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Von Doomer-Youtube-Playlists und euphorischen Dauerschleifen: Laras Jahresrückblick

Wenn man meinem Spotify Wrapped Audio Vibe Check Glauben schenken mag, ist mein diesjähriger musikalischer Vibe von Wehmut und Euphorie geprägt. Als ich das gelesen hab, musste ich erst mal lachen. Nicht weil es nicht passt, sondern, weil dieser Vibe Check nicht nur meine im vergangenen Jahr gehörte Musik widerspiegelt, sondern auch mein letztes (aber wahrscheinlich auch das vieler anderer) mehr als passend beschreibt. Ob “wehmütig” und “euphorisch” als Beschreibung jetzt paradox oder logisch ist, sei jedem selbst überlassen. In diesem Jahresrückblick stelle ich einige meiner meistgehörtesten und bedeutsamsten Artists vor, bei denen ich es mir nicht verzeihen könnte, diese nicht in die Welt hinauszutragen.


there is no guilt in pleasure

First of all, muss ich zugeben, dass im vergangenem Jahr wohl eher der wehmütige Part dominiert hat. Es ist fast ein bisschen peinlich, wie viele Abende ich mit German-Doomers-Youtube-Playlists verbracht habe. Aber, ich versuche mir einfach immer einzureden: there is no guilt in pleasure. Oder so ähnlich zumindest. Auch wenn ich mich jetzt nicht gerade mit der Symbolik des Doomers identifizieren kann, fiel es mir erstaunlich leicht sämtliche Playlists immer und immer wieder durchzuhören. Manchmal braucht man das eben. Und manchmal braucht man das auch ein bisschen mehr. And that’s okay! Wunderschön melancholische, kaputt klingende New Wave/Post Punk Songs, mit den schönsten Bass-Lines überhaupt.


German-Doomer-Music Vol. 666 und Soundcloud

Allen voran, in der deutschen ((New)New) Wave Szene, ist aktuell wahrscheinlich Edwin Rosen. Mit leichter//kälter bekam der Stuttgarter schon im letzten Jahr mietfrei Plätze in meinen Playlists, Ohren und meinem musikalischen Herzens (wow, wie dramatisch). Mit der Ende September erschienenen EP “mitleerenhänden” und den insgesamt fünf Tracks, welche mit dieser einhergehen, konnte er diese Plätze easy festigen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wenn der namensgebende Song “mitleerenhänden” nicht der zuletzt veröffentlichte Song der EP gewesen wäre, dieser mein meistgehörtester Track 2021 geworden wäre.

Edwin Rosen & Flawless Issues at Oetinger Villa

Schaut man sich etwas weiter in der aktuell immer populärer werdenden, deutschen Retrowavebewegung um, wird man direkt neben Edwin gleich auf Max Philipp, alias Flawless Issues stoßen. Er selbst beschreibt seine Musik als Surfgoth und Hyperwave. Sein Song “Cut the Rope” sowie sein Darkwave-Cover “Good Vibrations” von The Beach Boys haben es mir besonders angetan und liefen, mit den anderen drei auf Spotify veröffentlichten Songs, über das gesamte Jahr verteilt immer wieder in Dauerschleife.

Wie vorhin schon verraten, habe ich einiges an Zeit auf Soundcloud verbracht. Ein Artist, welcher mir besonders im Kopf und Ohr umher schwirrt, ist diggidaniel. Die Tracks von diggidaniel liegen alle irgendwo zwischen New Wave, House und Pop. Einer meiner meistgehörtesten Songs trägt den schönen Namen vergiss nicht wer du bist (den kannst du hier hören) und ist auch sein bisher erfolgreichstes Piece auf Soundcloud. Mein Nr. 1 Toptrack auf Soundcloud ist ebenfalls von ihm und heisst hilflos vor dir. Und das, obwohl dieser Hit gerade erstmal drei Wochen alt ist. Und das, meine Freunde, heisst schon etwas. Erfreulicherweise ist hilflos vor dir auch der erste Track, welchen diggidaniel auch auf Spotify veröffentlicht hat.

Wie sollte es auch anders sein, stammt mein liebstes Album des Jahres 2021 ebenfalls aus der “German-Doomers/Retrowave-Bubble”. Mit seinem Album “Rot” hat Levin Goes Lightly bei mir vor allem mit wunderschönen Lyrics und der perfekten Unperfektheit schwer Eindruck hinterlassen.


Alte Liebe neu entfacht

Jetzt komme ich zu einem Artist, bei dem es einfach weird wäre, wenn ich ihn nicht in meinem Jahresrückblick erwähnen würde. Weird deshalb, weil mich wohl keine anderen Artists so geprägt haben, wie dieser. Und wenn dieser Artist dann auch noch ein Album raushaut, muss man einfach davon schreiben.

Die Rede ist natürlich von unserem Lieblingspfälzer, welcher auf den Namen Drangsal hört. 2016 habe ich total zufällig den Release von Harieschaim mitbekommen und vor allem Lieder wie Der Ingrimm oder Will ich nur dich haben mich voll und ganz gepackt. Damals war Drangsal noch irgendwie die Grumpy Cat der deutschen Indieszene (shame on me für diesen schrecklichen Vergleich) und hat mich, als damals 14-Jährige, mit dieser speziellen art total fasziniert.

Aber jetzt genug Geschwafel; Drangsal hat sich im August mit dem Album “Exit Strategy” zurück gemeldet. And I can not deny, ich war skeptisch. Bei den ersten Singlereleases war ich sogar schon fast etwas enttäuscht. Was ist bloß aus dem etwas vorlauten, rauchenden Bub geworden? Im Nachhinein kann ich sagen, er ist halt obvious einfach erwachsen(er) geworden.

Ich musste mich selbst erstmal wieder daran erinnern, dass es GUT ist, wenn sich Künstler*innen und Bands weiterentwickeln und eben NICHT nur die Musik machen sollten, die von ihnen erwartet wird, selbst wenn sie nicht mehr denselben Sound haben, durch welchen man sich damals so in diese Band/Artists verknallt hat. Als ich mir diese Phrase nochmal selbst verdeutlicht habe und versucht hab, das Album aus einem neutraleren Standpunkt zu hören, hat es dann auch bei mir sofort “Klick” gemacht. Und spätestens als ich Drangsal beim Popkulturfestival, einen oder zwei Tage nach Release die neuen Songs live performen gesehen hab, hab ich einfach gemerkt wie gut das ganze alles dem neuen Drangsal steht.


Highlight
Tom Taschenmesser, verstehst du nein gut, EP, review, untoldency, untold music, indie, post punk, singer, songwriter,

Kommen wir zu meinem Highlight. Und das ist nicht etwa meine meistgehörte Platte, sondern die, die im vergangenen Jahr für mich am einprägsamsten war. Keine Platte hat mich 2021 so beschäftigt wie verstehst du nein gut von Tom Taschenmesser. Es ist für mich schon irgendwie etwas mental anstrengend, die EP zu hören. Nicht, weil sie so schrecklich schlecht, oder ähnliches wäre. Ganz im Gegenteil, die Platte ist sowohl musikalisch, als auch lyrisch unglaublich gut. Fast zu gut. Die Lyrics hämmern nämlich einfach direkt mitten auf die Seele und hinterlassen dort bleibenden Eindruck. Eine ausführliche Review findest du übrigens hier.


Wo ist die Euphorie?

Mit dieser Überschrift habe ich nicht nur die Band Trümmer zitiert, nein, das ist auch eine Frage an mein Spotify Wrapped. So richtig viel Euphorie habe ich in meinen Top 100 ehrlich gesagt nicht gefunden. Wenige, sind allerdings dann doch vorhanden.

Denn wenn ich dann mal “happy” Songs gehört habe, dann auch auf voller Lautstärke und in Dauerschleife. Und wenn ich Dauerschleife schreibe, meine ich es auch so. Stunden(bis Tage)lang derselbe Song, ohne Pause? Kein Problem für mich. Und ja, ich wurde auch (berechtigterweise) des öfteren gefragt, warum ich das so mache und wie ich das aushalte, but what can I say; ich habe keine Ahnung. 

Also; wer es bis hierhin geschafft hat, kommt jetzt in den Genuss, meine wenigen, aber dafür umso besseren euphoric Songs kennenzulernen. Den Anfang macht Declan McKenna mit Why do you feel so down? (Ok, Wow, was für ein euphorischer Titel). Declan habe ich ziemlich zeitgleich mit einer meiner Lieblingsbands Wallows entdeckt, welche es auch immer wieder schaffen meine Stimmung aufzuhellen. Ebenfalls ganz weit oben in meiner Liste ist Luis Ake mit Umweg zu finden. Eine Künstlerin die ich auch schon seit letztem Jahr mit ganzer Kraft verfolge, ist Verifiziert. Mein absoluter Favorit ist und bleibt Rote Gauloises, wobei ich auch alle anderen Tracks wärmstens empfehlen kann.

Wenn ich schonmal bei deutschsprachigen female Artists bin, komme ich keinesfalls an Alli Neumann vorbei. Vor allem die Tracks Bike Boy und Madonna Whore Komplex haben’s mir angetan. Eine weitere deutsche Newcomerin, die mir dieses Jahr ans Herz gewachsen ist, ist Girlwomen. Let me be honest, als ich Rote Riesen schlafen nicht das erste mal gehört hab, hatte ich ein paar Tränen in den Augen. So ein wunderschöner Text, mit einer noch kraftvolleren Stimme.


So schlimm war’s nicht

Glücklicher Weise kann ich sagen, dass mein Jahr gar nicht so arg schlimm war, wie mein überwiegend melancholischer Rückblick vermuten lässt. Ich bin total happy, seit diesem Jahr ein Teil des Untoldency’s sein zu können. Ausserdem kam dieses Jahr wieder so viel gute Musik raus! Das kann einen doch nur freudig stimmen. Man kann erahnen, dass meine Liste an Artists und Bands eigentlich noch um einiges länger wäre. Leider, leider, kann ich nicht alle aufzählen und auf diese eingehen. Sonst würde ich wahrscheinlich nie ein Ende finden. Aber keine Angst, ich hab hier natürlich noch eine Playlist, passend zu meinem Jahresrückblick. Feel free to enjoy it!

https://open.spotify.com/playlist/7u7lxrAQRCJjwEVc72B0TR?si=JXagu_AsT-qmn-1xU4nh1w

Fotos: Lara, Philipp Czampiel

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