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Schweizer Flair direkt ins Herz: “2000 etc.” von Jeans for Jesus feat. Steiner & Madlaina

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Die heutige Single-Empfehlung kommt von insgesamt sechs Schweizer:innen und hat meine Tage seit Release letzter Woche fast stündlich begleitet. Es geht um 2000 etc., die neue Single der Schweizer Indie-Pop Band Jeans for Jesus mit dem Folk-Pop Duo Steiner & Madlaina. Wieso ich sie seit Tagen nonstop auf Repeat höre, lest ihr jetzt.

 
Einmal komplette Pop-Power aus der Schweiz bitte

Doch erstmal ein kleiner Fakten-Check: Wer sind Jeans for Jesus und was macht das Feature mit Steiner & Madlaina so besonders?

Jeans for Jesus, auch bekannt als die „Neuerfindung des Schweizer Pops“, sind die vier Jungs Michael, Philippe, Demian und Marcel. Auch wenn sie sich bis jetzt zugebenermaßen noch nicht auf meinen privaten Playlisten ausgetobt haben, so hab ich den Namen auf dem Schirm seit ich ihn vor ein paar Jahren das erste Mal gehört hab. Im See von durchschnittlichen Bandnamen ist „Jeans for Jesus“ einer, den man sich merkt. Sie haben das erste Mal 2014 mit ihrem gleichnamigen Debütalbum auf sich aufmerksam gemacht und wirbeln seitdem vor allem die Indie-Pop Szene in der Schweiz ein ganz schönes bisschen auf. Catch: Alle Songs waren bisher auf Schweizerdeutsch und somit im Genre der „Mundart“. Die andere Seite des Catchs: Diesen Dialekt verstehen nur ca. vier Millionen Menschen weltweit. In Zeiten von Streaming als fast einzige Geldeinnahme von Musiker:innen ist das eher so suboptimal. Das soll nun geändert werden:

Das nächste Album Germany’s Next Jeans for Jesus (auch hier wieder: was ein extrem cooler Name) soll vor allem ein Album auf Hochdeutsch werden. Zweiter Vorbote dafür ist nun die Elektro-Pop-Ballade 2000 etc. Es ist kein komplett neuer Song, sondern war schon in der schweizerdeutschen Variante 2000&irgendwo auf ihrem letzten Album vertreten. Für die Version auf Hochdeutsch haben sich Jeans for Jesus nun niemand anderen dazu geholt als das ebenfalls aus der Schweiz kommende Duo Steiner & Madlaina. Und ich muss sagen, damit haben sie sich schon fast die beste Feature-Kombi dieses Jahrs gesichert. Auch Steiner & Madlaina machen gerade ordentlich Wind, zuletzt mit ihrem letzten Monat erschienenen Album Wünsch mir Glück. Zusammen bilden sie vielleicht das Dream-Band-Couple der Schweiz, das jetzt auch ganz Deutschland erobern wird, und ich für meinen Teil bin verliebt.

 
Musikalischer Vent incoming

Zur ausführlichen Recherche hab ich mir natürlich das Original 2000&irgendwo angehört und muss hier tatsächlich noch mehr Bewunderung aussprechen. Auch wenn man ganz deutlich erkennt, dass 2000 etc. eine Übersetzung des alten Songs ist, so haben Jeans for Jesus damit wirklich nochmal eine ganz andere Version des Songs hervorgezaubert. Man erkennt zwar Parallelen, vor allem in der Lead-Melodie, das Gerüst darum jedoch – komplett anders. Ich glaube, der Hauptgrund, warum ich das seit Tagen rauf und runter höre, befindet sich irgendwo in diesem neuen musikalischen Gerüst. Es ist ein bisschen elektronischer und hört sich rundum einfach so voll an. Guckt euch das an, vermeintliche „Musikjournalistin“, aber alles, was am Ende bleibt ist „das hört sich rundum einfach so voll an“. Aber es gibt manche Songs, die gehen mit ihrer Melodie und ihrem Gesamtklang straight in mein Herz und dann fehlen mir einfach die richtigen Worte, zu sagen, warum. Am besten hört ihr einfach selbst kurz rein:

Also erstmal: was ein cooles Musikvideo. Obwohl es so simpel ist, kann ich nicht weggucken. Das Color Grading ist einfach on point. Ich hab auch noch nie jemanden so ästhetisch einen Handybildschirm filmen sehen. Was für eine Parallelwelt, die 2020 da losgetreten hat.

 
Eine Ballade direkt in mein von Melancholie getrübtes Lockdown-Herz

Doch zurück zu meinem Versuch, zu erklären, warum ich so viel Liebe für diesen Song empfinde. Eine große Rolle spielt offensichtlich das Feature mit Steiner & Madlaina. Vielleicht ist es dieser Touch Weiblichkeit, den die beiden mit ihren warmen Stimmen den Song geben, der den gewissen Stoß gibt. Es fängt direkt an mit Madlaina aus ihrem kleinen Handydisplay. Sie singt die erste Strophe mit tiefer Stimme und wenn man einen Crush auf Stimmen entwickeln kann, hab ich das offiziell getan. Nora singt den Refrain und obwohl sich das stimmlich auf einer höheren Oktave bewegt, ist es die Kombi aus Stimme und dieser Ohrwurm-Melodie, die Jeans for Jesus da gezaubert haben, die mich auch hier schwach werden lässt.

Die Jungs haben den Fokus des Songs einfach komplett auf diese beiden Frauen gelegt. Vielleicht ist es dieses nicht-vorhandene Männer-Ego, das mich dieses Lied auch so lieben lässt. Es ist ihr eigener Song und bis auf das musikalische Setting sind eigentlich nur Steiner & Madlaina zu hören. Ein super angenehmes i-Tüpfelchen auf einem sowieso schon schönen Song-Erlebnis.

Inhaltlich hauen die Lyrics von 2000 etc. dann auch noch völlig in meine ewige Lockdown-Melancholie und machen alles auf absurde Weise perfekt:

„In diesen Monaten, in denen die Wochen und Tage ineinander zu fließen scheinen, sich die Feiertage, Weekends und Jahreszeiten kaum noch auseinanderhalten lassen, müssen auch wir, die das sonst nur von den Großeltern kennen, plötzlich an früher denken und versuchen, uns auf morgen zu freuen. Wir sind gezwungen, unsere verschwommenen Erinnerungen an die letzten Jahre in die Zukunft zu werden. Neunzehnhundert und so, zweitausend und irgendwo.“

Besser werd ich es nie in Worte packen können. Und damit entlass ich euch in diese Welt voller Gefühle, die 2000 etc. aufmacht. Für den Schweizer Flair voll Synthies und schönen Stimmen, der die Tage ein kleines bisschen schöner wirken lässt.

 

Fotocredit: Matthias Guenter

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