Ehrliche Worte, ein leicht düsterer Sound und ein bisschen Geschrei – so klingt „Was soll jetzt noch kommen„. Wie aus dem Nichts kommt die erste Single von I Salute. Denn das letzte Mal, dass das Duo Musik veröffentlicht hat, war vor mehr als vier Jahren. Worum es in dem Song geht, erklärt Sänger Sören Geißenhöner.
Lange war es ruhig um das Duo I Salute. In der Zwischenzeit haben Sören Geißenhöner und Magnus Wichmann unter dem Pseudonym Es brennt Musik veröffentlicht. Vielleicht erinnert sich ja der ein oder andere noch an meine Review zur Single „Kaputt„. Was bei Es brennt als Anti-Pop daherkommt, ist bei ISalute deutlich experimenteller. Irgendwo zwischen Rap, Hip Hop und dem besagten Anti-Pop ist „Wassoll jetzt noch kommen“ einzuordnen.
„Egal welche Jahreszeit, bei dir hat es immer geregnet“
Wenn ein neuer Song aus der Feder von Sören rauskommt, dann können wir uns sich sicher sein: Hier wurde Wert auf jedes einzelne Wort gelegt. In einem Interview mit laut.de hat er mal gesagt: „Ich lege einfach unfassbar viel Wert auf Wörter. Jedes Füllwort ist mir genauso wichtig wie ein viersilbiger Reim.“ Und ich finde das hört man euch. In jeder gesungenen Zeile steckt eine geballte Ladung Emotionen. Der ISalute-Sänger weiß genau, was er da singt.
https://www.youtube.com/watch?v=IO0Z7tqEInk
Worum geht es in „Was soll jetzt noch kommen“?
Dazu schreibt Sören mir: „Die Lyrics sind nicht gerade versöhnlich. Ich erzähle die Geschichte eines Freundes und mache mir sein gebrochenes Herz zu eigen. Ich wüte eher als Rapper über einen manchmal erschreckend aufregenden Beat.“
Langsam und bedacht fängt der Song an, aber für mich ist es der Break, ab dem Sören mit voller Inbrunst seine Wut rausschreit. Es kommt unerwartet und passt perfekt in den Song. Es fühlt sich an als wären alle Gefühle in dieser Stelle gebündelt und haben nur darauf gewartet, herausgelassen zu werden.
Schmunzeln muss ich an der Stelle in Sören’s Mail, in der er sagt „Ich glaube ich habe diesmal recht einfühlsam geschrieben“. Da stimme ich zu. Zwar finde ich, dass die Einfühlsamkeit in den anderen Songs, die Sören so in die Welt rausgelassen hat, auch nicht fehlt, aber wenn „Was soll jetzt nochkommen“ eines schafft, dann ist es, mich über jedes Wort und seinen Zusammenhang nachdenken zu lassen. Hier ein kleiner Auszug aus meinem Gedanken Wirr-Warr rund um den Song:
„Wenn wir uns mit gleichen Waffen gegenüber stehen“
Das Idealbild des Eisbären, „der nie weinen muss“, bleibt mir besonders im Kopf. Es spiegelt den Schmerz wieder, der nicht gefühlt werden möchte und doch mit jedem Ton genauestens durchklingt. Wut und Traurigkeit vermischen sich und werden durch den „erschreckend aufregenden Beat“ befeuert. Sodass ich mir am Ende denke: Möchte ich überhaupt nie weinen? Und darauf „Nein“ antworte. Denn ist Weinen nicht auch irgendwie eine Art Freilassung des Schmerzes?
Mit den Worten „Ich denke du fühlst es“ und „die Tragik liegt mir halt“ hatte Sören seine Mail beendet und was soll ich sagen? Ich kann beidem mal wieder zustimmen. Und was denkt ihr?
Hier geht’s zu „Was soll jetzt noch kommen“ von I Salute:
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Lieber Herr Blumig, an dieser Stelle erst einmal ein großes SORRY. Wir hätten dich hier schon viel früher vorstellen sollen.
Nicht nur das neue Album „Zirkus Blumig“ des Leipziger Musikers Rolf Blumig ist eine Attraktion in der Manege. Auch der Vorgänger „Rolfie lebt“ war eine akustische Sensation. An die Promo-Mail seines Labels Staatsakt erinnere ich mich jedes Mal gerne: „Meine Damen und Herren, darf ich vorstellen: Rolf Blumig, Ihr neuer Lieblingskünstler“.
Us (us us) and them (them them)
In gewisser Hinsicht war das absolut richtig vorausgesagt, zumindest war ich damals im positiven geschockt von der ersten Single „1000 Thomas“: südamerikanisch angeswingter Anti-Rock mit einer schauerlichen Vision einer geklonten Thomas-Gottschalk-Armee. Wirklich wild.
Für weit aufgerissene Augen und feuchte Handflächen sorgt jetzt auch sein zweites Werk „Zirkus Blumig“. Das liegt vor allem an Rolfies Fähigkeit, für Überraschungen zu sorgen. Wie in den ersten Takten des Openers „Liebe ist überall“, der mit einem ungewöhnlichen Chorarrangement eröffnet. Ungewöhnlich deshalb, weil hier ausnahmsweise mal von schönen Terzen abgesehen wird und sich die Harmonien so richtig schön reiben. GÄN-SE-HAUT. Naja, vielleicht für jemand, der hauptsächlich mit den Prinzen und den Wise Guys musikalisch sozialisiert wurde. So wie ich. Natürlich bleibt danach noch genügend Zeit, um Pink Floyd mal zu zeigen, wie Gitarrenmusik richtig funktioniert. Fast pünktlich zum 50. Geburtstag von „Dark Side of the Moon“. Dieses unverhofft frühe Rendezvous mit einem Gitarrensolo vor Anbruch der zweiten Songminute ist mindestens genau so episch wie die Soli der Altrocker, allerdings weniger pathetisch.
Harte Zärtlichkeiten
Betrachten wir Titelliste, geht es ähnlich positiv gestimmt zum zweiten Song: „Fiderallala“. Das klingt nach Vogelhochzeit. Das muss heile Welt sein. Nur leider stimmt das nicht. Pauschaltourismus, Billigreisen und masochistische Gewaltfantasien: Das gehört in Blumigs Welt einfach zusammen. Eine Szene unangenehmer als die andere vor einer hübschen All-inclusive-Kulisse. Das lässige Indiepop-Mäntelchen, das der Leipziger dieser Tabuzone überwirft, setzt der Zynik die Krone auf. Da weiß ich gar nicht, was ich noch sagen soll. Außer toll natürlich.
„Ich ess’ den Monat nichts, dann fahren wir auf Fuerte Doch sind wa vom Buffet weg, gibst du mir die Gerte“
„Cornern“, zu Deutsch etwa „herumlungern“, klingt wie ein zärtlicher Kuss von Mac DeMarco und Kevin Parker von Tame Impala. So, als hätten diese beiden dann anschließend ganz verliebt eine Session zusammen aufgenommen: In alle Richtungen verbogene Akkorde treffen analoge Synthesizer und drei Meter hohe Gitarrenwände. Die Ghost Notes der Snare im Chorus von „Mit dir“ sorgen hingegen für ein beschwingteres Kopfnicken. Ich fühle mich hier sehr an Grizzly Bear erinnert, jedes Instrument macht sein Ding, aber alles fließt ineinander. Die romantische Vorstellung, eng umschlungen mit einer geliebten Person in ein paar tausend Jahren als Fossilien ausgegraben zu werden, wird hier zu so etwas ähnlichem wie ein Liebeslied. Das ist erfrischend und irgendwie süß.
Premiumheu für euch alle
Durch die brütende Hitze irgendwo in der nordafrikanischen Wüste schleppt sich „Sicherheit“ zur nächsten Oase, zumindest klingen die Gitarrenriffs und das King-Size-Bett von einem Basston sehr nach Sahara-Rockbands wie Tinariwen oder Tamikrest. Rolfie karikiert im Text vermutlich das Sicherheitsbedürfnis des rechten Randes im Joggingdress, gekrönt mit der Krone aus dem Happy Meal. Vermutlich — denn was das alles genau zu bedeuten hat, bleibt angenehm ungewiss. Eine Sicherheit gibt es: beim Hören fängt das Gehirn mal wieder an zu arbeiten.
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Richtig ausgefuchst wird es beim Song „Premiumheu für Maxi“. Dieses Highlight des Albums ist eine bitterböse Millieustudie, in der sowohl die blondierte Angelika, die glatzköpfigen Gestalten in der Kneipe und Tim aus dem Bio-Supermarkt von Dr. Blumig untersucht werden. Neugierig aufgeschnappte Gesprächsfetzen fädelt er uns da geschickt auf die Kette. In diesem Puzzle passt zwar kein Teil richtig ineinander, aber Rolf Blumig drückt sie mit Gewalt einfach da rein, wo sie ihm gefallen. Zum Schluss ergibt sich trotzdem ein Bild. Vielleicht ein viel interessanteres.
„Die Welt ist schlecht, die Bar ist voll Und drinnen sabbern alte Ois Der Kopf ist kahl, das Bier ist schal Das immer ewig selbe Hamsterrad
Doch wer soll die Couch bezahlen? Das Pack, was sie näht? Das Pack, was sie trägt? Ja, drei Mal kannst raten, wa?“
Living in Peace
Im letzten Song des Albums werden alle Kitschkanonen zum finalen Schlag in Stellung gebracht. Ich bin so dermaßen verwirrt allein schon vom Anfang, wo hat Rolf Blumig auf einmal dieses Orchester her? Und warum klingt genau so wie bei Night of the Proms im britischen Fernsehen? „Ja zum Leben“, ein letzter zynischer Gruß dieses beeindruckenden Albums, ist eine kleine Liebeserklärung an die schönste Nebensache der Welt: Nein, nicht Sex! Fußball! Und dann auch noch im Ruhrpott. Ab und zu ein kleines musikalisches Zitat aus Lennons „Imagine“ — da hat Rolf Blumig doch wirklich nicht zu tief in die Effekt-Besteckschublade gegriffen und diesem einzigartigen Lebensgefühl angemessen gehuldigt. Da holt er wirklich jede*n nochmal mit ab, wenns um Fußball geht, dann wird’s einfach emotional.
Im „Zirkus Blumig“ hat also wirklich jede noch so kuriose Attraktion ihren Platz gefunden. Erzählt und ausgewählt vom kaum zu fassenden Direktor, Rolf Blumig himself. Die Miniaturen, die er uns in jedem Song nahelegt, schmerzen, oft sind sie knallhart. Manchmal will man gar nicht hinsehen. Rolf Blumigs Charaktere sind quasi die Einrad-Artisten beim Drahtseilakt. Musikalisch serviert er ein 1a produziertes Rockalbum mit viel Platz auf den Gehwegen neben dem Mainstream. Das Ganze eingespielt von seiner topbesetzten Zirkuskapelle, die die Darbietungen noch einmal spannender machen. Aus Deutschland habe ich so etwas noch nie gehört. Weltsensation! Weltsensation! Go and grab a copy!
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Ein Release aus dieser Woche lässt das Untoldency-Herz höher schlagen. Schon bei den ersten Tönen der unendlich schwebenden Synth-Melodie ist klar: “rehaugen” von der zweiköpfigen NNDW-Band GAST wird noch lange in unseren Lieblingssongs nachhallen.
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Nach ihrer Debüt-EP im November (hier lesen) legen Tim und Linus von GAST jetzt mit bittersüßem New Wave-Sound nach. “rehaugen” ist neben einer musikalischen und persönlichen Weiterentwicklung auch der Vorbote auf mehr – ihrer neuen EP. Dennoch finden wir im neuen Track die geliebte GAST-Melancholie und vor allem ihre einzigartige Lyrik.
“Meine braunen Augen schauen in dein grelles Licht, wenn deine Motorhaube meinen Schädel küsst und deine Herzdruckmassage mir mein Herz zerbrichst, bist du kaputt wie ich”
In “rehaugen” bekommen wir Einblick in eine gescheiterte Beziehung. Es fehlt nur, dass man sich das auch eingesteht und den Mut aufwendet es zu beenden. Genau diese Zerrissenheit und das unterbewusste Wissen, eigentlich aus dieser Beziehung raus zu sollen, wird lyrisch raffiniert in Metaphern verpackt. So schauen wir durch unsere Rehaugen in die blendenden Autoscheinwerfer, Sekunden bevor alles Zusammenbricht. Dennoch ist es unmöglich sich zu bewegen. GAST beschreiben die Machtlosigkeit über die eigene Ohnmacht.
“keep running!”
Wir sind Bambi und sehen die Beziehung sterben, aber rennen eben nicht, was uns selbst schützen würde. Wir bleiben stehen. Paralysiert und andererseits süchtig nach der toxischen Extreme, ohne die es vielleicht langweilig wäre. Geboren aus der Angst, allein zu sein.
“sind wir gut zu zweit oder nur scheiße allein?”
Klare Antwort: Scheiße allein. Dann lieber zu zweit einsam.
Diese bittere Erkenntnis verpacken GAST in “ein ironischerweise viel zu schönes Gesamtbild”. Musikalisch erfahren wir Wärme und Weite, Unendlichkeit und eine entfernte Hoffnung, dass alles wieder gut wird. Dass man eben nicht mehr “scheiße allein” ist. Dass man es irgendwann aus dem Gefangensein hinaus schafft.
Wir sind schon gespannt auf mehr von GAST. Am 02. März soll ein Musikvideo zu “rehaugen” erscheinen, das NNDW-Artist Nils Keppel produziert hat. Bis dahin bewundern wir während des Hörens das Cover der Single, das erneut eine analoge Fotografie von Tims Opa aus den 50ern ist. Abgebildet ist ein Eisbär in Gefangenschaft, passt auch irgendwie.
Unsere Empfehlung: Kopfhörer auf, Augen zu, Lautstärke hoch (natürlich nicht zu hoch:)) und treiben lassen:
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Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr sehr, sehr aufgeregt seid, und ganz viel zu sagen habt, aber nicht wisst, wo ihr anfangen sollt? Wie soll man dieses Gefühl, diese pure Aufregung, die wahrscheinlich sowieso niemand anderes versteht, in verständliche Worte ausdrücken, die einen nicht solche Blicke einfangen lässt? Jede Person, die schon mal als „Fangirl“ abgestempelt wurde (hi!) kennt dieses Gefühl. Eigentlich sind es mehrere Gefühle, die sich, wenn man sie nicht ordentlich zerlegt und für andere zugänglich erklärt, nur zu einem einzigen innerlichen Schrei bündeln. Wenn ihr so einen Schrei auf einem Konzert neben euch hört, wisst ihr: „ah… fangirl.“ *inserts side-eye meme*
Jedenfalls, dieses schreiende Fangirl, das bin ich. Manchmal. Ich bin noch immer riesengroßer Fan von wirklich ganz vielen unglaublich begabten Künstler*innen, aber ich schrei mit Abstand nicht mehr so viel wie früher. Was mich aber auch mit 26 noch so richtig zum Schreien kriegt, sind albenübergreifende Geschichten, die in Musik, Texten und Musikvideos erzählt werden, so stimmig und voller Eastereggs sind, die man nur versteht, wenn man die Story schon seit 3 Alben verfolgt hat. Ja, man wird nerdig wenn man alt wird. Vielleicht haben ein paar von euch schon mal meinen Twenty One Pilots Deep Dive gelesen – das war ein sich über 4 Artikel streckender Fangirl-Schrei meinerseits. Vielleicht auch eher ein sehr befriedigendes Stöhnen als ein Schrei. Je nachdem wie ihr euch das vorstellen wollt. Gestern Abend jedenfalls, als das Musikvideo zu NF’s neuem Song „Hope“ erschienen ist, da hab ich wieder geschrien. Und gestöhnt. Alleine, vor meinem Fernseher (weil da guckt man geile Musikvideos drauf!), stand ich 5 Minuten lang mit Händen vor dem Mund und hab nicht fassen können, was ich da sehe. Und seitdem bin ich aufgeregt. Und warum, versuch ich euch jetzt zu erklären.
Is it NF or his fear talking?
Um die erste Frage aber vorab zu klären: wer ist NF? Klingt nicht nach einem Bandnamen für eine Indie-Band und ist auch keiner. NF macht Rap, aber Leute – wirklich guten Rap. Seine letzten beiden Alben gingen Platin in den USA und ließen ihn ganze Arenen ausfüllen während er aber trotzdem der mentally unstable underdog geblieben ist, in schwarzen Klamotten, Cap immer tief im Gesicht. In Deutschland hörte man bis auf seine Single „Let You Down“ (2017) relativ wenig von ihm – konnte ich zwar noch nie nachvollziehen, lässt mir aber auch die „I was here before he was famous“-Illusion. Sein letztes Album The Search kam 2019 raus, mit der relativ zügigen Ankündigung, dass ein neues Album noch ein wenig dauern würde. 2021 kam dann, als Überbrückung sozusagen, sein Mixtape CLOUDS, welches ich hiersehr begeistert resenziert hab. Seitdem warte ich geduldig und schaue seiner Frau auf Instagram zu wie ihr eineinhalb Jahre alter Sohn in ihrer Mansion (Wortwitz, erklär ich später) langsam und glücklich heranwächst. NF ist jetzt nämlich Vater. Und das hat vieles für ihn verändert – zum Glück.
Doch fangen wir am Anfang an. 2015 hat NF sein Debütalbum Mansionveröffentlicht, auf das er all seine Gedanken und Emotionen in einzelnen Räumen beschreibt. Ob Angst, Wut, Trauer, der Tod seiner Mutter durch Drogen, Selbstzweifel oder das Bedürfnis nicht mehr auf der Welt zu sein – alles darke Themen, mit denen er sich sein ganzes Leben lang beschäftigt und in Mansion ein metaphorisches Zuhause gegeben hat. Seitdem versucht er sich Stück für Stück, Album für Album, aus diesem depressiven Loch herauszuarbeiten. Alle, die schonmal in so einem Loch waren, wissen: das ist nicht einfach. Und je schwerer die Depression ist, desto schwieriger ist es, Hoffnung zu finden und da rauszukommen. Wie NF das in seinen Songs verarbeitet, ist so brutal ehrlich, dass ich mir seit 8 Jahren auch wirklich Sorgen mache. Es ist aber auch der Grund dafür, warum seine Musik so viel Anklang findet und eine so große und tiefe Fanbeziehung zu Menschen auf der ganzen Welt geschaffen hat.
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In seinem Nachfolgeralbum Therapy Session startet er den Versuch, direkt mit seinen Ängsten zu sprechen und personifiziert seine Emotionen. All das passiert in dem Setting der Mansion aus seinem Debütalbum, was auch auf seinem dritten Album, Perception, direkt auf dem „Intro III“aufgegriffen wird. Doch anstatt über sie zu rappen, übernimmt Fear hier selbst das Mikro und Nate verliert mehr und mehr an Kontrolle – sein mental health is clearly declining. Musikalisch ist das eine in sich aufgebaute Theatralik, die eindeutig zu NFs Erkennungsmerkmalen gehört. Jeder Song trägt so viel Power in sich, die sich spätestens im letzten Drittel des Songs so entlädt, dass ich tagelang Gänsehaut bekomme wenn ich nur daran denke. Lyrisch… lest selbst:
„You told me that you don’t want me in your life, that’s pretty hard to digest And I told you I’d leave when we die, and we ain’t died yet Therapy Session was beautiful, Nate, but I’m wonderin‘ what’s comin‘ next Yeah, get that stupid hat off of your head when I’m talkin‘ to you, you hear what I said? You don’t like the prison I built you? Yeah, you wanna know what the funny thing is? You keep on talkin‘ to me like a stranger But we’ve been together since you were a kid“
Wir alle verbringen unser gesamtes Leben mit unseren Gedanken und wenn wir nicht die Kontrolle darüber haben, wie wir diese gestalten, gewinnen schnell die negativen, gemeinen und selbstverletztenden Gedanken Oberhand. NF hadert damit sehr viel, und vor allem in Perception wird klar, dass nicht er, sondern seine Fear die Kontrolle über seine Gedanken hat – deutlich zu sehen auf dem Albumcover, in dem Nate (NFs bürgerlicher Name) im Käfig steht, Schlüssel in der Hand, aber nicht fähig sich selbst zu befreien.
„I’m lookin‘ for the map to hope, you seen it?“
Nach dem weltweiten Erfolg von Perception wird’s allerdings noch ein wenig dunkler um NF, er hadert sehr viel mit dem Ruhm und seinen Depressionen, und verarbeitet das in dem Nachfolgeralbum The Search, welches mit dem gleichnamigen Introtrack 2019 angekündigt wurde:
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Hier im Hintergrund zu sehen: der Käfig aus Perception. NF hat’s rausgeschafft, aber nicht ohne Fear und seine restlichen Zweifel. Portraitriert durch schwarze Ballons, die er auf jedem Schritt mit sich mittragen muss, befindet sich Nate nun auf der Suche nach Hoffnung. Inhaltlich ist das Album immer noch sehr deep, Tracks wie I Hate Myself, Let Me Go oder Trauma zeigen, dass so viele Hallen er auch füllt und es geschafft hat, seine Musik zu einem erfolgreichen Beruf zu machen, er immer noch keinen Weg raus gefunden und Fear ihn weiterhin im Griff hat. Es ist aber gleichzeitig ein Album, auf dem ganz deutlich sein Drang zu spüren ist, Oberhand über seine Ängste und Zweifel zu gewinnen, nur noch nicht weiß, wie. Ich hab’s euch oben verlinkt, schaut euch das Musikvideo an und lasst das einfach auf euch wirken.
Dann – zwei Jahre Pause. 2021 kam dann NFs Mixtape CLOUDSmit ausproduzierten Demos, die er herumliegenhatte, als Überbrückung. Hier hab ich schon mal meine entgeisterte Begeisterung darüber niedergeschrieben, weil es wirklich nicht normal ist, was hier an musikalischem und künstlerischem Talent unter dem Radar der meisten noch verborgen liegt.
Forward to – Donnerstagabend im tristen Februar und der Drop dieses Musikvideos hier, das mich meinen innerlichen Fangirl-Schrei wiederfinden lassen hat. Mit all dem, was ich euch gerade so ausführlich (liest das hier noch jemand? hi!) an Hintergrundwissen gegeben hab, müsstet ihr jetzt eigentlich auch ein wenig schreien:
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Es fängt ja schon damit an, dass NF das erste Mal sei 8 Jahren weiße Klamotten trägt. Weiß! Wie die Hoffnung! Er sitzt auf einem Floß und treibt im offenen Meer umher und schnell wird klar – Fear hat nicht mehr das Mikro in der Hand. „It’s timeto give the people something different, so without further ado, I’d like to introduce my album (my album), my album (my album), my album (my album)“. Das ist das erste Mal, dass mir ein Schauer über den Rücken gelaufen ist. Aus dem off reingeschrien und übereinander gelegt zu hören ist Fear, das frühere personifizierte Alter Ego NFs, das dann doch nicht ganz locker lassen will. Doch es ist eine neue Ära, Hope ist nicht mehr lost at sea (get it?) sondern auf der Insel angekommen und bereit, bisschen was in die Hand zu nehmen, nachdem NF so lange nach ihr gesucht hat.
Direkt im nächsten Shot hat NF eine Karte in der Hand, ihr erinnert euch: „I’m lookin‘ for the map to hope, you seen it?“ (The Search) – hier hab ich das zweite Mal gestöhnt. Er hat sie gefunden. Mit der Karte begibt er sich nun auf die Suche, ist sich augenscheinlich nicht ganz klar, wo es hin geht. Immer mal wieder taucht Nate in schwarz gekleidet auf – als Fear – und weist ihn in die falsche Richtung. Ist nicht einfach der Weg aus dem eigenen Kopf, wenn dieser jahrelang voller negativer und angsterfüllter Gedanken war.
Und dann, gerade als er in seinem reflektierten Flow über seine Gefühlswelt der letzten Jahre steckt, kommt Fear mit einem aggressiven „They get it!“ von hinten und stößt ihn nach vorne. Er knallt auf die Erde und fällt, in einem Filmschnitt, der mir den Atem stocken ließ, durch die Decke eines Hauses. Es ist still. Die Karte zur Hoffnung schwebt langsam zu Boden und dann erklingt wie ein weit entferntes Echo der gesungene Refrain von Mansion. Da hab ich geschrien. Einfach diese Präzision, ihn in sein eigenes Gedankengefängnis fallen zu lassen, das er 2015 mit genau diesem Song und diesem Album geschaffen hat und das auch noch musikalisch so anzuspielen- Full circle. Ich bin immer noch sprachlos.
Nach dem Break bekommt der Song musikalisch einen sehr nicen Beat verpasst und wir bekommen eine Tour durch eben jene Mansion. Hinter jeder Tür, die NF gekleidet als Hope nun öffnet, verbirgt sich ein Raum VOLLER EASTEREGGS. Es tut mir leid, aber ahh, die Aufregung! In einem Raum sitzt Nate mit hunderten schwarzer Luftballons, die in The Search undPAID MY DUESMetapher all seiner mentaler Lasten waren. In dem anderen Raum sitzt eine deutlich gealterte Version von Nate in seinem Käfig aus Perception, immer noch unfähig auszubrechen. Dann sind da überall noch die lyrischen Eastereggs, Verweise auf alte Songs, wiederhervorgeholt und umgedreht, wirklich, I am living for this shit.
Nachdem er die zweite Tür schließt, tritt er zwei Schritte zurück, bekommt aus dem Nichts einen Sack über dem Kopf gezogen und alles ist kurz dunkel. Der Beat ist auch weg, stattdessen erklingt ein vergleichsweise ruhiges Piano und NF rappt über seinen neugeborenen Sohn auf der Bergspitze, zurück auf der Insel. Was ist das auch für Analogie! Am absoluten Tiefpunkt hat ihn die Geburt seines Sohnes gerettet, ihn aus der zwielichtigen Mansion herausgeholt und wieder ans Licht gebracht:
„Having kids will make you really take a step back and look in the mirror At least for me, that’s what it did, I Wake up every day and pick my son up Hold him in my arms and let him know he’s loved (Loved) Standing by the window, questioning if dad is ever going to show up (Up) Isn’t something he’s goin‘ to have to worry ‚bout Don’t get it twisted, that wasn’t a shot Mama, I forgive you I just don’t want him to grow up thinkin‘ that he’ll never be enough„
Auch hier bin ich ehrlich, bei „Mama, I forgive you“ ist mir die Träne dann runtergeflossen, die sich die ganze Zeit aufgestaut hat. Wenn ihr Songs wie „How Could You Leave Us“ aus Therapy Session hört, in denen er so viel Wut über die verhängnisvolle Drogensucht seiner Mutter versucht hat zu verarbeiten, wisst ihr, wie viel schwerer der ganze Part wiegt.
Emotional bin ich hier also schon völlig bedient, doch es ist kein NF Song, wenn’s am Ende nicht nochmal richtig knallt. Hope tritt in direkten Streitdialog mit Fear und wow – das ist fast schon gruselig, sowohl im Musikvideo als auch musikalisch, wie sehr sich der ganze Song hier zuspitzt. Es wird laut, es wird ein wenig verstörend, es wird sehr intensiv – ich hab mir das mittlerweile schon um die 20 Mal angeguckt und gehört und komm immer noch nicht wirklich drauf klar. Alle Reaction-Videos auf YouTube sind ab diesem Part still, weil alle fassungslos sind über das, was sie da gerade zum ersten Mal erleben. Wenn ihr euch das anguckt, sollte auch euch die Gänsehaut über die nächsten paar Tage tragen. Es ist wirklich einfach fast schon krank, wie gut dieser Song ist!
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Ich hab bei 20 Mal anhören dann auch mal für euch gezählt und es gibt im ganzen Song 7 musikalische Parts. 7 Parts, in denen NF seinen Flow ändert, lauter wird, leiser wird, dann diese STREICHER, die eigentlich in Moviescores gehören, dann wieder nur ein Piano, das sich zum finalen Part wieder in diesen Klimax aufbaut und so intensiv wird, dass ich immer noch keine Worte für finde. Der intensive Showdown endet abrupt mit der Zeile „I’m taking the reins“, was auch wieder so ein full circle moment ist zu den aus dem vorherigen Album stammenden Zeilen „I’d love to pack arenas and all, but what I really wanna do is learn to handly my thoughts, and put the reins on ‚em, show ‚em I’m the one that’s the boss“ (LOST). Wenn ihr euch also fragt, „wieso schreibt sie so einen ellenlangen Artikel über diesen Typen, von dem ich noch nie gehört hab?“, dann ist das, wieso.
Wenn ich es geschafft habe, euch bis hier nicht zu verlieren, und sogar noch mehr, euch von sowohl NF als auch diesem neuen Song zu überzeugen, dann freu ich mich! Es war schwer und hat lang gedauert mich bis hierhin vorzuarbeiten, aber wenigstens ist mein innerlicher Schrei voller Fangirl-Aufregung ein wenig kompensiert worden. Und für sowas gründet man doch ein Musikmagazin, oder?
Wer jetzt richtig hooked ist, kann sich hier in NFs restlicher Diskografie verlieren. Habt Spaß und passt auf euch auf!
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Die Band Zimmer90 ist mittlerweile schon vom Geheimtipp zur Standardausstattung einer guten Indie-Playlist gewachsen. Vor allem in der deutschen Indie-Bubble sind Finn, Joscha und Michi aus Stuttgart für ihren Feelgood-Sound bekannt. Ob nachdenklich oder kitschig, eins haben die Songs von Zimmer90 gemeinsam: Zu ihnen lässt sich perfekt das Tanzbein schwingen!
Für Fans von den Parcels, Unknown Mortal Orchestra oder NEIL FRANCES
2021 brachte Zimmer90 ihre erste EP „Fall Back“ heraus, die sich musikalisch irgendwo zwischen Frühlingsgefühlen für die Ohren und verträumtem Nachdenken positioniert. Es folgten ein paar Singles und 2022 auch endlich Live-Shows und Festivalauftritte. Jetzt haben die drei Indie-Jungs für 2023 vorgelegt. Ihre neueste EP „Spaces“ zeigt, wie Zimmer90 sich weiterentwickelt hat – aber ihrer Linie treu geblieben sind. Wie das klingt? Das versuche ich jetzt in Worte zu fassen. Tretet ein in das Zimmer90!
„Alle sind ins Zimmer90 eingeladen – Das Zimmer90 ist ein imaginärer Raum. Es hat sich richtig angefühlt die Band nach dem Ort zu benennen, der entsteht, wenn wir Musik machen.”
Wie sieht es im Zimmer90 aus?
Durch die große Fensterfront scheint warmes Sonnenlicht in den Raum. Einzelne Strahlen brechen sich auf der Diskokugel. Unter ihr tanzen ein paar Menschen entspannt zum Takt der Musik. In einer etwas dunkleren Ecke stehen Finn, Joscha und Michi an Synthesizer, Bass und Schlagzeug. Es liegt leichter Nebel in der Luft. Alle haben eine gute Zeit. So stelle ich mir mein Zimmer90 vor. Wie sieht euers aus?
Zugegebenermaßen ist meine Vorstellung inspiriert durch das Atelier von Josch’s Großtante, das den Instagram-Account der Band schmückt. Das hat er im Interview mit Dascha verraten. In so einem Studio wundert es mich nicht, dass man vor Kreativität nur so sprudelt.
Da wir das Setting jetzt geklärt haben, kommen wir zum Wichtigsten: Wie klingt Zimmer90? Wie klingt „Spaces„?
Vom Flur ins Wohnzimmer90
„Therefore“ war die erste Single der EP, die 2022 released wurde – und das bestimmt nicht ohne Grund. Der Song stellt einen perfekten Übergang zum Sound auf der ersten EP von Zimmer90 da. Ich höre Parallelen zu „Fall Back„. „Therefore“ kommt zuerst etwas verschlafen daher, wie ein Tagtraum, der sich nach und nach in Luft auflöst. Sich stets wiederholende Zeilen wie „run away, run away„, gefolgt von „therefore I go“ lösen ein Gefühl der Rastlosigkeit aus. Ich wache aus meinem Tagtraum auf und mache mich auf den Weg. Wohin? Keine Ahnung, ich weiß nur, dass ich los will. Vielleicht ins Zimmer90?
Dort angekommen, empfängt mich „Millions„. Der Song gibt mir das Gefühl, zuhause zu sein. Unbeschwert, aber mit starkem Beat, baut sich langsam Spannung auf. „Millions ist ein optimistischer Song, der auf unbeschwerte Weise über das schwere Thema dysfunktionaler Beziehungen erzählt“, erklären die Jungs. Klingt negativer als der Song, aber beschreibt die Stimmung ganz gut. Während ich ganz gedankenfrei den Song höre, fühle ich mich irgendwie schwerelos, schwebe mit dem Sound. Achte ich aber auf den Text, höre ich die mitschwingende Melancholie. Sie gibt dem Song einen leicht traurigen Beigeschmack.
Vom Wohnzimmer90 auf den Dancefloor
„All night“ ist eine Hymne auf das Nachtleben. Tanzen, Viben, Loslassen. Ich liebe vor allem das funky Piano-Solo – wer vorher noch verschlafen mitgewippt hat, verfällt spätestens jetzt in Ekstase. Und das habe ich mir nicht ausgedacht, das ist wirklich passiert – auf dem KiezKultur Festival in Hannover. Da stand spätestens bei „All Night“ keiner mehr still. Wer sich vorstellen möchte, wie sich das auf der Tour im Frühjahr anhören könnte, dem kann ich diese Livesession wärmstens empfehlen:
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Kommen wir zum letzten Song auf „Spaces„: Die Fokussingle „If You Were Here„. Sie behandelt laut Zimmer90 tiefe Gefühle. Melancholie und Sehnsucht stehen stehen im Vordergrund. Bei diesem Song fällt mir das Konzept der EP quasi wie Schuppen von den Augen. „Spaces“ zeigt verschiedene Sphären, Räume, durch die Zimmer90 musikalisch führt. Alles ist frei zur Selbstinterpretation. Jeder gestaltet sich seinen oder ihren Raum wie er oder sie möchte. Für mich fühlt es sich an, wie in einem Sci-Fi Zukunftsthriller, wo alles immer sehr surreal wirkt, ich aber tief in mir weiß, dass es gar nicht so surreal ist.
„Diese EP hat uns einen Schritt näher an das gebracht, was wir als Band erreichen wollen. Wir wollen unvoreingenommene und wertfreie Räume mit unserer Musik schaffen. Alle sind ins Zimmer90 eingeladen, um sich frei zu fühlen und sich mit dem was im Moment da ist zu verbinden“, fassen Finn, Joscha und Michi zusammen.
Im Vergleich zur Debüt-EP „Fall Back“, die noch deutlich langsamer und ruhiger klang, hat sich der Zimmer90-Sound auf jeden Fall weiterentwickelt. „Spaces“ klingt nach mehr Electro. „Spaces“ schreit nach Tanzen. „Spaces“ teleportiert in andere Welten. Es erinnert mich total an die Parcels.
Falls ihr es nicht schon längst getan habt, dann könnt ihr jetzt hier fleißig „Spaces“ von Zimmer90 streamen:
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Mit „So naiv sind wir nicht“ trat Es brennt im Mai 2022 auf die Bildfläche des deutschen Indie-Rocks. Der starke Text mit Lines wie „Wir sind eingesperrt, aber fangen lassen wir uns nicht“ oder „im Zweifel eine Mauer, aber Krieg führen wir nicht“ hat mich der Song direkt in seinen Bann gezogen. Von Es brennt gab es damals noch keine Infos. Es brennt war lediglich ein Spotify Profil für mich. Auf dem Bild ist Sänger Sören zu sehen. Das war alles.
Gut sieben Monate später haben Sören Geißenhöner und Magnus Wichmann – die Gesichter hinter Esbrennt – eine EP und vier neue Songs rausgebracht. Dazu Musikvideos und eine Menge meinungsstarker Texte. Beim Picky Magazine beschreibt das Duo ihre Musik als Anti-Pop. Finde ich passend, denn textlich geht es bei Es brennt irgendwie immer wieder um eine Art Anti-Haltung. So auch auf dem neuesten Song „Kaputt„, den ich euch jetzt vorstellen möchte.
„Meine Moral ist taub für jede Predigt“
Sich selbst anzweifeln, die Gesellschaft anzweifeln, Prinzipien anzweifeln. Warum leben wir so wie wir leben? Das sind keine Sätze und Fragen aus einer trotzigen Teenie-Zeit oder der Ausdruck einer Midlife Crisis, sondern ernstzunehmende Zweifel. Wenn wir mal ehrlich sind, dann haben wir uns das doch alle schon einmal gedacht. „Kaputt“ spricht ehrlich und unverschönt aus, was mein verkorkstes Gehirn in einer „ich überdenke jetzt mal wieder alles“-Phase hervorbringt.
Sören sagt selbst über den Song: „Er beschreibt die Überheblichkeit des Menschen. Seine Unangepasstheit, im negativsten Sinne. Die Ausmaße seines unreflektierten Handelns und so weiter.“
„Ich handle oft unüberlegen, doch fühle mich so überlegen“
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Das Musikvideo spitzt das Gefühl, das „Kaputt“ überbringt noch einmal zu. Während ich dabei zuschaue, wie Sören in zwei Charakteren über den Berliner Weihnachtsmarkt geht, schäme ich mich schon fast selbst. Konsumgier und verschwenderische Lebensweise stehen verwirrender, innerer Leere und Unverständnis gegenüber. Zustände, mit denen man konfrontiert wird, wenn man sich die obengenannten Fragen stellt.
„Ich habe also gedacht, das können wir gut auf einem Rummel darstellen in dem ich einen völlig Wahnsinnigen spiele. Voller Gier und Hast. Auf der Jagd nach dem nächsten Konsum. Immer zu viel, zu schnell, zu sehr… Im Kontrast dazu spiele ich noch einen zweiten Charakter, der abgestumpft vom Trubel und Konsum, gar nichts mehr fühlt. Er wandelt seelenlos über den Markt und ist zwar dort, aber nimmt nicht dran teil“, erklärt Sören die Idee hinter dem Musikvideo.
Die Menschen sind kaputt?
Ja, kaputt fühle ich mich oft – und damit meine ich nicht den körperlichen Zustand. So gut wie jede Line in „Kaputt“ regt zum Nachdenken an. Wie verhalte ich mich überhaupt? Wie möchte ich mich verhalten? Wie sehe ich die Welt um mich herum? Wie sieht die Welt um mich herum mich? … Die Liste an Fragen könnte noch unendlich weitergeführt werden. Doch bevor ich mich um Kopf und Kragen rede/schreibe, hört doch einfach selbst rein in die Texte von Es brennt.
Hier könnt ihr „Kaputt“ von Es brennt hören, in eure Playlists packen und mit Freund*innen teilen:
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Es ist inzwischen schon das dritte Mal, dass wir (Jule und Anna) uns in einem geteilten Google Doc zusammensetzen, um über die Künstler*innen und Bands zu philosophieren, die die Musiklandschaft des nächsten Jahres verändern werden. Wenn wir uns so unsere artists to watch-Auswahl aus dem letzten Jahr angucken (Novaa, Schmyt, Paula Hartmann, Edwin Rosen, …) und die aus dem Jahr davor (Arlo Parks, Betterov, Mele, Anaïs, …) dann sind wir mit unserem Bauchgefühl doch ganz zufrieden. Manche haben uns mit neuer Musik zwar ein wenig länger warten lassen als erhofft (@ Betterov, looking at you here), andere könnten auch noch nochmal aufgenommen werden (@ Mele, bald reißt du alles ab). Sie sind alle ein absoluter Geheimtipp für eure privaten Playlisten und die eures Freundeskreises.
2022 war auch wieder ein Jahr, in dem wir – obwohl so grauenvoll durchwachsen – viele neue Künstler*innen und Bands entdeckt und in unsere Herzen geschlossen haben. Und ihr habt in diesem Jahr hoffentlich auch viel neue Musik über uns finden können! Vor zwei Jahren, als wir dieses süße Magazin hier gegründet haben, war nämlich genau das unsere Prämisse: Wir wollten Musik teilen, die wir gut finden. Ob groß, ob klein, egal welches Genre, Hauptsache gut. Dass wir alles, was wir finden, inzwischen schon mit so vielen Leuten teilen dürfen, ist ein absolutes Privileg und wir werden immer noch ab und zu emotional darüber. Aber es ist bald Weihnachten, also können wir da schon nochmal Danke sagen! <3
Doch genug rum-gefühls-duseliert, ihr seid hier! Genau wie all die brillanten Künstler*innen, die darauf warten, von uns und euch gehört zu werden. Und diese 10 Artists hier könnten 2023 einen großen Schritt in ihrer Karriere weiterkommen – jedenfalls haben wir das so im Gefühl und wünschen uns es sehr.
(Hier klicken, um unsere artists to watch 2023 parallel zu hören.)
Brockhoff
Unser erster und somit auch diese Liste anführender musikalischer Geheimtipp für 2023 ist Brockhoff. Dabei ist Brockhoff nicht, wie das erste Google-Ergebnis anzeigt, der “größte lokale Gewerbemakler in Deutschland”, sondern empowernder Indie-Garagen-Rockder Hamburgerin Lina Brockhoff. Ihre Debüt-EP “Sharks” hat nicht nur uns aufblicken lassen, sondern hat sie wie in einem kleinen Wirbelsturm vom Tempelhofer Sounds bis hin zum Reeperbahn-Festival getragen. Überall war ihr Namezu hören – und das zu Recht! Wir haben sie für euch im Juni schon mal im Interview gehabt, in dem ihr auch mehr darüber erfahren könnt, wieso FLINTA* Präsenz auf Festivals und im ganzen Rock-Kosmos so wichtig ist. Brockhoff ist für uns auf jeden Fall ein safe bet, genau diesen Kosmos in Deutschland um so einiges zu erweitern. Nächstes Jahr geht sie auf ihre erste Tour, veröffentlicht noch mehr Musik und bringt neben Größen wie beadbadobee, Holly Humberstone oder Snail Mail endlich mehr Frauenpower im Indie-Rock-Game. 2022 war der Start, nächstes Jahr geht’s weiter. Wir können es kaum erwarten.
Sharktank
Kommen wir zu einer unserer Herzenbands aus Österreich, die ihr wahrscheinlich (hoffentlich?) alle schon auf dem Schirm habt: Sharktank. Mit ihrem Debütalbum “Get It Done” haben sie sich 2021 in einer Nische etabliert, die auf die sehr coole Genre-Einordnung “HipHop meets Indie” hört – oder so ähnlich. Müssten wir es beschreiben, würden wir sagen: „Sharktank? Die hören sich an, als hätten sich zwei aufbrausende Liebesaffären ineinander verloren und ein Baby gezeugt, das mit Feel-Good-Vibes, leichtlebigen Indiegitarren und gesellschaftskritisch englischsprachigen Rap daherkommt“. Anhand der Beschreibung merkt ihr vielleicht: wir sind Fan. Aber wie auch nicht? Die musikalischen Hintergründe der Band bewegen sich in derselben Bubble wie Oehl, Leyya und Bilderbuch – die österreichische Elite des Newcomer-Indie-Pops sozusagen. Das Motto der Band: Musik machen, weil es Spaß macht. Und das hört man! Sharktanks Musik ist an den richtigen Momenten lässig, frei, geballt, komplex und dann wieder leicht, schön und einfach nur cool. Für 2023 ist ihr zweites Album angekündigt und das ist für uns ein großer Grund zu sagen: hört euch das an! Es könnte sich durchaus zu einem musikalischen Highlight des nächsten Jahres mausern.
TEMMIS
Es wäre ein kleiner Skandal, würden wir TEMMIS nicht mit in diese Liste aufnehmen. Die Newcomer-Band aus Tübingen, die mittlerweile Hamburg-based ist, ist der Beweis dafür, wie wahnsinnig cool deutsche Musik sein kann – vor allem, wenn sie fast mehr zufällig entstanden ist. Hier das Rezept: Post-Punk meets New-Wave meets tiefgehende-Ratlosigkeit-einer-Generation. Das und die richtige Prise “fuck it, wir versuchen das einfach mal” ergibt diese Wundertüte, die auf den Namen TEMMIS hört und sehr, sehr wahrscheinlich 2023 einmal alles komplett durchrütteln wird. Den Anfang haben sie dieses Jahr mit ihren EPs “Wenn du da bist” und “Klinge” gemacht, und wenn sogar Casper sie auf sein renommiertes Zurück Zu Hause-Festival in Bielefeld einlädt, dann hat er da schon den richtigen Riecher. Im Umfeld von Edwin Rosen, Flawless Issues und Max Rieger (Die Nerven) werden TEMMIS das Game der neuen neuen deutschen Welle maßgeblich beeinflussen – und eventuell werden wir sie dafür Anfang Januar in einem Interview mal zu ausquetschen! Stay tuned also.
Dilla
Und wenn wir schon bei „stay tuned“ sind, richten wir unser Augenmerk direkt weiter zu Dilla. Seit 2021 veröffentlicht die in Berlin lebende Münchnerin ihre Songs und hat mit „photosynthese“ oder zuletzt mit dem futurebae-Feature „Sektfrühstück“ für extrem gute Stimmung in unseren Ohren gesorgt und es mit „Avenue“ vor einigen Wochen auch auf das Cover unserer new untold releases-Playlist geschafft. Die Sängerin, Produzentin und Songwriterin trifft mit ihren Hyperpop-Techno-Beats einfach genau den musikalischen Gute-Laune-Punkt, der uns in den letzten Jahren gefehlt hat. Fleißige Festival-Besucher*innen konnten in diesem Jahr schon auf so einigen Bühnen des Landes mit Dilla feiern – und im März 2023 geht es für sie dann auf große Headliner-Tour. Ihre Songs leben von massiven Augenzwinkern (“klingt billig und ist auch einfach nicht so gut”, sagt ihre Spotify-Bio), ihre Lyrics sorgen gerne für Lacher und all das, obwohl sie in ihrer Musik durchaus die tiefgründigen Themen unserer Generation aufgreift. Klingt für uns nach einer nahezu perfekten Kombination und einem erfolgreichen Musikjahr 2023 für Dilla.
ENNIO
Eine extrem steile Kurve legt derzeit auch ENNIO hin – Ende absolut nicht in Sicht. Seit gerade einmal knapp einem Jahr veröffentlicht der Münchner, der sich vorher als Emotional Club einen Namen gemacht hat, seine Musik und trotzdem kommt seine im März 2022 erschienene zweite Single „Kippe“ schon auf unfassbare 5,6 Mio. Streams. Das ganze Jahr über hat er sich z.B. als Support für Provinz und MAJAN und verschiedensten Festivals in die Herzen seiner Fans gespielt und wurde völlig verdient nicht selten als einer der spannendsten Newcomer*innen aufgezählt. Am 02.12.2022 veröffentlichte er sein Debütalbum „Nirvana“ und spätestens seitdem gibt es wirklich kein Halten mehr. Aktuell ist ENNIO mit diesem Album auf hochverlegter und trotzdem ausverkaufter Tour. Mit seiner Bandbreite an musikalischer Raffinesse und Vielfalt hat er bei allen Indie-Fans einen Nerv getroffen und bereichert unsere heißgeliebte Bubble, als wäre er einfach schon immer da gewesen. Sein Kalender für nächstes Jahr ist auch schon massig gefüllt, so dass ein Vorbeikommen an ihm quasi ausgeschlossen ist. Wenn 2023 also so weitergeht, wie 2022 endet, dann wird das für ENNIO ein krasses Jahr.
Hazlett
Ein weiterer Künstler, den wir euch für 2023 ans Herz legen wollen, ist Hazlett. Der in Stockholm lebende Australier dürfte euch als Teil des wunderbaren Line Ups derAcoustics Concerts 2022 bekannt sein – und vielleicht hat sich eine Person unserer Redaktion dabei so sehr in seine Musik verliebt, dass er laut Spotify Wrapped ihr beliebtester Künstler 2022 war. Seit 2019 veröffentlicht er seine eigene Musik, nachdem er vorher als Ghostwriter lieber anderen Artists das Spotlight überlassen hat. Hazlett verarbeitet in seinen Folkpop-Songs seine intimsten Gedanken, wunden Punkte und Schmerzen und glänzt dabei mit ungeschönter Ehrlichkeit. Und dabei verpackt er seine Gefühle und Erlebnisse in wunderschöner Poesie und Melancholie. Wir fühlen also mit allen, bei denen er und seine Stimme in Songs wie „Everybody Hates Me“ oder „My Skin“ (oder allen anderen) eine Million Emotionen hervorruft. In diesem Jahr hat er die Side A seines im nächsten Jahr erscheinenden Debütalbums veröffentlicht. Und bis dahin versuchen wir einfach, emotional etwas stabiler zu werden, um uns dann aber doch wieder von Hazlett mitreißen zu lassen.
Willow Parlo
Und wenn ihr euch schon emotional mitreißen lasst, könnt ihr hiermit direkt weitermachen. Vier Songs auf einer EP hat die Hamburger Dream-Pop-Band Willow Parlo bisher veröffentlicht, alle in diesem Jahr, mit dem unsagbar wunderschön-verträumten „Silver Screens“ als Debütsingle. Und wir sind begeistert! Ein wenig verliebt. Und absolut überzeugt, dass was auch immer da nächstes Jahr kommen mag, wir möchten es sehen – und hören. Mit sehr viel Fingerspitzengefühl schaffen Willow Parlo akustische Melodien, die so kraftvoll nach vorne gehen, dass wir uns beim Zuhören fast ein wenig verlieren. Die self-titled Debüt-EP der Hamburger*innen ist nur ein Vorbote für eine vielversprechende Musikkarriere, die wir sehr gerne ab jetzt schon gespannt verfolgen. Es ist der zugegeben kleinste Geheimtipp auf dieser Liste, aber vielleicht gerade deswegen so besonders.
Blush Always
Wenn ihr aus Kiel kommt oder aber große Fans der Leoniden seid, dann dürfte euch Blush Always kein Fremdbegriff sein. Erst vor ein paar Monaten hat sie Support in der Columbiahalle in Berlin für die Band gespielt und alle waren – zu Recht – völlig begeistert. Indie-Rock hat Zukunft! Das haben wir so empfunden, als wir sie live in genau dieser großen Halle gesehen haben und als sie ihr Debütalbum “You Deserve Romance” für den 03.02.2023 (das ist ein schönes Datum) angekündigt hat. Die EP “Postpone” kam dieses Jahr schon raus und setzt auch ganz gut den Ton für die musikalische Einordnung. Geballte Hook-Kraft nach vorne wird mit persönlich berührenden Themen gebündelt, dann kommen da noch grungige Gitarren á la Snail Mail, Paramore oder Soccer Mommy dazu und schon hat man einen sehr soliden Newcomerinnen-Tipp aus Norddeutschland, bereit sich beständig und mit einem gewissen Überraschungsmoment sich in der Indie-Rock Szene zu etablieren. And we’re here for that.
Zimmer90
Eine Band, die wir schon länger auf dem Schirm und bei der wir im Gefühl haben, dass sie 2023 einen noch größeren Sprung machen werden, ist Zimmer90. Seit 2018 veröffentlichen die drei Jungs aus Stuttgart gemeinsam Musik und haben dann 2021 mit ihrer Debüt-EP „Fall Back“ das erste große Ausrufezeichen gesetzt. Ihr Mix aus Indie und Electro-Pop strotzt nur so vor Vielfältigkeit, hat aber trotzdem – vielleicht auch durch die unverkennbare Stimme des Sänger Joscha – einen unfassbaren Wiedererkennungswert. Wir hatten sie im Sommer 2021 auch schon mal im Interview, das könnt ihr euch an dieser Stelle gerne noch einmal durchlesen. Für Januar 2023 haben Zimmer90 ihre neue EP „Spaces“ angekündigt und nutzen die, um 2023 fett auf Tour zu gehen – 12 Städte im Frühjahr und dann nochmal 13 Städte im Herbst. Das klingt doch ganz danach, dass die Band sich ordentlich was vorgenommen hat. Und wir freuen uns tierisch, sie bei diesem wilden Ride begleiten zu können und sind uns sicher, dass die Sterne für Zimmer90 dafür ganz besonders gut stehen.
Nils Keppel
Zu guter Letzt wollen wir einmal ganz im Speziellen den imaginären Hut vor all den erstaunlichen Acts ziehen, die wir dieses Jahr im Rahmen der neuen neuen deutschen Welle entdeckt haben. Wir haben mit unserer new wave universe-Playlist dem Ganzen dieses Jahr schon zwei Mal sehr ausführlich unsere tief sitzende Begeisterung ausgesprochen. Seitdem beobachten wir ununterbrochen fasziniert, wie sich diese Szene gerade aufbaut, verändert, wächst. Mit Nils Keppel haben wir am Ende unserer artists to watch 2023-Liste jemanden aus genau dieser Szene gepackt. Den aus der Pfalz stammenden Künstler durften wir schon auf dem KiezKultur-Festival in Hannover kennenlernen, und ganz im engen Umfeld von auch TEMMISbefindend können wir euch sagen: merkt euch diesen Namen. Meist bleibt so ein Mythos um Künstler*innen nicht lange erhalten (Nils gibt auch noch keine Interviews), deshalb genießt mit uns die ein wenig nervenaufreibende Spannung vor dem “break”. Denn ob ein berauschendes Feiern auf dunklen Beats oder ein melancholisches Nachdenken auf kollabierenden Synth-Klängen, all das und mehr gibt uns Nils Keppel schon jetzt. Und wir können kaum erwarten, was 2023 hält.
Und damit haben wir sie! Unsere 10 artists to watch 2023: Brockhoff, Sharktank, TEMMIS, Dilla, ENNIO, Hazlett, Willow Parlo, Blush Always, Zimmer90 und Nils Keppel. Vielleicht wird 2023 genau ihr Jahr. So oder so lohnt es sich, sie für eure Musikempfehlungen und Playlisten im Auge zu behalten. Wir tun’s auf jeden Fall.
Hier könnt ihr euch unsere artists to watch 2023 noch einmal gesammelt anhören, viel Spaß!
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Skuppin ist bei Untoldency schon fast ein alter Bekannter. Für alle die Ihn noch trotzdem noch nicht kennen, stellen wir ihn aber liebend gerne erneut vor. Denn: der Chemnitzer Newcomer SKUPPIN öffnet für uns die Tore des Garten Edens. Und als wäre das nicht schon paradiesisch genug, verlosen wir gleich noch die physische EP als Tape oder Kassette!
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Auf dem Titeltrack seiner gleichnamigen EP besingt er auf intimste Art und Weise Schönheit und Begierde, welche mit dem vermeintlichen Paradies einhergehen. Doch selbst das Paradies scheint nicht immer himmlisch zu sein.
„Ich bin dem Paradies entkomme Alles brennt, nichts bleibt“
Die EP wird mit starken, dirty Synths und einer Menge Hall eingeleitet und schreitet mit einem treibenden Beat, traumhaften Synths voran. Dabei bleibt genug Platz, um SKUPPINs einzigartig sanften Stimme bestens Geltung zu verleihen. Zeilen wie „Mich packt das Verlangen/ Bleib doch hier/ Die Stille Schönheit steht vor dir“ wandern zielstrebig durchs Ohr und setzen sich im Kopf fest.
Weitere Stücke der EP sind die schon veröffentlichten Songs Tausend Tage feat. PAULINKO, Take Control, ALTER EGO und Taumeln, sowie einen bisher unveröffentlichten Track, welcher den Namen „Sonne“ trägt.
Tausend Tage beginnt mit sanften Synths und baut sich im Verlauf des Liedes immer weiter auf. SKUPPIN zieht uns dabei Ebene für Ebene in eine melancholische Stimmung und verleitet zum Träumen. PAULINKOs Stimme wirkt wie für den Song und auch für SKUPPINs Stimme bestimmt. Die Harmonie der beiden Künstler:innen ist beim deutlich hör und spürbar.
In Taumeln lässt uns SKUPPIN in das Innerste seiner Gedanken schauen und nimmt uns mit auf eine Suche nach Halt, ohne überhaupt zu wissen was haltend ist.
Die Stunden gehen schneller Schneller als die Welt Schneller als wir beide Taumeln vor uns her
Das Finale zieht einen durch die kraftvolle Stimme förmlich in den Bann. Zusammen mit dem immer voller werdenden Sound, hinterlässt es bis zum zerstörerischen Schluss Eindruck. Hier findet ihr übrigens nochmal das sehenswerte Musikvideo zum Song.
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Auch die restlichen Songs passen perfekt in das Bild der Sammlung. Die gesamte EP ist von traumhaften Synths, sanfter Melancholie und purer Leidenschaft geprägt. SKUPPIN verzaubert mit seiner sanften, beunruhigend ruhiger Stimme seine Zuhörenden und passt, wie auch mit seinen bisherigen Werken, bestens in die Kategorie Neue Neue Deutsche Welle.
Mit etwas Glück könnt ihr dieses gute Stück bald selbst in den Händen halten! Um teilzunehmen, müsst ihr nur @untoldency auf Instagram folgen und kommentieren, welcher euer Favorit der EP ist .
Teilnahmeschluss ist Mittwoch, der 30.11.2022 um 18 Uhr. Die Gewinner*innen werden per DM benachrichtigt.
Die Post-Punk Band GAST ist in der „Neue Neue Deutsche Welle“-Szene keine Unbekanntheit mehr. Die zweiköpfige Band besteht aus Tim und Linus und findet ihren Anfang im süddeutschen Tübingen.
Jetzt bringen sie ihr Debüt in Form einer self-titled EP raus. Die düstere Mischung aus poetischer Wahrheit und autobiographisch tiefen und schweren Gedanken, lässt uns fliegen und fallen gleichzeitig. Wir schweben auf den einzigartigen Synthesizer-Sounds und fühlen, wie die Musik die von den Texten gezeichneten Bilder ausmalt. GAST stürzen sich in die Abgründe des Seins und zeigen metaphorisch die düsteren Seiten der Menschlichkeit. Wir haben mit der Band über ihre EP und ihr Projekt gesprochen.
Das ambivalente Gefühl lässt uns textlich, wie auch musikalisch nicht los. Zwischen vergessen wollen und nicht vergessen können, liegen verzerrte Gitarren und filmisch prägnante Textzeilen. Aus der Vogelperspektive überblicken wir eine traurige, aber lebendige Stadt. Die Szenerie brennt sich in den Kopf, aber hilft auch nicht dabei „dich“ zu vergessen.
„Diese Stadt ist schrecklich traurig, doch im Licht der späten Sonne sieht sie echt romantisch aus“
„GAST“ folgt einem Konzept. Die dunkel-poetischen Texte von Tim fließen nahtlos ineinander über, ohne inhaltlich aneinander anzuschließen. Musikalisch bilden die Klänge analoger Synthesizer und Drummachines aus den 80ern einen roten Faden und liefern Wiedererkennungswert in jedem der Tracks. Der ganze Look wird mit besonderem Cover abgerundet. Ebenso wie die Soundelemente, in denen vergangene Zeiten mithallen, sind die GAST-Cover-Artworks analoge Fotografien von Tims Opa aus den 1950er Jahren.
Ein GAST-Song entsteht im Prozess des gemeinsamen Musik-machens oder sogar beim Recording. Nicht selten kommt es vor, dass ein einzelner Groove oder Drumsound die Basis für eine neue Song-Idee darstellt, erfahre ich von der Band.
„manchmal träume ich von genügend Schlaf und wenn ich schlafe, träum‘ ich gar nichts“
„fallen“ markiert den ersten Fußabdruck von GAST in der Musiklandschaft. Ihre Debüt-Single zeichnet eine Nacht, in der man nicht schlafen kann.
„warum fall ich nicht?“
Man hält sich wach und kämpft gegen die Nacht, ohne die Absicht sie besiegen zu wollen. Der Wunsch endlich die Augen zu schließen wird größer und immer unerreichbarer.
„an der Spitze meiner Kippe kämpft die Glut gegen den Regen, doch vergebens“
Musikalisch hören wir die GAST-typischen Synthesizer und Drumgrooves mit sanft verzerrter Gitarre. Das Zusammenspiel aus diesen Elementen steigert sich gegen Ende, bis wir endlich fallen.
Der letzte Track der EP, ist der erste von GAST geschriebene Song und stellt den Anstoß zur Bandgründung dar.
Der Song beschreibt den Moment der Panikattacke. Man hält keines der überwältigenden Gefühle auf und lässt die Ohnmacht über den Zustand zu. Wir treten einen Schritt zurück und sehen uns selbst damit aufhören, gegen die Angst zu kämpfen.
„stoß mich ab, häng in der Luft und dann fang ich an zu fliegen“
„fliegen“ startet düster und findet im Verlauf seinen Weg aus der Panik heraus in eine erlösende Freiheit. Musikalisch mündet es in ein Outro, was von Drum’n’Bass Einflüssen geprägt ist.
„ich glaube man fühlt sich so lebendig nur vor dem Tod“
Einflüsse und Live
Die Einflüsse von GAST hält die Klangästhetik des Bandnames inne. „GAST“, ein deutsches Wort, gesprochen klingt es fast britisch. Inspiriert sind die beiden Musiker durch The Cure oder Kraftwerk, verraten sie mir. Aber die Musik von GAST geht über das klassische New Wave hinaus. In „fliegen“ finden wir Chöre wieder, die aus Linus früheren Kirchenchor-Zeiten stammen und vereinen sich mit Tims Wurzeln aus Jazz, Punk und Metal.
Die Handschrift und das Konzept von GAST findet sich ebenfalls in ihrer Liveshow wieder. Präzise geplant, ein Großteil live eingespielte Instrumente und wenige breaks. Zusammen spielten sie schon mit Nils Keppel, Urbannino, Spuk und Konstantin Unwohl.
und jetzt ganz schnell reinhören in die Debüt-EP von GAST!
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Aus dem New Yorker Künstler*innen-Kollektiv 070 über den Dunstkreis von Kanye West direkt in unsere identitätssuchenden Herzen: 070 Shakeführt auf ihren beiden Alben Modus Vivendi (2020) und You Can’t Kill Me(2022) die künstlerische Vision eines Kanye West auf YEEZUS (2013) und ye (2018) fort (in a good way though) und prägt dabei einen neuen Generationensound, der einzigartig ist und trotz allem bodenständig bleibt. Liebe, Identität, Sexualität: 070 Shake erfindet die Themen auf ihrem zuletzt erschienenen Album nicht neu, doch sie verleiht ihnen eine besondere Authentizität und Bedeutung. Jedes Wort aus ihrem Mund wirkt unabhängig der vermeintlichen Banalität so ausgesprochen glaubhaft. Sollte 070 Shake jemals ihre eigene Sekte gründen, werde ich ernsthaft darüber nachdenken müssen, ihr beizutreten.
Auf der Suche nach Identität
Musikalisch hat für 070 Shake alles Mitte des letzten Jahrzehnts mit einem klassischen Trap-Sound als Teil des Musiker*innen-Kollektivs 070 in New Jersey angefangen. Auch wenn der damalige Hip Hop Sound dem Zeitgeist entsprach, klang er doch relativ austauschbar. Doch eins war schon damals besonders: die Stimme. Der hohe stimmliche Wiedererkennungswert von 070 Shake war Grund genug, um von Kanye West gesigned zu werden. Zu einem Zeitpunkt, als Kanye West zwarbereits kontrovers diskutiert wurde, aber noch immer den musikalischen Kanon mitprägte, schaffte die Sängerin es zudem als Mitwirkende bzw. Feature-Artist auf die Hälfte der Songs des Albums ye. Interessanterweise gestaltete sie dabei ein Album mit, dass auf dem Cover den Satz „I hate being Bi-Polar, its awesome“ zu stehen hat und sich intensiv mit der mentalen Gesundheit und der Suche nach der eigenen Identität beschäftigt. Egal welche irritierenden Philosophien Kanye West in den vergangenen Jahren verfolgt, für 070 Shake markiert ye den Anfang einer eigenen Klangästhetik.
Klangflächen & Mike Dean
Der letzte Song auf Kanye Wests Album ye klingt in der Retrospektive wie der erste 070 Shake Song, auf dem sie zu ihrem musikalischen Selbst gefunden hat. Auf „Violent Crimes“ schweben weiche, orgelartige und mit Gospelakkorden angereicherte Klangflächen seicht um die Ohren. Darüber hinweg fliegen die zahlreichen und zu einem Ganzen zusammenwachsenden Stimmen der Sängerin, federleicht und ohne Anstrengung. 070 Shake prägt mit ihrem eigenen Gospel-Chor die Klangästhetik dieses Songs nachhaltig ebenso wie ihren eigenen.
Ein Name, der die Klangwelten der beiden Artists verbindet, ist Mike Dean. Der renommierte Hip Hop Produzent ist bekannt für seine unverwechselbaren Synthesizer-Produktionen. Denkt man an die prägenden Synths auf Kanye WestsYEEZUS, denkt man insgeheim an Mike Dean. Mit Dean findet 070 Shake zu ihrer musikalischen Identität.
What is your favorite flower?
“What is your favourite flower? I wanna know” Mit diesen Zeilen verwandelt 070 Shake ihre eigene Stimme im Album-Intro zum Synth. Chorisch wiederholen sich die Worte, während sich eine zweite Stimme der Künstlerin sprechend auf den Chor legt. Die Klangwelt baut sich langsam durch einsetzende Synths auf und gewinnt zunehmend an Größe. Alles fließt gleichmäßig, motiviert ein sinnliches Eintauchen und nichts steht dabei im Wege. In diesen Klangraum wirft die Sängerin den Wunsch nach wahrer Intimität, dem Loslassen und dem ungeschützten sich Näherkommen. “What is your favourite flower? I wanna know”
Eine Einladung zu lieben
„Invited“ knüpft an diese Szenerie an. Viel Atmosphäre, viel Pathos und über aller Sinnlichkeit steht der gegenseitige Respekt vor dem sich aufeinander Einlassen: „Ooh, I’m invited. I’m in your world for the night, yeah. Don’t wanna fuck it up, let’s get it right”. Müsste ich eine vertrauensvollere Formulierung über den Umgang zweier Liebenden finden, ich würde aufgeben.
In der zweiten Hälfte des Songs trauen sich dann auch die ersten Percussion und Drum Sounds auf das Album und auf dem dritten Song „History“ ist es nur eine gute Minute bis die transzendente Klangwelt mit Drums angereichert wird. Aus dem Wunsch nach Intimität sowie der Bereitschaft zur sinnlichen Annäherung wächst eine Art Besessenheit nach Liebe. Spürbar wird das durch die zahlreichen Beat Changes. Aus dem strahlenden Intro von „History“ und dem Besingen von Eternity erwächst ein drastisches Verlangen nach der Liebe des Anderen in Form von treibenden Drums und bewegten Streichern bis alles wieder heruntergefahren wird. Disney-ähnliche Streicher begleiten die sich wiederholenden Zeilen der Stimme über Mike Deaneske Synths, ehe ein neuer Beat einsetzt. Die emotionale Aufgewühltheit ist kaum nachzuvollziehen. Wer kennt es nicht von der Liebe?
Lyrische Blumen
Die Gefühlsstürme, die Auseinadersetzung mit der Liebe und dem Selbst ziehen sich durch das weitere Album. Dabei findet 070 Shake immer wieder wunderschöne lyrische Momente, um ihre Gefühlswelt zu beschreiben, beispielsweise auf „Skin and Bones“:
„And we spoke in past tense, reminisce ‚bout back when our spirits used to dance with each other”
„Treat me like I’m more than a pair of skin and bones And that really made a difference in my story”
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Vom Bordstein bis zur Skyline ist outdated, ab sofort heißt es von New Jersey ins Berghain. 070 Shake hat Mitte Oktober ihre zweite Show in Berlin gespielt und hätte dafür keinen besseren Ort auswählen können. Zu dem Mythos, den diesen Ort umgibt, trägt die Aura der Künstlerin bei. Von hinten mit großen Lichtern angestrahlt steht die Silhouette 070 Shakes schemenhaftim wild umherwehenden Nebel allein auf der Bühne und strahlt so viel Präsenz aus, dass jede weitere Person zu viel wäre. Der makellose Sound, die atmosphärische Lichtshow, die zu perfekten, improvisierten Autotune-Gesangseinlagen; alles fühlt sich ein wenig nach dem Glanz eines amerikanischen Popstars an. Dabei befinden wir uns nicht in einer ausverkauften Arena mit durchinszenierter Live-Show, sondern im düsteren Berghain, im Hier und Jetzt, ohne ein leuchtendes Handy-Display. Zum Beweis wie sehr sie das Handy-Verbot genießt, wirft sie ihr eigenes demonstrativ auf die Bühne.
Aus dem Traum in den Moshpit
Der Auftritt beginnt, Überraschung, mit ausschweifenden Synth-Flächen. Die Dramaturgie des Konzerts erlaubt ein langsames Hineinfühlen in die Songs, den Ort und die Atmosphäre bis der Song „Cocoon“ den Moshpit öffnet und die Energie pulsiert. Dabei dauert der Drop des Tracks so lange, dass der Moshpit nicht aufhört zu wachsen und die Spannung unaushaltbar drückend wird. Ab diesem Moment wechseln sich die Momente des träumerischen Genießens und ekstatischen Tanzens regelmäßig ab und egal welche Stimmung 070 Shake fordert, das Publikum zieht mit. Als die Sängerin einen alten Song aus ihren musikalischen Anfangsjahren rauskramt, betont sie wie sehr ihr der Song zum Halse raushängt. Sie spielt ihn trotzdem und schaut Wein trinkend gute zwei Minuten dem eskalierenden Publikum zu wie es jede Zeile mitsingt, ehe sie selbst das erste Wort singt.
Dieser Abend fühlte sich an, als wären Zuschauer*innen und Künstlerin in diesem Moment zu etwas ganz Besonderem zusammengewachsen. Egal wie pathetisch das klingen mag und wie oft sich die Stimmung auf den anderen Stationen der Tour womöglich genauso angefühlt haben mag, ich bin mir sicher, alle Besucher*innen behalten dieses Konzert als ein ganz Besonderes in Erinnerung.
Klingende Emotionen zum Entdecken
„You Can’t Kill Me“ ist mit Sicherheit kein Pop-Album, das die Mainstream-Charts erobert. Doch die sinnliche Tiefe ist so unfassbar schön, dass es sich lohnt, deren Erkundung Zeit zu geben. Denn sie entfaltet sich erst, wenn wir uns ohne Vorbehalte auf dieses Kunstwerk einlassen. 070 Shake fordert im Eingangstrack das befreite Eintauchen in die Intimität einer Beziehung und beschreibt damit zugleich den Umgang mit ihrem Album. Die Zugänglichkeit mag manchmal erschwerlich sein, aber die zu entdeckenden Schätze im Umgang mit dem Gegenüber sind unendlich.
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