Autor: Jule

  • Exklusive Videopremiere: LYAS und „Herbst“

    Heute sliden wir mal wieder mit einer echten Newcomer-Empfehlung ins Internet: LYAS aus Stuttgart hat gestern seine neue, erst zweite Single „Herbst“ veröffentlicht. Und das Musikvideo zum Song feiert heute exklusiv Premiere bei uns. Wer LYAS ist, wie der Song klingt und wie schön das Video geworden ist, erfahrt und seht ihr jetzt.


    Wisst ihr, manchmal verliere ich mich in dem Wust an neuen Songs, die in meinem Postfach hören. Mir immer gleich alles anzuhören ist zeitlich so gut wie nicht drin – ich weiß, Jammern auf sehr hohem Niveau. Wie auch immer. Aus einem mir nicht mehr ganz erklärlichen Grund wollte ich auf gar keinen Fall mit dem Reinhören warten, als mir LYAS seine neue Single „Herbst“ vorgestellt hat. Ich hatte irgendeinen seltsamen Drang, mir den Song direkt anzuhören. Keine Ahnung wieso, vielleicht gibt’s sowas wie Schicksal ja doch. Doch bevor ich näher auf den Song eingehe, lasst uns doch erstmal den Künstler dahinter abchecken:

    LYAS ist knackige 22 Jahre jung, kommt aus Tübingen und studiert gerade an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Künste in Stuttgart. Dieser Fakt wird für das Musikvideo gleich noch spannend. Seine erste Single Clubloveveröffentlichte er diesen Sommer. LYAS schreibt und produziert Songs, die eine nahezu perfekte Symbiose aus Pop, Hip Hop und Jazz darstellen. Laut Spotify klingt seine Musik wie ein Mix aus Schmyt, Luis Ake, MAJAN und Edwin Rosen. Tatsächlich finde diese Auflistung für die erste Einordnung seines Sounds auch tatsächlich mehr als passend.


    „Und plötzlich rennt die Zeit mir wieder einfach so davon
    Ich renn‘ ihr hinterher, doch sie ist mir schon längst entkommen
    Die Blätter an den Bäumen färben sich schon leichter braun,
    es ist Herbst und ich bin immer noch hier“


    Nun hat LYAS also „Herbst“ veröffentlicht, produziert in Eigenregie in Zusammenarbeit mit dem jungen Produzenten Fata Morgana aus Stuttgart. Der Song beginnt etwas untypisch für Herbst-Melancholie mit einem treibenden Beat, der mich sofort mitwippen lässt. Ich muss dazu sagen, dass es in dem Song auch nur bedingt um die Jahreszeit selbst geht. Es geht vielmehr sinnbildlich um das Ankämpfen gegen Stillstand und das Gefühl der Vergänglichkeit. Eine zerbrochene Beziehung, das Alleinsein und die Ungewissheit, in welche Richtung man sich weiterbewegen wird. Das klingt jetzt deprimierender, als LYAS es schlussendlich verpackt hat. Der Rhythmus, der sich durch den Song zieht und besonders die Melodie im Chorus erzeugen bei mir trotz der Melancholie erstaunlich viel gute Laune.

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    Im Musikvideo hingegen kommt die Melancholie von „Herbst“ dann auch zu 100 % bei mir an. Nicht nur, dass das Setting passenderweise in eben jener Jahreszeit spielt. LYAS unterstreicht mit der Bildsprache des Videos die lyrische Komponente des Songs ganz wunderbar. Die zerbrochene Beziehung, die einen nicht loslässt, und hinter jeder Ecke mit Erinnerungen auf einen wartet. Die Ungewissheit, wie es weitergehen soll. Der Wunsch nach vorne blicken zu wollen, aber doch wieder in alte Muster geworfen zu werden. Sich damit auseinanderzusetzen, aber irgendwo zwischen Stagnation und Fluchtinstinkt gefangen zu sein.

    Die Aussagekraft des Musikvideos finde ich absolut gelungen. Für meine Augen und Ohren setzt LYAS mit „Herbst“ insgesamt ein sehr großes Ausrufezeichen hinter seinen Namen. An dem jungen Künstler dranzubleiben ist daher vielmehr eine Aufforderung, als ein lieb gemeinter Tipp meinerseits.

    Ich wünsche euch viel Spaß mit dem Musikvideo. Und wenn ihr euch das angesehen habt und euren Ohrwurm füttern wollt, gibt’s hier noch „Herbst“ von LYAS für in eure liebste Herbst-Playlist abspeichern:

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  • Lyian im Interview: „Ich will für andere die Musik machen, die ich selbst gebraucht hätte“

    Lyian ist einer der Newcomer, die wir im Jahr 2021 sehr ins Herz geschlossen haben. Nicht umsonst findet ihr bei uns sowohl eine Review zu seiner ersten Single Methadon als auch zum Nachfolger Hollywood. Ende September hat Lyian dann mit Kind deiner Zeit nachgelegt. Vorab hat sich Jule mit ihm aber schon im Sommer zum Interview verabredet. Bei einer gemeinsamen Bootsfahrt über die Berliner Spree und einem anschließenden Bierchen im Park erzählt er über seinen musikalischen Werdegang, seine Affinität zum Rap, aber auch über Zukunftsängste. Wer Lust hat, Lyian ein bisschen besser kennenzulernen, ist hier an der absolut richtigen Adresse.


    Lyian im Interview

    Erstmal steht das Interview-Date unter keinem guten Stern. Aufgrund eines Polizeieinsatzes kommen weder Lyian noch ich mit der S-Bahn voran. Ein paar panische Telefonate und Grübeleien, über welche Umwege wir noch pünktlich zum Boot kommen, später haben wir es dann aber doch irgendwie zur Anlegestelle geschafft. Das Boot ist allerdings ohne uns losgefahren. Nur aufgrund des freundlichen Mitarbeiters (s/o an den Seemann), der uns einfach bei der nächsten Tour mitfahren ließ, hatten wir aber doch noch die Chance, Berlin einmal vom Wasser aus zu erleben. Ein kurzes Kennenlernen und eine Weinschorle später geht es schnell um Lyians Musik.


    Jule: Wie lange machst du schon Musik?

    Lyian: Ziemlich lange, seit meiner Jugend. Aber das war immer so On/Off. Es hat lange gedauert, bis ich das etwas fokussierter gemacht habe. Es war ein langer Prozess, bis ich wirklich richtig ernst genommen habe. Ich habe irgendwann aber einfach gemerkt, dass es anders nicht geht. Ich hatte früher allerdings eine gewisse Antihaltung gegen den ganzen Businesskram, „Marketing“ oder „Image“ waren immer eher Schimpfwörter für mich. Aber irgendwann habe ich begriffen, dass es nicht anders geht und ich da einfach mitspielen muss. Ich habe das alles aber nie wirklich gelernt, also irgendeine musikalische Ausbildung oder so. Mit Storys à la „ich habe mit 3 Jahren angefangen Klavier zu spielen“ kann ich leider überhaupt nicht dienen (lacht).

    Jule: Welche Musik hörst du denn so privat?

    Lyian: Wahnsinnig viele verschiedene Sachen. Viel Deutschrap tatsächlich, Sachen die ich immer noch mag. Damit bin ich aufgewachsen, ich habe früher auch sehr lange selbst gerappt. Ich komme eigentlich auch selbst aus dem Rap, da bin ich mit sozialisiert. Ich habe erst mit diesem Projekt angefangen zu singen. Es war schon sehr früh so, dass ich mich nicht zwischen The Smiths und Aggro Berlin entscheiden konnte und viele Sachen gehört habe, die man nicht unbedingt unter einen Hut bringen kann (lacht). Das war und ist teilweise sehr widersprüchlich. Heute ist das ja fast schon normal, dass in der gleichen Playlist Jeremias und Haftbefehl sein können.

    Jule: Welche widersprüchlichen Künstler:innen sind das bei dir?

    Lyian: Also so richtig explizite Artists die ich abfeiere, habe ich aktuell gar nicht. Ich habe gerade eine Phase, in der ich selbst sehr viel Musik mache. Da gucke ich, dass ich nicht zu viel andere Musik höre, damit ich bei dem bleiben kann, was ich gerade selber produziere. Sonst höre ich einen Song und denke „Oh ja, das könnte ich auch machen, mit dem und dem Drumgroove“, aber ich will mich lieber darauf konzentrieren, einen Song fertig zu machen, als 10 neue Songs anzufangen.


    „Ich finde diese Online-Geschichte schon sehr interessant“

    Jule: Hast du denn eigentlich auch Live-Auftritte geplant? Oder setzt du dich damit noch gar nicht auseinander?

    Lyian: Ich setze mich damit schon auseinander, habe auch eine Liveband. Aber gerade ist die Situation einfach noch extrem schwierig. Man muss da so viel Arbeit reinstecken. Ich hoffe, dass ich so schnell wie möglich ein paar kleine Konzerte, zumindest in Berlin, spielen kann. Das wäre sehr wünschenswert. Ich finde es aber gerade auch geil, vieles einfach nur online zu machen. Man muss das inzwischen ja nicht mehr so aufziehen, dass man Konzerte spielt und dadurch bekannter wird. Ich finde diese Online-Geschichte schon sehr interessant.

    Jule: Du machst auch alles rund um Lyian selber, oder?

    Lyian: Ja, ein Freund von mir, Marius Gold, der in meiner Band auch Bass spielt, der ist Co-Produzent und hilft mir im final mixing. Mit ihm nehme ich auch die Vocals auf. Ich hole mir dann ab und an Leute, die besser Instrumente spielen können als ich, z.B. Theo Kraus aus der Drangsal-Band, der viel besser Gitarre spielt und die dann für mich aufnehmen muss (lacht). Aber ansonsten mache ich die Produktion und sowas alles selber, ja – kein Label, kein Management, nur ich. Das habe ich auch ein bisschen unterschätzt. Ich wollte eigentlich nur Musik machen. Jetzt bin ich die halbe Zeit damit beschäftigt, E-Mails zu schreiben (lacht).

    Jule: Hast du in der Vergangenheit auch mal in Bands gespielt?

    Lyian: Nee, nie ganze Bands, ich habe immer viel alleine gemacht. Mein letztes Projekt war mit einem Freund zusammen, das war auch ein Rap-Projekt. Wir haben damals auch eine EP fertiggemacht, aber das hat sich dann irgendwann aufgelöst. Danach habe ich mich auf mein Soloprojekt konzentriert und damit bin ich auch gerade sehr happy. Gefällt mir irgendwie besser, wenn ich das alleine mache und weiß, dass das jetzt zu 100% das ist was ich mag und ich keine Kompromisse eingehen muss. Aber in dem vorherigen Projekt habe ich super viel gelernt. Ich habe da schon viel geschrieben und ich würde sagen, dass das echt das Einzige ist, was ich so richtig kann. Produzieren und der Rest ist so… ja, mache ich auch (lacht).


    Unser Gespräch wird kurzzeitig von zwei Dingen unterbrochen. Einem süßen Welpen, von dem wir hoffen, dass er nicht über Bord geht und der Tatsache, dass sich Menschen auf Booten dauerhaft gegenseitig zuwinken müssen. Wir stellen fest, dass das, ähnlich wie das Klatschen im Flugzeug auf dem Weg in den Urlaub, einfach ein seltsamer menschlicher Reflex sein muss.
    Nachdem die Bootsfahrt dann doch schneller ein Ende fand als wir dachten, haben Lyian und ich beschlossen, uns in der Gegend noch einen Spot zu suchen, an dem wir uns niederlassen können. Kurz in den nächsten Späti gesteppt und ab in den Monbijoupark, der aufgrund der sommerlichen Temperaturen von Familien und Sportler:innen gleichermaßen gut besucht ist. Nachdem wir einen etwas ruhigeren Platz in der Sonne gefunden haben, quatschen wir weiter.
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    „Ich wusste lange nicht, welche Richtung ich verfolgen wollte“

    Jule: Deine bisher veröffentlichten Singles bedienen die unterschiedlichsten Genres. Wie kommt es dazu?

    Lyian: Bis vor ein paar Jahren habe ich ja wie gesagt nur Rap gemacht, „Hollywood“ deutet das ja auch ein bisschen an. Ich finde das für mich total spannend, weil ich sehr lange damit gehadert habe. Ich wusste ganz lange nicht genau, welchen Sound und welche Richtung ich verfolgen wollte. Bis ich dann entschieden habe, ich mache einfach alles. Es gibt ja inzwischen viele Artists, die das so machen. Trotzdem ist es noch relativ „neu“, dass du eine:n Künstler:in hast, die auf dem einen Song rappen und beim nächsten dann Rockdrums auftauchen. Für mich fühlt sich das aber genau richtig an.


    Jule: Möchtest du erstmal dabei bleiben, Singles zu releasen oder ist schon eine EP geplant?

    Lyian: Erstmal werde ich nur Singles veröffentlichen, ja. Ich finde es auch voll spannend, dass das auch bei uns gerade eine legitime Form ist, seine Musik zu veröffentlichen. Ich meine, in den USA machen das sowieso schon gefühlt alle so und auch im Rap-Bereich in Deutschland ist das fast sowas wie Standard. Aber sonst ist ja immer die Idee, dass man mit einem Album viel mehr machen und irgendwelche großen Promoaktionen starten kann. Ich finde es zu meiner Musik aber gerade auch einfach passend, dass regelmäßig eine neue Single kommt und man nicht so genau weiß, was ich als nächstes mache, so „welches Genre reitet er jetzt ab?“ (lacht). Die nächsten Songs werden vielleicht nicht alle mit Video erscheinen, das ist ja auch einfach mal eine Kostenfrage. Ich stehe aber total auf geile Videos, die auch nach was aussehen…

    Jule: … wie das Video zu „Methadon“, das finde ich richtig schön. Habe ich mir auch schon richtig oft angeguckt.

    Lyian: Oh, das freut mich. Der Dreh hat auch total Spaß gemacht. Ich kenne glücklicherweise ein paar Menschen aus dem Filmbereich, dementsprechend war die Crew auch einfach toll, das hat es mir sehr leicht gemacht.


    Ich erzähle Lyian von meinem ersten „Methadon“-Hörerlebnis. Als ich kochend in der Küche stand und den Text so uff fand, dass ich erstmal den Herd ausmachen musste. Der Text, der mich irgendwie anders berührt hat und das Sackenlassen der Geschichte.

    „Es geht um die größte Idee von Freundschaft“

    Lyian: Wow, das freut mich richtig. Schön zu hören, wie der Song auf andere wirkt. Aber ja, es wundert mich auch nicht, der ist schon heavy. Gerade der Chorus, das ist natürlich kein Fun. Der Song ist eigentlich aus verschiedenen Geschichten zusammen entstanden. Es geht einfach um die größte Idee von Freundschaft, aber auch um Einsamkeit. Ich habe auch vor Kurzem erst selbst bemerkt, dass gerade der Chorus ein so heftiges Bild von Freund- und Seelenverwandtschaft malt, das ist ja schon fast unerreichbar. Vielleicht geht es auch ein bisschen darum. Dass aus der totalen Einsamkeit diese Sehnsucht nach so viel Intimität besteht, die man eigentlich gar nicht erreichen kann. „Methadon“ war auch einer der ersten Songs, den ich als Lyian geschrieben habe. Es hat sich deshalb auch total richtig angefühlt, und tut es immer noch, dass ich mit dem als erstes rausgegangen bin.


    Jule: Bist du sonst auch längerfristig mit Songs zufrieden oder verwirfst du viel?

    Lyian: Ich verwerfe schon sehr viel. Dadurch dass ich so genreoffen bin, fange ich nie einfach mit einem Beat an. Ich habe immer schon eine genaue Idee, bei der ich schon eine Phrase oder ein Thema habe. Der Song wechselt dann aber während des Prozesses mehrfach das Genre. Manchmal fängt er mit einer Gitarre an, dann fliegt die raus und stattdessen sind da 808-Drums drin und er geht in eine Trap-Richtung. Dann mache ich den noch 30 bpm schneller und am Ende wird’s eine Disconummer (lacht). Ich habe immer so eine Idee für einen Song und bis der dann so ist, kann da sehr viel passieren. Auch „Methadon“ hat eine solche Reise hinter sich.

    Jule: Könntest du dir auch vorstellen, für andere Künstler:innen zu schreiben?

    Lyian: Oh ja, das könnte ich mir sogar sehr gut vorstellen. Ich habe das bisher aber tatsächlich noch nie gemacht. Da hätte ich aber auch mal total Bock drauf.

    Jule: Und Songs zu singen, die andere für dich geschrieben haben?

    Lyian: Interessant, da habe ich echt noch nie drüber nachgedacht. Also eher nicht, im ersten Moment wirkt das gerade ein bisschen befremdlich auf mich. Ich wüsste auch nicht genau, warum ich den Text einer anderen Person verarbeiten sollte, das kann ich doch selber (lacht). Da würde ich doch lieber musikalisch mit jemandem zusammenarbeiten oder mit jemandem zusammen einen Song schreiben. Aber so live auf der Bühne einen Song zu covern, das wäre eigentlich geil.

    Jule: Welchen Song würdest du da covern?

    Lyian: „Griechischer Wein“ von Udo Jürgens (lacht). Oder irgendwas von Ideal oder so, auf jeden Fall ein paar NDW-Hits.


    In diesem Moment kommen wir auf die „NDW“-EP von Sam Vance-Law zu sprechen und beschwören uns gegenseitig, wie toll wir Sam finden. Lyian wirft „Der charismatischste Mensch, dem jemals begegnet bin, unverschämt!“ in den Raum und ich kann dem nur zustimmen. Es ufert aus in einem längeren Philosophieren über „Homotopia“ und einem abschließendem „Good job, Sam“. Ich führe das nicht weiter aus, möchte es aber nicht unerwähnt lassen, weil es für mich ein kleiner bonding moment mit Lyian war, ich geb’s zu.

    „Ich sehe mich nicht mehr mit 50 auf einer Bühne stehen“
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    Beweisfoto: Boot

    Jule: Wenn du dir etwas für deine Musik wünschen könntest, was wäre das?

    Lyian: Eigentlich ein bisschen lame, aber erstmal wäre es, dass sie von mehr Leuten gehört wird. Letztendlich will ich für andere die Musik machen, die ich vielleicht selbst gebraucht hätte. Ich schreibe ja schon sehr einfühlsame Songs und ich kann mir vorstellen, dass es eine Menge Menschen gibt, die das fühlen würden. Da möchte ich gerne hin. Deswegen… schön, dass wir dieses Interview führen (lacht). Ich hätte schon Bock, einmal alles mitzunehmen, einmal Öffentlichkeit, den ganzen Instagram-Kram durchspielen und mich dann irgendwann zurückzuziehen. Aber ich sehe mich nicht mehr mit 50 auf einer Bühne stehen oder so, auch wenn ich das sehr respektabel finde. Ich sitze dann irgendwann in einer Hütte in Frankreich, bin dann raus und schreibe nur noch Bücher (lacht).


    Während unseres Gesprächs kommen wir auf das Thema „Ängste“ zu sprechen. Weil ich, während wir so im Sonnenuntergang auf der Wiese sitzen, mehrfach lautes Schreien und Wegrennen unterdrücken muss, weil ich Angst vor Insekten habe. Mein noch geschlossenes Bier rühre ich nicht an, weil es sich inzwischen 30 Ameisen darauf bequem gemacht haben.


    Lyian: Ich glaube, ich habe eine gute Mischung aus dem Repertoire, was so an gängigen Ängsten gibt, gerade was die Zukunft angeht. Aber auch sozial eben, gerade auch der Lockdown war heftig, wenn man eh zum Alleinesein neigt. Mir fällt es nicht immer leicht, mit Menschen umzugehen und wenn man dann 1,5 Jahre super viel alleine ist, macht es das nicht leichter. Soziale Ängste, auch zwischenmenschlicher Art, begleiten mich auf jeden Fall. Aber ich kenne auch wenig Menschen ohne solche Ängste.

    Jule: Ängste schützen einen aber auch. Man wird ja viel aufmerksamer für die Dinge die man tut, oder eben nicht tut. „Angst“ ist so ein negativ behaftetes Wort, dabei kann Angst bis zu einem gewissen Punkt auch etwas Gutes sein.

    Lyian: Ja, voll. Diese negative Behaftung kommt auch daher, dass Angst oft auch einfach total irrational ist. Oft ist es nichts Fundiertes, man hat Angst vor Ameisen, die am Bier hochkrabbeln – und das ist sowohl legit als auch eben nicht legit (lacht). Und so wie die Zukunft wahrscheinlich auch gar nicht so düster sein, wie ich mir das manchmal ausmale.


    „Ich mag es, wenn ich mich auf Sachen verlassen kann“

    Jule: Gehst du manchmal Risiken ein?

    Lyian: Geht so. Ich bin schon eher jemand, der immer versucht, sich seine comfort zone einzurichten. Und auf keinenFall bin ich jemand, der ständig nach einer neuen krassen Erfahrung sucht oder sich überwinden muss, um sich zu spüren. Ich mag es, wenn ich mich auf Sachen verlassen kann und die safe sind. Dass die Beziehungen zu meinen Freund:innen safe sind, dass ich meine Wohnung habe. Das ist mir wichtiger als das nächste heftige Abenteuer.


    Wir fragen uns, wo wir hinziehen würden, wenn man zwingt, Berlin zu verlassen. Während ich wahrscheinlich in den Norden – sowohl Deutschlands als auch im Zweifel Europas – gehen würde, wäre es bei Lyian wohl eher der Süden. Dorthin hat es ihn bisher immer eher verschlagen. Da wir beide in Berlin leben, ich als Gebürtige und er als Zugezogener, sprechen wir auch darüber, wie schwierig es für Menschen sein kann, als Dorfkind plötzlich dem Trubel der Großstadt ausgesetzt zu sein. Dass manche es lieben und andere nach kurzer Zeit wieder Reißaus nehmen.

    „Ich kam mir sehr lange sehr jung vor“

    Jule: Was war denn für dich der Grund, nach Berlin zu ziehen?

    Lyian: Das war irgendwie schon immer klar. Schon als ich 14 Jahre alt war oder so hat mich das gereizt. Allein durch die Musik tatsächlich, ich dachte immer „wie krass ist das denn da?“. Für mich war das immer klar. Als ich mit der Schule fertig war bin ich sofort einen Monat später weg gewesen. Komplett ohne Plan, nur mit meiner Tasche. Das war damals radikaler als es hätte sein müssen. Ich habe dann auch fast alle Kontakte abgebrochen, weil ich das so konsequent wie möglich durchziehen wollte und einfach angepisst von der Dorfsituation war. Dann habe ich aber wiederum richtig lange gebraucht, um in Berlin klarzukommen. Das war für so einen naiven 18-jährigen auch einfach richtig viel Input (lacht).

    Jule: Würdest du das heute nochmal so machen?

    Lyian: Ich glaube nicht. Ich würde mich wohl eher mit einer etwas kleineren Stadt rantasten. Berlin ist auch nicht unbedingt eine Stadt für planlose 18-Jährige. In meinem Umkreis sind damals fast alle in so Studi-Städte gezogen, Göttingen oder Hildesheim. Wenn du da abends unterwegs bist, sind halt alle in deinem Alter. In Berlin war das für mich anders, hier waren alle älter, ich kam mir sehr lange sehr jung vor in dieser Stadt. Es hätte mir sicher nicht geschadet, auch erstmal nach Göttingen oder so zu gehen. Aber dieser radikale Wunsch nach Berlin war einfach viel zu lang da.


    Plötzlich hören wir den Gesang eines Straßenmusikers, der am Spreeufer spielt. Weil wir sowas seit 1,5 Jahren nicht erlebt haben, lassen wir uns in Richtung Sonnenuntergang und Spree treiben, um dem jungen Mann aus Italien zuzuhören. Und dann habe ich einfach vergessen, Lyian nach seiner untold story zu fragen, die ihr sonst aus unseren Interviews kennt. Verzeiht mir das, aber das war das erste Interview seit vielen Monden, das ich persönlich geführt habe – und dann war es auch noch so ein schönes.
    Aber wenn ihr jetzt einfach fleißig die Songs von Lyian auf Spotify hört, gibt’s vielleicht irgendwann noch ein Interview – dann auch mit untold story, versprochen!

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    Fotocredit Titelbild: Stephi Proem

  • Exklusive Videopremiere: Die Mode und „Coca Cola“

    Ja, wir geben es zu: Wir sind große Fans von Die Mode und inzwischen sogar sehr sicher, hier einem großen musikalischen Stern beim Aufgehen zuzusehen. Umso mehr freuen wir uns, gemeinsam mit Max, Justus und euch heute exklusiv die Videopremiere zu ihrer im Juli erschienenen Single „Coca Cola“ zu feiern. Jule hat euch alle hard facts zu Die Mode, dem Song und natürlich zum Musikvideo zusammengetragen. Werte Gemeinde, spitzet Augen und Ohren und lasset euch vom Klang des schwarzen Goldes betören.


    Manchmal tauchen aus dem Nichts Künstler:innen und Bands auf und sind einfach da, als wäre es schon immer so gewesen. So geht es mir mit Die Mode. Ihre im Februar erschienene erste Single „Spür mein <3“ habe ich wirklich absurd oft gepumpt und euch natürlich auch direkt in einer Review vorgestellt. Leider weiß ich nicht mehr, wie die Welt ohne die Musik von Max und Justus war. Irgendwie gibt es kein richtiges „davor“ für mich. Der Sound der Jungs vereint Pop, Rock, Hip Hop mit Sythies und Gitarren zu einem ganz eigenen Gewand. Die Texte sind super eingehend und locken Melodie-Mäuse wie mich ohne Probleme in die Falle.


    „Eiswürfel in meinem Glas mit Coca Cola“
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    Dass es in „Coca Cola“ um das Erfrischungsgetränk geht, das wir alle (abstreiten ist zwecklos) mal ganz gerne trinken, erklärt sich wohl von selbst. Der Song teleportiert mich mit seinen sommerlichen Sounds sogar noch Ende September in Hawaiihemd-Stimmung. Ich liebs total, wie „Coca Cola“ sich selbst immer wieder aufbaut und beruhigt, um dann so richtig zu eskalieren. Der Song ist eigentlich genau wie das Eingießen einer Cola selbst: Man kippt die Flasche ins Glas. SCHAUM. Warten, bis wieder Platz im Glas ist und den Rest eingießen. SCHAUM. Geil, lecker, gleich nochmal – genau so ist dieser Song. Die Mode feiern besagtes Getränk aber nicht einfach nur unbedacht ab. Zwischen den Zeilen lässt sich sehr wohl auch eindeutige Kritik am Konzern selbst raushören. Ganz eindeutig das Highlight: Die Predigt und die Hochphase des Songs. I FUCKING LOVE IT, Leute.

    Wer sich „Coca Cola“ schon mal angehört hat wird bemerkt haben, dass der Song selbst schon so in Bildern spricht, dass es eigentlich nur einen einzigen Weg für das Musikvideo gibt. Surprise: Genau den haben Die Mode auch gewählt – auf die Jungs ist eben Verlass.


    „Komm trink mein Kind, komm trink mein Kind“

    Max und Justus, Gesandte im Namen des schwarzen Wassers, locken im Video unschuldige Menschen an, um sie in ihren „Coca Cola“-Bann zu ziehen. Schaut euch gleich mal Max an, der schon in den ersten Sequenzen wirkt wie ein wirrer Mix aus Teleshopping-Moderator und Sektenführer – der erste laute Lacher meinerseits. Anfänglich scheint die Überzeugungsarbeit nur so mittelgut zu klappen. Aber als dann das neugierigste Glied der Gruppe schwach wird, dauert es nicht lange, bis eben doch alle probieren wollen. Die Energie, die das Getränk (durch seinen UNVERSCHÄMT hohen Zuckeranteil) liefert, und das pausenlose Predigen und brainwashen von Die Mode führen schlussendlich zum Erfolg: Leider haben wir diese unschuldigen Seelen an den Zuckerwassergott verloren 🙁 1 Like 1 Pray, ich sag wie’s ist.

    Und damit ihr wisst, wovon ich spreche, gibt es hier nun auch für euch das Musikvideo:

    https://www.youtube.com/watch?v=y_q345cXGsg


    Als ich das Video das erste Mal gesehen habe, kam mir sofort „Geil, genauso habe ich mir das gewünscht“ in den Kopf. Die Mode haben „Coca Cola“ mit diesem Musikvideo einfach perfekt in Szene gesetzt. Die bildliche Umsetzung des Süchtigwerdens, das Sekten-like predigen und die kompromislose Hingabe zum Schwarzburgunder und die Extase am Ende – ich hab’s vollständig gekauft.

    Ende des Jahres veröffentlichen Die Mode dann noch ihre Debüt-EP „Erste Etage“. Wer aber schon jetzt nicht genug von den beiden bekommen kann, tobt sich am besten in dieser Playlist aus und hört sofort alle Songs von vorne nach hinten und dann gleich nochmal. Und ich hol mir jetzt erstmal ne Pepsi…

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    Videocredit: shotwithtwoeyes
    Fotocredit: Andie Riekstina

  • Paul Gerlinger im Interview: »Ich schreibe einfach Songs – ohne Dollarzeichen in den Augen«

    Er gehört zweifelsfrei zu den spannendsten Newcomer:innen, die 2021 zu blühen angefangen haben: Paul Gerlinger. Mit seiner im Juni 2021 erschienenen Debüt-EP „Gut allein“ hat der Singer-Songwriter aus Mannheim einfach mal so ein großes Ausrufezeichen gesetzt. Ohne viel Chichi, dafür mit umso mehr Gefühl und einer unverkennbaren Stimme. Im Rahmen der Acoustics Concerts spielt er am 16.08. in Berlin und am 18.08. in Hamburg. Jule hat sich vorab mit Paul Gerlinger zum Interview getroffen und mit ihm über seine musikalischen Anfänge, Zukunftspläne, die Entstehung seiner EP und natürlich auch über Konzerte gesprochen.


    Paul Gerlinger im Interview

    Jule: Hey Paul, freut mich dich kennenzulernen. Möchtest du dich vielleicht einmal für diejenigen, denen du noch unbekannt bist, vorstellen?

    Paul Gerlinger: Hey, ja na klar. Also ich bin Paul Gerlinger und Singer-Songwriter aus Mannheim. Obwohl der Trend ja gerade wieder ins Elektronische mit vielen Synthesizern geht, mache ich akustisch angehauchte Musik. Bei mir ist alles handgemacht, mit Kontrabass, Cello und echtem Schlagzeug. Im Juni habe ich meine Debüt-EP Gut allein veröffentlicht. Hast du da vielleicht auch schon mal reingehört?

    Jule: Na aber selbstverständlich (lacht). Nicht nur zu Vorbereitungszwecken; mein bester Freund mag deine Musik total gerne und da wollte ich natürlich mitreden können.

    Paul Gerlinger: Ach, wie schön, das freut mich sehr zu hören!

    Jule: Wir haben vor ein paar Wochen auch einige YouTube-Videos von dir gecheckt und u.a. auch ziemlich alte Videos gefunden, als du noch Teil des Duos Flourishless warst. Damals waren eure Songs auf Englisch, inzwischen schreibst du auf Deutsch. Haben sich deine Songwriting-Prozesse aufgrund der anderen Sprache verändert?

    Paul Gerlinger: Ja, schon. Früher war es mehr so „Wir machen Musik und schreiben dann einen Text dazu“. Mittlerweile ist es eher so, dass ich zuerst den Text schreibe. Ich habe einfach entschieden, nur noch auf Deutsch zu singen, weil sich mein Leben zu 99 % im deutschsprachigen Raum abspielt. Es gab Momente, in denen ich mich über die englischen Texte geärgert habe, weil sie nicht immer alle verstanden haben. Nach Konzerten kamen oft Leute zu uns, die meinten „Hey voll schön, aber worüber singt ihr eigentlich die ganze Zeit?“. Deshalb schreibe ich nur noch auf Deutsch. Ich bin auch mit deutscher Lyrik aufgewachsen, mein Großvater hat mir das immer nahegebracht. Für das Soloprojekt war daher sofort klar, dass ich auf Deutsch weitermache. Es ist toll, wenn die Leute mir nach einem Konzert erzählen, dass ihnen die oder die Textzeile gefallen hat. Es ist für mich einfach ein schöneres Gesamtgefühl.


    „Ich denke nicht, dass ich der größte Songwriter nach Bob Dylan bin“

    Jule: Du hast ja auch sehr jung angefangen, selbst Gedichte zu schreiben – Songs hingegen schreibst du noch gar nicht so lange. Dann habe ich aber rausgefunden, dass du 2016 den 1. Platz bei einem Songcontest der Popakademie gemacht hast. Und da habe ich mich gefragt: Bist du dir deinem Schreibtalent eigentlich bewusst? Oder ist das für dich so… „normal“?

    Paul Gerlinger: Mir ist durch das Feedback von außen schon irgendwie bewusst, dass ich offensichtlich so schreibe, dass das irgendwie ankommt und gefällt. Aber ich, und die meisten Künstler:innen wahrscheinlich auch, bin nie ganz zufrieden mit dem, was ich mache. Die Außenwahrnehmung, die mir so zugetragen wird, ist häufig „Cool, was du da schreibst“. Meine Innenwahrnehmung ist eher „ist ganz nett, kann man mal machen“ (lacht). Aber es tendiert immer mehr dazu, dass ich ein bisschen reflektierter darauf schaue. Ich vergleiche nicht unbedingt, das sollte man nie tun, aber so ganz analytisch schaue ich, welche Sprachelemente andere so benutzen. Ich gebe mir auf jeden Fall immer Mühe, was die reine Sprache angeht. Und ich glaube, wenn ich das so sagen darf, dass ich schon ein kleines Talentchen habe, ja. Aber ganz bescheiden, ne. Ich denke jetzt nicht, dass ich der größte Songwriter nach Bob Dylan bin (lacht).

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    Jule: Bist du beim Songwriting eigentlich eher ein Geschichtenerzähler oder sind deine Texte vielmehr autobiografisch?

    Paul Gerlinger: Also bisher waren meine Texte eigentlich alle autobiografisch. Ich übe aber tatsächlich auch gerade, mal andere Perspektiven einzunehmen und ein bisschen erzählerischer zu schreiben. Faber zum Beispiel mag ich da sehr gerne, der sich eigentlich in jedem seiner Songs in irgendeinen Menschen hineinversetzt, den er kritisieren möchte. Ein, zwei Song habe ich auch in der Schublade, die eher in diese Richtung gehen. Aber grundsätzlich ist es bei mir doch viel Paul. Wenig Tamtam, wenig Fake und wenig an den Haaren herbeigezogen, sondern eben Paul. Sehr viel Paul sogar eigentlich.


    „Ich bin angespornt, die nächste Platte genauso gut oder sogar noch besser zu machen“

    Jule: Deinen ersten Song als Solokünstler hast du ja erst im März veröffentlicht. Im Juni kam dann die EP. Bei Spotify hast du gerade um die 15.000 monatliche Hörer:innen. Wie fühlt es sich für dich an, dass es so schnell so gut läuft?

    Paul Gerlinger: Das fühlt sich natürlich mega schön an. Ich muss aber zugeben, dass diese Zahl sehr stark an dem glücklichen Fakt liegt, dass ich mit Bandstillstand auf der Wilde Herzen-Playlist gelandet bin (lacht). Das zieht natürlich viele Hörer:innen an, die ich sonst vielleicht nie erreicht hätte. Das hat mich natürlich sehr gefreut, ich bin da echt sehr glücklich drüber. Und auch mein Label hat sich auch noch nicht beschwert (lacht). Aber ja, dass es allgemein so gut läuft, ist natürlich toll. Wenn du mir vor 5 Jahren gesagt hättest, dass ich irgendwann mal auf großen Bühnen vor sehr vielen Menschen spielen würde, hätte ich dich wahrscheinlich ausgelacht. Das ist für mich immer noch ein bisschen surreal. Aber ich bin dadurch auch angespornt, die nächste Platte genauso gut oder sogar noch besser zu machen. Ach, das ist schon geil, das kann man ruhig mal so festhalten (lacht).

    Jule: Du warst ja auch in der 22. Generation beim Bandpool, wo auch schon Künstler:innen und Bands wie Provinz, Rikas, Lotte usw. teilgenommen haben, die zum Teil ja auch echt steile Karrieren hingelegt haben. Wünschst du dir sowas für dich auch?

    Paul Gerlinger: Gegen eine große Karriere habe ich prinzipiell natürlich erstmal nichts. Ob die so steil sein muss, ist die andere Frage. Ich bin eher so der Gemütliche. Es wäre auch voll okay, wenn das einfach noch 5 Jahre dauert oder eben langsam vorangeht. Aber ich habe natürlich schon Bock, das auch hauptberuflich machen zu dürfen. Aktuell wäre es sehr schwierig, von der Musik meine Miete zu bezahlen. Das ist glaube ich so der Breakeven-Point, den ich irgendwann mal erreichen möchte. Dass ich sagen kann, dass ich nichts anderes mehr machen muss als das was ich will, nämlich Musik. Und alles was danach kommt, ist einfach nur noch Luxus.

    Jule: Du zielst also nicht unbedingt darauf ab, keine Ahnung, einen Charthit zu landen oder sowas?

    Paul Gerlinger: Oh nee, so viel Kalkül habe ich da nicht. Ich schaue natürlich mittlerweile schon, dass ich nicht jeden geschriebenen Song rausbringe. Weil ich auch selbstkritisch genug bin um zu sagen, dass die Leute das gerade vielleicht nicht unbedingt hören wollen oder der Song einfach nicht gut ist. Aber ich bin nicht so jemand, der sich Strukturen anschaut oder sich daran orientiert, dass Spotify nur noch 2:46 min lange Songs haben will und der Refrain in den ersten 15 Sekunden kommen muss. Ich schreibe einfach Songs – und wenn es mir gefällt, gehe ich damit ins Studio und bringe dann irgendwann den Song raus. Ganz ohne Dollarzeichen in den Augen zu haben.



    „Die Songs der EP sind weitestgehend schon 2019 entstanden“

    Jule: Lass uns doch mal ein bisschen über die Entstehung deiner EP sprechen. Ich könnte mir vorstellen, dass da auch Songs drauf sind, die schon ein paar Jahre alt sind.

    Paul Gerlinger: Witzigerweise ist „Bandstillstand“ das allererste deutsche Lied, das ich jemals geschrieben habe – das war 2016. Wir waren, damals noch zu zweit, beim Mannheimer Bandsupport und mein ehemaliger Musikkumpane Philipp hat gesagt „Paul, du schreibst immer alle Texte, ich will das auch lernen“. Also haben wir dort einen Songwriting-Workshop gemacht, weil ich ihm das absolut nicht erklären konnte. Während dieses Workshops habe ich immer drei Akkorde gezupft, damit er etwas hat, worauf er schreiben kann. Nach 2 Stunden hat er dann entschieden, dass er lieber doch nicht texten will (lacht). Bei mir kam dann „Bandstillstand“ raus. Die anderen Songs der EP sind aber noch gar nicht so alt, aber weit vor der Pandemie entstanden. Es floss dann dafür während der Pandemie sehr viel Zeit in die Produktion – das war für mich der einzig positive Aspekt während dieser Zeit. Die Texte sind aber weitestgehend schon 2019 entstanden.

    Paul Gerlinger, Acoustics Concerts, Interview, Gut allein, Bandstillstand, Singer-Songwriter, Mannheim, Interview, Blog, Magazin, untoldency Lea Bräuer

    Jule: Du hast die EP inzwischen ja auch schon auf ein paar Bühnen vortragen dürfen. Am 16.08. und 18.08. bist du dann bei den Acoustics Concerts am Start. Dein Sound gibt ein akustisches Konzert natürlich voll her. Aber hast du die Songs vielleicht doch nochmal anders arrangiert als für ein „normales“ Konzert?

    Paul Gerlinger: Tatsächlich nicht wirklich, nein. Die Besetzung bei den Acoustics Concerts ist etwas kleiner als sonst – wir sind nur zu zweit mit Cello und Gitarre. Aber es gibt die gleiche Performance wie auf einer großen Bühne, nur in einem intimeren Rahmen. Wie du schon sagst, ich mache ja auch einfach akustische Musik. Deshalb sind die Acoustics Concerts für mich eine absolute comfort zone.

    Jule: Das heißt, du bist vor den Acoustics auch weniger aufgeregt?

    Paul Gerlinger: Ich bin eigentlich generell immer sehr entspannt – bis so 30 Minuten vor Stagetime. Dann werde ich kurz nervös. Aber wir hatten viel Zeit zu proben, deshalb bin ich zuversichtlich, dass das alles astrein ablaufen wird und wir zwei schöne Abende in Berlin und Hamburg haben werden.


    „Mein Traum ist es, mal mit John Mayer auf der Bühne zu stehen“

    Jule: Was wäre das Schlimmste, das dir auf der Bühne passieren könnte?

    Paul Gerlinger: Dass die Stimme ausfällt. Das hatte ich einmal, da war ich leicht erkältet. Nach 2/3 des Sets konnte ich nicht mehr singen, da kam einfach nichts mehr raus. Das wäre schon so worst case. Wenn die Gitarre kaputt geht oder so – egal, dann singe ich a cappella. Aber wenn die Stimme weg wäre, das wäre scheiße (lacht).

    Jule: Und was wäre das Schönste, was passieren könnte?

    Paul Gerlinger: Ganz traumtänzerisch: Dass hinter mir so ein Bühnenboden hochfährt und da steht John Mayer drauf und spielt ein astreines Solo über mein Lied und verschwindet wieder. Das wäre geil. Der Traum vom kleinen Paul ist es auf jeden Fall, mal mit John Mayer auf der Bühne zu stehen.

    Jule: Oh, da muss ich mal schauen, ob wir das arrangieren können (lacht). Planst du eigentlich eine eigene Tour?

    Paul Gerlinger: Der ursprüngliche Plan war natürlich, die EP rauszubringen und dann auf Tour zu gehen. Aber momentan kann ich froh sein, wenn ich überhaupt irgendwo einen Slot bekomme, wo ich spielen kann. Eine Tourplanung ist für mich als Newcomer gerade echt weit weg. Das ist quasi unmöglich, deshalb habe ich es hintenangestellt. Ich lerne gerade ein bisschen Klavier, um mich kreativ zu erhalten und versuche, die Zeit bis zu einer möglichen Tour, mit Songwriting zu überbrücken. Also außer hier kommt jemand wie in Großbritannien, macht wieder alle Läden auf und scheißt generell auf alles, dann vielleicht schon demnächst eine Tour. Aber das ist ungefähr so realistisch, wie dass John Mayer auf meiner Bühne auftaucht (lacht). Deshalb gehe ich davon jetzt erstmal nicht aus.

    Jule: Dann komme ich auch schon zu meiner letzten Frage. Die ist bei uns immer die nach einer untold story: Eine Geschichte oder ein Fakt über dich, den man noch nicht kennt.

    Paul Gerlinger: Es gibt super viele untold stories von mir, weil ich bisher öffentlich noch gar nicht so viel von mir preisgegeben habe. Also ich bin jetzt noch nie betrunken vom Schlagzeug erschlagen worden oder sowas. Aber ich plane für diesen Sommer noch einen Fallschirmsprung. Den hat mir mein Bruder zum Geburtstag geschenkt, der ist so ein Action-Typ. Er hat mich vor ein paar Jahren auch zum Motorradfahren gebracht. Und ich bin Angler, ich habe einen Angelschein und manchmal angle ich mir einen Zander zum Abendessen (lacht).

    Jule: Hui, das klingt sehr actionreich. Lieben Dank für das schöne Gespräch, Paul!


    Wer sich jetzt noch für das heutige Acoustics-Konzert in Berlin oder für das am Mittwoch in Hamburg einstimmen will, der kann sich hier die Debüt-EP „Gut allein“ von Paul Gerlinger anhören:

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    Fotocredits: Lea Bräuer

  • KYTES erwecken mit „the beat is on hold“ müde Tanzbeine wieder zum Leben

    Laaang ist’s her: Nachdem sie im Februar 2020 zu einem für sie (wie sich dann im Nachhinein herausstellte) denkbar bescheidenen Zeitpunkt ihr Album Good Luck veröffentlichten, war es musikalisch ruhig geworden um die KYTES. Doch die Zeit der Trübsal ist vorbei, juhu! Vor knapp zwei Wochen erschien nämlich ihre neue Single „the beat is on hold“. Und die gehört wegen ihrem erfrischenden Sound und dem lyrischen Augenzwinkern ab sofort in jede Gute-Laune-weil-Sommerlass-mal-tanzen-Playlist. Wieso das so ist, erfahrt ihr jetzt von Jule. Kostenloser Profitipp: Entstaubt eure Tanzschuhe, sie wollen wieder benutzt werden.


    Wir wissen alle, dass die KYTES inzwischen eine feste Größe in unserer geliebten Indie-Bubble sind. Und auch ich zähle mich absolut zu den langjährigen Fans der Jungs. Ich schäme mich fast es zuzugeben, aber bevor ich sie Anfang Juli 2021 bei den Acoustics Concerts endlich mal wieder auf einer Bühne erleben durfte, habe ich die KYTES das letzte Mal im Sommer 2017 (!) live gesehen. Das sind 4 Jahre, wow… Eindeutig ein viel zu langer Zeitraum, kommt nie wieder vor, versprochen! Wer noch nie bei einer Show von ihnen war, dem sei das hier mit Nachdruck ans Herz gelegt (Tickets für die Tour im Winter gibt’s übrigens hier, gern geschehen).

    Bei ihrem Acoustics-Konzert haben die KYTES aber nicht nur ältere Songs von EP’s und die des aktuellen Albums „Good Luck“ (was übrigens zu meinen Top-Alben des letzten Jahres zählt und deshalb auch in meinem Jahresrückblick 2020 vertreten ist) gespielt. Sie haben auch ihre neue Single „the beat is on hold“ angekündigt und direkt präsentiert. Tja, ich sag’s euch wie es ist: Ich habe den Refrain seitdem pausenlos vor mich her gesummt. Ohrwurm at it’s best. Als ich dann endlich auch die produzierte Version hören durfte, gab es absolut kein Halten mehr. Jenes Wochenende bestand für mich einzig und allein aus diesem Song. Ich weiß nicht mal mehr, ob ich in dieser Zeit etwas gegessen habe? Samstagnacht um 3 Uhr habe ich jedenfalls mit „the beat is on hold“ auf den Ohren für ca. eine Stunde vor dem offenen Küchenfenster wild meine legs geshaked und mit lautlosen Lipsyncs so richtig einen weggefeiert. Manchmal brauche ich das einfach.


    „But can we really work it out
    would mean so much more“


    Schon die ersten Takte von „the beat is on hold“ zwingen mich förmlich, aus meinem ca. 100-jährigen Pandemie-Schlaf aufzuwachen. Schon lange hat mich ein Beat nicht mehr so krass abgeholt. Diese Kombination aus Synthies, Drums, Gitarren und den Melodien… Also wenn die KYTES etwas können, dann das – i’m all in. Textlich verarbeiten Michael, Kerim, Timothy und Thomas während des Lockdowns entstandene Hypes wie Bananenbrot backen und exzessives Home-Workouts. An dieser Stelle sei mir dann auch noch eine kurze Zwischenfrage gestattet: Hat eigentlich schon irgendwann einmal irgendjemand das Wort „hold“ geiler und/oder melodischer gesungen als Michi es im Refrain tut? (NEIN!!) Ich glaube, dass 90% meines wochenendlichen Ohrwurms aus seiner Stimme bestanden, die immer und immer wieder dieses Wort gesungen hat. Das klingt vielleicht seltsam, aber hört es euch an und ihr werdet verstehen. Ich lieb’s jedenfalls total. 💚

    Aber zurück zum Song: Die KYTES erinnern neben allem Augenzwinkern aber hauptsächlich auch daran, dass während der Pandemie verdammt nochmal die komplette Kunstszene stillstand bzw. teilweise immer noch stillsteht. Das zeigen sie auch sehr eindrucksvoll im dazugehörigen Musikvideo, das sie im Strom, Knust und in der Muffathalle gedreht haben. In diesem Video zeigen die KYTES aber auch unfassbar viele Fotos von den leeren Bühnen unseres Landes. Und das schmerzt bei einer leidenschaftlichen Konzertgängerin wie mir echt nochmal ganz anders.


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    Doch trotz seiner Thematik und der für mich echt traurigen videografischen Verarbeitung ist „the beat is on hold“ absolut kein „klassischer Corona-Downer-Song“, ganz im Gegenteil. Und das, obwohl es für die KYTES am Anfang der Pandemie schwierig war, Inspiration für neue Musik zu finden. Ihre Tour wurde zweimal verschoben, sodass sie das gerade erschienene Album nicht live präsentieren konnten. Geht’s noch deprimierender? Am Ende des Tages ist „the beat is on hold“ deshalb ihr Ruf nach Normalität, so positiv und aufbauend wie möglich. Und wie man es eventuell schon erahnt, mich hat der Song extrem aufgebaut. Er ist unfassbar spritzig und wird durch die humorvollen Lyrics auch nach dem 400. Mal auf Repeat hören nicht langweilig oder gar nervig – glaubt mir, ich spreche da aus Erfahrung.

    Leider hat der Song für mich aber ein kleines Manko, er ist nämlich nach nur 2:26 min. schon wieder vorbei 🙁 Ich weiß, Spotify-Algorithmus und so, sehr viele neue Songs sind momentan eher kürzer als länger. Aber: Gerade wenn ich so richtig in Fahrt bin, ist es halt auch schon wieder vorbei. Ich glaube, für mich liegt die perfekte Songlänge eher so bei mindestens 3:00 min. (falls es jemanden interessiert). Ich bin wirklich sehr dankbar für jeden veröffentlichten Song auf dieser Welt und ich verstehe den Struggle der Künstler:innen total, aber mich als Hörerin stören „zu kurze“ Songs irgendwie. Deshalb: Hey Spotify (i know you’re reading), änder deinen Algorithmus bitte, danke. Und vielleicht haben die KYTES den Song ja auch ganz bewusst und ohne Gedanken an den Algorithmus kurz gehalten und ich bin völlig umsonst abgedriftet, who knows?

    Wie dem auch sei. Nach diesem energetischen „Hallo, da sind wir wieder“ der KYTES bin ich jedenfalls schon jetzt ziemlich gespannt, was für grandiose Werke sie während der Auszeit noch so gezaubert haben. An dieser Stelle möchte ich auch noch einmal hervorheben, dass die Jungs über ihr eigenes Label Frisbee Rec. alles DIY produzieren und releasen. Das ist schon ein ganz besonders schöner Spirit, wie ich finde.


    So, aber nun muss ich mich leider ausklinken, mich meiner Obsession hingeben und „the beat is on hold“ streamen. Könnt (und solltet) ihr auch tun und zwar direkt hier:

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    Fotocredit: Florian Moshammer

  • Exklusive Videopremiere: Neue Deutsche Wahrheit und „Wenn Du Willst“

    Ich weiß, ihr seid sicherlich schon mal kompetenter informiert worden, aber: Es ist Sommer. Und was machen wir im Sommer gerne? Richtig. In der Sonne entspannen, mit den liebsten Freund:innen Eis essen und danach Richtung Sonnenuntergang dancen. Wenn dazu noch die passende Musik läuft, ist das doch einfach der perfekte Tag oder? Und da kommen Neue Deutsche Wahrheit ins Spiel. Letzten Freitag hat das Hamburger Duo eine wunderbar tanzbare Sommerhymne namens „Wenn Du Willst“ veröffentlicht. Und heute feiert das dazugehörige Musikvideo exklusiv Premiere bei untoldency. Wie der Song klingt und warum das Video euch umgehend in Sommerurlaub-Vibes versetzt, verrät euch Jule jetzt.


    Bevor es losgeht, gibt’s zu Beginn wie gewohnt meinen kleinen Faktencheck. Ich verfolge Neue Deutsche Wahrheit schon eine ganze Weile. Der Hauptgrund dafür ist ungefähr der oberflächlichste, den man sich denken kann (sorry). Haltet euch fest: V und P sind in meinen Augen die ästhetischsten Personen, die die deutsche Popmusik-Welt gerade so zu bieten hat. Punkt. Sie sind bunt, sie sind laut und dabei unfassbar elegant – sie sind eigentlich all das, was ich gerne wäre, mich aber nicht traue. Jetzt ist es raus. Musikalisch bewegt sich das Drama Pop-Duo irgendwo zwischen Disco und Ballade, Kerzenlicht und Feuerwerk, einfach zwischen Tristesse und Exzess. Neue Deutsche Wahrheit schaffen mit ihrer Musik eine Welt, in der wir alle willkommen sind und so sein dürfen, wie wir wollen. Ich liebe ihren Vibe und ihre Ausstrahlung sehr und bin daher umso glücklicher, gerade diese Zeilen schreiben zu dürfen.

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    Ich hab so summer city vibes

    Mit ihrer neuen Single „Wenn Du Willst“ haben die beiden Zuckermäuse nun einen astreinen Sommerhit veröffentlicht, der mich von der ersten Sekunde an komplett abgeholt und zurück in die 90er geschmissen hat. Neue Deutsche Wahrheit haben ihren ganz eigenen Stil, auch gesanglich, der sich schon in den ersten Sekunden wieder einmal offenbart. Während P liebliche Gesänge von sich lässt, steuert V königlichen Sprechgesang bei. Ich höre es total gerne, wie die beiden sich sowohl technisch als auch klanglich ergänzen. „Wenn Du Willst“ macht durch seine Energie direkt extrem gute Laune. Es geht um heiße Sommertage und den Traum, für immer mit dem neuen Herzblatt am Pool zu liegen und gemeinsam Gelato zu verputzen. Catchige Drums, fetzige Synthies – mehr brauche ich nicht für einen gelungenen Sommertag (na gut, vielleicht noch 2 Kilo Sonnencreme auf meiner Haut).


    Ich hab diese Vision
    Wir am Pool, Meer, Strand
    Auf der Badewiese, Limo
    unter unsern Füßen Sand


    Na, seid ihr jetzt auch so richtig scharf auf das Musikvideo? Fühl ich total. Ich will euch auch gar nicht länger auf die Folter spannen, hier könnt ihr jetzt das Video anschauen:

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    Das Video beginnt mit V und P, die gemeinsam vor einem Wohnwagen sitzend ein beliebtes Kartenspiel mit drei Buchstaben spielen (UNO, Leute). Im Verlauf sehen wir die beiden, wie sie einfach einen perfekten Sommertag verbringen. Chillen am Strand, leckere Drinks und das allerbeste daran: Sie erleben das alles gemeinsam. Und wer genau hinschaut, der erkennt sofort, was ich vorhin mit der Ästhetik meinte. I mean, schaut doch mal, wie grazil die beiden sich bewegen, ich könnte ihnen stundenlang zusehen. Mit den eingebauten Selfie-Sequenzen geben Neue Deutsche Wahrheit dem Musikvideo dazu auch noch einen total persönlichen und nahbaren Vibe. Na, wer möchte jetzt sofort an den nächsten Strand flüchten? Geil, same.

    Meine Highlights sind übrigens: V, wenn sie „kiss, kiss, kiss“ singt, die super süße Tanzeinlage im Sonnenuntergangen und natürlich die Fingernägel 💚 Und eins steht ja wohl mal fest: Ich möchte bitte bald einen Sommertag mit Neue Deutsche Wahrheit verbringen, geht da was?


    Also los, wir packen unsere Sachen, schnappen uns unsere Liebsten und dann genießen wir jetzt alle einen wunderbaren Tag in der Sonne. Den perfekten Soundtrack dafür haben Neue Deutsche Wahrheit ja schon geliefert, jetzt liegt es an uns. Drückt hier einfach auf Play und dann kann‘s losgehen:

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    Fotocredit: Laura Affolter / Design: Mählerbrandt

  • Kaltenkirchen und die „PHASE 3: IMMER NOCH“-EP: Ein hoffnungsvoller Selbst-Appell

    Sie haben es versprochen und sie haben geliefert: Kaltenkirchen haben (ehrlicherweise schon vor einem Monat, upsi) die „PHASE 3: IMMER NOCH“-EP veröffentlicht. Sie ist die dritte von vier EPs, die in einem 7-wöchigen Rhythmus erscheinen und jeweils 3 bis 4 Songs beinhalten. Thematisch werden die Phasen, die Sänger Philip Maria Stoeckenius mit seiner Panik verbindet, und der Umgang damit behandelt. Die Review zum ersten Teil, der „PHASE 1: PANIK“-EP, könnt ihr hier nachlesen, zur Review der „PHASE 2: EISZEIT“-EP geht’s hier. Und auch, wenn wir die Veröffentlichung der finalen EP schon förmlich riechen können, möchte Jule eure Ohren doch nochmal um Aufmerksamkeit für die „PHASE 3: IMMER NOCH“-EP bitten. Es geht um Zukunftsängste und Selbstzweifel – aber vor allem um Hoffnung.


    Erstmal ist es schön, dass wir uns wieder hier versammelt haben, um gemeinsam Musik von Kaltenkirchen zu genießen. So ein bisschen habe ich mich ja an die Regelmäßigkeit gewöhnt. Auch wenn meine Zeit, neuer Musik meine gewohnte Aufmerksamkeit zu schenken, gerade etwas eingeschränkt ist. Manchmal kommt einfach das Leben dazwischen, wir kennen es alle. So langsam fängt alles wieder an so zu werden, wie es 2019 war. Nur leider habe ich persönlich ein bisschen verlernt, wie ich 2019 war. Die Entschleunigung der letzten 1,5 Jahre hat mich irgendwie „lebensunfähig“ gemacht. Die einfachsten Sachen (wie eben entspannt neuer Musik zu lauschen) überfordern mich und mein Zeitmanagement. Das klingt wahrscheinlich dramatischer als ich es meine. Denn gefühlt geht es meinem kompletten Umfeld so. Ein Tag bräuchte gerade mindestens 60 Stunden, damit ich irgendwie hinterherkommen könnte. Das ist auch einfach der Hauptgrund, warum dieser Artikel zu Kaltenkirchens „neuer“ EP erst einen Monat nach Release erscheint. Aber gut, genug gejammert. Lasst uns jetzt mal gemeinsam in „PHASE 3: IMMER NOCH“ reinhören, denn – Spoiler – es lohnt sich mal wieder!


    Euphorie vs. Frust

    Der erste Song der EP ist auch gleichzeitig der namensgebende Track der EP: „IMMER NOCH“. Er beginnt mit einer für mich ganz bisschen überraschenden E-Gitarre, zu der sich im Verlauf dann fetzige Synthie-Beats gesellen. Textlich beschreiben Kaltenkirchen Zukunftsängste, Selbstzweifel und Leistungsdruck, die die Panikattacken mit sich bringen. Es geht aber auch darum, genau diesen Ängsten und Zweifeln den waffenlosen Kampf anzusagen. „Denn ich weiß immer noch nicht was ich machen muss, um mit mir klarzukommen. Doch ich erkenn‘ mich, auch wenn’s manchmal schwer ist“. Diese Zeilen beschreiben den Song und das Gefühl zu 100 % (well done!) – den Zwiespalt zwischen Euphorie und Frust. Man kehrt langsam zu sich zurück, geht zwei Schritte vorwärts in die richtige Richtung, aber fällt doch wieder einen zurück oder stagniert. Da geduldig und stark zu bleiben und weiter die Kraft zu haben, durchzuhalten, muss unfassbar zehrend sein. Aber die Zeile „Denn ich weiß, wohin ich mit mir will“ zeigt eben auch, dass Kaltenkirchen sein Ziel nie aus den Augen verliert. Vielleicht weiß er noch nicht wie, aber dafür umso mehr, dass er es schaffen wird. Das spiegelt sich auch im gesamten Sound von „IMMER NOCH“ wider: Der ist nämlich grundlegend positiv und beschwingt, hat aber auch seine ruhigen Momente, die den Inhalt des Songs absolut auf den Punkt bringen.

    Zu „IMMER NOCH“ gibt es übrigens auch ein Musikvideo, das einige sehr geile Schmunzler versteckt hat. Könnt ihr euch hier anschauen, swoosh:

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    Hoffnung vs. Unsicherheit

    Weiter geht es mit „LICHT“, den ich persönlich noch stärker finde als die Single-Auskopplung „IMMER NOCH“. Die Songs knüpfen thematisch aneinander an und ich find’s geil, dass die E-Gitarre hier auch wieder ihren Platz gefunden hat. Finde diese E-Gitarren auf jeden Fall ziemlich nice, steht dem Sound von Kaltenkirchen total gut, wenn ihr mich fragt. Im Verlaufe des Songs gibt’s dann auch noch ein Klavier – jawollo ey, das lieb ich doch. „LICHT“ klingt ein bisschen weicher und poppiger als der Song davor. Und die Melodie ist wieder so richtig ins Ohr fressend, den Refrain hatte ich tagelang im Kopf. Thematisch wird die Hoffnung, aber auch der oftmals schwere Weg zur Besserung, der aufgrund einer psychischen Erkrankung gegangen werden muss, beschrieben. Das lässt sich auch gut beim Gesang raushören, der was ganz Zerbrechliches und Liebliches hat. Das geht schon bisschen deeper in mein Herz, ich gebe es ja zu.


    „Ich weiß nicht wie weit es ist
    Bis alles wieder beim Alten ist
    Vielleicht fallen wir weich, oder auch nicht“


    Man hört diesen beiden Songs auf jeden Fall an, dass Kaltenkirchen seinem persönlichen (Behandlungs-)Ziel näher zu kommen scheint. Es läuft nicht immer alles nach Plan, es gibt Rückschläge und Unsicherheiten. Aber davon lässt sich Philip sowohl in „IMMER NOCH“ als auch in „LICHT“ nicht unterkriegen. Beide Songs strotzen nur so vor positiver Hoffnung. Und können wir mal festhalten, wie geil bei beiden Songs getextet wurde? Die Wortwahl ist immer ein bisschen unverblümt „Auf die Fresse“, lässt aber gleichzeitig super viel Interpretations-Spielraum. Hach, Kalti <3


    Das ganz große Glück

    Der letzte Song der EP heißt „ZWEI“ und ist ungefähr das süßeste, was ich 2021 gehört habe. Die Füchse unter euch werden wohl gecheckt haben, dass das nicht Sänger Philip ist, der uns hier engelsgleich ein paar Takte vorträllert. Vielmehr handelt es sich hier um die ersten Gesangsversuche eines Kleinkindes, das sogar einen Schluckauf zum Besten gibt, i’m melting. Verpackt in einen psychedelischen Sound und Kaltenkirchen-likem AutoTune klingt es durch die Doppelungen ein bisschen als würde ein Duett gesungen werden. Dass es sich bei der süßen Stimme um die von Philip’s kleiner Tochter Luka handelt (die fairerweise auch als Autorin des Songs erwähnt wird, der erste Schritt in Richtung Musikkarriere), hat er kürzlich via Instagram verraten. Ich möchte an dieser Stelle auch ausnahmsweise mal rein gar nichts interpretieren. Lasst uns einfach nur glücklich für Philip und seine kleine Familie sein und die Freude darüber spüren, dass er uns ein kleines Stück daran teilhaben lässt. Denn so wie Luka für ihn in schwierigen Momenten das (im Song davor besungene) helle Licht sein wird, kann sie es mit diesem Song vielleicht auch für dich und mich sein. Schön, dass du da bist, Luka!


    Und mit dieser Emotion entlasse ich euch nun in die musikalische Welt. Denn bevor dann schon bald die vierte Phase erscheinen wird, könnt ihr euch die „PHASE 3: IMMER NOCH“-EP von Kaltenkirchen nämlich hier anhören:

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    Fotocredit: Steffen Geldner

  • Lyian erzählt in „Hollywood“ eine Lovestory, die nicht wie im Film endet

    Fleißige untoldency-Leser:innen, wie ihr sie natürlich alle seid, kennen ihn bereits: Newcomer Lyian. Der in Berlin lebende Künstler hat nach seiner Debütsingle „Methadon“ kürzlich seinen zweiten Song „Hollywood“ veröffentlicht. Und mit diesem zeigt Lyian, dass Genregrenzen absolut überholt sind und man sich nicht unbedingt auf einen Sound festlegen muss. Jule hat sich für euch ins musikalische Flugzeug gesetzt und lädt euch ein zu einer Geschichte, die nicht unbedingt ein Happy End erzählt – uns dafür aber auf ein Neues daran erinnert, dass Beziehungen eben nicht immer einem klassischen Modell folgen.


    Schon in meiner Review zu „Methadon“ habe ich etwas über ihn erzählt, lasse mich aber nicht lumpen, das noch einmal zu tun. Lyian ist ein junger Musiker, den es, wie viele, vor einigen Jahren nach Berlin verschlagen hat. „Zu leise für die Punkband, zu queer fürs Vereinsheim“ – eine Beschreibung aus seinem Pressetext, die einfach super aussagekräftig und für viele sicher absolut nachvollziehbar ist. Julian, wie Lyian eigentlich heißt, hat in seinen jungen Jahren schon eine Menge erlebt. Und gibt es ein schöneres Ventil als Musik, um das Erlebte zu verarbeiten? Ich denke nicht.


    „Du willst keine Family, ich fühls“

    Schon in den ersten Sekunden von „Hollywood“ lässt sich erahnen, dass Lyian soundtechnisch eine völlig andere Seite von sich zeigt. Der 80s-Gitarrenpop aus „Methadon“ macht Platz für frische Rap-Sounds, die Hand in Hand mit catchigen Synthies den Takt vorgeben. Als die erste Strophe beginnt erinnere ich mich sofort wieder daran, was mich schon bei seiner ersten Single total abgeholt hat: Ich liiiiebe Lyians Stimme – dieses tiefe, aber gleichzeitig liebliche legt sich wohlig in meine Ohren. Ich wette übrigens, dass ich sie aus 100 Vocals sofort wiedererkennen würde. Auch seine Stimmfarbe einfach, ich lieb das.

    Lyian, Hollywood, Methadon, Single, Rap, Pop, Indie, Synthie, Review, Blog, Music, Musik, Magazin, untold, untoldency, Vic Harster

    „Hollywood“ und Lyian erzählen eine Geschichte, die sich ebenso schnell eröffnet wie der Sound. Er erzählt von einer Beziehung, die die andere Person nicht als solche betiteln wollte. Es geht jedoch weniger um nicht erwiderte Liebe als darum, dass verschiedene Menschen manchmal eben auch verschiedene Bedürfnisse haben – und dass es nicht immer einen Mittelweg gibt. Der Song fragt sich aber auch, wie man heutzutage zusammenfinden kann, wenn die Vorstellungen nicht dem „klassischen Beziehungs-Modell“ entsprechen. Wenn man eben keinen Bock auf ein Hollywood-likes Leben mit Kindern, Haus und Hund, sondern einfach nur auf den anderen Menschen hat. Im Song bleibt aber offen, ob Lyian sich tatsächlich mit der Situation arrangiert hat oder seine eigenen Wünsche bloß hintenanstellt, um der Person weiterhin nahe zu sein.


    „Mir ist ganz egal wohin, aber so lang es geht mit dir
    Und du sagst egal wohin, immer wird es irgendwann zu viel
    Okay zu dir, hey, ok zu dir, keine Liebe, kein Ziel“


    Was mir aber auch auffällt ist der Aufbau des Songs, der auch nicht unbedingt wie der eines „typischen Popsongs“ daherkommt. Lyian legt, wie für Rapsongs eher „typisch“, den Fokus mehr auf die Strophen und die Geschichte, die er darin erzählt. Die kleine Ohrwurm-Maus in mir kommt dabei zwar nicht zu 100% auf ihre Kosten, aber das wird sie verkraften. Dafür werde ich auf emotionaler Ebene in einen absoluten Sog gezogen. Glücklicherweise habe ich dieses „Hollywood“ noch nicht selbst erlebt, aber als sehr empathischer Mensch kann ich mich in den Struggle total reinversetzen.

    Abschließend möchte ich noch loswerden, dass ich Lyian und seine Art, Musik zu machen, extrem spannend finde. Schon nach zwei Songs habe ich absolut Bock darauf, weitere Geschichten von ihm zu hören und zu sehen. Seine Vielseitigkeit und künstlerische Intelligenz triggert mich im positivsten Sinne. Deshalb seid euch sicher, dass ich dranbleiben und weiter berichten werde.

    Checkt Lyian doch auch mal aus, solltet ihr das noch nicht getan haben. Wer Bewegtbild zu „Hollywood“ braucht, der findet hier das Musikvideo. Ansonsten auch gerne bei Spotify hoch und runter ballern – macht Bock, dafür stehe ich mit meinem Namen!

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    Fotocredit: Vic Harster  

  • Trille setzt mit „nix“ ein Zeichen für die Authentizität von Selbstdarstellungen

    Wenn Trille neue Musik veröffentlicht, dann sind einige Dinge sofort klar: Es wird lyrisch ganz groß. Es wird emotional. Und: Ohrwurm! Und zwar für die nächsten zwei Wochen, mindestens. Nur wenige Künstler:innen schaffen es, musikalisch so viel auszuprobieren und dennoch überall ihre unverkennbar eigene Note zu hinterlassen. Wenn man seine Songs hört, kann man sie ihm sofort zuordnen. Aber eben ohne das Gefühl von „puh, das habe ich doch schon 20x gehört“. Mit seiner neuen Single „nix“ hält uns Trille diesmal mehrere Spiegel (die passenderweise auch das Singlecover zieren) vor und fragt: Wer bist du? Wie bist du? Wann bist du wirklich du? Jule hat sich mit dem Song und seiner Message beschäftigt und das Ergebnis lest ihr jetzt.


    Es gibt so Menschen, da geht mir einfach regelmäßig das Herz auf. Trille gehört eindeutig dazu. In seiner Musik nimmt er mich regelmäßig mit auf eine Reise durch seine Gefühlswelt. Liebe, Glück, Schmerz, Freude, Zweifel. Alles dabei. Wenn ich als Zuhörerin das Gefühl bekomme, den Menschen hinter dem Sound kennenzulernen, dann macht Musik doch einfach so richtig Sinn, oder? Wenn man sich dann auch noch selbst hinterfragt, aus den Zeilen lernt oder sie für den weiteren Weg verinnerlicht und trotzdem nicht vergisst, zu den Beats durchs Zimmer – und bald wieder in den Clubs! – zu tanzen… Dann, ja dann haben wir alle ganz schön viel richtig gemacht.

    Aber kommen wir doch endlich zum Song des Tages! Als ich mir „nix“ das erste Mal höre, erkenne ich ihn irgendwie wieder. Denn ich als Trille-Ultra bilde mir ein, den Song schon mal live gehört zu haben, kann das sein? Vielleicht habe ich die Anfangsmelodie auch einfach nur im Kopf, weil ich durch entsprechende Teaser erfolgreich geinfluenced wurde, wer weiß…


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    Erstmal bin ich auf die Beats gespannt. Die erzeugen nämlich oft schon ein Gefühl oder eine Stimmung, bevor auch nur eine einzige Zeile gesungen wurde. Allerdings beginnt „nix“ ziemlich schnell mit seiner Story und ich fühle mich bei „Stellst du das auf Instagram? / Ist das für dich cool genug?“ irgendwie ertappt. Ich nehme einmal vorweg, dass es in dem Song darum geht, wer man ist, wie man sich darstellt und ob das „gut genug“ ist. Fragen, die sich aktive Instagram-Nutzer:innen sicherlich auch schon das ein oder andere Mal gestellt haben. Und natürlich zeigt sich ein Großteil von uns im Internet nur so, wie sie von anderen wahrgenommen werden möchten. Trille fragt sich in „nix“, ob diese Selbstinszenierung der immer geprädigten Authentizität im Weg steht. Und seine Antwort darauf lautet: n e i n . Und zwar genauso, wie sich Tränen und Glückseligkeit oder ein Eis als Nachtisch, obwohl man eeeecht satt ist, nicht widersprechen.




    „Dein Leben ist ’ne Show / The Show must go
    Du bist schön / Wenn du gar nix machst“


    Trille in „nix“


    Getragen werden die Lyrics von einem Beat, den ich gerne als Trille-typisch bezeichnen würde. Aber das fühlt sich irgendwie auch nicht richtig an. Er hat es mit seinen bisherigen Songs geschafft, mir eine riesige Tür in Richtung Soundwelten zu öffnen. Und mit jeder neuen Single kommt ein neuer Aspekt dazu, öffnet sich die Tür einen kleinen Spalt weiter. Und Trille wiederum entdeckt mit jeder neuen Single immer wieder neue Arten, sich musikalisch auszuleben. In „nix“ präsentieren sich wummernde Bässe und pulsierende Hi-Hats, die sich direkt in meine müden Beinchen katapultieren. Nicht zu vergessen die unverkennbare Stimme mit der unfassbaren Range, die von fein eingesetztem AutoTune ins perfekte Licht gerückt wird. Aber bitte nicht vergessen, dass hinter den Sounds tatsächlich eine Band steckt, mit Drums und Gitarren und so. Menschen, nicht nur Computer.

    Man hört bei „nix“ (wie aber eigentlich bei allen Songs von Trille) auf jeden Fall, dass hier jemand ganz genau weiß, was er tut. Als studierter Musikwissenschaftler und Tonmeister mit Master in Popular Music wohl auch kein allzu großes Wunder. Die gewohnte Produktions-Arbeit mit Dennis Borger (FIBEL) und erstmals auch Hitmachine Tim Tautorat zahlt sich komplett aus – meine Ohren sind happy, mein Herz erfüllt und mein Kopf überlegt erfolgreich, wie das denn nun eigentlich mit meiner ganz eigenen Authentizität aussieht…


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    Im Musikvideo zu „nix“ hat Trille übrigens 7 Menschen gebeten, sich in kurzen Szenen selbst darzustellen. Um auch bildsprachlich zu zeigen, dass Selbstinszenierung und Authentizität eben wirklich gar keinen Widerspruch darstellen. Zu sehen bekommen wir hier Eva Maria Christiansen, Mano Thiravong, Leni Leßmann, Erna Pachulke, Tim Tautorat, Kim Hoss und Meik van Severen. Und jedes Portrait erzählt eine wunderbare kleine Geschichte von selbstbestimmter Identität. Ein absolut sehenswertes und (Achtung!) authentisches Video, das ein tolles und wichtiges Zeichen setzt.


    Trille hat aber nicht nur einfach so eine neue Single rausgehauen. Vielmehr läutet „nix“ die noch für den Sommer angekündigte EP „luft & liebe“ ein, auf die ich super gespannt bin. Weil ich weiß, dass in ihm noch so viel schlummert, das gehört werden muss. Und vielleicht auch, weil ich meinen nächsten Ohrwurm kaum erwarten kann. Aber bis es soweit ist, höre ich einfach noch ganz oft „nix“. Wer mitmachen will, einfach hier auf Play klicken:

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    Fotocredit: Rebecca Krämer

  • Kicker Dibs im Interview: »Das Musiker-Dasein ist für uns kein Job, sondern ein Lebenstraum«

    Nach der 2016 erschienen EP „Sonnemondstern“ und zahlreichen Singles können die Kicker Dibs nun auch einen Haken hinter „Debütalbum“ setzen. Letzte Woche veröffentlichten die Berliner Indie-Rocker nämlich (sorry, aber: endlich!) „Vagabund“. Im März 2021 durften wir ja schon das tolle Musikvideo zur Single Schmetterlinge präsentieren. Und anlässlich des Debütalbum-Releases hat sich Jule nun mit den Kicker Dibs im Internet zum ausführlichen Interview getroffen und mit ihnen natürlich über das Album, Rollenverteilungen innerhalb der Band, ihre Inspirationen, Tokio Hotel und Bier gequatscht. Viel Spaß beim Lesen!


    Kicker Dibs im Interview

    Jule: Hey, freut mich sehr, dass das geklappt hat. Wollt ihr euch für die Leute, die euch noch nicht kennen, vielleicht einmal kurz vorstellen?

    Niki: Also wir sind die Band Kicker Dibs – Tingel (Bass), Lenny (Drums) und ich bin Niki (Gitarrist und Sänger). Wir machen deutschsprachigen Indie-Rock seit… boah einer gefühlten Ewigkeit. Kennen tun wir uns auch schon seit Schulzeiten und machen mittlerweile, glaube ich, seit über 10 Jahren gemeinsam Musik. Wir kommen aus Berlin und sind in Zehlendorf bzw. Nikolassee groß geworden.

    Jule: Heeey, ich auch! (lacht)

    Tingel: Und wir sind auch immer noch hier (lacht). Wir sind gerade nämlich in unserem Studio in Nikolassee, in dem auch unser Debütalbum „Vagabund“ entstanden ist.

    Jule: … über das wir gleich natürlich noch ausgiebiger sprechen. Aber vorab: Eure EP Sonnemondstern ist ja 2016 erschienen. Seitdem habt ihr regelmäßig Singles veröffentlicht und nun 2021 das Debütalbum. Es folgt eine ermahnende Frage: Warum denn erst jetzt?

    Tingel: Gute Frage! (lacht) 2016 wussten wir natürlich noch nicht, dass wir das Debütalbum erst 2021 raushauen werden. Es war so, wie es irgendwie immer ist: Wir sind drei Freunde, die gefühlt alles zum ersten Mal machen. Hätten wir davor schon zwei Alben rausgebracht, wäre das alles vielleicht easier gewesen. Aber so haben wir die letzten Jahre ganz gut genutzt, um uns auch so ein bisschen zu finden. Oder was meint ihr?

    Lenny: Wir hatten, als wir die EP rausgebracht haben, das große Glück, dass wir eben nicht nur die EP rausgebracht haben, sondern auch einen Soundtrack zu dem Film Tigermilch veröffentlichen durften. Und in diesem Prozess haben wir unseren Produzenten Manfred Faust kennengelernt. Mit dem haben wir dann angefangen Songs zu schreiben. Und dann schreibt man eben Songs und noch mehr Songs und die entwickeln sich. Irgendwann ist man dann an dem Punkt, dass man sagt, dass man ein Album veröffentlichen möchte. Und dann kommen irgendwie immer Dinge dazwischen…

    Tingel: … Pandemien zum Beispiel. All solche Sachen, die man immer nicht vorhersehen kann.

    Niki: Aber letztendlich waren die letzten Jahre auf jeden Fall eine schöne Reise. Wir haben viel erlebt, waren viel auf Tour, haben viele Songs geschrieben. Deshalb ist das Album für uns auch wie ein kleines Kapitel-Ende. Wir haben das alles damit jetzt schön zusammengefasst – und das beschreibt vielleicht auch der Albumtitel „Vagabund“ ganz gut. Dass wir in den letzten Jahren viel gesucht und auch viel gefunden haben, aber jetzt auch froh sind, dass dieser erste Schritt getan ist.


    „Gerade der menschliche Energieaustausch fehlt enorm“

    Jule: Niki, du hast eben schon gesagt, dass das Livespielen ein großes Ding bei euch war. Eines meiner letzten Clubkonzerte 2020 war das von euch gemeinsam mit Tombola am – ich habe extra nachgeguckt – 09.01.2020. Ihr habt seitdem auch nicht mehr allzu häufig auf einer Bühne gestanden. Fehlt euch das doll oder konntet ihr das mit der Arbeit am Album ganz gut kompensieren?

    Niki: Wir hatten das Glück, nach diesem Konzert noch mit Engst auf Tour zu gehen. Unser letzter Gig war dann 2020 an Karneval in Düsseldorf. Und es fehlt uns natürlich krass. Als Band willst du einfach live spielen und den Leuten deine Musik zeigen. Wir holen uns natürlich auch die Energie von den Menschen und geben diese dann wiederum in den Songs wider. Das ist einfach so ein schönes Zusammenspiel und gerade dieser menschliche Energieaustausch fehlt enorm. Das merkst du auch so persönlich und psychisch, weil du manchmal einfach nur daliegst und dich fragst „wat mach ich eigentlich hier?“.

    Tingel: So blöd sich das auch anhört, aber da ist ja etwas in einem drin, was die ganze Zeit raus will. Das musste man jetzt einfach vakuumdicht verschließen und hoffen, dass es über die zwei Jahre nicht kaputtgeht.


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    Jule: Wow, das war deep. Kommen wir mal zu einem weniger deprimierenden Thema: Euer Album heißt ja „Vagabund“. Was macht euch denn ganz persönlich zu einem Vagabunden?

    Lenny: Niki hat ja gerade von der Energie des Austauschens zwischen Menschen gesprochen. Ich glaube, dass das in unserer Vergangenheit immer ein sehr bewegender Punkt war. Zusammen unterwegs zu sein, viele Städte zu sehen, neue Leute kennenzulernen. Das Loslösen vom Alltag, den man Zuhause halt so hat, und das Freimachen von irgendwelchen Zwängen. Sowas haben wir eben auf Tour gut erleben können. Sinnbildlich einfach den Schlüssel ins Auto zu stecken und zu sagen: „Cool, wir können jetzt unterwegs sein und Dinge erleben“. Wir waren ja auch nicht nur in Deutschland unterwegs, wir haben es auch immer geliebt, in andere Länder zu reisen und da auch teilweise Konzerte zu spielen.

    Tingel: Und auch dieses Nicht-Aufhören. Manchmal denke ich mir auch, dass wir drei Masochisten sind (lacht). Sobald die erste Sache erledigt ist oder man eine Tour fertig gespielt hat, ist es sofort so: „Ok, nächste Tour booken. Lasst uns noch ein Video drehen. Wir können noch dies und das machen“. Es steht einfach nie still. Ich kann mich überhaupt nicht daran erinnern, dass wir in den letzten fünf Jahren mal irgendeine Art von Stillstand hatten.

    Niki: Wir sind auch glaube ich alle drei nicht die Typen dafür, einen 9 to 5-Job zu haben und damit glücklich zu werden. Wir sind immer auf der Suche und ich finde das auch ganz wichtig. Gerade in unserer Gesellschaft herrscht ganz schöner Druck, dass man mit 25 Jahren seinen Master in der Tasche haben muss und dann ab in die Arbeitswelt, in der man die nächsten 40 Jahre gefangen ist. Da haben wir alle einfach gar keinen Bock drauf. Das Musiker-Dasein ist für uns auch kein Job, sondern ein Lebenstraum. Und das alles spielt so in den Albumtitel rein.


    „Wir wollten es bündeln, damit die Durchschlagskraft stärker ist“

    Jule: Ein paar Songs sind ja schon vorab als Singles erschienen. Sie wirken aufgrund ihrer Anordnung auf dem Album aber nochmal völlig anders. Es geht thematisch, einmal runtergebrochen, um Herzschmerz und Rastlosigkeit. War das ein Konzept oder ist es automatisch passiert, da einige Songs ja auch schon älter sind?

    Niki: Ja, es sind Songs dabei, die erst im letzten Jahr entstanden sind und Songs, die es schon vier Jahre gibt. Am Ende war es sowas wie ein „Best of“. Du hast eben sehr viel Material und wählst die Diamanten aus. Wir hätten auch easy 14 Songs auf das Album packen können. Aber wir wollten es bündeln, damit die Durchschlagskraft stärker und für die Zuhörer:innen klarer ist, was abgeht. Wir haben ziemlich viele Facetten, wir sind gerne rockig und hauen auf die Kacke. Aber wir können und wollen auch manchmal einfach nur schön und gemütlich. Da ist es für uns einfach wichtig, eine Linie zu finden. Das haben wir mit dem Album versucht und es freut mich natürlich, dass das bei dir als Hörerin schon mal angekommen ist.

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    Jule: Es gibt aber einen Song, der aus diesem Gesamtwerk heraussticht, nämlich der letzte des Albums, Winter in Berlin. Mit so einem ruhigen Ende habe ich nicht gerechnet und vielleicht hat er mich auch deshalb nochmal mehr abgeholt. Gibt es einen Song, der euch besonders viel bedeutet oder bei dem es besonders schwer war, ihn in der Produktion umzusetzen?

    Lenny: Wo du gerade „Winter in Berlin“ ansprichst, da gab es schon unterschiedliche Versionen und vielleicht auch unterschiedliche Vorstellungen von allen Beteiligten, wie man den präsentieren möchte. Wir spielen den ja auch bei Konzerten gerne zum Schluss. Dann wollte einer genau diesen Spirit auf dem Album haben, der einfach schwer in einer ausproduzierten Version einfangbar ist. An dem Song haben wir schon echt lange gefeilt.

    Niki: Auch gerade die Herangehensweise bei „Winter in Berlin“, nur Gitarre und Stimme – die vermeintlich einfachsten Dinge sind die schwersten. Da muss dann einfach alles stimmen und das ist nicht immer so einfach wie es klingt. Das ist dann aber vielleicht auch die hohe Kunst. Es freut mich dann natürlich umso mehr, wenn der Song berühren kann. Für mich ist er auf jeden Fall textlich und inhaltlich auch sehr aussagekräftig. An welchen ich da auch denke, obwohl er nur ein kleiner, feiner Track ist, ist Draußen Regnet’s

    Tingel: … whaaaat? (lacht)

    Niki: Ja (lacht). Der ist halt hier im Studio entstanden, am Anfang des ersten Lockdowns. Draußen hat es eben geregnet und es entwickelte sich da so ein Sound, wo alles bei mir geklickt hat. Er war in der Umsetzung eben nicht schwer, sondern total leicht. Der war einfach an einem Tag fertig, sowas gibt’s dann eben auch. Und natürlich auch der Opener-Song Vagabund, der gefällt mir auch sehr.


    „Ohne Inspiration kann grundsätzlich nichts entstehen“

    Jule: Gibt es bei euch eigentlich eine Art Rollenverteilung? Ich weiß, dass Niki sehr viele Texte schreibt. Sind das feste Aufgaben oder lasst ihr euch von euren Ideen einfach treiben?

    Tingel: Niki ist bei uns auf jeden Fall der Haupt-Texter. Lenny und ich kommen manchmal mit Ideen, sind aber auf jeden Fall die ersten, denen Niki seine Ideen vorspielt – also hoffe ich mal! Ansonsten macht im Studio jeder so das, was er kann. Ich kann eben Bass spielen… dann hört’s aber auch schon wieder auf (lacht).

    Lenny: Na sooo schlimm ist das nun auch nicht (lacht). Aber stimmt schon, im Großen und Ganzen ist es schon recht klassisch, wie das bei uns abläuft. Dass Niki eben mit einem Text oder Gitarrenriff ankommt oder in Aufnahme-Sessions eben jeder an seinem Instrument sitzt. Weil es irgendwie schnell flowt, wenn jeder sein Favorite-Instrument spielt. Aber trotzdem sind wir auch experimentierfreudig – auch, wenn wir keine Perfektionisten am Klavier oder so sind. Wobei das auch total den Charme haben kann, wenn man Instrumente spielt, die man nicht so gut beherrscht. Weil man dadurch vielleicht auch auf Ideen kommt, auf die man, wenn man es gelernt hat, nicht unbedingt kommen würde.

    Jule: Wie würdet ihr denn selbst eure künstlerische Entwicklung beschreiben? Gibt es bestimmte Inspirationen?

    Niki: Ja na klar, ohne Inspiration kann ja grundsätzlich nichts entstehen. Wir haben auch musikalisch auf jeden Fall schon viel durchgemacht. Wir waren anfangs, ob wir wollten oder nicht, die Schulband, die versucht hat, auf Punk-Rock zu machen. Dann waren wir soundtechnisch weicher und wurden dann wieder bisschen härter. Die Inspiration kommt bei uns allen aus verschiedenen Ecken, trifft sich dann aber auf jeden Fall in der Rockmusik. Da kann ich so Namen nennen wie Green Day oder Madsen. Ich finde aber auch Jazz super inspirierend, obwohl wir so gar nicht Jazz sind.


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    Jule: Ihr habt vorhin schon mal euren Produzenten Manfred Faust erwähnt, der ja u.a. auch bei Songs für Tokio Hotel oder Echt mitgearbeitet hat. Ich habe dazu zwei Fragen. Erstens, wie seid ihr zu ihm gekommen? Und zweitens, wie cool ist es, dass jemand eure Musik produziert, der an Songs mitgearbeitet hat, bei denen eure Schulkamerad:innen früher ausgerastet sind?

    Alle: Hahaha.

    Tingel: Ich dachte schon die erste Frage ist: „Könnt ihr mir ein Autogramm von Tokio Hotel besorgen?“ (lacht)

    Jule: Die hätte ich ehrlicherweise als dritte Frage nachgeschoben (lacht).

    Tingel: Also, Manfred haben wir über Tigermilch kennengelernt. Das war ein total geiler Zufall. Als wir den Soundtrack zu diesem Film gemacht haben, da hatten wir irgendwie… ich weiß auch nicht, wie wir da wieder reingerutscht sind (lacht). Aber letztendlich haben wir die komplette Filmmusik geschrieben und bei ihm in Hamburg aufgenommen. Wir haben uns dann so gut verstanden, dass wir aneinander drangeblieben sind. Und dann haben wir die gesamten letzten Jahre mindestens einmal die Woche mit ihm telefoniert, wenn nicht sogar fast täglich. Und dass er Tokio Hotel mitproduziert, ja. Ich weiß noch, als wir das erste Mal bei ihm waren stand noch der Amp da, auf dem die Tokio Hotel-Songs gemacht wurden und ich immer einen großen Bogen darum gemacht habe, damit ich da keine Cola ausschütte oder so (lacht). Aber Manfred ist einfach ein sehr feiner Kerl.

    Niki: Voll, Manfred ist nicht nur musikalischer Wegbegleiter, sondern inzwischen auch ein Freund geworden. Er ist ein super Produzent einfach, der auch schon sehr viel Erfahrung gesammelt und schon mit jeglichen Künstler:innen zusammengearbeitet hat. Wir haben dadurch in den letzten Jahren auch eine gemeinsame Sprache entwickelt sozusagen, weil auch er eben aus so vielen Ecken Inspiration mitbringt. Und klar, Tokio Hotel und Echt, das ist schon beeindruckend.

    Tingel: SHOUTOUT!

    Alle: Hahaha.

    Jule: Dann kommen wir jetzt zur letzten Frage. Wir heißen ja nicht ohne Grund untoldency – mit meiner letzten Frage möchte ich gerne eine untold story aus euch rauskitzeln. Etwas, was ihr noch nie in einem Interview erzählt habt.

    Tingel: Alder Vadda, ey (lacht).

    Niki: Also ich sag mal so, wir haben da mal was vorbereitet (lacht). Wir trinken ja sehr gerne Bier und wir haben das noch niemandem erzählt, du bist die Allererste, die es wissen darf: Wir haben, zusammen mit der Vagabund Brauerei aus Berlin-Wedding ein eigenes Bier gebraut.

    Jule: No way, ihr lügt. Das ist nicht wahr?

    Niki hält die Bierflasche in die Kamera. Jule starrt fassungslos und mit offenem Mund auf ihren Bildschirm.

    Tingel: Guck mal, da sind unsere Gesichter drauf!!!

    Niki: Es heißt Backstage Helles und man kann sich das, wenn dieses Interview erscheint, über unseren Shop bestellen und Zuhause trinken.

    Jule: Ich bin wirklich sprachlos. Wie ist das denn zustande gekommen?

    Niki: Ich war vor dem Lockdown mit meinem Mitbewohner in einer Kneipe, las da „Vagabund Kneipe“ und dachte mir „Joa, passt doch“. Als ich dann mitgekriegt habe, dass die ihr eigenes Bier brauen, war das irgendwie perfekt. Dann haben wir die Brauerei angeschrieben. Die haben sich mega gefreut, wir haben uns mega gefreut, es hat alles gepasst. Und jetzt kann man dieses schöne Bier trinken.

    Jule: Ich fasse es nicht. Das ist in der Hitliste meiner untold stories auf jeden Fall ganz weit oben. Damit habe ich jetzt nicht gerechnet.

    Alle: YEAH! (lachen)

    Jule: Dann danke ich euch, dass ihr euch die Zeit für dieses schöne und lustige Interview genommen habt.


    Und hier könnt ihr euch „Vagabund“ in seiner vollen Gänze anhören. PS: Vielleicht gibt es ja bald nochmal tolle Kicker Dibs-News? Stay tuned, stream the album, thanks and bye. <3

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    Fotocredits: Tobias Schult / Julian Mathieu