Autor: Anna

  • Schmyt gibt mit seiner EP “Gift” Trennungsschmerz endlich einen angemessenen Soundtrack

    Schmyt gibt mit seiner EP “Gift” Trennungsschmerz endlich einen angemessenen Soundtrack

    2021, der Deutschrap fährt wieder auf. Schmyt ist die Empfehlung für alle, die mit dem Deutschrap von Samra, Capo und wie sie alle heißen nicht wirklich viel anfangen können. Aber auch für alle, die es tun! Das muss heißen, es ist gut oder? Manche könnten ihn als Feature auf Majans Monoton mal gehört haben. Wer ihn im Zuge dessen mal ausgecheckt hat und seine ersten beiden Singles gehört hat, wusste – wenn hier was Größeres kommt, wird das unglaublich gut. Und so ist es auch. Schmyts Debüt-EP Gift ist seit nun knapp zwei Wochen draußen und seitdem bin ich von allen Songs einfach nur gefesselt. Wieso, lest ihr jetzt.

     
    „Hier hat jeder einen Schaden, das ist mir sympathisch“

    Vor fast genau einem Jahr kam seine erste Single Niemand, im Juni 2020 dann Taximann. Beide Singles sind in die Szene eingeschlagen und auf einmal hatte jede Person im Deutschrap-Kosmos auf einmal Schmyt auf dem Radar. Und dann – Stille. Schmyt ließ uns fast 9 Monate warten bis er jetzt endlich seine Debüt-EP veröffentlich hat. Und das ist okay, denn wenn es 9 Monate sind, die es braucht, um diese sechs absolut starken Songs fertigzustellen, dann ist das so. Doch sammeln wir uns erstmal und fangen an:

    Als Opener der EP hat sich Schmyt niemand anderen als RIN dazugeholt. RIN. Tschuldiung, ich sags nur zwei Mal, damit wirklich klar ist, was das für ein mordsmäßiges Feature ist. Es wurde geheim gehalten bis kurz vor Release und hatte somit noch zusätzlich einen Überraschungseffekt. Das Warten hat sich gelohnt, würde ich sagen. Mit Gift eröffnet Schmyt die gleichnamige EP und ich komm nicht umhin, die Boxen lauter zu drehen. Der Beat zieht einen ab Sekunde eins in den Bann, baut sich mit seiner wirklich sehr schönen Stimme in der ersten Strophe auf, um im Refrain mit RIN dann zu einem völligen Hit zu werden.

    Inhaltich geht es um den Frust und den Schmerz nach einem Beziehungsende, den man mit allen Mitteln versucht, wegzutrinken. Gift gegen ein gebrochenes Herz, so viel, bis man den Schmerz nicht mehr spürt: „Unfähig zu gehen, halbseitig gelähmt, dann bin ich okay“. Wir wissen, man ist offensichtlich ganz weit weg von „okay“, wenn man halbseitig gelähmt in einem Club die ganze Karte trinkt. Aber dann wiederum ist es manchmal das Einzige, was in solchen Momenten hilft. Ein kleiner Hauch von Crazy kommt dazu, wenn ein sehr creepiges Lachen zum Refrain ertönt, aber auch das passt komplett zum Thema. Wer sich so abschießt, ist sich ja keiner fünf Sinne mehr bewusst.

     
    „Fahr zur Hölle, Mann, gib Gas!“

    Niemand war der erste Song, mit dem Schmyt seine Solokarriere vor einem Jahr startete. Doch war er bis Dato ein nicht ganz unbeschriebenes Blatt: Man könnte ihn vielleicht als Mitglied der deutschen Hip Hop/Elektro/Raggae Band Rakede kennen, die sich 2020 auflöste. Mit Niemand startete Julian Schmit, so sein richtiger Name, dann aber solo und, wie gesagt: Ein Jahr später schafft es dieser Song immer noch, mich emotional so zu fesseln, dass ich es nicht hören kann, ohne Gänsehaut zu bekommen. Das Thema des Songs ist, wie auch im vorherigen das gebrochene Herz nach einer unglücklich geendeten Beziehung. Die Ex-Freundin hat einen neuen Freund und auf die Frage, wer ihr Ex ist, antwortet sie „Niemand“. Talk about being cruel. Schmyt nimmt sich dieses „niemand“ so zu Herzen, dass er dem ein ganzes Lied gewidmet hat.

    Die Ballade, unterlegt von einem tiefen Klavier, strotzt vor selbstzerstörerischer Sehnsucht nach etwas, was nicht mehr da ist. In den drei Minuten spür ich diesen Schmerz wirklich ganz stellvertretend. Und dann kommen da ja noch die Drums hinzu, die diesen Herzschmerz auf eine brachiale Weise untermalen und mich absolut fasziniert zurücklassen. Zusammengehalten von Schmyts schönen Stimme ist Niemand ein ganzes Statement. Wenn man sich fragt, warum dieser Newcomer im Deutschrap so gehyped wird, dann deswegen.

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    Auch Taximann zeichnet sich durch Schmyts Gefühl für schmerzhafte Verzweiflung aus. Wie viel kostet eine Taxifahrt zur Hölle? Schmyt will es wissen. Was man für die Fahrt aber auf jeden Fall braucht: Boxen mit einem guten Bass. Denn auch Taximann ist ein Song, den man eigentlich wirklich super laut hören muss. Am Besten wenn man nachts im Auto auf leeren Straßen fährt. Ein sehr spezifisches Szenario, aber falls ihr mal in so einer Situation seid, denkt an mich und versucht es – es funktioniert unfassbar gut. Auch lyrisch beweist Schmyt, wie auch in allen anderen Songs, was ihn so auszeichnet: sein Sprachgefühl. Mit wenigen Worten beschreibt er Szenarien, die unter die Haut gehen:

    „Drück aufs Gas, Mann, ich zahl‘ EC
    Und ich hab‘ keinen Grund, heimzugehen
    Denn da wartet das Nichts, kauert im Dunkeln und grinst
    Schiebt mir den Ballermann hin, flüstert: „Du kannst nicht gewinn’n“
    Ohrenbetäubende Stille, ich will da nicht hin“

     
    Das hier ist nicht „nur“ Deutschrap, das ist einfach auch richtig gut produzierte Musik

    Schmyt, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, derschmyt, julian schmit, rakede, taximan, gift EP, RINDas, was in der Zwischenüberschrift steht: Das hier ist nicht „nur“ Deutschrap, das ist auch einfach richtig gut produzierte Musik. Alles ist durchdacht und fein aufeinander abgestimmt. Ich hab wirklich das Gefühl, dass jeder einzelne Song wie eine Welt für sich erschafft. Alles ist mystisch, sehnsüchtig und dramatisch. Wo gibt’s das sonst im Deutschrap? Poseidon greift Schmyts Liebe für Literatur und Poesie auf und nimmt mich einfach komplett in diese von ihm erschaffene Welt. Wirklich nur musikalisch gesehen, ist das einfach was komplett anderes zu allem, was da draußen so rumschwirrt. Man konnte es bis hier hin wahrscheinlich nicht rauslesen, aber ich find‘s wirklich richtig gut.

    Auch Jenny kriegt mich Schmyt wieder direkt mit der ersten Zeile „Kipp‘ Rosé auf den Schmerz und dein Herz in mein’n Grinder / Sag mir, sind wir zusamm‘ oder nur zusamm‘ einsam?“ – ich find’s genial. An dieser Stelle auch einfach mal ein s/o an das Produzenten-Team um Schmyt herum. Mit Bazzazian hat er sich Haftbefehls „Hauptproduzenten“ geschnappt, und auch Alexis Troy und Farhot sind etablierte Größen in der Szene. Diese Kombination aus ihren kompromisslosen und soliden Beats und Schmyts beeindruckender Stimme und seinem Gefühl für Sprache ist, jedenfalls für mich, einzigartig. Sie setzen den thematisierten Herz- und Trennungsschmerz in einen musikalischen Rahmen, der schon beim ersten Mal Hören einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Ich beweg mich zugegebenermaßen nicht super viel im Rap-Game rum, aber so ein paar Sachen machen mich immer wieder schwach. So wie das hier.

     
    „Ist die Reise schon der ganze Sinn?“

    Der letzte Song 100 Euro beendet die Gift EP dann nochmal mit einem richtigen Knall (wortwörtlich, wenn man bis zur allerletzten Sekunde hört). Ich muss ein bisschen an Lass Die Scheine Fliegen von den Gloomy Boyz denken (wer das hier kennt und feiert, hello old friend), aber das nur als side note. 100 Euro kommt einfach geil. Vor allem nach all den relativ ruhigen Liedern der EP haut Schmyt noch einmal völlig raus und zeigt, dass er zurecht einer der vielversprechendsten Newcomer da draußen ist. Die Hauptfrage in 100 Euro ist „Sag mir, wohin geht die Reise?“ und handelt von einem leichten Absturztrip mit jemanden, der so gut zu einem passt wie „ein Zippo und Benzin“. Wohin Schmyts Reise geht, kann ich nicht sagen, aber die düster-dystopischen Produktionen haben ja schon ab Track eins angedeutet, dass das eher eine Reise Richtung Selbstzerstörung ist.

    Fazit: Gift ist für mich jetzt, Stand April, schon eine der besten Platten im Deutschrap dieses Jahr. Aber – es gibt auch bald das Debüt-Album von Schmyt. Also muss ich meine eigene Aussage dann vielleicht revidieren. Bis dahin, hört hier rein:

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    Fotocredit: Lea Bräuer, Marco Justus Schöler

  • Giant Rooks heilen mit „What I Know Is All Quicksand (rookery live tapes)“ unser aller Konzert-Vermissung

    Giant Rooks heilen mit „What I Know Is All Quicksand (rookery live tapes)“ unser aller Konzert-Vermissung

    Ich weiß, ich bin drei Wochen nach Release hier sehr „spät“ dran. Aber eigentlich ist man nie zu spät, um von Giant Rooks zu schwärmen. Vielleicht gibt es ja noch eins bis zwei Menschen, die sie noch nicht kennen, und auch die müssen wir abholen. Denn Giant Rooks will man nicht länger verpassen als nötig. Das sag ich aus erster Quelle, ich hab mich in Leadsänger Fred und alle anderen erst letztes Jahr, kurz vorm Albumrelease von Rookery verliebt. Mit What I Know Is All Quicksand (rookery live tapes) haben sie jetzt eine komplette live aufgenommene Version von Rookery angekündigt. Und ich habe nicht gewusst, wie sehr ich das brauche.

     
    Ein Konzerterlebnis umsonst und auf Dauer-Repeat

    Ich hab Giant Rooks wirklich noch nie live spielen sehen, außer bei ihrer digitalen Record Release Show im Tempodrom. Und auch wenn das wirklich sehr geil war, war es weit weg von dem, was ein Live Konzert eigentlich gewesen wäre. Wisst ihr noch, so wie in 2019, mit anderen Menschen, alle viel zu eng vor einer Bühne, tanzend, singend, schreiend. Weinend. Puh, die Emotionen. Endorphine, die durch den Körper pumpen, Adrenalin was hinterherschießt. Ich klinge wie auf Entzug, aber das sind wir doch wirklich alle. Auch wenn es faktisch nur 1 Jahr und ein bisschen her ist, seit dem Incident, fühlt es sich easy schon an wie zweieinhalb. What is life.

    In all diese Gedanken und Gefühle fall ich sobald der erste Gitarrenton von Giant Rooks anspielt. Es hört sich 1:1 an als würde ich in der Columbiahalle stehen, inmitten 2000 Menschen. Das live tape ist wirklich ein Konzerterlebnis umsonst, man muss nur die Augen schließen und man ist da. Freds Stimme ist so nah, die Gitarre so klar. Dann der Hall – schon in der ersten Minute hat mein ganzer Körper Gänsehaut. Ich kann die aufbauende Lichtshow fast schon sehen, die passend zum Song die Bühne anleuchtet. Dann kommt mit dem Bass und den Schlagzeug Tempo rein und mir fehlen zum zweiten Mal innerhalb von zwei Minuten die Worte. Wer What I Know Is All Quicksand kennt, sollte haargenau wissen, was ich meine. Dieser Aufbau vom Song ist wirklich unvergleichbar.

     
    Wer hier keine Gänsehaut bekommt, ich weiß auch nicht

    Als nach drei Minuten, wo Lieder sonst eigentlich immer zu Ende gehen, der ruhige Part des Songs eingeleitet wird, ist die Gänsehaut zurück. Fred nimmt die ganze Power aus dem Song mit einem Schlag raus und verleiht ihm stattdessen eine fast schon beruhigende Sanftheit. Die anderen Bandmitglieder steigen mit ein und in ein paar Sekunden, einfach so, wird aus dem Indie-Pop Hit eine Indie-Ballade. Ich weiß, es spielt sich nur auf meinen Kopfhörern ab, aber wenn ich die Augen schließe, kann ich praktisch hören, wie das ganze Publikum mit einsteigt. Künstler*innen bringen immer wieder Live-Sessions heraus, aber bei wenigen fühl ich das, was ich gerade bei Giant Rooks spüre. Das ist das Nähste, das ich an ein Konzert in den letzten gefühlten zweieinhalb Jahren gekommen bin.

    Wer denkt, nach vier Minuten und diesem Twist ist das Lied jetzt aber wirklich das Ende, liegt falsch. Giant Rooks bilden eine instrumentale Überleitung aus diesem ruhigen Abschluss zurück zum Song auf und riesen Sorry für den Ausdruck, aber fuck me. Was auf diesen live tapes abgeht– ohne zu lügen, ich spüre das Endorphin, was ich sonst nur auf Konzerten hatte. Ich will einfach nur das befreiende Gefühl einatmen, das Musik in einem auslöst. Wie gut ist diese Live-Session.  

     
    Wenn die Live-Session die Studio-Version wegkickt

    Ich hab mir im Laufe des Artikels auch noch mal die Original-Version von What I Know Is All Quicksand angehört und der Unterschied ist wie Tag und Nacht. Diese live tapes nehmen das, was die Studioversion des Songs aufgebaut hat, und machen es einfach 10x besser. Welche Band klingt auf Live-Aufnahmen 10x besser als im Studio?? Die offensichtliche Antwort: Giant Rooks. Die Original-Version wirkt im Vergleich fast ein bisschen farblos – dabei ist sie auch so gut! Ich hab sie bis zum live tapes Release auch ständig gehört. Aber jetzt ist sie ganz dreist ersetzt worden. Der erste Ton dieser live Gitarre gehört und war von Sekunde eins völlig verloren. Komplett. Auch jetzt, drei Wochen und zig Dauerloops später ist es genau wie beim ersten Mal. Was Fred da im Übergang mit dem Klavier macht ist einfach – ich hab keine Worte. Diese Spannung, er hält sie bis ins Unendliche. Bis sie reißt und der ganze Song in sich selbst zusammen fällt. Und das ist einfach alles, was ich an Live-Musik brauche. Das ist das, was glücklich macht, was die Endorphine in mir rumwirbeln lässt. Wenn ihr wissen wollt, was ich meine: guckt es euch an. Hört es euch an. Und dann erzählt es weiter.

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  • Jaguar Jonze im Interview: »I was suppressed for so long that once I stumbled across music and art, it all came spilling out.«

    Jaguar Jonze im Interview: »I was suppressed for so long that once I stumbled across music and art, it all came spilling out.«

    Jaguar Jonze ist vielleicht eine der spannendsten Künstlerinnen Australiens zur Zeit. Zu ihrem kreativen Output gehört nicht nur Musik, sondern auch alles andere, was man sich an künstlerischen Projekten vorstellen kann. Eigene Art-Installationen und Musikvideos gehören dazu genau wie ihr hohes politischen Engagement. Letztes Jahr teilte sie öffentlich ihre Erfahrungen mit sexueller Belästigung durch einen bekannten australischen Fotografen und fand sich an der Spitze der #MeToo-Bewegung in der australischen Musikbranche wieder. Auf ihrer neuen (und unglaublich starken) EP ANTIHERO hat sie all diese Erfahrungen verarbeitet und bewiesen, dass sie sie nur bestärkt haben.

    Schon in unserer Fokus-Playlist Women Rising Up haben wir Jaguar Jonze vorgestellt und das zu Recht. Solltet ihr auf der Suche nach neuen weiblichen Künstlerinnen sein, die eure Playlisten ein bisschen aufmischen, seid ihr hier also richtig. Denn das ist hier nicht nur inhatlich wirklich stark, sondern vor allem auch musikalisch. Mal mit lauten Riffs, mal mit rhythmischen Beats – ANTIHERO strahlt vom ersten Song eine Power aus, der man sich nicht entziehen kann. Absolut begeistert von ihr als Künstlerin haben wir Jaguar Jonze also zu genau jenen Sachen befragt.

     
    Jaguar Jonze im Interview

    Anna:  Hey, Deena, thanks so much for taking the time. Since you’re literally from the other side of the world – do you want to introduce yourself and the music you’re making as Jaguar Jonze?

    Jaguar Jonze: Hello Untoldency! I’m Jaguar Jonze, an indie pop musician from Brisbane, Australia. I also dabble in visual art as Spectator Jonze and photography as Dusky Jonze. The music I write and release under Jaguar Jonze explores my mental health, trauma, life experiences and shares them through a vessel of rhythmic beats, industrial sounds, spaghetti Western guitar, lush synths and a vocal that flips between fragile and fierce. 

    Anna: Your creative output is huge – from music to illustrations, photography and directing your own music videos. What got you into that big field of creative art to begin with? And what makes the music one so special to you?

    Jaguar Jonze: I wasn’t always that way – in fact, I used to be the complete opposite way. I NEVER dabbled in art, music, photography or film. I think I was just so suppressed for so long that once I stumbled across music and art, it all came spilling out. It helped me so much with being able to communicate and express when I couldn’t do it at all through words. Music is a special one for me because it facilitates dialogue with my subconscious. Through that I’ve been able to repair my relationship to the person that matters the most – me. 

    Anna: Before we talk about the EP, what were your musical
    influences growing up? Do you have songs or artists that really changed how you make or
    experience music?

    Jaguar Jonze: I really loved artists such as Portishead, Jeff Buckley and Nick Cave. Growing up I had an eclectic mix of musical influences though, from pop, indie, rock, heavy metal, classical to folk and country. 

     
    “I wanted every single person to feel like they were heard.”

    Anna: You released a cover of Britney Spears song Toxic, after you were credited to reigniting the Australian #MeToo movement. More than 400 people came forward after you calling out a photographer of sexual assault. How did you deal with that overwhelming response?

    Jaguar Jonze: I really wanted every single person to feel like they were heard and that I held safe space for them to take refuge in. So to be honest, during that time, I hardly slept. I spent every minute of every day from morning to night, replying to each message and having conversations, talking with media to expose the problem and liaising with the police to hopefully find justice. It took me a long time to realise that I neglected myself throughout that entire period. I had to take some time to grieve, process and nurture myself so that I can also heal and receive the acknowledgment and recovery all victims and survivors deserve. 

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    Anna: Did making the EP help you processing all of that?

    Jaguar Jonze: Yes definitely. It was a world I was able to escape into. Creativity for me in general helps me process all of these complexities. It allows me to be the best self in my every day. 

     
    “It took me four years to find the courage to release it.”

    Anna: Talking about the EP: The first release was the song DEADALIVE. It’s full of energetic and angry guitar riffs that make me think it came from a frustrating time in your life. What’s the background of that song?

    Jaguar Jonze: I wrote DEADALIVE with my bassist Aidan Hogg when we were stuck in New York after the world deemed COVID-19 a pandemic. We were confused, anxious and had no idea what to do, what was happening and how to get home. I finished the song when I returned back to Australia with COVID-19. The second verse explores the same emotions except this time, it was more in terms of my health and recovery.

    Anna: On this wide range of songs on this EP, which one was the one you enjoyed making the most?

    Jaguar Jonze: ASTRONAUT is one that I am really proud of. It took 4 years for me to find the courage to release ASTRONAUT and find the right arrangement for it. It was the first time I had written about my anxiety and so it is a super personal song for me. But it was also the most difficult song to make as I really tested the song across so many different arrangements.

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    “Being of mixed-race, I have so many stories that haven’t been shared”

    Anna: Falling a bit in love with both your music and you as an artist, I’m really interested in your plans for the future. Is there anything you’re excited for or maybe can tease a bit?

    Jaguar Jonze: While I was under hospital care with COVID-19, I wrote a conceptual/abstract short film to tie all the songs together for the EP. All of the music videos were created as a piece to that. I can’t wait to share the short film after the EP is released. I’m currently working on the sound design for it. It’s nothing too crazy but just something I had in mind. I can’t believe this whole project is nearly at the end, one year later. And thank you so much for the love, I am so honoured to have your support!

    Anna: With Untoldency, the last question always asks for an untold story. Something you haven’t shared in any interview before yet.

    Jaguar Jonze: I was held at the Mexico/US border once as they thought my Australian passport was fake and that I was trying to immigrate into the US.. or they wanted to just take all my money. I was still a teenager, so it was really scary. When I finally made it through the border, it was already really late at night. My bus had left without me and I had to hitchhike to the train station to then beg them to give me a ticket so that I could finally get home. I don’t know why this was the story that came to my head . But being of mixed-race, I have so many stories like this that haven’t been shared! 

     

    Hört hier in ANTIHERO rein:

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    Jaguar Jonze & Ribal Hosn

  • Low Island im Interview: »The album deals with the pressure to ‚have your shit together‘.«

    Low Island im Interview: »The album deals with the pressure to ‚have your shit together‘.«

     
    Low Island im Interview

    Heute führt es uns ins englische Oxford zu einer Band, die den eingeschlafenen Musikmarkt schon seit längerem aufrüttelt. Mit ihrer Genre-übergreifenden Mischung aus Rock, Indie und Elektronik haben Low Island schon viele überzeugen können. Jetzt haben sie endlich auch ihr Debütalbum released! Aufgenommen in Frankfreich, kurz vor Lockdown, haben Carlos, Jamie, Jacob und Felix direkt auch ihr eigenes Label gegründet. „If You Could Have It All Again“ handelt von Hoffnung und Chaos der vermeintlich verlorenen Zwanziger. Wir haben uns mit Bassist Jacob unterhalten über all das und mehr.

    Anna:  Hey, thanks for taking the time! With the world still being in that crazy state since last year, how are you feeling? How’s Lockdown in Britain?

    Jacob: Thanks for having us! It’s been a pretty gruelling winter over here to be honest, like I’m sure it has for you guys too! But there’s definitely a sense of optimism going around at the moment; certainly in the music world we’re seeing more and more bands announcing shows for autumn! Fingers crossed they can all go ahead.

    Anna: You do have some positive news too: your highly anticipated debut album If You Could Have It All Again is going to be released soon. How does it feel after 5 years of your band’s history to now, finally, release your first album?

    Jacob: It’s pretty momentous for us – a culmination of so much work and speculation. We’re so grateful to have the chance to share it, especially given the state of the world over the last year. There were definitely some dark moments where it looked like it might not happen!

    Anna: Talking about these 5 years of your band’s history: How did you guys meet and how was Low Island formed? And: If you could describe your band in five words, which would you choose?

    Jacob: We actually all grew up together, so we go way back! Playing in all sorts of musical projects together along the way. Low Island came about a time where some of us had been playing in indie bands, others DJing and scoring music for theatre. The band was a way of exploring all of these musical worlds within one project. Combining the live energy of dance music, the soundscapes od the theatre and the song-writing of indie music. That was definitely the aim anyway!

    If I were to describe it in five words it would probably be a phase we’ve used a lot over the years when trying to describe what we believe the ideal setting for our music is: “Late-night drives on the motorway”.

     
    “The hard thing is to accept this uncertainty as just a part of life”

    Anna: What can we expect from the album in musical terms?

    Jacob: The album mostly deals with the anxiety I think most people feel in their twenties: Self-doubt over the decisions one makes and the pressure to “have your shit together”. Everyone has these fork-in-the-road moments where they wonder if they made the right decisions. The hard thing is to accept this uncertainty as just a part of life and try not to give yourself a hard time about it! When we were putting the record together we were always trying to best convey these themes in the music. We hoped that the arrangements of the songs could re-enforce some of this meaning. The lyrics and the spirit of a song are fundamental if you want to connect with people, I believe. And if you can supplement this with a killer bass-line or some weird synths, all the better!

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    Anna: Every time I listen to it, I seem to have a different favourite song. Do you have one that sticks out to the most?

    Jacob: It’s always changing for me, too, but at the moment I’m really into the album close What The Hell (are you gonna do now?). I find it such a calming moment at the end of a rather intense album. I also like how one of the last lyrics moments on the record both asks and answers the question in the album title “if you could have it all again … another chance, it wouldn’t make a difference”. A kind of peaceful acceptance of anxiety that runs through many of the earlier songs.

     
    “If it all went to shit, then we’d only have ourselves to blame”

    Anna: Last year, you decided to found your own label. How did you come up with the idea?

    Jacob: We set up the label in summer of 2020 at a point where the world, and more specifically the music industry, had been consumed by uncertainty. We felt that our best chance of survival as a band was to drive the project entirely ourselves. And at the very least if it all went to shit then we’d only have ourselves to blame. It’s all very new to us at the moment. If You Could Have It All Again will be the first release on Emotional Interference so we’re learning on the job to an extent. It’s been a lot of work and a steep learning-curve but incredibly rewarding at the same time.

    Anna: Since you had a fully DIY-spirit behind the production of the album, what challenges did you face?

    Jacob: The record was entirely self-produced in a make-shift studio in rural France in early March last year, days before the world started shutting down. It was the first time we’d tried this method of creating music. By limiting yourself in terms of both equipment and time, you subsequently make different musical decisions than you may otherwise do. We wanted to explore whether this approach could helps shape the songs into something that could sound cohesive as an album. Obviously, the pandemic was a massive unforeseen challenge in finishing off the album. Carlos actually ended up doing all the vocals from his bedroom cupboard! But we count ourselves incredibly fortunate that we were able to finish it and now just can’t wait for it to be out in the world.

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    “I will always cherish my afternoon as a A-lister”

    Anna: I can only imagine how keen you must be to play live again. What part of touring and being on the road do you miss the most (and look forward to now)?

    Jacob: It sounds cliched but you miss everything about when it’s taken away, the good and the bad. Weirdly you find yourself pining for the 3am service-station coffees or a warm can of lager in the green room as much as you do to the show itself! For me, it is a huge realisation from the pandemic not to take live music for granted. When we’re allowed I want to get out and see as many bands as I can!

    Anna: At the end of every interview we ask for an untold story. Something you haven’t shared before in any interview.

    Jacob: At Latitude Festival in the UK, in our first festival summer as a band, we’d just opened one of the stages and thought we’d played pretty well. After the set, I kept having people coming up to me asking for selfies – an experience that was totally unexpected and new to me. I was pretty chuffed, I won’t lie. Happily walking around the festival confident that we must have absolutely knocked it out the park, only for my sudden, supposed fame to later crumble on learning all the people who had asked for photos had actually mistaken me for the bass player in Sigrid’s band, who had played directly after us and to whom my resemblance was undeniable. I will always cherish my afternoon as a A-lister though.

    Hört hier in das Debütalbum der A-Lister von Low Island rein:

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    Fotocredit: Matthew Cooper

  • NF zeigt mit „CLOUDS“ warum er mit das Beste ist, was amerikanischer Hip Hop zu bieten hat

    NF zeigt mit „CLOUDS“ warum er mit das Beste ist, was amerikanischer Hip Hop zu bieten hat

    Wir fühlen uns alle in unser Indie-Pop-Rock Bubble super wohl. Hier ist es ja auch einfach unfassbar gemütlich drin, ich lieb’s auch. Aber ab und zu geh ich mal raus gucken, was sonst noch so geht, und da geht so viel! Tatsächlich ist der Künstler hier einer meiner absoluten (und ich mein wirklich absoluten) Herzenskünstler. Noch bevor ich je eine Zeile über Musik geschrieben habe, hat jede Person in meiner Umgebung schon mal einen Monolog zu NF gehört. Jetzt ist er einer der meist gestreamten Künstler weltweit, hat mit seinem letzten Album vor zwei Jahren niemand anderen als Chance The Rapper von der Billboard-Spitze gestoßen und läuft trotzdem immer noch ein kleines bisschen unterm Radar. Macht euch bereit und welcome your next favorite rapper: NF.

     
    Rap mit mental health awareness

    NF. Einfach nur zwei Initialen hinter denen eine volle Wucht an Gänsehaut-Beats, heftigen Flows und ausgefeilten Lyrics stehen. Tatsächlich ist NF auch einer der wenigen Künstler, wo ich sagen kann: I was here before he was famous. Mit 15 Millionen Streams und 2,8 Millionen Insta-Followern kann man nicht mehr von einem Geheimtipp sprechen – oder? Auch ihr müsstet eigentlich alle Let You Down kennen, NFs erster internationaler Hit, der auch in Deutschland rauf und runter lief. Als ich das zum ersten Mal im Radio gehört hab, muss ich ganz ehrlich zugeben, war ich ein ganz großes bisschen stolz.

    NF ist zwar ein mittlerweile sehr erfolgreicher Musiker mit einer starken Fanbase, hat aber auch seine Päckchen zu tragen. Seine Lieder sind persönlich, immer ehrlich und zugegebenermaßen oft sehr traurig. Vor ein paar Jahren wurde er mit einer Zwangsstörung diagnostiziert, hat als Jugendlicher seine Mutter an Drogen verloren und kämpft schon lange mit Depressionen. Das sind alles Sachen, die ihn und seine Texte definieren, aber auch Sachen, die ihn gerade für seine Fans so herausstechen lassen. Dazu ist er noch ein ungemein privater Typ. Er kommt mit Social Media nicht so klar, fühlt sich in Interviews unwohl und mag diesen kleinen Hauch von Mysterium um seine Person. Trotzdem füllt er Hallen aus, sobald er auf Tour geht – weltweit. Und trotzdem verkauft er seine Alben und steht in den obersten Charts – weltweit. Er ist ein Underdog mit mental health problems, der trotz dem ansteigenden Druck immer weiter liefert.

     
    Head in the Clouds

    Eigentlich macht NF Konzept-Alben, erzählt eine Geschichte und geht damit auf Tour. Doch die Pandemie hat seine Pläne ein bisschen durchkreuzt und so hat er sich dazu entschieden, seine unveröffentlichten Songs in Form eines Mixtapes trotzdem zu veröffentlichen. Und das hat mein 2021 jetzt schon gerettet. Opener Song ist CLOUDS und das müsst ihr euch wirklich ansehen, um zu verstehen:

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    Es ist nicht übertrieben, wenn ich sage, CLOUDS ist cinematic. Der Aufbau, sowohl musikalisch als auch in seinem Flow, ist einfach unvergleichbar. Und das Musikvideo, es könnte eins meiner absoluten Lieblingsvideos sein. Diese Übergänge?? Alles an CLOUDS ist für mich einfach over the top unfassbar geil. Zugegeben, NF sieht unscheinbar aus, wie ein kleiner Emo-Rapper, dressed all in black. Aber das ist er ja auch. Und gerade deshalb wird er oft unterschätzt und muss sich Hate im Internet geben, weil er über Therapiesitzungen rappt anstatt über fette Autos und Weed. Weil er mehr schwarze Hoodies hat als Goldketten und mehr Selbstzweifel als Money und Bitches. Aber dann droppt er halt auch einfach solche Lines mit einem mehr als scheppernden Beat, der mir auch beim xten Mal noch Gänsehaut gibt:

    Who are you kidding?

    How could you doubt me, I’ve always delivered

    Rippin’ the teeth out of the back of my mouth’s the closest you get to my wisdom

    […] They cover they heads up whenever I drop

    Shake the whole industry, put them in shock

    Come out the clouds like a meteor rock

    Then land on the earth like “ready or not”

    Im gleichen Atemzug macht er aber auch klar, dass obwohl er so erfolgreich geworden ist, Hollywood und diese ganze Szene drum rum nichts für ihn ist. NF ist tatsächlich einer der wenigen erfolgreichen Künstler:innen aus den USA, bei dem ich keine Angst haben muss, dass er abheben könnte. Im Gegenteil, er hat sich das alles so hart erarbeitet und auch trotz oder gerade wegen seines Erfolgs noch mehr mit seiner mental health zu kämpfen gehabt, dass ich ihm alles von Herzen gönne. Er hat’s einfach völlig verdient. Und ihm bei seiner Reise zusehen zu dürfen, wie er Album zu Album immer besser wird, war, muss ich zugeben, auch einfach sehr besonders. Und ist es immer noch.

     
    “Just chew on this ‘til the records built”

    CLOUDS kündigte sein Mixtape Anfang des Jahres an und seitdem hab ich dem Release so sehr entgegengefiebert wie selten. Bevor ich irgendwelche anderen Songs an dem Release-Freitag gehört hab, lief NFs Mixtape ganze zwei Mal durch. Ich war so hyped, ich konnte nichts nebenbei machen. Hört euch den zweiten Song THAT’S A JOKE an und ihr wisst, wieso. Inhaltlich ist es ein slap für die gesamte Industrie und jede*n, die in ihn nicht als vollwertigen Spieler im Rap-Game sehen. Er reflektiert, wie hart er in den letzten Jahren gearbeitet hat und seine Musik dadurch stetig besser geworden ist.

    NF, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, untold music, nfrealmusic, nate feuerstein, clouds mixtape, paid my duesDas zeigt THAT’S A JOKE. Diese Power im Song – ich musste wirklich von meinem Schreibtischstuhl aufstehen, so geflasht war ich als ich es das erste Mal gehört hab. Mit Kopfhörern auf voller Lautstärke bin ich durchs Zimmer gesprungen und meine Katzen haben mich angeguckt, als wär ich verrückt. Allein mit der allerersten Zeile macht Nate klar, was Stand ist: I’m not on your radar? Then your radar’s broke. Und jap, unterschreib ich so. Das ist eine andere League, in der NF sich aufhält, es wird niemand so oft mit Eminem verglichen wie er und das zu Recht. Wie er zwischen verschiedenen Flows in nur einem Song switcht, ist einfach unfassbar. Allein in THAT’S A JOKE sind’s – ohne Refrain – sechs. Versucht da mit Genius-Lyrics mal mitzurappen, das geht gar nicht.

     
    Ein bisschen Melancholie und cinematische Musikvideos

    Während die ersten beiden Songs mich mit ihrer Power komplett weggefegt haben, zeigt der dritte Song die softe und melancholische Seite NFs. JUST LIKE YOU ist unterlegt mit einem Piano und einem vergleichbar sanften Beat. Inhaltlich geht es um die Angst, allein zu sein, ein Gefühl, das viele von uns, trotz so unterschiedlicher Leben, teilen. Nate philosophiert darüber wie klein das eigene Leben wirkt, wenn man den ganzen Tag Selbstzweifel vor sich herschiebt und denkt, man sei sowieso nicht genug, um glücklich zu sein. So krass, wie er auch abliefert, sind das die eigentlichen Kernthemen, mit denen Nate sich beschäftigt. Er hat so viel erreicht und kämpft trotzdem täglich mit den Stimmen in seinem Kopf, die sagen, das sei alles nicht genug. Mit JUST LIKE YOU versucht er, anderen, die sich so fühlen, die Hand zu reichen, und zu zeigen, dass sie in dem Gefühl des Allein-Seins nicht allein sind.

    Der nächste Song STORY ist komplett anders zu allem, was NF bisher gemacht hat. Wer sich vorhin das Video zu CLOUDS angeguckt hat, müsste schon den Eindruck bekommen haben, dass der Typ ein Gefühl für geile Musikvideos hat. Und das stimmt auch, alle Musikvideos von NF sind durchdacht und viel mehr als nur eine visuelle Untermalung des Songs. STORY greift diese Liebe auf und macht aber einfach mal einen kleinen Mini-Film draus. Ohne das Video wirkt STORY musikalisch zuerst ein bisschen off, ergänzt sich aber visuell auf eine beeindruckende Weise. Nate verschwindet in einer ausgedachten Narrative einer Frau, die Zeugin eines Raubüberfalls wird. Ist ein bisschen dark, aber ich hab selten ein Musikvideo so gespannt geguckt wie dieses. Absolute Gänsehaut und ich kann’s euch auch wirklich nur ans Herz legen, es ist ne kleine Erfahrung.

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    Mit voller Power und fetten Features in eure Playlists

    Anzumerken an dieser Stelle ist, dass unsere Vorstellung der Länge eines Mixtapes nicht der von NF entspricht. CLOUDS beinhaltet ganze 10 Songs. Was für andere mittlerweile eine solide Albumlänge geworden ist, ist für NF ein Mixtape für zwischendurch. Ebenfalls anzumerken sind die Features. Mit Hopsin hat er einen auch absolut fantastischen Rapper mit auf meinen Radar geholt, der da vorher nicht da war. Mit Tech N9ne wiederum hat er sich etabliertes Talent dazu geholt. Wer ein bisschen im Hip Hop unterwegs ist, kam vor allem früher nicht um ihn herum. Beide Features fungieren nicht als Füller auf den Songs, sondern komplementieren sie auf einer Weise, die man einfach feiern muss. LOST und TRUST fügen sich deshalb nahtlos in den neuen Musik-Content von Nate an.

    LAYERS zeigt NFs wortwörtliche Layers und gibt uns einen Haufen an Flow-Variationen. Aber auch der Beat hält einen von Sekunde eins am Ball. Wenn ich mir vor Augen führe, dass das nur die Songs sind, die bei ihm so rumlagen und er schon am Arbeiten für’s Album ist, bin ich echt kurz ein bisschen sprachlos. DRIFTING ist wieder ruhiger und vielleicht mein versteckter Lieblingssong auf dem ganzen Mixtape. Erinnert mich alles sehr an die alten „Emo“-Zeiten und treffen deshalb nochmal ganz andere Nerven auch bei mir. Wenn das am Ende dann alles nochmal so intensiv explodiert –

    Zum Schluss, und ich bin wirklich sehr aufgeregt, das zu sagen, hat NF keinen anderen Song als PAID MY DUES mit raufgepackt. Hab ich gerade gesagt, DRIFTING sei mein Lieblingslied? Scratch that. PAID MY DUES ist nochmal ein absolut ganz anderes Level und to date, trotz den genialen neuen Content, mein Top1 Lied von NF. Es kam (mit genialem Musikvideo) 2019 als eigenständige Single raus, nachdem sein Album The Search Chance The Rapper von der 1 gestoßen hat. Mit diesem Erfolg kam auch super viel Hate, vor allem aus der Musikindustrie selbst. Artikel und Rezensionen, die sein Album auseinandernahmen, ohne sich eigentlich mit ihm auseinanderzusetzen. PAID MY DUES ist die absolut beste Antwort, die NF da hätte geben können. Auch wenn ihr bis hierhin alles nur überflogen habt und Rap eigentlich nichts für euch ist – bitte hört euch das an. Es zerreißt wirklich einfach alles.

    Und damit hör ich auf, denn PAID MY DUES kann man einfach nicht toppen.

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    (Nachgeschobener Tipp an alle, die durch diesen Artikel NF zu ihren Playlisten zufügen sollten – eignet sich alles sehr für eure Workout-Playlist. Auch das alte Zeug, das ist alles >>)

  • Twenty One Pilots und ihre neue Single „Shy Away” – Was wirklich dahintersteckt

    Twenty One Pilots und ihre neue Single „Shy Away” – Was wirklich dahintersteckt

    Diese Single Review schreibe ich genau 3 Stunden nach Release, an einem durchschnittlichen Mittwoch-Abend. Aber nichts an diesem Mittwoch-Abend ist durchschnittlich. Denn was sich lange angebahnt hat, ist endlich passiert: Twenty One Pilots haben ihre neue Single veröffentlicht. Und ich hör sie seit den 3 Stunden auf Dauerloop. Warum Shy Away musikalisch mit das Beste ist, was 2021 passieren konnte und was Twenty One Pilots da wirklich an metaphorischen Welten mit dem Song ausbauen, lest ihr jetzt. 

     
    Welcome to the new era – A Deep Dive

    Eine Sache, die man über Twenty One Pilots wissen muss, ist, sie bringen nicht einfach nur Musik raus. Wer sich ein ganz kleines bisschen mit der Band auseinandergesetzt hat (über Stressed Out hinaus), weiß, dass sie eine super enge Bindung zu ihren Fans haben. Seit ihrem Album Blurryface verpacken sie ihre Musik in einem größeren Kontext. Mit versteckten Metaphern und ganzen Handlungssträngen erwecken sie fiktive Charaktere zum Leben und interagieren auch selbst mit dieser Welt. Ich bin zugebenermaßen erst seit ihrem letzten Album Trench völlig dabei. Aber einmal „meaning of trench“ in YouTube eingegeben, kommt ihr in einen Tunnel aus Fan-Theorien zum Album, die euch einfach nur baff vor dem Bildschirm sitzen lassen. Vorab-Warnung für alle, die sich nicht für codierte Nachrichten und Easter Eggs begeistern lassen – ihr dürft runter scrollen, denn hier kommt jetzt ein ganzer Input der Welt hinter Trench und wie sich die neue Ära anschließt.

    Also, absoluter Deep Dive jetzt: Schon in Trenchs Vorgängeralbum Blurryface steckte viel mehr drin als nur Stressed Out – nämlich Vorahnungen auf die Welt, die sich uns erst erschließen sollten. Vor Release von Trench tauchten mystische URLs auf, die zu einer Website leiteten. Die kryptischen Nachrichten auf dieser Website waren Nachrichten von Clancy, einem fiktiven Charakter. Eingebettet war auch eine Karte von DEMA, einer Stadt, die von neun Bischofs regiert und kontrolliert wurde. Clancy war in dieser Stadt gefangen und beschreibt in seinen Briefen, wie er selbst alles rund um DEMA erst zu verstehen beginnt. Aus den kryptischen Nachrichten entschlüsselte sich unter Anderem auch EAST IS UP, Lyrics aus späteren Songs. Wenn man das auf die Karte anwandte und sie mit Osten nach oben drehte, richteten sich die neun Bischofs in der Mitte mit den Kreisen vom Blurryface Cover aus und somit auch mit den einzelnen Songs auf dem Album.

    Still with me? Ich muss zugeben, ich hab mich zwischendurch auch kurz nochmal verloren. Aber das hat alles einfach so viele Ebenen. So wie auch das letzte Musikvideo der Band aus der Blurryface-Ära, Heavydirtysoul die ganze Geschichte schon andeutete. Dort sieht man wie Tyler, der Protagonist, der uns allen Einblick in die Welt hinter den Songs gibt, aus DEMA flüchtet. Das Musikvideo zu Jumpsuit, der ersten Single aus Trench, knüpft genau dort an und begleitet seine Flucht. In den weiteren Musikvideos zu Nico and the Niners und Levitate wird diese Story visuell festgehalten, also wer Bock hat, hier einfach durchklicken:

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    Tatsächlich empfehl ich euch diese Videos wirklich, weil dann das, was ich hier so vor mir rumerzähle, auch viel mehr Anhaltspunkte für euch hat. Um es aber schlicht zusammenzufassen: Jeder Akteur in dieser Geschichte stellt etwas Metaphorisches dar. DEMA könnte unsere eigene aus Dämonen geformte dunkle Gedankenwelt sein, die man betritt, wenn man mit mental illness kämpft. Die Bischofs beschützen und kontrollieren diese Stadt, könnten demnach für die Manifestierung unserer Unsicherheiten und Zweifel stehen. Die Banditos, die Tyler bei der Flucht aus DEMA helfen, tragen Gelb, was der ganze Farbcode der Trench-Ära ist und für Hoffnung steht. Trench selbst ist der Ort, den wir durchqueren müssen, wenn wir DEMA verlassen, aber noch nicht ganz auf der anderen Seite sind – das Zwischendrin sozusagen. Die Identität von Clancy ist noch immer viel umstritten, könnte aber für jede Person stehen, die in DEMA gefangen ist und einen Weg raussucht.  

     
    Scaled And Icy – Clancy Is Dead

    So weit, so gut. Doch wie knüpft hier das neue Musikvideo zu Shy Away an? Nach außen hin war es ein überraschender Release der Band, aber die Fanbase brennt schon seit Wochen. Ihr Banner auf Twitter hat so langsam die Farbe gewechselt und wurde immer blasser, bis ihr Bandlogo genau eine Woche vor Release ganz verschwunden war. Dann kursierten erste Gerüchte einer neuen Website rum, die verkündigte, dass Clancy tot ist. Was dann folgten war ein vermeintlicher Albumname, Leaks einer Tracklist, Live-Stream Daten und erste Promobilder des neuen Albums: Alles unter Vertrieb der DMAORG* wenn man genauer hinsieht. Und warum das erst die ganze Story so richtig in Gang bringt, erzähl ich euch jetzt.

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    Album Artwork

    Ich könnte jetzt wirklich Millionen Theorien runterschreiben, die sich in den letzten Tagen ergeben haben (Discord ist a rabbit hole). Aber das wäre vielleicht doch ein bisschen viel. Aber ich bin so aufgeregt!! Alles hat eine tiefere Bedeutung und ist einfach so durchdacht. Wo wird man mit Musik noch so entertained? Bottom Line für Shy Away ist aber: Tyler ist zurück in DEMA und das neue Album ist pure Propaganda für die Gefängnisstadt. Der Albumname Scaled And Icy ist ein Anagramm für Clancy Is Dead. Und auf dem Cover für die Weihnachtssingle Christmas Saves The Year letztes Jahr war die Nachricht „SAI is propaganda“ versteckt. SAI – Scaled And Icy. Alles einfach nur 🤯


    Ebenfalls super suspekt ist den Fans das Aussehen der beiden. Promofotos und auch andere Interviews von Twenty One Pilots waren bisher immer mit Josh links und Tyler rechts – jetzt ist es umgekehrt. Für die Flucht aus DEMA hat sich Tyler die Haare damals abrasiert – jetzt trägt er sie lang. Und beide scheinen Sachen um ihren Hals zu tragen, die, wie damals bei Blurryface, für die Kontrolle von außen zu stehen scheint. Dazu noch das Wording, das neue Logo und die bunten Farben – alles ganz und gar nicht Twenty One Pilots. Außer sie sind zurück in DEMA und werden für Propaganda Zwecke missbraucht.

    Falls ihr euch jetzt denkt – was hab ich gerade gelesen??? Dann same. So fühl ich mich. Ich finde es aber beyond faszinierend, dass diese weltbekannte Band neue Musik veröffentlicht, nach außen gefeiert wird, und es aber eine absolute Parallelwelt nur für ihre Fans zu geben scheint. Erzählt mal jemanden, das neue Twenty One Pilots Album ist Propaganda für DEMA und Clancy ist tot. Die gucken euch an wie ihr mich jetzt wahrscheinlich. Aber wie spannend ist diese Geschichte auch, wenn man sich die Zeit nimmt, sie zu erklären??

     
    2000s-Indie called, es will seine Hits back

    Und damit komm ich auch endlich zum Musikalischen. Shy Away ist einfach nur geil. Twenty One Pilots wissen einfach, wie man liefert. Ich bin ihnen wirklich musikalisch absolut erlegen, sie hätten droppen können, was sie wollen, ich hätte es gefeiert. Aber Shy Away??? Toppt jegliche Erwartungen. Ich bin in Gedanken wieder 14, höre The Kooks und springe durch mein Zimmer. Unten beschweren sich meine Eltern und ich dreh den Indie-Rock auf meinen Boxen lauter. Genau das ist Shy Away. Es hat so einen unvergleichbaren 00s Vibe, dass ich 10 (hypothetische) Euro wette, dass ihr’s auch nur lieben könnt. Auch wenn ihr beim ersten Teil des Artikels nur so Hä was will sie gedacht habt, alles egal. Shy Away ist tanzbarer Indie at its finest und ihr würdet es bereuen, nicht reinzuhören.

    Und er hat so viele Ebenen! Von der absoluten Ohrwurm-Hook bis hin zu dem Emo-Rock Drittel am Ende lässt es mich so-viele-Dinge fühlen. Tyler screamt!! Ich bin Mitte zwanzig und meine gesamte Gefühlswelt steht Kopf. Wenn ich Shy Away höre, sind mir auch die etlichen Bedeutungstheorien hinter dem Song und der Ära absolut egal. Es ist mir egal, dass wir uns immer noch in einer Dauer-Pandemie befinden und ich das nächste Mal Live-Konzerte 2023 erleben darf. Mir ist egal, dass es ein Schneesturm durch ganz Deutschland fegt und ich noch zwei Erwachsenenbriefe an meine Krankenkasse schreiben muss. Twenty One Pilots sind zurück und das mit voller Power.

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    Fotocredit: Ashley Osborne

  • Open Diary: 4 Monate mit Untoldency

    Manchmal macht man Sachen, die fühlen sich einfach richtig an. Hätte mir jemand vor 2 Jahren gesagt, ich würde mal Artikel über Musik schreiben und andere Leute würde die lesen, hätte ich dem nicht viel Glauben geschenkt. Es fühlt sich noch immer sehr komisch an, mich selbst als Musikjournalistin zu sehen. Immerhin ist das nur ein Hobby, oder? Im Corona-Jahr ein Musikmagazin innerhalb von 3 Wochen zu gründen ist schon crazy genug. Nach nur 4 Monaten schon von über tausend Menschen begleitet zu werden, die interessiert, was wir machen und über Untoldency neue Musik entdecken, das ist beyond crazy. Was euch hier erwartet, weiß ich auch noch nicht, aber seht es als meinen Versuch zu verarbeiten, wie sich mein Leben im letzten halben Jahr um 180° gewendet hat. Dank euch. (Ja, heute wird es cheesy).

     
    Tausend!!!

    Als wir Untoldency gegründet haben, haben Jule und ich nicht gedacht, dass wir so schnell so wachsen würden. Es fühlt sich jetzt, 4 Monate nach Gründung, immer noch surreal an. Unser Start war geprägt von toxischen Dramen und so unangenehm das auch war, so sehr sind wir dadurch zusammengewachsen. Wir haben anstatt uns davon einschüchtern zu lassen, einfach alles selbst in die Hand genommen. Während ich mich zur Webdesignerin durchgeschummelt hab, hat Jule die technische Struktur aufgebaut, die alles hier zusammenhält. Braucht ihr ein Girl zum Website-Bauen, ich kann’s jetzt – YouTube sei Dank. Rückblickend war es wahrscheinlich die stressigste und irgendwie auch schönste Zeit aus 2020. Wir wollten alles neu machen und einen frischen, positiven Touch in die Musikszene bringen. Und das Verrückte an der Sache ist: Wir haben das wirklich geschafft. Mit euch. Über 1000 Leser:innen im Monat und Instagram-Follower:innen, da muss ich auch kurz mal emotional werden.

    Tausend!!! Was für eine verrückte Vorstellung. Als ich mich nach dem Abitur entscheiden musste, was ich mache, habe ich mich eigentlich gegen die Richtung des Journalismus entschieden. Ich habe schon immer viel und gern geschrieben, aber für mich war das irgendwie immer mit Existenzminimum assoziiert: Ein Freelance-Job an der Grenze zum Nicht-Überleben. Also habe ich Soziologie studiert (ich sehe die Ironie). Aber nachdem ich auf Jobmessen immer nur die Werbegeschenke abgesammelt habe (da gibt’s den verrücktesten Scheiß), und immer noch nicht wusste, wohin ich eigentlich will, war ich schon knee deep in meiner quarterlife crisis. Wenn dazu noch ein Pandemie-Jahr wie 2020 kickt und alles Übrige unter den Füßen wegreißt… Und trotzdem haben wir inmitten all dem Chaos etwas extrem Geiles ins Leben gerufen. Wir sind zugegeben mit ein bisschen Netzwerk-Hilfe gestartet (Liebe an euch alle), aber dass es so schnell zu tausend (tausend!!!) Leuten wächst – absolut unvorstellbar.

     
    Wir haben etwas Besonderes

    Auch wenn es nur Zahlen sind, die im Internet kursieren, sind es trotzdem Menschen hinter diesen Zahlen. Wenn ich mir die alle auf einem Haufen vorstelle, werd ich fast ein bisschen nervös. Aber gleichzeitig will ich jeder Person in diesem Haufen Danke sagen. Danke, dass ihr uns interessant genug findet, um da zu bleiben, dass ihr genauso viel Leidenschaft für Musik habt wie wir und all den Newcomer:innen da draußen ein Ohr bietet. Und dass wir zusammen was wirklich Positives für die graue Musikszene schaffen, in der alles so kurzlebig ist und voller Konkurrenz. Klingt cheesy, ist aber wahr. Ich hab jeden Tag das Gefühl, mit Untoldency etwas Besonderes ins Leben gerufen zu haben. Wo woanders nur Copy Paste Pressetexte ins Internet gehauen werden, sagen wir euch hier genau, was die Musik mit uns macht. Als würden wir es unseren besten Freund:innen erzählen. Denn (Achtung: cheesy), genau das seid ihr.

    Wir haben in dieser kurzen Zeit auch so viele tolle Menschen kennengelernt. Von den Leuten, mit denen wir arbeiten dürfen, bis hin zu den absolut tollen Künstler:innen, die uns nah ans Herz gewachsen sind. Ihr wisst, wer ihr seid (auch ein Satz, den ich irgendwie schon immer mal sagen wollte). Euer Feedback führt uns immer wieder vor Augen, dass es sich lohnt, was wir machen. Auch wenn es nach außen immer sehr professionell wirkt (wir geben uns Mühe), ist es Stand jetzt immer noch ein Hobby. Alles, was wir hierfür machen, ist unbezahlt und in unserer Freizeit. Dass das ein Problem von vielen Musikblogs und Journalismus allgemein ist, weiß jede Person, die sich ebenfalls in dieser Position befindet oder mal befand. Auch wenn das grundsätzlich natürlich nicht optimal ist, ist es etwas, was wir gerade in Kauf nehmen. Weil die andere Seite sich so sehr lohnt.

     
    Unbezahlter Musikjournalismus, er lebt.

    Für viele Menschen ist „Musikjournalismus“ ein nicht wirklich greifbarer Begriff. Und ey, ich hab das auch nicht studiert, so richtig weiß ich es auch nicht. Um euch aber mal hinter die Kulissen zu nehmen, kann ich ja ausführen, wie ich ihn innerhalb der letzten Monate versucht habe, für mich selbst zu definieren. Gerade ist er zeitlich begrenzt auf abends im Bett, weil der Rest des Tages die Erwerbsarbeit ansteht (ja, this girl ist nicht mehr arbeitslos). Aber bis auf diese unprofessionelle Zeit, strukturiert sich der Rest schon relativ professionell. Es werden Mails beantwortet, interne Sachen besprochen, neue Projekte geplant und Artikel geschrieben. Recherche zu jedem Song und Künstler:in, Vor- und Nachbereiten von Interviews, viel Musik hören, immer auf dem neusten Stand mit allem bleiben. All das sind Dinge, die man sich in jede freie Stunde des Tages quetscht. Unbezahlter Musikjournalismus, er lebt. Er macht aber auch Spaß.

    Allgemein ist das Musikbuisness unfassbar kurzlebig. Alles soll immer direkt zum Release kommen und jede News eingebettet werden. Und auch wenn die meisten Agenturen und Menschen, mit denen wir arbeiten, das wissen und nachsichtig in der Kommunikation sind, so ist der Druck immer da. Weil sie ihn ja auch selbst verspüren. So wie die Künstler:innen ihn an allererster Stelle spüren. Alles hat seinen Peak in der Release-Woche und danach soll schon der Erfolg abzulesen sein. Wir sind einfach nur ein Mitglied der Kette, das von diesem kurzlebigen Druck der Musikszene lebt. Und diesem wollen wir entgegenwirken.

     
    Für einen Touch mehr Liebe

    Natürlich arbeiten wir auch zeitaktuell, denn uns dem Ganzen komplett entbinden können und wollen wir ja auch nicht. Aber wir nehmen uns die Zeit für die Songs. Für die Künstler:innen hinter den Songs. Wir können deshalb zwar nicht über alles schreiben, dafür aber ausführlicher und persönlicher. Denn wenn Musik was ist, dann doch persönlich. Es ist das, was jede:r Musiker:in mit ihrer Musik erreichen will: Menschen zu berühren und ein Teil ihrer persönlicher Reise zu werden. Wir haben hier nur das Ego zu hoffen, dass die Songs, die uns berühren, auch euch berühren könnten.

    Es gibt so viel wahnsinnig gute und ungehörte Musik da draußen, dass uns es schon eine Ehre ist, die euch hier jeden Tag vorstellen zu dürfen. Mit Untoldency haben wir eine kleine Herzens-Plattform erarbeitet, auf der wir das, was uns die Künstler:innen mit ihrer Musik geben, zurückgeben können. Mit den new untold releases haben wir auch eine New Release Playlist, auf der wir jeden Sonntag die besten neuen Hits der Woche für euch ganz kompakt ans Herz legen. Mir ist bewusst, dass dieser Satz nach schamloser Eigenwerbung klingt (ist es ja auch), aber auch in dieser Playlist legen wir jede Woche eine Menge Liebe rein. Auch weil wir nicht über jeden geilen, neuen Song schreiben können – hier habt ihr jede Woche ein persönliches Durchstöbern der von uns approvedten Releases.

     
    Be kind.

    Genug Eigenwerbung. Ich drifte ja auch schon wieder ein bisschen ab. Was mir eigentlich super wichtig war, ist ein Danke an uns selbst (Ha). Nein, aber ernsthaft. Untoldency sind ja nicht nur Jule und ich. Untoldency hatte von Anfang an ein absolut sensationelles Team. Ohne Kim und Paul hätten wir es nicht geschafft, dass bei uns alles so geil aussieht, wie es aussieht. Paula hat uns all the way from Finnland mit der Untold Tea Time beschenkt: ein IGTV-Format, in dem sie Künstler:innen wie Fejwar, Kaffkiez oder Paul Weber ein bisschen zu ihrem Tee und mehr ausquetscht. Franzi, Evelin, Dascha, Lukas und Julia sind die süßen Menschen, die euch mit all den Artikeln versorgen. Auch sie investieren so viel Zeit in dieses Projekt, dass ich echt auch hier einfach nochmal Danke sagen möchte. Und nicht zu vergessen Helen, die für euch in einem Coming Soon Kontext super spannende und geile Sachen umsetzen wird.

    Alle zusammen sind wir Untoldency und wer weiß, vielleicht ist ja eine:r von euch auch bald dabei (ja, das ist ein kleiner Hint darauf, dass wir bald weitere redaktionelle Unterstützung suchen). Denn – es fängt gerade erst an. Es ist ein weiterer Grund, warum mich dieser 1K-Meilenstein nach so kurzer Zeit so glücklich macht. Er bestätigt, wie viel Luft nach oben da noch ist. Unsere kleine Indie-Bubble ist so musikblogfreundlich, dass es uns wirklich jeden Tag das Herz erwärmt. Es fühlt sich einfach super schön und aufbauend an, ein Teil davon zu sein. Und die Vorstellung, dass wir erst angefangen haben, mit all den tausend Plänen, die uns im Kopf rumschwirren, ist schon ein bisschen überwältigend. Aber auch ziemlich geil.

    Und damit schließ ich ab oder? Ist ja auch genug Gefühls-Duselei für so ein Open Diary. Vielleicht hab ich euch ja einen kleinen Einblick hinter die (emotionalen) Kulissen gewährt und ihr fandet‘s interessant. Mögt uns jetzt ein bisschen mehr und empfiehlt uns an euren Freundeskreis? Nein? Auch okay. Aber be kind. (Und folgt uns hier auf Instagram). (Spaß).

    (Link ist hier).

  • Florence Arman schafft mit “Out of the Blue” eine Indie-Pop Hymne über den Break Up einer Freundschaft

    Florence Arman schafft mit “Out of the Blue” eine Indie-Pop Hymne über den Break Up einer Freundschaft

    Irgendwo zwischen Phoebe Bridgers und Feist – so kann man die Musik der britischen Newcomerin Florence Arman beschreiben. Melodischer Indie-Pop, den man nicht an sich vorbeigehen lassen will. Mit ihrer neuen Single „Out of the Blue“ beweist sie, dass sie musikalisch das Potential für ganz oben hat. Und obendrauf ist sie auch eine unfassbar sympathische junge Künstlerin. Wie sie diesen Eindruck entstehen lässt und warum das Musikvideo zur Single das vielleicht lustigste ist, das ich dieses Jahr gesehen hab, lest ihr jetzt.

     
    Verletzlichkeit im Indie-Pop Gewand

    Out of the Blue erzählt die Geschichte einer verlorenen Freundschaft. Doch anstatt es in einer intimen Ballade zu verpacken, zaubert uns Florence Arman eine zuckersüße Melodie ins Ohr. Es sind locker-leichte Indie-Pop Melodien wie diese, die ich, einmal gehört, wochenlang im Ohr summen habe.

    One day, maybe when I’m older

    And a little wiser, I’ll get over you

    But until then I wish you the best, friend

    Hope that one day you’ll show up out of the blue

    Tatsächlich trifft mich das Lied aber inhaltlich wirklich ziemlich. Zerstrittene Freundschaften, vor allem beste Freundschaften, sind etwas, über das man leider nie so redet wie über beendete (romantische) Beziehungen. Dabei ist es, wenn es passiert, irgendwie fast schlimmer. Jede Person, die schon mal ihren besten Freund oder beste Freundin verloren hat, weiß das. Sowas zu verarbeiten, dauert, und genau wie bei Florence, trifft es einen manchmal aus dem Nichts: Im Studio macht sie sich, britisch wie sie ist, einen Tee und sieht die Tasse mit dem Namen drauf. Für sie war das der Breaking Point, der sie zum Schreiben des Songs veranlasst hat:

    “At the time, I was having a hard time getting over a friendship that had ended in a very mysterious way and in that session when we took a little break, I went to make myself a cup of tea in the studio kitchen. I picked up a mug from the shelf that happened to have this friend’s name on it (not such a coincidence with hindsight, he has a pretty generic name). Then I had a little cry on the loo and wrote down a bunch of stuff I needed to get off my chest, and that became a large part of lyrics.”

     
    Kurzer Deep-Talk Einschub

    Freundschaften wachsen über Jahre, werden enger je mehr Sachen man miteinander durchlebt. Sie sind was unfassbar Starkes, aber irgendwie auch unfassbar zerbrechlich. Wenn sich das eigene Leben durch Umziehen, Karriere oder andere Interessen ständig verändert, fällt es manchmal schwer, an den Jahren festzuhalten, die die Freundschaft so geprägt haben. Ich würde nie wieder 14 sein wollen (god no), aber ich hatte viele Freundschaften, die ich jetzt nicht mehr hab. Was ja irgendwie einfach Teil des Lebens ist (ich hör mich an wie meine Mutter), trifft aber bei den Freundschaften, die deeper waren als einfache Schulfreunde, mehr. Die Person zu verlieren, der man jahrelang alles anvertraut hat und die man einfach unglaublich mag, ist ein Heartbreak. Wenn es dann auch noch, wie bei Florence, auf Weisen passiert, die ihr nicht mal erklärt werden – Danke für nichts, würde ich mal sagen.

    Okay, damit beende ich auch meinen kleinen eingeschobenen Deep-Talk über verlorene Freundschaften und geh wieder über zum Song. Oder noch besser, direkt zum Musikvideo. Da könnt ihr (1) den Song direkt hören, und (2) auch sehen, warum mir Florence Arman mit jedem neuen Song mehr ans Herz wächst. Es ist einfach wirklich zu sympathisch und lustig, um es nicht zu gucken:

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    Florence Arman präsentiert: How-To-Go-On-A-Run-After-Your-Friend-Breaks-Up-With-You

    In dem Musikvideo zu Out of the Blue hat sich Florence was einfallen lassen, das nach außen hin sehr amüsant wirkt. Für diesen Kontrast alleine muss man sich das Video eigentlich angucken. Florence kombiniert Alkohol, Zigaretten und Schokolade mit Joggen. Was sich komplett absurd anhört, ist es auch. Doch manchmal wird es absurd, wenn man über etwas hinweg kommen will, es trotzdem nicht komplett aus seinem Kopf bekommt. Es gibt also den symbolischen Versuch des Neustarts, der immer wieder von aufkommenden Lastern überschattet wird. Und das war auch hinter der Kamera lustig:

    “The worst scene to shoot was the chocolate eating scene. I had been looking forward to that scene because I bought Oreo chocolate in eager preparation, and didn’t realise I accidentally bought Oreo mint (!) chocolate. I don’t know what kind of a sadist thought this would be a good flavour, but it made me feel so sick, especially because we had to shoot it a bunch of times. But the beer scene definitely made up for it. That of course we had to film a few times too, every time opening a fresh can of beer, and by the end we had many many beers to finish, so we sat on a park bench and drank all of them, feeling slightly ashamed but had the best time ever. All in all it was a fantastic experience, even though I felt very sick most days (I don’t drink or smoke).”

    Pro Tipp von Florence also: niemals Oreo-Mint kaufen (gibt’s hier aber glaub ich eh nicht). Und beim Joggen immer ein Bier mitnehmen, was man danach mit seinen Freunden auf der Bank trinken kann.

    Zusätzlicher Pro Tipp von mir: Out of the Blue von Florence anhören und mitsummen.

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    Fotocredit: Marcella Ruiz Cruz

  • KOKO x Nina Chuba x Dillistone wecken uns mit “22s” aus der Lockdown-Müdigkeit

    KOKO x Nina Chuba x Dillistone wecken uns mit “22s” aus der Lockdown-Müdigkeit

    Ladies, Gentleman and Nonbinaries: auch wenn wir uns noch mitten im Lockdown befinden und alles langsam aber sicher auf die Mentalität einschlägt – wir haben wieder einen Grund zum Feiern. Dieser Grund ist Musik und in diesem Fall ist es ein Song, der unseren krummen Rücken und die Couch-eingesessenen Muskeln wieder anspannen lässt. Die absolut geniale Kombination dreier Acts macht es möglich: Bristoler Energie-Trio KOKO, Hamburger Sängerin Nina Chuba und Produzent Dillistone. Zusammen haben sie mit ihrer neuen Single „22s“ vielleicht meine Power-Hymne des ersten 2021-Quartals geliefert.

     
    Chipsreste von der Couch, it’s party time

    Ich sag’s euch wie’s ist: House, Elektro, Techno, das ist alles wirklich nur sehr grenzwertig mit meinem Musikgeschmack kompatibel. Deshalb auch meine anfängliche Skepsis, als ich mir folgenden Song zum ersten Mal angehört habe. Aber – ich find’s einfach nur geil. Seit Release vor zwei Wochen hör ich es eigentlich mindestens einmal am Tag. Vor allem in Momenten, in denen man einen kleinen Push braucht, funktioniert er einfach top. Beim Sport machen, Abwaschen oder einfach nur, um den Homeoffice-Alltag zu brechen. „22s“ ist eine Anti-Hymne gegen Erwartungen in einer Beziehung, ein Stehen zur eigenen Imperfektion. Alles ist ziemlich close zu einem Desaster und voller Frustration. Diese Frustration in einen Song zu verpacken, der genauso vielschichtig ist wie KOKO, Nina Chuba und Dillistone, haut mich tatsächlich immer noch ein bisschen von der Couch. Im wahrsten Sinne des Wortes.

    Bevor ich den Song musikalisch aufarbeite, erst mal ein bisschen über die Künstler:innen selbst: KOKO sind ein Trio aus Bristol, UK und veröffentlichen seit 2019 Musik. Getroffen haben sie sich auf einer Party, ohne sich vorher zu kennen, und seitdem verstehen die drei sich so gut, dass sie als KOKO düsteren Elektro Alt-Pop veröffentlichen, der ins Ohr geht und bleibt. Mit zwei EPs 2020 haben sie einen ersten Eindruck hinterlassen und bewiesen, dass sie vor allem über etwaige Genre-Beschreibungen hinaus funktionieren:


    „We wanted to create a hybrid sound and not be too pigeonholed by the label of a genre. We write depending on our mood that day. That’s probably why people never know what we are going to offer up next.”


    Nina Chuba sollte man ebenfalls auf dem Schirm haben, vor allem wenn es um neue Impulse in der deutschen Hip Hop Szene geht. Wenn auch auf Englisch, ist jeder neue Song eine weitere Ansage für die manchmal eingeschlafene Musikindustrie. Auf 22s beweist sie erneut, wieso. Ihr zur Seite steht Dillistone, ein Produzent aus Dänemark based in Berlin. Er hat letztes Jahr auch unter Anderem Yellow Hearts mit aniis veröffentlicht.

     
    Nina Chuba brings a gun to knife fight – and it’s loaded

    Von der UK über Deutschland und Dänemark – zusammen haben KOKO, Nina Chuba und Dillistone eine Kollaboration zustande gebracht, die mich wirklich von Sekunde eins an überzeugt. Und damit sind wir (endlich) beim musikalischen Teil dieser Review. Macht euch bereit auf volle Bässe und eine gelungene Mischung aus Elektro, Dance und Hip Hop.

    KOKO steigen auf dem anfangs bisschen leiser gedrehten Beat ein und zeigen, wohin es hier stilistisch geht. 22s baut sich immer weiter auf, wird zur Bridge ein bisschen ruhiger und, sorry für den etwas hilflosen Ausdruck, ballert zum Refrain dann völlig rein. Dieser Beat, ich kann den Hut schon gar nicht mehr vor Dillistone ziehen, weil ich mittlerweile wirklich nur noch am Tanzen bin. 22s lässt mich Clubs vermissen wie selten ein anderer Song und legt gleichzeitig ein bisschen Balsam auf diese nun schon seit einem Jahr offene Wunde. Dabei ist der beste Part noch gar nicht erreicht, der beste Part kommt erst jetzt: Entry Nina fucking Chuba.

    Falls ihr von Nina bis jetzt noch nie was gehört habt, werdet ihr nach eurem Part komplett baff dasitzen und euch fragen, warum. Jedenfalls hab ich das. Alles an ihrer Strophe ist absolute Bad Bitch Power und ich lieb’s.


    I bring a shotgun to a knife fight and it’s loaded.
    I’m all bad, bad decisions the bad way to cope with ‘em, yeah
    I do a hundred mile an hour out on black ice just to feel nice,
    I got problems and I made ‘em myself
    They are my babies and I love them, I love nobody else


    Wenn das keine Bars sind, die sagen „Nina Chuba rules„, dann weiß ich auch nicht.

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    Fazit

    Fazit ist, ihr müsst euch jetzt „22s“ anhören. KOKO, Nina und Dillistone haben ihre ganze Energie in diesen Song gesteckt, um uns in diesen ermüdenden Zeiten wieder aufzuwecken. Von vorne bis hinten ist es Power, gute Laune und treibende, satte Elektro-Beats, die sich optimal durch die ganze Wohnung dröhnen lassen. Also lasst uns das auch machen.

     

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    Fotocredit: Andy Bibey 

  • EESE im Interview: »Wir wollen immer wieder was Neues, Eigenes kreieren.«

    EESE im Interview: »Wir wollen immer wieder was Neues, Eigenes kreieren.«

    Newcomer-News aus der Sparte experimenteller, gitarren- und synthlastiger Indie: EESE, die vierköpfige Band aus Köln werfen sich mit ihrer EP Into Anything auf den Radar unserer kleinen Musikbubble. Sie stechen heraus, erfinden sich stets neu und scheuen vor nichts zurück. Luca, Pablo, Max und Leon sind EESE und sie sind hier, um zu bleiben – warum, erzählen sie euch selbst.

     
    EESE im Interview

    Anna: Hey ihr! Vielleicht eine etwas lapidare Frage vorweg, aber wie geht’s euch?

    Max: Uns geht es soweit gut, wir hoffen euch auch! Natürlich bleibt für uns als Band derzeit leider einiges auf der Strecke, was nicht spurlos an unser aller Gemütszustände vorbei geht. Wir versuchen aber, unsere Motivation und Energie aufrecht zu erhalten und freuen uns auf die Zeit, in der wir unsere Kreativität zusammen wieder besser ausleben können. Wir nutzen glaube ich alle die Zeit auch, um privat das ein oder andere anzugehen und uns gegenseitig zu supporten.  

    Anna: Ihr seid eine Newcomer Band aus Köln, macht aber schon ein bisschen länger Musik. Wie habt ihr euch als Band zusammengefunden und was für Musik macht ihr?

    Luca: Pablo, Max und ich kennen uns schon seit über zehn Jahren. Wir haben damals schon in unterschiedlichen Besetzungen zusammen Musik gemacht und 2017 mit EESE nochmal ein neues Projekt gegründet. Mitte letzten Jahres (2020) ist noch unser guter Freund Leon dazu gestoßen und hat nochmal einen neuen Drive mit eingebracht. Ich würde sagen, wir haben schon einen großen Anspruch an unsere Musik und wollen auch immer wieder was Neues, Eigenes kreieren. Auch mit Struktur und Sounds experimentieren, ohne dass darunter die Eingängigkeit der Songs leidet und wir unzugänglich werden. Soundmäßig ist uns sehr wichtig, dass wir alles selber produzieren und mischen, damit wir uns da komplett verwirklichen können und es immer EESE bleibt.

     
    „Was man von den Songs erwarten kann, ist Vielseitigkeit und Experimentierfreude.“

    Anna: 2019 kam eure Single „Odd Repair”, mit der ihr schon ein bisschen durch die Szene gewirbelt seid. Wie hat sich das angefühlt nach längerer Zeit wieder Musik zu releasen?

    Pablo: Ich glaube, es wurde echt Zeit! Die Leute, die uns folgen, haben sich bestimmt schon gefragt, ob es die Band überhaupt noch gibt. Außerdem hat sich unser Sound in der Zwischenzeit auch ziemlich verändert, also wollten wir unbedingt, dass das auch endlich jemand hört.

    Anna: Auch wenn die Pandemie immer noch verhindert, „normal“ Musik zu releasen und die neuen Songs live zu spielen, geht auch euer Leben als Musiker immer weiter. Wie geht ihr damit um?

    Leon: Wir versuchen, wie wahrscheinlich die meisten Leute, ob Musiker oder nicht, so gut es geht das Positive zu sehen. Andere Menschen trifft diese Krise sicherlich noch bedeutend härter als es bei uns der Fall ist. Dieses Jahr hat uns sehr dabei geholfen, uns musikalisch weiterzuentwickeln um neue Richtungen einzuschlagen. Natürlich freuen wir uns wieder sehr darauf, auf die Bühne zu gehen, um die EP endlich live zu zocken. In dieser ganzen Zeit sind natürlich auch noch viele weitere Songs entstanden, an deren Fertigstellung wir gerade sitzen. Sodass wir, sobald der ganze Spuk vorüber ist, besser vorbereitet sein werden als ohne Pandemie.

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    Anna: Mit „Into Anything“ kommt jetzt eure neue EP raus. Welche musikalischen Einflüsse haben euch während der Entstehung der EP geprägt und was können wir von den Songs erwarten?

    Max: Jeder von uns würde hier glaube ich anders antworten, da wir selbst sehr viel und auch unterschiedliche Musik hören. Das spiegelt sich auch in unserer Musik wieder. Gemeinsame Einflüsse sind aber definitiv Bands wie Foals, Radiohead, Bon Iver und Tame Impala, was man an der ein oder anderen Stelle auf der EP vielleicht auch hört. Uns war es aber auch besonders wichtig, unseren eigenen Stil zu definieren. Was man von den Songs erwarten kann, ist Vielseitigkeit und Experimentierfreude. Jeder Song hält für die Hörer*innen hoffentlich spannende und überraschende musikalische und emotionale Elemente bereit. Und ich glaube auch, dass für jede*n was dabei ist – die EP hat sowohl ruhige, melancholische als auch energetische und ein wenig aggressivere Momente parat.

     
    „So wachsen die Songs auf ganz natürliche Weise.“

    Anna: Worum geht es inhaltlich in den Songs? Gibt es einen, der euch besonders am Herzen liegt?

    Luca: Waive ist definitiv ein Song, der unsere musikalische Entwicklung ziemlich gut zeigen kann. Durch Leon ist neben mir auch noch ein weiterer Sänger dazu gekommen und ich glaube, in Waive wird dieses Zusammenspiel von Gesängen aber auch unserer Stilweiterentwicklung deutlich. Inhaltlich geht’s bei der ganzen EP um Ängste, sozialen Druck, Verantwortung und Selbstverwirklichung, alles was bei uns auch so im Leben mit Mitte 20 eine große Rolle spielt.

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    Anna: Zu viert bringt bestimmt jeder von euch eine eigene Perspektive in eure Band mit rein. Wie war der kreative Prozess hinter den einzelnen Songs?

    Leon: Da jeder von uns mit unserer DAW vertraut ist, waren wir dazu in der Lage, dass jeder, wenn es die momentane Situation gerade nicht zugelassen hat, alleine von zuhause an den jeweiligen Projekten weiterarbeiten konnte. So mussten wir uns nicht jedes Mal persönlich treffen. Ansonsten haben wir uns in Köln in unserem HomeStudio getroffen und den Songs dann zusammen den letzten Schliff gegeben. Normalerweise fängt es damit an, dass eine Person mit einer Idee startet und der Nächste sie weiterführt. So wachsen die Songs auf ganz natürliche Weise.

    Anna: Wir hatten gerade alle irgendwie „einjähriges“ im Lockdown, was vermisst ihr (neben Konzerten) am meisten? Und was ist das erste, was ihr machen wollt, wenn das alles vorbei ist?

    Pablo: Ganz ehrlich: Einfach mal wieder die Jungs aus der Band auf ein Bier sehen und dann vielleicht noch auf ein zweites in die Bar.

    Anna: Zum Schluss gibt’s, wie ihr vielleicht wisst, immer eine kleine untold story: einen kleinen Fun Fact oder eine Anekdote, die ihr davor noch nicht in einem Interview erzählt habt.

    ? + ?: Wir erinnern uns so ganz spontan an den Moment als einer von uns (Wir nennen jetzt bewusst keinen Namen. Du weißt schon.) mal die ganzen aktuellen Projekte in unserer Dropbox ausradiert hat und dann in vollkommener Aufregung in die Gruppe geschrieben hat: „Hey Leute ich glaube, ich hab alles gelöscht“. Zum Glück konnte man alles zurücksetzen. Sonst würde dieses Interview zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich auch gar nicht stattfinden 😀

     

    EESE – zum Glück nicht gelöscht und zum Glück auch auf Spotify:

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    Fotocredit: Frederike Wetzels