Autor: Amelie

  • Amélies Jahresrückblick: same old (and new) sad songs

    Amélies Jahresrückblick: same old (and new) sad songs

    Da der Spotify Wrapped noch auf sich warten lässt, wrappe ich mein Jahr 2024 vorab hier. Dazu habe ich den vertrauten Streamingdienst durchforstet. Denke ich so drüber nach lässt sich das grob ziemlich leicht und schnell so zusammenfassen:

    “The same old sad songs I cling to” 

    Die Kenner:innen verstehen vielleicht die Holly Humberstone Reference. Dieses Motto ist aber nicht neu, sondern das trage ich seit zwei Jahren mit mir herum. Ob meine Top drei Songs des Jahres wieder alle von Holly sein werden? Ich will es nicht ausschließen, aber ich habe meinen Horizont im british sad songs departement stark erweitert. Auffällig hier: ziemlich nur FLINTA*s. Thank god. (Auch hier ein kleiner hint vorneweg)


    Von Schweden nach Berlin

    Ich starte am Anfang. Es ist der 06. Januar 2024, ich sitze mit meinem Papa im Auto. Mein ganzes Hab und Gut im Kofferraum. Ein Straßenschild und die Großstadt-Umgebung verraten, dass wir in Berlin angekommen sind. Ich fühle mich ein bisschen rastlos, komme gerade aus meinem Auslandssemester in Schweden und ziehe für ein Praktikum für 3 Monate nach Berlin. Im Winter. Von verschneiter schwedischer Kleinstadt am Meer zu ich kann die Sonne nicht mehr sehen vor lauter großen grauen Häusern. Im Auto läuft ein Song, der mich direkt catched. Es ist

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    von den Wallners. Für mich ist dieser Song direkt mit Berlin connected. Wenn ich ihn jetzt höre, fühle ich, wie sich diese Zeit und dieser Song da angefühlt hat. Dunkel, bisschen kalt, aber tröstend und Comfort-spendend. Der Song ist ruhig, düster, aber warm, mit traumvollen Glockenspiel-Elementen und einer kühlen Dramatik. Jeder einzelne Sound in diesem Stück fasziniert mich.

    Begeistert hat mich während meiner Zeit in Berlin auch die Musik von PRISMA. Die beiden Schwestern aus Dänemark habe ich bei ihrem Konzert im Schokoladen gesehen und danach wochenlang nichts anderes mehr gehört. Hätte mir da jemand gesagt, dass ich Ende des Jahres mit ihnen im Booking zusammenarbeiten würde, hätte ich es nicht glauben können. Aber genau das ist seit Ende September der Fall!

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    sad girl pop

    Um jetzt den Bogen zu den same old sad songs zu ziehen, führt uns mein Weg zurück zu ihr: Holly Humberstone. Mein Berlin-Highlight und eines meiner 2024 Konzert-Highlights ist das Konzert von ihr im Februar in Berlin. Ein paar Tage vorher kommt ihre neue alte Single “Dive”, die mich durch den trostlosen Februar trägt. Beim Konzert kann ich dann endlich nochmal 16 sein und habe dieses aufgeregte Herzklopfen, bevor mein Idol die Bühne betritt. Ich fühle mich belebt und möchte nicht, dass es endet. Ich schreie und tanze mir die Seele aus dem Leib und kaufe im Anschluss alles, was der Merchstand zu bieten hat.

    Wann ich dieses Gefühl davor zum letzten Mal hatte, weiß ich schon gar nicht mehr. Dieser Abend hat mich auf eine Weise sehr beruhigt von dem grauenvollen Gedanken und der Erwartung, so wie die meisten Industry People, die Euphorie und Freude an Konzerten zu verlieren. Nur noch hinzugehen, weil man irgendwie auf der Gästeliste steht und vor der Zugabe geht, weil man nicht mehr stehen kann. Dieses Konzert hat mir die Angst vor der Entzauberung der Musik genommen und mich mit einem traurig melancholischen Gefühl zurückgelassen, weil ich diese 90 Konzert-Minuten direkt nach ihrem Ende vermisst habe.

    Einen Monat später released Holly Humberstone ihre EP “work in progress” mit Songs, die wohl schon länger existieren, es aber nicht auf das Album geschafft haben. Diese EP habe ich sehr in mein Herz geschlossen, weil sie eben so nach Holly Humberstone klingt. 

    “I had a panic attack on the Underground / Man, I felt like a circus freak”

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    Ein Album, was mich auch durch die Straßen und die U3 Fahrt jeden Morgen begleitet hat, sind Royel Otis. Sie bringen zu der Zeit ihr neues Album “PRATTS & PAIN” raus, was dem Winter ein paar Sonnenstrahlen entlockt. Indie-Rock-Gitarren und ihre sonderbare Weise Texte zu schreiben untermalen das Gefühl, ironischerweise alleine in Berlin zu sein.   

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    “I run away with all my bags packed, leave this crazy town behind”

    Die drei Monate in Berlin sind geschafft und es geht für mich zurück nach Mannheim (endlich), mit kurzem Zwischenstopp Zuhause.

    Am 01. April ist die Tour-Show von Tom Odell in Frankfurt in der Festhalle. Dieser darf natürlich in der Auflistung der Sad Song Artists nicht fehlen. Einer meiner absoluten lieblings Alben “Best Day Of My Life” stammt von ihm und auch sein neuestes Album “Black Friday” steht für mich an einer besonderen Stelle, weil es mit zum Soundtrack meines Auslandssemesters in Kalmar, in Schweden, gehört. Dieses Konzert mit 15.000 weiteren Menschen war crazy. Besonders hervorheben möchte ich an der Stelle das britische Geschwister-Duo Wasia Project, die an dem Abend Support gespielt haben. Vor allem ihr Song “Is This What Love Is?” ist ein Masterpiece. Der lief bei mir schon vor dem Konzert auf Dauerschleife und das Live hören, hat mich erfüllt. Meine Schwester und ich haben jede Zeile, jedes Wort mit geschrien und die Leute um uns herum haben uns dumm angeschaut, was uns in dem Moment völlig egal war.

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    Worüber ich beim Durchforsten meines Spotifys gestoßen bin, ist Lila Dupont und ihr Song “There’s Something About You”. Eine weitere tolle Empfehlung von meiner Schwester (Shoutout an dich Anni, dein Musikgeschmack ist einfach toll<3). Lila läutet für mich den rettenden Frühling ein und ist Grund für eine neue Playlist. Immer wenn ein Song Grund für eine neue Playlist ist, wird er mich noch lange begleiten. Während “Dracula” von den Wallners meine erste Playlist des Jahres “berlin vol.1” eröffnet hat, beginnt meine zweite Playlist “wird wieder warm” nun Lila Dupont. An diesem Song konnte ich mich gar nicht satt hören. 

    “I run away with all my bags packed / leave this crazy town behind”

    Mit der sanften Gitarre, der sanften Stimme, einer leichten Melodie und dem nachdenklichen Text fühlt sich der Song an wie eine Umarmung und nach dem Versprechen, dass mal alles gut wird. Lila Dupont findet die Leichtigkeit auch in der Situation des Zurück- und Loslassens, im Neuanfang und hilft mir dabei.

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    brat summer

    Ich skippe an der Stelle mal in den Sommer, wo es wieder sehr interessant wird. Das vierte Semester ist fast geschafft. Durch die End- und Prüfungsphase bringt mich “BRAT” von Charlie xcx. Das ist absolut kein Geheimtipp, sondern vielleicht mehr Trend, aber hat mich komplett abgeholt. Nicht nur die Songs, sondern auch das ganze Lebensgefühl, was damit einhergeht. Der brat summer hat den Sommer dieses Jahr popkulturell um sehr viel besser gemacht. Ich liebe es, wie Charlie xcx iconic macht, „brat“ zu sein. Messy, bad, bisschen rücksichtslos und unperfekt ist der neue Standard bei den Girls und hat mir auch einen Teil confidence für den Sommer mitgegeben.

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    „God help me now“

    Wir befinden uns mittlerweile mitten im Spätsommer. Auf meiner TikTok For You Page ist viel Belangloses und ich kann mich an nichts erinnern, was ich im Juli da gesehen hab. Außer an ein Gesicht und einen 15 Sekunden Songausschnitt, den ich am liebsten auf Dauerschleife hören möchte. Es ist die britische (sad song) Künstlerin Ellur. Sie promotet zu der Zeit ihren da noch unreleased Song “God Help Me Now”. Ab dem ersten Mal hören, komme ich nicht mehr los von diesem Song. Der Sound, die Stimme, die LYRICS

    “I think too much / I’m all out of fucks / the world’s on fire / I’m just getting drunk / and the fear is real / tell me how to feel / tell me how to heal / God help me now”

    Es fühlt sich an, als hätte Ellur einen Teil meiner Seele behutsam in diesen Song gepackt. Als der Song endlich veröffentlicht wird, bin ich mit meiner Familie in London. Wie perfekt kann das Timing sein? Und wie kann es sein, dass der actual Song noch so viel besser ist, als der 15 Sekunden-TikTok Ausschnitt einen überhaupt hoffen lässt? Meine Schwester und ich können es gar nicht glauben und müssen den Song mehrmals hintereinander hören. Und natürlich wird “God Help Me Now” zum Soundtrack unseres UK Sommers.

    Wie man sich schon denken kann, ist auch dieser Song ein Meilenstein in meinem Musikjahr gewesen, wenn nicht sogar der Größte. So ist Ellur nicht nur Teil meiner “wird wieder warm”-Playlist, sondern eröffnet auch meine dritte und letzte Playlist dieses Jahr “involuntary waiting for autumn”.

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    Es ist ein so unfassbar schönes und verzweifelt tragisches Bild, Gott als Lyrisches-Du zu besingen. Das macht nicht nur Ellur, sondern auch Genevieve Stokes in ihrem Song “God”.

    “God you let me down / … / did you grow tired of the show and so you chose to go away”

    Gott symbolisiert hier vielleicht ein bisschen die Hoffnung in einem selbst, die einen verlässt. So erklärt sie “Gott” als nicht echt, weil er einfach gegangen ist. Weil da eben doch niemand anderes ist, der die Dunkelheit in einem vertreibt. Genevieve Stokes ist auf jeden Fall ein Glücksfund im sad song departement.

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    Den traurigen Herbst komplettiert für mich Searows. Seine Songs sind auf heilende Art tod traurig. Es tut immer ein bisschen weh, aber heilt danach besser ab. Searows Musik gibt mir Frieden und Comfort:

    “nothing’s ever really quiet when you need distraction to survive”

    Diese Zeile stammt aus “Keep The Rain”, der nach “End Of The World” mein liebster Track von Searows ist. Beim Reeperbahn Festival konnte ich 1,5 Stunden in einer Kirche sitzen und die Songs live hören. Das hat mich zerstört und zusammengehalten und war genau das, was ich in diesem super hektischen und schnellen Umfeld des Festivals gebraucht habe. Ein Searows Konzert kann ich jeder:jedem nur empfehlen.

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    GAST küsst TEER & Americanism

    Herbst-Ende 2024 war für mich dieses Jahr GAST. Mit Tim und Linus arbeite ich seit zwei Jahren im Management und Booking zusammen. So habe ich auch über das Jahr ihre erste Tour, eine Co-Headline Tour mit TEER, gebucht. Nicht nur das, sondern ich bin auch als Tourmanagement mitgefahren, was mir in der Kombination im Vorfeld auch sehr viel Stress beschert hat. Das war auch meine erste Tour und mich hat in der Vorproduktion das Gefühl nicht losgelassen, nicht genug gemacht oder etwas Wichtiges vergessen zu haben. 

    Kurz bevor es dann auf Tour ging, gab es für mich zwei Optionen: entweder ich werde es hassen, weil es zu anstrengend und stressig ist 14 Tage lang mit sechs weiteren Leuten auf einem Fleck zu sein oder es wird die beste Zeit meines Lebens und ich möchte nichts anderes mehr machen. 

    Und es wurde letzteres. Diese Tour und vor allem die Menschen, mit denen ich unterwegs war, war das Beste und das Prägendste, was ich dieses Jahr erlebt habe. Wir waren 14 Tage unterwegs und haben insgesamt neun Stopps in Deutschland, Österreich und Tschechien gespielt. Hab euch alle lieb!<3

    Genau zur Tour und den US-Wahlen haben GAST ihre neue EP “Americanism” veröffentlicht, die für mich den Herbst stark geprägt hat, weil ich natürlich so viel damit zu tun hatte und den Entstehungsprozess über ein Jahr miterlebt habe. Mein Liebling der EP ist “Soft Punk”. Meine Favourite Tour-Stopps waren Frankfurt, meine Heimat, und unser Tourabschluss in Leipzig, der ein einziger Film war. 

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    Mein Favourite TEER Track ist noch nicht released, also kann ich da nicht zu viel verraten:)

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    Ich kehre ja eh irgendwie jedes Mal zu den “same old sad songs” zurück

    Dieses Jahr in drei Songs zusammenzufassen, ist nicht leicht, aber machbar: „Dracula“ von den Wallners, „There’s Something About You“ von Lila Dupont und abschließend und am prägendsten „God Help Me Now“ von Ellur. Was stark auffällt neben dem Hang zu sad songs, ist der starke Hang zu FLINTA*s, in denen ich mich wiederfinde und Trost suche. Ergibt super viel Sinn.

    Das Jahr generell abschließend in Worte zu fassen fällt mir schwer. Ich bin froh wieder in Mannheim zu sein und vor allem zu wissen, dass ich das mache, was ich wirklich machen will. Diese Bestätigung aus diesem Jahr zu ziehen, tut gut, denn ich habs mir meistens ganz und gar nicht leicht gemacht. Vielleicht lerne ich das fürs nächste Jahr, vielleicht auch nicht. Ich kehre ja eh irgendwie jedes Mal zu den “same old sad songs” zurück, das aber mit Freude.

    Fotocredits: Mia Le Guen, Amélie Ostara Freund, Linus Georgi

  • Klingt so, wie eine eisgekühlte Spezi schmeckt: Das ist Spätkauf

    Klingt so, wie eine eisgekühlte Spezi schmeckt: Das ist Spätkauf

    Spätkauf ist unsere neueste Entdeckung aus dem Indie-Kosmos. Catchy Gitarren-Riffs, “wobbelnde” Synthesizer und echte Drums mit Schubkraft – we’re all here for it! Der Spätkauf-Sound klingt so wie eine eisgekühlte Paulaner Spezi an einem heißen Sommertag schmeckt: erfrischend vertraut mit einer Prise Betterov, Von Wegen Lisbeth und Wir sind Helden aus dem Bluetooth Lautsprecher.


    “Meine Schildkröte und Ich”

    Mit ihrer Debütsingle “Meine Schildkröte und Ich” liefern Schlagzeuger Paul, Gitarrist Niklas und Sänger und Bassist Jan den perfekten Track gegen die winterliche Einsamkeit. Ein leichter Indie-Track mit warmen Sommerfilter illustriert die Story mit der Schildkröte Speedy (oder Jerry), die immer für einen da ist. Man ist also nie alleine, oder? Das Lyrische-Ich verdrängt die Einsamkeit mit einer Fantasie. Ängste und Selbstschutz tanzen Arm in Arm durch das Zimmer. Bis die Realisierung in der Bridge ins Bewusstsein rückt:

    “seit Jerry bei mir wohnt,
    bin ich genauso einsam wie gewohnt”

    “Wettlauf zum Spätkauf”

    Die drei haben sich nicht, wie es der Name vielleicht vermuten lässt, zufällig im Späti kennengelernt, wo sie alle im gleichen Moment nach derselben Spezi-Flasche gegriffen haben. Es hat ein paar Umwege gebraucht, bis Spätkauf komplett war. So haben erst Jan und Niklas schon früh die Musikszene Nürnbergs unsicher gemacht. Dann ziehen beide weg, um was mit Musik zu studieren, und Jan trifft Paul in Mannheim. Die Liebe zur Spezi teilen aber alle drei und erstere Story hätte echt passieren können. 

    Spaetkauf-Band-Indie-Newcomer-MeineSchildkroeteUndIch-Musik-Debutsingle-Musikmagazin-untoldmusic-untoldency-VonWegenLisbeth-Betterov-WirSindHelden

    Im Sommer 2023 waren Spätkauf eine Woche lang zusammen im Studio, wo eine Menge Indie-Banger entstanden sind. “Wettlauf zum Spätkauf” wird die EP heißen, für die “Meine Schildkröte und Ich“ den Startschuss setzt.

    Einen kleinen Ausblick können wir hier schon geben: auf uns warten feinster Indie, 80er NDW-Sounds und vielleicht eine Ballade. Alleinsein, Herzschmerz, toxische Beziehungen und der allgemeine Unmut unserer Zeit werden nebeneinander im Späti-Regal aufgereiht. Alle Songs versprechen 100% Tanzalarm! Bis wir Spätkauf auch endlich live erleben können, empfehlen wir eine Indie-Party Zuhause zu starten.

    Okay, wer zuerst auf Spotify ist: 1-2-3 Go!

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    Fotocredits: Leah Piazza; Cover: Niklas Schmitt

  • Der kälteste Winter unseres Lebens: Das ist MELLERs Debüt

    Der kälteste Winter unseres Lebens: Das ist MELLERs Debüt

    MELLER lässt die Temperatur jetzt schon in die Minusgrade sinken. Eine Kälte, die wir gerne immer und immer wieder on repeat erleben wollen. Gleich mit ihrem ersten Song beweist die Newcomerin ihren Sinn für musikalische Moderne, textliche Präzision und ein Talent, die bittere Wahrheit in Poesie zu verpacken.


    „draußen fällt der erste Schnee“

    Aufgewachsen in Hamburg, erwachsen geworden in Berlin. Musik und Ideen für Texte begleiten sie immer und sammeln sich in Sprachnotizen auf dem Handy. Ihre frühe Faszination für Worte entdecken wir sofort in den harten Texten, die schön unverschönt realistisch sind. So entsteht auch „WINTER“, der Soundtrack einer ehrlichen Autofahrt, die uns durch die nächtliche Großstadt führt.

    Bereits auf Instagram und TikTok trifft „WINTER“ auf Anklang und wird mit vorfreudigen Kommentaren überschüttet. MELLER trifft einen Nerv bei allen, die den Sommer und ihre warme Komfortzone verlassen haben. Auch nicht zu Unrecht weist die Musikerin darauf hin, dass in ihrer Musik Einflüsse von Paula Hartmann und Schmyt zu finden sind. Nacht-Ästhetik und Hip-Hop Elemente gemischt mit kalten Klängen und tiefen Bässen, könnte man sie dort im Dark Pop einordnen. Die Bässe gemischt mit einer großzügigen Prise Verzweiflung laden ein, die Lautstärke auf Maximum zudrehen.

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    „ich verbrenn‘ an der Stille“

    In ihrer Debütsingle beschreibt MELLER das Ende einer Beziehung. Die letzten Worte und Nicht-Worte bevor die Trennung endgültig ist. Die Szenerie beschreit zwei Menschen in einem Umzugs-Sprinter. Die Beziehung liegt in Scherben, die Wahrheit brennt im Hals und kommt endlich heraus. Bei der Jagd nach einer Lösung dreht man sich doch nur im Kreis, obwohl man weiß, dass in jedem Szenario das Ende vorprogrammiert ist.

    Danach das brennende Gefühl, dass man etwas retten müsste, aber es bleibt still. Schockstarre, man kann seine „Lippen nicht bewegen“, das Ausgesprochene nicht mehr verschönern. Ungefiltert und ehrlich endet in diesen 3:11 Minuten eine lange Beziehung und die gefühlte Ewigkeit des Trennungsgespräch.

    
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    „Der kälteste Winter meines Lebens“ und dann…

    Wir sind gespannt, was wir zukünftig von MELLER hören werden! Wir sind uns sicher, dass wir hier eure neue Lieblingskünstlerin entdeckt haben : ) Ein kleiner Vorgeschmack auf weitere Musik verspricht einiges. MELLER bleibt dem Sound ihrer ersten Single treu und definiert ihre Ästhetik weiterhin mit düsteren Klangwänden und tiefen Beats.

    Bis dahin, hört hier in MELLERs Debüt rein:

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    Fotocredits: Filip Boban, Leah Piazza

  • Exklusive Videopremiere: GAST und “du fängst an zu weinen, aber ich weck dich nicht auf”

    Exklusive Videopremiere: GAST und “du fängst an zu weinen, aber ich weck dich nicht auf”

    Wer sich hin und wieder im Sog des Wave-Sounds verliert, wird von dem aufstrebenden Duo GAST schon vieles gehört haben. Nach ihrer mehr indie-poppigen letzten Single “rapsfeldgelb” begeben sie sich bei ihrem aktuellen Release in Richtung technoiden Darkwave, wobei wir den individuellen GAST-Sound vertraut vertieft wahrnehmen.


    „jede Nacht, wenn du schon schläfst, schau ich nach ob du noch lebst“

    Sich für sich selbst entscheiden. Den Savior Complex aus Selbstschutz loslassen und die andere Person nicht aus dem Schlaf retten, auch wenn diese angsterfüllt weint. Schmerz und Aufopferung haben eine Grenze. Diese wird erreicht, wenn eine der beiden “kaputten” Personen versucht, den Schmerz des anderen auf sich zu nehmen und daran zerbricht. 


    zwischen Traum und Realität

    Das Musikvideo zum Song wurde von GAST zusammen mit Aaron Chaudhry konzipiert und visualisiert. Machtlos findet sich die Hauptfigur in einem kargen Raum wieder, in dem sie nur in sich selbst fliehen kann. Als Zuschauer:in befinden wir uns mit in der verwirrten Perspektive der Person. Zwischen Realität und Traum gefangen, versuchen wir beim Zusehen herauszufinden, was real und was Wahn ist. Ein Röhrenbildschirm stellt den einzigen Zugang aus dem Raum zur Realität dar.

    Schaffen wir es dem Zustand der Machtlosigkeit und Angst zu entfliehen? Höchste Zeit es hier im Video herauszufinden:

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    “du fängst an zu weinen, aber ich weck dich nicht auf”

    ist wider des ersten Eindrucks eine Hoffnungsbotschaft. Es geht nicht um Versagen, sondern um Fortschritt. Wir finden zwar Linderung und Trost in der Tatsache, dass wir nicht allein mit unseren Ängsten sind, dass jemand unsere Angst teilt. Aber ist das jetzt „Liebe oder Angst“? Können wir so heilen? Das Lyrische-Ich realisiert in der eigenen Hilflosigkeit, dass es sich selbst helfen muss.


    „Du hast mich so gern und ich hasse mich auch“

    Das schwere Thema ist mit düsterer Gitarre, betäubenden Techno-Elementen und verzweifelten Synth-Melodien unterlegt. Eine erlösende Verzweiflung, durch die auch die Hoffnung musikalisch hindurch scheint.


    „kaputt gehen“ EP im Spätsommer

    “du fängst an zu weinen, aber ich weck dich nicht auf” ist die letzte Auskopplung und kündigt final die neue EP “kaputt gehen” an, die im Spätsommer erscheinen wird. Wir freuen uns auf den neuen musikalischen Meilenstein von GAST und natürlich wie immer: we keep you updated!

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    Fotocredits: Aaron Chaudhry

  • PAUL FALC serviert uns „kummer“ im Glas

    PAUL FALC serviert uns „kummer“ im Glas

    “bisschen Kummer in meinem Glas, so nimmt das Leben seinen Lauf”

    Wir verspüren alles andere als Kummer, wenn wir uns anschauen, was die Deutsche Musikszene an Neuheit hervorgebracht hat.

    PAUL FALC ist der Name, den ihr euch unbedingt merken solltet.

    Bereits mit seiner ersten Single “du sagst es geht nicht“ und dazugehörigem Musikvideo hat er die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Gerade ist Paul noch absoluter Geheimtipp, den wir euch aber selbstverständlich nicht vorenthalten wollen.

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    “ich bin nicht unendlich, du verschwendest mich”

    Den Sinn für Poesie hat der Songwriter und Produzent vielleicht aus seiner Heimatstadt Weimar mitgebracht, den er nun in seinem Studentenzimmer in Mannheim in leicht, aber nachdenkliche Texte verarbeitet. In diesem Zimmer entstehen alle von PAUL FALCs Songs. Denn dort, “abgeschottet vom Rest des Business, darf Musik noch einfach Musik sein”.


    “du sagst es geht nicht, ich fahr keinen Mercedes”

    Gerade unsere Generation lebt schnell und viel, verschwendet sich. PAUL FALC beschreibt den Hang dazu, sich der Toxizität und Dependenz zu anderen hinzugeben, in der man sich gegebenenfalls auf dem Weg zu sich selbst verliert.

    Es geht um Akzeptanz, akzeptiert werden, aber vor allem darum, sich selbst zu akzeptieren. Komplette Verschwendung des Selbst, weil man sich ständig den gesellschaftlichen Erwartungen beugen muss. Aber muss man das wirklich?

    “Du sagst es geht nicht, ich fahr keinen Mercedes”, vielleicht ist es dann besser so, dass es nicht funktioniert.


    Mit “du sagst es geht nicht” zu “kummer” schafft PAUL FALC den fließenden Übergang von Winter zu wärmenden Frühlingsstrahlen. Wir müssen erst etwas abschließen, um neu anfangen zu können.


    “Das Gefühl, dass alles passt und ich komm’ sicherlich bald an”

    Jugendlich und unvoreingenommen beschreibt PAUL FALC, wie es ist, in seinen 20ern zu sein. Bei ihm klingt der Leichtsinn modern, die 20er naiv und schön und manchmal traurig, unterlegt mit Elektrobeats oder Drum ‘n’ Bass.

    Wir finden uns zwischen unbeschwerter Nostalgie und „kummer“ in den musikalisch beschriebenen Bildern wieder. Es läuft ein Film mit warmen Filter ab, den wir vor unserem inneren Auge, wie die Landschaft aus dem Auto heraus, vorbeiziehen lassen. Während wir mit “90 hinterm Laster hängen”, finden wir einerseits Ruhe im Moment, können es aber nicht erwarten, endlich irgendwo anzukommen, denn “ich will nie wieder was verpassen”.

    Der “kummer” geht vorbei, sobald die ersten warmen Sonnenstrahlen aufblitzen. Unser Leben wechselt wohl immer zwischen “kummer” und Euphorie. In PAUL FALCs zweiter Single entdecken wir das Gefühl von “Euphancholie”. Diesen Ausdruck kennen vielleicht ein paar aus dem Roman “Hard Land” von Benedict Wells. Es ist ein Neologismus und beschreibt die Verschmelzung von Euphorie und Melancholie. In einem Moment puren Glücks, kommt gleichzeitig die Realisation, dass dieser Moment endlich ist. So einen Moment festzuhalten, daran ist bekanntlich Goethe schon gescheitert. Wo wir wieder in Weimar wären. 


    “Zukunft vor der Nase, ich hab Angst, dass sie sie klaun’”

    “dramatisch-romantisch”, so beschreibt Paul seine Musik. Mit seinen modernen Produktionen, in denen orchestrale Elemente bis hin zu 80er Jahre-Synth-Sounds zu finden sind, schafft PAUL FALC einen zeitlosen Klang.

    Wir sind gespannt, was künftig noch so von dem vielversprechenden Newcomer kommt. Bis dahin, hört nochmal in PAUL FALCs ersten zwei Singles rein:

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    Fotocredits: Jona Riese

  • Bittersüße Sounds im neuen GAST-Track: Wir schauen durch „rehaugen“ in grelles Scheinwerferlicht

    Bittersüße Sounds im neuen GAST-Track: Wir schauen durch „rehaugen“ in grelles Scheinwerferlicht

    Ein Release aus dieser Woche lässt das Untoldency-Herz höher schlagen. Schon bei den ersten Tönen der unendlich schwebenden Synth-Melodie ist klar: “rehaugen” von der zweiköpfigen NNDW-Band GAST wird noch lange in unseren Lieblingssongs nachhallen.

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    Nach ihrer Debüt-EP im November (hier lesen) legen Tim und Linus von GAST jetzt mit bittersüßem New Wave-Sound nach. “rehaugen” ist neben einer musikalischen und persönlichen Weiterentwicklung auch der Vorbote auf mehr – ihrer neuen EP. Dennoch finden wir im neuen Track die geliebte GAST-Melancholie und vor allem ihre einzigartige Lyrik.


    “Meine braunen Augen schauen in dein grelles Licht, wenn deine Motorhaube meinen Schädel küsst und deine Herzdruckmassage mir mein Herz zerbrichst, bist du kaputt wie ich”


    In “rehaugen” bekommen wir Einblick in eine gescheiterte Beziehung. Es fehlt nur, dass man sich das auch eingesteht und den Mut aufwendet es zu beenden. Genau diese Zerrissenheit und das unterbewusste Wissen, eigentlich aus dieser Beziehung raus zu sollen, wird lyrisch raffiniert in Metaphern verpackt. So schauen wir durch unsere Rehaugen in die blendenden Autoscheinwerfer, Sekunden bevor alles Zusammenbricht. Dennoch ist es unmöglich sich zu bewegen. GAST beschreiben die Machtlosigkeit über die eigene Ohnmacht.


    “keep running!”

    Wir sind Bambi und sehen die Beziehung sterben, aber rennen eben nicht, was uns selbst schützen würde. Wir bleiben stehen. Paralysiert und andererseits süchtig nach der toxischen Extreme, ohne die es vielleicht langweilig wäre. Geboren aus der Angst, allein zu sein.


    “sind wir gut zu zweit oder nur scheiße allein?” 


    Klare Antwort: Scheiße allein. Dann lieber zu zweit einsam.

    Diese bittere Erkenntnis verpacken GAST in “ein ironischerweise viel zu schönes Gesamtbild”. Musikalisch erfahren wir Wärme und Weite, Unendlichkeit und eine entfernte Hoffnung, dass alles wieder gut wird. Dass man eben nicht mehr “scheiße allein” ist. Dass man es irgendwann aus dem Gefangensein hinaus schafft. 


    Wir sind schon gespannt auf mehr von GAST. Am 02. März soll ein Musikvideo zu “rehaugen” erscheinen, das NNDW-Artist Nils Keppel produziert hat. Bis dahin bewundern wir während des Hörens das Cover der Single, das erneut eine analoge Fotografie von Tims Opa aus den 50ern ist. Abgebildet ist ein Eisbär in Gefangenschaft, passt auch irgendwie.


    Unsere Empfehlung: Kopfhörer auf, Augen zu, Lautstärke hoch (natürlich nicht zu hoch:)) und treiben lassen:

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    Fotocredits: Mats Dylan; Coverartwork: Joseph Rödl

  • Amélies Jahresrückblick: Staffelfinale und 80er-Revival

    Amélies Jahresrückblick: Staffelfinale und 80er-Revival

    2022 wird als das Jahr in die Geschichte eingehen, in dem am meisten passiert ist, sich am meisten verändert hat, mir am meisten neue Menschen über den Weg gelaufen sind, den Weg wieder verlassen haben oder noch lange bleiben werden. Und so wie das klingt, klingt auch mein Jahr. Die Musik und Musik-Stationen, zeichnen das Jahr in Klang.

    Apropos Geschichte, während ich über meine Musikgeschichte schreibe, höre ich mit dem anderen Ohr, unserem Dozenten für Popmusikgeschichte (mehr oder weniger) zu. Shoutout an meine Kommiliton:innen, die alle ganz aufmerksam folgen!:)

    Während wir Musik aus den 60er Jahren hören, geht es bei mir eher um die neusten Entdeckungen 2022. Hier lassen sich sicher auch viele Einflüsse und parallelen zu unserer Vorlesung finden, also ist das hier mehr als Uni-releated!


    Staffel 2

    Wir starten in Staffel 2. Seit vier Monaten wohne ich viele hundert Kilometer weit von Zuhause weg. In Regensburg sitze ich in meinem Zimmer. Für drei Monate. Verrückt, das da Corona noch existiert und mich in einer mir noch sehr fremden Stadt gefangen hält. Zu der Zeit habe ich mein FSJ Kultur beim Verband für Popkultur in Bayern (VPBy) im Homeoffice bestritten. Da ich diese triste Zeit so gut wie verdrängt habe und somit auch was ich zu der Zeit an Musik gehört habe, spule ich eine langweilige Episode einfach vor.

    Ende März wird es wärmer und der Festival- und Musik-Sommer kündigt sich langsam an. Hier wird es auch spannend, weil ich im April angefangen habe, für Untoldency zu schreiben! Vielleicht erinnert sich der:die ein:e oder andere an das Crossover-Projekt “VPBy x Untoldency”. Ich starte mit dem Musikvideodreh in Nürnberg. Dort dreht Elena Steri ihr Video zu “reset”. Am folgenden Tag treffe ich Elena zum Interview. Mein erstes Interview!!

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    Gerade durch mein FSJ bin ich stark mit der lokalen und deutschen Indie-Szene verwachsen. Passend dazu erlebe ich Ende April einer meiner ersten Showcase-Festivals, die c/o Pop in Köln. Damit auch den ersten Auftritt von Malte Huck aka BEACHPEOPLE. Malte ist bei meinen favourites, der corner.company aus Regensburg, gesigned. Ich bin ziemlich stolz, den ganzen Werdegang dieses Jahr miterlebt zu haben!

    mein favourite BEACHPEOPLE Track


    Absolutes Staffel 2-Highlight war das Modular Festival in Augsburg. Dort war ich Teil der Social Media Promo Crew und meine Aufgabe bestand darin, Videomaterial für die Modular Festival Instagram-Story zu sammeln. Im Bühnengraben oder auf der Bühne konnte man mich hin und wieder entdecken, wie ich die perfekte Perspektive suche.

    Alli Neumann, Nina Chuba und absolut riesig war Giant Rooks.

    Magisch war der Auftritt von Edwin Rosen. Ein Sonnenuntergang, wie aus dem Bilderbuch über dem Gaswerk in Augsburg, spiegelt sich in den Augen der 100% textsicheren Edwin Rosen Fans. Antwort ist ein Lächeln des Begründers der Neuen Neue Deutsche Welle-Szene.

    mein favourite Edwin Rosen Track


    “Eine Blume im Grau”

    Wichtig in meinem Jahresrückblick, ohne ganz pathetisch zu werden, sind Tilman.

    Wer Untoldency verfolgt, hat diesen Namen schon gehört. Kennengelernt habe ich die drei, auch durch mein FSJ und dann persönlich bei ihrem c/o Pop-Auftritt. Da ist auch unser schönes Interview entstanden.

    Seit August arbeite ich mit ihnen im Management zusammen und freue mich auf alles, was nächstes Jahr so kommt, und Spoiler – es wird besser als super gut:))

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    Staffelfinale & 80er Revival

    “Hochsommer kommt vor dem Fall”

    Wann ist die beste Zeit für nostalgischen Rewind? Ja, genau im Sommer bei 38 Grad und Freundinnen, mit denen du eine Woche Unzertrennlichkeit erlebst. All time favourite sind The Smiths. Wenns mir schlecht geht oder einfach mal kurz Ruhe sein soll, finde ich mich mit “Asleep” wieder.

    “There is another world / There is a better world”


    Dann folgt The Cure mit “Play For Today”

    “It’s just your part in the play for today”


    Abschied und Neuanfang

    Bis hier hin war es schon turbulent, oder? 

    Der Abschied vom Sommer und von meiner Zeit in Regensburg erfuhr seine Feierlichkeit im Sommerflimmern. Eine Regensburger Festivalreihe. Mit dem VPBy haben wir den ersten Abend kuratiert. Mit dabei waren die Moon Mates, Umme Block und BRUCKNER, alles aktuelle oder ehemalige Mitglieder aus unserem Bandförderprogramm BY.on.

    mein favourite BRUCKNER Track


    Bevor ich mein Studium an der Popakademie in Mannheim Ende September begonnen habe, stand noch einen Trip durch Berlin und Hamburg für mich an. Mit besagten Personen, wodurch wir noch unzertrennlicher wurden. Klingt cheesy, soll es auch.

    Neuentdeckung: Selofan


    listen to „Living Scandal

    Ich sehe uns nur im kleinen Auto bei fast vergangenen Sonnenuntergang durch Berlin fahren. Sichtbarer Ankerpunkt ist der Fernsehturm.


    Matrosé sippen bei Paula Hartmann

    Weiter geht die Fahrt zu meinem ersten Reeperbahn Festival in Hamburg.

    Preis für das beste Reeperbahn Festival-Getränk erhält Matrosé, Mate-Pfefferminztee mit Rosé. Schmeckt so gut, wie es klingt!

    Mit Matrosé in der Hand eilen wir zu einem meiner Highlights: Paula Hartmann. Meine meistgehörte Künstlerin dieses Jahr. Ich kann wirklich jedes Wort auswendig, was sie je verfasst hat. Kein Spaß.


    mein favourite Paula Hartmann Track

    Zweites Reeperbahn Highlight und einer meiner liebsten Künstler dieses Jahr ist Betterov. Über seine Betterov & Friends Session habe mit ihm am nächsten Tag beim Interview zu seinem Debüt-Album in der Lobby des East Hotels in Hamburg gesprochen.

    Einfach eines der besten Alben diesen Jahres!

    das Album des Jahres „OLYMPIA“


    Pilotfolge Staffel 3

    Wir sind endlich in Mannheim angekommen! Parallel mit der zweiten Uni-Woche releasen ich und meine Schwester mit OSTARA “fernweh” / “fernweh – discokugel mix”.


    listen to OSTARA


    Wie viele krasse Menschen und Musiker:innen ich hier schon kennengelernt habe, ist unglaublich.

    Frisch im Management dabei, bin ich bei GAST.

    Schon im letzten halben Jahr hat sich meine Spotify Playlist immer weiter zu deutschen New Wave Artists hin entwickelt und GAST darf bei so einer Playlist unter keinen Umständen fehlen! Also empfehle ich euch gleich mal eure Playlist zu ergänzen:)


    listen to GAST


    Einer meiner all time favourite NNDW Songs ist “Nur zu weit” von niemand geringeren als Traumatin. Ich durfte auch sein Live-Debüt in Stuttgart im Werkstatthaus miterleben. Und eins sei gesagt: von Traumatin werden wir noch großes hören!

    Nicht fehlen durfte in meinem Spotify wrapped, Nils Keppel mit “222”. Live konnte ich Nils beim KiezKultur Festival in Hannover sehen. Ebenfalls unterstützte er GAST bei ihrem Auftritt im Werkstatthaus am Bass.


    listen to Nils Keppel


    Jahresabschluss

    Den musikalischen Jahresabschluss machte bei mir Anais. Am 02.12.22 konnte ich den zweiten Tourstop auf ihrer ersten eigenen Tour miterleben! Die Stimmung war wunderbar und ich liebe es einfach, zu Anais Songs zu tanzen. 


    listen to Anais


    Jetzt geht’s weiter ins nächste Jahr, ich bin gespannt was für neue Musik und Artists da auf uns warten, die ich mit dem besten Magazin der Welt begleiten darf <3


    Fotocredits: Amélie Ostara Freund

  • Tanzen zu malerischer Melancholie und nostalgischen Synthie-Sounds bei GAST

    Tanzen zu malerischer Melancholie und nostalgischen Synthie-Sounds bei GAST

    Die Post-Punk Band GAST ist in der „Neue Neue Deutsche Welle“-Szene keine Unbekanntheit mehr. Die zweiköpfige Band besteht aus Tim und Linus und findet ihren Anfang im süddeutschen Tübingen.

    Jetzt bringen sie ihr Debüt in Form einer self-titled EP raus. Die düstere Mischung aus poetischer Wahrheit und autobiographisch tiefen und schweren Gedanken, lässt uns fliegen und fallen gleichzeitig. Wir schweben auf den einzigartigen Synthesizer-Sounds und fühlen, wie die Musik die von den Texten gezeichneten Bilder ausmalt. GAST stürzen sich in die Abgründe des Seins und zeigen metaphorisch die düsteren Seiten der Menschlichkeit. Wir haben mit der Band über ihre EP und ihr Projekt gesprochen.


    strassenzügelichterketten

    Das ambivalente Gefühl lässt uns textlich, wie auch musikalisch nicht los. Zwischen vergessen wollen und nicht vergessen können, liegen verzerrte Gitarren und filmisch prägnante Textzeilen. Aus der Vogelperspektive überblicken wir eine traurige, aber lebendige Stadt. Die Szenerie brennt sich in den Kopf, aber hilft auch nicht dabei „dich“ zu vergessen.


    „Diese Stadt ist schrecklich traurig, doch im Licht der späten Sonne sieht sie echt romantisch aus“


    „GAST“ folgt einem Konzept. Die dunkel-poetischen Texte von Tim fließen nahtlos ineinander über, ohne inhaltlich aneinander anzuschließen. Musikalisch bilden die Klänge analoger Synthesizer und Drummachines aus den 80ern einen roten Faden und liefern Wiedererkennungswert in jedem der Tracks. Der ganze Look wird mit besonderem Cover abgerundet. Ebenso wie die Soundelemente, in denen vergangene Zeiten mithallen, sind die GAST-Cover-Artworks analoge Fotografien von Tims Opa aus den 1950er Jahren.

    Ein GAST-Song entsteht im Prozess des gemeinsamen Musik-machens oder sogar beim Recording. Nicht selten kommt es vor, dass ein einzelner Groove oder Drumsound die Basis für eine neue Song-Idee darstellt, erfahre ich von der Band.

    „manchmal träume ich von genügend Schlaf und wenn ich schlafe, träum‘ ich gar nichts“

    „fallen“ markiert den ersten Fußabdruck von GAST in der Musiklandschaft. Ihre Debüt-Single zeichnet eine Nacht, in der man nicht schlafen kann.


    „warum fall ich nicht?“

    Man hält sich wach und kämpft gegen die Nacht, ohne die Absicht sie besiegen zu wollen. Der Wunsch endlich die Augen zu schließen wird größer und immer unerreichbarer.


    „an der Spitze meiner Kippe kämpft die Glut gegen den Regen, doch vergebens“

    Musikalisch hören wir die GAST-typischen Synthesizer und Drumgrooves mit sanft verzerrter Gitarre. Das Zusammenspiel aus diesen Elementen steigert sich gegen Ende, bis wir endlich fallen.


    „doch jetzt falle ich“

    fliegen

    Der letzte Track der EP, ist der erste von GAST geschriebene Song und stellt den Anstoß zur Bandgründung dar.

    Der Song beschreibt den Moment der Panikattacke. Man hält keines der überwältigenden Gefühle auf und lässt die Ohnmacht über den Zustand zu. Wir treten einen Schritt zurück und sehen uns selbst damit aufhören, gegen die Angst zu kämpfen.


    „stoß mich ab, häng in der Luft und dann fang ich an zu fliegen“

    „fliegen“ startet düster und findet im Verlauf seinen Weg aus der Panik heraus in eine erlösende Freiheit. Musikalisch mündet es in ein Outro, was von Drum’n’Bass Einflüssen geprägt ist.


    „ich glaube man fühlt sich so lebendig nur vor dem Tod“

    Einflüsse und Live

    Die Einflüsse von GAST hält die Klangästhetik des Bandnames inne. „GAST“, ein deutsches Wort, gesprochen klingt es fast britisch. Inspiriert sind die beiden Musiker durch The Cure oder Kraftwerk, verraten sie mir. Aber die Musik von GAST geht über das klassische New Wave hinaus. In „fliegen“ finden wir Chöre wieder, die aus Linus früheren Kirchenchor-Zeiten stammen und vereinen sich mit Tims Wurzeln aus Jazz, Punk und Metal.

    Die Handschrift und das Konzept von GAST findet sich ebenfalls in ihrer Liveshow wieder. Präzise geplant, ein Großteil live eingespielte Instrumente und wenige breaks. Zusammen spielten sie schon mit Nils Keppel, Urbannino, Spuk und Konstantin Unwohl.


    und jetzt ganz schnell reinhören in die Debüt-EP von GAST!

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    Fotocredits: Luise Sänger, Marylin Fee

  • Fear of missing out: Tilmans „Nachbar“ schaut zu

    Fear of missing out: Tilmans „Nachbar“ schaut zu

    „Nachbar“ heißt die neue Single der dreiköpfigen Indie-Pop-Jazz Band Tilman. Viel brauchen wir nicht zu ihnen zu erklären, denn bei Untoldency sind sie altbekannt und beliebt.

    Fabio, Peter und Tilman kommen aus Bad Neustadt (Unterfranken, Bayern). Letztes Jahr erschien ihre Debüt-EP „Blume im Grau“, bei der Malte Huck (BEACHPEOPLE, ehemals AnnenMayKantereit) unterstützend am Bass mitwirkt. Außerdem gab es diesen Herbst die erste eigene Tilman-Clubtour, die sie nochmals ihrer EP widmeten. Mehr über die Tour findet ihr hier.

    Jetzt releasen die drei ihre dritte Single dieses Jahr.

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    „mein Nachbar schaut zu, rauchen und sagen nichts“

    Eifersucht ist ein starkes Gefühl, Tilman illustrieren in „Nachbar“ Musik zu diesen prägnanten Gedanken, die anfangs wütend und schwer und gegen Ende befreiend sind.

    Wir finden uns zu Beginn alleine wieder, „Stille stundenlang“. Diese verletzliche Situation wird durch den Blick des Nachbarn beobachtet und unterbrochen, dieser „raucht nur und sagt nichts“.

    Ist das vielleicht eine Metapher dafür, dass das lyrisch Ich nichts gegen dieses hartnäckige Gefühl des Verpassens unternimmt? Genauso wie der Nachbar, beobachtet es die verzweifelte Situation zunächst nur wort- und tatenlos.


    Fear of missing out


    „bin sauer, wie du Spaß hast ohne mich“

    Tilman thematisieren in ihrem Song, die Angst alleine zu sein und etwas zu verpassen. Das lyrische Ich fühlt sich ausgeschlossen und ist eifersüchtig auf alles und jede:n, der:die „Spaß hat ohne mich“. Niemand scheint sich darum zu sorgen, wie es einem geht. Keine:r schreibt eine Nachricht, was die Sehnsucht nach Anschluss noch größer werden lässt. In diesem Selbstmitleid fällt nicht auf, dass man sich nur selbst einsperrt, im eigenen Zimmer und in kreisenden Gedanken, während die Welt draußen einfach weiterhin passiert.

    Musikalisch wird der schwere Text mit leichtem Drumgroove von Schlagzeuger Peter untermalt. Schwebendes Piano unterstützt die aussagekräftige Stimme von Sänger Tilman. Fabios Gitarrenriffs deuten die Befreiung aus den kreisenden Gedanken durch das Stück hindurch schon an.


    „Alle Gedanken im Kreis haben keinen Sinn gemacht“

    Die Bridge stellt einen Wendepunkt da, in dem das Ich aus dem gedanklichen Kreis ausbricht. Hier wird klar, dass es sich nur selbst im Weg stand und in das Alleine-Sein zu viel hinein interpretiert hat.


    „versteht sich, dass ich nichts verstanden hab“


    Musikalisch wirkt die Bridge wie ein Traum, der einen näher zur Wahrheit bringt. Verträumte verhallte Klänge markieren den Sinneswandel. Abgerundet wird es durch das befreiende Gitarrensolo gegen Ende.

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    Fotocredits: Cover von Hannes (@ hnescoast); Bilder von Amélie Ostara Freund

  • Betterov im Interview: »Das Tolle ist, dass ich es geschafft habe, Worte für diese Zeit zu finden«

    Betterov im Interview: »Das Tolle ist, dass ich es geschafft habe, Worte für diese Zeit zu finden«

    Nach einem Dauerlauf des Wartens, ist die Freude über den Release seines Debütalbums riesengroß. Betterov veröffentlicht „OLYMPIA“, ein Album voller abgrundtiefer Verzweiflung, aber vor allem voller Trost.

    Alles gut so wie es ist

    Besser können wir es nicht beschreiben. Poesie und Prosa untermalt mit schweren Gitarren verschmelzen mit Ehrlichkeit, eine Wahrheit, die die meisten von uns nur allzu gut kennen. Stillstand verpackt in bewegter Musik aus einer schnelllebigen Stadt. Das Album ist ein Repertoire aus Betterovs Erinnerungen und Gefühlen aus einer schwierigen Zeit.

    Stagnation während er versucht, dieser mit dem Anschauen alter Olympia-Aufzeichnungen zu entfliehen. Angst, vergessen im Abgrund unterzugehen, aber eine Straße nach dem eigenen Namen benannt zu haben, ist auch komisch. Oder doch nicht? Darüber und noch mehr habe ich mit Betterov am Tag nach seinem größten Konzert überhaupt beim Reeperbahn Festival gesprochen.


    Betterov im Interview

    Amélie: Hi Betterov, schön, dass du Zeit für dieses Interview gefunden hast! Möchtest du dich zu Beginn vielleicht erstmal kurz vorstellen?

    Betterov: Sehr gerne. Mein Name ist Betterov, ich bin Musiker und mache Indie-Rock mit Post-Punk Einflüssen. Ich freue mich sehr, hier zu sein!

    Amélie: Und wenn deine Musik ein Gefühl wäre, welches Gefühl wäre sie?

    Betterov: Ein Gefühl ist schwer. Jetzt braucht man echt das passende Adjektiv. Vielleicht „treibend“.

    Amélie: Das passt aber ziemlich gut!


    „Betterov & Friends“ @ Reeperbahn Festival

    Amélie: Wir sind ja gerade auf dem Reeperbahn Festival und du hattest gestern deine „Betterov & friends Session“. Das war dein 7. Reeperbahn Festival Konzert und das größte überhaupt. Wie war das für dich?

    Betterov: Ja, das war natürlich riesig. Es war ein grandioser Abend. Die Instrumentierung, diese riesige Kirche, wie das da drin geklungen hat, das war ein riesiger Abend für mich.

    Amélie: Wie lange hat die Vorbereitung für diesen Abend gedauert?

    Betterov: Das war natürlich alles aufgeteilt. Wenn man alles nimmt, waren das schon Monate. Und nicht nur für mich, sondern auch für alle Beteiligten. Da gehören dann auch Planungen dazu und Mails schreiben, das mache dann natürlich nicht ich. Das ist schon viel Arbeit gewesen, aber hat sich total gelohnt!

    Amélie: Was war denn dein Highlight gestern Abend?

    Betterov: Es ist ganz schwer eins zu nennen. Eigentlich war der Abend ein einziges Highlight für mich. Ich kann gar keine Rangliste aufstellen. Das war alles auf Platz eins. Im Michel zu spielen, mit Paula, mit Novaa, mit FIL BO und mit Olli, das waren schon wahnsinnige Highlights für mich.


    Debütalbum „OLYMPIA“

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    Amélie: Warum wir eigentlich hier sind, ist dein Debütalbum „OLYMPIA“, das am 14.10.2022 erscheint. Mich hat es direkt beim ersten Mal hören begeistert! Wie lange hat es gedauert von erster Songzeile zu Vinyl in der Hand?

    Betterov: Das war schon ein relativ langer Prozess. Ich habe mir sehr viel Zeit genommen, gerade durch die Corona-Pandemie, da es irgendwie auch viel Zeit gab, noch mal über alles nachzudenken. Den Sound noch mal neu zu definieren und sich zu fragen „Was will ich eigentlich?“, „Wie soll das klingen?“ und „Wie instrumentiert man das vielleicht auch anders als vorher?“. Das waren alles nochmal so Grundsatzfragen, wo ich während der Pause einfach wirklich Zeit hatte, mir diese noch mal zu stellen. Das waren schon so 1 1/2 Jahre.

    Amélie: Was war der erste Song, den du geschrieben hast, auf dem das Album dann sozusagen aufbaut?

    Betterov: Ich habe während des Schreibens gar nicht so gefiltert, dass das jetzt der Aufbau-Track eines Albums sein könnte. Ich habe einfach erst mal geschrieben und versucht, das, was mich interessiert und was ich gut finde, in Songs zu packen. Dann habe ich einen stimmigen Rahmen gefunden und mit „Olympia“ dieses Fundament gehabt, worauf ich gut aufbauen konnte.

    Amélie: Schreibst du deine Texte auf Papier oder tippst du sie in den Computer?

    Betterov: Angefangen habe ich auf Papier und wollte auch immer auf Papier schreiben. Ich bin super gerne in so Schreibwaren-Läden, weil ich finde das sind die besten Läden die es gibt, oder? (lacht). Aber am Computer ist es natürlich schon besser, finde ich. Wenn einem was einfällt oder man schnell was ändern möchte, kann man es gut ergänzen. Auf Papier wird es recht schnell unübersichtlich. Also ich muss leider die unromantische Antwort geben, dass ich es am Laptop mache.

    Amélie: Welcher Song beschreibt dich gerade am besten von deinem Album?

    Betterov: Es ist schwierig einen Song auszuwählen! Ich glaube das ganze Album beschreibt mich gerade am besten. (lacht)


    Leuten einfach dabei zuschauen, wie sie in acht Minuten einen Weltrekord aufstellen und ihr Leben verändern, man selbst liegt nur im Bett und tut nichts


    Amélie: In „OLYMPIA“ beschreibst du diesen Corona-Stillstand, diese Tiefpunkt-Zeit. Ist das das Thema des Albums und kann man es als eine Art Konzeptalbum sehen oder ist es eher eine Zusammenstellung aus Gefühlen?

    Betterov: Es hat schon Konzeptalbum artige Ansätze, würde ich sagen. Es ist jetzt nicht so wie zum Beispiel „Homotopia“ von Sam Vance-Law. Wenn wir sagen, das ist ein Konzeptalbum, dann ist meins nicht so durch konzeptioniert. Aber trotzdem hat es natürlich schon ein Thema. Es gibt verschiedene Songs, die davon handeln, die das beschreiben.

    Amélie: Ja, vor allem das „Olympia“-Thema mit „Eröffnungsfeier“ und „Siegerehrung“. Aber vielleicht ist das nicht das Konzept, sondern der Look.

    Betterov: Ja, genau. Das ist eher ein Leitfaden oder Rahmen des Albums.

    Amélie: Nochmal zum „Olympia“-Thema. Wie kam es dazu und warum Olympia?

    Betterov: In „Olympia“ geht es um so eine sehr schlechte Phase, wo man sehr lethargisch zu Hause liegt und eigentlich nichts mit seiner Zeit anzufangen weiß. Man klickt sich nur noch durch alte YouTube Videos und landet irgendwann in dieser Sport Bubble und schaut sich nur noch alte Olympia Aufzeichnung an. Das Schwimmen-Finale der Männer im 200 Meter Freistil oder so und guckt echt dann Leuten einfach dabei zu, wie sie in acht Minuten einen Weltrekord aufstellen und ihr Leben verändern und Geschichte schreiben. Man selbst macht aber seit Stunden nichts anderes als im Bett zu liegen und einfach nichts zu tun. Darum geht es in dem Song. Die Verbindung zum Sport fand ich spannend und wollte das dann auch ins Artwork und in die Videos, die jetzt rausgekommen sind, einbinden.

    Amélie: Ist das dann echt so passiert, dass du herum lagst und in Olympia-Videos abgetaucht bist?

    Betterov: Ja, die Idee des Songs ist autobiografisch.

    Amélie: Wenn wir schon beim Sport sind: In welcher Disziplin würdest du bei Olympia antreten?

    Betterov: Im Stabhochsprung. Das sieht immer so spektakulär aus und ich kann mir absolut nicht vorstellen, wie das funktioniert! Das würde ich gerne können oder wenigstens mal in echt zusehen (lacht).


    man kann noch mehr erzählen und zeigen

    Amélie: Wie unterscheidet sich dein Debütalbum von deiner Debüt-EP? Was hat sich vielleicht weiterentwickelt oder verändert?

    Betterov: Der Unterschied liegt vielleicht darin, dass es klanglich ein bisschen ausgearbeiteter ist. Es klingt ähnlich, aber wir haben mit neuen und anderen Sounds gearbeitet. Die Erweiterung war der größte Schritt. Weil man bei einem Album einfach mehr Länge zur Verfügung hat, kann man noch ein bisschen mehr erzählen und zeigen. Das ist der Hauptunterschied.

    Amélie: Kann man auch inhaltliche Unterschiede feststellen? „Viertel vor Irgendwas“ mit dem Thema von Zuhause weg zu kommen und bei „OLYMPIA“ dann das Bedürfnis nach etwas Familiärem und aus der Großstadt rauszukommen?

    Betterov: Ja, finde ich schon. Aber ich glaube der Unterschied zwischen Land und Stadt wird in der EP noch mehr thematisiert als jetzt auf dem Album.

    Amélie: Sind die Songs auf „OLYMPIA“ eine Auswahl? Also gab es noch mehr Songs, die für das Album in Frage kamen?

    Betterov: Ich hatte schon noch ein paar mehr Songs. Dadurch habe ich ausgesiebt und geschaut, welche Songs ich auf dem Album haben möchte und welche ich gut finde, aber noch dran arbeiten möchte. Aber mit denen, die jetzt drauf sind, bin ich wirklich sehr zufrieden.

    Amélie: Hast du einen Lieblingssong?

    Betterov: Schwierig! Da kann ich wieder keinen besonders herausstellen, sie liegen mir alle sehr am Herzen.


    Das Tolle ist, dass ich es geschafft habe, Worte für diese Zeit zu finden


    Amélie: Mich hat das Gefühl und die Stimmung deines neuen Albums auch sehr an Kafka und den Expressionismus erinnert. In „OLYMPIA“ steht die eigene Welt am Abgrund, wir finden Desillusion und Sinn-Krise. Waren das bewusste Einflüsse im Schreibprozess deines Albums?

    Betterov: Ein direkter Einfluss war es nicht, aber ich stimme dir zu. Man kann es so sehen, dass es eine Art „Verwandlungs“-Motiv hat. Man liegt gefangen auf seinem Rücken und kommt nicht weg oder raus.

    Amélie: Konntest du mit der Fertigstellung des Albums dem beschriebenen Stillstand entkommen?

    Betterov: Ja, würde ich sagen. Das Tolle ist, dass ich es geschafft habe, Worte für diese Zeit zu finden, die mir zumindest erst mal gefallen. Das ist total schön und war für mich die große Errungenschaft dieses Albums.

    Amélie: Ja, das ist eigentlich wie Tagebuch schreiben.


    komisches Gefühl
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    Amélie: „Berlin ist keine Stadt, ein Ort der Erinnerung“, heißt es im neunten Track des Albums. Ich glaube jede*r kennt das, also die Assoziation von einem Gefühl zu einem Ort oder Duft oder Musik.

    Hast du einen Song, der dich in eine ganz bestimmte Erinnerung oder ein Gefühl versetzt?

    Betterov: Ja, pass auf, ich hab sogar eine ganze Playlist mit solchen Songs! Sie heißt „komisches Gefühl“ und da ist ganz oben „Cosmic Dancer“ von T. Rex. Dann ist da noch von The Decemberists „Here I Dreamt I Was an Architect“ drauf und das klingt für ich so krass nach Herbst. Ich weiß nicht warum, aber wenn die Blätter bunt werden und ich dieses Lied höre, dann ist Herbst. Und wenn ich den im Sommer an mache bei 30 Grad im Schatten, dann ist Herbst.

    Einen sage ich noch: „Knee-Deep in the North Sea“ von Portico Quartet. Das ist auf irgendeiner Liveplatte drauf. Der bringt mich auch in eine bestimmte Stimmung. Ich hab das bei einem Urlaub im Norden gehört und seit dem erinnert mich der Song total daran.

    Amélie: So super cool, dass du eine ganze Playlist dazu hast! Danke dir fürs Teilen.


    „Im Dussmann aus der vierten Etage springen“
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    Amélie: Als ich im Dussmann war habe ich nur drei offizielle Etagen gesehen, stimmt das mit der vierten?

    Betterov: Doch es gibt auch eine vierte, da kommt man nur nicht so leicht hin. Ich dachte auch es gibt nur drei, aber ich wollte diese vierte mit in den Song reinbringen, weil ich sie drinnen gesehen habe. Als ich mal im Dussmann gespielt habe, bin ich irgendwann mal zum Chef des Hauses gegangen und hab mich mit ihm unterhalten. Offiziell sind nur drei Etagen gekennzeichnet und ich habe ihn gefragt: „Es gibt doch eigentlich nur drei, oder?“. Aber nein es gibt vier! Das ist gerade nochmal gut gegangen. Da sind zwar nur Büroräume oder ähnliches drinnen, aber es ist absolut hieb und stichfest, originalgetreu und entspricht der Wahrheit, based on a true story (lacht).

    Amélie: Was ist denn deine Lieblings-Etage im Dussmann?

    Betterov: Im Moment ist die Vinyl-Abteilung im Erdgeschoss meine liebste, weil dort meine Live-Platte steht (lacht). Ansonsten bin ich auch immer gerne in der Ersten da gibt es DVDs und alte Serien, die man sonst nirgends mehr kriegt. Dort kann man echt Stunden verbringen.

    Amélie: Ich fands auch sehr cool dort!


    Die Betterov Straße

    Amélie: So, jetzt habe ich noch ein paar „poetische“ Fragen an dich. Lieber vergessen werden oder dass eine Straße nach dir benannt wird?

    Betterov: Schon die Straße.

    Amélie: Die „Betterov Straße“? Was wäre denn dort alles zu finden?

    Betterov: Da wär ein Bäcker, ein Friseur und so ein italienisches Restaurant wo es diese Eissorten gibt, also Stracciatella, Vanille und Schoko. Das gibt es doch in jeder Fußgängerzone. Das fänd ich gut. Man hat alles was man braucht. Vielleicht eine Sparkasse noch. (lacht)

    Amélie: Ist das Leben eher merkwürdig oder schön?

    Betterov: Ich finde, es ist beides. Es ist manchmal merkwürdig, aber auch wahnsinnig schön.

    Amélie: „Siegerehrung“ – welchen Platz machen wir denn als Hörer*in, wenn wir am Ende angelangt sind? Gehen wir als Sieger*in raus?

    Betterov: Also ich finde schon!

    Amélie: Da stimme ich dir zu, so hat es sich am Ende auch angefühlt!


    Ich habe mal auf der Berlinale einen Stromausfall provoziert – untold story

    Amélie: Jetzt sind wir auch schon fast am Ende des Interviews angekommen. Zum Schluss würde ich aber noch gerne eine untold story von dir erfahren. Hast du eine Story für uns parat, die du noch nie in einem Interview erzählt hast?

    Betterov: Ich habe mal auf der Berlinale einen Stromausfall provoziert. Das habe ich noch nicht erzählt, weil es mir ein bisschen peinlich war. Ich habe bei einer Berlinale Party gekellnert und der Raum war ein Quadrat und in der Mitte war eine quadratische Bar, wo an an allen vier Seiten Bar-Personal war. Die haben Drinks gemacht und alles war so super fancy von L’Oréal, also ein super High End Event mit Stars und Sternchen. Ich musste dann immer um dieses Karree rumlaufen und komischen Leuten die ganze Zeit Sekt bringen.

    Die erste Klasse war von der zweiten Klasse, wo die Küche war, durch einen richtig versifften Molton getrennt und ich musste durch diesen Molton durch, der mir wieder entgegen kam und mir das Tablett aus der Hand gewedelt hat, was dann runter gefallen ist. Das war schon super peinlich, weil da standen so zehn Gläser Sekt drauf! Dann ist aber auch noch der Strom aus gewesen und das war deswegen, weil die komplette Elektronik dieses Abends genau da lag, wo ich dieses Tablett habe fallen lassen und irgendjemand das nicht abgedeckt hat! Der ganze Sekt ist in die Leisten reingelaufen und kam nicht mehr raus und somit war der komplette Abend lahm.

    Amélie: Oh je, was haben die Leute dann gemacht?

    Betterov: Ja, der Strom war erst mal weg. Die Leute haben dann im Dunklen Canapés gegessen. (lacht) Dann kam irgendwann so ein Typ an und meinte: „Hey wir sind ein Team und es gibt hier einen Spirit und wir sind alle für einander da, aber wer war das??“, das fand ich wirklich sehr gut. (lacht)

    Amélie: Hast du gesagt, dass du es warst?

    Betterov: Nein, das hat natürlich keiner gesagt! Aber die Aussage von diesem Typen hat den Abend echt gut beschrieben. Das habe ich noch nie erzählt.

    Amélie: Das ist eine super Geschichte!

    Betterov: Ja, das wusste ich in dem Moment schon, dass das mal eine gute Geschichte wird. (lacht)

    Amélie: Dann vielen Dank fürs Teilen und das Interview, es hat mich riesig gefreut mit dir zu quatschen!

    Betterov: Ich danke dir!

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    Fotocredits: Rebecca Krämer, Amélie Ostara Freund