einschraubt.
Auch hier wird es eine Tour im Frühjahr 2026 geben! Und obwohl die aktuelle EP 1996 erst im September rauskam, hoffen wir, dass da noch viel unreleaste Musik wartet. Irgendwas Gutes muss nächstes Jahr passieren.
Und damit sind artists to watch 2026 komplett! Chloe Slater, Nina Caroline, JACOTÉNE, Panda Lux, Mina Richman, SCHRAMM, fiio, STRAHLEMANN, Sampa The Great und RAR. Alle 10 solltet ihr auf dem auf dem Schirm haben, wenn eure Freund*innen nach neuem Musikinput fragen. 2026 wird ein gutes Jahr – wir manifestieren das jetzt einfach mal so. Musikalisch werden wir auf jeden Fall gut aufgefangen werden, egal, was passiert.
Hier könnt ihr klicken, um zu den individuellen Jahresrückblicken unserer Redaktion zu kommen.
Und hier geht’s nochmal zur artists to watch 2026-Playlist mit direkten Reinhör-Empfehlungen:
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Fotocredits: Chloe Slate: Hayley Thompson | Nina Caroline: Johanna Gußmaggk | Mina Richman: Jan Haller | JACOTÉNE: Darren McDonald | Panda Lux: Sina Meyer | SCHRAMM: Can Wagener | fiio: Fioni Versace | STRAHLEMANN: Sophia Arlena | Sampa The Great: Abu Dumbuya | RAR: Jimi Joel Eyrich
Newcomer*in Blair Davie kehrt im Herbst 2025 mit First And Last zurück – einer gefühlvollen EP über die Liebe in all ihren Phasen. Am 8. Oktober erschienen, reiht sich ein herzerwärmender Song an den nächsten. In sechs wunderschönen Tracks erzählt Blair eine Story vom ersten Herzklopfen bis zum Für-immer-Gefühl. Mit First And Last hat das schottische Ausnahmetalent eine Sammlung geschaffen, die berührt und uns daran erinnert, wie Liebe sich anfühlt und wie sie klingt, wenn man sie wirklich zulässt.
Wenn du vergessen hast, wie sich Liebe anfühlt – First And Last erinnert dich daran.
Blair Davie ist eines der wenigen Talente, bei dem man beim Hören der Songs direkt gute Laune bekommt. Man hört förmlich die Freude am Songwriting und Singen in jedem Wort, und diese positive Energie überträgt sich von der ersten Note an. So wirkt auch diese EP absolut authentisch. Der Opener setzt den Ton für die gesamte EP: verletzlich und ehrlich, träumerisch und sanft. Ganz ohne Filter. Bei „Coming Back Babe“ ist die rohe Power von Blairs Stimme sofort spürbar. Als kraftvollstes Instrument entsteht zwischen Sounds ähnlich Adele und Bruce Springsteen (wie Blair selbst sagt) ein intensiver Sound, gefüllt mit verliebten Textzeilen.
impulsiv, unvernünftig, wunderschön
Blair singt vom Davonlaufen, von Freiheit und der Sehnsucht nach einem Für immer zu zweit.
„you and me runnin‘, never coming back, babe“ „two hearts in a black car and we drive away“
Im Zentrum steht die Flucht ins Glück, weit weg von allem, fokussiert auf eine gemeinsame Zukunft, immer mit dem beflügelten Gefühl vom Verliebtsein, das mitschwingt.
Dass das größte aller Abenteuer in der Liebe liegt, wird auch im nächsten Song hörbar. „Crashing The Car“ ist ein Track darüber, jemanden so intensiv zu lieben, dass alles andere nebensächlich wird – sogar das Leben selbst:
„if we end up crashing the car, I’m happy we made it this far“ „darling, I know in my heart, it’s a beautiful way to go into the dark if I die wherever you are“
Der Song erzählt von Hingabe und der Bereitschaft, intensive Liebe zuzulassen, sodass sie dem Tod entgegensteht. Trotz der etwas düsteren Metapher ist dieser Song eine weitere poetische Liebeserklärung, wobei außerdem auch ein Gefühl von Hoffnung durch den optimistischen Gedanken auf ein Wiedersehen im nächsten Leben mitschwingt: „If you asked me, I’d leave the whole world behind. If we meet in another life, then it’s alright“.
Im Kontrast dazu folgt im nächsten Song die Freude über das Leben zusammen. „What a Life“ erzählt vom Gefühl, jemanden zum ersten Mal in die eigene Welt mitzunehmen – ins Zuhause, in Erinnerungen, in das, was man liebt und wo man herkommt.
„there ain’t no taste of home down the telephone, so welcome to my little slice of something called paradise“
Zwischen den Zeilen klingt Blair Davies Herkunft aus Perth, Schottland an und es scheint fast so, als würde die Liebe die Heimat in neuem Licht erscheinen lassen.
„all the streets sound like they’re singing now that I‘ve got you in it – what a life“
Die Zeilen erwecken den Eindruck, als würde Blair die Welt durch eine rosarote Brille sehen – aber eine, die ganz ehrlich getragen wird, ohne Kitsch, einfach aus purer Freude.
Mit Freude geht es auch in den nächsten Track. „Wouldn’t Be Right“ ist ein weiterer Feel-Good-Song über Zufriedenheit mit dem, was man hat, auch wenn nicht immer alles einfach ist. Es braucht nicht die neuesten und teuersten Sachen, solange man eins hat: die Liebe.
„I know that it’s worth it all the days that you’re mine“ „it might not be perfect all of the time, but with any other human, no it wouldn’t be right“
Trompeten- und Gitarrenklänge ziehen sich durch den Song und geben dem Ganzen einen sehr glücklichen Folk-Vibe. Euphorisch und ehrlich singt Blair darüber, dass es am Ende nur darauf ankommt, jemanden zu haben, mit dem sich alles richtig anfühlt, egal, wie chaotisch das Leben gerade ist.
Der Titeltrack verdichtet das zentrale Motiv der EP: ewige Liebe, die bleibt. Als Herzstück des Projekts fasst „First And Last“ vieles alles aus den vorangegangenen Songs zusammen. Blair macht deutlich, was es heißt, jemanden so sehr zu lieben, dass diese Person zur Hauptfigur im eigenen Leben wird. Nicht aus Selbstaufgabe, sondern aus Vertrauen und Nähe:
„you’re the protagonist in my little life“
Es geht um das Gefühl, jemanden gefunden zu haben, bei dem man ankommen darf. Für immer.
„from hellos to goodbyes, every morning, every good night – I’m all yours, you’re all mine, till the end of time“
Der Song fühlt sich an wie eine musikalische Umarmung und transportiert Wärme, Hingabe und ein Versprechen für immer. Ähnlich weiter geht es im letzten Song, wobei es zum Abschluss nochmal kraftvoll wird: „Butterflies“ ist eine Ballade über Liebe, die nicht vergeht, über Schmetterlinge, die nicht wegfliegen.
„these butterflies don’t ever fly away“
Blair singt von einer Liebe, bei der das Kribbeln im Bauch nicht verschwindet, sondern zu etwas Beständigem wird. Eine Liebe, die wächst, die reifer, tiefer, echter wird. Außerdem singt Blair von einer Liebe, die bedingungslos ist – davon, dass man sich für jemanden nicht verändern muss, weil man genau so geliebt wird, wie man ist. Diese Zeilen feiern Akzeptanz, Vertrauen und ermutigen zur Selbstannahme: „You can change but you don’t have to for me: I love you now matter what“. Butterflies bildet ein sanftes, aber kraftvolles Ende einer EP, wobei eine Mischung aus Klavier- und Gitarrenklängen Blairs unverwechselbare Stimme tragen.
Eine Ode an die Liebe
First And Last ist kraftvoll, mutig und herzerwärmend. ZwischenIntimität und Euphorie zeigt Blair Davie eine beeindruckende Entwicklung, sowohl erzählerisch als auch emotional: „It’s a love story from first moment you meet that person, falling head over heels for them and then how that love grows and grows with everything you go through together“, so Blair selbst über das Projekt. Die EP lässt einen das Leben kurz vergessen und erinnert gleichzeitig daran, warum es so schön ist, zu fühlen, zu vertrauen, zu lieben. Sowohl musikalisch als auch persönlich hat BlairDavie bereits einen großen Entwicklungsprozess hinter sich und wir sind gespannt, wohin die Reise weitergeht.
Fotos: MOTHER ARTISTS
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Es ist bereits das sechste Album der südafrikanischen Musikerin, die hier in Berlin seit langem schon eine feste Größe im Indie-Pop ist. Alice Phoebe Lou bespielt Orte von baumbeschatteten Plätzen des Treptower Parks in Berlin, kleinen bis mittleren Clubs in Japan, Kanada und den USA bis hin zu Festival-Großbühnen wie dem Primavera Sound in Barcelona. Ihre neue Platte „Oblivion“ wird einem intimen Rahmen wohl wieder eher gerecht als der gefühlt endlosen Weite einer Festivalbühne. Verwundern würde es jedoch nicht, wenn Alice auch in dieser Weite Intimität entstehen lässt.
Alice Phoebe Lous Einstieg ins Album mit “Sailor” gibt direkt den Kurs vor, den das Album segeln wird. Pure, reduziert, ehrlich und zart – Sailor ist ein kurzes Lied über Liebe ohne klassischen Aufbau, aber mit klassischen Alice-Ideen hier zum Beispiel eine Zither einzubringen. Auch wenn man bei AlicePhoebe Lous Liedern über Liebe an das “Glow”-Album denkt, merkt man schnell, dass dieses Album die Segel anders setzt.
“Pretender”, das zweite Lied des Albums, welches bereits im Juli als Single herauskam, ähnelt dem ersten Titel in Länge und Aufbau. Spätestens jetzt wird klar, dass sich hier jemand mächtig aus vergangenen Dynamiken emanzipiert hat. In fünf Versen schafft es Alice, eine Reflexion zu skizzieren, in der man fast jede Zeile zitieren könnte.
“I’m stronger now that I’m softer too. I’m older now but I feel younger than when I pretended to know everything”
Beim näheren Hören des Albums hatte ich immer wieder den Eindruck, ihren Prozess erzählt zu bekommen, und zwar in der Rolle als beistehende Freundin. Das, was sie da in ihre Texte gepackt hat, ist dennoch und vor allem ein Dialog mit sich selbst. Vielleicht gewinne ich deshalb den Eindruck, Teil dieser Intimität zu sein, die ich sonst nur aus Deep-Talk und Emo-Talk mit Freund:innen kenne. Sie nimmt mich mit in die Prozesse zu sich selbst und ihren Beziehungen.
Mit “Mind Reader” geht sie in die Beziehungsdynamik rein, sucht die Konversation und nimmt dabei aber eine erfahren reflektierte Distanz mit liebevoller Grenzbeschreibung ein – meine Therapeutin wär stolz. Gefolgt von “Sparkle”, was uns noch einmal auf liebevolle Art und Weise einlädt, ihr zuzuhören, welchen Wandel sie durchgemacht hat, um jetzt sagen zu können:
“But the worst advice that I’ve gotten from the world was to never change. I won’t be staying the same”
Man hört hier, dass äußere Ansprüche an sie herangetragen wurden, von denen sie eine Abkehr gefunden hat. Textlich sehr scharf und assoziativ formuliert, eingepackt in rustikalen Klavierklängen, macht es wahnsinnig charmant.
“If you should see me as I sparkle in the night, don’t be a fool, it’s not for you, it is for the divine”
Die beiden letzten Tracks haben mich textlich so weit in die Insights geführt, dass ich danach fast schon einen Bruch erwartet hätte. Dieser Bruch kommt auch, allerdings erst mit “Oblivion”, der Titelnummer 6. Es erinnert an “Galaxies” aus dem Album “Paper Castles” von 2019 – ein Rückblick? Andererseits erinnert es auch an ein Präludium von Bach (different vibe though) und klingt wie ein Vorspiel, vielleicht sogar der Beginn von etwas Neuem? Ich gerate ins Spekulieren, bin aber großer Fan von dieser Zäsur in der Mitte des Albums. In den Notizen, die ich während des ersten Hörens schrieb, steht ‘die Eingebung’ und daneben das Wort ‘Gefühl’ neben einer gezeichneten Spirale. Es ist nicht ganz offensichtlich, worum es genau geht. Es wirkt mehr wie eine Art Traum, in dem sie sich selbst begegnet ist. Dennoch hat es auch etwas Verletzliches an sich und steht im Kontext zur Welt. “Oblivion” ist mein persönliches Highlight des Albums, immer noch typisch AlicePhoebe Lou, aber musikalisch trägt es eine ganz andere Handschrift als die anderen Songs des Albums.
Wer mitgezählt hat, stellt fest, dass ich einen Titel übersprungen habe. Kuratorisch gefällt mir hier “The Surface” leider nicht so gut zwischen “Sparkle” und “Oblivion” und reiht sich dennoch nicht ungewollt in die dialogisch gestalteten Songs ein. “The Surface” sucht die Konversation mit der vielleicht Beziehungsperson und ringt nach einem Gesehenwerden. Sie zeigt sich klar geöffnet und froh über die Veränderungsprozesse. Nun liegt der Spielball beim Gegenüber und Alice reicht wohlwollend ihre Hand. Die Begleitung mit der Akustikgitarre unterstützt hier sehr wärmend und liebevoll, ohne die Forderungen zu entkräften. “You and I” ist hier ein guter Anschluss an eine ähnliche Dynamik und wirkt noch direkter und zieht klare Grenzen.
“And if you wanna go on loving me, you better show it, don’t keep it to yourself”
Wobei die Antwort im darauffolgenden Song Old Shadows lautet: “Sharing it with me and it takes some to get used to“, aber hey, jede Liebesdynamik trägt ‘alte Schatten’ mit sich herum. Alice zeigt sich auch hier wieder sehr ehrlich und benennt ihre eigenen “old patterns”, die sie in You and I vielleicht schon an der anderen Person kritisiert hat. Ich nehme mit: Liebe ist nicht immer das, was man von ihr erwartet, und bedeutet vor allem Arbeit. Auch Verletzlichkeit spielt eine große Rolle und das hört man auch musikalisch heraus. Im Gegensatz zu “You and I” singt Alice in “Old Shadows” viel zarter und mit höherer Stimme.
“Sunny with a high chance of rain”
In “Darling” zeigt sich dann der Himmel wolkenlos. Textlich klingt es sehr verliebt, und das sei ihr nach so viel emotionaler Arbeit doch gegönnt.
“See that’s just how it works when love is on your side”
“Skyline” und “With or Without” finden für mich kuratorisch leider nicht so viel Platz in dem Segelboot, aber vielleicht tut dem Album auch ein weniger kitschiges Ende eigentlich ganz gut.
In diesem Album zeigt sich ganz klar, dass Zartheit und Stärke in keinem Widerspruch stehen müssen. Wie auch in vielen ihrer anderen Lieder nimmt uns AlicePhoebe Lou mit in ihr Inneres, und das trägt in diesem Album nun Früchte – Früchte, die nach Autonomie, Selbstbestimmung und Veränderung schmecken. Dieses Album wäre nicht, was es ist, wenn es die alten Alben nicht gäbe. Liebe Alice, nimm uns gern weiterhin mit auf deine Reise mit neuen Zielen.
Foto: Caroline Bertolini
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Mit ihrer neuen EP „UTOPIA“ surft das wiener Duo ENDE weiter auf der neuen neuen deutschen Welle. Fans des Genres könnten die beiden schon von Songs wie „cowboy1“ oder „räuber“ kennen. Seitdem haben sie einige Singles und nun ihre erste EP veröffentlicht. Sie handelt von Unsicherheiten, innerer Zerrissenheit und von Versuchen, die emotionale Mauer um sich herum in kleinen Schritten abzubauen. Über düsteren Gitarren und Synthies versuchen ENDE komplexe und widersprüchliche Gefühle in Worte zu fassen und malen dabei mit Lyrics wie „Schreib Anekdoten In der hässlichsten Schrift / Briefe an die Toten Falls man sich trifft“ sehr eindrückliche Bilder. Sie selbst beschreiben ihre Musik mit den Worten:
„Mal ist es das Weglaufen vor sich selbst, mal das Suchen nach einem Ort, der sicher ist. Manchmal flieht man zu zweit, manchmal ganz allein. Aber egal wie, irgendwas treibt einen immer weiter“.
Der erste Song „kopfverdrehen“ beginnt mit eingängigen und treibenden Drums und gibt eine Energie vor, die sich auch durch die folgenden Lieder zieht. Er handelt von Selbstzweifeln in einer Beziehung und von der Angst, die andere Person nicht zu verdienen. Es geht um die Ambivalenz, zwischen der Sicherheit, die die Beziehung gibt und der Angst davor sich emotional zu öffnen. Im Refrain kommt dann aber doch ein kleiner Hoffnungsschimmer auf. Die Zeile „Komm, ich lass‘ mich darauf ein / (Komm, ich lass‘ mich darauf ein) / Ab heute nie wieder zu zweit allein“ zeigt, dass es sich auch trotz Commitment Issues lohnen kann, wenn man sich seinen eigenen Gefühlen hingibt. Das ist ein Thema, das in aktueller Musik große Präsenz findet. Auch Artists wie Sombr, Paula Hartmann oder Berq haben damit zu kämpfen und schreiben Songs, mit denen viele unserer Generation relaten können.
Zwischen Unsicherheiten und unerfüllten Sehnsüchten
Der Anfang von „radar“ klingt wie ein Glitch oder als würde jemand auf den Skip Back Button klicken und verdeutlicht die Unsicherheit, die die ganze EP thematisch beeinflusst. Der Song ist geprägt von düsteren Synthie Sounds und vermittelt eine ambivalente Stimmung von Euphorie und Verlustangst. Er hat den Vibe einer durchzechten Nacht, die irgendwie magisch ist, in der man aber möglicherweise die eine oder andere Fehlentscheidung getroffen hat. Gleichzeitig schwingt die Realisation mit, dass nicht jeder Moment so utopisch sein kann wie dieser und das utopische Gefühl von Unendlichkeit nicht für immer bleibt.
Wenn Eskapismus ein Lied wäre, wäre es „laufen“. Es beschreibt das Gefühl, das bestimmt alle kennen, wenn man manchmal einfach alles hinter sich lassen und ein neues Leben am anderen Ende der Welt aufbauen möchte. Worte wie „Nimm meine Beine in die Hand / Schleich mich in ein anderes Land“ oder „Hab nichts, nur den Wind im Rücken / Hinter mir, brennen alle Brücken“ verdeutlichen dieses Gefühl sehr gut und machen den Song zu meinem persönlichen Favoriten der EP. Die Rastlosigkeit und die leichte Misanthropie, die in „laufen“ herrschen werden im Outro abgelegt und ENDE geben zu, dass sie doch nicht ganz allein sein wollen:
„Keinen Koffer, keinen Plan / Lass alles, alles, alles da / Alles, alles außer dich / Dich nehm ich mit“
Widersprüchliche Gefühle und ein kleiner Hoffnungsschimmer
Der nächste Song „sterne“ startet mit flirrenden Ravesynthies und wird wieder etwas ruhiger sobald der Gesang einsetzt. Die ganze EP zeichnet sich durch Gegensätze aus und das wird bei diesem Song mit Zeilen wie „Deine Worte wärmen Meine / Blicke bleiben kalt“ besonders deutlich. Er handelt von einer emotionalen Mauer, die man um sich herum aufbaut und dem Kontrollverlust über sich selbst, der schlussendlich zum Zusammenbruch führt.
Auch der letzte Song „überfall“ ist geprägt von Widersprüchen und beschreibt in der ersten Strophe ein Gefühl von einer lähmenden Ungewissheit, das in der zweiten Strophe zwar nicht ganz abgelegt, aber zumindest aus einer anderen Perspektive betrachtet werden kann. Besonders die Zeilen „Ich hab die Hände hinterm Rücken und die Finger gekreuzt / Ich hoffe, dass ich nichts bereu“ machen den Song zu einem passenden Outro für die EP, da sie viele Fragen unbeantwortet lassen und gleichzeitig Hoffnung für die Zukunft geben. All in all ist „UTOPIA“ eine Hommage ans Sich-verloren-fühlen und kann damit vielen aus der Seele sprechen, die auch nicht ganz wissen, wer sie sind und wer sie sein wollen. Die Songs haben den typisch rauen und treibenden NNDW-Post-Punk Sound, der zu den zerrissenen und nicht ganz eindeutigen Lyrics passt. Musikalisch und auch thematisch könnte die EP etwas für Fans von Steintor Herrenchor oder EASY EASY sein.
Bei Konzerten stehen ENDE sogar zu viert auf der Bühne und wer Lust hat „UTOPIA“ live zu erleben, kann in diesen Städten vorbeischauen:
04.10. Linz – Stadtwerkstatt 14.10. München – Unter Deck 15.10. Köln – Jaki 16.10. Berlin – Monarch 17.10. Hamburg – Molotow 18.10. Hannover – Kiezkultur Festival
Fotos: Felix Kafka
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Mit der am 05. September 2025 erschienenen EP The Truth of Living in Reality gelingt philine eine Kollektion, die nicht nur ihre persönliche Geschichte erzählt, sondern die Gefühle einer ganzen Generation einfängt. Sie zeigt, dass man nicht immer alle Antworten braucht. Manchmal reicht es, ehrlich hinzuschauen, zu fühlen und im Moment zu sein. In sechs Songs widmet sie sich den großen und kleinen Fragen des Lebens in den 20ern: Beziehungen, Selbstfindung, Veränderung, Verletzlichkeit und der Akzeptanz des Hier und Jetzt. Mit rohen Emotionen, sanften Gitarrenklängen und kleinen Chören hier und da schafft sie ein Soundbild zwischen Melancholie und eindringlicher Intimität. Ihre Lyrics sind nahbar und ehrlich.
The truth of living in reality – Fazit: It’s not always easy.
Selbst habe ich mich oft in den Songtexten wiedergefunden, weshalb mich die EP schon beim ersten Hören abgeholt hat. Die 20er sind die Zeit des Lebens, wo die meisten von uns viel Veränderung erfahren, sich (neu) entdecken, hinterfragen: Wer bin ich eigentlich und was will ich vom Leben? Philine verarbeitet diese Ambivalenz, das Schwanken zwischen Sicherheit und Unsicherheit, Wissen und Nichtwissen.
Die EP überbringt die Botschaft, sich nicht mehr im Traum verlieren zu wollen, keine Scheu vor der Wahrheit, vor dem Leben im Moment zu haben. Manchmal muss man über seinen Schatten springen und der Realität ins Auge sehen, denn auch schwierige Momente lassen uns wachsen.
Den Anfang macht „waste a life“, in dem philine singt, wie sehr sie sich danach sehnt, nicht länger vor dem Moment davonzulaufen, sondern das Leben im Hier und Jetzt genießen zu wollen, statt es aus Angst vor der Zukunft zu verpassen.
„I’ve already spent a few years crying over what I wanted, missing out on all the parts that were in front of me“
Sie reflektiert den Gedanken, zu lernen, dass die Freude über Gutes größer sein kann als die Angst, es wieder zu verlieren. Sie erkennt: „I‘m always scared of losing“ und „I don’t wanna waste a life like this“. Im Song singt sie über ihre Vergangenheit, dass sie schon immer so war, sich vieles nicht getraut und Spaß verpasst hat, immer mit der Angst, zu versagen.
„If you think it’s gonna happen, then it’s what you get“
Sie erkennt, sich und ihren Blick auf die Dinge ändern und nicht mehr auf Negatives fokussiert sein zu wollen, denn eine positive Einstellung bringt auch positive Dinge mit sich. Der Song vermittelt die Botschaft, nicht mehr allem hinterherrennen zu wollen, sondern im Moment zu leben und sich über das zu freuen, was da ist. Mit sanften Gitarrenklängen entfaltet der Song eine Wärme, die sich direkt überträgt.
Auch ihr zweiter Song „ten years time“ vermittelt die Message: lebe im Moment. Sie singt zuerst über die Hin- und Hergerissenheit zwischen dem aktuellen Leben und zukünftigen Fragen, diesmal aus der Perspektive einer Beziehung. Der Song handelt von partnerschaftlicher Zukunft, Fragen nach Schwangerschaft, Liebe selbst. Philine findet keine Antworten auf diese Fragen im Song, denn auch hier ist das Fazit: Heute ist wichtiger als die Zukunft, wobei der Refrain als Plädoyer fürs Hier und Jetzt gilt: „right here in the moment’s where the magic is (…) forget about ten years time“.
Ein Storytelling, das im Stillen trifft
Der dritte Song ist mein persönlicher Favorit und bildet meiner Meinung nach den Kern der EP, da er zwei Perspektiven gegenüberstellt und philines inneren Konflikt widerspiegelt. „The devil’s advocate“ erzählt auf der Suche nach Orientierung von einem Kampf zweier Seiten: „There’s one believing in a purpose, the other one is nihilistic“. Sie fragt im Song nach dem Sinn im Leben, nach der richtigen Perspektive und so trifft Reflexion auf innerliche Zerrissenheit: „to all that we know there’s an opposite“.
„I can’t pick a side and just go with it“
Die Unsicherheit bleibt, beide Stimmen haben ihre Daseinsberechtigung. Wie weiß man, ob das Leben einen höheren Sinn hat oder unser Dasein zum reinen Zeitabsitzen dient? „I just can’t figure out what’s the narrative“ Die Frage nach Bedeutung vs. Sinnlosigkeit bleibt, immer mit der Rücksicht, dass jede:r die Welt auf eine eigene Weise sieht: „cause my reality is just what I perceive, so who am I to judge the things that you believe?“.
Der nächste Song greift ebenfalls eine Zerrissenheit auf. „Heavy“ beschreibt die eigene Desorientierung in einer schwierigen Phase, nicht zu wissen, wohin mit sich und das Gefühl zu haben, für andere „zu viel“ zu sein. „Every word feels like rejection and I don’t wanna lie so I bore you with silence but believe me, I try to make sense of the sadness“. Philine äußert, selbst zu leiden und singt über innere Schwere und das Ringen um Leichtigkeit: „When did it get so heavy, and how do I get it light?“. Sie singt über ihre Gefühle in einer schweren Zeit und zeigt sich von einer sehr verletzlichen Seite.
Auch im folgenden Lied der EP, „josie“, spürt man pure Emotionen und eine Spur Verletzlichkeit. Sie reflektiert ihre letzte Beziehung und nutzt den Song, um Klarheit zu bekommen – etwas, das sie von ihrer Partnerin nie bekam: „I’d love to get closure but you’re not gonna give it, I know that“. Sie singt darüber, dass die Beziehung sie verändert hat und arbeitet die Fehler auf. Zusätzlich beschreibt sie den Wunsch, mehr gewollt zu haben, aber nicht viel entgegen gebracht bekommen zu haben. „When I told you, you were my first real love, then you asked for space and you broke that trust“. Sie zeigt sich sichtlich verletzt und versucht, ihre Wunden im Song zu verarbeiten. Sanfte Klänge treffen hier erneut auf unverblümte Ehrlichkeit.
Zwischen Schmerz und Stärke
Ein emotionaler Schmerz zieht sich ebenfalls durch die Lyrics des letzten Songs. „New year’s eve“ ist ein Track über den schmalen Grat zwischen Liebe und Verrat. „I used to trust you more than me, but everything changed since new year’s eve“. Philine singt von Veränderung, von einem Bruch von Nähe und Vertrautheit. Dabei hinterfragt sie auch ihr eigenes Verhalten. Hätte sie etwas vermeiden oder retten können? Hätte sie sich schützen können? „Maybe I should’ve been much clearer, I should’ve set more boundaries.“ Selbstzweifel machen den Song nahbar und ihre Offenheit berührt.
Musikalisch setzt philine auf fragile Klänge, die Raum für ihre Texte lassen. Passend zum Cover, das sie verschwommen im Sonnenuntergang zeigt, entfaltet sich zwischen melancholischer Sanftheit und catchy Indie-Melodien eine EP, die wie eine Momentaufnahme wirkt.
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Leider kennen wir fast alle das Gefühl sich verfangen zu haben: in alten Denkmustern und in ungewollten Routinen. Das hat für mich häufig bedeutet, dass ich in Beziehungen und Freundschaften meine eigenen Bedürfnisse hintenangestellt habe – bewusst oder unbewusst. Das zu überwinden kostet Kraft und erfordert zunächst ersteinmal sich dieser alten Gewohnheiten bewusst werden. Alehlokapis Debütalbum Erase Replace beschäftigt sich mit genau all dem, holt uns aus dem rauschenden Alltag und bricht mit alten Mustern.
Das am 29.08.2025 erschienene Album hat mich direkt angesprochen. Alehokapis Stimme in „MMB„, die „call me out on my bullshit“ singt, war der Köder und ich der Fisch, also wurde ich voll in dieses Album gezogen. Danach bin ich tief in die Lyrics getaucht. Dabei ist mir aufgefallen, dass der Song ein mir sehr bekanntes Gefühl widerspiegelt: ich merke nicht, dass ich mich im Kreis drehe und hoffe, dass mir jemand sagt, wenn ich mich gerade wieder in schlechte Denkmuster begebe.
Das Debütalbum besteht aus acht Songs und einem Bonustrack. Alehlokapis Stimme zeigt ihre Wandelbarkeit zwischen verletzlich und kraftvoll und mit Rap- und Gesangsparts. Im Outro erinnert ihre Stimme beispielsweise an die von Ariana Grande und Alehlokapi beweißt, dass ihre Stimme genauso wandelbar ist.
Ihren Musikstil würde Alehlokapi zwischen FKA Twigs, Jorja Smith und James Blake verordnen. Ihren Soundbeschreibt sie selbst mit Neo-Soul, Contemporary R&B und Alternative Pop. Dabei kann man jedoch innerhalb der Songsbemerken, wie sich Alehlokapi von Genre-Grenzen löst. Produziert hat die Künstlerin das Album mit Timm Weber und das Mastering des Albums übernahm Friedrich Störmer.
In 8 Tracks mit der Angst brechen und die eigene Stimme finden
Startend mit „Silence“ wird uns die Angst vor Ablehnung lyrisch beschrieben und musikalisch untermalt. Sie führt dazu die eigenen Bedürfnisse zurück zustellen.
Das findet sich auch in den Lyrics wieder: „Keeping my silence for being loved“. Ich mag besonders, dass die Musik einerseits so verletzlich klingt, durch das Piano, aber andererseits auch so selbstbewusst und mutig durch den Bass wirkt. Nach eineinhalb Minuten kommt ein Break, nachdem man kein Piano mehr hört und der Beat eher vorantreibenden und treibend klingt. Das Verletzliche (Klavier) tritt zur Seite, damit der Bass und die Drums mehr Raum haben, der Song wirkt dadurch auch lauter. Vielleicht, weil man nicht mehr „silent“ bleibt?
Ich finds außerdem sehr cool, dass die Songs Bezug aufeinander nehmen: Der zweite Track „More“ ist verlangsamt, mit einem Loop wird die Songzeile „more“ in tieferer Stimme immer wieder wiederholt. Eventuell könnten das den Anfang der Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse sein.
Der dritte Track „BoomBoomBooom“ nimmt die Soundwelt von „More“ auf. Er wandelt sich jedoch weiter und die tiefen langsamen verzerrten Vocals von „More“ werden leiser. Wenn bei 0:51 die Drums wegfallen, hören wir die Chorusmelodie, die danach nicht mehr so leicht zu vergessen ist- zumindest für mich. In den Lyrics schreibt Alehlokapi von dem Wunsch wahrgenommen zu werden und der Sehnsucht nach Nähe. Die Angst eigene Bedürfnisse zu äußern, die in Silence so präsent war, ist nicht mehr da. Stattdessen befreit sie sich von dieser Angst und lässt die Gefühle und Nähe nun zu:
„Well u crossed my mind boy a thousand time today / in my thoughts my fantasy what are u doing in my head anyway/ my muse, my constant reverie“
Von unerfüllten Erwartungen und dem Mut einer Person alle Seiten von sich zu offenbaren
„DRIVE-BY“ ist durchzogen von ruhelosen, stolppernden Drums. Der Beat untermalt die innere Unruhe und Angetriebenheit, die man hier fast am eigenen Körper fühlen kann. Er ist eine Momentaufnahme von Stress, Geldnot und Trauer um eine verlorene Freundschaft.
Darauf folgt „Your Name“ mit Regensounds, die zunächst einen starken Kontrast darstellen und fast eine mediative Wirkung nach der Ruhelosigkeit spenden. Es geht um Selbstschutz, Abgrenzung und einen möglichen Weg, mit der Enttäuschung unerfüllter Erwartungen umzugehen. Für mich spiegelt das Auf und Ab des Albums gut den Prozess wieder, den man durchelbt, wenn man alte Gewohnheiten brechen muss. Man zurück geworfen, man geht wieder nach vorne.
„MMB“ steht für „MakeMyBed“. Er handelt von der Notwendigkeit von Verletzlichkeit, damit man sich selber wandeln kann.
„call me out on my bullshit / call me out on my lies“ und „you see through my eyes“
zeigt eine Beziehung, in der ehrlich mit Fehlern umgegangen wird. Eine Liebe in der Nähe möglich ist, weil nicht versucht wird eine vermeintlich perfekte Fassade aufrecht zu erhalten.
Erase Replace und so Selbstbestimmung gewinnen
Der Titeltrack „Erase Replace“ startet mit sanften Klängen: einem mellow Klavier und mellow Drums. Er steht für den Wandlungsprozess, der im Album beschrieben wird. Alte Denk- und Verhaltensmuster werden überschrieben, das Motto ist sprichwörtlich „Erase Replace„. Man fühlt sich als würde man aus dem Schlaf eines passiven Lebens aufwachen und die eigene Selbstbestimmung wiedererlangen.
Das „Outro“ klingt durch die Streicher wie ein Moment der Erleuchtung, der Klarheit. Angst und Euphorie treffen aufeinander und Alehlokapi findet ihre Stimme.
Anstehende Konzerte
Wer Alehlokapis Debütalbum live erleben möchte, ist herzlich eingeladen zur Releaseparty am 06. September nach Leipzig ins noch besser Leben zu kommen. Tickets findet ihr hier.
Und hier könnt ihr das Album streamen!
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