Kategorie: untold music

  • Grim104 und Summertime Sadness im brennenden „Imperium“

    Kein schöner Land in dieser Zeit

    Wenn mir im Sommer die Sonne erbarmungslos auf den Kopf ballert, brauche ich Pommes rot-weiß im Prinzenbad, kaltes Gösser auf der Bank vor meinem Späti und neue Nikes – dann kann Sommer sein und dann bin ich bereit. Natürlich muss das alles auch von einem angemessenen Soundtrack unterlegt werden, denn jeder Sommer ist ja „the summer of my life“. Und ob nun Yaya Bey oder Ravyn Lenae, gute Musik gibt es auch in diesem Jahr für diese Momente. Allerdings halten sich die „The Sun is shining, the weather is sweet“-Yeahs nur solange, bis sich der erste Sonnenbrand auf der eigenen Gefühlswelt zeigt – und der kommt meistens sehr schnell. Spätestens im Juli schon schmecken die Frites pappig, das Radler ist zu süß und die Sneakers riechen irgendwie dann doch nur nach billigem Plastik, dessen Geruch mich an Bilder von brennenden Fabriken in Bangladesch erinnern. Die Summertime Sadness droppt rein – und in der Playlist läuft nur noch „Cruel Summer“ (Bananarama), „Summertime Sadness“ (Lana Del Rey) und „Moments in Love“ (The Art Of Noise) auf endlos Repeat.

    Wobei ich mit dem letzten Song bei Grim104 und seinem 3. Soloalbum angekommen bin. Denn dieser lässt mit dem besagten „Moments of Love“ sein 10-Track starkes „Imperium“ untergehen. Während Testo – die eine Hälfte von Zugezogen Maskulin – sich im Frühjahr mit „Nullerjahre“ durch den deutschen Feuilleton knüppelte und all denen eine Stimme gab, die Kohl und Schröder mundtot machten, arbeitete Grim104 an seiner Dekonstruktion der „Blühenden Landschaften“. Dabei stehen auf „Imperium“ – anders als zuvor – keine wiederbelebten Leichen und „Graue Grafen“ im Mittelpunkt sondern Ü30 Männer und ihre zerfallenden Reiche. Grim104 beleuchtet mittelalte weiße Männer, die dabei zusehen, wie vergessene Limousinen („Honda Legend“) einrosten, veraltete TV-Stars („Bam Margera“) sterben und erarbeitete Statussymbole („Voo Store“) Klassengrenzen dennoch nicht aufbrechen können. Er verhandelt auf „Imperium“ die Frage: Was macht ein „Nischenrap-Überboss“-Star, wenn die Dinge, die ihn prägten, verschwinden und alles, für was sie gestanden haben, bedeutungslos geworden ist? Gibt es für einen mitte-dreißig „Weirdo- Rap CEO“ noch andere, alternative Lebensentwürfe oder bleibt nur die große Midlife- Crisis?

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    Too Sad to Flex

    Potente Selfmade-Storys sind eng mit Rap verbunden. Dieses Genre vereint schillernde „Machertypen“, „Karrierefrauen“ und „Erfolgsmenschen“ und stellt sie im besten Social-Media-Licht dar. An diesen Erzählungen hatten ZM von Beginn an kein Interesse. Konsum-Gehabe diente ihnen immer dazu, aufzuzeigen, dass Menschen bei der Star- bzw. Boss-Transformation auf der Strecke bleiben, arme Fans reiche Stars reicher machen („Fans“) und für Musiker*innen nach dem Rausch nur kalte Asche bleibt („Exit“). Ging es um Status, ging es ihnen dabei auch immer um dessen Reflexion.

    Das ist auf „Imperium“ genau so. Sicherlich hat Grim104 immer noch klassische Flex-Momente: „[…] Ey, das ist AMI Paris, mein Parfüm von Diptyque […]“. Diese werden aber in den meisten Fällen nicht stehengelassen sondern eher lustig gebrochen: „[…] Du trägst […] Fishbone – wieso bist du so beliebt? […]“. Auf diese Weise ist sein Album auch kein verstaubter Vortrag aus dem Rosa-Luxemburg-Haus. Er doziert und moralisiert nicht – oder wie es in „Sonnenuntergang“ heißt: „[…] Was denn für mich links ist? Nicht das Suzie Grime-Links. Moralisch-überlegen-passiv-aggressive Instaslide-Links […]“). Vielmehr entwaffnet er sich selbst ehrlich und schonungslos. In „Voo Store“ schreibt er: „[…] Und vielleicht ist auch mein Ringen nach Klasse ein Zeichen dafür, dass ich doch gefangen bin in meiner Klasse […]“. Der Besitz und das Wissen über Upper Class-Symbole führen also nicht nur nicht zum Glück, sie verdeutlichen auch, dass ein Next-Level-Klassenaufstieg faktisch nicht möglich ist. In „Numb“ heißt es dazu: „[…] Alles tut weh, die Jobs, die wir machen, die Schulden, in den wir stecken seit Jahr’n […]“. Oder man muss schmerzlich erfahren, dass da an anderer Stelle deutlich mehr Kapital vorhanden ist: „[…] Wenn ich Yin Kalles Instagrampage auschecke. Wieso haben die mit zwanzig jetzt Geld für Dior? […] Ich kam mir damals mit Fred Perry wie ein Millionaire vor […]“. Das ist treffender Rap über die soziale Undurchlässigkeit in Deutschland. „[…] Kann da noch so viel Jil Sander gegen ankaufen. Im Voo Store seh‘ ich aus wie grad eben verlaufen. Der Preis, er ist hoch für ein Markenschwein sein. Ich geb‘ die Scheine gerne aus, sie bewahren den Schein […].“ Grim104 lässt auf diese Weise das neoliberale Narrativ „Vom Bordstein bis zur Skyline“ im Sand versinken oder – um es in einem anderen sprachlichen Bild auszudrücken – spült es wie ein heftiges Sommergewitter davon. Das ist für mich ernüchternd aber wohltuend.

    Rave the Summertime Sadness

    Warum „Imperium“ am Ende dann aber doch kein Midlife-Crisis-Totentanz ist, liegt vor allem an der Produktion von Kenji451. Insgesamt bieten die meisten Tracks trappige Hi-Hats und warme Synthie-Sounds, die mal verspielt vor sich hin zwitschern („Numb“), mal euphorisch die Gesangsmelodien begleiten („Abrakadabra“) und mal die ästhetische Chord-Fläche eines Songs bilden („Voo Store“).

    Wenn sich Grim104 zurücknimmt und die Musik ohne Rap-Parts durchläuft, fühle ich mich schnell in Momente versetzt, in denen ich etwas matt aber irgendwie glücklich durch eine warme Berliner Sommernacht fahre. Unterstützt wird dieses Gefühl auch durch Grim104s Entscheidung, weitestgehend auf seinen überschlagenden Wut-Rap („Rap.de“ vom ZM) zu verzichten und zum singenden Erzählen („Imperium“) zu wechseln. Die Teenage-Wut ist bei ihm gewichen und so wandelt er sich zu einem desillusionierten Ü30-Texter, dem man jetzt aber irgendwie lieber zuhört – nicht, weil man sich vor unbequemen Wahrheiten verschließt, sondern um Luft zu holen und nachzudenken, wie man diesen weiterhin begegnet. LGoony, einer der wenigen Gaststars auf dem Album, singt an dieser Stelle treffend: „[…] Ich krieg keine Luft, ich kann nicht mehr laufen. Ich brauch eine Pause, lass mich kurz chillen […].“

    Wie wichtig diese musikalischen Kurztrip-Retreat-Urlaube für mich sind, wird deutlich, wenn Songs wie „Bam Margera“, „Komm und Sieh“ und „Das Versprechen“ mich mit Themen wie Tod und Vergänglichkeit konfrontieren. Der Sensenmann sorgt bei mir nämlich selten für tropical Vibes. Hinzu kommt, dass die angesprochenen Tracks von tiefen Synthie-Bässen musikalisch untermalt werden. Die Bassheads unter den Hörer*innen wird es freuen.

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    Die größte musikalische Überraschung bietet der Track „Ü30 Männer im Club“ (feat. Kaiii). Hier stolpert Grim104 mit seinen Rap-Parts einem housigen Disco-Song hinterher. Gehetzt und aber nie wirklich cool, versucht er in der Musik anzukommen, ohne es wirklich zu schaffen. Das irritiert beim ersten Hördurchgang, macht beim zweiten aber schon wieder Sinn, da es die Deplatziertheit des Lyrischen Ichs im Club exakt musikalisch widerspiegelt. Sicherlich sollte die Tanzkultur grundsätzlich einen freien Raum für jede/ jeden anbieten und frei von Ageshaming sein. Grim104 stellt hier aber eine Figur aus, die weniger unbeholfen als viel mehr unangenehm ist. Das zeigt auch das Ende des Tracks:

    »Ich kann mir ein Taxi leisten und besoffen was zu Essen,
    ihr müsst auf den Nachtbus warten
    und kriegt nachher hoffentlich noch richtig auf die Fresse
    «

    Aus diesem Grund gelingt es Grim104, aus einer untighten House-Nummer ein Statement zu machen. Weißer Rap hat in einem Genre der Black Community so wenig zu suchen, wie ein besoffener, reicher und gehässiger Ü30 Mann auf einer Party.

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    Eine Alternative für Weirdo-Rap CEOs

    Rap-Musik steht in der Regel für Gegenwärtiges. Futuristische Versionen – ob nun textliche oder musikalische – werden eher in anderen Genre verhandelt. Sicherlich gibt es Ausnahmen wie Missy Elliott und Zebra Katz, der Großteil der Künstler*innen arbeitet sich aber am Hier und Jetzt ab.

    Das ist auf „Imperium“ auch nicht anders – fast jedenfalls. Bereits auf dem letzten ZM-Album wurde die Frage aufgemacht, was für einen Musikerbleibt, wenn man „[…] alles schon erzählt […] [und] bei Rock am Ring gespielt [hat]“ („Exit“). Den Strang nimmt Grim104 wieder auf und überrascht mit einem neuen Motiv. Gleich im ersten Song „Abrakadabra“ wird es mit dem Vers eingeführt: „[…] Ich bin ein Blatt, getragen vom Wind, wo trägt’s mich hin? Trägt es mir in meine Arme ein Kind? […]“. Der „Weirdo-Rap CEO“ („Voo Store“) setzt sich zaghaft mit dem möglichen Vatersein auseinander. Das ist für Deutschrap neu.

    Tatsächlich gibt es Musiker wie Sido, die über ihre Vaterschaft rappen. Dabei geht es aber immer schon darum, dass man Verantwortung für ein bereits lebendes Kind hat. Die Möglichkeit Vater zu werden, wird im Rap dagegen nie als Alternative zur Sinnfrage des Lebens aufgemacht. Grim104 versucht sich hieran, ohne dabei aber unglaubwürdig und pathetisch zu werden. Vielmehr spielt er verschiedene Szenarien durch und reflektiert deren Wirkung auf sich. In „Sonnenuntergang“ schreibt er: „[…] Ich bin […] eines Tages sicher Vater eines Kindes, das mich fragen wird, was denn für mich links ist […]?“. Die omnipräsente Summertime Sadness kann er damit auf „Imperium“ auch nicht vertreiben. Er schafft aber einen Grundton, der die Hörer*innen hoffen lässt, dass es nach dem Sommer noch etwas gibt, worauf man sich freuen kann. Der brennende Horizont – so auf dem Cover zum Album zu sehen – wartet vielleicht doch mit etwas Schönem auf.

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    Fotocredits: Ben Schieck

  • Fear of missing out: Tilmans „Nachbar“ schaut zu

    Fear of missing out: Tilmans „Nachbar“ schaut zu

    „Nachbar“ heißt die neue Single der dreiköpfigen Indie-Pop-Jazz Band Tilman. Viel brauchen wir nicht zu ihnen zu erklären, denn bei Untoldency sind sie altbekannt und beliebt.

    Fabio, Peter und Tilman kommen aus Bad Neustadt (Unterfranken, Bayern). Letztes Jahr erschien ihre Debüt-EP „Blume im Grau“, bei der Malte Huck (BEACHPEOPLE, ehemals AnnenMayKantereit) unterstützend am Bass mitwirkt. Außerdem gab es diesen Herbst die erste eigene Tilman-Clubtour, die sie nochmals ihrer EP widmeten. Mehr über die Tour findet ihr hier.

    Jetzt releasen die drei ihre dritte Single dieses Jahr.

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    „mein Nachbar schaut zu, rauchen und sagen nichts“

    Eifersucht ist ein starkes Gefühl, Tilman illustrieren in „Nachbar“ Musik zu diesen prägnanten Gedanken, die anfangs wütend und schwer und gegen Ende befreiend sind.

    Wir finden uns zu Beginn alleine wieder, „Stille stundenlang“. Diese verletzliche Situation wird durch den Blick des Nachbarn beobachtet und unterbrochen, dieser „raucht nur und sagt nichts“.

    Ist das vielleicht eine Metapher dafür, dass das lyrisch Ich nichts gegen dieses hartnäckige Gefühl des Verpassens unternimmt? Genauso wie der Nachbar, beobachtet es die verzweifelte Situation zunächst nur wort- und tatenlos.


    Fear of missing out


    „bin sauer, wie du Spaß hast ohne mich“

    Tilman thematisieren in ihrem Song, die Angst alleine zu sein und etwas zu verpassen. Das lyrische Ich fühlt sich ausgeschlossen und ist eifersüchtig auf alles und jede:n, der:die „Spaß hat ohne mich“. Niemand scheint sich darum zu sorgen, wie es einem geht. Keine:r schreibt eine Nachricht, was die Sehnsucht nach Anschluss noch größer werden lässt. In diesem Selbstmitleid fällt nicht auf, dass man sich nur selbst einsperrt, im eigenen Zimmer und in kreisenden Gedanken, während die Welt draußen einfach weiterhin passiert.

    Musikalisch wird der schwere Text mit leichtem Drumgroove von Schlagzeuger Peter untermalt. Schwebendes Piano unterstützt die aussagekräftige Stimme von Sänger Tilman. Fabios Gitarrenriffs deuten die Befreiung aus den kreisenden Gedanken durch das Stück hindurch schon an.


    „Alle Gedanken im Kreis haben keinen Sinn gemacht“

    Die Bridge stellt einen Wendepunkt da, in dem das Ich aus dem gedanklichen Kreis ausbricht. Hier wird klar, dass es sich nur selbst im Weg stand und in das Alleine-Sein zu viel hinein interpretiert hat.


    „versteht sich, dass ich nichts verstanden hab“


    Musikalisch wirkt die Bridge wie ein Traum, der einen näher zur Wahrheit bringt. Verträumte verhallte Klänge markieren den Sinneswandel. Abgerundet wird es durch das befreiende Gitarrensolo gegen Ende.

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    Fotocredits: Cover von Hannes (@ hnescoast); Bilder von Amélie Ostara Freund

  • Die Welt geht unter mit Vincent Ancot, Till Otter und „Apokalypse Wow 2022“

    Die Welt geht unter mit Vincent Ancot, Till Otter und „Apokalypse Wow 2022“


    Der Gitarrist und Produzent Vincent Ancot fühlt sich von vielen Musikrichtungen beeinflusst. Der vielfältige Input lässt seine Musik über jegliche Eingrenzungen von Genres hinauswachsen. Dabei macht er sich das Unkonventionelle in seiner Arbeit zum Markenzeichen. Die Schwierigkeit Vincents Musik einzugrenzen, zeigt sich einmal mehr in „Apokalypse Wow 2022“, ein Song mit hoffnungslos überhöhter Kulisse.

    Die Welt geriet ins Wanken

    Fluten von tragischen, beunruhigenden Schlagzeilen sind in überfüllten Zeitungsblättern nicht mehr nur zu lesen. Mittlerweile fallen sie uns an, finden ihren Weg in unseren Alltag, bohren sich in unsere Gedanken. Global gesehen sind es gerade sehr schwierige Zeiten. Und es scheint in der nächsten Zeit nicht einmal geringfügig besser zu werden. Der kritische Zustand ist nicht mehr eben nur ein Szenario, sondern Realität.

    Aber von einer Apokalypse kann dennoch wohl kaum die Rede sein. Oder? Zugegeben wäre es hoffnungslos pessimistisch und maßlos übertrieben das Wort Apokalypse (gerade aus unserem Standpunkt heraus!) auch nur in den Mund zu nehmen. Stellen wir uns trotzdem vor, wir sind der dramatischste, überzogenste Pessimist, den die heutige Welt je gesehen hat. Wir stehen jeden Morgen auf, unbeeindruckt von neuen schlimmen Nachrichten und abgestumpft gegenüber Krieg und Gewalt. Nachts träumen wir von Dystopie und Verwüstung. Wer sonst sollte also eine düstere, chaotischere Alternative zur allgegenwärtigen Situation erschaffen als wir selbst? Und dann schreiben wir einen Song.

    Das brillante Ergebnis unseres ausgelassenen Hangs zum Drama klänge vermutlich wie „Apokalypse Wow 2022“. Geschrieben von Till Otter und produziert von Vincent Ancot, erzählt der Song nahezu filmisch von apokalyptischen Kulissen und Wiederauferstehung, einzig und allein um wieder zum unausweichlichen Ende der Welt zurückzukehren.

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    Als Zahlen um Zahlen sanken

    Was uns nicht primär betrifft, hat dennoch Auswirkungen zweiten Grades auf unser alltägliches Sein. Es herrschen Lieferengpässe, Rohstoffe werden knapp und alles wird teurer. Vielen gelingt es nur knapp und kläglich und genügend Menschen gar nicht mehr, sich das Leben zu leisten. Für viele hat der allgegenwärtige Zustand also durchaus einen scheinapokalyptischen Charakter.

    Warum aber setzt Vincent Ancot letztlich einen bereits 2021 erschienenen Song neu auf und gibt ihm ein noch dramatisches, fast groteskes, neues Gewand? Ganz klare, einfache Antwort: Weil es passt. Es passt in die Zeit und Situation. Nicht unbedingt ist damit nur die Thematik gemeint. Vielmehr das cinematische Kleid und die Dramaturgie des Arrangements sind es, was es so perfekt abrundet. Endlich erlaubt es uns das sonst Dystopische in seiner überzogenen Darstellung ein wenig auf die Schippe zu nehmen. Und das fehlt uns doch zurzeit so sehr. Eine gewisse Leichtigkeit mit einer Prise Ironie.

    Und der Mond verblieb im Meer

    Geschrieben von Till Otter & produziert von Vincent Ancot, erzählt "Apokalypse Wow 2022" von apokalyptischen Kulissen & Wiederauferstehung.
    Produzent, Gitarrist und apokalyptischer Strippenzieher Vincent Ancot

    Noch einmal zurück zu unserer pessimistisch-überzogenen Selbstinszenierung vom Anfang. Stellt Euch vor, wir stehen eines letzten Tages irgendwo allein an einer Klippe mit einer freien Sicht bis zum Horizont. Das ersehnte Apokalypsen-Szenario ist direkt vor unseren Augen. Der Himmel brennt, überall sind Asche und Trümmer und aus dem Wasser wurde Teer. Uns wird klar, der Mond wird nicht mehr aufgehen. Wir schließen die Augen und setzen uns mit einem lässigen Lächeln unsere Kopfhörer auf. Um uns herum explodiert alles und wir hören DIESEN Song, DIESEN Soundtrack.

    In „Apokalypse Wow 2022“ hören wir Kometeneinschläge und Dramatik, Zerstörung und Verwüstung. Und inmitten von all dem die allmächtig wirkende Stimme von Till Otter, dem Schöpfer des Originals. Ich erinnere mich, als Vincent Ancot und ich Teil von Tills Band waren und den Song in einer wesentlich anderen Version gespielt haben. Zu hören, wie der Song sich unter einer präzisen Regie zu einem filmreifen Werk entwickelt hat, lässt mich persönlich in Nostalgie schwelgen.

    Am Ende zeigt er uns aber einmal mehr, dass wir manchmal selbst diejenigen sind, die sich unsere Welt zerstören. So lange wir nämlich darüber schreiben und lesen können, wie gut wir Musik finden und was sie mit uns macht, scheint es uns wesentlich besser zu gehen, als einem Großteil des Planeten.

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    Fotocredit: Jacqueline Kannengießer

  • Luke Noa und THALA berühren mit gefühlvoller Ballade „21“

    Luke Noa und THALA berühren mit gefühlvoller Ballade „21“

    „The biggest song I’ve ever written” – Mit diesem Satz beschreibt Luke Noa seine neuen Song “21“, der letzte Woche veröffentlicht wurde. Für ihn ist es ein ganz besonderer Release, denn es handelt sich um ein Feature mit der Künstlerin THALA aus Berlin. Auf seine letzten beiden energiegeladenen Singles „Your Smile Should Have Been Mine“ und „Lady From The North” folgt nun eine wunderschöne Ballade.

    Die träumerische und klare Stimme der Dreampop-Musikerin könnte hier nicht besser passen. THALA hat bereits mit ihrer ersten Single „Serenade“ internationales Interesse geweckt und supportete Bands wie Current Joys oder Surf Curse. Ihr letztes Jahr veröffentlichtes Debütalbum vereint träumerische Gitarrenklänge, ein sanftes Nostalgie-Gefühl und eine spielerische Leichtigkeit, die dich für einen Moment die Zeit vergessen lassen.


    “well I don’t even know what the hell I was thinking, cause time is running but I keep standing still”


    Umso mehr habe ich mich über diese Kollaboration gefreut. 21 ist eine innige Klavierballade, die auf musikalischer Ebene ein Gefühl von Hoffnung transportiert und dennoch Unzufriedenheit und Selbstzweifel mit Hilfe des Textes vermittelt. Der Song klingt warm, wie eine Umarmung oder eine Stimme, die Zweifel nehmen möchte, aber auch nach Sehnsucht. Sie beginnt als ruhige Ballade und entwickelt mit dem Zusammenkommen beider Stimmen einen dynamischen, kraftvollen, vielleicht sogar epischen Chorus. Gezeichnet ist dieser vor allem durch Streicher und Bläser, die das Gänsehaut-Potenzial endgültig hervorrufen. Die Stimmen von Luke Noa und Thala gleichen sich perfekt aus und harmonieren deshalb so unheimlich gut miteinander. 

    Die Lyrics des Songs scheinen simpel, sind aber genau der richtige Weg um die zahlreichen Gefühlszustände wie Angst, Schmerz und Zweifel so eindeutig zu vermitteln. Das Gefühl von Überforderung wird hier ziemlich gut beschrieben. Manchmal sind es die einfachen Worte, die es schlussendlich am besten auf den Punkt bringen. Und obwohl alles so deutlich scheint, kann man am Ende eben doch nicht genau sagen, welches Gefühl im Vordergrund steht. Luke Noa und Thala haben uns eine berührende Ballade mit ganz viel Gefühl und Harmonie gezaubert.


    Luke Noa und sein größtes Musikvideo

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    “running up against the madness inside my head”


    Das Musikvideo zum Song zeigt verschiedene Charaktere und ihre Geschichten. Es erinnert wieder an einen analogen Arthouse-Film, der die Stimmung des Songs anhand seiner Farben widerspiegelt. Das Video wirkt bedrückend und gleichzeitig träumerisch, als würde die Zeit still stehen. Bevor die Stimmen der beiden im Chorus zusammenkommen, stoppt die Musik im Video und lässt die Zeit tatsächlich kurz still stehen. Ein schönes Musikvideo, das die Emotionen und Gefühle aus 21 visuell erzählt.

    Eines, was man immer wieder bei Luke Noa merkt, ist, dass viel Mühe und Liebe hinter alldem steckt, was er tut. Das hört man in seiner Musik und sieht man in den Artworks und Musikvideos. Ich für meinen Teil, verbinde jeden Song mit einer bestimmten Zeit aus den letzten zwei Jahren und damit auch mit Gefühlszuständen, in denen ich mich befunden habe. Viel mehr Bedeutung kann Musik gar nicht für mich haben. – die Songs von Luke Noa bleiben im Herzen.

    Nun kann man vielleicht erahnen, dass eine neue EP von Luke Noa auf dem Weg ist. Bereits mit „Your Smile Should Have Been Mine“ hat sich das Farbschema auf den Artworks der Singles geändert. Na, ist da etwa eine neue Ära im Anmarsch?  Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt auf das, was noch kommt. Aktuell ist Luke Noa zusammen mit BROCKHOFF und PANO auf Tour – also nicht verpassen!


    Hier könnt ihr euch den Song auf Dauerschleife anhören:

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    Fotocredit: Stefan Kraupner
  • Dorothy Bird schwebt auf ihrem Debüt-Album „BELONGING“ in außerirdische Sphären

    Viel Raum für tiefe Gedanken und ganz viel Platz für sinnliche Atmosphären: Dorothy Bird lässt uns auf ihrem Debüt-Album „BELONGING“ durch ihre musikalischen Träume wandern und wir sind uns unsicher, ob wir jemals zurück in die Realität finden, geschweige denn zurückwollen. Das am 24. Juni als Vinyl erschienene Album ist seit gestern (Freitag, den 02. September) endlich auch auf allen Streaming-Plattformen zu finden.

    #Klavier-ASMR

    Ein sanftes akustisches Klavier reicht uns den Schlüssel zum Album und ebnet uns den Weg in die weite „Galaxy“. Das Intro der Platte strahlt so viel Wärme aus, dass uns ganz heiß um die Ohren wird. Wenn es die Rubrik „Klavier-ASMR“ noch nicht gibt, machen wir sie heute auf! Die angenehmen Hintergrundgeräusche des Klaviers, das leichte Atmen des Pedals und das leise Klacken der Tasten geben dem Stück einen besonderen Charakter. Hinzu kommen sphärische Sounds, die dem Klangraum Größe verleihen und uns hypnotisch in den Bann ziehen.

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    Vocals aus Seide

    Aus der musikalischen Weite tritt seidenweich die Stimme von Dorothy Bird hervor. Der Titeltrack des Albums gibt der im Intro eingeführten Klangästhetik eine Form und lässt dabei weiterhin abschweifende Gedanken zu. Während die Worte über einen Ort der Heimat sinnieren, nimmt der Song mit Hilfe der einsetzenden Streicher und Drums zunehmend Schwung auf. Die Stimmung von „Belonging“ soll sich von nun an in wandelnden Nuancen über die gesamte LP spannen, stets getragen von der schwebenden Kopfstimme von Dorothy Bird

    Transzendenz

    Der dritte Song „Silent Warrior“ führt neben atmosphärischen Gitarrenmelodien, dramatischen Streichern und trip-hoppigen Schlagzeug-Grooves ein weiteres wiederkehrendes Element der Song-Produktionen ein. Ein knarzender, mechanischer Synth fügt sich in den Beat ein und verleiht der Stimmung Nachdruck ohne abzulenken. Immer wieder tauchen metallische Klänge in den Stücken auf und schenken den transzendenten Momenten noch mehr kosmische Größe.

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    Musikalische Seelsorge

    Das Debütalbum von Dorothy Bird bleibt sich stets treu. Die musikalischen Farben bleiben jederzeit stimmig und konsistent. Was moderne Popalben regelmäßig vermissen lassen, bringt „BELONGING“ auf den Punkt. Viel Gefühl, nachdenklich schwebende Stimmungen mit düsteren Nuancen und ein kleines bisschen Harry Potter Zauber verstecken sich auf diesem wunderbaren Album. Das Einzige, was uns noch fehlt, ist ein passendes Wort, das diese Stimmung zusammenfasst. Das schöne ist, dass die klare musikalische Linie keine Irritationen bei Hörer:innen hervorruft. Entweder man kann sich in diese Musikwelt hineinversetzen oder man geht auf die Suche nach einer anderen Hörerfahrung. Es gibt keine Aussetzer und auch keine Überraschungen. Das ist ein Kompliment an die Homogenität der Songs, die ein sanftes Abtauchen in andere musikalische Dimensionen zulässt.

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    Fotocredits: Brian Roberts

  • Yeshi singt sich mit seidenweicher Stimme ihre „Confessions“ von der Seele

    Endlich muss ich für seidenweiche Soulstimmen nicht mehr nach London oder LA reisen. Denn die gebürtige Berlinerin und in Wien lebende Sängerin Yeshi hat vergangenen Freitag ihre Debüt-EP „Confessions“ veröffentlicht. Inhaltlich trifft sie mit der Innenschau in das eigene Ich den Geist der Zeit. Gesanglich schwebt ihre Stimme federleicht über die vier von Christoh produzierten Soul Beats. Show some love und hüpft in Windeseile zur Streamingplattform eurer Wahl für Yeshi‘s neue EP namens „Confessions“!

    It’s all about mental health

    „Confessions“ nimmt sich das Thema zur Brust, das unserer Generation und ganz sicher auch den folgenden ganz besonders auf dem Herzen liegt: Mental Health und die Suche nach der eigenen Balance. Neben ihrer musikalischen Auseinandersetzung mit der Thematik, kann Yeshi auch auf die Skills ihres Psychologie-Studiums zugreifen. Dabei setzt sie auf dem ersten Track ihrer EP auf die vermutlich beste Taktik: Vertrauen aufbauen, und zwar zu sich selbst! „It’s all about love“ vergewissert uns darin, dass der Weg zur emotionalen Gesundheit bei sich selbst anfängt. Jeder erste Schritt kann nur ein echter Schritt nach vorne sein, wenn die Liebe und das Vertrauen zu uns selbst auf festen Beinen stehen. Und dabei nie vergessen: Kein Schritt ist zu klein, zu langsam oder zu spät! Take the time you need! Und wie verinnerlichen wir dieses Mantra? Indem wir „It’s all about love“ in Dauerschleife hören.

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    Ein Sommer aus Seifenblasen

    Mein absoluter Favorit auf dem Tape und mein Titeltrack zum diesjährigen Sommer heißt “Bubble Bath“. Endlose und doch zu kurze Nächte in knappen Klamotten und mit viel Wein wiederholen sich zu diesem Song. Und anstatt nach dem lauen Sommerabend Schlafen zu gehen, rutschen wir mit der Zigarette in der Hand in die Badewanne. Der Refrain bringt es auf den Punkt: „Charge me up, charge me up, charge me uuuuuup!“ Stimme, Beat und Lyrics treten in eine unglaublich stimmige Symbiose, die eine ganz besondere Atmosphäre schaffen. Eine groovige Bassline, dazu die warme Kick und die Lo-Fi type Drums, darüber schweben die souligen Keys und im Refrain blüht alles durch die sommerliche Gitarre und den funkelnden Synth auf. Die Klangfarbe der Vocals und die super eingängigen Melodien ebnen sich zudem butterweich in den Mix ein. Nichts an diesem Song ist fragwürdig, alles ist perfekt! Ab sofort benötige ich kein Bubble Bath mit blubbernder Badekugel mehr zur Entspannung, ich lege mich einfach in diesen Song rein und lasse mich von seiner Wärme umarmen.

    Songs für eure Sommerplaylist!

    Auch die letzten beiden Songs der EP „Everywhere I go“ und „Too Broke for Therapy“ bleiben der Linie dieses Projekts treu. Songs für die Sommerplaylist meets Self Care. Während ersterer den Selbstwert manifestiert, stellt sich der zweite Track die Frage, weshalb Frauen neben ihren eigenen seelischen Sorgen auch die ihrer (männlichen) Lebenspartner mittragen sollen. Dieses Projekt stellt nicht nur Fragen zur mentalen Gesundheit, sondern auch feministische. We like that! And on a sidenote: Ich wünschte, ich hätte die Zeile „You’re too broke for therapy, why are you using me” selbst geschrieben. 

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    Singing Star in the Making

    Yeshi beweist mit ihrer Debüt-EP auf allen Ebenen unglaublich viel Potenzial. Beginnend mit der unglaublich schönen Stimme und den catchy Melodien bis hin zu der inhaltlichen Auseinandersetzung mit sich Selbst und Self Love im Allgemeinen. Regelmäßig scheinen bei der Stimmfarbe von Yeshi außerdem leichte ABRA vibes durch, was in keinem Fall eine schlechte Charakteristik ist. 

    Mein Gefühl sagt mir, dass sich mit zunehmender musikalischer Erfahrung die kommenden Songs von Yeshi noch runder anfühlen werden. Die unfassbare Wärme, die „Bubble Bath“ ausstrahlt (im Übrigen auch der Song „Luna Park“, der nicht auf der EP ist) deuten die anderen Songs des Tapes ebenfalls an, ohne sie in gleichem Maße zu verwirklichen. Mit zunehmendem Gespür für musikalische Stimmungen wird Yeshi wie von selbst noch viele zauberhafte Lieder schreiben und singen. Ich könnte kaum gespannter sein auf die gesangliche und musikalische Entwicklung dieser up and coming Sängerin called Yeshi

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    Fotocredits: Piotr Sokul

  • BENEE liefert uns mit „Lychee“ den Soundtrack für unsere nächste Beziehung

    It’s a Smash – no Pass! Hiermit kann dieser Artikel eigentlich enden, weil wir alles notwendige bereits wissen, nämlich: DIESES TAPE IST EIN F***ING SMASH! Die am 4. März erschienene EP „Lychee“ von der Neuseeländerin BENEE aka „viel-zu-jung-um-international-erfolgreich-zu-sein“ ist so unglaublich vielseitig, dass ich mich frage, wo alle diese Gefühle eigentlich herkommen sollen. Mit 22 Jahren war ich noch in einer post-pubertären Phase, in der Essen und (der Gedanke) an Sex all meine körperlichen Bedürfnisse abgedeckt haben. BENEE hingegen zeichnet auf 7 Songs, 7 verschiedene emotionale Nuancen, die faszinierend und relatable zugleich sind. Von den klassischen Sommergefühlen über depressives Selbstmitleid zur Bad-Bitch Attitude ist alles dabei, doch noch längst nicht alles gesagt!

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    Sommer im Cabrio

    Mit good Feels eröffnet BENEE ihre EP „Lychee“. „Beach Boy“ zeichnet einen lauen Sommertag mit offenem Cabrio Verdeck, viel Wassermelone und einer langen Nacht am Strand. Das Commitment zum Beach Boy reicht nur für einen Tag, aber das ist okay, denn die Stimmung ist genauso leicht und unbeschwert wie die Gitarren des Songs. Viel mehr gibt es nicht zu sagen, außer dass mein Drang sehr groß ist, mich zu diesem Song auf eine Wiese zu legen und stundenlang in den Himmel zu blicken.

    Die unbekümmerte Stimmung fließt nahtlos in den nächsten Song, nur dass „Soft Side“ elektronischer sowie tanzbarer klingt. Statt sonniger Gitarren, schweben wir auf Synthflächen, während die durchgehende Kick zusammen mit der housigen Off-Beat Hihat unser Blut im Rhythmus pulsieren lässt. Aus der Beach Boy Liaison für einen Tag wächst der Wunsch nach Intimität und dem besseren Kennenlernen des Gegenübers.

    »I wanna know everything that there is about you
    I wanna try to understand your mind and how you
    Weave through walls you hide behind, I wanna try«

    Soft Side

    Bye bye Beach Boy

    Doch bevor der Sommer endet, mischen sich erste kleine Zweifel in die Beziehung. „Hurt you, Gus“ führt uns in einen seichten Spätsommer, in der die Beziehung lyrisch nicht mehr felsenfest auf dem Boden steht. Die rosarote Sonnenbrille verliert an Farbe und die Gedanken werden rationaler. Musikalisch springt BENEE zum Indie. Das Einzige was hier nicht in Hall getränkt ist, sind die Drums. Die Vocals und Gitarren verschwimmen, fließen ineinander über und zeichnen ein träumerisches, etwas nachdenkliches Bild, das zum ersten Mal die gemeinsame Zeit reflektiert.

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    Female Nirvana

    Anschließend kippt die Stimmung ins Melancholische und erreicht mein persönliches Highlight der EP. Die ungetrübte Sommerstimmung färbt sich doch noch grau bis schwarz. „Never Ending“ beginnt schwermütig mit einer nirvanaesken Gitarrenmelodie. Die Stimme bekommt die Worte nur elegisch und eintönig über die Lippen, während sie das Ende der Beziehung anzweifelt. Schwer getroffen von dem überraschenden Ende der Beziehung drehen sich die Gedanken um die immer selben Fragen, weshalb jetzt plötzlich Schluss ist. Die Stimme nimmt im Refrain an Verzweiflung zu und klammert sich gezwungen am einzigen noch bleibenden Hoffnungsschimmer fest: „For what it’s worth, try moving forward.“ Der durch punchige Hip Hop Drums nach vorne schiebende Refrain mündet am Ende des Songs in einer sphärischen Bridge. Eine in Hall getränkte Gitarre und ein choraler Synth bereiten den Höhepunkt vor: das Outro! Ein wuchtiges Schlagzeug untermauert die grungige Stimmung und motiviert zum depressiven Headbanging während sich die gleichen Zeilen immer wieder und wieder im Kreis drehen. Die Rückkehr zu den Hip Hop Drums gibt uns das Gefühl, dass die Beziehung endgültig vorbei ist.

    »It’s a never-ending thing with you
    Think about your face too much
    I wanna follow every move
    Don’t like it when we’re out of touch«

    Never Ending

    Be a bad bitch they said!

    Die Trotzreaktion folgt prompt: BENEE heiratet einfach sich selbst. Die Musik von „Marry Myself“ treibt wieder nach vorne, die Beziehung scheint weitestgehend verarbeitet und der Sommer ist noch nicht ganz vorbei. Auf „Doesn’t Matter“ kommt dann zum ersten Mal die Sicht in das Innere, ohne jegliche Ablenkungen von außen. Die Lead Single des Tapes beschäftigt sich mit einem Lieblingsthema der neuseeländischen Künstlerin: Mental Health. Fragend wie es wäre von den eigenen Gedanken in Ruhe gelassen zu werden, schweben die dreamy Popvocapols über einen Slow Dance Schlagzeug-Groove. 

    Das Finale bildet der experimentellere Song „Make You Sick“, der über harte Drums zu distorted vocals und zurück zu sommerlichen Akkustikdrums führt. Aus der Unsicherheit wächst ein neues Selbstbewusstsein und wir sagen „Hi!“ zur Bad Bitch Attitude. BENEE kann ihr neu gewonnenes Mantra nicht oft genug wiederholen: No further explanation needed!

    »Bad bitch, I am a bad bitch
    I’m a bad bitch, I’m a bad bitch
    But you can’t have this
    Cannot have this, no you can’t have this, this
    No, you can’t have a bad
    bitch, bitch’«

    Make You Sick

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    TikTok meets Reality

    Auf ihrem Konzert in Berlin hat die Künstlerin nicht nur musikalisch eine Must Watch-Performance abgeliefert, sondern auch ihre Entertainer Qualitäten offenbart. Warum auch immer schafft BENEE es, auf der Bühne cringy zu sein ohne tatsächlich cringy zu sein. Würde ich mich genauso verhalten wie sie, der Fremdscham wäre grenzenlos. Doch BENEE aka die coolere Indie-Version von Billie Eilish lässt alles an ihr ganz natürlich und normal wirken. Wie kann es sein, dass sie selbst mit Clown-Makeup zweifelslos die Bad Bitch Energy verkörpert. Die Neuseeländerin hat auf der Bühne einen Ort gefunden, an dem sie aufgedreht und sensibel zugleich sein kann, ohne an Authentizität einzubüßen. Die größte Errungenschaft daran ist, dass wir dadurch eine Künstlerin mehr im Mainstream Pop-Business haben, die eine Repräsentanz für alle Persönlichkeiten schafft, die nicht zu den vermeintlich Coolen auf dem Schulhof gehören.

    Never Ending Love

    BENEE durchläuft auf ihrem Mixtape „Lychee“ das potenzielle Gefühlschaos einer Beziehung. Die sieben verschiedenen Songs umreißen sieben verschiedene Moods. Vom Beginn einer unverfänglichen Liebschaft, zur verzweifelten Liebe, bis hin zur emotionalen Neuorientierung nimmt uns die EP ohne Umwege auf eine emotionale Reise mit, die in unser aller Leben in der Dauerschleife läuft. Mit einfachen, aber nahbaren Texten, ästhetischer und inhaltlicher Vielseitigkeit bei einem zugleich homogenen Sound sowie einer unverwechselbaren Attitude trifft die Sängerin ins Schwarze. Wir haben nur eine letzte Anmerkung: Let this EP be Never Ending!

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  • Rock, Rattle and Roll: The Courettes und ihr neues Album „Back in Mono (B-Sides & Outtakes)“

    Rock, Rattle and Roll: The Courettes und ihr neues Album „Back in Mono (B-Sides & Outtakes)“


    POV: Es ist Mitte der 1960er Jahre. Du befindest dich mitten in den USA – genauer: Chicago, Illinois. Nach dem Frühstück bestehend aus Toast, Rührei und gebratenem Bacon trittst du aus der Tür des Diners auf den Parkplatz. Der Kaffeegeschmack liegt dir noch im Mund, als du dich auf den warmen Ledersitz deines 64er Mustangs niederlässt. Gleichzeitig zündest du den Motor und dir eine filterlose Zigarette an. Für dich geht es über die Route 66 in Richtung Westküste. Du hast einen langen Roadtrip vor dir. Durch das heruntergekurbelte Fenster fährt dir der Fahrtwind durchs Haar. Das Gefühl von Freiheit macht sich breit, du schaltest das Radio ein.

    Back To The 60ies

    Die Ästhetik eines 60ies-Soundtrack, den man zu dieser Vorstellung bekommt, liefern The Courettes. Das dänisch-brasilianische Duett hat es sich zur Aufgabe gemacht die Musik der Rock ’n‘ Roll Ära in die Gegenwart zu importieren. Wir haben Flavia Couri (Gesang, Gitarre) und Martin Couri (Gesang, Schlagzeug), eine Menge schillernde Gitarren und noch mehr Vintage Reverb.

    Mit dem neusten Album „Back in Mono (B-Sides & Outtakes)” lässt es sich in der Zeit zurückreisen. Es kam letzten Mai und scheint schon vor 55 Jahren aufgenommen zu sein. Für Leute wie mich, die sich ohnehin an der Musik der Beatles, Beach Boys etc. in Schallplattenqualität erfreuen, sind die Courettes eine gute Gelegenheit, den Spirit der 60er in zeitgenössischem Gewand zu erleben. Minder interessant ist es aber auch für alle anderen nicht.

    Das Album beinhaltet acht knackig-kurze Songs in mono. Ja, richtig gelesen, mono (also alles aus der Mitte des Lautsprechers heraus und nicht in einem Panorama verteilt, wie heutzutage üblich). Aber auch der „Wall of Sound“ Charakter der surfigen „Doo Wop“ Scheibe hat sich an den Kriterien der Musik aus der Zeit bedient. Phil Spector lässt grüßen.

    Was damals als revolutionär galt, ist heute Retro. An Charme hat aber auch die Ästhetik der 60ies nicht verloren.

    „Please don’t wake me up“

    Gleich vom Opener wird man träumend in die Höhe getragen. „Daydream“ handelt von den kurzen Pausen eines harten Alltages, in denen man sich in seinen Gedanken verliert und zu tagträumen beginnt. Im Mittelpunkt steht die Sehnsucht nach der Liebe, dem zu Hause und einem Ort oder einer Person, zu der man sich gehörig fühlt. Somit sind auch Vermissen und Distanz Themen des Songs.

    Unterstützt wird die träumerische Romantik des Textes mit der tragenden, eigentlich fast schwebenden Musik. Der Track an sich ist dabei sehr weit und fast überwältigend. Die knackige, liegende Gitarre und die obligatorischen Harmonien in den Background Chören runden das Gesamtbild ab. Teile des Songs haben, nebenbei gesagt, eine verblüffende Ähnlichkeit mit Sonny & Cher’s „I Got You Babe“.


    Nicht nur rosarot

    Wie man schon beim Titel „Only Happy When You’re Gone” erahnen kann, ist das Ganze thematisch umgedreht. Geht es hier zwar auch um eine Beziehung, scheint sie eine unglückliche zu sein. Die Zeichen der Lyrics stehen hier ganz klar auf Trennung.

    „Breaking up is hard to do

    And so is future life with you“


    Die Musik hat davon aber noch gar nichts mitbekommen. Sie schimmert im klassischen Mersey Beat weiter. Die kleinen Details in den rhythmischen Elementen erinnern an zeitweise sogar an lateinamerikanische Percussion. Zu finden sind diese beispielsweise auch im vorangegangenen „Last Dance With You“. Hinzu kommen Tremolo Gitarren, ein ganz schön bewegtes Feeling und eine Prise Echo über ALLEM. Unterm Strich gibt das dem Song den klassischen Surfsound. Sollte der Song eine Referenz sein, dann definitiv an The Ronettes.

    Bad Boy Banger

    Der größte Banger des Albums ist meiner Meinung nach „Killer Eyes“. Schnell, direkt, wild und verspielt – some proper Rock ’n‘ Roll. Endlich hören wir auch die obligatorischen Choo Wap’s in den Backing Vocals. Die Gitarren haben NOCH mehr Tremolo als vorher (sie hören sich also noch zitternder an) und das Schlagzeug prügelt einen praktisch auf die Tanzfläche. Genauso rude ist der restliche musikalische Charakter des Songs, alles ist ein wenig angezerrt und roh.

    Speaking of rude: Im Text geht’s um den Rebellen, den Trouble Maker, um Auflehnung und die Vergötterung des Bad Boy Images. Klar, die 60er halt.

    „I know his heart

    Is cold as ice

    But I fell for those

    Killer eyes“


    Der wichtigste Bestandteil eines guten Liedtextes aus jener Zeit ist ebenso wenig wegzudenken, wie die Schmalzlocke beim Teddy-Boy: Das „Yeah!“ ist in diesem Song quasi überrepräsentiert.

    Wie beim Konzert

    Den Abschluss krönt „So What“. Mit dem lebhaften Song am Schluss rundet sich das Album perfekt ab. Er strotzt vor Energie, ist fröhlich und ausgelassen und kommt einem wie eine Party vor. Gesungen wird über eine unbeschwerte Gleichgültigkeit, die Musik könnte gar nicht besser dazu passen. Tatsächlich traut sich sogar ein Gitarrensolo in die letzten Minuten des Albums auf den Track, den es sich nicht besser hätte aussuchen können. Zu guter Letzt gibt es einen wohlverdienten Applaus, als wäre das ganze Album eine Live-Show gewesen.

    Die Wurzeln von heute

    Man kann sagen, dass beinahe alles, was die Musik der frühen 1960er Jahre bewegt hat, aufgegriffen wurde. Gefühle und Romantik spielen eine große Rolle, aber auch die Unbeschwertheit und Teenie-Fantasien sind leitmotivartig eingearbeitet. Die Musik soll heute, wie damals eine gute Laune, trotz negativ gestimmten Emotionen vermitteln.

    Ein starkes Duo also, die Courettes. Erinnert mich teils sogar an die White Stripes. Und das nicht nur, weil die Besetzung die gleiche ist. Die rohe, angeraute Musik impliziert Ehrlichkeit und ist eine Hommage an ein schon längst vergangenes Zeitalter, was – und das darf man nicht vergessen – unsere heutige Sicht auf die Popmusik und -kultur maßgeblich geprägt hat.

    Für mich ist es immerhin schön, neue Musik, die nach alt klingt, zu entdecken. Das ist es nämlich, was Liebhaber von Vergangenem fehlt: Jenen Spirit in neuer Musik.

    Das Album ist natürlich unten verlinkt. Vielleicht hört ihr ja sogar für euren nächsten Roadtrip mal rein, passt wirklich gut. Also dann, Lederjacke an, Pomade in die Tolle und Nadel auf die Platte: The Fabulous Courettes!

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    Fotocredit: Morten Madsen & Marco Krenn

  • flor mit „Future Shine“: „This album is a coming of age journey“

    flor mit „Future Shine“: „This album is a coming of age journey“

    Wochenlang auf Tour zu sein, nur um dann zurück zuhause ohne Pläne für neue Shows ein neues Album zu veröffentlichen? Nicht mit flor. Die vier Jungs Zach, Dylan, Kyle und McKinley aus Oregon dachten sich nämlich zur Release ihres dritten Albums „Future Shine“ etwas besonderes aus. „flor in 24“ (twenty-four) nannte sich das Ganze, und es waren nicht weniger als 3 Release-Shows in 3 verschiedenen US-Städten, alles in 24 Stunden.

    So spielte die Band am 6. Mai, Freitagabend, in New York, sprang danach sofort ins Auto um den allerletzten Flug des Tages nach Los Angeles zu erwischen (den sie dann fast auch noch verpasst hätten), um dort am nächsten Morgen eine Frühstücks-Show um 10 Uhr zu spielen. Dann ging es direkt weiter zum Flughafen und nach Hood River, Oregon, in die Heimatstadt der vier.

    Besser hätte man die Geburt dieses phänomenalen dritten flor Albums auch nicht zelebrieren können, möchte ich an dieser Stelle mal gesagt haben.

    Um Spotify da mal zu imitieren, flor ist für Fans von: guter Musik, … ähh ich meine natürlich: The Band CAMINO, joan, COIN, und Fans von gutem, solidem Indie-Rock.

    come out. you’re hiding – ein kleiner Rückblick

    Gut, wer mit mir den ein oder anderen Satz gewechselt hat in den letzten fünf Jahren, dem dürfte flor sogar bekannt sein. Wer meinen allerersten Untoldency-Artikel gelesen hat, der quasi eine Lobeshymne an flor war, den wundert jetzt auch nichts mehr. Und das ist auch gut so! Denn im Mai 2017 lieferten mir flor mit ihrem Debütalbum come out. you’re hiding mein bisheriges Lieblingsalbum. Ever! Wenn ich gefragt werde (und auch wenn nicht), beschreibe ich come out. you’re hiding immer als „dicke Umarmung in Musikform“. Denn die Musik von flor war für mich schon immer an erster Stelle etwas, in das ich mich in jeder Situation einhüllen konnte, und ich wusste… das wird schon wieder. Keine andere Band hat es geschafft, mir mit ihrer Musik so viel Zuversicht zu schenken.

    Und wenn ich dann das Gitarrenriff von warm blood mal wieder live gehört habe, war ich oft doch sehr nah am Wasser gebaut. Aber nicht, weil mich dieser Song aus irgendeinem Grund traurig gemacht hätte. Sondern, weil die Musik von flor in mir etwas berührt, dem kein anderer Artist oder keine andere Band jemals nahe gekommen sind. Klingt sehr cheesy, ich geb’s ja zu.

    Gerade aber weil mir das erste Album so viel bedeutet und ich mit dem zweiten nie wirklich warm geworden bin, hatte ich etwas Bammel vor Future Shine. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich das erste Album ca. 25 Mal live gehört habe, und dadurch mehr Erinnerungen damit verknüpfen konnte. Das zweite Album, ley lines, wurde nämlich erst kurz vor Corona released.

    Eine neue Ära

    Als flor dann im Februar die erste Single Play Along gedroppt haben, war ich wieder zuversichtlich. Ich habe mich sogar getraut zu denken „Was, wenn das mein neues Lieblingsalbum wird?“. Den Gedanken hatte ich allerdings schnell wieder verworfen. Denn gleichzeitig war ich mir auch sicher, dass nichts und niemand jemals come out. you’re hiding übertreffen könnte.

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    Jede weitere Single-Auskopplung hat mich allerdings mehr und mehr begeistert. Und spätestens, als ich Play Along, Skate, und Big Shot dann in Seattle live hören durfte… war ich hin und weg. Ab April war ich mir sicher: das wird die neue Nummer 1!

    Und obwohl sich die Musik von flor seit dem Debüt gleichermaßen nostalgisch anfühlt, so bringt die Band mit Future Shine trotzdem frischen Wind. Mit 24 startet das Album in eine relativ teilnahmslose Stimmung, als Sänger Zach im Refrain singt „24 – feel like that’s the year I didn’t care anymore“. Doch der Rhythmus der Reime im Lied geht einfach ins Ohr. Und Future Shine bleibt nicht so hoffnungslos: bereits im nächsten Song Big Shot traut sich die Band, den Tagträumereien zu verfallen. Und: sich vorzustellen, wie es wohl wäre sich selbst zu verwirklichen und erfolgreich damit zu sein.


    „flor has always been about finding the hopefulness. It’s always a little bit melancholy, and touches on the reality of sadness and life, but we never wanna dwell on that and the same is true with this album. We wanted it to be this thing of hopefulness and it really comes down to the fact that you have a choice. The news every day gets worse, and it breaks your heart, but you cannot let that be enough to keep you down and keep you from fighting for a world that is good and hopeful. So we just wanted to make sure that that never gets lost even if we started our album with the most cynical, pessimistic idea.“
    – Zach Grace

    (Quelle: Returner Magazine)

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    Spätestens, wenn ihr die Musik voll aufdreht und Sänger Zach euch BIG SHOT! HOT GUY! LONG NIGHTS! SIPPING ON WHISKEY! WEST COAST LULLABY! ins Ohr schreit – Ja, spätestens dann, sollte euch dieses Album in seinen Bann gezogen haben. Und wir sind erst bei Song Nummer zwei. Big Shot ist ein unfassbar kraftvoller Song, der live sogar noch mehr abfährt.

    Und nicht nur bei den Texten und Themen auf diesem Album merkt man die Entwicklung von flor. Auch soundtechnisch ist Future Shine ein absolutes Meisterwerk. Nicht zuletzt, weil Bassist Dylan die Songs selbst produziert hat. Bei jeder Schleife des Albums hört man noch etwas heraus, das vorher nie aufgefallen ist. Da ist an der einen Ecke noch ein versteckter Synthie, hier noch eine unentdeckte Melodie.

    Deshalb meine dringlichste Empfehlung an euch: Sucht euch euer bestes Paar Kopfhörer und verbringt diese 31 Minuten und 40 Sekunden mal einfach nur mit zuhören.

    Da ich leider nicht unbegrenzt Platz für diesen Artikel habe (und auch nicht unbegrenzt Zeit, diesen zu schreiben) hier noch meine weiteren Highlights:

    Skate: Good-Vibes Song, Perfekt zum Skaten oder gedankenverloren den Gitarren-Noten hinterher zu schweben

    Future Shine: Der Title Track zum Album verspricht Hoffnung für die Zukunft, die glaube ich im Moment jeder gut gebrauchen kann. Eine Dosis Hoffnung zum Mitnehmen, bitte! „I wanna be, I wanna be like the future shine high on a new horizon / don’t wanna be like an old man looking for a hill to die on“. Flor wollen in diesem Song aktiv dem kindlichen Optimismus nachjagen, und niemals sich selbst verlieren.

    In meinem Gespräch mit Sänger Zach meinte dieser „we wanted songs that made other people feel incredible.“ – und wenn ihr bis jetzt aufmerksam gelesen habt, dann wisst ihr auch dass flor das absolut gelungen ist. Dieser kleine Hoffnungsschimmer für die Zukunft, der „Future Shine“, ist das, was dieses Album so besonders für mich macht. „The Future CAN shine bright. It CAN be worth looking forward to. The world doesn’t have to be this dark, dysmal place that sometimes it feels it can be.“

    Mit Future Shine sind flor nun endlich da angekommen, wo sie hingehören. (Zumindest meiner Meinung nach)

    Und diesen Hoffnungsschimmer könnt ihr hoffentlich auch für euch finden, möglicherweise ja durch dieses Album. Ich sag es gerne nochmal: Die Musik von flor ist einfach eine dicke, dicke Umarmung. Fühlt euch gedrückt!

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    PS: Falls ihr für den nächsten Besuch am See noch einen Soundtrack zum Wolken beobachten sucht… Dann möchte ich euch hiermit eine herzliche Empfehlung aussprechen. Habe ich natürlich für euch schon mal getestet, glatte 10/10.

    (Alle Fotos von Ashley Osborn)

  • ViVii mit ihrer EP „Mavidavilon“: Eine warme Umarmung

    ViVii mit ihrer EP „Mavidavilon“: Eine warme Umarmung

    Für alle meine dreamy girls und boys da draußen wurde mir eine kleine fünf Song große Sommerperle in Form der EP Mavidavilon der Band ViVii zugetragen. Ein bisschen folkig, ein bisschen Americana, ein bisschen poppig, aber trotzdem mit ganz viel melancholischen Sounds. Es ist wie eine warme Umarmung, nicht zuletzt, weil der Titel des ersten Songs das Gefühl der ganzen EP meiner Meinung nach perfekt zusammenfasst.

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    Was ist das mit Sehnsucht und Dreampop?

    Für mich schwingt bei Dreampop immer sehr viel Sehnsucht und Melancholie mit, was dabei oft, mal mehr und mal weniger offensichtlich, auch durch den Text unterstützt wird. Die warmen Gitarrensounds und -effekte und sanfte, fast geflüsterte Stimmen lösen in mir besonders dieses bittersüßes Gefühl aus. Und genau in diese Kerbe schlagen auch ViVii mit ihrer neuen EP.

    Thematisch geht es auf Mavidavilon viel um das Kommen und Gehen, die Sicherheit von Heimat und seinem eigenen Happy Place, vor allem wenn man zwischendurch ganz dringend eine Pause vom chaotischen und anstrengenden Erwachsensein braucht. Und mal ehrlich: wem geht’s im Moment nicht so?

    Deshalb hat sich das Trio aus Uppsala eine eigene Welt geschaffen mit Mavidavilon:

    “Mavidavilon ist der Ort, an den wir gereist sind, als wir diese EP aufgenommen haben. Ozeane und Strände, Berggipfel und kleine Dörfer. Ein perfektes ruhiges Chaos, das sehr ansteckend ist. Der gemeinsame Nenner für diese Songs ist das Konzept der Zeit. Ob fiktiv oder nicht, dieser Ort ist so real wie er nur sein kann.”


    ViVii erzählen vom Älterwerden und gemeinsam Wachsen

    In Carmel Beach, nebenbei bemerkt mein Lieblingssong der EP, wird genau dieses Motiv vom nach Hause kommen auch aufgegriffen. Emil und Caroline, die übrigens seit Schulzeiten ein Paar sind, singen in dem Lied darüber, in ihren Heimatort zurückzukehren und alte Freund:innen aus der Kindheit wiederzusehen. Das Resultat aus dieser Reise ist die Erkenntnis, dass Menschen erwachsen und alt werden und folglich sie auch.

    I’m just like you, losing it too… living the last of my youth”

    Anders, der dritte im Bunde bei ViVii, ist verantwortlich für die Arrangements der Songs. Die Wärme in den Songs kommt finde ich besonders bei Wrap Your Arms durch. Thematisch passt es – ganz dreampop like – zum Thema Sehnsucht und Melancholie. Lange Telefonate, das Wegträumen ins sonnige Borneo und pandemisches Fieber bestimmen die erste Strophe. Darauf folgt die Aufforderung, die Dinge zusagen, die einem auf dem Herzen liegen und dann seine Arme umeinander zu schlingen. Die Wehmut findet ihren Höhepunkt im letzten Satz:

    „I will bloom next year when I’m alright“

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    Foto: Alexander Antser