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NF zeigt mit „CLOUDS“ warum er mit das Beste ist, was amerikanischer Hip Hop zu bieten hat

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Wir fühlen uns alle in unser Indie-Pop-Rock Bubble super wohl. Hier ist es ja auch einfach unfassbar gemütlich drin, ich lieb’s auch. Aber ab und zu geh ich mal raus gucken, was sonst noch so geht, und da geht so viel! Tatsächlich ist der Künstler hier einer meiner absoluten (und ich mein wirklich absoluten) Herzenskünstler. Noch bevor ich je eine Zeile über Musik geschrieben habe, hat jede Person in meiner Umgebung schon mal einen Monolog zu NF gehört. Jetzt ist er einer der meist gestreamten Künstler weltweit, hat mit seinem letzten Album vor zwei Jahren niemand anderen als Chance The Rapper von der Billboard-Spitze gestoßen und läuft trotzdem immer noch ein kleines bisschen unterm Radar. Macht euch bereit und welcome your next favorite rapper: NF.

 
Rap mit mental health awareness

NF. Einfach nur zwei Initialen hinter denen eine volle Wucht an Gänsehaut-Beats, heftigen Flows und ausgefeilten Lyrics stehen. Tatsächlich ist NF auch einer der wenigen Künstler, wo ich sagen kann: I was here before he was famous. Mit 15 Millionen Streams und 2,8 Millionen Insta-Followern kann man nicht mehr von einem Geheimtipp sprechen – oder? Auch ihr müsstet eigentlich alle Let You Down kennen, NFs erster internationaler Hit, der auch in Deutschland rauf und runter lief. Als ich das zum ersten Mal im Radio gehört hab, muss ich ganz ehrlich zugeben, war ich ein ganz großes bisschen stolz.

NF ist zwar ein mittlerweile sehr erfolgreicher Musiker mit einer starken Fanbase, hat aber auch seine Päckchen zu tragen. Seine Lieder sind persönlich, immer ehrlich und zugegebenermaßen oft sehr traurig. Vor ein paar Jahren wurde er mit einer Zwangsstörung diagnostiziert, hat als Jugendlicher seine Mutter an Drogen verloren und kämpft schon lange mit Depressionen. Das sind alles Sachen, die ihn und seine Texte definieren, aber auch Sachen, die ihn gerade für seine Fans so herausstechen lassen. Dazu ist er noch ein ungemein privater Typ. Er kommt mit Social Media nicht so klar, fühlt sich in Interviews unwohl und mag diesen kleinen Hauch von Mysterium um seine Person. Trotzdem füllt er Hallen aus, sobald er auf Tour geht – weltweit. Und trotzdem verkauft er seine Alben und steht in den obersten Charts – weltweit. Er ist ein Underdog mit mental health problems, der trotz dem ansteigenden Druck immer weiter liefert.

 
Head in the Clouds

Eigentlich macht NF Konzept-Alben, erzählt eine Geschichte und geht damit auf Tour. Doch die Pandemie hat seine Pläne ein bisschen durchkreuzt und so hat er sich dazu entschieden, seine unveröffentlichten Songs in Form eines Mixtapes trotzdem zu veröffentlichen. Und das hat mein 2021 jetzt schon gerettet. Opener Song ist CLOUDS und das müsst ihr euch wirklich ansehen, um zu verstehen:

Es ist nicht übertrieben, wenn ich sage, CLOUDS ist cinematic. Der Aufbau, sowohl musikalisch als auch in seinem Flow, ist einfach unvergleichbar. Und das Musikvideo, es könnte eins meiner absoluten Lieblingsvideos sein. Diese Übergänge?? Alles an CLOUDS ist für mich einfach over the top unfassbar geil. Zugegeben, NF sieht unscheinbar aus, wie ein kleiner Emo-Rapper, dressed all in black. Aber das ist er ja auch. Und gerade deshalb wird er oft unterschätzt und muss sich Hate im Internet geben, weil er über Therapiesitzungen rappt anstatt über fette Autos und Weed. Weil er mehr schwarze Hoodies hat als Goldketten und mehr Selbstzweifel als Money und Bitches. Aber dann droppt er halt auch einfach solche Lines mit einem mehr als scheppernden Beat, der mir auch beim xten Mal noch Gänsehaut gibt:

Who are you kidding?

How could you doubt me, I’ve always delivered

Rippin’ the teeth out of the back of my mouth’s the closest you get to my wisdom

[…] They cover they heads up whenever I drop

Shake the whole industry, put them in shock

Come out the clouds like a meteor rock

Then land on the earth like “ready or not”

Im gleichen Atemzug macht er aber auch klar, dass obwohl er so erfolgreich geworden ist, Hollywood und diese ganze Szene drum rum nichts für ihn ist. NF ist tatsächlich einer der wenigen erfolgreichen Künstler:innen aus den USA, bei dem ich keine Angst haben muss, dass er abheben könnte. Im Gegenteil, er hat sich das alles so hart erarbeitet und auch trotz oder gerade wegen seines Erfolgs noch mehr mit seiner mental health zu kämpfen gehabt, dass ich ihm alles von Herzen gönne. Er hat’s einfach völlig verdient. Und ihm bei seiner Reise zusehen zu dürfen, wie er Album zu Album immer besser wird, war, muss ich zugeben, auch einfach sehr besonders. Und ist es immer noch.

 
“Just chew on this ‘til the records built”

CLOUDS kündigte sein Mixtape Anfang des Jahres an und seitdem hab ich dem Release so sehr entgegengefiebert wie selten. Bevor ich irgendwelche anderen Songs an dem Release-Freitag gehört hab, lief NFs Mixtape ganze zwei Mal durch. Ich war so hyped, ich konnte nichts nebenbei machen. Hört euch den zweiten Song THAT’S A JOKE an und ihr wisst, wieso. Inhaltlich ist es ein slap für die gesamte Industrie und jede*n, die in ihn nicht als vollwertigen Spieler im Rap-Game sehen. Er reflektiert, wie hart er in den letzten Jahren gearbeitet hat und seine Musik dadurch stetig besser geworden ist.

NF, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, untold music, nfrealmusic, nate feuerstein, clouds mixtape, paid my duesDas zeigt THAT’S A JOKE. Diese Power im Song – ich musste wirklich von meinem Schreibtischstuhl aufstehen, so geflasht war ich als ich es das erste Mal gehört hab. Mit Kopfhörern auf voller Lautstärke bin ich durchs Zimmer gesprungen und meine Katzen haben mich angeguckt, als wär ich verrückt. Allein mit der allerersten Zeile macht Nate klar, was Stand ist: I’m not on your radar? Then your radar’s broke. Und jap, unterschreib ich so. Das ist eine andere League, in der NF sich aufhält, es wird niemand so oft mit Eminem verglichen wie er und das zu Recht. Wie er zwischen verschiedenen Flows in nur einem Song switcht, ist einfach unfassbar. Allein in THAT’S A JOKE sind’s – ohne Refrain – sechs. Versucht da mit Genius-Lyrics mal mitzurappen, das geht gar nicht.

 
Ein bisschen Melancholie und cinematische Musikvideos

Während die ersten beiden Songs mich mit ihrer Power komplett weggefegt haben, zeigt der dritte Song die softe und melancholische Seite NFs. JUST LIKE YOU ist unterlegt mit einem Piano und einem vergleichbar sanften Beat. Inhaltlich geht es um die Angst, allein zu sein, ein Gefühl, das viele von uns, trotz so unterschiedlicher Leben, teilen. Nate philosophiert darüber wie klein das eigene Leben wirkt, wenn man den ganzen Tag Selbstzweifel vor sich herschiebt und denkt, man sei sowieso nicht genug, um glücklich zu sein. So krass, wie er auch abliefert, sind das die eigentlichen Kernthemen, mit denen Nate sich beschäftigt. Er hat so viel erreicht und kämpft trotzdem täglich mit den Stimmen in seinem Kopf, die sagen, das sei alles nicht genug. Mit JUST LIKE YOU versucht er, anderen, die sich so fühlen, die Hand zu reichen, und zu zeigen, dass sie in dem Gefühl des Allein-Seins nicht allein sind.

Der nächste Song STORY ist komplett anders zu allem, was NF bisher gemacht hat. Wer sich vorhin das Video zu CLOUDS angeguckt hat, müsste schon den Eindruck bekommen haben, dass der Typ ein Gefühl für geile Musikvideos hat. Und das stimmt auch, alle Musikvideos von NF sind durchdacht und viel mehr als nur eine visuelle Untermalung des Songs. STORY greift diese Liebe auf und macht aber einfach mal einen kleinen Mini-Film draus. Ohne das Video wirkt STORY musikalisch zuerst ein bisschen off, ergänzt sich aber visuell auf eine beeindruckende Weise. Nate verschwindet in einer ausgedachten Narrative einer Frau, die Zeugin eines Raubüberfalls wird. Ist ein bisschen dark, aber ich hab selten ein Musikvideo so gespannt geguckt wie dieses. Absolute Gänsehaut und ich kann’s euch auch wirklich nur ans Herz legen, es ist ne kleine Erfahrung.

 
Mit voller Power und fetten Features in eure Playlists

Anzumerken an dieser Stelle ist, dass unsere Vorstellung der Länge eines Mixtapes nicht der von NF entspricht. CLOUDS beinhaltet ganze 10 Songs. Was für andere mittlerweile eine solide Albumlänge geworden ist, ist für NF ein Mixtape für zwischendurch. Ebenfalls anzumerken sind die Features. Mit Hopsin hat er einen auch absolut fantastischen Rapper mit auf meinen Radar geholt, der da vorher nicht da war. Mit Tech N9ne wiederum hat er sich etabliertes Talent dazu geholt. Wer ein bisschen im Hip Hop unterwegs ist, kam vor allem früher nicht um ihn herum. Beide Features fungieren nicht als Füller auf den Songs, sondern komplementieren sie auf einer Weise, die man einfach feiern muss. LOST und TRUST fügen sich deshalb nahtlos in den neuen Musik-Content von Nate an.

LAYERS zeigt NFs wortwörtliche Layers und gibt uns einen Haufen an Flow-Variationen. Aber auch der Beat hält einen von Sekunde eins am Ball. Wenn ich mir vor Augen führe, dass das nur die Songs sind, die bei ihm so rumlagen und er schon am Arbeiten für’s Album ist, bin ich echt kurz ein bisschen sprachlos. DRIFTING ist wieder ruhiger und vielleicht mein versteckter Lieblingssong auf dem ganzen Mixtape. Erinnert mich alles sehr an die alten „Emo“-Zeiten und treffen deshalb nochmal ganz andere Nerven auch bei mir. Wenn das am Ende dann alles nochmal so intensiv explodiert –

Zum Schluss, und ich bin wirklich sehr aufgeregt, das zu sagen, hat NF keinen anderen Song als PAID MY DUES mit raufgepackt. Hab ich gerade gesagt, DRIFTING sei mein Lieblingslied? Scratch that. PAID MY DUES ist nochmal ein absolut ganz anderes Level und to date, trotz den genialen neuen Content, mein Top1 Lied von NF. Es kam (mit genialem Musikvideo) 2019 als eigenständige Single raus, nachdem sein Album The Search Chance The Rapper von der 1 gestoßen hat. Mit diesem Erfolg kam auch super viel Hate, vor allem aus der Musikindustrie selbst. Artikel und Rezensionen, die sein Album auseinandernahmen, ohne sich eigentlich mit ihm auseinanderzusetzen. PAID MY DUES ist die absolut beste Antwort, die NF da hätte geben können. Auch wenn ihr bis hierhin alles nur überflogen habt und Rap eigentlich nichts für euch ist – bitte hört euch das an. Es zerreißt wirklich einfach alles.

Und damit hör ich auf, denn PAID MY DUES kann man einfach nicht toppen.

(Nachgeschobener Tipp an alle, die durch diesen Artikel NF zu ihren Playlisten zufügen sollten – eignet sich alles sehr für eure Workout-Playlist. Auch das alte Zeug, das ist alles >>)

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