Denkt ihr euch auch manchmal „was soll das eigentlich alles hier?“ Wenn es euch wie uns geht, dann ja. Und dabei ist die Frage auch ganz bewusst so offen und unkonkret gestellt, denn die meisten Gefühle, die wir zumindestens in unseren Mitte-Zwanzigern fühle, sind offen und unkonkret. Und sie fragen sich „was soll das eigentlich alles hier?“. Francis of Delirium fragt sich das auch. Die 22-Jährige aus Luxemburg, die bereits mit Künstler*innen wie Soccer Mommy, Wolf Alice oder The 1975 auf Tour war, verarbeitet in ihrem heute erschienenen Debütalbum Lighthouse Ängste und Unsicherheiten, aber auch Hoffnung und Liebe. Es ist ein Wechsel zwischen Licht und Dunkel, verpackt in einen Sound, der, und da sind wir uns sicher, in ein paar Jahren die großen Bühnen erobern wird. Doch noch vor diesen großen Bühnen haben wir Francis of Delirium gebeten, ihre Gedanken zu ihrem Debütalbum in Kontext zu setzen und zu visualisieren.
Describe your very own “Lighthouse” in terms of visualising music.
Rank the things that annoy you about growing up
mildy annoying : sweatier hands and armpits
quite annoying: having to call people on the phone yourself (especially doctors and dentists)
very annoying: non-creative tasks that can only be done on the computer/spending too much time on the computer
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Make a playlist, what songs influenced your process of this album/get you through tough times?
I’ve done a mix of roughly 33% of songs in the playlist are slow and sad that you can wallow in, 33% songs that I will dance/sing along to get you out of a funk and then 33% songs that I think influenced me, but I won’t say which is which. There is a lot going on in this playlist.
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I think I would still need some kind of creative activity to structure my life around. Making music is sort of like a spiritual practice for me, I do it almost daily. Iit gives me purpose and way to relieve pressure and things building up inside me. If I didn’t do music I think I would look something like this (blind contour self portrait).
Wenn euch jetzt entweder die Drawings, ihre Playlist oder einfach Francis of Delirium selbst überzeugt haben, dann hört in das Album rein! Es ist wirklich wahnsinnig gut, wir haben es bereits öfter für euch vor-gehört. Ihr könnt Francis of Delirium außerdem im April live auf Tour erwischen, schaut mal hier vorbei.
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Mein Jahresrückblick aus dem letzten Jahr liegt mir auch immer noch sehr am Herzen, wenn ich bedenke welche Probleme auch 2023 mit sich forttrug. (Hier: https://untoldency.de/daschas-jahresrueckblick-ich-habe-keine-lust-mehr/) Ein bisschen Besserung schien vorhanden, bis zur deutlichen Änderung steht noch vieles aus. Wie ironisch es ist, dass ich von Fortschritt träume, aber mich musikalisch in diesem Jahr nur nach einer früheren Zeit sehnte, ist mir bewusst.
Ich ertappte mich dieses Jahr oft dabei genervt von aktueller Musik zu sein. Die Festival Line Ups sahen fast alle identisch aus, die neuen Releases erkämpften sich zielstrebig die Aufmerksamkeit der Algorithmen und Playlistplatzierungen. Obwohl ich nicht immer mit Hater-Attitüde darauf schauen will und auch ich gelegentlich Domiziana und Ski Aggu pumpe, begehrte ich wohl in meinem Inneren eine andere Zeit und diese zog mich immer weiter in sich hinein: Die Indie Sleaze Ära. Da ich hoffe, dass diese Zeit niemals in Vergessenheit gerät, teile ich gerne wie viel Platz dieses Thema in meinem Gehirn einnimmt. Das wird jetzt quasi kein Jahresrückblick von 2023, sondern eher 2007.
Kurz gefasst: Die gesamte Ästhetik um die UK und US Indie Musik- und Partyszene der Zeit zwischen 2006 bis 2012 lag schon immer in meinem Interesse, begann aber dieses Jahr meine vollkommene Obsession zu werden. Alles in mir wünschte sich mehr Intensität, aber irgendwie mehr Ranzigkeit. Sleaze, zu deutsch „schäbig“, “schmutzig” beschreibt das ganze auf den Punkt. Bandmember die aussehen als würden sie ein Mal im Monat duschen, bunte Strumpfhosen mit Shorts, schlechte Digicam Fotos mit viel zu grellem Blitzlicht, exzessive, schwitzige Partys und eine große Menge aufkommender neuer Bands, die für immer ihre Spuren hinterließen.
Whatever People Say I Am…
Als erstes muss ich unbedingt erwähnen, dass Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not, das 2006 erschienene Debütalbum der Arctic Monkeys, meiner Meinung nach das beste Indie Album aller Zeiten ist. Genau darin befindet sich auch die Kernessenz und der Beginn der Indie Sleaze Ära. Auf 13 unvergesslichen Songs nehmen die damals 20 jährigen die ganze Welt auf einen nächtlichen Trip durch das Partyleben von Sheffield mit. Alex Turner fungiert als Beobachter und Geschichtenerzähler: Betrunkene junge Menschen auf der Suche nach etwas Nähe, sinnloses Drama, dreckige Dancefloors und unangenehmes Erwachen am Morgen danach. Hier scheint alles egal, denn der Rausch ist die treibende Kraft der Szenerie des Albums, das eine akkurate Zeitkapsel seines Moments darstellt, jedoch keineswegs schlecht gealtert ist. Es sind keine großen Emotionen und abstrakten Lyrics, sondern banale zwischenmenschliche Situationen, die betrunkene junge Menschen nunmal durchleben. Es scheint so, als ob genau das rohe, scheinbar simple, hässliche den Nerv der Zeit traf und das große Aufsehen quasi über Nacht auslöste. Die große Geschichte des Abends besteht eben oftmals daraus das beliebteste Mädchen der Stadt auf der Tanzfläche mit einem betrunkenen Witz nicht wie erhofft zum Lachen zu bringen. Und genau diese Geschichte dann doch so mitreißend und dramatisch zu erzählen, als sei der Rest der Welt in dem Moment ein Stück weit weniger wichtig geworden, ist die Kunst des Albums. Denn sind wir ehrlich, genau diese Fokus-Verschiebung ist es, was eine Partynacht ausmacht. Man trifft durch die Tracks auf fremde Alltags-Charaktere, von denen man doch das schwammige Gefühl bekommt, ihnen selbst schon mal begegnet zu sein.
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Die vier Musiker aus Sheffield sahen während dieser Zeit zugegebenermaßen ziemlich ranzig aus: Keine Ahnung von Fashion, nur verwuschelte Haare, laute Gitarren und Alex Turners geliebter Sheffield-Akzent. Sie wurden in Rekordzeit nach einem Hit-Single Release zu Cover Stars und Indie Ikonen. Oft denke ich an Alex Turner, der ab 2007 mit Model und Moderatorin Alexa Chung für einige Jahre das legendäre, beliebte Indie Sleaze-Paar abgab. Die Medien liebten sie und Alex Turner’ berühmter Liebesbrief an Alexakursiert bis heute im Internet. „My mouth hasn’t shut up about you since you kissed it. The idea that you may kiss it again is stuck in my brain, which hasn’t stopped thinking about you since, well, before any kiss(…)“, ja ich kann ihn auswendig. Der Mythos besagt, Alexa hätte den Notizzettel in einer Bar vergessen, doch das Internet und ich vergaßen ihn nie.
Bei einem der bis dahin am häufigsten, schnellsten verkauften Debütalben Englands ist auch der Einfluss, den das Album auf kommende Indie-Rock Bands hatte, ist nicht wegzudenken. Wer einen weiteren Tiefgang in das legendäre Album machen möchte, sollte unbedingt den in diesem Jahr erschienen BBC UK Podcast „Believe the Hype“ von Kate Nash anhören, der alles rund um den Release und die Anfänge der Arctic Monkeys behandelt. Ich bin Fan: https://www.bbc.co.uk/sounds/play/m001hlds
Selbstverständlich sind Arctic Monkeys nicht die einzige einflussreiche Band dieser Zeit gewesen. Es gibt eine Menge Bands, die genau in diese Ästhetik – ich würde es sogar eher als Phänomen bezeichnen – reinpassen. Da wären beispielsweise The Strokes, Bloc Party, Yeah Yeah Yeahs, Crystal Castles, The White Stripes, CSS, Gossip, Franz Ferdinand, Metric nur um ein Paar zu nennen. Um auf alle davon einzugehen, müsste ich wahrscheinlich ein ganzes Buch statt einem Artikel schreiben. Von knallendem Indie-Rock zu absurdem Elektro-Pop: Es ist schwierig, ihre Musik in Worten zu einer gemeinsamen Kategorie zu fassen, aber ein Gefühl verbindet sie. Ein Gefühl, dass es schafft sich beim Hören bis heute weiterzuvermitteln. Mein liebster Instagram Account ist @indiesleaze, der genau diese Party- und Musikszene, ihren Style und ihre Persönlichkeiten dokumentiert und nicht vergessen lässt. In diesem Jahr habe ich viel Zeit damit verbracht die Posts zu durchstöbern, um mir ein kleines Stückchen dieser Ära abzugreifen.
Dabei bin ich auch auf eine geniale Fotoreihe des britischen Fotografen James Mollison gestoßen, der Fans von Bands in diesen Jahren vor ihren Konzerten fotografierte:
Arctic Monkeys Fans, London 2006Gossip Fans, Birmingham 2007Klaxons Fans, London 2007
Neben Style und Musik gibt es auch Filme und Serien, die eng mit der Ästhetik in Verbindung stehen. Dabei stehen Submarine, für den Alex Turner übrigens den Soundtrack schrieb, Mysterious Skin und Scott Pilgrim vs. the World ganz oben. Michael Cera, der immer so schrecklich nachvollziehbar awkward auf Fotos aussieht, steht passend als einer der Symbolbilder der Indie Sleaze Ära ein. Die Filme sind seltsam, die Charaktere nicht den begehrenswerten Star-Standards entsprechend. Sie sind keine klassischen Meisterwerke, man könnte sagen „trashy“, aber vollkommen liebenswert.
Skins – Hautnah
Bleiben wir bei Symbolbildern: Erinnert ihr euch noch an Effy Stonem? Ich habe sie definitiv nie vergessen. Die coolste britische Teenager-Figur prägte eine gesamte Generation von Teenagern und wurde zum Vorbild einer neuen Ästhetik, auch wenn die dabei geschehene Romantisierung von psychischen Problemen selbstverständlich kritisch zu betrachten ist. Die Rede ist natürlich von Skins UK, 2007-2013. Mit genau dieser Serie bin ich aufgewachsen und ich könnte niemals nachzählen, wie oft ich sie bis heute gesehen habe. Skins ist quasi das Epitom des Indie Sleaze Begriffs: Es zeigt junge verlorene Menschen, die nicht in die breite Gesellschaft zu passen scheinen und die lieber feiern und Drogen nehmen statt auf andere zu hören. Die Serie und der damalige Hype um sie zeigt die Blase einer gewissen Zeit, rohe Gefühle, keine makellosen Schauspiel-Stars, sondern eine Clique ranzig aussehender Teenies, die wahrscheinlich ausschließlich nach Kippen und Bier riechen. Aber vor allem auch viel gute Musik. Ich bin froh, dass ich nicht an einem Punkt bin, dass ichSkins als cringe und überholt ansehe, sondern es immer mehr als einzigartigen Moment zu schätzen weiß.
Effy Stonem (Kaya Scodelario), Skins UK
Es gibt einige Musikmomente in der Serie, die immer wieder etwas in mir auslösen: Wie Main Character Effy Stonem selbstbewusst zu Shove It von Santigold feat. Spank Rock den Schulflur entlang schlendert, die Charaktere der ersten Serien-Generation einen Breakdown auf einem Crystal Castles Konzert erleben, die Skins Surprise Party auf einem Foals Konzert zu Hummer, der erste Trailer, dessen wilde Party mit Standing In The Way of Control von Gossip unterlegt war und, obwohl musikalisch nicht aus der Zeit, das große Staffelfinale mit Gesangseinlage zu Cat Stevens – Wild World. Einen besonderen Platz in meinem Herzen hat für immer auch Don’t Preach To Me von The Skallywags, den Hauptcharakter Cooks singt, wenn er die Straße entlang läuft und er vermittelt, dass alles auf der Welt im Kern egal sei. Nichts daran ist schön oder scheint künstlich, eher schäbig und manchmal brutal. Wahrscheinlich ist diese furcht- und schamlose Nahbarkeit auch das, was die Serie so anziehend macht. Es wirkt fast so, als ob ein Teil dieser Ästhetik eben genau daraus bestand zu wissen, dass das nicht ewig anhält.
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Dabei handelt es sich um ein dargestelltes, ungreifbares Gefühl, das ich nur noch aus der Ferne betrachten kann und nach dem ich mich sehne, obwohl ich es nie richtig kannte. Irgendwie nicht fremd, aber keine reale Erinnerung. Zwar hab ich die Zeit miterlebt, war aber definitiv zu jung, um mich in Clubs aufzuhalten. Vielleicht romantisiere ich eine selektiv dokumentierte Ästhetik zu sehr, vielleicht brauche ich diese unstillbare Sehnsucht aber auch, weil mich zur aktuellen Zeit nichts besonders reizt. Damals war gewiss nicht alles besser, jedoch strebt ein Teil von mir nach genau diesem unperfektem Chaos, von dem ich meine Augen und Ohren nicht abwenden kann. Vielleicht auch nur, weil ich das eben mit einem Sicherheitsabstand tue. Während mir momentan vieles in der Musikszene zu glatt und poliert erscheint, zog mich das Schäbige immer weiter zu sich hinein.
Wenn man nach dem Begriff ‚Indie Sleaze’ im Internet sucht, wird man als erstes von Modeseiten darauf hingewiesen, dass das Fashion-Revival in den Startlöchern stünde. Klar, das macht Sinn, die frühen 2000er sind bereits wieder im Trend und der Kreis dreht sich bekanntlich weiter. Allerdings erhoffe ich mir, dass wir wenigstens ein bisschen mehr aus der Ära abgreifen können, als nur gestreifte T-Shirts, Skinny Jeans und hässliche Schals und die positiven Aspekte in die Gegenwart integrieren. Schließlich besteht so ein Phänomen in seiner Gänze nicht nur aus seinen Outfits. Neue Bands wie TEMMIS haben beispielweise vorsichtig, aber offensichtlich, in ihrem Musikvideo zu Arterien und auf ihrer Tour dieses Jahr auf die Ästhetik zurück gegriffen. Auch cumgirl8 aus NYC habe ich dieses Jahr live gesehen und mir unmittelbar in einem kleinen schwitzigen New Yorker Club in 2010 vorgestellt. Zwar habe ich mein Jahr mental anscheinend nicht in 2023 verbracht, während ich mir Fotos der IT-Girls Sky Ferreira und Alexa Chung angeschaut habe, jedoch haben es die verwaschenen Spuren des Indie Sleaze trotzdem geschafft mich einzuholen. Sei es mit Hugh Harris von The Kooks zu quatschen, bei Interpol im Fotograben zu stehen, mit The Subways in einem Backstage zu sitzen, Midnight City von M83 oder zwei Songs von Whatever People Say I Am live zu erleben, es hat mich in sanfter Form auch in der Realität begleitet. Die Hits sind Hits geblieben, alles herum hat sich verändert. Ich weiß nicht genau, ob die Menschen heute insgesamt einfach langweiliger, vorsichtiger und bequemer geworden sind. Schätzungsweise wird kein versuchtes Revival das Phänomen wohl wieder in gänzlicher Kraft zurückbringen. Vielleicht ist das besser so, damit ich auch in 2024 nostalgisch in fremde verpixelte Partyaufnahmen fliehen kann.
Zuletzt findet ihr hier meine in diesem Jahr entstandene Indie Sleaze Playlist. Sie ist mit Liebe kuratiert, sie ist lang und rückt definitiv die besten Juwelen dieser Zeit in’s (Blitz-)Licht:
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Willkommen zu meinen top top top, Top 3 also. Top 3 was fragt ihr euch? Top 3 alles! Zum Ende des Jahres 2023 (get it?) dachte ich mir, ich trage einfach mal meine Top 3s in verschiedenen Kategorien zusammen. Drei ist ´ne schöne Zahl, Aufzählungen mit drei Punkten sind gut überschaubar, man muss sich aber schon Gedanken machen, was man mit aufnimmt und was nicht, und 23 Punkte auf mehreren Listen würden hier jetzt wirklich ein bisschen ausufern.
Top 3 – personal achievments
Da in meinem Jahr 2023 doch wirklich viel passiert ist, wollte ich erst mal mit etwas persönlichem anfangen: meinen top 3 achievments aus diesem Jahr. Und um ehrlich zu sein, sind die alle in der ersten Jahreshälfte passiert. Anfang des Jahres habe ich endlich mein Masterstudium in Populärer Musik und Medien abgeschlossen, was gleichzeitig bedeutete, dass wirklich eine Ära zu Ende ging. Tschüss Studileben und hallo Arbeitswelt, i guess? Aber ja dazu kommen wir gleich.
Im April durfte ich beim c/o pop Festival in Köln als offizielles Fangirl auf einem Panel zu dem Thema „Fans will be Fans – Social Media connected, aber wie?“ mitreden. Dabei habe ich mich (mal wieder) als biggest Arctic Monkeys Fan geoutet und irgendwie den Eindruck vermittelt, dass ich viel zu viel auf TikTok rumhänge (das ist übrigens besser geworden). Das war auf jeden Fall sehr aufregend, aber auch super cool.
Knüpfen wir jetzt wieder an das Thema von eben an – da mein Studium zu Ende war und ich nicht die akademischen Ambitionen hatte noch zu promovieren, habe ich mich auf Jobsuche gemacht. Was man mit einem Master in Populärer Musik und Medien machen kann, fragt ihr euch jetzt wieder? Ziemlich viel, also irgendwas mit Musik und Medien. Deswegen habe ich mich fleißig auf alles beworben, was mit Musik zu tun hatte und halbwegs zu meinen Erfahrungen aus Praktika und diversen Werkstudijobs gepasst hat. Auch wenn mir die Zeit ewig vorkam, konnte ich relativ schnell meinen ersten Big Girl Job landen (yay!) und verdiene jetzt Big Girl Money (yay!). Und merke, dass ich Big Girl No Time & No Energy mehr für viele anderen Dinge habe (booo!). Dafür habe ich sehr viel neues gelernt, erlebe super viele coole Dinge und vor allem Konzerte und bin so so froh, dass ich mich in meinem neuen Team sehr wohl fühle und sehr liebe Menschen den Großteil der Woche um mich habe.
Top 3 – songs
Kommen wir jetzt mal zu drei Themen, die damit zu tun haben, wieso wir alle hier sind: Musik. Ich habe mir drei Songs rausgesucht, von denen ihr dieses Jahr nicht genug bekommen konnte. Wir fangen aber mit keinem neuen Song an, sondern meinem Lieblingssong, seit 4 Jahren in meinen Spotify Top 5, und ich habe noch nie darüber geschrieben?! Das muss nachgeholt werden.
What Once Was von Her’s. Ich LIEBE diesen Song, it scratches my brain in all the right ways. I mean, dieses Gitarrenriff?? Das ist mir sofort im Kopf hängen geblieben. Als der Song 2020 random in meinen Mix der Woche gespült wurde, war ich sofort hin und weg, und hab alles von Her’s durchgehört. Natürlich wollte ich mehr über die Band wissen und es hat keine lange Google-Suche gebraucht, bis ich über den tragischen Tod von Stephen Fitzpatrick, Audun Laading und deren Tourmanager Trevor Engelbrektson gelesen habe, der zu diesem Zeitpunkt knapp ein Jahr vergangen war. Damit hab ich gar nicht gerechnet und ich hab das auch immer noch jedes mal im Hinterkopf, wenn ich einen Song der beiden höre. Aber durch ihre Musik werden sie nie vergessen werden! Ich hab extra eine live Session für euch hier verlinkt, weil ich die Aufnahme so schön finde, vor allem wie Audun am Bass so im Spielen aufgeht.
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Der zweite Song ist Ferrari Red von Cargo Grey, auch kein Song, der dieses Jahr erschienen ist, sondern schon 2021. Ich meine, langsam wissen wir alle, dass ich dreamy Gitarren mag, Songs, die so ein bisschen melancholisch und nostalgisch klingen. Und genau in diese Kategorie fällt auch dieser Song. Es geht um ein Mädchen mit Ferrari roten Haaren und um den Wunsch Dinge noch einmal anders zu machen. Meine Lieblingsstelle: ab 1:28, bei den Zeilen:
‚Cause we only had some eye contact. We never really even talked, And to say we did would be a lie, a miracle.
Als letzten Song habe ich Transformer von Der Ringer gewählt. Die Band habe ich auch erst Anfang des Jahres entdeckt. Immerhin hat es mich so gepackt, dass ich gleich einen Artikel dazu schreiben wollte, den ihr hier lesen könnt. Auch hier geht es um Veränderung, die lange in einem gebrodelt und einige Zeit gebraucht hat, um deutlich sichtbar zu werden. Aber nicht in einem selbst, sondern aus der Perspektive, diesen ganzen Wandel einer Person mitzuerleben.
Top 3 – albums
Bei meinen Top 3 Songs war jetzt keiner dabei, der dieses Jahr veröffentlicht wurde, aber bei den Alben habe ich den Fokus auf 2023 gelegt.
Das Album, das ich in Gänze auf jeden Fall am meisten dieses Jahr gehört habe, ist Why Would I Watch von Hot Mulligan. Es ist einfach ein sehr gutes Album, was soll ich sagen. Noch dazu ist es schön zu sehen, wie sich die Band nach oben spielt. Letztes Jahr habe ich sie noch als Vorband von Knuckle Puck gesehen, dieses Jahr haben sie im SO36 als Mainact gespielt.
The Beaches hat TikTok auf meinen Radar gebracht, aber ich glaube nicht nur auf meinen. Ihr Album Blame My Ex habe ich auch sehr sehr viel gehört dieses Jahr und ich konnte sie sogar live sehen (dazu kommen wir gleich noch). Natürlich vor allem ihr Song Blame Brett ging durch TikTok durch die Decke, total verdient auch, das ist ein Hit. Und i mean, diese Girl Power? Ich wünschte ich wäre so cool.
Natürlich darf auf keinen Fall eine meiner Lieblingsbands seit immer fehlen: Paramore mit ihrem neuen Album This Is Why. Sechs Jahre ist es schon her, seit ihr letztes Album After Laughter erschienen ist. Umso gespannter war ich auf das neue Album. Die erste Single The News hat mich schon komplett abgeholt und der Rest des Albums hat mich auch nicht enttäuscht.
Top 3 – concerts
Bei dieser Kategorie ist es mir mit Abstand am schwersten gefallen, mich auf drei Konzerte zu beschränken, weil ich auf sehr vielen war und die eigentlich alle cool waren. Aber hilft ja nichts, hier habe ich mich ja selbst reingeritten.
Wie eben schon erwähnt, war ich auch auf dem Konzert von The Beaches in Berlin. Nach dem wir (Eve und ich) pitschnass dort angekommen sind, war es dafür im Raum umso wärmer bei einem ausverkauften Privatclub. Die Stimmung war super und die vier hatten auf der Bühne genauso viel Spaß wie wir. Und ich möchte es nochmal wiederholen: WIE COOL KANN MAN SEIN?!
Ein paar Tage früher war ich ebenfalls mit Eve in Köln beim Konzert von Movements. Ich weiß nicht, ob ich mittlerweile Berlin-verwöhnt bin, was Öffis angeht, aber Köln was ist da los? Der Weg zum Gebäude 9 war zumindest sehr viel umständlicher als wir das erwartet hatten 😀 Zurück zur Musik: Das Konzert an sich fand ich auch SO gut, und als natürlich alle bei den Klassikern wie Daylily, Third Degree oder Colorblind mitgesungen haben, hatte ich fast ein bisschen Gänsehaut. Also die Energie ist auf jeden Fall auf alle übergesprungen. Außerdem fand ich die Vorband Softcult mega gut, die ich bis dato noch nicht kannte.
Zuletzt will ich hier noch das Konzert von Casper in der Verti Music Hall mitaufnehmen. Das war einfach die perfekte Mischung aus neuen und alten Songs. Zugegebenermaßen kannte ich vom neuen Album nur zwei Songs, weil es der Tag vom Release war und ich es nich geschafft habe, das Album davor zu hören. Aber dafür habe ich die alten Songs umso mehr gefühlt. Immer wieder krass, wie einen Musik zurückversetzten kann und man sich für einen kleinen Moment wieder wie 16 fühlt.
Top 3 – books
Zum Schluss wollte ich euch noch drei Lesetipps mitgeben, also meine Top 3 Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe.
Just Kids von Patti Smith – ist einfach eine wunderbare Erzählung vom Erwachsen werden, sich durchs Leben schlagen, sich selbst finden und auch nie die Verbindung zu ganz besonderen Personen verlieren.
Invisible Women von Caroline Criado-Perez – ich gebe zu, das Buch ist nicht einfach zu lesen, da viele Daten und Fakten aufgezählt und erläutert werden. Aber es ist SO interessant, wie sehr die ganze Welt davon profitieren würde, wenn man Frauen bzw. Daten über deren Verhalten, Gewohnheiten oder auch den weiblichen Körper mehr miteinbeziehen würde und die Data Gap, die es in ganz vielen Bereich gibt, anfängt zu schließen.
REVOLUTIONARY BERLIN: A Walking Guide von Nathaniel Flakin – das Buch nimmt einen mit auf eine Walking Tour durch verschiedene Bezirke und zeigt einem, welche interessanten Ecke es in dieser geschichtsträchtigen Stadt gibt, alles rund um das Thema Revolution. Dabei wird auch in zwei Kapiteln auf die Queere Szene und Frauen in Berlin eingegangen, alles vor allem um die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. Das ist vor allem für die, die sich für Geschichte und die Stadt interessieren.
So das war’s mit meinen Top 3, ich hoffe ihr habt ein bisschen Inspiration für euch vielleicht hier finden können. Leider muss auch ich in unserem Musikmagazin erst einmal zurücktreten, hoffentlich nicht für immer. Trotzdem bin ich sehr froh hier die letzten drei Jahre Teil von gewesen sein zu dürfen <3
Es ist wieder soweit – die Zeit der (musikalischen) Jahresrückblicke. Hier bekommt ihr eine Zusammenfassung meines Hörverhaltens aus dem Jahre 2023 – kurz & knackig.
Am Ende jeden Jahres erstelle ich mir eine Playlist, die mein Jahr musikalisch widerspiegelt. Wie eine Art Tagebuch, auf das ich immer wieder zugreifen kann, nur halt mit Musik. Und wenn ich mal gefragt werde, mit wem ich 2019 so meine Zeit verbracht habe: zack, Playlist! Das hat die letzten Jahre ziemlich gut funktioniert und deshalb gab es auch in diesem Jahr eine. Naja, und dann gibt es natürlich noch eine zweite Playlist, aber nur mit Songs, die auch im besagten Jahr veröffentlicht wurden. Meine Top 2023 Alben bekommen hier selbstverständlich auch ihren wohlverdienten Platz, aber dazu später.
Vertraute Konstanten
Kommen wir nun zu meiner ersten Playlist. Ich versuche mich kurz zu halten, denn hier wiederholt sich vieles aus den letzten Jahren. Die Band Blaenavon begleitet mich schon eine Weile und auch in diesem Jahr sind Songs wie „I Will Be The World“ oder „Skin Scream“ in meinen Playlisten gelandet. Mittlerweile hat sich die Band zu meinem Bedauern aufgelöst *schnief*, aber zum Glück bleibt die Musik.
Songs, die jedes Jahr auftauchen, sind zum Beispiel „Inside Of Love“ von Nada Surf (einer meiner absoluten Lieblingssongs) und „Bright Blue Berlin Sky“ von The Shutes, mit dem ich emotional sehr viel verbinde. An dieser Stelle soll gesagt sein, dass es okay ist, nicht immer nur nach Neuem zu suchen, sondern auch auf Vertrautes zurückzugreifen.
Alles neu in 2023?
Um Veröffentlichungen aus dem Jahr 2023 von bereits bekannten Künstler*innen, aber auch von Neuentdeckungen meinerseits, soll es in der zweiten Playlist gehen. Während Arlo Parks ihr zweites Album „My Soft Machine“ veröffentlicht hat, auf das ich mich sehr gefreut habe, (zu Recht), konnten Two Door Cinema Club mit ihrer Single „Sure Enough“ zeigen, dass sie es definitiv noch können. Und wie gut war bitte der Soundtrack zu Daisy Jones & The Six?
Viele Neuentdeckungen sind mal wieder dem Reeperbahn Festival geschuldet: Blush Always, Sophie May, Marissa Burwell, Temples, Art School Girlfriend oder Soft Loft, um mal ein paar zu nennen. Dass ich diese tollen Künstler*innen bisher verschlafen habe, versuche ich jetzt zu kompensieren.
Olivia Dean hat mich dieses Jahr nicht nur mit ihrem Song „Dive“ umgehauen, der mich mit seiner Leichtigkeit bis heute in seinen Bann zieht, sondern auch mit ihrem grandiosen Debütalbum „Messy“.
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Zwei Alben haben es mir in diesem Jahr besonders angetan, die ich hier mehr als nur nennen möchte. Das Debütalbum „Good Riddance“ von Gracie Abrams war mein persönlicher Dauerbrenner in diesem Jahr. Da kann ich wirklich von Glück sprechen, dass es bereits im Februar veröffentlicht wurde und mir somit in jeglichen Situationen in diesem Jahr zur Seite gestanden hat. Dabei hat mich nicht nur ihre unfassbar schöne Stimme angesprochen, sondern vor allem der Charakter des Albums – irgendwie wohltuend und umarmend, aber dennoch schmerzvoll.
Der Band Nothing But Thieves habe ich mein Herz schon vor längerer Zeit geschenkt, zuletzt nach dem Release ihres Albums „Moral Panic“ im Jahr 2020. Auch wenn ich denke, dass „Dead Club City“ diesen Platz nicht einnehmen kann, hat das neue Album sehr viele Banger zu bieten – typischer NBT-Sound, der zumindest mich überzeugt hat. Das Album gehört als einer meiner meist gehörtesten Alben natürlich in meine Top 3. Nächstes Jahr darf ich die Band dann endlich live sehen, wuhu!
Das war’s von mir, wir sehen uns in 2024!
Eine Playlist mit meinen liebsten Neuerscheinungen aus 2023? Here you go:
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2023 war ein sehr emotionales und langes Jahr für mich. Ich habe viel erlebt, viele tolle Menschen kennenlernen dürfen und mir wurden unfassbar tolle Chancen geboten. Ich war mit Höme auf dem Roskilde Festival. Die erste Ausgabe unseres eigenen Festivals, dem For A Change in Passau, hat stattgefunden. Ich bin mal wieder umgezogen. Meine musikalischen Highlights spiegeln dementsprechend mein Jahr ziemlich gut wider: emotionally all over the place. Und zwei Worte stechen dabei besonders hervor: Taylor Swift.
Der Elefant im Raum (Taylor’s Version)
Fangen wir doch einfach direkt mit dem Elefanten im Raum an – Taylor Swift. Man kann es auch eigentlich nicht anders nennen als einen Elefanten, weil sie so viel Platz in meinem Leben einnimmt. Es gibt keine*n andere*n Künstler*in, die mich bisher in meinem Leben so lange begleitet hat wie Taylor. Und vermutlich auch niemanden, bei dem meine Freund*innen so schnell an mich denken wie bei dem Namen Taylor Swift. Ich wurde dieses Jahr sehr oft gefragt, was ich an ihr und ihrer Musik so toll finde. Und auch, wenn ich darüber jetzt einen ganzen Essay schreiben könnte, will ich das auf die zwei prägnantesten Punkte zusammenfassen: ihr Songwriting und Nostalgie. Mit wie vielen Referenzen sie in ihren Songs arbeitet. Die Bilder, die sie damit malt. Für mich ist das Wichtigste bei Musik, was in den Songs gesagt wird, welche und wie die Geschichte erzählt wird. Und das kann Taylor verdammt gut. Der andere Grund: ich höre ihre Musik seit 14 Jahren. Das sind so gut wie zwei Drittel meines Lebens, ich bin praktisch damit aufgewachsen.
(c) Martha Asencio-Rhine / Tampa Bay T / Martha Asencio-Rhine
2023 war ein sehr gutes Jahr, um Swiftie zu sein. Es gab zwei neue Taylor’s Version Alben (Speak Now und 1989). Die ganze Eras Tour ist praktisch eine nostalgische Zeitreise – Fans haben die Möglichkeit, Songs aus ihren Lieblings-Eras zu hören, wenn sie (wie ich) damals zu jung für die Konzerte waren. „1989 (Taylor’s Version)“ hat mich zu meinem ersten TikTok Tanz gebracht („Is It Over Now?“) und „Speak Now (Taylor’s Version)“ durch die Klausurenphase. Es gab alte und neue Songs, ein Musikvideo voller Easter Eggs. Mit “You’re Losing Me” wurde im Dezember einer ihrer lyrisch genialsten Songs (in meiner Ansicht) veröffentlicht. Wie gesagt, ich könnte auch einen ganzen Liebesbrief alleine über Taylor Swift Songs schreiben. Aber auch, wenn ich mit 12.500 Minuten dieses Jahr sehr viel Zeit mit ihrer Musik verbracht habe, gibt es noch andere Künstlerinnen und Songs, die in diesem Liebesbrief auftauchen sollten.
That’s a slay
Die zweite Künstlerin, die mein Jahr bestimmte und einen großen Einfluss auf meine Stimmung nahm, ist Upsahl. Ich kannte den Namen Upsahl zwar schon länger, aber was mich endgültig in ihren Bann gezogen hat, war der Song (und um ehrlich zu sein der TikTok Content dafür) “Good Girl Era”.
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Man könnte jetzt sagen, ich habe ein Muster: Upsahl, Fletcher, Cloudy June. Alles Künstlerinnen, die sehr selbstbewusst auftreten, starke Persönlichkeiten sind und dies auch in ihren Lyrics widerspiegeln. Ich will auch gar nicht widersprechen, da meine Lieblingsplaylist dieses Jahr “rich bitch energy only” hieß. Songs wie “Naked” von Sam Short, “Double Denim” von Skylar, “People I Don’t Like” von Upsahl oder “Greedy” von Tate McRae (deren Album “THINK LATER” übrigens auch zu meinen Lieblingsveröffentlichungen 2023 gehörte) waren darin enthalten und sie lief die ganze Zeit rauf und runter. Und genau deswegen gehört Upsahl auch so ein großer Anteil dieser Playlist. Ihre Musik kann auch getrost als mein diesjähriger Soundtrack bezeichnet werden.
In einem Interview sagte die Sängerin aus Arizona einmal: “I crave change, I live for intensity, I’m extremely passionate (sometimes to a fault), I exert power in as many aspects of my life as I can, and I’m unbothered as fuck” und das fasst meine Einstellung dieses Jahr sehr zusammen. Also kein Wunder, dass ihre Musik mich das ganze Jahr über begleitete.
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Dua Lipa bestimmte zwar mein 2023 nicht so stark wie in den letzten Jahren, trotzdem beschreibt der Titel ihres Albums am besten, wie ich dieses Jahr Musik gehört habe. Taylor Swift legte mit ihren Re-Recordings den Grundbaustein für diese Nostalgie – Songs aus meiner Kindheit, die ich aber mittlerweile teilweise mit ganz anderen Erinnerungen und Situationen verknüpfe. Diese Nostalgie erstreckt sich aber nicht nur so weit zurück wie in diesem Fall, sondern auch gerade auf die letzten sechs Jahre. Zum Beispiel “Worst Of You” von Maisie Peters (2018), “I Might” von Tom Grennan (2018), “85% – Acoustic” von Loote (2019) oder “Mess It Up” von Gracie Abrams (2021) sind alles nicht mehr die neuesten Titel, aber waren Dauerbegleiter im letzten Jahr für mich.
„I feel like myself right now“
Die letzten Highlights sind – wie angekündigt – emotionally all over the place. Ich finde nicht den einen roten Faden darin, aber ich glaube, es gibt ihn und er nennt sich erwachsen werden oder auch being in my 20s. Angefangen mit “Right Now” von Gracie Abrams – im Oktober konnte ich sie live sehen und obwohl ich das Album natürlich nach Veröffentlichung auch hoch und runter gehört hatte, zog mich das Finale beim Konzert nochmal besonders in den Bann.
„I’m so high, but can’t look down Left my past life on the ground Think I’m more alive, somehow I feel like myself right now„
Die Verletzlichkeit und die Hoffnung, die dieser Song gleichzeitig ausstrahlte, ließen mich nicht mehr los und haben mich sehr verzaubert. Das Vermissen und die Nostalgie gepaart mit einer grundlegenden Zufriedenheit mit sich selbst. Dieser Song und die Performance haben mich auf jeden Fall noch sehr lange begleitet.
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Und solche Songs waren meine Lieblingsfundstücke dieses Jahr – Songs, die davon erzählten, irgendwie verloren zu sein, aber gerade in der starken Intensität dieser Emotionen auch komplett aufgehen – wie Fletcher in “20 something”. Oder “The View Between Villages – Extended Version” von Noah Kahan. Ich hatte dieses Jahr einen ganz großen soft spot für nostalgische Songs mit einer Prise Hoffnung. Songs, in denen die Sehnsucht mitschwingt, sich selbst zu kennen, und die gleichzeitig eine tiefe Zuversicht für die Zukunft ausdrücken.
Im Januar habe ich ein Visionboard für 2023 erstellt. Darauf waren unter anderem Zitate wie “I’m fucking special”, “I don’t care” oder “Do it for you”. Und ich glaube, die Songs, die für mich mein 2023 am meisten geprägt haben, spiegeln die Schwankungen zwischen diesem Self Empowerment und den Momenten, in denen ich mich empowern musste, ziemlich deutlich wieder. Es war teilweise eine Achterbahn, aber hört am besten einfach selbst:
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Der Anfang des Jahres 2023 ist gefühlt schon wieder deutlich mehr als 12 Monate her. Es ist auch mal wieder so viel passiert, dass es mir unendlich schwer fällt, mich überhaupt an alles zu erinnern. Und auch zu entziffern, wann denn überhaupt was nochmal war. Und als ich letztes Wochenende meine Konzertliste in den Handynotizen durch die zwei neusten Konzerte ergänzt habe, kam mir die Idee:
Ich könnte doch einfach einen Konzert-Jahresrückblick machen!
Da ich dieses Jahr ordentlich Gas gegeben hab, und WIRKLICH alles mitgenommen habe was ging, habe ich es geschafft meinen bisherigen Rekord an Konzerten in einem Jahr (50 Konzerte in 2019) zu überbieten, und bin – Stand heute, 15.12.2023 – bei 61 Konzerten in 2023.
Und das, obwohl ich sehr langsam in’s Jahr gestartet bin: in den ersten drei Monaten war ich nur auf einem einzigen Konzert: Circa Waves am 18. Februar. Dafür aber ein absolut würdiger Einstieg in ein neues Konzertjahr! Circa Waves kannte ich schon seit Jahren dank ihres Indie-Bangers T-Shirt Weather, ich hatte es allerdings bis dato nie geschafft, sie auch live zu sehen. Meine neuen Loop Konzertohrstöpsel, die ich im Vorjahr zu Weihnachten bekommen hatte, hab ich an dem Abend vergessen. Was ich schnell bereuen sollte, denn es war unfassbar laut. (Zum Glück konnte man an der Garderobe billig welche kaufen)
Circa Waves sind eine Band, die wirklich Hit an Hit an Hit spielen können (und es auch tun). Und so landet das Konzert auch in meinen Top 5 des Jahres 2023!
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Im April folgt dann genau das Gegenteil: Spontan hatte mich eine Freundin gefragt, ob ich nicht mit zu Paula Hartmann auf’s Konzert kommen wollte. Aber natürlich! Auch wenn ich zu dem Zeitpunkt nur Babyblau kannte, war ich sofort am Start. Und es war rückblickend das beste Konzert im April. Die Fans in Augsburg waren alle zu 100% textsicher, und LAUT! Paula selbst war mir auch sofort sympathisch und hat eine 10/10 Performance abgeliefert. Würde ich sofort wieder auf’s Konzert gehen.
Direkt nach diesem Konzert starteten auch schon die ersten Aufbautage für’s Modular Festival in Augsburg (26.-28. Mai), bei dem ich seit mehreren Jahren im Artist Care bin. Da unser Team 2023 deutlich größer war, hatte ich auch endlich mal die Chance, einige Artists anzuschauen. Mit dabei waren DAMONA, orbit, und natürlich das große Heimspiel von Roy Bianco & die Abbrunzati Boys – die ja aus Augsburg kommen. Und obwohl das restliche Lineup sehr Deutschrap-lastig war, fanden sich mit dem Modular Festival doch die Highlights des Mai für mich.
Kurzer Disclaimer zwischendurch: Festivals werden in meiner Konzertauflistung als ein (1) Konzert gezählt. Keine einzelnen Tage oder Sets, sondern das Ganze als eines.
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Für den Juni wusste ich schon mindestens ein halbes Jahr im voraus, welches Konzert mein Favorit werden würde, weil es sich um eine absolute Bucket-List Band handelte. Und zwar: Depeche Mode. Mit dem erst im März erschienenen Album „Memento Mori“ auf Tour, fand ich mich zusammen mit meinem Dad und noch etwa 70.000 anderen Menschen im Olympiastadion München wieder. Da ich mit der Musik von Depeche Mode aufgewachsen bin und genau wie mein Dad sehr 80s vernarrt bin, hatte ich mich monatelang auf das Konzert gefreut – und es hat trotzdem jegliche Erwartungen übertroffen. ZWEIEINHALB STUNDEN ging das Set! Weil ich keinen Vergleichswert aus den jüngeren Jahren der beiden hatte, konnte ich nur schätzen… aber nur anhand der Performance hätte man Dave, Martin und co. das Alter auf keinen Fall angemerkt.
Das einzige das die Laune etwas gedrückt hatte war der Regen, der circa eine Stunde vor Ende auf einmal eingesetzt hatte… bzw. eher die ganzen Middle Aged Männer um mich herum, die meinten ihre Tshirts ausziehen zu müssen. Mein Dad behielt seins zum Glück an. Wenn ich so drüber nachdenke war der Regen an sich sogar sehr angenehm, da es tagsüber nie weniger als 38 Grad hatte, und die Blitze am Himmel in der Ferne waren eine coole zusätzliche Lichtershow. Und so war ich lange noch am Ringen mit mir selbst, da ich gerne zum Depeche Mode Konzert in der Olympiahalle nächstes Jahr gehen wollte, die Tickets waren allerdings 150€ aufwärts. Zum Vergleich: das Konzert dieses Jahr hat 100€ pro Ticket gekostet und die Venue war 5x größer. (pain)
Bei der Suche nach dem richtigen Video für Depeche Mode bin ich auf das Live-Video zu Enjoy the Silence live aus Berlin 2013 gestoßen. Es hat keine 30 Sekunden gedauert da hatte ich überall Gänsehaut und Tränen in den Augen. Schaut es euch an, es ist der reine Wahnsinn.
Außerdem – und ich sag es immer wieder – Dave Gahan walked so Harry Styles could run.
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Unter anderem im Juli, aber eigentlich den ganzen Sommer über war ich viel mit Lonely Spring als Tourmanagerin auf Festivals unterwegs, und hatte eine wundervolle Zeit. Pop-Punk Banger vom feinsten, die auch Platz eins und zwei meiner Top Songs 2023 auf Spotify Wrapped geschafft haben. Während die letzten Monate einige Singles (wie zum Beispiel ein Anti-Oktoberfest-Song) gedroppt wurden, folgt 2024 das self proclaimed „beste Emo-Album aller Zeiten“. Also bleibt dran!
Auf den August hatte ich auch lange hingefiebert. Nicht nur war ich die erste Woche in Italien in meinem ersten richtigen Sommerurlaub seit ca. 2016, sondern kurz danach stand noch ein Berlin-Kurztrip an. Für MUNA & boygenius, das wohl queerste Lineup ever. Und während boygenius zwar Headliner waren, hatte ich mir das Ticket überhaupt erst gekauft, weil ich MUNA seit mehr als 6 Jahren live sehen wollte – und das auch das erste Mal war, dass sie jetzt nach Europa kamen.
Als dann schließlich die Lichter aus gingen und MUNA die Bühne betraten, musste ich mit den (happy) Tränen doch etwas kämpfen. Gleich der erste Song war mein Liebling What I Want, ein Song über’s queer sein und erst im Erwachsenenalter zu lernen, wirklich man selbst zu sein und zu sich zu stehen- und einiges nachzuholen: I want the full effects / I want to hit it hard / I want to dance in the middle of a gay bar / Ooh, that’s what I want / There’s nothing wrong / With what I want
Ich glaube so laut hatte ich noch nie ein ganzes Set lang mitgesungen. Der ganze Abend an sich hat sich einfach wie eine warme Umarmung angefühlt, und um es in den Worten eines Freundes zu sagen: „this is what authentic queer joy looks like.“
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Das Reeperbahnfestival im September war natürlich auch ein Highlight – besonders, weil es mein allererstes RBF war! Seit Jahren wollte ich hin, und 2023 hat es endlich geklappt! Den Artikel dazu (und über meine Lieblinge BIBIZA und Dottie Andersson) könnt ihr hier lesen.
Direkt im Anschluss an’s Reeperbahnfestival ging es für mich dann zur Abwechslung mal wieder nach Berlin, auch für eine Band auf die ich seit Jahren gewartet hatte: Handsome Ghost. Eine kleine, relativ unbekannte Band aus Boston. Als ich im Februar 2018 gemeinsam mit flor die USA getourt hatte, waren Handsome Ghost die Vorband, und ich hab mich direkt am ersten Abend schockverliebt. Tim und Eddie sind nicht nur die allerliebsten Menschen auf diesem Planeten, sondern ihre Musik begleitet mich seitdem auch durch’s Leben und bedeutet mir wahnsinnig viel. Für Juni 2020 waren ein paar Deutschlandshows angesetzt – die dank Corona natürlich nicht stattgefunden haben. Seitdem hatte ich auf neue Dates gewartet, und im September 2023 war es dann soweit.
Am 29. September in Berlin und am 3. Oktober in Münster konnte ich meine beiden Jungs endlich wieder live sehen, und nur für mich spielten sie ihren ganz alten Song Blood Stutter (was sie auch vor allen anderen auf der Bühne ankündigten und auf mich in der ersten Reihe zeigten).
Der Oktober war sehr wild. Man könnte fast sagen „die komplette Engleisung“. So hieß der Gig, der am 18. im Bahnwärter Thiel von Freunden (& Hip Hop Open Tracks) selbst veranstaltetet wurde. Mit meiner herzallerliebsten Blushy AM natürlich, und Headliner / Organisatoren Cloutboi Juli & Pink Stan.
UND JETZT ALLE, die so Ski Aggu Type Musik nice finden, bitte einmal reinhören:
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Auch im November gings voll ab: am 7. dachte ich mir, ich probier mal wieder was Neues und kauf mir einfach eine Konzertkarte von einer Band, die ich zwar nicht höre, aber alle in meinem Umfeld. Und dann schau ich einfach mal was passiert. Die Rede ist von Holding Absence, und der Abend war auch mal wieder eine glatte 10/10. Auch die beiden Vorbands FLOYA und Thornhill haben rasiert. Also alle, die das hier noch lesen und es gerne auch etwas heavy mögen: Gönnt euch und hört rein!
Ende November ging es dann sogar noch auf Tour! Und zwar mit Blushy AM, Marlin Beach und Peter aus der Mozartstraße! Vom VPBY gefördert waren sogar 5 Shows in 5 Tagen geplant, von denen zwei leider wegen des heftigen Schneefalls abgesagt / ins neue Jahr verschoben werden mussten. Trotzdem hatten wir drei richtig richtig gute Tage mit einem tollen Team, und ich hatte sogar meine Bühnenpremiere! Denn ich durfte für Blushy AM den DJ machen. Etwas nervös war ich bei der ersten Show, aber dann hat es einfach nur noch Spaß gemacht.
Passau und Augsburg dürfen sich besonders auf 2024 freuen, denn am 14. März (Augsburg) und am 15. März (Passau) kommt die Chaostruppe dann wirklich vorbei!
Außerdem kommt im März der gemeinsame Song von Blushy AM und Peter aus der Mozartstraße, den ich über meinen privaten Link schon ca. 150 mal angehört habe – und der wirklich unfassbar viel Potential hat. Ich glaub, das wird was Großes. You heard it here first!
Und das Highlight diesen Monats war vor genau einer Woche, als ich am Samstag dann nach Passau gefahren bin, um gemeinsam mit den Lonely Spring Jungs auf das DAMONA Konzert zu gehen. Die neuen und noch unreleasten Songs sind RICHTIG richtig gut, haltet auf jeden Fall eure Augen und Ohren offen. Passau war der Tourabschluss, wurde noch ordentlich lange und ausgiebig gefeiert. Da hat es mich gewundert, dass ich am nächsten Tag schon wieder fit genug war, um Temmis und Steintor Herrenchor live zu sehen. Aber Gott sei Dank! Denn spontan sprang noch die Raketenumschau – eine meiner liebsten Münchner Bands – als Support ein, weil dieser krank wurde.
Nach diesem Wochenende war ich wirklich fix und fertig, und ich erhole mich eigentlich immer noch davon. Was mich aber nicht davon abhalten wird, noch alle Weihnachtsmärke abzuklappern, und noch ein oder zwei weitere Konzerte dieses Jahr zu besuchen. Man lebt schließlich nur einmal!
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Alle Jahre wieder kehrt im Dezember die unvermeidbare Weihnachtsstimmung ein. Zwar hat sich über die Jahre hinweg eine Menge verändert und ein Weihnachten ist nie, wie das andere, trotzdem bleibt eine Sache bei mir immer gleich: Der Soundtrack. Deshalb möchte ich an dieser Stelle gar nicht in das turbulente Jahr 2023 zurückblicken, sondern über ganz besondere Weihnachtsongs schreiben. Von einigen habt ihr definitiv noch nicht gehört.
Ein festgeschriebenes Ritual
Vermutlich liegt es an Nostalgiegefühlen aus der Kindheit, warum gerade dieses eine Kompilationsalbum bei mir jedes Jahr aufs Neue rauf und runterläuft. Mit dem weihnachtlichen Schmücken des ganzen Hauses spätestens (!) gegen Ende November läutet meine Mutter traditionell die Weihnachtszeit ein. Das ist ein festgeschriebenes Ritual. Aber schon kurz vorher wusste ich als Kind, dass der besinnliche Zauber innerhalb der Folgeminuten erweckt werden müsste. Denn ich sah es. Das auf dem Phonoschränkchen drapierte, dunkelblaue, mit Sternen versehene CD-Hardcover. In der Mitte ein großer, nach Coca-Cola aussehender Weihnachtsmannkopf mit Sonnenbrille und oben der knallige Schriftzug: BRAVO Rock Christmas. Von diesem Augenblick wussten alle im Haus, dass bis zum Ende des Jahres kein Radio mehr gehört, sondern die Einstellung der Stereoanlage auf CD bleiben würde.
Bares für Rares
Spätestens in der ersten Weihnachtszeit nachdem ich von zuhause auszog, war ich mir um den Verlust dieses wertvollen Stücks Musik bewusst. Dieses Album brauchte ich also unbedingt selbst. Problem nur, dass ich keinen CD-Player, sondern lediglich einen Plattenspieler hatte. Denn der Gebrauchtmarkt war voller CDs, niemand aber schien eine Vinyl des Albums zu besitzen, geschweige denn loswerden zu wollen. Durch ein Angebot „eines der größten Online-Bestelldienste“ aber die Gewissheit: Dieses Album gibt es in Plattenform. Allerdings unheimlich teuer, weil selten (120€ während der Wintersaison – bekloppt!). Knauserig wie ich bin, habe ich mich von dem Preis so lange abschrecken lassen, bis auch das einzig verfügbare Exemplar aus den Anzeigen verschwunden war.
Es dauerte einige Monate – ich gab die Hoffnung längst auf – da erblickte ich ein weiteres Exemplar im Internet. Dieses Mal wesentlich günstiger als das letzte. Das war meine Chance. Ich schlug zu und hatte somit Mitten im Hochsommer eine Weihnachtsplatte gekauft. Ein wenig hat es sich angefühlt, wie die Nadel im Heuhaufen gefunden zu haben. Das nächste Weihnachten konnte kommen.
Eine Mischung aus Klassikern und purem Gold
Wer bis hierhin gelesen hat, ist sicherlich an dem Soundtrack interessiert. Tatsächlich finden sich sehr viele Klassiker, wie Last Christmas, Driving Home for Christmas, White Christmas oder Do They Know It’s Christmas? auf dem Album. Zwar sind sie auf gar keinen Fall aus einer guten Weihnachtsplaylist wegzudenken, hier lassen sich die Juwelen aber einmal mehr zwischen den bekannten Hits finden.
Viele traditionelle Lieder zeigen sich im Gewand der 80er. Schöne Beispiele sind da Little Drummer Boy von New Kids On The Block, Have Yourself A Merry Little Christmas von den Pretenders und Mike Oldfields rockige Fassung von In Dulci Jubilo. Hier trumpft aber vor allem Silent Night von Bros mit einer unfassbar guten Gesangseinlage auf. Bei 2:38 geht einem selbst beim Zuhören die Luft aus.
Das Herzstück von BRAVO Rock Christmas ist meiner Meinung nach Another Lonely Christmas von Prince. Richtig gelesen. Prince, der aus den 80ern nicht wegzudenken ist, hat einen Weihnachtssong geschrieben. Nach Weihnachten hört sich der Song aber nun wirklich nicht an und auch der Text erzählt eher eine tragische Geschichte, als dass er von Schnee, Santa und Geschenken handelt. Die fast beängstigende Virtuosität von Musik-Genie Prince, der alles an dieser Produktion selbst gemacht hat, verleiht dem Song seine ganz eigene Besinnlichkeit. Nur ein einziges Mal live aufgeführt, ist dieser Song in meinen Augen also ein wirkliches Goldstück.
Wo Rock draufsteht, ist auch Rock drin
Dafür Gary GlittersAnother Rock and Roll Christmas und Joys of Christmas von Chris Rea Paradebeispiele. Letzterer Künstler ist somit übrigens als einziger doppelt auf dem Album vertreten. Jeder kennt erwähntes Driving Home for Christmas, Joys of Christmas jedoch ist relativ unbekannt. Als gitarrenlastiger Blues-Rock Song bildet er den krönenden Abschluss des Soundtracks und ist als Rausschmeißer perfekt platziert. Der Song hört sich meines Erachtens nach genau dem Moment an, in dem man sich befindet, wenn man den Heiligen Abend gerade hinter sich gebracht hat. Leicht bis stark angetrunken, vollgegessen und allein draußen spazierend ein letztes Mal in die klare Sternennacht schauen und die Nachwirkungen des Weihnachtsstresses spüren, ehe es in den sich taub anfühlenden Zeitraum zwischen den Jahren geht.
Da leider nicht alle dieses Album auf CD besitzen – auf Platte sowieso nicht – und es das Album nicht zum Streamen gibt, habe ich eine Playlist erstellt damit jede*r die Reise durch den besten Weihnachtssoundtrack aller Zeiten antreten kann. Für Fans von Klassikern, Rockmusik und 80er ist BRAVO Rock Christmas definitiv ein Tipp zum Reinhören.
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Dieses Jahr war ich auf der Suche, ohne so richtig anzukommen. Viele verschiedene Genres, Artists, Singles und Alben sind durch meine Ohren geflogen, ohne dass so richtig viel hängengeblieben ist. Das müsste eigentlich gar nicht schlimm oder erwähnenswert sein, fühlt sich aber ein wenig wie eine erste musikalische Midlife Crisis an. Komme ich langsam in ein Alter, in dem mich nichts mehr überrascht, in dem mich nichts mehr von neuem begeistert? Die gute Seite daran ist allerdings, mir fällt meine musikalische Jahresauswahl ungewöhnlich leicht. Hier kommt eine Entdeckung für jeden Monat des Jahres 2023, die sich auf der Suche nach neuen Favourites doch in meinem Ohr festgesetzt haben.
Januar: maïa – tristesse
Das Jahr hat vielversprechend mit einer neuen Entdeckung angefangen. maïa trifft mit ihrem Song „tristesse“ sowie ihrer Debüt-EP „tatendrang und todmüde“ genau die musikalische Sitmmung, die ich liebe: leicht depressiv. Die zarte Stimme verschmilzt mit den organischen und zugleich modernen Produktionen. Mein Tipp: maïa wird sich durchsetzen. Die junge Künstlerin ist in ihrer künstlichen Erscheinung zu besonders, um ignoriert zu werden.
Februar: BENEE – Green Honda
Ganz abrupt wurde ich aus der Melancholie des Winters herausgerissen, als BENEE„Green Honda“ veröffentlichte. Meine Lieblings-Neuseeländerin hat ihre ADHS-Type Personality in Form eines Songs veröffentlicht. „Green Honda“ klingt wie ein tiefergelegtes neongrünes Auto mit Heck-Spoiler (ausgesprochen „Schpoiler“) und Bodenbeleuchtung, das ohne Rücksicht auf Verluste über den Nachbarsgarten driftet. Falls du ein Gartenzwerg bist: watch out!
März: Oliva Dean – Dive
Der Frühling hatte noch gar nicht so recht begonnen, da sind dank Olivia Dean bereits die ersten Schmetterlinge im Bauch umhergeflogen. Mein Celebrity Crush der letzten zwei Jahre hat die erste Single ihres Debütalbums „Messy“ im März veröffentlicht. Noch nie bin ich so geduldig und mit so viel Vorfreude den langen Single-Marathon mitgelaufen wie bei diesem Album. „Dive“ ist für alle Girls da draußen mit rosaroten Brillen und für alle, die es ab und zu im Herzen sein wollen (ich).
April: Dominic Fike – Dancing In The Courthouse
Der Sommer begann in diesem Jahr sehr früh. Dominic Fike hat mit „Dancing In The Courthouse” die perfekte Caprio-Hymne sowie das schönste Musikvideo des Jahres releast. Auf Dominic Fike ist am Ende immer Verlass. Auf jeden unbedeutenden Song folgt ein Hit zum Mitsingen. Wo auch immer Dominic Fike in den USA lebt, dort scheint es immer warm zu sein. Anders kann ich mir den perfekten Sommersong im April nicht erklären.
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Bevor Olivia Dean mein kleines Teenie-Herz eroberte, war Jorja Smith die unangefochtene Nummer eins. Dabei kann man noch immer auf ihre musikalische Schönheit vertrauen. Die engelsgleiche Stimme der Britin bezaubert immer wieder mit besonderen Momenten. Man muss ihr nur ein wenig Zeit geben. Jorja Smith ist wie Opa’s Bollo. Mit jeder Stunde, die sie länger auf dem Herd steht, schmeckt sie besser, nur mit Musik halt. Umso mehr man Jorja Smith hört, … ihr wisst schon!
Juni: Olivia Dean – Messy
Weil ein Song nicht ausreicht, um den vollen Umfang meiner grenzenlosen Liebe für Olivia Dean auszudrücken, betone ich hier erneut wie toll diese Frau und ihre Musik sind. Alles ist ein bisschen kitschig, aber ich falle voll darauf rein und bereue nichts. Wenn Olivia Dean mir vom Paradis vorsänge während ein Bär an meinem Körper knabbert, mich würde es nicht stören. Kurz: „Messy“ ist ein ganz tolles Album. Einziger Schwachpunkt: Nach dem langen Single-Marathon gab es auf dem Album gar nicht mehr soo viel zu entdecken. Aber das ist mir jetzt auch egal, solange mir mein YouTube-Algorithmus weiterhin regelmäßig neue fantastische Live-Auftritte von OliviaDean vorschlägt.
Juli: MAVICA – sometimes a person never comes back (but that’s okay)
Im Juli dachte ich kurz, ich wäre ein A&R, der das nächste große Ding entdeckt hat. Auf TikTok wurde mir ein ca. 5 Sekunden langes Video angezeigt, das mit einem Song unterlegt war. Sofort war ich hooked. Wenn normalerweise auf TikTok der einzige gute Teil eines Songs zum Trend wird, während der Rest Trash ist, wurde ich dieses Mal eines besseren belehrt. „sometimes a person never comes back (but that’s okay)“ ist so unglaublich schön, dass ich leider vermute, dass diese kleine Indie-Künstlerin nie wieder einen so schönen Song releasen wird. Aber das ist okay! Ein Meisterwerk für die Ewigkeit ist mehr als ich zu träumen wage.
August: Victoria Monét – How Does It Make You Feel?
Die amerikanische Soul und RnB Sängerin aus dem Dunstkreis von Ariana Grande hat sich schon lange von ihrer Star-Freundin emanzipiert und verkörpert einen Sound der modern ist und zugleich die Wurzeln des Souls und Disco honoriert. Das im August erschienene Album „JAGUAR II“ entdeckt noch mehr musikalische Genres als der Vorgänger und kehrt dennoch immer wieder zu Victoria Monét’s Markensound zurück: anspruchsvolle Pop-Vocals auf tanzbaren Instrumentals mit einem Funken Disco & Glamour.
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September: Levin Liam, Miksu/ Macloud – Mann vom Fach
Für den September gilt die gleiche Regel wie bei meinem Fahrschein. Die ersten paar Tage des neu angefangenen Monats darf ich noch mit der alten Karte fahren. Die erste Single der Kollaboration zwischen Miksu/ Macloud kam zwar erst Anfang Oktober raus, aber mit Sicherheit habe ich mich im September schon darauf gefreut, als auf TikTok der Song bereits intensiv beworben wurde. Wer hätte gedacht, dass das noch vor kurzem Most-Mainstream-HipHop-Producer-Duo Miksu/ Macloud mit dem aktuell Most-Indie-Up-And-Coming-Artist Levin Liam zusammenarbeiten würde. Das Ergebnis ist allerdings unbestechlich. „Mann vom Fach“ überzeugt schnell, ebenso wie die gemeinsame EP „neue Ufer“. Der darauf veröffentlichte Song „so k.o.“ ist die vermutlich schönste Deutsch-Pop-Ballade des Jahres. No cap!
Oktober: Mustafa – Name of God
Kommen wir von dem schönsten Deutschen Song des Jahres zum schönsten englischsprachigen Song des Jahres. Die erste Single zum kommenden Album „Name of God“ übertrifft all meine Erwartungen. Ich hatte nämlich erwartet, dass es nicht möglich ist noch mehr so schöne Songs zu schreiben, wie es Mustafa auf seinem ersten Album getan hatte. Doch er hat mich eines besseren belehrt. „Name of God“ steht ganz oben auf der Liste meiner Lieblingssongs 2023. Nothing more to say!
November: The Kid Laroi – BLEED
Justin Bieber 2.0 hat mich ebenfalls sehr positiv überrascht. Statt glatter Radio-Hits wie „Stay“ featuring Justin Bieber 1.0 sind die aktuellen Singles eher Indie-Pop Songs. Die durchschnittliche Songlänge von 1,51 Minuten und die stadionesken Ohrwurm-Melodien deuten zwar immer noch auf ein hohes Hitpotenzial mit Erfolgsgedanken hin, berühren aber dennoch auch die ab und zu stark geschundene Seele.
Dezember: Bee Gees – OG Keemo, Levin Liam
Den Abschluss macht mein Artist of the Year: Levin Liam. Weil ich Olivia Dean bereits im letzten Jahr neu entdeckt habe, steht Levin Liam auf der Pole Position. Wer so leichtfertig zwischen Rap und gefühlvollen Melodien, zwischen Bangern und Balladen und zwischen Punchlines und poetischen Zeilen hin und her hüpft, hat ganz viel Liebe verdient. Das dies bereits der Fall ist, haben seine letzten Konzerte bewiesen. In Berlin war die Stimmung mega! In Hamburg ebenfalls (wenn wir TikTok trauen können). Levin Liam wird mit seiner Vielseitigkeit und charakteristischen Stimme die Deutsche Pop-Landschaft ganz schnell erobern. Trust me!
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Ist euer 2023 auch so an euch vorbeigeflogen? Eben gerade war noch Festival-Sommer, wir haben kurz geblinzelt und auf einmal ist das Jahr vorbei. Die von euch, die uns schon ein wenig begleiten, wissen, was das heißt: Die Adventskalenderzeit ist da! Es gibt special Weihnachtsformate, es gibt Live-Interviews und Jahresrückblicke, fette Verlosungspakete und es gibt auch 2023 wieder dieses Google Doc, in dem Anna und Jule über die Newcomer*innen-Landschaft da draußen philosophieren. Und in diesem befinden wir uns jetzt. Welcome to: artists to watch 2024!
Zuerst ein kleiner Blick zurück: 2023 war musikalisch wahnsinnig viel los. Einen kleinen Einblick werdet ihr in den individuellen Jahresrückblicken der Redaktion finden, und ihr habt selbst sicherlich auch Künstler*innen und Bands, von denen ihr dieses Jahr gar nicht genug bekommen konntet. War eine von denen vielleicht Brockhoff? Oder Dilla? Vielleicht ENNIO oder TEMMIS? Denn die waren es, denen wir Ende 2022, also vor genau einem Jahr, als artists to watch 2023 den Durchbruch für 2023 versprochen hatten. Jetzt fragen wir uns: Wer wird es wohl 2024 werden? In wen werden sich nächstes Jahr so viel mehr von euch verlieben, weil sie auf allen Festivalbühnen rocken und sie diesen einen Song releasen, der euch monatelang nicht loslässt? Unsere Nase hat sich auf 10 Artists geeinigt, die wir euch hier vorstellen werden. Our guess is as good as any, aber es lohnt sich allemal, in alle reinzuhören – und wenn es nur auf Verdacht hin ist. (Hier klicken, um parallel zu hören.)
Paula Carolina
Wer es 2023 geschafft hat, an Paula Carolina vorbeizukommen, verdient auf eine seltsame Art unseren Respekt. Zwischen ihrem Artikel aus dem Jahr 2022, in dem sie bei uns über die Entstehung ihres Songs “Gerlindes Garten” geschrieben hat, und heute ist eine Menge passiert. Keine Festivalbühne war sicher vor ihr und ihrer Band, die Songs ihrer EP “Heiß/Kalt” haben es in so manche Jahresplaylists geschafft und zwischendrin hatte sie trotzdem noch Zeit, in Sessions z.B. für Startrampe 80er-Jahre-Bretter zu covern, die es mit unter auch in ihre Livesets geschafft haben, ein Feature mit OK KID aufzunehmen, der Indie-Welt den Kopf zu verdrehen, unzählige Support-Shows zu spielen und auf Headline-Tour zu gehen. Paula Carolina sitzt eindeutig auf dem wohl steilsten aufsteigenden Ast, den wir dieses Jahr gesehen haben. Mit einer bereits angekündigten zweiten Tourrutsche 2024 (und einem Debütalbum?) im Nacken und ihrer herrlich unvoreingenommenen und wilden Attitüde wird sie es im nächsten Jahr sicher schaffen, auch die letzten Musikfans von sich zu überzeugen. Wir sind es bereits, ihr wahrscheinlich auch, umso spannender wird es, diese junge Künstlerin dabei zu beobachten, wie sie immer weiter wächst. Ein bisschen, wie einst die Blumen in Gerlindes Garten…
ENGIN
Die Band, die wir euch für 2024 auf jeden Fall mitgeben wollen, ist ENGIN. Auf unserem Radar sind die Mannheimer seit knapp zwei Jahren, und gerade deshalb ist es für uns umso aufregender, sie jetzt klar und deutlich breaken zu sehen. Im Mai diesen Jahres haben sie ihr astreines Indie-Rock Debütalbum “NACHT” veröffentlicht und fast zeitgleich konnten sie beobachten, wie ihre Followerschaft von 7.000 auf mittlerweile über 119.000 gewachsen ist. Der Sprung war groß und doch organisch – denn der Punkt, den sie mit ihrer Musik treffen, hat nur darauf gewartet, endlich getroffen zu werden. ENGIN machen nämlich nicht nur deutschsprachigen Indie-Rock, sondern lassen ihre eigenen türkischen Wurzeln und Einflüsse mit reinspielen. Und das, was da rauskommt, das kann nur ganz groß werden! Anhand von wöchentlichen Cover auf Instagram und TikTok bringen sie uns die türkische Musikwelt näher und andersrum den deutschen Indie in die türkischen Communities – das ist genauso wholesome wie es sich anhört. Aktuell auf Support-Tour für Von Wegen Lisbeth kommen sie im Frühjahr 2024 mit einer eigenen Tour und neuer Musik im Gepäck. Wir garantieren euch, dass sie sich einmal durch unsere Bubble und somit auch durch eure Playlists und liebsten Festivals wirbeln werden. Seid ihr dafür bereit?
Soft Loft
Das Debütalbum der Band mit dem so schön über die Lippen gehenden Namen Soft Loft heißt “The Party And The Mess” und hätte es in Annas Top 10 Alben 2023-Liste geschafft, wäre es denn dieses Jahr schon erschienen. Der vorbemusterte Soundcloud-Link des Albums zeigt aber, dass sobald es im März 2024 erscheint, sich der Konjunktiv verabschiedet und das Album viele Top-Jahreslisten beeinflussen wird. Wieso? Weil wir einfach selten so ein überzeugendes Debüt gehört haben! Es erinnert stark an den sanften Indie-Pop von Daughter und dabei existiert die Band um Sängerin Jorina Stamm erst seit knapp zwei Jahren. Ihr habt sie dieses Jahr vielleicht schon auf ein oder zwei Festivals das erste Mal erleben können oder die Debüt-EP “In Case You Still Get Lonely„ und die ersten Singles des Albums in euren Playlisten. Falls nicht: Jetzt ist der Zeitpunkt! Auch wenn ihr euch erst im März in voller Länge davon überzeugen könnt, nehmt uns beim Wort, denn wir könnten verliebter nicht sein. Zwischen wunderschöner Herbstmelancholie und rosigen Sommermelodien machen sich Soft Loft in unseren Herzen breit und werden 2024 ganz sicher weiter wachsen.
Ottolien
Ebenfalls (gar nicht mehr so) geheime Favoriten unserer Redaktion, und zwar seit ihrer Stunde Null, sind Ottolien, die ihr daher bei uns auch schon das ein oder andere Mal entdeckt haben könntet. Die beiden Brüder Leo und Jonas machen seit ihrer Kindheit gemeinsam Musik. Ehrliche Texte mit fast poetischen Anmutungen und ihr Sound durch den Mix aus Leos weicher Singer/Songwriter-Stimme und Jonas’ Rap-Parts, den man in deutschen Songs so eher selten findet, machen ihren Sound aus. Nach einigen Support-Shows und einem unfassbar guten Set beim KiezKultur Festival haben sie gerade ihre erste Headline-Tour zum im November erschienenen Debütalbum „Wir tun uns so gut weh“ beendet und damit so richtig bewiesen, dass Ottolien ihren festen Platz in der deutschsprachigen Indie-Szene im Dauermietvertrag absolut verdient haben. Wir möchten an dieser Stelle besonders ausdrücklich darauf hinweisen, dass wir von der Weiterentwicklung der beiden, sowohl was ihren Sound als auch ihr musikalisches Standing angeht, extrem angetan sind. Wir sind deshalb auch der festen Überzeugung: Wer bei den Songs des Brüder-Duos nicht Gänsehaut bekommt, hört einfach nur nicht richtig zu!
Apsilon
2022 ist Apsilon mit seiner Debüt-EP „Gast“ und rund 3.000 Follower*innen auf Instagram in das Jahr gestartet. Zwei weitere EPs, „32 Zähne“ und „Blei“, und unzählige Singles später hat der Moabiter Rapper mit über 40k Instagram-Fans mehr als nur einen Fuß in die Deutsche Rapszene gesetzt. Zielstrebig klettert der Artist mit regelmäßigem Output die Erfolgsleiter höher. Dabei drückt er immer wieder auf erschütternden Beats den Finger in die politisch-gesellschaftlichen Wunden, die ganz besonders doll wehtun. Im letzten Jahr ist zudem die verletzliche Seite des Künstlers zunehmend hervorgetreten. Die Krönung ist die aktuelle Single “Baba”, die uns besonders in der Live-Umsetzung mit dem Rundfunk Tanzorchester Ehrenfeld ein paar salzige Tropfen über die Wangen rutschen lässt. Wir schließen uns dem Trend an: Vom Indie-Rapper wird sich Apsilon im nächsten Jahr zum Feuilleton-Liebling und anschließend zu einer festen Deutschrap-Größe entwickeln. You better watch out, Apsilon is comin’ to town!
Remote Bondage
Wer Paula Carolina schon vor unserer Liste auf dem Radar hatte, kennt vielleicht auch Remote Bondage. Die Band, die es erst seit einem unglaublichen Jahr gibt, war als Support auf Paula Carolinas Tour mit dabei, hat u.a. das KiezKultur Festival und die Fusion aufgewirbelt, und ist mehr als ready, diese Live-Statistiken in 2024 massiv auszubauen. Denn wenn wir was wissen, dann ist es, dass feministischer Punk-Pop on the rise ist! Und das freut uns wahnsinnig, denn das heißt, dass wir nächstes Jahr zu Songs wie “Vulvarine” tanzen und Lines wie “Meine Clit ist kein Rubbellos, das hier ist kein Glückslos” laut durch die Clubs schreien werden. Wird auch Zeit, dass mit “schambehafteten” Themen und der Utopie des Patriarchats mal ordentlich abgerechnet wird. Remote Bondage werden genau das machen! Die Songs stehen in der Pipeline, die fünf Bandmitglieder (“drei Sängerinnen, eine Bassistin und ein reizender Drummer”) sind ready und wir sind es auch. Let’s smash the patriarchy, oder?
SERPENTIN
Ebenfalls eine ganz heiße Kandidatin dafür, ihrer Karriere im Jahr 2024 die nächste Kirsche aufzusetzen, ist Serpentin. Mit Songs wie “Schrammen” oder “Herz geklaut”, die im November 2023 in ihrer zweiten EP “Atta” mündeten, hat sie uns in diesem Jahr den ein oder anderen langwierigen Ohrwurm beschert. Außerdem konnten wir sie auf den Festivalbühnen des Landes oder als Support von z.B. Mia Morgan live erleben – oder eben auf ihrer ersten eigenen Tour, die ihr Finale am 15.12.2023 in Hannover haben wird. Sie hat sich in 2023 noch tiefer in die Herzen ihrer Fans gespielt und dabei auch die abgeholt, die sie noch gar nicht auf dem Schirm hatten. Und das mit ihrem einzigartigen Sound und Texten, die sowas von straight aus ihrem Herzen kommen, dass es selbst für Außenstehende und -hörende manchmal wehtut. Wir sind gespannt, was das Jahr 2024 für Serpentin bereithält, sind uns aber sicher, hier einer kleinen süßen Raupe dabei zuzusehen, wie sie immer mehr zu einem bunten Schmetterling wird.
Blumengarten
Folgende Band hätte sicherlich letztes Jahr schon ihren Platz in unserem artists to watch-Format verdient, denn 2023 war definitiv ihr Durchbruch. Features mit Cro, Goldroger, Betterov und Paula Hartmann zeigen, das scheint die neue Lieblingsband eurer Lieblingsbands zu sein! Aber das ist auch kein Wunder, denn sobald die Stimme von Rayan Djima ertönt, ist es um alle geschehen, die ihr lauschen dürfen. Erst 2021 gegründet, sind Blumengarten nun auf ihrem Steilweg nach oben, spielen während wir das hier schreiben ihre erste große Headline-Tour und werden nächstes Jahr sicherlich eine große Festival-Tour ranhängen. Ebenfalls erst vor einigen Tagen erschienen ist ihr Debütalbum “schönheit die in schmerzen liegt” und auch das können wir stärkstens empfehlen. Produzent Sammy weiß genau, welcher Sound unsere für immer melancholische Indie-Pop Herzen regt, und Sänger Rayan wie er seine Worte genau dortrein stehlen lassen kann, wo’s wehtut. Und wenn im Schmerz wirklich die Schönheit liegt, dann wollen wir das auch 2024 spüren.
Larasüß
Mit ebenfalls offenem Mund haben wir in diesem Jahr dem Kickstart von Larasüß zugeschaut. Erst vor etwas mehr als einem Jahr fing sie an, ihre selbstproduzierten Songs aus ihrem Zimmer heraus zu veröffentlichen und hat mit Songs wie „Geister“ vom Fleck weg für große Augen in der NNDW-Bubble gesorgt. Schon in diesem Jahr hat sie als so frische Newcomerin unfassbar viel live gespielt und ist Teil der von Modular ins Leben gerufenen FLINTA-Konzertreihe Bande, die wir sehr lieben und immer gerne unterstützen. Wir sind aber auch unfassbar stolz, dass Lara bis jetzt Teil unserer untoldency-Redaktion war, ihren Fokus 2024 aber noch mehr auf das Projekt Larasüß legen wird. Das ist für uns auf der einen Seite super traurig, aber auf der anderen Seite freuen wir uns natürlich auch, sie im nächsten Jahr voller Tatendrang und Liebe weiter zu supporten. Einige Live-Termine sind schon announced, da werden aber sicherlich noch mehr dazu kommen. Wir freuen uns dann schon, mit euch gemeinsam in der ersten Reihe zu tanzen. Und auf neue Musik können wir uns ganz bestimmt auch freuen. (P.S. Danke für die schöne Zeit, Lara. Wir haben dich sehr lieb!)
Berq
“berqmitq”, wie sein Insta-Handle lautet, bildet den Abschluss unserer Artists, die wir euch für 2024 empfehlen wollen, und ist dementsprechend auch eine perfekte Empfehlung on-the-go. Gerade mal 18 Jahre jung und frisch mit Abi im Gepäck, kam er aus dem Nichts, spielte Supportshows für Schmyt und Paula Hartmann und veröffentlichte Songs, die auch uns völlig baff vor so viel jungem Talent stehen lassen haben. Felix Dautzenberg, wie Berq mit vollem Namen heißt, beweist mal wieder, wie weit man kommen kann, wenn man an sich selbst und seine Musik festhält. Denn, ob man es glaubt oder nicht, fehlte ihm anfangs der Support seines Umfelds und er musste lange mit sich hadern, um auf seinen produzierten Songs selbst zu singen und das aufzunehmen. Als er einige Woche später dann seine erste und direkt viral gehende Single “Echo” veröffentlicht hat, war klar: das hier wird groß! Minimalistisch, emotional, ehrlich und mit einer Stimme, die für kribbelnde Gänsehaut sorgt, ist Berq für uns einer der Künstler*innen, die 2024 einen weiteren Kickstart ihrer Karriere erleben werden. Und wenn wir mit Ende 20 (*hust*) schon so davon überzeugt und inspiriert sind, dann können wir nur mutmaßen was für einen Hype das für die jungen Musikverliebten da draußen auslösen wird.
Das war’s, unsere artists to watch 2024 sind komplett! Wir freuen uns, wenn ihr sie alle mal auscheckt, euren Freund*innen weiterempfehlt, sie bei ihren Konzerten besucht und auf ihrem musikalischen Weg begleitet! In einem Jahr treffen wir uns dann wieder hier, in diesem Google Doc, und schauen mal, wie richtig wir lagen. Bis dahin, viel Spaß in 2024 mit Paula Carolina, ENGIN, Soft Loft, Ottolien, Apsilon, Remote Bondage, SERPENTIN, Larasüß, Blumengarten und Berq <3
Hier geht’s zur Playlist mit direkten Reinhör-Empfehlungen für alle Artists:
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Fotocredits: Paula Carolina: Eric Joel Nagel / ENGIN: Yasmin-Sara Ergen / Soft Loft: Jan Winiger / Ottolien: Christian Bardenhorst / Apsilon: Sina Lesnik / Remote Bondage: Anna Gutmacher / SERPENTIN: Paula Tauber / Larasüß: Dascha Krieger / Blumengarten : @aussortiertarchiv / Berq: Tim Dubbeld
Wieder einmal sitze ich vor einer leeren Seite in WordPress und soll jetzt hier mein musikalisches Jahr 2023 zusammen. Ich sag’s wie’s ist: Das fällt mir nicht leicht – es ist doch so verdammt viel passiert. Deswegen öffne ich erst einmal Spotify und spiele meinen Nr. 1 Comfort-Song ab: „Motion Sickness“ von the one and only Phoebe Bridgers. Der Song war nicht umsonst mein meistgehörter Song des Jahres laut Spotify Wrapped. Warum ich stolz darauf bin und was das mit meinen beiden vergangenen Jahresrückblicken zu tun hat – dazu gleich mehr.
Wagen wir doch aber zu Beginn einen Blick in die Vergangenheit. Was habe ich die letzten beiden Jahre so gehört? 2021 – da war die Illusion meines perfekten Indie-Musikkonsums noch intakt. Auf der Eins war, wie ungefähr auch alle zehn Jahre davor schon, The Neighbourhood. In dem Jahr ist mir aber auch zum ersten Mal so richtig bewusst geworden, dass ich zu wenig Musik von Flinta Acts höre. Die danach selbst auferlegte Frauenquote für meine Playlists hat sich dann 2022 gleich durchgesetzt. Denn da entthronte BROCKHOFF meine heißgeliebten Indie-Boys (die ja mittlerweile auch ganz zurecht sehr umstritten sind, darauf werde ich hier aber nicht eingehen).
Aber weil es immer noch sehr nötig ist, möchte ich auch in diesem Jahr wieder mit den ganzen tollen Frauen reden, die mich in diesem Jahr begleitet haben. Und ja, es wäre mir natürlich noch lieber, wenn auch da noch mehr Diversität in der Repräsentation der Flinta-Artists wäre, aber das wird jetzt mein neuer Vorsatz für’s nächste Jahr.
Ein Song für alle Gefühlslagen
Ich habe eine Schwäche für zarte Frauenstimmen auf rockigen E-Gitarrensounds. 2023 hat mir da mal wieder guten Content geliefert, mich aber auch alte Lieblinge wiederentdecken lassen. So zum Beispiel der oben bereits erwähnte Song „Motion Sickness„. Ehrlich gesagt ist der Hype um Phoebe Bridgers lange Zeit spurlos an mir vorbei gezogen, weil ich mich einfach gar nicht mit ihr beschäftigt hatte. Zum Glück hat sich das in diesem Jahr geändert, denn selten hat ein Song so viele Emotionen gleichzeitig in mir ausgelöst wie „Motion Sickness„. Ich höre den Song, wenn ich traurig bin, wenn ich glücklich bin, wenn ich überfordert bin, wenn ich Sehnsucht nach etwas, jemandem oder einer Situation habe. Egal wann und wie, der Song hilft einfach.
credits gehen an @deutschband.memes auf Insta
Nachdem im letzten Jahr meinen Artikel mit einer Lobhymne auf BROCKHOFF begonnen, möchte ich euch jetzt THALA ans Herz legen. Auch sie ist quasi der Inbegriff meiner Schwäche für zarte Frauenstimmen auf rockigen E-Gitarren. Dass sie allerdings auf Platz eins meiner meistgehörten Artists in diesem Jahr landen würde, hätte ich selbst nicht gedacht. Das könnte aber auch daran liegen, dass sich THALA-Songs perfekt für genau die gleichen Gefühlslagen eignen, wie Phoebe Bridgers. Eine weitere Künstlerin, die ich an dieser Stelle natürlich auch nicht vergessen darf: Blush Always. Ebenfalls eine wunderschöne Frauenstimme, die im Vergleich zu THALA nochmal mehr das Bedürfnis nach Rocksongs stillt.
Das Spiderman-Meme beschreibt die drei Künstlerinnen schon ziemlich gut. Denn die Musik von allen drei geht perfekt ineinander über und trotzdem könnte ich auf keine der dreien in meinen Playlists verzichten. Es ist ein Kosmos, in dem ich mich einfach direkt wohlfühle.
Mal wieder ein gutes Jahr für Newcomer*innen
Aber was wäre eine gute Playlist schon bitte ohne ein,zwei nischige Newcomer*innen? Meine diesjährigen Empfehlung sind eindeutig: OSTARA, Ottolien und Moritz Ley.
OSTARA sind Amélie und Annika, zwei Schwestern und (mal wieder) hauchzarten, verzaubernden Stimmen, die mich immer wieder in ihren Bann ziehen. Vor allem schaffen die beiden es deutsche Textpassagen wie pure Poesie klingen zu lassen. Man bekommt das Gefühl einen direkten Einblick in ihre unausgesprochenen Gedanken zu bekommen.
Zu den Ottolien möchte ich an dieser Stelle gar nicht so viel schreiben, denn das Duo bekommt in ein paar Tagen noch ihre Würdigung in unserer Newcomer*innen-Playlist. Wer mich aber schon ein bisschen verfolgt, kennt die beiden Liebmäuse aber sowieso schon. Ihre Musik macht vor allem eins mit mir: Mich zurück in meine allerliebste Studien-Stadt Hannover versetzen.
Auch Moritz Ley dürfte der untoldency-Gemeinde schon ein Name sein. Der Lockenkopf aus Hamburg ist in diesem Jahr so richtig mit neuen eigenen Songs durchgestartet und erfüllt alle Sehnsüchte deutschen Indie-Pops. Mir hat es der Song „Rosarot“ besonders angetan. Zum ersten Mal habe ich den Song beim Musikvideodreh gehört, aber dann gleich die volle Dröhnung: Einen ganzen Abend lang haben wir in dem verschwitzten, kleinen Kellerraum eines Studentenwohnheims dazu getanzt. Wer das Musikvideo ganz genau anschaut, könnte mich dort eventuell entdecken.
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Neben dem ganzen deutschsprachigen Krams habe ich aber natürlich auch noch zwei fremdsprachige Songempfehlungen parat. Der erste Song hat mich auf meinen Roadtrip durch Island begleitet und deshalb einen ganz besonderen Platz in meinem diesjährigen Musikherz: „Sólblóm“ von BRÍET. Der zweite Song ist – wie könnte es auch anders sein – ein schwedischer: „Hela Tiden“ von Patino war eine Empfehlung meiner schwedischen Freundin, die mit der Band befreundet ist. Denn auch wenn ich großer Fan der deutschen Newcomer*innen-Szene bin, können unsere Nachbarländer da genauso gut mithalten.
NNDW for the win
Etwas verwundert hat mich mein laut Spotify meistgehörtes Genre: Neue Neue Deutsche Welle. Denn unter den Top 5 Songs war kein einziger dieses Genres vertreten. Trotzdem haben mich natürlich Artists wie Traumatin, easy easy, Serpentin, Paulinko und Nils Keppel auch in diesem Jahr begleitet. Dass die Szene immer weiter wächst und gedeiht, macht mich einfach nur glücklich.
Kommen wir zu der krönenden Kategorie „Album des Jahres“. Würde man mich fragen, welches Album ich momentan am meisten höre, dann würde ich ohne nachzudenken sagen können: „Goldie“ von Goldroger. Hätte man mich das gleiche vor ein paar Monaten gefragt, wäre es vermutlich „Volcano“ von Jungle gewesen. Noch ein paar Monate früher wäre es vermutlich „SOAMI“ von Amilli gewesen. Aber wenn ich wirklich ehrlich bin, dann ist es „GUTS“ von Olivia Rodrigo.
Ja, ich gebe zu, das ist nicht gerade das coolste Album und eigentlich bin ich auch ein bisschen zu alt um ein Teenie-Idol wie Olivia Rodrigo zu feiern, aber ihre Musik ist einfach zu gut, um sie nicht rauf und runter zu ballern – und deswegen stehe ich dazu. Aber schaut euch auch einfach mal diese krasse Frau an: Slay Queen einfach!
Alle Songs und Artists zu erwähnen, die mich durch das Jahr gebracht haben, würde den Rahmen sprengen, deswegen habe ich euch noch ein paar Songs, die ich trotzdem wärmstens empfehlen kann, in eine Playlist gepackt und wünsche euch ganz viel Spaß beim Hören:
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