Mit der am 05. September 2025 erschienenen EP The Truth of Living in Reality gelingt philine eine Kollektion, die nicht nur ihre persönliche Geschichte erzählt, sondern die Gefühle einer ganzen Generation einfängt. Sie zeigt, dass man nicht immer alle Antworten braucht. Manchmal reicht es, ehrlich hinzuschauen, zu fühlen und im Moment zu sein. In sechs Songs widmet sie sich den großen und kleinen Fragen des Lebens in den 20ern: Beziehungen, Selbstfindung, Veränderung, Verletzlichkeit und der Akzeptanz des Hier und Jetzt. Mit rohen Emotionen, sanften Gitarrenklängen und kleinen Chören hier und da schafft sie ein Soundbild zwischen Melancholie und eindringlicher Intimität. Ihre Lyrics sind nahbar und ehrlich.
The truth of living in reality – Fazit: It’s not always easy.
Selbst habe ich mich oft in den Songtexten wiedergefunden, weshalb mich die EP schon beim ersten Hören abgeholt hat. Die 20er sind die Zeit des Lebens, wo die meisten von uns viel Veränderung erfahren, sich (neu) entdecken, hinterfragen: Wer bin ich eigentlich und was will ich vom Leben? Philine verarbeitet diese Ambivalenz, das Schwanken zwischen Sicherheit und Unsicherheit, Wissen und Nichtwissen.
Die EP überbringt die Botschaft, sich nicht mehr im Traum verlieren zu wollen, keine Scheu vor der Wahrheit, vor dem Leben im Moment zu haben. Manchmal muss man über seinen Schatten springen und der Realität ins Auge sehen, denn auch schwierige Momente lassen uns wachsen.
Den Anfang macht „waste a life“, in dem philine singt, wie sehr sie sich danach sehnt, nicht länger vor dem Moment davonzulaufen, sondern das Leben im Hier und Jetzt genießen zu wollen, statt es aus Angst vor der Zukunft zu verpassen.
„I’ve already spent a few years crying over what I wanted, missing out on all the parts that were in front of me“
Sie reflektiert den Gedanken, zu lernen, dass die Freude über Gutes größer sein kann als die Angst, es wieder zu verlieren. Sie erkennt: „I‘m always scared of losing“ und „I don’t wanna waste a life like this“. Im Song singt sie über ihre Vergangenheit, dass sie schon immer so war, sich vieles nicht getraut und Spaß verpasst hat, immer mit der Angst, zu versagen.
„If you think it’s gonna happen, then it’s what you get“
Sie erkennt, sich und ihren Blick auf die Dinge ändern und nicht mehr auf Negatives fokussiert sein zu wollen, denn eine positive Einstellung bringt auch positive Dinge mit sich. Der Song vermittelt die Botschaft, nicht mehr allem hinterherrennen zu wollen, sondern im Moment zu leben und sich über das zu freuen, was da ist. Mit sanften Gitarrenklängen entfaltet der Song eine Wärme, die sich direkt überträgt.
Auch ihr zweiter Song „ten years time“ vermittelt die Message: lebe im Moment. Sie singt zuerst über die Hin- und Hergerissenheit zwischen dem aktuellen Leben und zukünftigen Fragen, diesmal aus der Perspektive einer Beziehung. Der Song handelt von partnerschaftlicher Zukunft, Fragen nach Schwangerschaft, Liebe selbst. Philine findet keine Antworten auf diese Fragen im Song, denn auch hier ist das Fazit: Heute ist wichtiger als die Zukunft, wobei der Refrain als Plädoyer fürs Hier und Jetzt gilt: „right here in the moment’s where the magic is (…) forget about ten years time“.
Ein Storytelling, das im Stillen trifft
Der dritte Song ist mein persönlicher Favorit und bildet meiner Meinung nach den Kern der EP, da er zwei Perspektiven gegenüberstellt und philines inneren Konflikt widerspiegelt. „The devil’s advocate“ erzählt auf der Suche nach Orientierung von einem Kampf zweier Seiten: „There’s one believing in a purpose, the other one is nihilistic“. Sie fragt im Song nach dem Sinn im Leben, nach der richtigen Perspektive und so trifft Reflexion auf innerliche Zerrissenheit: „to all that we know there’s an opposite“.
„I can’t pick a side and just go with it“
Die Unsicherheit bleibt, beide Stimmen haben ihre Daseinsberechtigung. Wie weiß man, ob das Leben einen höheren Sinn hat oder unser Dasein zum reinen Zeitabsitzen dient? „I just can’t figure out what’s the narrative“ Die Frage nach Bedeutung vs. Sinnlosigkeit bleibt, immer mit der Rücksicht, dass jede:r die Welt auf eine eigene Weise sieht: „cause my reality is just what I perceive, so who am I to judge the things that you believe?“.
Der nächste Song greift ebenfalls eine Zerrissenheit auf. „Heavy“ beschreibt die eigene Desorientierung in einer schwierigen Phase, nicht zu wissen, wohin mit sich und das Gefühl zu haben, für andere „zu viel“ zu sein. „Every word feels like rejection and I don’t wanna lie so I bore you with silence but believe me, I try to make sense of the sadness“. Philine äußert, selbst zu leiden und singt über innere Schwere und das Ringen um Leichtigkeit: „When did it get so heavy, and how do I get it light?“. Sie singt über ihre Gefühle in einer schweren Zeit und zeigt sich von einer sehr verletzlichen Seite.
Auch im folgenden Lied der EP, „josie“, spürt man pure Emotionen und eine Spur Verletzlichkeit. Sie reflektiert ihre letzte Beziehung und nutzt den Song, um Klarheit zu bekommen – etwas, das sie von ihrer Partnerin nie bekam: „I’d love to get closure but you’re not gonna give it, I know that“. Sie singt darüber, dass die Beziehung sie verändert hat und arbeitet die Fehler auf. Zusätzlich beschreibt sie den Wunsch, mehr gewollt zu haben, aber nicht viel entgegen gebracht bekommen zu haben. „When I told you, you were my first real love, then you asked for space and you broke that trust“. Sie zeigt sich sichtlich verletzt und versucht, ihre Wunden im Song zu verarbeiten. Sanfte Klänge treffen hier erneut auf unverblümte Ehrlichkeit.
Zwischen Schmerz und Stärke
Ein emotionaler Schmerz zieht sich ebenfalls durch die Lyrics des letzten Songs. „New year’s eve“ ist ein Track über den schmalen Grat zwischen Liebe und Verrat. „I used to trust you more than me, but everything changed since new year’s eve“. Philine singt von Veränderung, von einem Bruch von Nähe und Vertrautheit. Dabei hinterfragt sie auch ihr eigenes Verhalten. Hätte sie etwas vermeiden oder retten können? Hätte sie sich schützen können? „Maybe I should’ve been much clearer, I should’ve set more boundaries.“ Selbstzweifel machen den Song nahbar und ihre Offenheit berührt.
Musikalisch setzt philine auf fragile Klänge, die Raum für ihre Texte lassen. Passend zum Cover, das sie verschwommen im Sonnenuntergang zeigt, entfaltet sich zwischen melancholischer Sanftheit und catchy Indie-Melodien eine EP, die wie eine Momentaufnahme wirkt.
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Leider kennen wir fast alle das Gefühl sich verfangen zu haben: in alten Denkmustern und in ungewollten Routinen. Das hat für mich häufig bedeutet, dass ich in Beziehungen und Freundschaften meine eigenen Bedürfnisse hintenangestellt habe – bewusst oder unbewusst. Das zu überwinden kostet Kraft und erfordert zunächst ersteinmal sich dieser alten Gewohnheiten bewusst werden. Alehlokapis Debütalbum Erase Replace beschäftigt sich mit genau all dem, holt uns aus dem rauschenden Alltag und bricht mit alten Mustern.
Das am 29.08.2025 erschienene Album hat mich direkt angesprochen. Alehokapis Stimme in „MMB„, die „call me out on my bullshit“ singt, war der Köder und ich der Fisch, also wurde ich voll in dieses Album gezogen. Danach bin ich tief in die Lyrics getaucht. Dabei ist mir aufgefallen, dass der Song ein mir sehr bekanntes Gefühl widerspiegelt: ich merke nicht, dass ich mich im Kreis drehe und hoffe, dass mir jemand sagt, wenn ich mich gerade wieder in schlechte Denkmuster begebe.
Das Debütalbum besteht aus acht Songs und einem Bonustrack. Alehlokapis Stimme zeigt ihre Wandelbarkeit zwischen verletzlich und kraftvoll und mit Rap- und Gesangsparts. Im Outro erinnert ihre Stimme beispielsweise an die von Ariana Grande und Alehlokapi beweißt, dass ihre Stimme genauso wandelbar ist.
Ihren Musikstil würde Alehlokapi zwischen FKA Twigs, Jorja Smith und James Blake verordnen. Ihren Soundbeschreibt sie selbst mit Neo-Soul, Contemporary R&B und Alternative Pop. Dabei kann man jedoch innerhalb der Songsbemerken, wie sich Alehlokapi von Genre-Grenzen löst. Produziert hat die Künstlerin das Album mit Timm Weber und das Mastering des Albums übernahm Friedrich Störmer.
In 8 Tracks mit der Angst brechen und die eigene Stimme finden
Startend mit „Silence“ wird uns die Angst vor Ablehnung lyrisch beschrieben und musikalisch untermalt. Sie führt dazu die eigenen Bedürfnisse zurück zustellen.
Das findet sich auch in den Lyrics wieder: „Keeping my silence for being loved“. Ich mag besonders, dass die Musik einerseits so verletzlich klingt, durch das Piano, aber andererseits auch so selbstbewusst und mutig durch den Bass wirkt. Nach eineinhalb Minuten kommt ein Break, nachdem man kein Piano mehr hört und der Beat eher vorantreibenden und treibend klingt. Das Verletzliche (Klavier) tritt zur Seite, damit der Bass und die Drums mehr Raum haben, der Song wirkt dadurch auch lauter. Vielleicht, weil man nicht mehr „silent“ bleibt?
Ich finds außerdem sehr cool, dass die Songs Bezug aufeinander nehmen: Der zweite Track „More“ ist verlangsamt, mit einem Loop wird die Songzeile „more“ in tieferer Stimme immer wieder wiederholt. Eventuell könnten das den Anfang der Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse sein.
Der dritte Track „BoomBoomBooom“ nimmt die Soundwelt von „More“ auf. Er wandelt sich jedoch weiter und die tiefen langsamen verzerrten Vocals von „More“ werden leiser. Wenn bei 0:51 die Drums wegfallen, hören wir die Chorusmelodie, die danach nicht mehr so leicht zu vergessen ist- zumindest für mich. In den Lyrics schreibt Alehlokapi von dem Wunsch wahrgenommen zu werden und der Sehnsucht nach Nähe. Die Angst eigene Bedürfnisse zu äußern, die in Silence so präsent war, ist nicht mehr da. Stattdessen befreit sie sich von dieser Angst und lässt die Gefühle und Nähe nun zu:
„Well u crossed my mind boy a thousand time today / in my thoughts my fantasy what are u doing in my head anyway/ my muse, my constant reverie“
Von unerfüllten Erwartungen und dem Mut einer Person alle Seiten von sich zu offenbaren
„DRIVE-BY“ ist durchzogen von ruhelosen, stolppernden Drums. Der Beat untermalt die innere Unruhe und Angetriebenheit, die man hier fast am eigenen Körper fühlen kann. Er ist eine Momentaufnahme von Stress, Geldnot und Trauer um eine verlorene Freundschaft.
Darauf folgt „Your Name“ mit Regensounds, die zunächst einen starken Kontrast darstellen und fast eine mediative Wirkung nach der Ruhelosigkeit spenden. Es geht um Selbstschutz, Abgrenzung und einen möglichen Weg, mit der Enttäuschung unerfüllter Erwartungen umzugehen. Für mich spiegelt das Auf und Ab des Albums gut den Prozess wieder, den man durchelbt, wenn man alte Gewohnheiten brechen muss. Man zurück geworfen, man geht wieder nach vorne.
„MMB“ steht für „MakeMyBed“. Er handelt von der Notwendigkeit von Verletzlichkeit, damit man sich selber wandeln kann.
„call me out on my bullshit / call me out on my lies“ und „you see through my eyes“
zeigt eine Beziehung, in der ehrlich mit Fehlern umgegangen wird. Eine Liebe in der Nähe möglich ist, weil nicht versucht wird eine vermeintlich perfekte Fassade aufrecht zu erhalten.
Erase Replace und so Selbstbestimmung gewinnen
Der Titeltrack „Erase Replace“ startet mit sanften Klängen: einem mellow Klavier und mellow Drums. Er steht für den Wandlungsprozess, der im Album beschrieben wird. Alte Denk- und Verhaltensmuster werden überschrieben, das Motto ist sprichwörtlich „Erase Replace„. Man fühlt sich als würde man aus dem Schlaf eines passiven Lebens aufwachen und die eigene Selbstbestimmung wiedererlangen.
Das „Outro“ klingt durch die Streicher wie ein Moment der Erleuchtung, der Klarheit. Angst und Euphorie treffen aufeinander und Alehlokapi findet ihre Stimme.
Anstehende Konzerte
Wer Alehlokapis Debütalbum live erleben möchte, ist herzlich eingeladen zur Releaseparty am 06. September nach Leipzig ins noch besser Leben zu kommen. Tickets findet ihr hier.
Und hier könnt ihr das Album streamen!
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Wenn du auch mal sagen möchtest “Ich kannte den schon, bevor er berühmt wurde”, ist Das Verhör vielleicht das Richtige für dich. Am 01.08. hat er seinen ersten Song 100 Lieder veröffentlicht und da lohnt es sich reinzuhören.
und doch wünscht‘ ich du wärst hier
100 Lieder handelt von einer Person, die einen schon längst aufgegeben hat, an der man aber immer noch hängt. Mit Zeilen wie „Jede Träne voller Sehnsucht, denn ich seh‘ doch, wie egal ich dir bin“ und „Du warst nur groß, solange ich für dich klein war“ beschreibt Das Verhör das Gefühl vom Vermissen und nicht vermisst werden. Durch die eine kurze Pause im Chorus, auf die die Zeile „und doch wünscht‘ ich du wärst hier“ folgt, wird diese Ambivalenz noch einmal deutlich gemacht.
Der Song startet unmittelbar mit Gesang und steigert sich langsam, bis er dann nach dem zweiten Refrain seinen instrumentalen und emotionalen Höhepunkt erreicht. Die NNDW-Einflüsse sind nicht zu überhören, denn 100 Lieder erinnert stark an Traumatin und Drangsal und trägt gleichzeitig einen neuen Sound zur deutschen Indie-Pop-Rock-Szene bei.
In 100 Liedern verpackt Das Verhör das Gefühl von Liebeskummer in Worte. Ganz ehrlich und unverblümt lässt er die Hilflosigkeit spürbar werden, die entsteht, wenn die eigenen Gefühle stärker sind als die des Gegenübers. Wäre der Song ein Bild, würde es vermutlich einen Menschen zeigen, der mit Kopfhörern auf den Ohren an einem Regentag melancholisch aus dem Busfenster schaut.
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Menschen aus Hannover, die in der Musik- und Kultur-Szene unterwegs sind, könnten Das Verhör vielleicht schon kennen. Mit seiner Band Üpsilon ist er unter anderem schon im MusikKiosk oder bei einem Event des Kollektivs SPACE aufgetreten. Auf ihren Konzerten haben sie 100 Lieder schon oft gespielt und seit der Song veröffentlicht ist, kann auch das Publikum mitsingen.
Wer Lust hat, einen small Artist zu supporten, ist hier auf jeden Fall richtig. Wir sind gespannt, was es in Zukunft noch von Das Verhör zu hören gibt. 100 Lieder ist auf jeden Fall schonmal vielversprechend.
“We’re excited to get back into the color red again. Because the goal the whole time was learning how to utilize the thing that we were afraid of and try to win. This is kind of what the story is all about.” – Tyler Joseph
Mit diesem Zitat hab ich 2024 meinen letzten Artikel zur Twenty One Pilots-Lore abgeschlossen. Die Kick-Off Single Overcompensate zum aktuellen Album CLANCY wurde Ende Februar released. Im Mai kam dann das Album – und ich höre es seitdem auf Dauerloop. Bisher hatte ich noch keine Möglichkeit gehabt, in Worte zu fassen, was eigentlich alles auf diesem Album passiert ist. Vor dem Kontext, dass es diese Woche mit einer NEUEN SINGLE zu einem NEUEN ALBUM weitergeht (!), ist jetzt der Zeitpunkt, nochmal alles zu sammeln, was bisher passiert ist.
Was bisher geschah
Wir befinden uns in dem sechsten Artikel zu der Lore, die Alternative Duo Twenty One Pilots seit ihrem Erfolgsalbum Blurryface (2015) rund um ihre phänomenale Musik bauen. In jedem davon muss ich zu den vorherigen Artikeln verweisen, weil es wirklich unmöglich ist, alles bündig zusammenzufassen. Wer sich also tief in die Geschichten hinter DEMA, Trench, Clancy und Blurryface einlesen will, kann sich ab hier einmal durchklicken. Es lohnt sich.
Und weil sich die beiden sweeten Boys aus Ohio, Columbus die Mühe gemacht haben, zur jedem Song ein absolut sehenswertes (!) Musikvideo zu drehen, gehen wir genau so durch das Album. Song by Song, Musikvideo by Musikvideo. Buckle up.
Disclaimer: Ich habe tausende Gedanken und Gefühle zu diesem Album, aber es lohnt sich wirklichwirklichwirklich alles zu lesen und in die eigene Welt von Twenty One Pilots einzutauchen.
Can you die of anxiousness?
NachOvercompensate war nicht ganz klar, in welche Richtung die Story rund um den Protagonisten Clancy gehen wird. Klar war: there’s gonna be some kind of confrontation. Denn nachdem Clancy zum zweiten Mal aus DEMA (aka die mentale Gefängnisstadt) geflohen ist, hat er beschlossen, zurückzugehen, um zu kämpfen. Im Musikvideo sieht man ihn, wie er mit Sturmmaske im Gesicht in ein Auditorium schreitet und ankündigt, entweder ganz DEMA von innen zu stürzen oder selbst zu einem Bischof zu werden. Viele Gänsehautmomente mit vielen Fragezeichen in einem wahnsinnig starken Intro Song. Ob in Tylers Bassriffs oder Joshs treibenden Drums, zu Overcompensate kann man fantastisch einen Moshpit starten.
Dann, die zweite Singleauskopplung, Next Semester. Für Fans von Songs, deren harte Riffs sich in die Seele ballern, ein absoluter Diamant. Inhaltlich geht es um Panikattacken, die Tyler im College hatte, und den Struggle, diese zu überkommen und immer weiterzumachen. Das Musikvideo wurde in einem kleinen Punkclub mit einer 130 Kapazität in LA gedreht, mit Fans, die extra für den Dreh eingeladen wurden. Der Schweiß tropft von der Decke und von jedem Körper, der sich in der Menge befindet – einschließlich Josh und Tyler. Ja, das ist schon sexy.
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Immer wieder gibt es einen Cut vom Club auf eine leere, dunkle Straße und ein großes Licht, das auf Tyler zugerast kommt – bis er in letzter Sekunde ausweicht. Dass das Lied dann mit einem Ukulele-Outro in einem kleinen Kreis von Fans endet und mir Flashbacks zu diesem Elvis Cover gibt, dass die Band vor 12 Jahren gespielt hat, ist einfach nur ein Extra on top. Tyler selbst sagt, dass er von diesem Musikvideo geträumt hat – wie wholesome kann es noch werden?
I don’t wanna backslide
Der nächste wholesome Moment wartet nicht lange, sondern ist direkt im nächsten Musikvideo zu Backslidezu finden. Mein absoluter persönlicher Lieblingssong vom Album ist fast eine Hommage an das Musikvideo von Stressed Out. Man sieht Tyler, wie er am Anfang des Videos Burger Brötchen in einem kleinen Laden kauft und sich dann auf sein Bike schwingt, um irgendwo hin zu fahren. Dabei tauscht er es entweder gegen Limonade um oder beißt ab und zu in eins rein, mag es nicht, und wirft es wieder weg. Im Refrain muss er durch Stürme und Regen radeln, nur um am Ende dann bei Josh anzukommen, der beim Grill auf ihn und die Brötchen wartet. Diese sind zu dem Zeitpunkt so gut wie nicht mehr vorhanden. Tyler muss also wieder zum Laden zurückfahren – wo all das nochmal von vorne beginnt. Wer von euch mag das interpretieren?
Produziert hat dieses Meisterstück Josh Dun selbst. Es ist das erste Musikvideo, was der Drummer eigenständig in die Hand genommen hat. Ironisch, dass es genau das ist, welches Tyler tagelang Muskelkater im Hinterteil beschert hat, weil er über 8 Stunden Fahrrad fahren musste.
Auch inhaltlich hat das Video sehr viele Referenzen – “Backslide” bedeutet Rückfall oder Wiederholung alter schlechter Gewohnheiten, auch mentaler. Die Referenz zu dem Stressed Out Video könnte dafür stehen, dass er wieder in die Gefühle und Themen von damals zurückfällt. Was auch Sinn ergibt mit der schwarzen Farbe an seinen Händen und Hals – diese stehen für seine Unsicherheiten und erstickenden Gefühle. Sie sind immer zu sehen, wenn er sich in den Fängen von Blurryface befindet. Zurück in DEMA und in diesen alten Mustern hat er Angst, diesen erneuten Kampf zu verlieren.
There’s no chance I will shake this again ‚Cause I feel the pull, water’s over my head Strength enough for one more time Reach my hand above the tide
Die Verzweiflung, mit der Tyler den gesamten Chorus singt, macht mich gelinde gesagt fertig. Ich fühl den Pull, ich fühl alles. Ich weiß nicht, was genau es ist, was Twenty One Pilots in diesen Song gepackt haben, aber es ist fast wie eine Droge.
Winter in Ohio
Der nächste Song Midwest Indigo ist wiederum eine Hommage an die Region in den USA, wo die beiden aufgewachsen sind: Columbus, Ohio. Bekannt für kalte Winter, wird das Thema der Kälte nicht nur lyrisch in jedem zweiten Vers aufgegriffen, sondern auch im Musikvideo. Ganz DIY auf einem zugefrorenen See gefilmt, mit versteckten Cameos und vielen süßen Momenten.
Obwohl der Song eine poppige Melodie hat, die tagelang in meinem Kopf rumschwirrt, ist das Thema ein wenig darker (suprise, it’s a Twenty One Pilots Song). Es geht um Isolation, schwindende Chancen, den Drang vor den eigenen Problemen wegzulaufen und eine durchweg präsente Anxiety zu spät zu sein.
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Vor den Problemen weglaufen kann Clancy. Auch im nächsten Song Routines In The Nightist genau das Thema – diesmal nur nachts. REM Cycle nach REM Cycle wird geskipped, um nicht im Schlaf von den eigenen Dämonen heimgesucht zu werden. Schlaflosigkeit ist ein häufiges Symptom von mentalen Krankheiten. Und auch das verworrene Labyrinth im eigenen Geist eine Metapher, die wir alle kennen. In dem Musikvideo sieht man Clancy, wie er anstatt zu schlafen, durch die Räume seines eigenes Geistes wandelt. An manchen ist STAY OUT an die Tür gesprüht, in anderen sitzt Josh und spielt Schlagzeug. Interessante Easter Eggs: der Raum, in dem gelbe Blumen von den Bandidos liegen (die ihn das erste Mal aus DEMA befreit haben) und ein anderer, in dem Clancy vor einem Schrank voller Bischofs-Umhängen sitzt. Will er DEMA mit den Banditos stürzen oder will er einer der Leader werden? Wir wissen es immer noch nicht.
So beautiful, the space bеtween A painful reminder and a terrible dream I’ve been here before and I’ve got time I’ll give you the tour, show you why I
Ebenfalls empfehlen kann ich euch neben dem Musikvideo diese Live-Version von Tour. Es macht wirklich Spaß, die einzelnen mit Euphorie überforderten Gesichter der Crowd zu sehen, durch die Tyler einfach so marschiert.
No, not me, it’s for a friend
Der nächste Song, Vignette, ist ein Song, der nicht nur ballert, sondern tief persönlich ist, denn es geht um Abhängigkeiten:
“There’s a few interpretations of it. I think for me, it makes the most sense when I look at it from the perspective of addiction and what that can feel like at times. A certain type of season of that and that’s why this song is very special to me.” – Tyler
Auch wenn wir alle individuell anders dazu relaten können, bestehen Abhängigkeiten in so vielen mehr Aspekten des Lebens als wir es wahrhaben wollen. Sie sind fast immer mit Scham und defensiven Verhalten verbunden, sie haben ständige Ups and Downs. Sie sind vielleicht der schwerste Kampf in uns allen.
Das Musikvideo ist in der dunkelsten Stunde der Nacht gedreht, auf einem zugefrorenen See, von Schnee bedeckt. Tyler hat einen roten Zettel in der Hand, der ihm zu sagen scheint, wo er hingehen soll, und malt nicht erkennbare Muster in den Schnee. Er schreit Where Do I Go From Here? und hält sich mit seinen schwarz bemalten Händen die Augen zu. Am Ende erscheint dann ein wahres Meisterwerk von Josh Dun’s Gesicht in Großaufnahme – Kunst kreiert Kunst.
Another Love Letter
Eine Tradition, mit der Tyler Joseph auch auf diesem Twenty One Pilots Album nicht gebrochen hat, ist einen Song nur für seine Frau zu schreiben. Von Tear In My Heart, zu Smithereens und Formidable haben die letzten drei Alben einen Song, der nur seiner Frau Jenna gewidmet ist. The Craving (Jenna’s Version) ist dieser Song auf CLANCY. Ein paar Tage vor Album-Release kam eine Single Version raus, ebenfalls mit eigenem DIY Video. Auf dem Album wurde jedoch Jenna’s Version veröffentlicht. Viel ruhiger als die Single-Version und nur mit einer Ukulele, hat dieser Song ein Musikvideo bekommen, das genau diese Intimität einfängt. Mit alten Videos auf einer Leinwand projiziert, kommt die Nostalgie hoch, um die es in The Craving geht. Die Hoffnung, dass diese eine Person für immer im Leben bleibt und man ihr die eigene Liebe gut genug zeigt.
Welcome to the new way of living
Welcome to the most underrated track on the album: Lavish. Es ist wahrscheinlich der Track, der am meisten aus dem Album hervorsticht. Es geht um den abgehobenen und verschwenderischen Lifestyle der Musikbranche, und alles wird ein wenig auf die Schippe genommen. Inmitten vieler Referenzen (wie die Capri Sonne aus dem Stressed Out Video oder die Anzüge, die sie bei ihrer 2017 Grammy-Verleihung anhatten) haben sie ein wahnsinnig cooles Musikvideo kreiert, vielleicht das coolste aus der ganzen Reihe. Die Magie von Google Maps und Straßenschilder kann einen nur zum Lächeln bringen. Welcome To The Lavish-Lifestyle:
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Wir befinden uns im letzten Drittel von CLANCY und falls ihr hier noch dabei seid, es warten wirklich noch die besten Songs auf euch. Sobald Navigating anfängt, öffnet sich der Mosh – da ist es mir egal, ob ich in einer Arena mit 20 anderen euphorisch rumspringe, oder ob ich alleine in meinem Bad bin. Hier wird aufgestaute Energie ausgeschüttet.
Das liegt nicht nur an den treibenden Riffs, sondern auch daran, dass die Lyrics aus dem Nichts so ins Schwarze treffen. “Pardon my delay, I’m navigating my head” beschreibt einfach perfekt das, was ich so oft fühle. In einer ewigen Dissoziation, überfordert mit allem, und immer diese Angst, dass Leute gehen.
If you really want to know what I’m thinkin‘ Kind of feels like everybody leaves Feelin‘ the reality that everybody leaves My dad just lost his mom, I think that everybody leaves And now I’m tryin‘ to hold onto you ‚cause everybody leaves
Für Lore Zwecke müsst ihr euch das Musikvideo angucken. Es knüpft direkt an das letzte Lore-Video von The Outside an, welches ich zum Glück schon hier für euch auseinander genommen hab. Dort ist Clancy aus DEMA ausgebrochen und wurde an eine einsame Insel gespült. Mit Torchbearer Josh an der Seite, wird er ins innere der Insel geleitet und lernt seizing – das Ergreifen und Steuern eines entfernten Körpers. (Das wird dann zum Beispiel im Musikvideo von Overcompensating wieder aufgegriffen). Am Ende sieht man beide mit Fackel in die Nacht auf das Meer schauen und ganz viele andere Fackeln, die am Horizont zurückleuchten. Von diesen Personen werden beide am Anfang von Navigating am Ufer begrüßt. The rebels are preparing to fight.
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Das Riff startet und Josh hämmert auf seine Drums ein in tiefster Nacht. Hinter ihnen ein riesen Feuer, das brennt. Dann, Szenenschnitt zu den Banditos (Rebellen, die helfen wollen, die Bischöfe zu stürzen). Sie führen Clancy und Josh durch einen Wald, durchschreiten Täler, laufen an gelben Blumen vorbei. Josh hilft Clancy einen kleinen Abhang hinauf und ermuntert ihn, weiterzulaufen, als dieser zu erschöpft war. So laufen sie scheinbar stundenlang bis in die Nacht hinein. Dann treffen sie auf eine Lichtung. Auf der anderen Seite tritt Josh in Bandito-Kleidung hinein, und Clancy schaut sich verwundert um. Der Josh, der ihn gerade noch begleitet hatte, ist nicht mehr da. Turns out: er war nie da. Man sieht Flashbacks aus den vorherigen Szenen, in denen Clancy ihn gesehen hat, in denen er aber nie da zu gewesen zu sein scheint. Ich hab Gänsehaut.
Navigating endet mit Torchbearer-Josh und Clancy, die sich vor dem Lagerfeuer erneut zusammenschließen. Im Hintergrund hört man das Knistern des Feuers und ganz leise die Snythie-Melodie von My Blood. It’s another wholesome moment in this fandom. Take him home, Josh.
It’s a backslide
Während es im vorderen Teil des Albums darum ging, nicht in alte Muster zu verfallen, ist genau das, was nun passiert. Snap Back ist ein, wie ich finde, underrated Track, der mit seiner Melodie direkt im Ohr bleibt. Es knüpft an Themen von Backslide und Vignette an. Clancy will mit Muster und Abhängigkeiten zu brechen, spürt aber auch den einher kommenden Druck, nicht zu scheitern. Relatable oder?
Got a bad feeling that I’m about to break Been a good streak, but the pressure’s overweight Is it even good for my head to keep track? If I’m gonna snap necks, I’m gotta snap back
Wer sich das Musikvideo zu Snap Back anschaut, sieht Tylers braunen Haarschopf abrasiert werden. Fans wissen, das ist ein common theme, das sich schon in manch andere Musikvideos geschlichen hat. Es passiert nicht viel, aber strahlt irgendwie doch die Verzweiflung aus, die der Song inne trägt.
Der Song für die Fans
Fast direkt daran anknüpfend, kommt Oldies Station, der Song, den Tyler für seine Fans geschrieben hat. Es ist ein Song für alle, die auch gegen Muster, Abhängigkeiten und ihre eigene Art von Dunkelheit ankämpfen. Auch wenn Tyler mit Clancy und DEMA und allem drum herum eine komplett fiktive Welt gebaut hat, so sind es reale Probleme, die er von sich und seinem Umfeld verarbeitet. Es ist ua. diese Ehrlichkeit und Offenheit, über solche Themen zu sprechen, die Twenty One Pilots über die Jahre eine so große und loyale Fanbase beschert haben. Dieser Song ist nur ein kleines Danke, dafür aber ein sehr deutliches. Denn so wie Tyler durch seine Depressionen kämpft und nicht aufgibt, so wünscht er sich dasselbe auch für seine Fans.
Make an oath, then make mistakes Start a streak you’re bound to break When darkness rolls on you Push on through
Das Video dazu ist einfach nur wholesome. DIY, ohne viel Budget, inklusive Workout für Josh Dun. Es braucht eine Weile, weil das Video sich erstmal nur auf Tyler mit seiner Ukulele fokussiert, der einen von Schnee bedeckten Waldweg langläuft. Doch dann bekommt man einen Blick hinter die Kulissen und sieht die auf Tyler gerichtete Steadycam, die auf einer Holzplatte gezogen wird. Damit sie so gezogen werden kann, braucht sie Rohre unter sich. Diese werden von Josh selbst immer wieder vor die Holzplatte geworfen. Wie ein Hamster im Rad muss er sich Rohr für Rohr holen, hinschmeißen, das nächste holen, hinschmeißen – alles, damit das Rad weiter läuft. Ich fang beim Zuschauen schon an zu schwitzen. Und je länger man das so betrachtet, desto mehr kommt auch der Gedanke auf, dass sich so das eigene Leben anfühlt.
It’s not worth the risk of losing a friend
Der nächste Song beschäftigt sich ebenfalls damit wie wichtig es ist, aufeinander aufzupassen. Während es in Oldies Station eher darum ging, auf sich selbst aufzupassen, geht es in The Risk Of Feeling Dumb darum, auf andere aufzupassen, die mit ihrer Mental Health strugglen. Vor allem wenn diese das nicht wollen oder sich abgrenzen. Wir wissen, dass “Danke, gut” die Standard-Antwort auf die Frage ist, wie es einem geht. Es fällt uns allen schwer, nach Hilfe zu fragen wenn es uns nicht gut geht, weil man nicht will, dass andere deswegen ihre Pläne ändern oder sich Sorgen machen. Genauso kann es schwerfallen, die eigenen Herzensmenschen zu fragen, wie es ihnen wirklich geht. Wenn alles okay ist, fühlt man sich vielleicht ein “dumm”, gefragt zu haben. Doch umso wichtiger ist es, trotzdem da zu sein.
Musikalisch einer der rockigsten Songs auf dem Album und definitiv einer meiner Favoriten. Das Video dazu macht auch einfach Spaß zu schauen. Die Metapher des Pläne fallen Lassens (“drop everything”) wird wörtlich genommen und im Laufe des Videos immer mehr gesteigert. Es fängt an auf Heuballen, über kleine Scheunen zu Hausdächern. Überall sieht man Josh seine Drums spielen. Ähnlich wie das Video baut sich auch der Song auf und endet fast explosiv auf dem Dach eines Hochhauses. It’s worth a watch:
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Wir sind am Ende. Also fast. Paladin Strait ist der abschließende Lore-Song auf CLANCY. Clancy, der sich auf den letzten Kampf seinem Endgegner Blurryface vorbereitet. Wir wissen, dass Clancy die Macht erhalten hat, tote Körper in Beschlag zu nehmen (“seizing”). Er hat den Versuch aufgegeben, aus DEMA zu fliehen. Stattdessen will er die Konfrontation suchen und den Kreislauf durchbrechen. Diese Geschichte wird im Musikvideo von Paladin Strait wie in einem Film festgehalten. Man sieht die Berg- und Tallandschaften von Trench, das Camp der Banditos, die sich mit Clancy auf die Kampf vorbereiten, die Wellen vom Paladin Strait Gewässer im Sonnenuntergang. Und: die Gefängnisstadt DEMA. An den Außenmauern treffen Banditos auf eine Armee aus Körpern, die von den Bischofs aus ihrem Turm heraus kontrolliert werden. It’s an old fashion Kriegsschlacht, die sich beide Gruppen leisten – zu einem wahnsinnig epischen Song.
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On the ground are banditos Fighting while I find Nico Even though I’m past the point of no return Climb the top of the tower „Show yourself,“ I yell louder Even though I’m past the point of no ret—
Clancy schafft es in die Stadt und erklimmt den Turm, von dem aus die Bischöfe ihre Macht ausüben. Er schaltet sie aus, doch wird dann von der plötzlichen aufspringenden Tür überrumpelt. Blurryface rast auf ihn zu und legt seine Hände würgend um seinen Hals.
So few, so proud, so emotional Hello, Clancy
Paladin Strait ist mit 6:28 Minuten der längste Song in der Diskografie von Twenty One Pilots und mit Abstand der schönste auf dem gesamten Album. Alles, was es braucht, ist diese Ukulele. Ruhig und melodisch zieht sie einen in das Outro der Geschichte, hält aber auch einen unglaublichen Cliffhanger in sich. Denn es endet genau an dieser Stelle. Es scheint, als sei das ultimative Duell zwischen Blurryface und Clancy das, was jetzt aussteht. Fans spekulieren seit über einem Jahr, dass hier noch was kommen muss. Ein Doppelalbum oder ein Nachfolgealbum? Irgendetwas, das die Geschichte weitererzählt. Denn jetzt steht noch alles offen.
Ein Jahr später bestätigt sich diese Theorie. Nach dem Ende ihrer Welttour haben Twenty One Pilots ihre neue Single The Contract für den 12. Juniangekündigt. Das Album The Breach wird im September 2025 veröffentlicht.
gesicht verlieren – Levin Liam sticht auf seinem neuen Album noch tiefer in seine Wunden, um die Splitter herauszuholen, die die Oberfläche schon lange nicht mehr gesehen haben. Auf 11 Tracks offenbart der Hamburger Artist alles, was sich an Emotionen angestaut zu haben scheint und reißt uns musikalisch in eine Hypnose, der wir erst entkommen, wenn der letzte Song die Wut im Bauch weckt.
Träumen am akustischen Kaminfeuer
Im langsamen 3er-Takt tanzt der erste Song „verseucht“ das Album ein, ehe das wohl am meisten nach Kaminfeuerstimmung-klingende Instrument der Erde „nicht mehr“ einleitet – ein Rhodes Piano lässt hauchzart die ersten Melodien einschweben, bis Levin Liam in Kopfstimme das erste Mal unser Herz packt und es einen Moment zu lang stillstehen lässt. Während der warme Piano Sound sich im Kreise dreht, wärmt erst ein Kontrabass die Tiefen, bevor Streicher und weitere Synthklänge die Höhen ausmalen. Den Höhepunkt erreicht dieser Song zum stundenlangen Träumen in einem Gitarrensolo, das sich zu keinem Zeitpunkt aufdrängt. Dieser Song braucht so wenig, um so groß zu sein.
Signature Sound: Gitarrensolo
„rauch“ treibt etwas mehr nach vorne durch die rhythmischen Claps und knüpft gleichzeitig nahtlos an. Erneut sind es warme, sich wiederholende Keys, die die Stimmung etablieren und die durch verschiedene musikalische Elemente komplementiert werden. Leichte Chöre wehen ab und zu im Hintergrund, ein sanfter Shaker unterstützt den Groove und Streicher füllen die Breite. Wodurch kann dieser Song am besten abgerundet werden? Korrekt, mit einem Gitarrensolo!
Das perfekte Maß an Kitsch
Es sind weiterhin Keys, über die Levin Liam seine Zeilen legt, wenn der nächste Song erklingt. „leben lang“bleibt dem Minimalismus treu und unterstreicht, was wichtig ist: lyrische Bilder in Form von Melodien, die mit uns zum Mond fliegen und viel weiter.
„ich guck‘ wieder an die decke vom hotel ich mach‘ die augen zu, trotzdem seh‘ ich die welt“ („leben lang“)
Irgendwie geht dann am Ende alles auf. Harmonien begleiten die Vocals, Streicher stützen die Gesangsmelodien und eine zurückhaltende Conga hält uns in der Spur. Ich dachte, ich würde Kitsch nicht lange aushalten können, aber ich liebe jede Sekunde. Gib mir mehr davon.
Unser Lieblingsproducer-Duo
„trauen“ holt für uns eine Lieblingskombo zurück. Die Gitarren sagen uns gefühlvoll: unser aller Lieblingsproduzent Cato ist da! Das Duo, das uns auf der EP „vergiss mich nicht zu schnell“ bereits musikalisch die Augen geöffnet hat, verzaubert erneut. Intim besingt Levin Liam Unsicherheiten des Commitments, während unaufdringliche Vocal Samples und gedämpfte Drums die Stimme behutsam begleiten. Aus dem nichts wird der Song dann ganz groß, sobald das Gitarrensolo einsetzt, das kurz aufblüht, sich dann aber schnell wieder zurücknimmt. Und jedes Mal, wenn man denkt, schöner kann es nicht werden, kommt der nächste Track. „auf den“ nimmt überraschend Tempo auf, ohne an Sentimentalität zu verlieren. Und weil langsam die Worte fehlen, um die klangliche Emotionalität immer und immer wieder zu beschreiben, kommt hier der Tipp: selbst anhören!
„ausschlafen und rausgehen paar gedanken aufnehmen ich glaub, das muss ein truam sein wie soll das doch alles augehen? frust, liebe, träume, wünsche, freunde, feine auf den wenn das ein truam ist dann willl ich nie wieder aufstehen“ („auf den“)
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Fifty Shades of Pain. Levin Liam zeichnet so viele verschieden Nuancen der Melancholie, dass wir überfordert sind von all den neuen Gefühlen, die wir zuvor noch nie ernsthaft spürten. „nicht alles“ reiht sich dabei in die Trauer der zuvor beschriebenen Songs ein, während uns „such mit mir“ und „als wär alles normal“hoffnungsvoller stimmen. Das liegt an der Dankbarkeit, die der Artist der Liebe und seinem Leben als stetig erfolgreicher werdender Künstler entgegenbringt. Diese Dankbarkeit mündet zuletzt in Hochmut, die Levin Liam in der Disziplin des klassischen Rappers genauso gut bedienen kann, wie die sonst so tief emotionale Seite des Artists. Auf „aufwachen“ liefert Levin Liam zusammen mit reezy einen klassischen Hip Hop Banger, ohne klassisch nach Hip Hop Banger zu klingen und schafft es auch hier, den Olymp scheinbar mühelos zu ersteigen. Keine Ahnung wie er es macht, aber er macht es richtig!
Hoffnung auf mehr
Vergangene Alben und EPs von Levin Liam waren vor allem dann besonders gut, wenn sein musikalisches Team das beständig war. Seine EPs mit Cato oder Miksu/Macloud sind dafür gute Beispiele. Dass es Levin Liam auf seinem neuen Album schafft, als Executive Producer und Artist verschiedene Kreative zu einem Ganzen zu vereinen, ist ein Fortschritt, der sein künstlerisches Wachsen beweist. Dieses Album ist leise und laut zugleich, weil es Maßstäbe setzt und die Kunst zur Priorität macht, während gleichzeitig die großen Hallen auf ihn warten. Die Hoffnung guter deutscher Musik ist kein anderer als Levin Liam!
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Fast anderthalb Jahre ist es her, seit ich das letzte Mal meine Gedanken über Musik für untoldency niedergeschrieben habe. Und beinahe zwei Jahre ist es her, dass eine mir damals noch völlig unbekannte Band mein Leben im Sturm erobert hat: Sleep Token. Seitdem sind sie nicht mehr aus meinem Alltag wegzudenken. Umso schöner, dass ich jetzt meine ungefilterten Gedanken zur neuen Platte „Even in Arcadia“ teilen darf.
Meine Obsession verdanke ich einer langjährigen Freundschaft, die einst im Fangirling über Post-Hardcore-Bands begann und heute in reflektierte Wertschätzung für Musik gewechselt ist. Sind wir nicht alle froh, dass wir nicht mehr 16 sind! Auf ihre Empfehlung hin hörte ich – halb verschlafen im Zug Richtung Arbeit – zum ersten Mal The Summoning. Ich hatte keine Erwartungen, nur Kopfhörer im Ohr, und wurde bei den ersten Drums direkt überrannt. Vielleicht etwas früh am Morgen… aber seitdem machen Sleep Token etwa 80 % meines Spotify-Verbrauchs aus – siehe Beweisstück A.
Sleep Token 101: Zwischen Musik und Mythos
An wem Sleep Token vorbeigegangen ist, kurzer Umriss: Es handelt sich um eine anonyme Band, die maskiert auftritt und aus 4 Briten besteht, die sich Vessel, II, III, IV nennen. Sleep Tokens Musik lässt sich nicht wirklich festlegen, denn sie ist genrelos. Zwischen herzzerreißenden Balladen finden sich brutale Breakdowns, Rap-Verses bis hin zu Trip-Hops-Beats. Ein Klangspektrum, das überrascht – aber immer punktet.
Neben unerwarteten Sounds dreht es sich lyrisch nicht um banale alltägliche Sorgen, sondern um eine mystische Gottheit namens Sleep, die als übernatürliche Verkörperung von Liebe, Abhängigkeit und Schmerz erscheint. Über die Alben Sundowning, This Place Will Become Your Tomb und Take Me Back To Eden erzählt Vessel von seiner Beziehung zu dieser Gottheit: ein Wechselspiel aus Anbetung, Zurückweisung und Verzweiflung, die im letzten Album in einer Mischung aus Trotz, Abschied und Aufarbeitung gipfelt.
Doch was nun, nach dem Abschluss einer unfassbar innovativen Trilogie? Even in Arcadia scheint eine neue Ära einzuleiten. Teilweise jedenfalls… Zwei Instanzen prallen aufeinander: House Veridian (grünes Artwork – Lore) und Feathered Host (weißes Artwork – der Man hinter der Maske). Lyrisch und musikalisch hab ich noch nie sowas erlebt wie bei Sleep Token. Wie viele Details, Recherche, Tiefe und Easter Eggs hier versteckt sind. Man müsste eine Wissenschaft nur dafür entwickeln. Wer tiefer in die Materie einsteigen will, der/dem empfehle ich den Podcast Sleep Study.
Look to Windward
Auf den ersten Hörer ist Look to Windward sensory overload. Synth Beats, Breakdowns, Trap Beats, Drum Solos, Streicher – ihr bekommt es alles. Ein opulenter, überladener, filmischer Auftakt. Ich habe das Gefühl, dass die Band alles in den Song reingesteckt hat, was sie in ihrem Repertoire hatten. Stolze 7 einhalb Minuten ist der Song lang. Und das Ergebnis ist ein Song, den man erst bei wiederholtem Hören richtig schätzt, aber der als passender Öffner des Albums agiert. Und trotz aller Spekulationen: Sleep tritt auch in diesem Album noch einmal auf die Bühne.
Emergence
10/10 – Der Song hat einfach alles: einen herzzerreißenden Start dank Vessels einzigartiger Stimme, verspielte Build-Ups, Rap-Verses und ebenso erschütternde Breakdowns… und ja wer hätte es gedacht: ein jazziges Saxophon-Outro von Gabi Rose von BILMURI. Eine Wundertüte, wie sie besser nicht schmecken würde.
Die erste veröffentlichte Single Emergence ist Sleep Token in Reinform: Genresprengend. Was für andere riskant wäre, ist für die Band business as usual. Inhaltlich geht es um Transformation, emotionale Turbulenz und die bittersüße Akzeptanz, dass manche Beziehungen – vermutlich die mit Sleep – einen nie ganz verlassen, egal wie sehr man innerlich kämpft.
Past Self
Ein Song, den ich zunächst nicht gebraucht hätte. Definitiv anders als alles, was man bisher von Sleep Token gehört hat, aber meiner Meinung nach etwas langweilig und gezwungen. Ich persönlich hätte das Autotune und die Trap Beats nicht gebraucht und trotzdem schätze ich das Experiment. Und beim vermehrten Hören, gewinne ich langsam Gefallen daran. (Fun Fact: Hier sampelt Vessel die Melodie des Computerspiels Zelda)
Lyrisch ist er aber wiederum interessant, da das Album zwischen Lore und Momenten wechselt, wo der Charakter Vessel bröckelt und Hörer:innen hinter die Maske blicken können. Vessel versucht mit Past Self sein echtes Ich durchblicken zu lassen („Stepping up from my future, uploading my true self“) und alte Geister hinter sich zu lassen („Apologising for shit that frankly I stopped thinking of years ago“). Vessel versteht es wie kein anderer Poesie in seine Lyrics zu bringen:
„And you know I deliberate on cutting out the demons I still need a dark side, they just need a reason“
Dangerous
Ja, es geht doch! Einer meiner Favourites auf dem Album! Im Vergleich zu Past Self finde ich, dass die Experimentierfreudigkeit bei Dangerous mehr als geglückt ist. Vielleicht auch, weil der Song auf halbem Weg familiärer wird. Denn das kann Sleep Token am besten: langsamer Build-Up bis zu völliger Anarchie. Im gesamten Album finden sich Referenzen zu vergangenen Alben wieder, wie hier zum Beispiel zu Vore. Die Intonation von Vessel finde ich hier am interessantesten, die Lyrics bilden die Melodie beinahe selbst. Was eine willkommene Abwechslung zu den Rap Verses in den vorherigen Songs ist.
Caramel
Als ich den Song zum ersten Mal gehört habe, war ich etwas perplex über den Pop/Reggae-Mix (ja, Reggae – man weiß wirklich nie, was man mit Sleep Token bekommt). Aber auf einmal stellt sich eine unterschwellige Traurigkeit ein, wenn man die Lyrics aufschnappt. Denn die Aussage ist ziemlich eindeutig:
„This stage is a prison, a beautiful nightmare“
Vessel thematisiert hier die den toxischen Character, den ein Teil der Fanbase angenommen hat und die Realisation, dass mit steigender Bekanntheit die eigentliche Message der Band, die Musik für sich stehen zu lassen, entkoppelt von den Personen in der Band, etwas verloren gegangen ist. Mit dem krassen Aufstieg nach Take Me Back To Eden haben einige Personen ungesunde parasoziale Beziehungen zu den Band-Membern aufgebaut. Sie wurden sexualisiert, ihre Privatsphäre verletzt, Identitäten geleakt etc. Und das, wenn Vessel nur ein Gefäß für die Hörer:innen sein wollte, das als Mittel zur eigenen Verarbeitung stehen sollte, daher auch der Name Vessel.
Und trotz dessen, dass er realisiert, dass er undankbar klingt, dass er Angst hat, seine Haustür aufzumachen und er mit mentalen Problemen kämpft, dass die Hintergründe seiner Worte diese Fans nicht interessieren, fühlt er sich verpflichtet, weiterzumachen und auch diesen Leuten zu geben, was sie wollen. Und zum Schluss: ein Deathcore-Drop und die resignierte Frage:
„Tell me, did I give you what you came for?“
Even in Arcadia
Ich hätte nicht erwartet, dass ich auf Even in Arcadia einen meiner allerliebsten Sleep Token Songs finde. Aber der Title Track hat mir schon beim ersten Hören pure Gänsehaut verpasst. Der Song startet mit dem Spieluhr-Intro, das im gesamten Promo-Zeitraum präsent war und geht dann über in die schönste Piano-Melodie, die auch schon zu Anfang geteasert wurde.
Der Song ist eine Offenbarung und hat eine Selbstverständlichkeit trotz mythischer und weiter Bildsprache. Vessel scheint mit seinen Dämonen abzurechnen. Wo im letzten Album vom Paradies Eden die Rede war, findet sich Vessel in einem neuen wider, diesmal in Arcadia. Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt.
„It seems that even in Arcadia you walk beside me still“
Selbst in seinem neuen Paradies entkommt Vessel Sleep nie ganz. So fesselnd wie das Bild, so vereinnahmend der Song. So ganz lässt er mich nie los, den Rest machen die Streicher am Ende (bitte mehr davon).
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Sexy Token ist zurück. Obwohl Provider mich schon mit dem Titel skeptisch machte, haben mich die ersten zwei Minuten mit dem poppigen Dance-Vibe zusätzlich verwirrt. Ein paar der Lyrics finde ich etwas cringe, aber nach dem ersten Drittel findet jedenfalls die Melodie seine Berechtigung im Breakdown und dem darauffolgenden Chorus.
Der Song ist offensichtlich sehr sexuell angehaucht. Es dreht sich und eine frühere, toxische Beziehung, der man eine neue Chance gibt und Spoiler: keine gute Idee. Die immer wiederkehrende Zeile „I wanna be your provider“ balanciert zwischen Selbstbewusstsein und Verzweiflung. Es geht um die verschwommenen Grenzen zwischen körperlicher und emotionaler Abhängigkeit. Der Song ist ein Grower (ich entschuldige mich hiermit für das gescheiterte Comic Relief).
Damocles
Ein so ehrlicher Blick hinter die Fassade des Mannes hinter der Maske wie je zuvor. Sleep Token reflektieren die Kehrseite ihres Erfolgs – mit einer Referenz zur Legende des Damoklesschwerts. Ich komme wieder zurück auf den Fakt, dass Sleep Tokens Popularität so extrem in kürzester Zeit gewachsen ist, dass sich wahrscheinlich niemand darauf vorbereiten konnte, schon gar nicht die Band. Der Fame bringt Druck, utopische Erwartungen, psychische Last. Alle erwarten ein episches Meisterwerk in jedem Song. Auch Vessel erkennt das an:
„I know these chords are boring But I can’t always be killing the game“
Sleep Token wären nicht Sleep Token, wenn nicht ein paar Easter Eggs in der Musik versteckt wären. In Minute 02:14 hört man, eine Kassette, die umgedreht wird. Es könnte das Signing beim Major Label RCA Records am 14.02. andeuten – ob bereut oder nicht, bleibt offen. Es muss nicht alles Schwarz und Weiß sein, aber das Signing, die Zusammenarbeit mit Spotify selbst, Songs in den Top 50 Charts, riesige Anzeigetafeln am Times Square, endlose Merch-Drops, zeigen, dass es nur weiter bergauf gehen soll. Sicher ist Druck vom Label da, aber es handelt sich hier, um vier erwachsene Männer, die genau wissen, was sie wollen und was nicht. Deshalb haben Songs wie Damocles und Caramel für mich einen kleinen Beigeschmack.
Gethsemane
Wo in Provider Vessel noch komplett von seiner Obsession vereinnahmt war, sehen wir in diesem Song die andere Seite der Medaille, denn die emotionale Abhängigkeit beißt zurück. Musikalisch erzeugt der Song absolute Verletzlichkeit. Der Titel verspricht nichts anderes (wer interessiert ist, googelt den biblischen Hintergrund). Vessel erkennt jetzt, dass die Beziehung toxisch war und er nur die Illusion geliebt hat. Er zeichnet sich als Opfer und zugleich stiller Zeuge seines eigenen Untergangs.
Lyrisch finde ich den Song etwas basic, aber vielleicht braucht es die großen Wörter und spirituellen Metaphern nicht, wenn man schlichtweg verletzt ist. Der Song klingt wie ein Tagebucheintrag – schlicht, ehrlich, zerbrechlich. Ein Song über das Erkennen toxischer Beziehungen – und darüber, dass man sie nie ganz loswird.
„You never saw me naked, you wouldn’t even touch me“ „And I was trying my best, and that’s the thing I tell the mirror“
Infinite Baths
Fast geschafft durch diese endlos lange Review und wie könnte es nicht besser passen als mit einem genauso langen Song. Infinite Baths ist mit 8 Minuten 23 Sekunden der bisher längste Sleep Token Song. Infinite Baths und auch infinite tears meinerseits. Vessel klingt erschöpft, aber entschlossen. Nach dem zehrenden Kampf mit seinen Dämonen hat er es endlich in das vermeintliche Paradies geschafft. Es ist der emotionale Höhepunkt des Albums:
„I’m so tired inside, I could sleep through a landslide, but I’m finally here and I’m not leaving this time“
So stark wie die Message ist, so massiv endet der Song auch: mit den heavy Screams des Gitarristen IV über ganze 3 Minuten. Ich bin mir nicht sicher, ob es Vessels Sieg über die Dämonen zeigt oder doch ist diese Wiedergeburt mehr Schein als Sein und die Dunkelheit dämmert, und mit ihr auch Sleep. Der Song endet mit einer Zeile und demselben Beat aus dem ersten Song: „Will you halt this eclipse in me?“. Ein richtiger Full Circle Moment, was vermuten lässt, dass Vessel in einem ewigen Kreislauf gefangen ist – und jede neue Phase doch nur ein weiterer Anlauf bleibt, zu entkommen.
Ein Echo der Veränderung und was bleibt, ist das Gefühl
Ein würdiges emotional aufgeladenes Ende eines polarisierenden Albums, mit unfassbar schönen Momenten, neuerem poppigerem Sound und einen völlig neuen Blickwinkel auf die Band. Transformation beschreibt das Album, sowie die aktuelle musikalische Reise der Band wohl am besten. Kein einfaches Album, kein perfektes – aber ein ehrliches.
Sleep Token versteht es wie keine andere Band, disparate Genres in perfekte Harmonie zu bringen und Progressive Metal der Masse schmackhaft zu machen. Wer sich darauf einlässt, bekommt nicht nur Musik – sondern eine immersive Erfahrung.
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Spätestens seit dem internationalen Erfolg von „End of Beginning“ aus seinem Debüt Album „Twenty Twenty“ verzehrt sich Joe Keery Bild von „Steve“ aus Stranger Things zu Djo. Der Song erreichte Platz 1 der Spotify Charts und erzählt von Kerrys tiefer Verbundenheit mit Chicago. In der Stadt begann er seine Musik unter dem Namen Cool Cool Cool zu performen und traf andere Musikmachende und trat der Band Post Animals bei. Außerdem wurde er dort für Stranger Things gecasted. Djos Leben spielte sich in dieser Stadt ab, dort endete der Anfang seiner Karriere. Diese Nostalgie, die diese besonderen Orte aus unseren Leben in uns auslösen, ist ein universelles Gefühl, das weltweit – bewiesen durch „End of Beginning„- Anklang findet.Nach so einem Erfolg entsteht häufig der Druck den Erwartungen des Publikums gerecht zu werden. Findet Djo nochmal den Weg in unsere Lieblingssongs?
Leben ist Gemeinschaft
„The Crux“ hängt wie ein Ohr am Kopf an dem Hotel, das am Ende der Straße thront. Im Kontrast zur Hektik und Fluidität der Personen auf der Straße, strahlt „The Crux“ Ruhe aus. In der Koproduktion mit Adam Thein, schafft Joe Kerry ein Album. Es handelt natürlich auch von seiner eigenen Geschichte. Djo rückt in den Vordergrund, dass das eigene Leben aus mehr besteht als einem Selbst. Es seien genauso all die Leute, Freundschaften und Bekanntschaften, die es stetig verändern. Angefangen habe es jedoch wie die meisten Pop-Songs: Mit einer Liebesgeschichte. Beziehungsweise ihrem Ende. In diesem Album spürt man wie die Liebe oft als Allegorie verstanden werden kann. Oft sind, meiner Meinung nach, Lovesongs auf andere Lebensbereiche übertragbar und entfalten so neue Perspektiven.
„Ein gemischtes Popcorn bitte.“
Die Songs sind vielfältig, dennoch finden sie einen gemeinsamen Kern. Er entsteht durch den „kollaborativen Geist der Musik“, der die Songs durch Beiträge seiner Familie und Freunden zusammenhält. Betrachtet man das Hotel als Film, der zwischen der Perspektive der verschiedenen Hotelgäste springt, fällt es leicht sich in die Song einzufühlen. In Zusammenarbeit mit Neil Krug entwarf Djo die Darstellung des Hotels, mit ihren vergänglichen Gästen, die sich im emotionalen oder spirituellen Umbruch befinden.
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„Es ist eine Art Schuss an alle, die versuchen, dem Zeitgeist zu entsprechen.“
Die erste Single, die veröffentlich wurde, ist „Basic Being Basic„. Auf eine humorvolle, aber auch gestochen scharfe Art kritisiert Djo eine Person, die versucht sich von anderen abzuheben. Durch den krampfhaften Versuch anders zu sein, wird man ironischerweise, basic. „What an empty epitaph that is“, Joe Keery merkt an, wie leer der Grabstein, das Vermächtnis, ist, das diese Person hinterlassen wird. Denn nachher würde keiner mehr über Oberflächlichkeiten wie das „picture of your plate“ vom 25.03 sprechen.
Inspiriert von dem Pop der 60er- und 70er- Jahre
„Charlies Garden“ ein Track des Albums referriert auf den The Beatles Song „Octopus Garden“ von . Gleichnamig publizierte Djo eine Playlist mit Songs, die ihn zum Album inspirierten. Darunter Musiker wie Stevie Wonder, Marvin Gaye und Bee Gees. Die Klänge dieser Jahrzehnte schimmern im Album immer wieder durch, aber finden dabei ihren ganz eigene Note. So scheint „Charlies Garden“ viel mehr eine Hommage an The Beatles im gesamten zu sein, als allein an „Octopus Garden„. Mit „Charlie“ ist Charlie Heaton gemeint sein. Er hat das Intro für den Song eingesprochen. Außerdem gibt es in „Delete Ya“ eine Referenz zu ihm und der Serie Stranger Things: „Team up with Charlie, take these kids for a ride„. Das erinnert stark an die Serie Stranger Things, in der Charlie Heaton einen der Hauptcharaktere Jonathan Byers den großen Bruder von Mike (Finn Wolfhard) spielt.
Ausbrechen, Hoffen und Weitergehen
In „Link“ wird das Bild einer Person gemalt, die den gängigen Weg verlässt. Das Lyrische-Ich spürt den Kontrast zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und persönlichen Erfüllungen. Potion erzählt von Einsamkeit und Hoffnung: „I’m countin‘ on love/When the book is in the final chapter/ Man, it’s always sad to go“. „Fly“ klingt für mich nach einer anderen Version von „The Long And Winding Road“ von The Beatles. Während Djo’s Lyrisches-Ich „must fly/ Fly away from her“, will McCartney‘s „Ich“ zurück zu ihrer Tür. Wer auch bald vor eurer Tür steht ist Djo, denn:
Djo – Back On You Tour
Meine Ohren sind begeistert und deshalb freue ich mich mitteilen zu können, dass Djo eine fette Welttournee für 2025 angekündigt hat. Auf der Djo – Back On You Tour wird Post Animal als Support bei allen Tourdaten in Nordamerika, Großbritannien und der EU auftreten. Als Keery nach Chicago zog trat er der Band bei. Ab dem 1. Juni touren sie gemeinsam durch Europa, beginnend in Dublin. Das Album könnt ihr seit dem 04.04.2025 überall hören. Also keine Zeit verlieren und hier hören:
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Es ist ein kalter Dezemberabend, einer der letzten in 2024. Die Hamburger Markthalle ist bis in die letzte Ecke gefüllt und von der Kälte draußen ist absolut gar nichts mehr zu spüren. Kurz vor Weihnachten kommen Nada Surf mit ihrer Welttournee nach Deutschland. Das amerikanische Indierock-Urgestein hat zuvor im September ihr aktuelles Album mit dem Titel „Moon Mirror“ veröffentlicht. Die langersehnte Veröffentlichung ist das erste Nada Surf Album seit vier Jahren und markiert das 30-jährige Jubiläum ihrer Debütsingle. Auf dem Konzert wurden neue Songs und alte Klassiker der Band zum Besten gegeben.
Beginn mit einem Klassiker
Wer an Nada Surf denkt, bekommt vermutlich ganz unfreiwillig einen Ohrwurm ihres größten Erfolges „Inside of Love“. Klar, dass dieser Song dann in der Setlist nicht fehlen darf. Zunächst war es allerdings überraschend, dass der Abend mit diesem eigentlichen Höhepunkt eröffnet wurde. Wer jetzt glaubt, das Pulver sei damit direkt verschossen gewesen: weit gefehlt. Der Fokus sollte damit im weiteren Verlauf auf den neuen Songs liegen.
„Moon Mirror“zeigt vor allen Dingen eines. Die Band ist sich und ihrem Klang treu geblieben. Nada Surf schaffen es einerseits ein vertrautes Klangbild zu schaffen, das aussagt: „Wir sind immer noch die Indierock-Helden, die ihr kennt und liebt“. Andererseits klingen sie damit nicht redundant oder eintönig. Dieses Album dürfte also Neuentdecker sowie Fans der ersten Stunde gut gefallen.
Der Song auf „Moon Mirror“, der den Spagat zwischen neuem Stoff und familiärer Gewohnheit am besten abbildet, ist „New Propeller“. Sanft und träumerisch startend nimmt der Song nach einer Minute Fahrt auf und klingt durch Einsetzen der gesamten Besetzung wie das Gefühl der Freiheit, wenn man an einem lauen Sommerabend durch ein Kornfeld spaziert. Zeitweise ist auch genau das im Musikvideo zu sehen. Stark an den eingangs genannten Hit „Inside of Love“ erinnernd, reiht sich „New Propeller“ perfekt in die nach optimistischer Melancholie klingenden Diskographie der Band ein.
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Sänger und Songwriter Matthew Caws ist bekannt dafür, Philosophien des Lebens in seinen Songs zu verarbeiten. Dabei strebt er kontinuierlich nach mehr, sucht Lösungen und spricht in einer die Natur und Umwelt darstellenden Bildsprache. Auch im Titelsong „Moon Mirror“ hält er sich auf diese Art den Spiegel vor und begibt sich auf die Suche nach einem Freund – oder zumindest nach etwas Vertrautem. Dieses findet er im Spiegel des Mondes und gibt uns nicht nur mit dem Song, sondern mit dem ganzen Album unseren eigenen „Moon Mirror“.
„Come down, help me make it clearer I’ve been waiting for you, moon mirror“
Zurück in Hamburg wurde das Set für einen kurzen Moment unterbrochen. Matthew steht allein vorne am Mikro, holt einen gefalteten Zettel aus seiner Hosentasche und liest ihn vor. Auf Deutsch. Mit sympathischer und humorvoller Weise kündigt er den nächsten Song an: „In Front of Me Now“. Der etwas kräftigere Popsong hat dabei eine Botschaft, die nach einem guten Vorsatz für das neue Jahr klingt. Konzentriere Dich auf das, was vor Dir liegt und fokussiere Dich auf die eine wesentliche Sache.
„Moon Mirror“ ist schon jetzt ein neuer Klassiker der New Yorker Indierockband Nada Surf. Reinhören ist in jedem Fall lohnenswert, darum ist untenstehend das Album verlinkt!
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Gerade waren wir noch Festivals unterwegs und schwupps, gleich ist Weihnachten. Aber davor genießen wir natürlich erstmal die Adventzeit. Und vor allen Dingen, die Adventskalenderzeit! Es gibt auch dieses Jahr wieder special Weihnachtsformate, Livestream-Interviews und Jahresrückblicke, fette Verlosungspakete und natürlich auch: unsere artists to watch 2025!
Wie es unsere Tradition will, setzen wir (Anna und Jule) uns Anfang Dezember gemeinsam in ein Google Doc und philosophieren über die kommenden großen Newcomer*innen 2025. Das meiste passiert aus einem Bauchgefühl heraus, denn wir sind keine Wahrsagerinnen und die Musikbranche ist unvorhersehbar. Aber unsere Tipps für 2024 waren gar nicht mal so schlecht! Paula Carolina und ENGIN sind euch dieses Jahr doch bestimmt an jeder Ecke entgegen gestolpert, und Blumengarten und Berq wurden beide gerade für eine 1Live-Krone als “bester Newcomer” nominiert, wobei Letzterer sogar gewonnen hat. Larasüß wird auch nächstes Jahr weiter Bühne für Bühne erobern, SERPENTIN hat diesen Sommer die Festival-Bühnen dominiert und Remote Bondage haben ihre Debüt-EP “WIR KOMMEN IN DIE HÖLLE, ABER WENIGSTENS KOMMEN WIR” released, die nur noch mehr Lust auf ihr bald (?) kommendes Debütalbum macht (und allein der Titel hat ein s/o verdient). Soft Loft und Ottolien haben sich noch weiter in unsere Herzen vergraben als vorher (auch hier kommt neue Musik!) und Apsilon hat ein Debütalbum veröffentlicht, das sich wirklich jede*r anhören sollte.
Und 2025? Wer wird sich nächstes Jahr erfolgsverdächtig in unsere Playlists, Festivals und Alltagsmomente schleichen? Wir haben uns auf 10 fantastische Artists geeinigt, die ihr unserem Bauchgefühl nach auf jeden Fall auf dem Schirm haben solltet (hier klicken, um parallel zu hören).
SOFFIE
Wer in diesem Jahr nicht SOFFIE über den Weg gelaufen ist, hat vermutlich auch den Wechsel der Jahreszeiten verpasst. Die Indie-Pop-Newcomerin hat mit “Für immer Frühling” eine Protesthymne geschaffen, die Anfang des Jahres viel bei den “Demos gegen Rechts” gespielt wurde – obwohl der Song eigentlich gar nicht politisch gemeint war. Prompt gab es dafür in diesem Jahr auch eine Nominierung für die 1Live-Krone als “Bester Alternative Song”. Mit ihren inhaltlich schweren, aber musikalisch federleichten Songs hat sich SOFFIE im Laufe des Jahres in die Herzen vieler Fans gespielt und ist Dauergast in der “Wilde Herzen” oder “Deutscher Indie”-Playlist auf Spotify. Aber auch live konnte man sie dieses Jahr fast überall erleben, auf einem der vielen Festivals, als Support für u.a. Mark Forster, Lostboi Lino, Kaffkiez oder Von Wegen Lisbeth oder auf ihrer ersten Headliner-Tour, die 2025 weitergeht – vielleicht ja mit einem Debütalbum im Gepäck? Wir sind gespannt, was das nächste Jahr für SOFFIE bringt, sind aber sicher, dass es nur noch größer und schöner wird. Und in der Zwischenzeit legen wir euch die “Für immer Frühling”-Version mit dem Münchner Rundfunkorchester und ihre Playlist “Kein Staat, kein Patriarchat“ zum feministischen Kampftag ans Herz.
Zartmann
Zartmann ist “harter und gefährlicher Pop von Berlinerjunge”, so sagt es jedenfalls seine Spotify-Bio. In einem rekordverdächtigen Tempo hat er sich vom Underground-Geheimtipp zu einer großen Nummer gemausert und gehört inzwischen zur Gang rund um Apsilon, Kasi, Aaron, Drumla und Ski Aggu. Auf unserem Radar landete er zum ersten Mal 2021 mit seiner Single “2 Blocks”. Ein Jahr später folgte die “11 bis 2”-EP, die es in die Top 10 der Charts geschafft hat. Nach einem Bruch mit seinem Management und einem Vertrag, der es ihm bis April 2023 nicht erlaubte, neue Musik zu veröffentlichen, erschien 2024 seine “dafür bin ich frei”-EP. Die schaffte es genauso in die Charts wie der Song “wie du manchmal fehlst” mit Ski Aggu und Dauner. Zartmann hat in diesem Jahr einen Haufen an Festivals und u.a. Support für 01099 gespielt. Seine eigene Tour 2024 war dann komplett ausverkauft und auch die Tickets für die 2025 geplante Tour sind bereits weg. Klingt ganz danach, dass hier jemand auf einem aufsteigenden Ast sitzt. Wir freuen uns jedenfalls, ihn beim weiteren Aufsteigen zu beobachten – ihr euch auch?
Power Plush
Eigentlich ist es längst überfällig, Power Plush als artist to watch aufzuzählen. Nach ihrer Debüt-EP “Vomiting Emotions” aus dem Jahr 2021 und dem dann 2023 erschienenen Debütalbum “Coping Fantasies” (mit super süßem Cover) hat die Band auf Chemnitz inzwischen so gut wie jede Bühne des Landes bespielt, ob auf Festivals oder als Support für u.a. Kraftklub, Blond, Tocotronic oder Leoniden. Besonders dankbar sind wir aber für den “hot maus summer”, den sie uns gemeinsam mit Gigolo Tears beschert haben – wir waren wirklich nicht bereit. Und deshalb können wir es schon kaum erwarten, bis das neue Album “Love Language” am 25.04.2025 erscheinen wird. Übrigens gehen Power Plush damit dann auch im Herbst 2025 auf fette Headliner-Tour, für die wir ebenfalls jetzt schon die Tage zählen – Vorfreude ist doch schließlich die beste Freude. Der Weg für ein erfolgreiches Jahr 2025 ist also schon jetzt geebnet und wir können euch nur empfehlen, die Band dabei zu begleiten. Es wird sich lohnen, da sind wir uns ganz doll sicher.
Biig Piig
Es gibt natürlich auch wahnsinnige spannende Künstler*innen aus dem Ausland, die wir mit in unsere artists to watch-Liste mitaufnehmen wollen – und müssen! Allen voran möchten wir euch Biig Piig an’s Herz legen. Die irische Neo-Soul-Sängerin dreht mit ihrem einzigartigen LoFi-Hip-Hop-Pop-Mix schon seit einigen Jahren ihre Kreise in unserer Redaktion und sicherlich auch bei einigen von euch. Mit 49 Millionen Streams könnte “Sunny” bereits Teil eurer Sommer-Playlisten sein (falls nicht, dann jetzt!) und auch “Feels Right” ist ein Dauerbrenner mit über 61 Millionen Streams! Am 07.02.2025 ist es dann endlich soweit und ihr wirklich sehnlichst erwartetes Debütalbum “11:11” wird veröffentlicht. Wir sagen: wer Biig Piig jetzt noch nicht auf dem Zettel hat, sollte sie spätestens jetzt draufschreiben. Because this girl is going places.
Hope Tala
“Her vocals are breathtakingly raw yet cautiously controlled, as if she can feel the weight of her words in her chest” – das hat das britische Bricks Magazineüber Hope Talas Single “I Can’t Even Cry“ geschrieben und wir können das mehr als unterschreiben. Die Westlonderin verbindet Elemente aus Soul, Bossa Nova und Pop zu ihrem eigenen unverwechselbaren Sound. Mal ruhig und melancholisch, mal hoffnungsvoll und locker schafft es Hope Tala ohne groß Nachzudenken in unsere artists to watch-Liste. Nach einem zweijährigen Hiatus steht die Newcomer*in vor ihrem langersehnten Debütalbum, das sie am 25.02.2025 in die Welt lässt. Wir sind wirklich von Grund auf begeistert und können es kaum erwarten, ihre Gedanken zum Erwachsenwerden, Herkunft, Gemeinschaft und allem zwischendrin zu hören. Erst im Juni hat sie für SZA eröffnet und spielt nächstes Jahr unter anderem auf dem Coachella – da steht also ganz schön was in der Pipeline bei Hope Tala. Genau jetzt ist der Zeitpunkt, hier mit dabei zu sein.
Greentea Peng
Wenn ihr bisher Greentea Peng noch nicht kennt, dann ist ebenfalls genau jetzt der Zeitpunkt, die Sängerin aus East London mit auf eure Liste für 2025 zu nehmen. Auch hier gehen die Lyrics tief und auch musikalisch sind wir noch im Neo-Soul unterwegs – der ist aus der UK einfach der beste, was sollen wir machen. Mit einer spannenden Mischung aus R&B, Hip Hop und psychedlichen Klanglandschaften wird Greentea Peng 2025 die Szene aufmischen, weit über die UK hinaus. Den ersten Durchbruch hatte sie 2019 mit ihrer viralen COLORS-Show von “Downers”, danach ist sie vor ihrer Vergangenheit und nach Mexiko geflohen, wollte das Singen aufgeben. Doch stattdessen fand sie dort den Spaß an der Musik und am Leben wieder, tourte mit einer Coverband, kam zurück nach London. Zum Glück! Am 21.03.2025 erscheint ihr kommendes zweites Album “TELL DEM IT’S SUNNY”. Es geht um Selbstfindung, Spiritualität, Heilung, Politik – all das, was uns im Leben beschäftigt. Falls ihr wie wir Fans von Jorja Smith, Joy Crookes oder Lauryn Hill seid, werdet ihr euch bei Greentea Peng sehr wohlfühlen.
frytz
Nach diesem wahnsinnig vielversprechendes Ausflug in die UK, geht es wieder zurück nach Deutschland. Hier wird uns nächstes Jahr vor allem ein Künstler den Kopf verdrehen: frytz. In derselben Bubble wie Zartmann, Bruckner oder Dominik Hartz unterwegs, macht frytz einen entspannten Mix aus Indie-Rap und tanzbaren Beats, und hat uns 2024 in einem Turbospeed als vielversprechender Newcomer überzeugt. Seine ersten zwei EPs “unter meiner Haut” und “Unter meiner Haut, pt. II” kamen dieses Jahr und machen wirklich sehr, sehr, sehr viel Lust auf mehr. Erst als Produzent in die Musikbranche gestartet, hat er sich, zum Glück!, dazu entschieden, aus dem Schatten ins Spotlight zu springen und selbst Musik zu veröffentlichen. Direkt schon als Support für ua. Rikas sehen wir hier sehr viel Potential, die ganz großen Bühnen schon ganz bald alleine zu erobern. Auch wenn das vielleicht noch einen kleinen Schnuff dauert, wird frytzs Reise bis dahin auf jeden Fall eine wahnsinnig spannende sein. Und jetzt schon dabei zu sein, macht doch am meisten Spaß. Oder nicht?
PaulWetz
Schon seit vielen Jahren zieht PaulWetz die YouTube– und inzwischen vor allen Dingen TikTok-Welt in seinen Bann. Wir waren tatsächlich auch schon Fans von ihm, als er vor drei Jahren noch Staubsauger-Anleitungen vorgesungen hat. Dass er nicht erst seit gestern Musik macht, hat man auch da schon gemerkt. Seit 2022 veröffentlicht er nun auch Songs auf Deutsch, die ihm nochmal eine neue Gruppe an Fans, u.a. auch andere Musiker*innen, beschert hat. So sitzt er z.B. einfach gemeinsam mit Juli im Auto und covert “Geile Zeit” und hat außerdem eine “Ode an den Bass” geschrieben, die uns das ganze Jahr nicht aus dem Ohr gehen wollte. Wer PaulWetz auf seinen Social Media Accounts folgt, hat immer eine gute Zeit. Und diejenigen unter euch, die ihn als Support bei Nina Chuba oder Clueso live gesehen haben, ebenso. Nächstes Jahr geht es auf eigene Headliner-Tour und wir erwarten eigentlich irgendwie auch ein Debütalbum. Vielleicht geht da ja was? Wir bleiben auf jeden Fall dran und ihr solltet das auch tun.
jolle
Bei wem auch auf jeden Fall was geht in 2025, ist jolle. Wir konnten Ende letzten Jahr schon beobachten, wie sich die Hamburgerin einen Weg an die Spitze der Poplandschaft bahnt, dann wurde es kurz still. Nach einem Labelwechsel entstand die “stunde null”: ihre aktuelle EP, mit der jolle im November 2024 neu startet und auch2025 ganz sicher zu ihrem Jahr machen wird. Ein bisschen Pop, ein bisschen Indie, ein bisschen Rap-Ballade – bei der Hamburgerin trifft das Beste aus all diesen Genres zusammen. Mal mit einem Carlo5-Feature, mal mit Stanovsky – alle Songs von jolle reißen mit und bleiben ewig im Ohr. Dass all das, was wir bisher gehört haben, in diesem Achterbahn-Jahr entstanden ist, gibt uns mehr als große Hoffnungen auf alles, was sie nächstes Jahr für uns in petto hat. Zurückgewonnene Autonomität und der Drang auf allen Bühnen des Landes zu spielen sind hier genau die richtige Kombi. Wir haben Bock!
Lara Hulo
Unsere letzte artist to watch ist Lara Hulo. Seit 2022 veröffentlicht sie Musik und ist mit ihrem Song “Side B*tch” das erste Mal 2023 viral gegangen. Die in Schleswig geborene und in Berlin lebende Indie-Künstlerin erinnert mit ihrer einmalig kratzigen Stimme an Nina Hagen oder Hildegard Knef. In ihren Songs erzählt sie unverblümt und mit mehr als deutlichen Worten vom Leben als queere junge Frau und vom Suchen, Finden, Festhalten und Verlieren der queeren Liebe. Besonders ihr Song “Für Änni” hat uns in diesem Jahr sehr berührt. Aber eigentlich möchten wir für alle Songs ihrer im November 2024 erschienenen Debüt-EP “Für Lara” eine dicke Hörempfehlung aussprechen. Und alle diejenigen unter euch, die Lara Hulo in diesem Jahr bei einer ihrer vielen Festivalshows, als Support für LUNA und SOFFIE oder auch gerade auf ihrer eigenen Headliner-Tour gesehen haben, wissen, wovon wir reden. Wir sind uns sicher, dass das Jahr 2025 uns noch viele weitere große Momente mit ihr schenkt und können das kaum erwarten.
Und damit sind artists to watch 2025 komplett! SOFFIE, Zartmann, Power Plush, Biig Piig, Hope Tala, Greentea Peng, fyrtz, PaulWetz, jolle und Lara Hulo. Unserer bescheidenen Meinung nach solltet ihr alle der 10 vorgenannten Artists auf dem Schirm haben, wenn eure Freund*innen nach neuem Musikinput fragen. Im Zweifel schaut einfach bei uns vorbei, wir informieren euch natürlich auch gerne. Viele von ihnen haben kommende Projekte und voraussichtlich alle werden auf Tour sein! Und ihr wisst, always support live music <3
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Und hier geht’s nochmal zur artists to watch 2025-Playlist mit direkten Reinhör-Empfehlungen:
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Fotocredits: SOFFIE: Chiara Noemi Müller | Zartmann: Luis Frederik | Power Plush: Fiona Versace | Biig Piig: Yana Van Nuffel | Hope Tala: Erica Devin Snyder | Greentea Peng: William Spooner | frytz: Johannes Klingelhöfer | PaulWetz: Philipp Gladsome | jolle: Felix Krüger | Lara Hulo: Julie Himmelstoss
Seit Louis Tomlinson nach Auflösung der Band One Direction solo unterwegs ist, hat sich einiges für den britischen Sänger getan. Zwei Alben (Faith In The Future und Walls) und viele Live-Auftritte später, meldete sich Louis mit einer ganz besonderen Platte. Im Laufe der letzten drei Jahren auf weltweiter Faith In The Future Tour sowie Louis Tomlinson World Tour wurden viele Erinnerungen gesammelt – und vor kurzem eine Art Tagebuch dieser Momente veröffentlicht.
Sowohl alte als auch neue Lieblinge finden einen Platz
Bei diesem Tagebuch handelt es sich nicht wirklich um ein Buch, sondern um ein Live-Album der vergangenen Tourneen. Erstmals bereits im April 2024 digital veröffentlicht, ist seit Ende August 2024 auch die physische Version in Form einer Vinyl und CD erhältlich – mit insgesamt vier zusätzlichen Tracks. Fans finden nicht nur ihre Favorites von Louis selbst, sondern auch andere Lieblinge. Während die LP zusätzlich Only the Brave, Kill My Mind sowie High in California enthält, wurde die CD um High In California sowie die One Direction-Single Where Do Broken Hearts Go erweitert wurde.
(c) BMG
Von London nach Vancouver bis nach Buenos Aires und München
Jeder der insgesamt 17 Tracks wurde in einer anderen Stadt und an einem anderen Datum aufgenommen. Insgesamt spannen sich die Aufnahmen über einen drei Jahres Zeitraum. Was dabei vor allem hervorsticht ist die besondere Live-Energie, die jede Person, die schon mal auf einem Konzert von Louis Tomlinson war, wahrgenommen hat. Die Fans sind unfassbar laut, selbst auf der Aufnahme. Und genauso textsicher – die Leidenschaft, die sie für Louis und seine Musik haben, ist praktisch greifbar.
Was diese Veröffentlichung auszeichnet: Man hört nicht, wie bei vielen anderen Live-Aufnahmen, nur den Künstler selbst singen, sondern auch die Fans. Das erschafft den Eindruck eines Chors, eine ganz besondere Atmosphäre kommt dabei zustande. Es wird deutlich, wie viel Spaß und Liebe sowohl die Fans als auch Louis selbst für Live-Auftritte verspüren.
Eine Platte mit ganz viel Liebe
Aber nicht nur die Aufnahmen sind besonders, auch bei der Betrachtung der Vinyl und CD merkt man, wie viel Liebe in diese Produkte geflossen ist. In dem Booklet, das den Produkten beiliegt, sind Nachrichten von Fans abgedruckt. Die Lyrics sind in die Sprachen der Städte übersetzt, in denen sie aufgenommen wurden. Auf Deutsch ist also All This Time / She Is Beauty We Are World Class zu lesen – die Aufnahme wurde in München gemacht.
Noch nie war es so einfach, eine ganze Tournee nachzuerleben und die Erinnerungen an unvergessliche Konzertabende wachzurufen. Wer sich die magische Live-Erfahrung nach Hause holen möchte, sollte nicht lange zögern und das Album schnellstmöglich in die eigene Sammlung aufnehmen (hier möglich). Schon allein die Platte sind offensichtlich so viele Gedanken geflossen, dass man sie immer wieder gerne anschaut. Ganz zu schweigen von den Aufnahmen, die man wieder hören möchte. Dieses Album ist ein Muss für jeden Louis Tomlinson-Fan und alle, die die Energie eines Live-Konzerts lieben.
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