Autor: Jule

  • Stadt Land Flucht im Interview: »Wir sind einfach Künstler, die sich gegenseitig unterstützen«

    Seit Jahren supporten sich die Kasseler Musiker MOA, Fullax und Ma Fleur gegenseitig bei ihren Releases oder Videos. Und nun bekommt dieser Support einen Namen und ein Zuhause: Stadt Land Flucht – ein Kollektiv, das die Jungs aus einem gemeinsamen Song heraus gegründet haben. Und dieser Song ist absolut hörenswert, weil er auf die vielleicht perfekteste Weise die drei unterschiedlichen Sounds der Jungs vereint und den Hörer:innen so den musikalischen Zusammenhalt näherbringt. Unsere Kassel-Beauftragte Jule hat die Jungs virtuell im Proberaum zum Interview getroffen und mit ihnen über Songwriting-Sessions via Zoom, ihre Zukunftspläne und – Achtung! – Konzerte gesprochen.


    MOA, Fullax und Ma Fleur im Interview

    Jule: Hey! Schön, dass ihr euch die Zeit genommen habt. Wie ist es dazu gekommen, dass ihr einen gemeinsamen Song aufgenommen habt. Und: Warum nicht schon früher, ihr kennt euch ja auch schon ziemlich lange.

    MOA: Gute Frage. Ich glaube, wir wollten es alle nie so erzwingen, dass wir uns hinsetzen und einen gemeinsamen Song schreiben – auch wenn wir da nie so drüber gesprochen haben. Aber in dem Fall hat es sich einfach natürlich so ergeben. Ich hatte diese Demo und habe sie, wie all meine Demos, rumgeschickt. Dann hat Ma Fleur einen C-Part drauf gesungen, Fullax haben die zweite Strophe gemacht. Und dann dachten wir uns „hey, von uns ist keiner gerade dabei, eine große Produktion zu machen, wir sind alle in diesem Winter-Lockdown-Modus, also nutzen wir unsere Zeit einfach“. Das war auch total schön, weil wir dadurch eigentlich jede Woche gezoomt und uns eben digital getroffen haben. So ist dann nach und nach der Song entstanden. Fullax haben ihn dann fertig produziert. Es ist einfach, wie schon gesagt, so richtig natürlich entstanden.

    Jule: Stadt Land Flucht ist ja nicht nur ein Song, es ist auch ein Kollektiv. Wie habt ihr das für die Zukunft geplant, auch hinsichtlich neuer eigener Songs?

    Jonas (Fullax): An sich gibt es bis jetzt auch eigentlich keine großen Pläne, wir lassen das alles total auf uns zukommen. Ich glaube, jeder hat so für sich Pläne für die nächsten Monate und den Sommer. Aber insgesamt als Kollektiv lassen wir das erstmal offen.

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    MOA: Wir haben uns ja alle schon immer gegenseitig unterstützt, gegenseitig unsere Videos gemacht, bei den Produktionen geholfen und sowas. Und jetzt hat das einfach so ein Zuhause und einen Namen bekommen. Wir werden uns natürlich auch zukünftig alle unterstützen. Es ist auch geplant, dass zukünftige Releases von uns auch unter diesem Kollektiv veröffentlicht werden. Ähnlich wie bei einem Label, nur, dass wir noch mit einem externen Vertrieb zusammenarbeiten. Weil wir halt keine Business-Futzis sind, sondern einfach Künstler, die sich gegenseitig unterstützen.

    Jule: Was hat es denn eigentlich mit der Stadt Land Flucht-Plakataktion auf sich?

    Ma Fleur: Das ist eine Art Promo-Aktion, die wir zwar in der realen Welt gefilmt haben, die aber einfach nur im Internet stattfindet. Das war eigentlich mehr eine gefakte Plakataktion (lacht). Wir haben viele in der Unterführung an der Uni in Kassel aufgehängt, die müssten auch noch da sein. Aber alle anderen wahrscheinlich nicht mehr.

    MOA: Die Idee war auch ein bisschen, dass das Stadt Land Flucht-Thema wie eine Bewegung dargestellt werden sollte, auch in dem Video. Die Plakataktion hat dann auch so zu dem Video hingeführt. Dieses Thema, was ja auch ziemlich politisch ist, soll auch als Bewegung gesehen werden. Dass die Leute mal wieder ihren Kopf leeren können und wenn es in der Stadt zu viel wird, einfach mal aufs Land flüchten.


    „Größere Städte überfordern mich einfach“

    Jule: Das Thema des Songs ist ja grundlegend durch MOA entstanden. Ist es trotzdem eins, was euch alle irgendwie beschäftigt?

    Ma Fleur: Ich spreche mal nur für mich: Mir geht es auf jeden Fall auch so, dass größere Städte wie Berlin oder London… die überfordern mich einfach. Da ist so viel los, es gibt so viele Eindrücke, die da auf dich einprasseln. Und genau dieses Gefühl habe ich versucht, in meinem Part des Songs zu verarbeiten. Dass man super viele Möglichkeiten hat und einem alle Türen offenstehen, ich aber für mich in der Stadt trotzdem das Gefühl habe, ich komme nicht voran.

    Julian (Fullax): Für die Hawaii-EP, die wir 2017 aufgenommen haben, waren wir in Berlin. Schon nach 5 oder 6 Tagen war uns das irgendwie zu viel und wir hatten das Bedürfnis, nach Potsdam zu fahren. Weil wir einfach raus wollten und keinen Bock mehr auf die große Stadt hatten. Also mir geht das in großen Städten dann echt schon oft so.

    Jule: Ich lebe ja in Berlin, wobei ich im ruhigen Südwesten wohne. Tatsächlich wäre mir Kreuzberg oder Neukölln auf Dauer auch zu viel. Ich bin froh, wenn ich in mein grünes, leises Viertel komme und Zuhause einfach meine Ruhe habe. Wobei ich dauerhaft auf dem Land auch eingehen würde, dafür bin ich dann doch zu viel Stadtmensch. Tricky (lacht).

    MOA: Ja, Ma Fleur und ich wohnen auch am Rand von Kassel, das ist auch schon fast Land. Und jetzt gerade sind wir auch am Arsch der Welt (lacht).

    Jonas (Fullax): Genau, wir kommen nämlich so richtig vom Land, eine halbe Stunde südlich von Kassel, aus einer Mini-Kleinstadt. Und genau, da sind wir jetzt auch gerade, in unserem Proberaum.

    Jule: Apropos Proberaum, da seid ihr ja jetzt nicht ohne Grund. Ihr habt mir im Vorfeld unseres Interviews ja schon etwas verraten, das mit einem gemeinsamen Konzert zu tun hat. Erzählt doch mal.

    MOA: Voll gerne. Wir dürfen in ein paar Tagen gemeinsam für den Hessischen Rundfunk ein Konzert spielen. Der HR möchte hessischen Musiker:innen in diesen Zeiten eine Bühne bieten und sie unterstützen. Dafür konnte man sich bewerben, was wir dann auch getan haben. Die Konzerte werden dann in voller Länge in der ARD-Mediathek zur Verfügung stehen.

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    Jule: Spielt dann jeder seine Sets alleine oder werdet ihr euch auch auf der Bühne unterstützt?

    Ma Fleur: Also MOA und ich spielen jeweils alleine mit Gitarre, ein bisschen stripped down.

    Julian (Fullax): Wir spielen wie immer zu zweit unser Set (lacht).

    Jonas (Fullax): Und wir spielen natürlich auch als eine große Band sozusagen gemeinsam den „Stadt Land Flucht“-Song, das können wir uns natürlich auf gar keinen Fall nehmen lassen.

    Jule: Das freut mich total für euch, das ist ja wirklich ein krasses Privileg. Seid ihr aufgeregt?

    MOA: Für mich ist das auf jeden Fall krass. Im ersten Moment habe ich mich ultra gefreut, dass ich endlich wieder live spielen kann. Und im zweiten Moment habe ich mich gefragt, ob ich das überhaupt noch kann (lacht). Weil halt so richtig in einem Setup und nicht nur vor einem Laptop habe ich das letzte Mal vor 1,5 Jahren gespielt. Das fühlt sich für mich gerade ein bisschen wie ein Neuanfang an. Ich bin auf jeden Fall aufgeregt, auch anders aufgeregt, als ich es vor 1,5 Jahren vor Konzerten war.

    Ma Fleur: Ich find’s vor allen Dingen spannend, weil das ja eine richtige Fernsehproduktion ist. Ich bin deswegen aufgeregt, wegen dieser ganzen Umstände, die damit verbunden sind. Die Proben jetzt liefen eigentlich ganz gut, da mache ich mir wenig Sorgen, dass wir das verhauen könnten oder so. Aber das ganze Setting ist einfach interessant.


    „Mir fehlen beispielsweise Konzerte total“

    Jule: Klingt nach einem Lichtblick für euch in diesen crazy times. Wie kommt ihr ansonsten so klar? Aktuell gibt es ja nicht allzu viel, was die Kreativität fördern könnte, zu erleben. Bemerkt ihr das, wenn ihr Musik schreiben oder produzieren wollt?

    Alle: JA!

    Julian (Fullax): Mir fehlen beispielsweise Konzerte total. Ich bin immer mega inspiriert, wenn ich auf Konzerte gehe und habe dann mega Bock, selbst Musik zu machen. Und das fehlt mir gerade so sehr, ich merke das absolut. Das ist super schwierig für mich.

    Ma Fleur: Bei mir kommt das eher so schubweise – auch, wenn nicht Corona ist. Ich setze mich tatsächlich nicht jeden Tag hin und versuche etwas zu schreiben. Ich habe so phasenweise mal eine Woche, da schreibe ich viel und das reicht dann auch erstmal für die nächste Zeit. Da fällt dann immer wieder was weg, ein paar Zeilen bleiben und das entwickelt sich so. Das Songwriting ist bei mir weniger geplant, als dass es einfach passiert.

    MOA: Mir fehlt auch total der Input für Songs. Es passiert irgendwie nichts und trotzdem viel. Aber man kann jetzt auch nicht 10 Corona-Songs schreiben, ne. Für mich ist es auch besonders doof, weil ich gerade auch viel mit anderen Leuten Songs schreibe und mit anderen Produzenten zusammenarbeite. Aber seit Herbst geplante Sessions müssen einfach immer wieder verschoben müssen. Das ist natürlich… doof.

    Jule: Und so ist wahrscheinlich auch der „Stadt Land Flucht“-Song passiert. Wie kann ich mir Songwriting- und Produktions-Sessions via Zoom eigentlich vorstellen? Das klingt super schwierig für mich.

    MOA: Das Gute ist ja, dass heutzutage alles irgendwie digital ganz gut machbar ist. Nachdem das Grundgerüst stand, haben wir über den Text gesprochen und beispielsweise Bass über Zoom aufgenommen. Das war eigentlich geil, ich habe das eingespielt, während die Jungs über Zoom zugehört haben, habe die Spur dann an Julian geschickt und schon war es in dem Projekt.

    Julian (Fullax): Genau, er hat über Zoom seinen Bildschirm freigegeben, so dass ich sehen konnte, was er aufnimmt und wie es klingt. Wir konnten uns dadurch natürlich auch währenddessen besprechen. Das hat wirklich richtig gut funktioniert.

    MOA: Eigentlich sogar erschreckend gut (lacht). Wir konnten es zwar logischerweise nicht gemeinsam aufnehmen, aber am Ende haben die einzelnen Spuren trotzdem einen tollen Song ergeben, das ist schon krass.

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    Jule: Das ist für mich echt kaum vorstellbar, wie man während eines Videocalls mit lauter einzelnen Vocal- und Instrument-Schnipseln die Vorstellungskraft für einen fertigen Song haben kann. Aber deshalb seid ihr wohl die Musiker und ich die, die euch ausfragt, ne? (lacht)

    Ma Fleur: (lacht) Also die Demo, die MOA uns geschickt hat, die war dem Song, der jetzt am Ende dabei rausgekommen ist, zugegebenermaßen schon relativ ähnlich. Zum Beispiel das Gitarrenriff, das sich so durch den Song zieht, das war schon von Anfang an da und wurde eigentlich nur noch ausgefeilt.

    Jonas (Fullax): Die Drums haben wir zwar nochmal neu aufgenommen und auch Kleinigkeiten verändert, aber das Grundlegende basiert schon auf der Demo. Daran haben wir uns orientiert. Ich glaube, hätten wir den Song von Null angefangen zu schreiben, dann muss ich dir Recht geben, das stelle ich mir über Zoom oder so auch echt schwer vor. Aber so war es eben der natürliche Lauf, der, wie MOA vorhin schon meinte, einfach passiert ist.

    Jule: Dann kommen wir jetzt auch schon zur letzten Frage, bei der sich bei uns immer alles um eine untold story dreht. Vielleicht etwas Lustiges, was euch während der Aufnahmen passiert ist?

    Julian (Fullax): (lacht) Ohje, für sowas sind wir doch viel zu langweilig.

    MOA: Tatsächlich ist das mit dem Konzert unsere untold story, das haben wir bisher noch nicht öffentlich gemacht. Die haben wir jetzt schon ein bisschen vorweggenommen, naja (lacht).

    Jule: Das ist gar nicht schlimm! Danke für eure Zeit und das schöne Interview. Ich wünsche euch ganz viel Spaß bei eurem Konzert – ich werde mir das natürlich ansehen, sobald es online ist!


    Und hier könnt ihr euch den gemeinsamen Song von MOA, Fullax und Ma Fleur anhören:

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  • Exklusive Videopremiere: Lazarus Dance & The Great Swindle und „Commander Blue“

    Wir haben heute eine ganz besondere Videopremiere für alle Fans von Lassie, Kommissar Rex oder Susi und Strolch: Lazarus Dance & The Great Swindle veröffentlichen nämlich exklusiv bei uns das Musikvideo zu ihrer neuen Single Commander Blue. Warum Jule beim Schauen des Videos wild mit Leckerlies um sich geworfen hat (metaphorisch gemeint) und warum dieses Musikvideo trotz Diebstahl eine unfassbar süße Story erzählt, erfahrt ihr jetzt.


    Können wir zu allererst einmal über den vielleicht besten Bandnamen des Jahres 2021 sprechen? Allein den Namen des Sängers, Lazarus Dance – kann man sich nicht ausdenken. Die restliche Band, bestehend aus Lars, Christian und Nico, dann aber noch The Great Swindle (sprecht mal Swindle laut aus, was für ein geil klingendes Wort auch) zu nennen – ich find’s mega. Und wer sich die Jungs mal genauer anschaut, dem könnten einige Gesichter vielleicht sogar bekannt vorkommen: Lars und Christian sind nämlich auch Teil der Band Leopard, mit denen ich mich im Sommer letzten Jahres zum Interview, das ihr hier nachlesen könnt, getroffen habe. Außerdem haben Leopard auch eine after-christmas-Livesession für uns gespielt, die ihr euch auf unserem IGTV anschauen könnt. Aber das nur am Rande für die Freaks wie mich, die solche Hintergrundinfos lieben.

    Bevor wir aber gleich zum Musikvideo kommen, checken wir natürlich erstmal den Song selbst ab,. Commander Blue ist erst die zweite Single der Berliner Band und beginnt mit einer entspannten Surf-Rock-Melodie und einer geilen mystischen E-Gitarre. Die leichten Psychedlic-Sounds projizieren mir direkt einen Arthouse-Film vor mein inneres Auge. Nach einer durchzechten Nacht sitzt man in der S-Bahn, die Sonne geht gerade auf. Und im Hintergrund läuft eben jener Song. Meine Vorstellungen machen total Sinn, wenn man weiß, dass Lazarus Dance selbst auch Visual Artist ist – der es offensichtlich sogar schafft, allein mit Musik richtig schöne Bilder zu erzeugen. Ich mag die Vocals total gerne, die irgendwie magisch-verrückt und gleichzeitig sehr wohlig klingen. Gerade im Zusammenspiel mit den Instrumenten ergibt das eine völlig eigene Sphäre. Und immer wenn er „Commander Blue“ singt, zieht irgendwo auf der Welt ein:e Zauberkünstler:in ein Kaninchen aus dem Hut.

    Ich will es jetzt aber auch nicht weiter hinauszögern. Schließlich habe ich noch viele Dinge zum Video zu sagen, das ihr euch hier anschauen könnt:


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    Am Anfang sehen wir neben Sänger Lazarus und Gitarrist Christian, der das Video auch written and directed hat, die Hauptfigur des Videos: Eine junge Frau, die in ihren Träumen eine gute Zeit mit EINEM HUND HAT AND I CAN RELATE THAT SO BAD (sorry, aber wenn ich Hunde sehe, werde ich eine ganz andere Jule). In der nächsten Szene sehen wir sie die Straße entlanglaufen und einem Doggo begegnen, der dem vorgenannten wie aus dem Hundegesicht geschnitten aussieht. Selbstverständlich, dass man ihm folgt. Als die Hundebesitzerin diesen für einen kurzen Einkauf vor dem Supermarkt anbindet, ergreift sie ihre Chance und naja, nimmt ihn mit. Das ist natürlich irgendwie Diebstahl, den ich nicht gutheißen kann, aber naja irgendwie… doch schon.

    So macht sie sich mit dem dog of her dreams auf den Weg, um eine ebenso gute Zeit zu haben, wie sie sie in ihrem Traum hatten. Leider hat Doggo gar nicht mal so viel Bock. Eigentlich echt gar keinen. Krampfhaft versucht sie das Herz des Vierbeiners zu gewinnen, täuscht sogar einen Badeunfall vor, um irgendeine Emotion hervorzurufen – vergeblich. Es ist ein bisschen heartbreaking für mich das mit anzusehen, weil ich ihre Gefühle völlig nachvollziehen kann. Wie mies ist es, wenn man von einem süßen Wuff nicht beachtet wird? Resigniert und akzeptierend, dass dieser Hund eben doch nicht der aus ihrem Traum ist, bringt sie ihn am Ende wieder zurück zum Supermarkt.

    Während dieser fast schon traurigen Geschichte tauchen auch immer wieder Lazarus und Christian auf. Mal als Erinnerungsfoto schießende Passanten, mal auf einer Parkbank sitzend. Dieses Video ist voll von kleinen süßen und witzigen Details, dass sich aufmerksames Anschauen wirklich lohnt. Meine Lieblingsszene: Lazarus, der aus dem Netto-Supermarkt mit zwei Edeka-Tüten stapft. Das ist die Art von Humor, die ich gerne habe. Das Video spiegelt optisch auch ziemlich genau die Vibes wider, die mich Commander Blue akustisch schon erahnen ließ.

    Es könnte sein, dass Lazarus Dance & The Great Swindle mit diesem Musikvideo schon jetzt eines meiner liebsten des Jahres gezaubert haben. Und ich hoffe, ihr seht das genauso. I mean, es geht hier immerhin um Hundecontent, wer liebt das denn nicht?

    Falls ihr euch nach dem Video den Song in eure liebste Playlist packen wollt, verstehe ich das voll. Hier gibt’s Commander Blue zum direkt auf Spotify abspeichern:

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    Fotocredit: Domink Endreß

  • Kaltenkirchen und die „PHASE 2: EISZEIT“-EP: Das Auseinandersetzen mit sich selbst

    Und weiter geht’s: Kaltenkirchen aus Wien haben letzten Freitag die „PHASE 2: EISZEIT“-EP veröffentlicht. Sie ist die zweite von vier EPs, die in einem 7-wöchigen Rhythmus erscheinen und jeweils 3 bis 4 Songs beinhalten werden. Thematisch werden die Phasen, die Sänger Philip Maria Stoeckenius mit seiner Panik verbindet, und der Umgang damit behandelt. Die Review zum ersten Teil, der „PHASE 1: PANIK“-EP, könnt ihr hier nachlesen. Und wie es sich für einen guten Mehrteiler gehört, hat sich Jule natürlich auch den zweiten Streich ganz genau angehört. Um welche Phase es sich hier handelt und wie die EP klingt, lest ihr jetzt.


    Erstmal wieder ein kurzer Situationscheck. Ich bin ja nicht nur Redakteurin, ich bin an erster Stelle auch einfach Fan (bekanntlich auch besonders von Kaltenkirchen). Nur, dass ich den absolut geilen Vorteil habe, schon vor allen anderen die neuesten Songs hören zu dürfen. Das erlaubt es mir, die Mittagspause meines ungefähr 673. Tages im Homeoffice mit neues Musik von Kaltenkirchen zu verbringen. Also let’s go, ich habe Bock!


    Von 0 auf Dramatik in gerade einmal 1:29 min.

    Der erste Song der EP heißt „EISZEIT (INTRO)“ und ist genau das, was er verspricht: ein Intro. Allerdings ist es wohl das gehaltvollste Intro, das textlich nur aus einem Satz besteht, das ihr je gehört habt. Beginnen tut das Intro mit einem sanften Klavier, zu dem sich dann ein ebenfalls sanfter und fast schon flüsternder Gesang gesellt. „Und wir fahren auf der Autobahn direkt in die Eiszeit hinein“. Das Intro baut sich immer weiter auf, das Klavier erhält Unterstützung von Synthies und Drums und der Gesang wird energischer. Zum Ende taucht dann noch eine derbe E-Gitarre auf, die den Aufbau des Songs vollendet. Kaltenkirchen schaffen hier mit gut gesetzten Sounds genau die Dramatik, der sich wohl auch Sänger Philip beim Tauziehen mit seinen Panikattacken ausgesetzt gefühlt haben muss.

    Der oben zitierte, mit den verschiedensten Emotionen gesungene Satz lässt dabei so viel Platz zur Interpretation, dass mir fast schwindlig wird. Einige werden es vielleicht schon mal erlebt haben: Das metaphorische Wegrennen, ob aus Verzweiflung, Angst oder Überforderung. Man rennt immer weiter, ohne zu wissen, wo man am Ende ankommt. Oder ob man überhaupt irgendwo ankommt. Und ob dieser Ort dann nicht eine dunkle und kühle Eiszeit ist, auch das weiß man nicht. Sinnbildlich könnte das für die erste Auseinandersetzung mit der Panik und sich selbst stehen.


    Mut steht am Anfang des Handelns
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    Weiter geht’s mit „NEUE WEGE“ – und damit in genau die Richtung, die wir gerade eingeschlagen haben. Der Song beginnt mit Kaltenkirchen-typischen Synthies, die ziemlich fix erneut von einem Klavier verdrängt werden. Das Klavier scheint auf dieser EP eine größere Rolle zu spielen, was ich akustisch in Kombination mit Synthies, starken Drums und E-Gitarren sehr ansprechend finde. Als ich die Strophe des Songs das erste Mal höre, bin ich begeistert von der Art, wie Philip diese singt. Das habe ich so von ihm bisher noch nicht gehört. Er singt sehr weich und lieblich, die Töne faden sanft aus. Das finde ich wirklich schön. Der Song hat einen aber einen hörbar positiven Vibe. Philip scheint zu sich selbst zu sprechen und sich ermutigen zu wollen, aus seinem persönlichen Teufelskreis auszubrechen. Oder wenigstens den ersten Schritt in Richtung Ausbruch zu machen. Dass auch hier unsicher ist, wo er landen wird, ist nochmal ein schöner Aufgriff des Intros.


    „Komm wir gehen neue Wege
    Dreh dich mit mir um und lauf
    Wir wissen beide nicht, wo’s hingeht
    Hauptsache irgendwo raus“


    Ich bin noch am überlegen, ob „NEUE WEGE“ neben PANIK vielleicht einer der allerbesten Kaltenkirchen-Songs ist. Die Melodie hat einen schlimmen (also gut-schlimmen, ihr wisst schon) Ohrwurm-Charakter, dazu gefühlvoller Gesang und kräftige Instrumente, die mich durchfahren. Das‘ schon ziemlich geil einfach. Während ich versuche, mir darüber klar zu werden, gibts hier erstmal das Musikvideo zu „NEUE WEGE“, das ihr euch auf jeden Fall mal anschauen solltet!

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    Kaum etwas ist realistischer als eine Utopie

    Der letzte Hit der EP heißt „ATARI“ – genau, wie die Unterhaltungselektronik. Und dieser Song wirft er uns direkt in eine sehr bildliche Situation: Philip sitzt auf dem Beifahrersitz. Bereit, um sich mit Hilfe von jemandem auf den Weg zu machen. Auf den Weg an einen Ort, wo hoffentlich alles wieder gut werden kann. Atari. Kaltenkirchen geben zu verstehen, wie wichtig der Halt und die Hilfe von Menschen ist. Die den Weg, den man vielleicht selbst noch gar nicht sieht und alleine vielleicht auch nicht schaffen würde, mit einem gehen. Die währenddessen unterstützen, zuhören, auffangen. Das lässt sich auch im Sound raushören, der geht nämlich sehr nach vorne und hat so eine richtige „Trau dich, tu es!“-Attitüde. Gewidmet ist der Song all denjenigen, die während seiner Panikattacken und Depression für Philip da waren und bei denen er sich zurücklehnen konnte. Das lässt „ATARI“ für mich noch einmal in einem anderen Licht leuchten, weil mich das schon sehr berührt.

    Ob er sein Atari erreichen wird und wie der Prozess seiner Panik weitergeht, werden wir in ein paar Wochen erfahren, wenn die dritte PHASE-EP erscheint. Kaltenkirchen schaffen es auf jeden Fall auch mit der „PHASE 2: EISZEIT“, mir das Thema Panikattacken und vor allen Dingen ihre persönlichen Erfahrungen damit näher zu bringen. Das Thema der EP, nämlich die Auseinandersetzung mit vor allen Dingen sich selbst, ist wunderbar in Musik umgewandelt worden. Selbst die, die nur so mittelgut interpretieren können, dürften klar verstehen, worum es geht. Und das alles ist mal wieder verbunden mit einem einzigartigen Sound von Kaltenkirchen, der sich zwar weiterentwickelt, aber trotzdem ein einziges Alleinstellungsmerkmal ist. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie die Geschichte weitergeht.


    Hier könnt ihr euch die „PHASE 2: EISZEIT“-EP von Kaltenkirchen anhören:

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    Fotocredits: Kim Hoss / Steffen Geldner

  • CATT im Interview: »Ich folge immer dem, was sich gut anfühlt und was mir Freude macht«

    CATT ist wahrscheinlich eine der talentiertesten Künstlerinnen unseres Landes. 2018 machte die in Berlin lebende Multiinstrumentalistin das erste Mal musikalisch auf sich aufmerksam. 2019 erschien ihre Debüt-EP Moon und schon 2020 legte sie dann mit ihrem ersten Album „Why, Why“ nach. Letzten Freitag veröffentlichte CATT einen Song des Albums, nämlich „How Can I Become“, in einer wunderschönen Streicher-Version. Jule hat sich deshalb mit ihr zum Interview verabredet, in dem CATT über die Entstehungsprozesse ihrer Songs im Allgemeinen und natürlich auch über den neu arrangierten Song erzählt. Viel Spaß beim Lesen!


    CATT im Interview

    Jule: Für den (unwahrscheinlichen) Fall, dass dich jemand noch nicht kennen sollte: Magst du dich vielleicht einmal vorstellen? Wer ist CATT, was macht sie, wie klingt sie?

    CATT: Ich bin Musikerin und lebe im Moment in Berlin. Ich komme aber ursprünglich aus einem kleinen Dorf mit drei Häusern, das in mir wahrscheinlich bis heute in meiner Verbindung zur Natur weiterlebt. Ich habe Musikproduktion und Klavier studiert und war mit vielen Bands und Künstler:innen unterwegs in den letzten Jahren. Seit letztem Jahr habe ich mich das erste Mal komplett auf’s CATT-Sein fokussiert. Ich habe mein erstes Album rausgebracht, letzten November, und ich glaube, das klingt nach organischem Indie-Pop, der sich in viele Richtungen verzweigt. Klavier und Blechbläser ziehen sich durch die meisten meiner Songs.

    Jule: Du bist ja Multiinstrumentalistin, aber auch eine Loopstation gehört zu deinem Repertoire. Wie bekommst du diese vielen verschiedenen Sounds mit der Loopstation so koordiniert, dass die Songs live genauso klingen, wie auf der Platte?

    CATT: Ich glaube, das ist eine Mischung aus Übung und Mut, im richtigen Moment aufs richtige Pedal zu treten. Und mir fiel es schon seit meiner Kindheit ziemlich leicht, spontan Stimmen, Beats, Ideen übereinander zu bringen.

    Jule: Entstehen deine Songs auch mit dem Hintergedanken, dass sie mit der Loopstation funktionieren müssen? Oder ist der Entstehungsprozess völlig unabhängig davon?

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    CATT: Der Entstehungsprozess ist erstmal völlig unabhängig vom späteren Publikum oder der Live-Umsetzung. Am Anfang geht’s wirklich nur darum, dem Gefühl zu folgen, in das sich ein Song entwickeln möchte. Ich folge immer dem, was sich gut anfühlt und was mir Freude macht. 

    Jule: Du hast ja schon dein Album „Why, Why“ erwähnt, das im November erschienen ist. Wie war es für dich, inmitten von Lockdown und totaler Unsicherheit was die Zukunft angeht, 12 neue Songs in die Welt zu entlassen?

    CATT: Mir war es in der verrückten Situation des letzten Jahres umso wichtiger, die Songs genau da zu veröffentlichen und nicht aus irgendwelchen strategischen Gründen oder so zu warten. Ich hatte das Gefühl, sie könnten Trost geben und dem einen oder der anderen ein musikalischer Gefährte sein.  

    Jule: Magst du vielleicht auch etwas zur Entstehung von „Why, Why“ erzählen? Du kommst ja ursprünglich vom Land und lebst inzwischen in Berlin. Für die Produktion des Albums hast du dich aber wieder aufs Land zurückgezogen, richtig?

    CATT: Ja, genau. Ich hatte ein Stipendium und durfte am Rande Hamburgs sechs Wochen lang einfach wohnen, fernab von allem. Das war so heilsam und besonders, nachdem ich gefühlt nur auf Tour war und unglaublich viel gearbeitet habe für verschiedenste Projekte. Ich durfte sozusagen einfach mal mit gutem Grund aus allem aussteigen. Jeden Morgen begann ich am Flügel und hatte mir im Gartenhaus der Villa ein kleines Tonstudio eingerichtet, in dem ich dann mit all meinen Instrumenten die Skizzen weiterentwickelte. Ich hab mit allem, was ich dort hatte, Musik gemacht und habe die Limitierung der technischen Möglichkeiten zum Instrument gemacht. Zum Beispiel ist der Beat bei „How Can I Become“ der Schreibtisch aus dem Gartenhaus. Es hat sehr viel Spaß gemacht, für diese sechs Wochen so richtig in diese Welt zu verschwinden und eine eigene zu erschaffen. 

    Jule: Du hast „How Can I Become“ ja auch gerade in einer Streicher-Version veröffentlicht und dir damit einen kleinen Traum erfüllt. Wie war es für dich, das instrumentale Zepter so ein wenig aus der Hand zu geben?

    CATT: So richtig aus der Hand gegeben hab’s ich ja gar nicht, ich habe es ja Note für Note komponiert und aufgeschrieben. Aber klar, im Studio haben dann natürlich die Streicher:innen übernommen und ich hatte ungewohnterweise mal kein Klavier vor mir. Ich habe mir die musikalische Leitung mit dem Produzenten Tim Tautorat geteilt, der spontan beschloss, das Quintett zu dirigieren. Normalerweise spielt man ja mit Metronom und Kopfhörern auf den Ohren im Studio. Wir konnten das dadurch alles weggelassen und ganz echt, nah und akustisch miteinander im Raum spielen.

    Jule: Es gibt dazu ja auch ein Video von Michèl M. Almeida, das dich und das Streichquintett zeigt. Wie war es für dich, nach gefühlt 200 Jahren wieder gemeinsam mit anderen Musiker:innen in einem Raum zu stehen und einen Song zu performen?

    CATT: Unglaublich schön! 

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    Jule: Gibt es eigentlich einen besonderen Grund dafür, dass es „How Can I Become“ geworden ist, den du neu arrangiert hast?

    CATT: Die Idee mit den Streichern hatte ich schon länger. Im kalten Lockdownwinter wollte ich dann einfach etwas richtig Schönes machen. Und am Ende diesen verrückten Jahres blieben ja wirklich viele Fragen für uns alle, die ich dann irgendwie mit dieser einen Frage ‘How can I become like a river?’ zusammenfassen wollte. Und dem ganzen irgendwie Hoffnung dazugeben. 

    Jule: Die Resonanz zu „Why, Why“ war ja (zu Recht!) super positiv und hat dir viele schöne Möglichkeiten für (Fernseh-)Auftritte und Features eröffnet. Wenn wir mal kurz die Pandemie ausblenden: Was würdest du in Zukunft gerne mit deiner Musik erreichen?

    CATT: Durch Deutschland und Europa touren und durch die Musik an wunderschöne und auch entlegene Orte gelangen.

    Jule: Kommen wir auch schon zur letzten Frage. Und die ist immer die nach einer untold story, einem Funfact oder Geheimnis, das du in noch keinem Interview verraten hast.

    CATT: Ich bin ziemlich gut im Pfannkuchen machen. Special CATT-approved Tipp für euch: Mixt mal in euren Teig Spinat und Banane und dann am Ende kommen Walnüsse, veganer Feta und Agavensirup drauf. 

    Jule: Ui, das klingt zwar ungewöhnlich, aber auch ziemlich lecker. Vielen Dank für den Tipp und das schöne Interview!


    Hier könnt ihr euch noch das wunderschöne Album „Why, Why“ von CATT anhören:

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    Fotocredits: Massimiliano Corteselli / Michèl M. Almeida (Video Still)

  • Motivationscoach Frith Vogel und sein neues Aufputschmittel „Ich bin stark“

    Wer kennt’s? Gerade aufgewacht und eigentlich ist der Tag schon gelaufen. Ins Badezimmer geschlurft, einen neuen Pickel entdeckt. „Und wie sehen eigentlich meine Haare aus? Naja. Erstmal einen Kaffee, dann sieht die Welt schon ganz anders aus. Jackpot, schmeckt nur nach Wasser“. Und dann die Einsicht: „Alles klar, heute ist nicht mein Tag“ … Aber das muss doch nicht sein! Frith Vogel hat mit Ich bin stark nämlich kürzlich einen Song veröffentlicht, mit dem man sich in nur knapp 2 Minuten wieder in den richtigen Modus bringen kann. Alle Infos zum Song und zu Frith Vogel selbst serviert euch Jule jetzt – natürlich standesgemäß im Trainingsanzug, ist doch klar.


    Na, wer hat sich im Einleitungstext wiedererkannt? Ich denke, jede:r von uns hat mal genau diesen Tag. Da ist morgens einfach schon klar: Das wird heute alles nix. Aber das ist okay. Und wahrscheinlich sind solche downer auch wichtig, um mal wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzukehren und die guten Tage (wenigstens kurz) ein bisschen wertzuschätzen. Wenn man sich diesen morgendlichen bad vibes aber nicht hingeben will, dann kann ich euch Frith Vogels neue Single „Ich bin stark“ nur ans Herz legen.

    Frithjof Vogelsang, wie er bürgerlich heißt, macht seit ca. einem Jahr als Frith Vogel Musik, nachdem er lange in einer Band Schlagzeug gespielt hat. Am Vornamen lässt es sich vielleicht schon erkennen, dass er ursprünglich aus Nordfriesland kommt. Er hat im letzten Jahr z.B. auch einen Song namens Ich will mit dir nach Dagebüll (das ist halt in Nordfriesland) veröffentlicht. Seine Songs haben allesamt super energetische Vibes, die mir einfach immer ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Ich muss mich aber auch dahingehend outen, dass ich Menschen aus Norddeutschland mit ihrer offenen Art und ihrem geilen Dialekt einfach sowieso sehr gerne mag.


    Frith Vogel ist stark und ich will das auch sein
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    „Ich bin stark“ beginnt mit unaufdringlichen uptempo-Synthies und Claps, die per se schon mal ziemlich aufheiternd auf mich einwirken. In den Lyrics spricht Frith Vogel sich (und mir) gut zu: Wir sind stark, wir sind stabil, wir sehen gut aus. Hat auf eine beschwingte und coole Art ein bisschen was von einem Motivationscoaching. Im Laufe des Songs gesellen sich dann auch Percussions und eine E-Gitarre dazu und machen die rhythmische Aufmunterung damit für mich nahezu perfekt.

    Zur Entstehung des Songs sagt Frith Vogel: „Ich bin nicht unbedingt für meine Körperkraft bekannt. Doch eines Abends fand ich mich vor dem Spiegel stehend, die Schlafanzughose bis über den Bauchnabel hochgezogen, der Oberkörper frei. Ich sah wie ein Boxer aus, fand ich. Richtig stark. Am nächsten Tag hatte ich eine Prüfung im Studium zu bestehen. Vielleicht rührten daher das künstliche Aufputschen und der Wunsch, sich stark und der Situation gewappnet zu fühlen“.

    Zugegeben, der Text ist nicht sonderlich tiefgründig, aber darum geht es hier auch überhaupt nicht. „Ich bin stark“ ist ein Song, der dir mit der nötigen Prise an Humor ein gutes Gefühl geben will, wenn dir das gerade mal abhandengekommen ist. Ich meine, am Ende des Songs gibt’s tosenden Applaus. Wenn das nicht aufputscht, dann weiß ich auch nicht?


    Frith Spaßvogel ist für alle da

    Eine Sache, die ich am Sound von Frith Vogel auch sehr mag: Er macht Musik, weil er Spaß daran hat. Wir haben es hier nicht mit Songs zu tun, die von 392 Produzent:innen „perfektioniert“ worden sind. Und ich liebe es, dass ich hier den puren Künstler zu hören bekomme – der mir (sorry, dass ich mich wiederhole, aber es ist einfach so) immer gute Gefühle gibt. Es lohnt sich aber auch, auf kleine Details zu achten. Wer sich „Ich bin stark“ auf Spotify anhört, der wird entdecken, dass als Label die „Aufzeichnungsgesellschaft Vogel mit Nestsitz im Frithwald“ angegeben wurde. Und damit beende ich diesen Artikel, denn besser lässt sich sein Spirit nicht erklären.


    Hier könnt ihr euch das Musikvideo zu „Ich bin stark“ anschauen:

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    Fotocredit: Chiara Linzenmeier

  • Exklusive Videopremiere: Tropikel Ltd und „Monsun“

    Heute gibt’s mal ein bisschen Fusion für die eingestaubten Ohren – und Augen: Tropikel Ltd veröffentlichen heute exklusiv bei uns vorab das Musikvideo zu ihrer neuen Single „Monsun“, bevor diese dann morgen auch bei eurem Streamingdienst des Vertrauens erscheint. Wie „Monsun“ klingt, wie das Video aussieht und vor allen Dingen, was das mit Fahrradfahren und einem trockenen Feld am Waldrand zu tun hat, erfahrt ihr jetzt.


    Tropikel Ltd dürften euch vielleicht schon mal über den musikalischen Weg gelaufen sein. Mit Songs wie Schatzkiste“, „Sie will mit mir küssen oder zuletzt Puls 1000 hat sich die dreiköpfige Band aus Berlin inzwischen eine beachtliche Hörer:innenzahl ersungen und so manchen Playlist-Platz erspielt. Tropikel Ltd. stehen für big feelings, die sie in gepflegten 80er-Pop packen und mit kessem Indie-Rap, funkigen Disco-Beats und Synthie-Elementen verfeinern. Und die Leute liebens einfach. Ein Blick in ihre YouTube-Kommentarsection reicht da schon aus: Von „Da geht mir einer ab! Bin nicht mehr so in der Szene drin, aber das find ich heftig innovativ!“ bis „Gerade das erste Mal gehört & sofort verliebt“ ist da alles dabei. Fast schon spielerisch hebeln sie verkapptes Genredenken aus und haben sich so ihren ganz eigenen unverkennbaren Sound geschaffen. Wenn ihr „Monsun“ gleich hört (und ihr ihren Sound bereits kennt), wird euer erster Gedanke zu einem hohen Prozentsatz „Ah ja klar, das sind Tropikel Ltd.sein.


    A heartbreak song needs a healing beat

    „Monsun“ beginnt mit einem soften fade-in eines oldschool midtempo Synthie-Beats, der eine herzliche Umarmung an die ebenfalls ertönenden Drums sendet. Wenn man sich dann auf die Lyrics konzentriert wird schnell klar, dass wir es hier mit einem Heartbreak-Song zu tun haben. Es geht um nicht erwiderte Liebe, obwohl man doch so ready dafür war, sich mit Haut und Haar hinzugeben. In der Mitte des Songs unterbrechen Tropikel Ltd diese Harmonie aus Synthies und Drums mit einem süßen Gitarrenriff, das in einen absolut retro klingenden 80er Synthie-Ausbruch mündet. Das ist schon ziemlich geil gemacht, muss ich zugeben.


    „Stell mir vor wie du springst in den Bach
    und lässt dich treiben immer flussabwärts
    und innerhalb von paar Tagen wärst du dann in meinen Armen“


    Wer sich dann aber nochmal auf die Lyrics konzentriert (Beispiel siehe oben), dem werden relativ schnell auch die lyrischen Natur-Anspielungen auffallen. Und damit sind wir dann auch schon beim bildlichen Thema des Musikvideos von „Monsun“ angekommen:

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    Das Musikvideo spielt äußerst Virus-dessen-Name-nicht-genannt-werden-darf-konform in eben jener Natur. Gedankenverlorenes Fahrradfahren, leicht verlorenes Rumstehen im Feld. Wohin mit mir? Ich gebe zu, das ist schon deep analysiert, deeper wirds dann aber auch nicht mehr. Denn wenn man sich auf den Tropikel Ltd-Vibe erstmal einlässt, dann ist dieses Video hauptsächlich wirklich einfach sehr lustig.

    Die Jungs sind ganz offensichtlich große Fans von Bild-in-Bild, denn das nutzen sie, wie hier, regelmäßig. Kennt ihr noch diese „Wir sind seit einem Monat zusammen, ich liebe dich mein Schatz <3“-Videos auf YouTube, in denen sich verliebte Teenager mit einer Diashow aus den besten Selfie-Kuss-Fotos ihre unendliche Liebe geschworen haben, während im Hintergrund ein romantischer Klaviersong lief? Das war meine erste Assoziation, als ich das Video gesehen habe. Ich finde es einfach witzig, wie Tropikel Ltd sowohl mit dem bildlichen Stilmittel, als auch mit Kleidung, Mimik und Gestik spielen und dem Ganzen mit ihrem generellen Prestige einen absolut eigenen Stempel aufdrücken. Das macht irre Fun!

    Und hier noch ein Profitipp: Gerne mal ab Minute 1:37 des Videos etwas genauer aufpassen. Wissenschaftler hassen diesen Trick.


    Morgen kommt „Monsun“ dann auch ganz offiziell raus (presave it here) und ist ready für eure liebste Playlist. Bis dahin könnt ihr euch hier noch mit der letzten Single von Tropikel Ltd ein bisschen auf den Release einstimmen:

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    Fotocredit: Valentin Seuss

  • Lyian mit „Methadon“: Eine Ode an die Freundschaft

    Dass wir jedes Mal glitzernde Augen bekommen, wenn neue Musik von noch unbekannten Künstler:innen auf unserem Radar auftaucht, dürfte inzwischen bekannt sein. Und aktuell gibt es eine ganz besonders starke Welle an spannenden Newcomer:innen. Einer, der da ganz oben mitschwimmt, ist Lyian. Letzte Woche veröffentlichte der nämlich seine Debütsingle „Methadon“ und liefert damit einen Song, der Jule sehr ans Herz gegangen und vor allen Dingen im Ohr geblieben ist. Dazu gibt’s auch noch ein super berührendes Musikvideo.


    Lyian ist ein junger Künstler, den es, wie viele, vor einigen Jahren nach Berlin verschlagen hat. „Zu leise für die Punkband, zu queer fürs Vereinsheim“. Doch auch die Großstadt ist nicht immer der perfekte Ort, um sich selbst, seinen Stand im Leben und der Gesellschaft zu finden. So ging es auch Julian, wie Lyian eigentlich heißt. Von abgebrochenen Studiengängen zu Suchtproblemen und Depressionen. Aber (glücklicherweise!) immer mit dem Wissen, dass für ihn noch so viel möglich ist. Ein Leben abseits von Ausgrenzung und Rastlosigkeit. Eins, bei dem man sich nicht von überzogenen Selbstansprüchen und überholten männlichen Rollenerwartungen ausbremsen lässt. Und vor allen Dingen: Ein Leben, das von Musik und dem Musikmachen bestimmt wird. So here we are.


    Ein Song, der in den Arm nimmt

    In „Methadon“ beschäftigt sich Lyian mit eben jener Phase seines Lebens. Das Kaputtsein und die Einsamkeit spiegeln sich besonders in den Strophen wieder. Als ich die das erste Mal höre, habe ich einen ordentlichen Kloß im Hals. Es berührt mich jedes Mal extrem, wenn ich Texte hören darf, die die intimsten und schwächsten Momente der Künstler:innen erzählen. Wenn ich das Gefühl habe, das tiefste Innere offenbart zu bekommen. Gerade dann, wenn es wie hier um ein Thema geht, mit dem ich persönlich nur wenig Berührungspunkte habe. Und bei dem mir nur meine Vorstellungskraft und die Lyrics bleiben, um mich wenigstens ansatzweise in die Gefühlswelt hineindenken zu können. Ich weiß natürlich, dass diese Offenbarung nicht ausschließlich mir gewidmet ist. Aber vielleicht versteht ihr, was ich meine? Musik kann so viel mehr sein als nur die stimmungsvolle Untermalung, damit der Abwasch mehr Spaß macht. Es ist so wichtig, dass wir schätzen, was Künstler wie Lyian uns, ohne dafür nur den Hauch einer Gegenleistung zu verlangen, geben. Nun gut, ich schweife ab. Zurück zum Song.


    „Und wird im Methadon-Programm dein Name ausradiert,
    steh ich schon lange am Empfang und hol dich raus, denn hier
    scheint jeder Sonnenuntergang schon so verbraucht wie wir“


    Was für mich rein textlich ziemlich schwere emotionale Kost ist, weiß Lyian gekonnt mit einem spritzigen Sound aus E-Gitarren und Synthies aufzulockern. Der Refrain kommt dann wie das Licht am Ende des Tunnels daher. In dem wird nämlich klar, wie viel Trost und Heilung in einer Person stecken kann, die einfach nur da ist. Die dich auffängt, wenn du ins Wanken gerätst und dir wieder hoch hilft, wenn du doch gefallen bist. Oder dich einfach nur in den Arm nimmt, wenn es gerade nötig ist. Dieser Twist kommt in den Strophen und dem Refrain von „Methadon“ so gut zur Geltung, dass ich meinen nicht vorhandenen Hut ziehe.


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    Das Musikvideo zu „Methadon“ unterstreicht diese tolle main message dann auch noch einmal. Darin zieht Lyian aufmunternd und lebendig tanzend an einsamen Seelen vorbei, die eine durchzechte Nacht ausgespuckt und liegengelassen hat. Er lässt sie nicht allein, ist einfach bei ihnen und erweckt sie mit der gerade so dringend benötigten Geborgenheit wieder zum Leben. Was Warmherzigkeit und Nähe so alles bewirken kann, mh?

    Für mich hat Lyian mit „Methadon“ ein besonders starkes Ausrufezeichen gesetzt. Auch wenn man bedenkt, dass das seine Debütsingle ist. Ich bin super gespannt, wie es mit seiner Musik weitergeht – und das solltet ihr auch sein. Denn ich glaube, dass wir in Zukunft einem ganz besonderen Künstler beim Wachsen zuschauen dürfen. 💚


    Und hier könnt ihr euch „Methadon“ von Lyian anhören:

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    Fotocredit: Noel Richter

  • Exklusive Videopremiere: Kicker Dibs und „Schmetterlinge“

    Es gibt zur Abwechslung mal wieder etwas zu feiern, das kommt in letzter Zeit schließlich viel zu kurz: Kicker Dibs veröffentlichen heute nämlich das Musikvideo zu ihrer neuen Single Schmetterlinge. Und wir erstrahlen vor Freude in den buntesten Farben, weil wir euch eben jenes exklusiv präsentieren dürfen. Worum es im Song geht, wie er klingt und natürlich vor allen Dingen, wie das Video aussieht – das alles erzählt euch Jule im nachfolgenden Artikel.


    Eines meiner letzten richtigen Clubkonzerte war tatsächlich das der Kicker Dibs gemeinsam mit Tombola im Berliner Badehaus. Das war am 09.01.2020… Seitdem ist ganz schön viel, aber auch echt extrem wenig passiert (eine kleine Träne kullert über meine Wange). Den Kennern der Szene, also euch, sind Niki, Tingel und Lenny sicher schon lange ein Begriff. Schließlich reicht die Diskografie der Jungs bis ins Jahr 2016 zurück. Wer bei der neuen Single aber einen saftig-rockigen E-Gitarren-Hit á la Ohne dich oder Sterne oder Häuser erwartet, der wird jetzt von einem fast schon Kicker Dibs-untypischen Popsong überrascht. Denn genau wie ein Schmetterling selbst hat hier auch der Sound eine gewisse Metamorphose durchgemacht.


    Was wäre, wenn wir wieder werden was wir waren?

    In dem Song geht es um das Reflektieren einer Beziehung, die ganz offensichtlich am Ende zu sein scheint. Und ist das allein nicht schon hart genug einzusehen, macht es die aktuelle Zeit gerade noch ein ganzes Stück schwerer, ein solches Ende zu akzeptieren. Die Lyrics sind nachdenklich, melancholisch aber eben auch knochenehrlich. Gerade das ist es, was die Geschichte wahrscheinlich für viele absolut nachvollziehbar macht. Aus Schmetterlingen im Bauch werden Schmetterlinge im Rauch. „Es ist ein Lied über das Loslassen, das einen nicht mehr loslässt“ sagt Sänger und Songwriter Niki über den Song.

    Und genau diese Phase haben die Kicker Dibs in dem dazugehörigen Musikvideo, das sie in ihrem Studiohaus in Berlin zeigt, in eine wunderbar passende Bildsprache übersetzt, die ihr euch hier und jetzt anschauen könnt:


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    Im Video sieht man Sänger Niki, wie er, mit Kopf und Herz offensichtlich völlig woanders, versucht, seine Gefühle zu ordnen. Aus Zeitunglesen wird ein abwesendes Löcher-in-die-Luft-Gucken. Der Versuch auf dem Sofa zu entspannen endet in einem gedankenverlorenen Beobachten des Himmels. Und auch die mögliche Ablenkung, Backgammon mit sich selbst zu spielen, macht überraschend wenig Spaß – wobei ich ihm das ehrlicherweise auch schon vorher hätte sagen können. Trotzdem kommt mir jede einzelne der von den Kicker Dibs dargestellten Situationen bekannt vor. Manchmal ist es eben genau das was man braucht, um eine schwierige Phase zu verarbeiten. Aber genauso kann es manchmal das Allerbeste sein, sich mit seinen Freunden von einfach allem abzulenken. Diesen Eindruck macht Niki, als er mit seinen Bandkollegen musizierend im Wohnzimmer steht. In genau diesem Moment ist die Lebensfreude zurück in seinem Gesicht und vor allem seinen Augen.

    Kicker Dibs zeigen mit diesem dem Video zu „Schmetterling“, dass alle Arten, mit Schmerz umzugehen, okay sind. Gib dich ihm hin, lenk dich von ihm ab, verabscheue ihn, zelebriere ihn. Vielleicht interpretiere ich da zu viel rein, aber das ist einfach ein wunderbares bildliches Storytelling. Was meint ihr?

    Und zum Ende dieses Artikels gibt’s noch eine weitere gute Nachricht: Nach etlichen Jahren des gemeinsamen musikalischen Herumstreunerns veröffentlichen die Kicker Dibs am 21.05.2021 ihr Debütalbum, das den passenden Namen „Vagabund“ tragen wird. Bis dahin einfach noch bisschen das Video zu „Schmetterling“ gucken, Profi-Tipp.


    Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von Spotify zu laden.

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    Fotocredit: Tobias Schult

  • Kobrakasino bitten mit ihrer neuen Single um „Nur einen Tanz“

    Na, mal wieder Bock auf richtig gute Musik aus Österreich? Kein Problem. Wir haben da einen kleinen Geheimtipp für euch: Kobrakasino haben Mitte Februar 2021 ihre neue Single „Nur einen Tanz“ veröffentlicht. Nach der 2019 erschienenen EP „Bruder Alaska“ ist dies der erste Teaser für ihr Album, das noch in diesem Jahr erscheinen soll. Warum dieser experimentelle Popsong Jule’s Vorfreude darauf massiv gesteigert hat, lest ihr jetzt.


    Wie bei jeder guten Probestunde gibt es zu Beginn eine kurze Kennlernrunde – nur ist diese vielleicht nicht ganz so unangenehm wie in der Tanzschule. Kobrakasino ist eine junge Band aus Graz, die aus den Brüdern Benno und Sebastian Hiti sowie Ferdinand Marsoner und Christian Schoettel besteht. Schon seit ihrer zwei Jahre alten EP habe ich die Jungs auf dem Schirm. Mein Lieblingssong bisher war Milhouse. Allerdings gebe ich zu, dass „Nur einen Tanz“ diesen jetzt abgelöst hat. Kobrakasino machen Popmusik, die sich nicht vor Experimenten scheut. Und genau das macht ihren Sound so spannend für mich.


    Verlangen nach der letzten sorgenfreien Nacht

    „Nur einen Tanz“ beginnt ziemlich smooth mit einem Acappella-Gesang des Refrains, der in den unterschiedlichen Stimmfarben ertönt. Das hat mich ab der ersten gesungenen Note gekriegt. Etwas, was ich bei dem Sound von Kobrakasino immer richtig gut finde: Man weiß nie so richtig, was einen im Laufe eines Songs erwartet. Und so ist es auch bei „Nur einen Tanz“. Eine quiekende E-Gitarre ebnet den Weg zu einem fetten Midtempo-Bassbeat. Es ist diese Art von Bass, den man bei einem Konzert im Bauch spüren kann, weil er einen so durchfährt. Im Verlauf gesellen sich dann funkige Synthies dazu und verhelfen dem Sound, sich zu einer mächtigen Wand aufzubauen. Der Song ist kein klassischer Ohrwurm, aber trotzdem kann ich nicht aufhören, ihn mir immer wieder anzuhören. Die Entwicklung, die „Nur einen Tanz“ durchmacht, ist einfach fett.


    Ich bin kein Sünder heute,
    weil ich auf die Tische steig
    Leise war ich viel zu lange,
    alles zieht an mir vorbei


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    Thematisch weckt „Nur einen Tanz“ in mir Erinnerungen an die letzte laue Sommernacht, die man mit guter Musik, einem leckeren Kaltgetränk und tollen Menschen verbracht hat. Das muss allerdings mindestens 20 Jahre her sein, meine Erinnerungen sind schwammig. Aufgrund der durchgehend hypnotischen und deepen Sounds kommt bei mir aber keine Partystimmung auf. Viel eher kickt die Sehnsucht danach, wie in einem kitschigen Hollywood-Film mit Friends um ein Lagerfeuer zu sitzen, während jemand an einer Akustikgitarre zuppelt. Ich war noch nie in so einer Situation, aber ich vermisse sie und möchte sie gerne jetzt erleben.


    Kobrakasino scheuen sich nicht davor, mit Sounds zu experimentieren. Das hört man nicht nur auf ihren älteren Songs, sondern auch auf „Nur einen Tanz“. Da treffen die verschiedensten Aspekte der Popmusik aufeinander und bilden gemeinsam einen unfassbar catchy Sound. Der Song ist hochwertig produziert und sauber abgemischt. Wenn das kommende Album also nur halb so gut wird, dann sollten wir uns warm anziehen.

    Übrigens gibt es auch ein zauberhaftes Musikvideo zu „Nur einen Tanz“, das ihr euch hier anschauen könnt, viel Spaß!


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    Fotocredit: Nghilinawa Natusch

  • Sam Vance-Law erweckt mit seiner „NDW“-EP die 80er zu neuem Leben

    Sam Vance-Law hat nach seinem 2018 erschienen Debütalbum Homotopia endlich neue Musik veröffentlicht. Seine letzte Woche erschienene „NDW“-EP ist, wie der Titel es bereits erahnen lässt, eine Hommage an die Neue Deutsche Welle. Wie die vier deutschen Songs, denen der in Berlin lebende Kanadier nun seinen Stempel verpasst hat, klingen, und warum Drangsal 30 Jahre zu spät geboren wurde, lest ihr jetzt in der Review von Jule.


    Ich habe etwas festgestellt: Ich glaube ich wurde geboren, um Fan zu sein. Ich habe offenbar absurd viel Liebe übrig und verteile diese auch super gerne. Aber es gibt einen Menschen, der bekommt ganz besonders viel davon ab. Einen Menschen, den ich seit Jahren als einen meiner absoluten Lieblingskünstler benenne. Dessen Debütalbum für mich immer noch eines der besten und wichtigsten Werke unserer Zeit ist. Und der einer der nettesten und süßesten Menschen ist, die ich je getroffen habe: Sam Vance-Law. Seitdem ich für Musikmagazine schreibe (und jetzt für mein eigenes, wie geil?), warte ich sehnsüchtig darauf, mich endlich auch mal auf dieser Ebene mit ihm beschäftigen zu können. Lange hat es gedauert but now my time has finally come.

    Als man mir gezwitschert hat, dass eine EP auf dem Weg ist, blieb mein Fangirlherz original einfach so für 2 Minuten stehen. Schließlich habe ich nicht vor Ende 2021 mit neuer Musik gerechnet. Und jetzt gibt es direkt vier Songs? Auf Deutsch? Der Mann, der für mich einfach Geige und mehrstimmige englische Songs bedeutet, covert Neue Deutsche Welle-Songs? Gimme a second. Begründen tut Sam die Entstehung der EP damit, dass er einfach mal wieder etwas machen wollte, das Spaß macht. Und Deutsch ist. Das klingt völlig fair, oder?


    Eisbären müssen nie weinen

    Der erste Song der EP ist der von der Schweizer Band Grauzone im Jahr 1981 veröffentlichte Song „Eisbär“. Für mich ein völlig logischer und konsequenter Opener, denn dieses Lied gehört seit Jahren zur festen Setlist eines jeden Sam Vance-Law-Konzerts. Er hat live wirklich immer unfassbar viel Spaß gemacht. Glücklicherweise konnten Sam und seine Band diesen Song noch vor der Pandemie live aufnehmen – denn als ich ihn nun auf der EP höre, kommt bei mir direkt Konzertstimmung auf. Ein bisschen fehlt mir jedoch der Anblick von Gitarrist Aidan, der beim finalen Gitarrenpart des Songs auf der Bühne jedes Mal um sein Leben gespielt und dabei so gut wie immer seine Saiten zerstört hat. Hach, das waren noch Zeiten…


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    Was bei „Eisbär“ auf jeden Fall auffällt: Sam Vance-Law versucht nicht krampfhaft, etwas Neues aus dem Song zu machen. Vielmehr ehrt er ihn so wie er ist und verleiht ihm einfach nur seine persönliche Note. Toller Song, der toll umgesetzt wurde und in mir noch tollere Erinnerungen weckt.


    Von heute an will ich nicht älter werden

    Der zweite Song, „Ich will nicht älter werden“, der Hannoveraner Punkband Bärchen und die Milchbubis war mir bisher ehrlicherweise unbekannt. Bei dem Cover dieses ebenfalls 30-jährigen Songs handelt es sich um ein Feature mit Drangsal. Sam Vance-Law und er sind nicht nur durch dasselbe Label miteinander verbunden, sondern auch befreundet. Beim Bielefelder Ausgehen mit Freunden-Festival 2019 standen sie sogar einmal gemeinsam für einen Drangsal-Song auf der Bühne. Seit diesem Tag hegte ich den tiefen Wunsch nach einem Feature. Well, here we are. Ich habe mir natürlich auch das originale „Ich will nicht älter werden“ angehört und stelle erneut fest: Das Cover klingt zwar frischer, aber auch hier wurde nicht versucht, den Song in seinen Strukturen zu verändern. Es lässt sich aber auch feststellen, dass Drangsal eindeutig 30 Jahre zu spät geboren worden ist. Wenn seine Stimme nicht wirklich zu 120 % für solche Lieder gemacht ist, weiß ich auch nicht.


    „Dann läuft die Nase, ich hab ein Raucherbein

    Die Zähne fallen aus, ich krieg‘n Heiligenschein“


    Dass die beiden den Song im Wechselgesang arrangiert haben, gibt ihm auf jeden Fall einen funny Twist. Macht mir beim Mitsingen einfach auch mega Spaß, wenn ich für die Parts von Drangsal hoch und für die von Sam wieder tiefer singe – man sollte mir dabei nur nicht unbedingt zuhören müssen…


    Ich sprüh‘s an jede Wand…
    Sam Vance-Law, EP, NDW, Neue Deutsche Welle, Ina Deter, Major Tom, Drangsal, New Music, Indie, Pop, Music, Kanada, Berlin, Online, untold, untoldency

    „Neue Männer braucht das Land“. So heißt der dritte Track der „NDW“-EP. Im Original von Ina Deter ziemlich angriffslustig und rotzig gesungen, bekommt er in der Version von Sam Vance-Law irgendwie etwas Liebevolles eingehaucht. Das liegt vielleicht weniger daran, dass das gewollt ist, als dass seine Stimme naturgegeben einfach sehr warm und raumfüllend klingt. Und das kann man hier ganz besonders gut hören. An dieser Stelle auch einfach mal ein shout out an seine Band, die den Instrumentals lediglich die Vollmundigkeit gegeben haben, die sie 1982 noch nicht hatten.

    Die im Refrain jodelartig gesungenen Worte „jede“ und „Wand“ hat Sam an sich und seine Tonlage angepasst. Ich habe selbst mal versucht, diesen Wechsel von Brust- auf Kopfstimme nachzumachen. No way, keine Ahnung wie Ina Deter das hinbekommen hat, ohne dass es völlig krumm und schief klingt.

    Wie dem auch sei, ich liebe den Song und ich liebe seine Umsetzung. Es lässt sich richtig gut dazu durch die Wohnung tanzen, das sag ich euch.


    Dann hebt er ab und, naja ihr wisst schon…

    Es gibt wahrscheinlich kaum einen Song der Neue Deutsche Welle, der so häufig und bis heute immer noch, auch international, regelmäßig gecovert oder melodisch genutzt wird. Die Rede ist von „Major Tom“, dem Gassenhauer von Peter Schilling aus dem Jahr 1982. Ich bin mir ziemlich sicher, dass jede und jeder im deutschsprachigen Raum diesen Song kennt und auf Kommando den Refrain mitsingen kann. Es liegt also auf der Hand, dass er auch auf der „NDW“-EP von Sam Vance-Law einen wohlverdienten Platz bekommt.


    „Im Kontrollzentrum da, wird man panisch
    Der Kurs der Kapsel, der stimmt ja gar nicht“


    Ziemlich geil ist hier die stimmliche Umsetzung. Die Strophen werden zweistimmig gesungen und bekommen so die perfekte Harmonie. Im Refrain wurde Sam’s Stimme dann mehrfach übereinandergelegt, was im Zusammenspiel mit der für ihn eher untypischen Tonlage einen richtig guten Effekt ergibt. Gerade weil der Song so bekannt ist, ist der Grat zwischen „gefällt mir nicht, weil klingt nicht wie das Original“ und „das hat ja gar nichts mit dem Original zu tun“ sehr schmal. Ich persönlich finde die Umsetzung sehr gelungen, weil es eben nah am Ursprung ist, ohne eine billige Kopie sein zu wollen. Besonders die Synthies liebe ich hier sehr.


    Fazit

    Was ich den ganzen Artikel über vermieden habe zu sagen, aber einfach das Allerallerbeste an dieser Platte ist: Sam‘s Akzent! Ich kann mir nicht helfen, aber das ist wirklich einfach nur unfassbar cute. Als ich ihn das erste Mal die Worte „Kontrollzentrum“, „Erdanziehungskraft“ und „Karstadt“ habe singen hören, musste ich wirklich lachen. Ein bisschen so wie man lachen muss, wenn ein kleines Kind auf den Hintern fällt– man will nicht, aber man kann es sich auch nicht verkneifen. Weil es für mich im ersten Moment auch wirklich ein bisschen absurd klang. Ist ja schon ein großer Schritt zwischen „Homotopia“ und der „NDW“-EP. Inzwischen hat mein Hirn diesen musikalischen Ausbruch in die 80er aber ganz wunderbar verarbeitet und liebt jede Sekunde davon.

    Wie schon erwähnt ist „Neue Männer braucht das Land“ mein absoluter Favorit der EP. Was natürlich zu einem Großteil an Sam Vance-Law selbst liegt, aber auch daran, dass das einfach ein richtig guter Song ist. Ich finde es toll, dass er die Songs so honoriert wie sie sind und ihnen lediglich seine persönliche Note verliehen hat. Wobei man das eigentlich allen vier Songs lassen muss. Außerdem sind die Sounds nicht immer bis zum Äußersten perfektioniert, wodurch sie einen tollen Live-Charakter bekommen. Ich bin mit der EP auf jeden Fall nochmal mehr Fan von ihm geworden (falls das geht).

    Die Vorfeude darauf, dass Sam seine NDW-Songs irgendwann auch live zum Besten geben kann, ist riesig. Ich kann die Leute schon „vöööööllig losgelööööst“ gröhlen hören. Das wird ein Fest. Aber bis dahin wird einfach fleißig die EP gehört:


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    Fotocredit: Jannik Morton Schneider