Kategorie: untold feuilleton

  • Vom Kino-Raven, Girlhood und der heiligen Vierfaltigkeit

    Vom Kino-Raven, Girlhood und der heiligen Vierfaltigkeit

    Es ist so weit! Es weihnachtet und der Jahresrückblick steht vor der Tür – als mein erster Artikel für Untoldency. Ehrlich gesagt, war ich anfangs damit überfordert, wie ich mich an all meine musikalischen Highlights dieses Jahres erinnern soll. Schließlich sind zwölf Monate eine ganze Menge Stoff. Glücklicherweise habe ich mir seit zwei Jahren angewöhnt für jeden Monat eine Playlist zu erstellen in der ich alle Neuentdeckungen, alte Nostalgie-Lieder oder was ich sonst so in dem Monat gehört habe, reinpacke. Und genau das war meine Rettung für den Rückblick. So let’s dive in!


    Film und Musik = the best of both worlds?

    Ihr lernt mich hier neu kennen und eins solltet ihr über mich wissen: Neben Musik, gucke ich gerne gute Filme. Was mich besonders glücklich macht, sind gute Filme mit guter Musik. Zwei Kinostarts haben das Anfang des Jahres für mich vereint. Der Film Queer hat mich nicht nur mit seiner Story verzaubert, sondern auch mit dem wunderschönen Filmscore von Trent Razor und Atticus Ross. Wem diese Namen jetzt bekannt vorkommen, kennen die beiden Komponisten vielleicht schon durch den Film Challengers für den sie ebenfalls die Musik schufen. Die musikalischen Inszenierungen der beiden Filme könnten allerdings nicht unterschiedlicher sein. Als ich Challengers geschaut habe, dachte ich während der Hälfte des Films, ich wäre eigentlich in einem Techno-Club. Der Filmscore von Queer ist dahingegen viel sanfter. Der Song „Vaster Than Empires“ hat mich im Kino regelrecht in Watte gepackt und in die Luft schweben lassen. Der Rest des Albums ist so erdrückend schön, zwischen hoffnungsvoll romantischen Klängen und Schmerz, dass es mich bei jedem Hören emotional packt.

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    Und weil ich Filmmusik oft besonders finde, lief ein anderer Soundtrack vor allem im Januar auf Dauerschleife. Der etwas eigenartige Film Babygirl (Warnung: schaut diesen Film nicht mit euren Eltern) hat mich vor allem durch seine wilde musikalische Mischung abgeholt. Seit diesem Film habe ich „Father Figure“ von George Michael mehr als einmal unter der Dusche gesungen und mich dabei, wie ein Teenie aus den 80ern gefühlt. Der wahre musikalische Star des Films war für mich aber ganz klar „CRUSH“ von Yellow Claw, Natte Visstick und RHYME. Sobald ich mich motivieren wollte oder einfach nur einen Energieschub auf dem Nachhauseweg brauchte, dieser Song hat mich nie im Stich gelassen. Er ist der Inbegriff eines elektrisierenden Rave-Moments. Nicht nur für Nicole Kidman, die im Film die Hauptrolle spielt, sondern auch für mich. So wurde der Kinosaal, die U-Bahn, meine Küche oder auch die Uni-Bib zum Techno-Club, sobald ich diesen Track auf den Ohren hatte.


    Ein bisschen Pop darf im Mix nicht fehlen

    Nicht nur internationale Filme haben mich begeistert, sondern auch internationale Künstler*innen. Ich weiß, ich weiß, brat summer ist schon lange vorbei. In mir schlummert er aber trotzdem noch zu jeder Jahreszeit. Zwar habe ich Charlie xcx’s Album „BRAT“ nicht so exzessiv gehört wie das Jahr davor, aber let’s face it: Ich werde immer Fangirl dieses Albums sein. Wer auch das „Brat and it’s completely different but also still brat” Album gehört hat, ist sicherlich mit „Von Dutch“ feat. Addison Rae vertraut. Und ja, Addison Rae ist für mich schon jetzt eine kleine Popikone, die den Sprung aus der etwas cringen TikTok-Welt zur Popmusikerin geschafft hat. Letztes Jahr war „Diet Pepsi“ ein dauerhafter Ohrwurm für mich. Ihr diesjähriges Album „Addison“ legte aber nochmal nach. Allein das Musikvideo zu „Headphones On“ könnte ich mir täglich anschauen. Sobald sich Addison ihre Kabelkopfhörer anzieht, entflieht sie einem kleinen Stück Realität. Wer kennt das nicht? Kopfhörer auf, Stadtgeräusche auf stumm und sich selbst so fühlen, als wär man grade Teil eines Musikvideos. An dieser Stelle hört der peak girly Pop allerdings nicht auf. „New York“ oder „Fame is a Gun“ liefen bei mir ebenfalls hoch und runter – so wie eigentlich das ganze Album.

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    Weiter geht’s im Popuniversum, aber diesmal in eine etwas andere Richtung. In meiner Vorfreude auf die fünfte Stranger Things Staffel, darf eine Band natürlich nicht fehlen: Djo! Leadsänger Joe Keery spielt nämlich in besagter Serie die Figur Steve Harrington. Die Band veröffentlichte dieses Jahr ihr Album „The Crux“, inklusive Deluxe-Version. Und ehrlich gesagt, gefiel mir das extended Album noch ein bisschen besser. Ich glaube, das war das Album, welches dieses Jahr am meisten bei mir nebenherlief. Zugegeben klingt das erstmal wenig spannend – aber ganz im Gegenteil: „The Crux Deluxe“ war mein treuer Begleiter. Es war das Album bei dem ich mich in meine Tagträume fallen lassen konnte, obwohl ich eigentlich produktiv sein wollte. Das Album, welches beim Kochen in der Küche lief. Das Album, welches ich meistens direkt nach dem Aufstehen anmachte. Und das Album, das mich auf langen Zugfahrten nostalgisch aus dem Fenster starren ließ. Wenn ich einen Song aus der Deluxe-Version empfehlen müsste, wäre es „Love Can’t Break The Spell“. Hört rein und vertraut.


    Popmodus 2.0

    Nun zur Essenz meines musikalischen Jahres: Girlhood und Musik von Flintas, die ballert!!! Ich muss gestehen, dass ich dieses Jahr überwiegend deutschsprachige Girls und Flintas gehört habe – von Pop bis Rap. Und ich kann euch eins sagen: es war toll! Eine poppige, rockige Neuentdeckung war für mich Paulinko, die ich in irgendeiner Flinta-Playlist aufgegabelt habe. Ich kann die Lieder der Band nur mit instant happiness und Euphorie beschreiben, obwohl sie in ihrer Musik häufig Wut gegen das Patriachart und Menners im Allgemeinen ausdrücken. Im Sommer konnte ich Paulinko auf einem Konzert sehen. Währenddessen war ich quasi dauerhaft am hüpfen und tanzen. Highlight und Dauerschleifensong ist übrigens „Für ein Mädchen“ zu dem nicht nur mein jetziges Ich, sondern auch mein Kindheits-Ich mitfühlen kann. Welches Girl wurde schließlich nicht schon einmal für ihre Leistung belächelt? Seit dem Konzert hängt übrigens ein Poster mit der Aufschrift „Für ein Arschloch ist deine Fresse leider ziemlich groß“ in meinem Zimmer. Eine der vielen tollen Lyrics aus dem Song.

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    Eine weitere Offenbarung war außerdem Emma Rose. Singles wie „Roundhouse Kick“ oder „Liebe Süße Mädchen“ verkörpern für mich ein Gefühl von Girlhood. Schließlich hat Emma Rose verdammt nochmal Recht, wenn sie „Ich will nur mit mein’n Girls chillen / Und du kannst das nicht verstehen“ singt. Auch ihre „Süß sauer EP“ hat ihren vorherigen Songs alle Ehre getan. „Hauptsache Easy“ und „Männergrippe“ gehören zu meinen absoluten Lieblingssongs von Emma. Ihre ehrlichen Texte, die Leichtigkeit ihrer Melodien und die Nahbarkeit, die sie dabei vermittelt, machen sie für mich so besonders. Unter uns: ihre Stimme ist so schön, dass sie mir wahrscheinlich eine TV-Gebrauchsanweisung vorsingen könnte – ich würde es mir trotzdem anhören. 


    Meine heilige Vierfaltigkeit des German Raps

    Na gut, mit der Vierfaltigkeit mogle ich mich durch, aber anders geht es wirklich nicht. Es sind nämlich vier Künstler*innen, die mich dieses Jahr auf der Rapschiene am meisten begeistert haben. Und nein, männliche Rapper sind nicht dabei. Den Anfang macht Kiarababa. Sorry, aber ihre Beats schlagen alles. Ich habe Songs wie „Sie ist mein Bruder“, „Deine Haare“ und „Hmm lecker“ dieses Jahr im Urlaub mit meinen Besties täglich gehört. Deshalb ist Kiarababa immer eine Zeitreise zurück in den Urlaub: Ich sitze mit meinen Freundinnen auf dem Balkon, ein Getränk in der Hand, Kartendeck auf dem Tisch, alle singen die Lyrics mit und lassen sich vom Rauschen des Meeres einhüllen. Ich kann es nicht beschreiben, aber wenn ich sie höre, kommt die selbstbewussteste Version meiner Selbst raus.

    Wer mich auf eine andere Art und Weise auch begeistert hat, ist Rapper*in Lila Sovia. Vor allem die neuen Singles „Besser“ und „Immer noch da“ landeten in meinen Playlists. Mit queerfeministischen und antifaschistischen Texten rappt sich Lila Sovia in die deutsche Musikszene und das zu Recht. Neben Texten, die zum Nachdenken anregen, überzeugten mich die instrumentalen Inszenierungen und groovigen Basslines der neueren Songs. Lila Sovia ist für mich am interessantesten, wenn es darum geht, was die nächsten Jahre musikalisch noch so mit sich bringen.

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    Weiter geht es mit der Girl Gang, die ich dieses Jahr am meisten gehört habe: bangerfabrique! Sie machen ihrem Namen alle Ehre, denn es kam ein Banger nach dem anderen. Die erste EP „welcome to the groupchat“ kann nur auf repeat laufen, es liegt in ihrer DNA. Der opening-Song „CRASH OUT“ hat mich so aus den Socken gehauen, dass er direkt an meine gesamten WhatsApp-Kontakte weitergeleitet wurde. Die Beats, die Lyrics, die Ad-libs, das Musikvideo – alles perfection! Wie oft ich die Line „wegen Hunden wie dir krieg ich Knacks / wegen Hunden wie dir hab ich Hass“ innerlich oder merklich mitgeschrien habe, kann gar nicht gezählt werden. Andere Songs wie „Dumm“ oder die neue Single „hat was“ haben oft meinen Partymodus aktiviert. Was soll ich sagen? Wenn coole Flintas unabhängig Musik machen, dabei übergriffige Macker outcallen und über’s cunty sein rappen, geht mein Herz auf.

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    Um die Vierfaltigkeit komplett zu machen, fehlt nur noch OG LU. Ich hatte das Privileg die Frankfurter Rapperin dieses Jahr beim Stadt ohne Meer Festival zu erleben und schon dort ordentlich Texte zu üben. Denn im Dezember bin ich bei ihrer Tour dabei und kann es schon kaum abwarten. Ich verfolge OG LU schon etwas länger, aber dieses Jahr hat sie mein Interesse noch mehr geweckt. Mit dem Albumtitel „assig aber cute“ ist guter Rap vorprogrammiert und allein das Intro macht das Tape hörenswert. Weitere Highlights sind „hanni & nanni“, „Hasskick“ und „2 Etagen“. Ich wurde lange nicht mit Deutschrap warm, doch durch OG LU änderte sich das für mich. Wahrscheinlich könnte ich an dieser Stelle noch unzählig weitere Songs von ihr nennen, aber am besten hört ihr für euch selbst rein, falls ihr das noch nicht getan habt. 

    Allgemein habe ich dieses Jahr festgestellt, wie viel Empowerment es für mich persönlich bedeutet, wenn ich die Musik von coolen, atzigen Flintas höre. Die Songs machen nicht nur Spaß, sondern werden zu einer Art Safer Space und einem kollektiven Gefühl, Mackern in der Musikbranche die Stirn zu bieten – als würde Girlhood die ganze Welt erfüllen. Von mir aus kann das nächste Jahr gerne so weiter gehen!

  • Johannas Jahresrückblick: „Von allem ein bisschen und noch so viel mehr“

    Johannas Jahresrückblick: „Von allem ein bisschen und noch so viel mehr“

    Musik hatte für mich dieses Jahr, 2025, persönlich keinen roten Faden – und genau das ist der rote Faden. Dieses Jahr hat mir die Musik nochmal ganz neue Facetten gezeigt, ganz neue Türen geöffnet und ganz neue Begeisterung geweckt. Es geht von dem altbekannten Pop-Girlie, das ich bin, über Neo-Soul und deutsche Musik bis zu Folklore aus Bolivien.


    Doch erstmal zum Vertrauten

    Dieses Jahr gab es einen Haufen vielfältigster Alben, die mich alle in ihrer eigenen Art und Weise begleitet, unterstützt und abgeholt haben. Angefangen mit meinem persönlichen Lieblingsalbum: “Wishbone” von Conan Gray. Schon die vorab veröffentlichten Singles überzeugten mich komplett, sie waren so voller Gefühl und Schmerz – aber alles schonungslos ehrlich und unverpackt in Songs gesteckt. Dieses ganze Album hat mich so viel fühlen lassen. 

    Der erste Platz meiner Lieblingsalben in diesem Jahr war – und bleibt – trotzdem stark umstritten. Die erste Konkurrenz wurde nämlich bereits zwei Wochen früher veröffentlicht: “Bite Me” von Renee Rapp. Wer mich auch nur ansatzweise kennt, weiß, wie sehr queere, feministische, empowernde Musik in meine Identität integriert ist. Und genau das war das neue Album von Renee. Ein weiterer Bonus des Records stellt die Vielfältigkeit der Songs dar. Es gibt alles: von traurigen Balladen wie “Somewhere” über Songs wie “Leave Me Alone”, die ein “Fuck you” an alle geben, bis zu Break-Up-Songs und Indifferenz wie bei “I Think I Like You Better When I’m Gone”. Und diese Vielfältigkeit spiegelt sich nicht nur in den Themen der Songs, sondern auch in der Instrumentalisierung. Jeder Song klingt anders, jeder Song hat einen anderen Fokus. 

    Es gibt aber auch noch eine dritte Konkurrentin im Rennen: “Everybody Scream” von Florence + The Machine. Weil, um ehrlich zu sein, war der Titel auch Programm dieses Jahr – manchmal bleibt nichts anderes übrig, als Frustration und Unverständnis einfach raus zu schreien. Wenn auch vergleichsweise spät erschienen dieses Jahr, hat sich das Album – und vor allem die Single “Buckle” – sehr schnell in die Favoriten gespielt. Lyrisch und musikalisch für mich persönlich ein absolutes Meisterwerk, liebe ich auch einfach den female rage, der im Subtext so vieler Songs liegt, die Self-Awareness, mit der sie Lieder schreibt und sich trotzdem in ihren Emotionen verliert. Das ganze Album für mich eine absolute 10/10.

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    Musikalische Überraschungstüten

    Doch nicht nur vertraute Sounds haben sich dieses Jahr in mein Herz gespielt – ganz überraschend hat sich mein Musikgeschmack in einige Richtungen geöffnet. Und dazu gehört nicht nur die bolivianische Folklore, über die wir noch sprechen werden, sondern auch deutsche Musik, Neo-Soul und 60ziger Sounds.

    Ein Satz, den schon viele Menschen von mir gehört haben, lautet: “Ich mag keine alte Musik, gimme the modern stuff.” Umso überraschender kam das Album “AURORA” von Daisy Jones & The Six. Manche kennen vielleicht das Buch oder die Serie – ich habe dieses Jahr das Buch gelesen und war natürlich dann auf den Sound gespannt, in meinem Kopf hatte ich eine Vorstellung, aber ich wollte es ja auch hören. Und ja, das erste Hören hatte mich nicht vom Hocker gehauen, aber von Anfang an hatte es etwas Interessantes und Fesselndes. Der Sound – auch wenn offensichtlich erst vor kurzem produziert und entstanden – klang authentisch nach 60ern und auch der Vibe und die Atmosphäre waren sehr stimmig. Ich hab’s geliebt.

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    Ebenso überraschend war Nina Chuba wieder da – mit ihrem neuen Album “Ich lieb mich, ich lieb mich nicht” hat sie ebenso wie Renee Rapp eine so breite musikalische Palette präsentiert, dass eigentlich für wirklich jeden was dabei sein muss bzw. kann. Normalerweise halte ich mich meilenweit fern von deutschsprachiger Musik – bisher habe ich einfach keinen Bezugspunkt dazu gefunden. Aber bereits vor dem Release des Albums hat mich das Feature “fucked up” mit Makko begeistert – die Lyrics “Wir beide hab’n zu lange nur an dich gedacht” fand ich direkt genial. Und als ich dann das Album angehört hatte, war ich einmal mehr überzeugt von Nina’s Art zu texten und wie sie jedem einzelnen Song seinen komplett eigenen Charakter gab.

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    Als letzte Überraschungstüte ist Olivia Deans Album “The Art of Loving” zu nennen: Auch Neo-Soul oder R&B begeistert mich normalerweise wenig – Olivias Album allerdings hat sich direkt in mein Herz gespielt. Alle Songs auf diesem Album klangen so sanft und liebevoll. Olivia hat mit diesem Album einen sehr entspannten, langsamen, sanften Ort geschaffen, der auch mal innehalten und einfach lieben – das Leben, seine Mitmenschen und auch sich selbst – lässt.

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    Auf der ganz anderen Seite der Welt – und auch auf der ganz anderen Seite der Musik

    Angekommen in Bolivien wurde Folklore ein ständiger Begleiter im Alltag. Von Flöte spielen und Musik aus den Anden über Tanzen zu Tinku, Caporales, Chacarera und vielem mehr bis zu Fusion-Musik aus Folklore und modernen Stilrichtungen sowie Cumbia wurden viele unterschiedliche, folklorische Einflüsse eine meiner meistgehörten Sounds. Dabei wurde das gemeinsame Erleben und Teilen von Musik sehr viel wichtiger. 

    Jeder Rhythmus hatte seine Choreografien, seine Schritte, seine Essenz. Und Musik nicht nur zu hören, nicht nur musikalisch zu verstehen, sondern auch zu tanzen – zu wissen, wie man zu ihr tanzt und das auch immer mit anderen Menschen teilen zu können, weil die Kultur eben so tief in jeder Person verwurzelt war – hat ein ganz anderes Verständnis und Erlebnis ermöglicht. Es hat direkt Gemeinschaft geschaffen, es hat zur Bewegung animiert, es hat Lebensfreude gegeben. Die Musik wurde gefühlt und gelebt und das war einfach ein wunderbares Gefühl. Musik war nicht nur ein persönliches Konsumgut, sondern ein sozial geteiltes kulturelles Gut, von dem alle Teil waren.

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    Ich habe in Bolivien viel über das Teilen von Musik gelernt. Zum einen eben viel durch Folklore – mir wurde hier eine ganz neue musikalische Tür eröffnet, etwas, das ich vorher so noch nicht gehört habe. Und es ging eben nicht nur um das Konsumieren der Musik, sondern auch um das Ausleben davon. Es sollte – und wurde – Gemeinschaft geschaffen werden, indem man Musik teilt, sich gegenseitig unterstützt und lehrt. Ich wurde immer gerne in das Schaffen von Musik integriert, mir wurde immer gerne jedes noch so kleinste Detail zum zehnten Mal beigebracht, bis ich endlich Erfolg hatte – ohne mich zu verurteilen, einfach mit viel Geduld und Freude am Teilen. Und dieses bedingungslose Teilen war für mich eine sehr wertvolle Erfahrung.

    Aber auch abseits der Folklore lernte ich viele Musiker*innen teilen. Menschen, die zutiefst leidenschaftlich über ihre Musik waren, auch wenn die Musiklandschaft in Bolivien natürlich ganz anders funktioniert als hier bei uns und es teilweise sehr viel schwieriger ist, Musik zum Hauptteil seines Lebens zu machen. Dabei lernte ich unter anderem die Sängerin Nia Cole kennen, deren Live-Energy und Texte mich komplett überzeugten. Vor allem live zog sie ihr Publikum in einen Bann, hielt sie im Moment und schaffte eine ganz besondere Atmosphäre. Es war eines der Konzerte, die so schwierig in Worte zu fassen sind, wenn man nicht da war – das vor Ort aber absolut magisch war. Insgesamt war ich in so vielen Kontexten Teil eines gemeinsames Schaffens von Musik, Teil von kreativen Prozessen, vom Austausch von Musik. Und das hat mir auch, wie bei der Folklore, eine sehr andere Wertschätzung von Musik gegeben.

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    Eine Wundertüte, die nicht hätte besser sein können

    Letzten Endes war dieses Jahr musikalisch eine komplett bunte Wundertüte. Es gab so viele Lieder, so viele Alben, so viele Künstler*innen, von denen ich nie gedacht hätte, dass sie mich so in ihren Bann ziehen können und mir etwas zeigen und geben können, das ich gesucht habe. Aber offensichtlich ist das passiert – und hat meinen Musikgeschmack und meine Einflüsse stark diversifiziert. Genau diese Vielfalt – manchmal widersprüchlich, aber immer ehrlich – war das, was dieses Jahr geprägt hat.

  • feinperlig. die musik-literarische Kolumne: FRÜHLING BIS SOMMER – Meine Woche mit Stella Sommer

    feinperlig. die musik-literarische Kolumne: FRÜHLING BIS SOMMER – Meine Woche mit Stella Sommer

    In seiner sechsten feinperlig. Kolumne war Musikjournalist Johannes Martin eine Woche lang im Bann des neuen Albums von Die Heiterkeit.

    Als Berliner habe ich lange Zeit mit einer gewissen Eifersucht auf die Hamburger Musikszene geschaut. Blumfeld, Bernd Begemann, Kettcar, Die Braut haut ins Auge, Tocotronic – und später dann Die Heiterkeit. All diese Bands transportierten ein Gefühl von diskursivem Pop, von eleganter Melancholie, Ironie und Widerstand. Eine Art Verlorensein mit Haltung. Ich habe dieses Gefühl gesucht – und in der Hansestadt gefunden.

    Die Heiterkeit

    Von Stella Sommer und Die Heiterkeit hörte ich zum ersten Mal 2015. Das Doppelalbum Pop & Tod I + II mit dem Eröffnungssong Die Kälte sprach mich sofort an. Schon die Eröffnungszeile ging mir durch Mark und Bein: „Da wo ich wohne, ist es immer kalt, kalt, kalt.“ Und mir – paradoxerweise – wurde warm zumute. Heute ist Sommer die alleinige Stimme und kreative Kraft hinter Die Heiterkeit. Ihr aktuelles Album Schwarze Magie hat mich überrollt. Im besten Sinne. Im Zeitraum der Albumveröffentlichung sollte ich eine kurzweilige Woche mit Stella Sommer verbringen.

    Von Frühling bis Sommer

    Im Frühling falle ich traditionsgemäß in eine leichte Melancholie – ausgerechnet dann, wenn alle anderen aufblühen. Während Berlin aus allen Nähten platzt vor Parkromantik, Picknickdecken und Biergartenseligkeit, möchte ich mich manchmal einfach verkriechen. In meine Höhle, unter die Decke, ins eigene Innenleben. Musik hilft da. Die richtige Musik – und Stella Sommer liefert genau das.

    Aufgewachsen in St. Peter-Ording, gründete die Musikerin 2010 Die Heiterkeit in Hamburg, zunächst als Trio. Vier Alben folgten in wechselnder Besetzung, Umzug nach Berlin, außerdem drei englischsprachige Soloalben und ein Nebenprojekt namens Die Mausis mit Max Gruber alias Drangsal. Schwarze Magie ist nun die Rückkehr zum Bandprojekt.

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    Schwarze Magie

    Musikalisch orientiert sich das Album mit Anklängen am Great American Songbook, Elvis, Folk, frühen Country, Cohen und Baez – aber auf ganz eigene Weise. Musik, die sich nicht aufdrängt, aber fesselt. Die Musik flattert in düsterer Eleganz, gespickt mit feinem, manchml bittersüßem Wortwitz. Stella Sommers sonore Stimme erinnert mich manchmal an Patti Smith, ist aber vor allem eines, unverwechselbar. Alles ist wie mit feinem Pinselstrich gemalt – inklusive der Produktion von Moses Schneider, der der Platte eine angenehm unaufgeregte Tiefe verleiht. Das ganze Projekt wirkt fast zwanghaft durchdacht.

    Fischtage

    Bei der Buchpremiere von Charlotte Brandis Romandebüt „Fischtage“ im Maschinenhaus in Berlin traf ich Stella Sommer – wir wurden uns kurz vorgestellt, dann sprach ich ihr meine Hochachtung aus. Ich erwähnte aber auch, dass ich Die Heiterkeit (und Tocotronic) zwar liebe, sie aber nicht grooven. Totaler Quatsch, eigentlich. Was ich meinte: Schwarze Magie klingt für mich wie das beste Hamburger-Schule-Album der letzten Jahre – nur eben aus Berlin. Leise, aber eindringlich. Und ja, es groovt – nicht im klassischen Sinn, eher als innerer Rhythmus. Wie ein Herzschlag.

    Noch am selben Abend kaufte ich mir ein Ticket für das anstehende Konzert im Lido. Das Album wollte ich mir vor Ort als Vinyl kaufen. Auf Spotify ist es nur in Auszügen verfügbar. Ein Statement. Und auch ein Qualitätsversprechen: Musik zum Hören, nicht zum Skippen. Eine Woche lang hörte ich das komprimierte Album hoch und runter.

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    Läute die Glocken*

    Das Konzert im Lido fällt auf den folgenden Mittwoch. Das ehemalige Kino an der Schlesischen Straße ist in rotes und blaues Licht getaucht ist. Die Heiterkeit treten zu fünft auf. Stella Sommer intoniert den ersten Song Alles was ich je geträumt hab zurückhaltend, auch weich, getragen und beinahe sakral. So klingen viele der neuen Songs. Statt brachiale Keyboardflächen, wie noch auf dem Vorgängeralbum Was passiert ist, dominieren hier dezente Folk- und Countryklänge. Die Arrangements erinnern an Harold Arlen, Rick Rubin oder Leonard Cohen. Ein Song, Santa Ana, ist in direkter Anlehnung an They Call the Wind Maria entstanden, einem seltsam schönen Country-Song aus dem Jahr 1951.

    Als die Band Teufelsberg spielt, denke ich an Goethes Brocken, an Thomas Manns Zauberberg, an Wagner, Wind und Mondlicht. Übertrieben? Vielleicht. Funktioniert meine Assoziation hin zu deutscher Naturromantik? Irgendwas rührt da in mir. Der Teufelsberg ist nicht nur ein Trümmerberg in Berlin-Grunewald – er ist auch Projektionsfläche für alles, was verloren ging und noch immer in uns arbeitet. Winde, Geister und Berge – ich höre die Glocken läuten.

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    Geister

    Schwarze Magie ist kein politisches Album im klassischen Sinne. Es spricht nicht direkt über Kriege oder Krisen. Und trotzdem fühlt es sich zeitgemäß und dringlich an. Vielleicht, weil es tiefer gräbt. Weil es dort ansetzt, wo einfacher Sprachgebrauch aufhört und Lyrik beginnt. An dieser Stelle empfehle ich, die Texte des Albums separat zu lesen.

    Im Pressetext heißt es: „Die Götter sind malade und kraftlos, die Geister zu porös zum Spuken.“ Und so liegt es wieder an Die Heiterkeit, uns an der Hand zu nehmen und durch die Dunkelheit zu führen.

    Einer der letzten Songs beim Berlin-Konzert ist Die Kälte. Ich lausche gebannt. Nach 100 Minuten ist Schluss. Ich bin merkwürdig erleichtert – und tief bewegt. Am Merchstand lasse ich mir die Platte von Stella Sommer signieren. Ich erwähne noch mal mein Groove-Missverständnis, aber Stella sagt nichts dazu. Vielleicht hat sie es nicht gehört. Vielleicht war es nicht wichtig.

    Die ich rief, die Geister, werd‘ ich nun nicht los. Auf dem Nachhauseweg war ich geheimnisvoll erfüllt, nach einer Woche mit Stella Sommer und Die Heiterkeit.

    *Läute die Glocken ist der erste Song auf dem Album Schwarze Magie.


    Die Heiterkeit – Schwarze Magie (Buback/VÖ: 21.03.2025) / http://dieheiterkeit.de/

    feinperlig.“ ist eine musikalisch-literarische Kolumne von Johannes Martin, die sich an seine seit 2022 laufende gleichnamige Interviewreihe anschließt. In dieser spricht er mit Künstler*innen, Verleger*innen, Booker*innen und anderen Persönlichkeiten in der deutschen Kulturlandschaft. Durch die jetzt schriftliche Version dieser Reihe bekommt seine Kolumne und seine Einordnungen der musikalischen Kulturlandschaft endlich auch ihren Platz.

    Fotocredit: Johannes Martin

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  • feinperlig. die musik-literarische Kolumne: Radio in Deutschland – eine Spurensuche

    feinperlig. die musik-literarische Kolumne: Radio in Deutschland – eine Spurensuche

    In seiner mittlerweile fünften feinperlig. Kolumne nimmt sich Musikjournalist Johannes Martin die Geschichte der deutschen Radiolandschaft vor!

    Diese Kolumne fasst die hundertjährige Geschichte des Rundfunks in Deutschland zusammen – von den ersten Funksendungen über bewegte Zeiten in BRD und DDR bis hin zur digitalen Gegenwart.

    Video Killed The Radio Star?

    Video Killed the Radio Star“ – so hieß es im 1981er-Megahit der Band The Buggles, an dem auch Trevor Horn und der Kult-Filmmusikkomponist Hans Zimmer mitwirkten. Doch diese düstere Prophezeiung hat sich glücklicherweise nicht bewahrheitet. Der Rundfunk hat in über hundert Jahren – von den ersten Funkversuchen bis zur heutigen digitalen Landschaft – immer wieder seine Wandlungsfähigkeit bewiesen und unsere Gesellschaft in vielfältiger Weise geprägt.

    Geschichte des Radios in Deutschland

    Auf den Grundlagen der drahtlosen Telegrafie, wie sie Pioniere wie Heinrich Hertz, Guglielmo Marconi und Nikola Tesla legten, fand in Deutschland am 24. Dezember 1906 die erste öffentliche Rundfunksendung statt. Doch erst in den 1920er-Jahren entwickelte sich das Radio zum Massenmedium. Am 29. Oktober 1923 begrüßte der Direktor der neugegründeten Radiogesellschaft, Friedrich Georg Knöpfke, seine Hörerschaft mit den Worten:


    „Achtung, Achtung, hier ist die Sendestelle im Vox-Haus auf Welle 400 Meter. Meine Damen und Herren, wir machen ihnen davon Mitteilung, dass am heutigen Tage der Unterhaltungsrundfunkdienst mit Verbreitung von Musikvorführungen auf drahtlos-telefonischem Wege beginnt.“

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    Die Nutzung des Rundfunks basierte anfangs auf einem Gebührensystem, das von den ersten Empfängern nur zögerlich angenommen wurde. Doch bereits gegen Ende der 1920er-Jahre wuchs die Zahl der Hörer auf über drei Millionen an. Das Programm der Weimarer Republik bot eine ausgewogene Mischung aus Unterhaltung, Kultur und Bildung. Während der NS-Zeit wurde der Rundfunk dann strukturell modernisiert und als Propagandainstrument umfunktioniert. Joseph Goebbels bezeichnete ihn als „das allermodernste und allerwichtigste Massenbeeinflussungsinstrument überhaupt“ – und mit dem „Volksempfänger“ brachte er kostengünstige Radiogeräte in die deutschen Haushalte.

    Nach dem Zusammenbruch des sogenannten „Tausendjährigen Reiches“ im Jahr 1945 übernahmen die Alliierten die Frequenzen und errichteten zentral organisierte Rundfunksender nach heimischen Vorbildern – wie etwa der britischen BBC. Daraus entstanden später der Sender Freies Berlin (SFB), die Rundfunkanstalt Berliner Rundfunk in der DDR, der „Rundfunk im amerikanischen Sektor“ (RIAS) sowie der Nordwestdeutsche Rundfunk Hamburg (NWDR).

    Rundfunk in der Bundesrepublik

    Mit der Einführung des UKW-Bands in den 1950er-Jahren verbesserte sich die Klangqualität der Übertragungen deutlich, sodass Musiksendungen – neben dem wichtigen Format des Hörspiels – an Bedeutung gewannen. Mit Rock’n‘Roll und Beatmusik drangen nun ganz neue und zum Teil aufrührerische Klänge in die heimischen Kinderzimmer. Noch in den 1960er-Jahren ermahnte ein Nachrichtensprecher seine Hörer: „Bitte stellen Sie Ihren Empfänger auf Zimmerlaustärke!“


    Mit dem Einzug des Fernsehens verlor das klassische Radio vorübergehend an Relevanz. Erst in den 80er-Jahren erlebte der Rundfunk eine neue Blütezeit: Mit der Einführung privater Sender wuchs die Vielfalt an Formaten, und regionale Angebote wurden zunehmend populär.

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    Rundfunk in der DDR

    Auf der anderen Seite der Mauer diente der Rundfunk in erster Linie als Propagandainstrument. Gleichzeitig war er für viele DDR-Bürger ein Tor zur Außenwelt – sei es durch heimlichen Empfang westlicher Sender oder durch Programme wie DT64, das 1964 als Jugendsendung ins Leben gerufen wurde und ab März 1986 als eigenständiger Sender täglich von 13 bis 24 Uhr sendete.


    Der Rundfunk war Zeuge und Mittler bedeutender Ereignisse – vom legendären Fußballspiel am 4. Juli 1974, dem Wunder von Bern, über den ersten Deutschen im All bis hin zur Wiedervereinigung 1989. Doch der Rundfunk war nicht nur Sprachrohr der Politik, sondern auch Sprungbrett für Moderatorinnen und Moderatoren. Bekannte Namen wie Frank Elstner, Jan Böhmermann, Linda Zervakis, Marion Brasch und Jürgen Kuttner stehen exemplarisch für Karrieren, die im Radio begannen.

    Und heute?

    Die heutige Radiolandschaft ist vielfältig und hybrid. Klassische Rundfunksender existieren neben Streaming-Plattformen, Podcasts und On-Demand-Formaten. Dadurch hat sich das Radio von einem linearen Medium zu einem flexiblen, individualisierbaren Angebot entwickelt.
 Trotz der Kritik an den Rundfunkgebühren und dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk im Allgemeinen sowie der fortschreitenden Digitalisierung, der Rundfunk ist robuster, als ihm nachgesagt wird: Er bietet sowohl Nischeninhalte als auch massenkompatible Unterhaltung und erreicht sein Publikum über unterschiedlichste Kanäle – und das bei vergleichsweise geringen Produktionskosten. Trotz aller technologischen Veränderungen bleibt der Rundfunk ein verbindendes Element, das gemeinsames Erleben ermöglicht, ohne ständige Aufmerksamkeit einzufordern.


    Eines steht fest: „Video killed the Radio Star“ war ein Trugschluss. Während das Musikfernsehen spätestens in den 2000er-Jahren von den Bildschirmen und schließlich aus den Köpfen der Menschen verschwand, bleibt das Radio der eigentliche Gewinner.

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    Doch inmitten dieser digitalen Vielfalt stellt sich die Frage: Finden sich junge Menschen überhaupt noch im linearen Radio wieder? Oder fehlt es schlicht an Formaten und Inhalten, die ihre Lebenswelt und Mediennutzung ernst nehmen?

    Wo ist hier der Krach? Radio in Deutschland

    Eine spannende Spurensuche zu genau diesem Thema haben Melanie Gollin und Martin Hommel mit ihrem Projekt „Wo ist hier der Krach? – Radio in Deutschland“ unternommen. Die beiden Musikjournalist:innen haben mit Programmmacher:innen in fünf europäischen Ländern und in Australien gesprochen und sie gefragt, wie genau sie das machen, wovon man sich in Deutschland schon vor langer Zeit verabschiedet hat: gutes öffentlich-rechtliches Musikradio. Absolut hörenswert!

    feinperlig.“ ist eine musikalisch-literarische Kolumne von Johannes Martin, die sich an seine seit 2022 laufende gleichnamige Interviewreihe anschließt. In dieser spricht er mit Künstler*innen, Verleger*innen, Booker*innen und anderen Persönlichkeiten in der deutschen Kulturlandschaft. Durch die jetzt schriftliche Version dieser Reihe bekommt seine Kolumne und seine Einordnungen der musikalischen Kulturlandschaft endlich auch ihren Platz.

    Fotocredit: Johannes Martin

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  • feinperlig. die musik-literarische Kolumne: Ticketing – Wie setzt sich ein Ticketpreis zusammen?

    feinperlig. die musik-literarische Kolumne: Ticketing – Wie setzt sich ein Ticketpreis zusammen?

    In seiner vierten feinperlig. Kolumne knüpft Johannes Martin an seine letzte Kolumne an, in der es um die Berliner Clubs- und Kulturszene und ihre Herausforderungen und Chancen geht. Denn ein Grund, warum Clubs und Venues seit einigen Jahren verstärkt strugglen, ist das Ticketing und die Strukturen dahinter. Er hat sich deshalb gefragt: wie setzt sich so ein Ticketing überhaupt zusammen? Wie hat es sich in den letzten Jahren verändert und warum? Und wieso ist Newcomer*innen unterstützen wichtiger denn je geworden?

    Ticketing – Wie setzt sich ein Ticketpreis zusammen?

    Konzerte sind ein zentraler Bestandteil der Popkultur. In den letzten 20 Jahren haben sie im Kontext schwindender Verkaufszahlen für Tonträger sogar an Wirtschaftskraft und kultureller Relevanz gewonnen. Für Musikliebhaber der sogenannten E- und U-Musik* ist das Live-Erlebnis ein unvergesslicher Moment. Seit Jahren bin ich selbst begeisterter Konzertbesucher. Beim letzten Umzug stieß ich auf eine Kiste mit teilweise vergilbten Tickets aus drei Jahrzehnten. Darunter echte Helden. Die abgegriffenen Kartonstreifen sind jedoch nicht nur schöne Erinnerungsstücke, sondern Zeugnisse einer Ära, in der Eintrittskarten noch erschwinglich waren.

    Wer in den 1980er-Jahren ein Konzert von Bruce Springsteen besuchen wollte, musste in der Bundesrepublik gerade einmal rund 28 D-Mark bezahlen. In der ehemaligen DDR war das Ticket sogar noch günstiger: 19,95 Mark plus 0,05 Mark Kulturbeitrag. Heute wirkt diese Preisspanne fast utopisch. Im Jahr 2023 kosteten Karten für Springsteen-Konzerte in Deutschland bis zu 500 Euro, in den USA wurden sogar Preise von 5.000 US-Dollar für sogenannte „Platin-Tickets“ aufgerufen. Doch wie gestaltet sich so ein Ticketpreis? Und wie kam es dazu, dass die Preise mittlerweile in astronomische Höhen geschnellt sind?

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    Musiker*innen, Booking-Agenturen und Konzertveranstalter kalkulieren für eine Konzerttournee mit Produktionskosten, Honoraren, Reisekosten, Hallenmieten, Caterings und der Promo. Daraus ergibt sich ein Grundpreis von, sagen wir mal, 30 Euro: Zunächst kommen 10 % Vorverkaufsgebühr hinzu, also 3 Euro. Darauf folgt eine Systemgebühr von 1,50 Euro sowie eine Online-Gebühr von 2,50 Euro. Am Ende zahlt der Konsument 37 Euro, obwohl der ursprüngliche Ticketpreis nur 30 Euro betrug. Hinzu kommen oft noch Versandkosten, Steuern und ein möglicher Werbekostenzuschlag, der die Karte um weitere Euros verteuern kann. Bei Premium-Tickets steigen die Gebühren sogar weiter an. Die unter dem Label „Platin-Tickets“ vermarkteten Karten suggerieren exklusive Vorteile wie VIP-Zugänge oder spezielle Services.

    Ein zentraler Treiber der explodierenden Preise ist das sogenannte Dynamic Pricing. Dieses Preismodell, das aus der Luftfahrt oder Hotellerie bekannt ist, passt Ticketpreise dynamisch an die Nachfrage an. Ist die Nachfrage hoch, steigen die Preise in Echtzeit. Großkonzerne wie Ticketmaster setzen diese Algorithmen ein, um ihre Gewinne zu maximieren. Das führt dazu, dass Tickets innerhalb von Minuten astronomisch teuer werden können. Für Fans ist dieses System oft frustrierend, da man praktisch gezwungen wird, Tickets sofort zu kaufen, bevor die Preise explodieren.

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    Ein Vergleich illustriert die Preisentwicklung über die Jahre:

    1980er Jahre: Konzertticket (Bruce Springsteen): 28 DM (~14 Euro).

    2000er Jahre: Durchschnittlicher Ticketpreis für größere Acts: ca. 50–80 Euro.

    2023: Preise für Top-Acts wie Springsteen, Beyoncé oder Taylor Swift: 200–500 Euro, teilweise bis 5.000 US-Dollar für dynamisch bepreiste Tickets.

    Kleine und mittelgroße Venues haben dagegen kaum Einfluss auf die Preisgestaltung. Sie vermieten ihre Säle und stellen Dienstleistungen gegen festgelegte Entgelte bereit. Ihre Gewinne generieren sie auch aus Barumsätzen und gelegentlich aus Gebühren für den Merchandise-Verkauf.

    Die eigentliche Macht liegt bei großen Konzernen wie CTS Eventim, Live Nation, Anheuser-Busch oder Disney, die durch ihre Monopolstellungen die Konditionen diktieren. Diese Multikonzerne lassen den Veranstaltern und Locations nur wenig Spielraum, um faire Preise für die Besucher*innen zu ermöglichen. Darüber hinaus erweitern sie kontinuierlich ihr Einflussgebiet und ihre Profitquellen. Neben ihren Kerngeschäften – Ticketverkauf und Eventmanagement – besitzen sie große Arenen, betreiben Booking-Agenturen und sind aktiv an der Börse beteiligt. Dieses diversifizierte Geschäftsmodell macht das Live-Geschäft zu einem der lukrativsten und wachstumsstärksten Standbeine in der Musikindustrie.

    Während Großkonzerne massive Gewinne erzielen, kämpfen kleinere Acts oft ums Überleben. Das zeigt sich in der paradoxen Situation, dass Konzerte von Stars wie Billie Eilish in Minuten ausverkauft sind, während kleine Bands Touren absagen müssen, weil sich ihre Fans keine 20-Euro-Tickets leisten wollen oder können. Für Top-Acts spielt die Exklusivität eine zentrale Rolle: Fans sind bereit, hohe Preise zu zahlen, um Teil eines einmaligen Erlebnisses -und im Stadion- mit dabei zu sein. Gleichzeitig fehlen vielen kleinen Künstlerinnen die Ressourcen, um in einem hart umkämpften Markt zu bestehen. Diese Entwicklung gefährdet nicht nur die kulturelle Vielfalt, sondern erschwert auch jungen Bands und unabhängigen Künstlerinnen den Aufbau einer nachhaltigen Karriere.

    Support your local music scene

    Im kommenden Juni macht der mittlerweile 75-jährige Bruce Springsteen auf seiner Stadiontournee Halt in Berlin, Frankfurt und Gelsenkirchen. Die Eintrittspreise liegen zwischen 190 und 600 Euro. Da stellt sich schnell die Frage, ob man das gesamte Budget in ein bis zwei Giga-Konzerte investiert oder lieber kleinere Venues und lokale Festivals besucht.

    Immer seltener erhalte ich den Eintritt zum Konzert mit einem Hardticket. In den meisten Fällen wird der Einlass digital abgewickelt. Die Freude am Konzertbesuch ist geblieben. Ich freue mich auf Gigs von Anna B. Savage im Rough Trade Record Store, Ditz im Lido sowie Zaho de Sagazan im Metropol in den kommenden Wochen in Berlin. Die kleineren Konzerte sind oft günstiger und bieten darüber hinaus ein persönlicheres Erlebnis. Damit unterstützt man die lokale Musikszene, setzt ein Zeichen gegen die Übermacht der großen Konzerne – und entdeckt immer wieder spannende neue Musik. 😊

    *Die Begriffe E-Musik (ernste Musik) und U-Musik (unterhaltende Musik) stammen aus einer älteren Differenzierung der Musik, die besonders in Deutschland verwendet wurde. Diese Trennung ist heute eher historisch und wird in der modernen Musikwissenschaft kritisiert, weil sie die Vielfalt und Hybridität vieler Musikstile nicht abbildet. Trotzdem bleibt die Kategorisierung als konzeptioneller Rahmen bestehen.

    Anspieltipps

    Dirty Little Secrets / Geheimnisse der Musikindustrie / Folge 3: Die verschwundene Firma (S01/E03), 31.05.2023

    TRACKS: Warum Konzerttickets immer teurer werden – und immer mehr Touren ausfallen | ARTE

    feinperlig.“ ist eine musikalisch-literarische Kolumne von Johannes Martin, die sich an seine seit 2022 laufende gleichnamige Interviewreihe anschließt. In dieser spricht er mit Künstler*innen, Verleger*innen, Booker*innen und anderen Persönlichkeiten in der deutschen Kulturlandschaft. Durch die jetzt schriftliche Version dieser Reihe bekommt seine Kolumne und seine Einordnungen der musikalischen Kulturlandschaft endlich auch ihren Platz.

    Fotocredit: Johannes Martin

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  • Annas Jahresrückblick 2024: Meet Me In The Middle of 2024

    Annas Jahresrückblick 2024: Meet Me In The Middle of 2024

    Es ist 16:30 Uhr und stockduster in Berlin. Eine Kerze brennt auf meinem Wohnzimmertisch, es riecht nach Pumpkin Latte und durch meine Kopfhörer tönt Frankie Stew and Harvey Gunn ­– nur ein Album von so vielen, das mein Jahr geprägt hat. Book Smart ist der erste Song, den ich Anfang des Jahres auf Dauerloop gehört hab und der mich in die komplett verzaubernde Welt der beiden Briten gezogen hat. Es hittet einfach zu sehr: “I’m nearly 30, shit. Maybe I should quit, Maybe I should not do this.”

    …maybe I should? Das frag ich mich seit Jahren. Zwischen Berufswechseln und Burnouts chille ich nun ein Weilchen schon in diesem Vakuum in der Mitte von Dingen und weiß nicht so Recht, wohin oder woher. Doch eins bleibt über die Zeit eine Konstante und wird es auch weiterhin bleiben: die Liebe zur Musik. Ob auf Alben, Konzerten oder im Maileingang von untoldency – 2024 hielt mich Musik bei Sinnen. Es gab dieses Jahr so viele Songs und Alben, die sich in meine Identität gegraben haben, als würden sie schon ewig dort leben. Also wirklich so viele! Wenn ihr wollt, werd ich euch einige davon hier vorstellen. Wenn ihr nicht so viel lesen wollt, könnt ihr sie hier hören. Beides geht auch, klar, und keins davon eh.


    “I don’t wanna backslide“

    Auch wenn dieser Artikel und die Playlist mit Booksmart starten, ist er nicht mein meistgehörter Song des Jahres. Diese Trophäe geht an, suprise suprise, Twenty One Pilots. Und das absolut zu Recht! Ich hab mich dieses Jahr nicht in Chapell Roan oder Sabrina Carpenter verliebt (sorry), sondern stattdessen meine ewigwährende Liebe zu Tyler Joseph und Josh Dun vertieft. Für die Personen, die mich kennen, wird das absolut keine Überraschung sein. Für die unter euch, die einen meiner Twenty One Pilots Deep Dives gelesen haben, wahrscheinlich auch nicht. Für mich ist die Band aus Ohio, Columbus eine der most underrated Bands überhaupt. Obwohl sie Arenen ausverkaufen und Festivals headlinen, ist für die meisten das Universum, das Tyler und Josh mit jedem Aspekt ihrer Musik erschaffen, völlig unbekannt. Wer ist Clancy? Was ist Trench? Wieso hat der Sänger schwarze Farben auf seinem Hals und Händen? SO VIELE FRAGEN und mindestens genau so viele Antworten.

    Das letzte Mal, als ich ausführlich über die Storyline der Alternative Band philosophiert hab, war im März zu ihrer ersten Singleauskopplung Overcompensate. Ich werde noch die Zeit finden, die Theorien, Fakten und Gefühle zum neuen Album schriftlich festzuhalten. Dass ich das in dem halben Jahr seit Albumveröffentlichung nicht geschafft habe, zeugt davon, wie verschlungen ich vom restlichen Leben war. Schnell auf die Hand empfehlen kann ich euch: Backslide, Routines In The Night, Snap Back und At The Risk Of Feeling Dumb. Mit meilenweitem Abstand gewinnt hier aber Backslide. Auf Platz 1 von meinem Spotify Wrapped gekrönt ist es der eine Song, der mich seit Monaten emotional komplett durchwirbelt. Egal, wie oft ich ihn höre oder wann er zufällig angespielt wird, ich gebe meine ganze Seele diesem Song. Der Aufbau, die Lyrics, der musikalische Switch, die Verzweiflung – alles ist perfekt. Und wahnsinnig schwer zu beschreiben. Also hört einfach selbst:

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    Kirschblüten vs. Winterdepression

    Dass Clancy mein Top-Album 2024 wird, war schon klar, bevor es überhaupt veröffentlicht wurde. Ein weiteres Album, das ganz weit oben auf der Liste gelandet ist, ist das Debütalbum des palästinensischen, französischen, algerischen und serbischen Künstlers Saint Levant. In Gaza aufgewachsen, hat er mit seiner Debüt-EP From Gaza, With Love den ersten internationalen Durchbruch erreicht. Saint Levant singt auf Englisch, Französisch und Arabisch und schafft auch was Genres angeht eine so spannende Mischung, dass ich ihm komplett verfallen bin. Sein Debütalbum DEIRA war mein Türöffner für mehr arabische Musik in 2024, etwas, das ich euch wirklich sehr ans Herz legen kann. Es ist Wahnsinn, wie sehr einen etwas berühren kann, was man nicht versteht.

    Was ich verstehe, ist der Hype um Fontaines D.C. – die Band aus Irland hat mit ihrem neuen Album Romance und der dazugehörigen Tour alle in meinem Umfeld mitgerissen. Bei mir lief im durchwachsenden April vor allem Starbuster auf Dauer-Repeat, abgelöst von WILLOWs run! Beide Songs haben meine Winterdepression in Schach gehalten, bis sie langsam den aufblühenden Kirschblüten gewichen ist. Das erste Mal die Jacke in der wärmenden Sonne ausziehen ist und bleibt für immer einer der besten Momente im Jahr. Und wenn dann so ganz unerwartete Songs wie Nukho von niemand anderen als Comedy-King Teddy Teclebrhan in der Playlist landen, werden ganz andere Glücksgefühle wach.

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    Generell hab ich mich dieses Jahr weiter in Afrosoul und Afrobeat verloren. Genres im Deep-Dive von Künstler*innen zu entdecken, ist eine meiner Lieblingsbeschäftigungen. Falls ihr auch mal einen Abstecher machen wollt, kann ich euch Artists wie Juls, June Freedom, Tems, Tyla, CKay, Tim Lyre sehr empfehlen – fast alle mit einem neuen Album! Ich sags ja, es gab 2024 wirklich so viele gute Alben.


    Hit me hard and soft, please.

    Darunter auch, ich könnte sie nie vergessen, Billie Eilish. Mittlerweile eine völlige Ikone und ohne weitere Erklärung hält ihr neues Album HIT ME HARD AND SOFT alle Versprechen. Songs wie CHIHIRO, BIRDS OF A FEATHER oder BITTERSUITE schlängen sich durch ihren gesamten Aufbau durch jede emotionale Barriere und lassen einen atemlos zurück. Für mich allein nur deshalb eines der absoluten Highlights des Jahres, weil Billie vor Album-Release keine einzige Single veröffentlicht hat. Und für dieses Erlebnis, das Album wirklich von vorne bis hinten als eine Sammlung komplett neuer und unbekannter Songs zu erfahren, bin ich ihr sehr dankbar. In dem Sog aus wöchentlichen Releases vergisst man schnell, wie es ist, Alben als die Gesamtwerke wahrzunehmen, die sie sind.

    Ebenfalls komplett aus dem Nichts kam Ende November Kendrick Lamar mit seinem neuen Album GNX. Es heißt, nicht mal das Label hatte was vom Album gewusst bis kurz vor Veröffentlichung. Es braucht seine Zeit, die Gänze und Tiefe von Kendricks Alben zu erfassen. Klar ist aber, dass wenn die ganze Drake/Kendrick – Debatte bis hier noch keinen klaren Abschluss gefunden hatte, es spätestens mit diesem Album ganz eindeutig ist, wer den amerikanischen Hip Hop dominiert.

    (So halb) fließende Überleitung zum nächsten Song, der mich in den letzten Wochen komplett umgehauen hat: Kennedy Space Center von der Americanism-EP von Post Punk-Duo GAST. Ich hab die beiden auf ihrer ersten Tour live sehen können und bin jetzt noch überzeugter als davor, dass wir hier gerade die Anfängen von etwas ganz Großem beobachten. Die Verzweiflung übers Leben und die Sehnsucht nach Mehr ist in jedem ihrer Songs so unfassbar spürbar, dass man sich am liebsten in den Sound legen und nicht mehr aufstehen möchte. Es hilft vielleicht nicht gegen die grauen Wintergedanken, aber es gibt ihnen immerhin den richtigen Soundtrack.


    Purer Balsam für die Seele: WEZN

    Ebenfalls in diesen Soundtrack eingereiht hat sich dieses Jahr bei mir All I Have von RY X und das Debütalbum von Singer-Songwriter Mustafa. Und, Wundermittel gegen jedes Wetter und purer Balsam für die ganze Seele: WEZN. Auch wenn sie in diesem Jahresrückblick evtl. ein wenig untergehen, (ich hoffe, jemand von euch liest hier noch mit?), sind sie vielleicht der bedeutendste Teil meines Versuchs, dem Leben mithilfe von Musik einen Sinn zu geben. Das klingt düsterer als es ist, aber die noch fairerweise kleine Band aus Hannover ist der Grund, warum ich nie aufhören werde, nach neuer Musik zu suchen. Es gibt einfach SO VIEL unbekannte Musik da draußen, die darauf wartet, entdeckt zu werden. Bands wie WEZN zuzuschauen (und in meinem Fall direkt mitzuhelfen) wie sie größer werden, hat mir in diesem Jahr so viel mehr Energie und Motivation gegeben, als sie es selbst vielleicht wissen. Hier hab ich schon mal versucht zu beschreiben, was genau WEZN ausmacht. Aber weil die Musik selbst sowieso immer mehr überzeugt als reine Worte, könnt ihr euer ganzes Herz hieran verlieren:

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    WEZNs Debütalbum Meet Me In The Middle ist deshalb nicht nur Namensgeber für meinen Jahresrückblick, sondern irgendwie auch für das ganze Jahr. Ich arbeite immer noch auf Nachtzügen nach Stockholm, buche aber nicht mehr die Tour meiner Lieblingsband. Dafür manage ich sie! Ich bin umgezogen, hab mich verliebt, war auf Demos und vielen Festivals, und wurde mir mal wieder sehr vieler meiner eigenen Privilegien bewusst und wie wichtig es ist, sich immer weiterzubilden. 2024 war ein sehr intensives Jahr, Räume für Kultur werden chronisch weggekürzt und universal geglaubte Menschenrechte muss man auf einmal rechtfertigen. Sich zwischen all dem, was in der Welt schief geht, nicht zu verlieren, sondern sich halbwegs glücklich durchs Leben zu navigieren, ist für uns alle jedes Jahr aufs Neue eine Herausforderung. Dieses Jahr war ein wahres Auf und Ab, und in all dem hat mich Musik begleitet. Wenn ihr wollt, könnt ihr hier in eine kleine Auswahl reinhören:

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    Und wenn ihr bis hier hin gelesen habt und untoldency generell eine Weile schon verfolgt und gut findet: wir haben jetzt die Möglichkeit geschaffen, dass ihr uns unterstützen könnt! Es ist auch finanziell kein leichtes Jahr gewesen und Musikjournalismus in dem liebevollen Rahmen hier ist leider komplett unbezahlt, deshalb könnt ihr (wenn ihr wollt), uns auf Steady mit monatlich 3,50€ unterstützen. Im Gegenzug bekommt ihr unendliche Liebe & Wertschätzung, Sticker, exklusive Verlosungen und eine monatliche kuratierte Playlist. Es würde uns die Welt bedeuten.

    Achja, und: Free Palestine 🇵🇸

  • Lucas‘ Jahresrückblick: Wenn eines bleibt, dann die Melancholie

    Lucas‘ Jahresrückblick: Wenn eines bleibt, dann die Melancholie

    Ab und zu, wirklich nur ab und zu, kommt mir der Gedanke, dass wir ja mal in einer Pandemie gelebt haben, in der alles, was wir (mittlerweile wieder) als normal empfinden, nicht ging. Wir haben kaum oder keine Freund*innen getroffen, wir sind nicht ins Museum gegangen und haben auch keine Konzerte besucht. Dann ergreift mich für eine Sekunde ein ganz merkwürdig irritierendes Gefühl, ich denke kurz daran, wie es sein kann, dass sich das alles schon wieder so weit weg anfühlt und dann geht das Leben normal weiter, als wäre nichts gewesen, als wäre Corona nie da gewesen.

    Die Corona-Melancholie

    Bei allem Nervigen, das diese Zeit mit sich brachte, bei aller Einsamkeit, Hilflosigkeit oder Überforderung, bin ich der Isolation für eines dankbar: die emotionale Tiefe, die aus ihr hervorgegangen ist. Die Kunst und Musik, die nach dieser für fast alle so anstrengenden Zeit langsam zu uns durchsickerte, fühlte sich für mich auf unterschiedlichsten Ebenen viel bedeutender und tiefgreifender an, als was ich gewohnt war. Nun bin ich, wenn es um Musik geht, ein Kind der Melancholie und genau diese Melancholie nahm ein so ehrliches Antlitz an, dass sich viele dieser „Corona-Alben“ dauerhaft in mein musikalisches Herz spielten. Ich würde sogar sagen, zum Teil haben Künstler*innen mit diesen Werken ihren jeweiligen musikalischen Höhepunkt erreicht und werden dieses Ausmaß an emotionaler Bedeutung nie wieder erreichen.

    Wenn ich jetzt also auf der Suche nach neuer Musik bin, ist der Maßstab immer das, was ich gespürt habe, als ich die Musik dieser Zeit hörte. Und ich kann euch sagen, das macht die Sache für mich nicht leichter. Die meisten Songs, die ich neu entdecke, bleiben nicht hängen und wenn mich dann doch Mal ein Song, eine EP oder ein Album überzeugt, dann fällt mir folgendes auf: wenn eines bleibt, dann die Melancholie! Deshalb kommt hier meine Top 8 der Melancholie 2024 in zufälliger Reihenfolge!

    ich hoff du brichst mir das Herz

    Nach ihrer traumhaft schön-traurigen EP „tatendrang und todmüde“ (auch ein Corona-Tape!?) ist „ich hoff du brichst mir das Herz“ von maïa eine Kombination von unglaublich schönen Gesangsmelodien mit gleichzeitig treibender Countrygitarren-Produktion, die zu keinem Zeitpunkt aufdringlich oder klischeehaft wirkt. Ich bin ehrlich, ich mache dieses Musikjournalismus-Ding nur, um Interviews mit maïa zu führen.

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    aus meiner Haut

    „aus meiner Haut“ von Trilles gleichnamigen Album ist aus irgendeinem Grund ganz besonders für mich. Ich habe versucht, diesen Song am Klavier und an der Gitarre zu singen und zu keinem Zeitpunkt konnte ich die weiche und zugleich dringliche Atmosphäre reproduzieren. Insbesondere in das Ende habe ich mich verliebt, wenn der Song aus der Stille heraus nochmal Anlauf nimmt und explodiert.

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    Birds of a Feather

    „Bird of a Feather“ von Billie Eilish fängt eine andere Form der Melancholie ein. Sie ist nicht wirklich traurig und dennoch lässt die Stimmung einen nostalgisch und mit Wehmut in eigenen Emotionen schwelgen. Diese nicht klassisch melancholische Facette fühlt sich meiner Meinung dennoch danach an. Mein Bruder hat letztens zu diesem Song geheiratet und ich kann euch sagen, es gibt keinen schöneren und emotionaleren Hochzeitssong als diesen!

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    so far away

    Ein Artist, der wie wenige andere die Melancholie auf die Tanzfläche bringt, ist orbit. „so far away“ könnte ich ohne Pause Tag und Nacht hören. Ich weiß nicht, wie orbit es schafft in diesen sphärischen und Triebenden Klängen noch so viel Intimität zu verstecken. Wenn ich diesen Song höre, stelle ich mir immer all diese klischeehaften Filmszenen von Jugendlichen vor, die ins Schwimmbad einbrechen, im Cabrio durch die Nacht fahren oder betrunken auf einer Party rummachen, sich dann zerstreiten und dabei dennoch verbunden fühlen. Dann, wünschte ich, ich wäre Teil des Klischees!

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    Romance

    Fontaines D.C. haben eines meiner Lieblingsalben des Jahres veröffentlicht. In der Stimme des Sängers steckt so viel Schmerz, dass die Melancholie nicht weit entfernt sein kann. Die Produktionen untermalen die Energie. In der Regel möchte ich etwas kaputt machen, wenn ich dieses Album hören. Wenn ich „Bug“ höre, möchte ich allerdings ähnlich wie bei „so far away“ mit meinen Freunden unüberlegt Dinge tun, ohne über die Konsequenzen nachzudenken, bis alles schief läuft.

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    gesicht verlieren

    Unter den aktuellen deutschen Artists gibt es niemanden, der oder die so traurig und verletzt klingen kann wie Levin Liam. Ehrenwort! Ich dachte, kein neues Tape würde an „vergiss mich nicht zu schnell“ herankommen, doch „gesicht verlieren“ beweist das Gegenteil. Wirklich alle Songs stechen ins Herz, wenn man ihnen die Chance dazu gibt. Ich frage mich jedes Mal, wie es sein kann, dass ein Mensch in der Lage ist, so konstant eingängige und zugleich wunderschöne Melodien zu schreiben, die nie vorhersehbar oder langweilig wirken.

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    falling or flying (Reimagined)

    Königin der Melancholie ist natürlich Jorja Smith! Nicht dass ihr Album „falling or flying“ Geschenk genug wäre, veröffentlichte sie eine neu arrangierte Version, die mehr ihrer jazzigen Seite schmeichelt. Der unendliche Schmerz, den Jorja Smith in ihre Stimme legen kann, egal wie wild die Instrumentals sind, ist unvergleichbar. Hiermit ist es offiziell: Ich liebe Jorja Smith und niemand kann mich davon abhalten!

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    Leon

    Ich gebe es zu, ich hatte Anlaufschwierigkeiten. Mit seinem neuen Album hat sich Leon Bridges nicht sofort in mein Gedächtnis eingebrannt. Nachdem ich den neuen Songs allerdings etwas Geduld entgegenbrachte, entfaltete sich mir ein Reichtum an melancholischen Momenten, die mir jedes Mal die Seele erwärmen, wenn ich „Leon“ anmache. Das Album besteht aus so schön unaufgeregten Instrumentierungen, die mein unschuldiges Musikerherz aufleben lassen. Gleichzeitig spürt man die Ehrlichkeit in der erzählenden Stimme von Leon Bridges. Musikjournalist*innen würden sagen: „Das ist sein ehrlichstes Album jemals!“

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  • Johannas Jahresrückblick: „If you’re an emotionally stable person and you’re listening, I would consider listening to something else“

    Johannas Jahresrückblick: „If you’re an emotionally stable person and you’re listening, I would consider listening to something else“

    „Sad girl delicate wednesday night“ – so hat Spotify meine erste Daylist betitelt. Und zwar auch ziemlich passend. Denn alles, an das ich mich dieses Jahr erinnern kann, ist gefühlt eine Überpräsenz von Noah Kahan, Gracie Abrams und – wer hätte es geahnt – Taylor Swift. Was mein Hörverhalten dieses Jahr sonst noch auszeichnete, waren eine große Menge an unhealthy obsession und comfort music mit einer Prise von Empowerment-Reclaiming Versuchen zwischendurch.


    Ein besonderes Erlebnis dieses Jahr war allerdings ein Interview mit einer Künstlerin. Dafür habe ich im Vorfeld die Definition eines Mixtapes recherchiert: “a compilation of favourite pieces of music, typically by many different artists, recorded on to tape or another medium by an individual.” Und da sowohl dieses Interview als auch Mixtapes (ich liebe persönlich erstellte Playlisten – Musik zu teilen ist definitiv eine meiner love languages) einen ganz besonderen Platz in diesem Jahr hatten, habe ich mich für einen Jahresrückblick in Form eines mixtapes zu entschieden. 


    Auf diesem hypothetisch erstellten Mixtape finden sich 13 Songs. Diese Tracks stehen stellvertretend für Alben und Erlebnisse, die mich durch dieses Jahr begleitet, nicht allein gelassen und immer wieder aufgefangen haben.

    Side A, Track 1: Lost On You – Rosie Darling

    Drei Töne, ständig wiederholt. Mehr braucht es anscheinend nicht, um mich komplett verliebt und sprachlos zurückzulassen. Die Fragilität und Vulnerabilität haben mich von Anfang an nicht losgelassen. Dieses Lied ist so zart und gleichzeitig voller Hoffnung und auch Schmerz und hat mich einfach innehalten lassen. Ich war komplett gefesselt von der Einfachheit dieses Songs, die trotzdem so starke Emotionen hervorrufen konnte. Dieses Gefühl von starker Dualität und irgendwo auch Ambivalenz werden wir noch in einigen Songs dieses Jahr finden.

    Lost On You“ steigert sich im Verlauf des Songs: Angefangen mit einzelnen Klaviertönen wird der Sound intensiver, Drums steigen ein, es wird theatralischer. Der Song entfaltet sich, nimmt Raum ein und schafft durch die Wiederholungen ein Bild von Verzweiflung. Ein wahres Meisterwerk.

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    Side A, Track 2: 0 or 100 – Upsahl

    Wer UPSAHL bereits kennt, hatte vielleicht schon die Vermutung, dass sie die Inspiration für das Mixtape war. „0 or 100„, ein Track aus ihrem Mixtape UPSAHL PRESENT: THE PHX TAPES, hat mich dieses Jahr viel begleitet. UPSAHL hat in diesem Song das Gefühl eingefangen, sich zerrissen zu fühlen. Irgendwo zwischen „es läuft alles“ und „es läuft gar nichts“, nicht nur textlich, sondern auch im Sound, spielt sich dieser Song ab.

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    Side A, Track 3: I’m A Problem – Caity Baser

    Caity hatte ich vor einiger Zeit auf TikTok gefunden und seitdem nicht mehr losgelassen. Die Art, wie sie Songs schreibt, voller Selbstbewusstsein und Lockerheit, hat etwas für sich. Und „I’m A Problem“ (inklusive Musikvideo) hatte mich im Februar und März erst recht an der richtigen Stelle abgeholt.

    Der Song ist ein Statement für sich. Wenn andere Leute ein Problem damit haben, dass du eine Meinung und Selbstbewusstsein hast:

    „put your middle fingers up / say that we don’t give a fuck“

    Caity ermutigt dazu, zu sich selbst zu stehen und lieber zu akzeptieren, ein „Problem“ zu sein als sich kleinzumachen. Genau das, was ich gebraucht hatte.

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    Side A, Track 4: Pretending – Fletcher

    Oh Fletcher“In Search Of The Antidote”, veröffentlicht im April, war bis Juni der beste Release in diesem Jahr für mich. Dieses Album wird angetrieben von der Imperfektion, der messiness, die man in Fletcher’s Stimme hört. Das Album erzählt eine Geschichte davon, sich selbst zu verlieren – durch zu starke Emotionen, durch den Wunsch, etwas zu fühlen und dem Wunsch, sich selbst zu finden. Zu versuchen, einen Weg durch dieses Chaos zu finden. Für mich eines der wichtigsten Alben dieses Jahr.

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    Side A, Track 5: Growing Sideways – Noah Kahan

    Mein musikalischer Mai bestand genau aus drei Artists: Noah Kahan, Taylor Swift und Gracie Abrams. Angeführt wurde der Monat von „Growing Sideways“ und Noah. Noah’s Musik ist eine ganz besondere Art von Umarmung für mich. Wenn ich an seine Musik denke, kommen mir Wörter wie „Sanftheit“, „Komfort“ oder „Verständnis“ in den Sinn. Ich höre wirklich zu und fühle mich dabei einfach so aufgefangen, dass die einzig passende Metapher wirklich eine Umarmung bleibt.

    Und „spend my savings at a lulu, now I’m suffering in style“ hatte einfach immer eine gewissene Ironie an sich – wenn man sich schon nicht gut gefühlt, dann doch wenigstens in Style.

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    Side A, Track 6: Free Now – Gracie Abrams

    Im Juni wurde dann das – in meinen Augen – beste Album des Jahres veröffentlicht. “The Secret of Us” von Gracie Abrams hat sich direkt in mein Herz gespielt, besonders der Song „Free Now“. Die Lyrics und die Geschichte, die sie mit diesem Song erzählt, mit ihrer sanften Stimme verbunden malen ein Bild von Verständnis, Geduld und Liebe, aber trotzdem Selbstachtung. Spätestens in der Bridge, wenn sich der Song intensiviert, fühlt es sich nach loslaufen an, dem Freimachen von einer Beziehung, die einem selbst nicht mehr gutgetan hat.

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    Side A, Track 7: Who’s Afraid Of Little Old Me? – Taylor Swift

    Mai, Juni und Juli waren drei besondere Monate für mich. Zwar auch mit die schwersten, das konnte die Freude aber nicht überlagern. Und zwar Freude über Taylor Swift Konzerte. Während letztes Jahr die Eras Tour in den USA gestartet ist, konnten wir sie dieses Jahr endlich in Europa genießen – mit einem zusätzlichen neuen Album! Und alle Konzerte waren alles, wovon ich geträumt habe, und so viel mehr.

    Taylor Swift hat offensichtlich wie alle Jahre einen besonderen Platz bei mir. Und dieses Jahr war es vor allem der Song „Who’s Afraid Of Little Old Me?“, der ein wenig öfter abgespielt wurde und ein bisschen intensiver gefühlt wurde. Wut war für mich eine wiederkehrende Emotion dieses Jahr und genau das hat dieser Song auch für mich wiedergespiegelt – ein Track über Selbstermächtigung, sich seine Gefühle und Erfahrungen zurückzunehmen. Auch wenn gewisse Dinge passiert sind, die nicht zu beeinflussen waren oder nun auch nicht mehr rückgängig gemacht werden können, kann man sich jetzt seine Wut zurücknehmen und sagen: „Bis hierhin und nicht weiter“. Und genau das ist dieser Song für mich.

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    Side B, Track 1: August 5th, 2021 – Lexi Jayde

    Ich möchte eigentlich ungern zu viel vorneweg nehmen, indem ich über diesen Track schreibe. Als ich die EP “closer to closure” das erste Mal angehört hatte, hat mich „August 5th, 2021“ mehr als unvorbereitet getroffen – und war deshalb umso einprägsamer. Wenn ihr genauso off guard erwischt werden wollt, hört euch die EP am besten einmal an. Oder zumindest Track 3 bis 5 in dieser Reihenfolge. Trust me, it’s gonna be worth it. Wenn nicht, könnt ihr einfach weiterlesen.

    Bei „August 5th, 2021“ handelt es sich nämlich nicht um einen Song – es ist eine Sprachnachricht, in der man Lexi weinen hört und sie ihr Unverständnis und ihren Schmerz ausdrückt. Und genau diese Sprachnachricht und auch ihr Inhalt haben mich so unerwartet getroffen. Dies in die EP zu inkludieren, verleiht sowohl Lexi als auch der ganzen EP auf eine andere Art von Verletzlichkeit – und daraus entstehend auch Stärke. Denn eine solch persönliche Nachricht öffentlich zu zeigen, schafft eine ganz gewisse Intimität.

    Diese Audio läutet Side B des Mixtapes auch sehr treffend ein. Denn ab hier prägten vor allem vulnerable, ruhige und emotionale Songs die Monate.

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    Side B, Track 2: California – Chappell Roan

    September war Chappell Roan Monat für mich. Ich konnte glücklicherweise eine Karte fürs Konzert in Berlin ergattern und somit eins meiner besten Konzerte dieses Jahr erleben. Das Outfit Motto („My Kink is Karma“), das Publikum, die Atmosphäre, einfach alles an diesem Konzert war ein solcher Safe Space, der mich alles andere für einen Abend vergessen ließ. Während die meisten sicher ihre Hits wie „Pink Pony Club“ oder „HOT TO GO!“ kennen, hat mich vor allem ein etwas unbekannterer Song auch nach dem Konzert nicht mehr losgelassen.

    „’Cause I was never told that I wasn’t gonna get / the things I want the most“

    hat mich direkt ins Herz getroffen – genau wie “Thought I’d be cool in California / I’d make you proud / to think I almost had it going / but I let you down”. Der Song drückt für mich Hoffnungslosigkeit aus, eine gewisse Resignation, die man spürt, wenn man etwas so sehr versucht hat, es aber trotzdem einfach unerreichbar bleibt.

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    Side B, Track 3: 9 Lives – Emei

    Auch “9 Lives” zeigt genau diese verletzliche Seite, die in den anderen neun Tracks immer mal wieder zur Sprache kam. Viele dieser Songs fühlen sich für mich nach Gefühlen und Gedanken an, die zwar ständig existent sind, aber schön sauber in einer schwer erreichbaren Ecke verstaut werden. Und in sehr verletzlichen, ehrlichen Momenten wird ein Blick in genau diese Ecke geworfen.

    Was sowohl „0 or 100“, „California“ als auch jetzt „9 Lives“ für mich so ausmachen, sind der starke Kontrast zu den sonst sehr empowernden Songs dieser Künstlerinnen. Songs, die von Selbstbewusstsein triefen, Selbstliebe und den eigenen Wert feiern. Aber nicht jeder Tag kann so sein – und diese Songs zeigen die andere Seite. Die Dualität beider Gefühle, die Ambivalenz und auch, dass diese berechtigt sind.

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    Side B, Track 4: Sad Anymore – FRENSHIP, OSTON, kate the dreamer

    Ich war nicht nur viel wütend dieses Jahr, sondern auch viel traurig. Und es gab viele Songs, die mich in dieser Traurigkeit aufgefangen haben und mich das haben fühlen lassen. Und das war okay und auch gut so. Aber dieser Song drückt wieder einmal perfekt aus, wie ich selber irgendwann die Nase voll hatte von dieser Traurigkeit – „I don’t wanna be sad anymore“.

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    Side B, Track 5: stay a little longer – Rosé

    Noch ganz frisch erst seit einer Woche draußen, hatte dieser Song mich doch sehr im Griff und wurde wahrscheinlich einmal zu oft in Dauerschleife gehört. Trotzdem hat er das gleiche erreicht wie „California“ oder auch „August 5th, 2021“ – er hat mich unerwartet getroffen, kurz innehalten und wirklich zuhören lassen.

    Was mich einfach immer wieder überzeugt, sind Gitarren oder ein Klavier (in diesem Fall letzteres) mit heartfelt Lyrics und echter Emotion (meistens trauriger). Dieser Song erzählt eine ähnliche Geschichte wie der finale Track auf diesem Mixtape. Und um mich nicht zu wiederholen, kommen wir direkt dazu:

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    Side B, Track 6: Stay – Gracie Abrams

    Ich hatte ursprünglich überlegt, nur 12 Tracks auf das Mixtape zu packen. Das Jahr hat nur 12 Monate, aber Taylor Swifts Lieblingszahl ist 13 und dieser Rückblick erscheint am 13. Und bei einem Jahr von 12 Monaten fühlt sich die 13 wie eine Zugabe an – und Zugaben sind immer besonders wichtige Songs. Genau wie „Stay„.

    Ein eher alter Track von Gracie Abrams, aber seit ich ihn gehört hab, einer meiner all time favourites. Jede Ambivalenz, jede Dualität, jede Zerbrechlichkeit, die in den anderen Tracks angesprochen wurde, habe ich zum ersten Mal in diesem Song gefunden. „Stay“ ist für mich der Inbegriff von Verletzlichkeit, Hoffnung und Sehnsucht in einem Song. Es geht Gracie in dem Song gar nicht darum, irgendetwas zu retten, es ist okay so, wie es gerade ist. Aber sich einfach ein letztes Mal bei der anderen Person sicher fühlen, das Gefühl nochmal aufsaugen. Alles an diesem Song ist fragil und verletzlich, aber gleichzeitig auch so beruhigend.

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    Noah Kahan gab seinen Top Hörer*innen dieses Jahr über Spotify Wrapped folgenden Ratschlag mit auf den Weg: „If you’re an emotionally stable person and you’re listening, I would consider listening to something else“. Und mit einem Blick auf diese Songs, zu denen auch Noah gehört, würde ich zu diesem Mixtape tatsächlich den gleichen Ratschlag geben.

  • Annas Jahresrückblick: Es ist keine Schande, generic girl Pop zu hören

    Annas Jahresrückblick: Es ist keine Schande, generic girl Pop zu hören

    Ich hatte ja eigentlich gehofft, mich beim Schreiben dieses Artikels auf mein Spotify Wrapped verlassen zu können, aber in diesem Jahr hat sich wohl endgültig bestätigt, was ich mir schon zu lange nicht eingestehen wollte (weil ich es eigentlich ganz genau weiß): Es werden mal wieder nur die großen Künstler*innen gepusht. Schauen wir uns das also mal anhand meiner Top 5 Songs an:

    1. Back on 74“ von Jungle
    2. howling“ von nothhingspecial (der einzige Song hier, der von einer kleineren Künstlerin kommt)
    3. BIRDS OF A FEATHER“ von Billie Eilish
    4. Nothing Matters“ von The Last Dinner Party
    5. LUNCH“ von Billie Eilish


    Ich will gar nicht abstreiten, dass ich all diese Songs nicht super viel gehört hätte, aber trotzdem beschleicht mich das Gefühl, dass bestimmten Artists da einfach der Vorrang gelassen wurde. Deswegen soll es ab jetzt um genau die Artists gehen, die nicht auf den ersten Blick ganz oben auf meiner Streaming-Liste waren.

    neue Liebe entfacht

    Mein absoluter Liebling war dieses Jahr eindeutig die Band Royel Otis. Das Duo aus Sydney hat mit ihrem neuen Album „PRATTS & PAIN“ einen Sound geliefert, der irgendwo zwischen Dream-Pop und Retro-Vibes schwebt. Ich liebe alles daran. Auch live haben mich die beiden total in ihren Bann gezogen. Ich durfte sie nämlich in wunderschöner Atmosphäre auf dem Appletree Garden Festival sehen. Wenn ihr zu dem Festival mehr lesen wollt, dann kann ich euch nur wärmstes meinen Artikel zu dem meiner Meinung nach familiärstem Festival mit krassem Line-Up empfehlen.

    Ein Song von Royel Otis hat es mir ganz besonders angetan. Vorsicht, Tränen-Gefahr: Es geht um das Cover von „Linger“ (ja, der Cranberries-Klassiker). Ich sag’s wie’s ist: Spätestens als sie den Song auf dem Festival gespielt haben, habe ich angefangen zu weinen. Freudes-Tränen natürlich.

    Mehr Frauen

    Kommen wir zu wundervollen Frauen, die mich sehr inspiriert haben. Da gibt es eine ganze Menge, besonders ans Herz legen möchte ich euch da aber Olivia Dean und Jorja Smith. Die beiden sind für mich unter den Indie-Artists auf jeden Fall die Soul-Queens. Beide haben eine total warme Stimme und ihre Songs schaffen es, auf die sanfte Art ganz tief zu gehen. Und spätestens bei der Cover-Version von „You can’t hurry love“ kann man gar nicht nicht lächeln und tanzen.

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    Die letzten Jahre hatte ich immer ganz zuverlässig BROCKHOFF ganz oben auf meiner Liste der meistgehörten Songs. Umso überraschter war ich, als ich gesehen habe, dass sie es dieses Jahr „nur“ auf Platz 6 geschafft. Das macht aber auch Sinn, denn der Song ist der einzige, den die Künstlerin in diesem Jahr veröffentlicht hat. Die Rede ist von „Bigger Picture“ zusammen mit Blush Always (ebenfalls große Empfehlung!). Aber ist auch ok, denn ich freue mich schon ganz dolle auf das Album, was nächstes Jahr rauskommt. Bis dahin schreie ich weiterhin lauthals zu dem Banger aus 2024 mit. Die rauen Gitarren und perfekt harmonierenden Stimmen der beiden Sängerinnen – wie kann man den Song nicht lieben? Ähnlich geht’s mir mit „Shame“ von Philine Sonny und Miya Folick. Beide Songs kamen auch immer genau nacheinander in meiner Playlist. Die Energy matched einfach perfekt. Die Songs passen besonders gut, wenn man gerade wütend ist – was ich ehrlicherweise sehr oft war. Der Grund waren meistens (alte, weiße) Menners. Aber da helfen doch starke Songs von starken Frauen.

    Pink Pop Pilates Girl Era

    Ich muss gestehen, auch mit hat der brat summer in seine Fänge gezogen – tatsächlich aber erst so richtig mit „brat and it’s completely different but also still brat“. Kann mir irgendwer erklären, warum „Guess featuring Billie Eilish“ so hart kickt? Wie ein musikalischer Orgasmus. Was anderes fällt mir dazu auch gar nicht ein.

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    Aufgrund mir mittlerweile gar nicht mehr so ersichtlichen Gründen dachte ich sehr lange Zeit, dass es zu uncool ist, mainstreamige Popmusik zu hören. Dadurch sind wohl so einige Banger an mir vorbei gegangen. Das habe ich dieses Jahr auf jeden Fall anders gemacht (vielleicht deswegen auch mein Spotify Wrapped?). Ich habe mich aber auf flinta artists beschränkt: Olivia Rodrigo, The Last Dinner Party, Billie Eilish. Ok, viel mehr waren es auch eigentlich, aber die liefen auf Dauerschleife.

    Vor allem das neue Album von Billie Eilish hatte es mir angetan. Ich muss ja gestehen, dass ich vorher gar nicht so ein großer Fan war, aber das Album … puh. Neben den Songs, die sowieso am bekanntesten sind (und auch toll, keine Frage) hat mich „CHIHIRO“ auch sehr gecatched. Der Song hat einfach so viele Schichten, dass mir bei jedem Hören wieder ein neues Detail aufgefallen ist. Außerdem wirkt er wie eine Geschichte, die ihre Hörenden in den Bann zieht und erst nach Ende des Songs wieder fallen lässt.

    Der Geheimtipp zum Schluss

    Ich will euch aber natürlich nicht fallen lassen, ohne zumindest eine kleine, nischige Indie-Band empfohlen zu haben. Sonst hätte ich ein schlechtes Gewissen. Also: Strahlemann. Ich bin der festen Überzeugung, dass das genau die Indie-Boys sind, die euch in eurer Playlist fehlen. Strahlemann-Songs sind poetisch, süß, ein bisschen verkopft und vor allem eins: Durchdacht. Ich habe schon ein paar Mal über die Musik der vier Strahlemänner geschrieben, das könnt ihr hier lesen und hier schauen. Und wenn ihr mögt: Besucht sie doch auf Tour im Januar.

    So, genug gefaselt. Ich habe meine Top 3 Songs in unsere geteilte Jahresrückblick-Playlist gepackt. Da sind auch noch ganz viele tolle andere Songs drin. Hört doch mal rein:

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  • artists to watch 2025: Die spannendsten Künstler*innen

    artists to watch 2025: Die spannendsten Künstler*innen

    Gerade waren wir noch Festivals unterwegs und schwupps, gleich ist Weihnachten. Aber davor genießen wir natürlich erstmal die Adventzeit. Und vor allen Dingen, die Adventskalenderzeit! Es gibt auch dieses Jahr wieder special Weihnachtsformate, Livestream-Interviews und Jahresrückblicke, fette Verlosungspakete und natürlich auch: unsere artists to watch 2025!

    Wie es unsere Tradition will, setzen wir (Anna und Jule) uns Anfang Dezember gemeinsam in ein Google Doc und philosophieren über die kommenden großen Newcomer*innen 2025. Das meiste passiert aus einem Bauchgefühl heraus, denn wir sind keine Wahrsagerinnen und die Musikbranche ist unvorhersehbar. Aber unsere Tipps für 2024 waren gar nicht mal so schlecht! Paula Carolina und ENGIN sind euch dieses Jahr doch bestimmt an jeder Ecke entgegen gestolpert, und Blumengarten und Berq wurden beide gerade für eine 1Live-Krone als “bester Newcomer” nominiert, wobei Letzterer sogar gewonnen hat. Larasüß wird auch nächstes Jahr weiter Bühne für Bühne erobern, SERPENTIN hat diesen Sommer die Festival-Bühnen dominiert und Remote Bondage haben ihre Debüt-EP WIR KOMMEN IN DIE HÖLLE, ABER WENIGSTENS KOMMEN WIR released, die nur noch mehr Lust auf ihr bald (?) kommendes Debütalbum macht (und allein der Titel hat ein s/o verdient). Soft Loft und Ottolien haben sich noch weiter in unsere Herzen vergraben als vorher (auch hier kommt neue Musik!) und Apsilon hat ein Debütalbum veröffentlicht, das sich wirklich jede*r anhören sollte. 

    Und 2025? Wer wird sich nächstes Jahr erfolgsverdächtig in unsere Playlists, Festivals und Alltagsmomente schleichen? Wir haben uns auf 10 fantastische Artists geeinigt, die ihr unserem Bauchgefühl nach auf jeden Fall auf dem Schirm haben solltet (hier klicken, um parallel zu hören).


    SOFFIE
    01 SOFFIE, Chiara Noemi Müller, untoldency, artists to watch 2025, Newcomerin, Indie, Music, Blog, Musikmagazin

    Wer in diesem Jahr nicht SOFFIE über den Weg gelaufen ist, hat vermutlich auch den Wechsel der Jahreszeiten verpasst. Die Indie-Pop-Newcomerin hat mit Für immer Frühling eine Protesthymne geschaffen, die Anfang des Jahres viel bei den “Demos gegen Rechts” gespielt wurde – obwohl der Song eigentlich gar nicht politisch gemeint war. Prompt gab es dafür in diesem Jahr auch eine Nominierung für die 1Live-Krone als “Bester Alternative Song”. Mit ihren inhaltlich schweren, aber musikalisch federleichten Songs hat sich SOFFIE im Laufe des Jahres in die Herzen vieler Fans gespielt und ist Dauergast in der Wilde Herzenoder Deutscher Indie”-Playlist auf Spotify. Aber auch live konnte man sie dieses Jahr fast überall erleben, auf einem der vielen Festivals, als Support für u.a. Mark Forster, Lostboi Lino, Kaffkiez oder Von Wegen Lisbeth oder auf ihrer ersten Headliner-Tour, die 2025 weitergeht – vielleicht ja mit einem Debütalbum im Gepäck? Wir sind gespannt, was das nächste Jahr für SOFFIE bringt, sind aber sicher, dass es nur noch größer und schöner wird. Und in der Zwischenzeit legen wir euch die Für immer Frühling”-Version mit dem Münchner Rundfunkorchester und ihre PlaylistKein Staat, kein Patriarchatzum feministischen Kampftag ans Herz.


    Zartmann
    02 Zartmann, Luis Frederik, untoldency, artists to watch 2025, Newcomer, Indie, Music, Blog, Musikmagazin

    Zartmann ist “harter und gefährlicher Pop von Berlinerjunge”, so sagt es jedenfalls seine Spotify-Bio. In einem rekordverdächtigen Tempo hat er sich vom Underground-Geheimtipp zu einer großen Nummer gemausert und gehört inzwischen zur Gang rund um Apsilon, Kasi, Aaron, Drumla und Ski Aggu. Auf unserem Radar landete er zum ersten Mal 2021 mit seiner Single “2 Blocks”. Ein Jahr später folgte die 11 bis 2”-EP, die es in die Top 10 der Charts geschafft hat. Nach einem Bruch mit seinem Management und einem Vertrag, der es ihm bis April 2023 nicht erlaubte, neue Musik zu veröffentlichen, erschien 2024 seine dafür bin ich frei-EP. Die schaffte es genauso in die Charts wie der Song wie du manchmal fehlst” mit Ski Aggu und Dauner. Zartmann hat in diesem Jahr einen Haufen an Festivals und u.a. Support für 01099 gespielt. Seine eigene Tour 2024 war dann komplett ausverkauft und auch die Tickets für die 2025 geplante Tour sind bereits weg. Klingt ganz danach, dass hier jemand auf einem aufsteigenden Ast sitzt. Wir freuen uns jedenfalls, ihn beim weiteren Aufsteigen zu beobachten – ihr euch auch?


    Power Plush
    03 Power Plush, Fioni Versace, untoldency, artists to watch 2025, Newcomerin, Indie, Music, Blog, Musikmagazin

    Eigentlich ist es längst überfällig, Power Plush als artist to watch aufzuzählen. Nach ihrer Debüt-EP Vomiting Emotions aus dem Jahr 2021 und dem dann 2023 erschienenen Debütalbum Coping Fantasies (mit super süßem Cover) hat die Band auf Chemnitz inzwischen so gut wie jede Bühne des Landes bespielt, ob auf Festivals oder als Support für u.a. Kraftklub, Blond, Tocotronic oder Leoniden. Besonders dankbar sind wir aber für den hot maus summer, den sie uns gemeinsam mit Gigolo Tears beschert haben – wir waren wirklich nicht bereit. Und deshalb können wir es schon kaum erwarten, bis das neue Album Love Language am 25.04.2025 erscheinen wird. Übrigens gehen Power Plush damit dann auch im Herbst 2025 auf fette Headliner-Tour, für die wir ebenfalls jetzt schon die Tage zählen – Vorfreude ist doch schließlich die beste Freude. Der Weg für ein erfolgreiches Jahr 2025 ist also schon jetzt geebnet und wir können euch nur empfehlen, die Band dabei zu begleiten. Es wird sich lohnen, da sind wir uns ganz doll sicher.


    Biig Piig
    04 Biig Piig, Yana Van Nuffel, untoldency, artists to watch 2025, Newcomerin, Indie, Music, Blog, Musikmagazin

    Es gibt natürlich auch wahnsinnige spannende Künstler*innen aus dem Ausland, die wir mit in unsere artists to watch-Liste mitaufnehmen wollen – und müssen! Allen voran möchten wir euch Biig Piig an’s Herz legen. Die irische Neo-Soul-Sängerin dreht mit ihrem einzigartigen LoFi-Hip-Hop-Pop-Mix schon seit einigen Jahren ihre Kreise in unserer Redaktion und sicherlich auch bei einigen von euch. Mit 49 Millionen Streams könnte Sunnybereits Teil eurer Sommer-Playlisten sein (falls nicht, dann jetzt!) und auch “Feels Rightist ein Dauerbrenner mit über 61 Millionen Streams! Am 07.02.2025 ist es dann endlich soweit und ihr wirklich sehnlichst erwartetes Debütalbum “11:11” wird veröffentlicht. Wir sagen: wer Biig Piig jetzt noch nicht auf dem Zettel hat, sollte sie spätestens jetzt draufschreiben. Because this girl is going places.


    Hope Tala
    05 Hope Tala, Erica Devin Snyder, untoldency, artists to watch 2025, Newcomerin, Indie, Music, Blog, Musikmagazin

    “Her vocals are breathtakingly raw yet cautiously controlled, as if she can feel the weight of her words in her chest” – das hat das britische Bricks Magazine über Hope Talas Single I Can’t Even Cry“ geschrieben und wir können das mehr als unterschreiben. Die Westlonderin verbindet Elemente aus Soul, Bossa Nova und Pop zu ihrem eigenen unverwechselbaren Sound. Mal ruhig und melancholisch, mal hoffnungsvoll und locker schafft es Hope Tala ohne groß Nachzudenken in unsere artists to watch-Liste. Nach einem zweijährigen Hiatus steht die Newcomer*in vor ihrem langersehnten Debütalbum, das sie am 25.02.2025 in die Welt lässt. Wir sind wirklich von Grund auf begeistert und können es kaum erwarten, ihre Gedanken zum Erwachsenwerden, Herkunft, Gemeinschaft und allem zwischendrin zu hören. Erst im Juni hat sie für SZA eröffnet und spielt nächstes Jahr unter anderem auf dem Coachella – da steht also ganz schön was in der Pipeline bei Hope Tala. Genau jetzt ist der Zeitpunkt, hier mit dabei zu sein.


    Greentea Peng
    06 Greentea Peng, William Spooner, untoldency, artists to watch 2025, Newcomerin, Indie, Music, Blog, Musikmagazin

    Wenn ihr bisher Greentea Peng noch nicht kennt, dann ist ebenfalls genau jetzt der Zeitpunkt, die Sängerin aus East London mit auf eure Liste für 2025 zu nehmen. Auch hier gehen die Lyrics tief und auch musikalisch sind wir noch im Neo-Soul unterwegs – der ist aus der UK einfach der beste, was sollen wir machen. Mit einer spannenden Mischung aus R&B, Hip Hop und psychedlichen Klanglandschaften wird Greentea Peng 2025 die Szene aufmischen, weit über die UK hinaus. Den ersten Durchbruch hatte sie 2019 mit ihrer viralen COLORS-Show von Downers”, danach ist sie vor ihrer Vergangenheit und nach Mexiko geflohen, wollte das Singen aufgeben. Doch stattdessen fand sie dort den Spaß an der Musik und am Leben wieder, tourte mit einer Coverband, kam zurück nach London. Zum Glück! Am 21.03.2025 erscheint ihr kommendes zweites Album “TELL DEM IT’S SUNNY”. Es geht um Selbstfindung, Spiritualität, Heilung, Politik – all das, was uns im Leben beschäftigt. Falls ihr wie wir Fans von Jorja Smith, Joy Crookes oder Lauryn Hill seid, werdet ihr euch bei Greentea Peng sehr wohlfühlen. 


    frytz
    09 Frytz, Johannes Klingelhoefer, untoldency, artists to watch 2025, Newcomer, Indie, Music, Blog, Musikmagazin

    Nach diesem wahnsinnig vielversprechendes Ausflug in die UK, geht es wieder zurück nach Deutschland. Hier wird uns nächstes Jahr vor allem ein Künstler den Kopf verdrehen: frytz. In derselben Bubble wie Zartmann, Bruckner oder Dominik Hartz unterwegs, macht frytz einen entspannten Mix aus Indie-Rap und tanzbaren Beats, und hat uns 2024 in einem Turbospeed als vielversprechender Newcomer überzeugt. Seine ersten zwei EPs unter meiner Hautund Unter meiner Haut, pt. IIkamen dieses Jahr und machen wirklich sehr, sehr, sehr viel Lust auf mehr. Erst als Produzent in die Musikbranche gestartet, hat er sich, zum Glück!, dazu entschieden, aus dem Schatten ins Spotlight zu springen und selbst Musik zu veröffentlichen. Direkt schon als Support für ua. Rikas sehen wir hier sehr viel Potential, die ganz großen Bühnen schon ganz bald alleine zu erobern. Auch wenn das vielleicht noch einen kleinen Schnuff dauert, wird frytzs Reise bis dahin auf jeden Fall eine wahnsinnig spannende sein. Und jetzt schon dabei zu sein, macht doch am meisten Spaß. Oder nicht?


    PaulWetz
    07 PaulWetz, Philipp Gladsome, untoldency, artists to watch 2025, Newcomer, Indie, Music, Blog, Musikmagazin

    Schon seit vielen Jahren zieht PaulWetz die YouTube– und inzwischen vor allen Dingen TikTok-Welt in seinen Bann. Wir waren tatsächlich auch schon Fans von ihm, als er vor drei Jahren noch Staubsauger-Anleitungen vorgesungen hat. Dass er nicht erst seit gestern Musik macht, hat man auch da schon gemerkt. Seit 2022 veröffentlicht er nun auch Songs auf Deutsch, die ihm nochmal eine neue Gruppe an Fans, u.a. auch andere Musiker*innen, beschert hat. So sitzt er z.B. einfach gemeinsam mit Juli im Auto und covert “Geile Zeit” und hat außerdem eine Ode an den Bass geschrieben, die uns das ganze Jahr nicht aus dem Ohr gehen wollte. Wer PaulWetz auf seinen Social Media Accounts folgt, hat immer eine gute Zeit. Und diejenigen unter euch, die ihn als Support bei Nina Chuba oder Clueso live gesehen haben, ebenso. Nächstes Jahr geht es auf eigene Headliner-Tour und wir erwarten eigentlich irgendwie auch ein Debütalbum. Vielleicht geht da ja was? Wir bleiben auf jeden Fall dran und ihr solltet das auch tun.


    jolle
    08 jolle, Felix Krüger, untoldency, artists to watch 2025, Newcomerin, Indie, Music, Blog, Musikmagazin

    Bei wem auch auf jeden Fall was geht in 2025, ist jolle. Wir konnten Ende letzten Jahr schon beobachten, wie sich die Hamburgerin einen Weg an die Spitze der Poplandschaft bahnt, dann wurde es kurz still. Nach einem Labelwechsel entstand die “stunde null”: ihre aktuelle EP, mit der jolle im November 2024 neu startet und auch 2025 ganz sicher zu ihrem Jahr machen wird. Ein bisschen Pop, ein bisschen Indie, ein bisschen Rap-Ballade – bei der Hamburgerin trifft das Beste aus all diesen Genres zusammen. Mal mit einem Carlo5-Feature, mal mit Stanovsky – alle Songs von jolle reißen mit und bleiben ewig im Ohr. Dass all das, was wir bisher gehört haben, in diesem Achterbahn-Jahr entstanden ist, gibt uns mehr als große Hoffnungen auf alles, was sie nächstes Jahr für uns in petto hat. Zurückgewonnene Autonomität und der Drang auf allen Bühnen des Landes zu spielen sind hier genau die richtige Kombi. Wir haben Bock!


    Lara Hulo
    10 Lara Hulo, Julie Himmelstoss, untoldency, artists to watch 2025, Newcomerin, Indie, Music, Blog, Musikmagazin

    Unsere letzte artist to watch ist Lara Hulo. Seit 2022 veröffentlicht sie Musik und ist mit ihrem Song Side B*tch das erste Mal 2023 viral gegangen. Die in Schleswig geborene und in Berlin lebende Indie-Künstlerin erinnert mit ihrer einmalig kratzigen Stimme an Nina Hagen oder Hildegard Knef. In ihren Songs erzählt sie unverblümt und mit mehr als deutlichen Worten vom Leben als queere junge Frau und vom Suchen, Finden, Festhalten und Verlieren der queeren Liebe. Besonders ihr Song Für Änni hat uns in diesem Jahr sehr berührt. Aber eigentlich möchten wir für alle Songs ihrer im November 2024 erschienenen Debüt-EP Für Lara eine dicke Hörempfehlung aussprechen. Und alle diejenigen unter euch, die Lara Hulo in diesem Jahr bei einer ihrer vielen Festivalshows, als Support für LUNA und SOFFIE oder auch gerade auf ihrer eigenen Headliner-Tour gesehen haben, wissen, wovon wir reden. Wir sind uns sicher, dass das Jahr 2025 uns noch viele weitere große Momente mit ihr schenkt und können das kaum erwarten.

    Und damit sind artists to watch 2025 komplett! SOFFIE, Zartmann, Power Plush, Biig Piig, Hope Tala, Greentea Peng, fyrtz, PaulWetz, jolle und Lara Hulo. Unserer bescheidenen Meinung nach solltet ihr alle der 10 vorgenannten Artists auf dem Schirm haben, wenn eure Freund*innen nach neuem Musikinput fragen. Im Zweifel schaut einfach bei uns vorbei, wir informieren euch natürlich auch gerne. Viele von ihnen haben kommende Projekte und voraussichtlich alle werden auf Tour sein! Und ihr wisst, always support live music <3 

    Hier könnt ihr klicken, um zu den individuellen Jahresrückblicken unserer Redaktion zu kommen.

    Und hier geht’s nochmal zur artists to watch 2025-Playlist mit direkten Reinhör-Empfehlungen: 

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    Weitere Informationen

    Fotocredits:
    SOFFIE: Chiara Noemi Müller | Zartmann: Luis Frederik | Power Plush: Fiona Versace | Biig Piig: Yana Van Nuffel | Hope Tala: Erica Devin Snyder | Greentea Peng: William Spooner | frytz: Johannes Klingelhöfer | PaulWetz: Philipp Gladsome | jolle: Felix Krüger | Lara Hulo: Julie Himmelstoss