Autor: Anna

  • Elena Steri im Interview: »Jede*r fühlt sich manchmal verloren, aber ich glaube, dass aus dieser Verlorenheit viel Gutes entstehen kann.«

    Elena Steri im Interview: »Jede*r fühlt sich manchmal verloren, aber ich glaube, dass aus dieser Verlorenheit viel Gutes entstehen kann.«

    Immer mal wieder lass ich mich in ruhige Singer-Songwriter-Vibes entführen und verlier mich ein bisschen selbst drin. Sich zuletzt in mein Herz geschlichen hat Elena Steri. Die junge Nürnbergerin ist mir zuerst als Feature auf der A Tale Of Golden Keys Single Whirling über den Weg gelaufen (auch so schön). Dort verzaubert mich Elena das erste Mal mit ihrer Stimme und seitdem warte ich auf neuen Musik-Input. Und der kam jetzt. Mit Chaotic Energy hat Elena letzte Woche ihre Debüt EP veröffentlicht. Ich hab die Gelegenheit genutzt, um über sowohl die einzelnen Songs zu sprechen als auch ihre Heimatverbundenheit zu Sardinien und das Aufwachsen als sensible Person. Dazu gibt es die schönste untold story, die mir bisher erzählt worden ist.

     
    Elena Steri im Interview

    Anna: Hey Elena, natürlich die wichtigste Sache vorweg: Happy Release! Wie geht’s dir, wie fühlt sich das an, deine erste EP raus in die Welt gelassen zu haben?

    Elena: Vielen Dank! Es fühlt sich tatsächlich ein bisschen unreal an, wir haben die Songs ja schon vor fast einem Jahr aufgenommen. Und weil sich das mit der Pandemie alles verzögert hat, mussten auch wir alles nach hinten schieben. Ich bin aber echt sehr froh, dass jetzt endlich jeder die Songs hören kann!

    Anna: Auf Chaotic Energy verwebst du viele einzelne Stories und Songs miteinander. Obwohl sie alle so verschieden sind, verbindet sie das Level an Intimität, Ehrlichkeit und Mut, das du in jedes einzelne Lied steckst. Was würdest du sagen, ist die Grundaussage dieser EP? Was ist die Chaotic Energy?

    Elena: Ich denke, viele Menschen verbinden mit dem Wort Chaos erstmal etwas negatives. Aber nur aus dem Chaos kann die Ordnung entstehen. Jeder fühlt sich manchmal verloren, aber ich glaube, dass aus dieser Verlorenheit auch viel Gutes entstehen kann. Mit der EP habe ich mir einen Weg durch die vielen verschiedenen Erinnerungen und Gefühle gebaut, auf dem ich alles, was jetzt kommt, beschreiten kann. Darauf bezieht sich Chaotic Energy hauptsächlich, aber auch musikalisch gesehen passiert viel Verschiedenes. Wir haben ungefähr 30 verschiedene Instrumente und Gegenstände eingespielt, beispielsweise Querflöte, Kalimba, Fidget Spinner und auch Gläser.

     
    „Der Schreibprozess hat Themen aufgewirbelt, mit welchen ich mich weiterhin beschäftigen möchte.“

    Anna: Der Opener der EP ist Pavement, ein Song, über den wir hier auch schon geschrieben haben. Ich find ihn, 4 Monate später, immer noch unglaublich powerful. Warum hast du dich entschlossen, damit die EP zu beginnen?

    Elena: Pavement ist tatsächlich auch der erste Song, den ich damals für die EP geschrieben habe! Deswegen war irgendwie von Anfang an klar, dass das der Opener wird, auch weil der Song eine Art Intro hat. Außerdem hat der Schreibprozess auch in mir einige Themen aufgewirbelt, mit welchen ich mich auch weiterhin beschäftigen möchte und werde. Im Kontext der EP ist er entwicklungstechnisch gesehen auch der aktuellste Song.

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    Anna: In Could You Tell? sprichst du deine Eltern an. Ist deine Beziehung zu deinen Eltern heute anders als sie früher war? Wie haben sie auf den Song reagiert?

    Elena: In Could You Tell geht es ja konkret darum, dass man seinen Eltern vorspielt, dass es einem gut geht, obwohl sie sehen, dass man lügt. Beide Parteien wissen irgendwie Bescheid, aber trotzdem versucht man, dieses Konstrukt aufrecht zu erhalten. Ich habe inzwischen eine ganz gute Beziehung zu meinen Eltern, aber mir ging es auch mental nicht immer so gut wie momentan und ich hatte lange sehr starke Probleme, meine Familie damit zu belasten. Ich glaube, meine Eltern finden den Song aber ganz gut und unterstützen mich auch voll in dem, was ich mache.

    Anna: Der Song bricht dann, vor allem musikalisch, noch mal völlig aus und landet fast im Grunge, wo man dich eigentlich überhaupt nicht vermuten würde. Welche musikalischen Einflüsse haben sowohl die EP als auch dich als Person und Musikerin geprägt?

    Elena: Schön, dass du fragst! Als Kind habe ich fast nur Klassik gehört. Dann war ich im Rock und Hardcore beheimatet. Ich habe jahrelang nur Metal und Hardcore zum Einschlafen gehört, weil mich das entspannt hat. Irgendwann hat sich das auf Grunge, Indie und alles andere ausgeweitet. Inzwischen höre ich eigentlich alles, was mir gefällt/ mich berührt oder inspiriert. Zur Produktion der EP habe ich viel Dodie, Phoebe Bridgers, Brand New und Daughter gehört.

     
    „Wenn ich nach Sardinien fahre fühle ich mich immer, als würde ich nach langer Zeit nach Hause kommen.“

    Elena Steri, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, elena steri, nürnberg, listenrecords, chaotic energy, a tale of golden keys, whirlingAnna: Ich bin immer noch bei Could You Tell?, aber: „Take me back to when I was whole / Before my head broke my heart in the bedroom”, das macht unfassbar viel mit mir und anderen wahrscheinlich auch. Warum glaubst du, können sich so viele damit identifizieren, obwohl jede:r eine eigene Story dazu hat?

    Elena: Es gibt ein bekanntes Zitat das lautet „Don’t think so much. You’re breaking your own heart.“, welches mich schon lange begleitet. Ich überdenke Dinge oft zehnmal und verbaue mir damit Möglichkeiten und ich versuche gerade, ein bisschen mehr davon wegzukommen. Ich glaube, damit können sich einige identifizieren, weil sensible Menschen oft dazu neigen, sich viel zu viele Gedanken um alle involvierten Parteien in einem Szenario zu machen und sich am Ende selbst die Schuld zu geben, wenn etwas nicht funktioniert. Ich habe mir früher so oft gewünscht, dass ich an den Punkt zurückgehen könnte, bevor ich angefangen habe, alles zu überdenken und meinen Selbstwert zu hinterfragen.

    Anna:  In „Just Be“ beschäftigst du dich mit deiner Kindheit auf Sardinien, in dem Video sind auch viele alte Filmaufnahmen zu sehen. Was hast du von der Zeit damals am meisten mitgenommen? Und was zieht dich vielleicht auch immer noch zurück?

    Elena: Aus der Zeit habe ich auf jeden Fall die Liebe zum Meer, viel Kulturelles aber auch dieses Gefühl der Unbekümmertheit mitgenommen. Ich bin auch fast jedes Jahr auf Sardinien. Der schönste Moment des Urlaubs ist der erste Atemzug warmer, salziger Luft wenn ich aus dem Flugzeug steige. Der erste Blick auf’s Meer, sobald man vom Flughafen wegfährt. Natürlich sehe ich Deutschland erstmal als mein Heimatland an, aber es macht mich unruhig, kein Wasser in der Nähe zu haben. Und wenn ich nach Sardinien fahre fühle ich mich immer, als würde ich nach langer Zeit nach Hause kommen. Ich glaub‘ deswegen bin ich auch so gerne dort.

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    „Ich weiß, du glaubst mir das nicht, aber du wirst nochmal richtig krass, Elena.“

    Anna: Was steckt hinter dem Songtitel Puzzleboom?

    Elena: Ein Brief, den ich auf einem Flohmarkt gefunden habe! In dem Brief beschreibt der Autor seinem Freund zwei Seiten lang, wie er eine Gehirnerschütterung hatte, die so stark war, dass er temporär verlernt hat zu sprechen und Wörter zu verstehen und zu lesen. Der Brief war mit Puzzleboom betitelt und auch die Inspiration für den Spoken Word Teil im Song. In Puzzleboom geht es um das Kind im Film „Systemsprenger“, das durch alle Hilfesysteme fällt und darum, nicht verstanden zu werden. Der Brief hat da eine ganz schöne Parallele aufgemacht.

    Anna: Du konntest vor ein paar Tagen bei den Acoustics Concerts auch das erste Mal wieder live auf der Bühne stehen. Wie war das für dich?

    Elena: Das war so schön! Ich kam ja leider viel zu spät, weil mein Zug so verspätet war. Dadurch hatte ich aber glücklicherweise gar keine Zeit, aufgeregt zu sein. Im Vorhinein war ich aber echt wahnsinnig nervös, weil das ja auch mein erstes Konzert seit 8 Monaten war und dann noch in so einem stripped down Setting. Das allerschönste am Live spielen ist aber echt die Energie, die die Zuschauer von außen reingeben, auch indem sie einfach zur gespannt zuhören. Das hat mir so gefehlt, weil das kein Livestream ersetzen kann. Ich freu mich sehr, dass ich bald noch ein paar Shows spielen kann!

    Anna: Kurzes Abschweifen, aber ich werd dich wahrscheinlich für immer als die bessere Lena Meyer-Landrut assoziieren, nachdem mir die Jungs von A Tale Of Golden Keys die Geschichte hinter eurem Feature zu Whirling erzählt haben. Wie hast du euer Zusammenkommen in Erinnerung?

    Elena: Sehr entspannt! Das kam echt sehr zufällig und unerwartet. Ich saß gerade im Café als auf meinem Handy eine Facebooknachricht von Jonas aufploppte, in der er mich einfach direkt gefragt hat. War aber super unkompliziert, ich hab‘ einen Entwurf bekommen, meine Idee zurückgeschickt und dann sind wir nochmal in den Proben- und aufnahmespace von ATOGK gefahren und haben dort meine Vocals aufgenommen. Die Band selbst kenne ich aber lustigerweise schon viel länger. Ich habe mit 13 mal zufällig ein Konzert von ihnen auf einem Straßenmusikfestival in Nürnberg gesehen, da waren die anderen vielleicht 17 und hatten so lustige Collegejacken beim Spielen an, haha.

    Anna: Die letzte Frage ist unsere, oder eher deine, untold story. Welche Geschichte hast du noch nie in einem Interview geteilt, möchtest es aber an dieser Stelle tun?

    Elena: Meine untold story ist vom Anfang meiner Musikgeschichte und an die denke ich tatsächlich sehr oft, wenn ich mich unsicher fühle. Ich habe im Rahmen eines kleinen Umsonst-und-Draußen-Festivals in der Region auf einer Akustikbühne gespielt, das war so mein viertes oder fünftes Konzert überhaupt. Nach mir hat Tilman von Tigeryouth gespielt und ich weiß noch, wie er später am Abend zu mir kam mit seinem Glas Rotwein in der Hand und zu mir aus vollster Überzeugung gesagt hat: „Ich weiß, du glaubst mir das nicht, aber du wirst nochmal richtig krass, Elena. Ich weiß das einfach.“ Ich hatte zu dem Zeitpunkt noch nicht mal in Betracht gezogen Musik zu machen und hab‘ das damals nicht so richtig ernst genommen, aber inzwischen denke ich immer daran, dass jemand schon an mich geglaubt hat bevor ich es getan hab, wenn ich mich unsicher fühle.

     

    Wer sich davon beweisen will, wie krass Elena schon ist und noch werden kann, here you go:

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    Fotocredit: Kevin Altmann, Lukas Ulrich

  • Die Indie-Hymne des Sommers: Shelter Boy feat. Boy Pablo mit „Terrace“

    Die Indie-Hymne des Sommers: Shelter Boy feat. Boy Pablo mit „Terrace“

    Während jede:r gerade die neue RIN x Giant Rooks Single als neuen Sommerhit feiert, steck ich immer noch mit der Single fest, die vielleicht das coolste Feature in diesem Jahr kennzeichnet: Terrace von Shelter Boy und boy pablo. Das Zusammenkommen der beiden ist wie eine kleine romantische Reise für Fans von beiden Künstlern: Letztes Jahr mit Shelter Boy als Support auf den Deutschlandkonzerten von boy pablo kennengelernt, ist eine Freundschaft entstanden, die über Ländergrenzen hinweg uns einen gemeinsamen Song für all die Sommertage im Park, auf dem Balkon oder den Terrassen der Eltern schenkt.

     
    Welcome to the world of Dream-Indie-Rock

    Muss man bei dieser Feature-Kombi eigentlich die einzelnen Künstler noch vorstellen? Shelter Boy wirbelt schon lange mit seinem eigenen Sound irgendwo zwischen Indie-Rock und Dream-Pop durch unsere Playlisten und dürfte eigentlich niemanden hier mehr ein Fragezeichen im Kopf sein. Falls doch: Dascha hat ihn für euch vor ein paar Monaten im Interview vorgestellt. boy pablo ist ebenfalls ein größerer Name, wenn man sich im Dream-Indie-Pop rumtreibt. Der Norweger (auch erst 22, weil warum sollte man auch nicht ständig so begabt und jung sein) veröffentlicht schon seit 2016 Musik (da war er dann ja… 18). Letztes Jahr zu Recht mit seinem Debütalbum Wachito Riko durch die Decke gegangen, dürfte sich das nur noch fortführen. Wer weder den einen noch den anderen kennt, der darf sich hier sowieso doppelt freuen – beide fungieren wie Öffner einer wunderbaren Musikwelt.

    Wie einleitend schon erwähnt, bin ich hier auch ein bisschen spät dran. Oder vielleicht auch gerade rechtzeitig? In dieser zackigen Musikwelt, in der es jede Woche neue und begeisternde Releases hagelt, verliert man schnell einen Song aus den Augen. Falls euch das bei Terrace passiert sein sollte, könnte das hier euer Zeichen sein, dem nochmal ne Chance zu geben, denn wer weiß, vielleicht ist es morgen schon auf eurer Heavy Rotation. Der Song selbst ist jetzt jedenfalls schon einen Monat alt und für diese kurze Zeit nur noch mehr in den Sommer hinein gealtert. Wer also ein bisschen Vitamin D in Form von Musik braucht, die*der ist hier richtig:

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    Der erste Hit des Debütalbums

    Ihr habt ja jetzt gesehen, wie süß diese Kombi der zwei boys ist – über Zoomcalls und abgestimmten Bewegungen kommen da Szenen zusammen, die sich direkt in mein Herz gemietet haben. Wie sie da singend und Gitarre spielend am Fenster stehen, hat schon ein bisschen was von einem 2005 Hollywood-Liebesfilm. Irgendwie ganz kitschig, aber irgendwie auch ganz süß. Die Distanz der beiden Künstler, der eine in Deutschland und der andere in Norwegen, ist so sympathisch überbrückt, dass es kaum auffällt.

    Irgendwie fängt Terrace den momentanen Zeitgeist auch einfach ganz gut ein. Corona ist halt da, seit eineinhalb Jahren leben wir in dieser Realität, wo alles anders ist, Zeit an Bedeutung verloren hat und die sozialen real life Kontakte erst so langsam wieder anlaufen. Doch anstatt sich davon runter ziehen zu lassen, nimmt Terrace diese Energie und dreht sie in eine Sommer-Indie-Hymne. Die Gitarrenriffs, die Shelter Boy in letzter Zeit immer mehr Richtung Britpop driften lassen, sind genauso catchy wie die Chorus-Melodie. Hier kann man eigentlich nur mit einem Ohrwurm rausgehen. Das auf den Festivals nächsten Sommer? Yes, please. Shelter Boy hat die Single direkt auch als Anstoß genommen, um endlich sein Debütalbum anzukündigen – da dürfen also ganz viele Shows noch auf uns zukommen. Failure Familiar erscheint im September und Terrace dürfte da jetzt schon ein Highlight drauf sein.

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    Fotocredit: Philipp Gladsome

  • Pure Indie-Nostalgie: ISLAND und ihr neues Album „Yesterday Park“

    Pure Indie-Nostalgie: ISLAND und ihr neues Album „Yesterday Park“

    Seid ihr bereit auf einen wirklich richtig guten Feel-Good Indie Geheimtipp? Also wirklich so einen, der schon vor drei Jahren so unterm Radar flog, und auch jetzt immer noch ein safe bet ist für alle von euch, die sich wie ich in solchen Vibes einfach pudelwohl fühlen. Letzte Woche von Evelin im Interview vorgestellt, könntet ihr vielleicht schon eine kleine Vorahnung von ISLAND haben. Die Band aus London um Leadsänger Rollo Doherty macht Indie-Rock wie aus dem Buch und knüpft genau da an, wo sie mit ihrem Debütalbum Feels Like Air (2018) aufgehört haben. Doch auch wenn ich hier meine allgemeine Liebe für diese Band breittreten werde, geht es in erster Linie um ihr am Freitag erschienenes zweites Album Yesterday Park und warum es genau so ist, wie ich es erwartet und mir gewünscht habe.

     
    Musik für die Indie-Filme in meinem Leben

    Mit ihrem Album Feels Like Air haben ISLAND 2018 ein Album rausgebracht, das für mich seitdem die Latte für Debütalben wirklich sehr hoch gelegt hat. Für Evelin ist es das Album, was sie auf eine einsame Insel mitnehmen würde, und wäre ich nicht meiner Liebe für Alt-J erlegen, wäre es auch meins. Das ganze Album, das kann man hier ja durchaus auch einleitend mal dalassen, ist wirklich so gut, dass ich mich schon vor drei Jahren gefragt habe, wie so eine Band noch so klein sein kann. Es waren Songs wie Ride, Horizon und The Day I Die, die mich seitdem immer noch in so vielen Playlisten begleiten und auf neue Musik warten lassen. Doch dieses dann irgendwie doch sehr lange Warten hat jetzt ein Ende: Yesterday Park, das zweite Album der Indie-Rock Band ISLAND is out now.

    Wenn ich den Sound von ISLAND in drei Wörtern beschreiben müssten, wäre es tatsächlich super klischeehaft irgendwas in Richtung „nostalgisch, glücklich, leicht“. ISLAND machen, vor allem mit ihrem neuen Album, Musik für Sonnengänge auf Dächern, für romantische Filmszenen im Sommerregen und Autovans-Ausflüge ins Grüne. Sie haken bei mir wirklich alle Kästchen ab, die es gibt, wenn es um guten Indie-Rock geht. Sie sind auch eine der ersten Bands, auf die ich sehr stolz war, selbst gefunden zu haben. Hat man einmal neue Künstler:innen vor allen anderen gefunden, so wird dieses Gefühl zur Sucht.

    Zurück zu ISLAND und Yesterday Park. Es fängt passenderweise mit dem Song an, der als erste Release die Band aus dem langen Pandemie-Schlaf holte und die neue Ära ankündigte. Zähneputzend auf einem Basketball-Feld, mitten am Strand: Octopus.

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    Ein Moshpit mit viel Liebe

    Sowohl als Album-Opener als auch als erstes Release ist Octopus ganz eindeutig die richtige Wahl gewesen. Das Lied zeigt eigentlich in a nutshell, was ich an ISLAND so liebe. Es könnte jetzt schon mein Fav vom ganzen Album sein. Octopus ist auch das perfekte Lied, um in Musikwelt von ISLAND einzusteigen. Rollos Stimme, die immer mit ein bisschen Hall und doch riesen Wiedererkennungswert durch das Lied führt, die treibenden 90s-Drums, die immer diese eine Spur experimentell sind und nichts langweilig werden lassen. Kombiniert mit den hohen Delay-Gitarren, die sowieso ein Markenzeichen der Band sind, fühl ich schon vor dem ersten Refrain die Glückseligkeit, die ISLAND mit ihrem Sound in mir auslösen. Mir ist sehr bewusst, wie kitschig das klingt, aber es ist auch einfach wahr. Zum Ende hin wird’s nochmal ordentlich schrammig und baut ins Nichts auf, um dann mit voller Power im nächsten Song zu landen.

    Der Moshpit, der sich mit dem Ende von Octopus vor meinen Augen aufgetan hat, bricht mit der ersten Sekunde von Everyone’s The Same. Hier kommt das „Rock“ in Indie-Rock zu wirken. Der Refrain ist fast schon explosiv, in der Strophe dominiert der drückende Synth-Bass und eine ernste Ruhe. Vor allem dieser nahtlose Übergang von Octopus haut das hier irgendwie nochmal ganz anders raus. Everyone’s The Same ist wie ein kleiner Moshpit, nicht zu groß und mit ganz viel Liebe.

     
    Pure Indie-Nostalgie auf den Dächern der Stadt

    Folgendes: Schnappt euch den Camping-Stuhl, den ihr das letzte Mal zum letzten Festival 2019 rausgeholt habt, versammelt eure ganze Festival-Crew und setzt euch auf ne Dachterrasse (irgendeine:r kennt immer ‘n Spot). Ne kleine JBL-Box, Bier, Wein oder Cola, was euch beliebt, und die nächste Single Do You Remember The Times. Das ist ein Samstagabend-Plan, den ich euch hier mit ans Herz geben will: Für einfach ein bisschen Indie-Nostalgie bei Sonnenuntergang (oder -aufgang für die committeten unter euch). Und für ein bisschen Deepness beim Reminiszieren:

    And now I think about it
    They said at school we could be what we liked
    And I said I’d be a spaceship pilot
    But my life’s a little different when I look around

    Für mich ist das ganze Szenario des nostalgischen Sonnenuntergangs auf einem Dach Teil meiner Bucketlist seit How I Met Your Mother. Ich will in die Nacht reinstarren und laut Musik spielen lassen, als wäre ich in meinem eigenen Soundtrack. (Falls ihr denkt, ich hätte dafür noch keine Playlist, don’t be fooled). Und wer mit diesem ganzen Szenario (geschweige denn der Referenz) gar nichts anfangen kann, kann sich stattdessen auch komplett den musikalischen Frühlingsvibes hingeben, die Do You Remember The Times eröffnet. Diese vielen harmonisierenden Gitarren übereinandergelegt lullen mich fast schon ein. Falls es also kein Dach gibt oder ihr Höhenangst habt, dann ist die Alternative blumiges Frühlingsfeld mindestens genauso gut.

     
    „The difference between memories and nostalgia are the rose-tinted glasses.”

    Egal, mit welchem Bild im Kopf man geht, es ist einfach schön. Auch der nächste Song, Young Days, knüpft an diese Nostalgie an. Er nimmt musikalisch das Tempo von Do You Remember The Times raus und dreht es in eine wunderschöne Ballade. Unterlegt von Drums, hallenden Gitarren und Rollos einprägender Stimme hat es definitiv den ein oder anderen Touch Traurigkeit mehr. Deshalb ist Young Days statt dem Dacht/Feld vielleicht tatsächlich lieber was für so verregnete Tage, in denen man wie Joey aus Friends den Regentropfen zuguckt wie sie dramatisch die Fensterscheibe runterfließen. (Ich hab’s sonst nicht so mit TV-Referenzen, aber hier haben sie beide doch recht gut gepasst).

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    James, der Bassist der Band, hat sich im Interview mit Eve auch die Gedanken gemacht, warum Young Days dieses Albums-durchziehende Thema so gut aufgreift:

    „If you were going to choose one tune to sum up the album, it would be Young Days for me. It encapsulates the whole theme of nostalgia. It’s not just looking back and having fond memories, thinking: “Things were so much better then”. The difference between memories and nostalgia are the rose-tinted glasses. Memories are what happened, nostalgia is looking back at what happened with perspective of today.”

    Up next ist mein Lieblingslied vom Album: We Used To Talk. Es war das Lied, das ich seit Freitag am meisten höre – weil es mich einfach jedes Mal absolut catcht. Die Delay-Gitarren, das ISLAND-Markenzeichen, dominieren von Sekunde an und geben im Refrain den Takt besser an als die Drums. We Used To Talk ist eigentlich super simpel vom Aufbau her, nichts groß dramatisches, aber einfach in sich so geschlossen harmonisch. Auch vom Vibe her trifft es die upbeat Sommergefühle. Es ist also nicht zu langsam, aber bleibt trotzdem der Nostalgie der vorherigen Songs treu. My indie heart is alive again.

     
    „Babe, I saw your heart break”

    Meiner Meinung nach hätte also absolut We Used To Talk die Fokussingle bei Albumrelease sein können. Stattdessen war es der nächste Song By Your Side. (Technically der übernächste, aber zum Yesterday Park Skit gibt es gar nicht so viel zu sagen, ist halt’n Skit). By Your Side könnte vom Vibe her auch auf dem ersten Feels Like Air Album drauf gewesen sein. Es ist einfach eine 1A ISLAND Liebesballade. Auch The Lines We Follow ist ein so schön entspannter Indie-Track, dass ich mich jetzt schon dieses Album 5mal hintereinander hören sehe. Da ist kein Ausbrecher, kein großartig dramatischer Skipsong, einfach nur schöne Indie Vibes voll Sommer-Nostalgie. Sommer-Nostalgie > Winter-Depression, immer.

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    When I Gave You My Heart – jetzt wollen sie mich wirklich zum Heulen bringen. Wenn ich hier zu deep rein gehe, weiß ich nicht, ob ich wieder heile rauskomme (#freshouttabreakup). Was ich sagen kann: Es ist der langsamste Track auf dem Album und mit 4:15 Minuten auch der zweitlängste. Hier kann man wirklich einfach 4 Minuten lang traurig in die Bäume gucken und sich in dem immer wiederholenden „When I gave you my heart“ verlieren.

    Es folgen noch drei Lieder, aber ich bin hier schon so happy mit dem, was ISLAND mir mit ihrem zweiten Album geschenkt haben. Wenn ihr das hier mögt, dann werdet ihr das erste Album lieben, mindestens so doll wie Eve und ich. Es ist absolut derselbe ISLAND-Vibe, den ich vermisst habe, keine großen Überraschungen, aber einfach genau so schöne Musik. Und irgendwie wirkt das auf eine Art und Weise so entschleunigend auf diese hektische Musikwelt heutzutage. Jede Woche kommt DER neue Hit, eigentlich funktionieren nur noch Singles und nach Algorhythmus aufgebaute Lieder. Und wenn Alben, dann muss jedes Album eine absolute Neuerfindung sein. Nach Release ist vor Release, alles, was zählt, sind virale Hits. Yesterday Park hat sich aus dieser Welt, jedenfalls für mich, komplett rausgezogen. Es ist ein mehr als ehrenwertiger Nachfolger auf das hochgelobte Debüt.

     
    “You said, out there, somewhere, there was a world to love.”

    Mit diesen Gedanken lenk ich mich ab während ich vom traurigen When I Gave You My Heart in This Part of Town gleite. Irgendwie erinnert mich das an den einen Städte-Trip nach Barcelona, den ich mal hatte. An warme Sommernächte, beleuchtete Straßen, und sich einfach in einer fremden Stadt verlieren.

    “Hey, can you hear? They’re playing your song
    And all the night, folk are singing along
    Hey, come, let’s get out of here
    In this part of town, we can disappear”

    Ich fühl mich in Erinnerungen zurückversetzt, die ich romantisiere, während ISLAND genau von diesem Romantisieren singen. Crazy.

    Ebenfalls als Single vorab kam My Brother, der vorletzte Song des Albums, und zum ersten Mal wird diese Nostalgie von Yesterday Park radikal unterbrochen (musikalisch vor allem am Ende des Songs). Es geht nicht um verklärende Momentaufnahmen aus der Vergangenheit, sondern um die Gegenwart oder eher sogar Zukunft. Das Gefühl, auf die Personen aufzupassen, die einem nahe stehen. Sänger Rollo: „Sometimes we need someone to help us not to make the same mistakes over and over again.”

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    Mir war wirklich nicht bewusst, wie sehr ich diese Power, die ISLAND Songs haben, wenn sie so richtig eskalieren, vermisst hab. Diese verzerrten Gitarren, die mal im Vorder-, mal im Hintergrund stetig aufbauen. Die genialen Drums. Und wenn man da noch die emotionale Ebene mit dazu nimmt, das Sehnen nach den Younger Days, dann gibt es eigentlich keine passendere Platte für diesen komischen Corona-Sommer.

    The Way We Love trifft, wie der Titel schon andeutet, wieder völlig in die emotionalen Balladen-Schiene. Es schließt das zweite Album er Band auf eine seltsam wunderschöne Weise ab. Das könnt ihr hier euch mal in Ruhe anhören. Der unterschätzteste Indie zur Zeit: ISLAND und Yesterday Park: (darunter gibt’s auch Feels Like Air, will euch das leicht machen)

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    Fotocredit: Christian Cargill, Adrian Lee

  • Exklusive Videopremiere: Frogcodile und „Unknown Fish“

    Exklusive Videopremiere: Frogcodile und „Unknown Fish“

    Das heutige Thema der exklusiven Videopremiere: Tiere. Genauer, die eine spezielle Mischung aus einer Amphibie und einem Reptil: Frogcodile. Das ist der Bandname der Wuppertale Indie-Rock Band, um die es heute geht. Schon super catchy, oder? Bei mir blieb es auf jeden Fall hängen. Obwohl die Band schon länger Musik macht, sind sie immer noch ein kleiner Indie-Geheimtipp. Mich haben sie mit den mehreren Releases dieses Jahr überzeugt: Von Pedestal zu Doing Fine und jetzt Unknown Fish – Frogcodile lassen auf etwas Größeres hoffen and I am on board. Vielleicht sind euch auch schon mal auf unserer New Release Playlist entgegen gestolpert. Wenn nicht, dann ändert sich das jetzt hoffentlich, denn wir dürfen auf Untoldency exklusiv das Video zur ihrer neuen Single Unknown Fish präsentieren.

     
    Seid Dorie, nicht Nemo

    Ich habe gerade sehr gegen die Versuchung gekämpft, allein in der Einleitung mehrere Fisch-Emojis einzufügen. Habe mich dafür entschlossen, wenigstens den Einstieg des Artikels hier erwachsen zu schreiben. Doch damit es kurz aus unser aller System ist:  🐟 🐟 🐟 🐟 🐟 So.  Jetzt geht’s mir besser, danke. Kommen wir nun zu den ernsteren Sachen, das ist hier immerhin sehr exklusiv. Falls ihr Frogcodile generell erstmal musikalisch einordnen wollt, die Band aus Wuppertal ist laut Spotify was für Fans von ganz vielen Bands, die ich noch nicht kenne (außer Darjeeling, Grüße gehen raus). Aber um mal die big names zu droppen, Metronomy und Tame Impala helfen für die allgemeine Einordnung ziemlich gut. Und auch sonst – eigentlich fügt sich die Musik von Frogcodile gut in unsere kleine Indie-Rock Bubble ein.

    Doch jetzt lasst uns über Fische reden. Natürlich geht es in dem Song nicht um Fische per se, es wäre ja kein cooler Indie-Song, hätte das nicht eine tiefere Bedeutung. Tatsächlich geht’s in Unknown Fish um das immer wieder aufkommende Thema des Loslassens. Das begleitet sehr wahrscheinlich nicht nur mich und die Band immer wieder, sondern auch jede:n von euch. Ist ein trauriges Thema, ich geb’s zu, vor allem gerade in diesem Chaos von „Erwachsen werden“ und „eigentlich bin ich noch gar nicht so weit“ stoß ich für meinen Teil immer öfter dran (#quarterlifecrisis, hi).

    Es geht um Menschen loslassen, die nicht gut sind für uns und/oder vielleicht auch einfach die eigene Version von sich selbst loslassen. Die Version, die gut funktioniert hat, als sie 5 Jahre jünger war, aber jetzt an ihre Grenzen stößt. Denn so traurig Loslassen auch ist, so notwendig ist es auch, um sich weiterzuentwickeln und – Achtung, Wortwitz incoming – den richtigen Strom zu finden 🐟

     
    “Life ate me up and I’m its favourite dish”

    Inhaltlich holen mich Frogcodile mit Unknown Fish also schon mal völlig ab. Und dazu noch diese Lyrics, entschuldigt, aber dem muss ich jetzt einfach den verdienten Platz breittreten:

    Thought I’d like swimming with the unknown fish
    It seemed much better from my bowl
    But life ate me up and I’m its favourite dish
    The tears add a salty kind of note

    Ich glaube, Essensmetapher sind vielleicht eine meiner liebsten. „But life ate me up“ – wo kann ich das unterschreiben? Denn genau so fühlt sich das an. Wir sind alle irgendwie auf unserer eigenen Reise, raus aus unserer eigenen Bowl. Wir lassen Sachen los, um foranzukommen und meist, wenn das nicht sofort klappt, fühlen wir uns ein bisschen lost und sehnen uns zurück ins alte Leben, da, wo ja noch alles irgendwie gut funktioniert hat. Doch eigentlich ist das der key-Moment, da „muss man durch“ (gibt ja kein anderes Sprichwort, was ich mehr hasse, aber es stimmt trotzdem). In Vergangenem schwelgen geht nicht für immer, vor allem wenn man das ja aus reiner Natur sowieso schon alles romantisiert. Denn so geil war es meistens nie. Und so einschüchternd die Welt außerhalb der eigenen comfort-bowl (see what i did there) auch ist, so aufregend kann das eigentlich auch alles sein.

     
    Just keep swimming 🐟

    Okay, ich hab genug rumphilosophiert, jetzt kommt endlich das Video. Wir präsentieren: Frogcodile und Unknown Fish:

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    Ich möchte es mir natürlich nicht nehmen, auch ein paar Worte zu dem Musikvideo dazulassen, weil es vielleicht eines der süßesten Videos ist, die ich seit langem gesehen hab. Wer von euch erinnert sich noch an die Augsburger Puppenkiste? Eurer Antwort nach entscheidet sich, ob ich mich alt fühlen muss oder nicht. Ich zu meinem Teil bin direkt ins Nostalgie-Loch reingefallen. Aber auch wenn euch die Augsburger Puppenkiste als Begriff nichts sagt, so habt ihr doch alle auf euren Kindergeburtstagen oder Kinderkarnevals schon mal Puppentheater gesehen (bitte sagt jetzt nicht nein, dann fall ich in ne Krise). Kindern mit Marionetten Geschichten zu erzählen, ist tatsächlich etwas, wogegen ich mich wehren möchte, loszulassen.

    Die Augsburger Puppenkiste aside, tut das Musikvideo aber genau das: es erzählt die Geschichte von Unknown Fish mit Marionetten. Die Handlung ist super simpel und lässt, wie es sich für sowas auch gehört, viel Raum für Interpretationen. Den möchte ich euch natürlich nicht nehmen. Denn auch wenn es um das Suchen nach dem eigenen Platz in der Welt im Allgemeinen geht, so ist das doch für jede:n anders 🐟.

     

    Hier geht’s natürlich auch direkt in Spotify zu Unknown Fish von Frogcodile. Ist einen kleinen schwelgerischen Moment des Tages wert:

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  • Oscar Anton im Interview: »There are no rules, only feelings. That’s what I love most about music.«

    Oscar Anton im Interview: »There are no rules, only feelings. That’s what I love most about music.«

    Ganz platter und ehrlich-direkter Einstieg: Wer von euch ist hier, weil ihr hooked wart von diesem schönen Gesicht? Oscar Anton ist wahrscheinlich einer der hübschesten Menschen da draußen (vor ein paar Tagen arbeitete er in Berlin mit anaïs zusammen – die wollen beide mein Herz zum Stillstand bringen). Dann macht er auch noch Bedroom-Pop und kommt aus Frankreich. Mich kriegt er direkt, das geb ich ganz frei zu. Und auch wenn Model-Looks auf Instagram Wunder wirkt, was Clickbait angeht, wär das ja alles weniger witzig, würde da nicht mehr hinter stecken. Doch das tut es. Einmal hooked, fällt man in diese wunderschöne Musik, die alles andere vergessen und direkt Verbindungen nach Frankreich googeln lässt. Wir stellen euch vor: Oscar Anton – Bedroom-Pop direkt aus Paris, wo Verlieben nur ein Click entfernt ist. (Hört sich an wie ne Catchphrase direkt aus dem Werbebüro einer Dating-App, aber vielleicht wirkt’s ja gerade deshalb).  

     
    Oscar Anton im Interview

    Anna: Hey! How are you, how’s spring coming along in France?

    Oscar: Hello Anna ! Thank you for having me ! 🙂 Well it’s nice to see the sun coming back. I’m someone who really needs to be in my underwear all day long to be truly happy. So I was waiting for this time of the year aha. 

    Anna: I discovered you last year and been following your musical journey ever since. But for those that don’t know who you are yet, do you want to introduce yourself and the music you’re making?

    Oscar Anton, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, untold stories, oscaranton, anaiis, home of sanity, ophelieOscar: Thanks! Yes, sure. So my name is Oscar, I’m 24 and I come from Paris, France. I make music since I’m a little kid and will probably do it till I’m very old. I write, record and produce all my songs myself, from my bedroom that I turned into a little studio. Last year, i set myself the challenge to release one pack (2 songs + a bonus) every month for a year, which has been soo hard to do but such a good experience. I just released the full playlist including every song from last year, plus a new one ophelie. 

    Anna: Growing up in France, what was your way into the music scene? When did you know that you wanted to do this for a living and what were your musical influences along the way?

    Oscar: My parents were the first one who introduced me to music. When I was like 7 or 8, I was able to choose one record to listen to from their collection before going to school. That’s how I discovered The Police, Robbie Williams, Benny Benassi, … Then I got into a rock band, like every teenager, when I was 16 and played a lot of small gigs all around Paris. I played sooo many shows where the audience was only my mom, my girlfriend and the drunk guy at the bar ahah. 

    But yeah, the first time I actually realized I had to this for a living was seeing Colplday play live when I was 13. I felt so many emotions watching and listening to them, that in an instant it was very clear that I had to do this, too. One day I’ll tell them, one day 🙂


    “I tried to identify: what was the music I loved the most?”

    Anna: With Home of Sanity you released an album that holds the collections of all the songs you released last year – and that were a lot. What was your concept behind Home of Sanity and how did it help you stay sane? 

    Oscar: The concept, beside releasing a lot of music, was really to keep growing artistically. I believe that it’s by doing that you learn the most: I wanted to try so many things, so many different genres. To write and write again and not be afraid of releasing something. I wanted to be as spontaneous as possible, and by doing that, try to identify what was the music I loved the most. So many times, in the music industry, artists need to wait a year and half before releasing the song they wrote. So then, when it’s out, it’s not even representative of the artist at that time. That’s such a weird thing for me.

    Also, i was just getting out of my label contract. I had to deal with the label planning, artistic direction, promo, … I was not in control of my own project. That’s why I decided to step out to create my own label, and release my music how and whenever I wanted. Be as free as possible. So this Home of Sanity project was exactly that: just making and releasing my music freely, thinking only about making the best songs possible. 

    Anna: Since we can’t possibly talk about all 28 songs – can you chose three songs and tell us about the meaning behind them?

    Oscar: Sure! So Down is the first song of the year and actually talks about this specific situation of feeling a little lost. When everything you’re doing is not working out and your head falls down. I wrote it right after deciding to go independent again. But it’s kind of a motivational song as it says «I can be lost but I won’t be down ..». Think it helped me actually. 


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    nuits d’été is a song my sister wrote about someone that I won’t name cause I don’t know if I’m allowed ahah. But it talks about these feelings of falling for someone for the first time, during the summer time, and keeping that memories for the rest of your life. Love that song. 

    Sunny days is a song I wrote for one of my best-friend. He broke up with his girlfriend after a 5 year relationship, after realizing that she loved him only when everything was perfect. Whenever he was a little down she never supported him and I hated this. So I wrote « I loved you almost every day, but you loved me on the sunny days ». 

     
    “I think that me from 1 year ago would be very proud of the progress I made.”

    Anna: For me, ophelie really stands out and has been my favorite song from the album since its release. This song is also special to you, why?

    Oscar: Thank you! Yes, for sure, it’s the only song I wrote in 2021, after this whole year has passed. For me, it’s kind of a good resume of everything I went through that year. It kinda sums up all my influences, in one song. I’m so proud of it because it’s really where I wanted to go! I think that me from 1 year ago would be very proud to see that I came up with such a song, and the progress I made. Still have a lot to do but still, I love it. 

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    Anna: Something that really surprised me (in a good way) was your latest feature for your song nuits d’été with MAJAN, a german rapper. How did that collab start and what, in your eyes, did it add to the song that wasn’t there before?

    Oscar: It’s crazy, MAJAN is such an amazing artist. Since nuits d’été came out, I got to meet (mostly on zoom) a lot of other artists, from all around the world really. It was so cool to make those kind of connections, and discover new music! I heard he really liked the song and we thought it could be fun to make a little EP with some international version of nuits d’été, featuring different artists. His voice is so cool, he took the song somewhere we never expected, adding a powerful, impactful rhythm to it. My sister and I feel very lucky to have him on the track! 

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    “I just recorded my favorite song ever on an Iphone.”

    Anna: Telling from your Instagram, you are someone who loves discovering new music. Can you rec us some songs or artists that have inspired you lately?

    Oscar: Yes, I love it!! I love sharing new music that I discovered and also getting advices on what to listen. So recently, I’ve really been inspired by an artist called ELIO or Light Year by Adam Melchor and Lennon Stella, or Miel by November Ultra, a really cool french artist. But feel free to join me on Instagram, I usually share a lot of new music here 🙂

    Anna: With that, we’re already at the last question that we always use to ask for an untold story. Something you haven’t shared in an interview yet. That can be an anecdote about the album process, a fun fact about yourself, anything really. 

    Oscar: One of my favorite song of this year is «reflet» that I made with my little sister. We wanted to record the ukulele part but nothing was working. The microphones I had weren’t working, I couldn’t get a good sound. So I just hit record on my iphone while playing and used only the iphone recording in the final song. I love how a lot of people are telling you that you’re not going to get a proper sound if you don’t use this mic or this thing .. when I just recorded my favorite song ever on an iphone. 

    There’s absolutely no rules, only feelings. That’s what I love the most about music. 

    Thanks for having me, and see you soon ! 

     

    Anmerkung am Ende: ophelie ist wirklich meine absolute Herzensempfehlung, das Video dazu kam erst gestern Abend raus und es ist – Überraschung – auch wunderschön. Passenderweise ist es auch der Opener Track des gesamten Home of Sanity Albums. Also startet mit ophelie, hörts euch durch, verliebt euch, bleibt dran. Hab gerade auch gesehen, dass er irgendwas mit Fil Bo Riva gemacht hat, also habt Oscar Anton jetzt schon auf dem Schirm, um dann den Lieblingssatz eurer Freund:innen sagen zu können: „Ach den? Klar, kenn ich schon lange.“

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    Fotocredit: Ludovic James

  • LIONLION im Interview: »Es geht um Existenzfragen, Privilegien und Relevanz.«

    LIONLION im Interview: »Es geht um Existenzfragen, Privilegien und Relevanz.«

    Gibt es coole Bands mit Zwillingen? Diese Frage hab ich mir in dem Kontext der heutigen Band gestellt und bin irgendwie auf keine super coole Antwort gekommen. Natürlich darf man mich hier jederzeit korrigieren, aber andersrum geht’s auch. Denn kennt ihr LIONLION? Das ist eine coole Band mit Zwillingen. Eineiigen Zwillingen, um genau zu sein. Die Band um Michael und Matthias Rückert sind eine coole Band mit Zwillingen – eineiigen um genau zu sein. Zusammen mit Schlagzeuger André und Bassist David machen sie als LIONLION Indie-Rock, der jetzt seit Freitag auch in Form ihres zweiten Albums „Perspective“ überzeugt. Worum’s da geht, wie geil Musikvideos aussehen können, wenn man mit der Symmetrie von Zwillingen spielt und welchen kulturellen Sommer-Tipp sie uns ans Herz legen, all das könnt ihr hier lesen:

     
    LIONLION im Interview

    Anna: Hey ihr! Unsere kleine Standard-Frage am Anfang ist immer eine kleine Bandvorstellung. Könnt ihr euch und eure Musik vielleicht á la „Fans, die xx mögen, mögen auch LIONLION“ vorstellen?

    Michi: Jemand, der die Beatles für ihre Diversität in Songwriting und Arrangement schätzt, wird auch Perspective dafür mögen. “Indietronica” hat uns neulich mit Lex Audrey und außerdem mit Death Cab For Cutie, Phoenix, Keane, Mutemath und The Eels verglichen. Kann man machen, finden wir, und ergänzen als deutsche Referenzen Slut und The Notwist.

    Anna: Euch gibt es ja auch schon eine kleine Weile. Wie habt ihr euch zusammengefunden?

    Michi: Matthi und ich kennen uns als eineiige Zwillinge zwangsläufig schon eine Weile … André haben wir quasi im Freibad mit 15 kennengelernt, hatten dann auch schon eine gemeinsame Band zu Schulzeiten mit dem etwas unrühmlichen Namen “The Bohemian Streetfuckers”. David hab ich im Musikstudium kennen und schätzen gelernt!

     
    „Es ging an die Substanz.“

    Anna: Euer Debütalbum The Atlas Idea kam 2017, jetzt, vier Jahre später, kommt euer zweites Album Perspective. Wie würdet ihr eure eigene Entwicklung innerhalb der vier Jahre beschreiben?

    Michi: Perspective knüpft dort an wo The Atlas Idea aufgehört hat. The Atlas Idea war ja ein eher introvertiertes Konzeptalbum, es ging viel um Vertrauen und Loslassen. Perspektive beginnt für uns im Kopf: Passt mein Leben zu meinen Gedanken und Gefühlen? Wie groß ist die Deckungsgleichheit zwischen dem gelebten Traum und der Wirklichkeit? Wir haben uns im Zuge unserer Musikvideodrehs sehr viel mit Architektur und Design beschäftigt.

    Matthi: Es geht um Blickwinkel, Perspektivwechsel, Reduktion und Fokus. Inspiration war die Architektur des Bauhaus und der klassischen Moderne. Die letzten 1,5 Jahre haben mit der Pandemie dann nochmal alles auf den Kopf gestellt für uns. Es ging an die Substanz. Letztlich ist das Empfinden von Glück doch vermutlich eine Frage der Perspektive und des Blickwinkels.

    Anna: Wie sah der Prozess hinter der Albumentstehung aus? Gab es ein Konzept oder einen Pool an Themen, die ihr auf jeden Fall verarbeiten wolltet?

    Michi: Unsere Texte sind immer ein Spiegelbild dessen, was wir erleben und was uns beschäftigt. Für mich persönlich waren die letzten 4 Jahre emotional durchaus turbulent, das hört man dem Album auch an. Und durch die Pandemie hat sich unsere Sichtweise als Kunstschaffende auf das, was wir tun und lieben, nochmal drastisch verändert. Es geht um Existenzfragen, Privilegien und Relevanz. Wie können wir Veränderung anstoßen? Kann ich überhaupt etwas verändern? Mir persönlich war es wichtig, Zuversicht zu vermitteln. Trotz aller Widerstände.

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    „Wir begeben uns auf die Suche nach Sinn und den Zusammenhängen des Seins.“

    Anna: Was mir auf jeden Fall sehr aufgefallen ist, sind die Konzepte hinter den Musikvideos. Sie scheinen nicht nur als visuelle Untermalung zu dienen, sondern erzählen richtige Stories. Woher kommt eure Affinität zu Musikvideos?

    Matthi: Wir lieben es ganzheitlich und konzeptionell zu denken. Die visuelle Ebene ermöglicht es uns, eigene Bilder zu kreieren, Assoziationen zu schaffen und zwischen den Zeilen zu kommunizieren. Man hört die Songs danach mit anderen Ohren. Insofern spiegeln diese zugegebenermaßen für uns sehr aufwändigen Videoproduktionen die Liebe zum Detail wider, welche eben auch in unserer Musik steckt.

    Michi: Außerdem haben wir beginnend mit dem Dreh unseres Musikvideos Oceans Rise im Stile des Mid-Century Modernism und durch die visuelle Verknüpfung des Videos zu Language mit dem Bauhaus eine Liebe für Architektur und Formensprache entwickelt, die natürlich einen maßgeblichen Einfluss auf unser Album hatte.

    Anna: Das Musikvideo zu What Remains, dem Opener des Albums, erzählt zum Beispiel die Geschichte eines verschollenen Forschers und geht dem perspektivischen Paradoxa von M.C. Eschers auf den Grund. Könnt ihr erklären, worum genau es in der Story geht?

    Matthi: Wir begeben uns auf die Suche nach Sinn und den Zusammenhängen des Seins. Machen also ein großes Fass auf. Das Musikvideo nimmt sich augenzwinkernd diesem großen Thema im Forschungslabor an und geht gleichzeitig den perspektivischen Paradoxa M.C. Eschers auf den Grund.

    Michi: Ich spiele im Musikvideo den Leiter eines Instituts für Energieforschung, der mit Hilfe einer Zeitmaschine seinen verschollenen Forscherkollegen (Matthi) wiederfinden möchte. Entgegen aller Naturgesetze. Angetrieben durch das Streben nach Plausibilität und Erkenntnis lotet der Song die Grenzen des eigenen Verstands aus. Er handelt vom Zusammenspiel von Raum, Zeit, Bewegung und Glück. Die natürlich funktionale Zeitmaschine haben wir übrigens selbst zusammengebaut.

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    „Er sieht mir im Spiegel noch verblüffend ähnlicher als sonst.“

    Anna: Womit ihr auch in den anderen Musikvideos spielt, ist der Zwillingseffekt, der manchmal überrascht aber auch verwirrt, wenn man vorher nicht weiß, dass ihr Zwillinge seid. Hat euch das am Anfang ein bisschen genervt oder nehmt ihr das jetzt eher als Wiedererkennungswert wahr?

    Michi: Zwilling abschaffen könnte schwierig werden, insofern machen wir einfach das Beste daraus.
    Interessanterweise sind wir ja “symmetrische” Zwillinge. Matthi ist Linkshänder, ich Rechtshänder. Und er sieht mir im Spiegel noch verblüffend ähnlicher als sonst. Das ist doch irgendwie auch faszinierend. Und wer hat schon die Möglichkeit des Dopplungseffekts ohne großen technischen Aufwand? Also für die Musikvideos ist das sehr zuträglich.

    Anna: Welcher Song hält eine besondere Bedeutung für euch persönlich?

    Michi: Für mich persönlich ist Sidewalk das Herzstück des Albums. Deswegen ist er auch genau in der Mitte des Albums positioniert. Ein vielschichtiger Song über den Fortschritt, dem eine repetitive Schlichtheit innewohnt. Er handelt davon den Blick nach vorne zu richten und seinen eigenen Weg zu gehen. Das passt gerade sehr gut zu uns.

    Anna: Gibt es was, was für euch als Band noch auf eurer To-Do-Liste steht? Vielleicht im Sinne von einer Venue/Festival, wo ihr auf jeden Fall mal spielen wollt, Traum-Features für zukünftige Projekte oder andere Ziele, die ihr euch gesetzt habt?

    Michi: Ganz salopp gesagt: Glastonbury Festival wäre natürlich nie verkehrt.

    Matthi: Außerdem wäre eine Amerika-Tour fantastisch. Andre und David sind Halbamerikaner, Michi und ich waren noch nie dort. Mal sehen wohin uns die nähere Zukunft trägt. Von der Musik leben zu können wäre schonmal ein erster Schritt. Kauft mehr Merch und Tonträger! 😉 

     
    „Shakespeare – durchaus ein Revival wert.“

    Anna: Weil ich euch als sehr Kunst-affin einschätze: Habt ihr vielleicht einen „unbedingt auschecken!“-Sommer-Tipp für uns? Das kann ein richtig guter Film oder ein geiles Buch sein, bin grundsätzlich interessiert an allem.

    Matthi: Ich bin neulich auf den südafrikanischen Dokumentar-Film “Mein Lehrer, der Krake” gestoßen. Er erzählt die Geschichte eines Filmemachers der sein Leben verändern möchte und um den Kopf frei zu bekommen täglich tauchen geht. Dabei trifft er auf ein Oktopus-Weibchen, dass ihn in seinen Bann zieht und ihm hilft wieder zu sich zu finden. Eine herrlich entschleunigende und gleichzeitig unglaublich berührende Geschichte die zeigt, dass es sich lohnt genauer hinzuschauen. Unbedingt ansehen und darauf einlassen, auch wenn es anfangs erstmal etwas langatmig scheint.

    Michi: Ansonsten lest Shakespeare, keine klassische Neuentdeckung, aber durchaus ein Revival wert.

    Anna: Zuletzt fragen wir immer nach einer untold story: Was habt ihr noch nie in einem Interview erzählt, wollt aber hier mit uns teilen?

    Michi: Wir haben unsere Perspective CDs mit einem “Schönheitsfehler” auf dem Cover veredelt. Als die Lieferung letzte Woche kam, dachte ich im ersten Moment an Reklamation – ein Fehler des Presswerks. Nach dem digitalen Abgleich wurde mir dann aber schnell klar, dass wir das selbst so abgesegnet hatten. Habe die Druckdaten ja gefühlt 15 mal gecheckt, sicher ist sicher. Das Resultat: 500 Unikate. Wer von euch findet den “Fehler”?

     

    Ein guter erster Schritt, um genannten „Fehler“ zu finden: Hier reinhören.

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    Fotocredit: Sophia Jung

  • Kasimp im Interview: »Unter den ganzen Beats und dem Soundgewand steckt ein großer Teil Selbstreflexion und Tiefe.«

    Kasimp im Interview: »Unter den ganzen Beats und dem Soundgewand steckt ein großer Teil Selbstreflexion und Tiefe.«

    Kasimp ist ein Newcomer, den es lohnt auf dem Schirm zu haben. Zwischen Indie-Pop, Soul und Hip Hop fühlt er sich wohl und das hört man auch. Wie viele versucht er, seine Liebe zu Musik in seine eigene Marke zu verpacken, immer mit dem Bewusstsein für frischen und funkigen Pop. Und was da bei rauskommt, hört sich einfach cool an. Am Freitag kam seine zweite EP „Flood“ raus und das als Aufhänger haben wir dazu genutzt, mehr über ihn und seine Musik zu erfahren.

     
    Kasimp im Interview

    Anna: Hey Lukas! Sommer steht so halb vor der Tür schon, gerade sind die Lockerungen so optimistisch wie schon lange nicht mehr und deine zweite EP ist bald draußen! Wie geht’s dir gerade, wie fühlst du dich?

    Kasimp: Heya! Ich fühl mich erstaunlich energetisch dafür, dass ich gefühlt seit 100 Jahren nicht mehr auf nem Konzert war, geschweige denn eins gespielt hab. Aber: gute Zeiten sind in Sicht. Hab ein paar Gigs in Aussicht, Flood ist bald draußen, und langsam aber sicher sieht man ein großes Licht am Ende des Tunnels.

    Anna: Du wirst wahrscheinlich relativ neu auf dem Radar von vielen sein, deshalb willst du dich hier kurz vorstellen? Für wen könnte deine Musik etwas sein?

    Kasimp: Yea. Also ich beschreib meine Musik gerne als Indie-Pop mit einer Prise Soul und Hip Hop. Ich glaube meine Musik ist für alle, die sich selbst besser kennenlernen wollen. Unter den ganzen Beats und dem Soundgewand steckt ein großer Teil Selbstreflexion und Tiefe. Also ich würde auf jeden Fall sagen, dass sich meine Musik gut für Leute eignet, die wirklich aktiv Musik hören und sich auch damit auseinandersetzen wollen.

     
    „Wenn ich den Song hör, fühl es sich an, als würde mir geholfen werden.“

    Anna: Was ist dein musikalischer Kontext? Wie bist du zur Musik gekommen und wer beeinflusst dich heute immer noch sehr?

    Kasimp, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, untold music, Kasimp, lukasimp, the flood, flood epKasimp: Drei Fragen über die ich ungefähr für immer reden könnte, haha.

    Zur Musik gekommen bin ich erstmal durchs Gitarre spielen, hab viel so Poprock gehört als ich jünger war. Mit 12 oder 13 hat mir meine Cousine dann ne Sampler CD geschenkt wo unter anderem Channel Orange (ja, mit Bonustracks) von Frank Ocean drauf war. Das war einer der glücklichsten Zufälle ever. Ich war ganz verliebt in den Sound, in die Geschichte die ja innerhalb des Albums existiert und einfach diese für mich völlig neuen bunten Farben und Bilder die das bei mir ausgelöst hat.

    Deswegen: Frank Ocean ist so von den Artists des 21 Jahrhunderts mein absoluter Hero.

    Anna: Flood ist deine zweite EP – was bedeuten die Songs für dich und in welchem Headspace hast du sie geschrieben?

    Kasimp: Die Writingphase für Flood war für mich eine gute und wichtige Zeit. Ich bin von zuhause ausgezogen, hab angefangen Musik zu studieren und war zum ersten Mal komplett auf mich selbst gestellt. Da hab ich auch angefangen eine große persönliche Entwicklung durchzugehen. Ich hab viel meditiert, reflektiert und meine Verhaltens- und Gedankenmuster hinterfragt.

    Bei diesem „Deep Dive“ zu mir selbst kamen eigentlich alle Themen für die Songs einfach hoch. Es war wie eine Art von Selbsttherapie, weil ich wirklich über Themen Musik geschrieben habe, die mich beschäftigen und bei denen ich dann auch im Nachhinein dachte: Damn, wenn ich den Song hör, fühlt es sich so an, als würde mir geholfen werden. Weil man dieses Gefühl so von außen betrachten kann. Und dann fühlt man sich irgendwie verstanden.

     
    „Da kommt dann auch diese Huhn- oder Ei-Frage ins Spiel.“

    Anna: Für mich ist der erste Song (nach dem Intro), Can’t Quite musikalisch der Song, der mich am meisten in deinen ganzen Sound gezogen hat. Worum geht’s in dem Song?

    Kasimp: Can’t Quite ist auch für mich ein besonderer Tune. In ihm verarbeite ich eine toxische Beziehung und diesen Prozess, wie man in diese Co-Dependency Schleife reinrutscht und das im Zweifel weder merkt, noch böse meint bzw. bewusst toxisch ist. Was man aber, früher oder später, merkt ist, dass es einem nicht so gut geht wie vor der Beziehung. Der Song ist aber dahingehend speziell, dass er das nicht so sehr verurteilt und bewertet, sondern eher verbildlicht und zeigt was in den Leuten während dieses Prozesses vorgeht.

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    Anna: Danach geht’s mit Palmleaves direkt weiter, du haust auf der ganzen EP mit wirklich sehr heftigen Produktionen um dich. Gibt’s da eine Person, die einen s/o für die Produktion verdient hat oder machst du das alles selbst?

    Kasimp: Grundsätzlich mach ich die Produktionen selbst, ja. Aber die Sachen würden nie so klingen, wenn Dennis Keil nicht dabei gewesen wäre. Er war son bisschen mein Guide und mein zweites Paar Ohren für die Platte. Er hat mir Produktionsdetails, Vocalperformance und sogar Songauswahl gefeedbackt und obendrein die Platte gemischt und gemastered. Das hat auf jeden Fall nochmal nen guten Taste reingebracht und ich war nicht so in meinem prokrastinatorischen Perfektionismus-Film gefangen.

    Anna: Hide ist die zweite Single, die du von der EP veröffentlicht hast – es ist auch dein bisher meistgestreamter Song auf Spotify. Jetzt ganz lapidar gefragt: What are you hiding from?

    Kasimp: Hide ist für mich thematisch der komplexeste Song. Einerseits setz ich mich bei Hide stark mit Impulskontrolle und Aggression auseinander. Andererseits geht es auch um den Druck, den man von sich, der Gesellschaft, Familie, evtl. Partner etc. auferlegt bekommt und vor dem man sich eben verstecken möchte. Da kommt dann auch diese Huhn oder Ei Frage ins Spiel: muss ich achtsam sein, weil ich so viel externen Druck auferlegt bekomme? Oder empfinde ich Druck, weil ich nicht achtsam bin? Ich denke, es ist ne Mischung aus beidem und die Übergänge sind fließend.

     
    „Die EP war mein Ablassrohr für alles.“

    Anna: The Way beschreibst du als ganz klassischen Herzschmerz und in Hamstrung geht es darum, im „falschen“ Umfeld zu verharren und dort nicht rauszukommen. Sind diese beiden Themen miteinander verknüpft?

    Kasimp: Nope, tatsächlich haben die beiden Songs gar nichts miteinander zu tun. Hamstrung bezieht sich sehr auf die Umstände und die Leute, die man um sich hat, die einem nicht geben, was man braucht. Nicht, dass die Leute „schlecht“ sind oder so, aber es ist einfach nicht der richtige Dünger für die Pflanze, da kann er noch so gut sein. The Way ist eher so der klassische Herzschmerz/Breakup song. So man hatte ne gute Zeit und es tut auch weh, aber man schaut einfach so nostalgisch auf die Zeit zurück und ist dankbar, dass man sie hatte. Eigentlich so, wie’s im Idealfall sein sollte. Für mich hat The Way voll was von diesem Harlekin, der ein lachendes und ein weinendes Auge hat.

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    Anna: Und da wir jetzt so jeden Song ein bisschen angerissen haben, natürlich auch zu den Lifeskits: Sie rahmen die ganze EP ein und geben ihr sowohl Kontext als auch Closure. Hast du durch den Prozess der EP gemerkt, wie du selbst auch eine persönliche Entwicklung mitgemacht hast?

    Kasimp: Auf jeden Fall. Die EP war mein absolutes Ablassrohr für alles. Sehr selbst-therapeutisch. Ich hab meine Gedanken „geflutet“. Und durch diese Flut kam alles raus, das gute und das schlechte.

    Und ich hab zum ersten Mal bewusst vor mir gesehen und gehört, was so in mir war, und das hat auf jeden Fall ein Wachstum auch vorangetrieben.

    Die Skits waren lustigerweise ein zweiteiliger Song, der als letztes geschrieben wurde. Und plötzlich kam mir die Idee, dass eigentlich sinnvoller wäre, ihn in zwei zu teilen und daraus den Intro bzw. Outro track zu machen.

     
    „Wenn wir das performen, wird das auf jeden Fall ein Fest.“

    Anna: Du bist ja, wie alle anderen auch, sehr von den Live-Einschränkungen letztes Jahr getroffen worden. Jetzt, wo sich alles langsam ein bisschen aufklärt, fühlst du dich da auch hoffnungsvoller, was das angeht?

    Kasimp: Auf jeden Fall. Ich hab das Gefühl, der Andrang und die Lust auf Gigs ist ziemlich groß bei den Leuten. Jetzt finden ja schon so die ersten Sitzkonzerte mit Abstand statt. Meine fantastische Live Band und ich sind auch schon uuuuultra heiß auf Gigs und sind nur am Proben. Die Songs klingen auch live ganz anders, viel „Band-iger“ und vielleicht sogar ein bisschen jazziger als auf der Platte. Wenn wir dann performen, wird das auf jeden Fall ein Fest.

    Anna: Mit welchen Künstler:innen würdest du denn gerne mal auf Tour gehen?

    Kasimp: Alabama Shakes, Choker, Tyler the Creator.

    Anna: Last but not least – unsere untold story. Was kannst du uns erzählen, über dich oder die EP, erzählen, was du so noch nie vorher in einem Interview erzählt hast?

    Kasimp: Der ganze Prozess von Flood hat zwar mega Spaß gemacht, aber auch unfassbar viel Arbeit und Commitment erfordert. Das sind die Dinge die man auf Social Media nicht sieht und es auch in Interviews nicht sagen will, weil es schlicht weg „unsexy“ klingt. Ist aber die Wahrheit. Das soll aber nicht heißen, dass es keinen Spaß gemacht und ich es nicht jederzeit wieder tun würde. Und ich bin froh, das Projekt jetzt abgeschlossen zu haben und meine zweite EP Flood am 06.06. releasen zu können 😊

     

    Hier könnt ihr Kasimps EP reinhören und vielleicht schafft er’s ja in eine eure Playlisten. Potential hat es:

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    Fotocredit: Ana Shestner

  • Bartleby Delicate verzaubert mit seiner Debüt-EP „Deadly Sadly Whatever“

    Bartleby Delicate verzaubert mit seiner Debüt-EP „Deadly Sadly Whatever“

    “Eine echte Perle superfrischer Folk-Indietronica” – mit diesen Worten wurde Bartleby Delicate an mich herangetragen. Auch wenn ich ihn bis dato noch nicht kannte, war ich direkt beim Namen ein bisschen neugierig. Er klingt so gemalt einfach. Bartleby Delicate. Da kann sich doch nur superschöne Musik hinter verstecken. Also begab ich mich mit hohen Erwartungen auf die Reise in seine Debüt-EP „Deadly Sadly Whatever“ und wurde – Spoiler – absolut nicht enttäuscht. Ich würde tatsächlich auch vollkommen mit dem oben genannten Zitat mitgehen und euch die Perle, die Bartleby Delicate ist, ans Herz legen. Und die Platte sowieso.

    Doch wer ist Bartleby Delicate eigentlich? Der Luxemburger Singer-Songwriter heißt eigentlich Georges Goerens. Er kombiniert in seiner Musik berührende Lyrics mit melancholischen Folk-Gitarren und loopbasierten elektronischen Einflüssen. In Deadly Sadly Whatever (was ist das aber auch für ein geiler Titel, sorry) hat er eine Handvoll Songs versammelt, die sowohl auf eine leichte Art beruhigen, als auch immer ein bisschen diese innere Melancholie anstoßen. Bartleby Delicate lässt mich über wirklich deepe Sachen nachdenken und in Erinnerungen schwelgen, ohne mich richtig traurig zu stimmen. Es ist genau diese wunderschöne Balance, die, unterlegt von diesem dreamy Folk Soundtrack, mich ein bisschen sehr in seinen Bann gezogen hat. Und warum, das lest ihr jetzt.

     
    „There’s no need to be strong”

    Der erste Song ist das Intro There’s No Need To Be Strong. Gekennzeichnet durch eine mit mehreren verzerrten Stimmen aufgenommen A-Capella-Version der sich immer wieder wiederholende Zeile: „You said there’s no need to be strong“. Wie sich herausstellt, ist das auch die erste Zeile des ersten „richtigen“ Songs Sleeping Song danach. Und solche kleinen Details lieb ich ja sowieso. Und auch das Konzept von Sleeping Songs allgemein kriegt mich sehr. Das ist schon auch ne sehr spezielle Stunde des Tages, zu der man sowas hört. Und wenn man da einen Song voller beruhigender Geborgenheit bekommt, dann braucht man eigentlich auch nicht viel mehr.

    Sleeping SongBartleby Delicate, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, untold music, bartleby delicate, listenrecords, deadly sadly whatever, plastic flowers fängt wie gesagt mit der ersten und auch Key-Zeile „You said there’s no need to be strong“ an. Verspielte elektronische Töne und ein leichter Beat reihen sich neben Bartleby Delicates Stimme ein und singen mir „I could bring you anywhere where you can lay your head down“ ins Ohr. Es ist das erste Mal, dass man ganz unverzerrt seine Stimme hört und ja, die klingt genauso beruhigend wie ihr es vermutet. Super melodisch hab ich jetzt schon einen kleinen Ohrwurm, aber so was macht ein immer wieder geloopter Chorus halt auch. Und obwohl der ganze Vibe von Bartleby Delicate ein grundsätzlich ruhiger ist, so macht er hier eher happy als dass er traurig macht. Ich fühl mich ein bisschen wie schon im Traum.

    Sleeping Song ist ein Schlaflied, welches Bartleby Delicates für die Söhne seines besten Freundes geschrieben hat. Call me emotional, aber das find ich super schön und berührend. Dazu kommt, dass in dem Satz „there’s no need to be strong” auch die Botschaft gegen stereotypische Männlichkeiten mitschwingt, und da werd ich ja erst richtig emotional. Aufwachsenden Jungs zu vermitteln, dass „männlich“ sein nichts zu tun hat mit dem vermeintlichen „stark sein“ und die einhergehende „Emotionen und Schwächen zeigen ist schwach“-Antwort auf alles falsch ist, ist so unfassbar wichtig. Einfach mal diesen Kreis zu durchbrechen und diese Generation von jungen Jungs nicht reproduktiv in die gleiche Richtung wie die Generationen vor ihnen zu schubsen, kann so viel verändern.

     
    „There’s a fake sun for a fake sun bath”

    Soviel zu meinen #letboysfeel Gefühlen und weiter zu den schönen Metaphern, die Plastic Flowers aufmacht. Der Aufbau des Songs ist ein ganz anderer als der vorherige. Die akustischen dreamy Folk-Gitarren sind ausgetauscht gegen diffuse elektronische Geräusche. Sie pendeln sich langsam auf eine Melodie ein, auf der Bartleby Delicates Stimme auf einmal sehr unnahbar wirkt. Eine unangenehme Stimmung, bei der ich auch erst ein bisschen schlucken musste.  Das alles baut sich bis  zum ersten Chorus auf und fällt dann in diesen schönen Indietronica Stil, der alles wieder harmonisch zusammenfließen lässt.

    “I bought you some plastic flowers, cause I’ve got nothing real to share.”

    Das lass ich einfach mal so stehen. Es ist auf eine tragische Weise so schön ausgedrückt, dass ich das gar nicht anders beschreiben will. Es schafft diese Art von Zauber, dem man eigentlich nur verfallen kann.

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    Diese Kunst, sich so abstrakt und doch poetisch assoziativ auszudrücken, zieht sich durch die ganzen Lyrics von Deadly Sadly Whatever. Das zeigt auch der nächste Track Winter’s Dark:

    „People going out here thinking I look vital
    I know for them it’s hard to see how things change once in a while now
    Don’t you pick up the phone it is as heavy as iron
    Let’s meet up on Christmas eve, it’s empty in the sauna”

    Obwohl ich jetzt gerade mit Ventilator aufm Balkon sitze und diese erste Hitzewelle des Jahres genieße, weiß ich, dass ich das in den trüben November-Tagen rauf und runter hören werde. Für den Sommer ist es vielleicht der falsche Soundtrack (heißt ja literally Winter’s Dark), aber ich hab’s auf jeden Fall schon mal für später gesaved.

    Musikalisch ist Winter’s Dark deutlich mehr Indie als davor. Schon in den ersten 10 Sekunden fällt man in diese depressiven Gitarrenchords und mein kleines Emo-Herz ist sehr glücklich. Den Chorus singt Bartleby Delicate zweistimmig. Auch das ist wieder so eine kleine Sache, mit der ich zwar nicht gerechnet hätte, die aber unfassbar gut funktioniert. Am Ende hat bekommt Winter’s Dark kurz einen leicht verzerrt elektronischen Twist, bevor er sich dann schon fast komplett rockig selbst ausklingen lässt. Auch hier wird sich ganze 4:23 Minuten Zeit genommen und ich empfind das als erstaunlich entschleunigend.

     
    „Reminds me of you from top to toe“

    Als nächstes kommt From Top to Toe EP Version, der zweite Versuch der bereits 2020 erscheinenden Single From Top to Toe. Ich hab mir aus Neugier einfach mal die 2020 Version angehört. Im Zuge dessen hab ich herausgefunden, dass Bartleby Delicate mal Support für Tom Odell gespielt hat. Obwohl das nichts mit dem Song an sich zu tun hat, kann man da schon mal ein Namendropping machen. Vor allem weil es musikalisch auch einfach Sinn ergibt: Bartleby Delicates Sound geht auf jeden Fall in eine ähnliche Richtung. Es hat auch diese paar Bon Iver – Vibes, in die mich ein bisschen verliebt hab. Es ist einfach alles so feel good-angenehm produziert, ich will aus dieser Traumwolke gar nicht mehr raus.

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    Die EP Version von From Top To Toe ist ein bisschen langsamer und hypnotischer als die erste, aber hat die Grundstruktur behalten. Ich wüsste jetzt auch nicht, welche von beiden Versionen ich besser finde. Alles, was ich fühle, sind diese herzzerreißend Lyrics, die Bartleby Delicate so gefühlvoll vom Herzen singt, dass es fast was Verletzliches hat:

    „I’ve had some disconcerting experiences the last few years. The strange thing is that I struggle somehow to remember the exact origin of them. But still those memories are haunting me. I think we are all constantly trying to repress things from our past and they come back from time to time fully present in front of us: from top to toe.”

     
    Deadly, Sadly, Whatever’s Next

    Die Indielektronischen Sounds der EP sind weg, auch der Touch Folk fehlt. Stattdessen ist der letzte Song der EP einfach nur tragisch klagend – und was anderes hab ich bei einem Song, der Deadly Over You heißt, auch nicht erwartet. Bartleby Delicate tiefe Stimme legt sich über hallige Gitarrentöne und klingt wirklich ziemlich traurig. Ich hab das Gefühl, dass mir hier ein zerbrochenes Herz vor die Füße gelegt wird. Passenderweise kommt ab der Mitte des Songs auch ein alles unterlegender, schnell pochender Herzschlag dazu, der auch meinen eigenen ein bisschen nervös ansteigen lässt. Zum Ende hin wird es aber musikalisch einfach richtig schön, wenn sich nach sechseinhalb Minuten alles zusammenfindet. Ja, es ist der längste Song auf Deadly Sadly Whatever.

    Abschließend empfehl ich diese EP jeder Person, die sich gerne in melancholische Folk-Songs verliebt und auch ein Faible für elektronisch angehauchte Bon Iver Songs hat. Kann man eigentlich absolut gar nichts mit falsch machen. Im Gegenteil: Es macht mich absolut gespannt auf das, was als Nächstes aus Bartleby Delicates Feder kommt. Bis dahin, habt Spaß mit Deadly Sadly Whatever, wann immer ihr eine Pause von eurer Sommer-Gute-Laune Playlist braucht. This might be your place to rest and recharge:

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  • Greta Isaac im Interview: »I feel like every song is a bookmark in my growth as a young woman.«

    Greta Isaac im Interview: »I feel like every song is a bookmark in my growth as a young woman.«

    Wenn mich jemand fragen sollte, was es ist, was ich an der Arbeit für Untoldency besonders liebe, ist eine Sache definitiv, so viele junge und starke Frauen kennenzulernen. Künstlerinnen, die fünf Jahren jünger sind als ich und nicht nur musikalisch sehr viel frischen Wind reinbringen, sondern auch inhaltlich schon für so viel stehen. Musikerinnen, die mit ihrer Musik für sich selbst und ihre Fanbase den Begriff der „Weiblichkeit“ neu definieren und finden, und damit eine ganz, jüngere Generation prägen. So wie Newcomerin Greta Isaac aus England: “I don’t know what it is to be a woman, to be myself, in the way that I once knew; but I know I’d never ever want to be like the ideologies and structures that stop me from finding out.” Letzte Woche kam ihre neue EP „PESSIMIST“ raus. Die Chance haben wir genutzt, um mit ihr nicht nur über die einzelnen Songs zu sprechen, sondern auch, was es für sie bedeutet, erwachsen zu werden und sich, selbst in traurigen Momenten, selbst zu finden.  

     
    Greta Isaac im Interview

    Anna: Hey Greta, first off: Happy Release! How excited are you that your EP is finally out now? 

    Greta: Hey! Thank you so much! I’m very excited that people get to hear what I’ve been up to the last couple years. More than anything though it’s a huge relief. I think with any project you retain its energy in your mind and body for so long that when it’s finally time for it to be released into the world, it feels more like letting go and taking one huge much needed sigh 🙂

    Anna: Before we talk about the EP, can you introduce yourself and the music you’re making?

    Greta: Sure! Sooo, my name’s Greta Morfudd Isaac. I’m 26 and from South Wales and I’ve been making and singing music basically my entire life I’d say. I make primarily alt pop music with harmony driven vocals and a very sarcastic playful sonic and lyrical palette 🙂

    Anna: You’ve been releasing music for some time now, with every release getting closer to becoming one of the next breakout artists. When you’d have to reflect on your musical biography as an artist, how would you describe your musical progress?

    Greta: I’ve gone through a few different stages – ranging from folk, pop and electronic influences. I think I’ve found a really nice middle ground of all of those influences by now that feel like a home for my music. Then again, I love reinventing myself. Finding out where my boundaries seem to naturally fall as an artist and just pushing them ever so slightly further with every project. I feel like I’m getting closer and closer to fulfilling a creative itch I have but I almost hope I never land there so that I can keep being excited.

     
    “Writing ‚Pessimist’was a gateway in giving me accountability as a human being.”

    Greta Isaac, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, greta isaac music, pessimist EP, how to be woman, made recsAnna: Maybe the question I’m most curious about: What’s the story behind your EP cover? 

    Greta: Haha! Me and my photographer/dear friend/muse Karina Barberis wanted to create a visual that represented a stoic figure confidently standing on a stool waiting to be heard, and playfully juxtaposing that with trying to hide away in a tiny kitchen, blend into the background and disguise herself as a standing lamp. For me that image completely mirrors my attitude towards performing and making music – I feel like I can perform under very certain circumstances that I cater for myself, though the product of that is quite confusing and childlike sometimes.

    Anna: And the most obvious question: Who’s the Pressimist?

    Greta: I’m the pessimist! You’re the pessimist! I think writing Pessimist was a gateway in giving me accountability as a human being. Realising that I had more autonomy than I thought over the decisions I made that ultimately contributed to how happy and fulfilled I was as a person. I think I always lacked the confidence to trust my intuition. So I’d find myself reaching for other people for reassurance and acceptance. When it wasn’t given to me, because no one owes me that, I would fall into these deep pits of self doubt and helplessness. Pessimist is a song that brushes me off, pats me on the back and tells me to feel everything im feeling. To use it as a tool to have a happier and healthier life. She can be brutal but needed sometimes I think haha

    Greta Isaac, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, greta isaac music, pessimist EP, how to be woman, made recsAnna: “FU” made it into Spotify’s “The Most Beautiful Songs in the World” Playlist. Considering that the song came from a really sad place, did the process of writing the song help you out of that?

    Greta: Definitely! I feel like every song is a bookmark or a folded page in an important time in my growth as a young woman. I’m really grateful to have these songs as reminders of a very specific turning point in the way that I used to think or feel. I think ‘FU’ is lyrically really specific, but I’m hoping that in some way people can connect to this song and feel heard. That their experiences matter, that their emotions are valid. And that sometimes you just have to feel what you feel and tell yourself “yeah I didn’t deserve that”. 

     
    “What I found on the other end was freedom and empowerment.”

    Anna: The lead single to your record is “How to be a woman”. What were the inspiration behind that song? And how do you personally define your womanhood?

    Greta: ‘How To Be A Woman’ was a chance for me to put into words what I ruminate on pretty much constantly every single day. Entering my mid-twenties, I think in some way I began freeing myself from the structures and people that constrained me into a very narrow and specific ideology of what someone like me should think or say or look like. What I found on the other end was freedom and empowerment. But not in the way I’d always known – I still sometimes feel lost and confused about who I should be or what I should look like. Ultimately, it’s about checking in with myself and making sure I’m happy and comfortable with every step towards finding out. I don’t know what it is to be a woman, to be myself, in the way that I once knew; but I know I’d never ever want to be like the ideologies and structures that stop me from finding out. 

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    Anna: Who are the women that inspire you the most and deserve a shoutout just for being awesome?

    Greta: Oh god there’s just so, SO many. Countless. For music I’d say Noga Erez, Orla Gartland, FKA Twigs, Caroline Polachek, Dodie.. Photography and film I’d say Karina Barberis, Steph Wilson, Hollie Fernando, Molly Burdett.. Fashion is Suzie Walsh, Charlotte Knowles, Di Petsa.. then there’s Munroe Bergdorf, Dr. Nicole LePera, Africa Brooke, Jessica Defino. My mum Caryl, my sisters Elan and Miriam. 

    Anna: Also a song I’m curious about how it made it on your EP: “Tomi Losdis Bol”. What’s the story behind that? 

    Greta: I used to write little stories when I was about 5/6, in attempted English. Since Welsh is my first language I’d write the stories phonetically in Welsh. One was ‘Tomi Lost His Ball’. I took it and made it into a song one afternoon with my mum who’s a songwriter. I remember going into my dads little studio, standing on a chair and singing my heart out for Tomi ahahah. So the recording that’s on the EP is from that day.

    Anna: Do you have plans or projects in the future that you are really excited about?

    Greta: I’ve got a real life gig coming up in London on the 25th of October. And I’m still directing for other artists too – projects that should be coming out really really soon. I’m so excited! 

    Anna: Last but not least, we ask for an untold story. That can be an anecdote, fun fact or just something random you haven’t shared with the internet before. 

    Greta: I once sang so hard I got a nosebleed : )

     

    Wen Greta mit ihrem vollen bis-zum-Nasenbluten-Committement abholen konnte, hört hier in die PESSIMIST-EP rein:

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    Fotocredit: Karina Barberis

  • LUI HILL im Interview: »Ich war gezwungen, mich mit meinen Dämonen – mal lieb, mal böse – auseinander zu setzen.«

    LUI HILL im Interview: »Ich war gezwungen, mich mit meinen Dämonen – mal lieb, mal böse – auseinander zu setzen.«

    Nachdem wir letzte Woche die Tour des sympathischen Berliners ankündigen durften, stellen wir ihn euch und seine neue EP „Creatures“ nun in einem Interview ausführlicher vor. Wer ihn noch nicht kennt, LUI HILL macht eine Mischung aus etwas, was wir so gar nicht in Genres stecken wollen oder können. Zwischen Funk, Indie-Pop und ein paar R’n’B Touches ist alles dabei. Er selbst beschreibt es als „Pianoballade trifft 808 Bässe und einen stark verpixelten Jazzdrummer auf Steroiden“ – und das ist schon ziemlich präzise in Worte gepackt.  Zusammen haben wir uns durch seine neue EP gearbeitet, über den Einfluss der Pandemie, seinen eigenen Lieblingssong und einen ermordeten Jazz-Trompeter (Clickbait?) gesprochen.

     
    LUI HILL im Interview

    Anna: Hey LUI, nice, dich auch endlich mal persönlich bei uns vorzustellen! Am Freitag veröffentlichst du deine erste EP – 374 Tage nachdem du angekündigt hast, eine EP zu machen. Wie fühlt sich das an, dem jetzt auch offiziell endlich nachgekommen zu sein?

    LUI HILL: Gut. An dem Punkt, wo es klar war, da sind nun 5-6 echt gute Songs in kürzester Zeit entstanden, und die könnten eine EP werden, packt mich natürlich die Vorfreude und ich hau das auf den Socials raus. Dass ich aber vor 374 Tagen eben doch noch nicht mal mit meinem Label darüber gesprochen hatte, die natürlich auch ihren Release-Plan haben, und ich auf dem Weg noch 2-3 Songs schreibe, die mir besser gefallen, ist eben auch die Natur der Sache. Ich bin super happy, dass da nochmal kurz die Handbremse gezogen wurde und ich nun mit dieser EP und nicht mit der vor einem Jahr an den Start gehe.

    Anna: Auch wenn das deine erste EP ist, machst du ja schon viel länger Musik. Vom Frontmann einer Punkband zum Jazzstudium haben viele Stationen deinen musikalischen Weg geprägt. Wie würdest du den Einfluss all dieser Dinge jetzt rückblickend auf deine musikalische Entwicklung beschreiben?

    LUI HILL: Ich glaube, all diese kleinen Stationen, da gab es ja noch ein paar mehr zwischen Punk und Jazz, prägen einen natürlich. Sie bilden vielleicht so ein Fundament, aber auf dem baue ich mittlerweile natürlich ganz andere Luftschlösser. Ich fühle mich auf jeden Fall mehr von der heutigen Musik geprägt, als von der Punk-Phase meiner Teenagerjahre oder meinem Jazzstudium danach. Aber wenn ich jetzt so auf die Trackliste schaue, merke ich tatsächlich, dass so ein Song wie Creatures definitiv eine rotzige Sorglosigkeit und genügend Haare auf den Zähnen hat. Diese Attitüde würde man dem Punk durchaus zuordnen. Bei Talk To You ist auch ein kleiner Schulterblick zum Jazz passiert, aber irgendwie ein komisch verzerrter. Pianoballade trifft 808 Bässe, und einem stark verpixelten Jazzdrummer auf Steroiden. Wenn das überhaupt Sinn macht. Ich mag es, Dinge zu verbinden, die nicht zusammengehören. Und Stilpurismus in der Musik ist das langweiligste, was ich mir vorstellen kann, vor allem wenn man in einem kreativen Prozess steckt.

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    „Es bleibt nur die Reise im Kopf an fremde, inspirierende Orte.“

    Anna: Weil ich gerade wegen deines breiten Musikspektrums neugierig geworden bin: Welche Künstler:innen haben dich im Hinblick auf die EP am meisten inspiriert?

    LUI HILL: Ach, das weiß ich gar nicht mehr so wirklich. Ich habe z.B. im letzten Jahr super viele Bands aus dieser Sweet Soul Bewegung (San Francisco Bay Area und NYC) gehört. Kelly Finnegan, Duron Jones & The Indications, Holy Hives usw. Davon höre ich aber gerade gar nicht so viel in meiner Musik, aber das können andere eventuell besser entscheiden.

    Anna: Ich komme leider auch nicht drum rum zu fragen: Inwiefern hat der ganze Lockdown letztes Jahr dich als Person beeinflusst, aber auch als Künstler? Hat es dich eher kreativ gefordert oder zwischenzeitlich auch ausgebrannt?

    LUI HILL: Der hat diese EP auf jeden Fall beeinflusst. Nimm einen Song wie How Many Moons oder Creatures, den hätte ich bestimmt nicht geschrieben, wäre diese Zeit nicht so speziell und herausfordernd gewesen. Ich war gezwungen mich mit meinen Dämonen, mal lieb mal böse, auseinander zu setzten. Der erste Lockdown bis in den Sommer hinein habe ich als sehr inspirierend in Erinnerung. Diese kollektive Verbindung durch die Pandemie war ein so neues Gefühl. Alle mussten mit dem gleichen Problem umgehen. Und dann war da eben die ganz merkwürdige Ruhe dazwischen. Mein Kopf war voll mit Dingen vom letzten Jahr. Ein Jahr, in dem ich so viel wie noch nie mit meiner Musik auf der Bühne sein durfte. Ganz ehrlich, jetzt ist aber der Tank wirklich leer, und neue Eindrücke sind verdammt rar. Bleibt gerade nur die Reise im Kopf an fremde, inspirierende Orte. Hat Karl Mai ja auch schon geschafft.

     
    „Der Song spiegelt für mich die erste Zeit im Lockdown wider.“

    Anna: Daran anknüpfend steht vielleicht die zweite Single aus dieser EP How Many Moons, die gleichzeitig traurig und optimistisch klingt. Was bedeutet der Song für dich?

    LUI HILL: Dieser Song spiegelt für mich diese erste Zeit im Lockdown wider. In der ich Angst, Faszination und Hoffnung zu gleichen Teilen in mir hatte. Deswegen kann dieser Song für den Zuhörer*innen so mühelos in die eine oder andere Richtung gehen, positiv wie negativ. Ich mag diesen Song sehr, aus verschiedenen Gründen. Zum einen kam er so unangestrengt zu mir – der Text beim Laufen im nächtlichen Wald, die Akkorde am Tag darauf. Aufgenommen habe ich mit kleinstem Besteck im Wohnzimmer meines Elternhauses am alten Klavier meiner Mutter. Der Text transportiert für mich so gut dieses Gefühl, dass ich zu dieser Zeit in mir hatte. Das war einfach on point.

    Anna: Einen ganz anderen Klang hat die bereits angesprochene Single Creatures. Ich kann mich noch erinnern, als ich das Musikvideo das erste Mal gesehen hab und dachte: so weird das auch alles wirkt, es passt perfekt zum Song. Auch wenn es bereits etwas zurückliegt, wie war der Musikvideo Shoot für dich?

    LUI HILL: Creatures war mein Regie- und Produktionsdebüt und, wow, habe ich unterschätzt wie viel Arbeit das ist. Cast- und Locationsuche während einer Pandemie. Ich habe auf jeden Fall in den Wochen davor nicht viel geschlafen. Ich bin aber super happy mit dem Resultat und möchte diese stressige Erfahrung doch nicht missen.

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    „Ich wollte etwas schizophren Fröhliches gegen diese doch sehr traurige Geschichte setzen.“

    Anna: Sidewinder, mein persönliches Highlight der EP, geht ja auf etwas zurück, dem du im Jazzstudium das erste Mal begegnet bist: Die Geschichte des Jazztrompeters Lee Morgan und seinem Tod durch seine Frau. Was genau hat dich an der Geschichte so fasziniert, und inwieweit kann man Einflüsse daraus auf dem Track finden?

    LUI HILL, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, untold stories, luihill, lui hill musik, creatures, creatures EP, creatures tour 2022, sidewinderAnna: Lee Morgans Musik habe ich tatsächlich schon vor meinem Studium gemocht. Ab und an spielte ich mit Freunden ein paar seiner Songs, wie auch einer seiner größten Hits Sidewinder. Dass ich durch die Doku über sein Leben und das seine Frau Helen Morgan mehr erfahren habe, war Zufall oder sagen wir eben auch dem Lockdown geschuldet. Ich hatte noch nie so viel Zeit, Filme zu schauen. Dass Helen zu einer sehr dunklen Zeit in Lee’s Leben trat, was ihn von seiner Heroinsucht losreißen lässt, und er danach nochmal 10 Jahre lang seine größten Werke aufnimmt, ist ein Wunder. Dass Helen ihn dann auf einem seiner Konzerte im Affekt und aus Eifersucht das Leben wieder nimmt, ist an Tragik nicht zu überbieten. Ich musste danach diese Zeilen schreiben, die dann zu dem Song geführt haben. Die Musik ist aber stilistisch von Jazz und Lees Musik schon sehr weit entfernt. Ich wollte etwas schizophren Fröhliches gegen diese doch sehr traurige Geschichte setzen, so zerrissen wie mir Lee eben nach dieser Doku auch im Gedächtnis geblieben ist. „I called him Morgan“ – must watch…

    Anna: Was kannst du zu dem Track sagen, der mit der Creatures EP released wird? Loving To Lose You klingt ja allein vom Titel vermeintlich widersprüchlich. Wovon handelt der Song?

    LUI HILL: Loving To Lose You ist mein Lieblingssong auf der EP. Der Song handelt davon, sich in das Gefühl verliebt zu sein zu verlieben. Das High dieser ach zu schönen Psychose nicht verlassen zu wollen, obwohl doch gar nicht das gleiche Gefühl im Gegenüber zu finden ist. Es ist dem zur Methode werdenden Selbstbetrug gewidmet, der einsetzt, wenn man wirklich verliebt ist.

     
    „Ich freue mich endlich nicht nur für, sondern vor Menschen Musik zu machen!“

    Anna: Wir dürfen es ja jetzt schon sagen: Du gehst nächstes Jahr auf Tour und wir dürfen dich dabei begleiten! Auf was freust du dich am meisten?

    LUI HILL: Ich freue mich so sehr endlich wieder nicht nur für, sondern vor Menschen Musik zu machen! Auf die ohrenbetäubende Euphorie, die überschwappt in beide Richtungen. Ich will endlich wissen wie diese Songs live ankommen und wie wir sie spielen werden.

    Anna: Zum Schluss fragen wir immer nach einer untold story. Das kann etwas über dich, deine Musik, etwas Deepes oder komplett Random sein, alles zählt.

    LUI HILL: Habt ihr euch schon mal gefragt, warum Matratzen-Läden immer an Straßenecken zu finden sind und warum Frisörladenbetreiber einen so starken Hang zum Wortwitz haben?

    – Haben wir tatsächlich noch nicht. Aber dafür haben wir hier schon reingehört und ihr könnt es auch (schwache Überleitung, starke EP):

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    Und für die Leute, die genauso Bock haben, LUI HILL dieses Brett an EP auch live performen zu sehen, die folgen diesem Link hier.

     

    Fotocredit: Nicolas Blanchadell