Wenn ihr das lest, ist das zweite Album von RⱯHM ⚉ bereits draußen. Wahrscheinlich habt ihr noch nie von RⱯHM ⚉ gehört und fragt euch, wie ein Album klingen kann, das so einen aufwendig geschriebenen Namen hat. Wenn ihr neugierig seid, dann versucht ihr ihn auf Instagram und Co. zu finden. Gebt ihr da „RAHM“ ein, findet ihr aber nichts. Auch bei „Rahmmusic“ oder ähnlichen Abweichungen kommt nichts raus. Entweder man hat euch hier schon verloren (wie schwer kann es sein, eine öffentliche Person auf Instagram zu finden) oder ihr nehmt den hartnäckigen Weg über die Spotify About Page des Künstlers. Aber alles, was ihr da findet, ist auch nur (neben des wirklich fantastischen Bildes) folgender Hinweis:
“You won’t find me in the places you see people, but you can
Neben eines Wikipedia Links, den ihr selbst anklicken müsst, um rauszufinden, wo er hinführt, gibt’s nichts. Kein RⱯHM ⚉ auf Instagram, kein RⱯHM ⚉ auf Facebook oder Twitter. Dafür reicht die Liste von Städten, in denen er am meisten gehört wird, von Los Angeles über Sydney und Paris bis nach New Taipei, Taiwan. Random? Wahrscheinlich. Aber auch wenn alles rund um RⱯHM ⚉ zufällig zusammengewürfelt zu sein scheint, so ist eher das Gegenteil der Fall. Verpackt in so viel liebevolle und geniale Weirdness hat mich RⱯHM ⚉ in den letzten Monaten so um den Mikrofonpuschel seines Pokémon-Onesies gewickelt, dass ich gar nicht anders kann, als hier in vollster Wortform darüber auszuschweifen. Wir dürfen euch vorstellen: euren heutigen random Fund des Internets und Musik in ihrer pursten Form: RⱯHM ⚉ und sein zweites Album SO CLOSE BUT So o º ˚ ˚ ˚ f ƒ ª a r ®️ ˚.
Die eigene Comfortzone ist da, wo der Sessel steht
Bevor ich aber ausschweife, möchte ich eure pochende Neugier stillen. Nicht nur darüber, was hier musikalisch überhaupt auf euch zu kommt, sondern, klar, der Pokémon-Onesie (für Nostalgie-Nerds: es ist ein Relaxo). Was gibt es cooleres als Onesies für Erwachsene? Maximaler Komfort mit minimalen Verantwortungserwartungen. Welche erwachsenen Entscheidungen soll ich schon treffen, wenn ich wie ein Pokémon aussehe? Richtig, keine. In Onesies macht man nur Dinge, die der eigenen comfort zone entsprechen und die reicht genau vom Sofa bis zur Küche und wieder zurück. RⱯHM ⚉ erweitert diese comfort zone auf irgendeinen Schneestrand in „NOWHERE“ (wo das ist, bleibt sein Geheimnis), aber comfort zone ist comfort zone. Und ob Sessel oder Couch ist dann ja auch irrelevant.
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Nach diesen 4:25 Minuten war ich verliebt, ich sag’s wie’s ist. Das fängt schon an bei diesem Mikrofonpuschel. Zusammen mit dem Onesie strahlt das so viel unschuldige und ehrliche Kindlichkeit aus, dass ich gar nicht anders kann als den ein kleines bisschen lieb zu gewinnen. Und vielleicht mag ich das Wort „Puschel“ auch ganz gerne. Mehrmals denk ich darüber nach, ob das, was ich mir da angucke, sehr viel Weirdness in einem Relaxo-Onesie ist oder sehr viel Genialität. Ich entscheide mich für letzteres, RⱯHM ⚉ wird’s egal sein, wie man es bezeichnet. Sowas schließt sich immerhin ja auch nicht gegenseitig aus.
semiautomatical ist der Opener des Albums, ihr seid also direkt mit dem first track in die Welt von SO CLOSE BUT So o º ˚ ˚ ˚ f ƒ ª a r ®️ ˚ gestartet. Auf eine Art wisst ihr also jetzt, was euch erwartet. Ab hier geht’s nur tiefer ins Wurmloch.
It’s that kinda dead feeling inside.
E ist schwierig, die Musik zu beschreiben, die RⱯHM ⚉ macht. Man kann sie wirklich nur selbst hören und fühlen. Und selbst das, was ich fühle, find ich sehr schwierig in Worte zu fassen. Alles an diesem Album fühlt sich so persönlich und kryptisch zugleich an. Getrieben von abstrakten Melodien und Beats ist SO CLOSE BUT So o º ˚ ˚ ˚ f ƒ ª a r ®️ ˚ wie eine emotionale Achterbahnfahrt, aber mit Augen zu.
all the thingszum Beispiel fühlt sich – für mich – an wie depressive Kopfschmerzen voll mit Selbstzweifeln und nie abgeschickten Briefen tiefsten Herzschmerz. open wii-iidedagegen wie ein experiementeller Rave von ganz simplen gestellten Existenzfragen, auf die man eine Antwort sucht, aber weiß, dass man sie nie findet.
„I break my bones instead of just letting you go”. So abstrakt RⱯHM ⚉ seine Songs auch dichtet, so klar heben sich auch solche Zeilen hervor. Das ganze Album ist durchzogen von Trennungsschmerz und Selbstreflektion: “I consider music making to be a kind of mining, or maybe spelunking. You grab some hot feelings way down there and try to bring it back up to the surface. The album came out of that mining of feelings.”
Das ist der Grund, warum es mir so schwer fällt, konkrete Gedanken zu diesem Album niederzuschreiben. Auf eine Art ist dieses Album eine abstrakte Therapie für uns alle. Die Gefühle, die es bei uns auslöst, sind zwar in Teilen komplett verschieden, aber haben bestimmt auch viele Überschneidungen. Angst, nicht genug zu sein, Angst, zu viel zu sein, Angst, überhaupt zu sein. Hier ist alles an Gefühlen erlaubt. RⱯHM ⚉ gibt uns den Platz auf seinen elf Songs, alles zu so viel bewusster wahrzunehmen, was wir vielleicht sonst im Alltag einfach zur Seite schieben. Das zu fühlen, was er fühlt, oder das, von dem wir selbst nicht mal wussten, dass wir es fühlen. It’s open therapy for all.
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Der letzte Song afterlife ist wahrscheinlich der Song, der am meisten aus dem ganzen Album hervorsticht. Ohne Sampeln oder Beatloops ist afterlife das komplett akustische Outro. Mehrstimmig und konsequent auf 4 Minuten aufbauend kann ich sagen: RⱯHM ⚉ kann singen. Aber es wäre auch kein RⱯHM ⚉ Song, würde auf diesen 4 Minuten kein dramatisches Klavierinstrumental die letzte Minute des Albums ausmachen. Also ist irgendwie doch wieder alles in sich schlüssig.
Die Welt von RⱯHM ⚉ ist sehr schwer zu finden, doch einmal gefunden, will man nicht mehr raus. In diesem Meer aus Musik und Kunst sticht er hervor, ohne dass man ihn wahrnimmt. But that’s okay. Jemanden wie RⱯHM ⚉ würde man durch zu viel Kommerz nur kaputt machen. Alles an seiner Musik ist ehrlich und zerbrechlich. Und so einzigartig! Um trotz meines leicht sprunghaften Textes wieder die Einleitung aufzugreifen – dieser Künstler hat kein Social Media. Kein Output an Promo auf dem üblichen Wege, keine Tik Tok Reels oder persönliche Einblicke in sein Leben. Alles, was er hat, ist seine Musik (und seine wirre Website, auf der man mehr als interessante Gedankenanstöße finden kann).
Fazit: Es gibt kein Fazit, nur Musik
SO CLOSE BUT So o º ˚ ˚ ˚ f ƒ ª a r ®️ ˚ ist ein Gefühlstagebuch in Sounds, es ist eine emotionale und aufschürfende Reise in sowohl die Welt von RⱯHM ⚉ als auch zu einem selbst. Für all die Sachen die so close sind but yet so far. Doch auch aus dem schlimmsten Heartbreak lernt man die wichtigsten Dinge über sich selbst. Und für genau diese Zeit braucht man dieses Album. Ich kann es nicht beschreiben, aber es öffnet wirklich andere Türen – im ganz metaphorischen Sinne.
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„Wenn man sich mal mit der globalen Finanzwirtschaft und der Arbeitswelt auseinandersetzt, muss man eigentlich zum Marxisten werden.“ – Worte gesprochen von Ariel Oehl, ein Teil des Wiener Duos Oehl. Kennt ihr? Falls ja, mega. Falls nicht: Oehl sind der Wiener Liedermacher Ariel Oehl mit eben berühmten Worten und der isländische Multiinstrumentalist Hjörtur Hjörleifsson. Zusammen schaffen sie genau das, was man sich vorstellt, wenn ein poetischer Wiener und ein musikalisch kreativer Isländer aufeinandertreffen: geile Musik. Sie sind das Österreicher Musik-Phänomen, von dem ich schon öfter was gehört, aber mich bisher noch nicht genug mit auseinandergesetzt habe. Das soll sich jetzt ändern. Mit ihrer neuen EP „100% Hoffnung“ haben sie mich und die Marxistin in mir vollkommen abgeholt. Warum, lest ihr jetzt.
„Es ist nur die Arbeit“
„Es ist nur die Arbeit, sie wächst über Köpfe“ – mit diesen Worten eröffnen Oehl ihre EP „100% Hoffnung“. Bevor wir uns in die inhaltliche Tiefe stürzen (ist wirklich tief), kurz zum musikalischen Setting, für das ich genau eine Strophe brauchte, um mich überzeugen zu lassen. Here’s why:
Eine funkige, catchige Bassline, check ✅
Ja, Oehl haben eine von diesen geilen Stimmen, ebenfalls check ✅
Bassline + tiefe, geile Stimme erzeugen musikalische Hypnose, kriegt man mich eh immer ✅
Kleine funkige Gitarrenriffs, we love those ✅
Jedes Lied wird besser durch fette Trompeten ✅
Wahnsinns Lyrics, check mate ✅
Da wir nun ganz schnell und strukturiert geklärt hätten, warum ich jedes Mal durch die Wohnung tanze, wenn der Song auf Shuffle kommt, nun zum Inhaltlichen. Was man zu Oehl nämlich wissen muss, ist, dass sie schon immer eine der Bands waren, die sprachlich vor allem durch poetische und lyrische Tiefe überzeugen – und das auf Deutsch! Ganz weit weg von Mark Forster und Co. wird hier noch ehrlicher, deutschsprachiger Pop gemacht. Ja, da könnt ihr mich gerne zitieren.
Wie man vom Anfangszitat und dem Titel des Songs ausgehen kann, ist Arbeit eine knallhart reflektierte Kritik an, nun ja, der Arbeit halt.
„Wir bauen uns ein Schloss aus Granit Wir machen keine Tür’n odеr Fenster rein Wir hauеn und wir beißen auf Granit Dann decken wir uns mit ihm zu“
Arbeit als Granit, der uns beschützt und an dem wir uns die Zähne ausbeißen – gibt es eine treffendere Metapher? Wir arbeiten alle viel mehr als wir sollten für viel zu wenig Geld. Ist es nicht krass, dass man das wirklich so fast verallgemeinernd sagen kann und es stimmt? Der stetige Druck, zu liefern, Deadlines zu treffen, Resultate zu erzeugen, alles für den Job zu geben – dieser Druck kommt sogar mit nach Hause. Oder ist schon da, je nach Homeoffice. Vor allem in kreativen Jobs ist diese Grenze zwischen Arbeit und Privatleben eigentlich kaum vorhanden. Und von diesem kreativen Job, den ich gerade in meiner Freizeit mache, brauchen wir gar nicht erst anzufangen, der ist nämlich obendrauf auch noch unbezahlt. Ach, die Ironie. Dabei gibt es so viele Stellschrauben, an denen man drehen müsste und viel schlimmer – auch könnte, um da wenigstens einen Hauch mehr Balance reinzukriegen. Mehr Geld für kulturelle Arbeit wäre definitiv eine davon.
Mehr Geld für so vieles! Für Care-Arbeit, überhaupt die Anerkennung, dass es etwas wie Care-Arbeit gibt. Sex-Arbeit, können wir auch gerne mal vernünftig anerkennen und soziale Sicherheiten für geben. Mehr Geld für alles, was man macht, nachdem man Soziale Arbeit studiert hat. Mehr Geld für Physios, mehr Geld für Arbeitslose (ha) und wirklich einfach weniger Geld für Männeregos im CEO-Vorstand. Ja, ich verlier mich gerade in einem kleinen Wut-Rant und ich weiß auch nicht, ob der Song hier schon die richtige Stelle ist, um all diese Wut abzuladen. Es ist ja immerhin „nur die Arbeit“. Aber wir funktionieren nur über sie, wir definieren uns über sie, wir brauchen sie, um zu überleben. Und wir beißen uns an ihr die Zähne aus. Und jetzt schüttelt die Granit-Decke aus, ich hab mich wieder beruhigt.
Seid nicht Schneewittchen
Beruhigt, weil der hier. Der nächste Song Amazon.de/signout ist ein ganz entspannter mellow Vibe á la FKJ. Es ist wie ein Schlafsack aus knapp 3-minütiger Entspannung und ich wiege mich vollkommen glücklich hinein. Während ich so vor mich hin wiege, fällt mir auf, dass Oehl eine dieser seltenen Stimmen haben, die mir wirklich alles erzählen könnten, ich wäre glücklich und tiefenentspannt. So einer Stimme vertraut man einfach! Auch wenn mir die Lyrics ehrlicherweise gar nicht immer so verständlich erscheinen (nuschelnde Wiener <3) – ich würde alles davon unterschreiben. Mit einem guten Gefühl.
Nachdem ich das so blind ins Internet geschrieben habe, hab ich festgestellt, dass die Lyrics doch viel trauriger sind als vielleicht vermutet. Aber vielleicht auch nur auf den ersten Blick:
„Denn als wir uns liebten Ich liebte mich selbst nicht einmal Und seit wir uns bekriegen Hab ich schon lange verloren“
Ich muss zugeben, ich war schnell auf dem Heartbreak-Zug, aber dann kam irgendwie doch der mittlerweile schon 8 Jahre zurückliegende Deutsch-LK wieder in mir auf und ich musste einfach bisschen rumanalysieren. Heartbreak wäre auch viel zu einfach für das gesellschaftskritische Duo. Und ein einfacher Verweis auf den Titel des Songs (Amazon.de/signout) lässt auch folgende Strophe in einem anderen Licht erscheinen:
„Deine leuchtenden Reize manchmal greif ich nach ihnen wie Schneewittchen nach dem vergifteten Apfel“
Ich weiß, es klingt super weird, aber manchmal vermiss ich Gedichtsanalysen. Sprache ey, sie macht so viel mit mir. Wenn wir uns für dieses Jahrhundert auf einen ultimativen „Bösewicht“ festlegen müssten, würden wir zwar viel diskutieren, aber der Name Jeff Bezos würde definitiv fallen. Als Beweis steigt auch mein Blutdruck gleich ein bisschen an, wer sagt’s denn. Wir alle wissen, dass Amazon scheiße ist und doch scheinen wir nicht ganz drum herum zu kommen. Aber im Unterschied zu Schneewittchen wissen wir eigentlich, wonach wir da greifen, dass nicht alles, was leuchtet unbedingt gut ist und dass der Apfel folglich nicht so gut schmeckt wie er aussieht. Und doch kriegt man uns mit Rabatten auf Prime und allem anderen möglichen Scheiß, den man sonst wahrscheinlich nicht so günstig und einfach finden würde, wie auf Amazon. „Seit wir uns bekriegen, hab ich schon lange verloren“.
„Das geht runter wie 100% Hoffnung.“
Wahrscheinlich hab ich an dem Punkt hier schon über die Hälfte von euch verloren als ich gesagt hab, ich vermiss Gedichtsanalysen. Ist legitim, aber die meiner Meinung nach besten Songs auf der EP kommen erst noch. Keine Angst zum Beispiel, der auch streammäßig am weitesten vorne liegt. Auch ich hab ihn seit Release schon so oft gehört, dass er bestimmt irgendwo in meiner Spotify-Statistik Ende des Jahres auftauchen wird. Der mellow-Faden, den Amazon.de/sign.out vorgegeben hat, zieht sich weiter durch, aber jetzt durchaus poppiger mit kleines bisschen mehr Beat: „Das geht runter wie 100% Hoffnung, am besten Über Nacht und untertags. Oder auch im Spiegel, tanzend.“ – Worte wieder geklaut von Oehl , aber das ist ja auch ihre eigene Review, deshalb geht das bestimmt klar. Und auch hier: ich unterschreib’s. Ist ein kleiner Hit.
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Ich erspar euch hier den Analysen Part, aber hört euch mal den Text an. Vollgespickt mit Metaphern, dass man das durchaus in so ne Abi-Klausur packen könnte anstatt die armen Schüler:innen immer wieder Faust lesen zu lassen, ohne darüber zu sprechen, warum das vielleicht auch problematisch sein könnte. Aber das ist ein anderes Thema. Stattdessen hier der Refrain, der am meisten mit mir gemacht hat:
„Hab keine Angst, Mamá unser neues Haus hat viele Räume Es ist nur ein bisschen kleiner dafür schöner Wir bauen es aus Hoffnung und Träumen“
Wenn das nicht der weak spot von uns allen ist, weiß ich auch nicht. Den eigenen Eltern die Angst nehmen und versuchen, ihnen wenigstens ein bisschen von dem zurückzugeben, was sie jahrelang für uns geopfert haben. „Wir bauen es aus Hoffnung und Träumen“ .. Oehl wollen mich hier echt noch zum Heulen bringen. Aber wenigstens kann ich dabei tanzen. Weil musikalisch ist Keine Angst astreiner Indie-Synth-Pop, den die beiden an den Start bringen und diese Kombi aus beiden – herzzerbrechenden Lyrics und tanzbaren Indie-Bässen – lässt mich in der Mitte der EP ein bisschen sehr schwach werden.
Sowahr dir Geld helfe..
Mindestens jetzt solltet ihr die Oehl EP schon parallel am Laufen haben. Der nächste Song Arbeit II greift das Thema des ersten Songs auf, das legt ja schon der Titel nahe. Auch musikalisch ist es ähnlich, setzt sich aber doch nochmal ein bisschen ab und geht inhaltlich auch sehr viel tiefer. Und toppt auch die Granitdecken-Metapher:
„Mit zahmen Händen Umarmt sie dich erst zärtlich Dann legt sie dir die Fesseln an Ganz ohne Widerstände Mit Handschuhen aus Leder So fängt das Würgen an So fängt das Würgen immer an“
Oehl ey, können wir davon bitte mehr davon im deutschsprachigen Indie-Pop haben? Dann hör ich nämlich auch gerne Deutsch-Musik, laut, ohne mich zu schämen. Ist ein bisschen hart ausgedrückt, aber das ist tatsächlich der Grund, warum ich sehr ungerne deutschsprachige Popmusik höre – sie ist mir einfach viel zu cringy, bei allem. Dabei kann man aus deutscher Sprache so viel rausholen. Das hab ich zumindest von Faust gelernt…
Da wir wieder bei Sprache sind, hier ein interessanter Einschub an der Stelle vielleicht, mit Erlaubnis geklaut von unseren Freund:innen des Musiknewsletters Zwischen Zwei Und Vier (wer ihn nicht kennt -> click here):
Wörter, die Oehl auf ihrem ersten Album benutzt haben: – Erlkönig – Schlummern – Beckenknochen – rostig – Ehrenmann – Handymastgestell
Wörter, die Oehl auf ihrem zweiten Album benutzen sollten: – Karausche – helllicht – stanzen – Büchse – Gänsemarsch – murren
Natürlich hab ich das quick gegengecheckt und leider ist keins der vorgeschlagenen Worte auf Oehls zweitem Album zu finden. Hab deshalb eine neue Liste angelegt:
Wörter, die Oehl auf ihrem zweiten Album benutzt haben: – Festung – Schneewittchen – dehydriert – Nagelstudio – untertauchen – korrupt
Wörter, die Oehl auf ihrem dritten Album benutzen sollten: – Gandalf – Spesen – verheddern – auf Lunge – entlieben – Feenstaub
Über Geld spricht man nicht
Wir schließen ab mit dem ehrlichsten, traurigsten und schönsten Song auf der ganzen EP: 300.000. Ich bekomm immer noch Gänsehaut wenn ich es höre, es wird hier verhältnismäßig so wenig genuschelt, dass man den Text auch versteht, ohne ihn vorliegen zu haben. Und das ist auch wichtig, denn 300.000 erzählt wahre Geschichten von einem Bankskandal in Österreich, bei dem die regionale Commerzbank ca. 705 Millionen Euro veruntreut hat – und als Folge des Skandals rund 14.000 Privat- und Geschäftskunden eingefroren hat. Das sind reale Zahlen und reale Menschen und eine reale Geschichte, die Oehl im letzten Song der 100% Hoffnung EP aufgreifen. Und die Art, wie sie das machen.. ich würde Oehl wirklich gerne irgendeinen Preis in die Hand drücken, nur um auszudrücken, wie sehr mich das musikalisch auch berührt.
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„Es ist nur Geld“ singt Oehl immer und immer wieder und wenn man dazu die individuellen Geschichten der Strophen lauscht, wirkt das nicht nur unglaublich tragisch sondern auch so absurd. Wie kann man denn 705 Millionen Euro veruntreuen? Ich komm erneut an diesen Punkt, der mich mehr taub zurücklässt als wütend. Ich weiß nicht mal, auf wen ich wütend sein soll, weil das so ein krankes System in itself ist, dass egal, wo man anfängt, die Schuld hinzuschieben, sie immer weiter geschoben wird. Aber die Leute, die an dessen Ende alles verloren haben, die kann man anhand von Namen ausmachen. „Es ist nur Geld“ …
Ich glaube, die erste richtige Assoziation, die ich als Kind mit Geld hatte, war Dagobert Duck und sein Goldmünzen-Keller. Der hatte sogar einen Sprungturm. Wie absurd. Vor ein paar Tagen hat Casper zu seinem neuen Album bei KrasserStoff vier verschiedene Vinyl-Platten in Shop gestellt, in vier verschiedenen Farben und mit vier verschiedenen Release-Daten. Warum? Warum müssen wir alles nur produzieren, um es zu verkaufen, warum ist alles immer nur auf Profit ausgelegt, auf einen ständig hochangelegten Gewinn. Ich beantworte meine eigene Frage und präsentiere euch: Capitalism, die ewig steigende Blase, vor deren Platzen ich schon in der Schule Angst hatte. 10 Jahre später, geplatzt ist noch nichts. *looks nervously to the left and to the right*
Was ich jetzt abschließend mit Dagobert Duck und Casper sagen wollte, weiß ich auch nicht so ganz. Ich glaub, ich bin einfach nur sehr müde. Von allem. So wie Oehl auch: „1/3 Traum für ein ganzes Leben – tut mir leid.“ Das ist die letzte Zeile der EP und was passenderes als „tut mir leid“ fällt mir auch nicht ein. Ich will jetzt aber auch gar nicht so negativ abschließen, deshalb, hört euch die EP an, checkt dieses Duo aus, wenn sie irgendwo live bei euch spielen, geht hin. Und jetzt hab ich doch noch was Positives zum Abschluss, denn drei Mal Worte von Oehl selbst klauen macht die Sache rund:
„Wir brauchen echte Zeichen der Hoffnung, echten Optimismus. Sonst wird das nichts mehr mit uns.“
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Heute dürfen wir euch eine der spannendsten Bands Australiens vorstellen. Vielleicht kennt ihr sie schon, vielleicht lernt ihr sie jetzt erst kennen. Either way müsst (solltet) ihr in ihr neues Album “A Force Majeure” reinhören. Es ist das mittlerweile vierte Album der Elektro-Indie Band Tora und auf jeden Fall einer der top Alben diesen Jahres – jedenfalls für mich. Im Interview mit Leadsänger Jo geht es um die ihren 6-monatigen Studio-Lockdown, das derzeitige Chaos auf der Welt und wie sie auf dem Weg vom Nürnberg Pop Früchte pflücken und Kuchen backen waren. Ihr habt richtig gelesen, hier geht’s um gute Musik und Kuchen – die zwei besten Sachen auf der Welt. Ich kann’s nur empfehlen.
Tora im Interview
Anna: Hey, thanks for taking the time! How are you, a few days before releasing your third studio record?
Jo: Thanks for having us! We’ve been anticipating this moment for quite some time. I’m feeling very excited to finally put this album out in the world.
Anna: To start with a confession: I deeply fell in love with your latest album “Can’t Buy the Mood” and been waiting for new music since. I didn’t have to wait too long, shortly after releasing Can’t Buy the Mood you went back into the studio to work on this record. Was that something you planned or something that just happened because, well, the pandemic happened?
Jo: Haha nice confession, I’m sure people have been guilty of worse things…We had intended to tour the world through 2020 with Can’t Buy The Mood, but of course things changed in a big way. The pandemic started just a couple of weeks after arriving in Amsterdam, where we have been based ever since. We were fortunate enough to find a studio, so we planted ourselves in there for at least 6 months and just poured our hearts out.
Anna: Did you have a clear picture in mind when you started working on this record? How was it different to the albums before?
Jo: This recording process was certainly different in the sense that we were essentially locked in a studio for an extended period of time with no distractions. Nothing to do but reflect, so we dove deep into ourselves and also thought a lot about the bigger picture. Before long we started to realise there was a narrative forming in the album that was very much relating to change, transformation, growth, acceptance, as we observed the shift of society into a new paradigm. So we chose the name A Force Majeure quite early on.
“We must strive to understand each other so that we can solve the larger issues together.”
Anna: Listenting to“Fire Apartment” the first mental picture that came into my mind was the “this is fine” meme. Am I totally off or does this song capture this “the world is burning” feeling?
Jo: You’re certainly not off! This is where we were coming from with ‘all the alarms are disarmed as the temperatures rise’. It’s not only in reference to climate change, but also the political climate which appears to be spiralling out of control in an ever more polarising fashion. We need unity not division, we all share more in common than our differences. We must strive to understand each other and the world around us so that we can solve the larger issues together.
Anna: What are others topics you worked through on this album?
Jo: Some of the songs were quite personal relating to things like love, heartbreak and internal reflection. But the ones that felt quite important were songs like ‘Put Down Your Phone’ and ‘In Deeper’ which shine light on the darkness of tech addiction. How it is impacting our relationships with the people around us, causing division between friends, families and lovers, making people feel numb and out of touch with their nature. Technology can bring prosperity and innovation is beautiful but let us not lose our humanity and our sanity along the way.
“Amsterdam is a place where thinking outside the box is encouraged.”
Anna: If you’d have to choose: What song from the album is your current fav? And why?
Jo: This question is very difficult, it’s a bit like asking a parent to chose which is their favourite child. The truth is we are proud of them all. Different ones bring the right feelings at different times, depending on the mood and the context. Right now I’m feeling ‘In Deeper’ as it feels most relevant to the times. It feels the most important right now.
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Anna: Something I couldn’t miss noticing: you have a thing for aesthetic single covers and I love that. What is the story behind these different strokes on the covers for this album cycle?
Jo: Yes! So the album cover and the single covers were a combined effort between photographer Rein Kooyman and Jai Piccone. Jai is in the band, but also happens to be a graphic artist. When we were in France in September 2020 shooting the video for ‘Why Won’t You Wait’, Rein along with others built an art installation in the forrest where we did a photoshoot. Jai took those photos, printed them and painted over them by hand.
Anna: Since you already mentioned it: You’re now based in Amsterdam, but you all grew up in Australia, Bryon Bay. What are the things you miss the most? Do you regret it sometimes?
Jo: Yes true we are a long way from home. We miss the beach, the waves, the nature, the good weather. But there’s not a lot to regret right now as most of the country is in lockdown and they aren’t allowed outside. So we are happy to be here right now. Amsterdam is a beautiful city, the bike culture gives it a very social energy. It’s a hotspot for spontaneous interactions, diversity and liberty, a place where thinking outside the box is encouraged.
Anna: Also because I’m really into the Aussie music scene in general: What are your hot recs when it comes to Australian music we should definitely all check out?
Anna: Our last question is always asking for an untold story. That can be a funny tour anecdote, a random fact or just something you really want to tell your German fans.
Jo: One old story that comes to mind was when we were staying in a small German town called Michelstadt for a few months back in 2015 during our first EU tour. One day we had forgotten to buy groceries before leaving to play at Nürnberg Pop Festival. When we were driving back home deep through the forrest we remembered that on Sundays in Germany the shops are closed and we had no food. Luckily we stumbled across some wild berries and apples in the middle of nowhere. We stopped the van, got on each other shoulders and picked the fruit which we made into pies. Sometimes you have to just adapt to the situation, haha.
Hier geht’s direkt zum Album, das Kuchenrezept gibt’s dann nächstes Mal:
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Und weil’s so schön ist, hier auch das Vorgänger-Album Can’t Buy The Mood:
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L I N hat am Freitag ihre Debüt-EP Coloursveröffentlicht. Die Newcomerin aus Mainz wirbelt darauf einmal alle Themen auf, die, obwohl eigentlich immer, vielleicht gerade jetzt besonders wichtig sind. Es geht um die eigene Existenz auf der Welt, die eigenen Entwicklungen und Zweifel und mental health. Aber auch darüber, was das geile am Schlagzeugspielen ist. Außerdem haben wir über creepige Musikvideos gesprochen. Genug Clickbait?
L I N im Interview
Anna: Hey LIN, als erste vielleicht random erscheinende, aber dann doch naheliegende Frage: Was ist deine Lieblingsfarbe und warum?
L I N: Meine Lieblingsfarbe ist blau. Es war schon als Kind so, dass es mir wahnsinnig wichtig war bei Gesellschaftsspielen die blaue Figur zu haben. Warum weiß ich nicht, aber vielleicht mochte ich das Tiefe, Dunkle und Weite an der Farbe.
Anna: Naheliegend weil: deine Debüt-EP heißt Colours, im Titelsong singst du „we need to draw ourselves with as many colours as there are”.Wofür steht die Farben-Metapher? Und mit welchen Farben würdest du dich selbst malen?
L I N: Eine Farbpalette ist, wenn man die Schattierungen jeder Farbe mit einbezieht, quasi unendlich. Und das sind auch die Möglichkeiten, die wir als Menschen haben, uns zu entwerfen und neu zu zeichnen. Das gilt natürlich nur im persönlichen Entwicklungsbereich. Leider sind wir auf der Erde extrem unterschiedlich privilegiert und haben nicht die gleichen Gestaltungs- und Bewegungsfreiheiten. Aber gerade nach existentiellen Erfahrungen ergibt sich die Möglichkeit, Licht einfallen zu lassen und eine neue Perspektive auf die Ereignisse zu gewinnen – sie sprichwörtlich in einem neuen Licht zu sehen. Und ein neuer Lichteinfall lässt auch Farben ganz anders aussehen und bringt sie neu zum Leuchten. Außerdem rekuriert die Farben-Metapher auf die Regenbogenfarben und ist explizit eine Einladung an alle queeren Menschen sich in meiner Musik eingeladen und aufgehoben zu fühlen. Ich selbst würde mich ebenfalls in bunten Regenbogenfarben malen. Nur nicht grün im Gesicht, das steht mir nicht. 😉
Anna: Du bist eine Newcomerin aus Mainz, vom Sound deiner ersten Singles her würd ich aber sagen, du machst schon länger Musik. Was war dein musikalischer Weg bis du bei deinem aktuellen Solo-Projekt gelandet bist?
L I N: Ich habe schon früh als Kind Klavier und Schlagzeug gelernt und habe mir später mehr schlecht als recht Gitarre beigebracht. Dann habe ich viele Jahre Schlagzeug in Bands und im klassischen Kontext gespielt und dabei gemerkt, dass ich eigentlich am liebsten (auch) singen würde. Das konnte ich dann in meinem nächsten Projekt „Bender & Schillinger“ umsetzen. Wir haben dann nach Ende meines Studiums sieben Jahre lang im professionellen Kontext Musik gemacht. Vor zwei Jahren habe ich dann angefangen am Soloprojekt zu schrauben und es mit Hilfe meines guten Freundes David Hoffmann von der Theorie in die Live-Praxis umgesetzt.
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„Ich hab manchmal das Gefühl, nur mithilfe vom Beat in den Rhythmus der Welt zu passen.“
Anna: Zu Carolin hast du letztes Jahr schon eine Home-Session aufgenommen, kürzlich eine Piano-Version mit Nik Heimfahrt. Welche von beiden Versionen hat mehr Spaß beim Aufnehmen gemacht bzw. inwiefern unterscheiden sie sich bei der Auffassung/Umsetzung des Songs?
L I N: Muss ich mich entscheiden? Ich hatte großen Spaß bei beiden Versionen! Am Aufwendigsten war auf jeden Fall die Home-Session, weil ich mir vorher keine Gedanken darüber gemacht habe, wie ich das filmen will. Ich hab einfach losgelegt und dann das Handy in die Tasse, auf die Kiste, auf den Mülleimer, auf den Stuhl gestellt, um den richtigen Winkel zu kriegen – alles mehrfach abgestürzt. Die Pianoversion mit Nik aufzunehmen war dagegen fast wie eine sehr lange, sehr angenehme Massage, weil mich Klavierspiel immer extrem runterbringt. Er hat ja auch wirklich sehr schön gespielt.
Anna: Viele der Instrumente auf deiner EP spielst du selbst, aber wenn du dich entscheiden müsstest: Welches ist dein Lieblingsinstrument und warum?
L I N: Schlagzeug. Immer wieder Schlagzeug, weil es bei mir eine unfassbare Leidenschaft entfesselt. Ich habe manchmal das Gefühl, nur mithilfe vom Beat in den Rhythmus der Welt zu passen. Groove hat eine unglaubliche Energie. Gerade im gemeinschaftlichen Musizieren ist es ein unmittelbares Verbindungselement, das ohne Sprache auskommt und deshalb verschiedenste Menschen zusammenbringen kann.
Anna: Eine Frage, die mir auch ein bisschen brennt: Welche Geschichte erzählst du mit dem Musikvideo zu Doubts? Und warum ist es so creepy?
L I N: Die Geschichte zum Musikvideo von Doubts habe ich mit zwei tollen Künstlern aus Luxemburg, EDSUN und Isaiah Wilson entwickelt. Sie beschreibt das Treffen zwischen mir und meinen Zweifeln – verkörpert in der Figur der IRENE, die in dem Video auftritt. Wir wollten dabei die unterschiedlichen Stadien abbilden, die man bei einem Zweifelsprozess durchläuft. Angefangen von der Einladung, also dem Sich mental öffnen gegenüber selbstkritischen Fragen, über das Größerwerden und die Dominanz des Zweifels und die versuchte Aussöhnung mit den eigenen Zweifeln (die Nährungsszene, in der IRENE in meinem Schoß liegt) bis hin zu der Rückkehr zum Anfang und zur gleichen Szenerie wie zu Beginn des Videos. Wir wollen verdeutlichen, dass die Zweifelsprozesse nie mit einem Mal abgetan sind, sondern in kreisförmigen Bewegungen wiederkehren und man einen Umgang mit dieser Tatsache finden muss. Man wohnt mit ihnen unter demselben Dach sozusagen.
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Creepy ist es, das stimmt. Vor allem die Stelle, wo ich weiße Kontaktlinsen trage und von meinen eigenen Dämonen besessen das Zweifelsmantra spreche. Aber die Momente im wirklichen Leben, in denen man sich so mit sich selbst auseinandersetzt, sind oft wesentlich beängstigender als das bisschen weiße Linse im Auge 😉
„Ich hoffe, dass trotzdem manchmal etwas durch diesen Nebel durchringen kann.“
Anna: Million Reasons ist der Song, mit dem ich das erste Mal auf dich aufmerksam geworden bin. Ganz anders zu Doubts ist er voller positiver upbeat-Vibes, und das, obwohl es inhaltlich ein eigentlich sehr sensibles Thema ist. Wie hast du für dich den Umgang mit engen Personen in deinem Umkreis, die an Depressionen leiden, gefunden?
L I N: Das stimmt, der Song ist viel freundlicher. Er sollte bewusst positiv klingen, weil er ein Aufmunterungssong sein sollte für einen Freund von mir, der an starken Depressionen litt. Dabei war immer klar, dass der Grat zwischen Aufmunterung und gefühltem Kleinreden des Problems sehr schmal verläuft. So im Sinne von „ach komm ist doch alles nicht so schlimm, komm wir tanzen eine Runde“. Das sollte auf gar keinen Fall das Gefühl sein, das ich mit dem Song vermitteln wollte.
Ich glaube, dass eine Person, die nicht an Depressionen leidet, selbst nicht nachempfinden kann, wie allumfassend und vernichtend sich alles anfühlt. Aber ich hoffe, dass trotzdem manchmal etwas durch diesen Nebel durchdringen kann. Und wenn das ein Gefühl ist von „Jemandem ist es wichtig, dass es mich gibt“, kann das vielleicht ein kleines Gegengewicht zu den sonstigen Abgründen darstellen. Und genau das ist die Botschaft von dem Song: Du bist nicht alleine und wir stellen uns deinen Dämonen gemeinsam – wenn du magst. Ich glaube, das ist der größte Grund zu bleiben. Das Gefühl, dass es nicht egal ist, ob man da ist oder nicht.
„Die Tatsache, dass man wieder Musik gemeinsam erleben kann, hat etwas Magisches.“
Anna: Du wirst deine EP auch an ein paar Orten live spielen. Wie empfindest du Live-Konzerte, selbst als Gast aber auch als Künstlerin, nach so langer Pause?
L I N: Also erst mal bin ich sehr glücklich nicht mehr in Kameras oder vor Autos zu spielen. Das erste Live-Konzert nach Corona hat mich einfach nur umgehauen, obwohl es noch ein Sitzkonzert mit Abstand etc. war. Aber die Tatsache, dass man wieder Musik gemeinsam erleben kann (ob auf oder vor der Bühne) hat etwas Magisches. Ich bin sehr glücklich und dankbar, dass das wieder möglich ist.
Anna: Die letzte Frage ist bei uns immer eine untold story. Was ist etwas, was du noch nie in einem Interview erzählt hast, aber immer erzählen wolltest?
L I N: Ich habe zwei Laster, die so überhaupt gar nicht Rock ‚n’ Roll sind: Socken und Bügeln. So, jetzt isses raus.
Hier könnt ihr in die ganze Colours EP reinhören:
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Selma Judith ist eine dieser Künstlerinnen, die Musik zu mehr machen als nur zu einem weiteren Pop-Song, der nach Schema xy aufgebaut ist. Selma Judith macht Musik, um zu inspirieren. Um Genres zu brechen, um Instrumenten wieder ihren Platz einnehmen und wirklich mal wirken zu lassen. Im Interview mit ihr hab ich gelernt, dass Harfe ein Instrument ist, dass schon die Beatles benutzt haben, und viel öfter in Songs vorkommt, als ich dachte. Ich hab aber auch gelernt, dass in keinen dieser Songs Harfe so schön klingt wie in ihren. „Dieses Album ist eine Liebeserklärung an die Musik“, sagt Selma. Und ich stimme zu.
Selma Judith im Interview
Anna: Hey Selma, thank you for taking the time! How are you, how’s summer treating you?
Selma: Hi Anna! I’m good, thanks for asking. I have had a nice summer – I spent a lot of my time finishing the album.
Anna: And now you are going to release it! What does the release of your debut album “Getting Angry, Baby” mean to you?
Selma: The release means a lot! I’m so happy to finally be sharing it, as it has been a long process. It has also been a liberating process, as I have worked in a more free format than I’ve done earlier in my career, which has been cool! It has meant a lot to how I feel about the album.
Anna: You learned how to play the harp when you were 15. What made you wanna learn how to play it in your teens?
Selma: Ever since I was a child, I have always wanted to learn how to play an instrument – but it wasn’t something I was “forced” to do, as a lot of other children are in Denmark. Around the age of 15, I was convinced that I was too old to ever learn to play an instrument, but in this period one of my friends and I listened a lot to Joanna Newsom’s music and I became inspired to play. Also, the fact that I didn’t want to compete with my friend, who was like a sister to me, played a role. She played all kinds of instruments, which is why I ended up with the harp because she hadn’t been playing that.
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Anna: Even though it’s such a beautiful instrument, it’s not often that you can hear it, especially in modern music. Why do you think, is that? And what do you find are the perks of combining sounds of the harp to modern R’n’B?
Selma: It actually isn’t atypical to include harp in pop music. I think when you first have learned to characterize the harp as an instrument, you’ll find that a lot of musicians have been using it for a long time, take for example the Beatles. I think – for me – the perks of including the harp occurs when I’m writing the music, as I then have the accords. Also, the harp is very characteristic. It has a distinctive sound, which adds a unique sound to my work. I also believe that including the harp can have some disadvantages because of its very in-your-face like tone. It has actually been a challenge sometimes to not include the harp all the time because even though the harp can make a song come alive, there are also plenty of songs where it doesn’t fit.
Anna: What I find while listening to the album, is that there are so many instruments, besides the harp, that are very present – and I love that. It also makes me feel like every song was treated with so much care and time. Did you encounter any challenges while composing the songs?
Selma: Most of the songs have taken a long time to make and I’m thrilled that you also get a feeling of this when listing to the album because we have put a lot of effort into the songs! I’m also glad you noticed the instrumentation, as it has been one of my biggest passions for the album. I want to showcase all the super talented and capable musicians and give it a bigger focus that music is about more than only the storytelling, lyrics and the voice who sings it. There is so much more to be told through the instruments.
“I’m tired of women always having to excuse themselves”
Anna: To deep dive into your debut album now: Why are you getting angry? And at whom?
Selma: I’m angry because there are so many things to be angry about. I’m tired of people keep on feeding the myth about women’s anger always has to be due to either them being hysterical or sexy. I want to change the perception of women being angry. I’m tired of women always having to excuse themselves and having a reason to be angry. Like; ‘oh you’re just angry due to pms’. I think it is ridiculous that women aren’t allowed to just be angry. As when men are angry, you don’t need a reason and you often give them space.
Another reason why I’m angry is due to the world we are living in right now. I think it’s embarrassing how all the world leaders are handling all the different situations. This is something I’m super pissed and also highly pessimistic about.
Furthermore, I’m tired of how – with everything going on in the world – it seems that people only have enough brains to think about what pictures they want to post and how they can look their skinniest. I’m angry about the culture that exists when it comes to who has the coolest clothes and who hasn’t – of course, people are allowed to choose their own interests but I think it’s a kind of hysteria of identity, and I think it is absurd when looking at some of the things happening around the world.
https://youtu.be/OS1iI6_5E8A
Anna: You wrote and recorded the album over two years – what were the topics that you worked through in your songs?
Selma: First and foremost, the anger that I mentioned in the last question, but also a vulnerability in the sense of a kind of wounded pride. Also, topics as longing and coming to terms with an acceptance of one’s difficult sides. The world situation has also had a big role in my work, with all the wars and the pandemic.
”I’m super excited to play the album live”
Anna: What is the most personal song on the record and why?
Selma: They are all pretty personal, but if I have to choose one I would say Don’t Fall due to the fact that it is super transparent. The song is about how it can be difficult to be with someone you really love when you are vulnerable and at times strange. It is about that guilty feeling you can have when you have a difficult time aligning expectations in a relationship. Like, you want to give this person everything you got, but at the same time, you have to acknowledge that it isn’t possible.
Anna: And what’s the song on the record that you really dig right now and are excited to play live?
Selma: Overall, I’m just super excited to play the album live! It’s always fun – and especially with the pandemic going on we haven’t done a lot of live shows in a long time. But one of the songs I like a lot right now is Bleeding Blue. I think it is because it is one of the newest songs we made. We have been working for a year or so on a lot of the other songs. So yeah, Bleeding Blue.
Anna: You’re from Denmark and I’m always interested in new music input outside of Germany. Who are the artists to watch that you’re really into at the moment?
Selma: I listen to a lot of different genres actually! But at the moment I listen to Summer Walker, as she has a cool RnB pop vibe, which often makes me feel nostalgic. I think she is really something special, and I love that. Also, SZN like, where do I even begin. She is just so excessively good and talented.
Anna: The last question is always an untold story – something you haven’t shared in an interview before. That can be about the album, a fun fact about you – anything.
Selma: A hard question actually! Hmmm. I just got a new niece who I love so much. So now I have two cute nieces, which is amazing!
Hier kommt ihr auf direktem Wege zu Selma Judiths Debütalbum „Getting Angry, Baby“:
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Wir dürfen euch heute ein Debütalbum vorstellen, das genauso schön ist wie die Küste Englands im Sommer. Das ist eine gewagte These, weil ich weiß nicht, ob die Küste Englands wirklich so schön ist, um als Vergleich herzuhalten. Was aber wahr ist, ist, dass es dort geschrieben wurde. Picture: Sonnenuntergänge und melancholische Momente, brechende Wellen, ein blauer, leicht von Wolken verschleierert Himmel. Das alles ist Nathan Balls Debütalbum Under The Mackerel Sky. Der Singer Songwriter hat nach über 6 Jahren endlich sein Debütalbum veröffentlich und um Nathan Ballund seine Musik euch vorzustellen haben wir mit ihm über genau das und mehr gesprochen.
Nathan Ball im Interview
Anna: Hey Nathan! As someone who listens to your music for a while now, can I say, that I’m glad you finally came around to releasing your debut album? I can only imagine what big of a deal it must be for you. From 1 to 10, how excited are you?
Nathan: Hey Anna, a pleasure to meet you! Ha yeh, it’s been a pretty long wait. I think about 7 years in the making, so I’m really excited to get it out into the world. I’d say I’m a solid 9 on the excitement levels… got to leave 1 just in case!
Anna: I first discovered you with your single Howling (2015), that I just nowrealised was your first official single ever. How would you describe your own musical path from then to now?
Nathan: Ah yeh, you’ve been here since the beginning, thanks so much! It’s been quite the journey, I guess I was always just keen to grow things organically. I just released a load of singles and focused on touring a lot, which was always the fun part for me: travelling the world playing music. It had never really felt like the right time to release a debut album until now. I was still trying to perfect the sound I’d been chasing throughout those singles and have finally got there on this record so I can’t wait for everyone to hear it.
“The thought of not seeing the sea every day would kill me.”
Anna: Last year, you moved out of the city and to the coast. What led to that decision to leave your hometown?
Nathan: Yeh it’s been a long time coming really. I’ve been on and off living by the coast for a while. Forever thought it wasn’t possible to be in the music industry without living in London. I was touring so much, so it was a hell of a lot easier living in the city with all the airports and trains. But I guess when all that got put on hold, touring was no longer a thing and everyone got on board with zoom meetings rather than in person, it became a lot easier to live down by the sea. I now can’t imagine being anywhere else, and the thought of not seeing the sea every day would kill me.
Anna: In how far did moving to Cornwall influence the tracks on the album? Do you think they would have sounded differently if you would have stayed and recorded in London?
Nathan: Cornwall had such a huge impact on this record, I kind of think it’s almost a love letter to this place in a way. The album title was totally inspired by the skies down here, and whenever I listen back to the record it makes me think of those glorious summer evening drives home from the studio with the sun low in the sky, and those mornings surfing before we got going with the recording. It was such a special time and I feel so lucky to have this record as such an amazing reminder of it. There’s no way the album would sound anything like it does now if we were making it in London. I think Max and I were feeling so high on life down here that it was impossible for it not to have such a huge impact on the sound of the record.
“It seems to be a bit of an emotional rollercoaster.”
Anna: So let’s talk about your debut album. Could you make up the top 3 that every new fan should listen to? “The Top 3 Songs to fall in love with Nathan Balls debut album” – something like that.
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Anna: Blindside was the first single kicking off this album. What is so special about this song that made it perfect as the first release of Under The Mackerel Sky?
Nathan: I think it was the first moment we’d fully captured that sound we’d been chasing for a while. I’d always dreamt of this epic, hectic kind of sound with nods to electronic music which also tugged on the heartstrings. It clicked on Blindside. I think it became the epitome of the sound we were looking to create throughout the record. I think it also gives a great intro into what can be expected from the rest of it.
Anna: Under The Mackerel Sky combines sad and uplifting songs, it both seems chaotic and emotional. What were the topics that you were processing in this album?
Nathan: Yeh it seems to be a bit of an emotional rollercoaster really, but that’s what I always set out to create with this record. I often talk about my love for house music. How DJ’s take you on a bit of a journey through the night with euphoric and then more pensive more melancholic moments. And that’s what I wanted to bring to this album. There are a few themes that seem to run through the record. For some reason loneliness appears to be one of those threads, because I found it so fascinating. I was touring the world playing to hundreds or thousands of people each night, but then I was just back on my own on a flight or a train the next day and trying to process that mad juxtaposition between the show and that moment where you’re on your own.
“It still gives me goosebumps just thinking about it.”
Anna: Can you pinpoint the album process to three key moments you had?
Nathan: I’ll give it a go! Firstly, reading the line ‘Under the Mackerel Sky’ in a poem, and suddenly feeling everything click into place. I knew immediately that had to be the title of the record and it gave a real concept to the whole album.
Secondly, I think writing that song Under the Mackerel Sky. I wrote the song that day I read the line in the poem and took it down to where the writer of that poem is buried and listened to it on repeat about 20 times, sitting on this bench overlooking his grave and the sea in the background. That was such a special moment and still gives me goosebumps just thinking about it.
Thirdly, I think the farmhouse we recorded in was such a key part in the album. It’s this beautiful old Cornish farmhouse that’s kind of falling down, but the landlords very kindly let us build our studio up in the attic, and we’d open the skylights that looked out over these rolling Cornish fields and you could see the sea which just made it so special. I think the record would have sounded very different if we weren’t in that space.
“Germany is always a favourite one for me.”
Anna: May seem like a standard question, but it’s sincere: What music did influence you when writing this record?
Nathan: I was listening to a lot of Kurt Vile at the time, and the War on Drugs as always. I love how they can create these insanely hypnotic and atmospheric songs that just take you on a total journey. I was listening to a lot of Courtney Barnett and Sharon Van Etten too, I got slightly hooked on those two on my Aussie tour. Also to a lot of house music… Jeremy Olander, Jon Hopkins, Ame, that kind of stuff. I think somewhere where those two worlds meet is where this record sits for me.
Anna: Something I also don’t want to ignore: You’re playing this record live! In Germany, too! What are you most excited about when you think about touring again?
Nathan: Yeh we can’t wait to get back on the road and play these new songs. Germany is always a favourite one for me too. The crowds are always so special and I can’t wait to feel that connection with the audience too. I think also just being in cool new cities we’ve never been to every night, meeting new people and drinking the finest beers is as good as it gets.
Anna: And last but not least, the question asking for your very own untold story: Something you haven’t shared in an interview before but always wanted to:
Nathan: Umm good question. There’s a sound at the beginning of the song Under the Mackerel Sky which is me dropping my pen onto my mug that I had a cup of tea in. My vocals were going through a guitar amp with some delay pedals at the time and it made a pretty cool sound so we left it in there. Fun fact for the day!
Wer mehr kleine fun facts wissen will, darf hier reinschauen:
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Und natürlich in dieses wunderschöne Album direkt reinhören:
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Vor zwei Monaten kam Inside Voices, die neue EP von K.Flay raus. Die Genre-brechende und Grammy nominierte Künstlerin macht Alternative Rock, in den wirklich jede*r von euch mindestens ein Mal reinhören sollte. Seit über 10 Jahre im Musikbusiness war es uns eine wirklich sehr große Ehre, die Amerikanerin im Interview über ihre Liebe zur Musik, die inside and outsides voices auf der EP und die Kollaborationen mit Blink 182 Drummer Travis Barker und Rage Against The Machine Gitarrist Tom Morello zu sprechen.
K.Flay im Interview
Anna: Hey, it’s so cool to get the chance to talk to you! Your EP “Inside Voices” has been out for a few weeks now. How was the release, how are you feeling now?
K.Flay: The release went really well, I’m feeling good! Yknow, it’s nice to have it out in the world. With new music, it feels like you have a secret that you want to gossip about (laughs)
Anna: You’ve been releasing music for over ten years now, travelled the world and worked with many other inspiring artists. Looking back on your career as an artist, what were highlights or monumental experiences that still stick with you because they influenced you as an artist?
K.Flay: Oh, that’s a good question. It’s hard to pinpoint experiences as “monumental”. The way that I view my career has been a lot of small moments that have brought me where I am today. There were never like these insane moments of things blowing up but just gradually building my skills as a songwriter and a performer and my repertoire, really.
So, I think in some ways the most monumental thing that happened, I said “yes” to playing a show when I first started making music. I have never been on stage before so it was quite a leap in many ways (laughs). And it was saying yes to that experience that kinda opened the door every other “yes”. “Do you wanna sign a record deal? – Okay, yes”. “Do you wanna go on this tour? – Yeah!” (laughs). I think there’s always that moment where the world opens up to you in a particular way and that was the monumental moment. Everything afterwards felt like the product of my luck and hard work and whatever the hell else.
“That sense of curiosity and openness to new experiences has been the driving force in my musical career.”
Anna: When you go back to the very beginning: How did you discover your love for music? Did you know that you wanted to take this leap of saying “yes”, possibly doing this for the rest of your life?
K.Flay: (laughs) No, I did not! I mean, I was 19 or whatever and very much not thinking about the way in which that “yes” might totally alter the course of my life. I said that “yes” in the spirit of curiosity in many ways. And I do think that sense of curiosity and openness to new experiences has really been the driving force in my musical career. Like ultimately, what I am pursuing is the wonder about the world to be human on planet earth. And music has been a really wonderful way to explore that. There are things about the job that are physically and psychologically demanding. But you get to travel, you get to be really vulnerable with people, which is not always a part of peoples work-life. And for me, engaging with my vulnerability and of others has been amazing and keeps me in this world.
“I wanted my music to reflect that desire to be direct and confrontational”
Anna: After that little dive into your musical past, your new EP Inside Voices picks up where you left with your last album Solutions. That was in 2019, since then, a lot has changed. A pandemic hit the world and social injustice is fought on the streets more than it has before. I can imagine it sparked some of these inside voices of rage in your new EP?
K.Flay: There are two things going on a society level which is, yknow, shutting us all in and isolating us, forcing us in many ways to sit with our minds. For me, in this time, I’ve been not drinking, not smoking, I was very much soberly in the moment. And that was very uncomfortable at times. Sitting in those feelings of frustration and grief and really a sense of hopelessness.
In the US in particular but across the world, Black Lives Matter and George Floyd murder being the initiation for tons of protests and conversations about what kind of society we build. Yknow, the ways in which capitalism is permeated and built on racisms and misogynies. Those kinds of conversations and that dialogue, I think, undoubtedly have had an influence on my music and the way that I wanted to express things, which is in a more confrontational and direct manner. All that was kinda swirling around in my head. It felt like one of the things I could control in this piling chaotic world was my own music. So I wanted that music to reflect that desire to be direct and confrontational.
“I wanted to create a bit of a world with these characters and help tell the story behind this EP”
Anna: The EP starts off with 4 Letter Words, which got me hooked the second I heard it. Who is that four letter word addressed to?
K.Flay: Well, in the song of course it’s framed in the context of a relationship. And I think like often in individual relationships are a good proxy for bigger, larger themes. So, in a way, the “fuck you” is very shapeless to me. As I was working on this song, it’s about whatever in your life. Yknow, I am a very polite, mild mannered person in many ways. So I frequently have that intrusive thought of like “oh my god, fuck you!” (laughs). But I don’t act on it! I don’t say it out loud, but I feel it.
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Anna: In the music video, you bring two animated characters to life: IV and OV. Can you introduce them to us and explain what they stand for?
K.Flay: So these two characters, OV and IV, are representations of the two ends of everyone’s psyche. IV stands for inside voices and represents the “it“. So that would be the impulsive, primal, reckless parts of the brain. And then OV on the other side is a proxy of the super ego, which is in many ways our conscience and the realistic part of our brain that’s highly influenced by the expectations and norms of society (=outside voices). I wanted to help people understand and engage with their own IV and OV. Because I think when you are examining yourself or trying to make changes, it’s very helpful to represent that visually. For me it is, at the very least (laughts). So yeah, I wanted to create a bit of a world with these characters and help tell the story behind this EP, not just through the music.
“The more organic a collaboration is, usually the better it ends up being”
Anna: Good Girl is about being done with constantly needing to be nice and polite as a woman. Coming back to how long you’ve been working in this industry, you both observed and are part of this female empowerment movement, that I, purely as a fan, love so much. Being someone that inspires many young women, who are the women that inspire you?
K.Flay: Oh, the women that inspire me! (smiles) On a personal level, it’s the women in my life, that I’m close with that inspire me. My mum, my sister, my sister in law, my best friends, many of whom I had for like 20 years. I have many, very long and intense friendships which are super important to me, that chosen family. These are people who always encourage me to stand up for myself, to be honest, authentic and unselfconscious in the world. To fight for what’s important for me and for society, if I can. So, the folks who are influencing my behaviour and how I exist in the world and how I make music are non-musicians, they do all sorts of different things.
Anna: Also something that’s really interesting on your EP are the two features you got. One is
Travis Barker, contributing the powerful-driven drums on Dating My Dad, the other Tom Morello from Rage Against The Machine on TGIF. Were that collabs you’ve always wanted to do or just something that happened naturally?
K.Flay: That happened really organically. Both features on this did. Travis and I have a mutual friend, Nick Long. I was working on a song and it was missing something. Nick connected us and Travis recorded drums. We did that in the height of lockdown, when we couldn’t be in the same room, so we had to everything remotely. But it was a great experience and really exciting for me to watch and hear that song come to life that way.
And with Tom it was the similar thing. I know Tom because we’ve known each other for four years now, I’ve collaborated with him on his solo record. He’s one of the real gems in the music industry and I’m really honoured to know him (laughs). I texted him being like “I’m working on this song, I think you could absolutely take this to the next level and solo on it, would you be interested?” And he was like “hell yeah!”. So yknow, both of these collaborations were very organic. I found historically that the more organic a collaboration is, usually the better it ends up being.
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“A show is just a place where you get to be just wild and let go of your self-consciousness”
Anna: Especially TGIF is a song that I can imagine will blow everything when you go on tour. What do miss most about touring and what are you most excited for?
K.Flay: I hope so! (laughs) I’m most excited for just the physical and emotional catharsis. Because there’s something really special about being in a room full of people who are united. Not because of how they look, how they identify, how old they are or how much money they have. But who are united in the appreciation in the enjoyment of a particular set of songs. And I think this is such a cool thing! Music is a great equalizer in many ways, and I miss that. I miss being part of that type of community. I try to be a very unselfconscious performer, I’m very spontaneous and free with my movement and body language. And I think a show is just a place where you get to just be weird and wild and let go of your self-consciousness. I’m looking forward to that, that freedom and that release.
Anna: Well, I really hope to see you play live soon, too!
K.Flay: Absolutely! Where are you based?
Anna: Berlin.
K.Flay: Oh, yeah, we’ll be there in February if all goes according to plan.
Anna: Fingers crossed! Our last question is always one that asks for an untold story – something you have never shared in an interview before. That can be something totally random an anecdote to the EP, anything that comes to mind.
K.Flay: Um… Hm. Well, we just talked about TGIF. I wrote this whole other pre-chorus that had like a different rhythm, all these different lyrics and no Thank God It’s Friday in it. And I sent it to the two producers I was working with on the song, and they were both just like “yeah, that’s cool, but the original thought was cooler”. I remember being a little bit heartbroken but it’s kinda funny looking back now because I think the song wouldn’t have so much of its meaning and sense of humour if it didn’t have that Thank God It’s Friday-section. And it’s always a curious thing to realise that often our first and unpremeditated instincts hold the key to something really special. So that’s just a little reminder with this song, it’s important to honour those first ideas that you have before you start to overthink everything.
Hört hier in die ganze EP Inside Voices rein – es lohnt sich:
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Mit zugebenermaßen ein bisschen Verzug gehen wir jetzt endlich in den nächsten Twenty One Pilots Deep Dive. Wer sich fragt, was ein Twenty One Pilots Deep Dive ist, und warum man den fortführen muss, den*die darf ich hierhin weiterleiten. In der Review zum ihrem neusten AlbumScaled And Icy hab ich nicht nur geschrieben, warum ich mich musikalisch in dieser Band verliere, sondern inwiefern sie selbst ein Universum rund um ihre Musik aufbauen. Wenn euch Clancy, DEMA, Trench und die neun Bischöfe nichts sagen, dann lest da einfach nochmal rein. Und wenn euch das alles was sagt, und ich euch eventuell sogar durch diese Review bis hier hingezogen hab, dann geht die Story jetzt endlich weiter! Und wenn euch das alles egal ist, ist Saturdaytrotzdem einfach 1 super Lied, 1 super Video von 1ner super Band.
Der obligatorische Schnelleinstieg in die Welt hinter Twenty One Pilots
Das mit der „1“ in der Einleitung tut mir leid, manchmal beweg ich mich zu lange im Internet. Aber ist alles wahr! Twenty One Pilots sind sowohl inhaltlich so vielschichtig und interessant wie sie musikalisch zugänglich und genial sind. Da kann sich immer jede*r das rauspicken, was sie*er mag. Saturday ist als letzte Singleauskopplung tatsächlich der Song auf dem Album gewesen, zu dem ich vielleicht unter Umständen immer am lautesten mitgesungen hab. Es hat einfach einen so unglaublichen feel-good Vibe, dass das gar nicht anders geht. In diesem Fall ist es aber nicht nur die Musik, die mich so umgehauen hat, dass ich drüber schreiben muss, sondern viel mehr das Musikvideo selbst.
Ganz kurzer Schnelldurchlauf der Ereignisse bis jetzt, damit wir uns alle auf einer Seite befinden: In der fiktiven Welt, die Twenty One Pilots mit dem Album Blurryface ins Leben gerufen haben, ist Clancy in DEMA gefangen, einer (mentalen) Gefängnisstadt, die von neun Bischöfen kontrolliert wird. Im Nachfolgeralbum Trench bricht er aus und befindet sich auf der Flucht. Das war der letzte Stand bevor mit dem Albumrelease von Scaled And Icy in diesem Mai klar wurde, dass die Flucht nicht geklappt hat und wir uns wieder zurück in DEMA befinden. Die Bischöfe kontrollieren Tyler und Josh (aka Twenty One Pilots) und haben sie jetzt sogar entführt – auf einem Schiff, mitten auf dem Meer. Here is Saturday:
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Ich merke selbst, wie diese Kurzfassung sowohl verwirren als auch abschrecken kann, aber das ist hier ehrlicherweise auch absoluter Fangirl-Content. Und auch obwohl das Video schon einen Monat alt ist (rast die Zeit auch bei euch so vorbei or is it just me?), hat es sich mit knapp 10 Millionen Klicks schon völlig etabliert. Denn wenn Twenty One Pilots was können, dann Musikvideos.
Die Reise zurück nach DEMA geht also weiter auf einem Schiff. Mit diesem unverkennbaren Dröhnen, was Schiffe so von sich geben bevor sie in See stechen, geht das Video los. Man sieht die Bischöfe Taue einrollen und was man sonst so im Schiffs-Jargon macht, und dann Tyler –. Kurzer Einschub hier: Ich liebe ja vieles an der neuen Ära, aber nichts so sehr wie Tylers pinkes Haar. Und Joshs kleine Locken machen mich irgendwie auch ein bisschen schwach:
Okay, gut, die guten Looks aside, geht das Saturday Musikvideo also auf dem Schiff los. Mit den Bischöfen und Twenty One Pilots on board, fährt es ins Meer. Die erste Minute spielt sich eigentlich nur dort ab. Tyler und Josh performen den Song auf Deck (Josh spielt bekannterweise überall und immer Drums), und man darf die schöne Szenerie genießen. Mein Highlight hier: wie subtle Tyler die Lyrics in seinen Bewegungen einfließen lässt. („have you lost your footing, too?“ + Schuhsohle Richtung Kamera). Solche Mini-Sachen kriegen mich immer.
Während ich mich fast komplett von der Live-Performance der beiden ablenken lasse, kommen andere Passagiere aufs Schiff. Wie Marionetten laufen sie über‘s Deck und steigen die Treppe hinab. Ein bisschen gebrochen sehen sie aus, wie Gefangene, die sich ihrem Schicksal ergeben. Doch kaum gehen sie die Treppe hinab, werden die dunklen Jacken abgeworfen und die „Party“ beginnt.
Ne Party und ein bisschen Panik
DEMA funktioniert über Propaganda. Es ist ein Gefängnis, was sich für die Gefangenen nicht wie ein Gefängnis anfühlen soll. Viel eher sollen sie so in diese Welt aus Manipulation gelenkt werden, dass ihnen nicht mehr auffällt, was für ein dunkler Ort das eigentlich ist. Auch hier lässt sich wieder die Parallele zwischen DEMA und mentalen Krankheiten ziehen: wenn man so tief in seinem eigenen dunkelsten mentalen Gedanken verschwindet, merkt man selbst gar nicht mehr, wie tief man eigentich drin ist und es ist äußerst schwer, da wieder rauszukommen. Viel eher verstrickt man sich in eigenen Ausreden, dass doch alles gut sei und man funktioniere, was aber natürlich nicht stimmt. DEMA ist so ähnlich aufgebaut. Natürlich viel fiktiver und komplexer, aber genauso tückisch und gefährlich. Es lässt mich immer wieder fasziniert zurück, wie diese Welt eine eigene Dynamik entwickelt.
Passend zum Refrain geht auch die Geschichte in dem Saturday Musikvideo weiter – und zwar unter Deck. Musikalisch ist Saturday ja wirklich ein reiner Party-Song, mit Trompete, funkiger Gitarre und allem, was dazu gehört. DEMA nutzen genau das aus und bespaßen damit die Neuankömmlinge auf dem Schiff. Zu Live-Musik tanzen, vor allem wenn sie von Twenty One Pilots kommt, macht glücklich. Deshalb merkt auch niemand, wie panisch die Bischöfe im Technikraum versuchen, das Problem eines schnell näherkommenden Fremdkörpers im Wasser zu lösen. Die Party im Unterdeck ist also wirklich pure Ablenkung: Die Leute sollen sich so in dem tanzbaren Pop-Sound der Band verlieren, dass sie gar nicht mitbekommen, in welcher Gefahr sie eigentlich schweben.
Enter Scene: Trash, the Dragon
Und die Gefahr hat einen Namen. Trash. Genauer: Trash, the Dragon. Er ziert das Cover des neuen Albums und schleicht sich seit der ersten Single-Auskopplung Shy Away in die Musikvideos der Band. Die richtige Geschichte hinter Trash ist relativ unbekannt, er scheint aber für die Kreativität und auch Hoffnung zu stehen – also zu Recht etwas, von dem die Bischöfe sich bedroht fühlen. Mit gelben Augen und einem wirklich riesen Kopf stößt er, mitten in der Saturday-Party, gegen das Bullauge, lässt das Schiff ordentlich erzittern und Wasser durch das zerbrochene Fenster schießen. Jetzt bricht Panik aus. Zu Recht, ich will auch nicht auf einem Schiff sein, wenn das von einem anschwimmenden Drachen zum Kentern gebracht wird. Während sich alle außer Tyler und Josh versuchen zu retten, klingelt das Telefon und die Bridge im Song findet seinen Einsatz: Tylers Frau, Jenna, spricht mit ihm durch den Hörer, während Josh versucht, mit gelbem Tape die Schiffswand zu fixen. Beides ist so absurd, aber on point der Humor von Twenty One Pilots – auch das, was danach passiert. (Hier muss ich einfach bisschen clickbaiten, damit ihr euch das auch wirklich anguckt).
Die Band-Performance ist jetzt komplett unter Wasser. Ich muss sagen, das sieht rein ästhetisch schon ziemlich nice aus. Ein Teil von mir will jetzt googeln, welche Bands schon mal unter Wasser gespielt und gedreht haben. Aber bevor ich da Zeit hab, hin abzuschweifen, ist das Video auch zu Ende. Tyler, Josh und alle anderen schaffen es aus dem untergehenden Schiff heraus und schwimmen nun bisschen verloren im Meer. Während ich meine Panik vor tiefem Wasser versuche zu ignorieren, zeigt das letzte Bild Trash, wie er unten ihnen vorbeischwimmt. Meiner Panik hilft das absolut gar nicht, aber ein guter Cliffhänger ist es allemal.
Ja, das war’s. Abschließend kann ich nur sagen: Hört Twenty One Pilots. Und dann wartet mit mir darauf, wie die Story von hier an weitergeht.
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Ende Mai wurde irgendwie einfach so Sommer und ich für meinen Teil bin da noch nicht ganz angekommen. Es fühlt sich an wie vor wenigen Wochen, als auf einmal mehrere Tage purer Sonnenschein den tristen Dauerregen ablösten. Die Winterjacke, die ich gefühlt den ganzen April hätte tragen können, blieb im Schrank hängen und ich verschob das Homeoffice auf den Balkon. Auf einmal war einfach so Sommer. // Entschuldigt diesen dramatischen Einstieg in ein eigentlich total schönes Thema. Ich hab März 2020 mein Zeitgefühl verloren und einfach nicht mehr wiedergefunden. Aber ja: Es ist Sommer! Paul, die Grafikmaus von Untoldency, meinte mal, er wünschte sich eine Playlist, die man anmachen kann, wenn man am See chillt. Und das haben wir dann einfach mal gemacht. Wir präsentieren unsere summer picnic love:
Wir sind alle Indie-Bitches-at-heart
Eine Playlist fürs Chillen am See ist super individuell. Wahrscheinlich habt ihr eine Handvoll Lieder, die ihr in der hier vermissen werdet. Aber ihr werdet bestimmt auch eine menge Lieder finden, die ihr in eure privaten Playlisten übernehmen könnt. Der Grundvibe dieser Playlist ist sehr Indie, weil wir sind alle Indie-Bitches-at-heart. Jeder gute Indie-Song ist für den entspannten Sommer geschrieben, für ebengenanntes Chillen am See oder Picknicken im Park. Die Songs hier sollen gute Laune machen während man mit tiefenentspannt in die Sonne starrt. Songs, die im Hintergrund laufen, ohne unangenehmen Stillen entstehen zu lassen. Diese Kombi haben wir versucht einzufangen.
Als Opener fungiert damit keine andere als Tash Sultana mit Jungle. Aus 2017 und mit über 160 Millionen Streams spricht der Song immer noch so stark für sich und die Australierin:
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Aus 2018 und ebenfalls einfach nur ein Dauer-Sommerhit ist Gaybyvon einem „der nettesten und süßesten Menschen“ die Jule je getroffen hat: Sam Vance Law. Und auch danach wird’s nicht weniger süß. Nach Some Sprouts und Daði Freyr gibt es mit Lorde und Anderson.Paak ein paar soulige R’n’B Vibes und bevor es mit dem von mir gekürten Hymne des SommersTerrace von Shelter Boy feat. Boy Pablo in die ganz klischeehaften Classics wie Chocolate von The 1975 geht. Obwohl für manche vielleicht overplayed, ist Chocolate immer noch der ideale Song, wenn es um diesen einen Sommer-Spark geht. Auch FIDLAR steuern einen älteren Song der Playlist hinzu, zu dem man eigentlich auch perfekt Flunky Ball spielen kann – jedenfalls stell ich mir das so vor, wenn das in zwei Jahren wieder möglich sein sollte.
2018 – das Jahr, in dem noch alles gut war
Ihr werdet merken, die meisten Songs aus dieser Playlist sind nicht unbedingt die „neusten“, ich würde sagen das Durchschnitts-Release-Jahr ist so 2018. Da, wo noch alles gut war. Es sind die ganzen comfort Songs, die jeden Sommer aufs neue funktionieren, und eigentlich kann sich Musik nicht besser beweisen. So gut wie das neue Album von Billie Eilish sein wird, so gut ist eben auch noch Bellyache (2017). Dazu auf der Picknick Decke liegen, vielleicht ein bisschen high oder angetrunken (#youdoyou) in den blauen Himmel gucken – es gibt eigentlich nichts Schöneres. Außer Harry Styles.
Es gibt auch ein bisschen Paris in der untold summer picnic love: Das Duo Polo & Pan bringen leicht elektronische Vibes aus der französischen Hauptstadt und können eure Freund:innen eigentlich nur genauso verzaubert zurücklassen wie uns. Ebenfalls auf französisch, aber aus Montreal, singen Rosier, und auch da: sehr empfehlenswert. Es hat diesen frühlingsüßen Beat, Gitarren, die sich hineinschmiegen und eine weibliche Leadstimme, die sich direkt ins Herz stiehlt – auch wenn ich nicht verstehe, was sie sagt. Wenn wir bei Sachen sind, die ich nicht verstehe, komm ich um die nuschelnden Bilderbuch auch nicht drum rum (die Überleitung war perfekt, sorry). Eigentlich könnte ihre ganze Diskographie hier rein. Aber um bei den Klassiks zu bleiben, die man schon im Schlaf mitsingen könnte, sind wir bei Bungalow und OM geblieben – auch weil es thematisch einfach so gut passt: „Gibt dir mehr Zeit für dich“ sollten wir wirklich alle mal sehr viel ernster leben.
Zwischen Geheimtipps und etablierten Lieblingskünstler:innen
Kommen wir zu meiner persönlichen Sommer-Entdeckung 2021: Mar Malade. Ich hab schon sehr von der Musik geschwärmt, Paula hatte die beiden sogar schon im Interview. Ihr merkt, wir sind absolut begeistert. Ich würde wirklich mein halbes Ersparnis (keine Sorge, so viel isses nich) darauf setzen, dass sich die beiden eigentlich alle Bühnen Deutschlands erspielen werden. Fans von Fil Bo Riva, Rikas, Catt, Bukahara, Cassia oder JEREMIAS (alle auch in der Playlist zu finden) sollten das Duo auf jeden Fall im Blick behalten.
Was ebenfalls nicht auf dieser Playlist fehlen darf, sind Glass Animals. Dreamland war mein musikalischer Album-Crush von 2020 und ist es auch immer noch. Einmal in ihren Sound verloren, landet man auch bei älteren Sachen wie Gooey und muss wie Melanie Gollin Glass-Animals-Pancakes backen. In der Playlist hier gelandet sind aber erstmal nur Heat Waves und Youth. Genau wie Glass Animals sind auch Milky Chance mehrmals vertreten, weil wie könnten sie auch nicht. Da fiel die Wahl tatsächlich fast am Schwersten, weil die beiden mit die beste Musik für Picknick-Nachmittage am See bringen. Genau wie Von Wegen Lisbeth und all die anderen Verdächtigen. Der älteste Song kommt wahrscheinlich von Gorillaz mit Feel Good Inc. Der kann einfach nie, nie, nie, nie überhört werden kann. Das ist einfach ein Fakt.
Ich könnte jetzt stundenlang euch erzählen, warum welcher Song auf dieser Playlist ist. Beim Schreiben selbst merk ich, wie sehr ich alles irgendwie noch fühle. Deshalb zum Ende kurz noch ein kleine persönliche Highlight-Auflistung meinerseits: If You Ever von Nao feat. 6LACK ist, wenn auch nicht Indie, einfach ein zu gutes Lied, um hier nicht zu platzieren. Auch Mulberry Street von Twenty One Pilots und Pretty Pleasevon Dua Lipa sind Songs, die nur hier drin sind, weil ich hoffe, ihr feiert sie genau so wie ich. And don’t even get me started about Blue World von Mac Miller oder Take Me Where Your Heart Is von Q, da werd ich manchmal auch ein bisschen emotional.
Aber ja. Das waren sie im Groben – die summer picnic love. Hört euch am besten selbst nochmal ein bisschen durch. Genießt euren entspannten Tag am See. Und: folgt der Playlist and always spread the word 💚
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Passend zu ihrem ersten Konzert bei den Acoustics Concertsstellen wir euch heute Schimmerling vor. Musikalisch geht es in Richtung deutschsprachige Popmusik mit genau dem richtigen Hauch von Rock und, laut eigenen Worten, Haltung. Haltung gegenüber wichtigen gesellschaftlichen Themen, die man heutzutage durchaus auch in der Musik vertreten kann oder, wenn man Shimmoneq von Schimmerling fragt, auch sollte. Bevor seine Tour durch Acoustics Deutschland heute losgeht, haben wir mit ihm über genau das gesprochen, ihn aber auch gefragt, mit welchen Künstler:innen er in den Urlaub fahren würde und wie er seinen eigenen Sound akustisch wahrnimmt.
Schimmerling im Interview
Anna: Hey Shimmoneq, wie geh’t s dir, wie läuft dein Sommer so?
Schimmerling: Bis jetzt ist es ein sehr erholsamer Sommer. Ich bin noch hin und her gerissen, was das Wetter angeht: Dem Hippie in mir gefällt der viele Regen, aber der Narzisst vermisst seine Terence Hill-Bräune. Ich übe mich in Demut und vertraue dem Hippie.
Anna: Wie würdest du den Sound von Schimmerling denMenschen beschreiben, die noch nicht kennen?
Schimmerling: Sehr schwierige Frage. Eine von denen die jede*r besser beantworten kann als ich. Ich gebe einfach nur einen Serviervorschlag: Laut.
Anna: Laut Spotify ist Schimmerling was für Fans von Betterov, Milliarden, Fibel, Bruckner, Das Moped, … Einfach mal blind in den Raum gefragt: Mit welcher Band würdest du gern mal in Urlaub fahren? (Kann aus der Liste sein oder wer anders)
Schimmerling: Es gibt zurzeit verdammt viele starke Künstler*innen, welche richtig gute Musik und feine Texte schreiben. Wenn ich mich entscheiden muss, nehm ich Miley Cyrus und Kochkraft durch KMA mit.
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„Je unpolitischer ein Act, desto weniger wird er anecken – ein alteingesessenes Erfolgsrezept.“
Anna: Du siehst dich ja selbst auch als einen sehr haltungsstarken Act, behandelst in deinen Songs politische Themen und beziehst Stellung. Warum findest du das so wichtig, vielleicht auch gerade in der Musikszene?
Schimmerling: Es ist bequem, sich als Person des Öffentlichen Lebens nicht der Verantwortung zu stellen, die man gegenüber den Menschen trägt, die sich die Gesichter ihrer Stars an die Zimmerwände hängen und verheult in der ersten Reihe stehen. Je unpolitischer ein Act, desto weniger wird er bei verschiedensten Personengruppen anecken. Ein alteingesessenes Erfolgsrezept. Kunst hatte aber immer schon die Fähigkeit Vermittlerin zwischen den Welten zu sein. Das klingt pathetisch (ist es auch), aber nimmt dem nichts an Wahrheit.
Wenn ich mich mit den Hintergründen zum NSU-Komplex oder Hanau auseinandersetze, mir der ausufernden Gewalt des Patriachats gewahr werde, oder sehe, wie dieser einzigartige und wunderschöne Planet verwüstet wird, muss ich wütend werden und mich im Anschluss mit dieser Wut auseinandersetzen. Das Gefühl hat seine absolute Daseinsberechtigung – auf meiner Bühne, sowie in meinem Privatleben, wenn ich im Morgenmantel mit der Luft schimpfe.
Ich bin hier nicht erschienen, um dem bitteren Dasein der systematischen Verwahrlosung zu fristen, sondern eher dafür, den Menschen, die sich für einen besseren Morgen einsetzen, ob z.B. in Frauenhäusern, an Bord von „Search And Rescue“-Schiffen im Mittelmeer oder in den Wäldern beim Bäumepflanzen, Hymnen zu singen.
„Meine Musik ist für’s Knutschen und zum Mitschreien geschrieben.“
Anna: Erst letztes Jahr hast du die erste EP „Bock“ released, nächstes Jahr geht’s schon auf zu Rock Am Ring – hast du mit dieser schnellen und guten Resonanz gerechnet?
Schimmerling: Ich reite hier großen Zielen hinterher, wie vermutlich 99% der komponierenden Künstler*innen. Als ich noch ohne Band unterwegs war, habe ich meine Musik „Akustik-Stadionrock“ geschimpft. Schimmerling gehört vor allen Dingen auf die Bühnen und hat seit Veröffentlichung Anfang 2020 zwei Konzerte spielen können. Wenn ich erstmal in den Ring darf, will ich da keine halben Sachen machen.
Anna: Was sind deine eigenen einprägsamsten Festival-Momente?
Schimmerling: Ich habe mal auf dem Hafengeburtstag in Hamburg gespielt. Danach kam Backstage ein Typ auf mich zu und sagte „You just killed The Killers“. Da wusste ich, dass ich einiges richtig mache. Wenn du das hier liest: „Thanks again, stranger!“
Anna: Wenn wir schon bei Live-Auftritten sind: diesen Sommer spielst du mehrere Konzerte bei den Acoustics Concerts. Wie hyped bist du darauf und auch generell, endlich wieder live vor Menschen zu spielen?
Schimmerling: Ich bin ultrahyped! Meine Musik ist für’s Knutschen und zum Mitschreien geschrieben. Wenn ich das endlich wieder erfahren darf und im Bestfall noch ein paar neue Freund*innen dabei finde, bin ich selig und die letzten 15 Monate werden ein bisschen vergessen sein.
Anna: Nimmst du deine Songs manchmal auch anders wahr, wenn du sie akustisch spielt spielst?
Schimmerling: Da ich die Songs auf der Akustikgitarre schreibe, kommen sie in dieser Form näher an ihre ursprüngliche Vision heran. Ich finde den Kontrast zwischen einer fetten Produktion und dem nackten Song immer spannend. Wenn beide Versionen überzeugen, ist es ein wirklich guter Song.
Anna: Zum Schluss stellen wir immer die Frage nach der untold story: Etwas, was du noch nie vorher in einem Interview erzählt hast. Go:
Schimmerling: Menschen, die sagen, dass „Herr der Ringe“ der beste Film aller Zeiten ist, schließe ich umgehend in mein Herz.
Wer sich noch Tickets für Schimmerlings Akustics-Tour holen will, kann das hier tun (für Clickfaulen wie wir auch welche sind, ist jede Stadt direkt verlinkt – hier wird Service halt noch großgeschrieben):
15.07. Acoustics Hannover mit MAXIM und Simeon (Tickets)
16.07. Acoustics Essen mit MAXIM und Simeon (Tickets)
17.07. Acoustics Magdeburg mit Louka und Simeon (Tickets)
18.07. Acoustics Dresden mit Lina Maly und Simeon (Tickets)
16.08. Acoustics Berlin mit Vlines und Paul Gerlinger (Tickets)
18.08. Acoustics Hamburg mit Vilnes und Paul Gerlinger (Tickets)
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