MELLER lässt die Temperatur jetzt schon in die Minusgrade sinken. Eine Kälte, die wir gerne immer und immer wieder on repeat erleben wollen. Gleich mit ihrem ersten Song beweist die Newcomerin ihren Sinn für musikalische Moderne, textliche Präzision und ein Talent, die bittere Wahrheit in Poesie zu verpacken.
„draußen fällt der erste Schnee“
Aufgewachsen in Hamburg, erwachsen geworden in Berlin. Musik und Ideen für Texte begleiten sie immer und sammeln sich in Sprachnotizen auf dem Handy. Ihre frühe Faszination für Worte entdecken wir sofort in den harten Texten, die schön unverschönt realistisch sind. So entsteht auch „WINTER“, der Soundtrack einer ehrlichen Autofahrt, die uns durch die nächtliche Großstadt führt.
Bereits auf Instagram und TikTok trifft „WINTER“ auf Anklang und wird mit vorfreudigen Kommentaren überschüttet. MELLER trifft einen Nerv bei allen, die den Sommer und ihre warme Komfortzone verlassen haben. Auch nicht zu Unrecht weist die Musikerin darauf hin, dass in ihrer Musik Einflüsse von Paula Hartmann und Schmyt zu finden sind. Nacht-Ästhetik und Hip-Hop Elemente gemischt mit kalten Klängen und tiefen Bässen, könnte man sie dort im Dark Pop einordnen. Die Bässe gemischt mit einer großzügigen Prise Verzweiflung laden ein, die Lautstärke auf Maximum zudrehen.
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In ihrer Debütsingle beschreibt MELLER das Ende einer Beziehung. Die letzten Worte und Nicht-Worte bevor die Trennung endgültig ist. Die Szenerie beschreit zwei Menschen in einem Umzugs-Sprinter. Die Beziehung liegt in Scherben, die Wahrheit brennt im Hals und kommt endlich heraus. Bei der Jagd nach einer Lösung dreht man sich doch nur im Kreis, obwohl man weiß, dass in jedem Szenario das Ende vorprogrammiert ist.
Danach das brennende Gefühl, dass man etwas retten müsste, aber es bleibt still. Schockstarre, man kann seine „Lippen nicht bewegen“, das Ausgesprochene nicht mehr verschönern. Ungefiltert und ehrlich endet in diesen 3:11 Minuten eine lange Beziehung und die gefühlte Ewigkeit des Trennungsgespräch.
„Der kälteste Winter meines Lebens“ und dann…
Wir sind gespannt, was wir zukünftig von MELLER hören werden! Wir sind uns sicher, dass wir hier eure neue Lieblingskünstlerin entdeckt haben : ) Ein kleiner Vorgeschmack auf weitere Musik verspricht einiges. MELLER bleibt dem Sound ihrer ersten Single treu und definiert ihre Ästhetik weiterhin mit düsteren Klangwänden und tiefen Beats.
Bis dahin, hört hier in MELLERs Debüt rein:
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Levin Liam ist noch! der „most underrated“ Artist der aktuellen Stunde. Doch die Anzeichen verdichten sich, dass dieser Stern ganz bald ganz groß über unseren Köpfen glitzern wird. Ein Feature mit Trettmann, ein angefragtes Feature von Mark Forster und die aktuelle Zusammenarbeit mit dem größten deutschen Produzenten Duo Miksu & Macloud beweisen das. Doch bevor wir über das aktuelle Projekt „neue Ufer“ sprechen, fangen wir weiter vorne bei der EP an, die Levin Liam rasant in mein nicht ganz leicht zu erreichendes Musikherz schoss.
„Vergiss mich nicht zu schnell“ heißt die 2022 erschienene EP des in Hamburg wohnenden Rappers, Sängers und Produzenten. Nach einigen englischsprachigen Singles unter dem Künstlernamen Liam Levin erscheinen 2022 die ersten Tracks auf Deutsch. Dieses Mal als Levin Liam. „Keine Geduld“, „Heim“ oder „Ich Hab Dich“ zeigen bereits sein Potenzial für besondere Momente. So richtig tief in den emotionalen Nerv stechen allerdings erst die Singles der zuvor genannten EP. „gleich“ ist so unfassbar gefühlvoll, dass die Lobeshymne in Form eines eigenen Absatzes kommt.
In Wellen rauscht das Intro von „gleich“ langsam in die Ohren, ehe die leicht schüchterne, leicht zerbrechliche Stimme Levin Liams die ersten Zeilen nuschelt:
„Ich guck’ dir von weitem zu und seh‘ du machst Fortschritt Und ich frag mich wie es wohl ist, wenn du fort bist“
Diese Wortes sind ebenso schön wie clever, denn sie sind die inhaltliche Essenz, um die der gesamte Song kreist. Mit dem Pre-Chorus wird die Stimme bestimmter und die Position des lyrischen Ichs klarer:
„Ich will dir mehr von den Lichtern zeigen Ich will, dass wir für immer so nüchtern bleiben Sag mir, dass du niemals an den Lichtern zweifelst Und wir beide zusammen Geschichte schreiben“
Eine vielsagende Kunstpause bis der Refrain langsam warmes Wasser über unsere verspannten Rücken laufen lässt. Die hauchzarte Stimme singt in einen großen Raum voll Intimität ohne nach mehr als einem zurückhaltenden Klavier zu verlangen. Und doch ebnen sich die Background Vocals ebenso wie der im zweiten Teil des Refrains einsetzende Beat unaufdringlich ein. Es ist wirklich ganz große Kunst wie der Song sich im weiteren Verlauf um den Gesang und das Klavier herum entwickelt. Jedes Element wirkt authentisch und organisch, obwohl der Song auch ganz minimalistisch die volle Gefühlswelt entfalten würde.
Während „gleich“ zusammen mit „outro (wenn du hier bist)“ die EP einfühlsam schließen, leitet „intro (vergiss mich nicht zu schnell)“ das Projekt bittersüß ein. Ein gefiltertes Sample, eine Gitarre und seichte Keys leiten unsere sensiblen Öhrchen sanft in den 1:34 Minuten langen Einstieg der Platte, der lyrisch direkt seinen vollen Zauber entfaltet. Authentisch einfache Worte beschreiben bekannte Bilder und Gefühle, während dumpfe Klänge beruhigend die Stimme umarmen und jeden Teil unserer jemals verletzten Seele trösten.
„Ich glaub, du kennst mich mittlerweile Ich kann lieben, dass es einen überrollt Und ich glaub, ich mach da manchmal fehler bei Weil ich denk, das kommt alles schon wies soll Ich war nie der typ, der sich viel prügelt und das weisst du auch Doch für dich nehm ich nen mittelgrossen streit in kauf“
Auf „finde mich“ säuselt Levin Liam hauchdünn über einen Beat nach Spezialrezept. Warme analoge Keys, ein gefiltertes Sample, dumpfe sphärische Sounds, organische Drums, summende Backing Vocals und das Essen ist angerichtet. Produzent Cato macht erneut alles richtig dabei Levin Liams charakteristische Stimme nuanciert herauszuarbeiten und Bildern wie „Ich rede viel, doch denke zehn mal so viel mindestens“ oder „Wer nicht im Stau stehen will, der darf auch nicht ins Auto steigen“ Farbe zu verleihen.
Mein Highlight ist Lied sieben: „graues papier“. Das gedämpfte Klavier pulsiert erwartungsvoll, ehe unsere neue Lieblingsstimme die Gedanken auf dem grauen Papier mit uns teilt. Der Track ebnet sich stilvoll ein in die Klangästhetik der EP und überrascht mit einer Jersey Kick, die seit Lil Uzi Verts „I Just Wanna Rock“ auf jedem deutschen und amerikanischen Hip Hop Album mindestens 3 Mal auftaucht. Die größere und spannendere Überraschung ist dann aber der Beat Switch, der den Song in gesteigertem Tempo in einen Sad Club Banger verwandelt. Cato beweist, dass er gefühlvolle Atmosphäre genauso gut kann wie tanzbare Club Hits.
Levin Liam und Cato treten auf „Vergiss mich nicht zu schnell“ in eine besondere Synergie, die die Stärken beider glänzen lässt. Der größte Schwachpunkt dieses Projekt ist, dass es nur knapp 25 Minuten lang ist. Die Stimmungen jedoch sind unbeschreiblich und bedingungslos schön. Während Levin Liam stimmlich wie textlich sein volles Potenzial ausschöpft, gilt gleiches für die durchdachten und treffsicheren Produktionen Catos.
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Resultat dieser fruchtvollen Zusammenarbeit ist die kürzlich erschienene EP „neue Ufer“ mit Produzenten-Team Miksu & Macloud. Insbesondere die Singles „Mann vom Fach“ und „so. k.o.“ featuring Jeremias beweisen Levin Liams Gespür für eingängige Melodien und lyrische Bilder, während Miksu & Macloud sich selbst und der Welt beweisen auch mit Indie-Produktionen den Zeitgeist des deutschen Hop Hops zu treffen. Das Duo hat sich einen Status erarbeitet, der ihnen musikalische Flexibilität erlaubt. Profiteure sind spannende upcoming Artists wie Levin Liam, dessen Stimme bald die Playlisten, das Radio und alle Festivals prägen wird.
Gradmesser Levin Liams Entwicklung wird für mich dennoch immer „vergiss mich nicht zu schnell“ bleiben. Durch den musikalischen Feinschliff Catos erschafft der vielseitige Künstler schöne Geschichten mit viel Raum für eigene Gedanken.
Vergesst diese EP nicht zu schnell!
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Es gibt immer wieder Albumreleases, die nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die sie eigentlich verdienen. Nichts anderes als eine kleine Sensation ist das im Juni erschienene Album „WEICH“ des Wahlberliner Musikers Peat. Besser spät als nie, möchte ich euch jetzt davon berichten und dem Jahresrückblick ein Highlight aus 2023 vorziehen. Aber das ist noch nicht alles: Peat hat letzte Woche schon wieder eine neue Single veröffentlicht. Diese trägt den Titel „Der September ist noch nicht vorbei“. Außerdem geht er nächste Woche auf Tour.
Mitte Juni sitze ich im ICE nach Hamburg. Also – ich sitze, aber nicht auf einem Platz, sondern auf der Stufenkante der Schiebetür. Aus der Zugtoilette hustet es. Die Tür geht auf, ein Schwall kalter Rauch zieht in den Gang. Ein Kind schreit und tröstet sich mit einem braun gewordenen Apfelschnitz, der mutmaßliche Vater findet Trost in einem kräftigen Schluck aus seiner Bierflasche. So weit, so scheiße, scrolle ich durch meine Playlists – nichts. Nichts, was mich hier rausholen kann.
Dann finde ich Peat und sein vor ein paar Stunden releastes Album „WEICH“, ein purer Zufall. Es wird das erste von vielen Malen sein, dass ich beim Song „IRGENDWANN WIRD ALLES“ Play drücke und „AM ENDE“ noch so vieles nicht verstanden habe. Es sind vor allem die Texte, die mühelos die gesamte Aufmerksamkeit ihres Publikums aufsaugen. Sie sind so schonungslos und ehrlich, dass Weghören manchmal die gesündere Option für den Seelenfrieden zu sein scheint. Erwachsene Vernunft hat hier aber keine Chance. „WEICH“ ist das Chaos jugendlicher Gefühle, das Chaos des Internets der 2000er und die säuerliche Essenz dessen, was daran und darin damals unheimlich sein konnte.
Songs wie „MR. RATTENSAU“ oder „DER SCHRECKEN“ lassen uns die Coming-Of-Age-Episode des Lebens einerseits körperlich nachempfinden – bei den wirklich verstörenden Schilderungen andererseits nur als schockierte Gaffer zurück. Dabei ist auch auf „WEICH“ nicht alles apokalyptisch und dem Tode geweiht. Das Album hat nicht selten hoffnungsvolle Momente, wie im sehnsüchtigen Warten des Songs „ZURÜCK“ oder im letzten Stück „AM ENDE“ mit erfreulichen Aussichten: „Alles wird gut, solang‘ ich bei dir bin.“
Die Produktion der Platte ist außerdem bemerkenswert gut. Peat macht alles selbst. Sie ist vielschichtig, komplex und überrascht in nahezu jedem Track mit unerwarteten Wendungen. Akustische Drums und Balkan-Beats. Gitarrensoli und tiefe, sägende Synthesizer. Klavierballaden, ab und zu eine kleine Überdosis Autotune und über allem schwebt irgendwie „Where Is My Mind“ von den Pixies. Am Ende dieses Albums eine wirklich gute Frage.
Auf die WEICHe Tour
In der neu erschienenen Single „Der September ist noch nicht vorbei“, dass uns bei früherem Release vielleicht einige Green Day-Alben erspart hätte ;), resümiert Peat: „Ich hab‘ mich echt so gut ich kann abgemüht, doch bis hierhin war das Ganze ja nicht so gut.“ Naja, so bescheiden muss er nun wirklich nicht sein. „Der Oktober bringt mir nur Skelette“ könnte hingegen stimmen, wenn er sein Publikum auf den Oktober-Tourdates ordentlich grillt. Ich mache mich jedenfalls auf alles gefasst.
Zum Schluss möchte ich allen von Herzen empfehlen, diese Shows in Deutschland und Österreich zu besuchen. Da steckt viel Arbeit drin, die honoriert werden will.
Erwischen könnt ihr Peat und seine Crew hier:
17.10. Köln – MTC (mit Taby Pilgrim und Thizzy) 22.10. Hamburg – Häkken (mit Juno 030) 29.10. Wien – B72 (mit Taby Pilgrim) 02.11. Berlin – Schokoladen (mit PSASSA)
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kitsches, das sind Sängerin Mathea und Drummer Moritz, brachten Mitte August 2023 ihr zweites Album „brew“ heraus. Folgend auf das vor der Pandemie erschienene Debütalbum legen sie damit den passenden Soundtrack zur sich allmählich breitmachenden Jahreszeit nach. Dass das Duo die Musik im winzigen Homestudio aufnimmt, dürfte den einen oder die andere wundern. Denn es hört sich nach so viel mehr an.
Wie wärmende Strahlen durch wehendes Herbstlaub hindurch
So oder so ähnlich fühlt sich der gleichnamige Eröffner des Albums an. Dabei geht es um nichts Geringeres als das vakante Leben und die Frage nach einem Sinn dahinter. Beginnt die Musik vorerst verträumt und schwebend, so ändert sie schnell ihre Richtung und lässt alles eben noch gedanklich Niedergelassene aufstehen und zügig, dennoch präzise umherwandern. Der Song an sich gewinnt dadurch eine erhebliche musikalische Tiefe.
„I hold the line and brew me one more time“
Auch, wenn oder gerade, weil sich alles unfassbar schnell ändert, ist Zeit ein wertvolles Gut. An Vergänglichkeit erinnert eben nicht nur der Herbst mit seinem fallenden Laub, sondern auch dieser Song.
September
Dieser leichte Indie-Folksong fügt sich nicht nur durch seinen Titel „september“ passend in das Gesamtwerk ein. Auch musikalisch zeugt er einmal mehr von der musikalischen Qualität des Duos. Wie durch den Wind gepfiffene, wunderschöne Melodien werden durch Matheas sanftem Gesang gekonnt in das atmosphärisch warme Instrumental hineingearbeitet. Der Text dazu behandelt malerisch, wie lyrisch unverschlossen Erinnerung, Vergessenheit und das Wertschätzen von Dingen, die die eigene Person ausmachen.
Unruhige Nächte
Dass das Kreisen von Gedanken, Zweifeln und unbeantworteten Fragen einen nachts nicht schlafen lassen, können wahrscheinlich viele aus ihren eigenen Erfahrungen nachempfinden. Diese Spirale der Selbstsabotage wird in „attic“ thematisiert. Der Song wurde schon im vergangenen Jahr als Single vorab veröffentlicht.
„There are people in the attic and they only walk at night ‚cause they walk around on eggshells towards me“
„attic“ kommt zu dem Schluss, dass das Selbst die Ursache ist und umschreibt das nächtliche Phänomen mit Menschen, die zwar übervorsichtig, aber bestimmt auf dem Dachboden auf einen hinzuschleichen. Die Musik wirkt trefflich unruhig, nicht zur Ruhe kommend und trotzdem niedergeschlagen.
Über das Loslassen von Fehlern
Manchmal sind es zwischenmenschliche Begegnungen, die magisch in uns nachwirken. „eliose“ ist sogar viel mehr als das. Es geht um eine Bekannte, die über die Fehler redet, die sie im Leben gemacht hat und beschließt, über diese hinauszuwachsen. Sie zieht sich heraus und macht sich auf, wandert in die Natur und zieht weiter. „eloise“ ist dabei die perfekte Personifikation des Einfach-Loslassens und der Intuition des Verwirklichens eigener Träume. In dem Gewand von LoFi-Botiqueswing ist der Song wie gemacht für eben diese Zeit einer magischen Nachwirkung von Begegnungen.
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Das Musikvideo zu einer weiteren Singleauskopplung des Albums: „temporary“
Für Liebhaber von gemütlichem Indie-Folk, sanften Klängen, wunderschönen Melodien und tiefgründigen Texten ist das neue kitsches-Album der obligatorische Soundtrack für diesen Herbst. Die geeignete musikalische Untermalung eines Spaziergangs durch raschelndes Laub oder eines ruhigen Momentes zu warmem Tee, während draußen die Welt untergeht, ist „brew“ in jedem Fall.
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Ganz frisch erscheint heute die neue EP “Es geht wieder schief” des Duos Es brennt aus Berlin und Leipzig. So viel können wir verraten, hier hinter den Kulissen leckten sich besonders zwei Redakteur:innen die Finger danach: Anna und Lukas. Es passiert wirklich selten, dass sich mal zwei Reviews der gleichen Künstler:in bei uns überschneiden und mehr als eine Autor:in etwas dazu schreiben will. Und wenn, dann gibt eben der oder die Schwächere nach und überlässt dem Alpha-Tier den Vortritt. Doch in diesem Fall wollten wir beide nicht auf diese Review verzichten, deswegen machen wir es jetzt eben so wie jede andere anständige Löwenfamilie auch: Wir teilen unsere Beute. Wir schreiben sie zusammen.
Im Klartext heißt das übrigens: Das hier ist der heiße Scheiß. So heiß, dass wir nicht nur die Beute, sondern uns auch freiwillig um Arbeit reißen. Falls dir diese Art von Motivation bisher in deinem Leben gefehlt hat – kann dir diese EP allerdings auch nicht helfen. Sorry. Aber sie kann eine ganze Menge anderer Dinge. Let’s dive in.
Chaos im Kopf mit passendem Soundtrack
Unkoordiniert und durcheinander sind wohl nicht gerade die Adjektive, mit denen etwas schmeichelnd umschrieben wird. In diesem Falle sind sie allerdings durchweg positiv konnotiert. Wir alle mögen gefühlvolle Musik, richtig? Das heißt aber auch, dass sie im Hier und Jetzt entstehen muss. Starke Gefühle sind meist nicht sortiert und fein säuberlich beschriftet, sondern schwirren herum und lassen sich kaum fassen. Dieses Wirr-Warr unterlegt Es brennt mit Sound. Das Duo macht sich (so scheint es zumindest) zudem keinerlei Gedanken darüber, ihre Songs in eine bestimmte Nische packen zu müssen, geschweige denn ihre Texte und Sounds Normen anzupassen. Das Chaos in deinem Kopf wird es lieben – und in dieser Musik einen Verbündeten finden.
Kurzer biografischer Abriss: Mit “So naiv sind wir nicht” trat Es brennt im Mai 2022 auf die Bildfläche des deutschen Indie-Rocks. Der starke Text mit Lines wie “Wir sind eingesperrt, aber fangen lassen wir uns nicht” oder “im Zweifel eine Mauer, aber Krieg führen wir nicht” hat der Song uns direkt in seinen Bann gezogen.
Über Es brennt gab es damals noch kaum Infos. Gut sieben Monate später haben Sören Geißenhöner und Magnus Wichmann – die Gesichter hinter Es brennt – eine EP und vier neue Songs rausgebracht. Dazu Musikvideos und eine Menge ausdrucksstarker Texte. Ein deutsches Indie-Magazin beschreibt das Duo und ihre Musik als Anti-Pop. Finden wir passend, denn textlich geht es bei Es brennt irgendwie immer wieder um eine Art Anti-Haltung. Aber noch besser finden wir Edge-Pop, denn wo es bei Es brennt ein Hoch gibt, ist der Absturz in die Tiefe meist nicht weit entfernt (oder andersrum, falls ihr Optimisten seid!)
Das alles gibt’s nun auch auf der zweiten EP “Es geht wieder schief”, wie der Titel schon vermuten lässt. Jetzt, wo auch die letzten Sommertage noch einmal freundlich winken, bevor sie sich wie die Gänse in den Süden verpissen, kommt der Song „Schnee“ sehr gelegen. Eine Synth-Pop-Hymne, die sich durch die schwüle Sommerluft bewegt. Ein Text, der wie das Salz auf der Oberlippe einen irgendwie geilen, aber auch etwas bitteren Nachgeschmack hinterlässt. Es schmeckt nach Abschied, nach einseitigen Gefühlen – obwohl der erste Bissen so köstlich und verheißungsvoll war. Dazu der Sound, der uns in die Zeit zurückversetzt, als Bosse noch Bock hatte, tolle Songs zu schreiben. Und Sörens Stimme legt sich so zart über all das, dass sie bei einem etwas zu beherzten Ausatmen wie eine Pusteblume verwehen könnte.
„Egal wie sehr du mich magst Viel lieber hast du den Sommer Jeden Tag Alles vergeht Auch deine Schwäche für Schnee“
Es ist ein Spiel mit den Gegensätzen, so wie es die Protagonisten der Geschichte auch zu sein scheinen. Ein Verlangen nach mehr, das keiner der beiden erfüllen kann. Eine Spur zu viel für das, was die eigenen Träume uns vormachen. Und immer spielt der oder die Andere in einer ganz anderen Liga, augenscheinlich. Eingeständnisse von unerfüllten Erwartungen und Gefühlen, die im Endeffekt wohl doch wieder verletzt werden. “Kann mich bitte jemand kneifen?” – und trotzdem wacht niemand aus dem Traum auf. “Schnee” ist dabei kein Wecker. Es gibt kein Trara. Das Schlagzeug eher in den Hintergrund gedrängt, alles etwas schummrig und auch die ausufernden Einlagen von Sänger Sören, wie man sie aus Songs wie “Antidote” oder “so naiv sind wir nicht” kennt, bleiben aus. Aber das passt. Dann bleiben wir halt heute im Bett
“Kaputt”: Zwischen Weltverdruss und überzogener Selbstliebe
Da setzt der nächste Song direkt an, “Kaputt” rüttelt und schüttelt die Müdigkeit aus uns. Guten Morgen! Mit Schwung und voller Tatendrang führt der Track zurück aus der Gedankenwelt in die Gegenwart, die Realität. Das alles passiert schnell. Es gibt keine Zeit zu verlieren.
“Ich bin der Schurke meiner eigenen Geschichte Ich baue einen Damm für jeden Fluss, der meine Eitelkeit zu fluten versucht”
In den Miniaturen und Sinnbildern des Textes wird doch ziemlich schnell deutlich, was Sören uns da ins Ohr singen will: Du bist ein ganz schön selbstbezogenes ***. “Der Song beschreibt die Überheblichkeit des Menschen. Seine Unangepasstheit, im negativsten Sinne. Die Ausmaße seines unreflektierten Handelns und so weiter”, erklärt er selbst.
Ehrlich und ohne schöne Worte ausgeschmückt. Und je länger man darüber nachdenkt, desto mehr ist da diese Wut im Bauch: auf uns, auf die Menschheit, auf falsches Handeln und irgendwie auch ein bisschen auf die Politik und ihre Entscheidungen, die viele mit logischem Verstand einfach nicht nachvollziehen können.
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Apropos Wut: “Und nun steh ich da mit der Faust in der Tasche”
Betrachtet man die EP als eine Einheit, fällt “Und nun steh ich da mit der Faust in der Tasche” ein bisschen raus: Er kommt überraschend gut gelaunt daher. Wo ist die scharfe Kante, die Anti-Haltung? Natürlich trügt der Schein. Denn auch wenn der Sound etwas drüber klingt und einen Tick zu viel “Friede, Freude, Eierkuchen” anstimmt, hinkt der Text im Happiness-Level hinterher.
“Ich bin immer für dich da Wie ein Fels in der Brandung, Baby”
Ungewohnt cheesy für Es brennt, aber keine Sorge, es wird direkt hinterher geschoben:
“Völlig unterkühlt und durchnässt”
Achja, danke. Da ist sie wieder: Die ungeschönte Ehrlichkeit, die wir so lieben. Kurz schleicht sich das Gefühl ein, in einem schlechten Re-Make eines musikalischen Rosamunde Pilchers gelandet zu sein oder “The Power Of Love” von Huey Lewis noch einmal erfahren zu müssen. Doch da zieht uns Es brennt schon wieder raus aus dem Tagtraum. Tatsächlich ist der wohl poppigste Song dieser EP auch der gewöhnungsbedürftigste – das muss man auch erstmal schaffen.
Bevor wir jetzt zum letzten Song kommen, den wir euch hier vorstellen wollen, eine kurze Exkursion zum Bandnamen. „Es brennt“ – das ist wahrscheinlich so ein Satz, der SOFORT die gesamte Aufmerksamkeit im Raum erregt und auch die letzte Person ihre Kopfhörer aus den Ohren pulen lässt. Ähnlich wie „Ey, da ist ein Einhörnchen!“, nur dass der Satz nicht so gut zur Band passen würde. Und, ganz ehrlich, Es brennt live zu sehen, war literally ein flammendes Inferno (pun intended, sorry).
Zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein, das haben wohl alle Besucher*innen gefühlt, als sie vor zwei Wochen Es brennt auf dem Oben Air vor malerischer Weinbergkulisse live sahen. Was da genau passiert ist, ist schwer zu beschreiben, aber: Sie waren die letzte Band des Abends, es war lauwarm draußen und statt auf der Main-Stage zu spielen, haben die Veranstalter*innen ihnen einfach eine eigene Bühne gebaut, die sie, sorry nochmal, komplett angezündet haben.
Magnus hat mit seinem Drumset nur gerade so auf die Bühne gepasst und Sören tobte sich mit Mikrofon in der Crowd aus. Die Energie, die sie dort zusammen mit ihrem Publikum freigesetzt haben, hätte Deutschland auch die nächsten drei Winter noch ohne Gaslieferung versorgen können. Entweder die Kinnladen standen sperrangelweit offen oder wurden krampfhaft zugehalten, um sich im Moshpit nicht die Zunge abzubeißen. Dabei ist es doch echt schade, denn „Konzerte spielen wir selten und nur, was wirklich passt. Dafür dann aber halt so, wie du es erlebt hast…..1000000%”, schreibt Sören in einer E-Mail. Wenn das die berüchtigte künstliche Verknappung ist, dann funktioniert sie sehr gut. Wir wollen jedenfalls mehr.
Ein kuscheliger Mantel names „Ich hab mein Herz so tief vergraben“
Am stärksten in Erinnerung geblieben ist beim Konzert wohl der Song „Ich hab mein Herz so tief vergraben“. Er beginnt so unschuldig mit einem dissonant verzerrten Gitarren-Akkord, den eigentlich bis dato nur Hüsker Dü oder so wirklich beherrschten. Dann die ersten Hooklines, die nur schwer wieder aus dem Kopf zu bekommen sind:
„Ich hab‘ mein Herz so tief vergraben Allein für den Frieden geb‘ ich’s nicht her Wer hat mich dir vorgestellt Ich will Abstand halten, aber dazu gehör’n“
Wer dann noch nicht drin ist, wartet noch schnell, bis das Schlagzeug einsetzt. Und dann wird sich erstmal ganz dick eingewickelt in diesen besonders kuscheligen Mantel, der die Welt da draußen so schön dumpf klingen lässt. Riecht zwar ein bisschen nach 90er Rock-Kneipe, ist aber schick und trotzdem lässig! Kann definitiv nicht jeder mehr tragen – Sören und Magnus können’s.
„Ich hab mein Herz so tief vergraben, weil ich Angst habe, jemand könnte es verletzen. Der Text handelt von der Angst sich zu binden. Gleichzeitig ist da aber die Sorge, etwas zu verpassen. Also Torschlusspanik versus Bindungsangst. Tausche ich Verbundenheit gegen Leichtigkeit? Pflichtbewusstsein gegen jugendlichen Leichtsinn? Da ist auch eine Art Entscheidungs-Ohnmacht. Darum geht’s im Song”, erklärt Sören. Hey, ja klar! Das klingt so einfach, wenn er das sagt. Wir ertappen uns aber eher häufiger dabei, wie wir uns aus lauter Entscheidungs-Ohnmacht doch wieder im besagten Mantel verpuppen und auf besseres Wetter warten. Ein perfekt (un)gewolltes Zusammenspiel aus der Flucht vom Text in die Musik? Das Chaos in dir wird es vielleicht nicht lieben – aber trotzdem auf Repeat hören.
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Es war Liebe auf den ersten Blick. Auf meiner YouTube Startseite wird mir vor über einem Jahr ein Konzertvideo vorgeschlagen: „Olivia Dean – Live At The Jazz Café“. Keine Ahnung, weshalb ich mir das Video anschaue. Weder bin ich ein riesen Jazz Nerd, noch schaue ich mir oft Recommendations auf YouTube von Artists an, die ich nicht kenne. Die Bühne ist dunkel, Fans jubeln vor Vorfreude und Bläserfanfaren kündigen den ersten Song an bis Olivia Dean im aufleuchtenden Spotlight und mit bezaubernder Stimme die ersten Töne ihres Songs „Boyfriend“ ansingt.
Ein Jahr später und meine aktuelle Lieblingssängerin hat ihr Debütalbum „Messy“ veröffentlicht. Niemand verbindet in meinen Augen derzeit besser Jazz mit Pop, inhaltliche Tiefe mit Hitmelodien, Authentizität mit Glamour und Bodenständigkeit mit Persönlichkeit. Kurz, it’s a bop!
Jeder Anfang ist „The Hardest Part“
Angefangen hat alles mit „The Hardest Part“, für Olivia Dean ebenso wie für mich. Die fast klischeehafte Pop-Ballade thematisiert den immer wiederkehrenden Herzschmerz am Ende einer missglückten Beziehung. Feenartige Chöre packen die schmerzende Gesangsstimme in Watte und lassen uns für einen Moment an die längst überwunden geglaubte letzte Liebesbeziehung denken. Doch wenn Herzschmerz sich so anfühlt wie dieser Song, möchte ich nie wieder etwas anderes fühlen. Denn „The Hardest Part“ strahlt eine Wärme aus, die sich besser anfühlt als jede Wärmfläche im Bett während einer kalten Winternacht und auch besser als jede heiße Schokolade am Kaminfeuer einer einsamen Skihütte in den Bergen. Und egal wie viel Kitsch jeder Ton und jede Zeile dieses Songs ausstrahlen, keine Person verkörpert ihn so authentisch wie Olivia Dean. Es wäre eine leichte Wette gewesen, auf den Erfolg dieser Single und dieser Künstlerin zu setzen, als sie noch keiner kannte.
Ein teures Konzert für die Ewigkeit
Am 04. April 2022 spielt Olivia Dean als Voract für die Show von Jordan Ragen in Berlin. Nach dem Konzertmitschnitt im Jazz Café und intensiven Spotify-Sessions der bisher releasten Songs ist die Vorfreude groß. Einziges Problem: das Konzert ist ausverkauft. Zur Lösung des Problems habe ich meine verstaubte Facebook App reaktiviert und auf der Veranstaltungsseite nach Tickets gesucht. Nach langer und sorgfältiger Suche falle ich auf einen Scam rein und zahle 70€ an eine Person, die das Geld bestimmt einfach nur sehr dringend braucht. Aber für Olivia Dean ist mir nichts zu teuer. Eine Freundin findet anschließend in einem Bruchteil der Zeit Tickets für den Normalpreis, die uns tatsächlich auf das Konzert bringen. 30 Minuten Konzert nehmen uns mit in den Himmel, in dem Olivia mit den Engeln singt und nähren die Sehnsucht nach neuen Songs und kommenden Deutschland-Konzerten. Den Main-Act skippen wir, weil unsere Musik-Seelen im Olymp angekommen nicht weiter aufsteigen können.
Single Marathon auf 3, 2, 1! Go!
In der Folge beginnt der Weg zum Album-Release. „UFO“ ist zurückhaltend, strahlt aber wie immer Wärme und Intimität aus. Thema ist natürlich: die Liebe! Anschließend wird der Song veröffentlicht, der nie alt wird. „Dive“ verzaubert mit liebevollen Melodien, die Radiofans ebenso wie Musikenthusiast*innen um den Finger wickeln. Die zielstrebige Songstruktur geht mit der Zeit, ohne aufdringlich zu wirken und die instrumentale Komposition fühlt sich poppig an, ohne an Musikalität einzubüßen. Wer in diese Stimmung nicht eintauchen möchte, ist Masochist. Als dritte Single veröffentlicht Olivia Dean„Danger“. Der Track ist frech, tanzbar und versprüht good vibes, die die Liebe nochmal aus einer anderen Stimmungsfacette beleuchten.
Die letzte Single zum Album schließt den Bogen und fühlt sich wieder intimer und persönlicher an. „Carmen“ spricht über die Auswanderungsgeschichte der Großmutter und steigt tiefer in das Innenleben der Sängerin, das zwischen all den Liebessongs doch nicht immer ganz klar zu erkennen ist.
One Album, One Love
Einige märchenhafte Popsingles später und wir können das komplette Album von Olivia Dean namens „Messy“ genießen. Seit Ende Juni ist das 12 Lieder lange Debütalbum der britischen Sängerin draußen und es hält, was die Singles versprechen. Der Titeltrack zum Album beweist einmal mehr wie viel Geborgenheit Olivia Deans Songs ausstrahlen können. Auf „Messy“ singt die Künstlerin in tieferen Stimmlagen, die in Verbindung mit den sparsam arrangierten Instrumenten eine besondere Ruhe ausstrahlen. Hinzu kommt eine Live-Aufnahme im Sonnenblumenfeld bei Sonnenuntergang, die die warme Atmosphäre des Songs verstärkt (siehe unten).
Ein weiteres Highlight der Platte ist „Ladies Room“. Der Song gehört zu den tanzbaren Nummern des Albums. Auf einem four-on-the-floor beat besingt Olivia Dean die Kraft, die aus ihrer eigenen Unabhängigkeit und Selbstständigkeit wächst. Mit „Danger“ gehört er zu den weniger sentimentalen Songs, die vor allem eine gute Zeit versprechen. Songs wie „No Man“, „Dangerously Easy“ oder „I Could Be A Florist“ haben nicht die Hitmelodiedichte der zuvor beschrieben Songs, sind aber nicht minder gefühlvoll. Sie glänzen durch eine Unaufdringlichkeit, die mehr Gelegenheiten zum angenehm sorglosen Abschweifen bietet. Wie immer geleiten dabei die seidenen Background Vocals die Gedanken beschwerdefrei in das Land der Träume.
Keine heiße Schokolade ohne Marshmallow
Der Marshmallow auf der heißen Schokolade war das Konzert am 24. März 2023 in der Emmaus Kirche am Görlitzer Park in Berlin, dieses Mal als Main Act. Nachdem die Vorband weniger Vorfreude auf den komplizierten Sound der Kirche weckt, überrascht Olivia Dean dann mit der perfekten Performance. Die feenhafte Stimme der Sängerin gleitet mühelos durch den Saal ohne den Hauch eines falschen Tons oder einer nervenden Frequenz. Ganz in weiß schwebt sie über die Bühne und zum ersten Mal fühle ich die Spiritualität eines Gotteshauses. Nach meiner Vorgeschichte mit dem Ticketbetrug für ein halbstündiges Vorband-Konzert kann es keinen besseren vorläufigen Höhepunkt meiner Fangeschichte mit Olivia Dean geben. Der Sound ist perfekt, die Band überzeugt und dass ich in die Musikerin Olivia Dean verliebt bin, muss ich nicht erneut erwähnen. Nach diesem Abend fühle ich mich beseelter als nach jeder Weihnachtsmesse.
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Dank Olivia Dean fühlt sich der Herzschmerz wieder real an, wenn ich an meine bisherigen Beziehungen denke, während ich innbrünstig zu breakup Songs singe. Olivia Dean geht den schmalen Grat zwischen Mainstream und Art, zwischen langweilig und kompliziert und gewinnt dabei alle Parteien für sich. Die für ihre musikalische Reife viel zu junge Künstlerin wird all ihren Fans noch ganz viel Freude bescheren, denn ich bin mir sicher: für Olivia Dean geht es nur nach oben! Die einzige Schwäche des Albums ist, dass die Singles so viel Glanz ausstrahlen, dass beim ersten Hören die weiteren Albumsongs etwas abfallen. Doch im Kern glänzen sie keinen Schimmer weniger.
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Warme, träumerische Melodien und sanfte Gitarrenklänge – Indie-Folk Singer- und Songwriterin Matilda Mann veröffentlichte im Juli ihre vierte EP „You Look Like You Can‘t Swim”. Eine sehr intime 5-Track-EP mit Songs, die aufrichtige Zuneigung, Verlust und den Weg den eigenen Platz in der Welt zu finden, thematisieren.
Die Newcomerin aus London macht Musik, die neben einer vertrauten Atmosphäre vor allem Geborgenheit schafft. Ihre sanfte und helle Stimme verleiht den Songs eine Leichtigkeit, die ziemlich gut zum Rest passt. Ihr ehrliches Songwriting und die damit verbundene Fähigkeit jegliche Emotionen in innige Texte zu verwandeln, lässt sie insbesondere als Songwriterin herausstechen.
The Day That I Met You
Der erste Song „The Day That I Met You” ist mein persönlicher Favorit auf der EP. Im Song wird das Gefühl beschrieben sich viel zu oft allein zu fühlen. Der Gedanke, dass die ganze Welt gegen einen ist, wird durchbrochen durch das Begegnen dieser einen Person, die dich alle negativen Gefühle vergessen lässt.
„I forgave the world the day that I met you.”
Für mich ist der Song ein Paradebeispiel für ihr unglaublich gutes Songwriting: „It’s like lavender came and never left”. Muss ich da mehr sagen?
Ihr Debut feierte MatildaMann 2020 mit ihren EPs „If That Makes Sense“ und „Because I Wanted You to Know“. Ein Jahr später folgte die EP „Sonder”. Seither war sie unter anderem mit Arlo Parks, Tom Grennan und dodie auf Tour und spielte bereits einige Headline UK-Shows. In der UK ist Matilda also längst als Newcomerin angekommen. Im August spielt sie auf der renommierten BBC Introducing Stage beim Reading & Leeds Festival, die schon einigen britischen Künstler*innen zum Erfolg verholfen hat. Auf den Streaming-Plattformen sieht es mit mehreren Millionen-Streams auch nicht schlecht aus.
In Plain Sight
Stellt euch vor, ihr lauft an einem Spätsommerabend an einem Sonnenblumenfeld vorbei, während die Sonne schon tief am Himmel steht. Und durch eure Kopfhörer dröhnt dieser eine Song, der euch an eure Lieblingsperson erinnert. Jawoll, super kitschig, aber „In Plain Sight“ fühlt sich genau danach an – mit seiner unfassbar positiven Energie wird der Track zu einer indie-folk Hymne über die eine große Liebe.
Margaux & If Only
Mit „Margaux“ beschreibt Matilda die Abwesenheit eines wichtigen Menschen und die Gefühle, die mit dem Verlust einhergehen: „Margaux left and nothing felt the same.“ Während ihre fast flüsternde Stimme im Fokus steht, ist der musikalische Track mit sanften Akustikgitarrenklängen eher simpel gehalten. Trotz der Thematik klingt der Song aber alles andere als traurig.
Den melancholischen Part auf der EP übernimmt der vorletzte Track „If Only“. Eine schmerzvolle Ballade, die vor allem durch die Streicher ihre epische, träumerische Atmosphäre bekommt.
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Der Titelsong der EP ist laut der Newcomerin eine Metapher, um zu sagen, dass jemand nicht danach aussieht etwas schaffen zu können. Während es so scheint, als hätten alle anderen ihren Platz in der Welt bereits gefunden, ist man selbst ein Fisch im Meer, der nicht schwimmen kann. Neben Selbstzweifeln äußert sie im Song die Angst, nie genug zu sein. „You Look Like You Can’t Swim“ steckt voller Ehrlichkeit und Mut.
„It seems an awful waste to give me so much space
I never seem to know exactly what’s my place.“
Für das Musikvideo hat Matilda selbst Regie geführt und es geschafft, die Entschlossenheit und Zweifel im Song visuell darzustellen. Die Protagonistin, die von Matilda selbst gespielt wird, versucht sich immer wieder in Wasser zu wagen. Der Weg dahin kostet sie Überwindung und zeigt wie sie scheitert, aber dennoch niemals aufgibt. In den letzten Sequenzen des Videos sieht man Matilda, wie sie es letztendlich schafft zu schwimmen.
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Keine EP für hitzige Sommertage, sondern eine für verregnete Sommernächte. Die Sängerin Maïa hat Anfang des Jahres fünf unverschämt gefühlvolle Lieder veröffentlicht, eigentlich als Abschiedsbrief an den langen Winter. Fünf optimistischere Monate später stechen jede Zeile und jeder Ton auf „tatendrang und todmüde“ noch immer genauso tief in die Seele, wenn drinnen wie draußen kleine Tropfen über den Boden tanzen.
Bestimmte Worte mit zittriger Stimme
Von Hall verhüllt schleicht sich Maïa’s Stimme in den ersten Song. Allein von einem Klavier begleitet, thematisiert die Sängerin auf „tristesse“ ihre innere Zerrissenheit und Orientierungslosigkeit. Die zaghafte Stimme zittert dabei so unglaublich empfindsam zwischen den Tönen hin und her und malt zugleich lyrische Bilder, die plastischer sind als jedes Deckengemälde einer katholischen Kirche.
„Ich kann den blauton gerade nicht beschreiben Inneres zerreißen, lass mich treiben Versuche auf dem weg zu bleiben Lass mir irgendwie die richtung zeigen Stille und schweigen, will hier bleiben Und regen fällt auf meine scheiben“
Zeitgemäße Akustik
„nie mehr zurück“ ist der Beweis, dass ein unaufgeregt akustischer Klang einen modernen Sound nicht ausschließt. Das charakteristische Vocal Sample verschmilzt mit dem Klavier, während Maïa die Wärme des Frühlings herbeisehnt. Seichte Backing Vocals legen sich über die folgende Gitarre, sobald der Refrain erklingt. Viel mehr braucht es nicht, um die lyrischen Bilder musikalisch glänzen zu lassen.
„Drei jahre winter, öffne alle meine fenster Genug erstickt, ich frier mich aus Spür den kalten wind auf meiner haut Ich atme ein, ich atme laut Lass den rauch über die städte ziehen Ich lass mich mit ihm gehen Lass dein duft über die städte ziehen Ich lass ihn fallen und liegen„
Piano Magic
Wenn ein Instrument die Produktionen prägt, dann ist es das Klavier. Denn eine bezaubernde Klaviermelodie folgt der nächsten. Auf „asche und staub“ bestimmt das Klavier die Stimmung, ebenso wie das Tempo des Songs. Erst nach vorne treibend, dann langsam und stockend, zwischendurch mit einem Synth verschmelzend und zuletzt ganz pur gestaltet das Klavier die Dynamik mühelos. Nennt mir ein Instrument, dass vielseitiger ist als das Klavier und scheitert!
„niemand dabei“ nimmt die Geschwindigkeit der EP langsam heraus. Lyrisch wie klanglich werden die Träume größer und erneut umgarnen wunderschöne Klavierakkorde und federleichte Backing Vocals die introspektiven Texte. „filmriss“ setzt diese Linie fort. Fast ungewöhnlich beginnt das Lied mit einer Gitarre, doch Klavier und nebelige Vocals sind nicht weit, ehe sich die zweite Hälfte rein instrumental weiterentwickelt. Lag der Fokus bisher in nahezu jeder Sekunde auf den intimen Worten Maïa’s, greift nun die Atmosphäre nach Platz, um sich zu entfalten. Doch Am Ende sind es wieder Klavier und Stimme, die den roten Faden aufgreifen.
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Maïa beweist auf „tatendrang und todmüde“ wie homogen eine EP klingen kann und wie klar die klangliche Identität einer Künstler:in definiert sein kann. Poetische Lyrics werden von warmen Akkorden und einprägsamen melodischen Klavierfiguren aufgefangen und durch Gitarrenmelodien und hallende Backing Vocals abgerundet. Eingängige Melodien, ehrliche Gedanken, zielgerichtete Songstrukturen und ein authentischer Minimalismus lassen die Produktionen dabei zeitgemäß klingen. Diese Ästhetik spiegelt sich auch auf der visuellen Ebene der Künstlerin wider. Dunkle Farben und verschwommene Gesichter ergänzen den atmosphärischen Sound der aufstrebenden Sängerin und Poetin. Selbst die Kleinbuchstaben der Songtitel und Lyrics fügen sich unauffällig und doch perfekt ins Konzept ein.
In music I trust
Wer „tatendrang und todmüde“ lieben lernen möchte, muss eine gewisse emotionale Schwere aushalten können. Die Texte, Melodien und Instrumente zeichnet allesamt ein gewisses Gewicht aus, das zugleich die eigenen Sinne befreit. Denn Maïa lässt unsere sich immer wieder im Kreis drehenden Gedanken und Zweifel kurz anhalten. Die Songs der EP zu genießen, bedeutet sich verstanden zu fühlen und Allem was kommt, erleichtert entgegenzublicken.
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“bisschen Kummer in meinem Glas, so nimmt das Leben seinen Lauf”
Wir verspüren alles andere als Kummer, wenn wir uns anschauen, was die Deutsche Musikszene an Neuheit hervorgebracht hat.
PAUL FALC ist der Name, den ihr euch unbedingt merken solltet.
Bereits mit seiner ersten Single “du sagst es geht nicht“ und dazugehörigem Musikvideo hat er die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Gerade ist Paul noch absoluter Geheimtipp, den wir euch aber selbstverständlich nicht vorenthalten wollen.
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Den Sinn für Poesie hat der Songwriter und Produzent vielleicht aus seiner Heimatstadt Weimar mitgebracht, den er nun in seinem Studentenzimmer in Mannheim in leicht, aber nachdenkliche Texte verarbeitet. In diesem Zimmer entstehen alle von PAUL FALCs Songs. Denn dort, “abgeschottet vom Rest des Business, darf Musik noch einfach Musik sein”.
“du sagst es geht nicht, ich fahr keinen Mercedes”
Gerade unsere Generation lebt schnell und viel, verschwendet sich. PAUL FALC beschreibt den Hang dazu, sich der Toxizität und Dependenz zu anderen hinzugeben, in der man sich gegebenenfalls auf dem Weg zu sich selbst verliert.
Es geht um Akzeptanz, akzeptiert werden, aber vor allem darum, sich selbst zu akzeptieren. Komplette Verschwendung des Selbst, weil man sich ständig den gesellschaftlichen Erwartungen beugen muss. Aber muss man das wirklich?
“Du sagst es geht nicht, ich fahr keinen Mercedes”, vielleicht ist es dann besser so, dass es nicht funktioniert.
Mit “du sagst es geht nicht” zu “kummer” schafft PAUL FALC den fließenden Übergang von Winter zu wärmenden Frühlingsstrahlen. Wir müssen erst etwas abschließen, um neu anfangen zu können.
“Das Gefühl, dass alles passt und ich komm’ sicherlich bald an”
Jugendlich und unvoreingenommen beschreibt PAUL FALC, wie es ist, in seinen 20ern zu sein. Bei ihm klingt der Leichtsinn modern, die 20er naiv und schön und manchmal traurig, unterlegt mit Elektrobeats oder Drum ‘n’ Bass.
Wir finden uns zwischen unbeschwerter Nostalgie und „kummer“ in den musikalisch beschriebenen Bildern wieder. Es läuft ein Film mit warmen Filter ab, den wir vor unserem inneren Auge, wie die Landschaft aus dem Auto heraus, vorbeiziehen lassen. Während wir mit “90 hinterm Laster hängen”, finden wir einerseits Ruhe im Moment, können es aber nicht erwarten, endlich irgendwo anzukommen, denn “ich will nie wieder was verpassen”.
Der “kummer” geht vorbei, sobald die ersten warmen Sonnenstrahlen aufblitzen. Unser Leben wechselt wohl immer zwischen “kummer” und Euphorie. In PAUL FALCs zweiter Single entdecken wir das Gefühl von “Euphancholie”. Diesen Ausdruck kennen vielleicht ein paar aus dem Roman “Hard Land” von Benedict Wells. Es ist ein Neologismus und beschreibt die Verschmelzung von Euphorie und Melancholie. In einem Moment puren Glücks, kommt gleichzeitig die Realisation, dass dieser Moment endlich ist. So einen Moment festzuhalten, daran ist bekanntlich Goethe schon gescheitert. Wo wir wieder in Weimar wären.
“Zukunft vor der Nase, ich hab Angst, dass sie sie klaun’”
“dramatisch-romantisch”, so beschreibt Paul seine Musik. Mit seinen modernen Produktionen, in denen orchestrale Elemente bis hin zu 80er Jahre-Synth-Sounds zu finden sind, schafft PAUL FALC einen zeitlosen Klang.
Wir sind gespannt, was künftig noch so von dem vielversprechenden Newcomer kommt. Bis dahin, hört nochmal in PAUL FALCs ersten zwei Singles rein:
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Manchmal findet einen eine Platte zufällig genau zum richtigen Zeitpunkt. Manchmal ist das auch erst ein Jahr, nachdem das Album releast wurde. Und manchmal muss das auch so sein, weil einen die behandelten Themen oder der Sound davor vielleicht gar nicht so persönlich angesprochen hätten. So ging es mir mit dem Album „XP“ von Der Ringer vor knapp einem Monat.
Wie mich Der Ringer also gefunden hat wollt ihr wissen? Ich habe den Podcast Poparazzi von Arnim Teutoburg-Weiß, dem Sänger der Beatsteaks gehört, wo er mit verschiedenen Künstler:innen die Entstehung eines bestimmten Songs bespricht. Genauer habe ich die Folge mit Mine gehört, als Arnim sie zu Beginn fragt, was sie auf dem Weg gehört hat. Ihre Antwort: Der Ringer. Ein kurzer Einspieler von dem Song TRANSFORMER später und da hatten sie mich schon.
In fünf Jahren kann viel passieren
Da ich die Band nicht kannte, musste ich erst einmal rausfinden, wer diese Ringer sind. Also hier eine kleine mini Zusammenfassung aus meiner Recherche: Jannik Schneider, Jakob Hersch, Benito Pflüger und David Schachtschneider kommen aus Hamburg. Das erste Album „Soft Kill“ erschient im Jahr 2017. Bis zu ihrem aktuellen Album „XP“, was letztes Jahr erschienen ist, ist viel passiert. In diesem Zeitraum hat ein Mitspielender die Band verlassen, es wurde sich in verschiedene Städte verteilt und mit bestehenden Netzwerken gebrochen. Schließlich kam noch die Pandemie obendrauf, was zu einem Stadium der Gelähmtheit führte.
Mit neu geschöpfter Kraft und Entschlossenheit, haben die Vier es geschafft, ihre Erfahrungen aus den letzten Jahren in ihrer Musik zu verarbeiten. Denn genau darum geht es auf „XP“: Veränderung. Die Machtlosigkeit, die damit oft einhergeht, die Akzeptanz, dass sich Dinge manchmal ändern müssen und das Potenzial, das aus solchen Veränderungen wächst. Das Ergebnis dieses großen Veränderungsprozesses sind die Erfahrungspunkte, die man dadurch dazu gewinnt. Dafür steht auch „XP“: angelehnt an die Experience Points, die man in Computerspielen sammelt, um weiterzukommen und seine Fähigkeiten auszubauen.
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Zu dem Schluss, dass Veränderungen vielfältig sein können, kommen Der Ringer in ihren Songs, indem sie verschiedene Subjekte in den Mittelpunkt rücken. In „MAKE UP“ geht es eher um die Veränderungen eines Selbst, „ein neues Ich“, wobei die Frage aufgeworfen wird, wie nachhaltig das Ganze ist, „wenn man alles rückgängig machen kann“. Dagegen wird in „TRANSFORMER“ klar ein Du angesprochen, dass sich sehr verändert hat.
Du bist anders Ab heute bist du anders Als ich Bist so anders
In ihrem Song „KINTSUGI“, der nach einer japanische Reparaturmethode für Keramik benannt ist, bei der Scherben wieder zusammengesetzt und die Bruchstellen oft mit goldener Farbe verziert werden, geht es viel um Klarheit und darum, keine Angst zu haben. Es klingt sogar hoffnungsvoll, ganz nach dem Credo, dass manchmal erst Dinge kaputt gehen müssen, damit daraus vielleicht sogar etwas noch schöneres entstehen kann.
Die Platte endet mit dem Song „NO FEAR“, in dem sich das neue Ich vom Anfang nun wirklich weiterentwickelt hat und sich nicht mehr unterkriegen lassen will.
Niemals wieder werd‘ ich fliehen In deinem Schatten stehen Die Sonne wird bald untergehen Ich kann jetzt im Dunkeln sehen
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Und wer bis hier den Artikel tatsächlich gelesen hat, bekommt noch einen Service Hinweis: Der Ringer spielen im Mai zwei Konzerte, am 02.05.2023 in Hamburg und am 03.05.2023 in Berlin. Ich werde mir das sicherlich auf keinen Fall entgehen lassen.
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