Autor: Anna

  • 2020 zum Trotz: Niemand bringt Marteria um

    2020 zum Trotz: Niemand bringt Marteria um

    Täglich entdecke ich (und ihr idealerweise auch) über Untoldency neue, geile Musik von Newcomer:innen, die sich meist auch in meine privaten Playlisten schleichen und meine Tage besser machen. Und so geil ich das auch finde (sehr geil!), so häng ich immer noch zwei, drei Künstlern (in dem Fall tatsächlich männlich) ewig hinterher. Um sie direkt bei Namen zu nennen: Casper, Kraftklub, Marteria. Und da wir uns ja grob alle in der gleichen Bubble bewegen, denk ich, könnt ihr das nachfühlen. 8 Jahre später kann ich immer noch alle Texte und auch live kommt kaum was an die Moshpits bei den Live-Konzerten ran (RIP). Lange war’s um alle still, doch dieses Jahr munkelt man, soll sich das ändern. Den Anfang macht niemand anderes als Marteria mit seiner neuen Single Niemand bringt Marten um. Und ja fuck, er hat Recht.


    Lockdown 2020, Barbados-Version

    Letztes Jahr hat niemand was von Marten gehört, nachdem er mit seinem dann leicht viral gegangen „2020 wird unser Jahr!“–Video auf Instagram ins Jahr gestartet ist. Dass er damit nicht falscher hätte liegen können, hat er aber auch selbst gemerkt. Eigentlich machte er sich auf, ein bisschen um die Welt zu reisen. Das Timing war eher so semi und so findet er sich durch Corona auf einmal auf Barbados gestrandet. Während diesen vier Monaten musste er aufs Angeln als Lebensmittelgrundlage umsteigen (fiel ihm aber bestimmt leichter als anderen) und hat sich den „letzten schäbigsten Rechner“ gekauft, um wenigstens Musik dort machen zu können. Über Zeitzonen hinaus tauschte er Beats und Ideen mit DJ Koze und dem Produzenten-Duo The Krauts aus.  Was dabei unter anderem rauskam ist der Song, um den es heute geht und der vielleicht die ganze Zeit am passendsten zusammenfasst: Niemand bringt Marten um.

    Musikalisch fängt es an mit schönen Synths, die ganz ruhig in das Lied einleiten. Dazu kommt ein Beat und Marterias – sorry, aber einfach nur geile – Stimme und nach stabilen 20 Sekunden weiß ich schon: ich lieb den Song.


    „Baby, überall Gefahr um uns
    Baby, überall Gefahr, na und?
    Wenn uns hier alles um die Ohren fliegt,
    Steh ich vor dir wie Granit, niemand hier bringt Marten um„


    Ganz ehrlich, würde ich mir jemanden aussuchen, mit dem ich vier Monate lang im Barbados-Lockdown das Chaos der Welt versuche zu überleben, würde ich mir auch Marten schnappen. Klingt eigentlich nach einer ziemlich sicheren Wette. Und nach einer sehr angenehmen Company.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen
     
    Der Startschuss in ein hoffentlich besseres 2021

    Niemand bringt Marten um klingt wie Martens persönlicher 2020 Jahresrückblick, geprägt von all den absurden Sachen, die wir davor wahrscheinlich nicht für realistisch gehalten hätten. (Meinen kläglichen Versuch, 2020 zusammenzufassen, könnt ihr hier lesen, Martens ist aber besser). Parallel ist es aber ein absolut entspannter Elektro-Bounce, der trotz der Weltuntergangsähnlichen Zuständen positiv in die Zukunft blickt. Auch wenn es erstmal allein in seinem leeren Ostseestadion ist: Marteria hat frische Energie getankt und startet voller Fokus in ein neues 2021. Niemand bringt Marten um ist dabei nur der Startschuss. Er reiht sich jetzt schon nahtlos in meine Marteria Favs (Pro-Tipp: Auf Dauerloop hört man nicht mal den Übergang, weil The Krauts produzieren nur smoothe Banger). Tatsächlich fallen mir auch ein paar musikalische Ähnlichkeiten zu Welt der Wunder auf und das find ich auch einfach nur wunderschön.

    Viel mehr kann ich auch gar nicht sagen, außer dass ich so gespannt bin, auf alles, was Marten da noch in petto hat. Es kann nur gut werden. Mein Fan-Herz ist jedenfalls super happy und ich bin bereit, diese Hymne auch in seinem Stadion mit tausend anderen zu fühlen.

    Anmerkung zum Schluss: einmal mit Monchi und Marten nachts durch die Straßen ziehen und auf Hackis Angelfahrten zu landen, ist jetzt auch ein weiterer Punkt auf meiner Bucketlist. Wenn auch ohne die U-Boot-Explosion. (Wer wissen will, was ich meine, guckt sich am besten dieses ultra coole Musikvideo an).

     

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen ‚
    ‚

    Fotocredt: William Minke

  • Dead Poet Society im Interview: »Let the art dictate the art.«

    Dead Poet Society im Interview: »Let the art dictate the art.«

    Immer wenn wir neue Bands finden, wollen wir die mit euch teilen. Deshalb haben wir auch heute wieder eine Band im Vorstellungsinterview, die vielleicht sonst nicht auf eurem Radar gelandet wäre. Zugegeben, musikalisch ist es ein bisschen rougher, geht mehr Richtung Rock als Indie. Aber dafür mit ziemlich guten Riffs, und wer liebt die nicht. Energiegeladen, ehrlich und voller Genre-brechenden Hooks. Das sind Dead Poet Society. Auch wenn die Jungs schon ein bisschen länger Musik machen (8 Jahre um genau zu sein), haben sie erst kürzlich ihr Debütalbum -!- veröffentlicht. Da hat sich wirklich ziemlich viel Gutes angestaut. Fans von The Pale White, cleopatrick oder Nothing But Thieves könnten hier sehr zu ihren Gunsten kommen. Wir haben Sänger Jack in einem schnellen Fragen-Quiz für euch.

     
    Dead Poet Society im Interview

    Anna:  Hey, thanks for taking the time! How are you?

    Jack: I’m good, have had quite an interesting month but doing good.

    Anna: Since some people may not know you yet, do you want to introduce yourselves?

    Jack: We are a four piece band called Dead Poet Society. We formed in Boston, MA when we were in college. The band boys are Will Goodroad (Gonzo), Jack Collins (American Chopper), Dylan Brenner (Bork), and me Jack Underkofler (The Pearl). We’re from all over the US.

    Anna: -!- is going to be your debut album, released on March, 12th. Before we talk about that, you’ve been making music for so much longer, going all the way back to 2013. What can you tell us about your journey from then to now?

    Jack: It’s been a long one. We’ve toured Mexico nine times, we’ve done two full US tours, we’ve released two EP’s and a bunch of singles, we’ve all been single, in relationships, did shrooms, I’ve done every app job in existence, and I lost about 50lbs.

    Anna: Was there a specific moment or a set of songs that made you go “we’re gonna make an album”?

    Jack: We just kind of decided two and a half years ago that maybe it was time to start working on one. We had four songs at the time and thought, well let’s just keep going and see how far we can go.

    Anna: Finally releasing a debut album after so many years as a band is big. How do you feel? Nervous, excited, relieved?

    Jack: Well now I feel excited and still nervous. It’s being received really well so that’s helped. Plus it’s gotten on a ton of playlists so things are looking preeeettttty good.

    Anna: The single that got me really hooked was .intoodeep. It is also the first single that kicked off this new era after you signed to Spinefarm Records. What makes this single so special to you?

    Jack: It was a song written about a trip I took back to my hometown. I was hanging out with a really close friend of mine at a house he had just bought and we were sitting around a firepit in his backyard just thinking, wtf am I doing with my life? All of my friends seemed to be settling in to their lives, buying houses, growing careers, getting married, and here I was in the same situation and mindset that I had when I was 18 years old. However, I know that the lifestyle I live and where I am is addictive to me and I love it, even though it’s a struggle at the best of times.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen

    Anna: What are the main messages you want to convey on this record?

    Jack: Let the art dictate the art.

    Anna: Do you got a song that you look most forward to playing live?

    Jack: CoDA. It’s got so much feeling for me behind it and gets me hyped every time.

    Anna: The last question is about an untold story that you haven’t shared in interviews yet. Do you got an interesting or funny anecdote you can tell us?

    Jack: Oh god lol. Not sure if I have any left that I can say publicly. Let’s just say New Orleans is a wild place.

     

    Hört hier in das ganze Album rein:

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen ‚
    ‚
     

    Fotocredit: Robin Media

  • Calvin Stone x Michael Dreilich im Interview: »Music is such a powerful tool to unite people.«

    Calvin Stone x Michael Dreilich im Interview: »Music is such a powerful tool to unite people.«

    Unsere heutige Vorstellung geht weite Wege – über 7000km liegen zwischen Calvin Stone und Michael Dreilich. All the way from Columbus, Ohio bis nach München, Bayern haben die beiden sich über YouTube kennengelernt und machen jetzt Musik zusammen. Das Resultat ist die letzte Woche erschienene EP Speaking into Existence. Amerikanische Hip Hop Einflüsse des Rappers Calvin Stone werdenmit treibenden Beats von Drum-Mastermind Michi, den ihr sehr wahrscheinlich als Drummer der Rockband Blackout Problems kennt, kombiniert. Zusammen mit der inhaltlichen Tiefe, die Calvin in die einzelnen Songs legt, haben sie eins der für mich jetzt schon spannendsten Projekte des ganzen Jahres geschaffen. Anna hat die beiden Musiker zusammen auf Skype erwischt und mit ihnen über den Prozess hinter der EP, musikalische Einflüsse und das angeblich beste Videospiel gesprochen.

     
    Calvin Stone x Michael Dreilich im Interview

    Anna: Hey! I’m really happy to catch you guys! How are you, how’s February treating you?

    Calvin: February? It’s cold, yeah (laughs). Very, very snowy. It’s cool.

    Michi: It was really snowy a few weeks ago here too, but getting warmer now. We just finished shooting a video for Blackout Problems and I’m excited for our project to be released. So yeah, exciting times!

    Anna: To get right into that project: you two have a collab EP coming out in March. What can you tell us about that? What’s the message behind “Speaking into Existence”?

    Michi: What’s the message behind it… Mainly, it’s to show that you can work together, build up chemistry and do positive stuff together even if you aren’t in the same country. Music is such a powerful tool to unite people. To me, having the songs ready to come out is already one of the biggest successes I have, as a musician. Just to see it happen and develop… that’s the message, that you can make anything happen. That’s where the speaking into existence comes from.

    Calvin: Right! We were just having like a simple conversation. I think it’s all about, speaking like positivity, affirmation into existence and that’s all that was. And along came the EP, starting with The Water. That was just a single, we thought that would have been it. But yknow, seeing the good response that we got, we just kept going.

    Anna: I’m glad you did! So how did you two meet in the first place? How did this project start?

    Calvin: I’d say about 4-5 years ago, I started learning how to mix and master. So I started to record my own music and after that I put the mixtape on YouTube, it was called Seven Seven. Not knowing how to get proper promotion, I used a clickbait-method. So I uploaded the mixtape as a Kendrick Lamar EP.

    Anna: Okay yeah, that’s clickbait (laughs)

    Calvin: Right?! (laughs) It hit about 40-80Tsd views and a lot of comments, so I think that’s where Michael also came across it. So he hit me up on Instagram and was like “yo, I came across your music, I think you’re dope, we should do some work”. And he did a video where he was jamming out to one of the songs and I was like “woah, that was mindblowing, it reached out all the over there”. That was just crazy. And then we were just talking about collabing and came forward now, three years later.

     
    “The process was nothing I’ve ever experienced before.”

    Anna: What was the process behind the EP? Did you have a solid idea that started it or did you just went with it to see where it goes?

    Calvin: That was shortly after the incident with George Floyd happened. Michael reached out and he was like “I want to lift your message on my platform”. And yknow he sent the beat over and I just kinda took it where I wanted to take it. Spoke on things that I had experienced cause I have a cousin who was killed by the police. So I was just speaking on all of that. And then, sending me the song back, it didn’t sound nothing like what I sent to him, he made a whole song out of it. The process was just different, I’ve never seen or heard anything like it.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen

    Michi: The process was nothing I’ve ever experienced before, either. Pretty much how all the songs came together was me creating like a basic vibe. I had a lot of drum loops and beats laying around, on my hard drive or in my mind, and I just put them down and tried to create a musical frame for Calvin. I sent it to him, he sent me back the vocals, I took that to Mario (lead singer of Blackout Problems) and we started producing. I’ve never done it like that before and really enjoyed the process of this EP. I’ve tried to mix in hip hop influenced drums with other projects I’m evolved in but never had the chance to go down that hip hop road completely. I had a lot of fun doing that and it is just something I wanted to do for years.

    To me, it’s crazy to think that it all worked out. And it makes so much sense in my mind, like all the songs and the skits, the whole EP just tells the story of how it came together. All of our conversations are on Instagram (laughs). So I was going through like pages of texts and voicemails. Very cool process.

    Anna: Did you face any obstacles or struggles during this process?

    Calvin: Surprisingly, I feel like it worked out smoothly on my end. I mean, I don’t know what you guys do over there in the studio (laughs), but I feel like it was the smoothest project I’ve ever done. Yknow, I’m used to mixing now and doing my own vocals in a certain way. So sending it to guys and seeing what you do with it, I’m just surprised at this point to see what happens. Because the songs never come back the same.

    Michi: Yeah. I don’t see any obstacles. It was hard at times to finish stuff because we had a lot of other stuff going on, but other than that it was just a fun process. It never felt like work or anything, just like a passion project all the way through.

     
    “There’s a lot of talent here but not a lot of support.”

    Anna: Calvin, you’ve been releasing music for some time now, too. How did you get into making music? What influences shaped you and your style of music?

    Calvin: I mean I got influences like Jay-Z, Tupac, Kayne, Lil Wayne. But I think what started it all was me being a kid and having a journal. Just not being always able to express myself vocally, to process things I used to write them down. And that became poetry afterwards. And then it became me writing raps and things like that, trying to turn it into music. I’d say I was about 14 when I did my start like talent show. And after that I was like wow, I’ve never experienced anything like that before. So I wanted to keep chasing that feeling. I just kept trying to make music, yknow, collabing with other people, things like that.

    Anna: You’re from Columbus, Ohio – how’s the music scene over there?

    Calvin: (laughs) Music scene here is… not very supporting. I would say there’s a lot of talent here but there’s not a lot of support. People don’t really check for it. And if people do have something going on, it’s like others around won’t support it. It’s like some kind of race here, yknow what I mean? Everyone wants to be the first one, so they don’t want to get involved with other people, they want to keep to themselves. That’s what we do. It’s a crazy rap race going on here and we’re just dealing with it (laughs).

    Anna: But you’ve got something special with that EP.

    Calvin: Yeah! And that’s because of the beautiful internet, yknow. We’ve been able to make these things happen. I’m excited to see where it goes.

    Okay, so that about Columbus. That’s only Columbus. But you’re part of like Cleveland, like there’s a lot of artists who come from Cleveland. Kid Cudi, MGK (Machine Gun Kelly). So I mean like it can happen! It’s got something going on here.

     
    “I developed a love for hip hop”

    Anna: Michi, like you said you had fun going down that hip hop road. How did you get into hip hop in the first place?

    Michi: I grew up in a very small town in the Bavarian country side, so not lot of rap music there (laughs). But when I grew up, I first listened to mainly punk rock and then there came a time when 50 Cent was very popular. And what I noticed was that a lot of friends who used to listen to Rise Against and punk rock stuff stopped listening to it and started listening to 50 Cent. I did too, but also didn’t stop listening to punk rock so I always had both sides present. The Graduation album by Kayne was like the first real hip hop album that influenced me.

    Calvin: Graduation? Yeah, I love that album.

    Michi: Being a drummer, it’s just interesting because the drums work so different from rock music. It’s challenging and you use the individual parts of a drum kit in such a different way. I think you don’t have to know every aspect of musical theory in order to make like a good hip hop beat or vibe happen. And I know very few things about musical theory so that’s why hip hop speaks to me (laughs). It has such a strong message and it’s so direct in the delivery of the message. Yeah, I just developed a love for hip hop.

    Calvin Stone, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, michael dreilich, speaking into existence, blackout problems, the bells
    “Touring into existence”

    Anna: Do you have future plans for this project?

    Michi: We have some stuff laying around like there’s still one beat that we didn’t get to work on yet. I think I can speak for the both of us, we can only get better at doing this. We wanna keep working and see where it takes us. But there’s no plan of “we’re going to make an album in the next three months or so”. It’s just a vague idea of working together.

    Anna: I assume that if there wasn’t a worldwide pandemic you’d also want to bring this project on stage.

    Calvin: Absolutely! I thought we were gonna but at this point I really don’t know.

    Michi: I stopped making plans. Like when it comes to playing live. It’s a big point on my bucket list for me to have Calvin here in Germany and play a few shows. It would be great. Just the two of us, the mic and the drums,

    Calvin: Will be! It will be great.

    Michi: “Touring into existence” that’s gonna be the tour title (laughs).

    Anna: We’re already at the last question which is an untold story you can share now. Anything that you haven’t told anyone in an interview before.

    Michi: (thinks) Everything is pretty much out there concerning this project.

    Anna: So you’re gonna leave me hanging on the last question?

    Michi: I mean I have plenty of untold stories but I don’t know I should tell you these (laughs)

    Anna: What’s your favorite song from the record then?

    Michi: Mine is definitely Stay at the moment.

    Calvin: My favorite one is Can Goods.

    Michi: Oh yeah, here we go, untold story! Can Goods, yeah. That’s another thing that’s just crazy to me. We grew up so many miles apart from each other but we both played one video game. A lot. There are actual sounds from the Tony Hawk Pro Skater Game in that track. That’s maybe an untold story. The reference really is from us playing the game in our younger years (laughs).

    Calvin: I used to vibe with that soundtrack, like it has the hip hop meets rock vibe – dope.

    Michi: Crazy how far a video game can reach. But it’s one of the best video games ever.

    Anna: I won’t argue with you there.

    Michi: You can’t (laughs)

     

    Hört hier in die Speaking into Existence EP rein:

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen ‚
    ‚
     

    Fotocredit: Paul Ambrusch (Süßgott)

  • Exklusive Videopremiere: Eveline und „Sexual“

    Exklusive Videopremiere: Eveline und „Sexual“

    Wir starten mit super viel Power in die folgende Videopremiere: sowohl musikalisch als auch inhaltlich zeigt Eveline in ihrer neuen Single „Sexual“ wie wichtig es ist, vermeintliche Tabu-Themen auch auf musikalische Weise zu verarbeiten. Sexual ist eine elektronisch aufgeladene Ballade und allein dieser Gegensatz sollte aufhorchen lassen. Denn das hier ist wirklich ziemlich gut. Doch warum, welches Tabu-Thema Eveline hier verarbeitet und welche metaphorischen Ebenen das Video aufmacht, erfahrt ihr alles jetzt.

     
    „I’m no longer sexual“

    Wir alle haben in unserem Leben schon Millionen Begegnungen mit Clickbait gemacht. Unter all diesen zerreißenden Überschriften, die darauf abzielen, dass wir sie anklicken, ist die Einbindung des Worts „Sex“ wahrscheinlich die häufigste. Und auch wenn die Diskussion hinter dem warum Inhalt für eine ganze Hausarbeit wäre (ihr dürft sie gerne hier klauen), so kann man es aber auch ganz kurz und knapp auf den Punkt treffen: Menschen (meist Frauen tho, let’s be honest) werden in jedem möglichen gesellschaftlichen Kontext sexualisiert. Alles in unserem Leben dreht sich mehr oder weniger um Sex. Wir werden in so viele Situationen damit konfrontiert, von Kind auf, dass man sich dem eigentlich gar nicht entziehen kann. Und dieser vermeintliche Status Quo reproduziert natürlich auch Erwartungen. Erwartungen, auch sexual zu sein und das zu wollen, was alle wollen. Sex.

    Eveline zeigt in ihrem sehr persönlichen Song, dass sie das eben nicht will. Sie widerspricht diesen sozialisierten Erwartungen, sexuelle Zuneigungen zu empfinden und nachzugehen. Sie ist nicht sexual.

    „Right now, I don’t feel it at all. And I think that is absolutely fine. People shouldn’t feel uncomfortable talking about it. It’s not a taboo.”

    Und da hat Eveline absolut Recht. Es ist kein Tabu und das möchten wir mit diesen paar Worten vor der eigentlichen Videopremiere (dafür sind wir ja hier) auch betonen. Man muss auch gar nicht groß darum diskutieren, warum manche Menschen sich so fühlen. Denn ob aus traumatischen Erfahrungen oder persönlichen Identitätszuschreibungen, das ist ja genau so privat wie die Gründe, aus denen man Sex haben möchte. Easy as that. Und damit präsentieren wir: Das Musikvideo zu Evelines neuen Single Sexual:

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen
     
    „Superficial attraction is my soul’s enemy”

    Musikalisch beginnt Sexual mit einem eingesprochenen Intro, das mit so viel Hall, wie da drauf liegt, fast schon cinematisch wirkt: „When I was a kid, I was hoping, someday he would come to save me.”

    Das lassen wir erstmal für eine Sekunde sacken. Eveline erzählt das anscheinend immer noch nicht auserzählte Märchen von der hilflosen Prinzessin und dem großen männlichen Helden, der sie rettet– männlich wie er ist und hilflos wie sie ist. Das Märchen, das, so dumm es auch ist, immer wieder und wieder und wieder in allen möglichen Konstellationen reproduziert wird. Und der Ursprung der ganzen gesellschaftlichen Erwartungen ist, die auf denen lasten, die ihnen nicht entsprechen.

    Nach dieser Sekunde aufkommenden Grolls auf das Patriachat steigt Sexual dann richtig ein – Synths fliegen mir um die Ohren, dass ich das Gefühl habe, Eveline holt mit all ihrer Power zum Gegenschlag aus. Und das tut sie. Fette und vor allem laute Drums stoßen auf eine ansonsten absolute Ruhe in dem Song und lassen mich einfach nur absolut gebannt am Seitenrand zuhören. Und das ist es, was der Song will. Er will gehört werden. Er möchte raus in die Welt und mit all den vermeintlichen Tabus brechen, die auf uns liegen. Sagen, was nicht gesagt werden „darf“ und validieren, was obwohl so totgeschwiegen, trotzdem gefühlt wird. Empowerment in seiner pursten Form.

    „Is it just you

    Guess it’s on me

    Let’s stop it anyways

    Oh, i know what you

    What you want me to do

    Just wanna hideaway”

     

    Zu guter Letzt ein paar Worte zum Video selbst. Zusammen mit Director Jonas Unden hat Eveline sich zu dem Musikvideo ein besonderes Konzept ausgedacht: Sexualität dargestellt in Form von gemeinsamen Essen. Lässt man sich auf diese metaphorischen Ebenen ein, macht das auf den ersten Blick vielleicht verwunderliche Video super viel Sinn. Die angespannte und nervöse Energie vorm Essen, die fast schon schüchtern wirkt. Das langsame und widerwillige Herantasten an das sterile Essen. Mein Lieblingssatz im ganzen Lied ist und bliebt aber eindeutig „Too much male energy simply disgusts me“ und damit schließe ich auch diese Videopremiere ab.

     

    Fotocredit: Laurina Pettke

  • Faraway Friends im Interview: »Die Platte soll auf die Reise mitnehmen, die wir erlebt haben.«

    Faraway Friends im Interview: »Die Platte soll auf die Reise mitnehmen, die wir erlebt haben.«

    Eine Sache, die vielleicht viele nicht wissen: Am 22. März ist Weltwassertag! Wasser ist für uns so einer Selbstverständlichkeit, dass ein Reflektieren auch zu diesem Thema super wichtig ist. Denn: Wasser könnte nicht nur „irgendwann“ mal knapp werden, sondern ist es schon. Laut einer aktuellen Studie von UNICEF leben mehr als 1,42 Milliarden Menschen in Gebieten mit hoher oder extrem hoher Wasserunsicherheit. Jedes fünfte Kind weltweit hat nicht genug Wasser, um den täglichen Bedarf zu decken. Wir lesen uns diese Sätze nur durch, so viele Menschen erleben sie. Darauf möchte das musikalische Projekt Faraway Friends mit ihrem Album Rain Is Coming aufmerksam machen. In Zusammenarbeit mit Viva con Agua haben sich der österreichische Produzent und Schlagzeuger David Raddish, der deutscher Rapper Keno und die indische Singer-Songwriterin Ditty zusammengeschlossen. Wie das Projekt entstanden ist, worum es auf den Liedern geht und was ihr noch alles wissen müsst, lest ihr im Interview.

     
    Faraway Friends im Interview

    Anna: Hey! Ihr hat mit Faraway Friends ein unglaublich spannendes und wichtiges Projekt auf die Beine gestellt, das ihr mit Album-Release mit dem Rest der Welt teilt. Wollt ihr das Projekt und euch ganz kurz zur einleitenden Vorstellung zusammenfassen?

    Keno: Faraway Friends ist ein Kollektiv, gegründet haben wir es zu dritt: Ditty, Singer-Songwriterin und Urban Ecologist aus Delhi, David Raddish, Produzent und Schlagzeuger aus Wien und ich, Keno. Ich bin Rapper und Songwriter in Hamburg und normalerweise mit meiner Band Moop Mama als Frontman unterwegs.

    Anna: Wie habt ihr zueinander gefunden? Ein Album zu machen war ja gar nicht eure erste Prämisse.

    Keno: Getroffen haben wir uns während einer Projektreise mit Viva Con Agua durch Indien. David und ich waren dort als Teil einer größeren NGO Gruppe unterwegs, um Wasserprojekte kennenzulernen. Viva Con Agua ist sehr vernetzt mit der Musikszene, die meisten werden schon mal auf irgendeinem Festival einen Pfandbecher in die Spendentonne geworfen haben. Sie verbinden die NGO Arbeit immer mit einer kulturellen Ebene und setzen die universelle Sprache der Musik ein, um Verbindung auf Augenhöhe zu schaffen. Das war unser Job.

    Wir haben dann ziemlich gegen Ende unserer Reise Ditty in Varanasi kennengelernt, wo wir ein gemeinsames Konzert gespielt haben. Wir wollten in irgendeiner Form zusammenarbeiten, vielleicht einen Song zusammen machen…

    Anna: Wann habt ihr gemerkt, dass es über eine Zusammenarbeit der ersten Songs hinaus geht?

    Keno: Dass wir eine super Ebene miteinander haben, war direkt klar. Wir saßen in einem Hotelzimmer zusammen und als David und ich anfingen über die bereits existierenden Ideen zu erzählen, war da direkt eine ganz besondere Verbindung.

    David hatte schon ganz viele Field Recordings gemacht, Wassersounds gesamplet und datraus erste Beats gebaut. Das hat Ditty total geflashed und irgendwann meinte sie nur: „Hey guys, let‘s just not sleep tonight.” Also sind wir nach der Show zurück ins Hotel und haben weiter gesponnen. Die ganze Nacht, bis wir im Morgengrauen zu einem Bootstrip auf dem Ganges abgeholt wurden. Das war wirklich eine crazy Nacht. Aus den Gesprächen dieses Abends ist der Song Ganga Hotel geworden, aber es war auch die Grundlage dafür, dass wir wussten, da geht mehr.

    Wir haben dann in sehr vielen Skype Sessions gearbeitet und Ditty noch einmal nach Wien eingeladen. Bei jedem dieser Schritte wurde das Projekt nur größer, die Konzepte ausgereifter… Eigentlich hat das nie aufgehört.

    Faraway Friends, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, viva con agua, weltwassertag, rain is coming, keeno, david raddish, ditty
     
    „Wir wollen unsere Musik nutzen, um die Themen anzusprechen, die für unseren Planeten wichtig sind.“

    Anna: Auch wenn ihr alle unterschiedliche Perspektiven mitbringt, so verbindet euch der Aktivismus und die Musik. Wann habt ihr jeweils angefangen, euch aktiver in diese Richtung zu verwirklichen?

    David: Also bei mir schon recht früh. Ich war in meiner Jugend schon politisch aktiv und wenn ich mich nicht fürs Schlagzeug-Studium entschieden hätte, wär ich wahrscheinlich heute bei einer NGO aktiv.

    Keno: Ich hatte schon immer das Bedürfnis, in meinen Texten auch gesellschaftliche Themen anzusprechen. Ich denke, wenn man ein Publikum hat und gehört wird, ist es wichtig, das zu nutzen. Auch mit Moop Mama haben wir uns oft positioniert, ob bei Fridays For Future oder im Hambacher Forst. Für Ditty ist es glaube ich ähnlich. Sie will ganz klar ihre Musik nutzen, um die Themen ansprechen, die für unseren Planeten und seine Zukunft wichtig sind.

    Anna: Der Sound auf dem Album ist sehr vielschichtig und, da muss ich auch einfach ein Kompliment dalassen, unfassbar gut produziert. Wenn man es von vorne bis hinten durchhört, ist es wie eine eigene Reise, an deren Ende man bewusster über solche Dinge nachdenkt. War das euer Ziel?

    David: Wow, danke! Ja genau das war unser Ziel! Die Platte soll den/die ZuhörerIn auf die Reise mitnehmen, die wir erlebt haben. Deswegen spielen auch die Soundscapes zwischen den Songs eine Rolle. Sie sind quasi Szenenwechsel wie bei einem Film.

     
    „Für mich war das Aufnehmen der Samples fast wie Tagebuch führen.“

    Anna: Was sich ebenfalls wie ein roter Faden durchzieht sind die Samples, die ihr vor Ort aufgenommen habt. Vor allem der Sound von Wasser ist (offensichtlich) in all seinen Variationen vertreten. Wie war das, so gezielt mit Naturgeräuschen in der Produktion zu arbeiten?

    David: Das stimmt. Ich wusste ja bereits vor der Reise, dass es um Wasser gehen wird. Deswegen hab ich mir ein kleines Unterwassermikrofon gebaut, um die verschiedensten Sounds von Wasser aufzunehmen. Ich war dann echt überrascht, wie vielseitig „Wasser“ eigentlich klingen kann. Von kleinen Tropfen in einem Teich bis zum Rauschen eines Wasserfalls ist da sehr viel dabei. Für mich war das Aufnehmen der Samples auch fast wie Tagebuch führen. Ich hab die Aufnahmen jeden Abend benannt, sortiert und auch gleich angefangen, Beats zu basteln.

    Anna: Hast du einen Lieblingseffekt oder einen Lieblingsort, an dem ihr die Samples aufgenommen habt?

    David: Jedes Sample ist an einen Ort verknüpft. Wenn ich es höre, bin ich im Kopf auch gleich wieder dort. Sehr stark in Erinnerung geblieben ist jedoch der Tag bei den Jal Sahelis. Für mich sind all diese Frauen wirkliche Superheroes. Ihnen ist ja auch ein Song gewidmet.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen
     
    „Dieses Projekt ist ein Mehrwert geworden.“

    Anna: Ebenfalls zu hören sind viele verschiedene Stimmen und Geschichten der Menschen dort. Wie waren die Zusammenarbeit und der Austausch mit den Menschen vor Ort? Was habt ihr aus dieser Zeit mitgenommen?

    David: Unser Ziel war es, Perspektiven zu integrieren. Wir wollten keine Platte machen, auf der wir aus einer europäischen Perspektive über die Probleme anderer sprechen. Wir wollten eine Plattform schaffen und Menschen zu Wort kommen lassen. Zum Beispiel hört man auf dem Song Pooja Says die Stimme von Pooja Chowdhary. Sie war eine der ExpertInnen von der Welthungerhilfe vor Ort, die uns durchs Land geführt haben.

    Ich bin super froh, dass uns dieses Projekt solange begleitet hat und die Möglichkeit gegeben hat, Beziehungen aufrechtzuerhalten und sich mit den Themen länger künstlerisch auseinander zu setzen. Bei einem kurzen Besuch, wie dieser Projektreise, begegnet man zwar vielen Menschen, aber oft verliert sich das auch schnell wieder aus den Augen. Dieses Projekt hat nun eine Eigenleben entwickelt und ist ein Mehrwert geworden. Die Authentizität in unserer Verbindung spürt man. Und wir kriegen ja auch Feedback aus Indien. Das Projekt funktioniert auf beiden Seiten und schafft Austausch. Das bedeutet mir extrem viel.

    Anna: Das Album veröffentlicht ihr am Weltwassertag und unterstreicht damit nochmal die wichtige Message, die hinter diesem ganzen Projekt steht: Water is a human right. Der Erlös des Albums wird gespendet. Was erhofft ihr, wird sich daraus ergeben?

    David: Wir hoffen mit dem Projekt natürlich auf das Thema Wasserversorgung aufmerksam zu machen. Und auch auf Projekte hinzuweisen, die‘s schon gibt und die wahnsinnig tolle Arbeit machen. Vielleicht können mit den Spendengeldern ja auch ein paar neue Ponds gebaut werden.

    Anna: Die letzte Frage richtet sich bei uns immer nach einer untold story. Das kann eine Anekdote sein zu dem Projekt, ein Funfact oder etwas anderes, was ihr so noch nie in einem Interview erzählt habt.

    David: Bevor wir Ditty zum ersten Mal trafen, waren wir im Nachtzug nach Varanassi unterwegs. Ich wusste schon, dass der nächste Tag sehr anstrengend sein würde, deswegen nahmen ich und ein Freund für die Zugfahrt eine Schlaftablette. Wir schliefen zwar bombenfest, jedoch alle anderen durch unser überaus lautes Schnarchen eher weniger.

     

    Wenn ihr bis hierhin gelesen habt, kann ich euch sehr diese Doku ans Herz legen, die musikalisch und visuell all das zusammenfasst, wofür Faraway Friends stehen:

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen
     

    Und hier gibt es Faraway Friends ganze EP Rain Is Coming:

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen ‚
    ‚

    Fotocredit: Julian Pircher

  • Friedberg im Interview: »Jetzt hab ich das Gefühl, dass ich wieder da bin, wo ich eigentlich immer hin wollte.«

    Friedberg im Interview: »Jetzt hab ich das Gefühl, dass ich wieder da bin, wo ich eigentlich immer hin wollte.«

    Mit ganz viel Trommelwirbel und super viel Freude dürfen wir euch heute eine der spannendsten britischen All-Female-Bands vorstellen. Mit ihrer neuen und ersten EP Yeah, Yeah, Yeah, Yeah, Yeah, Yeah, Yeah, Yeah (ja, das sind acht Yeahs und ja, das ist beabsichtigt) hat die Band Friedberg nicht nur vor, England ordentlich aufzuwirbeln, sondern auch in Deutschland müssen wir uns an unseren Homeoffice-Stühlen festhalten. Es gibt feinsten Alt-Rock gemischt mit upbeat Synths und der temperamentvollen Stimme der österreichischen Leadsängerin Anna. Jetzt für euch im Interview mit Stories zur Songentstehung, die Liebe zur Cowbell und die Angst vor Luftballons.

     
    Friedberg im Interview

    Anna: Hey Anna, cool, dass das geklappt hat! Wie geht’s dir in diesen durchwachsenden ersten Märzwochen?

    Friedberg: Hey! Ich fand’s ganz gut, jetzt mal bissl Sonne. Ich hab gemerkt, Berliner Winter, das ist nichts (lacht). Eigentlich bin ich ja Anfang Dezember mit Handgepäckskoffer los, wollt nur zu Weihnachten zu meinen Eltern, und dann wieder zurück nach London. Jetzt bin ich seit drei Monaten in einer Wohnung von einem Freund in Berlin und warte darauf, dass ich zurück kann… Also ja, war schon auch mal ein bisschen schlecht drauf die Wochen (lacht).

    Anna: Oh no. Aber in good news: Bald kommt die Debüt EP deiner Band Friedberg raus – auch wenn es nicht dein erstes Release als Künstlerin ist, wie aufgeregt bist du?

    Friedberg: Eigentlich ziemlich aufgeregt! Kurz vor jedem Release krieg ich so kurz die Panik (lacht). Und auf Vinyl hab ich auch noch nie was rausgebracht vorher. Mein Manager hat mir vorhin ein Unpack-Video geschickt, weil die in London angekommen sind, jetzt hab ich schon mal auf Video gesehen, wie’s ausschaut.

    Anna: Ihr seid eine all-female-band based in London. Wie würdest du eure Musik beschreiben für Leute, die euch noch nicht kennen?

    Friedberg: Puh, das find ich immer voll schwer die Frage. Aber da gibt’s ein Zitat, das such ich mal kurz raus, das find ich beschreibt es sehr gut (verschwindet in Tiefen ihres Laptops): „Their music is often described…“ – das klingt ja so als würd’s uns schon seit 20 Jahren geben (lacht) – „…is described as blend of post-punk and alt-rock doused in alluring pop sensibilities“. Das gefällt mir schon sehr gut.

     
    „Ich bin jetzt wieder bei dem, wo ich eigentlich immer hinwollte.“

    Anna: Gerade schon angedeutet, bist du ja schon länger als Künstlerin aktiv. Als Anna F. hast du schon vor knapp 10 Jahren Musik rausgebracht, mehrfache Preise gewonnen und sogar schon Support für Leute wie Lenny Krawitz oder James Blunt gespielt. Wie hast du es damals wahrgenommen, Musik zu veröffentlichen im Vergleich zu jetzt?

    Friedberg: Damals wars auf jeden Fall so, dass das alles relativ schnell ging. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich irgendwie gar nicht so richtig weiß, was ich will, aber es passieren schon so viele Sachen. Zum Beispiel die Tour mit Lenny Krawitz. Da hab ich einen Song auf MySpace draußen gehabt, der von da dann irgendwie ins Radio kam. Und dann waren wir direkt mit Lenny Krawitz auf Tour (lacht). Also es ging relativ schnell und ich hab eigentlich wenig Zeit gehabt, das richtig zu reflektieren und zu überlegen, was ich eigentlich will. Ich hab dann halt alles, was so daher gekommen ist, einfach gemacht. Gar nicht so proaktiv.

    Dann hab ich mir nach den zwei Alben mal die Zeit genommen, rauszufinden, welchen Sound ich wirklich machen, mit welchen Leuten ich zusammenarbeiten will. Bin in die Wüste nach Californien gefahren und hab mir da so ne Airbnb-Hütte im Nichts gemietet. Ich hatte vorher schon Songs rumliegen, an denen hab ich dann weiter geschrieben und mit meinen zwei Produzenten auch direkt angefangen, zu produzieren. Ich hab jetzt nicht so ne Version vorher gehabt, sondern ich hab einfach ganz viel ausprobiert und dadurch erst so richtig rausgefunden, was ich eigentlich will.

    Anna: Wie hast du deine eigene musikalische Entwicklung wahrgenommen? Hat sich seit damals viel verändert?

    Friedberg: Natürlich, klar. Ich glaub, ich hab früher in der Jugend so das gemacht, was ich jetzt eher mach und bin von abgekommen. Und jetzt hab ich das Gefühl, eben weil ich ein bisschen was verloren und mich aus Unsicherheit herumschubsen lassen hab, dass ich jetzt wieder bei dem bin, wo ich eigentlich immer hinwollte.

     
    „Ich hab das noch nie vorher erlebt, das war schon besonders“

    Anna: Mit Cheryl, Laura und Emily hast du die drei Mädels gefunden, die Friedberg komplett machen. Auf deinem Insta-Account hab ich einen Post gefunden von euch in der Badewanne mit der Caption „Where it all started“. Ich bin jetzt natürlich sehr an dieser Badewannen-Geschichte interessiert. Wie ist Friedberg entstanden?

    Friedberg, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, friedbergband, anna f., midi 8, yeahx8, yeah yeah yeah yeah yeah yeah yeah yeahFriedberg (lacht): Es war eigentlich so, dass ich in London ja niemanden kannte. Bin da einfach hin mit der Musik, die ich aus Californien mitgebracht hab, und hab dann ein Label gefunden. Die haben mir von zwei mega coolen Gitarristinnen erzählt, die sie grad bei einem Gig gesehen haben, und so hab ich mich dann mit der Emily getroffen. Sie wohnte mit Laura, der Drummerin, zusammen und wir haben uns alle super verstanden. Wir haben dann auf Facebook gepostet, dass wir eine Bassistin suchen und ich glaub eine Woche später sind wir dann schon in Proberaum gegangen. Ich hab das vorher noch nie erlebt, dass man innerhalb von so wenigen Tagen schon so einen Sound zusammen hat, das war schon besonders.

    Wir haben dann einen Slot in einem kleinen Pub von London gespielt, von dem keiner was wusste, weil wir niemanden eingeladen haben. Wir sind da ganz alleine hin, ohne Soundcheck, direkt losgespielt vor einem Publikum, in dem wir niemanden kannten. Ich war extrem nervös. Wir haben Go Wild als erstes gespielt und die Leute sind aufgesprungen und haben gejubelt. Irgendwelche wildfremden Leute, die da ihren Burger gegessen haben! (lacht). Den Moment werd ich nie vergessen. Vier Wochen später haben wir ein Showcase gemacht, bei dem wir ein paar Leute eingeladen haben. Dort hat uns dann die Booking Agentur in London unter Vertrag genommen. Und dann ging’s erst so richtig los, das war alles bevor irgendein Song veröffentlicht wurde.

     

     
    „Wir waren in so einem coolen Run“

    Anna: Eure erste Single kam dann 2019 mit Boom, es folgten weitere Singles, aber nur eine in 2020. War das die Zeit, in der ihr intensiver an der EP gearbeitet habt, oder wie kann man sich die Timeline ungefähr vorstellen?

    Friedberg, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, friedbergband, anna f., midi 8, yeahx8, yeah yeah yeah yeah yeah yeah yeah yeahFriedberg: Naja und Corona kam auch noch dazwischen. Wir haben im Januar letzten Jahres auf der Eurosonic gespielt, haben so viele Festivals danach gehabt. Ich hatte das Gefühl, wir waren grad so auf einer Welle, aber die sind dann alle natürlich abgesagt worden. Es wäre unser erster Festivalsommer gewesen, wir waren in so einem coolen Run. Wir haben dann eigentlich mit verschiedenen Labels gesprochen, mit wem wir die nächsten Sachen rausbringen, und das dauert eigentlich schon immer ein bisschen Zeit. Und parallel natürlich hab ich ganz viel geschrieben, zuhause, im Lockdown.

    Anna: Eure EP heißt Yeah, Yeah, Yeah, Yeah, Yeah, Yeah, Yeah, Yeah. Was ist die Geschichte hinter dem (langen) Titel?

    Friedberg: Eigentlich hauptsächlich der Song Yeah. Hab gedacht, das ist eigentlich ganz witzig. Ich wollt ja den Song dann auch Yeah, Yeah, Yeah, Yeah, Yeah, Yeah, Yeah, Yeah nennen, aber da haben dann ein paar Leute gemeint, das ist dann vielleicht ein bisschen nervig, vielleicht spielen die dann den Song nicht im Radio, weil die denken, oh Gott, jetzt müssen wir da irgendwie acht Mal Yeah sagen. Ich hätts ja ganz lustig gefunden, aber da hatte ich ein bisschen Gegenwind (lacht). Und jetzt haben wir zumindest die EP so genannt.

     
    „Kann ich das schnell aufnehmen?“

    Anna: Willst du uns einen inhaltlichen Einblick hinter den Songs geben? Welche Messages verarbeitest du in den einzelnen Liedern?

    Friedberg:  Zu Lizzy: Cheryl, unsere Bassistin, die hat mit der Bassistin von SAVAGES, einer Punkband aus England, zusammengewohnt. Und die hat Geburtstag gefeiert und es war halt voll die coole Party, die haben beide haben ne Double-Bass-Session gemacht und dann sind mir, warum auch immer (lacht), random Zeilen des Gedichts von T.S. Eliot „The Love Song of J. Alfred Pufrock“ um die Ohren geflogen. Zum Beispiel „In the room the women come and go, talking of Michelangelo”. Und dann stand da auf einmal Michelangelo mit der Cheryl und hat n Gin Tonic getrunken. Als es mir dann ein wenig besser ging später, hab ich auf dem Heimweg eigentlich schon so ein bissl angefangen, die Melodie da irgendwie reinzusingen. Zwei Tage später im Studio in London hab ich dann mit unserem Produzenten den Song innerhalb von einer Stunde gemacht, das ist so schnell gegangen.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen

    Hollywood hab ich in der Wüste geschrieben an dem Beginn des Trips. Mir gings eigentlich ziemlich schlecht, weil ich in so einer beschissenen Beziehung war und eigentlich gar nicht schreiben konnte. Und dann hat ein Freund zu mir gesagt „probier doch mal die Cut Up-Technik“. David Bowie hat die viel verwendet, da kopiert man Zeitungsartikel und Seiten aus Büchern raus, schneidet randomly Wörter und Phrasen aus, schmeißt sie auf den Tisch schmeißt und setzt sie zusammen. Man sieht quasi Sachen, über die man unterbewusst eh schreiben will. Und so hab ich dann einen Teil eigentlich von dem Song mit dieser Methode geschrieben und den Rest war ein Gedicht, das ich eh schon geschrieben hatte. Das fand ich eigentlich ziemlich cool mit der Technik.

    Midi 8 zum Beispiel war einfach nur ne ganz wilde Session (lacht). Das hat nur so 20 Minuten gedauert, mein Produzent Daniel Brandt hatte schon den Beat und Bass eingespielt. Ich bin gerade mit Rucksack ins Studio rein, hör das so und mir ist sofort die Melodie eingefallen (singt die Synths). Hab den Rucksack noch aufgehabt und gefragt „kann ich das schnell aufnehmen?“ Das Mikrofon war irgendwie auch nur so kniehoch, ich hab mich so ganz komisch gebeugt und diese Melodie schnell eingesungen. Synthesizer eingespielt, Tamborines und dann war das auch schon fertig. Das war so eine ganz kurze, wilde Berlin-Session.

     
    „Das war der Beginn der Lovestory mit der Cowbell“

    Anna: Zu Midi 8 wollt ich auch zu sprechen kommen, weil der ja wirklich deutlich aus der EP heraussticht. Ist deutlich elektronischer und eine (gigantische) Kuhglocke spielt eine wichtige Rolle. Kuhglocken scheinen dich allgemein sehr begeistert zu haben.

    Friedberg, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, friedbergband, anna f., midi 8, yeahx8, yeah yeah yeah yeah yeah yeah yeah yeahFriedberg: (ganzes Gesicht leuchtet auf) Das begeistert mich sehr, ja. Ich weiß auch nicht, ich bin einfach riesen Cowbell-Fan. Das hat sich aber erst in LA ergeben, weil wir da so wenig Instrumente hatten. Wir konnten von hier ja nichts mitnehmen und haben uns dann von Freunden Sachen ausgeliehen. Die haben uns aber immer die schlechteste Gitarre, den schlechtesten Bass gegeben und dann noch die Kuhglocke. Das war der Beginn der Lovestory mit der Cowbell. Ich wollte dann eigentlich noch eine eigene Instagram-Seite für die Cowbell machen (lacht). Aber jetzt ist sie erstmal Teil meiner eigenen Instagram-Seite, obwohl sie ja eh ein bissl traurig ist, weil sie braucht sehr viel Aufmerksamkeit und würd schon eigentlich gern mehr meinen Kanal übernehmen. Da hab ich gemerkt, das ist mir schon ein bisschen zu Kopf gestiegen (lacht).

    Anna: Würdest du auch für Midi 8 entscheiden, wenn ich dich nach deinem Lieblingssong frage?

    Friedberg: Boah, das ist echt ur-schwer. Also es ist auf jeden Fall live definitiv mein Lieblingssong. Live geht der so krass ab auch. Mhm, generell hab ich keinen Lieblingssong, das ändert sich die ganze Zeit. Was ist denn dein Lieblingssong?

    Anna: Ich find glaub ich Pass Me On ziemlich geil, den Opener.

    Friedberg: Ah ja, geil! Den mag ich auch sehr gerne.

    Anna: Damit sind wir auch schon fast am Ende. Unsere Schlussfrage richtet sich ein bisschen nach unserem Konzept bei Untoldency und fragt nach einer untold story. Kannst du uns da was erzählen, was du so vorher noch nie in einem Interview erzählt hast?

    Friedberg: (überlegt) Ich hab Angst vor Luftballons.

    Anna: Wenn sie platzen oder wenn sie einfach existieren?

    Friedberg: Beides. Also eigentlich vorm Platzen, aber wenn sie schon existieren, dann gibt’s ja immer die Chance, dass sie platzen, deswegen…

    Anna: Möchtest du sagen, warum?

    Friedberg: Ich weiß nicht, also ich glaube ein Kindheitstrauma wahrscheinlich oder so. Ich hab auch nicht nur vor Luftballons Angst, sondern auch vor allen anderen lauten Knallen. Vor Prosecco-Korken, vor Feedback in Monitor Boxen, vor Feuerwerk. Silvester kann ich nie außer Haus gehen. Ich weiß nicht, woher das kommt. Ich hab aber auch schon zwei Leute in meinem Leben getroffen, die das gleiche haben. Das Schlimmste ist es, wenn Kinder Luftballons in der Hand halten!

    Anna: Ich hatte immer Angst vor Sektflaschen aufmachen, und das kann ich jetzt auch nur, weil ich lange in der Gastro gearbeitet hab. Dieses Gefühl, dass da so viel Druck drauf ist, dass man einfach nicht genau weiß, wann der Knall kommt.

    Friedberg: Genau! Vielleicht ist das wirklich Kontrollverlust, das kann natürlich auch sein. Man kann nicht kontrollieren, wann’s passiert.

    Anna: So deep wollte ich jetzt auch gar nicht gehen, sorry (lacht). Aber danke für’s Sharen und für’s Interview!

    Friedberg: Danke dir!

     

    Hört hier in Friedbergs Debüt-EP rein:

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen ‚
    ‚
     

    Fotocredit: Henry Gorse, Max Parovsky

  • Schweizer Flair direkt ins Herz: „2000 etc.“ von Jeans for Jesus feat. Steiner & Madlaina

    Schweizer Flair direkt ins Herz: „2000 etc.“ von Jeans for Jesus feat. Steiner & Madlaina

    Die heutige Single-Empfehlung kommt von insgesamt sechs Schweizer:innen und hat meine Tage seit Release letzter Woche fast stündlich begleitet. Es geht um 2000 etc., die neue Single der Schweizer Indie-Pop Band Jeans for Jesus mit dem Folk-Pop Duo Steiner & Madlaina. Wieso ich sie seit Tagen nonstop auf Repeat höre, lest ihr jetzt.

     
    Einmal komplette Pop-Power aus der Schweiz bitte

    Doch erstmal ein kleiner Fakten-Check: Wer sind Jeans for Jesus und was macht das Feature mit Steiner & Madlaina so besonders?

    Jeans for Jesus, auch bekannt als die „Neuerfindung des Schweizer Pops“, sind die vier Jungs Michael, Philippe, Demian und Marcel. Auch wenn sie sich bis jetzt zugebenermaßen noch nicht auf meinen privaten Playlisten ausgetobt haben, so hab ich den Namen auf dem Schirm seit ich ihn vor ein paar Jahren das erste Mal gehört hab. Im See von durchschnittlichen Bandnamen ist „Jeans for Jesus“ einer, den man sich merkt. Sie haben das erste Mal 2014 mit ihrem gleichnamigen Debütalbum auf sich aufmerksam gemacht und wirbeln seitdem vor allem die Indie-Pop Szene in der Schweiz ein ganz schönes bisschen auf. Catch: Alle Songs waren bisher auf Schweizerdeutsch und somit im Genre der „Mundart“. Die andere Seite des Catchs: Diesen Dialekt verstehen nur ca. vier Millionen Menschen weltweit. In Zeiten von Streaming als fast einzige Geldeinnahme von Musiker:innen ist das eher so suboptimal. Das soll nun geändert werden:

    Das nächste Album Germany’s Next Jeans for Jesus (auch hier wieder: was ein extrem cooler Name) soll vor allem ein Album auf Hochdeutsch werden. Zweiter Vorbote dafür ist nun die Elektro-Pop-Ballade 2000 etc. Es ist kein komplett neuer Song, sondern war schon in der schweizerdeutschen Variante 2000&irgendwo auf ihrem letzten Album vertreten. Für die Version auf Hochdeutsch haben sich Jeans for Jesus nun niemand anderen dazu geholt als das ebenfalls aus der Schweiz kommende Duo Steiner & Madlaina. Und ich muss sagen, damit haben sie sich schon fast die beste Feature-Kombi dieses Jahrs gesichert. Auch Steiner & Madlaina machen gerade ordentlich Wind, zuletzt mit ihrem letzten Monat erschienenen Album Wünsch mir Glück. Zusammen bilden sie vielleicht das Dream-Band-Couple der Schweiz, das jetzt auch ganz Deutschland erobern wird, und ich für meinen Teil bin verliebt.

     
    Musikalischer Vent incoming

    Zur ausführlichen Recherche hab ich mir natürlich das Original 2000&irgendwo angehört und muss hier tatsächlich noch mehr Bewunderung aussprechen. Auch wenn man ganz deutlich erkennt, dass 2000 etc. eine Übersetzung des alten Songs ist, so haben Jeans for Jesus damit wirklich nochmal eine ganz andere Version des Songs hervorgezaubert. Man erkennt zwar Parallelen, vor allem in der Lead-Melodie, das Gerüst darum jedoch – komplett anders. Ich glaube, der Hauptgrund, warum ich das seit Tagen rauf und runter höre, befindet sich irgendwo in diesem neuen musikalischen Gerüst. Es ist ein bisschen elektronischer und hört sich rundum einfach so voll an. Guckt euch das an, vermeintliche „Musikjournalistin“, aber alles, was am Ende bleibt ist „das hört sich rundum einfach so voll an“. Aber es gibt manche Songs, die gehen mit ihrer Melodie und ihrem Gesamtklang straight in mein Herz und dann fehlen mir einfach die richtigen Worte, zu sagen, warum. Am besten hört ihr einfach selbst kurz rein:

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen

    Also erstmal: was ein cooles Musikvideo. Obwohl es so simpel ist, kann ich nicht weggucken. Das Color Grading ist einfach on point. Ich hab auch noch nie jemanden so ästhetisch einen Handybildschirm filmen sehen. Was für eine Parallelwelt, die 2020 da losgetreten hat.

     
    Eine Ballade direkt in mein von Melancholie getrübtes Lockdown-Herz

    Doch zurück zu meinem Versuch, zu erklären, warum ich so viel Liebe für diesen Song empfinde. Eine große Rolle spielt offensichtlich das Feature mit Steiner & Madlaina. Vielleicht ist es dieser Touch Weiblichkeit, den die beiden mit ihren warmen Stimmen den Song geben, der den gewissen Stoß gibt. Es fängt direkt an mit Madlaina aus ihrem kleinen Handydisplay. Sie singt die erste Strophe mit tiefer Stimme und wenn man einen Crush auf Stimmen entwickeln kann, hab ich das offiziell getan. Nora singt den Refrain und obwohl sich das stimmlich auf einer höheren Oktave bewegt, ist es die Kombi aus Stimme und dieser Ohrwurm-Melodie, die Jeans for Jesus da gezaubert haben, die mich auch hier schwach werden lässt.

    Die Jungs haben den Fokus des Songs einfach komplett auf diese beiden Frauen gelegt. Vielleicht ist es dieses nicht-vorhandene Männer-Ego, das mich dieses Lied auch so lieben lässt. Es ist ihr eigener Song und bis auf das musikalische Setting sind eigentlich nur Steiner & Madlaina zu hören. Ein super angenehmes i-Tüpfelchen auf einem sowieso schon schönen Song-Erlebnis.

    Inhaltlich hauen die Lyrics von 2000 etc. dann auch noch völlig in meine ewige Lockdown-Melancholie und machen alles auf absurde Weise perfekt:

    „In diesen Monaten, in denen die Wochen und Tage ineinander zu fließen scheinen, sich die Feiertage, Weekends und Jahreszeiten kaum noch auseinanderhalten lassen, müssen auch wir, die das sonst nur von den Großeltern kennen, plötzlich an früher denken und versuchen, uns auf morgen zu freuen. Wir sind gezwungen, unsere verschwommenen Erinnerungen an die letzten Jahre in die Zukunft zu werden. Neunzehnhundert und so, zweitausend und irgendwo.“

    Besser werd ich es nie in Worte packen können. Und damit entlass ich euch in diese Welt voller Gefühle, die 2000 etc. aufmacht. Für den Schweizer Flair voll Synthies und schönen Stimmen, der die Tage ein kleines bisschen schöner wirken lässt.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen ‚
    ‚
     

    Fotocredit: Matthias Guenter

  • Maria Basel im Interview: »Ich bin über meine Grenzen gegangen und habe sehr viel gelernt – auch über mich selbst.«

    Maria Basel im Interview: »Ich bin über meine Grenzen gegangen und habe sehr viel gelernt – auch über mich selbst.«

    Maria Basel hat am Freitag ihre Debüt-EP Layers rausgebracht und ist in diesem Zusammenhang eine Empfehlung von Herzen. Als klassisch ausgebildete Musikerin bringt sie mit ihren ersten Veröffentlichungen schon eine musikalische Expertise mit, die man in jedem Song hört. In den fünf Songs kommen Jazz und R’n’B zusammen und heben das Genre „Singer-Songwriter“ nochmal auf eine ganz andere Ebene. Nimmt man sich die Minuten, so wird einen Layers auf eine ganz andere Art berühren. Wir haben Maria im Interview ein bisschen über die Songs auf ihrer EP ausgequetscht. Außerdem haben wir über ihr erstes Musikvideo gesprochen und wie es ist, mitten in Corona eine Solo-Karriere zu starten.


    Maria Basel im Interview

    Anna: Hey! Schön, dich hier endlich mal richtig vorzustellen zu dürfen, mit einem sehr aufregenden Aufhänger wie ich finde: Deine Debüt-EP Layers kommt nächste Woche raus. Auf einer Skala von 1 bis 10, wie sehr freust du dich, deine Musik in dem Gesamtkonzept der EP endlich raus in die Welt zu lassen?

    Maria: Hey Anna, vielen Dank für das Interview! Naja, es ist schon schwierig in Worte zu fassen…
    Am Anfang waren das alles Ideen, Melodien, die nur ich in meinem Kopf hören konnte. Das alles in Musik umzuwandeln, für andere hörbar zu machen und am Ende auch noch eine CD in den Händen zu halten – das ist ein unglaublicher Prozess! Ich bin oft sehr selbstkritisch und mir fällt es schonmal schwer, ein Stück loszulassen. Zu akzeptieren, dass es fertig und gut ist wie es ist. Die Stücke in die Welt zu lassen und nichts mehr daran ändern zu können, ist ein sehr schönes und auch befreiendes Gefühl.

    Anna: Wie würdest du selbst deine Musik beschreiben für Leute, die dich noch nicht kennen?

    Maria: Ich mache elektronische Pop-Musik mit Einflüssen aus Klassik, Ambient, Downtempo, R&B – zum Eintauchen und sich fallen lassen. Haha, eine wilde Mischung, wenn man es so liest!

    Anna: Du hast erst letztes Jahr deine erste Single Lioness veröffentlicht. Eigentlich machst du aber schon viel länger Musik, warst schon mit vielen anderen musikalischen Projekten unterwegs. Wie bist du zur Musik gekommen? Und was macht dieses Soloprojekt für dich so besonders?

    Maria: Ich komme aus einer klassischen Musikerfamilie, mir wurde die Musik quasi in die Wiege gelegt. Meine Mutter ist Pianistin, mein Vater Cellist, mein Großvater war Komponist. Ich habe mit fünf Jahren angefangen Klavier zu spielen und dann viele Jahre jeden Tag intensiv geübt und an Wettbewerben teilgenommen. Irgendwann war die Zeit aber einfach nicht mehr dafür da. Ich habe dann von allein begonnen, mir erste eigene Stücke auszudenken und mich beim Singen am Klavier zu begleiten. Seitdem ich in Wuppertal lebe, habe ich angefangen, intensiver im Pop- und Jazzbereich Musik zu machen, in Bands zu spielen und aufzulegen. Ich hab auch in spartenübergreifenden Projekten wie z.B. mit dem Pina Bausch Ensemble oder den Wuppertaler Bühnen gearbeitet. Dadurch, dass ich alle meine Stücke selbst schreibe und produziere, bin ich nicht darauf angewiesen meine Sound-Vision einer außenstehenden Person umständlich erklären zu müssen. Ich bin somit autark in dem, was ich tue.

     
    „Wir sind schon beim ersten Video direkt aufs Ganze gegangen.“

    Anna: Ich fand Lioness eine unglaublich starke Debütsingle und so wie ich das mitbekommen habe, war ich da nicht die Einzige. Worum geht’s in dem Song? Und kannst du ein paar Worte über das Musikvideo dalassen? Da haben ja wirklich sehr viele Menschen hinter den Kulissen mitgewirkt, um das alles so möglich zu machen. Woher kamen die Inspirationen, die ihr so künstlerisch umgesetzt habt und wie war die Umsetzung vor Ort?

    Dankeschön! Lioness erzählt die Geschichte zweier Frauen, deren gemeinsamer Weg von innerer Stärke, unerfüllbaren Erwartungen, vereitelten Träumen und dem Aufeinandertreffen zweier sehr verschiedener Welten geprägt ist.

    Das Musikvideo zu Lioness war mein erstes und dafür war es ein ziemlich aufwendiges. Von der ersten Idee, dem Schreiben des Drehbuchs bis hin zur Motiv- und Komparsinnen Suche und dem tatsächlichen Dreh haben mein Team und ich knapp ein halbes Jahr daran gearbeitet. Zum Beispiel sind wir für ein paar Szenen an einem Tag nach Scheveningen gefahren. Dort bin ich in meinem roten Kleid von einem Bungee Turm gesprungen, wurde in einem Motorboot aufs Meer rausgefahren und im Meer schwimmend von einer Drohne gefilmt. Wir sind also schon beim ersten Video direkt aufs Ganze gegangen 🙂

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen

    Die vielen Menschen vor und hinter der Kamera haben mit mir gemeinsam Lioness zum Leben erweckt. Ich hatte die Ehre mit der Pina Bausch Tänzerin Ruth Amarante als Hauptdarstellerin zu arbeiten. Norman Tebel hat Regie geführt und mit mir und Arne Schramm das Drehbuch geschrieben. Er begleitet mich bis heute unfassbar kreativ und unterstützend in der visuellen Umsetzung meiner Musik. Ich habe so viel Support von verschiedensten Seiten dafür bekommen – ob z.B. beim Kostüm von Halstenbach Fine Clothes, dem Kunst- und Kulturort LOCH als Produktionsbase, Max Grüttefien an der Kamera, Maurice Egen und Pauline Pfingsten in der Produktionsleitung oder den acht wunderschönen, starken Frauen als Komparsinnen. Ich habe außerdem über Startnext das Geld für das Video zusammengesammelt. So konnte ich es so in einer Zeit ohne richtige Einnahmemöglichkeiten überhaupt finanzieren – also sind so gesehen noch viel mehr Menschen daran beteiligt!

    In dem Video gibt es einige Referenzen zu meiner Heimat, der Ukraine. Zum Beispiel bei den weißen Kleidern der Frauen oder dem Blumenkranz den ich trage. Außerdem schlängelt sich das Element des Wassers als roter Faden durch das Video – als ein rein-waschendes, aber auch verschlingendes Element. Ich bin in dieser Zeit oft über meine Grenzen gegangen und habe sehr viel gelernt – auch über mich selbst.

     
    „Als wäre man im Traum gerannt und würde ganz atemlos wach werden.“

    Anna: Als zweite Single kam der Opening Track Same But Different. Ich hab beim Zuhören wirklich das Gefühl, dass du mit dem Track in die EP einleitest, alles wirkt sehr intim und zerbrechlich, aber genau deshalb auch ziemlich powerful. Du komponierst ja deine Musik auch selbst, war das das Gefühl, was du mit dem Song vermitteln wolltest? Was bedeutet er für dich?

    Maria: Die Entscheidung, Same But Different als erstes Stück für die EP zu nehmen stand für mich recht schnell fest. Es leitet fließend und ruhig ein und entwickelt sich mit der Mehrstimmigkeit und den Beats immer weiter. Ich bin sehr stolz auf diesen Song. Es geht in dem Stück um Menschen, die sich so sehr ähneln und harmonieren und gleichzeitig doch so grundlegend unterschiedlich sind. Das erzeugt eine faszinierende Spannung, die einen nicht loslässt, die einem gut tun, aber auch sehr aufwühlend sein kann.

    Anna: Da ich dich über die ersten beiden Songs jetzt so detailliert ausgefragt habe, muss ich der dritten und letzten Singleauskopplung vor Release auch seinen Platz geben: Mein persönlicher Favorit Wake Up Tired bringt den leicht poppigen Touch in deine EP. Was hattest du im Kopf als du den Song geschrieben hast? Wie viel Stufen in der Entwicklung ist er durchgangen bis er so in seiner finalen Form fertig war?

    Maria Basel, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, maria basel, layers, lioness, wake up tired, untold storiesWake Up Tired sticht schon ein wenig raus, das stimmt! Der Song beschreibt einen Zustand, den ich nur zu gut kenne. Schlafen und doch müde aufwachen. Nicht zur Ruhe kommen, da sich meine Gedanken im Schlaf weiter in meinem Kopf drehen, mich verfolgen, an mir zerren. Gedanken über Dinge, die ich tun will, die von mir erwartet werden, Menschen die mir nah stehen und mich beschäftigen. Ich stürze mich in Traumwelten, von einem Traum in den nächsten, in nicht fassbarer Geschwindigkeit und Anzahl. Als wäre man im Traum gerannt und würde ganz atemlos wach werden.

    Ich habe über einen längeren Zeitraum an diesem Song gearbeitet und ihn immer wieder angepasst und feingeschliffen. Wake Up Tired ist eine Mischung aus Härte und warmer Schwerelosigkeit. Einerseits ist da durch viele weiche, weite Synthies und reverb-lastige Gesänge viel Luftigkeit drin – andererseits gibt es aber auch Teile mit harten Kicks und Claps, trockenen rhythmischen Gesängen, Bass-Synthies, die rau und sehr präsent, fast Sägen-artig klingen.

     
    „In jedem Song steckt unglaublich viel Liebe und Zeit drin.“

    Anna: Die zwei letzten Songs Traveller und The Climb kommen zusammen mit der EP raus. Der eine deutlich klassischer nur mit Klavier, der andere baut sich auch elektronischer immer weiter auf. Von all den Songs auf Layers, hast du einen, der dir über die Zeit besonders ans Herz gewachsen ist?

    Maria: Es steckt in jedem der Songs unglaublich viel Liebe und Zeit drin, also ist es schwierig einen Favoriten rauszupicken… Die Entstehung zum Video von Lioness war eine sehr intensive und wunderschöne Zeit. Dadurch, dass ich mich mit dem Song für die visuelle Umsetzung nochmal ganz anders, zum Teil auch intensiver auseinandergesetzt habe, ist er mir schon sehr ans Herz gewachsen. Und irgendwie war mir von vornherein klar, dass das meine erste Single werden soll. Auch dadurch hat Lioness nochmal eine andere Bedeutung für mich.

    Anna: Zusammen mit Release hast du dir auch was Besonderes als Merch einfallen lassen: Du hast limitierte, handbemalte Layer Dolls aus Holz gefertigt, die man in Deutschland als Matrjoschka kennt. Das ist nicht nur ein wunderschönes Sinnbild für die EP (es sind ja wortwörtlich Layers), sondern auch eine Referenz zu deinem Herkunftsland, der Ukraine. Wie bist du auf die Idee gekommen?

    Maria Basel, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, maria basel, layers, lioness, wake up tired, untold stories
    a proud mama

    Maria: Die Idee zu den Layer Dolls kam tatsächlich von meinem guten Freund und Musiker Jonas David. Ich wollte zusätzlich zur EP etwas haben, was nichts mit dem typischen T-Shirt oder Jutebeutel Merch zu tun hat und fand die Idee zur Doll wunderschön und sehr passend. Jede Puppe verkörpert einen Song auf der EP und im Inneren befindet sich Layers als digitale Download-Version. Zusammen mit dem Künstler David Friedrich habe ich mir überlegt, wie jeder Song aussehen könnte, welche Farbwelt, Struktur verkörpert wird. Alle 50 Dolls sind eigens von uns handbemalt, somit ist jede ein einzigartiges kleines Kunstobjekt.

     
    „Ich sehne mich sehr danach, neue Musik zu schreiben.“

    Anna: Du startest 2021 mit der EP, und hoffentlich auch besseren Aussichten aufs Live spielen als letztes Jahr. Wie hast du den Start deiner Karriere inmitten all dem Chaos wahrgenommen? Und gibt es vielleicht schon Sachen, die du für die Zukunft geplant hast und hier mit uns teilen kannst?

    Maria: Die Entscheidung, den Schritt in die Musikindustrie in so einer Zeit zu machen, war anfangs schon ein bisschen seltsam. Es ist sowieso ein sehr ungewisser und schwieriger Weg und in der jetzigen Zeit umso unabsehbarer. Aber retrospektiv war es absolut die richtige Entscheidung. Letztes Jahr kam eins zum anderen. Ich habe begonnen, mit dem Indie-Label Listenrecord aus Berlin zu arbeiten, habe meine ersten Singles veröffentlicht, Musikvideos gedreht und insgesamt so viel an meiner Musik gearbeitet wie nie zuvor. Somit hatte ich immer etwas zu tun, das hat sehr durch diese absurde Zeit geholfen. Ich habe bislang unfassbar viel schönes Feedback bekommen und das motiviert natürlich auch weiter zu machen. Nach dem Release meiner EP möchte ich direkt anfangen, an meinem Album zu arbeiten. Ich sehne mich sehr danach, neue Musik zu schreiben, mit anderen Künstlern zusammen zu arbeiten und hoffentlich auch bald wieder richtige Konzerte vor Publikum zu spielen!

    Anna: Die letzte Frage bezieht sich bei uns immer auf eine untold story. Gibt es eine Anekdote oder einen Fun Fact zu dir oder deinem Projekt, den du noch nie in einem Interview erzählt hast?

    Maria: Hmm, schwierig. Vielleicht kein fun fact, aber eine kleine Geschichte zur Entstehung des letzten Songs der EP The Climb: Ich habe vor ein paar Monaten mein ganzes Equipment zusammengepackt und mir für etwas mehr als eine Woche ein kleines Häuschen auf dem Land gemietet und bin so quasi kurz aus meiner Realität in eine Welt der Ruhe und Einsamkeit geflohen. Das war eine wirklich sehr schöne Zeit, da ich mich dort 24/7 meiner Musik gewidmet habe. Ich bin mit dem Ziel dorthin gefahren, den fünften und letzten Song für die EP zu schreiben – eigentlich ein viel zu ambitioniertes Ziel, da ich bislang noch nicht dahinter gekommen bin, wie ich meine Muse aktiv heraufbeschwören kann. Eine Woche ist schon ziemlich wenig Zeit, wenn ich meine Songs sonst zum Teil über mehrere Monate geschrieben habe. Aber am Ende sind in dieser Woche sogar zwei ganze Songs entstanden, einer davon The Climb.

     

    Hört hier in Layers rein:

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen ‚
    ‚
     

    Fotocredits: Norman Tebel, Arne Schramm

  • Tóke vereint in „Brown Face“ Outrage, Empowerment und musikalische Finesse

    Tóke vereint in „Brown Face“ Outrage, Empowerment und musikalische Finesse

    Das erste, was ich gedacht habe, als ich den Wahl-Berliner Tóke zum ersten Mal gehört habe, war: „das klingt wie Jason Mraz, nur viel cooler“. Es ist diese bestimmte Mischung aus R’n’B und Soul, die nicht nur unglaublich lässig ist, sondern auch ein klein bisschen zum Tanzen einlädt. Tókes neue Single Brown Face nimmt genau diesen Sound auf und verarbeitet darüber hinaus auch noch ein sehr ernstes und persönliches Thema, mit welchem wir uns alle sowieso auch weiterhin beschäftigen müssen. Es geht um die westliche Wahrnehmung anderer Kulturen und Tókes eigenes Aufwachsen als BIPOC (Black, Indigenous and People Of Color) im ländlichen Deutschland. Cooles Lied, wichtige Botschaft, schönes Musikvideo und ein einfach nur super sympathischer Künstler selbst – das sind vier Gründe, weiterzulesen und reinzuhören.

     
    Geschichte wird immer noch weiß erzählt

    Geboren in Jakarta, Indonesien und aufgewachsen in der Nähe von Hamburg macht Tóke schon länger Musik. Mit seinen ersten Veröffentlichungen hat er frischen Wind in die deutsche Reggea Szene gebracht. In dem Kontext hat er auch schon mit Größen wie Gentleman die Bühne geteilt. Im Lockdown Jahr hat er sich dem musikalischen Druck von außen (und innen) entzogen und einfach das gemacht, was ihn gerade kreativ angetrieben hat. Dazu hat er mit den Produzenten FLKS aus Berlin und Meekesa aus Italien zusammengearbeitet. Ergebnis ist die im Mai erscheinende EP The Art Of Letting Go, die mehr Einflüsse aus dem Neo-Soul und R’n’B in sich trägt. Also genau das, was ich auch an Brown Face so liebe. So let’s talk about Brown Face:

    https://www.youtube.com/watch?v=pK22D7uMELY

    Es eröffnet mit ganz seichten Synth-Klängen, fast schon Klangschüssel-sphärisch. (Ich baue darauf, dass ihr schon auf Play gedrückt habt, dann macht diese Beschreibung auch Sinn). Die Klänge sind ruhig und befördern mich direkt in meine comfy zone. Tókes Stimme legt sich drauf und jap, musikalisch immer noch absolut meins. Es folgt der Break zur Strophe und ich bin jedes Mal wieder, obwohl ich weiß, was kommt, schlichtweg begeistert. Ein ultra lässiger R’n’B Beat gesellt sich dazu, die Klangschüssel-Klänge sind immer noch da, wenn auch mehr im Hintergrund. Und so bleib auch ich in meiner jetzt leicht up-bouncigen comfy zone. Tóke selbst verfällt in einen Flow und, ich sag wies ist, liefert Line für Line einfach nur ab.

    Call me exotic, that’s white gaze

    My culture surpasses your mindframe

    My batik outshines your nike’s

    First people after the ice age

    Auch wenn Tóke seine Inhalte ziemlich treffend formuliert, lohnt es sich, auch zwei Mal über das gerade gelesene nachzudenken. Denn auch wenn wir vor allem auf Social Media immer mehr über solche Themen sensibilisiert werden (wenn man sich in der richtigen Bubble bewegt), so ist die Realität da draußen trotzdem immer noch weit weg von dem, was wir akzeptieren können. Die Generationen nach uns wachsen immer noch in einem strukturell rassistischen System auf, das nicht mal die Kolonialzeit in der Schule kritisch behandelt. Geschichte wird immer noch weiß erzählt.  

     
    “They want us gone, but we’re still here!”

    Brown Face ist aber nicht in erster Linie ein Song über die vorhandenen Missstände. Es geht viel mehr um Empowerment, um Sichtbarkeit und der stetige Kampf, sich nicht unterkriegen zu lassen. Auch für die Generationen, die nach uns in diesem verkappten System aufwachsen.

    Litte boy with the brown face | keep in mind this is our place | we gon’ get comfy up in here

    They gaslighting and downplaying | we uproar ‘cause we outraged | they wany us gone, but we’re still here!

     

    Musikalisch befinden wir uns im Refrain des Songs und obwohl es inhaltlich sehr ernst zugeht, so ist das einfach nur ein tanzbarer Ohrwurm, den Tóke da hervorgezaubert hat. Passend wird auch im Video dargestellt, dass die Ernsthaftigkeit nicht alles sein kann. Die BIPOC Darsteller:innen (@alle, ich bin geflasht von eurer Schönheit) fangen an zu tanzen, zu lachen und sich gegenseitig zu feiern. Und das macht nur vom Zuschauen happy.

    Tóke, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, untold music, tóke, tokemusic, brown faceAuch für Tóke persönlich ist das hier ein ganz besonderes Video, ein ganz besonderer Release. Es ist das erste Mal, dass er in seiner Musik offen über sein Aufwachsen im ländlichen Deutschland reflektiert:

    „Growing up as a brown boy in a white world was weird sometimes. A lot of hidden scars came up during the last year. Lot of awkward moments where I only realized after a certain time that I wasn’t seen with my full capacity as a human being but rather reduced by the notion of my apparent ‘otherness’. It’s time to fully free up and embrace who we are no matter the context.”

    Und mit diesen Worten entlassen Tóke und ich euch auf eure eigene Reise zu Brown Face. Auf dass wir alle mal im 21. Jahrhundert ankommen und nicht nur aus den Fehlern der Vergangenheit lernen, sondern sie auch wiedergutmachen.

     

    Die wunderschönen Menschen, die ihr im Video so happy tanzen seht sind (links nach rechts auf dem Bild oben): Asya Mzee, Peggy Haze, Timo Daher, Tóke selbst, N. Ndoumbé Koite, Bimi Lkhagva, Lovely Uwumarongie. Und natürlich nicht zu vergessen die süßen Geschwister Jakob & Josef Kümmel.

     

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen ‚
    ‚
     

    Fotos von Alex Kleis

  • Exklusive Videopremiere: MORYZ und „Jupiter“

    Exklusive Videopremiere: MORYZ und „Jupiter“

    Fans von Tua, Goldroger, Olson und Majan können jetzt ein bisschen aufhorchen. Das Thema unserer heutigen Videopremiere lautet: Rap meets Pop meets ästhetische Drohnen Shots in Fuerteventura. Wenn das keine ultra coole Kombi ist, weiß ich auch nicht. MORYZ, um den es heute geht, ist ein Rapper im Blut. So würde ich das jedenfalls beschreiben, wenn man seit über 20 Jahren Musik macht und Sounddesign, Komponieren und Produzieren sogar studiert hat. Das alles trifft auf den Tübinger Rapper zu und wir haben hier die Ehre, das Musikvideo zu seiner neuen Single Jupiter zu prämieren. Und das, bevor die Single morgen auf allen Plattformen veröffentlicht wird!

     
    Gegenteile, die faszinieren

    Wer (zu Recht) vor allem bei „Drohnen Shots in Fuerteventura“ neugierig wurde, den will ich auch gar nicht lange warten lassen. Denn was MORYZ auf eigene Faust für seine Single visuell festgehalten hat, ist wirklich mehr als sehenswert. Ich muss sagen, mein Fernweh ist seit einem Jahr so groß, dass ich auch gar nicht viel brauche, um so begeistert zu werden. Aber selbst mit diesen niedrigen Ansprüchen bin ich fast den Tränen nahe als ich diese wirklich einfach nur wunderschönen Strände Fuerteventuras sehe. Dieser Ozean –. Ich bin zu 1000% neidisch auf MORYZ und sein Team, die diese Augenblicke einfangen durften. Seid die ersten, die mit mir neidisch werden:

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen

    Das Musikvideo zu Jupiter fängt aber nicht nur das schöne Wasser ein, sondern auch die steinigen und trocknen Flächen der Insel. Es sind mal wieder die Gegenteile, die faszinieren und die auch bei Jupiter inhaltlich eine zentrale Rolle spielen.

    Furchtlos Tanzen auf Scherben

    Angst vorm Sterben

    Können nicht mehr ändern, wer wir waren

    Doch haben in der Hand, wer wir werden

    MORYZ hat den Song in einer für ihn sehr schwierigen Zeit geschrieben, kurz nach seiner Trennung im Sommer. Jupiter verarbeitet diese Gefühle auf einer musikalisch sehr zugänglichen Art und beweist: Break-Ups sind leider immer noch die besten Inspirationen. Und Musik die beste Therapie. Und das sieht man auch im Video. Immer leicht verloren läuft MORYZ durch die trocknen und endlos erscheinenden Weiten der Insel, neben ihm das aufbrausende (und wunderschöne) Meer. Ohne richtigen Anhaltpunkt oder ein Ziel vor Augen versucht er sich selbst zu finden. Es hat auch nach außen hin, wie ich gerade merke, was sehr Therapierendes, ihm dabei zuzusehen. Denn Jupiter bezieht sich nicht nur auf den zerreißenden Liebeskummer nach einem Beziehungsaus, sondern auf alle Struggles, denen wir im Leben begegnen. Alle negativen Ereignisse oder Situationen, die einen nicht nur runterziehen, sondern auch so richtig mit Dropkick niedertreten können. Die Kunst dabei ist es, immer wieder aufzustehen.

    Ich steh auf, wenn ich lieg

    Komm wieder auf den Boden, wenn ich flieg,

    Niederlage oder Sieg

     
    Jupiter, der große Träumer

    MORYZ, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, untold music, moryz rapper, jupiter, superlifepromoMusikalisch bewegen wir uns bei Jupiter wie schon anfangs angedeutet auf einer sehr zugänglichen Balance zwischen Rap und Pop. Es beginnt mit sphärischen Synths und MORYZ Stimme, die sich vom Klang her absolut neben Tua oder Majan einreihen kann. Tiefer Bass gesellt sich im ersten Refrain dazu und obwohl es noch relativ ruhig klingt, weiß man, das hier hat großes Ohrwurm-Potential. Nach einer Minute verschwindet die satte Soundkulisse. MORYZ liegt nicht mehr am Boden, sondern steht auf und fängt an zu rennen. Passend dazu bekommt auch der Song einen musikalischen Twist. Jupiter ist auf einmal upbeat, MORYZ rappt und auch ich wippe melodisch meinen Kopf mit. Tatsächlich ist die Soundkulisse trotz poppiger Melodie sehr elektronisch gehalten und man merkt, hier versteht einer was, von dem, was er macht. Macht auch Sinn, immerhin ist Jupiter eine straight up Referenz zu dem größten Planeten unseres Sonnensystems.

    Fazit: Das kleine Experiment-Video zu Jupiter ohne professionelles Kamerateam, sondern mit eigener Drohne ist nicht nur visuell gelungen, sondern passt auch ziemlich perfekt zum Song. Ab morgen ist die Single dann auch auf allen Streaming Plattformen zugänglich und MORYZ sowieso auch mal ein sanftes Auschecken wert.

     

    Fotocredit: Anders