Dass wir bei Untoldency einen Faible für Newcomer*innen haben, sollte für niemanden etwas neues sein. Mit BOARDALLEIN haben wir wieder mal einen deiner Lieblingsartists von morgen! Der Wiener Newcomer hat Anfang diesen Monats seine Debüt EP Allein veröffentlicht, welche Indie- als auch Trapherzen höher schlagen lässt. Wie genau diese klingt, liest du am besten jetzt hier:
Egal (nach Plan)
Das Video zu Egal (nach Plan) schaut genau so aus, wie der Song klingt. Man träumt sich auf eine Wiese, lässt sich die Sonne ins Gesicht strahlen und es sich gut gehen.
Sowohl der Sound als auch das Wortgewand lassen die Lyrics längst nicht so schwer wirken, wie sie eigentlich sind. Genervt von oberflächliche Beziehungen und Gesprächen besingt BOARDALLEIN die miserablen Aspekte der sozialen Kommunikation wie auf Instagram oder Tinder.
ich will nicht auf deine Timeline, keine Show ich will mit dir meine Zeit teilen, einfach so
Der Song beginnt mit einer sehr aufgehellten Stimme, welche die Worte „we don’t know (what we do)“ melodisch wiederholt. Diese Stimme wird von einem sanftem Gitarren schrammeln begleitet. Nach circa 15 Sekunden setzten Beat und Lyrics ein und sorgen für einen wirklich schönen Trap Sound. Mein Highlight des Songs sind eindeutig die Trompeten, welche man ab der hälfte des Tracks belauschen kann. Egal (nach Plan) vermittelt eine unglaublich warme Leichtigkeit, welche wir momentan wohl alle bestens gebrauchen können.
„völlig egal alles nach Plan – bezahl mit dem Leben weil ich bin Gott oder Göttin“
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In Perfekt distanziert sich der wiener Musiker von sämtlicher unrealistischen Inszenierung und Schönheitsidealen. Er erzählt von der Langeweile, welche diese Ideale und perfektionistische Trends, aber vor allem eine bestimmte Person in ihm auslösen.
„du bist perfekt doch ich gelangweilt“
Perfekt klingt ähnlich entspannt wie der erste Song, allerdings mit weniger Trompeten, dafür mehr elektronische Klavier Sounds.
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Im Song Anthrazit beschreibt BOARDALLEIN genau die Situation in welcher dieser entstanden ist- aus dem Fenster gelehnt, rauchend, nach Schlaf suchend. Im dritten und damit letzten Track verliert die EP voll und ganz ihre anfängliche Leichtigkeit. Anthrazit klingt um einiges düsterer als die vorherigen beiden Tracks und ist wohl der eindringlichste des musikalischen Trios. Mit Anthrazit schafft es BOARDALLEIN vom ersten Ton an, ein sehr bedrückendes Gefühl beim hören auszulösen. Dabei dürfte der pulsierende Beat, welcher den ganzen Song über den eigenen Herzschlag ersetzt, wohl nicht ganz unschuldig sein.
Cover
Von entspannten Summervibes, über schön verpackter Gesellschaftskritik bis hin zu eindringlichen, düsteren Pulsschlägen. Jeder Track der Mini EP unterscheidet sich sehr vom anderen und doch passen sie gut auf ein Tape zusammen. Auf der Debüt EP Allein von BOARDALLEIN werden sowohl Trap- als auch Indiefans auf ihre kosten kommen.
Allein von BOARDALLEIN wurde am 4. März 2022 über Futuresfuture veröffentlicht und klingt so:
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Mit der Newcomer-Band Coach Party präsentieren wir euch heute erfrischend neuen Indie-Rock von der Isle of Wight in Großbritannien – und viel Women Power. Das Quartett besteht aus den beiden Frontwoman Jess Eastwood (Gesang/Bass) und Steph Norris (Gitarre) sowie Gitarrist Joe Perry und Schlagzeuger Guy Page. 2019 veröffentlichte die Band ihre erste Single. Mittlerweile spielen Coach Party auf großen britischen Indie-Festivals wie dem Truck-, Y Not?- oder Tramlines-Festival. Letzte Woche veröffentlichte die Band nun ihren neuen Song „Weird Me Out“ und damit einen weiteren Vorgeschmack auf die kommende dritte EP „Nothing Is Real“, die am 29. April erscheint.
Coach Party über unrealistische Maßstäbe
Wenn ihr Social-Media nutzt, kennt ihr wahrscheinlich folgendes Szenario – das Romantisieren jeglicher Inhalte, mit denen wir in Berührung kommen. Da passiert es schnell, dass uns Social-Media sehr unrealistische Ideen und Bilder von Beziehungen vermittelt, die wir aufgreifen und verfestigen. Genau von dieser Thematik handelt Coach Partys neuer Song „Weird Me Out“. Die Band greift den Gedanken auf, sich selbst oder die andere Person verändern zu wollen, um dem Bild einer perfekten Beziehung gerecht zu werden.
“Don’t be yourself, cause I want something better.”
Gleichzeitig geht es zwischen den Zeilen auch darum, sich eben nicht verstellen zu wollen und mit anderen zu vergleichen, um den Standards von Social-Media gerecht zu werden. »Why do I care? I’m better than that. « Völlig energiegeladen mit prägnanten Drums im Vordergrund fordert „Weird Me Out“ zum Tanzen auf und ist vor allem durch den catchigen Refrain ein richtiger Banger. Der Song powert bis zum Ende durch, wobei die Bridge nochmal ein schönes harmonisches Zwischenspiel darstellt. Textlich geht es da um das, worum es in einer Beziehung eigentlich geht, nämlich um die Zuneigung zueinander. Die starken Vocals von Bassistin Jess sind dabei definitiv ein Highlight.
„Take me back to when we first met,
We just met,
I cared about nobody but you,
Didn’t care what they said.“
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Der visuelle Aspekt scheint der Band nicht unwichtig zu sein, wenn man sich die Musikvideos zu „Weird Me Out“ oder der letzten Single „FLAG (Feel Like a Girl)“ anschaut. Beides zwei sehr gelungene Videos, die ich auch ästhetisch ziemlich ansprechend finde.
Neben der neuen Single haben Coach Party seit 2019 zwei EPs veröffentlicht – nicht wenig für so einen Zeitraum. Dabei ist ihr Sound durchweg indie-rockig, mit viel treibenden Guitar- und Drum-Sounds. Zu ihren musikalischen Vorbildern und Inspirationen gehören unter anderem Sonic Youth, The Strokes oder Wolf Alice. Das passt ganz gut, finde ich. 2020 veröffentlichte Alfie Templeman seine EP „Happiness in Liquid Form“, auf der Coach Party im Song „My Best Friend“ gefeatured sind.
Songs über den alltäglichen Wahnsinn
Auf ihrer ersten EP „Party Food“ (2020) veröffentlichte die Band die beiden Songs „Bleach“ und „Breakdown“, die sich mit gegenwärtigen Themen beschäftigten, wie Ängsten in einer Beziehung oder dem Frustriert- und Unzufrieden sein durch den eigenen Alltag. Ihre meistgehörten Songs wie „Everbody Hates Me“, „Can’t Talk, Won’t“ oder „i’m sad“ (mein persönlicher Favorit) befinden sich auf ihrer zweiten EP „After Party“, die bereits 2021 folgte. Beim Durchhören ihrer Diskographie ist mir aufgefallen, dass Coach Party anscheinend nur catchige Hits schreiben können – reinhören lohnt sich also sehr!
Das Indie-Quartett hat großes Potenzial und sind auf gutem Wege in ihrem Heimatland England durchzustarten. Von ihrer kommenden EP im April ist neben dem Song „FLAG (Feel Like a Girl)“ nun auch „Weird Me Out“ draußen. Mit ein bisschen Glück erleben wir Coach Party dann bald auch hier live.
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Dinge, die mein Musik-Herz besonders hochschlagen lassen: Indie-Sounds von Newcomer*innen und Bands, die ein starkes Nostalgie-Gefühl in mir auslösen. Ein Duo, das genau dieses Gefühl ab dem ersten Ton in mir ausgelöst hat, möchte ich euch jetzt vorstellen: Spoon and the Forkestra. Das sind Emily-Mae Lewis und Timo Zell und am 7. Januar ist ihre Debut-EP „The Fondest Flinch“, um die es in diesem Artikel gehen soll, erschienen.
Irgendwas zwischen verspieltem, unbeschwertem Indie-Folk à la Of Monsters And Men und dunklem, mystischem Sound wie London Grammar
Aber weil die beiden selbst einfach zu schön schreiben und das nicht nur in ihren Songs zu hören ist, sondern sich einfach zu schön in ihrer Bandgeschichte liest, möchte ich euch die Erzählung der beiden nicht vorenthalten. So wurde aus Emily und Timo Spoon and the Forkestra:
Viele Zufälle sind es, die die junge Band zusammenwürfelten. Während Emily-Mae vorher im hohen Norden alleine mit ihrer Gitarre barfuß ihr Publikum verzaubert, studiert Timo im tiefen Süden Musik. Als sie mit ihrer warmen Stimme Gedichte aus überquellenden Notizbüchern in Musik verwandelt, kniet er nächtelang über sphärischen, einzigartigen Bass-Sounds, mit denen er als versierter Studio- und Livemusiker verschiedenste Projekte bereichert. Sie sehnt sich danach, die Bühne mit jemandem zu teilen, er will neue musikalische Wege beschreiten. Auf der Suche nach einer Kaffeemaschine in Hamburg, 2017, treffen die beiden in einem menschenleeren Korridor aufeinander und gründen zwei Jahre später auf einer Berliner Bordsteinkante des Sommers 2019 Spoon and the Forkestra.
Eine EP wie ein musikalisches Bilderbuch
Ähnlich wie die Entstehungeschichte von Spoon and the Forkestra liest sich auch „The Fondest Flinch“. Die EP mit fünf Songs erzählt eine Geschichte und malt Bilder. Sie ist quasi ein musikalisches Bilderbuch – oder noch besser: ein Wimmelbuch. Gedanklich und emotional passiert super viel auf einmal. Es hört sich an wie das Manifest eines Kindes, das sich gefangen und verloren fühlt in den stupiden Strukturen des Erwachsenseins. Und das fühle ich sehr! Geht es euch auch so, dass man sich mit Mitte 20 manchmal fragt, ob man jetzt eigentlich erwachsen ist und wie sich das genau anfühlen sollte? Da wünsche ich mir zumindest das ein oder andere Mal gerne die Naivität und Leichtigkeit zurück, mit der ich als Kind und Jugendliche noch durchs Leben gegangen bin.
„If patience is a virtue, someday I’ll understand“
Die EP beginnt mit „Mary Lou“. Ein Song, der mich zu Beginn direkt bei der Gefühlsverwirrung abholt, die ich gerade beschrieben habe. Mein erster Gedanke: „Wow, das klingt ja voll wie Of Monsters and Men“. Dann bekomme ich das starke Bedürfnis barfuß durch taufrisches Gras zu tanzen und einfach mal an nichts zu denken. Das passt ganz gut zu dem Wunsch nach der Leichtigkeit der Vergangenheit. Der Song kommt sehr verspielt und unbeschwerlich daher. Ich verliere mich in wohlig-warmen Gedanken.
Weiter geht’s mit „Pirates“. Ich fühle mich tatsächlich ein bisschen als würden Piraten meine Gedanken überfallen, da der Sound deutlich ernster daher kommt als „Mary Lou“. Das unbeschwerliche Kindsein, das gerade noch besungen wurde, schwindet in „Pirates“ der etwas ernüchternden Realität des nachdenklichen Erwachsenseins. Die Stimme der Sängerin Emily-Mae ist zwar immer noch sehr zart und einfühlsam, aber wird schon endringlicher.
„There is Karma in my dinner“
… and a lot more rock elements in this song. „Karma 8“ startet mit der zarten Stimme von Emily-Mae, die sich in den vorherigen Songs schon in mein Herz gesungen hat. Jetzt wird es allerdings etwas dunkler, irgendwie auch ernster. In „Karma 8“ kommt eine gewisse Eindringlichkeit rüber, die mit auffällig mehr Schlagzeugals zuvor gepaart ist.
Bei „Blue“ bekomme ich wieder direkt sehr starke Of Monsters And Men-Vibes – nur diesmal in der „sad girl autumn version“ (props an alle Taylor Swift-Ultras an dieser Stelle). Der Song ist für mich genau das, was ich mir unter typischem sad indie folk vorstelle. Mit verspielten Klavier-Parts im Hintergrund schaffen es Emily-Mae und Timo auf diesem Song, dass ich so sehr in meine Gedanken versinke, dass ich gar nicht bemerke wie der Song schon wieder zu Ende ist. Das ist aber auch nicht weiter schlimm, da ich im nächsten Song wieder zurück in die Realität gezogen werde.
Zarte Stimme auf starker Gitarre mit Hang zur Dramatik
In „Blink Twice“ wird die zarte Stimme, die sich wie ein roter Faden durch die EP zieht, durch eine starke Gitarre unterstützt. Das ist eine Kombination, die sich sehr schön ergänzt und auch eine gewisse Dramatik erzeugt. Der Sound ist auch wieder ein bisschen mystisch. Bei „Blink Twice“ sticht aber vor allem das Ende heraus. Emily-Mae’s Stimme wird auf einmal stark und intensiviert die Dramatik, die sich in den Songs zuvor aufgebaut hat.
Die EP „The Fondest Flinch” endet mit einem atmosphärischen Sound. “Kugs and Hisses – phone recording” ist mit seinen 54 Sekunden verträumten Gitarren-Sound ein sehr beruhigender Abschluss. Nach dem Hören habe ich das Gefühl, dass diese letzte Sequenz den Sound der EP sehr gut abrundet. Die angedeutete Aufregung durch den etwas intensivieren Part in „Blink Twice” wird hier wieder aufgehoben. Meine Gedanken können sich also jetzt erst einmal wieder etwas beruhigen und sich wieder in ihre Traumwelt verabschieden.
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Fazit: Songs, die mit den Größen des Indie-Kosmos locker mithalten
Was ich von „The Fondest Flinch“ und dem Sound von Spoon and the Forkestra halte, ist glaube ich schon sehr deutlich geworden. Die Songs auf der EP hat für mich auf jeden Fall das Potenzial in die Schublade der klassischen Indie Tracks aufgenommen zu werden. Der Sound, den Spoon and the Forkestra auf „The Fondest Flinch” produziert haben, klingt für mein Empfinden schon sehr ausgefeilt und reif. Für mich ein klassischer Fall von: “Wieso ist dieses Duo noch so unbekannt?” Mein Newcomer*innen-Herz ist verletzt und glücklich gleichzeitig. Verletzt, dass die Songs noch so unbekannt sind. Glücklich, dass ich die Lieder in meine Playlists aufnehmen kann. Hoffnungsvoll, dass ihr das jetzt auch alle macht.
Hier geht’s zur EP “The Fondest Flinch” von Spoon and the Forkestra:
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Ihr kennt bestimmt auch Songs, die euch nach dem ersten Mal hören DIREKT catchen. Ihr seid vollkommen verliebt in alles, Sound, Text und Artist, und schickt es direkt an 10 Freund*innen mit der Bitte um sofortiges Feedback. Mir begegnen solche Songs relativ oft, was auch ganz banal ein Grund dafür gewesen ist, dieses süße und stetig wachsende Musikmagazin zu gründen – die Songempfehlungen gehen nun direkt an alle von euch anstatt nur an meinen Freundeskreis, der mich zu 70% eh ignoriert (<3). Deshalb hier nun die absolute Songempfehlungen für alle, die den Frühling mit wirklich gutem Indie-Pop einleiten wollen: SWEED und Stuck.
Will you be my sweedheart?
Stuck fängt an wie jeder gute Indie-Pop Song anfangen muss: mit Gitarrenchords. Schnell, easy und catchy. Mehr braucht es nicht, um die kalten Sonnenstrahlen des März‘ direkt 10° wärmer wirken zu lassen. Dann kommt SWEEDs Stimme und ist auf eine Art so unverkennbar, dass es für mich eigentlich kaum Zweifel gibt, dass das hier der Start von einem kleinen Durchbruch für den Stuttgarter Newcomer sein könnte:
“Just give me a mirror To show me what a fool I am. Please put on me a sticker Saying that I can’t.”
Durchbruch oder quarterlife crisis – liegt relativ nah beieinander these days. Mit 23 ist SWEED genau in dem Alter, in dem die anfänglichen, naiven Vorstellungen des Älterwerdens auf diese immer näherkommende Realität treffen und man checkt: alles verändert sich. Das Studium ist beendet, abgebrochen oder dauert viel zu lang, man ist die ganze Zeit arbeiten, um irgendwie die Wohnung in der Stadt zu halten, in die man voller Motivation die Welt zu verändern, gezogen ist und so richtig will’s einfach nicht funken. Ich persönlich fand es immer sehr, sehr schwer, meinen Weg aus diesem doch auch privilegierten Uni/Work-Hustle in eine „Karriere“ zu finden. Manche Leute nennen das „erwachsen werden“, ich nenn es an Erwartungen scheitern. Und dann noch all diese Fragen: Was will man überhaupt machen? Wer will man eigentlich sein? Identitätskrise trifft finanzielle Not trifft eine rasende Welt mitten in der Pandemie, Krieg und anderen sozialen Brennpunkten. Fun times.
Stuttgarter Indie-Szene an die Macht! (Oder so ähnlich)
“I’m stuck in the same circle For years now And nothing has changed”
Ironischerweise können sich wahrscheinlich nicht nur Leute mit dem Songs identifizieren, die auch den oben beschriebenen Teil sehr gefühlt haben. Eigentlich können wir es alle, so frustrierend versuchen wir unser Leben in der zweijährigen Pandemie zusammenzuhalten. Mir zumindestens hilft Stuck auch gerade, diesem Gefühl ein kleines Ventil zu geben. Ich sing einfach wie SWEED den Refrain voller Inbrunst mit und es geht mir besser. Das E-Gitarren Solo gibt mir am Ende dann den Rest:
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Wer jetzt zu Recht völlig begeistert ist und SWEED noch nicht auf dem Schirm hatte, der*dem sei natürlich direkt ausgeholfen: Dascha hatte ihn hier nicht nur ein Mal, sondern gleich zwei Mal im Interview. Im Umfeld von Luke Noa, Zimmer90 und Flawless Issues wird sowieso schon länger gemunkelt, dass eventuell alle gleichzeitig die Indie-Szene 2022/23 an sich reißen werden. Und spätestens jetzt merkt man: auch SWEED will was verändern und ausbrechen. Ich spreche im Namen der ganzen Redaktion, wenn ich sage: ja Niklas, mach das bitte, das wird gut!
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Der nächste Lieblingsrapper des Feuilleton, von dessen Existenz die großen Zeitschriften noch nicht wissen, heißt Apsilon. Der in Moabit groß gewordene Künstler ist frische 24 Jahre alt und hat am 14. Januar seine überaus reflektierte Debüt-EP „Gast“ veröffentlicht. Authentische Gesellschaftskritik trifft auf einen modernen Sound und lässt jedes politische Hip Hop Herz höher schlagen.
Von der Straße bis nach Moabit
Apsilons Texte erinnern an den amerikanischen Hip Hop der 90er, als Tupac,Biggie Smalls oder Snoop Dog noch über ihre Lebensumstände sowie die Probleme ihrer Hood gerappt haben. Hip Hop war eng geknüpft an authentische Beschreibungen schwarzer Lebensrealitäten, ebenso wie die damit verbundene Kritik des Status Quo. Mit der zunehmenden Kommerzialisierung von Rapmusik und deren Angleichung an konfliktscheue, profitorientierte Popmusik ging der politische Gehalt allmählich verloren. Große Teile aktueller Trap Hits aus den USA blubbern ebenso sinnbefreit durch die Radios und Playlisten wie deutscher Schlager von Helene Fischer. Apsilons Texte hingegen ziehen ihre Kraft wieder aus der Wut und Verzweiflung marginalisierter Gesellschaftsgruppen.
Vom Beobachter zum Kritiker
Auf „Gast“ erzählt Apsilon aus der Perspektive eines Gastarbeiterkindes. Als direkter Beobachter der Lebensumstände seiner Eltern und Großeltern schildert er Gesellschaftsverhältnisse direkt und unverblümt und verknüpft dabei aktuelle Zustände mit historischen. Apsilon holt das gut versteckte Gewissen der gutbürgerlichen weißen Bevölkerung wieder aus dem Keller und hievt die Schuld zurück auf ihre Schultern.
»Tag für Tag am Ackern für das Kapital in Taschen vom Gleichen Pack, das dreißig Jahre vorher ohne Wimpernzucken Menschen in die Gaskammern verfrachtet hatte Und während Molotows auf die Unterkünfte prasseln Auf dеr Arbeit und beim Amt immer lachеn, immer lachen Und Enkel kriegt kein’n Job und keine Wohnung wegen des Namens Bei den Enkeln der Fabrikbesitzer, die die Großeltern damals ausgebeutet hab’n« „Köfte“
Die Rolle des reflektierten Beobachters ergibt sich womöglich aus Apsilons innerer Zerrissenheit in Hinblick auf sein Herkunftsgefühl. Anstatt sich mit den deutschen oder türkischen Einflüssen seiner Biographie identifizieren zu können, distanziert er sich von beiden. Aus seinem Moabiter Kiez schreibend, thematisiert er die auftretenden Konflikte, wenn vor seinen Augen zwei Kulturen nicht zueinander finden wollen.
»Ich brauchte dreiundzwanzig Jahre, bis ich merkte, dass ich statt zweien Keine Heimat habe, außer meine eigene Straße und den Kiez, in dem wir war’n, ja Die Beats, auf die ich sprach, nein Keine Heimat eins und auch keine Heimat zwei, nur der Streit mit dem, was sich in beiden Ländern so rumtreibt« „Köfte“
Deutsche Identität im Kreuzfeuer
Doch wenn man ehrlich ist, fühlt sich die Distanz zur deutschen Identität auf „Gast“ um einiges größer an. Denn Apsilon nimmt die deutsche Gesellschaft an allen möglichen Ecken auseinander. Der Künstler zieht seine Kraft und Wut aus den Rassismen und Klassismen dieses Landes und legt sie ungeschönt offen. Diplomatisches Verhandeln scheint dabei keine Option zu sein. Denn die unterdrückten Gesellschaftsgruppen, denen Apsilon ein Sprachrohr verleiht, warten schon zu lange auf Gerechtigkeit.
»Deine Leute klatschen Beifall für ein’n Nazi, wenn es sein muss Meine Leute klatschen Nazis von der Straße, wenn es sein muss Seit dem Eisprung in 030, mein Bro, keiner guckt auf sein Plus Hier wird alles schön geteilt, Bro, meine Leute komm’n in kein’n Club […] Dein Homie hat am Kotti Angst, dass ihn ein Kanak abzieht Mein Homie hat kein’n Bock, dass deiner ihn wie’n Bastard ansieht (Yeah) Ihr kriegt Logenplätze (Yeah), Bruder, wir kriegen Zelle (Yeah) Ihr könnt große Sätze, wir könn’n rennen« „Sport“
Gesellschaftskritik meets Generationensound
Die eindrucksvollen und zum Teil beklemmenden Zeilen des Rappers werden unterstützt durch einen zeitgemäßen Hip Hop Sound. Der besonders bei düsteren und melancholischen Stimmungen glänzende Rapper und Produzent Ahzumjot hat einen Teil der aus sechs Songs bestehenden EP produziert. Cato erscheint ebenfalls als mehrmaliger Produzent auf „Gast“ und bringt sein Gespür für klassische Hip Hop Banger mit an den Tisch. Lyrics und Beats treten in eine stimmige Symbiose und verleihen der gesamten EP eine besondere inhaltliche sowie klangliche Homogenität. Einzig „Kes“ fällt minimal aus der Reihe, da hier die inhaltlichen Qualitäten ein wenig durch den Fokus auf das Schreiben eines Hip Hop-Club Hits in den Hintergrund rücken. Doch selbst dafür bekommt Apsilon Drops. Denn kaum eine Künstler*in springt so leichtfertig zwischen … hin und her.
Visuals im Einklang
Die erwähnte Homogenität zieht sich zudem durch die Visuals des Tapes. Das Team um Director Foli Creppy und Produzent Thabo Paul schafft zusammen mit Apsilon authentische Einblicke in das Leben des Künstlers im Retro Look. Besonders Erwähnung verdient das Musikvideo zu „Köfte“. Das Video nimmt dank Aufnahmen aus dem Bundesarchiv einen dokumentarischen Charakter an. Schwarz-Weiß-Aufnahmen von schuftenden Gastarbeitern werden protestiereden Rechten gegenübergestellt und verdeutlichen die gesellschaftliche Zerrissenheit, die bis heute andauern.
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Musik, die nur der Gesellschaftskritik willen existiert und ästhetische Motive vernachlässigt, wirkt auf mich in der Regel unbefriedigend. Gute Produzenten und Ausnahmekünstler, die einen Hit nach dem anderen schreiben, sind hingegen auch keine Seltenheit mehr. Die große Kunst ist meines Erachtens nach Musik, die inhaltlich sowie klanglich ausgereift ist. Ich denke da im Hip Hop beispielsweise an Tupac Shakur, Jay-Z oder Kendrick Lamar, die ebenso politisch waren wie einen Sound der Zeit geprägt haben. Sie haben Musik erschaffen, die emotional in einem hohem Maße berührt oder schockt und gleichzeitig den Finger tief in die Wunde drückt. Apsilon wählt diesen anspruchsvollen Weg mit seiner EP und liefert politische Statements am Fließband ohne dabei klanglich aus der Zeit zu fallen. Dieses Projekt ist eine absolute Empfehlung an ausnahmslos alle und gibt Vorfreude auf kommende Songs, EPs oder Alben.
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Wenn mich Leute fragen, ob ich Deutschrap höre, ist mein Blick meist ein skeptischer, weil 70% von dem, was als Deutschrap bezeichnet wird, mag ich nicht. Aber ab und zu reißen mich Songs oder Künstler*innen dann doch in ihre Bubble. So wie die letzten Releases des Essener Rappers 3Plusss: nach den ersten beiden Single-Auskopplungen seines neuen Albums hat es bei der letzten Single „DINGE“ so richtig gefunkt. Hier lest ihr, warum ihr 3Plusss generell auf dem Schirm haben solltet:
„Es ist wieder diese Saison.“
3Plusss macht Musik, die klingt, als hätten sich die Welten von Fatoni, Ahzumjot und Maeckes getroffen, ein perfektes Musikbaby geschaffen und Goldroger ist der Patenonkel. Dabei ist 3Plusss gar nicht unbedingt ein Newcomer im Deutschrap. Ganz im Gegenteil, er ist noch aus der Generation Deutschrappern von vor 10 Jahren, die ihren Status auf Splash! Battleraps beweisen mussten. Und auch wenn er sich schon bekanntliche Bühne und Fans erspielt hat, eine „richtigen Durchbruch“ hatte 3Plusss noch nicht. Der könnte aber mit seinem Anfang April erscheinenden Albums weine jetzt, lache später durchaus kommen.
PHASE II, die erste Single des neuen Albums, kam im November 2021 raus und ist ein absolutes Brett. Lyrisch zerlegt 3Plusss sowohl Prinz Pi, den „bürgerlichen Trottel“, als auch Deutsche Wohnen und den Staat für seinen immer noch tief verwurzelten Rassismus. Was alles möglich ist im Rap ohne eine frauenfeindliche Line – Captial Bra würde es nicht verstehen selbst wenn man es ihm ganz ruhig erklären würde.
Die zweite Single DANKE braucht eigentlich einen ganz eigenen Artikel, so sehr holt mich dieser TEXT auch hier ab:
„Schlaf‘ ein und fliege davon Wach auf und bin wiedergekommen Und werd‘ wütend darüber und müde davon Oh mein Gott, es ist wieder diese Saison“
Poetischer hat noch nie jemand meine depressiven Verstimmungen beschrieben. Mental Health in Deutschrap holt einfach ab. Cleveres depressives Wortspiel holt ab: „Wenn mich jetzt wеr in den Pool schubst, dann ertrink‘ ich einfach“ ist doch mal eine Wandtapete wert? Und „Wer braucht schon Urlaub, wenn man dissoziier’n kann?“ geht auch glatt als Insta-Caption durch (orginial s/o geht hier aber an Illona Hartmann).
*hands you the world* „it’s broken.”
Wie 3Plusss es schafft, alles, womit ich am Leben am meisten hadere, in so kompakt und sich reimende (!) Sätze zu packen, weiß ich nicht. Ich kann nur vermuten, dass es eine gute Mischung aus Talent und viel overthinking ist.
„Alles passiert gleichzeitig, die ganze Zeit Und das Hirn ist viel zu klein, damit das irgendwer begreift.“
Ich könnte es besser nicht ausdrücken. Das Hirn ist einfach viel zu klein. Vielleicht nicht faktisch (don’t #science me), aber die mentale Kapazität, die ich besitze, reicht kaum für meinen eigenen Alltag. Und dann soll ich verarbeiten, wie viel nebenbei noch passiert? Puh. Da ist mein Umfeld, die Gesellschaft, das Klima, der Krieg in anderen Ländern, und so, so, so viel Unrecht auf der Welt. Da ist ein Leistungssystem, das Leute auf einen mal mehr, mal weniger langen Weg in die Depression treibt sobald man die Schule beginnt. Sexismus, Rassismus und so viele Menschen, die fremden Sachverhalten im Leben grundsätzlich mit Hass begegnen. Da ist wirklich so viel Kaputtes in der Welt, alleine das Aufzählen der paar Dinge hat mich schon erschlagen. In dieser Welt am Funktionieren zu bleiben, ist schwerer als man denkt.
„Das sind nur Dinge, die wir tun Das bist nicht du, das bin nicht ich Manche nenn’n es Depression, zig Definition’n Und Symptome und Begriffe für die Dinge, die wir tun Das sind nur Dinge, die wir tun Nichts davon definiert dich als Person Gib dir selber die Vergebung, die du suchst“
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Ich weiß gar nicht, was ich hier noch schreiben soll, 3Plusss hat hier alles schon gesagt und wenn man das wirklich kurz auf sich wirken lässt, hab ich vielleicht noch nichts schöneres gehört im Deutschrap als das. S/o an Peet, der für den Beat verantwortlich ist, das ist wirklich alles sehr perfekt.
3Plusss gibt mir endlich das, was ich im Deutschrap irgendwie in letzter Zeit sehr vermisst hab. Am 08.04.2022 erscheint sein neues Album weine jetzt, lache später. Wenn ich’s fühle lesen wir uns bestimmt bald wieder. Und bis dahin könnt ihr hier in alle drei erwähnten Songs reinhören:
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„Es ist wieder Februar“ – die 28 bis 29 Tage im Jahr, die eigentlich niemand so richtig braucht, zählen runter as we speak. Die depressiven Verstimmungen dürfen nochmal ne extra Runde drehen und wir uns von Tag zu Tag in den März kämpfen, in dem hoffentlich der Frühling anbricht und alles wieder ein bisschen besser wird. Und für all jene, die sich bis dahin wie ich gerne noch ein bisschen in den eigenen schön-traurigen Playlisten suhlen wollen, kommt hier die nächste Single-Empfehlung: LIAS und „Lost“:
Hand heben, wer’s fühlt
Der Einleitung entnehmend kann es hier nur um einen traurigen Song gehen: Lost handelt von dem Gefühl, komplett in den eigenen Emotionen gefangen zu sein. Erdrückt von der Trauer, die einen manchmal aus dem Nichts überfällt und manchmal auch einfach dauerhaft da ist:
“Oh, I wish I could fake it
Put a smile back on my face
Somehow find a back
To the good old golden days.
Just couldn’t longer carry
Sadness torturing my soul
Weight pulling me down so weary
Wondering how I lost control.“
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Warum ich mir so sicher bin, dass euch Lost genauso abholen wird wie mich, hat verschiedene Gründe. Der Song ist sehr viel tiefer als er in der ersten Minute zu sein scheint. Je länger er andauert, desto mehr Ebenen eröffnen sich – und je genauer man hinhört, desto mehr Details fallen einem auf: Die im Hintergrund anschwellende Violinen. Die subtile Synth-Line, die dem ganzen einen leichten James Blake Touch gibt. Es switcht von „aw, ein weiterer Singer-Songwriter“ zu „oh krass, das könnte im Radio laufen“ als wäre es nichts.
Dazu trägt aber auch voranig LIAS Stimme bei, die je nach Songabschnitt nach James Arthur oder John Legend klingt. Außerdem bin ich mir ziemlich sicher, dass der ganze Song seinen Anker in Unfaithful von Rihanna hat und das ist einfach wirklich auch wunderschön. („Kudos“, hätte man früher im Internet gesagt). Ich glaub, ich hab selten so viele internationale Referenzen zugezogen, aber ich stehe zu jeder einzelnen. Und ich setze noch einen drauf: Lost könnte die Key-Szene in einem Matthias Schweighöfer-Film begleiten. Wenn die Hauptperson (also Matthi) im orange-roten Sonnenuntergang auf ein weites Feld rennt, nicht so richtig wissend wohin mit all den überwältigenden Emotionen – Lost ist der Song dazu.
Falls ihr euch jetzt, zu Recht, fragt wer ist LIAS?, dann checkt ihn mal direkt hier aus. Der deutsche Singer Songwriter mit niederländischen Wurzeln verarbeitet in seinen Liedern tiefen Trennungsschmerz, Versagungsängste, mentale Gesundheit und die emotionale Findungsreise zu sich selbst. Die EP wird diesen Sommer kommen, Hand heben, wer’s jetzt schon fühlt.
Alt-J veröffentlicht ein neues Album. Es heißt „The Dream“. Das muss man sich doch erstmal auf der Zunge zergehen lassen. Ich meine, wie oft wird das in unserem Leben wohl noch passieren? Wie oft dürfen wir davon noch Zeuge werden? Bisher ist es vier Mal passiert und ich für meinen Teil bin froh, jede Sekunde dabei gewesen zu sein.
Alt-J. Das ist mehr als eine Band für mich. Ich glaube, das ist meine Jugend. „An Awesome Wave“ haben wir damals auf dem Schulhof gehört. Zu zu dritt, zu viert, mit einem Paar Kopfhörer. Wir prügelten uns darum, weil wir nicht fassen konnten, was da auf unseren iPods gelandet war. Wir haben mit unseren Patschefingern Dreiecke geformt und die A-Capella Parts leidenschaftlich und schief nachgesungen. Dann das erste Mal alt-J live, als Vorband von Two Door Cinema Club. Als Vorband! Könnt ihr euch das vorstellen? Wir waren so glücklich damals.
Auch nach ihrem Debüt 2012 kamen mit „This is All Yours“ und „Relaxer“ monumentale Werke, die immer mehr Facetten einer unglaublich kreativen Band hervorgebracht haben. Und jetzt, erschreckende zehn Jahre nach Release ihres ersten Albums, erscheint ihr wahrscheinlich bisher Bestes: „The Dream“.
Was erwartet uns? Hmm, ich habe mich natürlich im Vorfeld oft gefragt, wie das neue Album wohl klingen wird. Bisher hatte mich die Band von Album zu Album mehr überzeugt, ohne dass die Vorgänger an Qualität verloren hätten. Alt-J war immer modern, immer dem Zeitgeist voraus, immer ein Trendsetter. Und so soll es jetzt wohl auch weitergehen, denn das neue Album klingt zwar wieder ganz anders — und doch so sehr nach ∆.
Ihren Signaturesound haben sich die drei Briten jedenfalls bewusst behalten. Allerdings klingt ihr Schlagzeug lustigerweise diesmal auch manchmal wie ein Schlagzeug, und nicht wie eine aus Töpfen und Pfannen zusammengebastelte Schießbude. Gitarren und Keyboards gibt es auch heute wieder in Hülle und Fülle, oft bis ins kleinste Detail auskomponiert. Und natürlich bekommen wir auf „The Dream“ ein paar Leckerbissen des unverwechselbaren Chorgesangs von Joe Newman und Gus Unger-Hamilton.
It’s just you and me now
Doch fangen wir von vorne an. So ein Album lässt sich Zeit. Deshalb starten wir, genau wie die Band, mit der ersten Single. Zugegeben — bevor „U&ME“ erschien, hatte ich lange Zeit nicht mehr an alt-J gedacht. Diese neue Single erwischte mich eiskalt, sie war einfach eines morgens da. Ich muss auch zugeben, dass mich „U&ME“ anfangs so gar nicht gecatched hat. Irgendwie klang es für mich so seltsam herkömmlich.
Wo war der Sound hin? Wo waren die krassen Drops, die unerwarteten Wendungen? Und dieses Video dazu; eine etwas uninspirierte Szene im örtlichen Skatepark. Alles irgendwie so 15 Jahre vorbei. Vielleicht gerade deshalb so geil? Irgendwie gefiel mir die ganze Ästhetik von Mal zu Mal besser. Ich kann es mir nicht so recht erklären. Denke aber, irgendwer muss ja damit anfangen, Trends wieder auszugraben. Sonst würden wir ja heute auch keine boot-cut Jeans oder Arschgeweihe mehr tragen (like wenn du eins hast).
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Klick hatte es bei mir erst dann gemacht, als ich die Single ein paar Tage später im Radio hörte. Das Intro erklang und mein Gehirn direkt: „Fuck! Was ist das denn nochmal?!“ Ich bekomme deswegen wirklich häufig Panik, wenn mir nicht direkt Titel oder Interpret einfällt. Das war ein halber Schweißausbruch (horizontal) in einem Bruchteil von Sekunden. Als Joes Stimme einsetzte war klar, dass diese Single allen anderen alt-J Classics in nichts nachstehen wird. Und ohne, dass ich es wusste oder wollte, hatte ich mich in diese Single verknallt. Sie haben es mal wieder geschafft.
Keine hippen Roboter
Ich finde es irgendwie beruhigend, dass alt-J doch im Endeffekt ganz normale Dudes zu sein scheinen. Denn sie huldigen im Opener „Bane“ nicht etwa Cold Brew Coffee oder Mate-Tee aus ausgehöhlten Kürbissen, sondern ganz ordinärer, industrieller Coca-Cola. Das ist doch mal bodenständig. Ich habe dazu auch noch vor Augen, dass sie vor etwa fünf oder sechs Jahren (vielleicht auch länger her) ein Foto von einem RIESIGEN SCHINKEN (ehrlich, ein halbes Schwein locker) aus dem Tourbus gepostet hatten — gerade als die große Welle der Lifestyleveganer zu brechen begann. Da hagelte es Hasskommentare. „Bodenständig“ und „geschmacklos“ mag hier nah beieinander liegen, ich find’s aber irgendwie sympathisch.
Wie ich im exklusiven untoldency Interview meiner lieben Kollegin und Magazinchefin Anna nachlesen konnte, gibt es auch eine Referenz zu diesem ersten Track. Referenzen und kleine Easter-Eggs sind tatsächlich bei alt-J nichts ungewöhnliches, dennoch macht es immer wieder Spaß, diese zu entdecken. Wer sich in seiner Jugendzeit mit Heavy Metal beschäftigt hat (oder es vielleicht immer noch tut), wird den Wink mit dem Zaunpfahl auch direkt bemerkt haben: Black Sabbath, is that you? Und tatsächlich, Drummer Thom Green nennt den Song „Planet Caravan“ einen direkten Einfluss. Sucht mal beim Papa in der Schublade, da liegt die Sabbath Platte bestimmt noch rum. Give it a spin!
Im surfpoppig-leichten „Hard Drive Gold“ beschreibt uns alt-J, wie gewöhnlich und einfach es doch geworden ist, die Millionen von daheim aus zu machen, ohne wirklich dafür arbeiten zu müssen. Ja, sie ermutigen uns sogar dazu! „Don’t be afraid to make money“. Was sich jetzt wie eine gefährliche Spam-Mail im Postfach eurer Eltern anhört, ist tatsächlich inzwischen Realität. Digitales Geld lässt sich beispielsweise mit einem entsprechend starken Rechner heutzutage „generieren“, der Traum vom goldscheißenden Esel ist wahr geworden. Und der im Song skizzierte Teenager mit den millionen Bitcoins auf dem Konto existiert, ganz sicher auch in deiner Nachbarschaft! Vielleicht ist euch in letzter Zeit auch schonmal aufgefallen, dass sich unsere Freunde und Bekannte mittlerweile Dinge (Häuser) kaufen, während wir so das Pfandgeld abzählen und hoffen, dass es mal für eine Avocado zum Frühstück reicht? CRYPTO, LEUDE!
Schon allein wegen solcher Storys bin ich mir sicher, dass wir alt-J irgendwann als wichtige historische Quelle der Post-Moderne zu Rate ziehen werden. Denn auch weiterhin finden sich auf „The Dream“ viele popkulturelle Referenzen, Kurzgeschichten und Trivia. Allesamt bezeichnend für unsere Epoche. Schon auf dem ersten Album entwickelte Joe eine ganz besondere Form des Storytellings, das historische oder literarische Ereignisse aufgreift und sie aus ungewohnten Perspektiven wiedergibt. Da wäre zum Beispiel „Matilda“, über einen Charakter aus „León der Profi“. Oder „Taro“ über eine Episode aus dem Leben der Kriegsfotografin Gerda Taro. Oder auch „Fitzpleasure“, der den gewaltsamen Tod einer Prostituierten aus der Kurzgeschichte „Tralala“ von Hubert Selby Jr. neuinterpretiert.
Code word: Ice Cream
In „The Actor“ geht es, wie es der Titel vermuten lässt, um einen Schauspieler. Aber auch um Misserfolg, Kokainhandel und das legendäre Skandal-Hotel „Chateau Marmont“ in L.A. Ganz passend zu diesem Thema, teleportiert uns der Sound des Songs zurück ins schillernde Hollywood der 1980er: ein gedämpftes Drumset mit einem kurzen Hall auf der Snare, ein analog anmutender Synthesizer und eine schimmernde U2-E-Gitarre. Dazu ein weißes Jacket und Glanzlichter auf 100% und Hall & Oates wären geklont — bei uns in Deutschland nannte man so etwas „Modern Talking“.
Aus der Perspektive eines mutmaßlich erfolglosen Schauspielers, bringt uns alt-J die Lebensrealität dieser erbarmungslosen Branche in den 80er Jahren nahe. Während dieser Schauspieler immer wieder versucht, Rollen zu bekommen und mit Konkurrenten in vollen Wartezimmern der Auditions ausharrt, lockt das Kokain. Und diesem Falle nicht nur als Muntermacher, sondern auch als lukrativer Nebenerwerb mit Folgen. Code word: Ice Cream. So wird auch der Protagonist Zeuge eines eventuell durch ihn verursachten Drogentods:
„Swarm of TV cameras click and stumble at the Chateau, Later I hear John’s body got carried out“
Sehr wahrscheinlich, dass hier explizit auf den Tod des Schauspielers John Belushi („Blues Brothers“) angespielt wird, der 1982 in besagtem Hotel an einer Überdosis starb. Also liebe Kinder, keine Macht den Drogen! Coca-Cola ist ok. „Cold and sizzling“
Verbranntes Fleisch und Nackenhaare
Wer ein wenig recherchiert, wird schnell merken, dass True Crime auf „The Dream“ einen wesentlichen Einfluss auf Joes Lyrics nimmt. Er nennt True Crime-Podcasts, besonders während der Lockdowns, eine wichtige Inspirationsquelle. Die teils verstörenden Bilder, die er mit seiner ruhigen Stimme für uns kreiert, haben es auf jeden Fall in sich. So werden wir in „Happier When You’re Gone“ Zeuge, wie sich eine Frau aus einer gewaltsamen Beziehung befreit und ihren Peiniger kurzerhand umbringt und verbrennt. Die makabere Beschreibung des Geruchs von verbranntem Fleisch in Verbindungen mit dem gechillten low-tempo Track, beschwört eine Gänsehautstimmung, die man sonst nur aus Psycho-Thrillern kennt.
Apropos, im Song „Losing My Mind“ wird es noch düsterer. Hier werden wir musikalisch zunächst ebenfalls von einem ruhigen ersten Teil empfangen, der immer mehr zu einem schwungvollen Britpop-Song mäandert. Im Text tauchen wir ab in die Psyche eines Serienkillers, zum Teil posthum geschildert aus der Perspektive eines entführten Kindes. Da stellen sich bei mir jedenfalls die Nackenhaare schon gen Himmel. Vor allem, wenn da diese eine Line auf Deutsch mittendrin wie eine Botschaft direkt aus der Hölle empor crawlt. Naja, ich bin zwar insgesamt kein besonders großer Fan von True Crime-Podcasts, aber in dieser Form könnte ich mich daran gewöhnen. Zumindest schlafe ich hier nicht ein.
„Montag You’re in drag, Oh es war einfach.“
Tränen, Techno, Opera
Eines der absoluten Highlights auf „The Dream“ ist für mich „Get Better“, das sich als Langzeit-Grower in meinen Kopf gefressen hat. Ich glaube, es ist der emotionalste Song, den alt-J jemals geschrieben hat. Und er braucht so erschreckend wenig. Nur eine Akustikgitarre, ein paar Klavierakkorde und Joes sanfte Stimme. So verständnisvoll und sensibel schildert er Krankheit und Verlust eines geliebten Menschen, dass man sich fast nicht vorstellen kann, hier eine fiktive Geschichte zu Gehör zu bekommen. Rührend finde ich auch, dass er die erste Skizze dieses Songs seiner Freundin gewidmet hat, die zu dieser Zeit unter starken Regelschmerzen litt. Ich habe es schon immer gewusst, es sind einfach tolle Menschen.
„A younger you and a younger me, meeting at the Serpentine, I am yours, you are mine.“
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Kommen wir noch zu zwei Herzstücken, die dieses Album ganz besonders machen, weil alt-J damit in ihrem Oeuvre stilistische Nova etabliert. Beide Titelnamen sind von großen US-amerikanischen Metropolen entliehen und heißen zum einen „Chicago“, zum anderen „Philadelphia“. Ersteres beginnt im buchstäblichen Sinne mit einem Donnerschlag, der in ein gezupftes Gitarrenintro übergeht. Danach scheint sich dieser Song komplett um 360º zu drehen. Wir hören eine Bassdrum, die in Viertelnoten aus der Versenkung zu Pumpen beginnt. Techno? House? Ja, Leute! Das hättet ihr nicht erwartet, oder? Dieser Track ist so sick! Die heftigen Kopfnick- und Tanzreflexe, die er bei mir ausgelöst hat, werde ich nie vergessen. Musikalisch könnte man hier tatsächlich auch eine Parallele zum Namensvetter ziehen, denn in Chicago hat sich in den 80er und 90er Jahren der House-Musikstil in besonders aufregender Form entwickelt und prägt Generationen von DJs und Musiker*innen bis heute.
„Philadelphia“ bedient sich ebenfalls an einem Genre, allerdings springen wir hier nochmal etwa 100 Jahre zurück und befinden uns in der Oper der Romantik. Gut, das war jetzt hauptsächlich kluggeschissen. Aber dieses immer wiederkehrende, markante Sample des Wortes „Philadelphia“ hört sich nunmal sehr nach klassischem Gesang an. Ich warne hier direkt: Ihr werdet es nicht mehr aus euren Köpfen bekommen. Ihr werdet nie wieder den Namen dieser Stadt lesen können, ohne ihn derartig schwülstig im Kopf mitzuträllern!
In der Pressemitteilung habe ich gelesen, dass auf „The Dream“ alle Vocal-Samples von der Band selbst, sowie von Familie und Freunden aufgenommen wurden. Bei diesem Song kann ich es mir eigentlich kaum vorstellen. Falls es aber stimmt, sollte jene Person vielleicht ernsthaft über eine Bewerbung bei Britain’s Got Talent nachdenken.
„Your reassurances subtitled in American English“
Wer alt-J gerne und oft hört, wird bereits festgestellt haben, dass sie sich auf ihren bisherigen Alben oft an Genre oder speziellen Genremerkmalen orientiert haben. Ganz besonders merkt man eine Affinität zu keltischen/mittelalterlichen Musiken auf „This is All Yours“, die sich in Songs wie „Nara“, „Every Other Freckle“ oder „Garden of England“ besonders zeigt.
Ich meine, auf „The Dream“ auch ein neues, verbindendes Genre herausgehört zu haben: Viele der Songs wirken auf mich sehr amerikanisch. Vor allem der Blues und der Gospel mischen sich hier immer häufiger unter. „Hard Drive Gold“, „Walk a Mile“ und ganz zum Schluss „Powders“, dieser mit seltenem, aber astreinen E-Gitarrensolo, weisen allesamt Bluesstrukturen auf. Der kurze Skit „Delta“ erinnert sogar stark an typische Traditionals, quasi die Vorfahren des Blues. In „Walk a Mile“ gibt es im Text gleich eine typisch amerikanische Sehnsucht als Souvenir mit auf den Weg. Ich stelle mir glühende Hitze, abgelaufene Lederboots und eine laaaange Reise bis zum Ziel vor. Schlagzeuger Thom mag diesen Song übrigens am liebsten:
Je tiefer ich in dieses Album eintauche, desto mehr entdecke ich. Meine Worte können diesem Album letztendlich nicht gerecht werden. Ich will daher gar nicht mehr viele davon verlieren. Ich will, dass ihr das Album hört!
Freut euch auf Melodien, die das Verlangen wieder für ein paar Jahre stillen dürften. Es gibt ikonische Slogans, tolle Geschichten und, nicht zu vergessen, Romantik pur. Denn im Kern geht es um Liebe: Sehr verliebt sein, sehr verletzt sein, sehr irrationale Dinge deswegen anrichten. Ein bisschen wie „Sex, Drugs & Rock’n’Roll“ quasi, aber eher „Love, Drugs, Murder & Blues“. Alt-J machen aus mir den Hauptcharakter in einem Coming of Age-Roman. Egal, wie alt ich bin. Hier darf ich ausnahmsweise alles sehr stark fühlen, ich darf weinen, ich darf über banalen Humor lachen. Und das jetzt schon zum vierten Mal.
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Der Züricher Musiker veröffentlichte vor kurzen die Singles „GTA“ und „Verlür Mi“.
Zugegeben, bei einer Hörgewohnheit von überwiegend englisch- und deutschsprachigen Songs ist Schweizerdeutsch erst ein wenig gewöhnungsbedürftig. Das ist für den Spirit der Songs von Garvan Shvarts aber kein Hindernis, um Hörer*innen in den Bann seiner lyrisch-sphärischen Musik zu ziehen. Dabei schafft er es sogar, den Träumer ein wenig auf die Tanzfläche zu schicken. „Melancholischer Indie-Elektro-Pop zeigt Tanzallüren“ schreibt er selbst.
Sehnsüchtig, hadernd und aufgekratzt
Er selbst war Leadsänger und Gitarrist bei mehreren Punk- und Indie-Bands und kam so 2019 zur elektronischen Musik. Wer seine Musik hört wird auch merken, dass er seine Indie Vergangenheit definitiv nicht leugnen kann – und das ist auch gut so. Seither ist er unter anderem als Support für den Rapper Kryslaufgetreten und konnte vor dem Lockdown noch einige Liveperformances genießen. Die Zeit im Lockdown nutze er für Studiozeit, Kooperationen und Releases. Jetzt sind Anfang 2022 die beiden neuen Singles „GTA“ und „Verlür mi“ erschienen.
Melancholie und zeitgenössische Hip-Hop Thematik
Für Garvan Shvarts begann das Jahr 2022 gleich mit der Veröffentlichung seiner Single „GTA“ am 07. Januar. Sie befasst sich mit der Wut eines jungen Menschen über seine fehlenden Perspektiven.
„ganz Tag gschlafe GTA gspilt
Ghofft dass Insta d’Einsamkeit killt“
Mal ehrlich, wir kennen diese Tage. Man liegt den halben Tag im Bett, hängt die andere Hälfte auf dem Sofa und kommt aus Motivationslosigkeit nicht zur Produktivität. Manchmal braucht man diese Tage, oft hat man sie sich auch verdient. Manchmal ist es aber auch etwas anderes, was einen ans Bett fesselt und das kann auch ein Indiz dafür sein, dass es momentan eine schwere Zeit ist und es einem gerade einfach nicht gut geht.
Dieses Feeling greift Garvan Shvarts in „GTA“ auf und verpasst dem Song damit seine typische, melancholische Thematik. Mit hinzu kommt auch eine Note der Frustration, nicht nur über fehlende Perspektiven, sondern ebenfalls über das Alleinsein.
„mir und mine Brüeder ghört d’Strass Dihei wenig Zimmer viel Lüt name Hass“
Gleichzeitig wird eine klassische aber zeitgenössische Hip-Hop Thematik aufgegriffen. Die Kombination aus einer bescheidenen Wohnsituation zuhause, dem Straßendasein und der ungewissen Zukunft geben „GTA“ ein typisches Motiv.
Die Musik des Tracks selbst lässt zuerst das Potenzial durchschimmern, den angekündigten Tanzallüren gerecht zu werden – das erste, was man hört ist die eingängige Hook. Im Verlauf bewegt sich die Atmosphäre des Songs immer näher zum Thema der Lyrics. Allmählich wird durch die Musik eine Melancholie, gar Desorientierung freigesetzt, die sich später in unterschwelliger Wut und Verzweiflung äußert.
Ein klitzekleiner Teil des Universums
Die zweite Single „Verlür Mi“ ist eine Kooperation mit der Sängerin Dijana Vidovic und kam am 04. Februar. Auch hier möchte ich euch in eine Situation entführen, die viele bestimmt schon einmal gehabt haben. Nach einem anstrengenden Tag oder einer nervenaufreibenden Nacht auf dem Nachhauseweg in der Bahn kommt es irgendwann unweigerlich dazu, dass man anfängt aus dem Fenster zu schauen und ziellos ins Nichts zu blicken. Dabei können die Gedanken zügellos schweifen und sich in Raum und Zeit verlieren.
„Verlür mi iZiit und Ruum während ich usem Zweier lueg Und fühl mi so zimli dumm doch freier will ich, nüt anders muen“
„Verlür Mi“ handelt von einem solchen Szenario. Der Text befasst sich mit Gedanken vom Vermissen und Gefühlen der Schwerelosigkeit. Er kommt zur Erkenntnis, dass der Mensch eingeschränkt ist und das Sein Grenzen aufweist. Man ist nur ein klitzekleiner Teil des Universums. Die Bahnfahrt ins Ungewisse wird zu einer Metapher für den Lauf des Lebens.
Die Musik lädt dabei zum Träumen ein. Sie ist eigentlich sogar der perfekte Soundtrack für ihre eigene Handlung. Träumerisch, belegt ergänzen die Synthies den schweifenden Gesang. Das Herzstück des Tracks bildet der Eintritt des wunderschönen Gesangparts von Dijana Vidovic. Ihre Stimme bringt eine gewissen Klarheit in die sonst von Hall und Echo geprägten Soundscapes.
Am Ende dann gewinnt der Song mit einer aufklärenden Message an noch mehr Aussagekraft.
„Das meh Vielfalt viel meh vibriert Und dasses s’okay isch egal wer wer liebt“
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Auf den Veröffentlichungen ruht sich Garvan Shvarts aber nicht aus. Für die kommenden Monate hat er einiges geplant. Im März erscheinen nicht nur der Videoclip zu „GTA“ und die Long Version von „Verlür Mi“, sondern auch eine weitere Single mit dem Namen „Ikarus“.
Im Mai kommt dann das Album „Mitem Schirmlidrink a d’Demo“ in der Zusammenarbeit mit Krysl und Parakeet. Das Trio nennt sich „Cis Wixer“ und findet sich in den Genres Hip-Hip und Electro-Pop wieder. Gleichzeitig wird Dijana Vidovic im Mai ebenfalls auf der gemeinsamen, angekündigten Single „Sommer of la“ zu hören sein.
Seid gespannt und hört gern mal rein – es lohnt sich!
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Die Londoner Band Palace veröffentlichte vor Kurzem ihr drittes Studioalbum „Shoals“. Wer melancholisch-, träumerischen und sanften Indie-Rock liebt, ist hier genau richtig.
Passend zum Titel des Albums, ziert eine grün-bläuliche Unterwasserwelt das Cover. Damit bleibt die Band ihrer Farbthematik treu, die sich bereits auf den Vorgänger-Alben wiederfinden lässt. Ich finde die Thematik und der Sound spiegelt sich besonders in der Ästhetik der Band wider. Mal davon abgesehen, dass ich es grundsätzlich mag, wenn sich Gedanken um die Ästhetik der Cover gemacht wird. Für Palace spielt der Artwork eine zentrale Rolle, was sich vor allem auf dem aktuellen Album zeigt.
Ein Liebesbrief an die Angst
In ihrem dritten Album Shoals, zu deutsch „Untiefen“, zieht sich das Thema Angst wie ein roter Faden durch die zwölf Songs. Egal ob es um den Verlust eines geliebten Menschen durch den Tod geht („Where Sky Becomes Sea“), oder um nächtliche Ängste und Phobien („Gravity“), in Shoals werden sämtliche Formen der Angst thematisiert. Dabei soll diese nicht unbedingt als etwas Schlechtes dargestellt werden. Sie gehört zum Leben dazu und macht es lebendig. „Untiefen“ – Ich glaube ich hätte keinen besseren Titel für ein Album finden können, das sich mit den komplexen Gefühlen des Menschen auseinandersetzt. Auch das Meer spielt eine zentrale Rolle auf Shoals. Es dient als Metapher für den Geist des Menschen, der eben so tief und komplex ist.
Der Sound von Palace ist träumerisch, ruhig und dennoch dynamisch. Gerade das neue Album vermittelt das Gefühl sich in den Tiefen eines Ozeans zu befinden. Die Songs hören sich gedämpft und schwebend an, wie in einer Welt ohne Zeitempfinden. Palace arbeiten viel mit Hall und Echo-Elementen, sodass alles aus der Ferne klingt. Shoals beginnt mit „Never Said It Was Easy”, ein Track mit viel Klavier und Drum-Sounds, die in das Thema Ängste und Schmerzen einleiten. „Shame on You“, einer der sechs Single-Auskopplungen, ist der zweite Track auf dem Album und im Vergleich viel energiegeladener mit klassischer Bandbesetzung. Besonders der Refrain des Songs ist super harmonisch und stimmig.
Die Lyrics sind einer der Gründe, warum ich bei Palace hängengeblieben bin. Mit ihrer Musik erzählen sie Geschichten und nutzen Metaphern, die es einem manchmal schwierig machen, den Song zu verstehen – aber das muss und soll vielleicht auch nicht. Was ich dabei besonders mag, ist die Art, wie die Band Gefühlszustände und Emotionen in Worte verpackt.
„Sounds insane but I need the pain ’cause it helps me breathe living for the rain.“
Mit „Gravity“ sind wir beim ersten Song gelandet, der von Shoals veröffentlicht wurde. Der Song handelt von Gedanken und Ängsten, die uns in der Nacht wachhalten, solche, die Paranoia in uns auslösen. Es geht um Gedanken, die unsere Existenzen in einem unendlichen Universum in Frage stellen. Gravityist ebenso musikalisch kein „fröhlicher“ Track. Wie ist es wohl im Weltraum belanglos rumzuschweben? Ich finde Gravity gibt so eine monotone und gleichgültige Stimmung wieder, die dieses Gefühl ganz gut beschreibt. „Give Me The Rain“ beginnt mit dem Instrumental, mit dem Gravity aufhört und gehen damit nahtlos ineinander über. Der Track hört sich schon viel positiver an. Das Ängste nichts Schlechtes sind und zum Leben dazu gehören, bringt dieser Song ziemlich gut auf den Punkt. Wir brauchen den Regen, um die Sonne zu sehen, oder wie war das nochmal?
Palace hört sich an wie der Ozean mit all seinen ruhigen und stürmischen Phasen. Das Meer-Motiv zieht sich durch die ganze Diskographie der Band und überall lassen sich Referenzen erkennen. Das wird auf Shoals auch ziemlich deutlich. Die Band Foals kam mir zuerst in den Sinn, als ich zum ersten Mal Songs von Palace gehört habe – weniger Power, mehr Melancholie. Neben Foals sind auch alt-J und James Blake auf ihrer Inspirations-Playlist für das neue Album zu finden.
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Einer meiner liebsten Songs auf dem Album ist „Lover (Don’t Let Me Down)“, der sich mit der Angst vor Verlust und dem Verlassen werden beschäftigt. Irgendwie klingt er für mich wie bedingungslose Liebe, sehnsüchtig, schön, aber dennoch ein wenig traurig – „I would, I would do anything, I will give you everything, ‚cause you make my heart sing.“ Der letzte Song auf dem Album heißt „Where Sky Becomes Sea“ und hört sich musikalisch genauso schön an, wie sein Titel. Die sanfte Gitarrenballade handelt von dem schmerzhaften Gedanken, eine geliebte Person durch den Tod zu verlieren, sie aber dennoch irgendwann wiederzufinden: „When it’s all said and done and we’re rivers that run, will we be together beyond?“ – Palace haben einfach ein großes Talent, diese Gedanken in Worte zu fassen, da bekomme ich jedes Mal Gänsehaut, wenn ich den Song höre.
Shoals ist ein Album über Ängste und ihre verschiedensten Auslöser. Da trifft träumerischer Gitarrenrock auf viel Melancholie und psychedelische Elemente. Die Londoner Band hat sich auf ihrem neuen Album ausprobiert, wobei sie dennoch ihrem alten Sound treu gebelieben sind. Shoals ist der perfekter Soundtrack für gedankenverlorene Tage.
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