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Twenty One Pilots und ihre neue Single „Shy Away” – Was wirklich dahintersteckt

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Diese Single Review schreibe ich genau 3 Stunden nach Release, an einem durchschnittlichen Mittwoch-Abend. Aber nichts an diesem Mittwoch-Abend ist durchschnittlich. Denn was sich lange angebahnt hat, ist endlich passiert: Twenty One Pilots haben ihre neue Single veröffentlicht. Und ich hör sie seit den 3 Stunden auf Dauerloop. Warum Shy Away musikalisch mit das Beste ist, was 2021 passieren konnte und was Twenty One Pilots da wirklich an metaphorischen Welten mit dem Song ausbauen, lest ihr jetzt. 

 
Welcome to the new era – A Deep Dive

Eine Sache, die man über Twenty One Pilots wissen muss, ist, sie bringen nicht einfach nur Musik raus. Wer sich ein ganz kleines bisschen mit der Band auseinandergesetzt hat (über Stressed Out hinaus), weiß, dass sie eine super enge Bindung zu ihren Fans haben. Seit ihrem Album Blurryface verpacken sie ihre Musik in einem größeren Kontext. Mit versteckten Metaphern und ganzen Handlungssträngen erwecken sie fiktive Charaktere zum Leben und interagieren auch selbst mit dieser Welt. Ich bin zugebenermaßen erst seit ihrem letzten Album Trench völlig dabei. Aber einmal „meaning of trench“ in YouTube eingegeben, kommt ihr in einen Tunnel aus Fan-Theorien zum Album, die euch einfach nur baff vor dem Bildschirm sitzen lassen. Vorab-Warnung für alle, die sich nicht für codierte Nachrichten und Easter Eggs begeistern lassen – ihr dürft runter scrollen, denn hier kommt jetzt ein ganzer Input der Welt hinter Trench und wie sich die neue Ära anschließt.

Also, absoluter Deep Dive jetzt: Schon in Trenchs Vorgängeralbum Blurryface steckte viel mehr drin als nur Stressed Out – nämlich Vorahnungen auf die Welt, die sich uns erst erschließen sollten. Vor Release von Trench tauchten mystische URLs auf, die zu einer Website leiteten. Die kryptischen Nachrichten auf dieser Website waren Nachrichten von Clancy, einem fiktiven Charakter. Eingebettet war auch eine Karte von DEMA, einer Stadt, die von neun Bischofs regiert und kontrolliert wurde. Clancy war in dieser Stadt gefangen und beschreibt in seinen Briefen, wie er selbst alles rund um DEMA erst zu verstehen beginnt. Aus den kryptischen Nachrichten entschlüsselte sich unter Anderem auch EAST IS UP, Lyrics aus späteren Songs. Wenn man das auf die Karte anwandte und sie mit Osten nach oben drehte, richteten sich die neun Bischofs in der Mitte mit den Kreisen vom Blurryface Cover aus und somit auch mit den einzelnen Songs auf dem Album.

Still with me? Ich muss zugeben, ich hab mich zwischendurch auch kurz nochmal verloren. Aber das hat alles einfach so viele Ebenen. So wie auch das letzte Musikvideo der Band aus der Blurryface-Ära, Heavydirtysoul die ganze Geschichte schon andeutete. Dort sieht man wie Tyler, der Protagonist, der uns allen Einblick in die Welt hinter den Songs gibt, aus DEMA flüchtet. Das Musikvideo zu Jumpsuit, der ersten Single aus Trench, knüpft genau dort an und begleitet seine Flucht. In den weiteren Musikvideos zu Nico and the Niners und Levitate wird diese Story visuell festgehalten, also wer Bock hat, hier einfach durchklicken:

Tatsächlich empfehl ich euch diese Videos wirklich, weil dann das, was ich hier so vor mir rumerzähle, auch viel mehr Anhaltspunkte für euch hat. Um es aber schlicht zusammenzufassen: Jeder Akteur in dieser Geschichte stellt etwas Metaphorisches dar. DEMA könnte unsere eigene aus Dämonen geformte dunkle Gedankenwelt sein, die man betritt, wenn man mit mental illness kämpft. Die Bischofs beschützen und kontrollieren diese Stadt, könnten demnach für die Manifestierung unserer Unsicherheiten und Zweifel stehen. Die Banditos, die Tyler bei der Flucht aus DEMA helfen, tragen Gelb, was der ganze Farbcode der Trench-Ära ist und für Hoffnung steht. Trench selbst ist der Ort, den wir durchqueren müssen, wenn wir DEMA verlassen, aber noch nicht ganz auf der anderen Seite sind – das Zwischendrin sozusagen. Die Identität von Clancy ist noch immer viel umstritten, könnte aber für jede Person stehen, die in DEMA gefangen ist und einen Weg raussucht.  

 
Scaled And Icy – Clancy Is Dead

So weit, so gut. Doch wie knüpft hier das neue Musikvideo zu Shy Away an? Nach außen hin war es ein überraschender Release der Band, aber die Fanbase brennt schon seit Wochen. Ihr Banner auf Twitter hat so langsam die Farbe gewechselt und wurde immer blasser, bis ihr Bandlogo genau eine Woche vor Release ganz verschwunden war. Dann kursierten erste Gerüchte einer neuen Website rum, die verkündigte, dass Clancy tot ist. Was dann folgten war ein vermeintlicher Albumname, Leaks einer Tracklist, Live-Stream Daten und erste Promobilder des neuen Albums: Alles unter Vertrieb der DMAORG* wenn man genauer hinsieht. Und warum das erst die ganze Story so richtig in Gang bringt, erzähl ich euch jetzt.

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Album Artwork

Ich könnte jetzt wirklich Millionen Theorien runterschreiben, die sich in den letzten Tagen ergeben haben (Discord ist a rabbit hole). Aber das wäre vielleicht doch ein bisschen viel. Aber ich bin so aufgeregt!! Alles hat eine tiefere Bedeutung und ist einfach so durchdacht. Wo wird man mit Musik noch so entertained? Bottom Line für Shy Away ist aber: Tyler ist zurück in DEMA und das neue Album ist pure Propaganda für die Gefängnisstadt. Der Albumname Scaled And Icy ist ein Anagramm für Clancy Is Dead. Und auf dem Cover für die Weihnachtssingle Christmas Saves The Year letztes Jahr war die Nachricht “SAI is propaganda” versteckt. SAI – Scaled And Icy. Alles einfach nur 🤯


Ebenfalls super suspekt ist den Fans das Aussehen der beiden. Promofotos und auch andere Interviews von Twenty One Pilots waren bisher immer mit Josh links und Tyler rechts – jetzt ist es umgekehrt. Für die Flucht aus DEMA hat sich Tyler die Haare damals abrasiert – jetzt trägt er sie lang. Und beide scheinen Sachen um ihren Hals zu tragen, die, wie damals bei Blurryface, für die Kontrolle von außen zu stehen scheint. Dazu noch das Wording, das neue Logo und die bunten Farben – alles ganz und gar nicht Twenty One Pilots. Außer sie sind zurück in DEMA und werden für Propaganda Zwecke missbraucht.

Falls ihr euch jetzt denkt – was hab ich gerade gelesen??? Dann same. So fühl ich mich. Ich finde es aber beyond faszinierend, dass diese weltbekannte Band neue Musik veröffentlicht, nach außen gefeiert wird, und es aber eine absolute Parallelwelt nur für ihre Fans zu geben scheint. Erzählt mal jemanden, das neue Twenty One Pilots Album ist Propaganda für DEMA und Clancy ist tot. Die gucken euch an wie ihr mich jetzt wahrscheinlich. Aber wie spannend ist diese Geschichte auch, wenn man sich die Zeit nimmt, sie zu erklären??

 
2000s-Indie called, es will seine Hits back

Und damit komm ich auch endlich zum Musikalischen. Shy Away ist einfach nur geil. Twenty One Pilots wissen einfach, wie man liefert. Ich bin ihnen wirklich musikalisch absolut erlegen, sie hätten droppen können, was sie wollen, ich hätte es gefeiert. Aber Shy Away??? Toppt jegliche Erwartungen. Ich bin in Gedanken wieder 14, höre The Kooks und springe durch mein Zimmer. Unten beschweren sich meine Eltern und ich dreh den Indie-Rock auf meinen Boxen lauter. Genau das ist Shy Away. Es hat so einen unvergleichbaren 00s Vibe, dass ich 10 (hypothetische) Euro wette, dass ihr’s auch nur lieben könnt. Auch wenn ihr beim ersten Teil des Artikels nur so Hä was will sie gedacht habt, alles egal. Shy Away ist tanzbarer Indie at its finest und ihr würdet es bereuen, nicht reinzuhören.

Und er hat so viele Ebenen! Von der absoluten Ohrwurm-Hook bis hin zu dem Emo-Rock Drittel am Ende lässt es mich so-viele-Dinge fühlen. Tyler screamt!! Ich bin Mitte zwanzig und meine gesamte Gefühlswelt steht Kopf. Wenn ich Shy Away höre, sind mir auch die etlichen Bedeutungstheorien hinter dem Song und der Ära absolut egal. Es ist mir egal, dass wir uns immer noch in einer Dauer-Pandemie befinden und ich das nächste Mal Live-Konzerte 2023 erleben darf. Mir ist egal, dass es ein Schneesturm durch ganz Deutschland fegt und ich noch zwei Erwachsenenbriefe an meine Krankenkasse schreiben muss. Twenty One Pilots sind zurück und das mit voller Power.

 

Fotocredit: Ashley Osborne

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