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Olivia Deans Debütalbum “Messy” geht den schmalen Grat zur perfekten Pop-Platte

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Es war Liebe auf den ersten Blick. Auf meiner YouTube Startseite wird mir vor über einem Jahr ein Konzertvideo vorgeschlagen: „Olivia Dean – Live At The Jazz Café“. Keine Ahnung, weshalb ich mir das Video anschaue. Weder bin ich ein riesen Jazz Nerd, noch schaue ich mir oft Recommendations auf YouTube von Artists an, die ich nicht kenne. Die Bühne ist dunkel, Fans jubeln vor Vorfreude und Bläserfanfaren kündigen den ersten Song an bis Olivia Dean im aufleuchtenden Spotlight und mit bezaubernder Stimme die ersten Töne ihres Songs „Boyfriend“ ansingt. 

Ein Jahr später und meine aktuelle Lieblingssängerin hat ihr Debütalbum Messy veröffentlicht. Niemand verbindet in meinen Augen derzeit besser Jazz mit Pop, inhaltliche Tiefe mit Hitmelodien, Authentizität mit Glamour und Bodenständigkeit mit Persönlichkeit. Kurz, it’s a bop!

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Jeder Anfang ist „The Hardest Part“

Angefangen hat alles mit „The Hardest Part“, für Olivia Dean ebenso wie für mich. Die fast klischeehafte Pop-Ballade thematisiert den immer wiederkehrenden Herzschmerz am Ende einer missglückten Beziehung. Feenartige Chöre packen die schmerzende Gesangsstimme in Watte und lassen uns für einen Moment an die längst überwunden geglaubte letzte Liebesbeziehung denken. Doch wenn Herzschmerz sich so anfühlt wie dieser Song, möchte ich nie wieder etwas anderes fühlen. Denn „The Hardest Part“ strahlt eine Wärme aus, die sich besser anfühlt als jede Wärmfläche im Bett während einer kalten Winternacht und auch besser als jede heiße Schokolade am Kaminfeuer einer einsamen Skihütte in den Bergen. Und egal wie viel Kitsch jeder Ton und jede Zeile dieses Songs ausstrahlen, keine Person verkörpert ihn so authentisch wie Olivia Dean. Es wäre eine leichte Wette gewesen, auf den Erfolg dieser Single und dieser Künstlerin zu setzen, als sie noch keiner kannte.


Ein teures Konzert für die Ewigkeit

Am 04. April 2022 spielt Olivia Dean als Voract für die Show von Jordan Ragen in Berlin. Nach dem Konzertmitschnitt im Jazz Café und intensiven Spotify-Sessions der bisher releasten Songs ist die Vorfreude groß. Einziges Problem: das Konzert ist ausverkauft. Zur Lösung des Problems habe ich meine verstaubte Facebook App reaktiviert und auf der Veranstaltungsseite nach Tickets gesucht. Nach langer und sorgfältiger Suche falle ich auf einen Scam rein und zahle 70€ an eine Person, die das Geld bestimmt einfach nur sehr dringend braucht. Aber für Olivia Dean ist mir nichts zu teuer. Eine Freundin findet anschließend in einem Bruchteil der Zeit Tickets für den Normalpreis, die uns tatsächlich auf das Konzert bringen. 30 Minuten Konzert nehmen uns mit in den Himmel, in dem Olivia mit den Engeln singt und nähren die Sehnsucht nach neuen Songs und kommenden Deutschland-Konzerten. Den Main-Act skippen wir, weil unsere Musik-Seelen im Olymp angekommen nicht weiter aufsteigen können.

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Single Marathon auf 3, 2, 1! Go!

In der Folge beginnt der Weg zum Album-Release. „UFO“ ist zurückhaltend, strahlt aber wie immer Wärme und Intimität aus. Thema ist natürlich: die Liebe! Anschließend wird der Song veröffentlicht, der nie alt wird. „Dive“ verzaubert mit liebevollen Melodien, die Radiofans ebenso wie Musikenthusiast*innen um den Finger wickeln. Die zielstrebige Songstruktur geht mit der Zeit, ohne aufdringlich zu wirken und die instrumentale Komposition fühlt sich poppig an, ohne an Musikalität einzubüßen. Wer in diese Stimmung nicht eintauchen möchte, ist Masochist. Als dritte Single veröffentlicht Olivia Dean „Danger“. Der Track ist frech, tanzbar und versprüht good vibes, die die Liebe nochmal aus einer anderen Stimmungsfacette beleuchten.

Die letzte Single zum Album schließt den Bogen und fühlt sich wieder intimer und persönlicher an. „Carmen“ spricht über die Auswanderungsgeschichte der Großmutter und steigt tiefer in das Innenleben der Sängerin, das zwischen all den Liebessongs doch nicht immer ganz klar zu erkennen ist. 


One Album, One Love

Einige märchenhafte Popsingles später und wir können das komplette Album von Olivia Dean namens „Messy“ genießen. Seit Ende Juni ist das 12 Lieder lange Debütalbum der britischen Sängerin draußen und es hält, was die Singles versprechen. Der Titeltrack zum Album beweist einmal mehr wie viel Geborgenheit Olivia Deans Songs ausstrahlen können. Auf „Messy“ singt die Künstlerin in tieferen Stimmlagen, die in Verbindung mit den sparsam arrangierten Instrumenten eine besondere Ruhe ausstrahlen. Hinzu kommt eine Live-Aufnahme im Sonnenblumenfeld bei Sonnenuntergang, die die warme Atmosphäre des Songs verstärkt (siehe unten).

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Ein weiteres Highlight der Platte ist „Ladies Room“. Der Song gehört zu den tanzbaren Nummern des Albums. Auf einem four-on-the-floor beat besingt Olivia Dean die Kraft, die aus ihrer eigenen Unabhängigkeit und Selbstständigkeit wächst. Mit „Danger“ gehört er zu den weniger sentimentalen Songs, die vor allem eine gute Zeit versprechen. Songs wie „No Man“, „Dangerously Easy“ oder „I Could Be A Florist“ haben nicht die Hitmelodiedichte der zuvor beschrieben Songs, sind aber nicht minder gefühlvoll. Sie glänzen durch eine Unaufdringlichkeit, die mehr Gelegenheiten zum angenehm sorglosen Abschweifen bietet. Wie immer geleiten dabei die seidenen Background Vocals die Gedanken beschwerdefrei in das Land der Träume.


Keine heiße Schokolade ohne Marshmallow

Der Marshmallow auf der heißen Schokolade war das Konzert am 24. März 2023 in der Emmaus Kirche am Görlitzer Park in Berlin, dieses Mal als Main Act. Nachdem die Vorband weniger Vorfreude auf den komplizierten Sound der Kirche weckt, überrascht Olivia Dean dann mit der perfekten Performance. Die feenhafte Stimme der Sängerin gleitet mühelos durch den Saal ohne den Hauch eines falschen Tons oder einer nervenden Frequenz. Ganz in weiß schwebt sie über die Bühne und zum ersten Mal fühle ich die Spiritualität eines Gotteshauses. Nach meiner Vorgeschichte mit dem Ticketbetrug für ein halbstündiges Vorband-Konzert kann es keinen besseren vorläufigen Höhepunkt meiner Fangeschichte mit Olivia Dean geben. Der Sound ist perfekt, die Band überzeugt und dass ich in die Musikerin Olivia Dean verliebt bin, muss ich nicht erneut erwähnen. Nach diesem Abend fühle ich mich beseelter als nach jeder Weihnachtsmesse.

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Gratwanderung zum Erfolg

Dank Olivia Dean fühlt sich der Herzschmerz wieder real an, wenn ich an meine bisherigen Beziehungen denke, während ich innbrünstig zu breakup Songs singe. Olivia Dean geht den schmalen Grat zwischen Mainstream und Art, zwischen langweilig und kompliziert und gewinnt dabei alle Parteien für sich. Die für ihre musikalische Reife viel zu junge Künstlerin wird all ihren Fans noch ganz viel Freude bescheren, denn ich bin mir sicher: für Olivia Dean geht es nur nach oben! Die einzige Schwäche des Albums ist, dass die Singles so viel Glanz ausstrahlen, dass beim ersten Hören die weiteren Albumsongs etwas abfallen. Doch im Kern glänzen sie keinen Schimmer weniger

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