Spätkauf ist unsere neueste Entdeckung aus dem Indie-Kosmos. Catchy Gitarren-Riffs, “wobbelnde” Synthesizer und echte Drums mit Schubkraft – we’re all here for it! Der Spätkauf-Sound klingt so wie eine eisgekühlte Paulaner Spezi an einem heißen Sommertag schmeckt: erfrischend vertraut mit einer Prise Betterov, Von Wegen Lisbeth und Wir sind Helden aus dem Bluetooth Lautsprecher.
“Meine Schildkröte und Ich”
Mit ihrer Debütsingle “Meine Schildkröte und Ich” liefern Schlagzeuger Paul, Gitarrist Niklas und Sänger und Bassist Jan den perfekten Track gegen die winterliche Einsamkeit. Ein leichter Indie-Track mit warmen Sommerfilter illustriert die Story mit der Schildkröte Speedy (oder Jerry), die immer für einen da ist. Man ist also nie alleine, oder? Das Lyrische-Ich verdrängt die Einsamkeit mit einer Fantasie. Ängste und Selbstschutz tanzen Arm in Arm durch das Zimmer. Bis die Realisierung in der Bridge ins Bewusstsein rückt:
“seit Jerry bei mir wohnt, bin ich genauso einsam wie gewohnt”
“Wettlauf zum Spätkauf”
Die drei haben sich nicht, wie es der Name vielleicht vermuten lässt, zufällig im Späti kennengelernt, wo sie alle im gleichen Moment nach derselben Spezi-Flasche gegriffen haben. Es hat ein paar Umwege gebraucht, bis Spätkauf komplett war. So haben erst Jan und Niklas schon früh die Musikszene Nürnbergs unsicher gemacht. Dann ziehen beide weg, um was mit Musik zu studieren, und Jan trifft Paul in Mannheim. Die Liebe zur Spezi teilen aber alle drei und erstere Story hätte echt passieren können.
Im Sommer 2023 waren Spätkauf eine Woche lang zusammen im Studio, wo eine Menge Indie-Banger entstanden sind. “Wettlauf zum Spätkauf” wird die EP heißen, für die “Meine Schildkröte und Ich“ den Startschuss setzt.
Einen kleinen Ausblick können wir hier schon geben: auf uns warten feinster Indie, 80er NDW-Sounds und vielleicht eine Ballade. Alleinsein, Herzschmerz, toxische Beziehungen und der allgemeine Unmut unserer Zeit werden nebeneinander im Späti-Regal aufgereiht. Alle Songs versprechen 100% Tanzalarm! Bis wir Spätkauf auch endlich live erleben können, empfehlen wir eine Indie-Party Zuhause zu starten.
Okay, wer zuerst auf Spotify ist: 1-2-3 Go!
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Es ist kein Revival, sondern eine Reinkarnation. Naomi Sharonbelebt die schönste Frauenstimme der jüngsten Vergangenheit wieder, und zwar die von Sade. Mit geschlossenen Augen und gespitzten Ohren hört man den Unterschied kaum. Doch der Sound ist ein neuer. Naomi Sharon holt die Musik Sade‘s in die Gegenwart und mischt die bezaubernde Klangfarbe ihrer Stimme mit modernen und sinnlichen Produktionen.
Definition of Love
Obsidian steht für Klarheit und Positivität. Dem aus abkühlender Lava entstehenden Glas werden schützende Kräfte vor negativen Schwingungen nachgesagt, sowie die Fähigkeit toxische Energien zu reinigen und Chaos zu klären. Das Resultat: die Bedeutung der Liebe. Bei maximalem Verstand besingt Naomi Sharon auf ihrer Lead-Single ihre persönliche „Definition of Love“. Über einer meditativen Soundfläche mit plätscherndem Wassergeräuschen gleitet die raumeinnehmende Stimme der Sängerin begleitet von Hallfahnen durch die erste Strophe und den ersten Refrain, ehe der einsetzende Beat rhythmischen Halt gibt. Die Drums sind minimalistisch und dennoch prägnant, dank des geschickt eingesetzten Delays. Der sich ohne Gesang etablierende Beat sowie die anschließend gekonnt gesetzte Kunstpause geben Raum zum Durchatmen und Gedanken schweifen lassen.
Mit der Klarheit, die die musikalische Komposition auszeichnet, beschreibt Naomi Sharon auch ihre Gefühle: „All I see, all I know, is that you are the definition of love“, und bringt ihre Ekstase mit den Worten „Heaven’s in your eyes, let me follow“ zum Höhepunkt. Die mantraartige Wiederholung dieser Zeile sowie der Zeile „Won’t rest ‚til I know for sure, won’t rest ‚til I know“ manifestieren den Wunsch nach Liebe und unterstreichen die Bestimmtheit ihrer Gefühle. Nach eigenen Aussagen deutet die Sängerin die Liebe von innen heraus und setzt die Liebe zu sich selbst als Maßstab.
If this is Love
Aus dem klaren Verlangen nach romantischer Intimität entwickelt sich deren Verneinung: „If this is love, then I don’t want it“. Im Sinne des Albumtitels klären sich auf dem zweiten Song des Albums die persönlichen Wünsche auf und stoßen daraus resultierend toxische Energien ab. Dies alles geschieht erneut über durch plätscherndes Wasser angereicherte Klangflächen und zurückhaltender Percussion. Die Bedeutungsschwere der sich wiederholenden Refrain-Zeile wird durch die zweite Stimme verstärkt. Aus der Verneinung der Liebe ergibt sich wiederum eine Bejahung. Die Ablehnung einer unzureichenden Liebe umreißt stärker die gewünschte Hingabe.
Nahtlos fließt das Album weiter zum darauffolgenden Song „Another Life“, der sich mit der Kompliziertheit der Liebe auseinandersetzt. Der bereits etablierte Sound der niederländischen Sängerin mit karibischen Wurzeln breitet weiter seinen Radius aus. Die Stimme schwebt durch einen endlosen Klangraum, bis der signifikante Bass Orientierung bietet. Am Ende stehen erneut im Kreise laufende Zeilen im Fokus: „Love is a wicked game, still we play it“ bzw. „Don’t let your love run out“.
Versiegte Romantik
„Myrrh“ beginnt mit einer neuen Klangfarbe. Naomi Sharon besingt eine weitere Facette der Liebe über eine gezupfte Gitarre, die dieses Mal von Anfang rhythmische Struktur bietet. Der Klangraum bleibt allerdings riesig. Eine zurückhaltende Klangatmosphäre und weich gesetzte Delays erschaffen einen Raum zum Träumen. Die besungene nicht erfüllte Liebe wird dabei gekonnt durch die Refrain-Zeile „Kiss like myrrh, sweet perfume, ancient love fills the room“ auf den Punkt gebracht. Das vor langer Zeit für Parfüm verwendete Harz des Myrrhe-Strauchs versprüht einen Geruch, der ebenso an altertümliche Zeiten wie an die versiegte Liaison erinnert.
Drake Summer Mixtape Vibes
Mitte des Albums werden die Tracks tanzbarer. „Time and Trust“ gibt einen ersten Vorgeschmack, ehe der gemeinsame Song „Push“ mit dem nigerianischen Sänger Omah Lay die weichen und emotionalen Töne Sharons mit modernen Afrobeats und Amapiano Einflüssen verbindet. „Holding in Place“ treibt das Tempo weiter an und würde sich neben Songs wie „Get it Together“ oder „Passionsfruit“ nahtlos in das 2017 veröffentlichte Mixtape „More Life“ von Drake einordnen, ein Song, der im Winter Wärme spendet und im Sommer die Karibik nach Hause holt. Es ist kein Zufall, dass die Künstlerin bei Drake’s Label OVO unterschrieben hat. Eine Kollaboration würde nicht nur klanglich Sinn machen und den in Belanglosigkeit ertrinkenden kanadischen Rapper wieder etwas Spannung verleihen. „Extacy“ ist ein weiteres Puzzlestück, das Überschneidung mit Drakes Musikkatalog aufweist: Vocal-Samples, gedämpfte Drums und viel Platz für die Stimme. Und im Mittelpunkt steht erneut eine prägende, sich stets wiederholende Zeile: „It’s so easy to go, it’s so hard to come home“.
Aus den verhallten Träumen in die klare Realität
Auf „Lucid Dreamer“ gewinnt Sades Einfluss auch innerhalb der Produktionen. Funkelnde Keys und in Hall getränkte Percussion begleiten die träumende Stimme Naomi Sharons. Der dazu gehörende Kalenderspruch lautet dieses Mal: „If you’re not there, there’s no luxury worth living“. Dabei verrät der Titel bereits alles. Der Song ist ein Traum von sinnlicher Nähe, der sich so real anfühlt, dass er echt sein könnte. Es bleibt die Frage, was hören wir, wenn wir luzid träumen? Diesen Song!
Das Ende des Albums hält noch eine Überraschung bereit. Der Hall verschwindet aus den Songs und es bleiben bescheidene Gitarren und die im Vergleich zurückhaltend effektierte Stimme. „Regardless“ und „Hills“ geben aufgrund der klanglichen Zurückhaltung noch mehr preis und fassen die verschiedenen Facetten des Albums zusammen. Die aktuelle Single „Nothing Sweeter“ führt den eingeschlagenen Weg weiter und kommt ebenfalls nur mit einer Gitarre aus, deren Akkorde und Melodien kaum schöner sein könnten.
Ein Netz aus roten Fäden
Naomi Sharon zeichnet ihren persönlichen Klang mit besonderer Klarheit. Warme Bässe ergänzen sphärische Flächen und erschaffen neue Dimensionen für eine ewig wachsende Stimme. Zentrales Element der Songs sind dabei immer sich im Refrain und Outro wiederholende Zeilen, die inhaltlich die Essenz des Liedes in sich tragen und als eine Art Mantra die eigenen Gedanken und Gefühle manifestieren. Dass dieses Album, dass sich in aller Ausführlichkeit mit der Liebe und dessen Reflektion beschäftigt, „Obsidian“ heißt, deutet darauf hin, dass der Heilungsprozess während der emotionalen Aufarbeitung im Vordergrund steht.
Naomi Sharon zieht ihren roten Faden nicht nur durch ihre Songs, sondern auch durch ihren in blau & und schwarz gehaltenem Instagram-Feed bis hin zum Albumnamen. Diese besondere Homogenität ist ein Beweis ihrer künstlerischen Fähigkeiten und lässt fast vergessen was die Tracks auf dem Album auch sind: einfach verdammt schöne Songs.
Was noch viel schöner ist, ist Naomi Sharons Konzert in Berlin Anfang April, das allerdings schon ausverkauft ist. Aber wer weiß, vielleicht wird die ein oder andere Karte noch frei.
Drei Jahre nach ihrem letzten Album Release „Subject to Change“ können sich Fans von Katelyn Tarver über ein neues Album freuen: „Quitter„. Aufgeben ist nichts, was wir gerne hören oder tun wollen – aber vielleicht sollten wir alle deshalb einmal ganz genau zuhören und uns fragen, ob wir das nicht mehr sein und tun sollten. Denn Katelyn zeigt, wie befreiend aufgeben sein kann.
Wer ihr Debüt-Album „Subject to Change“ kennt, ist bereits mit ihrem zarten Storytelling vertraut und doch ist dieses nochmal um einiges vulnerabler geworden. Die Sängerin schreckt vor keiner Frage zurück und teilt in vielseitiger Art viele Hindernisse, die normalerweise versteckt bleiben. Sie singt vom Imposter Syndrom und mangelndem Selbstwert, der Angst vor Unbekanntem und der Anxiety, die Perfektionismus mit sich bringt. Die Spannung zwischen gewünschter Anerkennung und dem Verlangen, seine eigene Wahrheit zu verfolgen, ist förmlich zu hören.
What Makes A Life Good?
Direkt nach dem titelgebenden Opener Song stellt Katelyn die Frage „What Makes A Life Good?„. Die verzweifelte Suche nach der Antwort überträgt sich beim zuhören:
„Is it trusting intuition? Making peace with your decisions Is it taking someone’s broken heart and knowing how to fix it? Is it becoming a mother? Is it learning to be tougher? Holding on to hope when your world loses all the color Is it finding out what’s out there? Is it staying close to home? Is it being okay being on your own?“
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Ich weiß die Antwort zwar noch nicht und Katelyn offenbar auch nicht, in den nächsten 30 Minuten kommen wir der Antwort näher. Fragen werfen mehr Fragen auf, die Sängerin drängt dazu, dass wir uns damit ebenso auseinander setzen wie sie, zeigt zugleich ihre Unsicherheit.
Das Album fühlt sich insgesamt an wie ein lange überfälliger Deep Talk mit der großen Schwester. Katelyn teilt ihre Selbstzweifel mit einer so offenen Ehrlichkeit, dass man gar nicht anders kann, als sich wohlzufühlen. Und auch, wenn definitive Antworten eben (noch) ausbleiben, beruhigt die Sängerin einen, vermittelt das Gefühl, dass alles wieder besser wird, dass wir uns alle irgendwo die gleichen Fragen stellen.
Irgendwo zwischen Verzweiflung, Hoffnung und gnadenloser Ehrlichkeit
Katelyn schafft es, dass einzelne Phrasen und Fragen wirklich herausstechen, und diese Gefühle betonen:
„Will you still love me if my luck runs out? Will you still love me if my luck runs out?“
Das ist die zentrale Frage, die sie sich in „Japanese Café“ stellt. Und wenn sie sich diese Frage stellt, hört man nur ihre kristallklare Stimme. Die Drums und Gitarre, die dem Track und dem Album sonst einen guten Drive verleihen, werden pausiert, die Frage und Message werden betont.
„Quitter“ bewegt sich im Indie Pop, ist geprägt von starken Drum Patterns und gitarrenlastigen Parts. Der Drive, der dadurch erzeugt wird, treibt diese Suche nach sich selbst an, baut eine gewisse hoffnungsvolle Verzweiflung auf und fordert auf, sich von den Vorstellungen, die man von sich selbst und seinem Leben hatte, zu lösen. „Quitter“ lädt ein, seine Gedanken schweifen zu lassen, sich seinen Problemen zu stellen und die gestellten Fragen zu beantworten.
Parallel universe – oder eher Extreme existieren auch parallel
Am Ende ist die Frage „What Makes A Life Good?“ zwar wie gesagt noch nicht endgültig beantwortet, aber Katelyn hat sich selbst und uns eine andere Perspektive ermöglicht. In einer sehr ruhigen Ballade bringt sie die gefundenen Erkenntnisse in ein rundes Ende, erinnert daran, dass Extreme parallel existieren und trotzdem stimmen können:
„I’ve been the bad guy And I’ve been the sunshine … All the things I regret and the things I like best Can’t have one without the other“
Lässt man sich auf das Album ein und hört Katelyn zu, findet man 11 Songs, die einem Ruhe schenken und Raum lassen, sich selbst zu hinterfragen. Katelyn zeigt, dass auch in den 30er entgegen der meisten Erwartungen nicht alle Herausforderungen gemeistert, nicht alle Fragen beantwortet sind. Und nicht zuletzt zeigt sie in wundervoller Art und Weise, dass es auch sehr befreiend sein kann, ein „Quitter“ zu sein.
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Drei Jahre nach Release seines Sophmore-Albums „Zeros“ ist Declan McKennazurück mit seinem neuen Album „What Happened to the Beach?“.
2015 gewann der gerade mal 16-jährige Brite den „Emerging Talents“-Wettbewerb des Glastonbury-Festivals und ist seither nicht mehr von den UK-Festivalbühnen wegzudenken. Mit der Kombination aus Upbeat-Sound und rockigen Elementen wird seine Musik oftmals mit Britpop verglichen. Aufrichtig, locker und ganz und gar nicht nullachtfünfzehn — Gerade für das Schreiben seiner politischen Texte (z.B. „British Bombs“ (2019), „Brazil“ (2015)) wird McKenna gelobt. Dabei richtet sich viel an seine eigene Generation.
Nun veröffentlichte er sein drittes Studioalbum mit sechzehn Tracks, die mich in vielerlei Hinsicht überzeugt haben. Der Sound von „What Happened to the Beach?“ ist ein wenig anders als der seiner Vorgänger — experimenteller, aufregender und dennoch vertraut. Zwischen Beatles-Klängen („I Write The News“), 2000er-Indie-Rock Songs („The Phantom Buzz (Kick In)“) und typischen McKenna-Ohrwürmern („Nothing Works“, „Sympathy“) bietet das Album sehr viel Abwechslung. Von einer Platte, auf der sich jeder Song gleich anhört, fehlt hier jede Spur. Auf dem neuen Album herrscht ein entspannterer Vibe, als auf seinen Vorgängern. Die Songs sind langsamer und fühlen sich durchdachter an.
“Opening up and embracing the simple things in life has helped me make something that is more authentically me than ever before.”
„What Happened to the Beach?“ ist ein sehr persönliches Album, das nun mehr die Freuden als Katastrophen der Welt in den Fokus stellt. Für Declan scheint eine neue Zeit angebrochen zu sein, jene, die ihn befreiter Songs schreiben lässt. Er ist angekommen und selbstbewusster in dem, was er tut. Das Album beschreibt gleichermaßen die letzten Jahre, die nicht nur gobal sondern auch in persönlicher Hinsicht von Dunkelheit geprägt waren. In der Ballade „It‘s An Act“ zeigt sich diese emotionale und verletzliche Seite der Platte.
„If every song features a lyrical statement then it loses some of its impact, too. I haven’t let go of that aspect of myself but I don’t want to live out that style forever.”
Das Album ist insbesondere von dem Ort geprägt, an dem es produziert wurde: dem sonnigen Los Angeles. Gefühle von Leichtigkeit und Sonnenschein, die Declan dort aufgesogen hat, lassen sich unter anderem auf dem Artwork wiederfinden, das übrigens ABBA-inspired ist. Musikalisch werden diese positiven Gefühle von den poppigen Tracks wie „Sympathy“,„Wobble“ oder „Elevator Hum“ eingefangen.
Mit „Mystery Planet“ folgen drei zusammenhängende Interludes, die nur auf der physischen Platte zu hören sind. Part I beginnt mit einem kurzen von Declan eingesprochenem Intro, dass später in den Song übergeht. Nach Track sieben folgt „Mystery Planet Pt. 2“, der sich eher nach kurzen abgehackten Ausschnitten anhört, um am Ende erneut den Song anzuteasern. Neben „I Write The News“ hört man auch hier die Beatles heraus. „Mystery Planet Pt. 3“ schließt das Album mit lauten, rockigen Drums ab. Als einer meiner Favoriten macht „The Phantom Buzz (Kick In)“ seinem Titel alle Ehre und ist mit seinen verzerrten Gitarren einer der rockigsten und energievollsten Songs auf dem Album.
„What Happened to the Beach“ ist trotz seines neuen Sounds ein klassisches Declan McKenna Album. Obwohl es im Gegensatz zu den vorhergingen Alben eher eine entspanntere Atmosphäre hat, wirkt die Platte durch seine experimentellen Einflüsse und psychedelischen Elemente viel aufregender und abwechslungsreicher. Ein Album, das von Anfang bis Ende durchdacht und vollendet wirkt, aber vor allem Spaß macht zu hören.
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WEZN sind back! Das Elektro-Pop Duo aus Hannover könnte bei einigen von euch schon einen Platz im Herzen haben, jedenfalls für die von euch, die sie schon einmal live erleben durften oder ihre Debüt-EP „Gonna Be Fine“ (2021) auf Spotify laufen haben. Nach vielen Live-Shows und einem Jahr Pause, das sie aus gesundheitlichen Gründen eingelegt haben, starten sie mit ihrer neuen Single „Meet Me In The Middle“ nun ihr großes Comeback. Macht euch bereit für die ganz großen Gefühle.
*Disclaimer: ich hab diesen Song schon auf MP3-Demos auf meinem Handy gehört, auf Konzerten live gesehen, und fast zwei Jahre später erklingt er nun endlich als Master-Version auf meinen Kopfhörern. Ich bin also hyped. Denn endlich ist er offiziell draußen, endlich kann er in meinem Spotify Wrapped mitmischen und endlichendlich kann ich ihn ganz vielen Menschen zeigen! Und wir können endlich alle gemeinsam über diese tiefen Emotionen bonden und gemeinsam diese tolle Band bestaunen.*
Ein ungeschliffener Diamant
WEZN ist eine Band, von der ich überzeugt bin, dass sie ganz große Wege gehen wird. Diese Überzeugung hab ich nicht allzu oft, weil die Musikindustrie ist, das wisst ihr, ein hartes Pflaster und nur wenige schaffen den sogenannten „Break“. Um ihn zu schaffen braucht man viel Glück, viel Talent, viel Social Media Promo, eine starke Fanbase. Und während WEZN noch in ihren Anfängen stecken, ist ihr Weg zum Erfolg absehbar. Jedenfalls für mich. Ich seh ihn klar vor mir, als wäre das eine Selbstverständlichkeit wie keine andere. Denn WEZN haben etwas Besonderes, etwas, das jeden Menschen ganz tief im Herzen berührt. Sie sind wie ein ungeschliffener Diamant, den man seine strahlende Schönheit schon in Rohform ansieht. Und weil ich ganz stark glaube, dass fern ab von Trends und TikTok-freundlichen Releases, ehrliche und berührende Musik immer ihren Weg gehen wird, glaub ich auch, dass WEZN ihren Weg gehen werden.
Himmelstore, öffnet euch
Doch nun zum Song: „Meet Me In The Middle“ fängt an mit gesungenen Harmonien. Harmonien, so schön, sie könnten auch direkt in einer Kathedrale erklingen. Sie schwinden dezenten Keyboardnoten und Maischas Stimme. Ganz unmaskiert, nah und echt. Einer Stimme so klar, als würde sie direkt aus den Himmelstoren zu ertönen scheinen. Nein, da übertreib ich nicht, es öffnen sich wahrhaftige Himmelstore, fließendes Licht erstrahlt und alles weicht diesem Moment. So ungefähr stell ich mir das vor wenn Leute Künstler*innen mit einer „Engelsstimme“ beschreiben. Selten hat es so gut gepasst wie hier.
„I can see nobody clear
‘Cause my love, you’re nowhere near
I’m craving up the highest walls
Just to see that you are gone”
Maischas Stimme leitet ruhig durch die ersten zwei Strophen, das flutende Himmelslicht im Rücken, und singt von der schmerzhaften Distanz zwischen Menschen mit mentalen Krankheiten und ihren Liebsten, die zwar da sind, die sie aber nie ganz erreichen können. Der Song baut sich auf, die Harmonien steigen ein und ich zerfließe beim Hören in meinen Emotionen.
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Ich fühle so viele Dinge, wenn ich diesen Song höre. Er ist wie ein zerbrechliches Bekenntnis, ein Ausdruck so vieler Gefühle und eine Liebeserklärung an die wichtigsten Menschen im Leben. Er ist in seinem Kern einer der ehrlichsten und berührendsten Songs, die ich je in meinem Leben gehört hab. Und ich weiß nicht, was genau es ist, aber musikalisch zerreißt es etwas in mir und setzt es gleichzeitig wieder zusammen. Es ist bestimmt diese Gitarre. Und dieser Chorus:
„My love, meet me in the middle
Where I can feel you near
My love, come and meet me in the middle.
You can watch me fall apart.”
„Calm eyes meet my tears”
Seid ihr schon einmal auseinandergefallen? Alle, die diese Erfahrung gemacht haben, und man kann sie leider auf zu viele Arten und Weisen machen, wissen, wie sich das anfühlt. Es ist, als würde einem der Boden unter den Füßen weggerissen werden und man in sich selbst abstürzen. Während das Selbst auseinanderfällt. Man fällt also ins Nichts. Während man fällt, schießen tausend Gedanken in den Kopf, aber irgendwie ist auch alles still und man sagt Dinge, die man nicht meint, während man Dinge meint, die man nicht sagt. Wie soll man da auch die Unterschiede erkennen, wenn alle Grenzen verschwimmen und nichts mehr klar erscheint im Fall. Man sucht nach Halt, verzweifelnd.
Wie fängt man eine Person auf, die ins Nichts fällt? Wie hilft man einem Menschen, der einem so nahesteht, den man aber nicht erreichen kann? Diese Fragen sind die großen Fragen, die ich mir seit Jahren stelle, es sind die Fragen, die sich viele Menschen stellen, die selbst oder deren Nahestehende an Depressionen erkrankt sind. Die Antwort: da sein. Da sein, auch wenn es schwer ist, da sein und auf die andere Person zugehen. Sie in der Mitte treffen. Wo auch immer das sein mag.
Meet Me At Our Spot (The Middle)
Die Mitte ist das Gefühl, das ihr habt, wenn dieser Song seinen Höhepunkt am Ende erreicht. (Ja, dazu müsst ihr ihn hören). Hier trifft Verzweiflung auf Hoffnung, Sehnsucht auf so tiefe Wunden. Es ist das neutrale Gebiet in der Mitte, man ist noch nicht ganz am Ziel, aber man ist auch schon so viel weiter als am Start. Meine Mama hat mal zu mir gesagt „[depressive] Menschen müssen kämpfen wollen. Sie müssen die Entscheidung für das eigene Leben treffen, diese Entscheidung kann niemand anderes für sie treffen. Und haben sie diese Entscheidung getroffen, dann kann man ihnen helfen. Vorher nicht.“ Und ich glaube, sie hat Recht. Die Entscheidung für das eigene Leben zu kämpfen ist der Schritt in die Mitte. Und im allerbesten Fall hat man dort Menschen, die schon auf einen warten.
Oder um es in WEZNs eigenen Worten zu sagen:
“Sometimes it’s like living under a misty bell you can see through it, but you don’t take part you can almost touch each other and yet you are alone you can speak and yet you are not understood so come and let’s meet in the middle.“
Hört hier in den Song rein und verliebt euch mit allem, was ihr habt, in diese Band:
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Der Song wie ein einziger Rausch, ein Titel, der viel bedeuten kann und Musik, die einen von der Party nach Hause trägt: Die vierköpfige Hannoveraner Indie Band FLUKES veröffentlichen ihren neuen Song Blaues Licht.
Zu Beginn ein liegender Synthie, eine angedeutete Gitarre. Die Strophe setzt nach sehr kurzem Intro beinahe plötzlich mit klarem Gesang und prägnanten Drums ein. Fast gesprochen, steht der Gesang direkt im Vordergrund und findet sich perfekt in den vorerst atmosphärischen, trotzdem stark treibenden Refrain ein
„Einfach vor den Latz geknallt“
Kurzer Break, dann der Refrain. Die Synthies werden stärker, die Gitarre lebendiger, beide nehmen ein Lasso und ziehen dich auf die Tanzfläche. Die eintönige Melodie des Gesangs steigt gleich mit ein und pflanzt einen Ohrwurm, der sich zum Glück nicht so schnell entfernen lässt.
„Shalala die ganze Zeit verrinnt in deinen Händen,
Süchtig nach blauem Licht Shalala die ganze Nacht allein in dein‘ vier Wänden,
Süchtig nach blauem Licht“
In der zweiten Strophe will der Gesang mehr. Er wird intensiver, nuancierter und arbeitet sich steigernd bis zum nächsten Refrain heran. Unmittelbar danach bricht dann ein verzerrtes Gitarrensolo aus, was den Rausch im Song auf die Spitze treibt. Und dann kurz Ruhe. Blaues Licht beruhigt sich und lässt dich durchatmen, ehe es dich mit einem letzten Ohrwurmchorus und offenem Ende in die Nacht entlässt.
Irgendwo zwischen The Strokes und Von wegen Lisbeth
Und nun zur Band: FLUKES sind ein vierköpfiges Indie-Gespann und stammen aus Hannover. Die Bandmitglieder verbindet eine lange Freundschaft und sie fühlen sich bei Themen wie Jugendliebe oder Grow-Up-Struggles zuhause.
Ihre Musik beschreiben sie selbst als Zusammenspiel von melancholischen Gitarren-Lines, Wohlfühl-Synthies und treibenden Schlagzeug-Beats stets charakterisiert durch Nostalgie und gleichzeitigem Blick nach vorn. Genau das ist in „Blaues Licht“ gut zu hören. Zu ihren Inspirationen zählen The Strokes, Bilderbuch und Von wegen Liesbeth. In naher Zukunft dürfen wir uns über weitere neue Singles, eine EP und eine kleine Tour von FLUKES freuen. Reinhören und dabeibleiben lohnt sich also!
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Ist euer 2023 auch so an euch vorbeigeflogen? Eben gerade war noch Festival-Sommer, wir haben kurz geblinzelt und auf einmal ist das Jahr vorbei. Die von euch, die uns schon ein wenig begleiten, wissen, was das heißt: Die Adventskalenderzeit ist da! Es gibt special Weihnachtsformate, es gibt Live-Interviews und Jahresrückblicke, fette Verlosungspakete und es gibt auch 2023 wieder dieses Google Doc, in dem Anna und Jule über die Newcomer*innen-Landschaft da draußen philosophieren. Und in diesem befinden wir uns jetzt. Welcome to: artists to watch 2024!
Zuerst ein kleiner Blick zurück: 2023 war musikalisch wahnsinnig viel los. Einen kleinen Einblick werdet ihr in den individuellen Jahresrückblicken der Redaktion finden, und ihr habt selbst sicherlich auch Künstler*innen und Bands, von denen ihr dieses Jahr gar nicht genug bekommen konntet. War eine von denen vielleicht Brockhoff? Oder Dilla? Vielleicht ENNIO oder TEMMIS? Denn die waren es, denen wir Ende 2022, also vor genau einem Jahr, als artists to watch 2023 den Durchbruch für 2023 versprochen hatten. Jetzt fragen wir uns: Wer wird es wohl 2024 werden? In wen werden sich nächstes Jahr so viel mehr von euch verlieben, weil sie auf allen Festivalbühnen rocken und sie diesen einen Song releasen, der euch monatelang nicht loslässt? Unsere Nase hat sich auf 10 Artists geeinigt, die wir euch hier vorstellen werden. Our guess is as good as any, aber es lohnt sich allemal, in alle reinzuhören – und wenn es nur auf Verdacht hin ist. (Hier klicken, um parallel zu hören.)
Paula Carolina
Wer es 2023 geschafft hat, an Paula Carolina vorbeizukommen, verdient auf eine seltsame Art unseren Respekt. Zwischen ihrem Artikel aus dem Jahr 2022, in dem sie bei uns über die Entstehung ihres Songs “Gerlindes Garten” geschrieben hat, und heute ist eine Menge passiert. Keine Festivalbühne war sicher vor ihr und ihrer Band, die Songs ihrer EP “Heiß/Kalt” haben es in so manche Jahresplaylists geschafft und zwischendrin hatte sie trotzdem noch Zeit, in Sessions z.B. für Startrampe 80er-Jahre-Bretter zu covern, die es mit unter auch in ihre Livesets geschafft haben, ein Feature mit OK KID aufzunehmen, der Indie-Welt den Kopf zu verdrehen, unzählige Support-Shows zu spielen und auf Headline-Tour zu gehen. Paula Carolina sitzt eindeutig auf dem wohl steilsten aufsteigenden Ast, den wir dieses Jahr gesehen haben. Mit einer bereits angekündigten zweiten Tourrutsche 2024 (und einem Debütalbum?) im Nacken und ihrer herrlich unvoreingenommenen und wilden Attitüde wird sie es im nächsten Jahr sicher schaffen, auch die letzten Musikfans von sich zu überzeugen. Wir sind es bereits, ihr wahrscheinlich auch, umso spannender wird es, diese junge Künstlerin dabei zu beobachten, wie sie immer weiter wächst. Ein bisschen, wie einst die Blumen in Gerlindes Garten…
ENGIN
Die Band, die wir euch für 2024 auf jeden Fall mitgeben wollen, ist ENGIN. Auf unserem Radar sind die Mannheimer seit knapp zwei Jahren, und gerade deshalb ist es für uns umso aufregender, sie jetzt klar und deutlich breaken zu sehen. Im Mai diesen Jahres haben sie ihr astreines Indie-Rock Debütalbum “NACHT” veröffentlicht und fast zeitgleich konnten sie beobachten, wie ihre Followerschaft von 7.000 auf mittlerweile über 119.000 gewachsen ist. Der Sprung war groß und doch organisch – denn der Punkt, den sie mit ihrer Musik treffen, hat nur darauf gewartet, endlich getroffen zu werden. ENGIN machen nämlich nicht nur deutschsprachigen Indie-Rock, sondern lassen ihre eigenen türkischen Wurzeln und Einflüsse mit reinspielen. Und das, was da rauskommt, das kann nur ganz groß werden! Anhand von wöchentlichen Cover auf Instagram und TikTok bringen sie uns die türkische Musikwelt näher und andersrum den deutschen Indie in die türkischen Communities – das ist genauso wholesome wie es sich anhört. Aktuell auf Support-Tour für Von Wegen Lisbeth kommen sie im Frühjahr 2024 mit einer eigenen Tour und neuer Musik im Gepäck. Wir garantieren euch, dass sie sich einmal durch unsere Bubble und somit auch durch eure Playlists und liebsten Festivals wirbeln werden. Seid ihr dafür bereit?
Soft Loft
Das Debütalbum der Band mit dem so schön über die Lippen gehenden Namen Soft Loft heißt “The Party And The Mess” und hätte es in Annas Top 10 Alben 2023-Liste geschafft, wäre es denn dieses Jahr schon erschienen. Der vorbemusterte Soundcloud-Link des Albums zeigt aber, dass sobald es im März 2024 erscheint, sich der Konjunktiv verabschiedet und das Album viele Top-Jahreslisten beeinflussen wird. Wieso? Weil wir einfach selten so ein überzeugendes Debüt gehört haben! Es erinnert stark an den sanften Indie-Pop von Daughter und dabei existiert die Band um Sängerin Jorina Stamm erst seit knapp zwei Jahren. Ihr habt sie dieses Jahr vielleicht schon auf ein oder zwei Festivals das erste Mal erleben können oder die Debüt-EP “In Case You Still Get Lonely„ und die ersten Singles des Albums in euren Playlisten. Falls nicht: Jetzt ist der Zeitpunkt! Auch wenn ihr euch erst im März in voller Länge davon überzeugen könnt, nehmt uns beim Wort, denn wir könnten verliebter nicht sein. Zwischen wunderschöner Herbstmelancholie und rosigen Sommermelodien machen sich Soft Loft in unseren Herzen breit und werden 2024 ganz sicher weiter wachsen.
Ottolien
Ebenfalls (gar nicht mehr so) geheime Favoriten unserer Redaktion, und zwar seit ihrer Stunde Null, sind Ottolien, die ihr daher bei uns auch schon das ein oder andere Mal entdeckt haben könntet. Die beiden Brüder Leo und Jonas machen seit ihrer Kindheit gemeinsam Musik. Ehrliche Texte mit fast poetischen Anmutungen und ihr Sound durch den Mix aus Leos weicher Singer/Songwriter-Stimme und Jonas’ Rap-Parts, den man in deutschen Songs so eher selten findet, machen ihren Sound aus. Nach einigen Support-Shows und einem unfassbar guten Set beim KiezKultur Festival haben sie gerade ihre erste Headline-Tour zum im November erschienenen Debütalbum „Wir tun uns so gut weh“ beendet und damit so richtig bewiesen, dass Ottolien ihren festen Platz in der deutschsprachigen Indie-Szene im Dauermietvertrag absolut verdient haben. Wir möchten an dieser Stelle besonders ausdrücklich darauf hinweisen, dass wir von der Weiterentwicklung der beiden, sowohl was ihren Sound als auch ihr musikalisches Standing angeht, extrem angetan sind. Wir sind deshalb auch der festen Überzeugung: Wer bei den Songs des Brüder-Duos nicht Gänsehaut bekommt, hört einfach nur nicht richtig zu!
Apsilon
2022 ist Apsilon mit seiner Debüt-EP „Gast“ und rund 3.000 Follower*innen auf Instagram in das Jahr gestartet. Zwei weitere EPs, „32 Zähne“ und „Blei“, und unzählige Singles später hat der Moabiter Rapper mit über 40k Instagram-Fans mehr als nur einen Fuß in die Deutsche Rapszene gesetzt. Zielstrebig klettert der Artist mit regelmäßigem Output die Erfolgsleiter höher. Dabei drückt er immer wieder auf erschütternden Beats den Finger in die politisch-gesellschaftlichen Wunden, die ganz besonders doll wehtun. Im letzten Jahr ist zudem die verletzliche Seite des Künstlers zunehmend hervorgetreten. Die Krönung ist die aktuelle Single “Baba”, die uns besonders in der Live-Umsetzung mit dem Rundfunk Tanzorchester Ehrenfeld ein paar salzige Tropfen über die Wangen rutschen lässt. Wir schließen uns dem Trend an: Vom Indie-Rapper wird sich Apsilon im nächsten Jahr zum Feuilleton-Liebling und anschließend zu einer festen Deutschrap-Größe entwickeln. You better watch out, Apsilon is comin’ to town!
Remote Bondage
Wer Paula Carolina schon vor unserer Liste auf dem Radar hatte, kennt vielleicht auch Remote Bondage. Die Band, die es erst seit einem unglaublichen Jahr gibt, war als Support auf Paula Carolinas Tour mit dabei, hat u.a. das KiezKultur Festival und die Fusion aufgewirbelt, und ist mehr als ready, diese Live-Statistiken in 2024 massiv auszubauen. Denn wenn wir was wissen, dann ist es, dass feministischer Punk-Pop on the rise ist! Und das freut uns wahnsinnig, denn das heißt, dass wir nächstes Jahr zu Songs wie “Vulvarine” tanzen und Lines wie “Meine Clit ist kein Rubbellos, das hier ist kein Glückslos” laut durch die Clubs schreien werden. Wird auch Zeit, dass mit “schambehafteten” Themen und der Utopie des Patriarchats mal ordentlich abgerechnet wird. Remote Bondage werden genau das machen! Die Songs stehen in der Pipeline, die fünf Bandmitglieder (“drei Sängerinnen, eine Bassistin und ein reizender Drummer”) sind ready und wir sind es auch. Let’s smash the patriarchy, oder?
SERPENTIN
Ebenfalls eine ganz heiße Kandidatin dafür, ihrer Karriere im Jahr 2024 die nächste Kirsche aufzusetzen, ist Serpentin. Mit Songs wie “Schrammen” oder “Herz geklaut”, die im November 2023 in ihrer zweiten EP “Atta” mündeten, hat sie uns in diesem Jahr den ein oder anderen langwierigen Ohrwurm beschert. Außerdem konnten wir sie auf den Festivalbühnen des Landes oder als Support von z.B. Mia Morgan live erleben – oder eben auf ihrer ersten eigenen Tour, die ihr Finale am 15.12.2023 in Hannover haben wird. Sie hat sich in 2023 noch tiefer in die Herzen ihrer Fans gespielt und dabei auch die abgeholt, die sie noch gar nicht auf dem Schirm hatten. Und das mit ihrem einzigartigen Sound und Texten, die sowas von straight aus ihrem Herzen kommen, dass es selbst für Außenstehende und -hörende manchmal wehtut. Wir sind gespannt, was das Jahr 2024 für Serpentin bereithält, sind uns aber sicher, hier einer kleinen süßen Raupe dabei zuzusehen, wie sie immer mehr zu einem bunten Schmetterling wird.
Blumengarten
Folgende Band hätte sicherlich letztes Jahr schon ihren Platz in unserem artists to watch-Format verdient, denn 2023 war definitiv ihr Durchbruch. Features mit Cro, Goldroger, Betterov und Paula Hartmann zeigen, das scheint die neue Lieblingsband eurer Lieblingsbands zu sein! Aber das ist auch kein Wunder, denn sobald die Stimme von Rayan Djima ertönt, ist es um alle geschehen, die ihr lauschen dürfen. Erst 2021 gegründet, sind Blumengarten nun auf ihrem Steilweg nach oben, spielen während wir das hier schreiben ihre erste große Headline-Tour und werden nächstes Jahr sicherlich eine große Festival-Tour ranhängen. Ebenfalls erst vor einigen Tagen erschienen ist ihr Debütalbum “schönheit die in schmerzen liegt” und auch das können wir stärkstens empfehlen. Produzent Sammy weiß genau, welcher Sound unsere für immer melancholische Indie-Pop Herzen regt, und Sänger Rayan wie er seine Worte genau dortrein stehlen lassen kann, wo’s wehtut. Und wenn im Schmerz wirklich die Schönheit liegt, dann wollen wir das auch 2024 spüren.
Larasüß
Mit ebenfalls offenem Mund haben wir in diesem Jahr dem Kickstart von Larasüß zugeschaut. Erst vor etwas mehr als einem Jahr fing sie an, ihre selbstproduzierten Songs aus ihrem Zimmer heraus zu veröffentlichen und hat mit Songs wie „Geister“ vom Fleck weg für große Augen in der NNDW-Bubble gesorgt. Schon in diesem Jahr hat sie als so frische Newcomerin unfassbar viel live gespielt und ist Teil der von Modular ins Leben gerufenen FLINTA-Konzertreihe Bande, die wir sehr lieben und immer gerne unterstützen. Wir sind aber auch unfassbar stolz, dass Lara bis jetzt Teil unserer untoldency-Redaktion war, ihren Fokus 2024 aber noch mehr auf das Projekt Larasüß legen wird. Das ist für uns auf der einen Seite super traurig, aber auf der anderen Seite freuen wir uns natürlich auch, sie im nächsten Jahr voller Tatendrang und Liebe weiter zu supporten. Einige Live-Termine sind schon announced, da werden aber sicherlich noch mehr dazu kommen. Wir freuen uns dann schon, mit euch gemeinsam in der ersten Reihe zu tanzen. Und auf neue Musik können wir uns ganz bestimmt auch freuen. (P.S. Danke für die schöne Zeit, Lara. Wir haben dich sehr lieb!)
Berq
“berqmitq”, wie sein Insta-Handle lautet, bildet den Abschluss unserer Artists, die wir euch für 2024 empfehlen wollen, und ist dementsprechend auch eine perfekte Empfehlung on-the-go. Gerade mal 18 Jahre jung und frisch mit Abi im Gepäck, kam er aus dem Nichts, spielte Supportshows für Schmyt und Paula Hartmann und veröffentlichte Songs, die auch uns völlig baff vor so viel jungem Talent stehen lassen haben. Felix Dautzenberg, wie Berq mit vollem Namen heißt, beweist mal wieder, wie weit man kommen kann, wenn man an sich selbst und seine Musik festhält. Denn, ob man es glaubt oder nicht, fehlte ihm anfangs der Support seines Umfelds und er musste lange mit sich hadern, um auf seinen produzierten Songs selbst zu singen und das aufzunehmen. Als er einige Woche später dann seine erste und direkt viral gehende Single “Echo” veröffentlicht hat, war klar: das hier wird groß! Minimalistisch, emotional, ehrlich und mit einer Stimme, die für kribbelnde Gänsehaut sorgt, ist Berq für uns einer der Künstler*innen, die 2024 einen weiteren Kickstart ihrer Karriere erleben werden. Und wenn wir mit Ende 20 (*hust*) schon so davon überzeugt und inspiriert sind, dann können wir nur mutmaßen was für einen Hype das für die jungen Musikverliebten da draußen auslösen wird.
Das war’s, unsere artists to watch 2024 sind komplett! Wir freuen uns, wenn ihr sie alle mal auscheckt, euren Freund*innen weiterempfehlt, sie bei ihren Konzerten besucht und auf ihrem musikalischen Weg begleitet! In einem Jahr treffen wir uns dann wieder hier, in diesem Google Doc, und schauen mal, wie richtig wir lagen. Bis dahin, viel Spaß in 2024 mit Paula Carolina, ENGIN, Soft Loft, Ottolien, Apsilon, Remote Bondage, SERPENTIN, Larasüß, Blumengarten und Berq <3
Hier geht’s zur Playlist mit direkten Reinhör-Empfehlungen für alle Artists:
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Fotocredits: Paula Carolina: Eric Joel Nagel / ENGIN: Yasmin-Sara Ergen / Soft Loft: Jan Winiger / Ottolien: Christian Bardenhorst / Apsilon: Sina Lesnik / Remote Bondage: Anna Gutmacher / SERPENTIN: Paula Tauber / Larasüß: Dascha Krieger / Blumengarten : @aussortiertarchiv / Berq: Tim Dubbeld
„Eine Angststörung besteht, wenn Angstreaktionen in eigentlich ungefährlichen Situationen auftreten. Die Angst steht in keinem angemessenen Verhältnis zur tatsächlichen Bedrohung. Betroffene erleben die Angst dennoch psychisch und körperlich sehr intensiv.“
Dies ist nicht nur die erste Definition des Begriffs „Angststörung„, wenn man ihn bei Google eingibt, sondern auch die eindrückliche Eröffnung des Anfang November erschienen Albums Müde. Mit Rock, Punk und Grungeschaffen es die Wiener Leftovers, das Gefühl der Teenage-Angst auf eine unglaublich intensive und aktuelle Art und Weise zu verarbeiten und neu zu interpretieren. Wobei sie das Gefühl nicht nur verarbeitet, sondern eher durchgekaut und uns Mitten in’s Gesicht ausgespuckt haben, sodass wir uns am Ende auch noch dafür bedanken. Das Album ist hart, roh, dunkel und ehrlicher, als die meisten deutschsprachigen Rockbands es wagen zu versuchen.
Müde fängt die verschiedensten Tiefen und die treibenden Kräfte der Adoleszenz ein. Und das nicht nur durch ihre eindringlichen, bildlichen Texte, sondern auch durch die musikalische Wucht, vor der man weder weglaufen, noch sich verstecken kann. Das Album schubst seine Hörer:innen durch tiefe Wunden und Schmerzen, rebellierende Hoffnungslosigkeit und sehnliches Verlangen. „Es tut weh und dabei weiß ich nicht mal was“, damit verpacken die vier Anfang 20-jährigen Wiener*innen den Drang danach ein „Mehr“ zu finden in ein Album, das wie ein nächtlicher Begleiter fungiert. Die Frage nach der Sinnlosigkeit des Lebens und dem Überleben zwischen den Massen der Großstadt ziehen sich wie ein roter Faden durch die Tracks hindurch. Obwohl so viel Angst in den Songs steckt, schreien die Leftovers diese wenigstens selbstsicher und leidenschaftlich heraus.
Das Album schaut mit müden Augen und Außenseiter-Attitüde zu, wie der Rest der Masse sein Leben irgendwie zu bewältigen scheint. Kalte Luft, dunkle Gassen im grellen Laternenlicht, Lederjacken, Zigaretten, billiges Bier und wirre Gedanken, es bilden sich eigenständig klare Bilder einer vermittelten Stimmung. Zudem regt jeder Track des Albums das „Main Character-Syndrome„ an, als wäre man der Hauptdarsteller:in in einem Melancholie geprägtem Film. Songs wie Gegen die Wand könnten ohne Zweifel über einer Skins UK Folge laufen und das Gefühl des schmerzvollen Erwachsenwerdens passend genauso dramatisch und aufrichtig zugleich untermalen, wie das Gefühl der Serie, die eine ganze Generation prägte.
Dabei ist es kaum zu glauben, dass zwischen ihrem Album Krach und dem jetzigen Müde nur ein Jahr liegt. Die Band scheint in diesem Jahr ein Gefühl für Konzepte und eine genaue Vorstellung davon entwickelt zu haben, was sie sie eigentlich musikalisch tun wollen. Denn obwohl Müde ebenso gewaltig und ehrlich klingt wie sein Vorgänger, merkt man die deutliche Steigerung und Ausarbeitung besonders musikalisch. Währenddessen schafft die Band es, dass man ihnen zu keinem Zeitpunkt vorwerfen würde, ihre DIY-Punk-Art nur aufgesetzt zu haben.
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Tracks wie System und Fick Dich beanspruchen Energie und ziehen Hörer:innen in den gedanklichen Moshpit rein, während Tracks wie Bellen und Du schmeckst so gut an der zu verzweifelnden Melancholie zehren und 15. Bezirk die Untergrund-Anti-Hymne Wiens bildet. Man gewöhnt sich in der bestmöglichen Weise schnell daran, sich von Sänger Leonid anschreien zu lassen. Aber auch Anna, die auf Ohne Dich und du bist schon tot bevor du lebst tiefe Emotionen und ungeklärte Fragen besingt, steuert dem Album eine Menge Frische bei. Alle vier Bandmitglieder schreiben, spielen, singen und sind gemeinsam präsent. Ihr Auftreten erinnert ebenfalls an eine besondere Gang in einem Misfits-Coming of Age-Film. Jeder Song auf dem Album erzählt eine Momentaufnahme einer tragischen Geschichte – oder doch eher bloß des Alltags? Gemeinsam ergeben sie ein Ganzes, das so gut zusammenpasst und organisch harmoniert, wie es gleichzeitig Bauchschmerzen bereitet.
Punkrock ist definitiv nicht tot und hier wird er nicht einfach wiederbelebt, sondern als Hommage genutzt, aber in eine erschreckend zeitgemäße, selbstfunktionierende Version verpackt. Das Album ist weder anständig, noch brav, noch anpassungsfähig, dennoch etablierte sich die Band in der deutschsprachigen Indieszene. So betrachtet sehen die vier Leftovers aus wie Punks und verhalten sich wie Punks. Sie ziehen ihr schweres Ding durch den dichten Dschungel der Indie-Pop und Techno-Rap Tracks durch, ohne sich auch nur einen Millimeter zu verbeugen. Daher scheint es ihnen vollkommen egal zu sein, dass laute Gitarrenmusik nicht im Trend liegt und bauen etwas auf, das gerade nur wenig in der deutschsprachigen Musiklandschaft vertreten ist. In einer Ära, in der viele Künstler:innen dem Ruf der deutschen Hauptstadt folgen, bleiben Leftovers nicht nur ihrer Attitüde, sondern auch ihrer Heimatstadt treu: „Ich steh auf Saufen, nicht auf Ziehn‘ / Ich komm aus Wien und nicht Berlin / Fick dich!“
Ich bin mir nicht mal sicher, ob sich Müde mehr nach einemFiebertraum oder mehr nach brutaler Realität anfühlt. Wahrscheinlich ist genau diese schwammige Grenze der präzise getroffene Ausgangspunkt. So oder so, begleitet es mich durch meine verwirrendsten Gedankengänge und gibt diesen einen eigenen Raum um zu existieren und laut zu sein. Somit haben sich die Leftovers auf den Platz meines Lieblingsalbums des Jahres durchgekämpft.
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MELLER lässt die Temperatur jetzt schon in die Minusgrade sinken. Eine Kälte, die wir gerne immer und immer wieder on repeat erleben wollen. Gleich mit ihrem ersten Song beweist die Newcomerin ihren Sinn für musikalische Moderne, textliche Präzision und ein Talent, die bittere Wahrheit in Poesie zu verpacken.
„draußen fällt der erste Schnee“
Aufgewachsen in Hamburg, erwachsen geworden in Berlin. Musik und Ideen für Texte begleiten sie immer und sammeln sich in Sprachnotizen auf dem Handy. Ihre frühe Faszination für Worte entdecken wir sofort in den harten Texten, die schön unverschönt realistisch sind. So entsteht auch „WINTER“, der Soundtrack einer ehrlichen Autofahrt, die uns durch die nächtliche Großstadt führt.
Bereits auf Instagram und TikTok trifft „WINTER“ auf Anklang und wird mit vorfreudigen Kommentaren überschüttet. MELLER trifft einen Nerv bei allen, die den Sommer und ihre warme Komfortzone verlassen haben. Auch nicht zu Unrecht weist die Musikerin darauf hin, dass in ihrer Musik Einflüsse von Paula Hartmann und Schmyt zu finden sind. Nacht-Ästhetik und Hip-Hop Elemente gemischt mit kalten Klängen und tiefen Bässen, könnte man sie dort im Dark Pop einordnen. Die Bässe gemischt mit einer großzügigen Prise Verzweiflung laden ein, die Lautstärke auf Maximum zudrehen.
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In ihrer Debütsingle beschreibt MELLER das Ende einer Beziehung. Die letzten Worte und Nicht-Worte bevor die Trennung endgültig ist. Die Szenerie beschreit zwei Menschen in einem Umzugs-Sprinter. Die Beziehung liegt in Scherben, die Wahrheit brennt im Hals und kommt endlich heraus. Bei der Jagd nach einer Lösung dreht man sich doch nur im Kreis, obwohl man weiß, dass in jedem Szenario das Ende vorprogrammiert ist.
Danach das brennende Gefühl, dass man etwas retten müsste, aber es bleibt still. Schockstarre, man kann seine „Lippen nicht bewegen“, das Ausgesprochene nicht mehr verschönern. Ungefiltert und ehrlich endet in diesen 3:11 Minuten eine lange Beziehung und die gefühlte Ewigkeit des Trennungsgespräch.
„Der kälteste Winter meines Lebens“ und dann…
Wir sind gespannt, was wir zukünftig von MELLER hören werden! Wir sind uns sicher, dass wir hier eure neue Lieblingskünstlerin entdeckt haben : ) Ein kleiner Vorgeschmack auf weitere Musik verspricht einiges. MELLER bleibt dem Sound ihrer ersten Single treu und definiert ihre Ästhetik weiterhin mit düsteren Klangwänden und tiefen Beats.
Bis dahin, hört hier in MELLERs Debüt rein:
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Levin Liam ist noch! der „most underrated“ Artist der aktuellen Stunde. Doch die Anzeichen verdichten sich, dass dieser Stern ganz bald ganz groß über unseren Köpfen glitzern wird. Ein Feature mit Trettmann, ein angefragtes Feature von Mark Forster und die aktuelle Zusammenarbeit mit dem größten deutschen Produzenten Duo Miksu & Macloud beweisen das. Doch bevor wir über das aktuelle Projekt „neue Ufer“ sprechen, fangen wir weiter vorne bei der EP an, die Levin Liam rasant in mein nicht ganz leicht zu erreichendes Musikherz schoss.
„Vergiss mich nicht zu schnell“ heißt die 2022 erschienene EP des in Hamburg wohnenden Rappers, Sängers und Produzenten. Nach einigen englischsprachigen Singles unter dem Künstlernamen Liam Levin erscheinen 2022 die ersten Tracks auf Deutsch. Dieses Mal als Levin Liam. „Keine Geduld“, „Heim“ oder „Ich Hab Dich“ zeigen bereits sein Potenzial für besondere Momente. So richtig tief in den emotionalen Nerv stechen allerdings erst die Singles der zuvor genannten EP. „gleich“ ist so unfassbar gefühlvoll, dass die Lobeshymne in Form eines eigenen Absatzes kommt.
In Wellen rauscht das Intro von „gleich“ langsam in die Ohren, ehe die leicht schüchterne, leicht zerbrechliche Stimme Levin Liams die ersten Zeilen nuschelt:
„Ich guck’ dir von weitem zu und seh‘ du machst Fortschritt Und ich frag mich wie es wohl ist, wenn du fort bist“
Diese Wortes sind ebenso schön wie clever, denn sie sind die inhaltliche Essenz, um die der gesamte Song kreist. Mit dem Pre-Chorus wird die Stimme bestimmter und die Position des lyrischen Ichs klarer:
„Ich will dir mehr von den Lichtern zeigen Ich will, dass wir für immer so nüchtern bleiben Sag mir, dass du niemals an den Lichtern zweifelst Und wir beide zusammen Geschichte schreiben“
Eine vielsagende Kunstpause bis der Refrain langsam warmes Wasser über unsere verspannten Rücken laufen lässt. Die hauchzarte Stimme singt in einen großen Raum voll Intimität ohne nach mehr als einem zurückhaltenden Klavier zu verlangen. Und doch ebnen sich die Background Vocals ebenso wie der im zweiten Teil des Refrains einsetzende Beat unaufdringlich ein. Es ist wirklich ganz große Kunst wie der Song sich im weiteren Verlauf um den Gesang und das Klavier herum entwickelt. Jedes Element wirkt authentisch und organisch, obwohl der Song auch ganz minimalistisch die volle Gefühlswelt entfalten würde.
Während „gleich“ zusammen mit „outro (wenn du hier bist)“ die EP einfühlsam schließen, leitet „intro (vergiss mich nicht zu schnell)“ das Projekt bittersüß ein. Ein gefiltertes Sample, eine Gitarre und seichte Keys leiten unsere sensiblen Öhrchen sanft in den 1:34 Minuten langen Einstieg der Platte, der lyrisch direkt seinen vollen Zauber entfaltet. Authentisch einfache Worte beschreiben bekannte Bilder und Gefühle, während dumpfe Klänge beruhigend die Stimme umarmen und jeden Teil unserer jemals verletzten Seele trösten.
„Ich glaub, du kennst mich mittlerweile Ich kann lieben, dass es einen überrollt Und ich glaub, ich mach da manchmal fehler bei Weil ich denk, das kommt alles schon wies soll Ich war nie der typ, der sich viel prügelt und das weisst du auch Doch für dich nehm ich nen mittelgrossen streit in kauf“
Auf „finde mich“ säuselt Levin Liam hauchdünn über einen Beat nach Spezialrezept. Warme analoge Keys, ein gefiltertes Sample, dumpfe sphärische Sounds, organische Drums, summende Backing Vocals und das Essen ist angerichtet. Produzent Cato macht erneut alles richtig dabei Levin Liams charakteristische Stimme nuanciert herauszuarbeiten und Bildern wie „Ich rede viel, doch denke zehn mal so viel mindestens“ oder „Wer nicht im Stau stehen will, der darf auch nicht ins Auto steigen“ Farbe zu verleihen.
Mein Highlight ist Lied sieben: „graues papier“. Das gedämpfte Klavier pulsiert erwartungsvoll, ehe unsere neue Lieblingsstimme die Gedanken auf dem grauen Papier mit uns teilt. Der Track ebnet sich stilvoll ein in die Klangästhetik der EP und überrascht mit einer Jersey Kick, die seit Lil Uzi Verts „I Just Wanna Rock“ auf jedem deutschen und amerikanischen Hip Hop Album mindestens 3 Mal auftaucht. Die größere und spannendere Überraschung ist dann aber der Beat Switch, der den Song in gesteigertem Tempo in einen Sad Club Banger verwandelt. Cato beweist, dass er gefühlvolle Atmosphäre genauso gut kann wie tanzbare Club Hits.
Levin Liam und Cato treten auf „Vergiss mich nicht zu schnell“ in eine besondere Synergie, die die Stärken beider glänzen lässt. Der größte Schwachpunkt dieses Projekt ist, dass es nur knapp 25 Minuten lang ist. Die Stimmungen jedoch sind unbeschreiblich und bedingungslos schön. Während Levin Liam stimmlich wie textlich sein volles Potenzial ausschöpft, gilt gleiches für die durchdachten und treffsicheren Produktionen Catos.
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Resultat dieser fruchtvollen Zusammenarbeit ist die kürzlich erschienene EP „neue Ufer“ mit Produzenten-Team Miksu & Macloud. Insbesondere die Singles „Mann vom Fach“ und „so. k.o.“ featuring Jeremias beweisen Levin Liams Gespür für eingängige Melodien und lyrische Bilder, während Miksu & Macloud sich selbst und der Welt beweisen auch mit Indie-Produktionen den Zeitgeist des deutschen Hop Hops zu treffen. Das Duo hat sich einen Status erarbeitet, der ihnen musikalische Flexibilität erlaubt. Profiteure sind spannende upcoming Artists wie Levin Liam, dessen Stimme bald die Playlisten, das Radio und alle Festivals prägen wird.
Gradmesser Levin Liams Entwicklung wird für mich dennoch immer „vergiss mich nicht zu schnell“ bleiben. Durch den musikalischen Feinschliff Catos erschafft der vielseitige Künstler schöne Geschichten mit viel Raum für eigene Gedanken.
Vergesst diese EP nicht zu schnell!
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