Tag: 17. März 2021

  • Schweizer Flair direkt ins Herz: „2000 etc.“ von Jeans for Jesus feat. Steiner & Madlaina

    Schweizer Flair direkt ins Herz: „2000 etc.“ von Jeans for Jesus feat. Steiner & Madlaina

    Die heutige Single-Empfehlung kommt von insgesamt sechs Schweizer:innen und hat meine Tage seit Release letzter Woche fast stündlich begleitet. Es geht um 2000 etc., die neue Single der Schweizer Indie-Pop Band Jeans for Jesus mit dem Folk-Pop Duo Steiner & Madlaina. Wieso ich sie seit Tagen nonstop auf Repeat höre, lest ihr jetzt.

     
    Einmal komplette Pop-Power aus der Schweiz bitte

    Doch erstmal ein kleiner Fakten-Check: Wer sind Jeans for Jesus und was macht das Feature mit Steiner & Madlaina so besonders?

    Jeans for Jesus, auch bekannt als die „Neuerfindung des Schweizer Pops“, sind die vier Jungs Michael, Philippe, Demian und Marcel. Auch wenn sie sich bis jetzt zugebenermaßen noch nicht auf meinen privaten Playlisten ausgetobt haben, so hab ich den Namen auf dem Schirm seit ich ihn vor ein paar Jahren das erste Mal gehört hab. Im See von durchschnittlichen Bandnamen ist „Jeans for Jesus“ einer, den man sich merkt. Sie haben das erste Mal 2014 mit ihrem gleichnamigen Debütalbum auf sich aufmerksam gemacht und wirbeln seitdem vor allem die Indie-Pop Szene in der Schweiz ein ganz schönes bisschen auf. Catch: Alle Songs waren bisher auf Schweizerdeutsch und somit im Genre der „Mundart“. Die andere Seite des Catchs: Diesen Dialekt verstehen nur ca. vier Millionen Menschen weltweit. In Zeiten von Streaming als fast einzige Geldeinnahme von Musiker:innen ist das eher so suboptimal. Das soll nun geändert werden:

    Das nächste Album Germany’s Next Jeans for Jesus (auch hier wieder: was ein extrem cooler Name) soll vor allem ein Album auf Hochdeutsch werden. Zweiter Vorbote dafür ist nun die Elektro-Pop-Ballade 2000 etc. Es ist kein komplett neuer Song, sondern war schon in der schweizerdeutschen Variante 2000&irgendwo auf ihrem letzten Album vertreten. Für die Version auf Hochdeutsch haben sich Jeans for Jesus nun niemand anderen dazu geholt als das ebenfalls aus der Schweiz kommende Duo Steiner & Madlaina. Und ich muss sagen, damit haben sie sich schon fast die beste Feature-Kombi dieses Jahrs gesichert. Auch Steiner & Madlaina machen gerade ordentlich Wind, zuletzt mit ihrem letzten Monat erschienenen Album Wünsch mir Glück. Zusammen bilden sie vielleicht das Dream-Band-Couple der Schweiz, das jetzt auch ganz Deutschland erobern wird, und ich für meinen Teil bin verliebt.

     
    Musikalischer Vent incoming

    Zur ausführlichen Recherche hab ich mir natürlich das Original 2000&irgendwo angehört und muss hier tatsächlich noch mehr Bewunderung aussprechen. Auch wenn man ganz deutlich erkennt, dass 2000 etc. eine Übersetzung des alten Songs ist, so haben Jeans for Jesus damit wirklich nochmal eine ganz andere Version des Songs hervorgezaubert. Man erkennt zwar Parallelen, vor allem in der Lead-Melodie, das Gerüst darum jedoch – komplett anders. Ich glaube, der Hauptgrund, warum ich das seit Tagen rauf und runter höre, befindet sich irgendwo in diesem neuen musikalischen Gerüst. Es ist ein bisschen elektronischer und hört sich rundum einfach so voll an. Guckt euch das an, vermeintliche „Musikjournalistin“, aber alles, was am Ende bleibt ist „das hört sich rundum einfach so voll an“. Aber es gibt manche Songs, die gehen mit ihrer Melodie und ihrem Gesamtklang straight in mein Herz und dann fehlen mir einfach die richtigen Worte, zu sagen, warum. Am besten hört ihr einfach selbst kurz rein:

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    Also erstmal: was ein cooles Musikvideo. Obwohl es so simpel ist, kann ich nicht weggucken. Das Color Grading ist einfach on point. Ich hab auch noch nie jemanden so ästhetisch einen Handybildschirm filmen sehen. Was für eine Parallelwelt, die 2020 da losgetreten hat.

     
    Eine Ballade direkt in mein von Melancholie getrübtes Lockdown-Herz

    Doch zurück zu meinem Versuch, zu erklären, warum ich so viel Liebe für diesen Song empfinde. Eine große Rolle spielt offensichtlich das Feature mit Steiner & Madlaina. Vielleicht ist es dieser Touch Weiblichkeit, den die beiden mit ihren warmen Stimmen den Song geben, der den gewissen Stoß gibt. Es fängt direkt an mit Madlaina aus ihrem kleinen Handydisplay. Sie singt die erste Strophe mit tiefer Stimme und wenn man einen Crush auf Stimmen entwickeln kann, hab ich das offiziell getan. Nora singt den Refrain und obwohl sich das stimmlich auf einer höheren Oktave bewegt, ist es die Kombi aus Stimme und dieser Ohrwurm-Melodie, die Jeans for Jesus da gezaubert haben, die mich auch hier schwach werden lässt.

    Die Jungs haben den Fokus des Songs einfach komplett auf diese beiden Frauen gelegt. Vielleicht ist es dieses nicht-vorhandene Männer-Ego, das mich dieses Lied auch so lieben lässt. Es ist ihr eigener Song und bis auf das musikalische Setting sind eigentlich nur Steiner & Madlaina zu hören. Ein super angenehmes i-Tüpfelchen auf einem sowieso schon schönen Song-Erlebnis.

    Inhaltlich hauen die Lyrics von 2000 etc. dann auch noch völlig in meine ewige Lockdown-Melancholie und machen alles auf absurde Weise perfekt:

    „In diesen Monaten, in denen die Wochen und Tage ineinander zu fließen scheinen, sich die Feiertage, Weekends und Jahreszeiten kaum noch auseinanderhalten lassen, müssen auch wir, die das sonst nur von den Großeltern kennen, plötzlich an früher denken und versuchen, uns auf morgen zu freuen. Wir sind gezwungen, unsere verschwommenen Erinnerungen an die letzten Jahre in die Zukunft zu werden. Neunzehnhundert und so, zweitausend und irgendwo.“

    Besser werd ich es nie in Worte packen können. Und damit entlass ich euch in diese Welt voller Gefühle, die 2000 etc. aufmacht. Für den Schweizer Flair voll Synthies und schönen Stimmen, der die Tage ein kleines bisschen schöner wirken lässt.

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    Fotocredit: Matthias Guenter

  • Lord.SYE im Interview: »Ich bin in das Image reingewachsen.«

    Lord.SYE im Interview: »Ich bin in das Image reingewachsen.«

    Die modernen, tanzbaren Instrumentals und der positive Vibe des Gesangs sind für mich die beiden markantesten Merkmale der Musik von Lord.SYE aka Simon Klar. Mit seiner letzten Veröffentlichung „…Is Not Gold“ vervollständigte der 24-jährige seine Dance-Pop-Doppel-EP zusammen mit dem ebenfalls 2020 erschienenen „All That Glitters…“. Ich hatte das große Glück, mit ihm über die EPs reden zu dürfen und bekam weitere Einblicke in bisher unveröffentlichtes Material und in die Gefühlswelt des jungen Songwriters.


    Lord.SYE im Interview

    Vince: Hi Simon! Ich freue mich, dass du hier bist und natürlich, dass du deine Doppel-EP rausgehauen hast, über die wir später noch reden werden. Vielleicht magst du dich erstmal kurz selbst vorstellen? Mich persönlich würde ja unheimlich interessieren, was genau hinter deinem Pseudonym steckt! Wer ist Lord.SYE?

    Lord.SYE: Hi, ja ich freu mich auch! Also, Lord.SYE bin auf jeden Fall ich. Ich heiße eigentlich Simon Klar, ich bin Songwriter und Sänger und studiere Popularmusik an der HdpK und bin damit auch fast fertig. Ich hatte mich eine Weile lang nur SYE genannt und Anfang des Jahres kam das Lord dazu. Die Geschichte dazu war, dass eine Bekannte, die in einem Restaurant arbeitet, sagte: „Wie krass wäre es denn wenn man einen Titel hätte, durch den man immer den besten Tisch bekommen würde“. Sie sagte das so und meine beste Freundin und ich haben uns direkt angeguckt und irgendwie war das dann einer dieser schrägen Telepathie-Momente. Wir haben dann beide gleichzeitig ausgedrückt, wie witzig das als Zusatz für meinen Namen wäre. Dann habe ich einfach impulsiv gesagt: „Ja, gut, dann nenne ich mich jetzt Lord.SYE. Klingt auch gut und umso mehr ich darüber nachgedacht habe, desto vielschichtigere Bedeutungen bekam der Name für mich. Am Anfang wirkt er ja ein bisschen komisch zusammengesetzt, aber weil ich viel mit Maskulin und Feminin spiele und Gegensätze gut finde, fand ich das irgendwie cool vertreten durch das Lord.

    © Sebastian Madej


    Vince: OK und das SYE? Wofür steht das?

    Lord.SYE: Das S ist einfach eine Abkürzung für meinen Namen: „S“ wie Simon. Das Y und E war das Ergebnis einer anderen Session, von vor zwei Jahren. Da haben wir uns nach ner Probe ins Neue Ufer gesetzt und gesagt: „So, wir brauchen einen Künstlernamen“. Das kann so nicht weitergehen. Dann haben wir ein Blatt genommen, unsere Namen aufgeschrieben, die Buchstaben auseinander gezogen und dann anders wieder zusammengesetzt, so dass das einen möglichst interessanten Künstlernamen ergibt. Da kam dann irgendwann S.Y.E. dabei raus! Genau so kam der Lord.SYE zustande. Ich bin da sehr reingewachsen in diesen Namen und das Image. Wie man das manchmal bei diesen Drag-Künstlern hat; die erstellen sich eine Persona und damit eine gewisse Symbiose zwischen dieser und dem Menschen dahinter. Ich glaube nicht, dass ich da etwas erschaffen habe, was ich nicht bin. Ich würde nicht sagen, dass ich eine Kunstfigur bin oder eine erschaffen hätte. Sondern… das bin schon ich! Man kann da total viel Selbstbewusstsein draus ziehen, was ziemlich cool ist.

    Vince: Ist eine Kanalisierung von gewissen Teilen von dir, oder?

    Lord.SYE: Ja genau! Absolut! Macht einfach Spaß sich seine liebsten Merkmale zu nehmen und die auf die Spitze zu treiben. 

    Vince: (lächelt) Wie geht’s dir heute?

    Lord.SYE: Heute geht’s mir ganz gut! Ich bin jetzt nach der Arbeit tatsächlich ein bisschen erfüllter als vor der Arbeit, weil ein Kollege heute so nett war. Mit dem habe ich schon lange nicht zusammen gearbeitet. Vorm Arbeiten wusste ich nicht so ganz wie ich mich fühlen soll. Diese Lockdown-Zeit hat mich natürlich auch ein wenig mitgenommen. Ich war beruflich zwar viel unterwegs zwischen Hamburg und Berlin, aber ich habe total das Bedürfnis, mal da oder dort hinzufahren, selbst nur für ein- oder zwei Tage. Gestern ist mir etwas sehr aufgefallen: Ich kann nicht so lange an einem Ort bleiben, sonst komme ich wieder in dieses Tief. Kommt mir ein wenig so vor, als wäre das ein Weglaufen von der Pandemie. Dann habe ich noch erfahren, dass mein Ex-Freund einen neuen Partner hat. Es stört mich nicht, aber es ist ein komisches Gefühl. Und da war ich heute Morgen noch ein wenig nachdenklich und lag viel im Bett. Aber jetzt nach der Arbeit, wenn man den Kopf wieder frei hat, weil man mal nicht die ganze Zeit aufs Handy schaut, ist es schon wieder besser. Gestern war ich viel am Handy und mit jeder Minute habe ich gemerkt, es ist richtig anstrengend und macht rastlos, aber wenn man mal was zu tun hatte, dann geht’s einem danach viel besser!

    © Sebastian Madej


    Vince: Mit diesen Einschränkungen meinst du bestimmt, dass man nichts mehr so recht unternehmen kann und dass man gewissermaßen nur noch funktioniert zur Zeit? 

    Lord.SYE: Ja auf jeden Fall, genau!

    Vince: Oh ja.. Das stört mich auch ziemlich. Ich versuche mich mit verschiedenen Arbeiten abzulenken. Es ist hilfreich, wenn man mehrere Leidenschaften oder Hobbys hat.

    Lord.SYE: Ja die Musik hilft mir in so Momenten wie jetzt unheimlich! 

    Vince: Du hast ja inzwischen, die zweite Hälfte von deiner Doppel-EP „All That Glitters…“ „…Is Not Gold“ rausgebracht. Ich finde übrigens, dass dein Sound unheimlich catchy ist! Wie fühlst du dich jetzt mit der letzten EP-Hälfte: „…Is Not Gold“?

    Lord.SYE: „…Is Not Gold“ ist natürlich eine Fortsetzung zu „All That Glitters…“. Also wie der Spruch: „Es ist nicht alles Gold, was glänzt.. Das ist mir vor allem innerhalb meiner letzten Beziehung sehr klar geworden. Dass die Dinge selten so sind wie sie auf den ersten Blick scheinen und dass man oft erst durch verschiedene Zwiebelschichten durch muss, um zum eigentlichen Kern zu gelangen. Also die erste EP-Hälfte fängt etwas fröhlicher an, hat zwar auch seine ruhigeren, traurigen Parts, aber insgesamt ist es eher die fröhlichere EP. Die zweite EP-Hälfte entstand dann nach der Trennung von meinem Ex-Freund und thematisiert vor allem wie, ich mit der ganzen Situation umgegangen bin. Und wie meine Coping-Mechanismen, die nicht immer ganz gesund sind, funktionieren. Es geht ums Weglaufen, um lähmende Traurigkeit, aber auch um den Weg da wieder raus, später zum Ende der letzten EP mit „Paradise“. Ich wollte einen jeweiligen Spannungsbogen innerhalb jeder EP, aber auch, dass die beiden thematisch verbunden sind, weshalb die Idee mit der Doppel-EP ganz gut gepasst. Übrigens werden gerade CDs gemacht, durch Crowdfounding finanziert! Die wird ab April 2021 da sein und wer möchte, kann gerne bei mir eine, oder ein paar erwerben!

    Vince: Du hattest auch noch eine Single rausgebracht, zwischen den beiden EPs, richtig?

    Lord.SYE: Ja, dazwischen kam Ritual raus! Das war eine Stand-Alone-Single, wie „Heartattack“, „Walk Me Home“ und „Liar“ auch. Bei „Rituals“ geht’s um die Suche nach Erfüllung in einer schwierigen Zeit. 

    © Sebastian Madej


    Vince: Ich find’s stark, wie du über diese schwierigen, persönlichen Themen so frei und offen reden kannst! Auch, weil man ganz klar merkt, dass Lord.SYE, nichts Gefälschtes ist, sondern einfach der Simon, so wie ich ihn auch kennenlernen durfte! Magst du noch ein wenig sagen, womit man bei dir in Zukunft noch rechnen kann?

    Lord.SYE: Ja, vielen Dank erstmal! Also gerade bin ich dabei meine Uni abzuschließen. Da muss ich noch ziemlich viel Arbeit reinstecken, die kommenden Monate. Deswegen kann ich leider nicht so viel Zeit in das Projekt stecken, wie ich es gerne wollen würde. Aber ich bin gerade dabei, eine Remix-EP zusammenzustellen, bestehend aus Songs von „All That Glitters Is Not Gold“. Die mache ich, weil mir in den letzten Monaten aufgefallen ist, dass die wenigen besonders schönen Momente meistens dann waren, wenn ich alleine Zuhause oder mit einer Freundin zusammen getanzt habe. Dieses Gefühl dabei möchte ich gerne weiter kultivieren und dafür habe ich ein paar befreundete DJs und Producer gefragt. Die wird wahrscheinlich Ende April, evtl. Ende Mai rauskommen. Damit hoffentlich im Sommer dazu ein bisschen getanzt werden kann! Es wird wahrscheinlich auch ein ganz neuer Track drauf sein, aber hauptsächlich Remixes. Ah, dazu noch eine kleine Sache: Ab April wird meine eigene Webseite online gehen! Da kann man dann meine CDs kaufen und Merch. Noch mehr Lord.SYE-Merch!!! (lächelt)

    Vince: Gerade auf die Remix-Sachen bin ich ziemlich gespannt! Danke für deine Zeit und den tollen Dance Pop, den du uns bescherst! 

    Lord.SYE: Sehr gerne! 

     

    Hört hier in die Doppel-EPs „All That Glitters…“ und „… Is Not Gold“ rein:

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