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Tanzen zu malerischer Melancholie und nostalgischen Synthie-Sounds bei GAST

Die Post-Punk Band GAST ist in der “Neue Neue Deutsche Welle”-Szene keine Unbekanntheit mehr. Die zweiköpfige Band besteht aus Tim und Linus und findet ihren Anfang im süddeutschen Tübingen.

Jetzt bringen sie ihr Debüt in Form einer self-titled EP raus. Die düstere Mischung aus poetischer Wahrheit und autobiographisch tiefen und schweren Gedanken, lässt uns fliegen und fallen gleichzeitig. Wir schweben auf den einzigartigen Synthesizer-Sounds und fühlen, wie die Musik die von den Texten gezeichneten Bilder ausmalt. GAST stürzen sich in die Abgründe des Seins und zeigen metaphorisch die düsteren Seiten der Menschlichkeit.


strassenzügelichterketten

Das ambivalente Gefühl lässt uns textlich, wie auch musikalisch nicht los. Zwischen vergessen wollen und nicht vergessen können, liegen verzerrte Gitarren und filmisch prägnante Textzeilen. Aus der Vogelperspektive überblicken wir eine traurige, aber lebendige Stadt. Die Szenerie brennt sich in den Kopf, aber hilft auch nicht dabei “dich” zu vergessen.


„Diese Stadt ist schrecklich traurig, doch im Licht der späten Sonne sieht sie echt romantisch aus“


“GAST” folgt einem Konzept. Die dunkel-poetischen Texte von Tim fließen nahtlos ineinander über, ohne inhaltlich aneinander anzuschließen. Musikalisch bilden die Klänge analoger Synthesizer und Drummachines aus den 80ern einen roten Faden und liefern Wiedererkennungswert in jedem der Tracks. Der ganze Look wird mit besonderem Cover abgerundet. Ebenso wie die Soundelemente, in denen vergangene Zeiten mithallen, sind die GAST-Cover-Artworks analoge Fotografien von Tims Opa aus den 1950er Jahren.

Ein GAST-Song entsteht im Prozess des gemeinsamen Musik-machens oder sogar beim Recording. Nicht selten kommt es vor, dass ein einzelner Groove oder Drumsound die Basis für eine neue Song-Idee darstellt, erfahre ich von der Band.

„manchmal träume ich von genügend Schlaf und wenn ich schlafe, träum’ ich gar nichts”

“fallen” markiert den ersten Fußabdruck von GAST in der Musiklandschaft. Ihre Debüt-Single zeichnet eine Nacht, in der man nicht schlafen kann.


“warum fall ich nicht?”

Man hält sich wach und kämpft gegen die Nacht, ohne die Absicht sie besiegen zu wollen. Der Wunsch endlich die Augen zu schließen wird größer und immer unerreichbarer.


“an der Spitze meiner Kippe kämpft die Glut gegen den Regen, doch vergebens”

Musikalisch hören wir die GAST-typischen Synthesizer und Drumgrooves mit sanft verzerrter Gitarre. Das Zusammenspiel aus diesen Elementen steigert sich gegen Ende, bis wir endlich fallen.


“doch jetzt falle ich”

fliegen

Der letzte Track der EP, ist der erste von GAST geschriebene Song und stellt den Anstoß zur Bandgründung dar.

Der Song beschreibt den Moment der Panikattacke. Man hält keines der überwältigenden Gefühle auf und lässt die Ohnmacht über den Zustand zu. Wir treten einen Schritt zurück und sehen uns selbst damit aufhören, gegen die Angst zu kämpfen.


“stoß mich ab, häng in der Luft und dann fang ich an zu fliegen”

“fliegen” startet düster und findet im Verlauf seinen Weg aus der Panik heraus in eine erlösende Freiheit. Musikalisch mündet es in ein Outro, was von Drum’n’Bass Einflüssen geprägt ist.


“ich glaube man fühlt sich so lebendig nur vor dem Tod”

Einflüsse und Live

Die Einflüsse von GAST hält die Klangästhetik des Bandnames inne. „GAST“, ein deutsches Wort, gesprochen klingt es fast britisch. Inspiriert sind die beiden Musiker durch The Cure oder Kraftwerk, verraten sie mir. Aber die Musik von GAST geht über das klassische New Wave hinaus. In „fliegen“ finden wir Chöre wieder, die aus Linus früheren Kirchenchor-Zeiten stammen und vereinen sich mit Tims Wurzeln aus Jazz, Punk und Metal.

Die Handschrift und das Konzept von GAST findet sich ebenfalls in ihrer Liveshow wieder. Präzise geplant, ein Großteil live eingespielte Instrumente und wenige breaks. Zusammen spielten sie schon mit Nils Keppel, Urbannino, Spuk und Konstantin Unwohl.


und jetzt ganz schnell reinhören in die Debüt-EP von GAST!

Fotocredits: Luise Sänger, Marylin Fee

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