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Faraway Friends im Interview: »Die Platte soll auf die Reise mitnehmen, die wir erlebt haben.«

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Eine Sache, die vielleicht viele nicht wissen: Am 22. März ist Weltwassertag! Wasser ist für uns so einer Selbstverständlichkeit, dass ein Reflektieren auch zu diesem Thema super wichtig ist. Denn: Wasser könnte nicht nur „irgendwann“ mal knapp werden, sondern ist es schon. Laut einer aktuellen Studie von UNICEF leben mehr als 1,42 Milliarden Menschen in Gebieten mit hoher oder extrem hoher Wasserunsicherheit. Jedes fünfte Kind weltweit hat nicht genug Wasser, um den täglichen Bedarf zu decken. Wir lesen uns diese Sätze nur durch, so viele Menschen erleben sie. Darauf möchte das musikalische Projekt Faraway Friends mit ihrem Album Rain Is Coming aufmerksam machen. In Zusammenarbeit mit Viva con Agua haben sich der österreichische Produzent und Schlagzeuger David Raddish, der deutscher Rapper Keno und die indische Singer-Songwriterin Ditty zusammengeschlossen. Wie das Projekt entstanden ist, worum es auf den Liedern geht und was ihr noch alles wissen müsst, lest ihr im Interview.

 
Faraway Friends im Interview

Anna: Hey! Ihr hat mit Faraway Friends ein unglaublich spannendes und wichtiges Projekt auf die Beine gestellt, das ihr mit Album-Release mit dem Rest der Welt teilt. Wollt ihr das Projekt und euch ganz kurz zur einleitenden Vorstellung zusammenfassen?

Keno: Faraway Friends ist ein Kollektiv, gegründet haben wir es zu dritt: Ditty, Singer-Songwriterin und Urban Ecologist aus Delhi, David Raddish, Produzent und Schlagzeuger aus Wien und ich, Keno. Ich bin Rapper und Songwriter in Hamburg und normalerweise mit meiner Band Moop Mama als Frontman unterwegs.

Anna: Wie habt ihr zueinander gefunden? Ein Album zu machen war ja gar nicht eure erste Prämisse.

Keno: Getroffen haben wir uns während einer Projektreise mit Viva Con Agua durch Indien. David und ich waren dort als Teil einer größeren NGO Gruppe unterwegs, um Wasserprojekte kennenzulernen. Viva Con Agua ist sehr vernetzt mit der Musikszene, die meisten werden schon mal auf irgendeinem Festival einen Pfandbecher in die Spendentonne geworfen haben. Sie verbinden die NGO Arbeit immer mit einer kulturellen Ebene und setzen die universelle Sprache der Musik ein, um Verbindung auf Augenhöhe zu schaffen. Das war unser Job.

Wir haben dann ziemlich gegen Ende unserer Reise Ditty in Varanasi kennengelernt, wo wir ein gemeinsames Konzert gespielt haben. Wir wollten in irgendeiner Form zusammenarbeiten, vielleicht einen Song zusammen machen…

Anna: Wann habt ihr gemerkt, dass es über eine Zusammenarbeit der ersten Songs hinaus geht?

Keno: Dass wir eine super Ebene miteinander haben, war direkt klar. Wir saßen in einem Hotelzimmer zusammen und als David und ich anfingen über die bereits existierenden Ideen zu erzählen, war da direkt eine ganz besondere Verbindung.

David hatte schon ganz viele Field Recordings gemacht, Wassersounds gesamplet und datraus erste Beats gebaut. Das hat Ditty total geflashed und irgendwann meinte sie nur: „Hey guys, let‘s just not sleep tonight.” Also sind wir nach der Show zurück ins Hotel und haben weiter gesponnen. Die ganze Nacht, bis wir im Morgengrauen zu einem Bootstrip auf dem Ganges abgeholt wurden. Das war wirklich eine crazy Nacht. Aus den Gesprächen dieses Abends ist der Song Ganga Hotel geworden, aber es war auch die Grundlage dafür, dass wir wussten, da geht mehr.

Wir haben dann in sehr vielen Skype Sessions gearbeitet und Ditty noch einmal nach Wien eingeladen. Bei jedem dieser Schritte wurde das Projekt nur größer, die Konzepte ausgereifter… Eigentlich hat das nie aufgehört.

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„Wir wollen unsere Musik nutzen, um die Themen anzusprechen, die für unseren Planeten wichtig sind.“

Anna: Auch wenn ihr alle unterschiedliche Perspektiven mitbringt, so verbindet euch der Aktivismus und die Musik. Wann habt ihr jeweils angefangen, euch aktiver in diese Richtung zu verwirklichen?

David: Also bei mir schon recht früh. Ich war in meiner Jugend schon politisch aktiv und wenn ich mich nicht fürs Schlagzeug-Studium entschieden hätte, wär ich wahrscheinlich heute bei einer NGO aktiv.

Keno: Ich hatte schon immer das Bedürfnis, in meinen Texten auch gesellschaftliche Themen anzusprechen. Ich denke, wenn man ein Publikum hat und gehört wird, ist es wichtig, das zu nutzen. Auch mit Moop Mama haben wir uns oft positioniert, ob bei Fridays For Future oder im Hambacher Forst. Für Ditty ist es glaube ich ähnlich. Sie will ganz klar ihre Musik nutzen, um die Themen ansprechen, die für unseren Planeten und seine Zukunft wichtig sind.

Anna: Der Sound auf dem Album ist sehr vielschichtig und, da muss ich auch einfach ein Kompliment dalassen, unfassbar gut produziert. Wenn man es von vorne bis hinten durchhört, ist es wie eine eigene Reise, an deren Ende man bewusster über solche Dinge nachdenkt. War das euer Ziel?

David: Wow, danke! Ja genau das war unser Ziel! Die Platte soll den/die ZuhörerIn auf die Reise mitnehmen, die wir erlebt haben. Deswegen spielen auch die Soundscapes zwischen den Songs eine Rolle. Sie sind quasi Szenenwechsel wie bei einem Film.

 
„Für mich war das Aufnehmen der Samples fast wie Tagebuch führen.“

Anna: Was sich ebenfalls wie ein roter Faden durchzieht sind die Samples, die ihr vor Ort aufgenommen habt. Vor allem der Sound von Wasser ist (offensichtlich) in all seinen Variationen vertreten. Wie war das, so gezielt mit Naturgeräuschen in der Produktion zu arbeiten?

David: Das stimmt. Ich wusste ja bereits vor der Reise, dass es um Wasser gehen wird. Deswegen hab ich mir ein kleines Unterwassermikrofon gebaut, um die verschiedensten Sounds von Wasser aufzunehmen. Ich war dann echt überrascht, wie vielseitig „Wasser“ eigentlich klingen kann. Von kleinen Tropfen in einem Teich bis zum Rauschen eines Wasserfalls ist da sehr viel dabei. Für mich war das Aufnehmen der Samples auch fast wie Tagebuch führen. Ich hab die Aufnahmen jeden Abend benannt, sortiert und auch gleich angefangen, Beats zu basteln.

Anna: Hast du einen Lieblingseffekt oder einen Lieblingsort, an dem ihr die Samples aufgenommen habt?

David: Jedes Sample ist an einen Ort verknüpft. Wenn ich es höre, bin ich im Kopf auch gleich wieder dort. Sehr stark in Erinnerung geblieben ist jedoch der Tag bei den Jal Sahelis. Für mich sind all diese Frauen wirkliche Superheroes. Ihnen ist ja auch ein Song gewidmet.

 
„Dieses Projekt ist ein Mehrwert geworden.“

Anna: Ebenfalls zu hören sind viele verschiedene Stimmen und Geschichten der Menschen dort. Wie waren die Zusammenarbeit und der Austausch mit den Menschen vor Ort? Was habt ihr aus dieser Zeit mitgenommen?

David: Unser Ziel war es, Perspektiven zu integrieren. Wir wollten keine Platte machen, auf der wir aus einer europäischen Perspektive über die Probleme anderer sprechen. Wir wollten eine Plattform schaffen und Menschen zu Wort kommen lassen. Zum Beispiel hört man auf dem Song Pooja Says die Stimme von Pooja Chowdhary. Sie war eine der ExpertInnen von der Welthungerhilfe vor Ort, die uns durchs Land geführt haben.

Ich bin super froh, dass uns dieses Projekt solange begleitet hat und die Möglichkeit gegeben hat, Beziehungen aufrechtzuerhalten und sich mit den Themen länger künstlerisch auseinander zu setzen. Bei einem kurzen Besuch, wie dieser Projektreise, begegnet man zwar vielen Menschen, aber oft verliert sich das auch schnell wieder aus den Augen. Dieses Projekt hat nun eine Eigenleben entwickelt und ist ein Mehrwert geworden. Die Authentizität in unserer Verbindung spürt man. Und wir kriegen ja auch Feedback aus Indien. Das Projekt funktioniert auf beiden Seiten und schafft Austausch. Das bedeutet mir extrem viel.

Anna: Das Album veröffentlicht ihr am Weltwassertag und unterstreicht damit nochmal die wichtige Message, die hinter diesem ganzen Projekt steht: Water is a human right. Der Erlös des Albums wird gespendet. Was erhofft ihr, wird sich daraus ergeben?

David: Wir hoffen mit dem Projekt natürlich auf das Thema Wasserversorgung aufmerksam zu machen. Und auch auf Projekte hinzuweisen, die‘s schon gibt und die wahnsinnig tolle Arbeit machen. Vielleicht können mit den Spendengeldern ja auch ein paar neue Ponds gebaut werden.

Anna: Die letzte Frage richtet sich bei uns immer nach einer untold story. Das kann eine Anekdote sein zu dem Projekt, ein Funfact oder etwas anderes, was ihr so noch nie in einem Interview erzählt habt.

David: Bevor wir Ditty zum ersten Mal trafen, waren wir im Nachtzug nach Varanassi unterwegs. Ich wusste schon, dass der nächste Tag sehr anstrengend sein würde, deswegen nahmen ich und ein Freund für die Zugfahrt eine Schlaftablette. Wir schliefen zwar bombenfest, jedoch alle anderen durch unser überaus lautes Schnarchen eher weniger.

 

Wenn ihr bis hierhin gelesen habt, kann ich euch sehr diese Doku ans Herz legen, die musikalisch und visuell all das zusammenfasst, wofür Faraway Friends stehen:

 

Und hier gibt es Faraway Friends ganze EP Rain Is Coming:

Fotocredit: Julian Pircher

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