Kategorie: untold music

  • Djo’s „The Crux“ ist ein Wimmelbild von dir und mir

    Djo’s „The Crux“ ist ein Wimmelbild von dir und mir

    Spätestens seit dem internationalen Erfolg von „End of Beginning“ aus seinem Debüt Album „Twenty Twenty“ verzehrt sich Joe Keery Bild von „Steve“ aus Stranger Things zu Djo. Der Song erreichte Platz 1 der Spotify Charts und erzählt von Kerrys tiefer Verbundenheit mit Chicago. In der Stadt begann er seine Musik unter dem Namen Cool Cool Cool zu performen und traf andere Musikmachende und trat der Band Post Animals bei. Außerdem wurde er dort für Stranger Things gecasted. Djos Leben spielte sich in dieser Stadt ab, dort endete der Anfang seiner Karriere. Diese Nostalgie, die diese besonderen Orte aus unseren Leben in uns auslösen, ist ein universelles Gefühl, das weltweit – bewiesen durch „End of Beginning„- Anklang findet. Nach so einem Erfolg entsteht häufig der Druck den Erwartungen des Publikums gerecht zu werden. Findet Djo nochmal den Weg in unsere Lieblingssongs?

    Leben ist Gemeinschaft

    „The Crux“ hängt wie ein Ohr am Kopf an dem Hotel, das am Ende der Straße thront. Im Kontrast zur Hektik und Fluidität der Personen auf der Straße, strahlt „The Crux“ Ruhe aus. In der Koproduktion mit Adam Thein, schafft Joe Kerry ein Album. Es handelt natürlich auch von seiner eigenen Geschichte. Djo rückt in den Vordergrund, dass das eigene Leben aus mehr besteht als einem Selbst. Es seien genauso all die Leute, Freundschaften und Bekanntschaften, die es stetig verändern. Angefangen habe es jedoch wie die meisten Pop-Songs: Mit einer Liebesgeschichte. Beziehungsweise ihrem Ende. In diesem Album spürt man wie die Liebe oft als Allegorie verstanden werden kann. Oft sind, meiner Meinung nach, Lovesongs auf andere Lebensbereiche übertragbar und entfalten so neue Perspektiven.

    „Ein gemischtes Popcorn bitte.“

    Die Songs sind vielfältig, dennoch finden sie einen gemeinsamen Kern. Er entsteht durch den „kollaborativen Geist der Musik“, der die Songs durch Beiträge seiner Familie und Freunden zusammenhält. Betrachtet man das Hotel als Film, der zwischen der Perspektive der verschiedenen Hotelgäste springt, fällt es leicht sich in die Song einzufühlen. In Zusammenarbeit mit Neil Krug entwarf Djo die Darstellung des Hotels, mit ihren vergänglichen Gästen, die sich im emotionalen oder spirituellen Umbruch befinden.

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    „Es ist eine Art Schuss an alle, die versuchen, dem Zeitgeist zu entsprechen.“

    Die erste Single, die veröffentlich wurde, ist „Basic Being Basic„. Auf eine humorvolle, aber auch gestochen scharfe Art kritisiert Djo eine Person, die versucht sich von anderen abzuheben. Durch den krampfhaften Versuch anders zu sein, wird man ironischerweise, basic. „What an empty epitaph that is“, Joe Keery merkt an, wie leer der Grabstein, das Vermächtnis, ist, das diese Person hinterlassen wird. Denn nachher würde keiner mehr über Oberflächlichkeiten wie das „picture of your plate“ vom 25.03 sprechen.



    Inspiriert von dem Pop der 60er- und 70er- Jahre

    „Charlies Garden“ ein Track des Albums referriert auf den The Beatles Song „Octopus Garden“ von . Gleichnamig publizierte Djo eine Playlist mit Songs, die ihn zum Album inspirierten. Darunter Musiker wie Stevie Wonder, Marvin Gaye und Bee Gees. Die Klänge dieser Jahrzehnte schimmern im Album immer wieder durch, aber finden dabei ihren ganz eigene Note. So scheint „Charlies Garden“ viel mehr eine Hommage an The Beatles im gesamten zu sein, als allein an „Octopus Garden„. Mit „Charlie“ ist Charlie Heaton gemeint sein. Er hat das Intro für den Song eingesprochen. Außerdem gibt es in „Delete Ya“ eine Referenz zu ihm und der Serie Stranger Things: „Team up with Charlie, take these kids for a ride„. Das erinnert stark an die Serie Stranger Things, in der Charlie Heaton einen der Hauptcharaktere Jonathan Byers den großen Bruder von Mike (Finn Wolfhard) spielt.

    Ausbrechen, Hoffen und Weitergehen

    In „Link“ wird das Bild einer Person gemalt, die den gängigen Weg verlässt. Das Lyrische-Ich spürt den Kontrast zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und persönlichen Erfüllungen. Potion erzählt von Einsamkeit und Hoffnung: „I’m countin‘ on love/When the book is in the final chapter/ Man, it’s always sad to go“. „Fly“ klingt für mich nach einer anderen Version von „The Long And Winding Road“ von The Beatles. Während Djo’s Lyrisches-Ich „must fly/ Fly away from her“, will McCartney‘s „Ich“ zurück zu ihrer Tür. Wer auch bald vor eurer Tür steht ist Djo, denn:

    Djo – Back On You Tour

    Meine Ohren sind begeistert und deshalb freue ich mich mitteilen zu können, dass Djo eine fette Welttournee für 2025 angekündigt hat. Auf der Djo – Back On You Tour wird Post Animal als Support bei allen Tourdaten in Nordamerika, Großbritannien und der EU auftreten. Als Keery nach Chicago zog trat er der Band bei. Ab dem 1. Juni touren sie gemeinsam durch Europa, beginnend in Dublin. Das Album könnt ihr seit dem 04.04.2025 überall hören. Also keine Zeit verlieren und hier hören:

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  • Moon Mirror: 30 Jahre Nada Surf

    Moon Mirror: 30 Jahre Nada Surf


    Es ist ein kalter Dezemberabend, einer der letzten in 2024. Die Hamburger Markthalle ist bis in die letzte Ecke gefüllt und von der Kälte draußen ist absolut gar nichts mehr zu spüren. Kurz vor Weihnachten kommen Nada Surf mit ihrer Welttournee nach Deutschland. Das amerikanische Indierock-Urgestein hat zuvor im September ihr aktuelles Album mit dem Titel „Moon Mirror“ veröffentlicht. Die langersehnte Veröffentlichung ist das erste Nada Surf Album seit vier Jahren und markiert das 30-jährige Jubiläum ihrer Debütsingle. Auf dem Konzert wurden neue Songs und alte Klassiker der Band zum Besten gegeben.


    Beginn mit einem Klassiker

    Wer an Nada Surf denkt, bekommt vermutlich ganz unfreiwillig einen Ohrwurm ihres größten Erfolges „Inside of Love“. Klar, dass dieser Song dann in der Setlist nicht fehlen darf. Zunächst war es allerdings überraschend, dass der Abend mit diesem eigentlichen Höhepunkt eröffnet wurde. Wer jetzt glaubt, das Pulver sei damit direkt verschossen gewesen: weit gefehlt. Der Fokus sollte damit im weiteren Verlauf auf den neuen Songs liegen.

    „Moon Mirror“ zeigt vor allen Dingen eines. Die Band ist sich und ihrem Klang treu geblieben. Nada Surf schaffen es einerseits ein vertrautes Klangbild zu schaffen, das aussagt: „Wir sind immer noch die Indierock-Helden, die ihr kennt und liebt“. Andererseits klingen sie damit nicht redundant oder eintönig. Dieses Album dürfte also Neuentdecker sowie Fans der ersten Stunde gut gefallen.


    Der Song auf „Moon Mirror“, der den Spagat zwischen neuem Stoff und familiärer Gewohnheit am besten abbildet, ist „New Propeller“. Sanft und träumerisch startend nimmt der Song nach einer Minute Fahrt auf und klingt durch Einsetzen der gesamten Besetzung wie das Gefühl der Freiheit, wenn man an einem lauen Sommerabend durch ein Kornfeld spaziert. Zeitweise ist auch genau das im Musikvideo zu sehen. Stark an den eingangs genannten Hit „Inside of Love“ erinnernd, reiht sich „New Propeller“ perfekt in die nach optimistischer Melancholie klingenden Diskographie der Band ein.

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    Schon immer träumend philosophisch

    Sänger und Songwriter Matthew Caws ist bekannt dafür, Philosophien des Lebens in seinen Songs zu verarbeiten. Dabei strebt er kontinuierlich nach mehr, sucht Lösungen und spricht in einer die Natur und Umwelt darstellenden Bildsprache. Auch im Titelsong „Moon Mirror“ hält er sich auf diese Art den Spiegel vor und begibt sich auf die Suche nach einem Freund – oder zumindest nach etwas Vertrautem. Dieses findet er im Spiegel des Mondes und gibt uns nicht nur mit dem Song, sondern mit dem ganzen Album unseren eigenen „Moon Mirror“.


    „Come down, help me make it clearer
    I’ve been waiting for you, moon mirror“


    Zurück in Hamburg wurde das Set für einen kurzen Moment unterbrochen. Matthew steht allein vorne am Mikro, holt einen gefalteten Zettel aus seiner Hosentasche und liest ihn vor. Auf Deutsch. Mit sympathischer und humorvoller Weise kündigt er den nächsten Song an: „In Front of Me Now“. Der etwas kräftigere Popsong hat dabei eine Botschaft, die nach einem guten Vorsatz für das neue Jahr klingt. Konzentriere Dich auf das, was vor Dir liegt und fokussiere Dich auf die eine wesentliche Sache.

    „Moon Mirror“ ist schon jetzt ein neuer Klassiker der New Yorker Indierockband Nada Surf. Reinhören ist in jedem Fall lohnenswert, darum ist untenstehend das Album verlinkt!

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  • artists to watch 2025: Die spannendsten Künstler*innen

    artists to watch 2025: Die spannendsten Künstler*innen

    Gerade waren wir noch Festivals unterwegs und schwupps, gleich ist Weihnachten. Aber davor genießen wir natürlich erstmal die Adventzeit. Und vor allen Dingen, die Adventskalenderzeit! Es gibt auch dieses Jahr wieder special Weihnachtsformate, Livestream-Interviews und Jahresrückblicke, fette Verlosungspakete und natürlich auch: unsere artists to watch 2025!

    Wie es unsere Tradition will, setzen wir (Anna und Jule) uns Anfang Dezember gemeinsam in ein Google Doc und philosophieren über die kommenden großen Newcomer*innen 2025. Das meiste passiert aus einem Bauchgefühl heraus, denn wir sind keine Wahrsagerinnen und die Musikbranche ist unvorhersehbar. Aber unsere Tipps für 2024 waren gar nicht mal so schlecht! Paula Carolina und ENGIN sind euch dieses Jahr doch bestimmt an jeder Ecke entgegen gestolpert, und Blumengarten und Berq wurden beide gerade für eine 1Live-Krone als “bester Newcomer” nominiert, wobei Letzterer sogar gewonnen hat. Larasüß wird auch nächstes Jahr weiter Bühne für Bühne erobern, SERPENTIN hat diesen Sommer die Festival-Bühnen dominiert und Remote Bondage haben ihre Debüt-EP “WIR KOMMEN IN DIE HÖLLE, ABER WENIGSTENS KOMMEN WIR” released, die nur noch mehr Lust auf ihr bald (?) kommendes Debütalbum macht (und allein der Titel hat ein s/o verdient). Soft Loft und Ottolien haben sich noch weiter in unsere Herzen vergraben als vorher (auch hier kommt neue Musik!) und Apsilon hat ein Debütalbum veröffentlicht, das sich wirklich jede*r anhören sollte. 

    Und 2025? Wer wird sich nächstes Jahr erfolgsverdächtig in unsere Playlists, Festivals und Alltagsmomente schleichen? Wir haben uns auf 10 fantastische Artists geeinigt, die ihr unserem Bauchgefühl nach auf jeden Fall auf dem Schirm haben solltet (hier klicken, um parallel zu hören).


    SOFFIE
    01 SOFFIE, Chiara Noemi Müller, untoldency, artists to watch 2025, Newcomerin, Indie, Music, Blog, Musikmagazin

    Wer in diesem Jahr nicht SOFFIE über den Weg gelaufen ist, hat vermutlich auch den Wechsel der Jahreszeiten verpasst. Die Indie-Pop-Newcomerin hat mit “Für immer Frühling” eine Protesthymne geschaffen, die Anfang des Jahres viel bei den “Demos gegen Rechts” gespielt wurde – obwohl der Song eigentlich gar nicht politisch gemeint war. Prompt gab es dafür in diesem Jahr auch eine Nominierung für die 1Live-Krone als “Bester Alternative Song”. Mit ihren inhaltlich schweren, aber musikalisch federleichten Songs hat sich SOFFIE im Laufe des Jahres in die Herzen vieler Fans gespielt und ist Dauergast in der “Wilde Herzen” oder “Deutscher Indie”-Playlist auf Spotify. Aber auch live konnte man sie dieses Jahr fast überall erleben, auf einem der vielen Festivals, als Support für u.a. Mark Forster, Lostboi Lino, Kaffkiez oder Von Wegen Lisbeth oder auf ihrer ersten Headliner-Tour, die 2025 weitergeht – vielleicht ja mit einem Debütalbum im Gepäck? Wir sind gespannt, was das nächste Jahr für SOFFIE bringt, sind aber sicher, dass es nur noch größer und schöner wird. Und in der Zwischenzeit legen wir euch die “Für immer Frühling”-Version mit dem Münchner Rundfunkorchester und ihre Playlist “Kein Staat, kein Patriarchat“ zum feministischen Kampftag ans Herz.


    Zartmann
    02 Zartmann, Luis Frederik, untoldency, artists to watch 2025, Newcomer, Indie, Music, Blog, Musikmagazin

    Zartmann ist “harter und gefährlicher Pop von Berlinerjunge”, so sagt es jedenfalls seine Spotify-Bio. In einem rekordverdächtigen Tempo hat er sich vom Underground-Geheimtipp zu einer großen Nummer gemausert und gehört inzwischen zur Gang rund um Apsilon, Kasi, Aaron, Drumla und Ski Aggu. Auf unserem Radar landete er zum ersten Mal 2021 mit seiner Single “2 Blocks”. Ein Jahr später folgte die “11 bis 2”-EP, die es in die Top 10 der Charts geschafft hat. Nach einem Bruch mit seinem Management und einem Vertrag, der es ihm bis April 2023 nicht erlaubte, neue Musik zu veröffentlichen, erschien 2024 seine “dafür bin ich frei”-EP. Die schaffte es genauso in die Charts wie der Song “wie du manchmal fehlst” mit Ski Aggu und Dauner. Zartmann hat in diesem Jahr einen Haufen an Festivals und u.a. Support für 01099 gespielt. Seine eigene Tour 2024 war dann komplett ausverkauft und auch die Tickets für die 2025 geplante Tour sind bereits weg. Klingt ganz danach, dass hier jemand auf einem aufsteigenden Ast sitzt. Wir freuen uns jedenfalls, ihn beim weiteren Aufsteigen zu beobachten – ihr euch auch?


    Power Plush
    03 Power Plush, Fioni Versace, untoldency, artists to watch 2025, Newcomerin, Indie, Music, Blog, Musikmagazin

    Eigentlich ist es längst überfällig, Power Plush als artist to watch aufzuzählen. Nach ihrer Debüt-EP “Vomiting Emotions” aus dem Jahr 2021 und dem dann 2023 erschienenen Debütalbum “Coping Fantasies” (mit super süßem Cover) hat die Band auf Chemnitz inzwischen so gut wie jede Bühne des Landes bespielt, ob auf Festivals oder als Support für u.a. Kraftklub, Blond, Tocotronic oder Leoniden. Besonders dankbar sind wir aber für den “hot maus summer”, den sie uns gemeinsam mit Gigolo Tears beschert haben – wir waren wirklich nicht bereit. Und deshalb können wir es schon kaum erwarten, bis das neue Album “Love Language” am 25.04.2025 erscheinen wird. Übrigens gehen Power Plush damit dann auch im Herbst 2025 auf fette Headliner-Tour, für die wir ebenfalls jetzt schon die Tage zählen – Vorfreude ist doch schließlich die beste Freude. Der Weg für ein erfolgreiches Jahr 2025 ist also schon jetzt geebnet und wir können euch nur empfehlen, die Band dabei zu begleiten. Es wird sich lohnen, da sind wir uns ganz doll sicher.


    Biig Piig
    04 Biig Piig, Yana Van Nuffel, untoldency, artists to watch 2025, Newcomerin, Indie, Music, Blog, Musikmagazin

    Es gibt natürlich auch wahnsinnige spannende Künstler*innen aus dem Ausland, die wir mit in unsere artists to watch-Liste mitaufnehmen wollen – und müssen! Allen voran möchten wir euch Biig Piig an’s Herz legen. Die irische Neo-Soul-Sängerin dreht mit ihrem einzigartigen LoFi-Hip-Hop-Pop-Mix schon seit einigen Jahren ihre Kreise in unserer Redaktion und sicherlich auch bei einigen von euch. Mit 49 Millionen Streams könnte “Sunny” bereits Teil eurer Sommer-Playlisten sein (falls nicht, dann jetzt!) und auch “Feels Right” ist ein Dauerbrenner mit über 61 Millionen Streams! Am 07.02.2025 ist es dann endlich soweit und ihr wirklich sehnlichst erwartetes Debütalbum “11:11” wird veröffentlicht. Wir sagen: wer Biig Piig jetzt noch nicht auf dem Zettel hat, sollte sie spätestens jetzt draufschreiben. Because this girl is going places.


    Hope Tala
    05 Hope Tala, Erica Devin Snyder, untoldency, artists to watch 2025, Newcomerin, Indie, Music, Blog, Musikmagazin

    “Her vocals are breathtakingly raw yet cautiously controlled, as if she can feel the weight of her words in her chest” – das hat das britische Bricks Magazine über Hope Talas Single “I Can’t Even Cry“ geschrieben und wir können das mehr als unterschreiben. Die Westlonderin verbindet Elemente aus Soul, Bossa Nova und Pop zu ihrem eigenen unverwechselbaren Sound. Mal ruhig und melancholisch, mal hoffnungsvoll und locker schafft es Hope Tala ohne groß Nachzudenken in unsere artists to watch-Liste. Nach einem zweijährigen Hiatus steht die Newcomer*in vor ihrem langersehnten Debütalbum, das sie am 25.02.2025 in die Welt lässt. Wir sind wirklich von Grund auf begeistert und können es kaum erwarten, ihre Gedanken zum Erwachsenwerden, Herkunft, Gemeinschaft und allem zwischendrin zu hören. Erst im Juni hat sie für SZA eröffnet und spielt nächstes Jahr unter anderem auf dem Coachella – da steht also ganz schön was in der Pipeline bei Hope Tala. Genau jetzt ist der Zeitpunkt, hier mit dabei zu sein.


    Greentea Peng
    06 Greentea Peng, William Spooner, untoldency, artists to watch 2025, Newcomerin, Indie, Music, Blog, Musikmagazin

    Wenn ihr bisher Greentea Peng noch nicht kennt, dann ist ebenfalls genau jetzt der Zeitpunkt, die Sängerin aus East London mit auf eure Liste für 2025 zu nehmen. Auch hier gehen die Lyrics tief und auch musikalisch sind wir noch im Neo-Soul unterwegs – der ist aus der UK einfach der beste, was sollen wir machen. Mit einer spannenden Mischung aus R&B, Hip Hop und psychedlichen Klanglandschaften wird Greentea Peng 2025 die Szene aufmischen, weit über die UK hinaus. Den ersten Durchbruch hatte sie 2019 mit ihrer viralen COLORS-Show von “Downers”, danach ist sie vor ihrer Vergangenheit und nach Mexiko geflohen, wollte das Singen aufgeben. Doch stattdessen fand sie dort den Spaß an der Musik und am Leben wieder, tourte mit einer Coverband, kam zurück nach London. Zum Glück! Am 21.03.2025 erscheint ihr kommendes zweites Album “TELL DEM IT’S SUNNY”. Es geht um Selbstfindung, Spiritualität, Heilung, Politik – all das, was uns im Leben beschäftigt. Falls ihr wie wir Fans von Jorja Smith, Joy Crookes oder Lauryn Hill seid, werdet ihr euch bei Greentea Peng sehr wohlfühlen. 


    frytz
    09 Frytz, Johannes Klingelhoefer, untoldency, artists to watch 2025, Newcomer, Indie, Music, Blog, Musikmagazin

    Nach diesem wahnsinnig vielversprechendes Ausflug in die UK, geht es wieder zurück nach Deutschland. Hier wird uns nächstes Jahr vor allem ein Künstler den Kopf verdrehen: frytz. In derselben Bubble wie Zartmann, Bruckner oder Dominik Hartz unterwegs, macht frytz einen entspannten Mix aus Indie-Rap und tanzbaren Beats, und hat uns 2024 in einem Turbospeed als vielversprechender Newcomer überzeugt. Seine ersten zwei EPs “unter meiner Haut” und “Unter meiner Haut, pt. II” kamen dieses Jahr und machen wirklich sehr, sehr, sehr viel Lust auf mehr. Erst als Produzent in die Musikbranche gestartet, hat er sich, zum Glück!, dazu entschieden, aus dem Schatten ins Spotlight zu springen und selbst Musik zu veröffentlichen. Direkt schon als Support für ua. Rikas sehen wir hier sehr viel Potential, die ganz großen Bühnen schon ganz bald alleine zu erobern. Auch wenn das vielleicht noch einen kleinen Schnuff dauert, wird frytzs Reise bis dahin auf jeden Fall eine wahnsinnig spannende sein. Und jetzt schon dabei zu sein, macht doch am meisten Spaß. Oder nicht?


    PaulWetz
    07 PaulWetz, Philipp Gladsome, untoldency, artists to watch 2025, Newcomer, Indie, Music, Blog, Musikmagazin

    Schon seit vielen Jahren zieht PaulWetz die YouTube– und inzwischen vor allen Dingen TikTok-Welt in seinen Bann. Wir waren tatsächlich auch schon Fans von ihm, als er vor drei Jahren noch Staubsauger-Anleitungen vorgesungen hat. Dass er nicht erst seit gestern Musik macht, hat man auch da schon gemerkt. Seit 2022 veröffentlicht er nun auch Songs auf Deutsch, die ihm nochmal eine neue Gruppe an Fans, u.a. auch andere Musiker*innen, beschert hat. So sitzt er z.B. einfach gemeinsam mit Juli im Auto und covert “Geile Zeit” und hat außerdem eine “Ode an den Bass” geschrieben, die uns das ganze Jahr nicht aus dem Ohr gehen wollte. Wer PaulWetz auf seinen Social Media Accounts folgt, hat immer eine gute Zeit. Und diejenigen unter euch, die ihn als Support bei Nina Chuba oder Clueso live gesehen haben, ebenso. Nächstes Jahr geht es auf eigene Headliner-Tour und wir erwarten eigentlich irgendwie auch ein Debütalbum. Vielleicht geht da ja was? Wir bleiben auf jeden Fall dran und ihr solltet das auch tun.


    jolle
    08 jolle, Felix Krüger, untoldency, artists to watch 2025, Newcomerin, Indie, Music, Blog, Musikmagazin

    Bei wem auch auf jeden Fall was geht in 2025, ist jolle. Wir konnten Ende letzten Jahr schon beobachten, wie sich die Hamburgerin einen Weg an die Spitze der Poplandschaft bahnt, dann wurde es kurz still. Nach einem Labelwechsel entstand die “stunde null”: ihre aktuelle EP, mit der jolle im November 2024 neu startet und auch 2025 ganz sicher zu ihrem Jahr machen wird. Ein bisschen Pop, ein bisschen Indie, ein bisschen Rap-Ballade – bei der Hamburgerin trifft das Beste aus all diesen Genres zusammen. Mal mit einem Carlo5-Feature, mal mit Stanovsky – alle Songs von jolle reißen mit und bleiben ewig im Ohr. Dass all das, was wir bisher gehört haben, in diesem Achterbahn-Jahr entstanden ist, gibt uns mehr als große Hoffnungen auf alles, was sie nächstes Jahr für uns in petto hat. Zurückgewonnene Autonomität und der Drang auf allen Bühnen des Landes zu spielen sind hier genau die richtige Kombi. Wir haben Bock!


    Lara Hulo
    10 Lara Hulo, Julie Himmelstoss, untoldency, artists to watch 2025, Newcomerin, Indie, Music, Blog, Musikmagazin

    Unsere letzte artist to watch ist Lara Hulo. Seit 2022 veröffentlicht sie Musik und ist mit ihrem Song “Side B*tch” das erste Mal 2023 viral gegangen. Die in Schleswig geborene und in Berlin lebende Indie-Künstlerin erinnert mit ihrer einmalig kratzigen Stimme an Nina Hagen oder Hildegard Knef. In ihren Songs erzählt sie unverblümt und mit mehr als deutlichen Worten vom Leben als queere junge Frau und vom Suchen, Finden, Festhalten und Verlieren der queeren Liebe. Besonders ihr Song “Für Änni” hat uns in diesem Jahr sehr berührt. Aber eigentlich möchten wir für alle Songs ihrer im November 2024 erschienenen Debüt-EP “Für Lara” eine dicke Hörempfehlung aussprechen. Und alle diejenigen unter euch, die Lara Hulo in diesem Jahr bei einer ihrer vielen Festivalshows, als Support für LUNA und SOFFIE oder auch gerade auf ihrer eigenen Headliner-Tour gesehen haben, wissen, wovon wir reden. Wir sind uns sicher, dass das Jahr 2025 uns noch viele weitere große Momente mit ihr schenkt und können das kaum erwarten.

    Und damit sind artists to watch 2025 komplett! SOFFIE, Zartmann, Power Plush, Biig Piig, Hope Tala, Greentea Peng, fyrtz, PaulWetz, jolle und Lara Hulo. Unserer bescheidenen Meinung nach solltet ihr alle der 10 vorgenannten Artists auf dem Schirm haben, wenn eure Freund*innen nach neuem Musikinput fragen. Im Zweifel schaut einfach bei uns vorbei, wir informieren euch natürlich auch gerne. Viele von ihnen haben kommende Projekte und voraussichtlich alle werden auf Tour sein! Und ihr wisst, always support live music <3 

    Hier könnt ihr klicken, um zu den individuellen Jahresrückblicken unserer Redaktion zu kommen.

    Und hier geht’s nochmal zur artists to watch 2025-Playlist mit direkten Reinhör-Empfehlungen: 

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    SOFFIE: Chiara Noemi Müller | Zartmann: Luis Frederik | Power Plush: Fiona Versace | Biig Piig: Yana Van Nuffel | Hope Tala: Erica Devin Snyder | Greentea Peng: William Spooner | frytz: Johannes Klingelhöfer | PaulWetz: Philipp Gladsome | jolle: Felix Krüger | Lara Hulo: Julie Himmelstoss

  • Louis Tomlinson „LIVE“: Ein musikalisches Tagebuch der letzten drei Jahre

    Louis Tomlinson „LIVE“: Ein musikalisches Tagebuch der letzten drei Jahre

    Seit Louis Tomlinson nach Auflösung der Band One Direction solo unterwegs ist, hat sich einiges für den britischen Sänger getan. Zwei Alben (Faith In The Future und Walls) und viele Live-Auftritte später, meldete sich Louis mit einer ganz besonderen Platte. Im Laufe der letzten drei Jahren auf weltweiter Faith In The Future Tour sowie Louis Tomlinson World Tour wurden viele Erinnerungen gesammelt  – und vor kurzem eine Art Tagebuch dieser Momente veröffentlicht. 


    Sowohl alte als auch neue Lieblinge finden einen Platz

    Bei diesem Tagebuch handelt es sich nicht wirklich um ein Buch, sondern um ein Live-Album der vergangenen Tourneen. Erstmals bereits im April 2024 digital veröffentlicht, ist seit Ende August 2024 auch die physische Version in Form einer Vinyl und CD erhältlich – mit insgesamt vier zusätzlichen Tracks. Fans finden nicht nur ihre Favorites von Louis selbst, sondern auch andere Lieblinge. Während die LP zusätzlich Only the Brave, Kill My Mind sowie High in California enthält, wurde die CD um High In California sowie die One Direction-Single Where Do Broken Hearts Go erweitert wurde. 

    (c) BMG

    Von London nach Vancouver bis nach Buenos Aires und München

    Jeder der insgesamt 17 Tracks wurde in einer anderen Stadt und an einem anderen Datum aufgenommen. Insgesamt spannen sich die Aufnahmen über einen drei Jahres Zeitraum. Was dabei vor allem hervorsticht ist die besondere Live-Energie, die jede Person, die schon mal auf einem Konzert von Louis Tomlinson war, wahrgenommen hat. Die Fans sind unfassbar laut, selbst auf der Aufnahme. Und genauso textsicher – die Leidenschaft, die sie für Louis und seine Musik haben, ist praktisch greifbar. 

    Was diese Veröffentlichung auszeichnet: Man hört nicht, wie bei vielen anderen Live-Aufnahmen, nur den Künstler selbst singen, sondern auch die Fans. Das erschafft den Eindruck eines Chors, eine ganz besondere Atmosphäre kommt dabei zustande. Es wird deutlich, wie viel Spaß und Liebe sowohl die Fans als auch Louis selbst für Live-Auftritte verspüren. 


    Eine Platte mit ganz viel Liebe

    Aber nicht nur die Aufnahmen sind besonders, auch bei der Betrachtung der Vinyl und CD merkt man, wie viel Liebe in diese Produkte geflossen ist. In dem Booklet, das den Produkten beiliegt, sind Nachrichten von Fans abgedruckt. Die Lyrics sind in die Sprachen der Städte übersetzt, in denen sie aufgenommen wurden. Auf Deutsch ist also All This Time / She Is Beauty We Are World Class zu lesen – die Aufnahme wurde in München gemacht. 


    Noch nie war es so einfach, eine ganze Tournee nachzuerleben und die Erinnerungen an unvergessliche Konzertabende wachzurufen. Wer sich die magische Live-Erfahrung nach Hause holen möchte, sollte nicht lange zögern und das Album schnellstmöglich in die eigene Sammlung aufnehmen (hier möglich). Schon allein die Platte sind offensichtlich so viele Gedanken geflossen, dass man sie immer wieder gerne anschaut. Ganz zu schweigen von den Aufnahmen, die man wieder hören möchte. Dieses Album ist ein Muss für jeden Louis Tomlinson-Fan und alle, die die Energie eines Live-Konzerts lieben.

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  • Der weiße Streifen im Monochrom – Albumreview zu „Belaya Polosa“ von Molchat Doma

    Der weiße Streifen im Monochrom – Albumreview zu „Belaya Polosa“ von Molchat Doma

    Die folgende Review kommt von eine unserer liebsten Freundinnen im Musikjournalismus-Kosmos: Annekatrin Schulz von abgefreakt.de. Wie ihr lesen werdet, ist sie riesengroßer Molchat Doma Fan, so wie vielleicht ein paar von euch auch. Die weißrussische Post-Punk/Synthie-Pop Gruppe ist seit ein paar Jahren ein wahre Nischenempfehlung, für alle, die sich in der industriellen und burtal imposanten Ästhetik wohlfühlen. Insowweit man eine Band noch eine „Nischenempfehlung“ nennen kann, wenn sie weltweit als Headliner auftreten und heute ihr bereits viertes Album veröffentlichen. Was die Gruppe und ihr Sound so interessant machen, erfahrt ihr jetzt. Von Fan zu Fan:

    der weiße streifen im monochrom

    Ich habe den Titelsong des neuen, vierten Albums von Molchat Doma mittlerweile so oft gehört, dass ich nachts von der Gitarrenmelodie träume. Белая полосa / Belaya Polosa – Weißer Streifen. In das detaillierte Klangbild einer Sci-Fi Zentrale aus glattem Metall mit blinkenden Kontrollleuchten + mantrahaft repetitiven Mechanismen + metamorph aufsteigendem Dunst integriert sich langsam diese Gitarrenmelodie. Und bringt ein schmerzendes Gefühl in die kühle Umgebung und gleichzeitig eine schimmernde Hoffnung. Ein weißer Streifen am schwarzen Himmel – vielleicht durchbricht in der ersten Textzeile hier metaphorisch die Hoffnung als Lichtstrahl die trostlose Dunkelheit. Inspiriert vom ständigen Wandel des Lebens + dem Kommen und Gehen + der Verlagerung von Interessen, Bedenken, Zielen repräsentiert dieser Song nicht nur musikalisch, auch thematisch treffend die Stimmung des gesamten Albums.

    im umbruch / im aufbruch

    „Molchat Doma, band from Minsk“, so kenne ich die aufs Wesentliche reduzierte Vorstellung der Band bei ihren Konzerten. Nach extensiven Touren, die Molchat Doma weltweit in den Headlines jeglicher Festivals und Venues verorten, ließ sich das Trio nun in Los Angeles nieder. Auch wenn die Arbeit an dem Album bereits in ihrer Heimat Weißrussland begann, so zieht sich sich das Sentiment des Umbruchs / Umzugs / Umgangs mit erheblichen Veränderungen durch das aktuelle Werk. In diesem Kontext begleiten wir das lyrische Ich in den Songs dabei, wie es sich von einst geliebten oder vertrauten Menschen trennt + Bekanntes zurücklässt für einen Aufbruch ins Unbekannte + einen Sinn im konstanten Wandel sucht.

    Molchat Doma, cargo records, belaya polosa, untoldency, album review, music magazine, abgefreakt.de
    im kreis / in pyramiden

    Die prominenten Gefühle von Schmerz, Melancholie, Resignation werden durch hoffnungsvollere, umarmende Momente gebrochen mit der Erkenntnis, dass sich in Bewegung befinden auch kreislaufartig bedeutet: aus Vertrauten werden Fremde, doch aus Fremden werden wiederum Vertraute und mit dem Ablegen alter Sichtweisen werden gleichzeitig neue Perspektiven geschaffen. Dafür steht ebenfalls das Symbol der Pyramide, das in den Musikvideos zum neuen Album wiederkehrt – Grabmal zugleich Zeichen des Beginns einer Reise, Unendlichkeit.


    Ein Kreis schließt sich auch musikalisch. Ihr Umzug in die USA spiegelt sich im Sound der Band wider und wird, wie bereits vor Jahren in Interviews angekündigt, in die 90er fortgeführt. Die Bereitstellung von und breite Auswahl an Equipment und Instrumenten münden in einer ausgefeilten Produktion, die wenig mit dem 2017 Debüt der Band gemeinsam hat und sich trotzdem mit jedem Song anfühlt wie eine Heimkehr. Vor allem die der schwermütige Gesang und die hallenden Gitarrenmelodien ziehen einen roten Faden durch das Schaffen der Band, das nun zusätzlich durch unzählige auditive Details und Effekte geschmückt wird.

    im schwarz-weiß / in strukturen

    Die Band bedient sich an verschiedensten industriellen Klängen und Mustern, die an Motoren, Kraftwerke oder Turbinen erinnern. Ab und zu erscheinen glitzernde Töne, unkenntlich geschichtete Töne, in die Distanz verschwindende Töne. Die Songs fühlen sich so greifbar an, als wären sie in dreidimensionalen Strukturen komponiert, als würde man während des Hörens eine raue Häuserfassade streifen. In Kombination mit dem bekannten dystopisch Klang der Band ruft auch das neue Album unweigerlich die Assoziation brutalistischer Ästhetik hervor. Alles findet mehr denn je in einer monochromen Grauabstufung statt – sogar sie Songtitel sind ein Wechselspiel zwischen schwarz und weiß – Weißer Streifen (4. Белая полоса), Schwarzen Blumen (6. Черные цветы), Winter (10. Зимняя), Hoffnungsloser Walzer (5. Безнадежный вальс). Dieser Kontrast – um im Rahmen wieder auf den Titelsong des Albums zurückzukommen – wird im dazugehörige Musikvideo von Belaya Polosa visualisiert schwarz-weiß + kalten-fiebrig + nostalgisch-futuristisch.

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    Das neue Album könnt ihr jetzt überall da hören, wo ihr am liebsten eure Musik hört. Viel Spaß!

    Fotocredit: Alina Pasok, Karim Belkasemi 

  • Eine EP wie ein Poesie Album: Jakob Longfields „Of Daydreams And Letting Go“

    Eine EP wie ein Poesie Album: Jakob Longfields „Of Daydreams And Letting Go“

    Kennt ihr diese Songs, die euch immer wieder an den einem Moment erinnern? Vor allem im Sommer gewinnen solche Songs oft an Bedeutung. Der Sonnenuntergang am Strand oder der beste Party-Abend seit langem – und bei dem einen Song erinnert ihr euch immer wieder dran. Das funktioniert genauso gut wie ein Poesie Album voller schöner Momente, die dadurch auf ewig festgehalten werden.

    Ein Poesie Album voller schöner Erinnerungen – so klingt „Of Daydreams And Letting Go“ von Jakob Longfield. Alle Indie Folk Liebhaber*innen aufgepasst: Vielleicht liefert diese EP ja genau den Soundtrack für euren nächsten Roadtrip? Wir sehen da auf jeden Fall großes Potenzial!

    Die Musik von Jakob Longfield reiht sich ganz unbemerkt in eine Playlist zwischen Größen wie Of Mosnsters And Men, Bon Iver und Mumford & Sons ein. Nostalgisch, verträumt und trotzdem mit einer Menge Ohrwurm-Potenzial. Jakob Longfield steht für die Höhen und Tiefen des Lebens, die sich in seiner Musik widerspiegeln. Seine Lieder vereinen introspektive Texte mit rhythmischen Gitarrenklängen und werden vom Gesang getragen. So auch auf der EP „Of Daydreams And Letting Go„, die wir für euch unter die Lupe genommen haben.

    Für Fans von Of Monsters And Men, Bon Iver und Mumford & Sons

    Der erste Song auf der EP ist quasi Programm „Daydreams (with M)“ start verträumt, bleibt verträumt und hinterlässt uns verträumt. Organische Indie-Folk-Elemente ziehen sich durch den Song, der in einer Berliner Wohnung als Duett entstanden ist. Und genau diese Intimität schafft es, die Spannung von der ersten bis zur letzten Sekunde aufrecht zu erhalten. Jakob Longfield erzählt von Tagträumereien und dem inneren Konflikt zwischen eigenen Vorstellungen und der Realität. Mit seinem warmen Gefühl eignet sich der Song perfekt für lange Sommerabende.

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    „Not Sure Anymore„, die zweite Single, macht genau da weiter, wo der EP-Einstieg mit angefangen hat: Er verbindet ebenfalls organische Indie-Folk-Elemente mit einem treibenden und komplexen Sound. Der Song thematisiert das Erwachsenwerden, geplatzte Träume und eine Abwärtsspirale, die einer Depression gleicht. Damit werden wir aber nicht alleine gelassen. Trotz der schweren Themen vermittelt die warme Produktion eine hoffnungsvolle Botschaft, dass letztlich alles gut wird.

    „we let go, if you want to“

    „Morning Light“ entstand, so erzählt Jakob Longfield, inspiriert von einer spirituellen Erfahrung während einer Alpenüberquerung im Sommer 2023, die Jakob als eine der intensivsten und glücklichsten Zeiten seines Lebens beschreibt. Der Song fängt die Magie eines Wandertages ein, bei dem Jakob vor Sonnenaufgang aufbrach, um innere Ruhe zu finden – und dabei nimmt er uns mit. Durch den Song hindurch sind Geräusche von Vögeln, Schritten, Regen und Wasserfällen zu hören, die der Songwriter selbst auf seiner Wanderung aufgenommen hat.

    „Good Enough“ schließt die EP mit einer klaren und ermutigenden Botschaft ab: Ich bin gut genug/“I’m good enough“. Der Song erzählt von den Herausforderungen und Unsicherheiten des Lebens, aber auch von der Erkenntnis und Akzeptanz der eigenen Stärken. Der Song hinterlässt ein Gefühl des Loslassens und der Zufriedenheit. Dieses Gefühl zieht sich wie ein roter Faden durch die EP und bringt eine magische Leichtigkeit mit sich.


    Inspiration: Alpenüberquerung und viel Zeit mit sich selbst

    Die Entstehung und Inspiration der EP „Of Daydreams And Letting Go“ sind eng mit Jakob Longfields persönlicher Reise und seiner Alpenüberquerung verknüpft. Diese 11-tägige Wanderung im Sommer 2023 war prägend für die EP und findet sich nicht nur in den Texten und der Bildwelt, sondern auch in der Musik und Produktion wieder. „Of Daydreams And Letting Go“ ist für Jakob eine musikalische Einladung, die eigenen Träume und Ängste zu erkunden und letztlich loszulassen, um Platz für neue Erfahrungen zu schaffen.

    Egal, ob ihr euch in endlosen Tagträumen verliert oder Mut schöpft, euch Ängsten zu stellen – die EP „Of Daydreams And Letting Go“ von Jakob Longfield könnte dafür euer Begleiter werden. Von uns gibt es auf jeden Fall eine fette Empfehlung:

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    Fotocredit: Yannick Beringer

  • BLVTH sucht auf auf neuem Album „YIN YANG“ seine Balance

    Zerrissen versus ausgeglichen, untröstlich versus zuversichtlich, erschöpft versus enthusiastisch, yin versus yang – BLVTH findet auf seinem neuen Album „YIN YANG“ nicht trotz, sondern aufgrund der Gegensätze näher zu seiner Mitte. Auf seiner musikalischen Reise durch das eigene Innenleben weisen ihm die verschiedensten Emotionen den Weg zu sich selbst. In der Verzweiflung manch eines Songs findet sich zugleich das tröstende Gefühl verstanden zu werden. Wer wirklich in „YIN YANG“ eintauchen will, erklärt sich vorher bereit, mit sich selbst in Therapie zu gehen.

    „Ich bin Niemand!“
    Blvth, Roberto Brundo, Yin Yang, Album, Release, Music, Blog, Untoldency, Cover Art

    Meditative Klangflächen formen sich im Intro allmählich zu einer Klangmasse während umgekehrte Sounds die Zeit zurückspulen und auf Start setzen. Start ist in diesem Fall die erste Single und zugleich der erste Song des Albums „NOBODYNOONE“. Erwachsen aus dem Intro veranschaulicht der Track die Zerrissenheit des Sängers und entwickelt sich über zwei Strophen und Interludes hinweg zum Refrain – der Ausgangslage der LP:

    „I don’t wanna be someone you want me to be
    Please someone set me free, erase my memory”

    So let me go!

    Mit “I WOZ HOME” beginnen die tanzbaren Tracks des Albums. Auf einem zu schnell geratenen House-Beat wiederholt BLVTH das folgende Mantra und dreht sich inhaltlich wieder um das Loslassen und Freimachen umgebener Störgeräusche:

    “So let me go
    Cause I was home
    But you’re not done
    With me, oh no”

    Kampf der Klänge

    „RIOT“ entfesselt anschließend die Emotionen und gewinnt eine neue Intensität. Der an alte BLVTHeske Hip Hop-Zeiten erinnernde Beat mischt sich mit verzerrten Sounds und treibt zielstrebig nach vorn. Der Name hält sein Versprechen, denn der Song motiviert zum Aufstand ehe er sich in einer gewissen Klarheit auflöst. „ALL THAT KILLING“ holt den nie alt werdenden Signature-Sound BLVTHS zurück, nämlich den warmen Klang melancholisch-dramatischer Gitarrenakkorde. Dazu Drums? Überflüssig! Die Gitarre ist Atmosphäre und Rhythmus in einem. Ergänzt durch die perfekte Delivery der Features bildet dieser Song zusammen mit „REAPER“ das Herz des Albums.

    Der beste Song!

    Von BLVTH selbst angeteasert als der beste Song seiner Karriere, eilen „REAPER“ einige Vorschusslorbeeren voraus. Doch diesem Druck wird der Song gerecht. Die auf diesem Album fast schon altertümlich wirkende Songstruktur und Instrumentierung überlassen zum ersten Mal den Lyrics das Spotlight. Ein klarer Schlagzeug-Beat, ein simpler Basslauf und begleitende Gitarrenakkorde lassen dem Gesang den Raum, den er verdient. BLVTH wandelt auf „REAPER“ an der Grenze des Lebens und ist sich paradoxerweise bei niedrigem Puls seiner selbst so bewusst wie noch nie. Der Track erkundet Gefühle des Verlust, der Angst, der Trauer – aber auch der Erlösung und der Gewissheit. Die letzten 30 Sekunden des Songs überlagern sich allmählich die verschiedensten klanglichen Emotionen, ehe sie sich über den Drums wieder auflösen.

    Was kann BLVTH nicht?

    Zum Ende des Albums erstarken erneut die 4-on-the-floor-beats. „BREAK AND FIX“ marschiert nicht sonderlich schnell, aber bestimmt nach vorn‘. Die Message steckt im Titel und dreht sich erneut, um Gegensätze und neue Anfänge. „IN THE MIDDLE“ belichtet anschließend die poppige Seite des Sängers. BLOODMOON schwebt auf hohen Tönen über den von BLVTH produzierten Beat. Die beiden Artists liefern den perfekten Song, um im Cabrio dem Sonnenuntergang entgegenzufahren, während der Wind seicht durch die Haare zieht.

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    TikTok type music

    Track 11 und 12 des Albums verarbeiten vorangegangene Songs des Albums. Während „I WOZ DONE“ eine slowed Version von „I WOZ HOME” ist und an die Klänge der NNDW erinnert, beschleunigt „NOBODYNOONE – BLVTH ON SP33D REMIX“ seinen Namensvetter und transformiert den Originalsong zu einem stampfenden Disco-Hit. Das erneute Aufgreifen dieses Songs schließt den Kreis zum Anfang der LP und setzt den Lauf der Zeit wieder auf null: „Please someone set me free, erase my memory”). Zuletzt verfliegen die letzten Gedanken auf „PLASTIC DREAMS“.

    Meditationsreise

    „YIN YANG“ ist ein Album weniger Worte. Stattdessen fühlen sich die Texte eher nach kreisenden Gedanken an. Nur sporadisch bricht der Zyklus und es bilden sich klare Sätze. Doch dies ermöglicht es, vollkommen in die Leere einzutauchen. Dieses Album gibt es Platz die Musik zu entdecken und darin uns selbst.
    Unsere einzige Kritik: es ist viel zu schnell vorbei!

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    Fotocredits: Roberto Brundo & Bennet Henkel

  • Kabinett nehmen uns auf ihrer EP „Blackout“ mit in eine düstere Clubnacht

    Kabinett nehmen uns auf ihrer EP „Blackout“ mit in eine düstere Clubnacht

    Versetzt euch einmal in folgende Situation: Es ist Wochenende, ihr seid mit euren Freund*innen unterwegs in einem coolen Szene-Club. Es ist dunkel, der Bass hämmert, ihr habt eine gute Zeit. Trotzdem kreisen viele Gedanken durch euren Kopf. Euer Bewusstsein wechselt zwischen „im Moment leben“ und „jedes kleinste Detail zerdenken“. Den perfekten Soundtrack für diese Situation liefert die Indie-Rock-Band Kabinett mit ihrer EP „Blackout“. Dazu sagt die Band selbst: „Nachdem wir mit unserer „Not About Us„-EP zunächst ein sehr weites Feld an unterschiedlichen Sounds und Genres erkundet haben, wollten wir uns mit „Blackout“ mehr auf eine Stimmung und eine musikalische Idee fokussieren.“

    Kabinett – wer ist das eigentlich? Fünf Jungs aus Mannheim, die Indie-Rock mit immer neuen Facetten auf die Bühne bringen. Die Band wurde Ende 2019 ins Leben gerufen. Ihre Debüt-EP „Not About Us“ erschien 2023. Mit der aktuellen EP „Blackout“ wird es düsterer und rockiger. Ein Sinneswandel? Wohl eher nicht, aber dafür eine Reise, auf die wir mitgenommen werden.

    Erwachsenwerden in vier Songs

    „Es klingt deutlich weniger nach Pop, eventuell auch weniger experimentell, dafür aber erwachsener und in gewisser Weise auch bestimmter. Es ist nicht nur eine Aneinanderreihung von Songs, die zufälligerweise auf einer EP landen, sondern eine emotionale Reise. Das war uns bei dieser Produktion besonders wichtig, denn wir wollten in erster Linie ein emotionales Werk schaffen. Inhaltlich ist es daher auch deutlich persönlicher als zuvor – die Geschichten haben teils autobiografische Inhalte“, erklärt Manuel Freund, der Mann hinter dem Synthesizer.

    Der erste Track ist der namensgebende Song „Blackout“. Der Beat gibt das Tempo vor und bleibt garantiert hängen. Denn „Blackout“ zieht seine Hörer*innen direkt mit sich und entlässt sie nur schwer aus seinen Fängen. Das könnte dran liegen, dass die beschriebene Situation so authentisch ist, dass sich jede*r hineinversetzen kann. Der Song fängt eine belanglose Clubszene ein und wird dabei von einem durchgehenden Synth-Riff getrieben, liefert mit fetten Drums und Bass eine düstere Grundstimmung und wird vom rauchigen Gesang des Sängers vollendet wie eine Symphonie.

    „Moonrise“: Die Partynacht ist vorbei. Der zweite Titel der EP von Kabinett baut eine Brücke zurück in die Realität. Sanfte Synthesizer und Gitarren-Sounds klingen wie das Aufwachen aus einem Fiebertraum. Gesang? Fehlanzeige, denn „Moonrise“ kommt komplett ohne Vocals aus. Eine Minute und 33 Sekunden gibt uns die Band, um für den Wechsel.

    Weiter geht’s mit „Ama Wave“ und einem dunklen, melancholischen Song. Ich fühle mich, wie am Morgen danach: Leicht verkatert, Laune mies, alles zerdenkend. Soundlich bleibt hier alles sehr minimalistisch. Auch die Stimme des Sängers bleibt leicht gedämpft und spielt der Melancholie in die Karten. Ich kann gar nicht anders, als mich in meinen Gedanken zu verlieren. Schlagzeug und Gitarre treten immer mehr in den Vordergrund und lassen auf ein dramatisches finale des Songs deuten – das bleibt allerdings aus. Stattdessen gibt’s ein ruhiges Ende, fokusiert auf die Stimme.

    Ein musicalreifer Abschluss mit „Pablo“

    „Pablo“ erinnert an den Soundtrack eines Musicals. Durch den noch immer düsteren Sound und die verspielten Keys stelle ich mir eine Horde Vampire vor, wie sie auf den Streifzug zu ihrer nächsten Mahlzeit durch die dunklen Gassen einer amerikanischen Großstadt tanzen. Ein sehr spezifisches Bild, aber genau das löst „Pablo“ bei mir aus. Dabei ist der Song total persönlich. Eindringlich ruft der Sänger Sätze wie „What is wrong?“ in das Mikrofon und singt sich gegen Ende immer mehr in Rage. Im Hintergrund wird irgendetwas Unverständliches geflüstert. „Pablo, calm down“ – doch das schafft auch der Song erst in den letzten Sekunden und hinterlässt ein aufgewühltes Gefühl und offene Fragen.


    Für Kabinett ist es der erste so richtig persönliche Release. Das kann erst einmal gruselig sein, aber: „Der Release fühlt sich einfach nach dem richtigen nächsten Schritt an. Auch ein bisschen wie Erwachsenwerden. Wir haben uns für unsere Verhältnisse ganz schön geöffnet und angreifbar gemacht, aber wir stehen hinter jedem Track und freuen uns, sie mit der Welt zu teilen“, so lautet das Resümee der Band.

    Und jetzt? „Bei uns passiert zurzeit aber einfach so viel, da bleibt leider keine Zeit, sich darauf auszuruhen oder so richtig abzuschließen mit einem Projekt – zumindest mental. Wir sind direkt an der Planung der nächsten Projekte und machen zumindest musikalisch und inhaltlich keinen Stopp auf unserer Reise.“

    Alles klar, jetzt müsst ihr also nur noch die aktuelle EP „Blackout“ streamen bis neue Musik von Kabinett rauskommt. Auf geht’s:

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    Fotocredit: Laura Vollweiler

  • „I’ve just been on a journey of loving myself“– girl in red mit „I’M DOING IT AGAIN BABY!“

    „I’ve just been on a journey of loving myself“– girl in red mit „I’M DOING IT AGAIN BABY!“

    SHE’S DOING IT AGAIN BABY! – Die norwegische Künstlerin girl in red ist zurück mit ihrem zweiten Album und schafft damit einen würdigen Nachfolger ihres Debüts „if i could make it go quiet“ (2021). Der Release des zweiten Albums ist immer schwer, vor allem, wenn das Erste durch die Decke ging. Die Erwartungen waren also hoch – so auch bei mir, als ich das erste Mal in das neue Album reingehört habe. 

    Seit der Veröffentlichung ihres Debütalbums sind ein paar Jährchen vergangen, die auf der neuen Platte deutlich zu hören sind. Ihre Stimme ist klarer, die Stimmung positiver und selbstbestimmter. Was gebelieben ist, sind die ehrlichen und humorvollen Lyrics, die einen intimen Einblick in den Kopf von girl in red geben. Selbstbewusst, energievoll und trotzdem sensibel erzählt das Album von Selbstliebe, der Liebe für das Leben und einen ganz besonderen Menschen in ihrem Leben. Dabei klingt die Platte vor allem selbstreflektiert.


    „I’m on a new level, something’s got me feeling so good (I could be inflammable, and I might be), My energy is through the roof (I’m gonna light it up) Yeah, nothing’s gonna stop me now“

    SHE’S BACK 

    Schon der Titel „I’M DOING IT AGAIN BABY!“ zeigt, wie viel Entschlossenheit und Positivität im neuen Album steckt. Dabei ist der Sound immer noch typisch girl in red, im Gegensatz zum Debüt sind die Songs jedoch ein wenig abwechslungsreicher. Im gelungenen Opener „I’m Back“ beschreibt Marie den Prozess nach ihrer Depressionserkrankung, wieder zurück zu sich selbst gefunden zu haben. Die verspielte Klavierballade lässt das Album schon von Beginn an selbstbewusst und hoffnungsvoll klingen.


    Der Titeltrack „I’M DOING IT AGAIN BABY!“ ist die Hymne des Albums und ein Song, den man so bisher noch nicht von der Künstlerin gehört hat. Dieser strahlt nur so vor Selbstliebe und Energie, ein Song, der einfach nur Spaß macht. Thematisch knüpft „I’M DOING IT AGAIN BABY!“ an „I’m Back“ an. Das Gefühl, sich gut zu fühlen, äußert sich dort auf eine schräge, überdrehte Art und Weise.  

    Die ersten Klänge von „Too Much“ haben mich sehr an das erste Album erinnert. Hier verarbeitet die Norwegerin, dass sie von außen immer als „zu viel“ wahrgenommen wird. Obwohl in dem Song auch ein wenig Traurigkeit steckt, vermittelt er viel mehr ein Gefühl von Ermutigung, dass man genau so viel sein kann, wie man eben muss. „Phantom Pain“ ist ein energie- und humorvoller Song über das Verliebtsein. Kann man Herzschmerz bekommen, obwohl man die Person nicht mal richtig kennt? girl in red bezeichnet dieses vermeintliche Gefühl von Herzschmerz als „Phantom Pain“, das sie nach einer Abweisung beim Kennenlernen ihrer Freundin verspürt hat. 


    Musikvideo zu „Too Much“

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    „You Need Me Now?“ ist das einzige Feature auf dem Album und ein weiterer Empowerment-Song. Zusammen mit Sabrina Carpenter erzählt girl in red von einer toxischen Ex-Beziehung, die sie hinter sich lassen möchte. Gerade der treibende Sound und die Rock-Elemente machen den Song zu einer Feier der Selbstpriorisierung. Ob das Feature nötig gewesen ist, darüber lässt sich allerdings streiten. Nun fehlt noch der Song über die eine große Liebe. „A Night To Remember“ handelt von der Nacht, in der Marie ihre Freundin kennengelernt hat: „Can you feel the chemical reaction? You triggered my desire and attraction, everything in me wants this to happen“. Ein typischer girl in red Song, der als langsame Ballade beginnt und später lebendig wird.


    „It was a night to remember, nothing ever felt like, The moment I met her, I met the rest of my life“


    Meine zwei Favoriten auf dem neuen Album sind unter anderem „Pick Me“ und „New Love“. Beide Songs mag ich vor allem in musikalischer Hinsicht. Die melodievolle Klavierballade „Pick Me“ baut eine Dramatik im Song auf, die zum ersten Mal nach Sehnsucht und Schmerz klingt und thematisch wieder an das letzte Album erinnert. Mit dem vorletzten Track „New Love“ möchte Marie ein Kapitel schließen, dass sich vermutlich auch auf die Thematik von „if i could make it go quiet“ bezieht. Die gleichbleibende Dynamik und das lange Outro lassen den Song demnach als guten Abschluss stehen.

    girl in red hat mit „I’m Doing It Again Baby!“ ein hoffnungsvolles und ermutigendes Album geschrieben, das Selbstliebe und -achtung in den Fokus nimmt, Selbstreflexion thematisiert aber auch über Ängste und Schmerz spricht. Das neue Album klingt nach girl in red, ehrlich, verspielt und nun auch selbstbewusster.

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    Foto Credits: Heather Hazzan

  • „Here I fuckin’ go again“ – Fletcher ist zurück mit ihrem Album „In Search Of The Antidote“

    „Here I fuckin’ go again“ – Fletcher ist zurück mit ihrem Album „In Search Of The Antidote“

    „Here I fuckin’ go again“ – mit diesen Worten startet FLETCHER in ihr zweites Album „In Search Of The Antidote“. Bekannt für ihre unvergleichlich kontroversen Lyrics und komplexe Themen wie Identität, Ego und Selbstverwirklichung hat sie auch mit „The Search Of The Antidote“ ein solches Werk geschaffen. Nachdem sie sich im letzten Jahr aufgrund gesundheitlicher Probleme etwas aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat, ist sie jetzt mit altbekannter Offenheit, Selbstreflexion und Selbstbewusstsein zurück.


    It’s messy and ugly and healing

    Das Album hat etwas von einem persönlichen Beichtstuhl. FLETCHER kommt von einem Platz kompletter Freiheit – eine Freiheit, die daraus stammt, alles zu fühlen und sich diese Gefühle zu erlauben. Was andere zurückhalten würden, weil es nicht ihre stolzesten Momente oder Gedanken sind, spricht sie gnadenlos aus. Sie schafft es immer und immer wieder, das Chaos und die Unordnung, die bei der Suche nach sich selbst und der Liebe entstehen, abzubilden. Es ist messy, es ist chaotisch und es werden – teils viele – Fehler gemacht. Aber es ist echt.


    „Hopin‘ you stay broken hearted
    but that’s just my ego talking“


    Vom Lernen & Wiedergutmachen

    Während FLETCHER in ihrem Debütalbum „Girl Of My Dreams“ noch mit Songs wie „Becky’s so hot“ und „Suckerpunch“ vor Selbstbewusstsein zu strotzen schien und auch mit „I Love You, Bitch“ und „Girl of My Dreams“ Selbstliebe zum zentralen Thema machte, spricht „In Search Of The Antidote“ mehr von Unsicherheiten, vom Lernen und Wiedergutmachen. Sie verschweigt und beschönigt nichts. Sowohl der Sound des Albums als auch die Texte sind an manchen Stellen ungeschliffener, rauer. Dazu gehören auch stimmliche Unvollkommenheiten, welche die starken Emotionen durchkommen lassen, die hinter den Songs stecken.

    Diese Message ist aber keine, die man direkt auf Anhieb versteht. Erst mehrmaliges Hören schafft ein besseres Verstehen für die Texte, für die Erlebnisse. Aber die Lektionen, die FLETCHER gelernt hat und mit uns teilt, sind das auch nicht. Die Verwirrtheit, die Sprunghaftigkeit, die diese Gefühle und dieses Album prägen, gehören zum Heilungsprozess dazu.

    Promobild von Fletcher, sie schaut in einen Spiegel

    Der stärker in den Mittelpunkt gestellte Gitarrensound verleiht dem Album eine gewisse Ungezähmtheit.

    Ein Song, der heraussticht, ist „Two Things Can Be True“. Am Anfang eher noch unauffällig, entwickelt sich daraus schnell ein hartnäckiger Ohrwurm. Wie der Titel schon verrät, ist der Song eine verzweifelte Validierung von parallel existierenden Gefühlen.

    Insgesamt lässt sich das Album als Alt-Pop gespickt von rockigen Passagen beschreiben. Songs wie „Doing Better“ oder „Attached to You“ werden genau davon angetrieben. Ruhige Songs wie „Crush“ oder „Joyride“, ohne die sonst stark im Vordergrund stehenden Drums und E-Gitarren, unterbrechen die Getriebenheit, die sonst sehr oft präsent ist. Diese Widersprüche finden sich teilweise auch in einem einzigen Song: „Pretending“ startet sehr soft, erst nur FLETCHER’s Stimme. Diese wird dann schnell ergänzt durch eine E-Gitarre, bis sich das Ganze bis zur Bridge stark steigert. Spätestens zum Ende des Songs liefern sich der Instrumental Part und die Vocals ein kleines Battle.

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    Aus einem Brei an Emotionen die einzelnen Gefühle zu erkennen und herauszufiltern, hat aber genauso einen gewissen Widerspruch, fühlt sich ähnlich an. Diese sehr ähnlichen Gefühle und doch so unterschiedlich, wiederkehrende Muster und neue Erlebnisse zeitgleich machen das Navigieren zu einem kleinen Battle und das hört man den Songs an. Es ist nicht die Achterbahn der Gefühle, die „Girl Of My Dreams“ war, sondern viel mehr ein wirres im Kreis drehen. Heilen ist eben nicht linear. Und das hat Fletcher in ihrem Sophomore-Album eingefangen.


    After the glow up I was learnin‘ how to grow up

    Der Titel hält, was er verspricht – „In Search Of The Antidote“ ist ein Album über die Suche, nicht über das Finden. Am Ende der 11 Songs fühlt es sich noch nicht so an, als wurde die Antidote gefunden. Aber auch das ist in Ordnung. Mit nur 31 Minuten ist das Album vergleichsweise kurz und vielleicht auch insgesamt nicht die musikalische Perfektion, die manche erwartet hatten. Aber das sollte es auch gar nicht sein. Mit einer sehr starken Vocal Performance, einigen „Did she really just say that?“-Momenten und gnadenloser Echtheit ist „In Search Of The Antidote“ perfekt in ihrer Imperfektion. FLETCHER schafft es, ihre Fans an dem emotionalen Chaos, das sie empfindet, teilhaben zu lassen. Und dabei gleichzeitig zu zeigen, dass nicht immer alles auf Hochglanz poliert sein muss, sondern die eifersüchtigen, unsicheren Momente genauso menschlich und normal sind.

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