Mighty Oaks sind ein kleines Indie-Folk-Phänomen aus Berlin. Die Band, die aus den Mitgliedern Ian Hooper (USA), Claudio Donzelli (Italien) und Craig Saunders (England) besteht,machen schon zehn Jahre lang Musik. In dieser Zeit standen sie schon mit Kings of Leon, Milky Chance, The Lumineers und Chvrches auf der Bühne, hatten ein Top 10 Album und scheinen trotzdem noch immer ein kleines Stückchen unter dem Radar zu fliegen. Falls ihr euch auch gerade fragt „Mighty Oaks, hab ich bestimmt schon mal gehört, aber kann ich gerade nicht zuordnen“, dann hört einfach kurz in die Single Brother rein. Ein paar Sekunden anspielen und ihr wisst, um wen es hier geht. Im Zuge ihrer Headline Tour war ich für euch (und auch irgendwie für mich selbst) auf ihrem Konzert in Berlin.
Vibing mit Jackson Dyer
Als Musikliebhaber bedeuten Headline Konzerte einer Band, die man selbst sehr feiert, auch immer die Möglichkeit, den Supporting Act auszuchecken. Meistens sind das Bekannte der Band, Künstler*innen, die beim gleichen Label sind oder die die Band musikalisch sehr mag. In diesem Fall ist es ersteres, der Australier Jackson Dyer war auch schon 2014 auf der Mighty Oaks Tour mit unterwegs.

Sein Bühnen Set-Up ist sehr minimalistisch, nur ein Mikro, eine Beatstation (oder wie diese Dinger heißen, auf denen man automatisch Sachen abspielen kann) und einem Koffer mit seinem Namen drauf. Hinter ihm ist leider kein Vorhang oder Ähnliches angebracht, sondern alles sieht ein bisschen einsam in dem schon aufgebauten Set-Up der Mighty Oaks Jungs aus. Nichtsdestotrotz überzeugt der sympathische Australiermit seiner leichten und positiven Art. Die One-Man-Show ist ja auch in den letzten Jahren bedeutend einfacher geworden. Mit der richtigen Technik (a.k.a. die „Beatstation“) lässt sich die Musik (fast) genau so gut live einspielen, wie mit einer richtigen Band. Zwar fehlt die Energie einer Live-Band, aber das merkt man Jackson Dyer gar nicht an. Selbstbewusst spielt er sich Song für Song in unsere Herzen, die alle ein bisschen Melancholie der australischen Ozeane vertragen können. Meine persönliche Musikempfehlung, die ich mitgenommen habe und euch hier nicht vorenthalten möchte: The Absolute.
Darf sie das?

„Darf sie das?“ Das fragen sich bestimmt vieleLeute in den ersten Reihen, als ich mich sohalb an ihnen vorbeigezwänge und mich mit meinem fresh gedruckten (es war ein Aufkleber mit meinem Namen drauf) Presseausweis direkt vor die Bühne positioniere. Es ist das erste Mal, dass ich auf einem Konzert so richtig professionell Fotos mache, und es ist schon ziemlich cool. Ich war unfassbar nah und frei, mir die perfekten Perspektiven zu suchen. Mighty Oaks eröffnen mit Driftwood Seat und Sänger Ian spielt sich auf der Ukulele warm. Der Song, der erst letztes Jahr auf der gleichnamigen EP erschien, ist schon lange ein Fan-Favorit und wird auf jedem Konzert gespielt. Was manche nämlich nicht wissen, ist, dass die EP eigentlich die erste war, die die drei Wahlberliner im Wedding vor 10 Jahren aufgenommen haben. Veröffentlicht wurde sie aber nie. Nun haben sie sie letztes Jahr neu im Studio aufgenommen, damit wir sie auch außerhalb von Konzerten auf Spotify pumpen können. Während ich versuche, die ziemlich selten gut belichteten Momente auf der Bühne mit der Kamera einzufangen (so typische 1. Welt Konzertfotograf-Probleme), merke ich, wie ich die ersten drei Lieder gar nicht so richtig wahrnehmen kann. Die Zeit geht rasend schnell vorbei und bevor ich mich versehe, bin ich wieder zurück in der Crowd, um das Konzert „normal“ zu erleben.
So low,…
Mighty Oaks haben Anfang Februar ihr neues Album All Things Go veröffentlicht und spielen auch viele der neuen Songs. Mich persönlich hat das Album, bis auf ein paar Ausnahmen, zwar nicht so ganz abgeholt, nichtsdestotrotz genieße ich die neuen Songs, die sie in ihrem Set spielen. Ian, Claudio und Craig versprühen live so eine gute Stimmung, dass sie bei jedem Einzelnen hier auch ankommt. Man kann ihnen anmerken, wie viel es ihnen bedeutet, ihre Heimshow in Berlin ausverkauft zu haben.
Mit So low, so high spielen sie einen weiteren Song der neu aufgenommenen EP Driftwood Seat. Der langsame Part des Sets hat begonnen. Zu diesem Zeitpunkt fällt mir auch erst richtig bewusst auf, wie gemischt das Publikum eigentlich ist. Ich sehe fast mehr Eltern als Jugendliche; die Chance auf einen möglichen Moshpit: -20% (so beschreib ich meine Altersbilanz auf Konzerten). Aber Mighty Oaks Konzerte sind auch kein Platz für Moshpits. Sie sind Platz für ein bisschen Melancholie, für Augen zu und Entspannen, für gut gelauntes Tanzen und Wippen mit relativ viel Platz. Jetzt gerade befinden wir uns aber im ruhigen und langsamen Part und ich muss sagen, ich fühle es komplett. Vor allem Storm berührt mich live sehr. Ich bin auch wirklich beeindruckt von der gesamten Live-Performance der drei Dudes von Mighty Oaks (und des sehr sympathischen Schlagzeugers, dem ich hier nicht seinen Credit unterschlagen will). Sie schaffen es, die gesamte Huxley Halle Berlins in ihren Bann zu ziehen und mehrere ruhige Lieder zu spielen, ohne dass Birgit und Ingrid hinter mir ins Plaudern geraten.
…so high
So schön der ruhige Part des Sets war, umso befreiender wirkt der nächste Part, den Ian mit Dreamers einleitet und uns alle zum Tanzen und Mitsingen auffordert. Er hat Recht wenn er sagt, dass die Band von der Energie der Crowd lebt und nur so viel zurückgeben kann, wie wir ihnen entgegengeben. Das muss man uns heute Abend nicht zweimal sagen. Während man zu Dreamers noch leicht verhalten mitschaukelt, spür ich bei Brother die Holzdielen unter meinen Füßen vibrieren. Ganz schöner Turn-Up für die -20% Crowd (aufmerksame Leser verstehen diesen Call Back). Mighty Oaks machen einfach gute Laune. Das Lächeln auf ihren Gesichtern steckt an und ich glaube, jeder erlebt hier gerade ein richtig gutes Konzert.
I found my love in the great unknown

Weiter geht’s mit Howl. Für jeden, der das Lied nicht kennt, hab ich es hier einmal verlinkt, weil das ist nun wirklich ein Meisterstück. The Great Unknown danach ist auch richtig schön,ich spüre das Fernweh Zeile für Zeile in mir entfachen. Ich weiß es als Fan ihrer „alten“ Musik sehr zu schätzen, dass sie nicht nur ihr neues Album spielen, sondern auch die Lieder ihrer vergangenen Alben performen. Das Finale bildet Forget Tomorrow, welches eins der Lieder vom neuen Album ist, die es in meine persönliche Playlisten geschafft haben. Total unerwartet springt Sänger Ian dann auf einmal von der Bühne und bahnt sich seinen Weg zur Tontechnik am anderen Ende der Halle und performt den letzten Refrain vondort. Ich glaube, die Menschen, die dort hinten standen, haben sich sehr gefreut, den hübschen Mann mit Hut auch mal von näher zu sehen. Nach dem vermeintlichen Ende des Konzerts (und den unaufhörlichen „Zugabe“-Rufen) kommen Mighty Oaks noch einmal auf die Bühne, um eine stripped down Akustik-Version ihres Songs Aileen zu spielen. Alle drei stehen sie um ein Mikrofon herum und erklären, dass jeder ihrer Lieder genau so funktionieren muss –akustisch und mit nur einem Mikrofon. Und tatsächlich –es funktioniert. Mighty Oaks schaffen es, viele verschiedene Elemente zusammenzubringen, und kombiniert eine unverwechselbare Stimmung zu erschaffen, die jeden Einzelnen im Raum von ihnen überzeugt. Sie entlassen uns in den Abend mit When I Dream, I See, einem Song,mit dem ich persönlich viel verbinde und den ganzen Abend perfekt in sich zusammenfasst.
Solltet ihr es bis zum Ende geschafft haben und euch denken, huh, Mighty Oaks, die check ich doch mal aus, ist hier alles, was ihr braucht:



What’s your process of writing and producing your songs?
like this angel with a cowboy hat. I started to collect new songs I was writing then under the title Cowboy Baby Angel, that slowly became Baby Angel. It felt like a good title for the EP just because of what it represented, like this trip and the time in our relationship. There’s a lot of beautiful things that you associate with angels. I think that all that people desire is to be validated and accepted. … I just want unconditional love so I think of Baby Angelas kind of like a symbol for this desire. I’m not religious or anything but I love this imagery, this idea of something bigger.
I was on stage and just thinking like I wrote this song in my kitchen in Spain when in was living in a shitty ass apartment, feeling so, so sad. And now people are singing it. And it’s a cheesy artist thing to say that, but I never had that before. It was really incredible. … And also so rewarding. Cause this music shit can be so lonely. I work with Nicolai, my producer, and my managers but we’re like a tiny little circle. And it’s just the four of us trying to figure out shit, and me by myself trying to write songs, and then it’s like… fuck. People are actually there. This is so much bigger than just my daily life of replying to emails and wondering what my purpose is (laughs).


sondern auch die aktuelle Single der Band. Eröffnet wird es mit ausdrucksvollen Tribaldrums, die in absoluter Stille den Rhythmus des Liedes angeben. Sie hören sich an, als würden sie den Rest der Instrumente aus dem Dschungel zusammenrufen. Ich glaube, das ist eine der komischsten Metapher, die ich je aufgemacht habe, aber genau so hört es sich an. Nach nur 12 Sekunden bin ich absolut überzeugt, eine neue musikalische Entdeckung gemacht zu haben. Ich muss erstmal kurz Pause machen. Von hier an kann sich im Song noch alles tun, also versuche ich meine Erwartung, die sich selten so schnell so hoch angesetzt hat, ein bisschen zu relativieren. Aber beeindruckt bin ich schon. Ich drücke wieder auf Play.
beginnt und es ist das komplette Gegenteil vom ersten Song. Anstatt sich leicht aufzubauen, werde ich direkt in den Refrains geworfen. Alles ist lebendig, gut gelaunt und wird nicht mehr so ernst genommen. Eine ohrwurmverdächtige Catch Phrase ertönt und nach dem zweiten Mal erwische ich mich schon beim Mitsingen: ♫Ringe-Ding-Ding-Ding-Dong♫. Wie ein gut komponierter Indie-Song, klingt die Catch Phase des Refrains aus und die ruhige Strophe leitet uns ein Stück weiter hinein. Die Leadsängerin wird unterstützt von einer männlichen Stimme und ich kann nicht anders als mich an Of Monsters And Men erinnert zu fühlen. Nicht nur der Bandname, als auch das Harmonie-Konzept der sowohl weiblichen als auch männlichen Leadstimmen erinnern mich an die Indie-Band aus Island.
Dann baut sich das Lied plötzlich ein bisschen auf, die Stimmen werden nachdrucksvoller und kräftiger. Me & The Monster nehmen die Atmosphäre, die sie im ersten Teil aufgebaut haben und bauschen sie auf. Mir gefällt, wie hier alles trotzdem noch zusammenhängend erscheint und ich mich nicht der sanften Tönen beraubt fühle.
Die Stimmenharmonie der beiden gefällt mir immer mehr. Sie tragen mich durch den Song und spielen auch hier wieder mit vielen verschiedenen Elementen. Am besten gefällt mir die Bridge, die eine ruhige Gitarrenmelodie mit Wellengeräuschen im Hintergrund kombiniert. Es ist fast das Ende der EP und weiß, was noch kommen wird. Me & The Monster lassen den Song wieder aufbauen und geben ihm den Freiraum sich erneut selbst zu entfalten. Colours klingt ein bisschen nach dem Festhalten an sich selbst, nach Identitätsfindung und nach Überlebenswillen. Es fügt sich perfekt in den Mix aus ruhigem, energiereichen und deepen Indie-Tracks der EP ein. Für mich der ideale Abschluss einer abwechslungsreichen Reise nach mir selbst und dem Monster in mir.