Kategorie: untold feuilleton

  • Lukas‘ Jahresrückblick: Ich höre nur noch Musik, die mich abfuckt

    Lukas‘ Jahresrückblick: Ich höre nur noch Musik, die mich abfuckt

    Willkommen zu meinem Jahresrückblick! 2023, was warst du bloß für ein wirrer Rush. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, wirklich zu wenig Zeit zu haben und das nicht immer nur zu sagen. Ich glaube, deswegen erinnere ich mich auch so schlecht an alles, was länger als das die letzte Mahlzeit her ist. Doch fangen wir von vorne an.

    Auch wenn Filtern hart ist und das ja auch immer heißt, sich mit sich selbst und seiner Vergangenheit zu beschäftigen (schwierig), möchte ich euch hier ein paar musikalische Highlights präsentieren. Musik hat dieses Jahr vor allem eins: connected. Und das war sehr schön. Ein paar Geschichten:

    Im Schein der Schreibtischlampen
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    Kölsch in der Veedelskneipe

    Februar. Besuch in der Heimat. Kurz vor Karneval. Im Großraumbüro einer Kölner Grafikagentur hängen bunte Girlanden über den Bildschirmen. Auf der Theke in der Teeküche steht ein Fass Kölsch. Die Ruhe vor dem Sturm, bevor die kollektive Alkoholfahne eine Woche lang durch die Straßen der Domstadt weht. Tagsüber arbeitet in diesem Büro ein alter Schulfreund von mir. Jetzt ist es Nacht und er sitzt mit einer roten Nase neben mir auf dem Bürostuhl. Arschkalt draußen. Kurz ausruhen. Gleich weiter in die Stadt.

    Dort, im Halbdunkeln, an diesem Ort, der nachts so seltsam unnütz erscheint, zeigt er mir „Let’s Start Here.“ Das neue Album von Lil Yachty. Und mir wird schmerzhaft bewusst, wie lange wir das hier nicht mehr gemacht haben. Nebeneinandersitzen und uns gegenseitig die neuesten musikalischen Entdeckungen zeigen. „Album des Jahres!!“, überschlägt sich meine Stimme schon nach dem zweiten Song. Im Februar! Und ja, so etwas habe ich wirklich noch nie gehört. Das Album klingt, als hätte der Cloud-Rapper Lil Yachty eine alte Pink Floyd-Vinyl zu einem Hubba-Bubba zerkaut. „Let’s Start Here.“ – ein gutes Motto für den Rest Jahres.

    Symptome der Besessenheit
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    „Ein Auge Blau“

    Juni. Im ICE nach Hamburg. Ich sitze im Gang. Im Board-Bistro ist die Kaffeemaschine kaputt. Alle Gerüche der Menschheit sind in diesem Zug wie in einem Vakuum-Beutel konserviert und mischen sich ausgerechnet in meiner Nase. Am Tag zuvor war ich zum ersten Mal seit langer Zeit mal wieder hingefallen, mein Auge war blau und alle Gliedmaßen an den Kontaktpunkten aufgeschürft. Aus dieser Hölle holt mich nichts mehr raus. Dachte ich. Da spawnt das neue Album „WEICH“ des Berliner Rappers Peat in meinen Algorithmus. Es wird das erste von vielen Malen sein, dass ich beim Song „IRGENDWANN WIRD ALLES“ Play drücke und „AM ENDE“ noch so vieles nicht verstanden habe. Und nicht nur mir wird es so gehen. Ich schicke den Link meiner Schwester und ahne nicht, welch schwerwiegenden Folgen das haben wird.

    Als meine Schwester und ich uns Monate später wieder sehen, gesteht sie mir, dass sie seitdem NICHTS mehr anderes als dieses Album gehört habe. Und irgendwie hat sie sich verändert. Gesteigerte Selbstironie, unbarmherzige Offenheit und immer wieder diese verstörenden Geschichten aus der Jugend – typische Peat-Symptomatik. Langsam mache ich mir Sorgen. Ich empfehle ihr, einen Spezialisten aufzusuchen.

    Selbstverständlich habe ich sie dorthin auch begleitet. So etwas steht man am besten gemeinsam durch. Tja, und da waren wir dann – auf der WEICH-Tour von Peat im Oktober. Geheilt sind wir bis heute nicht.

    Ü im Fichtenhain
    Pink Lint auf dem ObenAir

    September. Mitten im Weinberg. Seit meinem Umzug vor einem Jahr, vermisse ich die Mosel und die lieben Menschen von dort schmerzlich. Zum rituellen Wiedersehen treffe ich meine Trierer Freunde ab jetzt jedes Jahr hier, auf dem ObenAir-Festival. Die Luft und die Erde sind noch feucht vom Regenschauer der letzten Nacht. Die Sonne hat sich mittlerweile wieder durch die Wolkendecke gepflügt, bereit die Bühnen des süßesten Festivals Deutschlands schon einmal vorzuwärmen.

    Auf einer kleinen Bühne mitten im Fichtenwald spielt Pink Lint am frühen Abend. Einige von euch erinnern sich vielleicht – 2021 hatte ich über sein Album „Ü“ hier eine Review geschrieben. Überall im Wald stehen Liegestühle, in den Nadelbäumen glühen die Lichterketten. Diese Songs dort live zu hören und zu sehen, wie meine besten Freunde an seinen Lippen hängen, werde ich so schnell nicht vergessen. Genau wie den letzten Act des Festivals: Es brennt. Statt auf der Main-Stage spielen Sören und Magnus auf ihrer eigenen Bühne, direkt vorm Weinstand. Gerade mal so groß, dass Magnus mit den Drums oben drauf passt. Und Sören wirbelt mit dem Mikrofon davor, im Publikum. Schon nach dem ersten Song weiß ich nicht mehr, wie ich heiße, wie alt ich bin und wo ich wohne. „Hast du sowas schon mal gehört???“, frage ich kreischend wirklich JEDE PERSON im Mosh-Pit um mich herum. „NEIN!!!“, ist ausnahmslos die Antwort.

    Meine Perle
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    Peat live in Hamburg

    Ja, und dann war da natürlich noch meine Zeit in Hamburg im Herbst. Ich glaube, ich war noch nie auf so vielen Konzerten in so kurzer Zeit, wie in den zwei Monaten in der Hansestadt – nicht zuletzt auch wegen des Reeperbahn-Festivals. Ganz besonders im Kopf sind mir die Shows von Clipping, Uche Yara, Another Sky und joe unknown geblieben. Mittlerweile wieder in Würzburg angekommen, wirkt die Zeit in Hamburg wie ein Fiebertraum – hier holt mich der Alltag ein, hier hab‘ ich keine Zeit mehr für gar nichts.

    In diesem Jahr gab es für mich viel Veränderung und verändert hat sich auch die Art, wie ich Musik höre. Es klingt schlimm, aber meist skippe ich Playlists oder Alben nur noch durch. Hängen bleibe ich mit wenigen Ausnahmen nur dort, wo mich Musik komplett überfährt und mir den letzten Nerv raubt. Ich höre nur noch Musik, die mich abfuckt, Musik, die ich nicht verstehe. Ob das gut oder schlecht ist, muss ich im nächsten Jahr herausfinden. Gefunden habe ich dadurch dieses Jahr jedenfalls zwei sehr spezielle Alben, die ich euch noch ans Herz lege: Zum einen wäre da „Vidrio“ von Titanic. Das mexikanische Jazz-Duo um Cellistin Mabe Fratti hat mit diesem experimentellen Album bei mir einen Volltreffer gelandet – unbedingt anhören. Und zum anderen wäre da Enji. Die mongolische Sängerin mischt auf ihrem zweiten Album „Ulaan“ Volksmusik aus ihrer Heimat mit Jazz – obwohl ich kein Wort verstehe, bin ich damit emotional komplett überfordert.

    Darf ich euch das Tschüss anbieten?
    1. Platz Alf-Look-Alike-Contest

    Im letzten Jahresrückblick habe ich mir gewünscht, wieder mehr auf Konzerte zu gehen. Es waren jetzt zum Schluss so viele, dass ich gar nicht nachzählen kann. Ich habe mir auch gewünscht, dass Frank Ocean ein neues Album rausbringt. Ich hätte ihm vielleicht noch eine Erinnerungs-E-Mail schreiben sollen, denn – das hat nicht geklappt. Mein dritter Wunsch war, wieder mehr über Musik zu schreiben. Eigentlich war ich mir sicher, dass zwei der drei Wünsche in Erfüllung gehen werden. Aber das Schreiben für untoldency kam dieses Jahr so kurz, wie nie zuvor. Daher ist es für mich jetzt Zeit, vorerst den Anker zu werfen und mich aus der Redaktion zu verabschieden, bis ich wieder Zeit habe. Ich möchte euch allen danken, fürs Lesen und das liebe Feedback. Dafür, dass ihr dadurch meine beruflichen Pläne maßgeblich umgestaltet habt und ich jetzt endlich das mache, was mir gefällt. Jule, Anna, euch besonders großen Dank für euer Vertrauen und eure viele Arbeit, die ihr in uns und untoldency investiert habt. Gäbe es euch nicht, wäre ich jetzt ganz woanders.

    Wir lesen uns. Macht’s gut!

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  • Eves Jahresrückblick: back to the dark side

    Eves Jahresrückblick: back to the dark side

    Und schon wieder ist ein weiteres Jahr vorüber. Ich will jetzt nicht zu sehr in die Melancholie verfallen, aber etwas anderes geht mit diesem Artikel auch zu Ende: Meine Zeit bei untoldency. Schweren Herzens muss ich unserem Magazin zum Abschied winken. Denn schon seit einiger Zeit finde ich einfach keinen Platz mehr, um mich dem Schreiben in dem Maße zu widmen, wie ich mir und das Team es sich wünschen würde. Aber so ist es nun mal, der Alltag wird immer stressiger und man kommt seinen eigenen Hobbys gar nicht mehr hinterher. Hiermit also… meine letzten Worte (vorerst):

    So chaotisch wie das letzte Jahr und das zuvor, so geht es auch weiter. Viele neue Erfahrungen, aber auch viele unerwartete Veränderungen. Dieses Jahr ist so schnell an mir vorbeigezogen, dass es mir richtig schwergefallen ist, alles, was passiert ist, zu rekonstruieren. Auch mein musikalisches Jahr war von vielem Neuen gezeichnet. Jeden Freitag pack’ ich mir alle erdenklichen Releases in meine Playlist und haste mich diese bis zum folgenden Release Friday durchzuarbeiten. Aber trotzdem haben sich so einige Stammgäste in mein Spotify Wrapped eingeschlichen…


    Back to the dark side

    Ich hatte ja schon angeteasert, dass das Jahr von vielen Veränderungen geprägt war. Die einen positiv, die anderen eher weniger. Und weil mich Veränderungen extrem überfordern, verliere ich mich lieber in Erinnerungen an so wie es mal war. Auch musikalisch hat es mich somit in die Vergangenheit katapultiert. Hier spielten alle meine geliebten Hardcore Bands von vor 10 Jahren (wow ich klinge hier wirklich alt) die Hauptrolle. Jetzt wo alle um einen herum heiraten und Kinder kriegen, spiel’ ich dann lieber wieder 16 sein und höre Bands wie Movements, Bring Me The Horizon, Seahaven und Citizen. Mein absolutes Highlight dieses Jahr: Meine allerliebste Band in dem Genre Balance and Composure hat nach 6 Jahren wieder eine Single veröffentlicht. Andere honorable mentions wären hier cleopatrick und Sperling.

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    Eine neue Ära

    Neben den alten Bekannten aus meiner Hardcore-Zeit hab ich dieses Jahr eine Riesen-Neuentdeckung gemacht. Dank geht raus an Josy. Sehr late to the party, aber veliebt hab ich mich 2023 in Sleep Token. Beschreiben kann ich die Musik sehr schlecht, denn die Band, die völlig anonym auftritt, kombiniert gefühlt jedes erdenkliche Genre so gekonnt miteinander, dass jeder einzelne Song für unendliche Überraschungen sorgt. Man nehme bloß „The Summoning“ …mein absoluter Favourite.

    Ich weiß noch genau, wie ich reagiert hab, als ich den Song zum ersten Mal gehört hab. Auf Empfehlung einer Freundin hab ich frühs auf dem Weg zur Arbeit im Zug auf Play gedrückt und mich erstmal richtig erschrocken. Auf den Metal-achtigen Start hab ich mich überhaupt nicht vorbereitet. Ich muss sagen, dass ich von den ersten Sekunden etwas abgetan war, den aus der Zeit, wo ich das gehört hab, bin ich schon lange raus. Doch in den 6:35 Minuten wird man auf eine völlig verrückte Reise mitgenommen. Von Metal, zu leisen Klängen, über Rap bis hin zu Erotik – es ist alles dabei. Hört selbst rein!

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    Neue neue (deutsche) Welle

    Obwohl mein Leben hier in Belgien sich beinahe ausschließlich in Englisch abspielt, bleib’ ich meinem Heimatland musikalisch treu. Meine Lieblingsentdeckung hier war TYM – ein Mix aus Elektro, New Wave, Pop und ordentlich Experimentierfreude. Neben TYM brachten mich auch SERPENTIN, Saiya Tiaw, NILS KEPPEL, SKUPPIN, TEMMIS und GAST an regnerischen Tagen zum Nachdenken (Weiterer Gedanke: Wieso schreiben sich eigentlich so viele New Wave Artists mit Großbuchstaben?)

    International konnten distraction4ever, Death Bells, King Krule und The Drums mein New Wave-Herz erobern.

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    Leichte Kost

    Aber es war nicht alles so schwer verdaulich… Auch ein paar leichte Klänge haben sich in meiner Listening History zurückgefunden. Ein Wiederholungstäter hat sich dieses Jahr natürlich wieder einen Platz unter meinen Lieblingskünstler:innen gesichert: The amazing Gus Dapperton. Kleine Empfehlung hier: Wenn ihr die Chance habt ihn und seine Band live zu sehen, kauft euch ein Ticket. Es war eine der most wholesome Shows, die ich dieses Jahr besuchen durfte 🙂


    Und eine weitere Neuentdeckung darf hier natürlich auch nicht fehlen: die Girls von The Beaches. Ich hatte das Glück die Power-Ladies live zu sehen und bei der Souveränität und Coolness prompt den Wunsch gehabt, selbst eine Girlband zu gründen.


    Ich bin raus

    Und das war’s auch schon! Mit diesem Artikel, mit diesem Jahr und leider auch mit meiner Zeit bei untoldency. Ich möchte mich bei Jule und Anna für die schöne Zeit bedanken und die Möglichkeit, meine chaotischen Gedanken halbwegs verständlich runterzuschreiben und das Wort „melancholisch“ viel zu oft zu tippen. Aber auch für den Mut, dieses Magazin auf die Beine zu stellen und es gemeinsam mit dem tollen Team zu dem gemacht zu haben, was es jetzt ist: ein Safespace für alle Musikliebhaber:innen.

    Danke für die schöne Zeit und auf ein hoffentlich baldiges Wiedersehen!

    Jetzt bleibt mir noch ein wenig Eigenwerbung für die dazugehörige Playlist zu machen: Hört rein!


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  • „Now And Then“ – die letzte Single der Beatles

    „Now And Then“ – die letzte Single der Beatles


    Die Beatles haben ihre allerletzte Single herausgebracht! Was für eine Nachricht. Dass diese Schlagzeile im Jahre 2023 überall zu lesen ist, würden George Harrison und John Lennon vermutlich nicht einmal selbst glauben. Dennoch ist zumindest ein Fünkchen Wahrheit dran an diesem Satz. Die gesamte Medien- und Musikwelt, vor allem aber so ziemlich alle Beatles-Fans sind ziemlich aus dem Häuschen.

    Auch ich kann es immer noch nicht so recht fassen. Die musikalischen Helden meiner Kindheit und Jugend bringen trotz Trennung vor 50 Jahren und nur mit halber Besetzung JETZT in 2023 einen NEUEN Song heraus? Und dann auch noch die LETZTE Single? Schreibt die größte Rockband aller Zeiten, deren Vermächtnis ein halbes Jahrhundert zurück liegt in der Gegenwart etwa Musikgeschichte?


    Ein kurzer Rückblick

    Gegen Ende der 60er ist die Band laut eigenen Aussagen von musikalischen und vor allem zwischenmenschlichen Problemen geprägt. Diese Spannungen sind unter anderem in der vor zwei Jahren erschienenen Dokumentarfilmreihe Get Back zu sehen. Nachdem immer wieder einzelne Mitglieder der Beatles ausgestiegen und wieder zurückkamen, verließ Paul McCartney 1970 die Band endgültig und machte das Ende der Beatles offiziell, indem er die übrigen drei Musiker verklagte.

    Das legendäre Rooftop Concert: Das letzte Mal, dass sich die Bandmitglieder zusammen in der Öffentlichkeit gezeigt haben.

    Im gleichen Jahr hatte jeder Ex-Beatle bereits mindestens ein eigenes Soloalbum veröffentlicht. Auch wenn es in Studiosessions vereinzelte Zusammenarbeit gab, sah man nie wieder alle Bandmitglieder zusammen in der Öffentlichkeit. Lennon zog sich 1975 sogar komplett aus der Öffentlichkeit zurück und wurde kurz nach seinem Comeback 1980 in New York erschossen. In der Zwischenzeit nahm er in seiner Wohnung zahlreiche Demos auf, die nicht auf seinem letzten Album Double Fantasy landeten – darunter auch Now And Then.


    Jahre nach Lennons Tod gab seine Witwe Yoko Ono einen Teil dieser Demos an Paul McCartney, der 1995 diese dem Rest der Band aufarbeitete und schließlich den Song Free As A Bird veröffentlichte. Dasselbe wurde auch mit Now And Then versucht. Durch die Aufnahmequalität und der Überlagerung der Stimme durch das Klavier schien dies zu dem Zeitpunkt aber nicht möglich. Das hat sich jetzt geändert. Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz hat man es jetzt geschafft, Lennons Stimme zu isolieren und die Aufnahme studiotauglich zu machen.

    Die erste Welle der berechtigten Euphorie über Now And Then ist nach tausendfachem Hören nun abgeflacht und für mich kommen zwei zentrale Fragen auf, mit denen sich die Medienwelt scheinbar wenig beschäftigt. Trotz des hohen Stellenwertes der Beatles oder vielleicht sogar gerade deswegen gibt es Dinge an der Single, die es sich kritisch zu hinterfragen lohnt.


    Warum die Veröffentlichung?

    Eine Frage, die viele Antworten kennen könnte. Liegt es am Geld? Wohl eher nicht. Alle Beteiligten, damit seien nicht nur Musiker und Produzenten gemeint, sind nicht gerade knapp bei Kasse. Neben Paul McCartney und Ringo Starr tauchen auf der Liste der Verantwortlichen zahlreiche hochrangige Namen, wie Giles Martin (Sohn des berühmten Beatles- und Abbey Road Studios Produzenten George Martin) oder Peter Jackson (Filmregisseur unter anderem von Herr der Ringe) auf. Auch Universal wird mit den Beatles jährlich noch immer Millionenbeträge einfahren.

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    Bei dem offiziellen Musikvideo zu Now And Then hat Peter Jackson Regie geführt


    Eine eher plumpe Vermutung wäre, die Veröffentlichung als ein Act of Service für die Fans anzusehen. Denn wenn Abba mit einem neuen Album und Avatar-Live-Show kommen und niemand geringeres als die Rolling Stones jetzt auch noch ein Album veröffentlichen, muss McCartney ja auf jeden Fall nachlegen. Auch 2023 soll die nervigste Frage der Musikgeschichte klar mit „Beatles!“ beantwortbar sein. Zumindest scheinen die Beatles noch mithalten zu müssen.

    Letzten Endes wird mit Now And Then meines Erachtens versucht, auch jüngere Menschen auf den Beatles-Zug aufspringen zu lassen. Das heiß diskutierte Thema KI könnte nicht mehr in aller Munde sein als zu diesem Zeitpunkt. Hier sogar als Schlüsselrolle in der Musikgeschichte. Vielleicht wird sogar in Vorbereitung auf die kommenden Neuveröffentlichungen des roten und blauen Albums eine breitere Zielgruppe mit Aktualität und Emotionalität angesprochen.


    Ist Now And Then wirklich ein Beatles Song?

    Zwei vorhin angesprochene Dinge prägen bei der Single also den Vordergrund: KI und Emotionalität. Das vermeintlich wichtigste in Bezug auf die Frage nach Originalität des Songs sei zuerst geklärt: Hier wurde nichts mit KI künstlich hinzugedichtet. Alles, was zu hören ist, ist in der Urform organisch. Selbst die Besetzung ist die originale. Es wurden sogar Backingvocals der Songs Here, There And Everywhere, Eleanor Rigby und Because hinzugefügt.

    Die Sache der Emotionalität ist eine kompliziertere. Natürlich freuen sich gerade alle sehr, Neues von ihrer Lieblingsband zu hören. Und dann auch noch ein so mehrfach interpretierbarer, emotionaler Song aus Lennons Feder, von McCartney arrangiert – endlich wieder ein echter Lennon/McCartney. Dazu kommt die ganze verbliebene Beatlesfamilie wieder zusammen, selbst Produzentensohn und alle freuen sich riesig ein Teil davon zu sein.


    „Now and then
    I miss you
    Oh, now and then
    I want you to be there for me“


    Ähnlich wie bei Free As A Bird, ist dieser Song aber eine Solokomposition von John Lennon aus 1979. Now And Then war weder als Beatles-Song geschrieben noch geplant worden und ist zu einer Zeit entstanden, in der sich vor allem Lennon und McCartney nichts mehr zu sagen hatten. Letzten Endes wurde sich posthum über Lennon hinweggesetzt und jetzt wird von allen Seiten versichert, dass er den Song geliebt hätte. Über die tatsächliche Meinung kann nur spekuliert werden.


    Now And Then: Ein bedeutendes Stück Musikgeschichte

    Die neue und letzte Beatles-Single ist so oder so ein gelungenes Werk. Now And Then lässt mein Herz definitiv höherschlagen, zeitgleich zwingt mich die übertrieben einseitige Emotionalität der Verantwortlichen und der Medien die Aufarbeitung und Veröffentlichung des Songs eher kritisch zu hinterfragen. Nichtsdestotrotz muss man sich immer vor Augen führen: Die größte Rockband aller Zeiten fand 1970 ihr Ende und veröffentlicht erst 53 Jahre danach ihren letzten Song. Es geht vermutlich genau darum. Um das Schreiben von Musikgeschichte.

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  • Im Rampenlicht: Fheels in Wolfsburg

    Im Rampenlicht: Fheels in Wolfsburg

    Unser Autor Lukas hat die Hamburger Band Fheels zu einem ihrer Konzerte nach Wolfsburg begleitet. Ein Konzerterlebnis, das seine Perspektive auf unsere Gesellschaft geändert – aber vorrangig einfach Spaß gemacht hat. Eine Band auf dem steilen Weg zum Durchbruch: Zwischen Barriere und Karriere.

    Die Handbremse knarzt als Felix Brückner sie bis zum Anschlag zieht und seinen VW-Bus vor dem Proberaum im Norden Hamburgs parkt. Es ist heiß in der Hansestadt, kein Schietwetter, nur ein paar Wolken spenden Schatten. Ein kleines Podest schmiegt sich surrend an die Schwelle der Seitentür. Mit einer Hand greift Felix nach seinem Rollstuhl hinter sich, gleitet hinein und rollt auf die hydraulische Bühne – nicht die einzige, die er heute befahren wird.    

    Felix ist 34 Jahre alt. Er ist Sänger und Gitarrist der Hamburger Rockband Fheels. Ein Wortspiel aus „Wheels“ und „Feel“. Fühlen kann er seinen Körper brustabwärts seit dem 17. Lebensjahr nicht mehr. Auf einer Klassenfahrt in Tirol stürzte er mit seinem Snowboard abseits der Piste in die Tiefe. Rückenlandung. Notoperation. Querschnittslähmung.

    Welche Rolle spielt der Rollstuhl?

    „Hast du alles?“, fragt Keyboarder Tobias unter der Heckklappe des Tourbusses nebendran, der die Band heute zum Konzert nach Wolfsburg chauffiert. Felix reicht ihm das Nötigste nacheinander an: „Meine Gitarre, meinen Koffer, meinen Duschhocker“, bestätigt er. Samt Rollstuhl hievt ihn Schlagzeuger Justus auf die Kante des Siebensitzers. Jede Handbewegung sitzt, ein Ablauf wie einstudiert. Mit einem Klimmzug am Haltegriff schwingt Felix sich auf die Rückbank.

    Neben Felix, Tobias und Justus ist da auch noch Jonathan, Justus‘ älterer Bruder. Er spielt Bass und wird erst in Wolfsburg dazustoßen. Kennengelernt haben sie sich an der Hamburg School Of Music, da hat es gefunkt, seit 2015 zunächst als Trio. Tobias stieß an den Keys später hinzu. Live unterstützt sie außerdem Gitarrist Florian so oft es geht. „Ich kann mich ohne Gitarre einfach besser bewegen“, sagt Felix auf der Fahrt durch Niedersachsen. Heute ist Florian nicht dabei.

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    Bassist Jonathan beim Auftritt in Wolfsburg.
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    Felix kurz vor dem Soundcheck.

    Felix‘ Behinderung habe beim Musikmachen zunächst weder bei ihm noch bei seinen Kollegen eine Rolle gespielt. „Ein Rollstuhl sollte nicht mehr Beachtung finden als eine Brille“, sagt Felix. Die Gefahr, zur Attraktion zu werden, bestehe allerdings schon. „Es kommt natürlich immer darauf an, für was wir Aufmerksamkeit bekommen. Wir möchten sie für unsere Musik, nicht für meine Querschnittslähmung.“ Seine Augen jagen der Landschaft hinter dem Fenster nach. „Trotzdem haben wir als inklusive Band auch einen Auftrag, den wir wahrnehmen wollen. Aber richtig aktiv sind wir erst vor ein paar Jahren geworden.“

    In puncto Gleichberechtigung engagiert ist Felix schon unter anderem in der „Initiative Barrierefrei Feiern“. Inklusionsexpert*innen wie er geben dort Workshops für Veranstalter*innen und bieten ihre Expertise zu Themen wie Barrierefreiheit, Inklusion und Awareness an. „Wenn wir auch als Band zeigen, was alles möglich ist, können wir Menschen im Publikum vielleicht von einer neuen Perspektive überzeugen.“

    Gut zugänglich

    Virtuose Songstrukturen und dicke Riffs helfen Fheels bei der Überzeugungsarbeit. Auf ihrem 2022 erschienenen Debütalbum „Lotus“ verknüpfen sie traditionelle Rockmusik mit modernen Arrangements, technisch auf Topniveau und hochwertig ausproduziert. Das klingt mal nach Radiohead, mal nach Queens of the Stone Age oder den Foo Fighters in ihren fetten Jahren. Dabei verlieren sie vor allem eines nicht aus den Augen: die Eingängigkeit ihrer Songs, die sie bei aller Liebe für Details und unvorhersehbare Abzweigungen der Abläufe gewissermaßen barrierefrei und zugänglich halten. Besonders Songs wie „Mr. Elephant“ oder „Pieces“ haben es dadurch sehr leicht, die Hirnwindungen durch den Gehörgang zu betreten. Und da bleiben sie dann erst einmal.

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    Das ehemalige Hallenbad in Wolfsburg.

    Tobias parkt den Tourbus. Das „Hallenbad“ in Wolfsburg liegt neben Wettbüros und Nagelstudios mitten in der Stadt: Ein stillgelegtes Schwimmbad, zur Kulturstätte umgebaut. Hier, im sonst eher kargen Wolfsburg, wirkt die Location ein bisschen wie eine Oase. Bassist Jonathan wartet schon. „Na, kommst du gar nicht raus?“, begrüßt er Felix mit einem frechen Lächeln an der Seitentür. „Rette mich, holder Ritter!“, scherzt der Frontmann zurück, während sie sich zur Begrüßung umarmen.

    Es dauert keine zwei Minuten, da eskortiert eine Veranstalterin Felix bereits zum Aufzug. „Klar, Felix hilft mal wieder nicht beim Ausladen“, stichelt sein Bandkollege. Felix wirft ihm eine Kusshand zu, bevor er hinter der Tür des Lifts verschwindet. „Typisch Sänger!“, ruft ihm Jonathan hinterher.

    So lang wie ein Volleyballfeld

    Für Menschen mit Behinderung ist das Konzert heute Abend gut zu erreichen. Das ist Fheels besonders wichtig. Ein Veranstaltungsbesuch muss bei Um- und Neubauten von Kultureinrichtungen in Deutschland eigentlich barrierefrei möglich sein. Das gilt für Besucher*innen – barrierefreie Bühnen seien aber die absolute Seltenheit. „Diese Hürden machen Menschen mit Behinderung im Kulturbereich unsichtbar“, beginnt Felix und blickt zur Bühne hoch. „Aber wir als Band können es uns auch nicht leisten, deswegen Konzerte abzusagen. Dann würden wir gar nicht mehr spielen.“

    Im Saal hat sich mittlerweile der gesamte Inhalt des Tourbusses breitgemacht. Der Haufen aus Kabeln, Trommeln und Gitarrenkoffern erinnert an ein chaotisches Kinderzimmer. „Wir haben dir extra eine Rampe an die Bühne gestellt“, ruft einer der Tontechniker. Felix inspiziert die Anderthalb-Meter-Schanze aus Aluminium, die an der Bühnenkante aufliegt.

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    Fheels beim Aufbau ihrer Backline. Rechts die Rampe aus Aluminium.

    Er lächelt. „Das ist lieb. Aber könntet ihr mich bitte trotzdem hochtragen?“ Bei einer hüfthohen Bühne müsste die Rampe etwa 18 Meter messen, so lang wie ein Volleyballfeld. Nur dann käme Felix aus eigener Kraft hinauf. „Ach, die Jungs heben mich auf fast alle Bühnen“, sagt er und winkt routiniert ab. Mit einem „Hau-Ruck“ ist er oben, seine Gitarre auf dem Schoß, bereit für den Soundcheck.

    Showdown

    Kurz vor dem Auftritt umrundet Felix bereits zum dritten Mal den Tisch im Backstage-Raum. Eigentlich wollte er sich ausruhen, mit niemandem sprechen. Jetzt redet er unentwegt und blubbert ab und zu Luft durch einen Strohhalm in sein Wasserglas: Warm-Up für Stimmlippen und Zwerchfell, eine Stunde Singen will gut vorbereitet sein. „Noch fünf Minuten!“, meldet die Veranstalterin auf dem Flur. Felix, Tobias, Jonathan und Justus machen sich bereit, die Kopfhörer ihrer In-Ear-Systeme im Ohr. In einem Kreis umarmt Felix seine Kollegen, klopft ihnen auf Rücken und Hüfte. Ein letztes Mal vor der Show spricht er ihnen Mut zu, bevor er mit ihnen ins Rampenlicht rollt: „Hals- und Beinbruch, Jungs!“

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    Tobias (l.) und Felix bei Konzertbeginn.

    Mit dem Rücken zum Publikum gedreht, spielt Felix das Intro von „Sharp Dressed Animal“ auf seiner E-Gitarre. Ein Zucken fährt durch die Zuschauer*innen, als die Band mit zwei Hits unisono einsetzt, das Licht brennt im Takt dazu auf. Es ist laut. Der Sound sitzt. Immer mehr Menschen im Raum lockern ihre Gliedmaßen und tanzen – der Funke springt über, nicht zuletzt wegen Felix‘ sympathischen Ansagen. Dabei ist er nicht der geborene Frontmann, wie er im Vorfeld erzählt, keine Rampensau. Er sei da reingewachsen.

    Nicht nur die Songs des aktuellen Albums funktionieren live, „Toyboy“ von ihrer 2017 erschienenen EP „Traveller“ klingt sogar besser als auf der Aufnahme. Alle Musiker auf der Bühne sind synchronisiert auf das Uhrwerk im Hintergrund: Justus, der mit seinem dynamischen Schlagzeug den Saal zum Schaukeln bringt. „Toyboy“ fetzt, die Off-Beat-Einsätze von Tobias‘ Orgel und Felix‘ Gitarre passen wie angegossen auf das Bassriff von Jonathan und machen den Song zu einem Highlight des Abends, der alle noch so schüchternen Fans auftaut. Gehen lassen möchte hier Fheels heute eigentlich niemand mehr. Der Schlussakkord hallt noch nach, die Menge dankt mit Jubel und Applaus und Felix rollt noch einmal ans Mikrofon: „Wenn ihr eine Zugabe wollt, müsst ihr schon ein bisschen lauter schreien, bevor es zu spät ist. Noch einmal tragen mich die Jungs nicht die Bühne hoch!“

    Wer Lust bekommen hat, Fheels auch einmal live zu erleben: Am 01.12.2023 spielt die Band in der Hebebühne in Hamburg. Bis dahin hier ein musikalischer Vorgeschmack:

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    Fotocredit: Lukas Harth

  • untold soundtrack of 2022 – weniger Worte, mehr Musik

    untold soundtrack of 2022 – weniger Worte, mehr Musik

    2022 hat viel bewegt, es ist so viel passiert. Es ist der dritte Jahresrückblick post 2019, das dritte Mal Reflektieren über diese Missstände der Welt, die wir alle so viel extremer wahrnehmen – oder die extremer geworden sind? Seit Jahrzehnten herrscht Krieg auf der Welt, doch er war noch nie so nah. Es werden seit Jahrzehnten Menschenrechtsverletzungen auf der ganzen Welt begangen, doch selten stemmt sich ein halbes Volk gegen die tödliche Diktatur eines Menschenrechtsverletzers. Es haben sich auch noch nie Klimaaktivist*innen auf die Straße kleben müssen. Und wie fühlt sich die Inflation für euch an? Mietet ihr noch oder solidarisiert ihr euch mit Disarstars Aufruf nach einem Schutzraum für Menschen, die auf der Straßen leben müssen? Und habt ihr Tickets für die Tour eurer Lieblingsnewcomer*in gekauft oder um abgesagte Konzerte getrauert?

    Point being: 2022 war ein sehr bescheidenes Jahr. Aber wann immer alles in der Welt den Bach runter geht, wisst ihr, auf was da immer Verlass ist so wie das Amen in der katholischen Kirche, die erst dieses Jahr ihre Verjährungsfrist auf Sexualverbrechen aufgehoben hat? Musik. Und was dieses Jahr an Musik rauskam, das mussten wir erstmal ein wenig sammeln. OG Keemo’s Album zum Beispiel, das kam am 02. Januar. Das war dieses Jahr?! Solche Momente hatten wir oft und sind zurückblickend doch sehr dankbar über jeden Song und jedes Album, das uns durch die Wochen und Monate gebracht hat.

    Und all diese Songs haben wir euch in eine Playlist zusammengefasst! (Genau genommen war das unmöglich und wir haben persönliche Jahresrückblicke verfasst mit persönlich liebevoll gestickten best of-Playlisten.) Von Harry Styles und TEMMIS über FKA twigs und Elena Steri – hier könnt hier hoffentlich viele Songs wiederfinden, die euch 2022 auch vom Hocker gefegt haben, und neue direkt dazu entdecken! We did a lot of overthinking for this one so we do hope you like it:

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    Weniger Worte, mehr Musik.

    Normalerweise nehmen wir uns hier auch immer noch ne Minute, um wirklich das ganze Jahr kurz Revue passieren zu lassen. Die musikalischen Höhepunkte, die Songs, die uns aus dem Nichts erwischt haben, die tollen Künstler*innen und Bands, die wir entdeckt haben. Das halten wir jetzt aber ein wenig kürzer. Uns geht’s ehrlich gesagt wie vielen von euch und wir brauchen nach diesem rasanten und turbulenten Jahr kurz mal Pause. Deshalb weniger Worte, sondern mehr Musik. Die Playlist ist ein kleiner großer runder Pool geworden und wenn ihr unsere New Release Playlist ab und zu hört, wisst ihr ungefähr was ihr darin findet werdet: grandiosen Pop, fetzigen Punk, dröhnende Neue Neue Deutsche Welle, schwebenden Indie in all seinen Formen, hier und da eine Prise Soul, Hip Hop und Rap und versteckt auch der zerbrechliche Herzschmerz unserer liebsten Singer-Songwriter*innen.

    Wer aber Worte mag: ihr könnt, das empfehlen wir auch ganz objektiv, die Jahresrückblicke aller unserer liebsten und coolsten Redaktionsmitglieder lesen. Hier für euch verlinkt.

    Wir legen uns jetzt in den Feiertags-Kühlschrank, damit wir uns nächstes Jahr „in aller Frische“ wiedersehen. Unsere Hoffnungen für 2023 sind gerade noch gemäßigt, aber auf die Musik freuen wir uns jetzt schon.

  • Lukas‘ Jahresrückblick: Das Jahr, in dem ich das Schreiben zum Beruf machte

    Hallo. Auch dieses Jahr darf ich mich an einem Jahresrückblick versuchen.
    An die erste Hälfte des Jahres kann ich mich kaum erinnern. Wie hinter Milchglas sehe ich verschwommen noch die ein oder andere Erinnerung. Das liegt wahrscheinlich daran, dass die Tage sich vor Juni alle mehr oder weniger glichen, bevor dann in der zweiten Hälfte des Jahres noch einmal richtig Schwung in die Kiste kam. Dafür ist, um es kurz zu machen, untoldency verantwortlich.

    Ja. Richtig. Die schicksalhafte Fügung meiner zweiten Jahreshälfte habe ich ganz allein untoldency zu „verdanken“. Jetzt kommt hier mal alles auf den Tisch. Denn ich habe wegen untoldency jetzt weder Geld noch Freizeit. Außerdem lebe ich seit drei Monaten in Bayern. IN BAYERN!!!!!!!

    Sorry. Musste mir gerade die Tränen abtupfen.

    Wie konnte es dazu kommen? Wie einige vielleicht wissen, feiert untoldency dieses Jahr das zweijährige Bestehen. Konfetti, Sekt, Buttercremetorte. Als kleiner Bub, also vor zwei Jahren, bewarb ich mich, grün hinter den Ohren, mit einer E-Mail bei den Chefinnen Anna und Jule. „Ich will auch mal was schreiben“, schrieb ich und zurück kam: „wenns unbedingt sein muss, okay“. Geil! Ich tippte mir die Finger wund: erste Review, erstes Interview, erster Feuilletonartikel — und es machte mir verrückt viel Spaß. So viel Spaß, dass mein eigentlicher Job, also der, durch den ich mir etwas zu Essen kaufen kann, immer uninteressanter wurde.

    Es gibt verpasste Chancen im Leben. Davon habe ich schon einige gesammelt und fein säuberlich in meiner Vitrine der Schande ausgestellt. Diese hier sollte nicht dazu gehören. Ihr müsst wissen: ich bin mittlerweile 27 Jahre alt. Mir fallen an zwei Stellen gleichzeitig am Kopf die Haare aus. Ich habe Knieschmerzen, wenn mein Fahrradsattel nicht perfekt eingestellt ist. Manchmal rieche ich nach Rentner. Ich weiß nicht genau, an welcher Körperstelle. Der Duft verflüchtigt sich binnen Sekunden, ich kann ihn nicht aufspüren. Kurz: Ich stehe mit einem Bein im Grab. Mein Leben ist gelebt. Das ist okay.

    A rush of blood to my head

    Doch dann: im Frühjahr las ich eine Stellenanzeige eines großen Musikmagazins: „Praktikant gesucht“. Ich war nervös. Noch zwei Tage bis zur Deadline. Bei Zusage hieße das: Job kündigen, Stadt verlassen, Neuanfang. Der Gedanke daran ließ mich kaum noch los. Ich war wie im Rausch. Ich muss es versuchen!

    Ich bewarb mich nicht.
    Loser.

    Allerdings wollte der Funke in meinem Motor der Selbstverwirklichung wieder zündeln. Und dann ging alles ganz schnell. An der Uni beworben, angenommen worden, umgezogen.

    Ich studiere jetzt Journalismus in Bayern. Konfetti, Sekt, und so weiter.

    Ich werde damit fertig sein, wenn alle meine Freunde Kinder haben und überlegen, wie sie ihre Doppelgarage am besten finanzieren. Und es ist mir egal! Aber Leute, ich sage euch: gäbe es untoldency nicht, wäre ich unzufrieden und mit schmerzenden Knien immer noch am selben Fleck stehengeblieben, auf ewig. Dafür, dass dem nicht so ist, ganz unironisch: Danke.

    Ihr habt bestimmt noch gar nicht bemerkt, dass es bisher in keinem einzigen Satz um Musik ging. Gut! Dann hat das Ablenkungsmanöver geklappt. Ich werde nämlich wieder total irre bei dem Gedanken, die besten Platten und Songs des Jahres so halbwegs zu sortieren. Ich habe langsam das Gefühl: das will doch auch niemand mehr lesen. Ich klatsche euch hier meine Top 10 hin, ihr werdet es brav lesen, klar. Nur: die eine Hälfte kennt ihr nicht. Die andere Hälfte fandet ihr scheiße. Mehrwert = Null.

    Deswegen kommen jetzt hier erstmal drei kleine Kapitel aus meinem musikalischen Jahr 2022. Viel Spaß <3

    Kapitel 1: Chang Hyun und die Frau im Regen

    Ich hatte im Frühling zum ersten Mal Covid. Eingefangen habe ich mir diese widerliche Seuche auf einem Konzert meiner eigenen Band. Der Preis für 45 Minuten Ruhm und Ehre. Toll. Nachdem ich mich wieder einmal wütend in den verschwitzten Laken hin und her gewälzt und die schlimmsten Flüche heiser in mein Kopfkissen gebrüllt hatte, fasste ich einen Entschluss: ich bestelle mir ein MUBI-Abo, weil bei Netflix einfach nix mehr läuft. MUBI: die Spielwiese der Cineasten und Cinephilen. Arthouse- und Autorenfilme, soweit das Auge reicht. Streaming für Feinschmecker.
    Wie mich. Zwinker.

    Es ist zwar leider so, dass ich die Hälfte der dort gezeigten Filme nicht verstehe. Aber das macht nichts. Jeder einzelne Film, den ich mir ansah, war der beste Film aller Zeiten. Unter anderem der koreanische Thriller „살인의 추억“ („Memories of Murder“) des Regisseurs Bong Joon-ho, den ihr vielleicht von „Parasite“ schon kennt. „Memories of Murder“ ist ein toller Film über zwei mehr oder weniger sympathische Polizisten, die im Südkorea der 1980er Jahre einem Serienmörder auf den Fersen sind.

    Um mich geschehen war es, als Chang Hyun mit seinem souligen Rocksong „빗속의 여인“ („bis-sog-ui yeoin“ — „Frau im Regen“) einige Szenen des Films untermalte. Durch seine unvorhersehbaren, aber subtilen Stopps und Rhythmuswechsel, macht er den Thriller auch ohne Bilder spannend. Ich glaube, das ist einer der besten Songs, die ich je gehört habe. Vor allem in dem Moment, wenn es im Film anfängt zu regnen, die Frau die Wäsche abnimmt, die Aufstände von der Polizei brutal niedergeschlagen werden und das nächste Opfer des Mörders ahnungslos durch den Regen nach Hause läuft: Gänsehaut. Dieser Song ist ein Highlight meines Jahres, trotz des hohen Alters.

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    Kapitel 2: Anxious und ein Call aus den 2000ern

    Die 2000er haben angerufen? Ja. Weil sie neidisch sind.
    Ich gebe es öffentlich zu: ich lasse mich gerne in bessere Zeiten zurückversetzen. Und mit voller Wucht schafft das der Song „Call From You“ der US-amerikanischen Band Anxious. Dieser 2022 erschienene Song klingt wie eine erwachsene Version meiner musikalischen Idole aus den 2000ern: My Chemical Romance, Yellowcard, Fall Out Boy und so weiter. Klar, Pop-Punk ist wieder in und so, aber mussten sie es gleich so viel besser machen?!

    Wirklich umgehauen hat mich die Stimme des Sängers Grady Allen. Soft und roh, die Übergänge sind fließend. Der Text, der so unpoetisch und gleichermaßen total lyrisch daherkommt, schockiert mich jedes Mal durch die filterlose Ehrlichkeit. Beide Seiten dieses Beziehungs-Dilemmas sind für mich nachzuvollziehen, ich fühle es mit. Fühlen. Das ist es, was diese Musik unglaublich gut vermittelt.

    Ich habe versucht meine äußerst authentischen Emo-Utensilien bei meinen Eltern wiederzufinden, bisher fand ich nur meinen „Pali“. Die schwarze Militär-Umhängetasche mit den Patches ist nach wie vor verschollen. Vielleicht besser so. Diese ganzen Dinge brauche ich nämlich gar nicht mehr. Das Debutalbum „Little Green House“ von Anxious bringt alles mit, um die Zeitreise gebührend anzutreten.

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    Kapitel 3: Jan Müller und die furchtbare Prophezeiung

    Muss kurz lachen, denn „und die furchtbare Prophezeiung“ könnte genau so gut eine neue Folge der Drei ??? sein. Leider ist die ganze Sache überhaupt nicht lustig und das Lachen bleibt mir im Halse stecken. Denn als ich im Januar mit Jan Müller, dem Bassisten von Tocotronic, über deren neues Album „Nie wieder Krieg“ im Interview sprach, war von dem menschenrechtsverletzenden Angriffskrieg Putins gegen die Ukraine noch keine Rede. Und genau dieser seltsame Umstand, die Vorhersage und die anschließende Trostspende dieses Albums, macht es für mich zu einem Highlight des Jahres. Auch wenn es kein positives ist.

    Dieses Gespräch wirkt im Nachhinein so unwirklich auf mich. Wenn ich bedenke, dass nicht mal einen Monat nach Veröffentlichung des Interviews über den Einmarsch Russlands berichtet wurde. Das tut weh und versetzt mich in den ganz unsicheren Februar 2022 zurück, den ich niemals vergessen werde. „Nie wieder Krieg“ von Tocotronic ist die einzige Linderung.

    Ich hoffe, dass diese ganze Scheiße bald ein Ende hat.

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    Die weiteren Aussichten

    Jetzt kommt dann der Punkt, an dem ich mir für das nächste Jahr noch etwas wünschen darf. Ich möchte wieder mehr auf Konzerte gehen. Ich möchte, dass Frank Ocean ein neues Album macht. Ich möchte auch wieder viel mehr über Musik schreiben. Leider kam das im Stress der letzten Monate viel zu kurz. Bei zwei von diesen drei Dingen bin ich mir sicher, dass es klappt. Außerdem möchte ich von Herzen Danke sagen: an die Redaktion, an Jule und Anna und natürlich an euch, fürs Lesen. Ich habe wegen euch das Schreiben zum Beruf gemacht.
    Schöne Feiertage! Legt was schönes auf und lasst es euch gut gehen.

    Showdown

    So, und weil man manchmal eben auch schreiben muss, was niemand lesen will, gibt es hier natürlich noch die Top 10 meiner Lieblingsalben dieses Jahr. Da lass ich mich doch nicht lumpen.

    Wir starten bei Platz 10:

    • Bilderbuch – Gelb ist das Feld
      … ist das erste Album dieser Band, mit dem ich so richtig etwas anfangen kann. Cooles Rockalbum. „Schwarzes Karma“ war der meistgespielte Song dieses Jahr — richtige Wumme.
    • Anxious – Little Green House
      … habe ich oben schon erwähnt. Emo-Pop-Punk wie früher, nur besser.
    • Mitski – Laurel Hell
      … ist musikalisch anspruchsvoll und genau die Sorte Pop, die ich sehr sehr liebe. „Working for the Knife“ oder „Stay Soft“ stellen das unter Beweis.
    • Oliver Sim – Hideous Bastard
      … versetzte mich wieder in meiner Teenagerzeit, als wir das Debüt von The XX in Dauerschleife gehört haben. XX-Sänger Oliver Sim begeistert mich mit seiner Stimme und den düsteren Arrangements seiner Tracks.
    • Regina Spektor – Home, before and after
      … viel zu spät entdeckt, aber in der letzten Minute noch auf der 6 eingestiegen. Diese Frau weiß, wie man hervorragende Popsongs schreibt. Und das nicht erst seit dem Titelsong von „Orange is the new Black“.
    • alt-J – The Dream
      … hatte ich zwischenzeitlich fast wieder vergessen. Dabei ist es vielleicht das beste Album des Trios. Die Transition in „Chicago“ lässt mich jedes Mal vor Ehrfurcht erblassen.
    • Sorry – Anywhere but here
      … ist einfach von vorne bis hinten gelungen. „Key to the City“ ist einer der besten Songs des Jahres. Harmonisch interessant und sehr abwechslungsreich, hier und da grüßen auch mal die Beatles.
    • PVA – Blush
      … dunkle Materie gemixt mit Post-Punk, Electro und Hyper-Pop. East Londons neue Geheimwaffe und frischer Wind im mittlerweile mainstreamigen Post-Punk-Geschäft. Übrigens auch live gesehen: geil!
    • Black Country, New Road – Ants from up here
      … ist das traurige letzte Album dieser Formation. Leider hat Sänger Isaac Woods die Band verlassen. Das Album ist sagenhaft gut. „Concorde“ oder „Basketball Shoes“ zeigen ihr Können.
    • Jockstrap – I love you Jennifer B
      … kann ich nur ganz schwer einordnen. Und das ist ein gutes Zeichen. Ich begreife ganz viele Sachen hier noch nicht. Alles was ich weiß: was sind das bitte für wunderschöne Melodien. Und diese Sounds. Keine Ahnung. Verdiente Gewinner*in.

    Das alles noch mehr gibt es in dieser Spotify-Playlist, danke für eure Aufmerksamkeit!

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  • Annas Jahresrückblick: … doch mit einem Song war es Liebe auf den ersten Blick

    65.481 – so viele Minuten habe ich in diesem Jahr auf Spotify Musik gehört. Das sind 45 Tage oder besser gesagt 1 1/2 Monate. Wenn der Streamingdienst nicht schon am 31. Oktober aufhören würde die Daten zu sammeln oder auf wundersame Weise noch die Minuten meines CD-Players on top rechnen könnte, wären es wahrscheinlich noch ein paar mehr. Aber eigentlich tut das auch nichts zur Sache und wundert mich wenig, denn das mit auch in 2022 wieder eine Menge Musik begleitet hat, wusste ich eigentlich auch ohne die Spotify-Statistik.

    Gute Vorsätze für das Jahr wurden eingehalten

    Was steckte also drin in dieser vollgepackten Wundertüte, die sich meinen Musik-Konsum tauft? Klären wir die wichtigsten Fakten gleich einmal zu Beginn.


    Song des Jahres: Sharks – BROCKHOFF
    meistgehörte Künstlerin: BROCKHOFF
    EP des Jahres: Sharks – BROCKHOFF

    Ok, zugegeben, ich liebe die Musik von BROCKHOFF sehr. Ermahnenderweise hat mir Spotify mir in meinem Jahresrückblick dargelegt, dass ich „Sharks“ ganze 171 Mal gehört habe. Das sind ca. 500 Minuten, beziehungsweise 8 1/2 Stunden – was im Vergleich zum Rest gar nicht so viel wirkt.

    Ja, ich kann den Song im Schlaf mitsingen und ich bin schäme mich dafür nicht. Nein, ich bin sogar stolz drauf. Denn im vergangenen Jahr habe ich mir in meinem Jahresrückblick eine selbsternannte Frauenquote verschrieben. Siehe da: In diesem Jahr ist eine Frau an der Spitze meines Jahresrückblicks. Da kann man schonmal stolz drauf sein.

    In „Sharks“ geht es um eine Hausparty, auf der die Sängerin Lina sich einfach nicht verstanden fühlte, wie sie mir im Sommer im Interview erzählt hat. Lines wie „the peer pressure is bringing me down“ oder „they’re playing shark games while they laughed at me for the sad song“ lassen mitfühlen und versetzen direkt in die Situation, die BROCKHOFF beschreibend besingt.

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    Weitere tolle Frauen, deren Musik mich durch’s Jahr gebracht hat: Blush Always, Matilda Mann, Nina Chuba, Snail Mail, Soccer Mommy, Power Plush, Gwen Dolyn, THALA, NewDad, Mia Berg, SERPENTIN, Holly Humberstone, nothhingspecial und Yowlandi

    Anscheinend sind die Songs von Brocki genau das, was mein verlorenes Indie-Rock-Herz in diesem Jahr brauchte, um zu kompensieren, dass es nichts Neues von The Neighbourhood gab. Denn meine eigentliche große Liebe hat in diesem Jahr zum ersten Mal keinen Platz im Jahresrückblick gefunden. Abgelöst wurde die amerikanische Band stattdessen auf der Position meiner „comfort music“ von Edwin Rosen. Seine Musik ist für mich: Ganz viel fühlen, lauthals mitschreien und dabei nervös auf und ab hüpfen – egal ob aufm Konzert oder mit Kopfhörern im Ohr beim Wäsche aufhängen.

    Von der Neuen Neuen Deutschen Welle an Land gespült

    Edwin Rosen hat für mich die Tür in die Welt der Neuen Neuen Deutschen Welle geöffnet. Ein Genre, in dass ich mich 2022 Hals über Kopf verliebt habe. Anscheinend ging das nicht nur mir so, denn unsere „new wave universe“ Playlist hat irgendwie einen Nerv getroffen und befindet sich nun in der Spotify-Bibliothek von 107 tollen Menschen. Auch das macht mich ein bisschen stolz.

    Besonders geliebt habe ich vor allem „222“ von Nils Keppel und „Wenn du da bist“ von TEMMIS. Beide Acts durfte ich auch schon persönlich kennenlernen und live sehen. Vor allem TEMMIS-Sänger Roman hat eine Energie auf der Bühne, die einfach krass ist. Anders kann ich das gar nicht beschreiben. Ich bin sehr gespannt, was aus der new wave bubble 2023 noch so kommt!

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    Neben ganz vielen Neuentdeckungen gab es aber natürlich auch eine Konstante und die kommt natürlich wieder (wie könnte es auch anders sein) aus dem Indie-Rock. Mit „Everything You Will Ever Need“ haben sich die Jungs Razz mal wieder direkt in mein Herz gesungen. Das Album hat seine Höhen und Tiefen, ist emotional und zugleich tanzbar. Meine Favoriten sind definitiv „Lost in the woods“ und „Talking for hours“ – beide haben etwas dramatisch, mystisches mit einem unerwartetem Hoffnungsschimmer in sich.


    Alben, die ich ebenfall sehr gefeiert habe: „Universum regelt“ von Schmyt, „Gelb ist das Feld“ von Bilderbuch

    Komme ich zu meiner letzten Kategorie für heute: Livemusik! Ich brauche wahrscheinlich nicht betonen wie absolut schön es war, dass dieses Jahr wieder so viele Konzerte und Festivals stattgefunden haben. Ich hab’s sehr geliebt. Hier also meine Highlights.

    Ganz oben auf meiner Liste der Highlights: Das Sziget Festival in Budapest. Als eines der größten Festivals in Europa konnte sich das Line-Up auf jeden Fall sehen lassen. Ich versuche mal kurz Ordnung reinzubringen, auch wenn mein Gehirn immer noch nicht realisiert, dass ich diese krassen Künstler*innen live gesehen habe:


    Arctic Monkeys
    Tame Impala
    Holly Humberstone

    Und natürlich noch super viele mehr. Aber diese drei Shows haben sich ziemlich in meine Erinnerung gebrannt. Fangen wir mit Holly Humberstone an: Die 23-jährige Britin kommt auf die Bühne und stimmt direkt „Overkill“ an. Man stelle sich eine vor Fangirl-Gefühlen nicht klarkommende Anna vor, wie sie versucht im Graben noch ein paar gute Fotos zu schießen. Ich habe mein Bestes gegeben, aber die Tränen haben mich überkommen. Alles andere als journalistische Professionalität, aber einer der schönsten Momente.

    Next one: Tame Impala. Ein Künstler, den ich eigentlich dachte, in meiner Lebenszeit nicht mehr live zu erleben. Kennt ihr diese Acts, von denen ihr immer denkt es wäre ja sowieso total utopisch, sie auf einem Konzert zu erleben? Das ist Tame Impala für mich. Ich stehe also wieder im Fotograben vor der Bühne und knipse so vor mich hin. Als ich nach den ersten drei Songs wieder in die Masse geschickt werde, fange ich an zu realisieren: Das ist wirklich Kevin Parker da vorne auf der Bühne. Die Show rauscht an mir vorbei. Es fühlt sich irgendwie trippy an. War das wirklich real? Das einzige, was mir versichert, dass ich nicht geträumt habe, sind die Fotos auf meiner Kamera und das eine Video, was ich geistesabwesend gedreht habe.

    Die Nummer 1 gehört aber unangefochten den Arctic Monkeys. Alex Turner, zwei gigantische Leinwände und „505“ läuft. Mehr schreibe ich dazu nicht – ihr seht’s im Video.


    Weitere verdammt tolle Festivals, auf denen ich 2022 war: Pop Salon, Apple Tree Garden, KiezKultur
    Shows, für die ich keine Worte finde: nand auf dem Apple Tree & Flawless Issues auf dem KiezKultur

    Was gibt’s sonst noch zu sagen?

    Wer im letzten Jahr schon dabei war und meinen Rückblick gelesen hat, der tut mir leid, der fragt sich jetzt bestimmt: Wo bleibt der schwedische Indie Pop? Keine Sorge, das habe ich natürlich nicht vergessen. Mein schwedischer Lieblingssong des Jahres war „En midsommarnattsdröm“ von Håkan Hellström. Der „Mittsommernachtstraum“ erinnert mich an genau das: Mittsommer in Schweden. Nachts um 3 Uhr, wenn es vom Dämmern wieder hell wird, spazieren gehen und Blumen sammeln. Das Leben ist leicht und riecht wie frischgemähtes Gras. Ich habe gerade ganz starkes Fernweh als ich diese Zeilen schreibe. (Das Foto ist um 03.53 Uhr entstanden)


    „Alte“ Songs, die ich wiederentdeckt habe: „Der Kommissar“ – Falco, „Von hier an blind“ – Wir sind Helden, „Mountain Sound“ – Of Monsters And Men

    So, jetzt bin ich gefühlt alles und nichts losgeworden von meinem musikalischen 2022. Falls es noch nicht deutlich geworden ist: Es war ein tolles musikalisches Jahr! Hier noch die obligatorische Playlist für’s ultimative Verwirren eurer Trommelfelle:

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  • Eves Jahresrückblick: Innovation trifft Tradition

    Eves Jahresrückblick: Innovation trifft Tradition

    Szene: Ich sitze im Zug Richtung Paris und habe Schwierigkeiten mich zu konzentrieren, denn genug Schlaf habe ich diese Woche mal wieder nicht bekommen. Dieses Setting beschreibt mein 2022 eigentlich ganz gut. Es war geprägt von ständigem Hin und Her, Chaos und Rastlosigkeit, größtenteils aber im positiven Sinne.

    Queue das erste Quartal des Jahres: Stuck in einem unfassbar langweiligen und null erfüllenden Job hat mir das Universum eine Hand raus aus meiner Apathie gereicht. Fast forward zu heute: Ein halbes Jahr später hab ich zwar weniger Zeit, insbesondere für unser nicht mehr so kleines Musikmagazin (gerade durch meine Artikel geblättert, musste ich zu meinem Entsetzen feststellen, dass ich seit Juli nichts mehr geschrieben hab), dafür ist meine zweite Leidenschaft Teil meines Berufs geworden: das Reisen.


    Willkommenes Durcheinander

    Diese Woche kommerzielle Weihnachtsluft in Paris schnuppern und nächste Woche wahres Wintermärchen in Lappland erleben. Und so unterschiedlich und chaotisch war meine diesjährige musikalische Reise: Von unerschlossenen Gebieten zurück zu Orten, die sich schon fast wie Heimat anfühlen.

    Ich muss ehrlich sagen, der Speicherplatz in meinem Gedächtnis wird immer noch nicht optimal genutzt und deshalb fällt es mir unglaublich schwer, mich an die erste Hälfte des Jahres zu erinnern. Vielleicht liegt das auch daran, dass mir mein Handy in dem Zeitraum gestohlen wurde und ich ohne meine Fotogalerie nichts in meinem Kopf behalten kann. Deshalb starten wir irgendwo bei 35 Grad plus in einer Wohnung ohne Klimaanlage.


    I was wrong I admit it

    Hier beginnt meine kleine Liebesaffäre, die sich mittlerweile in eine mehr oder wenige stabile Beziehung entwickelt hat. So einige, die mich kennen, werden sich denken, ich befinde mich in einer Quarter-Life-Crisis. Denn ich war mit die Erste, die Menschen, die Elektro feiern und auf Raves gehen, eher mit Unverständnis begegnet ist.

    Gut, letzteres ist immer noch nichts für mich und von wirklich hartem Elektro oder Techno werde ich mich auch in Zukunft erstmal fernhalten. Aber so einiger Elektro und House hat mich dann doch rumgekriegt. Und verantwortlich dafür ist genau eine Person.

    Die einstige Neugierde hat sich innerhalb von nur 20 Min. seines Sets auf einem Festival zu einer Obsession à la 2014 Tumblr-Ära gemausert (dazu auch später noch mehr). Man wird es sich wahrscheinlich schon denken können, aber es handelt sich um Fred Again..



    Ich kann nicht genau beschreiben, was seine Musik mit mir macht, aber sie katapultiert mich in eine Ecke meines Gehirns, wo ich nur die Sounds des Launchpads hör und nichts anderes mehr wichtig ist. Melancholie mit Elektro, House und Pop gepaart ergibt eine Mischung, die so einzigartig ist, bei der ich ohne Bedenken sagen kann, dass das Ergebnis mich für immer begleiten wird.


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    Andere wundervolle Artists in dieser Sparte, die mich ähnlich begeistert haben, sind: Saint Jude, Godford, 49th & Main, PaulWetz, TSHA und ein kleines Easter Egg, was ich diese Woche erst entdeckt hab, mich aber sofort umgehauen hat: Skin Care von Search Yiu (dieses Intro schon uff).


    Kurzer Liebesbrief an AB Syndrom

    Das Theme meiner Musik-Historie 2022 ist der Sprung in experimentellere und das Sehnen nach familiären Sounds. Und das vereinen die Jungs von AB Syndrom für mich: Meine altbewährte Liebe für deutschen Indie und meine neue Leidenschaft für mehr elektronische Klänge. Ach, wie ich mich gefreut habe, auf dem Tour-Start in Köln dabeizusein.

    Public Service Announcement: Ich würde euch allen dringlichst anraten, einen der Termine im Januar zu besuchen. Neben der Tatsache, dass die Musik einfach Extraklasse ist, merkt man wie viel Herzblut, Leidenschaft und Arbeit in diese Shows fließt. Ich war völlig aus den Socken, so wie der Rest des Publikums und den Erfolg verdienen die zwei allemal. Die Tour wurde übrigens auch von uns präsentiert und in ein paar Wochen könnt ihr euch auf ein Interview mit den zwei und mir freuen.

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    In diesem Atemzug auch worth to mention: Wezn (Shoutout geht raus an Anna B.), EASY EASY, Borninmay, Figure Beach und Marie Bothmer.


    Back to the roots

    Ich hatte ja ganz nebenbei erwähnt, dass Fred Again.. sich in meine Kult-Artists eingereiht hat und diese Leidenschaft der von 2014 ähnelt. (Ich weine innerlich immer noch, weil ich es nicht zum Konzert in Brüssel geschafft hab, naja).

    Jedenfalls reiht sich der werte Herr zu Favourites der geschädigten Jugend wie The 1975, Arctic Monkeys, The NBHD, Lorde, MARINA, Florence and so on ein. Dazu zähle ich auch mich. Und wie einige andere aus dem Team und meiner TikTok-Bubble, habe ich mich auch dabei erwischt, wie ich „tumblr era“, „tumblr phase“ und „tumblr 2014“ in die Spotify Suche eingegeben hat. Und fix begann das Suhlen in Selbstmitleid wieder. Nein, Spaß. Eigentlich war es mega schön, ein wenig in Nostalgie zu versinken. Und dieser Sound lebt seitdem auch mietfrei in meinem Ohr:


    https://www.tiktok.com/@lyricdiffusion/video/7171387998146252037?is_from_webapp=1&sender_device=pc&web_id=7118394760477967878

    Fehlt nur noch die passende Playlist

    Und so schließe ich also gähnend meinen Laptop sowie meinen Jahresrückblick und den Rest des Jahres ab und freue ich mich auf eine wohlverdiente Auszeit. Während dieser wird sicher auch meine passende Playlist rauf und runter laufen 😉 Meiner Meinung nach besser als jeder kitschiger Weihnachtsfilm-Soundtrack genau wie der Rückblick von 2021, aber ihr könnt selbst stillschweigend judgen.


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  • Daschas Jahresrückblick: Ich habe keine Lust mehr

    Daschas Jahresrückblick: Ich habe keine Lust mehr

    Um die Spannung direkt stilsicher im ersten Abschnitt weg zu nehmen: Hier kommen meine Top 3 Spotify Wrapped Artists von 2022. Platz 1 belegt, wenig überraschend Paula Hartmann, Platz 2 (wieder) Rikas und Platz 3 Verifiziert. Mein am öftesten gehörter Song war I Hate That We’ll Be Strangers In A While von Cinemagraph. Ich konnte außerdem nicht genug von Mia Morgans FLEISCH bekommen. Meine Lieblingskonzerte waren zum einen von Buntspecht und zum anderen von My Chemical Romance, for obvious reasons. Das sind wundervolle Artists und ich bin dankbar, dass sie mein Jahr mit ihrer Musik so bereichert haben. Vor allem ohne Paula Hartmann wüsste ich nicht, was ich in diesem Jahr gemacht hätte. Ich glaube sie tut genau das, was man als „aus der Seele sprechen“ bezeichnet. Aber jetzt mal weg davon, denn würde ich weiter über meine geliebten Künstler*innen schreiben, wäre das zu viel Schwärmerei. Bitte, ihr wisst selbst wie toll Paula Hartmann ist. Ich habe lange überlegt, was ich in meinem Jahresrückblick schreiben soll. Neue Artists, die ich für mich entdeckt habe oder alte Alben, die ich wiederentdeckt habe, das hätte mich nicht zufrieden gestellt. Genau, das ist der Punkt. Ich bin gerade nicht zufrieden. Erst letztens hatte ich einen Abend, an dem ich so intensiv darüber nachgedacht habe, was mich an der Musik- und Konzertszene stört, dass ich zum Entschluss kam, dass ich keine Lust mehr auf das alles habe und alles hoffnungslos ist. Das ist natürlich übertrieben, aber manchmal fühlt es sich genau so an. Stellt euch zumindest nun vor, es würde jetzt Männer von Blond feat. addeN im Hintergrund laufen. Meiner Meinung nach einer der besten und wichtigsten deutschsprachigen Songs des Jahres.

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    Hier kommt also eure gesunde Portion Negativität. Ich werde nun keine belegte Kritik an der Musikbranche schreiben, das haben viele vor mir schon ziemlich gut getan. Eine davon ist Fiona Kutscher, die in ihrer Arbeit „No Man’s Land“ Diskriminierung und fehlende Diversität in verschiedenen Teilen der Branche behandelt. Absolute Empfehlung, zum Lesen hier klicken.

    Der aufgebrachte Bauernmob

    Ich werde bloß meine eigenen Beobachtungen schildern. Viele davon trugen sich aber nicht nur auf Live-Events zu, sondern auch auf Social Media. Ein Ereignis, das meinen Eindruck von dem vorherrschenden großen Livepublikum prägte, war ein Tweet von mir aus dem Juni 2022, an dem Rock am Ring / Rock im Park Wochenende. Genauer gesagt, die Reaktionen dazu.

    Obwohl der offensichtlich überzogene Tweet für mich nur ein unüberlegter Spaß und gar keine belegte, wohlformulierte Kritik war, bestätigte sich meine Annahme noch sehr viel mehr als gedacht. Ich muss dazu sagen, dass ich noch nie bei Rock am Ring oder Rock im Park war. Natürlich bei anderen Festivals schon, aber RaR blieb mir bisher erspart, während ich als Teenager immer unbedingt „irgendwann mal“ hin wollte und jetzt einfach keine Lust mehr darauf habe. Aber glücklicherweise kann ich diesen Riesenspaß gar nicht mehr erleben. Denn ich wurde ausgeladen. Richtig, im Gegenzug wurde ich von wütenden Festivalfans auf Twitter dazu ermahnt, bloß niemals ihr heiliges Gelände zu betreten. Obwohl sich viele davon zu dieser Zeit auf dem Festival befanden, war es anscheinend ebenso unterhaltsam meine Aussage auseinanderzunehmen: Ich sei eine Berliner-Hipster-Techno-Studentin, männerhassend und sexistisch, noch nie auf einem Festival gewesen und natürlich auch einfach dumm und auf der Suche nach Aufmerksamkeit. Mein Tweet ist ein kleines bisschen viral gegangen und anscheinend genau in das Blickfeld derer gerutscht, die ich in den 29 schriftlichen Wörtern zu meiner „persönlichen Hölle“ erklärte. Nach hunderten von Kommentaren, in denen ich verspottet oder beleidigt wurde, folgten auch private Drohungen in meinen DMs. Ich weiß nicht, ob das für irgendwen schockierend ist, vermutlich nicht, aber ich möchte betonen, dass fast alle von diesen motivierten Teilnehmern Männer waren. Und obwohl sie sich auch für die drei-viertel-Hosen Anklage verteidigen könnten, blieben fast alle von ihnen auf den Wörtchen „betrunken und sexistisch“ und dem Thema der Rockmusik hängen. Ich hätte dir wirklich gerne geglaubt, dass du nicht „so ein“ Festivalbesucher bist, @tomfestivalliebe130296, aber dafür hättest du mich nicht unbedingt als „dumme verweichlichte Hipster-Schlampe“ bezeichnen müssen. Das spricht nicht gerade für dich.

    Eine kleine Auswahl an Reaktionen

    Ich werde jetzt nicht auf jedes Kommentar eingehen. Eigentlich fand ich es witzig, ich saß gut unterhalten am Handy und habe über die Reaktionen gelacht. Kurz gefasst: Ich wurde quasi zum Feind von Rock am Ring, während die wütenden Bauern mich mit ihren Mistgabeln und Fackeln jagten. In meiner Vorstellung erwartet mich genau dieser Mob am Einlass des Festivalgeländes, um mir ein warm gewordenes Dosenbier vor der Nase zu öffnen und mich dann eigenhändig zu bekämpfen. Ich habe darüber nachgedacht, wieso überhaupt solche Zustände unter Musikfans des Festivals herrschen. Neben den klassischen Merkmalen von Eskapismus, die solche Events immer mit sich bringen und zum Verlust jeglichen Anstands und Benehmens führen können, hängt dies für mich auch mit dem Line Up zusammen. Dass Rock am Ring und Rock im Park oft wegen ihrem sehr, sehr männlichen Line Up in der Kritik stehen, sollte allen bewusst sein. Genau darin sehe ich auch die Wurzel meines persönlichen Bauernmobs. Wenn jedes Jahr nur Volbeat, Korn und die Toten Hosen da spielen, dann beeinflusst das auch, wer auf das Festival geht. Und da das Line Up sich jedes Jahr nur wenig bemerkbar wandelt, bleiben auch die pöbelnden Traditionsfans. Sie sind bestärkt und bequem in dem, was sie jedes Jahr kennen und machen. Das ist prinzipiell vollkommen in Ordnung, jährliche Traditionen können auch etwas schönes sein. Aber nicht, wenn sie den Punkt erreichen, dass jede berechtigte Kritik wie ein sprachlicher Terrorangriff behandelt wird. Dass sich die Fans von Miley Cyrus von denen von Papa Roach unterscheiden, ist offensichtlich. Meine These ist also, dass wenn das RaR und RiP Line Up schon seit ein paar Jahren durchmischter wäre, auch das Publikum diverser wäre. Tom und Thorsten würden sehen, dass nicht alle Frauen so schlimm sind wie ich und dass auch Frauen coole Rockmusik machen und ihnen ihre tollen Lieblingsbands gar nicht wegnehmen. Alle würden sich weinend in den Armen liegen! Das wäre schön. Natürlich verfluche ich nicht alles an Festivals und auch bei weitem nicht alle männlichen Rock-Acts. Aber auf dieses Festival habe ich nun zugegebenermaßen keine Lust mehr.

    Auch bei einem kleineren Rock-Festival, auf dem ich in diesem Jahr war, stellte ich ein unangenehmes Männer-Publikum fest. Kein Wunder, ich war von morgens bis nachts dort und habe keine einzige Frau auf den zwei Bühnen gesehen. Na gut, eine einzige, die zu dem Zeitpunkt bei einer Männerband jemanden ersetzt hat. Auch die Erinnerungsposter aus den vergangenen Jahren haben meine Vermutung bestätigt: Dieser Tag war keine Ausnahme. Statt coole, neue Artists, vielleicht ja sogar Frauen, zu buchen, bestand das Line Up jedes Jahr größtenteils aus den gleichen rotierenden Ska-Punk-BarfußläufermitBlasinstrument-weißerTypmitDreads-Bands. Verpasste Chance? Ich finde schon.

    Um jedoch beim Thema Line Ups zu bleiben, ist mir auch dieses Jahr bei allen Ankündigungen aufgefallen, dass folgendes Kommentar sich jedes Jahr in abgewandelter Form darunter befindet. „Wer soll das sein haha? Kenn ich nicht, was für ein scheiß Line Up.“ Ein @Henrisnowboarder123-Typ möchte uns jedes Jahr mitteilen, dass er seinen musikalischen Horizont konsequent nicht erweitern möchte. Und dass dieser wahrscheinlich in 2013 hängen geblieben ist. Und dass er sich dieses Jahr wieder zum 10. Mal die Beatsteaks statt Nina Chuba wünschen würde, denn wenn er sie nicht kennt, ist sie bestimmt scheiße. Genau diese Einstellung scheinen viele Festival-Herren mit sich zu tragen und jedes Jahr, bei jedem Festival, finde ich solche Henris wieder. Ich wünsche ihnen ein bisschen mehr Freude am Neuen und ein bisschen mehr Geschmack.

    Die Malle-Männer

    Eine weitere Beobachtung. Dieses Jahr haben so gut wie alle männlichen Acts, zumindest die aus der Indie-Blase und ihrer Umgebung, versucht weibliche Support Acts mit auf Tour zu nehmen. Das freut mich sehr, denn Support Slots sind eben das benötigte Sprungbrett, um die verdiente Aufmerksamkeit zu erlangen und später selbst auf einer großen Bühne zu stehen. Artists und Booker*innen haben dieses Jahr in dieser Hinsicht offensichtlich etwas geleistet. Das Publikum aber nicht so ganz. Erst kürzlich war ich auf dem Konzert einer sehr bekannten und beliebten deutschen Band, der Voract war eine fantastische weibliche Musikerin. Der Auftritt: mega. Die besoffenen Männergruppen im Publikum hatten jedoch wohl mehr Spaß daran „Ach komm, zeig uns lieber deine Titten!“ während des Auftritts der Musikerin in Richtung der Bühne zu rufen. Nachdem das Konzert auch schon leider sehr an der schlechten Organisation litt, hinterließen die betrunkenen Männergruppen einen noch einschlagenderen Eindruck bei mir. Ich brauchte keine 15 Minuten, um nach dem Konzert zu erfahren und zu sammeln, dass die gleiche Art von Leuten auch in anderen Ecken der Halle lauerte. Buhrufe und Aussagen wie „Die Titten sind geiler als die Musik“ standen wohl auf dem Abendprogramm einiger Herren.

    Ich bezeichne sie gerne als „Malle-Männer“, das erklärt sich wahrscheinlich von selbst. Übrigens unterstelle ich niemandem davon dumm zu sein. Wenn wir auf dem Konzert der selben Band gelandet sind, haben wir ja wahrscheinlich sogar einiges gemeinsam. Das Problem erschließt sich für mich ähnlich wie mein Rock am Ring Mob. Die beschriebenen Malle-Männer sind es wahrscheinlich so sehr nicht gewohnt eine selbstbewusste, talentierte Frau auf einer großen Bühne zu sehen, dass somit eine Abwehrreaktion folgt. Diese Reaktion ist vollkommen unangebracht und mit nichts zu entschuldigen, aber ich vermute darin liegt ihr Ursprung. Fremd und unbekannt heißt meistens verwirrend und abstoßend. Wenn Malle-Mann Heiko sein Leben lang nur ähnlich aussehende Männer auf der Bühne abfeiert, dann ist er überfordert von der fremden jungen Frau, die jetzt vor ihm steht. „Etwas anders sieht es im Live Bereich aus. Lag der Anteil im Jahr 2010 noch bei 7% konnte für das zusätzlich ausgewertete Jahr 2022 ein Frauenanteil von 16% beobachtet werden“ (Zitat: Fiona Kutscher, No Man’s Land). Wir bewegen uns also immerhin langsam in eine neue Richtung. Dass das trotzdem bei weitem noch nicht genug ist, zeigen mir meine Beobachtungen. Ich würde meine Hand dafür ins Feuer legen, dass Malle-Mann Heiko, geschützt von seinen anderen Malle- Männern, bei jedem anderen Voract, der kein Mann ist, genau so herablassend reagiert hätte. Es lag nicht an der Musik.

    Bleiben wir nun bei Malle-Männern. Im August war ich auf einem Hallen Konzert einer anderen beliebten deutschen Indie Band. Ich nenne gerade keine Namen, weil es mir nicht darum geht, über bestimmte Musiker*innen zu sprechen. Diese Erzählungen stehen stellvertretend, denn es hätte sich um fast jede beliebige Band handeln können. Auf dem genannten Konzert war es heiß. Klar, draußen waren 30 Grad und drinnen machte sich schon nach zwei Songs ein Sauna ähnliches Gefühl breit. Während das Konzert voranschritt, tat dies auch die Anzahl der oberkörperfreien Männer. Das führte dazu, dass sich der riesige, mit Spaß erfüllte Moshpit in der Mitte der Halle immer weiter entleerte. Bis bei den letzten Songs ein großes Loch die Mitte der Crowd zierte und sich darin fast nur noch eine Gruppe befand. Richtig, die oberkörperfreien Malle-Männer. Auch vor der Pandemie ist mir der Mangel an T-Shirts auf den Konzerten der selben Band aufgefallen, damals empfand ich es schon als unangenehm. Dieses Mal hab ich noch mehr Probleme darin gesehen. In meiner Beobachtung steckt nämlich, dass diese Männer während des Konzerts alle FLINTA* durch ihr Verhalten aus dem Pit verdrängt haben und ihnen den Raum genommen haben, der ihnen zusteht. Dann kann Malle-Heiko allen beweisen, wie krass und überlegen er im Moshpit ist. Und dass er keinen Fick gibt. Zwischen all den rücksichtslosen, grölenden, schwitzigen Männern fragte ich auch während des Konzerts ein Paar davon wieso sie ihr Shirt nicht anbehalten konnten. Ich bekam, wie erwartet, nur genervte Blicke. Aber auch ich war genervt, denn auch mir war unfassbar heiß. Ich hatte wiederum nicht die Option, mich auszuziehen.

    Übrigens beobachtete ich auch, dass wenn eine weiblich gelesene Person Männer auf ihre fehlenden T-Shirts ansprach, es ihnen egal war. Wenn die kurze Konversation von Mann zu Mann passierte, wurde oft Einsicht gezeigt. Klassiker. Nach dem Konzert stellte ich schnell fest, dass ich nicht die einzige war, die das Verdrängen der FLINTA*-Personen bemerkt hatte und denen daran die Lust an dem Konzert verging. Die Band und ich schickten mehrere Stunden lang Nachrichten hin und her. Ich erklärte detailliert was mir an dem Thema liegt und dass ich mir wünsche, die Szene würde inklusiver denken und handeln. Dabei wünschte ich mir auch, dass das Thema kurz auf der Bühne angesprochen wird. Nicht als Verbot, einfach als ein kurzes „Wir wollen dass sich hier alle wohl fühlen. Wenn wir unsere Shirts anlassen können, könnt ihr das auch“. Das wäre in meiner Vorstellung ein guter Schritt gewesen, denn Frauen klären schon lange über diese Themen auf. Allerdings benötigt es meistens (leider) Männer, die etwas sagen, damit andere Männer zuhören. Vor allem in diesem Szenario, wenn es Männer auf einer Bühne sind, die man als Musiker cool findet. Die Band zeigte sich im Gespräch, nach ein paar leider eher widersprechenden Aussagen, doch ziemlich verständnisvoll. Ich bin halbwegs zufrieden schlafen gegangen, in der Hoffnung meine Worte hatten einen Gedankengang bewirkt. Zu mal es sich bei der Band um Musiker handelt, von denen ich sehr viel halte, sowohl musikalisch, als auch menschlich.

    Nach einem weiteren Konzert der Band realisierte ich, dass sich nichts verändert hatte. Auch dieses Mal
    kontaktierte mich die Band selbst und wir schickten einander einige Texte. Sie wollten aus unterschiedlichen Gründen nichts auf der Bühne dazu sagen. Ich war ein wenig enttäuscht, aber gleichzeitig froh, dass dieser Austausch wohl beiden Seiten wichtig war. Jedoch hatte ich währenddessen das Gefühl, der Band sei es im Kern einfach zu riskant ihre männlichen Fans zu vergraulen. Eigentlich erhoffte ich mir immer, dass sie eine Band seien, die kein Problem hat aus ihrer Komfortzone zu treten. Ich sprach mit einigen Freundinnen und Bekannten darüber, auch mit Freundinnen der Band. Schnell ließ sich erkennen, dass die weibliche Seite der selben Ansicht war wie ich. Als Ergebnis dieses Gespräches erstellte die Band Schilder, die sie bei den restlichen Konzerten an den Einlass hängte. Darauf wurde gebeten, sich respektvoll zu verhalten und auch seine T-Shirts anzubehalten. Wenn die Schilder, meiner Bedenken nach, missachtet werden sollten, sagen sie doch etwas auf der Bühne dazu, wurde mir beteuert. Irgendwann fühlte ich mich seltsam, wie eine kontrollierende, strenge Lehrerin, was nie meine Absicht war. Andererseits weiß ich, dass sich nichts ändert, wenn man nicht immer und immer wieder darüber redet. Erzählungen zufolge sagte diese Band vor kurzem auf einem sehr großen Konzert zum ersten Mal auf der Bühne, man solle T-Shirts anbehalten, in dem selben Kontext, dass man aufeinander Acht geben soll. Auch das Management erklärte auf Nachfrage, dass dies als Schlussfolgerung von vielen Gesprächen mit Freund*innen und Fans resultierte. Ich weiß, man darf das Große nicht aus den Augen verlieren. Es wird trotzdem tausende Konzerte bei anderen Bands mit unangenehmen, Dominanz demonstrierenden Männern im Publikum geben. Aber trotzdem freut es mich, dass diese Geschichte nicht als hoffnungsloser Fall, sondern sogar im Nachdenken und Handeln endete.

    Ein weiteres Beispiel ergab sich, als mich kürzlich ein Bekannter am Tag nach einem Konzert fragte, ob ich es auch so gut fand wie er. Ich bejahte, erwähnte aber auch kurz, dass ich den Leadsänger als unangenehm empfand. Er spielte die Show oberkörperfrei, mit sexuell angedeuteten Dance-Moves und betonte auf der Bühne unter anderem, dass er sich immer über die vielen „sexy females“ im Publikum erfreut. Mein Bekannter verstand meine Wahrnehmung nicht, er fühlte sich von meiner Bemerkung offensichtlich beinahe selbst angegriffen. Eigentlich habe ich aber nicht verstanden, wieso ich mich als einfacher Fan der Musik dieser Sexualisierung und Bewertung des Sängers unterziehen musste. Ich hab genauso wie mein Bekannter die Songs mitgebrüllt, ich bin genauso im Moshpit rumgesprungen, ich habe genauso geschwitzt. Aber ich bin eine Frau. Im Verlauf des Jahres fand ich mich oft in verschiedenen Situationen wieder, in denen ich mit Männern über dieses Thema diskutieren musste. Wobei ich das nicht musste, sondern wollte. Sei es mit Freunden von Freunden oder Beteiligten von Festivalorgas. Von Aussagen wie, dass ich nie wieder zu Festivals gehen soll, zu ich gehör nicht auf „härtere“ Shows, denn „dort war es einfach schon immer so“. Ist es denn nicht diskriminierend gegenüber Männern, dass ich von ihnen verlange, sich einzuschränken? Die wahrscheinlich am häufigsten gestellte Frage. Nein, ist es nicht.

    Die blickdichten Wände

    Vor kurzem habe ich im Club den DJ gefragt, ob ihm bewusst ist, dass die Band, die er gerade spielt, Anschuldigungen zu sexuell übergriffigem Verhalten an sich trägt. Die Reaktion hätte natürlich schlimmer sein können. Er behauptete immerhin, dass er das weiß und bloß in diesem Moment vergaß. Es täte ihm Leid. Aber! Natürlich hängte er am Ende der Aussage an, dass man „sowas ja nicht beweisen kann“ und da „auch oft gelogen wird“. Statistiken beweisen, dass dies nur in den aller wenigsten Ausnahmefällen zutrifft. Ich versuchte es kurz zu erklären, aber gab schnell auf und holte mir einen Gin Tonic. Dort, wo Männer andere Männer schützen und Tätern einen Raum geben, dort sind sie von starren, blickdichten Wänden umgeben. Diese Wände zu durchbrechen, ist mein großer Wunsch. Manchmal liefen die Gespräche, die ich führte, einsichtig, manchmal stieß ich nur auf sture Ablehnung. Aber eins hatten diese Gespräche immer gemeinsam: Sie waren kräftezehrend. Ich habe in diesem Jahr bemerkt, wie viel Energie es raubt, Männern jedes mal die selben Dinge zu erklären. Jedes Mal überhaupt zu sagen, dass es sich hier um ein Problem handelt. Jedes Mal verbal darum zu kämpfen, dass meine Gefühle auch eine Daseinsberechtigung haben, ohne zu sehr anecken zu wollen. Jedes Mal zu erläutern, dass ich nicht die einzige bin, der es so geht und dass es sich lohnt, mal etwas weiter zu denken. Ich habe keine Lust mehr darauf.

    Ich habe keine Lust mehr darauf, dass man immer die gleichen unangenehmen Geschichten über Männerbands miterlebt oder hört. Ich habe keine Lust mehr darauf, dass ich mich damit zufrieden geben muss, dass es ja in anderen Bubbles „noch viel schlimmer sei“. Ich habe keine Lust mehr mich unwohl und unterlegen zu fühlen. Ich habe keine Lust mehr zu sehen, wie andere wegsehen. Die kleinen Geschichten, die ich hier aufschreibe, sind nur ein winziger Teil. Sie sind nur ein winziger Teil meines Jahres, ich könnte noch viel mehr erzählen. Aber auch ein winziger Teil von großen Problemen. Es waren Momente, die mir als besonders ernüchternd im Kopf geblieben sind. Ich weiß auch, dass es naiv und unrealistisch ist, zu glauben, dass sich etwas davon durch durch den Jahreswechsel ändert. Aber ich möchte es trotzdem. Ich habe es jedes Mal sehr deutlich wahrgenommen, wenn ich beispielsweise eine junge Tourmanagerin im Backstage gesehen habe. Das fällt mir auf, das bleibt bei mir hängen. Jede dieser FLINTA*, die in der männlich dominierten Musikszene aktiv ist, ist ein Vorbild für mich. Sie sind alle für einander gegenseitige Vorbilder, wenn auch nur unbewusst. Orte und Bereiche, in denen mehr von diesen Personen anwesend sind, sind offener und verständnisvoller. Auch das habe ich deutlich beobachtet. Der dunkle Raum mit den blickdichten Wänden, den ich erwähnt habe, wird einzig und allein durch die Präsenz von FLINTA* Personen durchbrochen. Selbst, wenn es nicht ihre Absicht ist, politisch und kritisch zu handeln oder aufzuklären. Ich wünsche mir das Gegenteil des blickdichten Raums. Einen, in dem mehr Realitäten als nur die des weißen cis Mannes aufeinander treffen. Einen, in dem Strukturen gelöst und neu zusammen gesetzt werden. Einen, in dem Menschen einander zu hören, reflektieren und realisieren. Denn dort, wo Männer nicht nur geschützt und umgeben von ihren Bros sind, ändern sie auch ihr Verhalten. Wäre das nicht ein Gewinn für alle?

    Für 2023 wünsche ich mir, dass ich wieder mehr Begeisterung verspüren kann und nicht ständig mit dem Gefühl des „ich habe keine Lust mehr“ Heim gehe. Ob ich das schaffe, ist nicht nur von mir abhängig.

  • Lucas‘ Jahresrückblick: Für kurze (und lange) Aufmerksamkeitsspannen

    Lucas‘ Jahresrückblick: Für kurze (und lange) Aufmerksamkeitsspannen

    Als angehender Pädagoge ist mir eines bei diesem Jahresrückblick besonders wichtig: Alle potenziellen Lesenden entsprechend ihrer Bedürfnisse abzuholen und zufriedenzustellen. Daher bietet diese Rückschau unterschiedliche Stufen des Konzentrationsspektrums. Von ADHS slash TikTok type of Aufmerksamkeitsspanne bis zu Musik Hedonist*in für den oder die Zeit keine relevante Größe ist, ist alles möglich. Ob in 8 Sekunden über den Artikel scrollen oder die nächsten vier Tage damit verbringen jeden Song, jede EP, jedes Album und jedes Musikvideo anzuschauen, um eine detaillierte Persönlichkeitsanalyse zu entwickeln: alles ist erlaubt!

    Damit letzteres nicht tatsächlich eintritt, nehme ich es bereits vorweg: Meine Hörgewohnheiten sind die eines verrückten Dinosauriers. Denn erstens, ich höre noch gesamte Alben. Zweitens, ich höre die meisten Alben nur ein Mal „aus Interesse“. Drittens, ich höre keine Playlists außer die New Music Friday Playlist und erstelle auch keine eigenen und viertens, ich höre noch gesamte Alben!!.

    Wer jetzt noch nicht aufgegeben hat: enjoy the show, but I warned you! Zur mentalen Einstellung auf was folgt, kommen hier die blanken Zahlen: 33 neue Lieblingssongs, 23 besuchte Konzerte, 7 neue Lieblingsalben, 6 geschriebene Reviews, 3 Lieblings-EPs und 1 eigener Auftritt. Welche Aussagekraft diese Zahlen haben und was sie von mir preisgeben, ich habe keine Ahnung.

    On a sidenote: alle Socials, Songs und Musikvideos sind verlinkt, wenn ihr auf die Artists bzw. Songtitel klickt, außer Rachmaninow und Schostakowitsch. Die sind schon tot.

    Musik Moment des Jahres

    📈 23. September eigener Auftritt 📈
    im Badehaus, naja im Backstage … vom Badehaus …

    Review des Jahres

    Kurz vorm Ende der Welt hören wir Ami Warning
    Werbung in eigener Sache direkt am Anfang des Artikel – check!

    AMI, KVEDW, cover, ami, clear, rooom, blaue augen, cover,ami warning, untoldency, online magazin, review, kurz vorm ende der welt, mixtape, ep, indie, deutsche musik

    Konzerte des Jahres

    Olivia Dean im Festsaal Kreuzband
    70€ für einen Scam verballert um 25min Olivia Dean als Vorband zu sehen

    im Kesselhaus
    bester Schlagzeug Sound in meinem Leben

    Leon Bridges im Huxleys
    neue Elvis Presley

    070 Shake im Berghain
    was im Berghain passiert bleibt im Berghain

    Staatskapelle Berlin: Rachmaninow, Schostakowitsch in der Philharmonie
    Das ist noch echte Musik!

    Oehl im Franz Club
    Wackeldackel als Mensch

    EPs des Jahres

    Apsilon – Gast
    Deutsches Gewissen

    Joalin – I’m The One
    Instagirl kann singen

    𓃠 Marie Bothmer – Swimmingpool 𓃠
    Deutsche Billie Eilish

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    Alben des Jahres

    💖 Benee – Lychee 💖
    Neuselländische Billie Eilish mit Depressionen & ADHS

    070 Shake – You Can’t Kill Me
    Sound of the Youth & malnourished Cruuuuuush!

    Ami Warning – kurz vorm Ende der Welt
    Musik kurz vorm Ende der Welt

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    Songs des Jahres

    🕺$oho Bani, Longus MongusINZIDANCE 🕺
    MACH DEN INZIDANCE; MACH DEN INZIDANCE, MACH DEN INZIDANCE!

    Swedish House Mafia, StingRedlight
    2000er Techno Revival

    OehlKeine Blumen
    weinen auf österreichisch

    Noah CyrusMr. Percocet
    verstehe jetzt Republikaner 1% besser

    EvinYarê
    Liebe auf den ersten Blick

    PabstMercy Stroke
    nächste Blink182

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    Musikvideos des Jahres

    🐿 Deichkind – Natur 🐿
    letztens ein Laubgebläse benutzt, ist ganz geil

    Caroline Polacheck – Sunset
    Welcome to the 20th Century

    Joalin – Angelito
    Bring me back the summer pls!

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    Entdeckung des Jahres

    🜲 Levin Liam 🜲
    klingt wie wenn die Zunge langsam taub wird vom Hustensaft aber das Kribbeln ist eigentlich ganz angenehm

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    Scheißsong des Jahres

    Black Eyed Peas, Shakira, David Guetta – DON’T YOU WORRY
    hass

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