Das letzte Zwölftel des Jahres 2024 ist angebrochen und mit ihm kommt die kalte dunkle Jahreszeit. Eine Jahreszeit, die zuhause gemütlicher macht, Besinnlichkeit und Beisammensein verspricht und für viele Menschen Tradition bedeutet. So ist es etwa bei untoldency Tradition, in dieser Zeit das musikalische Jahr in einem Jahresrückblick Revue passieren zu lassen.
Denke ich an 2024 zurück, wird mir bewusst, dass es ein Jahr war, in dem ich vor allem eines noch weniger hatte als je zuvor: Zeit. Wer kennt es nicht? Einen geraumen Anteil der Zeit frisst die Arbeit oder die Uni, das Lernen und Sachen, die einfach gemacht werden müssen. Das, was wohl die meisten nachvollziehen können, hat mich persönlich in diesem Jahr stark eingeholt. Der Wert der Zeit, die ich ganz ohne Verpflichtungen und nur für mich hatte, stieg in diesem Jahr ins Unermessliche. Da ist sie wieder, die Inflation.
Deshalb ist es auch hier in den letzten Monaten ziemlich ruhig um mich geworden. Aber anstatt über ein Problem zu lamentieren, welches ohnehin fast alle haben, komme ich nun auf meine besonderen musikalischen Highlights von 2024 zu schreiben. Viel Spaß mit meinem Jahresrückblick!
Mein Album des Jahres
Anfang des Jahres – ich habe hier darüber geschrieben – kam das Debütalbum „Prelude to Ecstasy„ von The Last Dinner Party und hat meine Welt ein wenig aus den Fugen gerissen. Die kraftvollen Lyrics, der pulsierende Pop aber vor allem der Klassik- und Renaissancebezug im Instrumental und in der Gesamtästhetik haben es mir sehr angetan. So sehr, dass die Songs „Sinner“, „Nothing Matters“ und „On Your Side“ allesamt in meinen Go-To Playlists gelandet sind und (zumindest außerhalb der Weihnachtszeit) bis heute täglich von mir gehört werden. Von der Band konnte ich 2024 gar nicht genug bekommen und hoffe, dass 2025 die Sehnsucht nach mehr stillt.
Spulen wir vor zum Sommer. Zu einem Jahresrückblick gehören ja bekanntlich nicht nur Neuentdeckungen, sondern auch Bekanntes, Liebgewonnenes oder Wiederentdecktes. Außerdem sind es doch am Ende die Erlebnisse, die in Erinnerung bleiben. Deshalb möchte ich auch über die einzigartigen Konzerte schreiben, die Mitte 2024 besuchen konnte.
Was ist, wenn wir beide wie Hannover sind?
Eines davon war das Seventyfive Festival in meiner Heimat, die Grafschaft Bentheim (ja, auch da können gute Konzerte stattfinden). Im Charme eines Speditionsgeländes hat mich vor allem ein Künstler wieder in den Bann gezogen: Thees Uhlmann. Schon seit Jahren, taucht er hier und da immer mal wieder in meinen Hörgewohnheiten auf, allerdings vergaß ich ihn in der letzten Zeit ein wenig. Die fast erloschene Glut wurde an jenem Tag folglich zu einem lodernden Feuer entfacht. Auch, wenn ich für gewöhnlich kaum deutschsprachige Musik höre, vermag mich die von Thees Uhlmann mittlerweile so tief emotional zu berühren, wie keine andere.
Ein Beispiel. Die Stadt Hannover – dort, wo ich wohne – hat in diesem Jahr eines seiner berühmtesten Wahrzeichen „verloren“. Der sogenannte Telemoritz ist ein in Stadtzentrumsnähe stehender Fernsehturm, der verziert mit drei großen Volkswagenlogos über die Häuser Hannover wachte. Er war mit seiner VW-Werbe-Charakteristik nicht von der Skyline wegzudenken. In dem Song „Was wird aus Hannover“ besingt Thees Uhlmann diesen Turm mit folgenden Worten:
„Am Bahnhof steht ein Turm, der für Nutzfahrzeuge wirbt Du warst wie ein Sturm, den niemand hört und spürt“
Vom mittlerweile baufälligen Turm, der seit 2004 unter Denkmalschutz steht, wurden im Juli dieses Jahres die Werbeschilder abgehangen. Der triste Anblick dessen und die Emotionalität, die der Uhlmannsche Soundtrack in mir erweckt, haben mich zu jener Zeit möglicherweise ganz kurz zum Weinen gebracht. So viel zu meiner persönlichen Bauwerktristesse von 2024.
Ins Wasser gefallen
Eigentlich wollte ich über das erwähnte Festival bei untoldency berichten. Neben Thees Uhlmann hätte auch einer seiner norddeutschen Kollegen spielen sollen, dem ich einige Tage vorher in seiner Heimatstadt Braunschweig lauschen durfte: Axel Bosse. Nach einer unfassbar tollen Darbietung auf der Volksbank BraWo Bühne, habe ich der Show vom sympathischen Headliner Bosse auf dem Seventyfive Festival voller Vorfreude entgegengefiebert. Dazu kam es allerdings nicht, denn das Konzertgelände musste schon frühabends aufgrund von Unwetterwarnungen und straken Regenfällen geräumt werden. Mitten im Sommer fiel Norddeutschland sich selbst zum Opfer.
Mein absolutes und unangefochtenes Highlight des Jahres hingegen, ist eine Show der Superlative, die seines gleichen sucht. Gemeint ist Coldplay, die ihre „Music Of The Spheres World Tour“ in diesem Jahr nach Deutschland gebracht haben. Auch dort hat es Anfangs durch das offene Stadion wie aus Badewannen gegossen. Die Bühne wurde über eine Stunde lang im Sekundentakt von der Crew mit Wischern abgezogen und von enormen Wassermassen befreit, was natürlich innerhalb von Augenblicken wieder hinfällig war. Diese Show fiel aber nicht ins Wasser – ganz im Gegenteil. Der Regen wurde von der Band atmosphärisch genutzt und auch die Energie der Fans konnte dem schlechten Wetter trotzen. Er schien einfach dazuzugehören, hat das Erlebnis eindrücklicher und die Band trotz Weltruhm noch sympathischer und nahbarer gemacht. Alle tanzten gemeinsam im Regen.
And It Was All Yellow
Kurz zusammengefasst war das Konzert knappe 3 Stunden lang ein Hit nach dem anderen, nur Banger aneinandergereiht. Niemals ging die Energie verloren. Die Chance, sich auszuruhen nahm man sich gern selbst. Die phänomenale Lichtshow gab der umwerfenden Kulisse den Rest. Jeder Mensch aus dem Publikum hat für das Konzert ein ferngesteuertes Leuchtarmband bekommen, das nonstop choreographiert in verschiedenen Farben zum Leuchten und Blinken gebracht wurde. So war zum Beispiel die gesamte Arena beim Song „Yellow“ in einem leuchtenden gelb getaucht. Kein Wunder, dass dieses Konzert für lange Zeit unübertrefflich für mich bleibt.
Das Musikjahr 2024 schließe ich ab mit einer meiner alltime favourites Alternative Band aus den frühen 2000ern. Nada Surf brachten in diesem Jahr ihr neues „Album Moon Mirror“ heraus. Eine Demonstration der neuen Songs habe ich mir im Dezember auf einem ihrer Konzerte in Hamburg geben lassen. Aber darauf werde ich im neuen Jahr zu schreiben kommen. Es sei an der Stelle vorerst nur Folgendes erwähnt: Sie sind sich treu geblieben. Es geht doch nichts über einen Cliffhanger am Ende. Hört Euch das Album bis dahin am besten schonmal an.
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Am Ende des Jahresrückblickes bleibt nur noch zu sagen: Ich wünsche Euch allen von Herzen besinnliche Festtage, egal was und wie ihr feiert und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2025. Nehmt Euch die eingangs beschriebene, kostbare Zeit, die Euch die Tage zwischen den Jahren geben. Man liest sich!
Alljährlich werden wir im Dezember mit diversen Jahresrückblicken berieselt, die einem so oft auch mal einen Kloß im Hals verpassen. Hinter meinem musikalischen Jahresrückblick verbirgt sich zum Glück nur Freude über die großartigen Künstler*innen, die mich 2024 so fleißig begleitet haben. – Eine Reihe musikalischer Neuentdeckungen auf Dauerschleife, gute Konzerte und viel Altbewährtes mit meinen Top-Songs und -Alben aus diesem Jahr.
MEINE TOP SONGS AUS 2024
In diesem Jahr war ich mir zum ersten Mal ziemlich sicher, welcher Song es auf Platz 1 meiner meist gehörten Songs schaffen wird – laut Statistik. Keinen Song habe ich 2024 so dermaßen auf Dauerschleife gehört wie „Messy“ von Lola Young. Ein – für mich – sehr feministischer Song, in dem Lola Young beschreibt, wie man es nie irgendjemandem recht machen kann. Sie reflektiert dabei vor allem auch sich selbst. Ein Ohrwurm, den ich bis heute nicht loswerde (und auch nicht möchte).
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Neben Lola Young hat mich auch Olivia Dean wieder in den Bann gezogen, diesmal mit ihrem Song „Time“. An zwei Orten gleichzeitig sein, jeder Person im Leben alles geben zu können und dabei auch Zeit zu für sich selbst zu haben? Der Song klingt so wunderschön leicht und hin- und hergerissen zu gleich. Ich halte ihre Stimme einfach für perfekt. Nach ihrem Debütalbum bekomme ich nicht genug von ihr und ihrem Songwriting.
Nun, was wäre dieser Jahresrückblick ohne die Nennung der australischen Neuentdeckung Royal Otis? Um ehrlich zu sein, könnte hier vermutlich jeglicher Song der Band stehen, denn ihre ganze Diskographie hat mich in diesem Jahr ununterbrochen begleitet. Mit „Foam“ habe ich den letzten meiner Top-3 Songs gekürt, der den Vibe der Band ziemlich gut widerspiegelt – locker, schwungvoll, mit dem perfekten Bass. Ein Muster lässt sich bisher auf jeden Fall erkennen: Neuentdeckungen machen sich gut auf Dauerschleife.
Da 2024 noch viele andere gute Songs rausgekommen sind, die man gehört haben muss, folgt eine Sneak Peak aus meiner Jahresrückblick-Playlist: „Lullaby for the Lost“ von Current Joys, „Flowers“ von Jordan Rakei, „Son“ von Palace, „Flicker of Light“ von Lola Young, „Sundowner“ von Fontaines D.C., „Me And the Dog“ von Sam Fender, „Showtime“ von Catfish and the Bottlemen.
MEINE TOP ALBEN AUS 2024
Hach, wer hätte das gedacht. Royal Otis landen mit ihrem Debütalbum „Pratts & Pain“ zum zweiten Mal in diesem Jahresrückblick. Anders ginge das auch nicht, denn kein Album habe ich mehr verschlungen. Von Songs wie „Merry Mary Marry Me“, „Always Always“ oder „Till The Morning“ habe ich mich bis heute nicht erholt. Es passiert zwar nicht allzu selten, aber auf diesem Album gibt es einfach keine Flops. Nun durfte ich Royal Otis dieses Jahr zwei Mal live erleben und kann überzeugt behaupten, dass das Duo auch live und in Farbe Herzrasen bei mir verursacht hat. Gleichzeitig ist das relativ amüsant, denn beide erinnern mich mit ihrer gleichgültigen und lässigen Attitude auf der Bühne an Liam und Noel Gallagher von Oasis.
Über das folgende Album habe ich im vergangenen Februar bereits eine Review geschrieben und darf hier natürlich nicht fehlen. Declan McKenna ist keine Neuentdeckung für mich, sondern gehört eher zum Standard-Inventar meines Hörverhaltens. Mit „What Happened to the Beach?“ hat der Brite eine Platte geschrieben, die mich immer an den Frühling erinnert und mir gute Laune bringt, wenn sie dringend benötigt wird.
IT’S MUCH BETTER LIVE
Auch in diesem Jahr habe ich wieder viele gute Konzerte erlebt. Neben Royel Otis und Declan McKenna, die ich live sehr empfehlen kann, war ich noch auf einigen anderen Konzerten, die mir in Erinnerung geblieben sind. Zum einen kann ich sagen, dass Coldplay Konzerte wirklich so gut sind, wie alle immer sagen, vielleicht noch besser. Im Februar war ich bei Charlie Cunningham, der mich live fast zum Weinen gebracht hätte (natürlich im Positiven) und die langersehnten Gigs von Nothing But Thieves und Holly Humberstone zählen auch zu meinen diesjährigen Highlights.
Hier könnt ihr meinen Jahresrückblick nachhören:
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Mein Deutschlehrer riet uns für Gedichtsanalysen immer: Anhand der Überschrift eine Hypothese aufstellen und dann offen zu sein diese zu widerlegen oder Belege dafür zu finden. Das war eine Revolution, ich glaube das war der ultimative Tipp um mich jeglichen Kunstformen zu nähern, weil es mich gezwungen hat hinzuschauen, zuzuhören und Voreingenommenheiten zwar nicht loszuwerden, aber offen zu sein diese zu ändern. Da ich dieses Jahr ausgezogenen bin, hab ich mir die Frage gestellt, ob sich dadurch irgendetwas an meinem Musikgeschmack geändert hat.
Also mal angenommen mein diesjähriges Hörverhalten wäre ein Gedicht, dann wären zwei Hypothesen denkbar:
1. Ich hab mich in gewohnte Musik gestürzt, weil ich mich nach Bekanntem sehnte 2. Ich hab mich in neue Genrewelten begeben, weil Neues bringt Neues
Januar bis März (Pre-Semester)
Mein Jahresanfang war sehr einerseits von dem Soundtrack von Perfect Days und Challengers getragen, also hat sich tatsächlich sowohl Rock als auch Techno zu den gewohnten langsameren R’n’B Klängen, 808 Drums von Hip-Hop und Pop/Indie– Alben wie Wiener Schickeria gemischt. Die meiste Zeit wurden meine Ohren vorallem mit bekannten Klängen wie Dominic Fike, Montell Fish, ROSALÍA und Goth Babe gefüllt.
Frühling und ich wachs in neues hinein (und hinaus)
Angefangen hat es mit meinem Musikwissenschaftsstudium. Es steht zwar in keiner Infobroschüre, doch spätestens mit der ersten Vorlesung „Einführung in die Musikwissenschaft“ wird klar: Ich sollte mehr „klassische“ Musik hören. Also hab ich angefangen ein bisschen Liszt, Mozart und Brahms zu konsumieren. Im Vergleich war das die Speisekammer des Unbekannten, den ich durchs Studium erkundet habe. Das Esszimmer wurde geprägt durch die Leute, die ich kennenlernte. Ich aß mit SophiaKennedy, flipturn und Mk.gee, die weitestgehend nichts außergewöhnliches für meine Hörgewohnheiten boten, aber doch Neues einführten. Geschuldet durch eine Disney+ Doku namens „Camden“ gesellten sich etliche Ska, Punk Ikonen aus Camden wie Madness, James und The Libertines hinzu. Eine meiner Lieblinge wurde mit von meiner Gesangslehrerin empfohlen: King Krule. „Out Getting Ribs“ werde ich nie aufhören zu hören.
Sommer-Mische
Patti Smith auf Eis, Apsilon unter orangen spätabendlichen Laternenkegeln und meine Oma, die mit mir Zartmann auf dem Weg vom Zug nachhause hört. Jamsessions brachen mich dazu Jazzstandards zu hören wie „Softly As In A Morning Sunrise“ und ein Hauptkatalysator für den Schub in neue Weiten war der Ein Song reicht Newsletter, den ich gern als Empfehlung für nächste Jahr mitgeben möchte. Im Spätsommer arbeitete ich dann in einer Pizzeria mit ausschließlich italienischen Kellnerin zusammen, mit der ich mich vorallem über Musik austauschte. Während ich dadurch einerseits Musik von früher hörte, wie bspw. „Come Quella Volta“ von Laila Al Habash, lernte ich andererseits auch einige neue Kracher kennen. Meine beiden Liebsten waren „No Time No Space“ und „Centro Di Gravità Permanente“ von FrancoBattiato. Fast alles war ich im Sommer gehört habe, hab ich durch alte oder neue Bekannte kennengelernt. Dadurch reihten sich im Sommer verschiedenste Songs in meinen Playlist untereinander. Ein Beispiel dafür ist folgende Kombination:
1. „Fireflies Made out of Dust“ – Happy Jawbone Family Band 2. „Walk Like an Egyptian“ – The Bangles 3. „Urlaub in Italien“ – Erobique 4. „For James“ – Pale Jay 5. „mona lisa“ – Longus Mongus 6. „Trouble Man“ – Marvin Gaye 7. „Raum“ – Ahzumjot
Herbst – der Rückfall
Im Herbst bin ich größtenteils, unabhängig vom Ort, zurück in alte Hörmuster gefallen. Langsam glaube ich meine Hörhypothese war falsch und was man hört ist viel mehr abhängig von den Jahreszeiten als von den Orten an denen man sich befindet.
Zurück in den tiefen meiner Lieblingssongs, wurden meine Ohren mit „amore cok“ – ALCATRAZ , „Winter“ – Khalid und ROSALÍA besäuselt. Die meisten neuen Songs, die ich gehört habe waren on Artists, die ich schon länger höre oder die sich in denselben Sphären wie meine meistgehörte Musik befinden. Das neue Tyler, The Creator Album und Bazzazian Album sind gute Beispiele dafür. Wirklich neu war, dass ich mir das erste Mal – ich weiß ich bin sehr late to the party- „To Pimp A Butterfly“ angehört. Zwei Songs, die auch an altbekanntes erinnern, aber die ich gerne noch erwähnen würde sind:
1. „Heard Somebody Whistle„- Jay Jay Johnson, den mir mein Mitbewohner empfohlen hat und ders immer wieder schafft meine ganze Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen 2. „I’m Coming Out“ von Diana Ross, der der perfekte Tanzsong ist und der ideal düstere Wintermorgende wegtrompetet. Auch eine Empfehlung einer Mitbewohnerin.
Winter – Die Hypothese geht auf
Meine musikalische Entdeckungslust kommt und geht mit den Jahreszeiten. Manch neues streut sich ein, aber momentan pump ich viele altbekannte Weihnachtssong, höre mir aber auch gerne die Feiertags-Favs anderer an! Mein diesjähriger Favorite ist halb alt, halb neu : „Rudolph the Red-Nosed Reindeer – New Version“ von Bing Crosby und Ella Fitzgerald.
Mein Fazit ist, letztendlich sind beide Hypothesen größtenteils falsch, aber es hat mir Spaß gemacht mein Jahr in Jahreszeiten einzuteilen. Trotzdem denke ich, dass ich Zuhause-wohnend weniger neue Songs, besonders Genre-übergreifend kennengelernt hätte.
Zum Schluss noch für dienjenigen, die Lust auf neue Musik haben: Ich empfehl euch andere Menschen nach Songs zu fragen und hört euch unbedingt 70s Disco Musik an. So tut Sonnenuntergang um 17Uhr bisschen weniger weh.
Schöne Weihnachtszeit und einen schönen Winter, Maja
Da der Spotify Wrapped noch auf sich warten lässt, wrappe ich mein Jahr 2024 vorab hier. Dazu habe ich den vertrauten Streamingdienst durchforstet. Denke ich so drüber nach lässt sich das grob ziemlich leicht und schnell so zusammenfassen:
Die Kenner:innen verstehen vielleicht die Holly Humberstone Reference. Dieses Motto ist aber nicht neu, sondern das trage ich seit zwei Jahren mit mir herum. Ob meine Top drei Songs des Jahres wieder alle von Holly sein werden? Ich will es nicht ausschließen, aber ich habe meinen Horizont im british sad songs departement stark erweitert. Auffällig hier: ziemlich nur FLINTA*s. Thank god. (Auch hier ein kleiner hint vorneweg)
Von Schweden nach Berlin
Ich starte am Anfang. Es ist der 06. Januar 2024, ich sitze mit meinem Papa im Auto. Mein ganzes Hab und Gut im Kofferraum. Ein Straßenschild und die Großstadt-Umgebung verraten, dass wir in Berlin angekommen sind. Ich fühle mich ein bisschen rastlos, komme gerade aus meinem Auslandssemester in Schweden und ziehe für ein Praktikum für 3 Monate nach Berlin. Im Winter. Von verschneiter schwedischer Kleinstadt am Meer zu ich kann die Sonne nicht mehr sehen vor lauter großen grauen Häusern. Im Auto läuft ein Song, der mich direkt catched. Es ist
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von den Wallners. Für mich ist dieser Song direkt mit Berlin connected. Wenn ich ihn jetzt höre, fühle ich, wie sich diese Zeit und dieser Song da angefühlt hat. Dunkel, bisschen kalt, aber tröstend und Comfort-spendend. Der Song ist ruhig, düster, aber warm, mit traumvollen Glockenspiel-Elementen und einer kühlen Dramatik. Jeder einzelne Sound in diesem Stück fasziniert mich.
Begeistert hat mich während meiner Zeit in Berlin auch die Musik von PRISMA. Die beiden Schwestern aus Dänemark habe ich bei ihrem Konzert im Schokoladen gesehen und danach wochenlang nichts anderes mehr gehört. Hätte mir da jemand gesagt, dass ich Ende des Jahres mit ihnen im Booking zusammenarbeiten würde, hätte ich es nicht glauben können. Aber genau das ist seit Ende September der Fall!
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Um jetzt den Bogen zu den same old sad songs zu ziehen, führt uns mein Weg zurück zu ihr: Holly Humberstone. Mein Berlin-Highlight und eines meiner 2024 Konzert-Highlights ist das Konzert von ihr im Februar in Berlin. Ein paar Tage vorher kommt ihre neue alte Single “Dive”, die mich durch den trostlosen Februar trägt. Beim Konzert kann ich dann endlich nochmal 16 sein und habe dieses aufgeregte Herzklopfen, bevor mein Idol die Bühne betritt. Ich fühle mich belebt und möchte nicht, dass es endet. Ich schreie und tanze mir die Seele aus dem Leib und kaufe im Anschluss alles, was der Merchstand zu bieten hat.
Wann ich dieses Gefühl davor zum letzten Mal hatte, weiß ich schon gar nicht mehr. Dieser Abend hat mich auf eine Weise sehr beruhigt von dem grauenvollen Gedanken und der Erwartung, so wie die meisten Industry People, die Euphorie und Freude an Konzerten zu verlieren. Nur noch hinzugehen, weil man irgendwie auf der Gästeliste steht und vor der Zugabe geht, weil man nicht mehr stehen kann. Dieses Konzert hat mir die Angst vor der Entzauberung der Musik genommen und mich mit einem traurig melancholischen Gefühl zurückgelassen, weil ich diese 90 Konzert-Minuten direkt nach ihrem Ende vermisst habe.
Einen Monat später released Holly Humberstone ihre EP “work in progress” mit Songs, die wohl schon länger existieren, es aber nicht auf das Album geschafft haben. Diese EP habe ich sehr in mein Herz geschlossen, weil sie eben so nach Holly Humberstone klingt.
“I had a panic attack on the Underground / Man, I felt like a circus freak”
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Ein Album, was mich auch durch die Straßen und die U3 Fahrt jeden Morgen begleitet hat, sind Royel Otis. Sie bringen zu der Zeit ihr neues Album “PRATTS & PAIN” raus, was dem Winter ein paar Sonnenstrahlen entlockt. Indie-Rock-Gitarren und ihre sonderbare Weise Texte zu schreiben untermalen das Gefühl, ironischerweise alleine in Berlin zu sein.
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“I run away with all my bags packed, leave this crazy town behind”
Die drei Monate in Berlin sind geschafft und es geht für mich zurück nach Mannheim (endlich), mit kurzem Zwischenstopp Zuhause.
Am 01. April ist die Tour-Show von Tom Odell in Frankfurt in der Festhalle. Dieser darf natürlich in der Auflistung der Sad Song Artists nicht fehlen. Einer meiner absoluten lieblings Alben “Best Day Of My Life” stammt von ihm und auch sein neuestes Album “Black Friday” steht für mich an einer besonderen Stelle, weil es mit zum Soundtrack meines Auslandssemesters in Kalmar, in Schweden, gehört. Dieses Konzert mit 15.000 weiteren Menschen war crazy. Besonders hervorheben möchte ich an der Stelle das britische Geschwister-Duo Wasia Project, die an dem Abend Support gespielt haben. Vor allem ihr Song “Is This What Love Is?” ist ein Masterpiece. Der lief bei mir schon vor dem Konzert auf Dauerschleife und das Live hören, hat mich erfüllt. Meine Schwester und ich haben jede Zeile, jedes Wort mit geschrien und die Leute um uns herum haben uns dumm angeschaut, was uns in dem Moment völlig egal war.
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Worüber ich beim Durchforsten meines Spotifys gestoßen bin, ist Lila Dupont und ihr Song “There’s Something About You”. Eine weitere tolle Empfehlung von meiner Schwester (Shoutout an dich Anni, dein Musikgeschmack ist einfach toll<3). Lila läutet für mich den rettenden Frühling ein und ist Grund für eine neue Playlist. Immer wenn ein Song Grund für eine neue Playlist ist, wird er mich noch lange begleiten. Während “Dracula” von den Wallners meine erste Playlist des Jahres “berlin vol.1” eröffnet hat, beginnt meine zweite Playlist “wird wieder warm” nun Lila Dupont. An diesem Song konnte ich mich gar nicht satt hören.
“I run away with all my bags packed / leave this crazy town behind”
Mit der sanften Gitarre, der sanften Stimme, einer leichten Melodie und dem nachdenklichen Text fühlt sich der Song an wie eine Umarmung und nach dem Versprechen, dass mal alles gut wird. Lila Dupont findet die Leichtigkeit auch in der Situation des Zurück- und Loslassens, im Neuanfang und hilft mir dabei.
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Ich skippe an der Stelle mal in den Sommer, wo es wieder sehr interessant wird. Das vierte Semester ist fast geschafft. Durch die End- und Prüfungsphase bringt mich “BRAT” von Charlie xcx. Das ist absolut kein Geheimtipp, sondern vielleicht mehr Trend, aber hat mich komplett abgeholt. Nicht nur die Songs, sondern auch das ganze Lebensgefühl, was damit einhergeht. Der brat summer hat den Sommer dieses Jahr popkulturell um sehr viel besser gemacht. Ich liebe es, wie Charlie xcx iconic macht, „brat“ zu sein. Messy, bad, bisschen rücksichtslos und unperfekt ist der neue Standard bei den Girls und hat mir auch einen Teil confidence für den Sommer mitgegeben.
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Wir befinden uns mittlerweile mitten im Spätsommer. Auf meiner TikTok For You Page ist viel Belangloses und ich kann mich an nichts erinnern, was ich im Juli da gesehen hab. Außer an ein Gesicht und einen 15 Sekunden Songausschnitt, den ich am liebsten auf Dauerschleife hören möchte. Es ist die britische (sad song) Künstlerin Ellur. Sie promotet zu der Zeit ihren da noch unreleased Song “God Help Me Now”. Ab dem ersten Mal hören, komme ich nicht mehr los von diesem Song. Der Sound, die Stimme, die LYRICS
“I think too much / I’m all out of fucks / the world’s on fire / I’m just getting drunk / and the fear is real / tell me how to feel / tell me how to heal / God help me now”
Es fühlt sich an, als hätte Ellur einen Teil meiner Seele behutsam in diesen Song gepackt. Als der Song endlich veröffentlicht wird, bin ich mit meiner Familie in London. Wie perfekt kann das Timing sein? Und wie kann es sein, dass der actual Song noch so viel besser ist, als der 15 Sekunden-TikTok Ausschnitt einen überhaupt hoffen lässt? Meine Schwester und ich können es gar nicht glauben und müssen den Song mehrmals hintereinander hören. Und natürlich wird “God Help Me Now” zum Soundtrack unseres UK Sommers.
Wie man sich schon denken kann, ist auch dieser Song ein Meilenstein in meinem Musikjahr gewesen, wenn nicht sogar der Größte. So ist Ellur nicht nur Teil meiner “wird wieder warm”-Playlist, sondern eröffnet auch meine dritte und letzte Playlist dieses Jahr “involuntary waiting for autumn”.
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Es ist ein so unfassbar schönes und verzweifelt tragisches Bild, Gott als Lyrisches-Du zu besingen. Das macht nicht nur Ellur, sondern auch Genevieve Stokes in ihrem Song “God”.
“God you let me down / … / did you grow tired of the show and so you chose to go away”
Gott symbolisiert hier vielleicht ein bisschen die Hoffnung in einem selbst, die einen verlässt. So erklärt sie “Gott” als nicht echt, weil er einfach gegangen ist. Weil da eben doch niemand anderes ist, der die Dunkelheit in einem vertreibt. Genevieve Stokes ist auf jeden Fall ein Glücksfund im sad song departement.
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Den traurigen Herbst komplettiert für mich Searows. Seine Songs sind auf heilende Art tod traurig. Es tut immer ein bisschen weh, aber heilt danach besser ab. Searows Musik gibt mir Frieden und Comfort:
“nothing’s ever really quiet when you need distraction to survive”
Diese Zeile stammt aus “Keep The Rain”, der nach “End Of The World” mein liebster Track von Searows ist. Beim Reeperbahn Festival konnte ich 1,5 Stunden in einer Kirche sitzen und die Songs live hören. Das hat mich zerstört und zusammengehalten und war genau das, was ich in diesem super hektischen und schnellen Umfeld des Festivals gebraucht habe. Ein Searows Konzert kann ich jeder:jedem nur empfehlen.
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Herbst-Ende 2024 war für mich dieses Jahr GAST. Mit Tim und Linus arbeite ich seit zwei Jahren im Management und Booking zusammen. So habe ich auch über das Jahr ihre erste Tour, eine Co-Headline Tour mit TEER, gebucht. Nicht nur das, sondern ich bin auch als Tourmanagement mitgefahren, was mir in der Kombination im Vorfeld auch sehr viel Stress beschert hat. Das war auch meine erste Tour und mich hat in der Vorproduktion das Gefühl nicht losgelassen, nicht genug gemacht oder etwas Wichtiges vergessen zu haben.
Kurz bevor es dann auf Tour ging, gab es für mich zwei Optionen: entweder ich werde es hassen, weil es zu anstrengend und stressig ist 14 Tage lang mit sechs weiteren Leuten auf einem Fleck zu sein oder es wird die beste Zeit meines Lebens und ich möchte nichts anderes mehr machen.
Und es wurde letzteres. Diese Tour und vor allem die Menschen, mit denen ich unterwegs war, war das Beste und das Prägendste, was ich dieses Jahr erlebt habe. Wir waren 14 Tage unterwegs und haben insgesamt neun Stopps in Deutschland, Österreich und Tschechien gespielt. Hab euch alle lieb!<3
Genau zur Tour und den US-Wahlen haben GAST ihre neue EP “Americanism” veröffentlicht, die für mich den Herbst stark geprägt hat, weil ich natürlich so viel damit zu tun hatte und den Entstehungsprozess über ein Jahr miterlebt habe. Mein Liebling der EP ist “Soft Punk”. Meine Favourite Tour-Stopps waren Frankfurt, meine Heimat, und unser Tourabschluss in Leipzig, der ein einziger Film war.
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Mein Favourite TEER Track ist noch nicht released, also kann ich da nicht zu viel verraten:)
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Ich kehre ja eh irgendwie jedes Mal zu den “same old sad songs” zurück
Dieses Jahr in drei Songs zusammenzufassen, ist nicht leicht, aber machbar: „Dracula“ von den Wallners, „There’s Something About You“ von Lila Dupont und abschließend und am prägendsten „God Help Me Now“ von Ellur. Was stark auffällt neben dem Hang zu sad songs, ist der starke Hang zu FLINTA*s, in denen ich mich wiederfinde und Trost suche. Ergibt super viel Sinn.
Das Jahr generell abschließend in Worte zu fassen fällt mir schwer. Ich bin froh wieder in Mannheim zu sein und vor allem zu wissen, dass ich das mache, was ich wirklich machen will. Diese Bestätigung aus diesem Jahr zu ziehen, tut gut, denn ich habs mir meistens ganz und gar nicht leicht gemacht. Vielleicht lerne ich das fürs nächste Jahr, vielleicht auch nicht. Ich kehre ja eh irgendwie jedes Mal zu den “same old sad songs” zurück, das aber mit Freude.
Fotocredits: Mia Le Guen, Amélie Ostara Freund, Linus Georgi
Nach dem nischigen Blues-Rock der 80er und einem sehr spannenden Eintauchen in Britpop und seine Entwicklungen widmet sich unser Kolumnist Johannes Martin in seiner musikalisch-literarischen Reihe „feinperlig“ nun mit einem sehr aktuellen Thema: die Berliner Clubs und Kulturszene und ihre derzeitigen Herausforderungen und Chancen.
Clubs! Clubs! Clubs! – Eine Bilanz
Der Tag der Clubkultur, organisiert von der Clubcommission Berlin, würdigte kürzlich eine Woche lang Kulturbetriebe und Kollektive für ihre Arbeit. Diese Anerkennung ist dringend nötig, denn die Berliner Clubs und Konzerthäuser stehen vor ständigen Herausforderungen. Die Gründe hierfür sind vielseitig und erfordern einen differenzierten Blick: Gentrifizierungsfaktoren spielen eine Rolle, aber es gibt noch weitere Gründe, warum Clubs zunehmend in Schwierigkeiten geraten. Die Berliner Kulturszene befindet sich in einem Dilemma – oder, besser gesagt, in einem Transformationsprozess. Doch Krisen bieten auch Chancen.
Die „Wilde Renate“: Abschied oder Neubeginn?
Im Spätsommer 2007 erlebte ich die Eröffnung des Clubs Salon zur Wilden Renate in Berlin-Friedrichshain aus einer ungewöhnlichen Perspektive – vom vierten Stock des Hauses aus, in dem die Renate gerade mühsam errichtet wurde. Es wurde geschweißt, gemauert und verputzt; Möbel und Utensilien wurden verräumt. Ich sanierte eine Wohnung in jenem vierten Stock und feierte die legendäre Eröffnungsfeier mit. Der Club sorgte schnell für Aufsehen: Die dunklen, ehemaligen Wohnflächen versprühten einen wilden, abenteuerlichen Charme, irgendwo zwischen Privatparty, Technokeller und Geisterbahn mit Federboa. Ich half gelegentlich an der Bar aus. Allmählich wurden die Wochenenden länger und die Abstände zwischen den Partys kürzer. Zwischendurch gab es eine Kunst-Performance oder einen Videodreh. Die pulsierenden Beats jener Nächte ließen eine angemessene Wohnatmosphäre kaum zu – also zog ich wieder aus. Doch den Club liebe ich bis heute.
Nun, Ende 2025, wird die Wilde Renate den Standort an der Stralauer Allee aufgeben. Der Mietvertrag wurde nicht verlängert, und die Betreiber hoffen, an einem neuen Standort weitermachen zu können. Das Gebäude steht im Bereich des geplanten Bauabschnitts der A100-Autobahn, doch der Bau ist bis heute nicht begonnen worden. Eigentümer ist der umstrittene Immobilieninvestor Gijora Padovicz, der auch das Watergate an der Oberbaumbrücke in Kreuzberg vermietet.
Kultur-Aufruf vor der RENATE
Watergate: Das Ende einer Ära
Das Watergate wird Ende 2024 seine Türen schließen. Clubbetreiber Ulrich Wombacher erklärte in der Berliner Zeitung, dass steigende Energie- und Mietkosten sowie die Folgen der Corona-Pandemie zu dieser Entscheidung führten. „Nach Covid hat das Geschäft nicht mehr richtig Fahrt aufgenommen. Menschen haben sich während der Pandemie andere Beschäftigungen gesucht, und die Art, Musik zu konsumieren, hat sich verändert“, so Wombacher.
Kulturbrauerei: Eine Bastion sieht sich gefährdet
Die Kulturbrauerei, eine Bastion der Berliner Kulturszene, scheint nach 32 Jahren ebenfalls bedroht. Seit dem Verkauf des Geländes an einen privaten Investor im Jahr 2012 stehen die Kulturmieter unter wachsendem Druck. Die aktuelle Immobilienfirma Aroundtown fokussiert sich auf Renditen, was die Mietpreise steigen lässt und zahlreiche Kulturbetriebe in ihrer Existenz bedroht.
About Blank: Konflikte und Polarisierung
Auch das About Blank erlebt schwierige Zeiten. Die Betreiber engagieren sich seit Jahren für Feminismus, Antirassismus und Antisemitismus. Doch die angespannte Lage rund um den Israel-Palästina-Konflikt hat zu Spannungen geführt. Aktionen wie „Raves for Palestine“ und BDS-Kampagnen verstärken die Polarisierung in der Szene.
Ein Blick auf die Ursachen: Von Gentrifizierung bis Pandemie
Die Ursachen für die Probleme der Berliner Clubs und Kulturbetriebe sind vielfältig. Neben steigenden Energie- und Mietkosten spielen gesellschaftliche und politische Faktoren eine Rolle. Die Folgen des Krieges, steigende Ticketpreise und nicht zuletzt die Kürzungen im Bundeshaushalt 2025 erhöhen den Druck. Obwohl der Kulturetat insgesamt um 50 Millionen Euro auf 2,2 Milliarden erhöht werden soll, ist vor allem die Förderung der freien Szene bedroht. Der Verbund von Spielstätten, bisher mit 5 Millionen Euro gefördert, soll künftig leer ausgehen.
Eine massive Krise initiierte die Corona-Pandemie, die die Kulturszene schlagartig zum Stillstand brachte. Trotz Rettungspaketen fiel es vielen Clubbetreibern schwer, sich nach Monaten der Zwangspause und mit steigenden Kosten zu stabilisieren. Einige gaben auf. Die Clubcommission forderte daher, „Clubkultur als integralen Bestandteil der Berliner Kulturszene anzuerkennen und zu fördern“. Doch nach einem kurzen Aufschwung brachen die Besucherzahlen in vielen Clubs ab Herbst 2023 erneut ein.
Brachland – die alte ZUKUNFT
Positive Beispiele: Wo die Zukunft liegt
Auch in angespannten Zeiten gibt es immer wieder positive Entwicklungen, die zeigen, dass die Szene in Bewegung bleibt. Einige Clubs haben hybride Ansätze gefunden und sich den neuen Bedingungen erfolgreich angepasst. Der Anomalie Art Club in der Storkower Straße etwa bietet ein vielseitiges Programm von Clubnächten über Kunstausstellungen bis hin zu Workshops und zieht damit ein breiteres Publikum an. Aus dem Haubentaucher wurde MAAYA, ein neues Kulturzentrum, das „afrikanische und afrodiasporische Kunst und Kultur feiert“. Die Zukunft am Ostkreuz hat nach der Schließung des alten Standorts eine Vorhaltefläche für die geplante A100 in der Nähe der Wilden Renate gefunden. Die Neue Zukunft bietet dort „Kino, Kunst, Konzerte und Kneipe“ an. Auch die Anerkennung der Berliner Technokultur als immaterielles UNESCO-Weltkulturerbe setzt ein symbolisches Zeichen.
Neue Wege gehen
Nun ist es an uns, auf dieser Vielfalt aufzubauen. Seit den 2000er- und 2010er-Jahren wurde der Clubszene oft der „Ausverkauf“ durch Tourismus und Billigflieger attestiert. Heute, im Strudel der Gentrifizierung, braucht es neue Wege. Ein Blick nach London oder New York zeigt, dass die Clubkultur dort immer schon einem härteren Konkurrenzkampf ausgesetzt war und weniger auf staatliche Fördergelder hoffen durften. Vielleicht ist dies der Moment, um in Berlin freie Kunst und safe spaces neu zu definieren und Themen wie Awareness und Identität in den Vordergrund zu stellen. Gerade weil die Touristenströme abnehmen, besteht jetzt die Chance, Strukturen für eine nachhaltige, lokale Kultur zu schaffen – das setzt jedoch gezielte Förderungen voraus.
Die Clubkultur spiegelt die Vielfalt, die Herausforderungen und die Bedürfnisse unserer Gesellschaft wider. In einer Zeit, in der unsere Demokratie zunehmend unter Druck steht, sollten wir die Gelegenheit nutzen, Kulturräume neu zu denken und zu stärken. Für eine Kultur, die Menschen zusammenbringt, inspiriert und verbindet.
„feinperlig.“ ist eine musikalisch-literarische Kolumne von Johannes Martin, die sich an seine seit 2022 laufende gleichnamige Interviewreihe anschließt. In dieser spricht er mit Künstler*innen, Verleger*innen, Booker*innen und anderen Persönlichkeiten in der deutschen Kulturlandschaft. Durch die jetzt schriftliche Version dieser Reihe bekommt seine Kolumne und seine Einordnungen der musikalischen Kulturlandschaft endlich auch ihren Platz.
Fotocredit: Johannes Martin
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Ende August haben wir euch eine neue Rubrik vorgestellt! Sie heißt „feinperlig.“ und ist eine musikalisch-literarische Kolumne von Johannes Martin, die sich an seine seit 2022 laufende gleichnamige Interviewreihe anschließt. In dieser spricht er mit Künstler*innen, Verleger*innen, Booker*innen und anderen Persönlichkeiten in der deutschen Kulturlandschaft. Durch die jetzt schriftliche Version dieser Reihe bekommt seine Kolumne und seine Einordnungen der musikalischen Kulturlandschaft endlich auch ihren Platz. In seiner ersten Kolumne war er im nischigen Blues-Rock der 80er unterwegs, heute beschäftigt er sich mit Britpop und seine Entwicklung über die Jahre. Von Oasis bis zu The Last Dinner Party – in den letzten 30 Jahren ist viel passiert.
Dieser Artikel widmet sich dem Phänomen Britpop, das vor genau 30 Jahren von Großbritannien aus ganz Europa eroberte – und auch heute wieder neue und vor allem weibliche musikalische Impulse hervorbringt.
30 Jahre Britpop: “Sorry for being a party pooper“!
Britpop existiert, seit es Beatmusik, Pophypes und die schöne neue Welt gibt. Geregelte Arbeitszeiten, Abtreibungsgesetz, Manchester-Raves, Ecstasy und für manche ein Eigenheim. Für viele von uns gab es jedoch nur eines: Musik. Mit 17 Jahren war sie ein absoluter Lichtblick in meinem pubertären Ringen mit mir selbst. Britpop-Bands jener Tage hörten wir nicht nur, wir folgten ihnen.
Ein wolkenverhangener Maitag im Jahr 1998. Ich war mit meinem Freund, meinem Buddy, auf dem Weg von London nach Wigan. Sechs Stunden im Reisebus, um zu unserem Traumziel zu gelangen: Haigh Hall, ein Hügel in der englischen Grafschaft Lancashire, der für uns an diesem Tag den Rock’n’Roll-Olymp bedeutete. Unsere Lieblingsband The Verve spielte in ihrer Heimatstadt ein spektakuläres Konzert vor 33.000 Besucher*innen. Das Britpop-Spektakel schlechthin. Eröffnet von den Überraschungsgästen Beck und John Martyn, folgten The Verve nach langer Wartezeit und tobten 110 Minuten über die Bühne. Allen voran ihr Sänger Richard Ashcroft. Wir standen gefühlt in Reihe 56, mussten dringend auf die Toilette – und waren doch beseelt. Mit dem Hit „Bitter Sweet Symphony“ und dem Album „Urban Hymns“ galten sie 1998 als die Sensation des britischen Pop.
https://youtu.be/JS18SNvoY_Q?feature=shared
Das Ganze ist 26 Jahre her. Reunions und Jubiläen huldigen der untergegangenen Ära des britischen Pop. Heute arbeite ich selbst in der Konzertbranche. In den 1990er-Jahren vibrierten London, Manchester, Brighton und andere Städte in England musikalisch, wie einst zuvor in den Swinging Sixties. Richard Ashcroft ist auch heute noch als Solokünstler unterwegs, doch seine Songs und Alben treffen meinen Geschmack nicht mehr. Frisches von der Insel kommt auffälligerweise eher von den Frauen und FLINTAs. Zu nennen sind da beispielsweise The Last Dinner Party, Dream Wife, Savages und English Teacher.
Bei der Recherche nach meinen 90er-Britpop-Heldinnen von Elastica, Sleeper, Echobelly und Lush stieß ich auf ein Interview mit der Lush-Sängerin Miki Berenyi und ihre Autobiografie „Fingers Crossed“ (2022). Schon bei der Überschrift „The claim that Britpop celebrated sassy women in bands was a veneer“ wird klar, dass sie mit der Ära abrechnet. Dazu später mehr.
Die Anfänge des Britpop: Was war passiert?
Cool Britannia, Buy British, Lads’ mags, Tony Blair und New Labour – Britpop war das kulturelle und musikalische Phänomen, das Mitte der 1990er Jahre Großbritannien und die Welt beeinflusste. Es war eine Rückbesinnung auf britische Popmusik und -kultur, nachdem der Mainstream von amerikanischen Grunge-Bands dominiert wurde. Langhaarige Slackertypen und Grunge-Sounds – das galt als unbritisch in den Augen vieler junger Brit*innen. Also entfachten sie das Feuer des britischen Pop neu.
An der Spitze dieser Bewegung standen die Gallagher-Brüder mit Oasis und die Jungs von Blur. Oasis‘ Album „Definitely Maybe“ erschien am 29. August 1994 und war geprägt von kraftvollen Gitarrenriffs, melodischen Hooks und einer Energie, die an die frühen Beatles, The Kinks oder The Jam um Paul Weller erinnerte. Es wurde stilbildend für den aufkommenden Britpop-Hype. Blur, die andere große Band des Genres, veröffentlichte im April 1994 ihr drittes Album „Parklife“, das ebenfalls sehr erfolgreich war. Diese beiden Bands repräsentierten unterschiedliche Aspekte des Hypes: Oasis waren die pöbelnde Working Class aus Manchester und Blur die intellektuellen Künstler-Lads aus London.
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Britpop betonte britische Traditionen und Stile mehr, als dass es sich streng an ein bestimmtes Musikgenre hielt. Zahlreiche Acts schwammen auf dieser Welle oder wurden von der Industrie dementsprechend kategorisiert: The Verve, Pulp, Elastica, Suede, Supergrass, Catatonia, Ash, Kula Shaker, Stereophonics und die Super Furry Animals. Selbst seichtere Popbands wie Travis, Keane und Embrace erhielten das Britpop-Label. Die Blaupause für den klassischen Britpop-Song schrieben meiner Meinung nach jedoch weder Paul Weller noch Paul McCartney, sondern The La’s mit „There She Goes“.
Die andere Seite des Britpop
Die Bandmitglieder von Elastica und Lush mussten gegen den Sexismus der Branche ankämpfen. Miki Berenyi, Lush’s Frontfrau, schrieb in ihrer Autobiografie über die Schwierigkeiten, die sie und andere Frauen in der männerdominierten Britpop-Szene erlebten. Sie sprach von herabwürdigenden Kommentaren, sexistischen Rezensionen und unangenehmen Begegnungen mit männlichen Kollegen. So berichtet sie, dass Alex von Blur ihr auf einer Party in den Hintern biss und Liam Gallagher sie lediglich als „fuckable“ einstufte. Fotoshootings, wie für „Dazed and Confused“, stellten nicht die Musik in den Vordergrund, sondern die Tatsache, dass die Frontfrauen beinahe nackt waren.
Berenyi kritisiert, dass Feminismus zu einem leeren „Girl Power“-Slogan verkommen sei, der eher darauf abzielte, seine „mädchenhaften“ besten Freundinnen zu feiern und seine Titten zu zeigen, anstatt Frauen wirklich als Gleichberechtigte zu behandeln. „Sorry for being a party pooper“, schreibt sie in ihrem Buch, „aber ich hasse Britpop und bin froh, dass dieses Scheißfest am Ende implodiert ist.“
Hat sich etwas geändert?
Wie sieht es heute aus? Es gibt nach wie vor strukturelle Probleme in der Branche. Eine Studie von 2021 zeigte, dass der Anteil von Frauen auf Festivalbühnen gerade mal bei 16 Prozent liegt. Doch es gibt auch positive Entwicklungen. Heute gibt es mehr Female- und FLINTA-Bands, die mit neuen Sounds und Haltungen die Szene aufmischen.
Aktuelle Acts wie Wet Leg und The Big Moon liefern neue Impulse. Dream Wife aus Brighton machen wütenden Punk-Pop und arbeiten auch auf Tour ausschließlich mit weiblichem, queerem und nichtbinärem Personal zusammen. The Last Dinner Party erobern mit opulentem Barockpop die Bühnen Europas. Nilifür Yania überliefert mit ihren sphärischen und cleveren Arrangements den Nimbus des Britpop. Und English Teacher aus Leeds bringen trotz oder gerade wegen ihrer Post-Punk-Anleihen genau jene Selbstironie, Tiefe und Britishness mit, die ich früher schon so liebte.
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Das 30-jährige Jubiläum des Britpop wird auf allen Kanälen ausgiebig gefeiert. Oasis veröffentlichten „Definitely Maybe“ neu und kündigten zudem großspurig Stadion-Gigs an – begleitet von kontroversen Diskussionen über explodierende Ticketpreise. Doch wer es gegenwärtiger mag, sollte sich die Alben der jüngeren Bands anhören und Konzerte von Acts wie The Last Dinner Party, English Teacher und Nilüfer Yanya besuchen. Es lebe der britische Pop!
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Untoldency-Redakteurin Maja war nie der Technotyp, zumindest nicht wenns um harten Techno ging, der unendlichlang den selben Loop vorantreibt. Es hat sie nicht meditativ in den Song reingezogen, sondern meist einfach nur müde gemacht. Der Soundtrack zum Film Challengers, inbesondere der Song „Brutalizer“, hat das geändert. Wenn ihr herausfinden wollt, wie „Brutalizer“ es schafft sogar euren Metal-Onkel an Techno ranzubringen, lest den Artikel.
Luca Guadagninos Filme reißen ab
Die Regie von Challengers wurde von Luca Guadagninoübernommen. Die meisten kennen ihn vermutlich durch den 2017 erschienenen und mich bis heute von Italien träumen lassenden Film Call Me By Your Name. Auch das 2022 erschiene Horrer-Drama Bones and All hat Luca Guadagnino gedreht. Challengers hingegen handelt von Tennis, Tennis, TENNIS. Naja, also eigentlich geht es viel mehr um die Begierde der drei Hauptfiguren, die sich in ihrem eigenen Cosmos bewegen, sich wie Planeten umeinander drehen. Das Spielfeld dieser Konstellation ist der Tennis und das Spiel bildet auch immer etwas von der Beziehung der Charaktere untereinander ab. Dabei geht es in den Matches teilweise um mehr als Triumph in Tennis, es wird beispielsweise auch um Tashis Nummer gespielt, was sie selbst vorschlägt. Es scheint, als würde den Charakteren diese Spannung gefallen, diese ist besonders in „Brutalizer“ nachempfindbar.
Behind„Brutalizer“
Produziert wurde „Brutalizer“ in einer Zusammenarbeit von Trent Reznor und Atticus Ross, die bereits an vielen gemeinsamen Projekten arbeiteten. Sie erhielten den Academy Award, den Oscar und Golden Globe Award für den Soundtrack zum Film The Social Network. Übrigens auch ein sehr empfehlenswerter Film und Soundtrack, der Song „Hand Covers Bruise„begleitet einen gut beim Bodenliegen und weiße Wandtextur anstarren. Trent Reznor und Atticus Ross waren auch Produzenten für die Musik von Mid90s von Jonah Hill, Bones and All, einem weiteren Film von Luca Guadagnino, sowie Soul und weiteren bekannten Filmen der letzten 20 Jahre. Die beiden sind zusammen in dem bekannten Musikprojekt Nine Inch Nails, das in den 90ern dem Genre des Industrial Rocks zuordnenbar war und nun auch incorporateathmospheric electronic-Elemente, beeinflusst von ihrer Filmmusik, enthält. (Quelle: Spotify)
Die schnellen Beats erschaffen Spannung, die von „klassischen“ Stücken wie „Friday Afternoons, Op.7: A New Year Carol“ von Benjamin Britten unterbrochen werden. Sie treten meist auf, wenn tiefere Gefühle erkennbar sind oder mehr als nur die Oberflächlichkeiten der Figuren gezeigt wird. Für mich ist vor allem „Brutalizer“, der für mich nach dem protypischsten Technotracktitel klingt, die unglaublich gute Vertonung von den Gefühlen während eines Wettkampfs. Dabei ist egal, ob es sich um ein sportliches Tennismatch, ein verkopftes Schachspiel oder um einen mentalen Wettkampf handelt. Bis 2:15 min. hält sich die Spannung durch einen fortwährenden Loop, der sich entwickelt, dem Elemente barweise hinzugefügt und entnommen werden. Er wird schließlich bei 2:16 min. durch einen melodischen Synthesizer untermalt. Schließlich entfällt der Loop bei 2:37 min. und schafft so dem Synthesizer Raum.
Für Interessierte gibt es hier ein Visualizer vom Film untermalt von dem benannten Track:
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Wenn man denn möchte, kann man „Brutalizer“ wie eine Theaterstück in drei Akte aufteilen: Die Exposition (0:00-2:15 min.), en Höhepunkt (2:16-2:36 min.) und die Lösung. Hier ist interpretierbar, ob es eine gutes (Komödie) oder ein schlechtes Ende nimmt (Tragödie) (2:37 min. bis Ende). Hier schließt der erste Teil sowohl Akt 1 und Akt 2 ein, der zweite besteht aus Akt 3 und Akt 4.
Während die Exposition mich bei jedem Basketballspiel zu Höchstleistungen motiviert (motiviert heißt nicht bringt), aber das Gefühl ist genauso gut, und mich nach den längsten Bahnfahrten aus der Müdigkeit hebt, stellt sie für mich die Verkörperung jedes bedeutsamen Wettkampfs dar, den man anstrebt zu gewinnen. Nicht, dass der Kampf gegen die Müdigkeit jetzt so ein ernster Wettkampf wäre, es hilft trotzdem. Der Höhepunkt ist wie ein kurzer, 20-sekündiger Augenblick, an dem man fast eine Art Entspannung, durch die Hoffnung des Siegs, und Stolz durch den bereits zurückgelegten Weg, der einen zu diesem Hoch, diesem Ausblick gebracht hat. Für mich bleibt mit dem Ende von „Brutalizer“ unklar, ob „der Wettkampf“ ein Sieg oder eine Niederlage ist. Der Synthesizer wiederholt sich dreimal und endet beim letzten Mal, nach einem Abwärtssprung, in seiner Bewegung. Das Ende bahnt sich bereits vorher an, es ist bereits vorher spürbar, wirkt trotzdem, durch den fehlenden Ton, abrupt.
„Brutalizer“ hat mich aufmerksamer auf die kleinen Momente und Veränderungen von Technoloops gemacht. Früher war ich wahrscheinlich nicht offen genug für Techno, sodass ich gar nicht draufgeachtet wie variatenreich Songs aus ein, zwei Loops sein können. Entgegen meiner Erwartung, Technoloops seien starre Modelle, die einer kreisförmigen Zeitidee folgen, erkennt man hier deutlich eine lineare Erzählung und Weiterentwicklung der musikalischen Grundidee.
Ich hoffe, „Brutalizer“ holt euch auch mal aus der Nachmittagsmüdigkeit.
Hier gibt es noch den Trailer zu Challengers für alle Filminteressierten unter euch, die ihn noch nicht gesehen haben:
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Wir freuen uns wahnsinnig, euch heute eine neue Rubrik vorzustellen! Sie heißt „feinperlig.“ und ist eine musikalisch-literarische Kolumne von Johannes Martin, die sich an seine seit 2022 laufende gleichnamige Interviewreihe anschließt. In dieser spricht er mit Künstler*innen, Verleger*innen, Booker*innen und anderen Persönlichkeiten in der deutschen Kulturlandschaft. In der jetzt schriftlichen Version dieser Reihe bekommt seine Kolumne und seine Einordnungen der musikalischen Kulturlandschaft endlich auch ihren Platz. Das erste Thema ist ein wenig im nischigen Blues-Rock der 80er unterwegs, doch dafür umso interessanter. Und für die Nische sind wir hier oder? Doch überlassen wir das Wort nun unserem Kolumnisten.
Heute geht es um den Rhythm’n’Blues-Musiker Mitch Ryder, der die USA verlässt, um sich in der ehemaligen DDR neu zu erfinden. Die Band Engerling aus Berlin begleitet ihn. Mit überraschendem Ausgang, einem Elvis-Moment – und der einzig wahren Rock-Botschaft.
Naked but not dead – Mitch Ryder
Die Geschichte beginnt mit einem Wendepunkt. Keinem Anfang im eigentlichen Sinne. Wir befinden uns in Las Vegas, Nevada, am 19. Juli 1968, um 17:43 Uhr Ortszeit. Es ist ein schwül-warmer Sommertag, durchdrungen vom Zirpen der Heuschrecken und den feuchten Winden die von Westen hereinströmen. Eine Gila-Krustenechse sucht in Eile Schutz hinter gezüchteten Kreosotbüschen. William S. Levise Jr. alias Mitch Ryder, 23 Jahre, lehnt in einem glitzernden Gold Lamé Suit an der Wand des Brooklyn Bowl, einem Konzert- und Bowlingschuppen am Rande der Fremont Street. Einen fast identischen Gold-Anzug trug Elvis Presley auf dem Cover des 50,000,000 Elvis Fans-Albums. Seiner ist durchnässt vom Schweiß, denn die Sonne brennt erbarmungslos. Der Detroiter ist an diesem Tag bereits unzählige Meilen gereist. Die Nachmittagsshow war ein Desaster. Elvis hat auch ihn soeben für immer verlassen, davon ist Mitch Ryder überzeugt.
Es ist nicht einmal 6 Uhr und er hat schon einen sitzen. Er trank vorhin zwei oder drei Whiskey der Marke Journeyman, „one of the coolest distilleries in Michigan“, und fürchtet, so kann es nicht weitergehen. Es ist drei Jahre her, dass er mit seinen Musikern, der Band The Detroit Wheels, die Single „Jenny Take A Ride!“ einspielte. Der Song, eine Uptempo Beat- und Soul-Nummer, sollte ihn über Nacht berühmt machen. Nach der Veröffentlichung des Albums „Take A Ride“ folgte prompt eine Konzertreise quer durch die Staaten. Und auch in Europa verzeichnet die Gruppe Chartplatzierungen. Doch Zeiten ändern sich. Detroiter Funk- und Soul-Geplänkel, Blues und Rock’n’Roll haben ihre besten Jahre hinter sich. Mit einer Bigband im Rücken scheitert der Musiker grandios. Die Zukunft führt ihn geradewegs in drittklassige Clubs, wo die Gagen niedriger sind. Mitch fühlt sich von der Musikindustrie verspottet. Tage und Nächte verbringen er und seine Bandkollegen im Rausch von Weed, Aufputschmitteln und Alkohol.
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Um 17:57 Uhr trifft es den Sänger wie ein Schlag. Mit den Worten „Ich mach, was ich will“ verabschiedet sich Mitch Ryder in eine tiefe Ohnmacht. Der Rock’n’Roll kapituliert im verrottenden Elvis-Anzug – und ist bereit abzudanken. Punk, New Wave, Reggae und synthetische Sounds sollen an seine Stelle treten. Doch, der Rock’n’Roll in seiner Transzendenz würde niemals tot sein, das wusste Mitch auch in der dunkelsten Stunde seines Rock’n’Roller-Daseins. Er fühlt sich nackt, aber er ist am Leben. Elvis hin oder her.
Beyond the Wall
Cut – der Film ist gerissen. Stimm- und Drogenprobleme, menschliche Zerwürfnisse und lange Touren werfen Mitch Ryder zurück. Er wird einige Zeit in einer Detroiter Automanufaktur am Fließband arbeiten, bevor er 1978 mit neuformierter Band zur Musik zurückfindet. Seiner Enttäuschung gegenüber der Musikindustrie verleiht er Ausdruck indem er sein eigenes Plattenlabel Seed and Steems gründet. Wenig später wird Ryder nach Europa fliegen, vorerst nach Deutschland. Im Folgejahr brilliert er in gewisser Weise mehrfach bei der WDR-Rockpalast-Nacht in der Essener Grugahalle, wo er sich, ganz offensichtlich betrunken, erst mit dem Moderator Alan Bangs anlegt, später mit dem gesamten Publikum. Dennoch spielen die Band und er im Anschluss ein beeindruckendes Konzert.
Mitch übersteht auch die 1980er-Jahre, nimmt unter anderem fünf Studioalben beim Hamburger Label Line Records auf und hält sich über Wasser. Das Album „Never Kick A Sleeping Dog“ wird ein Überraschungs-Hit. Den Drogen schwört er ab, auch wenn es ihm nicht immer leicht fällt. Das hat er vor allem seiner Frau Megan zu verdanken, die nicht weniger als Struktur in sein Leben bringt. Als in Berlin im Jahr 1989 die Mauer fällt, in Russland die Perestroika ihren Lauf nimmt und sich in ganz Osteuropa die Zeitenwende ankündigt, ist Mitch Ryder so weit weg von seinem alten Leben, wie er es sich immer erhofft hatte.
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Die Deutsche Demokratische Republik betritt Mitch erstmals im Januar 1988. In jenem nass-kalten Winter in Ost-Berlin gibt er im Rahmen von „Tage der Jugend im Palast“ ein Konzert im Palast der Republik. Dort, wo heute das Humboldt Forum steht. Im Publikum sitzt der Tourneeleiter und spätere Musikpromoter Gert Leiser, den Mitch wenig später in Dessau wiedertreffen wird. Und ihre Wege kreuzen sich erneut.
Nach dem Mauerfall arrangiert Gert Leiser ein Treffen mit dem amerikanischen Gesangs-Derwisch und Engerling, der Band, die er zum Zeitpunkt managt und auf Konzertreisen begleitet. Engerling, gegründet im Jahr 1975 in Ost-Berlin, spielen Boogie- und Blues-Songs, Rock’n’Roll mit deutschsprachigen Texten sowie englischsprachige Coversongs. Sie sind trotz oder wegen ihrer Unangepasstheit angesagt. Die Hintergründe des Treffens schildert Gert Leiser so: „Im Jahr 1994 suchte Mitch Ryder eine Tourband, da es immer anstrengender und kostspieliger wurde, Musiker aus den Staaten einzufliegen. Zumeist kannten sie die Songs überhaupt nicht und mussten sich das Material innerhalb von zwei Tagen aneignen. Der Gruppe Engerling ging es gut. Wir haben bereits vor der Wende Auftritte in Hamburg gespielt. Da wir keine klassische DDR-Staatskapelle waren und immer gegen Gage spielten, war es für uns einfacher als für andere Bands damals, Konzerte zu spielen. Dennoch, die Chance mit Mitch zu spielen ließen wir uns nicht entgehen.“
Rite of Passage – Mitch Ryder & Engerling
Ausgerechnet im berühmten Hansa-Studio in der Köthener Straße in Berlin treffen sich der Sänger und die Mitglieder von Engerling zum gemeinsamen Dinner. In dem ehrwürdigen Studiokomplex arbeiteten bereits Ikonen wie Iggy Pop, Trio, Depeche Mode oder David Bowie an ihren Tonaufnahmen. Mitch trifft dort auf die zurückhaltenden Männer Peter Lucht, Wolfram Boddie Bodag, Manne Pokrandt und Heiner Witte. Das Ensemble ist eine formidable Rhythmusgruppe und spielt den Rhythm’n’Blues auf hohem internationalen Niveau. Den Ryder-Song „Ain‘t Nobody White Can Sing The Blues“ spielen Engerling auf beinahe jedem ihrer Konzerte. Sie schlagen ein – und gehen erst einmal statt auf die Bühne ins Studio.
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Sie nehmen das Album “Rite Of Passage“ auf. Noch im selben Jahr touren Mitch Ryder & Engerling vier Wochen durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Betäubungsmittel sind kein Thema mehr, Alkohol schon. Ein geheimnisvoller Drink wird Mitch allabendlich vor den Auftritten gereicht. Stark genug, um auf der Bühne 120 Minuten Fullpower zu geben. Engerling und Mitch verstehen sich gut. Ihren Sound würzen sie mit einer Note Hardrock. Manne Pokrandt, Bassist der Band, wird in den kommenden Jahren die Produktion und das Mastering einiger gemeinsamer Alben anleiten. Für die Arbeit mit dem Sänger findet Manne im Gespräch ein prägnantes Beispiel: „Mitch weiß im Studio, was er will – und er will den Rhythm’n’Blues auf seine ganz eigene Art arrangieren. Dabei konnte ich ihm behilflich sein. Als wir das Stück “Heaven Takes You Back“ aufnahmen, machte ich ihm den Vorschlag eine Duduk einzusetzen. „A Duduk? What’s that?“, fragte Mitch. „Eine armenische Flöte“, antwortete ich. Er ließ sich darauf ein und ich brachte den Dudukspieler Sören Birke ins Studio. Das Ergebnis war, wir schufen eines der herzergreifendsten und ungewöhnlichsten Stücke in Mitchs Karriere.“ Bis heute blicken die Musiker auf acht gemeinsame Studioalben zurück, von denen die allermeisten in Mannes Studio 1058 entstanden sind.
Einmal im Jahr, zumeist in den Wintermonaten, fliegt Mitch nach Deutschland, um mit Engerling zu touren. Mit den Jahren werden sie besser, musikalisch und menschlich. Auf insgesamt 22 Tourneen wird Integrität beiderseits großgeschrieben. Lediglich die Corona-Pandemie unterbricht sie in ihrem transatlantischen Austausch. Gert Leiser berichtet von aufregenden, manchmal anstrengenden Momenten unterwegs – sowie irrwitzigen Begegnungen: „Es ist schon ein paar Jahre her, da gaben wir ein Konzert im Club Harmonie in Bonn, einem Traditionsladen. Ich betreute wie immer den Merch-Stand. Da kam ein älteres Paar zu mir, beglückwünschte mich zum gelungenen Auftritt, kaufte CD`s und fragte mich dann etwas ungläubig, wann denn der „echte“ Mitch Ryder gestorben sei. Wie jetzt? Wir konnten die Situation schnell aufklären.“ Gert Leiser lacht. Er überzeugte das Paar schließlich von Ryders Lebendigkeit.
The Roof is on Fire
Am Abend des 18. Februars 2024 spielen Mitch Ryder & Engerling ein sehr gelungenes Konzert im Berliner Kesselhaus in der Kulturbrauerei, im Rahmen ihrer 30th Anniversary-Tour. Während der zweistündigen Show riecht es im Saal nach Lederjacke, Bier und Schweiß. Etwa 600 Fans haben sich in der Halle versammelt. Es herrscht eine angenehm-ausgelassene Atmosphäre, das Publikum scheint sich untereinander zu kennen. Die Alten gingen schon früher auf die Engerling-Konzerte und bringen nun ihre Kinder mit. Neue Fans sind hinzugekommen. Mit seinen deutschen Fans pflegt Mitch ein besonders inniges Verhältnis, beteuert er stets. Nach einer Operation an der Wirbelsäule absolviert er die Konzertabende größtenteils im Sitzen. Im Kesselhaus jedoch steht Mitch. Er hat sich vorgenommen, von nun an besser auf sich acht zu geben.
Wenige Wochen vor dem Auftritt in Berlin erscheint das Live-Doppelalbum „The Roof Is On Fire“, das es auf Platz drei der amerikanischen Billboard-Blues-Charts schafft. „Ob ich nun mit Anfängern oder erfahrenen Musikern zusammenkomme, (…), im Mittelpunkt steht nicht das Alter, sondern der gemeinsame Spaß an der Musik. Die meisten Musiker, die ihr auf diesem Album hört, kenne ich schon sehr lange.“, sagt Mitch im Interview mit einem Online-Musikmagazin. Zu diesem Zeitpunkt ahnen die Mitglieder von Engerling noch nicht, dass die Geburtstagstour auch ihre letzte werden soll. Mitch Ryder trifft sich bereits für Verhandlungsgespräche mit Thomas Ruf, über dessen Vertrieb das Livealbum läuft. Am 10. März ist dann Schluss. Die Band Engerling trifft das Aus unverhofft.
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Gert Leiser bedauert den harten Schnitt: „Erst kürzlich sprach ich mit Mitch über die Zukunft. Er gab mir zu verstehen, dass es für ihn nur zwei Gründe gäbe, die Zusammenarbeit zu beenden, und das sind Krankheit und Tod. Er gab an, mit mir die nächste Tour planen zu wollen. Aber dann kam alles anders. Nach dem Top-Ten-Album wurden neue Begehrlichkeiten wach.“ Die öffentliche Stellungnahme folgt auf dem Fuß: Der Vokalist verlässt seine deutschen Kollegen und wechselt zu Ruf Records! Thomas Ruf, Labelinhaber, Agent, Promoter und Bluesenthusiast, machte Mitch Ryder ein Angebot, das er nicht ausschlagen wird.
An Veranstalter, Kollegen und Freunde verschickt Leiser eine Mail: „Mitch Ryder hat sich nach 30-jähriger erfolgreicher Zusammenarbeit mit den Musikern von Engerling und mit mir als Tourpromoter entschieden, neue Wege zu gehen, mit anderen Musikern und einem anderen Tourpromoter (Ruf Records), und mit Blick auf den europäischen und den US-Markt. Im Klartext: Es wird keine gemeinsame Tour von Mitch Ryder mit Engerling und mir mehr geben. Wir bedauern diese Entscheidung!“
Wenn der Dachstuhl brennt, nützt weder beten noch den Fußboden zu scheuern, so heißt es sprichwörtlich.
Rock’n’Roll never dies – Epilog
Mitch Ryder wird mit beinahe 80 Jahren musikalisch neu beginnen. Er soll ein Album in Memphis, Tennessee, aufnehmen, der Heimat des Blues, des Rock’n’Roll und von Elvis Presley. Seinen US-amerikanischen Landsleuten will er noch einmal zeigen, wo der Rhythm’n‘Blues-Hammer hängt. Begleitet vom legendären Gitarristen Bernard Allison und dem Produzenten Jim Gaines. Eine Tournee ist in Planung.
Engerling wiederum feiern im kommenden Jahr ihr 50-jähriges Jubiläum mit großem Finale im Berliner Kesselhaus – ohne Mitch. Es geht immer weiter. Und so beende ich den Text mit einer erneuten Wende. Einem Meilenstein. Nicht etwa einem Schlusspunkt. Denn der Rock’n’Roll stirbt nicht, solange DU ihn spielst, hörst und feierst.
Quellen:
Zitat musireview Beitrag Generalanzeiger/ Datum: Mai 2024 Interview mit Gert Leiser/ Datum: 20.05.2024 Interview mit Manne Pokrandt/ Datum: 29.05.2024 „Bye bye Lübben City“ (Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf)
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Ab und zu gehen wir einen Schritt zur Seite und übergeben unsere Plattform an die Künstler*innen selbst. Es gibt keine Vorgaben, keine Regeln, keine Guidelines. Nur ein space, in dem sie selbst ihre Musik in jeglicher kreativer Form vorstellen dürfen. Wir sind jedes Mal auf’s Neue gespannt, was bei rauskommt, und jedes Mal werden wir positiv überrascht! Den Space heute geben wir an Group Hug aka Nicolas Fehr, der mit seiner EP Pouring Light From A Jar Anfang Mai ein fantasievolles, mit Humor und Seele bestücktes Debüt veröffentlicht hat. Inspirationen flossen aus den ersten Monaten der Pandemie, in denen er in Los Angeles gestrandet war – zusammen mit Ilgen-Nur. Diese musikalische Freundschaft und die Erfahrungen in den Staaten wurden der Fluchtpunkt und Impuls für die Songs auf Pouring Light From A Jar. Aber lassen wir ihn einfach mal selbst erzählen:
„Ich habe mir die Songs von der Pouring Light From A Jar-EP öfters als Soundtrack zu einer Coming-of-Age RomCom vorgestellt und fand es deshalb passend die Songtexte in einem Art Tagebuch-Format zu präsentieren. Als hätte das tagträumende Erzähler-Ich sie im Biologieunterricht aufgekritzelt um die Zeit zu überbrücken und ein wildes Wochenende festzuhalten.“
Mit so viel Liebe illustriert, können wir gar nicht anders als direkt die EP zu den Tagebucheinträgen zu hören. Ihr?! Group Hug – Pouring Light From A Jar, absolute untoldency Empfehlung für all die Tage, die sich anfühlen wie ein kleiner Tagtraum:
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Denkt ihr euch auch manchmal „was soll das eigentlich alles hier?“ Wenn es euch wie uns geht, dann ja. Und dabei ist die Frage auch ganz bewusst so offen und unkonkret gestellt, denn die meisten Gefühle, die wir zumindestens in unseren Mitte-Zwanzigern fühle, sind offen und unkonkret. Und sie fragen sich „was soll das eigentlich alles hier?“. Francis of Delirium fragt sich das auch. Die 22-Jährige aus Luxemburg, die bereits mit Künstler*innen wie Soccer Mommy, Wolf Alice oder The 1975 auf Tour war, verarbeitet in ihrem heute erschienenen Debütalbum Lighthouse Ängste und Unsicherheiten, aber auch Hoffnung und Liebe. Es ist ein Wechsel zwischen Licht und Dunkel, verpackt in einen Sound, der, und da sind wir uns sicher, in ein paar Jahren die großen Bühnen erobern wird. Doch noch vor diesen großen Bühnen haben wir Francis of Delirium gebeten, ihre Gedanken zu ihrem Debütalbum in Kontext zu setzen und zu visualisieren.
Describe your very own “Lighthouse” in terms of visualising music.
Rank the things that annoy you about growing up
mildy annoying : sweatier hands and armpits
quite annoying: having to call people on the phone yourself (especially doctors and dentists)
very annoying: non-creative tasks that can only be done on the computer/spending too much time on the computer
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Make a playlist, what songs influenced your process of this album/get you through tough times?
I’ve done a mix of roughly 33% of songs in the playlist are slow and sad that you can wallow in, 33% songs that I will dance/sing along to get you out of a funk and then 33% songs that I think influenced me, but I won’t say which is which. There is a lot going on in this playlist.
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I think I would still need some kind of creative activity to structure my life around. Making music is sort of like a spiritual practice for me, I do it almost daily. Iit gives me purpose and way to relieve pressure and things building up inside me. If I didn’t do music I think I would look something like this (blind contour self portrait).
Wenn euch jetzt entweder die Drawings, ihre Playlist oder einfach Francis of Delirium selbst überzeugt haben, dann hört in das Album rein! Es ist wirklich wahnsinnig gut, wir haben es bereits öfter für euch vor-gehört. Ihr könnt Francis of Delirium außerdem im April live auf Tour erwischen, schaut mal hier vorbei.
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