Kategorie: untold music

  • KYTES erwecken mit „the beat is on hold“ müde Tanzbeine wieder zum Leben

    Laaang ist’s her: Nachdem sie im Februar 2020 zu einem für sie (wie sich dann im Nachhinein herausstellte) denkbar bescheidenen Zeitpunkt ihr Album „Good Luck“ veröffentlichten, war es musikalisch ruhig geworden um die KYTES. Doch die Zeit der Trübsal ist vorbei, juhu! Vor knapp zwei Wochen erschien nämlich ihre neue Single „the beat is on hold“. Und die gehört wegen ihrem erfrischenden Sound und dem lyrischen Augenzwinkern ab sofort in jede Gute-Laune-weil-Sommer–lass-mal-tanzen-Playlist. Wieso das so ist, erfahrt ihr jetzt von Jule. Kostenloser Profitipp: Entstaubt eure Tanzschuhe, sie wollen wieder benutzt werden.


    Wir wissen alle, dass die KYTES inzwischen eine feste Größe in unserer geliebten Indie-Bubble sind. Und auch ich zähle mich absolut zu den langjährigen Fans der Jungs. Ich schäme mich fast es zuzugeben, aber bevor ich sie Anfang Juli 2021 bei den Acoustics Concerts endlich mal wieder auf einer Bühne erleben durfte, habe ich die KYTES das letzte Mal im Sommer 2017 (!) live gesehen. Das sind 4 Jahre, wow… Eindeutig ein viel zu langer Zeitraum, kommt nie wieder vor, versprochen! Wer noch nie bei einer Show von ihnen war, dem sei das hier mit Nachdruck ans Herz gelegt (Tickets für die Tour im Winter gibt’s übrigens hier, gern geschehen).

    Bei ihrem Acoustics-Konzert haben die KYTES aber nicht nur ältere Songs von EP’s und die des aktuellen Albums „Good Luck“ (was übrigens zu meinen Top-Alben des letzten Jahres zählt und deshalb auch in meinem Jahresrückblick 2020 vertreten ist) gespielt. Sie haben auch ihre neue Single „the beat is on hold“ angekündigt und direkt präsentiert. Tja, ich sag’s euch wie es ist: Ich habe den Refrain seitdem pausenlos vor mich her gesummt. Ohrwurm at it’s best. Als ich dann endlich auch die produzierte Version hören durfte, gab es absolut kein Halten mehr. Jenes Wochenende bestand für mich einzig und allein aus diesem Song. Ich weiß nicht mal mehr, ob ich in dieser Zeit etwas gegessen habe? Samstagnacht um 3 Uhr habe ich jedenfalls mit „the beat is on hold“ auf den Ohren für ca. eine Stunde vor dem offenen Küchenfenster wild meine legs geshaked und mit lautlosen Lipsyncs so richtig einen weggefeiert. Manchmal brauche ich das einfach.


    „But can we really work it out
    would mean so much more“


    Schon die ersten Takte von „the beat is on hold“ zwingen mich förmlich, aus meinem ca. 100-jährigen Pandemie-Schlaf aufzuwachen. Schon lange hat mich ein Beat nicht mehr so krass abgeholt. Diese Kombination aus Synthies, Drums, Gitarren und den Melodien… Also wenn die KYTES etwas können, dann das – i’m all in. Textlich verarbeiten Michael, Kerim, Timothy und Thomas während des Lockdowns entstandene Hypes wie Bananenbrot backen und exzessives Home-Workouts. An dieser Stelle sei mir dann auch noch eine kurze Zwischenfrage gestattet: Hat eigentlich schon irgendwann einmal irgendjemand das Wort „hold“ geiler und/oder melodischer gesungen als Michi es im Refrain tut? (NEIN!!) Ich glaube, dass 90% meines wochenendlichen Ohrwurms aus seiner Stimme bestanden, die immer und immer wieder dieses Wort gesungen hat. Das klingt vielleicht seltsam, aber hört es euch an und ihr werdet verstehen. Ich lieb’s jedenfalls total. 💚

    Aber zurück zum Song: Die KYTES erinnern neben allem Augenzwinkern aber hauptsächlich auch daran, dass während der Pandemie verdammt nochmal die komplette Kunstszene stillstand bzw. teilweise immer noch stillsteht. Das zeigen sie auch sehr eindrucksvoll im dazugehörigen Musikvideo, das sie im Strom, Knust und in der Muffathalle gedreht haben. In diesem Video zeigen die KYTES aber auch unfassbar viele Fotos von den leeren Bühnen unseres Landes. Und das schmerzt bei einer leidenschaftlichen Konzertgängerin wie mir echt nochmal ganz anders.


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    Doch trotz seiner Thematik und der für mich echt traurigen videografischen Verarbeitung ist „the beat is on hold“ absolut kein „klassischer Corona-Downer-Song“, ganz im Gegenteil. Und das, obwohl es für die KYTES am Anfang der Pandemie schwierig war, Inspiration für neue Musik zu finden. Ihre Tour wurde zweimal verschoben, sodass sie das gerade erschienene Album nicht live präsentieren konnten. Geht’s noch deprimierender? Am Ende des Tages ist „the beat is on hold“ deshalb ihr Ruf nach Normalität, so positiv und aufbauend wie möglich. Und wie man es eventuell schon erahnt, mich hat der Song extrem aufgebaut. Er ist unfassbar spritzig und wird durch die humorvollen Lyrics auch nach dem 400. Mal auf Repeat hören nicht langweilig oder gar nervig – glaubt mir, ich spreche da aus Erfahrung.

    Leider hat der Song für mich aber ein kleines Manko, er ist nämlich nach nur 2:26 min. schon wieder vorbei 🙁 Ich weiß, Spotify-Algorithmus und so, sehr viele neue Songs sind momentan eher kürzer als länger. Aber: Gerade wenn ich so richtig in Fahrt bin, ist es halt auch schon wieder vorbei. Ich glaube, für mich liegt die perfekte Songlänge eher so bei mindestens 3:00 min. (falls es jemanden interessiert). Ich bin wirklich sehr dankbar für jeden veröffentlichten Song auf dieser Welt und ich verstehe den Struggle der Künstler:innen total, aber mich als Hörerin stören „zu kurze“ Songs irgendwie. Deshalb: Hey Spotify (i know you’re reading), änder deinen Algorithmus bitte, danke. Und vielleicht haben die KYTES den Song ja auch ganz bewusst und ohne Gedanken an den Algorithmus kurz gehalten und ich bin völlig umsonst abgedriftet, who knows?

    Wie dem auch sei. Nach diesem energetischen „Hallo, da sind wir wieder“ der KYTES bin ich jedenfalls schon jetzt ziemlich gespannt, was für grandiose Werke sie während der Auszeit noch so gezaubert haben. An dieser Stelle möchte ich auch noch einmal hervorheben, dass die Jungs über ihr eigenes Label Frisbee Rec. alles DIY produzieren und releasen. Das ist schon ein ganz besonders schöner Spirit, wie ich finde.


    So, aber nun muss ich mich leider ausklinken, mich meiner Obsession hingeben und „the beat is on hold“ streamen. Könnt (und solltet) ihr auch tun und zwar direkt hier:

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    Fotocredit: Florian Moshammer

  • Eine Portion Wellness für die Seele: Amilli mit „Hazy Days“

    Neo-Soul, R’n’B und ein bisschen Pop – genau diesen Mix liebe ich an Amilli’s Musik. Deswegen war ich auch ziemlich hyped als ein neuer Song angekündigt wurde. Mit „Hazy Days“ knüpft die Sängerin ihren einmaligen Amilli-Sound von „Pulling Punches“ an. Was ich von dem Song halte, lest ihr hier.

    Mit „Rarri“ gelang Amilli im Jahr 2018 der virale Durchbruch, sie gewann den 1Live Förderpreis und veröffentlichte ein Jahr später ihre EP „Wings“. Im Oktober 2020 folgt EP Nr. 2 mit „Pulling Punches“ und eine stetig wachsende Fangemeinde. Man kann Amilli also wohl getrost zugestehen, dass sie sich seit Anfang ihrer Musikkarriere auf keinen Fall auf die faule Haut gelegt hat.

    „Ich bin so zufrieden und glücklich mit diesem Song und ich weiß, dass ich das fast immer sage, aber das ist wirklich mein liebster Song, den ich bis jetzt veröffentlicht habe. Es ist schwer zu beschreiben, aber er spiegelt irgendwie genau wider, wie ich mich momentan fühle.“

    Während es thematisch in „Pulling Punches“ eher um Beziehungen und die Rolle einer Frau in der Gesellschaft geht, wie Amilli im untoldency-Interview Anfang dieses Jahres erklärt, ist „Hazy Days“ ihr selbst gewidmet. Im Song geht es um den Prozess zu sich selbst zu finden. Sie appelliert dazu, mehr Energie in die Beziehung zu sich selbst zu stecken und auf sich Acht zu geben. Ich habe beim Hören das Gefühl, dass sie mich schon fast persönlich anspricht. Vermutlich liegt das am entspannten Hintergrund-Bass, der Amilli’s Stimme in den Vordergrund rückt und auf eine positive Art aufdringlich wirken lässt.

    Im Musikvideo kommt diese Message perfekt rüber! Das Video ist eher reduziert. Es ist nur Amilli zu sehen. Sie ist halt eben alleine mit sich selbst und schaut des Öfteren mal etwas verloren und lieblich in die Kamera. Ästhetisch holt mich das Video genau da ab, wo der Song bereits angefangen hat.

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    „I ‚m always trying to love every inch of me but sometimes life is one step ahead of me“

    Der Song startet zwar recht gedämpft, schafft es aber auf irgendeine Weise super atmosphärisch und locker ein gutes Gefühl zu hinterlassen. Dazu kommen Appelle an die Selbstliebe, formuliert durch Dinge, die Amilli sich wohlfühlen lassen. Ich fühle mich teilweise etwas ertappt und sehe mich in den Mustern wieder, die sie beschreibt. Kein Wunder bei einem so persönlichen Song!

    “Mittlerweile stecke ich immer mehr von mir in meine Songs und dadurch wird es immer aufregender und auch ein bisschen beängstigend diese dann zu veröffentlichen. Es macht verletzlicher, was gleichzeitig eine sehr schöne Sache ist. Vor allem in diesen komischen Zeiten, leben wir glaube ich alle mehr in unseren Köpfen, als es vielleicht gesund ist und Hazy Days fühlt sich für mich an, wie eine große Umarmung und ich hoffe, dass der Song das gleiche auch bei dem ein oder anderen auslösen kann“

    Also ich fühle mich wirklich sehr herzlich und aufrichtig umarmt von dem Song. Er hinterlässt bei mir ein wohliges Gefühl und schafft eine Komfortzone ohne zu überfordern. Für mich einfach ein richtiger Wohlfühl-Song mit einer tollen Message!

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  • Kaltenkirchen und die „PHASE 3: IMMER NOCH“-EP: Ein hoffnungsvoller Selbst-Appell

    Sie haben es versprochen und sie haben geliefert: Kaltenkirchen haben (ehrlicherweise schon vor einem Monat, upsi) die „PHASE 3: IMMER NOCH“-EP veröffentlicht. Sie ist die dritte von vier EPs, die in einem 7-wöchigen Rhythmus erscheinen und jeweils 3 bis 4 Songs beinhalten. Thematisch werden die Phasen, die Sänger Philip Maria Stoeckenius mit seiner Panik verbindet, und der Umgang damit behandelt. Die Review zum ersten Teil, der „PHASE 1: PANIK“-EP, könnt ihr hier nachlesen, zur Review der „PHASE 2: EISZEIT“-EP geht’s hier. Und auch, wenn wir die Veröffentlichung der finalen EP schon förmlich riechen können, möchte Jule eure Ohren doch nochmal um Aufmerksamkeit für die „PHASE 3: IMMER NOCH“-EP bitten. Es geht um Zukunftsängste und Selbstzweifel – aber vor allem um Hoffnung.


    Erstmal ist es schön, dass wir uns wieder hier versammelt haben, um gemeinsam Musik von Kaltenkirchen zu genießen. So ein bisschen habe ich mich ja an die Regelmäßigkeit gewöhnt. Auch wenn meine Zeit, neuer Musik meine gewohnte Aufmerksamkeit zu schenken, gerade etwas eingeschränkt ist. Manchmal kommt einfach das Leben dazwischen, wir kennen es alle. So langsam fängt alles wieder an so zu werden, wie es 2019 war. Nur leider habe ich persönlich ein bisschen verlernt, wie ich 2019 war. Die Entschleunigung der letzten 1,5 Jahre hat mich irgendwie „lebensunfähig“ gemacht. Die einfachsten Sachen (wie eben entspannt neuer Musik zu lauschen) überfordern mich und mein Zeitmanagement. Das klingt wahrscheinlich dramatischer als ich es meine. Denn gefühlt geht es meinem kompletten Umfeld so. Ein Tag bräuchte gerade mindestens 60 Stunden, damit ich irgendwie hinterherkommen könnte. Das ist auch einfach der Hauptgrund, warum dieser Artikel zu Kaltenkirchens „neuer“ EP erst einen Monat nach Release erscheint. Aber gut, genug gejammert. Lasst uns jetzt mal gemeinsam in „PHASE 3: IMMER NOCH“ reinhören, denn – Spoiler – es lohnt sich mal wieder!


    Euphorie vs. Frust

    Der erste Song der EP ist auch gleichzeitig der namensgebende Track der EP: „IMMER NOCH“. Er beginnt mit einer für mich ganz bisschen überraschenden E-Gitarre, zu der sich im Verlauf dann fetzige Synthie-Beats gesellen. Textlich beschreiben Kaltenkirchen Zukunftsängste, Selbstzweifel und Leistungsdruck, die die Panikattacken mit sich bringen. Es geht aber auch darum, genau diesen Ängsten und Zweifeln den waffenlosen Kampf anzusagen. „Denn ich weiß immer noch nicht was ich machen muss, um mit mir klarzukommen. Doch ich erkenn‘ mich, auch wenn’s manchmal schwer ist“. Diese Zeilen beschreiben den Song und das Gefühl zu 100 % (well done!) – den Zwiespalt zwischen Euphorie und Frust. Man kehrt langsam zu sich zurück, geht zwei Schritte vorwärts in die richtige Richtung, aber fällt doch wieder einen zurück oder stagniert. Da geduldig und stark zu bleiben und weiter die Kraft zu haben, durchzuhalten, muss unfassbar zehrend sein. Aber die Zeile „Denn ich weiß, wohin ich mit mir will“ zeigt eben auch, dass Kaltenkirchen sein Ziel nie aus den Augen verliert. Vielleicht weiß er noch nicht wie, aber dafür umso mehr, dass er es schaffen wird. Das spiegelt sich auch im gesamten Sound von „IMMER NOCH“ wider: Der ist nämlich grundlegend positiv und beschwingt, hat aber auch seine ruhigen Momente, die den Inhalt des Songs absolut auf den Punkt bringen.

    Zu „IMMER NOCH“ gibt es übrigens auch ein Musikvideo, das einige sehr geile Schmunzler versteckt hat. Könnt ihr euch hier anschauen, swoosh:

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    Hoffnung vs. Unsicherheit

    Weiter geht es mit „LICHT“, den ich persönlich noch stärker finde als die Single-Auskopplung „IMMER NOCH“. Die Songs knüpfen thematisch aneinander an und ich find’s geil, dass die E-Gitarre hier auch wieder ihren Platz gefunden hat. Finde diese E-Gitarren auf jeden Fall ziemlich nice, steht dem Sound von Kaltenkirchen total gut, wenn ihr mich fragt. Im Verlaufe des Songs gibt’s dann auch noch ein Klavier – jawollo ey, das lieb ich doch. „LICHT“ klingt ein bisschen weicher und poppiger als der Song davor. Und die Melodie ist wieder so richtig ins Ohr fressend, den Refrain hatte ich tagelang im Kopf. Thematisch wird die Hoffnung, aber auch der oftmals schwere Weg zur Besserung, der aufgrund einer psychischen Erkrankung gegangen werden muss, beschrieben. Das lässt sich auch gut beim Gesang raushören, der was ganz Zerbrechliches und Liebliches hat. Das geht schon bisschen deeper in mein Herz, ich gebe es ja zu.


    „Ich weiß nicht wie weit es ist
    Bis alles wieder beim Alten ist
    Vielleicht fallen wir weich, oder auch nicht“


    Man hört diesen beiden Songs auf jeden Fall an, dass Kaltenkirchen seinem persönlichen (Behandlungs-)Ziel näher zu kommen scheint. Es läuft nicht immer alles nach Plan, es gibt Rückschläge und Unsicherheiten. Aber davon lässt sich Philip sowohl in „IMMER NOCH“ als auch in „LICHT“ nicht unterkriegen. Beide Songs strotzen nur so vor positiver Hoffnung. Und können wir mal festhalten, wie geil bei beiden Songs getextet wurde? Die Wortwahl ist immer ein bisschen unverblümt „Auf die Fresse“, lässt aber gleichzeitig super viel Interpretations-Spielraum. Hach, Kalti <3


    Das ganz große Glück

    Der letzte Song der EP heißt „ZWEI“ und ist ungefähr das süßeste, was ich 2021 gehört habe. Die Füchse unter euch werden wohl gecheckt haben, dass das nicht Sänger Philip ist, der uns hier engelsgleich ein paar Takte vorträllert. Vielmehr handelt es sich hier um die ersten Gesangsversuche eines Kleinkindes, das sogar einen Schluckauf zum Besten gibt, i’m melting. Verpackt in einen psychedelischen Sound und Kaltenkirchen-likem AutoTune klingt es durch die Doppelungen ein bisschen als würde ein Duett gesungen werden. Dass es sich bei der süßen Stimme um die von Philip’s kleiner Tochter Luka handelt (die fairerweise auch als Autorin des Songs erwähnt wird, der erste Schritt in Richtung Musikkarriere), hat er kürzlich via Instagram verraten. Ich möchte an dieser Stelle auch ausnahmsweise mal rein gar nichts interpretieren. Lasst uns einfach nur glücklich für Philip und seine kleine Familie sein und die Freude darüber spüren, dass er uns ein kleines Stück daran teilhaben lässt. Denn so wie Luka für ihn in schwierigen Momenten das (im Song davor besungene) helle Licht sein wird, kann sie es mit diesem Song vielleicht auch für dich und mich sein. Schön, dass du da bist, Luka!


    Und mit dieser Emotion entlasse ich euch nun in die musikalische Welt. Denn bevor dann schon bald die vierte Phase erscheinen wird, könnt ihr euch die „PHASE 3: IMMER NOCH“-EP von Kaltenkirchen nämlich hier anhören:

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    Fotocredit: Steffen Geldner

  • Die Indie-Hymne des Sommers: Shelter Boy feat. Boy Pablo mit „Terrace“

    Die Indie-Hymne des Sommers: Shelter Boy feat. Boy Pablo mit „Terrace“

    Während jede:r gerade die neue RIN x Giant Rooks Single als neuen Sommerhit feiert, steck ich immer noch mit der Single fest, die vielleicht das coolste Feature in diesem Jahr kennzeichnet: Terrace von Shelter Boy und boy pablo. Das Zusammenkommen der beiden ist wie eine kleine romantische Reise für Fans von beiden Künstlern: Letztes Jahr mit Shelter Boy als Support auf den Deutschlandkonzerten von boy pablo kennengelernt, ist eine Freundschaft entstanden, die über Ländergrenzen hinweg uns einen gemeinsamen Song für all die Sommertage im Park, auf dem Balkon oder den Terrassen der Eltern schenkt.

     
    Welcome to the world of Dream-Indie-Rock

    Muss man bei dieser Feature-Kombi eigentlich die einzelnen Künstler noch vorstellen? Shelter Boy wirbelt schon lange mit seinem eigenen Sound irgendwo zwischen Indie-Rock und Dream-Pop durch unsere Playlisten und dürfte eigentlich niemanden hier mehr ein Fragezeichen im Kopf sein. Falls doch: Dascha hat ihn für euch vor ein paar Monaten im Interview vorgestellt. boy pablo ist ebenfalls ein größerer Name, wenn man sich im Dream-Indie-Pop rumtreibt. Der Norweger (auch erst 22, weil warum sollte man auch nicht ständig so begabt und jung sein) veröffentlicht schon seit 2016 Musik (da war er dann ja… 18). Letztes Jahr zu Recht mit seinem Debütalbum Wachito Riko durch die Decke gegangen, dürfte sich das nur noch fortführen. Wer weder den einen noch den anderen kennt, der darf sich hier sowieso doppelt freuen – beide fungieren wie Öffner einer wunderbaren Musikwelt.

    Wie einleitend schon erwähnt, bin ich hier auch ein bisschen spät dran. Oder vielleicht auch gerade rechtzeitig? In dieser zackigen Musikwelt, in der es jede Woche neue und begeisternde Releases hagelt, verliert man schnell einen Song aus den Augen. Falls euch das bei Terrace passiert sein sollte, könnte das hier euer Zeichen sein, dem nochmal ne Chance zu geben, denn wer weiß, vielleicht ist es morgen schon auf eurer Heavy Rotation. Der Song selbst ist jetzt jedenfalls schon einen Monat alt und für diese kurze Zeit nur noch mehr in den Sommer hinein gealtert. Wer also ein bisschen Vitamin D in Form von Musik braucht, die*der ist hier richtig:

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    Der erste Hit des Debütalbums

    Ihr habt ja jetzt gesehen, wie süß diese Kombi der zwei boys ist – über Zoomcalls und abgestimmten Bewegungen kommen da Szenen zusammen, die sich direkt in mein Herz gemietet haben. Wie sie da singend und Gitarre spielend am Fenster stehen, hat schon ein bisschen was von einem 2005 Hollywood-Liebesfilm. Irgendwie ganz kitschig, aber irgendwie auch ganz süß. Die Distanz der beiden Künstler, der eine in Deutschland und der andere in Norwegen, ist so sympathisch überbrückt, dass es kaum auffällt.

    Irgendwie fängt Terrace den momentanen Zeitgeist auch einfach ganz gut ein. Corona ist halt da, seit eineinhalb Jahren leben wir in dieser Realität, wo alles anders ist, Zeit an Bedeutung verloren hat und die sozialen real life Kontakte erst so langsam wieder anlaufen. Doch anstatt sich davon runter ziehen zu lassen, nimmt Terrace diese Energie und dreht sie in eine Sommer-Indie-Hymne. Die Gitarrenriffs, die Shelter Boy in letzter Zeit immer mehr Richtung Britpop driften lassen, sind genauso catchy wie die Chorus-Melodie. Hier kann man eigentlich nur mit einem Ohrwurm rausgehen. Das auf den Festivals nächsten Sommer? Yes, please. Shelter Boy hat die Single direkt auch als Anstoß genommen, um endlich sein Debütalbum anzukündigen – da dürfen also ganz viele Shows noch auf uns zukommen. Failure Familiar erscheint im September und Terrace dürfte da jetzt schon ein Highlight drauf sein.

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    Fotocredit: Philipp Gladsome

  • “Might Delete Later”: RAZZ schaffen auf ihrer EP eine Momentaufnahme unserer Generation

    “Might Delete Later”: RAZZ schaffen auf ihrer EP eine Momentaufnahme unserer Generation

    Endlich gibt es neue Musik von RAZZ! Die EP „Might Delete Later“ ist am 18. Juni erschienen und beinhaltet sechs Songs, wovon drei bereits vorher als Singles released wurden. Was sich zuerst anhört als hätten die Jungs ihre alten Songs etwas zu lange mit Weichspüler im Schongang gewaschen, ist im Kern aber noch genau das, was die Band ausmacht: facettenreicher Indie-Rock mit Tiefgang – und dafür lieben wir sie doch!


    Was die Generation Y gerade beschäftigt

    Anfang des Jahres hat Jule eine Review zur ersten Single der EP, „1969 – Conrad“, geschrieben und auf ein drittes Album von RAZZ spekuliert. Naja, ein Album ist es dann doch nicht geworden, dafür aber sechs verdammt gute neue Songs. Die EP „Might Delete Later“ erinnert an das Meme „felt cute, might delete later“, dass unter allen Social Media-Junkies mittlerweile schon zur Alltagssprache zählt. Im Interview mit gestromt erklärt Niklas, Sänger der Band, dass der Gedanke hinter dieser Floskel Inspiration für die EP war. Damit nehmen sich die Jungs den Druck ein ganzes Album produzieren zu müssen und sehen die EP vielmehr als Momentaufnahme des RAZZ-Sounds, so wie er jetzt gerade ist. Ich finde das ist ein ziemlich gutes Statement. Dieser Anti-Perfektionismus-Gedanken sollte viel mehr Platz in der Musikwelt finden und würde wahrscheinlich auch so einigen Künstler:innen zugute kommen.

    Drei Jahre kam keine neue Musik von RAZZ, auch wenn die Band in der Zwischenzeit nicht auf der faulen Haut lag, sondern fleißig mit live spielen, proben und neue Songs schreiben beschäftigt war. Trotzdem kommt mir das dann doch irgendwie nach einer langen Zeit ohne Input vor. Das ist doch der perfekte Anlass ist, um mal wieder ein bisschen im alten Fangirl-Koffer zu kramen, damit ihr auch wisst, was mich (hoffentlich) qualifiziert, über die neue EP von RAZZ zu urteilen.


    Kurzer Ausflug in die Historie von Anna’s Fangirl-Koffer

    Ich verfolge die Musik der vier Jungs aus Schöninghsdorf schon seit 2013. Damals haben sie auf dem Abifestival gespielt, was vermutlich außerhalb des Emslands (RAZZ’s & meine Heimat) kein Mensch kennt, und noch nicht mal ihre erste offizielle Single veröffentlicht. 2017 habe ich sie dann auf dem Altstadtfest meiner Heimatstadt gesehen und lauthals in der ersten Reihe „Youth and Enjoyment“ und „Let It in, Let It Out“ mitgegrölt, nichtsahnend, dass ich mir diesen Platz auf zukünftigen Konzerten deutlich härter erkämpfen muss. In meinem Fangirl-Koffer befindet sich auch noch ein Interview aus 2018, wo ich mit Niklas auf dem Rocken am Brocken (ganz tolles Festival) ein bisschen Emsländer:innen bonding time hatte – schön war’s. Naja, was ich hier eigentlich nur deutlich machen wollte: RAZZ begleitet mit schon seit so einiger Zeit.

    Jetzt aber mal zurück zum Thema: die EP „Might Delete Later“. Wie anfangs schon erwähnt, wirkt der Sound zu Beginn etwas verändert, irgendwie leichter und sanfter. Was mir aber direkt auffällt, ist die Liebe zum Detail. Die zeigt sich darin, dass ich bisher bei jedem Hören der EP ein neues kleines Detail entdeckt habe – sei es in den Texten oder im Sound. Sind euch z.B. bei „Constant Flow“ schon die Schläge bei 2:34 min. aufgefallen, die den Übergang in den rockigen Part des Songs ankündigt? Mir ist das zumindest erst beim fünften Hören aufgefallen. Schauen wir uns die Songs also mal im Einzelnen an.


    Singles mit viel Hit-Potential

    „Might Delete Later“ beginnt mit „1969 – Conrad“, dem Song, der als erste Single der EP schon im Dezember 2020 veröffentlicht wurde. Es ist auch der Song, der mich am meisten an den gewohnten RAZZ-Sound von „With Your Hands We’ll Conquer“ und „Nocturnal“ erinnert. Es ist auch der Song, der mich alleine in meinem Zimmer zu Lockdown-Zeiten so tanzen lässt, dass mein Nachbar in der unteren Etage wahrscheinlich ziemlich viel Hass gegenüber dem Song entwickelt hat. „Fassungslosigkeit, Wut und Resignation par excellence in einen Song umgewandelt. (Dazu) Gitarrenriffs, sanfte Synthies, sehr geile Bass-Highlights und Drums, die mich sofort mitreißen“, schreibt Jule im Januar in ihrer Review zum Song und ich finde mich jetzt – im Juli – immer noch in diesen Worten wieder und kann mich also nur anschließen.


    „lately, I feel so small“

    Zweiter Song, zweite Single der EP: In „Like You“ geht es um die Unzufriedenheit mit der Umwelt und mit sich selbst – eben der Wunsch, so zu sein wie jemand anderes. Thematisch schließt der Song damit sehr gut an „1969 – Conrad“ an und wirkt für mich wie eine Art Perspektivenwechsel mit dem Fokus auf sich selbst und das eigene infrage stellen. Der Titel hat echtes Ohrwurm-Potential. Kein Wunder also, dass der Song als Single genauso gut funktioniert wie als Teil der EP. Dennoch ist „Like You“ keine reine Pop-Nummer, durch Drums und Gitarren wird der rockige Vibe aufrechterhalten.

    „Constant Flow“ kommt deutlich experimenteller daher. Der Song beginnt relativ langsam, aber so ab 2:30 min. kommen die gewohnten Gitarrenriffs für die ordentliche Portion Rock wieder dazu. Ich muss sagen dieser Song hat es mir irgendwie angetan. An ihm bleibe ich momentan am meisten hängen. Auch hier zieht sich das Thema der inneren Zerissenheit, Orientierungslosigkeit und Unzufriedenheit weiter durch. Die gewohnte Wärme der Stimme von Sänger Niklas gibt dem Ganzen in diesem Song meiner Meinung nach einen ganz besonderen Tiefgang und macht nachdenklich. Die Zweiteilung des Songs unterstützt die Thematik musikalisch perfekt. Dieser Song hat zudem so viele kleine Details, das ich gar nicht aufhören mag nach neuen Kleinigkeiten zu suchen. Ich lieb’s einfach!


    Unangenehme Gefühle müssen ausgesprochen werden

    Der nächste Song heißt „Ocean (without any waves)“. Textlich bleibt der Track im Kosmos der EP. Der Orientierungslosigkeit der vorherigen Songs folgt die nüchterne Feststellung, dass man oft leider einfach im Dunkeln tappt ohne etwas dagegen tun zu können. Ich bekomme ein Gefühl vom aufgeregt sein, wenn ich den Song höre. Irgendwie ruft es eine innere Wut in mir hervor, gemischt mit einer guten Portion Frust. Und das meine ich gar nicht negativ, ich liebe es, wenn Songs solche Gefühle in mir hervorrufen. Passend zum EP-Release hat RAZZ auch eine live session zu „Ocean (without any waves)“ auf ihrem YouTube Kanal veröffentlicht, die dem Song noch einmal seinen ganz eigenen vibe gibt. Ich finde hier kommen vor allem die Gitarrenparts noch mehr heraus und lassen den Track etwas atmosphärischer auf mich wirken.

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    Bei all dem Lob kommt wohl jetzt der etwas unangenehmere Teil: Meine erste Kritik. Aber hey, was wäre eine gute Review, wenn sie nur positiv wäre? Wahrscheinlich nur halb so gut, deswegen hier jetzt meine ehrliche Meinung. Track Nummer fünf, „Reverberating“, geht für mich leider total unter auf der EP. Er fügt sich zwar textlich und musikalisch perfekt in das Gesamtbild ein, aber kratzt für mich leider sehr knapp an der Linie, aber der mich ein Song langweilt. Ok, Langeweile ist vielleicht ein sehr starkes Wort in der Musikwelt, aber sagen wir es mal so: Es ist kein Song, den ich bewusst anmache, weil er mir im Kopf hängen geblieben ist. Mehr möchte ich zu dem Song auch eigentlich gar nicht sagen, weil ich die EP insgesamt schon ziemlich liebe und mir das selbst nicht zerstören will. Also wieder zurück zum Positiven.


    „Say, why do we keep falling in dreams? Where we land, where we go, I don’t know“

    Den Abschluss macht „Game“, ein Song, der ebenfalls vorab als Single zu hören war und mich die getrübte Stimmung durch den vorherigen Song wieder vergessen lässt. Naja, nicht komplett, denn „Game“ ist eher so vom Typ nachdenkliche, langsame Nummer, der es aber trotzdem schafft gute Laune in mir hervorzurufen. Der Text ist wieder einmal sehr nachdenklich und lässt viel Raum für eigene Interpretation – perfekt für mich, ich liebe es nämlich Songtexte zu überinterpretieren, werde euch an dieser Stelle aber mal verschonen. Grob gesagt geht es in „Game“ über die Frustration einer immer wiederkehrenden Situation, dessen Ausgang man schon kennt, aber ihr trotzdem nicht entkommt. Der RAZZ-Rock hält sich hier etwas zurück – keine Sorge nicht komplett. Der Song ist eher ruhig und simpel zu Beginn, die Gitarre steigert sich gegen Ende im Einklang mit Text allerdings etwas weiter in die Thematik rein. Perfekte Kombi und ein schöner Abschluss der EP!

    Mein Fazit zu „Might Delete Later“ ist also (wie erwartet) sehr positiv. Es gibt eigentlich nichts, was mich auf der EP stört, denn „Reverberating“ fügt sich gut in den Lauf der Songs ein, catcht mich halt einfach als einzeln stehender Song nicht. RAZZ zeigen sich etwas erwachsener und atmosphärischer im Vergleich zu ihren vorherigen Alben, aber beweisen zugleich, dass sie ihren Sound gefunden haben. RAZZ 3.0 gefällt mir sehr und ich bin gespannt, was noch so kommt!

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    Fotocredit: Martha Friedel

  • Trunky Juno, seine neue EP „Good Dog“ und strittige Pizzatoppings

    Trunky Juno, seine neue EP „Good Dog“ und strittige Pizzatoppings

    Etwas Slacker-Bedroom-Pop aus Nordost-England gefällig? Dann seid ihr mit der neuen EP Good Dog von Trunky Juno sehr gut bedient! Dass sein Lieblingstier der treue beste Freund des Menschen ist, hätte man schon erahnen können. Denn alle seine Cover-Artworks bilden einen der Vierbeiner ab. Nur logisch, dass auch er selbst den Hunden im Gegenzug treu bleibt und neben den Single Artworks auch seine zweite EP nach diesen Good Dogs benennt.

    Dabei geht es thematisch nicht wirklich um die felligen Freunde, sondern vielmehr um das Anderssein, merkwürdige soziale Interaktionen und kontroverse Pizzabeläge. Und das alle umhüllt in catchy Melodien, die nach leichten und unbeschwerten Tagen klingen. Also wie gemacht für diese Jahreszeit!


    Tropes in pop culture

    Mit dem ersten Song der EP greift Trunky Juno eine altbekannte Phrase in der Popkultur auf. Daddy’s Gone For Cigarettes beschreibt die Idee einfach aus dem eigenen Leben auszubrechen. Seine sieben Sachen (und natürlich den Hund) einzupacken, zu sagen, man geht kurz Zigaretten kaufen – und dann nie wieder zurückzukommen. Das Motiv dahinter ist wahrscheinlich einfach der Wunsch nach Freiheit und keine Verantwortungen tragen zu müssen.


    „Daddy kissed your head
    gone for cigarettes
    took the dog instead
    never coming back.“


    Dabei habe ich mich gefragt, woher diese Redewendung eigentlich kommt. Nach einer nicht all zu langen Internetsuche bin ich auf ein irgendwie unbefriedigendes Ergebnis gestoßen: Es muss wohl einfach wirklich oft im echten Leben passiert sein. Väter sagten, sie würden nur kurz zum Zigarettenkaufen rausgehen (Zigaretten spezifisch, weil Männer damals natürlich keine Lebensmittel einkaufen gegangen wären 🤡) und so wurde dieses Narrativ über Generationen hinweg weitergetragen. Aber eigentlich auch total interessant, dass es dieses Bild immer noch gibt.

    Etwas ruhiger und verträumter klingt der zweite Song Favourite Show, der auch einen kleinen nostalgischen Vibe durch die Synthies vermittelt. Trunky Juno sagt selbst über den Song: „From a songwriting perspective it’s definitely the most poppy song I’ve done, but it also still remains very Trunky at its core.“


    It’s ok to be a weirdo

    In der drittel Singleauskopplung erzählt Trunky Juno dann eine Geschichte, die nach einer halben Ewigkeit Lockdown und Social Distancing sicherlich jeder und jedem in der ein oder anderen Form bekannt vorkommen wird. Diese – wenn auch kurzen – merkwürdigen Momente in sozialen Interaktionen, wenn man nicht richtig weiß, wie man sich verhalten soll oder eben auch nicht verhalten soll. Also ich habe das inzwischen doch schon einige Male erlebt. Trunky Juno will damit die Perspektive einer Person aufzeigen, die ihr Bestes gibt, um nicht komisch rüberzukommen, es dann aber doch irgendwie tut.  

    Apropos „it’s ok to be a weirdo“ – Hawaiipizza ist ja auch so ein viel diskutiertes Thema. Spaß beiseite, natürlich darf jede:r essen was sie oder er will. Ich persönlich hege jetzt auch keine so abgrundtiefe Abscheu gegen Ananas als Pizzabelag, aber würde selbst dann doch eher ein anderes Topping wählen. Naja, zurück zu den wichtigen Dingen: Die Musik. In seinem Track Hawaiian Pizza geht es um die Zweisamkeit, den eigenen Happy Place und die Unbeschwertheit – und natürlich um die Hawaii-Pizza im Ofen. Außerdem ist es der letzte Track der EP, der noch nicht im Vorfeld als Singlerelease veröffentlicht wurde.

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  • Wild, ikonisch und innovativ: ZOUJ und „Tagat“

    Schon die erste Single, die Adam Lenox alias ZOUJ letztes Jahr herausgebracht hat, hat mich jegliche Fassung verlieren lassen. Danach ging es stetig weiter, die Songs und die Videos wurden immer krasser und langsam zeichnete sich ein Gesamtwerk ab. Tja, und jetzt ist es soweit: Mit „Tagat“ erscheint jetzt endlich ein Mixtape voller experimenteller, elektronischer Musik, versehen mit diesem unverwechselbaren ZOUJ-Charakter. Und Mixtape heißt in diesem Falle wirklich Mixtape — es erscheint tatsächlich auf Kassette.

    ༼ ºل͟º ༼ ºل͟º ༼ ºل͟º ༽ ºل͟º ༽ ºل͟º ༽

    Wenn man sich ein wenig mit ZOUJ beschäftigt, wird ziemlich schnell klar, dass sein Schaffen ein gefestigtes Konzept hat. Es ist nicht nur seine Musik, die auf dem Mixtape nahtlos ineinander übergeht und wie eine einzige riesige Komposition wirkt — es sind auch die animierten 3D-Musikvideos, die Fotos, seine Instagrampage und seine Liebe zu Textfaces. Ihr wisst nicht was das ist? Dann solltet ihr unbedingt mal bei seinen Social Media-Accounts vorbeischauen. Denn er ist ein wahrer Meister dieser fast schon urzeitlichen Hieroglyphen, die er auch gerne anstelle von Songnamen verwendet. Die Faszination für seine Kunst greift bei mir wirklich tief. Ich habe das Gefühl, derartige Musik einfach noch nie vorher gehört zu haben. Ich versuche euch jetzt mal ein bisschen in diese seltsame Welt mitzunehmen.

    So, what’s new here? Vier der neun Tracks auf „Tagat“ sollten dem eingefleischten Fan schon bekannt vorkommen, waren sie doch vorab schon als Single samt Video erschienen. Gleich zu Beginn werden wir aber mit zwei neuen Tracks belohnt, nämlich „o╮༼;´༎ຶ..̸̸̨̨۝ ༎ຶ༽╭o. (ten of swords)“ und „Embryo 2“. Während sich ersterer als ein klassisches Intro mit nihilistischen Gedankenentwürfen entpuppt, wird es bei „Embryo 2“ schon etwas wilder. Bei beiden Tracks fällt sofort auf: Die Synthesizer sind in ZOUJs Musik der zentrale Dreh- und Angelpunkt. Und Adam Lenox ist wirklich ein mächtiger dunkler Magier an diesen modularen Instrumenten. Im Song vermischt sich eine blühende Geräuschelandschaft mit minimalistischem Drumset und tiefen Synthbässen. Auf jeden Fall so treibend, dass die Beine gleich zu Anfang des Mixtapes schon zu zucken beginnen.

    Gamechanger für mich ist dann die Melodie des Synthesizers im letzten Part des Songs, die an orientalische Musik erinnert und endgültig zum Dancebattle auffordert. Bereits nach zwei Tracks ist die Richtung, in die es weitergehen soll, klar. Wir finden fortan immer wieder auf allen Achsen verzerrte und gepitchte Vocals, teilweise bis zur Unkenntlichkeit verändert. Außerdem viele vertrackte perkussive Elemente und Noise aller Art aus den verschiedensten Ecken, die den Songs eine unglaublich tiefe Räumlichkeit verleihen.

    (^O^)~♪

    Sehr gut zu hören ist das schon in den folgenden Tracks. „Fl00te“ startet mit genau solchen perkussiven Synthelementen, die einfach genial random klingen. Bereits hier ist als Hörer nichts mehr vorhersagbar. Im ganzen Song gibt es immer wieder kurze Pausen, Stop and Go und plötzliche Stille. Dadurch wirkt die Musik rastlos und aufgewühlt. Das animierte 3D-Musikvideo nimmt uns in ein völlig absurdes Videogame mit, in dem ein glänzender Stier das melodische Hauptthema des Tracks auf einem blauen Flötemännchen. Klingt weird? Ist weird!

    Dieser blaue Flöten-Cha ist irgendwie total beängstigend, aber auch niedlich zugleich und lässt in Verbindung mit den Lyrics einige Interpretationen zu. Zwischen dem Stier und der kleinen Flöte auf zwei Beinen könnte man eine Art Oppressor/Untergebener-Verhältnis herauslesen. In den Lyrics hören wir ebenfalls Anspielungen auf ein solches Verhältnis. Daraus entsteht dann einerseits vielleicht eine aufkeimende Revolte, oder andererseits die endgültige Resignation bzw. Kapitulation. Wie so häufig in derartigen toxischen Strukturen.

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    „This is not a pop hit we´ll leave that to the good boys
    Stop the radios im staying with my own blood“

    Cool finde ich auch diese Zeile des Texts. Hier wird noch einmal deutlich, dass ZOUJ wirklich ein ziemlicher Anti-Pop-Held ist, der mit seinem Hang zum Okkulten zwar überhaupt nicht in diese Welt passt, aber durch seine Melodien durchaus eingehende Ohrwürmer produziert, die sich irgendwo unter dem ganzen Wulst an Sounds verbergen.

    (﹡ꑓ ︿ ꑓ`﹡)

    „Anxious Sleep“ ist dafür wohl das beste Beispiel. Im Intro des Songs hören wir tatsächlich eine verhältnismäßig fast cleane Vocalline, begleitet von einer Art E-Piano. Der Drop von Drums und Bass könnte dann kaum mehr Gänsehaut erzeugen. Die Trägheit des Tracks passt hervorragend zu Thema Schlaflosigkeit und -störungen und die Lyrics geben den letzten Rest zum Nightmarefeeling. Wieder werden wir von allen Seiten überrascht von Sounds, Wassergeräuschen oder abrupten Pausen. Es ist schwierig zu folgen, allerdings werden die Strukturen mit jedem Durchlauf erkennbarer. Alle, die schon einmal Musik produziert haben, bekommen hier eine Ahnung, wie viel f*cking Arbeit in der Programmierung dieser Musik stecken muss. Denn auch wenn hier vieles zufällig wirkt, ist mit Sicherheit alles genau da, wo es hingehört.

    An dieser Stelle vielleicht ein kurzer Exkurs zum Thema Modular Synthesizer, die Adam in seiner Musik häufig verwendet. Für alle, die sich darunter nichts vorstellen können: Optisch ungefähr eine Mischung aus der Star Trek Kontrollbrücke und einem experimentellen russischen Atomkraftwerk, mit tausenden Kabeln, Steckern und kleinen blinkenden Lichtern. Von der Komplexität mal mindestens gleiches Niveau wie Thermodynamik, Teilchenphsyik oder das PAX Regalsystem von IKEA. Mit einem solchen Monster gilt es Sounds zu generieren, zu verändern oder gar gänzlich zu zerstören. Wenn ihr mal einen freien Nachmittag habt, schaut euch auf YouTube mal ein paar Videos an, das ist eine komplette Parallelwelt (die, glaube ich, auch eine bleiben möchte).

    „I’m trying to make my machines sound human by emulating errors, randomness and tempo ups-and-downs while i’m trying my best as a human to sound like a machine.”

    ᕕ( ཀ ʖ̯ ཀ)ᕗ

    Die Mensch-Maschine-Beziehung ist defintiv in jedem Song deutlich zu hören, während ZOUJ offensichtlich mit seinen Musikmaschinen verschmilzt. Allerdings ist der Mensch eben keine Maschine, was man in Adams Texten immer wieder heraushören kann. Vom Instinkt sich permanent anpassen zu wollen und die resultierende Panik, nicht in bestehende Muster zu passen und die Zeit lieber alleine in sicherer Umgebung zu verbringen, handelt „j0_0j“.

    Passend dazu ist der Track auf jeden Fall auch ein Vorzeigemodell, wenn es darum geht, NICHT in Muster zu passen. Die generierten Bleeps und Bloops fliegen mir nur so um die Ohren, ein scheinbar unbezwingbares Chaos mit unstetigem Schlagzeug. Bis zum Refrain, denn dann löst sich auf einmal alles ziemlich in Wohlgefallen auf und ein kleiner Fetzen jazziger Popmusik blitzt auf. Vielleicht bin ich zu konservativ, aber natürlich fiebere ich jedes Mal auf diese „gefällige“ Hook hin, denn diese ist erstens einfach geil und zweitens kann man super mitsingen:

    „Run home where I’ll be safe in my skin
    (All) My life (has) been trying to fit in
    Most days something is stabbing in my spleen“

    ZOUJ, Tagat, Noise, Pop, Alternative, Synthpop, Synthesizer, untold music, untoldency, review, mixtape, city slang,

    Dass Adam auf seinem Mixtape neben der Masse an elektronischen Instrumenten auch „echte“ Instrumente (wie unsere Dads sagen würden) verwendet hat, hören wir besonders gut an den Drums von „Lefty“. Für sein Projekt hat er sich nämlich einfach mal eine der besten DrumerInnen überhaupt mit ins Boot geholt: Linda-Philomène Tsoungui (MINE, Tarek K.I.Z., Fatoni, uvm.). Was diese Frau aus einem Drumset herausholt ist unbeschreiblich und passt einfach wie Fell auf Kessel zu ZOUJ. Definitiv einer meiner Lieblingssongs, geht dieser allerdings auch in eine etwas andere Richtung; der progressive, klarere Charakter erinnert mich am meisten an Adam Lenox‚ bisheriges Bandprojekt Lingua Nada. Und es steht mit seiner Präzession und der filigranen Geschicklichkeit im kompletten Gegensatz zu der in den Lyrics thematisierten Tollpatschigkeit, wenn sich wegen der großen Liebe mal wieder alles upside down dreht.

    Ab und zu geht es auf „Tagat“ auch funky zu. „St00pid“ ist eigentlich ein astreiner Dancetrack, der mich stark an frühe Chicago-House Nummern erinnert. Die Bassline rollt und die Drums geben mit dem 4-On-The-Floor-Beat alles, um mich zum Ende hin noch mal aus dem Sessel zu holen. Im Text geht es um Fehler, die wohl gemacht werden müssen, um daraus zu lernen. Gleichzeitig spielt die akute und permanente Unzufriedenheit über den Status Quo des eigenen Nutzens eine Rolle; die Reflexion der „Work-Life-Balance“ ist damit wohl ein Thema, das eine ganze Generation momentan herumtreibt und von ZOUJ im Song verarbeitet wird.

    Fazit ( ಠ ͜ʖರೃ)

    Das hier ist future shit, ich sag’s wie es ist. Ich traue mich wirklich nicht, es einzuordnen. ZOUJs Songs sind so neu, dass sie mir teilweise zwar Angst machen, ich aber hauptsächlich süchtig danach geworden bin. Es gibt so viele Details! Wie ein Kaleidoskop, bei dem sich das Bild bei der kleinsten Bewegung schon verändert. Das ist Musik, die ich meinen Freunden zeigen möchte, einfach nur im sie zu überwältigen. Und um sehen, ob sie genauso im positiven Sinne shocked sind, wie ich es immer noch bin. „Tagat“ ist zum einen sicherlich Musik für Nerds, zum anderen aber der beste Beweis für eine spannende Subkultur in der Popmusik. Ich will mehr!

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    Fotocredit: BENJAKON

  • Pure Indie-Nostalgie: ISLAND und ihr neues Album „Yesterday Park“

    Pure Indie-Nostalgie: ISLAND und ihr neues Album „Yesterday Park“

    Seid ihr bereit auf einen wirklich richtig guten Feel-Good Indie Geheimtipp? Also wirklich so einen, der schon vor drei Jahren so unterm Radar flog, und auch jetzt immer noch ein safe bet ist für alle von euch, die sich wie ich in solchen Vibes einfach pudelwohl fühlen. Letzte Woche von Evelin im Interview vorgestellt, könntet ihr vielleicht schon eine kleine Vorahnung von ISLAND haben. Die Band aus London um Leadsänger Rollo Doherty macht Indie-Rock wie aus dem Buch und knüpft genau da an, wo sie mit ihrem Debütalbum Feels Like Air (2018) aufgehört haben. Doch auch wenn ich hier meine allgemeine Liebe für diese Band breittreten werde, geht es in erster Linie um ihr am Freitag erschienenes zweites Album Yesterday Park und warum es genau so ist, wie ich es erwartet und mir gewünscht habe.

     
    Musik für die Indie-Filme in meinem Leben

    Mit ihrem Album Feels Like Air haben ISLAND 2018 ein Album rausgebracht, das für mich seitdem die Latte für Debütalben wirklich sehr hoch gelegt hat. Für Evelin ist es das Album, was sie auf eine einsame Insel mitnehmen würde, und wäre ich nicht meiner Liebe für Alt-J erlegen, wäre es auch meins. Das ganze Album, das kann man hier ja durchaus auch einleitend mal dalassen, ist wirklich so gut, dass ich mich schon vor drei Jahren gefragt habe, wie so eine Band noch so klein sein kann. Es waren Songs wie Ride, Horizon und The Day I Die, die mich seitdem immer noch in so vielen Playlisten begleiten und auf neue Musik warten lassen. Doch dieses dann irgendwie doch sehr lange Warten hat jetzt ein Ende: Yesterday Park, das zweite Album der Indie-Rock Band ISLAND is out now.

    Wenn ich den Sound von ISLAND in drei Wörtern beschreiben müssten, wäre es tatsächlich super klischeehaft irgendwas in Richtung „nostalgisch, glücklich, leicht“. ISLAND machen, vor allem mit ihrem neuen Album, Musik für Sonnengänge auf Dächern, für romantische Filmszenen im Sommerregen und Autovans-Ausflüge ins Grüne. Sie haken bei mir wirklich alle Kästchen ab, die es gibt, wenn es um guten Indie-Rock geht. Sie sind auch eine der ersten Bands, auf die ich sehr stolz war, selbst gefunden zu haben. Hat man einmal neue Künstler:innen vor allen anderen gefunden, so wird dieses Gefühl zur Sucht.

    Zurück zu ISLAND und Yesterday Park. Es fängt passenderweise mit dem Song an, der als erste Release die Band aus dem langen Pandemie-Schlaf holte und die neue Ära ankündigte. Zähneputzend auf einem Basketball-Feld, mitten am Strand: Octopus.

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    Ein Moshpit mit viel Liebe

    Sowohl als Album-Opener als auch als erstes Release ist Octopus ganz eindeutig die richtige Wahl gewesen. Das Lied zeigt eigentlich in a nutshell, was ich an ISLAND so liebe. Es könnte jetzt schon mein Fav vom ganzen Album sein. Octopus ist auch das perfekte Lied, um in Musikwelt von ISLAND einzusteigen. Rollos Stimme, die immer mit ein bisschen Hall und doch riesen Wiedererkennungswert durch das Lied führt, die treibenden 90s-Drums, die immer diese eine Spur experimentell sind und nichts langweilig werden lassen. Kombiniert mit den hohen Delay-Gitarren, die sowieso ein Markenzeichen der Band sind, fühl ich schon vor dem ersten Refrain die Glückseligkeit, die ISLAND mit ihrem Sound in mir auslösen. Mir ist sehr bewusst, wie kitschig das klingt, aber es ist auch einfach wahr. Zum Ende hin wird’s nochmal ordentlich schrammig und baut ins Nichts auf, um dann mit voller Power im nächsten Song zu landen.

    Der Moshpit, der sich mit dem Ende von Octopus vor meinen Augen aufgetan hat, bricht mit der ersten Sekunde von Everyone’s The Same. Hier kommt das „Rock“ in Indie-Rock zu wirken. Der Refrain ist fast schon explosiv, in der Strophe dominiert der drückende Synth-Bass und eine ernste Ruhe. Vor allem dieser nahtlose Übergang von Octopus haut das hier irgendwie nochmal ganz anders raus. Everyone’s The Same ist wie ein kleiner Moshpit, nicht zu groß und mit ganz viel Liebe.

     
    Pure Indie-Nostalgie auf den Dächern der Stadt

    Folgendes: Schnappt euch den Camping-Stuhl, den ihr das letzte Mal zum letzten Festival 2019 rausgeholt habt, versammelt eure ganze Festival-Crew und setzt euch auf ne Dachterrasse (irgendeine:r kennt immer ‘n Spot). Ne kleine JBL-Box, Bier, Wein oder Cola, was euch beliebt, und die nächste Single Do You Remember The Times. Das ist ein Samstagabend-Plan, den ich euch hier mit ans Herz geben will: Für einfach ein bisschen Indie-Nostalgie bei Sonnenuntergang (oder -aufgang für die committeten unter euch). Und für ein bisschen Deepness beim Reminiszieren:

    And now I think about it
    They said at school we could be what we liked
    And I said I’d be a spaceship pilot
    But my life’s a little different when I look around

    Für mich ist das ganze Szenario des nostalgischen Sonnenuntergangs auf einem Dach Teil meiner Bucketlist seit How I Met Your Mother. Ich will in die Nacht reinstarren und laut Musik spielen lassen, als wäre ich in meinem eigenen Soundtrack. (Falls ihr denkt, ich hätte dafür noch keine Playlist, don’t be fooled). Und wer mit diesem ganzen Szenario (geschweige denn der Referenz) gar nichts anfangen kann, kann sich stattdessen auch komplett den musikalischen Frühlingsvibes hingeben, die Do You Remember The Times eröffnet. Diese vielen harmonisierenden Gitarren übereinandergelegt lullen mich fast schon ein. Falls es also kein Dach gibt oder ihr Höhenangst habt, dann ist die Alternative blumiges Frühlingsfeld mindestens genauso gut.

     
    „The difference between memories and nostalgia are the rose-tinted glasses.”

    Egal, mit welchem Bild im Kopf man geht, es ist einfach schön. Auch der nächste Song, Young Days, knüpft an diese Nostalgie an. Er nimmt musikalisch das Tempo von Do You Remember The Times raus und dreht es in eine wunderschöne Ballade. Unterlegt von Drums, hallenden Gitarren und Rollos einprägender Stimme hat es definitiv den ein oder anderen Touch Traurigkeit mehr. Deshalb ist Young Days statt dem Dacht/Feld vielleicht tatsächlich lieber was für so verregnete Tage, in denen man wie Joey aus Friends den Regentropfen zuguckt wie sie dramatisch die Fensterscheibe runterfließen. (Ich hab’s sonst nicht so mit TV-Referenzen, aber hier haben sie beide doch recht gut gepasst).

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    James, der Bassist der Band, hat sich im Interview mit Eve auch die Gedanken gemacht, warum Young Days dieses Albums-durchziehende Thema so gut aufgreift:

    „If you were going to choose one tune to sum up the album, it would be Young Days for me. It encapsulates the whole theme of nostalgia. It’s not just looking back and having fond memories, thinking: “Things were so much better then”. The difference between memories and nostalgia are the rose-tinted glasses. Memories are what happened, nostalgia is looking back at what happened with perspective of today.”

    Up next ist mein Lieblingslied vom Album: We Used To Talk. Es war das Lied, das ich seit Freitag am meisten höre – weil es mich einfach jedes Mal absolut catcht. Die Delay-Gitarren, das ISLAND-Markenzeichen, dominieren von Sekunde an und geben im Refrain den Takt besser an als die Drums. We Used To Talk ist eigentlich super simpel vom Aufbau her, nichts groß dramatisches, aber einfach in sich so geschlossen harmonisch. Auch vom Vibe her trifft es die upbeat Sommergefühle. Es ist also nicht zu langsam, aber bleibt trotzdem der Nostalgie der vorherigen Songs treu. My indie heart is alive again.

     
    „Babe, I saw your heart break”

    Meiner Meinung nach hätte also absolut We Used To Talk die Fokussingle bei Albumrelease sein können. Stattdessen war es der nächste Song By Your Side. (Technically der übernächste, aber zum Yesterday Park Skit gibt es gar nicht so viel zu sagen, ist halt’n Skit). By Your Side könnte vom Vibe her auch auf dem ersten Feels Like Air Album drauf gewesen sein. Es ist einfach eine 1A ISLAND Liebesballade. Auch The Lines We Follow ist ein so schön entspannter Indie-Track, dass ich mich jetzt schon dieses Album 5mal hintereinander hören sehe. Da ist kein Ausbrecher, kein großartig dramatischer Skipsong, einfach nur schöne Indie Vibes voll Sommer-Nostalgie. Sommer-Nostalgie > Winter-Depression, immer.

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    When I Gave You My Heart – jetzt wollen sie mich wirklich zum Heulen bringen. Wenn ich hier zu deep rein gehe, weiß ich nicht, ob ich wieder heile rauskomme (#freshouttabreakup). Was ich sagen kann: Es ist der langsamste Track auf dem Album und mit 4:15 Minuten auch der zweitlängste. Hier kann man wirklich einfach 4 Minuten lang traurig in die Bäume gucken und sich in dem immer wiederholenden „When I gave you my heart“ verlieren.

    Es folgen noch drei Lieder, aber ich bin hier schon so happy mit dem, was ISLAND mir mit ihrem zweiten Album geschenkt haben. Wenn ihr das hier mögt, dann werdet ihr das erste Album lieben, mindestens so doll wie Eve und ich. Es ist absolut derselbe ISLAND-Vibe, den ich vermisst habe, keine großen Überraschungen, aber einfach genau so schöne Musik. Und irgendwie wirkt das auf eine Art und Weise so entschleunigend auf diese hektische Musikwelt heutzutage. Jede Woche kommt DER neue Hit, eigentlich funktionieren nur noch Singles und nach Algorhythmus aufgebaute Lieder. Und wenn Alben, dann muss jedes Album eine absolute Neuerfindung sein. Nach Release ist vor Release, alles, was zählt, sind virale Hits. Yesterday Park hat sich aus dieser Welt, jedenfalls für mich, komplett rausgezogen. Es ist ein mehr als ehrenwertiger Nachfolger auf das hochgelobte Debüt.

     
    “You said, out there, somewhere, there was a world to love.”

    Mit diesen Gedanken lenk ich mich ab während ich vom traurigen When I Gave You My Heart in This Part of Town gleite. Irgendwie erinnert mich das an den einen Städte-Trip nach Barcelona, den ich mal hatte. An warme Sommernächte, beleuchtete Straßen, und sich einfach in einer fremden Stadt verlieren.

    “Hey, can you hear? They’re playing your song
    And all the night, folk are singing along
    Hey, come, let’s get out of here
    In this part of town, we can disappear”

    Ich fühl mich in Erinnerungen zurückversetzt, die ich romantisiere, während ISLAND genau von diesem Romantisieren singen. Crazy.

    Ebenfalls als Single vorab kam My Brother, der vorletzte Song des Albums, und zum ersten Mal wird diese Nostalgie von Yesterday Park radikal unterbrochen (musikalisch vor allem am Ende des Songs). Es geht nicht um verklärende Momentaufnahmen aus der Vergangenheit, sondern um die Gegenwart oder eher sogar Zukunft. Das Gefühl, auf die Personen aufzupassen, die einem nahe stehen. Sänger Rollo: „Sometimes we need someone to help us not to make the same mistakes over and over again.”

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    Mir war wirklich nicht bewusst, wie sehr ich diese Power, die ISLAND Songs haben, wenn sie so richtig eskalieren, vermisst hab. Diese verzerrten Gitarren, die mal im Vorder-, mal im Hintergrund stetig aufbauen. Die genialen Drums. Und wenn man da noch die emotionale Ebene mit dazu nimmt, das Sehnen nach den Younger Days, dann gibt es eigentlich keine passendere Platte für diesen komischen Corona-Sommer.

    The Way We Love trifft, wie der Titel schon andeutet, wieder völlig in die emotionalen Balladen-Schiene. Es schließt das zweite Album er Band auf eine seltsam wunderschöne Weise ab. Das könnt ihr hier euch mal in Ruhe anhören. Der unterschätzteste Indie zur Zeit: ISLAND und Yesterday Park: (darunter gibt’s auch Feels Like Air, will euch das leicht machen)

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    Fotocredit: Christian Cargill, Adrian Lee

  • Multitalent Faye Webster mit Coming-Of-Age Album „I Know I’m Funny haha“

    Vollblutmusikerin, erfolgreiche Fotografin und Yoyo-Akrobatin. All das ist Faye Webster, die jetzt ihr neues Album „I Know I’m Funny haha“ veröffentlichte. Ein selbstbewusstes Folkpop-Album zum Mitlachen und Mitweinen im schlichten Soundkleid.

    „Oh, we got both kinds, country and western!“

    Es kommt nicht so besonders häufig vor, dass sich Country in meine Gehörgänge verirrt – und vor allem auch dort bleibt. Auch wenn es nur ein Hauch von Country ist. Woran das liegt weiß ich natürlich nicht genau, aber ich vermute, dass ich diese Musikrichtung einfach immer ein bisschen zu kitschig finde. Und weil ich immer an Monstertrucks und Bullenreiten denken muss. Irgendwo in der Wüste. Und an diese komischen rollenden Staubbälle, begleitet von einer Mundharmonika. Und an 3 Liter Colaflaschen. Naja, ihr merkt schon, alles Klischees und wahrscheinlich echt großer Quatsch. Sieht man jetzt ja auch wieder schön, denn Faye Webster war für mich Liebe auf die ersten 20 Sekunden Stream.

    Witzigerweise muss ich bei ihrem neuen Album „I Know I’m Funny haha“ kein einziges Mal an meine Vorurteile denken. Obwohl es musikalisch doch schon klare Signale in Richtung Country gibt, zum Beispiel in Form von Slidegitarren. Aber zu meiner eigenen Überraschung ist das sehr gut so, wie es ist. Und bei Faye Webster sind es eben diese Roots ihres Schaffens, die das Fundament bilden. Ein bisschen wie bei Taylor Swift, nur eben in cool. (*wegduck*)

    Ein berühmter Fan und bittersüßer Sarkasmus

    Aber hey, sagt mir bitte mal wie mein Album cooler eröffnen kann, als mit einem Song, der einfach einer der Lieblingssongs 2020 von Barack Obama war. HALLO? Ja, das habt ihr alles schon richtig gelesen. Barack f*cking Obama. Friedensnobelpreisträger. Vierundvierzigster US-Präsi. Ich meine, Faye Webster ist 23 Jahre alt, Baujahr ’98. Was möchte die Frau denn noch erreichen? Ich hätte es ihr nicht übel genommen, hätte sie danach mal schön die Füße hochgelegt. Aber nee, Frau Webster macht ein ganzes Album draus, was nicht nur Barack, sondern auch mir zu den sommerlichen Temperaturen ziemlich gut in den Kram passt.

    Eben erwähnter Song „Better Distractions“ ist ein Song voller Sehnsucht und Schmacht. Ganz sanft schaukeln uns schon die ersten Takte des Tracks in Stimmung. Wie in der Vertonung einer Traumsequenz hat die Slideguitar mit ihren langen, wabernden Tönen direkt zu Beginn ihren großen Auftritt. Jetzt ist Abschalten und Zuhören angesagt. Na gut! Wie der Titel schon verrät, sucht Faye im Song nach Ablenkung. Sie beschreibt die gähnende Langeweile und die Lustlosigkeit, irgendetwas anderes zu machen, als an die schmerzlich vermisste Liebe zu denken.

    Die Musik unterstreicht das wirklich hervorragend, da ist einfach etwas super lethargisches und faules in der Instrumentierung zu hören. Passt auch wunderbar zu diesem viel zu heißen Tag heute, während ich mir die Schweißperlen von der Oberlippe wegpuste. „Will you be with me?“ fragt Faye Webster schüchtern (und wirklich oft) im Refrain. Dabei bleibt offen, ob sie ihren Schwarm direkt anspricht, oder die Frage quasi in die Glaskugel hineinfragt. Das schöne daran; wir wissen nicht, ob es sich hierbei vielleicht sogar um unerwiderte Liebe handelt. Oder die angehimmelte Person überhaupt etwas von diesen Gefühlen weiß.

    Bittersüße Melancholie flechtet sich also schon ganz früh in dieses Album ein. Auch im zweiten Song „Sometimes“, ein Song über das Verlassenwerden, aber irgendwie doch nicht so ganz Loslassenkönnen. Oder im Titelstück „I Know I’m Funny haha“, das irgendwie herzzerreißend sarkastisch ein paar kleine Fetzen aus einer Liebesbeziehung erzählt und ich nicht klar sagen kann, ob das jetzt irgendwie wunderschön oder ganz toxisch klingt.

    „I think your sisters are so pretty
    Got drunk and they forgot they met me
    I made her laugh one time at dinner
    She said I’m funny and then I thanked her
    But I know I’m funny haha“

    A different vibe

    Das Musikvideo ist auf die gleiche ironische Art und Weise berührend, denn hier wurden verwackelte Handycam-Clips aus dem Alltag so perfekt zusammengeschnitten, dass es an einigen Stellen schon fast zu gut zum Text passt. Und wäre es nicht so super authentisch, würde ich kreischen: „safe gescripted!!!“. Aber glaube, das ist echt. Ehrlich, wer sich beim Schauen nicht auch heimlich in den Lifestyle von Faye Webster (und in sie selbst) verguckt, da weiß ich auch nicht mehr. Könnte ich mir Millionen Mal angucken.

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    Ich bin übrigens ursprünglich auch durch ein Musikvideo auf sie und das neue Album aufmerksam geworden. Und zwar zum Song „Cheers“. Ich habe wirklich selten so ein extrem cooles Posing vor motorisierten Gefährten gesehen, wie in diesem Musikvideo. Zur Abwechslung sieht man dort keine Ferraris oder Lambos, sondern Motocrossmaschinen. Und an solche habe ich bestimmt seit MX Unleashed für die Playsi 2 nicht mehr gedacht. Die Grafik war damals der Hammer. Ne Spaß, ich hab echt überhaupt keine Ahnung von Games, aber wollte das auch mal sagen.

    Musikalisch hat „Cheers“ auch ganz schön was zu bieten und ist eigentlich mein Lieblingssong der Platte. Der stampfende Rhythmus von Drums und Bass in der Strophe fließt übergangslos in einen luftig-lockeren Refrain mit gezupften Chorus-Gitarren. In den Lyrics finden wir eine zuckersüße Liebeserklärung, die den ganzen Coming-of-Age-Charakter des Albums widerspiegelt. Denn ohne dass Faye uns das aufzwingen würde, erfahren wir auf dem Album so einiges über ihre momentanen Gefühlslagen. Und auch wenn ich immer erstmal etwas vorsichtig mit der Auslegung der Texte bin, können wir uns hier sicher sein, dass sie ihre eigene aktuelle Beziehung einfach gerade sehr genießt und das auch aller Welt zeigen möchte.

    “But now I’m living with my partner; I’m happy most of the time. I’m in such a different place. These songs aren’t necessarily happier, but it’s a different vibe.”

    Did I fall in love with someone I don’t know?

    Faye Webster, I Know I'm Funny haha, new Album, pop, country, folk, folkpop, folkrock, barack obama, atlanta, Credit Pooneh Ghana

    Schaut man sich Faye Websters bisherige Karriere an, hätte man sich diese eigentlich gar nicht schöner ausdenken können. Bereits mit 16 hat sie ihr erstes Album released, dann wenig später ein Signing bei Awful Records aus ihrer Heimatstadt Atlanta, einem Label für überwiegend Hip-Hop und R’n’B. Mittlerweile zwar bei Secretly Canadian unter Vertrag, spürt man ihre Liebe zu R’n’B und die Einflüsse aus vergangenen Tagen aber auch weiterhin in ihrer Musik. Am stärksten fällt mir das im Song „A Dream With a Baseball Player“ auf. In diesem souligen Stück tönt uns sogar ein Saxophon entgegen. Da bin ich ja gerade sowieso sehr Fan von.

    Der laid-back Groove des Songs ist der perfekte Soundtrack zu so einem Traum, wie ihn Webster wohl auch schon einmal hatte: Sie war, während sie eigentlich ständig nur auf Tour war, zu einer großen Baseballverehrerin geworden. Und da bleibt es natürlich nicht aus, sich auch mal in einen dieser Supersportler zu vergucken. Ein richtiger Crush! Vor allem, wenn man pausenlos reist und „echte“ Crushs nicht an jeder Ecke stehen. Im Song stellt sie sich selbst und uns immer wieder die Frage: „How did I fall in love with someone I don’t know?“. Damit thematisiert sie einen ziemlichen Klassiker aus meinen Jugendzeiten. Manchmal war ich auch so doll verknallt, dass ich ganze Gespräche mit meiner großen aber unerwiderten Liebe nur in meinem Kopf geführt habe. Und bei Faye könnte mir das auch passieren. Ja lacht ruhig!

    Spätzünder

    Obwohl diese Themen jetzt so gar nicht mehr meine Welt sind (weil ich jetzt alt und langweilig bin), tut es gut, mal wieder dahin zurückzukehren und diese Gefühle durch Songs wie „A Dream With a Baseball Player“ noch einmal durchzumachen. Ich denke für mich ist das ein Knackpunkt des Albums: Faye ist jung und manchmal mag sie wohl at first sight auch etwas naiv klingen. Aber sie schämt sich nicht, einfach mal zu erzählen, was sie so auf dem Herzen hat. Und das macht sie mit ihren Texten meistens ganz unmittelbar, aus dem Kontext gerissen, ohne lange Einleitung oder öde Moral zum Schluss.

    Verabschiedet werden wir auf „I Know I’m Funny haha“ von einer ganz intimen Gitarrenballade im 3/4 Takt, die Faye auch nicht im Studio, sondern Zuhause am Schreibtisch aufgenommen hat. „Half Of Me“, eine Hymne für die einsamen Seelen. „Alone, alone, what could go wrong again?“ singt die Musikerin und weiß nichts mehr mit sich anzufangen. Muss schon ziemlich heftig sein die Sehnsucht, wenn sie sich außerdem fragt, was überhaupt der Sinn von allem so ist? Hier schließt sich thematisch so ein bisschen der Kreis zum ersten Stück und auch hier fühle ich mich persönlich ganz arg angesprochen (ich kann auch einfach nicht allein sein!). Richtig geil, Coming-of-Age mit Mitte/Ende 20. Danke!

    „With nothing to do but thinking
    I cried all the way home last week
    And I felt bad for the stranger sitting next to me“

    Fazit

    „Vielleicht ist man auch nie zu alt für diese frischen und jugendlichen Themen?“, höre ich mich sagen und erinnere mich selbst dabei gerade stark an meine Oma. Ich weiß ich bin lustig haha. Aber komme nicht an Faye Webster ran, egal was ich mache. Und ihr müsstet sie erstmal diese krassen Tricks mit dem Yoyo performen sehen! Zum Glück gibt sie in ihren Musikvideos regelmäßig Kostsproben ihrer Kunst. Ich liebe an diesem Album, dass es so natürlich klingt, als würde sie mit ihrer Band bei mir im Wohnzimmer spielen. Und dann ist Faye Websters Stimme und ihr Südstaatendialekt natürlich absolut catchy. Die Ausstrahlung stimmt und sie präsentiert uns mit „I know I’m Funny haha“ ein selbstbewusstes Charakteralbum. Die sehr erwachsene lyrische Verarbeitung der kindlich-naiven Themen macht das Hörerlebnis spannend und lässt jeden altklugen Adult mit offener Kinnlade zurück. Von Faye Webster kann man einiges lernen!
    Hat den Obamas sicherlich auch gefallen.

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    Fotocredit: Pooneh Ghana

  • Lyian erzählt in „Hollywood“ eine Lovestory, die nicht wie im Film endet

    Fleißige untoldency-Leser:innen, wie ihr sie natürlich alle seid, kennen ihn bereits: Newcomer Lyian. Der in Berlin lebende Künstler hat nach seiner Debütsingle „Methadon“ kürzlich seinen zweiten Song „Hollywood“ veröffentlicht. Und mit diesem zeigt Lyian, dass Genregrenzen absolut überholt sind und man sich nicht unbedingt auf einen Sound festlegen muss. Jule hat sich für euch ins musikalische Flugzeug gesetzt und lädt euch ein zu einer Geschichte, die nicht unbedingt ein Happy End erzählt – uns dafür aber auf ein Neues daran erinnert, dass Beziehungen eben nicht immer einem klassischen Modell folgen.


    Schon in meiner Review zu „Methadon“ habe ich etwas über ihn erzählt, lasse mich aber nicht lumpen, das noch einmal zu tun. Lyian ist ein junger Musiker, den es, wie viele, vor einigen Jahren nach Berlin verschlagen hat. „Zu leise für die Punkband, zu queer fürs Vereinsheim“ – eine Beschreibung aus seinem Pressetext, die einfach super aussagekräftig und für viele sicher absolut nachvollziehbar ist. Julian, wie Lyian eigentlich heißt, hat in seinen jungen Jahren schon eine Menge erlebt. Und gibt es ein schöneres Ventil als Musik, um das Erlebte zu verarbeiten? Ich denke nicht.


    „Du willst keine Family, ich fühls“

    Schon in den ersten Sekunden von „Hollywood“ lässt sich erahnen, dass Lyian soundtechnisch eine völlig andere Seite von sich zeigt. Der 80s-Gitarrenpop aus „Methadon“ macht Platz für frische Rap-Sounds, die Hand in Hand mit catchigen Synthies den Takt vorgeben. Als die erste Strophe beginnt erinnere ich mich sofort wieder daran, was mich schon bei seiner ersten Single total abgeholt hat: Ich liiiiebe Lyians Stimme – dieses tiefe, aber gleichzeitig liebliche legt sich wohlig in meine Ohren. Ich wette übrigens, dass ich sie aus 100 Vocals sofort wiedererkennen würde. Auch seine Stimmfarbe einfach, ich lieb das.

    Lyian, Hollywood, Methadon, Single, Rap, Pop, Indie, Synthie, Review, Blog, Music, Musik, Magazin, untold, untoldency, Vic Harster

    „Hollywood“ und Lyian erzählen eine Geschichte, die sich ebenso schnell eröffnet wie der Sound. Er erzählt von einer Beziehung, die die andere Person nicht als solche betiteln wollte. Es geht jedoch weniger um nicht erwiderte Liebe als darum, dass verschiedene Menschen manchmal eben auch verschiedene Bedürfnisse haben – und dass es nicht immer einen Mittelweg gibt. Der Song fragt sich aber auch, wie man heutzutage zusammenfinden kann, wenn die Vorstellungen nicht dem „klassischen Beziehungs-Modell“ entsprechen. Wenn man eben keinen Bock auf ein Hollywood-likes Leben mit Kindern, Haus und Hund, sondern einfach nur auf den anderen Menschen hat. Im Song bleibt aber offen, ob Lyian sich tatsächlich mit der Situation arrangiert hat oder seine eigenen Wünsche bloß hintenanstellt, um der Person weiterhin nahe zu sein.


    „Mir ist ganz egal wohin, aber so lang es geht mit dir
    Und du sagst egal wohin, immer wird es irgendwann zu viel
    Okay zu dir, hey, ok zu dir, keine Liebe, kein Ziel“


    Was mir aber auch auffällt ist der Aufbau des Songs, der auch nicht unbedingt wie der eines „typischen Popsongs“ daherkommt. Lyian legt, wie für Rapsongs eher „typisch“, den Fokus mehr auf die Strophen und die Geschichte, die er darin erzählt. Die kleine Ohrwurm-Maus in mir kommt dabei zwar nicht zu 100% auf ihre Kosten, aber das wird sie verkraften. Dafür werde ich auf emotionaler Ebene in einen absoluten Sog gezogen. Glücklicherweise habe ich dieses „Hollywood“ noch nicht selbst erlebt, aber als sehr empathischer Mensch kann ich mich in den Struggle total reinversetzen.

    Abschließend möchte ich noch loswerden, dass ich Lyian und seine Art, Musik zu machen, extrem spannend finde. Schon nach zwei Songs habe ich absolut Bock darauf, weitere Geschichten von ihm zu hören und zu sehen. Seine Vielseitigkeit und künstlerische Intelligenz triggert mich im positivsten Sinne. Deshalb seid euch sicher, dass ich dranbleiben und weiter berichten werde.

    Checkt Lyian doch auch mal aus, solltet ihr das noch nicht getan haben. Wer Bewegtbild zu „Hollywood“ braucht, der findet hier das Musikvideo. Ansonsten auch gerne bei Spotify hoch und runter ballern – macht Bock, dafür stehe ich mit meinem Namen!

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    Fotocredit: Vic Harster