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Bartleby Delicate verzaubert mit seiner Debüt-EP “Deadly Sadly Whatever”

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“Eine echte Perle superfrischer Folk-Indietronica” – mit diesen Worten wurde Bartleby Delicate an mich herangetragen. Auch wenn ich ihn bis dato noch nicht kannte, war ich direkt beim Namen ein bisschen neugierig. Er klingt so gemalt einfach. Bartleby Delicate. Da kann sich doch nur superschöne Musik hinter verstecken. Also begab ich mich mit hohen Erwartungen auf die Reise in seine Debüt-EP „Deadly Sadly Whatever“ und wurde – Spoiler – absolut nicht enttäuscht. Ich würde tatsächlich auch vollkommen mit dem oben genannten Zitat mitgehen und euch die Perle, die Bartleby Delicate ist, ans Herz legen. Und die Platte sowieso.

Doch wer ist Bartleby Delicate eigentlich? Der Luxemburger Singer-Songwriter heißt eigentlich Georges Goerens. Er kombiniert in seiner Musik berührende Lyrics mit melancholischen Folk-Gitarren und loopbasierten elektronischen Einflüssen. In Deadly Sadly Whatever (was ist das aber auch für ein geiler Titel, sorry) hat er eine Handvoll Songs versammelt, die sowohl auf eine leichte Art beruhigen, als auch immer ein bisschen diese innere Melancholie anstoßen. Bartleby Delicate lässt mich über wirklich deepe Sachen nachdenken und in Erinnerungen schwelgen, ohne mich richtig traurig zu stimmen. Es ist genau diese wunderschöne Balance, die, unterlegt von diesem dreamy Folk Soundtrack, mich ein bisschen sehr in seinen Bann gezogen hat. Und warum, das lest ihr jetzt.

 
„There’s no need to be strong”

Der erste Song ist das Intro There’s No Need To Be Strong. Gekennzeichnet durch eine mit mehreren verzerrten Stimmen aufgenommen A-Capella-Version der sich immer wieder wiederholende Zeile: „You said there’s no need to be strong“. Wie sich herausstellt, ist das auch die erste Zeile des ersten „richtigen“ Songs Sleeping Song danach. Und solche kleinen Details lieb ich ja sowieso. Und auch das Konzept von Sleeping Songs allgemein kriegt mich sehr. Das ist schon auch ne sehr spezielle Stunde des Tages, zu der man sowas hört. Und wenn man da einen Song voller beruhigender Geborgenheit bekommt, dann braucht man eigentlich auch nicht viel mehr.

Sleeping SongBartleby Delicate, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, untold music, bartleby delicate, listenrecords, deadly sadly whatever, plastic flowers fängt wie gesagt mit der ersten und auch Key-Zeile „You said there’s no need to be strong“ an. Verspielte elektronische Töne und ein leichter Beat reihen sich neben Bartleby Delicates Stimme ein und singen mir „I could bring you anywhere where you can lay your head down“ ins Ohr. Es ist das erste Mal, dass man ganz unverzerrt seine Stimme hört und ja, die klingt genauso beruhigend wie ihr es vermutet. Super melodisch hab ich jetzt schon einen kleinen Ohrwurm, aber so was macht ein immer wieder geloopter Chorus halt auch. Und obwohl der ganze Vibe von Bartleby Delicate ein grundsätzlich ruhiger ist, so macht er hier eher happy als dass er traurig macht. Ich fühl mich ein bisschen wie schon im Traum.

Sleeping Song ist ein Schlaflied, welches Bartleby Delicates für die Söhne seines besten Freundes geschrieben hat. Call me emotional, aber das find ich super schön und berührend. Dazu kommt, dass in dem Satz „there’s no need to be strong” auch die Botschaft gegen stereotypische Männlichkeiten mitschwingt, und da werd ich ja erst richtig emotional. Aufwachsenden Jungs zu vermitteln, dass „männlich“ sein nichts zu tun hat mit dem vermeintlichen „stark sein“ und die einhergehende „Emotionen und Schwächen zeigen ist schwach“-Antwort auf alles falsch ist, ist so unfassbar wichtig. Einfach mal diesen Kreis zu durchbrechen und diese Generation von jungen Jungs nicht reproduktiv in die gleiche Richtung wie die Generationen vor ihnen zu schubsen, kann so viel verändern.

 
„There’s a fake sun for a fake sun bath”

Soviel zu meinen #letboysfeel Gefühlen und weiter zu den schönen Metaphern, die Plastic Flowers aufmacht. Der Aufbau des Songs ist ein ganz anderer als der vorherige. Die akustischen dreamy Folk-Gitarren sind ausgetauscht gegen diffuse elektronische Geräusche. Sie pendeln sich langsam auf eine Melodie ein, auf der Bartleby Delicates Stimme auf einmal sehr unnahbar wirkt. Eine unangenehme Stimmung, bei der ich auch erst ein bisschen schlucken musste.  Das alles baut sich bis  zum ersten Chorus auf und fällt dann in diesen schönen Indietronica Stil, der alles wieder harmonisch zusammenfließen lässt.

“I bought you some plastic flowers, cause I’ve got nothing real to share.”

Das lass ich einfach mal so stehen. Es ist auf eine tragische Weise so schön ausgedrückt, dass ich das gar nicht anders beschreiben will. Es schafft diese Art von Zauber, dem man eigentlich nur verfallen kann.

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Diese Kunst, sich so abstrakt und doch poetisch assoziativ auszudrücken, zieht sich durch die ganzen Lyrics von Deadly Sadly Whatever. Das zeigt auch der nächste Track Winter’s Dark:

„People going out here thinking I look vital
I know for them it’s hard to see how things change once in a while now
Don’t you pick up the phone it is as heavy as iron
Let’s meet up on Christmas eve, it’s empty in the sauna”

Obwohl ich jetzt gerade mit Ventilator aufm Balkon sitze und diese erste Hitzewelle des Jahres genieße, weiß ich, dass ich das in den trüben November-Tagen rauf und runter hören werde. Für den Sommer ist es vielleicht der falsche Soundtrack (heißt ja literally Winter’s Dark), aber ich hab’s auf jeden Fall schon mal für später gesaved.

Musikalisch ist Winter’s Dark deutlich mehr Indie als davor. Schon in den ersten 10 Sekunden fällt man in diese depressiven Gitarrenchords und mein kleines Emo-Herz ist sehr glücklich. Den Chorus singt Bartleby Delicate zweistimmig. Auch das ist wieder so eine kleine Sache, mit der ich zwar nicht gerechnet hätte, die aber unfassbar gut funktioniert. Am Ende hat bekommt Winter’s Dark kurz einen leicht verzerrt elektronischen Twist, bevor er sich dann schon fast komplett rockig selbst ausklingen lässt. Auch hier wird sich ganze 4:23 Minuten Zeit genommen und ich empfind das als erstaunlich entschleunigend.

 
“Reminds me of you from top to toe”

Als nächstes kommt From Top to Toe EP Version, der zweite Versuch der bereits 2020 erscheinenden Single From Top to Toe. Ich hab mir aus Neugier einfach mal die 2020 Version angehört. Im Zuge dessen hab ich herausgefunden, dass Bartleby Delicate mal Support für Tom Odell gespielt hat. Obwohl das nichts mit dem Song an sich zu tun hat, kann man da schon mal ein Namendropping machen. Vor allem weil es musikalisch auch einfach Sinn ergibt: Bartleby Delicates Sound geht auf jeden Fall in eine ähnliche Richtung. Es hat auch diese paar Bon Iver – Vibes, in die mich ein bisschen verliebt hab. Es ist einfach alles so feel good-angenehm produziert, ich will aus dieser Traumwolke gar nicht mehr raus.

Die EP Version von From Top To Toe ist ein bisschen langsamer und hypnotischer als die erste, aber hat die Grundstruktur behalten. Ich wüsste jetzt auch nicht, welche von beiden Versionen ich besser finde. Alles, was ich fühle, sind diese herzzerreißend Lyrics, die Bartleby Delicate so gefühlvoll vom Herzen singt, dass es fast was Verletzliches hat:

“I’ve had some disconcerting experiences the last few years. The strange thing is that I struggle somehow to remember the exact origin of them. But still those memories are haunting me. I think we are all constantly trying to repress things from our past and they come back from time to time fully present in front of us: from top to toe.”

 
Deadly, Sadly, Whatever’s Next

Die Indielektronischen Sounds der EP sind weg, auch der Touch Folk fehlt. Stattdessen ist der letzte Song der EP einfach nur tragisch klagend – und was anderes hab ich bei einem Song, der Deadly Over You heißt, auch nicht erwartet. Bartleby Delicate tiefe Stimme legt sich über hallige Gitarrentöne und klingt wirklich ziemlich traurig. Ich hab das Gefühl, dass mir hier ein zerbrochenes Herz vor die Füße gelegt wird. Passenderweise kommt ab der Mitte des Songs auch ein alles unterlegender, schnell pochender Herzschlag dazu, der auch meinen eigenen ein bisschen nervös ansteigen lässt. Zum Ende hin wird es aber musikalisch einfach richtig schön, wenn sich nach sechseinhalb Minuten alles zusammenfindet. Ja, es ist der längste Song auf Deadly Sadly Whatever.

Abschließend empfehl ich diese EP jeder Person, die sich gerne in melancholische Folk-Songs verliebt und auch ein Faible für elektronisch angehauchte Bon Iver Songs hat. Kann man eigentlich absolut gar nichts mit falsch machen. Im Gegenteil: Es macht mich absolut gespannt auf das, was als Nächstes aus Bartleby Delicates Feder kommt. Bis dahin, habt Spaß mit Deadly Sadly Whatever, wann immer ihr eine Pause von eurer Sommer-Gute-Laune Playlist braucht. This might be your place to rest and recharge:

 

Fotocredit: @olenskaianicole

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