Eigentlich schon wild, dass es inzwischen Dezember ist. Schon wieder ein Jahr vorbei? Irgendwie ging das jetzt ganz schön schnell, aber ich bin ganz ehrlich: Februar diesen Jahres fühlt sich trotzdem schon unendlich weit weg an. Dieses Jahr war in mancher Hinsicht auch ein Nach-Hause-kommen. Back to the roots von meiner Indie-Persona, die 2014 auf die Welt kam. Aber dazu später mehr.
Vom Brunch auf dem Fensterbrett über Berlin nach L.A.
Erstmal hat mein Jahr angefangen mit zwei Wochen Corona Quarantäne Ende Januar/Anfang Februar. Zum Glück war ich aber genau rechtzeitig wieder gesund, um nach Berlin zu fahren und ein Interview mit Wet Legzu führen. Worüber ich auch sehr glücklich bin, denn ich hätte mir sonst ordentlich in den Arsch gebissen. Wie das Interview war könnt ihr übrigens hier nachlesen.
Wenn man Rhian und Hester auf Instagram oder TikTok begegnet, findet man oft Kommentare dazu, dass das „doch keine richtige Musik“ sei oder dass die Lyrics „too repetitive“ sind. Aber es muss doch nicht immer alles bis ins kleinste Detail geschliffen sein, oder die höchste Kunst des Songwriting. Manchmal reicht es doch einfach, wenn Musik Spaß macht. Und genau das macht die Musik von Wet Leg für mich.
Als ich im März dann in Los Angeles war, konnte ich die beiden sogar noch live sehen. Und obwohl es eine Industry Show mit vielen wichtigen Leuten aus dem Biz war, gab es am Ende ein kleines Moshpit zu Chaise Longue.
Hier noch mein Favorit von ihrem Debütalbum, das am 8. April dann erschienen ist:
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Noch während meiner Zeit in den USA habe ich auch schon die nächste Obsession des Jahres gefunden, und zwar die Self Titled EP von Hastings. Wie oft ich die 5 Songs dieses Jahr gehört habe? JA.
Ich hatte ja früher schon Phasen, in denen ich Alben on Repeat hatte… Aber hier hat es mich doch gewundert, das Spotify mir keine Meldung eingeblendet hat mit „Möchtest du nicht vielleicht mal wieder was anderes hören?“. Denn selbst Monate später waren diese paar Songs immer noch auf Heavy Rotation, JEDEN TAG. Wenn ich duschen gegangen bin und nicht wusste was ich für Musik hören sollte? Dann gab es Dusch-Karaoke mit der EP von Hastings. Besonders Blank Me und Take Mine hatten es mir angetan, aber die komplette EP findet sich in meinen Top 15 Songs von 2022 auf Spotify. Ups.
Im September durfte ich dann noch ein Interview mit Sänger Matt führen, das ihr hier nachlesen könnt. Und dann hat mir diese absolute Süßmaus noch einen Hoodie for free geschickt. Shoutout an dieser Stelle!
Das Jahr 2022 hat mich auch wieder ein bisschen nach Hause gebracht. Während ich 2021 noch jeden Monat Playlists erstellt und wirklich aktiv nach neuer Musik gesucht habe, bin ich dieses Jahr etwas passiver geworden. Ich hatte nicht mehr die Zeit und Energie, Plattformen nach neuen underground Artists zu durchsuchen.
Einerseits schade, andererseits halb so schlimm. Denn einige Bands die ich seit Jahren kannte, lieferten richtig ab. Nach dem Disaster das sich Notes on a Conditional Form nannte, hatte ich eigentlich keine Hoffnungen auf ein nächstes gutes Album. Aber ich gebs zu: The 1975 haben mich mit Being Funny in a Foreign Languagewieder. (Auch wenn Matty immer noch eine schwierige Persönlichkeit ist).
2014 called (and i answered?)
Quelle: Tumblr, 2014 oder so
Und weil ein The 1975 Album noch nicht genug war, legten Arctic Monkeys gleich nach… (Allerdings nicht ansatzweise so erfolgreich in meinen Augen).
Aber mit neuer Musik von Bands die ich bereits 2014 geliebt hatte, fühlt es sich ein bisschen wie damals an. Auch, weil Fashion Trends gerade wieder in Richtung Tumblr gehen, und ich meine Fishnets dieses Jahr wieder ein bisschen öfter getragen habe.
Lang leben die Dr. Martens!
Artist of the Year <3
Während ich mir überlegt hatte, was denn meine Top Artists, Alben, Songs etc. dieses Jahr waren, kam mir der Spotify Jahresrückblick zu Hilfe. Seit 2017 sind flor irgendwo oben in meinen Top Alles unterwegs, und haben sich in den letzten Jahren auch meinen „Artist of the Decade“ Titel geschnappt, als dieser von Spotify vergeben wurde.
Es ist also nicht wirklich überraschend, dass sich flor dieses Jahr mal wieder meinen „Artist of the Year“ Award geholt haben, sowie 3 der 5 Top Songs. Wenn man so ein phänomenales Album wie Future Shine released kann das schon mal passieren.
Dieser kleine Hoffnungsschimmer für die Zukunft, der “Future Shine”, ist das, was dieses Album so besonders für mich macht. “The Future CAN shine bright. It CAN be worth looking forward to. The world doesn’t have to be this dark, dysmal place that sometimes it feels it can be.”
Dieses Jahr gab es auch einen Erfolgsmoment für mich. Die Jungs von NEEVEhaben mich in ihre Crew aufgenommen, als Tourmanagerin. Schon seit Jahren versuche ich einen Job in der Musikbranche zu bekommen, der mehr als „nur“ Merch verkaufen ist, und 2022 hat es endlich geklappt! Und dann noch mit so einer wunderbaren Menschen, ich liebs!
Ende September haben NEEVE ihr (lang ersehntes) Debütalbum Chaos of my Mind released, und im Oktober ging es dann auf Tour. Und obwohl die Jungs das gesamte Album jeden Abend live gespielt haben, konnte ich nicht genug von den Songs kriegen. Seit Release lief Chaos of my Mind wirklich rauf und runter, und so haben es NEEVE geschafft, in den letzten zwei Monaten noch bis auf Platz 7 meiner Top Songs des Jahres auf Spotify zu rutschen.
Und für alle die so auf TikTok unterwegs sind: Ihr seid den Boys sicher schon begegnet. Aber NEEVE sind noch so viel mehr als eine „TikTok Band“, also hört unbedingt unbedingt mal rein!
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Ganz zum Schluss möchte ich noch meinen Lieblingsmoment auf einem Konzert teilen. Das ist auch noch gar nicht so lange her – erst Mitte November. Nach mehr als 6 Jahren hab ich es ENDLICH geschafft, COIN live zu sehen. Und nicht nur sind die Jungs aus Nashville unfassbar gut live. Nein, ich hatte auch mehrmals dicke die Tränen in den Augen und Gänsehaut überall. Besonders bei Let It All Out.
(beim Hinzufügen hab ich nur ganz kurz hier reingehört zum Link kopieren und hatte direkt wieder Gänsehaut, hört unbedingt mal rein)
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Einen Song habe ich letzte Woche noch gefunden, und der hat mich SOFORT abgeholt: Sunday von Sea Lemon. Zu recent um irgendwas am Jahresrückblick zu beeinflussen, aber trotzdem wichtig genug um hier erwähnt zu werden. Schöne Gitarrenvibes, und die Sängerin hat eine traumhaft schöne Stimme.
Wer also ein bisschen Sommergefühle im Winter haben möchte, hier entlang:
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Nachdem die untoldency-Redaktion euch schon ihre individuellen Jahresrückblicke nahegebracht hat (hier könnt ihr euch durchstöbern), folgt jetzt der „ultimative“ Jahresrückblick in Form der untold soundtrack of 2021 – Playlist. Viele von euch haben hoffentlich auf dem Schirm, dass wir euch jede Woche in dieser Playlist mit den besten neuen Releases versorgen. Das Kuratieren dieser Playlist hat unsere Wahrnehmung und Verarbeitung von neuer Musik dieses Jahr einen 180° Twist gegeben. Es ist unglaublich addictive, ständig auf der Suche nach diesem einen Song zu sein. Ein paar dieser Songs haben wir gefunden und sie hier für euch gesammelt.
Die zwei Pop-Ikoninnen des Jahres und der chartstürmende Abschluss eines Solo-Projekt
Auch wenn wir im Herzen alle kleine Indie-Babes sind, komm ich nicht drum rum als erstes die zwei erfolgreichsten Frauen der Pop-Musiklandschaft dieses Jahr zu küren. Olivia Rodrigo und Billie Eilish sind zusammen 38 Jahre jung, haben 14 Grammy Nominierungen (7 each) und beweisen, dass die (musikalische) Zukunft in den Händen von jungen Frauen liegt. Lucas konnte das vor allem bei Olivia Rodrigos Debütalbum sour dieses Jahr sehr fühlen, ich eher bei Happier Than Ever. Billie Eilish hält die Welt seit vier Jahren mit ihrer Stimme und dem musikalischen Genius ihres Bruders Finneas in Atem und schafft es, die Selbstreflektion und das Empowerment einer ganzen Generation auf eine berührende Art festzuhalten. Wenn ich überlege, was ich mit Anfang 20 gemacht hab..
Und mit diesem deepen Einstieg gehen wir direkt zum ersten Song auf der Playlist, der ironischerweise auch der letzte ist (wer’s jetzt schon gecheckt hat, hierist dein Keks): Der letzte Song (Alles Wird Gut) von Kraftklubs Frontcutie Felix und seinem Solo-Projekt Kummer, das er mit diesem Song beendet. Der Druck war hoch, aber alle Erwartungen wurden getroffen – Top1 der Deutschen Singlecharts sollte da für sich sprechen. To be fair: sich Fred Raabe von Giant Rooks als Feature zu holen, war ein grandioser Move und direkt ins Herz. Wie kann man etwas nicht lieben, was Fred Raabe singt?
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Das schönste an unserer Plattform von untoldency war dieses Jahr das Entdecken von wahnsinnig vieler guter Musik von Newcomer:innen. (Für ausführliche Empfehlungen hier klicken). Doch anstatt sie nur für uns zu entdecken, haben wir 2021 damit verbracht, sie euch zu präsentieren. Ob Zimmer90, Die Mode, Power Plushoder Mar Malade – wir haben uns alle ganz schön viel verliebt dieses Jahr. Am meisten vielleicht in Schmyt – der Berliner erobert gerade Single für Single ganz Deutschland. Ich bin eh ständig am Schwärmen, aber auch der Rest unserer Redaktion hat ihr Herz an den süßen ehemaligen Rakede-Sänger verloren.
Ganz persönlich hab ich mich sehr in den weirden Elf, der auf den Namen RⱯHM ⚉ hört, verguckt. Ich hab schon mal versucht, in Worte zu fassen, was seine Musik bei mir auslöst, so richtig geschafft hab ich’s nicht. RⱯHM ⚉ Sound ist mein persönlicher depressiver aber trotzdem leicht therapeutischer Rave, der mich immer dann kriegt, wenn ich es am wenigsten erwarte. Passt vor allem im Winter sehr gut.
Für Jule schreib ich hier jetzt stellvertretend offiziell, dass sich untoldency in Mayberg verliebt hat und wir gerne alles präsentieren wollen, was der süße Singer Songwriter aus Kassel hervorzaubern wird.
2021 – ein Jahr voller Empowerment
Ihr merkt schon, das Grund-Thema 2021 scheint die Liebe zur Musik und zur Entdeckung von Künstler:innen zu sein. Der Rest des Jahres hat sich so halb-diabolisch dahingezogen, doch Musik hat vieles gerettet. Sie hat gesellschaftliche Diskussionen aufgegriffen und weiter angeheizt. Im Februar hab ich meinen Spotify-Algorithmus durchbrochen und mich gezielt mit mehr Musik von BPoC-Künstler:innen auseinander gesetzt (hier zu hören). In dem Zuge gefunden habe ich u.a. Berwyn. Mit seiner erschlagenden Ehrlichkeit in Songs wie I’D RATHER DIE THAN BE DEPORTED hat er mich auf mein eigenes priviligiert geprägtes Verständnis von Schmerz hingewiesen. Es ist so wichtig, sich selbst weiterzubilden und den Leuten zuzuhören, die unter den Strukturen leiden.
Das gilt auch für das aktivere Unterstützen und Fordern der Frauenquote im Indie. Im Punk. Pop. Soul. Überall. Die gesamte Untoldency Redaktion ist sich einig: wir brauchen mehr Frauen in 2022. Falls ihr das auch so seht, findet ihrin unserer women rising upPlaylist ein paar wertvolle musikalische Anstöße. Für einen full-circle Moment im R’n’B-Soul empfehlen wir die Pip Millet Diskografie,das neue Joy Crookes Album und alles, was Jorja Smith je gemacht hat.
Und weil’s wirklich mehr als gut passt:
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Das stimmt natürlich nur in Maßen. Viele von euch haben auf Open Air Konzerten und der handvoll Clubkonzerte die eigenen Lieblingskünstler:innen auf der Bühne sehen können. Ein richtiges „Konzert-Jahr“ war es aber bei Weitem nicht. Von meinen drei Konzertmomenten war das der australischen Band Tora wahrscheinlich das beste. Ja, Sam Fender in einer 700 Kapazität zu erwischen bevor er in die große Max-Schmeling huscht, war auch sehr besonders, aber es war auch sehr bedrängend voll. Tora im Prince Charles hingegen war befreiend locker, und hatte eine Live-Energie, an die ich mich nur noch ganz entfernt erinnern konnte.
Wenn ihr euch entscheidet müsstet, für wen schlägt euer Teenie-Herz mehr – Jeremias oder Provinz?
Mein Teenieherz entscheidet sich für Twenty One Pilots.True ones wissen, warum. Mein Teenieherz schlägt aber auch immer noch für Casper. TNT feat. TUA hat mich immer wieder in die hochemotionale Casper‑Phase zurückgeworfen, die wir vor zehn Jahren alle hatten. Hat die neue Ära für euch aber auch diesen leicht bitteren Nebengeschmack, der sich in folgender Frage ausdrücken lässt: Ist Casper kein Indie mehr? Alles, was ich sehe, ist ein Promowahn, der versucht zu rechtfertigen, warum man eine Vinyl zum Album in 7 verschiedenen Farben gestaffelt verkaufen muss. Willkommen im Mainstream-Musikbusiness, in dem die Verkaufszahlen einfach stimmen müssen. Naja. Wem mach ich was vor, wir sehen uns trotzdem auf den Clubshows in Berlin und Hamburg. Ich hoffe, ihr seid mit mir gealtert und ich muss nicht alleine den Teeangerschweiß der 14-18-Jährigen einatmen.
Comeback des Jahres..
*inserts Abba Album*
..und weitere random Preise
Das größte virale Wunderwerk geht an Måneskin, die meisten Gefühle an Novaa, der fetzigste Valentinssong an Pabst und Kiss Me und Danger Dan gewinnt für uns alle vor Gericht. Die vielleicht größten Tragödien des Jahres (musikalisch gesehen) gehen an die Bandauflösungen von Daft Punk (Matilda hat stellvertretend für uns alle getrauert) und FIBEL (Tränen flossen auch hier).
Wet Leg hat den englischen Staffelstabs von Arlo Parks aufgenommen, Glass Animals sind endlich auch für einen Grammy nominiert und The Wombats haben es irgendwie geschafft mir mit Method to the Madness durch ne Trennung Mitte des Jahres zu helfen. Shirin David krempelt gerade den Deutschrap auf, Trille ruft „mehr Geigen!“ und Drangsal kriegt jetzt schon (ungelesen) unseren Kritiker-Preis für sein Buch „Doch“ – allein nur des Titels wegen.
…
Adele ist das Comeback des Jahres.
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Ganz viel Liebe im Allgemeinen geht raus an IDER, Alli Neumann, girl in red, Antje Schomaker und die Live-Version von What I Know Is All Quicksandvon den Giant Rooks. Oder wie ich diese unvollständige Liste nenne: Female Empowerment 2021 und die schönste Live-Version eines Songs, die dieses Jahr rauskam.
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Wer sich bis hier hat (hoffentlich) entertainen lassen, bekommt noch einen extra Tipp für 2022 in die Hand: das neue Album von Alt-J. Wir verlorenen Indie-Babes können im Februar endlich wieder unsere Lieblings-Kuscheldecke rausholen und das musikalische Genie der drei Briten uns über unsere Ohren zergehen lassen, denn es wird gut. Freut euch drauf.
An dieser Stelle vielleicht auch eine schöne Abschlussanekdote: Oehl haben das hier zu ihrer „umfangreichste, witzigste und schönste“ Review zu ihrer Platte gekürt und dafür möchte ich mich in Form von Schwärmereien bedanken. Ist irgendwie anders, wenn die Leute, über deren Musik man schreibt, sich dieselben Worte durchlesen, die ich ins Internet tippe <3
Ansonsten – 2021 war a lot, es hat sich viel verändert (ich hab jetzt einen coolen Job 👉🏼👈🏼), dieses Magazin ist 1 Jahr alt geworden und ich hab überdurchschnittlich viele liebe Menschen kennengelernt. Aber auch: ein Jahr Pandemie mehr auf dem Rücken, das in 2019 verlorene Gefühl für Zeit und die gescheiterte Beziehung mit einer Person, die mir immer noch unfassbar viel bedeutet. Diese Dinge haben mich durch mein 2021 begleitet, während folgende Songs durch sowohl mein als auch euer Leben flogen:
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Ich gebe zu, ich tue mich sehr schwer mit Jahresrückblicken. Das liegt vermutlich daran, dass mein Gedächtnis einem spaghetti strainer gleicht und ich schon Probleme habe, mir ne normale Einkaufsliste zu merken. Oder deinen Geburtstag. Außerdem schlafe ich quasi keine Nacht mehr durch und frage mich stattdessen, in welcher Reihenfolge ich meine Lieblingsalben dieses Jahr bloß anordnen soll? Ich terrorisiere mittlerweile schon mein komplettes Umfeld mit diesen Überlegungen. Die gesamte Redaktion habe ich mehrfach genötigt, endlich ihre Top-10 Listen rauszurücken. Nur damit ich abgucken kann. Ich habe das Gefühl, die Auslastung meines Hirns ist zum ersten Mal in 2021 auf 101% overload.
Allgemein möchte ich schon mal ganz am Anfang loswerden, dass ich das Jahr sehr viel besser fand, als das dämliche 2020. Na klar, auch dieses Jahr hatte uns das Virus fest im Griff. Aber im Gegensatz zum letzten Jahr, keimte wieder etwas Hoffnung in mir auf. Irgendwie fühlt sich 2021 für mich an wie eine frisch aufgeräumte Wohnung. Allerdings hast du halt nicht selbst aufgeräumt, sondern irgendein völlig übermotivierter Hans-Gerd, früh morgens nach der Houseparty. Deshalb ist vielleicht noch nicht alles wieder so ganz an seinem Platz. Aber ich bin auch ganz ehrlich mittlerweile einfach an einem Punkt, an dem ich nur noch das Positive sehen möchte. Das Jahr war toll! War’s echt!!!1!!11!
Herzklopfen und Rausch
Zum Beispiel habe ich noch nie mehr Musik gehört, als in diesem Jahr. Ich glaube ich habe sogar meine eigenen Rekorde aus verschmockten Teenagerzeiten gebrochen. Und da musste ich die AA-Batterie meines Mp3-Players zeitweise täglich wechseln! Natürlich habe ich diese Tatsache hauptsächlich untoldency zu verdanken. Jahresrückblick bedeutet für mich nämlich auch auf ein (1) Jahr Musikjournalismus im süßesten und diversesten Profi-Blog der WELT zu schauen. Durch diese glückliche Fügung unseres Zusammenfindens, habe ich so viele talentierte Künstler:innen kennenlernen dürfen, das hätte mein kümmerlicher Spotify Mix der Woche mit seinen dünnen Ärmchen sicherlich niemals gestemmt. Durch untoldency kann ich endlich über all das schreiben. Schreiben, wenn im Sommer alle meine Freunde im Biergarten sitzen. Oder sich im Winter in meiner eigenen Küche ohne mich mit Glühwein betrinken. DANKE EY! haha
Um ein paar absolut heiße Interpret:innen Geheimtipps aus diesem Jahr bin ich natürlich nie verlegen: da wäre zum BeispielPink Lint, der ein tolles Anti-Folk-Avantgarde Album veröffentlicht hat; das Indiekollektiv die neue leichtigkeit mit einem jetzt schon legendären Split-Release auf Vinyl; die Band Micro Circus mit ihrem düsteren Synth-Rocksound, der so viel größer klingt als ich erwartet hatte; und natürlich Botticelli Babymit DER Jazzplatte für Nicht-Jazzer (wie mich). Das alles (und noch viel meeehr) nur durch die tollen Agenturen und das ziemlich familiäre Promonetzwerk. Tja, ich wette ihr habt es kaum bemerkt, aber da sind wir dann auch schon voll im Rückblickmodus!
Wenn ich Musik höre, möchte ich, dass da war passiert in meinem Kopf. Ich möchte eine schäumende chemische Reaktion. Kleine Explosionen. Herzklopfen. Rausch! Ich liebe wirklich nichts mehr, als akustisch etwas Neues zu erfahren und meine Nerven von Songs so lange kitzeln zu lassen, bis ich ein bisschen Pipi… naaaaaah, lassen wir das. Jedenfalls müsst ihr über mich wissen, dass mir absurde Musik und alles, was erstmal komisch klingt, ziemlich sicher gefällt. Mein Faible! Gleichzeitig bin ich aber auch einfach eine ziemlich basic person. Ich liebe Popmusik und alles, was ich schnell mitsingen kann. Wer diese beiden Welten miteinander verbinden kann, hat mich.
Das UK-Post-Punk-Revival und ich
Ein Genre, das vor einiger Zeit ganz stürmisch die Tür zu meinem Herzen eingetreten hat, ist POST-PUNK. Und 2021 war definitiv ein Jahr im Sternzeichen Post-Punk! Man kann wohl sagen, dass vor allem das UK-Post-Punk-Revival in die zweite Runde ging. Es gab so viele Veröffentlichungen, dass ich zeitweise den Überblick fast verloren habe und jede Band irgendwie gleich klang lol. Naja, eine gewisse Ähnlichkeit weisen diese Bands halt auch immer auf: 4-5 englische Jungs (meistens) mit Segelohren in absolut feschen Klamotten (als hätte man einen HUMANA-Container gesprengt), viel viel Gitarrenkrach und ein wütender, oberkörperfreier Frontmann, der uns seine schlechte Laune ins Gesicht spuckt. Ich weiß auch nicht warum, aber manchmal lasse ich mich irgendwie echt gerne VOLLE KANNE von Millenials mit britischem Akzent anschreien.
Den Anfang machten dieses Jahr shame mit ihrer Platte „Drunk Tank Pink“, das nach unfassbar vielen Live Shows der Band nun ihr zweites und (imho) bisher bestes Album ist. Auch die Idles legten vor kurzem erst mit „Crawler“ nach, wobei mir da im Vergleich zum Vorgänger die politische Schlagkraft und die typische Kaltschnäuzigkeit etwas abhanden gekommen scheint. Bemerkenswert für mich waren dagegen definitiv Squid mit ihrem Debüt „Bright Green Field“, das noch etwas raffinierter und dringlicher wirkt, als die anderen Alben dieser Kategorie. Natürlich haftet auch diesem Genre eine weiße, männliche Note an. Allerdings gab es dieses Jahr Hoffungsträger mit weiblichen Protagonistinnen. Zum einen wären da z.B. Dry Cleaning mit der gefeierten Platte „New Long Leg“. Die charismatische Sängerin Florence Shaw lernte ihre Band bei einem Karaokeabend kennen und hatte— ohne Scheiß jetzt — bis dato noch nie vorher gesungen. Gut, genau genommen singt sie jetzt eigentlich immer noch nicht.
Zum anderen ist da ein ganz heller Stern am Post-Punk-Himmel aufgegangen. Dieser trägt den Namen Wet Leg und weist uns hoffentlich den Weg zur Krippe (wow). Das Frontfrauenduo von der Isle of Wight hat allein mit seiner Single „Chaise Lounge“ den Olymp quasi schon bestiegen und letztes Jahr so ziemlich überall live gespielt, wo ging, inklusive US-Tour. Ich sags mal so, das Album kommt nächstes Jahr und wird ziemlich sicher alles abreißen. Da freu ich mich drauf.
Nerven schreddern mit Black Midi <3
Dabei sollte es aber nicht bleiben, denn auch Black Midi (mittlerweile wohl LEGENDENSTATUS) hat ihr heißersehntes, zweites Album „Cavalcade“ veröffentlicht. Darauf hatte ich tatsächlich sehr hingefiebert, weil mir das erste Album „Schlagenheim“ Augen, Ohren und die sämtlichen anderen Sinnesorgane geöffnet hat. Ich würde sogar behaupten, Black Midi ist der Grund, warum es Rockmusik überhaupt noch geben sollte. Tatsächlich haben sie sich auf dem neuen Album etwas vom ursprünglichen Post-Punk entfernt und ihren ganz eigenen, naja, keine Ahnung was genau, erschaffen. Ein wilder Mix aus Noise, Jazz und steilen Gitarrenwänden. Ihr sagt Krach. Ich sage Avantgarde. Mich fasziniert dieses Album nach wie vor. Meistens darf ich es nur alleine hören, weil (fast) alle meine Freunde in Knoblauchöl getränkte Cruzifixe nach mir werfen und anfangen zu fauchen, wenn ich es in einer gemütlichen Runde mal wieder auflegen möchte. Naja! Es ist eben speziell. Give it a turn tho!
Kommen wir zu meinen absoluten Highlights aus 2021. Ich habe erst beim Schreiben dieses Textes gemerkt, dass ich meine drei Lieblingsreleases dieses Jahr auch tatsächlich live erleben konnte. Das bestärkt mich natürlich nochmal mehr in meiner Entscheidung, den folgenden drei Bands die Krone aufzusetzen:
Highlight 1: International Music und der „Ententraum“
Ein (erneut) epochales Werk, ihr könnt es mir glauben. Ich bin in eine Band verliebt und diese Band heißt International Music. Dieser klangvolle Bandname verrät schon sehr viel über den Humor, allerdings recht wenig über die Musik dieses Trios. Für mich klingt diese Band irgendwie immer nach Birkenstocksandalen, 80er Jahre Elektronik (Made in Germany) und Maggi. Das verrät zugegebenermaßen noch weniger über die Musik der Band. I know. Mit „Ententraum“bescherten sie uns jedenfalls meiner Meinung nach einen Geniestreich. Deutschsprachige Texte im endlos weiten Raum, die X-Achse heißt ULKIG und die Y-Achse PSYCHEDELISCH. Der Krautrock wurde wieder ausgebuddelt und mundzumundbeatmet. Und er lebt, Leute, ER LEBT!
International Music live @Zitadelle Mainz
Ich bin schon fast in Ohnmacht gefallen, als Anfang des Jahres ihr Auftritt beim ESNS-Festival gestreamt wurde (Live-Konzerte waren zu dem Zeitpunkt undenkbar) und dort der Song „Museum“ zum ersten Mal live zu hören war. Ein gelungener Vorgeschmack und damals wusste ich schon: das Album muss großartig werden. Und es ward großartig! Im Sommer durfte ich International Music dann tatsächlich mal wieder richtig live erleben, Open Air, Zitadelle Mainz. Es waren vielleicht 200 Sitzplätze, es gab ästhetische Drinks und trotz des großen Geländes und der strengen Coronaregeln, kam eine richtig intime Stimmung auf. Wieder einmal hat mich diese Band gelehrt, dass nicht alles immer perfekt sein muss. Charme auf der Bühne ist eben der Gamechanger. Und halt krasse Songs. Das war das erste Konzert seit Beginn der Pandemie für mich. Das erste Mal wieder Bassdrum in der Magengrube spüren. Das erste Mal Glück dieses Jahr.
Highlight 2: ZOUJ und sein „Tagat Mixtape“
Zouj live @Schalander, Kusel
Durch Zufall bin ich auf das experimentelle Projekt Zouj von Tausendsassa und Wahl-Leipziger Adam Lenox gestoßen. Als Zouj hat eben jener im Sommer das Mixtape „Tagat“ zum Besten gegeben. Und ja, es ist tatsächlich auch als Tape erschienen! Die Vielfalt an Sounds, seien sie durch schrankwandgroße Synthesizer generiert oder einfach mit einem Handy aufgenommen, ist überwältigend. Es gibt am laufenden Band Überraschungen in seiner Musik. Hier eine Transition, da eine Pause. Irgendwo im Hintergrund abgelenkt von einem Endlosecho, und die 808-Kick boxt dir in die Leber. Ich habe sowas noch nie vorher gehört.
Eine meiner schönsten Erfahrungen war dann die Liveperformance dieses Ausnahmekünstlers. Die Umstände waren strange. Mein bester Freund und ich sind für dieses Konzert über eine Stunde in die komplette Walachei gegurkt. Es hat so krass geregnet, dass der Scheibenwischer fast seine Karriere an den Nagel hängen musste. Das klitzekleine Dorf namens Kusel, kurz vor Kaiserslautern, beheimatet genau einen (1) Liveclub. In einem alten, maroden Kino spielen rund ums Jahr tatsächlich internationale Indie- und Punkbands. Und ganz ehrlich, bei dem Booking dort bekommen so manche Großstadtschuppen wässrige Münder. Allerdings machte dieses ganze Szenario zugegeben auch genau den Eindruck, den wir uns kaum trauten, laut auszusprechen: wo zur Hölle sind wir hier? Trotz aller eitlen Vorurteile wurden wir mit einer heftigen (aber zu kurzen!) Show von Zouj belohnt und mischten uns unter die ca. 30 glücklichen Dorfbewohner mit exzellentem Musikgeschmack.
Highlight 3: Black Country, New Road und ihr Debüt „For the first time“
BCNR beim Signieren @Rotondes Luxemburg
Ja, das habe ich mir zum Schluss aufgespart. Ich sage schon so circa seit der Veröffentlichung des Albums im Februar, dass es das Album des Jahres wird. Und dabei bleibe ich jetzt auch. Black Country, New Road — das sind sieben Musiker:innen aus London, die alle exakt so aussehen, wie die Charaktere aus dem English G 2000 Schulbuch. Der musikalische Mix aus Post-Rock, Jazz, Folk und Punk lässt für mich einfach keine Wünsche mehr offen. Die Texte des Sängers Isaac Wood sind das hässliche Spiegelbild seiner Generation, sie betören und verstören zugleich. Übrigens stammt der Name Black Country, New Road aus einem Zufallsgenerator und das komplette Artwork besteht aus stock photos. Hier wurde für mich alles richtig gemacht. That’s my vibe.
Auch live hat mich dieses „Miniorchester“ sehr überzeugt. Ich konnte sie, noch kurz vor allen Konzertabsagen, in Luxemburg sehen. Es gab keine Show, es gab nicht mal ein Hallo, geschweige denn Ansagen zwischen den Songs. Das ist aber eben alles Firlefanz, den diese Band nicht braucht. Dicht an dicht standen wir mit offenen Mündern, die wir nur zumachten, um uns beim Pogo nicht die Zunge abzubeißen. Ich habe sogar ein Tourplakat signiert bekommen. Drummer Charlie Wayne schrieb: „ahhhhhhhh“, Isaac Wood unterschrieb mit „Signature“.
Mein signiertes Tourplakat
Tja und während ich hier noch sitze und schreibe, erreicht mich die Nachricht, dass auch für Geimpfte und Genesene das gesellschaftliche Leben bald wieder sehr kurzgestutzt wird. Da bin ich doch wirklich dankbar, dass uns 2021 zumindest zeitweise wieder sehr viel Spaß und Lebenslust in Form von Konzerten und Parties bieten konnte. Für die langweiligen Abende Zuhause, empfehle ich euch zukünftig noch eines meiner liebsten Lockdown-Hobbies: TIE DYE! Für die, die es nicht kennen: Das ist wie Batiken, nur andersrum. Ihr braucht dafür nur eine kleine Wanne, Chlorbleiche, Handschuhe, Maske, eine Sprühflasche und ein paar Gummibänder. Passt nur auf, dass ihr beim Kauf nicht von den Cops beobachtet werdet. Sieht bisschen komisch aus im Einkaufswagen…
Zum Schluss möchte ich euch noch ein wenig belohnen. Ich habe ja zu Anfang schon geteasert, dass ich echt lang an meiner TOP-10 Alben des Jahres rumgedoktert habe. Nun möchte ich sie euch präsentieren! Einige Namen habt ihr bereits oben im Text gelesen. Falls ihr nur schnell gescrollt habt, um bei meiner TOP-10 abzugucken: Das ist ok für mich. Ihr seid ja schließlich auch auf den clickbait reingefallen. Viel Spaß!
Ich habe gelogen, es ist eine TOP-11, sorry.
Arlo Parks – Collapsed in Sunbeams (verrückt, dass diese Platte nur auf die 11 kommt. Grandioses Soulalbum mit 90s Trip-Hop Einflüssen und extrem wichtigen, queeren Lyrics)
Japanese Breakfast – Jubilee (die stärkste Weiterentwicklung im musikalischen Sinne für mich. Michelle Zauner ist eine bemerkenswerte Frau, jede:r sollte sie kennen.)
Squid – Bright Green Field (diese steigende, irgendwie unangenehme Spannung in „Narrator“… Gänsehaut)
Faye Webster – I know I’m funny haha (country-ish, folk-ish, also eigentlich so gar nicht mein Fall. Sie schafft es aber, diese altbackenen Genres irgendwie wieder knusprig zu machen. Übrigens auch mega Musikvideos!)
Audiobooks – Astro Tough (keine Ahnung WAS das ist, aber ist krass. Electropunk trifft Artrock, dazu female spoken word von Künstlerin und Model Evangeline Ling. David Wrenchs neuestes Meisterwerk)
Theon Cross – Intra-I (der britische Jazztubist zieht alle Register, ob Hip Hop, Dub oder RnB. Dazu holt er alles aus seiner Tuba raus. Sehr coole Features. Ein akustisches Erlebnis!)
Dijon – Absolutely (Frank Ocean meets Bon Iver meets James Blake… RnB wie ich ihn sehr, sehr gerne habe. Wären da nicht diese drei heißen Feger auf den ersten Plätzen, „Absolutely“ hätte Chancen gehabt)
Zouj – Tagat (hier solltet ihr alles hören und, ganz wichtig, die krassen 3D-Animationen gucken!)
Black Country, New Road – For the first time (Slint und Talk Talk geben sich die Hand und schauen sich ganz tief in die Augen. Was dann passiert, ist einfach unglaubl…. Ganz groß. Mehr kann eine Rockband nicht leisten)
Und damit sage ich VIELEN DANK an euch alle. Für’s Lesen, Geheimtipps austauschen, Anhören, Streiten. Wir lesen nächstes Jahr voneinander. Frohes Fest! Hier habe ich euch noch eine Playlist mit meinen Hits des Jahres gemacht:
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Ich muss ehrlich sein, als ich so an meinen Jahresrückblick gedacht habe und worüber ich schreiben möchte, war ich massiv überfordert. Ich habe das ganze Jahr so viel Musik gehört, um genau zu sein 80.586 Minuten laut Spotify, da sind fast 2 Monate durchgehend. Aber was ist eigentlich hängengeblieben?
Mein Goldfischgedächtnis konnte mir da nicht so wirklich weiterhelfen. Mein Spotify Wrapped schon eher. Bevor ich dazu komme… Shoutout an mein How Bad Is Your Streaming Music? Roundup. Wenn jemand weiß, was mir das sagen soll, hit me up.
Jedenfalls habe ich dieses Jahr sehr viel neue Musik gehört, deshalb die Verwirrung. Ich habe auch kurz eine Ausfahrt Richtung K-Pop gemacht, bin dann aber auch schon wieder auf der Indie-Schnellstraße gelandet. Deshalb dachte ich mir, leite ich euch einfach durch die Songs durch, die ich in bestimmten Situationen und Gefühlslagen rauf und runter gehört habe. Eine Reise durch Sehnsuchtsgefühle, Flucht und Loslassen. Neuentdeckungen, meine persönlichen Dauerbrenner, es ist alles dabei. So, here we go!
Ich, wie ich auf den verregneten Asphalt starre
Lasst uns die Lieder, die das wohl unangenehmste Gefühl auslösen, gleich hinter uns bringen: die Depri-Songs… Lieben wir es nicht alle, ab und an in ein wenig Selbstmitleid zu planschen? Ich jedenfalls zu oft, obwohl das wahrscheinlich mehr Selbstsabotage als Wohlsein fördert.
Gerade als ich den Text hier so schreibe, höre ich durch meine selbst zusammengestellte Jahresrückblick Playlist und der erste Song der spielt ist Long Way Off von Sam Fender. Ich bin mir zu 100 % sicher, dass ich von diesem Intro nie gelangweilt sein werde, egal wie oft ich es auch höre. Obwohl das AlbumSeventeen Going Under nicht allzu lang her erschienen ist, hab ich diesen Song so oft gespielt, dass es fürs ganze Jahr reicht, um in meinem Spotify Wrapped seinen festen Platz zu bekommen.
Zwar keine Neuentdeckung dieses Jahres, aber genauso geht es mir mit Schmyt und Poseidon. Der mit Abstand geilste Schmyt-Song für mich. Er schafft es, eine ganze Welt mithilfe von gelungenen Metaphern und der im wahrsten Sinne des Wortes tiefen Melodie zu schaffen. Die Thematik des Songs wiegt sehr schwer und trotzdem kann man sich nur darin verlieben. Und in diesem Sinne darf ich hier auf keinen Fall die tolle Novaa vergessen. Mit ihrem Talent, schwermütige Themen mit ihrer sanften Stimme, so wunderschön wie keiner es kann, zu verpacken, hat sie sich dieses Jahr schnell einen Platz bei meinen Lieblings-Künstler:innen gesichert. An dieser Stelle: Hört euch bitte This Ain’t Your Home an. Ein unfassbar wichtiger Song und wie schön ist bitte dieses Artwork?!
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In dieser Auswahl finden sich die meisten Schätze, die ich dieses Jahr neu entdeckt habe: u. a. School of X mit seiner unverkennbaren Stimme,. Tilman, die Newcomer-Band aus der Nähe meiner Heimat mit den poetischen Texten. NIGHT FLIGHT mit ihrer subtilen Mystik und viele mehr.
Ich, wie die Sonne meinen aus dem Auto gestreckten Arm streicht
Mit Sicherheit möchten die meisten von uns aus der momentanen Situation entfliehen. Da wünsche ich mir, dass Paralleluniversen tatsächlich existieren. Oder wenn sie das tun, dann möchte ich bitte ein Reiseticket reservieren. In der Zwischenzeit habe ich hier ein paar Songs für euch, die eure Reiselust noch schlimmer machen. Ich entschuldige mich hiermit für alle Frustration und Sehnsucht, die ich damit erwecke. Aber es sind nun mal richtig gute Songs 😀
Für Ben Howard habe ich schon immer viel Liebe übrig, aber das diesjährige Album Collections From The Whiteouthat mich wirklich begeistert. Meine Liebeserklärung bekommt ihr hier nochmal zu lesen. Aber besonders hat es mir Rookery angetan. So leicht und beflügelt der Song klingt, kann man nur dahinschmelzen. Wenn’s doch etwas mehr Energie sein soll, rate ich euch ganz stark an, The Pressure von VARLEY in eure Roadtrip Playlist aufzunehmen. Obwohl jeder andere Song von der Band aus Berlin da auch perfekt reinpasst.
Zu meiner größten Neuentdeckung dieses Jahr: Die russische Band Увула. So gut wie jeder Song begeistert mich hier, aber für einen lauen Sommerabend mit einer guten Menge Wein und hurbeligen Gewippe ist Увидел другой der perfekte Soundtrack. Shoutout geht an Dascha raus, durch die ich die zweite Hälfte des Jahres Russian New Wave für mich entdeckt habe. Nicht nur musikalisch geil, sondern auch für mein mehr als eingefrorenes Russisch. Mama wäre stolz 😀
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Dieser emotionale Abschnitt schließt direkt weiter an die Reisesehnsucht an. Hier steht eine Band ganz besonders im Mittelpunkt. Nämlich ISLAND. Die britische Band kann seit diesem Jahr mein Herz voll und ganz ihr Eigen nennen. Ich habe schon in meinem Interview mit den Jungs von meiner Liebe zur Musik geschwärmt. Deshalb halte ich mich hier mal zurück und rate euch an, einfach mal durch die komplette Diskografie zu hören. Meine Jahresrückblicks-Playlist könnte auch nur aus ISLAND (und FIBEL) bestehen, aber hier ein paar meiner Favourites: God Forgive, All in My Head, The Day I Die und Try. Als offizieller Ambassador der Band (I wish lol): hört euch die Songs an, ihr werdet es sicher nicht bereuen. Trust me. Zwei weitere Favourites aus der UK, die dasselbe Gefühl in mir wecken, sind die Newcomer FLOWVERS und die immer bezaubernd bleibenden Her’s.
Ich, wie meine Nachbarn sich über meine Solo-Tanzabende beschweren
Wer dank TikTok seine Zubettgehzeit immer weiter nach hinten verlagert, dem wird der folgende Song wahrscheinlich bei jedem 3. Video entgegen gekommen sein. Wie oft ich schon zu Cloud 9 von Beach Bunny in meiner Küche wild herumgesprungen bin, kann ich schon gar nicht mehr zählen. Geht aber ja auch nirgends anders gerade 🙁 Als nächstes auf meiner Solo-Kochparty läuft talk to me von der Newcomer-Band UMBER aus Ravensburg. Während ich sehnsüchtig auf mehr von den Jungs warte, nerve ich halt mit diesem Song meine Nachbarn mit meinem Gehüpfe. “Noch eine Newcomerin!” – Kommt sofort! IUMA hab ich durch das c/o pop dieses Jahr entdeckt. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es nur drei veröffentlichte Songs, die aber alle Ohrwurm-Potenzial haben. Spiel war bei mir das Jahr über auf Repeat. Ein voll und ganz gelungener runder tanzbarer Banger.
Mehr Songs zum Abdancen oder trancigen Abdriften, über die es bereits in anderen Artikeln von mir viel zu lesen gab, aber die immer noch übertrieben geil sind: cbb to be sad von IDER, You’re The One von LAUREL und Burning Hour von Jadu Heart.
Ich, wie ich meiner Post-Hardcore Zeit nachsehe
Es überrascht mich selbst, aber ich wurde als gequälter Teenager vom Post-Hardcore verschluckt and I regret every single second of it. Na ja, vielleicht nicht jede 😀 Ich bin zwar dieses Jahr nicht zu meinen Pseudo-Emo-Roots zurückgekehrt, habe mich aber wenigstens wieder ins Planschbecken getraut. Für die, die ihrer Emo-Mucke aus der Teenager-Zeit einen hochwertigeren Anstrich verpassen wollen, gibt euch auf jeden Fall Cleopatrick und Nobody Wants You von Junodream. Außerdem geballert habe ich Control von Mannequin Pussy, um die Wiener-Party besonders in diesem Bereich mal zu crashen.
Ich, wie ich bei tropischer Hitze am Strand das Leben genieße
Neben all dem tollen Indie, den ich Tag ein Tag aus höre, hab ich auch wahnsinnig viel für R’n’B und Neo-Soul übrig. In meinen Girl Crush Jorja Smith bin ich ja eh schon Jahre verliebt und das Album Be Right Back hat daran auch nichts geändert. Meine Neuentdeckung dieses Jahr war aber die dominikanisch-italienische Sängerin YEИDRY. Gerade als ich Spotify gecheckt habe, merke ich aber, dass ich etwas spät zur Party erschienen bin. Denn die Gute hören schon über zwei Millionen Menschen.
Ich, wie ich versuche, cooler zu sein als ich es tatsächlich bin
Wenn ich mich mal richtig edgy fühlen will, hör ich mir neben Russian New Wave eine meiner deutschen Lieblingsbands an: FIBEL (eine Träne fällt oder auch 27). Die ganze Avatar EP ist eine Eins plus mit Sternchen. Aber der Song, der bei mir in Dauerschleife lief, war wohl Zukunft. Dieselben Badass-Vibes gibt mir die Schweizer-Newcomerin LEILA mit Gun To My Head und Verifiziert mit Butterflies.
Ich, wie ich mich auf der nächsten Hausparty blamiere
In dem Bereich gab’s ja dieses Jahr nicht so viel Action, deshalb hier meine Ode an weirde Hauspartys, die so ausarten, dass man ¾ der Personen nicht kennt und keiner so genau weiß, was er hier eigentlich macht. Dance in Room Song von Sipper hat das Konzept voll und ganz verstanden. Zu Blade Runner von einer meiner Lieblings-Neuentdeckungen Supergold irre ich dann durch die Gänge des mir fremden Hauses und suche panisch meine Freund:innen, weil ich zu socially awkward bin und lieber bedröppelt an meinen Drink schlürfe als zu socializen. Sobald der Aperol dann aber kickt, mache ich meine Augen zu und lass zu когда? von источник komplett los.
So viel zu meiner chaotischen emotionalen Reise in 2021. Natürlich gibt es da noch mehr, wo das herkommt. Wer meine mentalen Zustände genauso nacherleben will, hört sich meinen untold Jahresrückblick 2021 der Reihenfolge nach an. Und wer kein Fan von Ordnung ist, dann ist die Zufallswiedergabe the way to go 😉
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Ich hoffe du nimmst es mir nicht übel, dass ich dir dieses Jahr wieder so wenig geschrieben habe. Das ist nicht wieder aufzuholen. Das ist mir bewusst. Aber ich nehme dich jetzt mal mit auf den Versuch meine wirren Gedankenüber das musikalische Jahr 2021 zu sortieren. Denn dieses Jahr ist da so einiges passiert und auch doch wieder nicht. Spoiler alert: Meine deutsche Indie-Rock Seele wurde dieses Jahr so einige Male auf die Probe gestellt. Ich habe nicht nur in den verschiedensten Sprachen gestreamt, sondern auch die Komfort-Zone meinerheißtgeliebten Indie Bubble verlassen und mich durch indonesischen Post Punk, deutschem Hip Hop, russischen New Wave und kitschen Scandi-Pop probiert.
Ich habe mir unter meinen Freunden mittlerweile den Status des „speziellen aber guten Musikgeschmack’s“ angelacht. Positiv: Ich kann, ohne regelmäßig Hass abzubekommen, über Ed Sheeran, Robin Schulz und Felix Jaehn, oder wie auch immer all diese Platzhüter:innen der deutschen Charts heißen, ablästern. Negativ: Meine Euphorie über die Neuentdeckung einer Indie Band kann ich meist nur mit mir selbst teilen. Lösung des Problems: Ich bin seit Juni Teil des untoldency-Teams mit 18 weiteren Musik-Nerds, die ähnlich nischige Musikvorlieben haben wie ich.
Ich habe ein Problem und das nennt sich Indie Rock
Ich beginne mal mit einer Band, die mich seit 2013 treu begleitet: The Neighbourhood. Laut Spotify Wrapped 2021 ist die Band auf Platz 1 meiner meistgehörten Artists. Das hat mich ehrlich gesagt dieses Jahr zum ersten Mal etwas überrascht, weil ich gar nicht das Gefühl hatte, sie dieses Jahr so sehr gesuchtet zu haben wie sonst. Zudem hat die Band dieses Jahr mit „Fallen Star“ nur eine Single veröffentlicht. Aber gut, wahrscheinlich höre ich TheNeighbourhood schon unbewusst im Schlaf und brabble die Texte zu „Prey“ oder „Void“ vor mich hin. Das 2015er-Album „Wiped Out“ bleibt auf jeden Fall unangefochten auf meiner Nummer 1 der Komfort-Alben, von denen ich nie genug bekommen kann, was natürlich nicht heißt, dass ich die anderen Alben nicht genauso sehr feiere.
Unimportant fact on the side: Wusstest ihr, dass Devon Lee Carlson, die Freundin von Jesse, dem Frontsänger von The Neighbourhood, das Styling für Olivia Rodrigo’s „good 4 u“ Video übernommen hat? Jetzt wisst ihr es. Ich bin nicht nur ein großer Fan des Stylings in den Musikvideos von Olivia Rodrigo, sondern auch der Songs. An „sour“ kam wohl dieses Jahr keiner so wirklich vorbei und auch ich wurde von dem Hype heimgesucht. Irgendwie schafft Olivia es, mich wieder in meine Teenie-Jahre zurückzuversetzen, sodass ich die Zeilen „I’m so sick of 17, where’s my fucking teenage dream?“ in „brutal“ fühle als wäre ich selbst 17 (haha, schön wär‘s). Vermutlich sind es die Paramore-Vibes und punkigen Rockelemente, die man ja sonst in den globalen Charts vergeblich sucht, die es mir so angetan haben. Wenn eine 18-jährige also dieses Jahr die Wiedergeburt eines Sounds zwischen Taylor Swift, Paramore und Avril Lavigne angestoßen hat, dann bin ich sehr bereit für alles, was 2022 kommt.
Selbstverschriebene Frauenquote
Das passt sowieso perfekt in meinen Vorsatz die Frauenquote meiner Playlists zu erhöhen. Vor allem im Indie Rock und Post-Punk fehlt mir oft noch die Frauenpower. Sanfte weibliche Stimmen, die zu gefühlvollen Balladen und entspannten Soul-Pop Beats singen fallen mir hingegen direkt ein. Arlo Parks, THALA, Amilli, Lorde und Holly Humberstone sind Künstlerinnen, die mir da sofort in den Sinn kommen. Mir ist dieses Jahr auch erst so richtig bewusst geworden, wie stark meine Playlists durch männliche Indie Bands dominiert sind. In meinen Spotify Top 100 Songs 2021 befinden sich schwache 23 Songs mit weiblichen Stimmen. Meine Forderung an mich selbst lautet also: Mehr Diversity im Spotify-Algorithmus!
Ein Kategoriensystem zur Klassifizierung meines Musikgeschmacks, weil ich Listen liebe
Beim Zusammenstellen der Playlist ist mir aufgefallen, dass es bestimmte Kriterien gibt für meine Top Songs 2021, die sich wie ein roter Faden durch die Playlist ziehen. Deswegen liste ich sie hier einmal auf:
Ich muss ihn lauthals mitkreischen können während ich versuche in meinem Zimmer alleine ein Moshpit nachzustellen. Liebe Grüße an meinen Nachbarn im Erdgeschoss! Dazu eigenen sich besonders gut „Taximann“ von Schmyt, „Gras“ von Van Holzen und „brutal“ von Olivia Rodrigo
The Lyrics hit differently. Texte, die ich zum Beispiel sehr fühle sind „Halt“ von Goldroger, „diditagain“ von THALA und „1119“ von Edwin Rosen
Ich verbinde den Song mit einer bestimmten Situation. Schöne Erinnerungen bringen bei mir folgende Songs hervor. „ich mags“ von JEREMIAS teleportiert mich direkt wieder in den Sommer zurück. Ich liege in der Hängematte direkt an einem See in der Nähe von Göteborg. Ich lese ein Buch in der Sonne und ab und zu gehe ich mit Freunden zur Abkühlung im See schwimmen. Das funktioniert ähnlich gut mit „ocean view“ von easy life. Diesmal sitze ich allerdings am Pier in Saltholmen, dem Fährterminal in Göteborg, und warte auf die Fähre zu einer der Schäreninseln außerhalb der Stadt. Ok, zugegebenermaßen klappt es irgendwie mit Sommerszenarien am besten. „Farbiges Licht“ von International Music erinnert mich allerdings sehr an kalte, aber sonnige Wintertage im Februar und die Spiegelung eines warmen Sonnenuntergangs auf dem Meer, das mit kleinen Eisschollen gedeckt ist.
Sehr tanzbare Songs – in a groovy way. Da eignet sich eigentlich so ziemlich alles von den Parcels. Vom neuen Album „Day/Night“ ist es besonders „Comingback“ für mich. Mein all time favourite und auch dieses Jahr wieder ganz oben dabei ist „Music SoundsBetter With You“ von NEIL FRANCES.
Alles zum Mitfühlen, viben und einfach mal an nichts denken. „Lost in Thoughts“ von Zimmer90 und „Lovesong“ von Tussilago vertreten diese Kategorie.
Songs, die Nostalgie-Gefühle hervorrufen. Bestes Beispiel hierfür ist „Feels Like We Only Go Backwards“ von Tame Impala.
Songs, die sich perfekt zum Sonnenuntergang beobachten eignen. Zur Erklärung: Ich bin ein bisschen obsessed damit jeden Sonnenuntergang zu beobachten und bekomme fomo, wenn ich es einmal nicht schaffe einen guten Sonnenuntergang zu sehen. Meine Empfehlung in dieser Kategorie sind „kippers/curtains“ von EASY EASY und „Seeing Red“ von Mac DeMarco. Mein Liebling ist allerdings „Into your arms“ von Giant Rooks. Der Song erinnert mich an eine krasse Nacht in Stockholm, in der ich Sonnenuntergang und -aufgang in der kürzesten Nacht des Jahres beobachtet habe. Und das Ganze in einer Zeitspanne von drei Stunden. „Into your arms“ wirft mich direkt in diesen magischen Moment zurück und würde somit auch in Kategorie 3 passen.
Heja Sverige!
Dass ich dieses Jahr in Schweden gewohnt habe, macht sich ebenfalls bemerkbar. Wenn ich letztes Jahr noch dachte, dass die Sprache leicht komisch klingt für deutsche Ohren, habe ich mich dieses Jahr Hals über Kopf in sie verliebt. 24/7 schwedische Indie Musik zu hören hilft dabei enorm. Besonders angetan haben es mir die Bands Mares und bob hund. Letztere haben es sogar in meine CD-Kollektion geschafft mit ihrem Album „Jag rear ut min själ“ aus 1998, was sich in „Ich verkaufe meine Seele“ oder „Meine Seele ist im Angebot“ übersetzen lässt. Einfach ein toller Titel, oder? Die südschwedische Band hat es mir besonders für ihre ehrlichen, rauen und energiegeladenen Songs angetan. Sänger Thomas Öberg scheut nicht davor einfach mal ein paar Zeilen zu kreischen, auszurufen oder was auch immer ihm grad so in den Sinn kommt. Hauptsache es ist vollgepackt mit einer ordentlichen Portion Dramatik. Ich habe selten so authentische Musik gehört.
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Mein 16-jähriges würde mich wahrscheinlich dafür hassen, denn in meinen Teenie-Jahren habe ich jegliche deutschsprachige Musik verabscheut. Wenn man mich damals gefragt hätte, was ich so höre, hätte ich wahrscheinlich „Hauptsache nichts Deutsches“ geantwortet. Das hat sich zum Glück geändert, denn es gibt so viele verdammt gute deutsche Künstler:innen, die ich sonst verpasst hätte. Vor allem das textliche Genie hinter Goldroger-Songs zieht mich immer wieder aufs Neue in seinen Bann. Die „Diskman Antishock“-Trilogie ist ein bisschen wie eine Schatzkiste, in der ich bei jedem Hören neue Schätze entdecke. Von Harry-Potter Referenzen, Nostalgie-Schwärmereien bis hin zu philosophischen Fragestellungen verpackt in Computerspiel-Referenzen ist – selbst in einem kitschigen Liebeslied geht es bei Goldroger nie alleine um seine Gefühle. Es gibt immer mindestens eine weitere Ebene zu entdecken.
Neue und alte Liebe
Wie habe ich es bisher geschafft in den mehr als 1200 Wörtern nicht einmal meinen meistgestreamten Song zu erwähnen? Gute Frage, aber das wird jetzt schnell geändert. Ganze 59 Mal habe ich „Roccastrada“ von Luke Noa gehört. Ehrlich gesagt hört sich das gar nicht viel an, aber das könnte auch der Tatsache geschuldet sein, dass ich seine EP „Bleach“ rauf und runter gehört habe. Luke Noa ist einer meiner liebsten Newcomer:innen Entdeckungen des Jahres. Ich hab eine ungesunde Vorliebe für Künstler:innen, die nur 5 monatliche Hörer:innen auf Spotify haben. Es gibt mir irgendwie einen Adrenalinschub zu wissen, dass ich etwas Neues entdeckt habe. Gut, Luke Noa hat natürlich mittlerweile deutlich mehr Hörer:innen, aber die hat er sich auch deutlich verdient. Weitere Newcomer:innen, die mir sehr ans Herz gewachsen sind, sind Cinema Nova, Sweed, THALA und Zimmer90.
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Der Release, auf den ich mich, neben dem neuen Lorde und dem Leoniden-Album wohl am meisten gefreut habe, war die EP „Might Delete Later“ von Razz. Die Indie Rocker aus meiner Heimat haben nach 4 Jahren Funkstille mit leicht verändertem Sound wieder einmal mein Herz erobert und werden sich wohl dauerhaft dort einnisten. Meine Review zur EP findet ihr hier. „Complex Happenings Reduced To A Simple Design“ ist definitiv auf Platz 2 wiederzufinden. An dem Album beeindruckt mich besonders die Komplexität an Themen, die die Leoniden einfangen. Zum Release der Single „Blue Hour“ hat Sänger Jakob Amr mich mit seinem Statement zu Depressionen und Panikattacken total mitgenommen. Der Song fühlt sich seitdem noch tausend Mal persönlicher an und bestätigt, was ich auch schon vorher wusste: Die Leoniden sind für mich einer der authentischsten deutschen Indie Bands und einfach tolle Menschen!
Am Ende ist alles genauso durcheinander wie vorher
Lustigerweise habe ich am Anfang geschrieben, dass ich versuche meine Gedanken zu ordnen und habe das Gefühl jetzt nur noch ein größeres Wirrwarr in meinem Kopf und auf diesem Bildschirm produziert zu haben. Es gibt einfach zu viele gute Songs und Artists, die mich dieses Jahr begleitet haben, dass es fast unmöglich ist, allen in diesem Beitrag einen fairen Anteil an Platz einzuräumen. Also auch, wenn ich bestimmte Künstler:innen hier jetzt nicht erwähnt habe, möchte ich kurz festhalten, dass ich sie trotzdem genauso lieb habe. So, jetzt reicht’s aber auch. Chapeau an alle, die bis hier hin durchgehalten haben. Es ist Zeit, das Tagebuch wieder bis zum nächsten Jahr zu schließen. Für die volle Dröhnung aller meiner Lieblinge der letzten 12 Monate, geht’s hier zur Playlist:
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Um ehrlich zu sein, weiß ich gar nicht, wo ich überhaupt anfangen soll. 2021 war – a lot. Mein Spotify-Jahresrückblick war zwar alles andere als überraschend für mich, allerdings habe ich mich rückblickend sehr viel Neuem zugewendet. Neben meinen üblichen Hörgewohnheiten zu denen Sam Fender, Elliot Smith, The Smiths, Giant Rooks oder Nada Surf gehören, habe ich vor allem durch Untoldency sehr viel Neues konsumiert. Um mal ein paar Beispiele zu nennen: Novaa, Zimmer90 oder Mar Malade – an dieser Stelle ein Herzchen an meine Team-Kolleg:innen für den erstklassigen Content.
Indie-Pop Queens on repeat
Zugegebenermaßen habe ich bisher kaum weiblichen Künstlerinnen besonders große Aufmerksamkeit geschenkt. Das hatte mit diesem Jahr auf jeden Fall ein Ende. Schock-verliebt bin ich von einem Album ins Nächste gehüpft und ja – dass sah man spätestens in meinem Spotify-Jahresrückblick (girl in red macht da einfach den zweiten Platz?!). Daher kann ich gar nicht anders als zuerst über meine zwei liebsten Künstlerinnen aus diesem Jahr zu schwärmen. Arlo Parks und Holly Humberstone haben 2021 all meine Beachtung bekommen.
Arlo Parks – „Eugene“
Im Januar lief das Debut-Album von Arlo Parks „Collpased In Sunbeams“ bei mir rauf und runter. Ein unglaublich gutes Album, über das ich (fast) ein Jahr später immer noch nicht hinweg bin. „Eugene“ war der erste Song, den ich gehört habe und laut Spotify auch mein meistgehörter Song aus diesem Jahr. Arlo verarbeitet im Song ihre Gefühle für eine enge Freundin, für die sie Gefühle entwickelt hat, die allerdings nicht erwidert werden. Für mich ist der Song an Schönheit und Verletzlichkeit einfach nicht zu übertreffen. Im Video passiert szenisch nicht viel. Alles spielt sich in, auf und neben einem Bett ab. Es ist unfassbar passend, weil es visuell alle Emotionen verdeutlicht. Aber seht selbst.
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Neben Arlo Parks hat sich auch Holly Humberstone über BBC Introducing in der UK einen Namen gemacht – und das vollkommen zu Recht. Dieses Jahr hat sie ihre zweite EP „The Walls Are Way Too Thin“ veröffentlicht, die mich absolut nicht enttäuscht hat. Bereits letztes Jahr war ich obsessed mit ihrem Song „Overkill“, den ich bis jetzt noch auf Dauerschleife suchte. Möglicherweise muss ich zugeben, dass „Scarlett“ den Song abgelöst hat – zumindest für den Moment.
„We go together like bad British weather on the one day I made plans.“
Nun kam vor ein paar Tagen mein Dream-Collab raus: Sam Fender featuring Holly Humberstone mit einer Akustik-Version von „Seventeen Going Under“. Davon mal abgesehen, dass die beiden musikalisch unfassbar gut harmonieren, scheinen sie sich auch noch sehr gut zu verstehen. Sam hat ihr dann persönlich, im Zuge der Performance, die Neuigkeit überbracht, dass sie den 2021 BRITS Rising-Star-Awardverliehen bekommen hat. (Worauf sieerstmal mit „fuck off“ antwortete – irgendwie sympathisch.)
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Im Mai diesen Jahres veröffentlichte Luke Noa endlich seine erste EP „Bleach“. Ich glaube kaum ein Release hat mich dieses Jahr so emotional gemacht, wie diese fünf Songs. Wobei ich sagen muss, dass ich bereits Ende 2020 „Roccastrada“ auf Dauerschleife gehört habe. Zum Glück muss ich mich nicht für einen der Songs entscheiden, dass wäre nämlich unmöglich.
„Relief“ habe ich sicherlich am meisten von allen gehört und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass mir beim Hören nicht auch ein paar Tränen entflossen sind – eigentlich jedes Mal. Für mich ist es die Mischung aus den melancholischen Texten und Lukes unfassbarer schönen Stimme, welche die Emotionen der Songs ziemlich passend rüberbringt. So passend, dass ich das Gefühl habe, ich hätte selbst ein schmerzendes Herz. Aber genug von traurigen Songs. Auf der EP befinden sich ebenso (neben „Roccastrada“) zwei weitere Banger: „She Looms“ und „Bleach“. Da wären wir wieder bei meiner altbekannten Liebe für Indie-Rock angelangt. Fazit: sehr empfehlenswert. Ich warte bereits auf ein Album.
Weitere Release-Schätze aus 2021
So viel zu meinen absoluten Highlights aus diesem Jahr. Allerdings verspüre ich noch das Bedürfnis, ein paar Alben mit euch zu teilen, die dieses Jahr das Licht der Welt erblickt haben. Zu einem handelt es sich um das Debüt-Album von Inhaler „It Won’t Always Be Like This“, sowie das neue The War On Drugs Album „I Don’t Live Here Anymore“ (der Titelsong ist so genial) und girl in red’s Debüt „if i could make it go quiet“ (auch wahnsinnig tolles Album). Das neue Sam Fender-Album befindet sich selbstverständlich ganz oben auf meiner Liste. Rückblickend ein gar nicht mal so schlechtes Jahr, zumindest was die musikalischen Veröffentlichungen angeht. Trotzdem kann ich es nicht mehr abwarten, bis Konzerte wieder zur Normalität werden – live music just hits different.
Da ich hier aber nicht alles erwähnen kann, habe ich mal eine Playlist mit meinen liebsten Releases aus diesem Jahr erstellt.
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Das Jahr neigt sich dem Ende zu, Weihnachten steht vor der Tür. In einer Zeit, in der alle schon besinnliche Weihnachtslieder hören und sich den Kopf darüber zerbrechen, was sie Ihren Liebsten zu Weihnachten schenken, holt der Spotify Jahresrückblick 2021 alte Gefühle hoch und wirft mich zurück.
Das Daft Punk Drama
Als ich am 1. Dezember meinen Jahresrückblick auf Spotify gesehen habe, war ich wenig überrascht. „Instant Crush“ von Daft Punk war nun das dritte Mal in Folge auf Platz eins meiner Top Songs. „Random Access Memorys“ auf Platz eins meiner Top Alben. Ich denke, ich kann mich outen: Ich bin ein großer Daft Punk Fan.
Anfang 2021 habe ich „Random Access Memorys“ als Platte zum Geburtstag bekommen, und ja, ich habe vor Freude geweint. Am 22. Februar 2021 entschied sich Daft Punk dann plötzlich dazu, ihre Trennung bekannt zu geben…WTF? An diesem Tag hat sich nicht nur die Hoffnung auf neue Musik in nichts aufgelöst, sondern auch mein äußerst unrealistischer Traum, das Duo einmal Live zu erleben. Auch wenn ich mir wirklich wünschen würde, dass der Abgang der beiden Legenden Thomas Bangalter und Guy – Manuel Homen – Christo unfair oder wenigstens unspektakulär gewesen wäre, es ist nicht möglich. Nicht mal dieser Wunsch wurde mir erfüllt.
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Schweren Herzens musste ich mir eingestehen: Daft Punk und unspektakulär passt einfach nicht zusammen. 07:58 Minuten haben eine Ära beendet. Mit einem Video seinen Abgang zu erklären hat auf jeden Fall Klasse. Zu meiner Enttäuschung: Es war ein verdammt gutes Video. Ganz im Stil vom Musikvideo zu „Veridis Quo“ entfernen sich die beiden Roboter voneinander, bis Thomas Bangalter durch den ausgelösten Selbstzerstörungsmechanismus explodiert (so wie meine Hoffnung).
Ob sie damals mit „Veridis Quo“ schon angedeutet haben, dass uns eine Trennung der beiden bevorsteht? Wäre möglich. Ich habe jedenfalls nicht damit gerechnet. Vielleicht ist bei mir am Ende des Videos auch die eine oder andere Träne der Trauer geflossen, als der letzte Part von „Touch“ eingespielt wurde und Guy–Manuel Homem-Christo allein in Richtung Sonnenuntergang geht. An sich kein besonders toller Start ins Jahr 2021, aber eine Trennung öffnet ja bekanntlich neue Türen, oder?
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Ich habe natürlich nicht aufgehört unendlich viel Zeit mit Daft Punk zu verbringen. Realisiert hatte ich die Trennung auch noch nicht, deswegen war ich verzweifelt auf der Suche nach einer Band oder Künstler*innen, die ähnlich klingen und vor allem noch aktiv sind. Nach langer Suche hatte ich leider niemanden gefunden, der die entstandene Lücke in meinem Herzen füllen konnte.
Schon beinahe aufgegeben, rettete das gute alte Spotify Radio meine Hoffnung. So stieß ich auf die Musik von Sébastian Tellier, ein meiner Meinung nach sehr guter Künstler, der großartige Musik schreibt. Dreimal könnt ihr jetzt raten wo er herkommt – richtig, aus Frankreich. Keine Ahnung was es ist, aber die Franzosen haben das Musikschreiben einfach verstanden. Der erste Song, den ich von oben genanntem Künstler zu Ohren bekam, war „The Look“. Alleine das Intro gab mir schon absolute Daft Punk Vibes: Synths, Gitarren, die Ähnlichkeit der Stimme zu Paul Williams bei „Touch“ – ich war schockverliebt. Auch so Dinger wie „L’amour et la violence“ oder „Sexual Sportswear“, die man locker mit „Contact“ und „Motherboard“ vergleichen könnte: Einfach geil!
Falls Ihr also auch noch in besagtem Daft Punk Loch hängt, Sébastian Tellier ist definitiv ein würdiges Trostpflaster. Natürlich klingt er nicht eins zu eins wie Daft Punk, das wäre schließlich langweilig. Nach einer Trennung sucht man schließlich etwas, dass sich von Altem unterscheidet, aber dennoch ähnliche Züge hat – trifft zu. Auf dem Album „Sexuality“ findet man auch Songs, die in eine ganz andere Richtung gehen. Beispielweise „Divine“ könnte man vom Synth Vibe im Intro mit „Melancholy Hill“ von den Gorillaz vergleichen. Ich sagte ja: Ein würdiges Trostpflaster!
Phase 2: Where is my Mind?
Juni 2021:
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(auch hier, einmal zum untermalen des geschriebenen hören)
Der Juni war gefüllt von sehr viel Klassik Rock. Wie hätte es denn auch anders sein können, ich war schließlich in der Wut-Phase angekommen.
Meine Gefühle gegenüber der Daft Punk Situation waren geprägt von Frustration. Stichwort: Where is my Mind? Meine Gefühlswelt plus die Sehnsucht nach den Zeiten, in denen ich noch behaupten konnte, dass Daft Punk eine existierende Formation ist, ergibt den perfekten Nährboden für die Pixies. „Where is my Mind“ lief im Juni sehr oft und außerdem war er so passend zu meiner Situation. Daft Punk hat sich getrennt, wo steht mir der Kopf? Wie kann ich damit am besten umgehen?
All diese Fragen schwirrten durch meine Gedanken und wurden von diesem passiv aggressiven Song unterstützt. Die Pixies hatten sich zwar damals in den 90ern auch mal getrennt, aber sind wenigstens mit gutem Vorbild vorangegangen und haben sich wiedervereinigt. Das Gleiche erwarte ich übrigens noch von Thomas Bangalter und Guy–Manuel Homem–Christo. Auch jetzt gerade beim Schreiben des Artikels: Ich erwarte es.
Phase 3: TikTok
August 2021:
Hört auf mich anzulügen, wir hatten alle mal diese Phase, in der wir Personen, die TikTok auf dem Handy hatten, als unglaublich peinlich bezeichneten. Was soll ich sagen? Ich benutze diese App mittlerweile sehr häufig und bin selber zu einer dieser Personen geworden, die als peinlich bezeichnet werden können. War mir aber egal, denn ich brauchte neuen Musik-Input. Spotify konnte mir nicht mehr das geben, was ich brauchte. Alles klang ab einem bestimmten Zeitpunkt gleich und bevor ich in irgendwelche DMs von Daft Punk Produzenten sliden konnte, um meiner unendlichen Enttäuschung und Trauer freien Lauf zu lassen, installierte ich halt TikTok.
Aber ganz ehrlich: Ohne TikTok gäbe es die Hälfte meiner heutigen Playlists nicht. Jetzt aber zum eigentlichen Thema: „Crime Wave“ von den Crystal Cales und HEALTH. Das erste Mal auf TikTok gehört, hat sich der Song mittlerweile in jede Playlist eingeschlichen und einen würdigen Platz zwei in meinen Top Songs erkämpft. Mein erster Gedanke zu diesem Song war: „Was ist das?!“ Doch irgendwie ging mir die Melodie nicht mehr aus dem Kopf und ich brauchte ohnehin mal wieder etwas Abwechslung, nachdem ich nun über Monate die Musik von Sébastian Tellier gehört hatte. Gesagt getan und die Obsession nahm ihren Lauf. Ihr fragt euch jetzt sicherlich, was denn an „Crime Wave“ so toll ist.
Nun ja, mein von Daft Punk geprägtes (und auch immer noch gebrochenes) Herz, welches höher schlägt, wenn Songs metallern und voll mit Synthesizern sind, wurde hier einfach abgeholt. Das Sympathische an diesem Stück: Es klingt so als würde nichts wirklich Sinn ergeben und doch passt trotzdem alles perfekt zusammen. Sowas überhaupt hinzubekommen, ist beeindruckend! Ob es mich ein bisschen getröstet hat? Ja schon. Denn ich habe den Song so gefühlt, dass ich für einen Monat ausgesorgt war.
Kein nächtelanges Geweine darüber, dass meine Lieblingsband sich getrennt hat. Nein! Eher nächtelanges Tanzen und Mitsingen, was sich bei diesem Song zwar etwas schwer gestaltet, da man die Wörter nicht unbedingt versteht, aber trotzdem irgendwie funktioniert. Naja, ich denke, ihr wisst, worauf ich hinaus will. Für einen Moment habe ich mal nicht an Daft Punk gedacht.
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Phase vier der Bewältigung einer Trennung ist ja bekanntlich die härteste. Man realisiert langsam, dass es vorbei ist, steht kurz davor zu akzeptieren, dass es wohl auch so bleiben wird. Genau das war bei mir im Oktober der Fall. Ich habe sehr oft das Album „Random Access Memorys“ gehört und vor allem auch sehr oft den Song „Within“.
Tiefgründig, traurig, wunderschön und: von Daft Punk. Aber nicht nur „Within“ lief auf Dauerschleife, auch Songs wie „Lose yourself to dance“ und „Instant Crush“ habe ich gestreamt, als gäbe es kein Morgen (gab es bei DaftPunk ja wirklich nicht *drops a tear*). Letzterem Song muss ich einfach mal öffentlich meine Liebe erklären. Es kommt sehr selten vor, dass ich einen Song wirklich über mehrere Jahre höre und nicht davon ernüchtert bin.
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Genau das ist bei „Instant Crush“ der Fall. Auch nach drei Jahren kann ich den Song hören, ohne dass ich mir denke: „Och nee, nicht schon wieder der!“ Ich liebe alles an diesem Song. Das Opening mit Palm Mute Gitarre, den Synth, die Stimme von Julian Casablancas, die Auflösung von Verse zu Refrain – einfach schön. Vielleicht bin ich auch das ein oder andere Mal etwas zu emotional geworden und es könnte auch ganz vielleicht sein, dass ich gerade hier sitze, „Instant Crush“ höre und mich erneut Frage, warum sich so ein Duo einfach so trennt.
Aber es geht ja um den Oktober und nicht um jetzt. Die Schwelle zur Akzeptanz hatte ich fast überwunden. Doch irgendwie war es noch eine lange Reise zum „Ich bin darüber weggekommen, dass sich meine Helden getrennt haben“.
Phase 5: Neuanfang
Dezember 2021:
Hallo und herzlich Willkommen zur Akzeptanzphase! Zehn Monate nach der Daft Punk Trennung – was mache ich jetzt? Oder besser gesagt: Was höre ich jetzt? Nun ja, ich kann zwar immer noch nicht behaupten, dass ich nicht mehr traurig über die Auflösung von Daft Punk bin.
Das große Aber folgt jetzt: Ich habe es akzeptiert und meine Musikwelt sogar noch ein bisschen erweitert. In den fünf Phasen habe ich viele neue und alte Künstler*innen für mich entdeckt. Meine Hoffnung, dass Daft Punk noch einmal ein Comeback startet, existiert irgendwo auch noch ein bisschen, aber falls die beiden Jungs jetzt doch keine Lust mehr auf die Musik haben, ist es auch in Ordnung für mich.
In meiner Trauerphase habe ich auch gar nicht wirklich realisiert, wie alt die beiden sind und wie lange es ihre Musik schon gibt. Ich meine, die beiden haben das Projekt 1993 in die Welt gerufen – das sind (Stand jetzt) 28 Jahre. Verdammt gute 28 Jahre. Was ich aber eigentlich sagen will: Daft Punk, ich lass es euch noch einmal durch gehen, dass ihr eure gemeinsame Karriere beendet habt. Die Musik die hinterlassen wurde, bereichert jeden Tag meine Seele und ich werde wahrscheinlich niemals damit aufhören, alle meine Freunde mit diesem Duo zu nerven. In dieser Hinsicht: Danke, dass ich meine Reise mit euch teilen durfte.
Das war’s fast schon wieder mit 2021 und jetzt bin ich dran, meinen musikalischen Jahresrückblick mit Euch zu teilen. Ich möchte Euch nicht nur von Songs, Alben und Künstler:innen berichten, die ich neu entdeckt, gefeiert oder auch nicht gefeiert habe, sondern auch von meinen Konzerthighlights 2021 erzählen.
Wer mich kennt, weiß ganz genau um meine Obsession mit der Musik der Beatles. Sie begleitet mich schon seit bald einem Jahrzehnt, beinahe unangefochten an der Spitze meiner Hörgewohnheiten und tauchen auch heute noch immer mal wieder in meinen Playlists auf. Aber nicht nur was das Hören betrifft, sondern auch beim Thema Songwriting und die Art und Weise, wie ich Musik spiele ist weitestgehend von ihnen (zumindest) inspiriert. Umso überraschender ist es daher, dass die Beatles in meinem diesjährigen Spotify Wrapped nicht unter den Top 3 meiner meistgehörtesten Künstler:innen wiederzufinden sind. Und daran hat das Jahr 2021 mit seinen musikalischen Ereignissen, die es für mich auf Lager hatte, eine erhebliche Mitschuld. Grund für die neue Konstellation meiner favourite artists sind aber keine expliziten Alben, sondern endlich mal wieder Konzerte!
Ein Album mit Enttäuschungspotential
Am Anfang des Jahres – muss ich zugeben – bin ich zu einem Dauerhörer der gesamten Diskografie von John Mayer mutiert. Seine Musik hat mich zwar auch schon im letzten Jahr, als ich erstmals auf ihn gekommen bin, ziemlich beeindruckt, Anfang 2021 habe ich aber angesichts eines schmerzenden Herzens das erste Mal das Gefühl gehabt, seine Texte zu verstehen.
Immer mal wieder schimmerten allerdings in sämtlichen Kompilationsplaylists so ein paar Early-bis-Mid-2000’s-Klischeelovesongs von ihm durch, die in ihrer Unangenehmheit teilweise nicht zu übertreffen sind. Irgendwann nach dem zwanzigsten Mal hören von der Line „Your Bubblegum Tongue“ in „Your Body Is A Wonderland“ kam mir dann das Kotzen und ich habe mich auf eine präzisere Auswahl von besseren Mayer Songs, die mehr Gitarrenvirtuosität beinhalten, beschränkt.
Im Juli erschien dann „Sob Rock“ und in der Hoffnung auf ein „New Light“ für neue, überzeugende Songs habe ich mir das Album direkt angehört und habe gemerkt, dass jene neue, überzeugende Songs auf dem Album gänzlich fehlten. Drei davon waren sowieso schon gefühlt vor 10 Jahren veröffentlicht worden (nicht wirklich, sondern 2018 & 2019) und dem Rest kaufe ich die 80er Nostalgie und die softe Ästhetik nicht wirklich ab. Klar, das Album hält, was der Titel verspricht. Wer aber Mayer‘s Bluesrock und mitreißende Gitarrensoli möchte, sollte die Hoffnung bei dem Album aufgeben. John Mayer war danach erstmal raus. So viel zu meiner musikalisch größten Enttäuschung von 2021.
Das erste Konzert seit Dezember 2019
Das erklärt aber immer noch nicht, warum die Beatles von ihrem ewigen Thron meiner Nummer 1 verstoßen wurden. Um eine Erklärung zu finden, erzähle ich jetzt von etwas bei mir mittlerweile sehr Rarem, etwas, was ich lange nicht mehr erlebt habe: Konzerte. Ein Konzert hat 2021 bei mir komplett auf den Kopf gestellt. Am 19. Juli war ich in Köln auf einem Picknick-Konzert von Giant Rooks. Mit der Unwetterkatastrophe im Nacken, musste das Konzert vom 15. auf den 19. verschoben werden, fand dann aber ohne Probleme unter freiem Himmel statt. Wieder ein Konzert anzutreten war erstmal komisch und es war etwas beängstigend, wieder unter Menschen zu gehen.
Das Konzept der Picknick-Konzerte war aber unfassbar ausgeklügelt umgesetzt und einfach nur perfekt. Ich war überrascht, wie sicher und frei ich mich während des ganzen Konzertes gefühlt habe. Nebenbei war alles reibungslos, unchaotisch und von Anfang bis Ende durchdacht geplant. Ganz zu schweigen vom Konzert selbst. Voller Energie und sichtlich erfreut über die Möglichkeit endlich wieder spielen zu können, haben Giant Rooks mit ihrer Show einen so guten Eindruck bei mir hinterlassen, dass ich Dauerhörer, praktisch Fanboy geworden bin – auch, wenn ich damit eher ein Spätzünder bin. Somit waren die im Juni erschienenen Rookery Live Tapes seither permanent in der Dauerschleife. Am besten finde ich davon übrigens „The Birth of Worlds“.
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Dass Sam Fender nächstes Jahr die legendäre Marke Wembley knackt, ist schon mal ein Zeichen dafür, dass er zu einem wirklich großen Musiker geworden ist. Umso seltener ist es dann jedoch, ein wirklich „kleines“, intimes Konzert von ihm erleben zu können. Dieses Juwel von Chance wurde mir im November zuteil, als ich in Berlin auf einem Clubkonzert von ihm dabei war.
Allerdings hätte der Abend schlechter nicht starten können. Berlin hat sich an diesem Tag von seiner kalten und windigen Seite gezeigt und es sich scheinbar zur Aufgabe gemacht, jeden freien Millimeter der Stadt mit Regenwasser zu füllen. Und als wäre das nicht schon genug, war die Location vollkommen überfordert mit den 700 Menschen, die am Konzert teilnehmen wollten. Nach einer Dreiviertelstunde Vollregnenlassen sind wir dann endlich reingekommen, hatten dann aber erhebliche Schwierigkeiten noch irgendwo im Club Platz zu finden – es war alles bis auf den letzten Quadratzentimeter voll mit Publikum. Eine eigentlich für ein Konzert ziemlich gute Ausgangssituation, innerhalb einer Pandemie und trotzt 2G dennoch abschreckend und beängstigend, zumindest für mich.
Als das eigentliche Konzert anfing, war der ganze Raum plötzlich mit einer ungeheuren Energie gefüllt, die alle vorherigen Negativeinflüsse komplett weggefegt hat. Die Beengung schien umgehend aufgehoben, man wollte sich bewegen und hatte eine wirklich gute Zeit. Nach dem dritten Song ging Sam Fender dann kurz von der Bühne, because he had to „take a piss“. Währenddessen hat seine Live-Band den Laden in Schacht gehalten und einfach weiterimprovisiert. Aber auch Mr. Fender himself hat im seinem Geordie Accent gute Stimmung verbreitet und ist persönlich und spaßig mit seinen Fans umgegangen.
Die Musik klang natürlich wie direkt von der Platte und gewährte keinen qualitativen Nachlass – es war der Wahnsinn. Nebenbei fällt einem dann immer ein: „Der Typ steht gerade 10 Meter weg von mir und spielt nächstes Jahr Wembley!“. Was für ein Feeling, was für gute Musik, was für ein hammer Konzert und – ja, trotz des Wetters und allem anderen – was für ein schöner Abend.
Dementsprechend hab ich auch sein im Oktober gedropptes Album „Seventeen Going Under“ geblastet. Biblical.
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Keine Angst, die sind direkt auf Platz vier gelandet und stellen immer noch einen großen Bestandteil meines Musikkonsums dar. Sie sind aber auf jeden Fall auch weniger greifbar, als Giant Rooks oder Sam Fender. Vielleicht liegt das an ihrem Legendenstatus. Oder daran, dass es sie schon lange nicht mehr gibt und die Hälfte der Besetzung nicht mehr lebt. Und vielleicht entfacht die vor kurzem herausgekommene Beatles-Doku „Get Back“ auch wieder neues Feuer. Das weiß aber nur der Spotify Rückblick vom nächsten Jahr.
Ich hasse Vorsätze für das kommende Jahr. Aber anhand der Musik, die ich höre sieht man, dass sich dort eine ausschließlich männliche Schiene durchzieht und das werde ich nächstes Jahr definitiv ändern.
Meine Lust auf das Jahr zurückzublicken, ist durchaus begrenzt. Ich könnte es vermutlich nicht einmal, weil mein Gehirn bereits alles verdrängt hat, was dem Wort „Lockdown“ nahekommt. Zum Glück liebe ich es, über Musik zu reden, zu schreiben und meine Expertenmeinung ungefragt mit der Welt zu teilen. Deshalb freue ich mich auf den einzigen Jahresrückblick, der meine Nerven aufbaut, statt ihnen zu schaden. Endorphine Go! Und ab in die Musiknostalgie des Jahres.
Mood des Jahres: 14-jähriges, pubertierendes, GenZ, Emo-Fangirl
Ich weiß nicht, woran es liegt, ob es womöglich eine kleine Identitätskrise ist. Aber ich habe in Ansätzen den Musikgeschmack eines pubertierenden Mädchens entwickelt, das nicht weiß, wohin mit ihren Herzschmerz-Gefühlen. Und Schuld daran ist vor allem Olivia Rodrigo. Ihr Album „Sour“ hat den Wunsch geweckt, in meinem Kinderzimmer lauthals und mit gebrochenem Englisch Lieder mitzusingen, von denen ich gerade noch verstehe, dass sie Breakup-Songs sind. Auch egal, worum es geht. Hauptsache, sie helfen mir über meinen Crush in der Schule hinwegzukommen, mit dem ich noch kein einziges Wort gewechselt habe. Neben einem großen BRAVO-Poster von Olivia Rodrigo hängen außerdem noch Bilder von Upsahl, Willow und Pinkpantheress über meinem Bett und genau in diesem Moment wird mir schlagartig klar, woher all diese irritierenden Gedanken kommen: TikTok! Dieses Jahr bin ich ins TikTok-Game eingestiegen und das hat mir eine neue Welt der Generation Z nähergebracht, die mir vorher nicht bekannt war. Resultat: ich höre plötzlich Indie-Pop und weine nachts ab und zu vor Liebeskummer in mein Kissen.
Neuentdeckung des Jahres: Schmyt
Eigentlich habe ich jedes Jahr einen „Ich bin geflasht“-Moment. Ich dachte, dieses Mal hätte ich ihn verpasst. Doch dann ist mir wieder die EP von Schmyt eingefallen. Keine Ahnung wie solche Musik überhaupt existieren kann. Denn die Musikalität, Kreativität und textliche Originalität auf „Gift“ machen mich fassungslos. Kurz: ich wünschte, ich hätte diese Lieder geschrieben. Ich lege mich emotional unglaublich gerne in düstere, leicht depressive Stimmungen und die bringt Schmyt auf den Punkt. Dazu Hip Hop Beats, denen es nicht an Musikalität mangelt und dann noch alles auf Deutsch, ohne platt zu wirken. Wie sollen deutscher Hip Hop und vor allem er selbst mit dieser EP zukünftig noch mithalten? Wie gesagt, ich war und bin noch immer geflasht. Vermutlich würde ich dieses Tape als meine Lockdown EP bezeichnen. Düster und leicht depressiv passt in jedem Fall zum Anfang des Jahres.
Song des Jahres: Jorja Smith – Burn
Meine Entdeckung des Jahres 2018 hat dieses Jahr eine EP rausgebracht, die mich zuerst enttäuschte, in die ich mich dann aber doch noch ganz schön doll verschossen habe. Jorja Smith hat auf „Be Right Back“ die großen Popklänge des ersten Albums für einen minimalistischen, intimen Sound ausgetauscht. Nachdem ich mich langsam reingehört habe, bin ich in der Gefühlswelt dieser Platte versunken. Der leicht hypnotisierende Beat von „Burn“ und die weiche, leicht weinerliche Stimme von Jorja Smith catchen mich jedes Mal. Wenn der nächste Lockdown mich zu einem Song auf Repeat zwingt, höre ich „Burn“ in Dauerschleife und werde wieder zum 14-jährigen Teenager, der ins Kissen weint. *cryemoji*
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Damn it! Mein Song des Jahres war strategisch nicht clever. Um nicht erneut die gleichen Sätze über „Be Right Back“ schreiben zu müssen, erweitere ich einfach meine Liste zur Top 3. Und dieses Ranking offenbart, dass ich scheinbar auch ohne GenZ-TikTok-Künstler:innen Herzschmerz Musik mag. Denn Jorja Smith wird ergänzt durch London Grammar „Californian Soul“ und Joy Crookes„Skin”. Soulige Frauenstimmen über melancholischer Popmusik – shit, mein einfältiger und vorhersehbarer Musikgeschmack wurde entlarvt. Nichtsdestotrotz, alle drei Platten überzeugen mit einem warmen Sound, viel Kaminfeuer Atmosphäre und zarten wie kraftvollen Stimmen. Dabei erscheinen nicht nur Heartbreak Anthemns auf den Alben, sondern überwiegend gesellschaftliche und politische motivierte Songs, die die Qualität dieser Musik inhaltlich zusätzlich unterstreichen.
Musikvideo des Jahres: Olivia Dean – The Hardest Part
Eine Rubrik des Jahres musste ich mir noch ausdenken, um meine letzte Entdeckung und aktuelle Lieblingsstimme unterzubekommen. Ich bin großer Fan von Musikvideos und habe dieses Jahr zahlreiche gute und aufwendig produzierte Videos gesehen. Der denkwürdigste Moment, der sich in die Rückseite meiner Augäpfel gebrannt hat, war wohl Lil Nas X, wie er dem Teufel im Video zu „Montero“ einem Lapdance gab. Dennoch sehe ich dieses Mal von den pompösen Visuals ab und küre Olivia Dean zur Siegerin. Die Stimme ist, wer hätte es gedacht, von Soul durchtränkt, mit etwas Jazz angereichert und in schöner Popästhetik verpackt. Das Video von „The Hardest Part“ ist nicht super actionreich, aber unglaublich sympathisch. Olivia Dean singt im Retro Look authentisch ihren Song und mimt zugleich im Hintergrund ihre eigenen Backgroundtänzerinnen. Das Lachen der Sängerin und der Song catchen mich in Kombination so sehr, dass der Minimalismus dieses Jahr gewinnt.
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Ehrlicherweise sind es zwei Momente, die dieses Musikjahr unabhängig von den neu entdeckten Liedern und Alben besonders gemacht haben. Zum einen ist das die neu gewonnene Plattform, die mir ermöglicht mein Musiktagebuch endlich mit der Öffentlichkeit zu teilen, anstatt es einsam in meiner Harry Potter-Fanbox in der Ecke meines Altbauzimmers vergilben zu lassen. Dank Untoldency muss ich für meine Therapiesitzungen nicht mehr bezahlen, sondern schreibe einfach all meine Empfindungen, in musikalischen Content verpackt, auf eine Seite im Internet.
Zum anderen habe ich es endlich geschafft, meine eigene Musik auf Spotify zu veröffentlichen. Das ist rein technisch kein großer Akt, aber emotional dann doch ein kleines bisschen. Naja, das muss niemanden groß interessieren. Nur so viel sei gesagt, ich beschreibe meine Lieder mit: Schmyt auf Wish bestellt.
Fazit des Jahres
Ich habe das ganze Jahr auf meine persönlichen großen Musikmomente gewartet und irgendwie habe ich sie nie so richtig wahrgenommen. Rückblickend merke ich, da waren schon ein paar Glanzmomente am Horizont. Einen besonders großen Raum in meinem Musikjahr haben Teenie-Stars und Frauenstimmen eingenommen. Wer mein Jahr in Liedern nachverfolgen möchte, findet die most important ones in der folgenden Playlist. Aber seid gewarnt! Wenn ihr euch dabei wiederentdeckt, wie ihr eure Fingernägel schwarz lackiert, während ihr „good 4 u“ von Olivia Rodrigo hört und Dartpfeile auf das Bild eures Ex-Partners werft, bin ich nicht daran Schuld!
Wenn man meinem Spotify Wrapped Audio Vibe Check Glauben schenken mag, ist mein diesjähriger musikalischer Vibe von Wehmut und Euphorie geprägt. Als ich das gelesen hab, musste ich erst mal lachen. Nicht weil es nicht passt, sondern, weil dieser Vibe Check nicht nur meine im vergangenen Jahr gehörte Musik widerspiegelt, sondern auch mein letztes (aber wahrscheinlich auch das vieler anderer) mehr als passend beschreibt. Ob „wehmütig“ und „euphorisch“ als Beschreibung jetzt paradox oder logisch ist, sei jedem selbst überlassen. In diesem Jahresrückblick stelle ich einige meiner meistgehörtesten und bedeutsamsten Artists vor, bei denen ich es mir nicht verzeihen könnte, diese nicht in die Welt hinauszutragen.
there is no guilt in pleasure
First of all, muss ich zugeben, dass im vergangenem Jahr wohl eher der wehmütige Part dominiert hat. Es ist fast ein bisschen peinlich, wie viele Abende ich mit German-Doomers-Youtube-Playlists verbracht habe. Aber, ich versuche mir einfach immer einzureden: there is no guilt in pleasure. Oder so ähnlich zumindest. Auch wenn ich mich jetzt nicht gerade mit der Symbolik des Doomers identifizieren kann, fiel es mir erstaunlich leicht sämtliche Playlists immer und immer wieder durchzuhören. Manchmal braucht man das eben. Und manchmal braucht man das auch ein bisschen mehr. And that’s okay! Wunderschön melancholische, kaputt klingende New Wave/Post Punk Songs, mit den schönsten Bass-Lines überhaupt.
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Allen voran, in der deutschen ((New)New) Wave Szene, ist aktuell wahrscheinlich Edwin Rosen. Mit leichter//kälter bekam der Stuttgarter schon im letzten Jahr mietfrei Plätze in meinen Playlists, Ohren und meinem musikalischen Herzens (wow, wie dramatisch). Mit der Ende September erschienenen EP „mitleerenhänden“ und den insgesamt fünf Tracks, welche mit dieser einhergehen, konnte er diese Plätze easy festigen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wenn der namensgebende Song „mitleerenhänden“ nicht der zuletzt veröffentlichte Song der EP gewesen wäre, dieser mein meistgehörtester Track 2021 geworden wäre.
Edwin Rosen & Flawless Issues at Oetinger Villa
Schaut man sich etwas weiter in der aktuell immer populärer werdenden, deutschen Retrowavebewegung um, wird man direkt neben Edwin gleich auf Max Philipp, alias Flawless Issues stoßen. Er selbst beschreibt seine Musik als Surfgoth und Hyperwave. Sein Song „Cut the Rope“ sowie sein Darkwave-Cover „Good Vibrations“ von The Beach Boys haben es mir besonders angetan und liefen, mit den anderen drei auf Spotify veröffentlichten Songs, über das gesamte Jahr verteilt immer wieder in Dauerschleife.
Wie vorhin schon verraten, habe ich einiges an Zeit auf Soundcloud verbracht. Ein Artist, welcher mir besonders im Kopf und Ohr umher schwirrt, ist diggidaniel. Die Tracks von diggidaniel liegen alle irgendwo zwischen New Wave, House und Pop. Einer meiner meistgehörtesten Songs trägt den schönen Namen vergiss nicht wer du bist (den kannst du hier hören) und ist auch sein bisher erfolgreichstes Piece auf Soundcloud. Mein Nr. 1 Toptrack auf Soundcloud ist ebenfalls von ihm und heisst hilflos vor dir. Und das, obwohl dieser Hit gerade erstmal drei Wochen alt ist. Und das, meine Freunde, heisst schon etwas. Erfreulicherweise ist hilflos vor dir auch der erste Track, welchen diggidaniel auch auf Spotify veröffentlicht hat.
Wie sollte es auch anders sein, stammt mein liebstes Album des Jahres 2021 ebenfalls aus der „German-Doomers/Retrowave-Bubble“. Mit seinem Album „Rot“ hat Levin Goes Lightly bei mir vor allem mit wunderschönen Lyrics und der perfekten Unperfektheit schwer Eindruck hinterlassen.
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Jetzt komme ich zu einem Artist, bei dem es einfach weird wäre, wenn ich ihn nicht in meinem Jahresrückblick erwähnen würde. Weird deshalb, weil mich wohl keine anderen Artists so geprägt haben, wie dieser. Und wenn dieser Artist dann auch noch ein Album raushaut, muss man einfach davon schreiben.
Die Rede ist natürlich von unserem Lieblingspfälzer, welcher auf den Namen Drangsal hört. 2016 habe ich total zufällig den Release von Harieschaim mitbekommen und vor allem Lieder wie Der Ingrimm oder Will ich nur dich haben mich voll und ganz gepackt. Damals war Drangsal noch irgendwie die Grumpy Cat der deutschen Indieszene (shame on me für diesen schrecklichen Vergleich) und hat mich, als damals 14-Jährige, mit dieser speziellen art total fasziniert.
Aber jetzt genug Geschwafel; Drangsal hat sich im August mit dem Album „Exit Strategy“ zurück gemeldet. And I can not deny, ich war skeptisch. Bei den ersten Singlereleases war ich sogar schon fast etwas enttäuscht. Was ist bloß aus dem etwas vorlauten, rauchenden Bub geworden? Im Nachhinein kann ich sagen, er ist halt obvious einfach erwachsen(er) geworden.
Ich musste mich selbst erstmal wieder daran erinnern, dass es GUT ist, wenn sich Künstler*innen und Bands weiterentwickeln und eben NICHT nur die Musik machen sollten, die von ihnen erwartet wird, selbst wenn sie nicht mehr denselben Sound haben, durch welchen man sich damals so in diese Band/Artists verknallt hat. Als ich mir diese Phrase nochmal selbst verdeutlicht habe und versucht hab, das Album aus einem neutraleren Standpunkt zu hören, hat es dann auch bei mir sofort „Klick“ gemacht. Und spätestens als ich Drangsal beim Popkulturfestival, einen oder zwei Tage nach Release die neuen Songs live performen gesehen hab, hab ich einfach gemerkt wie gut das ganze alles dem neuen Drangsal steht.
Highlight
Kommen wir zu meinem Highlight. Und das ist nicht etwa meine meistgehörte Platte, sondern die, die im vergangenen Jahr für mich am einprägsamsten war. Keine Platte hat mich 2021 so beschäftigt wie verstehst du nein gut von Tom Taschenmesser. Es ist für mich schon irgendwie etwas mental anstrengend, die EP zu hören. Nicht, weil sie so schrecklich schlecht, oder ähnliches wäre. Ganz im Gegenteil, die Platte ist sowohl musikalisch, als auch lyrisch unglaublich gut. Fast zu gut. Die Lyrics hämmern nämlich einfach direkt mitten auf die Seele und hinterlassen dort bleibenden Eindruck. Eine ausführliche Review findest du übrigens hier.
Wo ist die Euphorie?
Mit dieser Überschrift habe ich nicht nur die Band Trümmer zitiert, nein, das ist auch eine Frage an mein Spotify Wrapped. So richtig viel Euphorie habe ich in meinen Top 100 ehrlich gesagt nicht gefunden. Wenige, sind allerdings dann doch vorhanden.
Denn wenn ich dann mal “happy” Songs gehört habe, dann auch auf voller Lautstärke und in Dauerschleife. Und wenn ich Dauerschleife schreibe, meine ich es auch so. Stunden(bis Tage)lang derselbe Song, ohne Pause? Kein Problem für mich. Und ja, ich wurde auch (berechtigterweise) des öfteren gefragt, warum ich das so mache und wie ich das aushalte, but what can I say; ich habe keine Ahnung.
Also; wer es bis hierhin geschafft hat, kommt jetzt in den Genuss, meine wenigen, aber dafür umso besseren euphoric Songs kennenzulernen. Den Anfang macht Declan McKenna mit Why do you feel so down? (Ok, Wow, was für ein euphorischer Titel). Declan habe ich ziemlich zeitgleich mit einer meiner Lieblingsbands Wallows entdeckt, welche es auch immer wieder schaffen meine Stimmung aufzuhellen. Ebenfalls ganz weit oben in meiner Liste ist Luis Ake mit Umweg zu finden. Eine Künstlerin die ich auch schon seit letztem Jahr mit ganzer Kraft verfolge, ist Verifiziert. Mein absoluter Favorit ist und bleibt Rote Gauloises, wobei ich auch alle anderen Tracks wärmstens empfehlen kann.
Wenn ich schonmal bei deutschsprachigen female Artists bin, komme ich keinesfalls an Alli Neumann vorbei. Vor allem die Tracks Bike Boy und Madonna Whore Komplex haben’s mir angetan. Eine weitere deutsche Newcomerin, die mir dieses Jahr ans Herz gewachsen ist, ist Girlwomen. Let me be honest, als ich Rote Riesen schlafen nicht das erste mal gehört hab, hatte ich ein paar Tränen in den Augen. So ein wunderschöner Text, mit einer noch kraftvolleren Stimme.
So schlimm war’s nicht
Glücklicher Weise kann ich sagen, dass mein Jahr gar nicht so arg schlimm war, wie mein überwiegend melancholischer Rückblick vermuten lässt. Ich bin total happy, seit diesem Jahr ein Teil des Untoldency’s sein zu können. Ausserdem kam dieses Jahr wieder so viel gute Musik raus! Das kann einen doch nur freudig stimmen. Man kann erahnen, dass meine Liste an Artists und Bands eigentlich noch um einiges länger wäre. Leider, leider, kann ich nicht alle aufzählen und auf diese eingehen. Sonst würde ich wahrscheinlich nie ein Ende finden. Aber keine Angst, ich hab hier natürlich noch eine Playlist, passend zu meinem Jahresrückblick. Feel free to enjoy it!
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