Kategorie: untold music

  • artists to watch 2024: Die vielversprechendsten Künstler*innen

    Ist euer 2023 auch so an euch vorbeigeflogen? Eben gerade war noch Festival-Sommer, wir haben kurz geblinzelt und auf einmal ist das Jahr vorbei. Die von euch, die uns schon ein wenig begleiten, wissen, was das heißt: Die Adventskalenderzeit ist da! Es gibt special Weihnachtsformate, es gibt Live-Interviews und Jahresrückblicke, fette Verlosungspakete und es gibt auch 2023 wieder dieses Google Doc, in dem Anna und Jule über die Newcomer*innen-Landschaft da draußen philosophieren. Und in diesem befinden wir uns jetzt. Welcome to: artists to watch 2024!


    Zuerst ein kleiner Blick zurück: 2023 war musikalisch wahnsinnig viel los. Einen kleinen Einblick werdet ihr in den individuellen Jahresrückblicken der Redaktion finden, und ihr habt selbst sicherlich auch Künstler*innen und Bands, von denen ihr dieses Jahr gar nicht genug bekommen konntet. War eine von denen vielleicht Brockhoff? Oder Dilla? Vielleicht ENNIO oder TEMMIS? Denn die waren es, denen wir Ende 2022, also vor genau einem Jahr, als artists to watch 2023 den Durchbruch für 2023 versprochen hatten. Jetzt fragen wir uns: Wer wird es wohl 2024 werden? In wen werden sich nächstes Jahr so viel mehr von euch verlieben, weil sie auf allen Festivalbühnen rocken und sie diesen einen Song releasen, der euch monatelang nicht loslässt? Unsere Nase hat sich auf 10 Artists geeinigt, die wir euch hier vorstellen werden. Our guess is as good as any, aber es lohnt sich allemal, in alle reinzuhören – und wenn es nur auf Verdacht hin ist. (Hier klicken, um parallel zu hören.)


    Paula Carolina
    01 Paula Carolina, Eric Joel Nagel, untoldency, artists to watch 2024, Newcomerin, Indie, Music, Blog, Musikmagazin

    Wer es 2023 geschafft hat, an Paula Carolina vorbeizukommen, verdient auf eine seltsame Art unseren Respekt. Zwischen ihrem Artikel aus dem Jahr 2022, in dem sie bei uns über die Entstehung ihres Songs “Gerlindes Garten” geschrieben hat, und heute ist eine Menge passiert. Keine Festivalbühne war sicher vor ihr und ihrer Band, die Songs ihrer EP “Heiß/Kalt” haben es in so manche Jahresplaylists geschafft und zwischendrin hatte sie trotzdem noch Zeit, in Sessions z.B. für Startrampe 80er-Jahre-Bretter zu covern, die es mit unter auch in ihre Livesets geschafft haben, ein Feature mit OK KID aufzunehmen, der Indie-Welt den Kopf zu verdrehen, unzählige Support-Shows zu spielen und auf Headline-Tour zu gehen. Paula Carolina sitzt eindeutig auf dem wohl steilsten aufsteigenden Ast, den wir dieses Jahr gesehen haben. Mit einer bereits angekündigten zweiten Tourrutsche 2024 (und einem Debütalbum?) im Nacken und ihrer herrlich unvoreingenommenen und wilden Attitüde wird sie es im nächsten Jahr sicher schaffen, auch die letzten Musikfans von sich zu überzeugen. Wir sind es bereits, ihr wahrscheinlich auch, umso spannender wird es, diese junge Künstlerin dabei zu beobachten, wie sie immer weiter wächst. Ein bisschen, wie einst die Blumen in Gerlindes Garten…


    ENGIN
    02 Engin, Foto Yasmin-Sara Ergen, untoldency, artists to watch 2024, Newcomerin, Indie, Music, Blog, Musikmagazin

    Die Band, die wir euch für 2024 auf jeden Fall mitgeben wollen, ist ENGIN. Auf unserem Radar sind die Mannheimer seit knapp zwei Jahren, und gerade deshalb ist es für uns umso aufregender, sie jetzt klar und deutlich breaken zu sehen. Im Mai diesen Jahres haben sie ihr astreines Indie-Rock Debütalbum “NACHT” veröffentlicht und fast zeitgleich konnten sie beobachten, wie ihre Followerschaft von 7.000 auf mittlerweile über 119.000 gewachsen ist. Der Sprung war groß und doch organisch – denn der Punkt, den sie mit ihrer Musik treffen, hat nur darauf gewartet, endlich getroffen zu werden. ENGIN machen nämlich nicht nur deutschsprachigen Indie-Rock, sondern lassen ihre eigenen türkischen Wurzeln und Einflüsse mit reinspielen. Und das, was da rauskommt, das kann nur ganz groß werden! Anhand von wöchentlichen Cover auf Instagram und TikTok bringen sie uns die türkische Musikwelt näher und andersrum den deutschen Indie in die türkischen Communities – das ist genauso wholesome wie es sich anhört. Aktuell auf Support-Tour für Von Wegen Lisbeth kommen sie im Frühjahr 2024 mit einer eigenen Tour und neuer Musik im Gepäck. Wir garantieren euch, dass sie sich einmal durch unsere Bubble und somit auch durch eure Playlists und liebsten Festivals wirbeln werden. Seid ihr dafür bereit?


    Soft Loft 
    03 Soft Loft, Foto Jan Winiger, untoldency, artists to watch 2024, Newcomerin, Indie, Music, Blog, Musikmagazin

    Das Debütalbum der Band mit dem so schön über die Lippen gehenden Namen Soft Loft heißt “The Party And The Mess” und hätte es in Annas Top 10 Alben 2023-Liste geschafft, wäre es denn dieses Jahr schon erschienen. Der vorbemusterte Soundcloud-Link des Albums zeigt aber, dass sobald es im März 2024 erscheint, sich der Konjunktiv verabschiedet und das Album viele Top-Jahreslisten beeinflussen wird. Wieso? Weil wir einfach selten so ein überzeugendes Debüt gehört haben! Es erinnert stark an den sanften Indie-Pop von Daughter und dabei existiert die Band um Sängerin Jorina Stamm erst seit knapp zwei Jahren. Ihr habt sie dieses Jahr vielleicht schon auf ein oder zwei Festivals das erste Mal erleben können oder die Debüt-EP “In Case You Still Get Lonely„ und die ersten Singles des Albums in euren Playlisten. Falls nicht: Jetzt ist der Zeitpunkt! Auch wenn ihr euch erst im März in voller Länge davon überzeugen könnt, nehmt uns beim Wort, denn wir könnten verliebter nicht sein. Zwischen wunderschöner Herbstmelancholie und rosigen Sommermelodien machen sich Soft Loft in unseren Herzen breit und werden 2024 ganz sicher weiter wachsen.


    Ottolien
    04 Ottolien, Foto Christian Bardenhorst, untoldency, artists to watch 2024, Newcomerin, Indie, Music, Blog, Musikmagazin

    Ebenfalls (gar nicht mehr so) geheime Favoriten unserer Redaktion, und zwar seit ihrer Stunde Null, sind Ottolien, die ihr daher bei uns auch schon das ein oder andere Mal entdeckt haben könntet. Die beiden Brüder Leo und Jonas machen seit ihrer Kindheit gemeinsam Musik. Ehrliche Texte mit fast poetischen Anmutungen und ihr Sound durch den Mix aus Leos weicher Singer/Songwriter-Stimme und Jonas’ Rap-Parts, den man in deutschen Songs so eher selten findet, machen ihren Sound aus. Nach einigen Support-Shows und einem unfassbar guten Set beim KiezKultur Festival haben sie gerade ihre erste Headline-Tour zum im November erschienenen Debütalbum „Wir tun uns so gut weh“ beendet und damit so richtig bewiesen, dass Ottolien ihren festen Platz in der deutschsprachigen Indie-Szene im Dauermietvertrag absolut verdient haben. Wir möchten an dieser Stelle besonders ausdrücklich darauf hinweisen, dass wir von der Weiterentwicklung der beiden, sowohl was ihren Sound als auch ihr musikalisches Standing angeht, extrem angetan sind. Wir sind deshalb auch der festen Überzeugung: Wer bei den Songs des Brüder-Duos nicht Gänsehaut bekommt, hört einfach nur nicht richtig zu!


    Apsilon 
    05 Apsilon, Foto Sina Lesnik, untoldency, artists to watch 2024, Newcomerin, Indie, Music, Blog, Musikmagazin

    2022 ist Apsilon mit seiner Debüt-EP „Gast“ und rund 3.000 Follower*innen auf Instagram in das Jahr gestartet. Zwei weitere EPs, „32 Zähne“ und „Blei“, und unzählige Singles später hat der Moabiter Rapper mit über 40k Instagram-Fans mehr als nur einen Fuß in die Deutsche Rapszene gesetzt. Zielstrebig klettert der Artist mit regelmäßigem Output die Erfolgsleiter höher. Dabei drückt er immer wieder auf erschütternden Beats den Finger in die politisch-gesellschaftlichen Wunden, die ganz besonders doll wehtun. Im letzten Jahr ist zudem die verletzliche Seite des Künstlers zunehmend hervorgetreten. Die Krönung ist die aktuelle Single “Baba”, die uns besonders in der Live-Umsetzung mit dem Rundfunk Tanzorchester Ehrenfeld ein paar salzige Tropfen über die Wangen rutschen lässt. Wir schließen uns dem Trend an: Vom Indie-Rapper wird sich Apsilon im nächsten Jahr zum Feuilleton-Liebling und anschließend zu einer festen Deutschrap-Größe entwickeln. You better watch out, Apsilon is comin’ to town!


    Remote Bondage 
    06 Remote Bondage, Foto Anna Gutmacher, untoldency, artists to watch 2024, Newcomerin, Indie, Music, Blog, Musikmagazin

    Wer Paula Carolina schon vor unserer Liste auf dem Radar hatte, kennt vielleicht auch Remote Bondage. Die Band, die es erst seit einem unglaublichen Jahr gibt, war als Support auf Paula Carolinas Tour mit dabei, hat u.a. das KiezKultur Festival und die Fusion aufgewirbelt, und ist mehr als ready, diese Live-Statistiken in 2024 massiv auszubauen. Denn wenn wir was wissen, dann ist es, dass feministischer Punk-Pop on the rise ist! Und das freut uns wahnsinnig, denn das heißt, dass wir nächstes Jahr zu Songs wie “Vulvarine” tanzen und Lines wie “Meine Clit ist kein Rubbellos, das hier ist kein Glückslos” laut durch die Clubs schreien werden. Wird auch Zeit, dass mit “schambehafteten” Themen und der Utopie des Patriarchats mal ordentlich abgerechnet wird. Remote Bondage werden genau das machen! Die Songs stehen in der Pipeline, die fünf Bandmitglieder (“drei Sängerinnen, eine Bassistin und ein reizender Drummer”) sind ready und wir sind es auch. Let’s smash the patriarchy, oder?


    SERPENTIN 

    Ebenfalls eine ganz heiße Kandidatin dafür, ihrer Karriere im Jahr 2024 die nächste Kirsche aufzusetzen, ist Serpentin. Mit Songs wie “Schrammen” oder “Herz geklaut”, die im November 2023 in ihrer zweiten EP “Atta” mündeten, hat sie uns in diesem Jahr den ein oder anderen langwierigen Ohrwurm beschert. Außerdem konnten wir sie auf den Festivalbühnen des Landes oder als Support von z.B. Mia Morgan live erleben – oder eben auf ihrer ersten eigenen Tour, die ihr Finale am 15.12.2023 in Hannover haben wird. Sie hat sich in 2023 noch tiefer in die Herzen ihrer Fans gespielt und dabei auch die abgeholt, die sie noch gar nicht auf dem Schirm hatten. Und das mit ihrem einzigartigen Sound und Texten, die sowas von straight aus ihrem Herzen kommen, dass es selbst für Außenstehende und -hörende manchmal wehtut. Wir sind gespannt, was das Jahr 2024 für Serpentin bereithält, sind uns aber sicher, hier einer kleinen süßen Raupe dabei zuzusehen, wie sie immer mehr zu einem bunten Schmetterling wird. 


    Blumengarten
    09 Blumengarten, Foto aussortiertarchiv, untoldency, artists to watch 2024, Newcomerin, Indie, Music, Blog, Musikmagazin

    Folgende Band hätte sicherlich letztes Jahr schon ihren Platz in unserem artists to watch-Format verdient, denn 2023 war definitiv ihr Durchbruch. Features mit Cro, Goldroger, Betterov und Paula Hartmann zeigen, das scheint die neue Lieblingsband eurer Lieblingsbands zu sein! Aber das ist auch kein Wunder, denn sobald die Stimme von Rayan Djima ertönt, ist es um alle geschehen, die ihr lauschen dürfen. Erst 2021 gegründet, sind Blumengarten nun auf ihrem Steilweg nach oben, spielen während wir das hier schreiben ihre erste große Headline-Tour und werden nächstes Jahr sicherlich eine große Festival-Tour ranhängen. Ebenfalls erst vor einigen Tagen erschienen ist ihr Debütalbum “schönheit die in schmerzen liegt” und auch das können wir stärkstens empfehlen. Produzent Sammy weiß genau, welcher Sound unsere für immer melancholische Indie-Pop Herzen regt, und Sänger Rayan wie er seine Worte genau dortrein stehlen lassen kann, wo’s wehtut. Und wenn im Schmerz wirklich die Schönheit liegt, dann wollen wir das auch 2024 spüren.


    Larasüß
    08 Larasüß, Larasüss, Foto Dascha Krieger, untoldency, artists to watch 2024, Newcomerin, Indie, Music, Blog, Musikmagazin

    Mit ebenfalls offenem Mund haben wir in diesem Jahr dem Kickstart von Larasüß zugeschaut. Erst vor etwas mehr als einem Jahr fing sie an, ihre selbstproduzierten Songs aus ihrem Zimmer heraus zu veröffentlichen und hat mit Songs wie „Geister“ vom Fleck weg für große Augen in der NNDW-Bubble gesorgt. Schon in diesem Jahr hat sie als so frische Newcomerin unfassbar viel live gespielt und ist Teil der von Modular ins Leben gerufenen FLINTA-Konzertreihe Bande, die wir sehr lieben und immer gerne unterstützen. Wir sind aber auch unfassbar stolz, dass Lara bis jetzt Teil unserer untoldency-Redaktion war, ihren Fokus 2024 aber noch mehr auf das Projekt Larasüß legen wird. Das ist für uns auf der einen Seite super traurig, aber auf der anderen Seite freuen wir uns natürlich auch, sie im nächsten Jahr voller Tatendrang und Liebe weiter zu supporten. Einige Live-Termine sind schon announced, da werden aber sicherlich noch mehr dazu kommen. Wir freuen uns dann schon, mit euch gemeinsam in der ersten Reihe zu tanzen. Und auf neue Musik können wir uns ganz bestimmt auch freuen. (P.S. Danke für die schöne Zeit, Lara. Wir haben dich sehr lieb!)


    Berq
    10 Berq, Foto Finn Dubbeld, untoldency, artists to watch 2024, Newcomerin, Indie, Music, Blog, Musikmagazin

    “berqmitq”, wie sein Insta-Handle lautet, bildet den Abschluss unserer Artists, die wir euch für 2024 empfehlen wollen, und ist dementsprechend auch eine perfekte Empfehlung on-the-go. Gerade mal 18 Jahre jung und frisch mit Abi im Gepäck, kam er aus dem Nichts, spielte Supportshows für Schmyt und Paula Hartmann und veröffentlichte Songs, die auch uns völlig baff vor so viel jungem Talent stehen lassen haben. Felix Dautzenberg, wie Berq mit vollem Namen heißt, beweist mal wieder, wie weit man kommen kann, wenn man an sich selbst und seine Musik festhält. Denn, ob man es glaubt oder nicht, fehlte ihm anfangs der Support seines Umfelds und er musste lange mit sich hadern, um auf seinen produzierten Songs selbst zu singen und das aufzunehmen. Als er einige Woche später dann seine erste und direkt viral gehende Single “Echo” veröffentlicht hat, war klar: das hier wird groß! Minimalistisch, emotional, ehrlich und mit einer Stimme, die für kribbelnde Gänsehaut sorgt, ist Berq für uns einer der Künstler*innen, die 2024 einen weiteren Kickstart ihrer Karriere erleben werden. Und wenn wir mit Ende 20 (*hust*) schon so davon überzeugt und inspiriert sind, dann können wir nur mutmaßen was für einen Hype das für die jungen Musikverliebten da draußen auslösen wird. 

    Das war’s, unsere artists to watch 2024 sind komplett! Wir freuen uns, wenn ihr sie alle mal auscheckt, euren Freund*innen weiterempfehlt, sie bei ihren Konzerten besucht und auf ihrem musikalischen Weg begleitet! In einem Jahr treffen wir uns dann wieder hier, in diesem Google Doc, und schauen mal, wie richtig wir lagen. Bis dahin, viel Spaß in 2024 mit Paula Carolina, ENGIN, Soft Loft, Ottolien, Apsilon, Remote Bondage, SERPENTIN, Larasüß, Blumengarten und Berq <3 

    Hier geht’s zur Playlist mit direkten Reinhör-Empfehlungen für alle Artists: 

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    Fotocredits:
    Paula Carolina: Eric Joel Nagel / ENGIN: Yasmin-Sara Ergen / Soft Loft: Jan Winiger / Ottolien: Christian Bardenhorst / Apsilon: Sina Lesnik / Remote Bondage: Anna Gutmacher / SERPENTIN: Paula Tauber / Larasüß: Dascha Krieger / Blumengarten : @aussortiertarchiv / Berq: Tim Dubbeld

  • Angst, Wut, Verlangen und der innere Alltag: Leftovers sind „Müde“

    Angst, Wut, Verlangen und der innere Alltag: Leftovers sind „Müde“

    „Eine Angststörung besteht, wenn Angstreaktionen in eigentlich ungefährlichen Situationen auftreten. Die Angst steht in keinem angemessenen Verhältnis zur tatsächlichen Bedrohung. Betroffene erleben die Angst dennoch psychisch und körperlich sehr intensiv.“

    Dies ist nicht nur die erste Definition des Begriffs „Angststörung„, wenn man ihn bei Google eingibt, sondern auch die eindrückliche Eröffnung des Anfang November erschienen Albums Müde. Mit Rock, Punk und Grunge schaffen es die Wiener Leftovers, das Gefühl der Teenage-Angst auf eine unglaublich intensive und aktuelle Art und Weise zu verarbeiten und neu zu interpretieren. Wobei sie das Gefühl nicht nur verarbeitet, sondern eher durchgekaut und uns Mitten in’s Gesicht ausgespuckt haben, sodass wir uns am Ende auch noch dafür bedanken. Das Album ist hart, roh, dunkel und ehrlicher, als die meisten deutschsprachigen Rockbands es wagen zu versuchen.

    Müde fängt die verschiedensten Tiefen und die treibenden Kräfte der Adoleszenz ein. Und das nicht nur durch ihre eindringlichen, bildlichen Texte, sondern auch durch die musikalische Wucht, vor der man weder weglaufen, noch sich verstecken kann. Das Album schubst seine Hörer:innen durch tiefe Wunden und Schmerzen, rebellierende Hoffnungslosigkeit und sehnliches Verlangen. „Es tut weh und dabei weiß ich nicht mal was“, damit verpacken die vier Anfang 20-jährigen Wiener*innen den Drang danach ein „Mehr“ zu finden in ein Album, das wie ein nächtlicher Begleiter fungiert. Die Frage nach der Sinnlosigkeit des Lebens und dem Überleben zwischen den Massen der Großstadt ziehen sich wie ein roter Faden durch die Tracks hindurch. Obwohl so viel Angst in den Songs steckt, schreien die Leftovers diese wenigstens selbstsicher und leidenschaftlich heraus.

    Das Album schaut mit müden Augen und Außenseiter-Attitüde zu, wie der Rest der Masse sein Leben irgendwie zu bewältigen scheint. Kalte Luft, dunkle Gassen im grellen Laternenlicht, Lederjacken, Zigaretten, billiges Bier und wirre Gedanken, es bilden sich eigenständig klare Bilder einer vermittelten Stimmung. Zudem regt jeder Track des Albums das „Main Character-Syndrome„ an, als wäre man der Hauptdarsteller:in in einem Melancholie geprägtem Film. Songs wie Gegen die Wand könnten ohne Zweifel über einer Skins UK Folge laufen und das Gefühl des schmerzvollen Erwachsenwerdens passend genauso dramatisch und aufrichtig zugleich untermalen, wie das Gefühl der Serie, die eine ganze Generation prägte.

    Dabei ist es kaum zu glauben, dass zwischen ihrem Album Krach und dem jetzigen Müde nur ein Jahr liegt. Die Band scheint in diesem Jahr ein Gefühl für Konzepte und eine genaue Vorstellung davon entwickelt zu haben, was sie sie eigentlich musikalisch tun wollen. Denn obwohl Müde ebenso gewaltig und ehrlich klingt wie sein Vorgänger, merkt man die deutliche Steigerung und Ausarbeitung besonders musikalisch. Währenddessen schafft die Band es, dass man ihnen zu keinem Zeitpunkt vorwerfen würde, ihre DIY-Punk-Art nur aufgesetzt zu haben.

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    Tracks wie System und Fick Dich beanspruchen Energie und ziehen Hörer:innen in den gedanklichen Moshpit rein, während Tracks wie Bellen und Du schmeckst so gut an der zu verzweifelnden Melancholie zehren und 15. Bezirk die Untergrund-Anti-Hymne Wiens bildet. Man gewöhnt sich in der bestmöglichen Weise schnell daran, sich von Sänger Leonid anschreien zu lassen. Aber auch Anna, die auf Ohne Dich und du bist schon tot bevor du lebst tiefe Emotionen und ungeklärte Fragen besingt, steuert dem Album eine Menge Frische bei. Alle vier Bandmitglieder schreiben, spielen, singen und sind gemeinsam präsent. Ihr Auftreten erinnert ebenfalls an eine besondere Gang in einem Misfits-Coming of Age-Film. Jeder Song auf dem Album erzählt eine Momentaufnahme einer tragischen Geschichte – oder doch eher bloß des Alltags? Gemeinsam ergeben sie ein Ganzes, das so gut zusammenpasst und organisch harmoniert, wie es gleichzeitig Bauchschmerzen bereitet.

    Punkrock ist definitiv nicht tot und hier wird er nicht einfach wiederbelebt, sondern als Hommage genutzt, aber in eine erschreckend zeitgemäße, selbstfunktionierende Version verpackt. Das Album ist weder anständig, noch brav, noch anpassungsfähig, dennoch etablierte sich die Band in der deutschsprachigen Indieszene. So betrachtet sehen die vier Leftovers aus wie Punks und verhalten sich wie Punks. Sie ziehen ihr schweres Ding durch den dichten Dschungel der Indie-Pop und Techno-Rap Tracks durch, ohne sich auch nur einen Millimeter zu verbeugen. Daher scheint es ihnen vollkommen egal zu sein, dass laute Gitarrenmusik nicht im Trend liegt und bauen etwas auf, das gerade nur wenig in der deutschsprachigen Musiklandschaft vertreten ist. In einer Ära, in der viele Künstler:innen dem Ruf der deutschen Hauptstadt folgen, bleiben Leftovers nicht nur ihrer Attitüde, sondern auch ihrer Heimatstadt treu: „Ich steh auf Saufen, nicht auf Ziehn‘ / Ich komm aus Wien und nicht Berlin / Fick dich!“

    Ich bin mir nicht mal sicher, ob sich Müde mehr nach einem Fiebertraum oder mehr nach brutaler Realität anfühlt. Wahrscheinlich ist genau diese schwammige Grenze der präzise getroffene Ausgangspunkt. So oder so, begleitet es mich durch meine verwirrendsten Gedankengänge und gibt diesen einen eigenen Raum um zu existieren und laut zu sein. Somit haben sich die Leftovers auf den Platz meines Lieblingsalbums des Jahres durchgekämpft.

    Im Dezember 2023 ist die Band auf dazugehöriger Tour, hier findet ihr alle Shows.

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    Foto Credit: Anna Francesca

  • Der kälteste Winter unseres Lebens: Das ist MELLERs Debüt

    Der kälteste Winter unseres Lebens: Das ist MELLERs Debüt

    MELLER lässt die Temperatur jetzt schon in die Minusgrade sinken. Eine Kälte, die wir gerne immer und immer wieder on repeat erleben wollen. Gleich mit ihrem ersten Song beweist die Newcomerin ihren Sinn für musikalische Moderne, textliche Präzision und ein Talent, die bittere Wahrheit in Poesie zu verpacken.


    „draußen fällt der erste Schnee“

    Aufgewachsen in Hamburg, erwachsen geworden in Berlin. Musik und Ideen für Texte begleiten sie immer und sammeln sich in Sprachnotizen auf dem Handy. Ihre frühe Faszination für Worte entdecken wir sofort in den harten Texten, die schön unverschönt realistisch sind. So entsteht auch „WINTER“, der Soundtrack einer ehrlichen Autofahrt, die uns durch die nächtliche Großstadt führt.

    Bereits auf Instagram und TikTok trifft „WINTER“ auf Anklang und wird mit vorfreudigen Kommentaren überschüttet. MELLER trifft einen Nerv bei allen, die den Sommer und ihre warme Komfortzone verlassen haben. Auch nicht zu Unrecht weist die Musikerin darauf hin, dass in ihrer Musik Einflüsse von Paula Hartmann und Schmyt zu finden sind. Nacht-Ästhetik und Hip-Hop Elemente gemischt mit kalten Klängen und tiefen Bässen, könnte man sie dort im Dark Pop einordnen. Die Bässe gemischt mit einer großzügigen Prise Verzweiflung laden ein, die Lautstärke auf Maximum zudrehen.

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    „ich verbrenn‘ an der Stille“

    In ihrer Debütsingle beschreibt MELLER das Ende einer Beziehung. Die letzten Worte und Nicht-Worte bevor die Trennung endgültig ist. Die Szenerie beschreit zwei Menschen in einem Umzugs-Sprinter. Die Beziehung liegt in Scherben, die Wahrheit brennt im Hals und kommt endlich heraus. Bei der Jagd nach einer Lösung dreht man sich doch nur im Kreis, obwohl man weiß, dass in jedem Szenario das Ende vorprogrammiert ist.

    Danach das brennende Gefühl, dass man etwas retten müsste, aber es bleibt still. Schockstarre, man kann seine „Lippen nicht bewegen“, das Ausgesprochene nicht mehr verschönern. Ungefiltert und ehrlich endet in diesen 3:11 Minuten eine lange Beziehung und die gefühlte Ewigkeit des Trennungsgespräch.

    
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    „Der kälteste Winter meines Lebens“ und dann…

    Wir sind gespannt, was wir zukünftig von MELLER hören werden! Wir sind uns sicher, dass wir hier eure neue Lieblingskünstlerin entdeckt haben : ) Ein kleiner Vorgeschmack auf weitere Musik verspricht einiges. MELLER bleibt dem Sound ihrer ersten Single treu und definiert ihre Ästhetik weiterhin mit düsteren Klangwänden und tiefen Beats.

    Bis dahin, hört hier in MELLERs Debüt rein:

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    Fotocredits: Filip Boban, Leah Piazza

  • Von „vergiss mich nicht zu schnell“ bis „neue Ufer“ mit Levin Liam

    Levin Liam ist noch! der „most underrated“ Artist der aktuellen Stunde. Doch die Anzeichen verdichten sich, dass dieser Stern ganz bald ganz groß über unseren Köpfen glitzern wird. Ein Feature mit Trettmann, ein angefragtes Feature von Mark Forster und die aktuelle Zusammenarbeit mit dem größten deutschen Produzenten Duo Miksu & Macloud beweisen das. Doch bevor wir über das aktuelle Projekt „neue Ufer“ sprechen, fangen wir weiter vorne bei der EP an, die Levin Liam rasant in mein nicht ganz leicht zu erreichendes Musikherz schoss.

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    „Vergiss mich nicht zu schnell“ heißt die 2022 erschienene EP des in Hamburg wohnenden Rappers, Sängers und Produzenten. Nach einigen englischsprachigen Singles unter dem Künstlernamen Liam Levin erscheinen 2022 die ersten Tracks auf Deutsch. Dieses Mal als Levin Liam. „Keine Geduld“, „Heim“ oder „Ich Hab Dich“ zeigen bereits sein Potenzial für besondere Momente. So richtig tief in den emotionalen Nerv stechen allerdings erst die Singles der zuvor genannten EP. „gleich“ ist so unfassbar gefühlvoll, dass die Lobeshymne in Form eines eigenen Absatzes kommt.

    In Wellen rauscht das Intro von „gleich“ langsam in die Ohren, ehe die leicht schüchterne, leicht zerbrechliche Stimme Levin Liams die ersten Zeilen nuschelt:

    „Ich guck’ dir von weitem zu und seh‘ du machst Fortschritt
    Und ich frag mich wie es wohl ist, wenn du fort bist“

    Diese Wortes sind ebenso schön wie clever, denn sie sind die inhaltliche Essenz, um die der gesamte Song kreist. Mit dem Pre-Chorus wird die Stimme bestimmter und die Position des lyrischen Ichs klarer: 

    „Ich will dir mehr von den Lichtern zeigen
    Ich will, dass wir für immer so nüchtern bleiben
    Sag mir, dass du niemals an den Lichtern zweifelst
    Und wir beide zusammen Geschichte schreiben“

    Eine vielsagende Kunstpause bis der Refrain langsam warmes Wasser über unsere verspannten Rücken laufen lässt. Die hauchzarte Stimme singt in einen großen Raum voll Intimität ohne nach mehr als einem zurückhaltenden Klavier zu verlangen. Und doch ebnen sich die Background Vocals ebenso wie der im zweiten Teil des Refrains einsetzende Beat unaufdringlich ein. Es ist wirklich ganz große Kunst wie der Song sich im weiteren Verlauf um den Gesang und das Klavier herum entwickelt. Jedes Element wirkt authentisch und organisch, obwohl der Song auch ganz minimalistisch die volle Gefühlswelt entfalten würde. 

    Während „gleich“ zusammen mit „outro (wenn du hier bist)“ die EP einfühlsam schließen,  leitet „intro (vergiss mich nicht zu schnell)“ das Projekt bittersüß ein. Ein gefiltertes Sample, eine Gitarre und seichte Keys leiten unsere sensiblen Öhrchen sanft in den 1:34 Minuten langen Einstieg der Platte, der lyrisch direkt seinen vollen Zauber entfaltet. Authentisch einfache Worte beschreiben bekannte Bilder und Gefühle, während dumpfe Klänge beruhigend die Stimme umarmen und jeden Teil unserer jemals verletzten Seele trösten.

    „Ich glaub, du kennst mich mittlerweile
    Ich kann lieben, dass es einen überrollt
    Und ich glaub, ich mach da manchmal fehler bei
    Weil ich denk, das kommt alles schon wies soll
    Ich war nie der typ, der sich viel prügelt und das weisst du auch
    Doch für dich nehm ich nen mittelgrossen streit in kauf“

    Auf „finde mich“ säuselt Levin Liam hauchdünn über einen Beat nach Spezialrezept. Warme analoge Keys, ein gefiltertes Sample, dumpfe sphärische Sounds, organische Drums, summende Backing Vocals und das Essen ist angerichtet. Produzent Cato macht erneut alles richtig dabei Levin Liams charakteristische Stimme nuanciert herauszuarbeiten und Bildern wie „Ich rede viel, doch denke zehn mal so viel mindestens“ oder  „Wer nicht im Stau stehen will, der darf auch nicht ins Auto steigen“ Farbe zu verleihen.

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    Mein Highlight ist Lied sieben: „graues papier“. Das gedämpfte Klavier pulsiert erwartungsvoll, ehe unsere neue Lieblingsstimme die Gedanken auf dem grauen Papier mit uns teilt. Der Track ebnet sich stilvoll ein in die Klangästhetik der EP und überrascht mit einer Jersey Kick, die seit Lil Uzi Verts „I Just Wanna Rock“ auf jedem deutschen und amerikanischen Hip Hop Album mindestens 3 Mal auftaucht. Die größere und spannendere Überraschung ist dann aber der Beat Switch, der den Song in gesteigertem Tempo in einen Sad Club Banger verwandelt. Cato beweist, dass er gefühlvolle Atmosphäre genauso gut kann wie tanzbare Club Hits.

    Levin Liam und Cato treten auf „Vergiss mich nicht zu schnell“ in eine besondere Synergie, die die Stärken beider glänzen lässt. Der größte Schwachpunkt dieses Projekt ist, dass es nur knapp 25 Minuten lang ist. Die Stimmungen jedoch sind unbeschreiblich und bedingungslos schön. Während Levin Liam stimmlich wie textlich sein volles Potenzial ausschöpft, gilt gleiches für die durchdachten und treffsicheren Produktionen Catos.

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    Resultat dieser fruchtvollen Zusammenarbeit ist die kürzlich erschienene EP „neue Ufer“ mit Produzenten-Team Miksu & Macloud. Insbesondere die Singles „Mann vom Fach“ und „so. k.o.“ featuring Jeremias beweisen Levin Liams Gespür für eingängige Melodien und lyrische Bilder, während Miksu & Macloud sich selbst und der Welt beweisen auch mit Indie-Produktionen den Zeitgeist des deutschen Hop Hops zu treffen. Das Duo hat sich einen Status erarbeitet, der ihnen musikalische Flexibilität erlaubt. Profiteure sind spannende upcoming Artists wie Levin Liam, dessen Stimme bald die Playlisten, das Radio und alle Festivals prägen wird.

    Gradmesser Levin Liams Entwicklung wird für mich dennoch immer „vergiss mich nicht zu schnell“ bleiben. Durch den musikalischen Feinschliff Catos erschafft der vielseitige Künstler schöne Geschichten mit viel Raum für eigene Gedanken. 

    Vergesst diese EP nicht zu schnell!

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  • Nicht verpassen: Peat geht mit seinem Album „WEICH“ auf Tour

    Nicht verpassen: Peat geht mit seinem Album „WEICH“ auf Tour

    Es gibt immer wieder Albumreleases, die nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die sie eigentlich verdienen. Nichts anderes als eine kleine Sensation ist das im Juni erschienene Album „WEICH“ des Wahlberliner Musikers Peat. Besser spät als nie, möchte ich euch jetzt davon berichten und dem Jahresrückblick ein Highlight aus 2023 vorziehen. Aber das ist noch nicht alles: Peat hat letzte Woche schon wieder eine neue Single veröffentlicht. Diese trägt den Titel „Der September ist noch nicht vorbei“. Außerdem geht er nächste Woche auf Tour.


    Mitte Juni sitze ich im ICE nach Hamburg. Also – ich sitze, aber nicht auf einem Platz, sondern auf der Stufenkante der Schiebetür. Aus der Zugtoilette hustet es. Die Tür geht auf, ein Schwall kalter Rauch zieht in den Gang. Ein Kind schreit und tröstet sich mit einem braun gewordenen Apfelschnitz, der mutmaßliche Vater findet Trost in einem kräftigen Schluck aus seiner Bierflasche. So weit, so scheiße, scrolle ich durch meine Playlists – nichts. Nichts, was mich hier rausholen kann.

    Dann finde ich Peat und sein vor ein paar Stunden releastes Album „WEICH“, ein purer Zufall. Es wird das erste von vielen Malen sein, dass ich beim Song „IRGENDWANN WIRD ALLES“ Play drücke und „AM ENDE“ noch so vieles nicht verstanden habe. Es sind vor allem die Texte, die mühelos die gesamte Aufmerksamkeit ihres Publikums aufsaugen. Sie sind so schonungslos und ehrlich, dass Weghören manchmal die gesündere Option für den Seelenfrieden zu sein scheint. Erwachsene Vernunft hat hier aber keine Chance. „WEICH“ ist das Chaos jugendlicher Gefühle, das Chaos des Internets der 2000er und die säuerliche Essenz dessen, was daran und darin damals unheimlich sein konnte.

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    Songs wie „MR. RATTENSAU“ oder „DER SCHRECKEN“ lassen uns die Coming-Of-Age-Episode des Lebens einerseits körperlich nachempfinden – bei den wirklich verstörenden Schilderungen andererseits nur als schockierte Gaffer zurück. Dabei ist auch auf „WEICH“ nicht alles apokalyptisch und dem Tode geweiht. Das Album hat nicht selten hoffnungsvolle Momente, wie im sehnsüchtigen Warten des Songs „ZURÜCK“ oder im letzten Stück „AM ENDE“ mit erfreulichen Aussichten: „Alles wird gut, solang‘ ich bei dir bin.“

    Die Produktion der Platte ist außerdem bemerkenswert gut. Peat macht alles selbst. Sie ist vielschichtig, komplex und überrascht in nahezu jedem Track mit unerwarteten Wendungen. Akustische Drums und Balkan-Beats. Gitarrensoli und tiefe, sägende Synthesizer. Klavierballaden, ab und zu eine kleine Überdosis Autotune und über allem schwebt irgendwie „Where Is My Mind“ von den Pixies. Am Ende dieses Albums eine wirklich gute Frage.


    Auf die WEICHe Tour

    In der neu erschienenen Single „Der September ist noch nicht vorbei“, dass uns bei früherem Release vielleicht einige Green Day-Alben erspart hätte ;), resümiert Peat: „Ich hab‘ mich echt so gut ich kann abgemüht, doch bis hierhin war das Ganze ja nicht so gut.“ Naja, so bescheiden muss er nun wirklich nicht sein. „Der Oktober bringt mir nur Skelette“ könnte hingegen stimmen, wenn er sein Publikum auf den Oktober-Tourdates ordentlich grillt. Ich mache mich jedenfalls auf alles gefasst.

    Zum Schluss möchte ich allen von Herzen empfehlen, diese Shows in Deutschland und Österreich zu besuchen. Da steckt viel Arbeit drin, die honoriert werden will.

    Peat-Weich-Hip-Hop-Rap-Tour-Konzert-untold-concert-untoldency

    Erwischen könnt ihr Peat und seine Crew hier:


    17.10. Köln – MTC (mit Taby Pilgrim und Thizzy)
    22.10. Hamburg – Häkken (mit Juno 030)
    29.10. Wien – B72 (mit Taby Pilgrim)
    02.11. Berlin – Schokoladen (mit PSASSA)

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    Fotocredit: Jan Neumann, Enlight

  • Der goldene September auf einem Album: „brew“ von kitsches

    Der goldene September auf einem Album: „brew“ von kitsches


    kitsches, das sind Sängerin Mathea und Drummer Moritz, brachten Mitte August 2023 ihr zweites Album „brew“ heraus. Folgend auf das vor der Pandemie erschienene Debütalbum legen sie damit den passenden Soundtrack zur sich allmählich breitmachenden Jahreszeit nach. Dass das Duo die Musik im winzigen Homestudio aufnimmt, dürfte den einen oder die andere wundern. Denn es hört sich nach so viel mehr an.


    Wie wärmende Strahlen durch wehendes Herbstlaub hindurch

    So oder so ähnlich fühlt sich der gleichnamige Eröffner des Albums an. Dabei geht es um nichts Geringeres als das vakante Leben und die Frage nach einem Sinn dahinter. Beginnt die Musik vorerst verträumt und schwebend, so ändert sie schnell ihre Richtung und lässt alles eben noch gedanklich Niedergelassene aufstehen und zügig, dennoch präzise umherwandern. Der Song an sich gewinnt dadurch eine erhebliche musikalische Tiefe.


    „I hold the line
    and brew me one more time“


    Auch, wenn oder gerade, weil sich alles unfassbar schnell ändert, ist Zeit ein wertvolles Gut. An Vergänglichkeit erinnert eben nicht nur der Herbst mit seinem fallenden Laub, sondern auch dieser Song.


    September

    Dieser leichte Indie-Folksong fügt sich nicht nur durch seinen Titel „september“ passend in das Gesamtwerk ein. Auch musikalisch zeugt er einmal mehr von der musikalischen Qualität des Duos. Wie durch den Wind gepfiffene, wunderschöne Melodien werden durch Matheas sanftem Gesang gekonnt in das atmosphärisch warme Instrumental hineingearbeitet. Der Text dazu behandelt malerisch, wie lyrisch unverschlossen Erinnerung, Vergessenheit und das Wertschätzen von Dingen, die die eigene Person ausmachen.


    Unruhige Nächte

    Dass das Kreisen von Gedanken, Zweifeln und unbeantworteten Fragen einen nachts nicht schlafen lassen, können wahrscheinlich viele aus ihren eigenen Erfahrungen nachempfinden. Diese Spirale der Selbstsabotage wird in „attic“ thematisiert. Der Song wurde schon im vergangenen Jahr als Single vorab veröffentlicht.


    „There are people in the attic
    and they only walk at night
    ‚cause they walk around on eggshells
    towards me“


    „attic“ kommt zu dem Schluss, dass das Selbst die Ursache ist und umschreibt das nächtliche Phänomen mit Menschen, die zwar übervorsichtig, aber bestimmt auf dem Dachboden auf einen hinzuschleichen. Die Musik wirkt trefflich unruhig, nicht zur Ruhe kommend und trotzdem niedergeschlagen.


    Über das Loslassen von Fehlern

    Manchmal sind es zwischenmenschliche Begegnungen, die magisch in uns nachwirken. „eliose“ ist sogar viel mehr als das. Es geht um eine Bekannte, die über die Fehler redet, die sie im Leben gemacht hat und beschließt, über diese hinauszuwachsen. Sie zieht sich heraus und macht sich auf, wandert in die Natur und zieht weiter. „eloise“ ist dabei die perfekte Personifikation des Einfach-Loslassens und der Intuition des Verwirklichens eigener Träume. In dem Gewand von LoFi-Botiqueswing ist der Song wie gemacht für eben diese Zeit einer magischen Nachwirkung von Begegnungen.

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    Das Musikvideo zu einer weiteren Singleauskopplung des Albums: „temporary“


    Für Liebhaber von gemütlichem Indie-Folk, sanften Klängen, wunderschönen Melodien und tiefgründigen Texten ist das neue kitsches-Album der obligatorische Soundtrack für diesen Herbst. Die geeignete musikalische Untermalung eines Spaziergangs durch raschelndes Laub oder eines ruhigen Momentes zu warmem Tee, während draußen die Welt untergeht, ist „brew“ in jedem Fall.

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    Fotocredits: Jacky Kannengießer

  • ‘Es brennt’ gesteht “Es geht wieder schief”: Mit Edge-Pop gegen die Wand und wieder zurück

    ‘Es brennt’ gesteht “Es geht wieder schief”: Mit Edge-Pop gegen die Wand und wieder zurück

    Ganz frisch erscheint heute die neue EP “Es geht wieder schief” des Duos Es brennt aus Berlin und Leipzig. So viel können wir verraten, hier hinter den Kulissen leckten sich besonders zwei Redakteur:innen die Finger danach: Anna und Lukas. Es passiert wirklich selten, dass sich mal zwei Reviews der gleichen Künstler:in bei uns überschneiden und mehr als eine Autor:in etwas dazu schreiben will. Und wenn, dann gibt eben der oder die Schwächere nach und überlässt dem Alpha-Tier den Vortritt. Doch in diesem Fall wollten wir beide nicht auf diese Review verzichten, deswegen machen wir es jetzt eben so wie jede andere anständige Löwenfamilie auch: Wir teilen unsere Beute. Wir schreiben sie zusammen.

    Im Klartext heißt das übrigens: Das hier ist der heiße Scheiß. So heiß, dass wir nicht nur die Beute, sondern uns auch freiwillig um Arbeit reißen. Falls dir diese Art von Motivation bisher in deinem Leben gefehlt hat – kann dir diese EP allerdings auch nicht helfen. Sorry. Aber sie kann eine ganze Menge anderer Dinge. Let’s dive in.


    Chaos im Kopf mit passendem Soundtrack

    Unkoordiniert und durcheinander sind wohl nicht gerade die Adjektive, mit denen etwas schmeichelnd umschrieben wird. In diesem Falle sind sie allerdings durchweg positiv konnotiert. Wir alle mögen gefühlvolle Musik, richtig? Das heißt aber auch, dass sie im Hier und Jetzt entstehen muss. Starke Gefühle sind meist nicht sortiert und fein säuberlich beschriftet, sondern schwirren herum und lassen sich kaum fassen. Dieses Wirr-Warr unterlegt Es brennt mit Sound. Das Duo macht sich (so scheint es zumindest) zudem keinerlei Gedanken darüber, ihre Songs in eine bestimmte Nische packen zu müssen, geschweige denn ihre Texte und Sounds Normen anzupassen. Das Chaos in deinem Kopf wird es lieben – und in dieser Musik einen Verbündeten finden.

    Kurzer biografischer Abriss: Mit “So naiv sind wir nicht” trat Es brennt im Mai 2022 auf die Bildfläche des deutschen Indie-Rocks. Der starke Text mit Lines wie “Wir sind eingesperrt, aber fangen lassen wir uns nicht” oder “im Zweifel eine Mauer, aber Krieg führen wir nicht” hat der Song uns direkt in seinen Bann gezogen.

    Über Es brennt gab es damals noch kaum Infos. Gut sieben Monate später haben Sören Geißenhöner und Magnus Wichmann – die Gesichter hinter Es brennt – eine EP und vier neue Songs rausgebracht. Dazu Musikvideos und eine Menge ausdrucksstarker Texte. Ein deutsches Indie-Magazin beschreibt das Duo und ihre Musik als Anti-Pop. Finden wir passend, denn textlich geht es bei Es brennt irgendwie immer wieder um eine Art Anti-Haltung. Aber noch besser finden wir Edge-Pop, denn wo es bei Es brennt ein Hoch gibt, ist der Absturz in die Tiefe meist nicht weit entfernt (oder andersrum, falls ihr Optimisten seid!)

    Das alles gibt’s nun auch auf der zweiten EP “Es geht wieder schief”, wie der Titel schon vermuten lässt. Jetzt, wo auch die letzten Sommertage noch einmal freundlich winken, bevor sie sich wie die Gänse in den Süden verpissen, kommt der Song „Schnee“ sehr gelegen. Eine Synth-Pop-Hymne, die sich durch die schwüle Sommerluft bewegt. Ein Text, der wie das Salz auf der Oberlippe einen irgendwie geilen, aber auch etwas bitteren Nachgeschmack hinterlässt. Es schmeckt nach Abschied, nach einseitigen Gefühlen – obwohl der erste Bissen so köstlich und verheißungsvoll war. Dazu der Sound, der uns in die Zeit zurückversetzt, als Bosse noch Bock hatte, tolle Songs zu schreiben. Und Sörens Stimme legt sich so zart über all das, dass sie bei einem etwas zu beherzten Ausatmen wie eine Pusteblume verwehen könnte.

    „Egal wie sehr du mich magst
    Viel lieber hast du den Sommer
    Jeden Tag
    Alles vergeht
    Auch deine Schwäche für Schnee“

    Es ist ein Spiel mit den Gegensätzen, so wie es die Protagonisten der Geschichte auch zu sein scheinen. Ein Verlangen nach mehr, das keiner der beiden erfüllen kann. Eine Spur zu viel für das, was die eigenen Träume uns vormachen. Und immer spielt der oder die Andere in einer ganz anderen Liga, augenscheinlich. Eingeständnisse von unerfüllten Erwartungen und Gefühlen, die im Endeffekt wohl doch wieder verletzt werden. “Kann mich bitte jemand kneifen?” – und trotzdem wacht niemand aus dem Traum auf. “Schnee” ist dabei kein Wecker. Es gibt kein Trara. Das Schlagzeug eher in den Hintergrund gedrängt, alles etwas schummrig und auch die ausufernden Einlagen von Sänger Sören, wie man sie aus Songs wie “Antidote” oder “so naiv sind wir nicht” kennt, bleiben aus. Aber das passt. Dann bleiben wir halt heute im Bett


    “Kaputt”: Zwischen Weltverdruss und überzogener Selbstliebe

    Da setzt der nächste Song direkt an, “Kaputt” rüttelt und schüttelt die Müdigkeit aus uns. Guten Morgen! Mit Schwung und voller Tatendrang führt der Track zurück aus der Gedankenwelt in die Gegenwart, die Realität. Das alles passiert schnell. Es gibt keine Zeit zu verlieren.

    “Ich bin der Schurke meiner eigenen Geschichte
    Ich baue einen Damm für jeden Fluss, der meine Eitelkeit zu fluten versucht”

    In den Miniaturen und Sinnbildern des Textes wird doch ziemlich schnell deutlich, was Sören uns da ins Ohr singen will: Du bist ein ganz schön selbstbezogenes ***.  “Der Song beschreibt die Überheblichkeit des Menschen. Seine Unangepasstheit, im negativsten Sinne. Die Ausmaße seines unreflektierten Handelns und so weiter”, erklärt er selbst.

    Ehrlich und ohne schöne Worte ausgeschmückt. Und je länger man darüber nachdenkt, desto mehr ist da diese Wut im Bauch: auf uns, auf die Menschheit, auf falsches Handeln und irgendwie auch ein bisschen auf die Politik und ihre Entscheidungen, die viele mit logischem Verstand einfach nicht nachvollziehen können. 

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    Apropos Wut: “Und nun steh ich da mit der Faust in der Tasche”

    Betrachtet man die EP als eine Einheit, fällt “Und nun steh ich da mit der Faust in der Tasche” ein bisschen raus: Er kommt überraschend gut gelaunt daher. Wo ist die scharfe Kante, die Anti-Haltung? Natürlich trügt der Schein. Denn auch wenn der Sound etwas drüber klingt und einen Tick zu viel “Friede, Freude, Eierkuchen” anstimmt, hinkt der Text im Happiness-Level hinterher.

    “Ich bin immer für dich da
    Wie ein Fels in der Brandung, Baby”

    Ungewohnt cheesy für Es brennt, aber keine Sorge, es wird direkt hinterher geschoben:

    “Völlig unterkühlt und durchnässt”

    Achja, danke. Da ist sie wieder: Die ungeschönte Ehrlichkeit, die wir so lieben. Kurz schleicht sich das Gefühl ein, in einem schlechten Re-Make eines musikalischen Rosamunde Pilchers gelandet zu sein oder “The Power Of Love” von Huey Lewis noch einmal erfahren zu müssen. Doch da zieht uns Es brennt schon wieder raus aus dem Tagtraum. Tatsächlich ist der wohl poppigste Song dieser EP auch der gewöhnungsbedürftigste – das muss man auch erstmal schaffen.

    Bevor wir jetzt zum letzten Song kommen, den wir euch hier vorstellen wollen, eine kurze Exkursion zum Bandnamen. „Es brennt“ – das ist wahrscheinlich so ein Satz, der SOFORT die gesamte Aufmerksamkeit im Raum erregt und auch die letzte Person ihre Kopfhörer aus den Ohren pulen lässt. Ähnlich wie „Ey, da ist ein Einhörnchen!“, nur dass der Satz nicht so gut zur Band passen würde. Und, ganz ehrlich, Es brennt live zu sehen, war literally ein flammendes Inferno (pun intended, sorry). 

    Zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein, das haben wohl alle Besucher*innen gefühlt, als sie vor zwei Wochen Es brennt auf dem Oben Air vor malerischer Weinbergkulisse live sahen. Was da genau passiert ist, ist schwer zu beschreiben, aber: Sie waren die letzte Band des Abends, es war lauwarm draußen und statt auf der Main-Stage zu spielen, haben die Veranstalter*innen ihnen einfach eine eigene Bühne gebaut, die sie, sorry nochmal, komplett angezündet haben. 

    Magnus hat mit seinem Drumset nur gerade so auf die Bühne gepasst und Sören tobte sich mit Mikrofon in der Crowd aus. Die Energie, die sie dort zusammen mit ihrem Publikum freigesetzt haben, hätte Deutschland auch die nächsten drei Winter noch ohne Gaslieferung versorgen können. Entweder die Kinnladen standen sperrangelweit offen oder wurden krampfhaft zugehalten, um sich im Moshpit nicht die Zunge abzubeißen. Dabei ist es doch echt schade, denn „Konzerte spielen wir selten und nur, was wirklich passt. Dafür dann aber halt so, wie du es erlebt hast…..1000000%”, schreibt Sören in einer E-Mail. Wenn das die berüchtigte künstliche Verknappung ist, dann funktioniert sie sehr gut. Wir wollen jedenfalls mehr.

    Ein kuscheliger Mantel names „Ich hab mein Herz so tief vergraben“

    Am stärksten in Erinnerung geblieben ist beim Konzert wohl der Song „Ich hab mein Herz so tief vergraben“. Er beginnt so unschuldig mit einem dissonant verzerrten Gitarren-Akkord, den eigentlich bis dato nur Hüsker Dü oder so wirklich beherrschten. Dann die ersten Hooklines, die nur schwer wieder aus dem Kopf zu bekommen sind:

    „Ich hab‘ mein Herz so tief vergraben
    Allein für den Frieden geb‘ ich’s nicht her
    Wer hat mich dir vorgestellt
    Ich will Abstand halten, aber dazu gehör’n“

    Wer dann noch nicht drin ist, wartet noch schnell, bis das Schlagzeug einsetzt. Und dann wird sich erstmal ganz dick eingewickelt in diesen besonders kuscheligen Mantel, der die Welt da draußen so schön dumpf klingen lässt. Riecht zwar ein bisschen nach 90er Rock-Kneipe, ist aber schick und trotzdem lässig! Kann definitiv nicht jeder mehr tragen – Sören und Magnus können’s.

    „Ich hab mein Herz so tief vergraben, weil ich Angst habe, jemand könnte es verletzen. Der Text handelt von der Angst sich zu binden. Gleichzeitig ist da aber die Sorge, etwas zu verpassen. Also Torschlusspanik versus Bindungsangst. Tausche ich Verbundenheit gegen Leichtigkeit? Pflichtbewusstsein gegen jugendlichen Leichtsinn? Da ist auch eine Art Entscheidungs-Ohnmacht. Darum geht’s im Song”, erklärt Sören. Hey, ja klar! Das klingt so einfach, wenn er das sagt. Wir ertappen uns aber eher häufiger dabei, wie wir uns aus lauter Entscheidungs-Ohnmacht doch wieder im besagten Mantel verpuppen und auf besseres Wetter warten. Ein perfekt (un)gewolltes Zusammenspiel aus der Flucht vom Text in die Musik? Das Chaos in dir wird es vielleicht nicht lieben – aber trotzdem auf Repeat hören.

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    Fotocredit: Christoph Eisenmenger

  • Olivia Deans Debütalbum „Messy“ geht den schmalen Grat zur perfekten Pop-Platte

    Es war Liebe auf den ersten Blick. Auf meiner YouTube Startseite wird mir vor über einem Jahr ein Konzertvideo vorgeschlagen: „Olivia Dean – Live At The Jazz Café“. Keine Ahnung, weshalb ich mir das Video anschaue. Weder bin ich ein riesen Jazz Nerd, noch schaue ich mir oft Recommendations auf YouTube von Artists an, die ich nicht kenne. Die Bühne ist dunkel, Fans jubeln vor Vorfreude und Bläserfanfaren kündigen den ersten Song an bis Olivia Dean im aufleuchtenden Spotlight und mit bezaubernder Stimme die ersten Töne ihres Songs „Boyfriend“ ansingt. 

    Ein Jahr später und meine aktuelle Lieblingssängerin hat ihr Debütalbum „Messy“ veröffentlicht. Niemand verbindet in meinen Augen derzeit besser Jazz mit Pop, inhaltliche Tiefe mit Hitmelodien, Authentizität mit Glamour und Bodenständigkeit mit Persönlichkeit. Kurz, it’s a bop!

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    Jeder Anfang ist „The Hardest Part“

    Angefangen hat alles mit „The Hardest Part“, für Olivia Dean ebenso wie für mich. Die fast klischeehafte Pop-Ballade thematisiert den immer wiederkehrenden Herzschmerz am Ende einer missglückten Beziehung. Feenartige Chöre packen die schmerzende Gesangsstimme in Watte und lassen uns für einen Moment an die längst überwunden geglaubte letzte Liebesbeziehung denken. Doch wenn Herzschmerz sich so anfühlt wie dieser Song, möchte ich nie wieder etwas anderes fühlen. Denn „The Hardest Part“ strahlt eine Wärme aus, die sich besser anfühlt als jede Wärmfläche im Bett während einer kalten Winternacht und auch besser als jede heiße Schokolade am Kaminfeuer einer einsamen Skihütte in den Bergen. Und egal wie viel Kitsch jeder Ton und jede Zeile dieses Songs ausstrahlen, keine Person verkörpert ihn so authentisch wie Olivia Dean. Es wäre eine leichte Wette gewesen, auf den Erfolg dieser Single und dieser Künstlerin zu setzen, als sie noch keiner kannte.


    Ein teures Konzert für die Ewigkeit

    Am 04. April 2022 spielt Olivia Dean als Voract für die Show von Jordan Ragen in Berlin. Nach dem Konzertmitschnitt im Jazz Café und intensiven Spotify-Sessions der bisher releasten Songs ist die Vorfreude groß. Einziges Problem: das Konzert ist ausverkauft. Zur Lösung des Problems habe ich meine verstaubte Facebook App reaktiviert und auf der Veranstaltungsseite nach Tickets gesucht. Nach langer und sorgfältiger Suche falle ich auf einen Scam rein und zahle 70€ an eine Person, die das Geld bestimmt einfach nur sehr dringend braucht. Aber für Olivia Dean ist mir nichts zu teuer. Eine Freundin findet anschließend in einem Bruchteil der Zeit Tickets für den Normalpreis, die uns tatsächlich auf das Konzert bringen. 30 Minuten Konzert nehmen uns mit in den Himmel, in dem Olivia mit den Engeln singt und nähren die Sehnsucht nach neuen Songs und kommenden Deutschland-Konzerten. Den Main-Act skippen wir, weil unsere Musik-Seelen im Olymp angekommen nicht weiter aufsteigen können.

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    Single Marathon auf 3, 2, 1! Go!

    In der Folge beginnt der Weg zum Album-Release. „UFO“ ist zurückhaltend, strahlt aber wie immer Wärme und Intimität aus. Thema ist natürlich: die Liebe! Anschließend wird der Song veröffentlicht, der nie alt wird. „Dive“ verzaubert mit liebevollen Melodien, die Radiofans ebenso wie Musikenthusiast*innen um den Finger wickeln. Die zielstrebige Songstruktur geht mit der Zeit, ohne aufdringlich zu wirken und die instrumentale Komposition fühlt sich poppig an, ohne an Musikalität einzubüßen. Wer in diese Stimmung nicht eintauchen möchte, ist Masochist. Als dritte Single veröffentlicht Olivia Dean „Danger“. Der Track ist frech, tanzbar und versprüht good vibes, die die Liebe nochmal aus einer anderen Stimmungsfacette beleuchten.

    Die letzte Single zum Album schließt den Bogen und fühlt sich wieder intimer und persönlicher an. „Carmen“ spricht über die Auswanderungsgeschichte der Großmutter und steigt tiefer in das Innenleben der Sängerin, das zwischen all den Liebessongs doch nicht immer ganz klar zu erkennen ist. 


    One Album, One Love

    Einige märchenhafte Popsingles später und wir können das komplette Album von Olivia Dean namens „Messy“ genießen. Seit Ende Juni ist das 12 Lieder lange Debütalbum der britischen Sängerin draußen und es hält, was die Singles versprechen. Der Titeltrack zum Album beweist einmal mehr wie viel Geborgenheit Olivia Deans Songs ausstrahlen können. Auf „Messy“ singt die Künstlerin in tieferen Stimmlagen, die in Verbindung mit den sparsam arrangierten Instrumenten eine besondere Ruhe ausstrahlen. Hinzu kommt eine Live-Aufnahme im Sonnenblumenfeld bei Sonnenuntergang, die die warme Atmosphäre des Songs verstärkt (siehe unten).

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    Ein weiteres Highlight der Platte ist „Ladies Room“. Der Song gehört zu den tanzbaren Nummern des Albums. Auf einem four-on-the-floor beat besingt Olivia Dean die Kraft, die aus ihrer eigenen Unabhängigkeit und Selbstständigkeit wächst. Mit „Danger“ gehört er zu den weniger sentimentalen Songs, die vor allem eine gute Zeit versprechen. Songs wie „No Man“, „Dangerously Easy“ oder „I Could Be A Florist“ haben nicht die Hitmelodiedichte der zuvor beschrieben Songs, sind aber nicht minder gefühlvoll. Sie glänzen durch eine Unaufdringlichkeit, die mehr Gelegenheiten zum angenehm sorglosen Abschweifen bietet. Wie immer geleiten dabei die seidenen Background Vocals die Gedanken beschwerdefrei in das Land der Träume.


    Keine heiße Schokolade ohne Marshmallow

    Der Marshmallow auf der heißen Schokolade war das Konzert am 24. März 2023 in der Emmaus Kirche am Görlitzer Park in Berlin, dieses Mal als Main Act. Nachdem die Vorband weniger Vorfreude auf den komplizierten Sound der Kirche weckt, überrascht Olivia Dean dann mit der perfekten Performance. Die feenhafte Stimme der Sängerin gleitet mühelos durch den Saal ohne den Hauch eines falschen Tons oder einer nervenden Frequenz. Ganz in weiß schwebt sie über die Bühne und zum ersten Mal fühle ich die Spiritualität eines Gotteshauses. Nach meiner Vorgeschichte mit dem Ticketbetrug für ein halbstündiges Vorband-Konzert kann es keinen besseren vorläufigen Höhepunkt meiner Fangeschichte mit Olivia Dean geben. Der Sound ist perfekt, die Band überzeugt und dass ich in die Musikerin Olivia Dean verliebt bin, muss ich nicht erneut erwähnen. Nach diesem Abend fühle ich mich beseelter als nach jeder Weihnachtsmesse.

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    Gratwanderung zum Erfolg

    Dank Olivia Dean fühlt sich der Herzschmerz wieder real an, wenn ich an meine bisherigen Beziehungen denke, während ich innbrünstig zu breakup Songs singe. Olivia Dean geht den schmalen Grat zwischen Mainstream und Art, zwischen langweilig und kompliziert und gewinnt dabei alle Parteien für sich. Die für ihre musikalische Reife viel zu junge Künstlerin wird all ihren Fans noch ganz viel Freude bescheren, denn ich bin mir sicher: für Olivia Dean geht es nur nach oben! Die einzige Schwäche des Albums ist, dass die Singles so viel Glanz ausstrahlen, dass beim ersten Hören die weiteren Albumsongs etwas abfallen. Doch im Kern glänzen sie keinen Schimmer weniger. 

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  • Indie-Folk aus London: Matilda Mann mit ihrer EP „You Look Like You Can’t Swim“

    Indie-Folk aus London: Matilda Mann mit ihrer EP „You Look Like You Can’t Swim“

    Warme, träumerische Melodien und sanfte Gitarrenklänge – Indie-Folk Singer- und Songwriterin Matilda Mann veröffentlichte im Juli ihre vierte EP „You Look Like You Can‘t Swim”. Eine sehr intime 5-Track-EP mit Songs, die aufrichtige Zuneigung, Verlust und den Weg den eigenen Platz in der Welt zu finden, thematisieren. 

    Die Newcomerin aus London macht Musik, die neben einer vertrauten Atmosphäre vor allem Geborgenheit schafft. Ihre sanfte und helle Stimme verleiht den Songs eine Leichtigkeit, die ziemlich gut zum Rest passt. Ihr ehrliches Songwriting und die damit verbundene Fähigkeit jegliche Emotionen in innige Texte zu verwandeln, lässt sie insbesondere als Songwriterin herausstechen.


    The Day That I Met You

    Der erste Song „The Day That I Met You” ist mein persönlicher Favorit auf der EP. Im Song wird das Gefühl beschrieben sich viel zu oft allein zu fühlen. Der Gedanke, dass die ganze Welt gegen einen ist, wird durchbrochen durch das Begegnen dieser einen Person, die dich alle negativen Gefühle vergessen lässt. 


    „I forgave the world the day that I met you.”


    Für mich ist der Song ein Paradebeispiel für ihr unglaublich gutes Songwriting: „It’s like lavender came and never left”. Muss ich da mehr sagen?

    Ihr Debut feierte Matilda Mann 2020 mit ihren EPs „If That Makes Sense“ und „Because I Wanted You to Know“. Ein Jahr später folgte die EP „Sonder”. Seither war sie unter anderem mit Arlo Parks, Tom Grennan und dodie auf Tour und spielte bereits einige Headline UK-Shows. In der UK ist Matilda also längst als Newcomerin angekommen. Im August spielt sie auf der renommierten BBC Introducing Stage beim Reading & Leeds Festival, die schon einigen britischen Künstler*innen zum Erfolg verholfen hat. Auf den Streaming-Plattformen sieht es mit mehreren Millionen-Streams auch nicht schlecht aus. 


    In Plain Sight

    Stellt euch vor, ihr lauft an einem Spätsommerabend an einem Sonnenblumenfeld vorbei, während die Sonne schon tief am Himmel steht. Und durch eure Kopfhörer dröhnt dieser eine Song, der euch an eure Lieblingsperson erinnert. Jawoll, super kitschig, aber „In Plain Sight“ fühlt sich genau danach an  – mit seiner unfassbar positiven Energie wird der Track zu einer indie-folk Hymne über die eine große Liebe.


    Margaux & If Only

    Mit „Margaux“ beschreibt Matilda die Abwesenheit eines wichtigen Menschen und die Gefühle, die mit dem Verlust einhergehen: „Margaux left and nothing felt the same.“ Während ihre fast flüsternde Stimme im Fokus steht, ist der musikalische Track mit sanften Akustikgitarrenklängen eher simpel gehalten. Trotz der Thematik klingt der Song aber alles andere als traurig.

    Den melancholischen Part auf der EP übernimmt der vorletzte Track „If Only“. Eine schmerzvolle Ballade, die vor allem durch die Streicher ihre epische, träumerische Atmosphäre bekommt.

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    You Look Like You Can’t Swim

    Der Titelsong der EP ist laut der Newcomerin eine Metapher, um zu sagen, dass jemand nicht danach aussieht etwas schaffen zu können. Während es so scheint, als hätten alle anderen ihren Platz in der Welt bereits gefunden, ist man selbst ein Fisch im Meer, der nicht schwimmen kann. Neben Selbstzweifeln äußert sie im Song die Angst, nie genug zu sein. „You Look Like You Can’t Swim“ steckt voller Ehrlichkeit und Mut.


    „It seems an awful waste to give me so much space

    I never seem to know exactly what’s my place.“


    Für das Musikvideo hat Matilda selbst Regie geführt und es geschafft, die Entschlossenheit und Zweifel im Song visuell darzustellen. Die Protagonistin, die von Matilda selbst gespielt wird, versucht sich immer wieder in Wasser zu wagen. Der Weg dahin kostet sie Überwindung und zeigt wie sie scheitert, aber dennoch niemals aufgibt. In den letzten Sequenzen des Videos sieht man Matilda, wie sie es letztendlich schafft zu schwimmen. 

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    Foto Credits: Caity Krone

  • Maïa befreit sich auf „tatendrang und todmüde“ von der Winterdepression

    Maïa befreit sich auf „tatendrang und todmüde“ von der Winterdepression

    Keine EP für hitzige Sommertage, sondern eine für verregnete Sommernächte. Die Sängerin Maïa hat Anfang des Jahres fünf unverschämt gefühlvolle Lieder veröffentlicht, eigentlich als Abschiedsbrief an den langen Winter. Fünf optimistischere Monate später stechen jede Zeile und jeder Ton auf „tatendrang und todmüde“ noch immer genauso tief in die Seele, wenn drinnen wie draußen kleine Tropfen über den Boden tanzen. 


    Bestimmte Worte mit zittriger Stimme

    Von Hall verhüllt schleicht sich Maïa’s Stimme in den ersten Song. Allein von einem Klavier begleitet, thematisiert die Sängerin auf „tristesse“ ihre innere Zerrissenheit und Orientierungslosigkeit. Die zaghafte Stimme zittert dabei so unglaublich empfindsam zwischen den Tönen hin und her und malt zugleich lyrische Bilder, die plastischer sind als jedes Deckengemälde einer katholischen Kirche. 

    „Ich kann den blauton gerade nicht beschreiben
    Inneres zerreißen, lass mich treiben
    Versuche auf dem weg zu bleiben
    Lass mir irgendwie die richtung zeigen
    Stille und schweigen, will hier bleiben
    Und regen fällt auf meine scheiben“

    Zeitgemäße Akustik

    „nie mehr zurück“ ist der Beweis, dass ein unaufgeregt akustischer Klang einen modernen Sound nicht ausschließt. Das charakteristische Vocal Sample verschmilzt mit dem Klavier, während Maïa die Wärme des Frühlings herbeisehnt. Seichte Backing Vocals legen sich über die folgende Gitarre, sobald der Refrain erklingt. Viel mehr braucht es nicht, um die lyrischen Bilder musikalisch glänzen zu lassen.

    „Drei jahre winter, öffne alle meine fenster
    Genug erstickt, ich frier mich aus
    Spür den kalten wind auf meiner haut
    Ich atme ein, ich atme laut
    Lass den rauch über die städte ziehen
    Ich lass mich mit ihm gehen
    Lass dein duft über die städte ziehen
    Ich lass ihn fallen und liegen
    „

    Piano Magic

    Wenn ein Instrument die Produktionen prägt, dann ist es das Klavier. Denn eine bezaubernde Klaviermelodie folgt der nächsten. Auf „asche und staub“ bestimmt das Klavier die Stimmung, ebenso wie das Tempo des Songs. Erst nach vorne treibend, dann langsam und stockend, zwischendurch mit einem Synth verschmelzend und zuletzt ganz pur gestaltet das Klavier die Dynamik mühelos. Nennt mir ein Instrument, dass vielseitiger ist als das Klavier und scheitert!

    „niemand dabei“ nimmt die Geschwindigkeit der EP langsam heraus. Lyrisch wie klanglich werden die Träume größer und erneut umgarnen wunderschöne Klavierakkorde und federleichte Backing Vocals die introspektiven Texte. „filmriss“ setzt diese Linie fort. Fast ungewöhnlich beginnt das Lied mit einer Gitarre, doch Klavier und nebelige Vocals sind nicht weit, ehe sich die zweite Hälfte rein instrumental weiterentwickelt. Lag der Fokus bisher in nahezu jeder Sekunde auf den intimen Worten Maïa’s, greift nun die Atmosphäre nach Platz, um sich zu entfalten. Doch Am Ende sind es wieder Klavier und Stimme, die den roten Faden aufgreifen.

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    Stilecht

    Maïa beweist auf „tatendrang und todmüde“ wie homogen eine EP klingen kann und wie klar die klangliche Identität einer Künstler:in definiert sein kann. Poetische Lyrics werden von warmen Akkorden und einprägsamen melodischen Klavierfiguren aufgefangen und durch Gitarrenmelodien und hallende Backing Vocals abgerundet. Eingängige Melodien, ehrliche Gedanken, zielgerichtete Songstrukturen und ein authentischer Minimalismus lassen die Produktionen dabei zeitgemäß klingen. Diese Ästhetik spiegelt sich auch auf der visuellen Ebene der Künstlerin wider. Dunkle Farben und verschwommene Gesichter ergänzen den atmosphärischen Sound der aufstrebenden Sängerin und Poetin. Selbst die Kleinbuchstaben der Songtitel und Lyrics fügen sich unauffällig und doch perfekt ins Konzept ein.


    In music I trust

    Wer „tatendrang und todmüde“ lieben lernen möchte, muss eine gewisse emotionale Schwere aushalten können. Die Texte, Melodien und Instrumente zeichnet allesamt ein gewisses Gewicht aus, das zugleich die eigenen Sinne befreit. Denn Maïa lässt unsere sich immer wieder im Kreis drehenden Gedanken und Zweifel kurz anhalten. Die Songs der EP zu genießen, bedeutet sich verstanden zu fühlen und Allem was kommt, erleichtert entgegenzublicken.  

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