SUKIE ist eine junge Künstlerin, die sich Ende letzten Jahres mit ihrer Debüt-EP „Love and Impatience“ direkt in viele Herzen gesungen hat. Die Mischung aus Singer-Songwriter Vibes, die sie mit ihrer klaren Stimme sehr gut rüberbringen kann, und leichten elektronischen Pop-Einflüssen, die aber auch einen R’n’B Touch haben, lässt sie schwer in eine Schublade stecken. Den scheiternden Versuch habt ihr gerade gelesen. Deswegen lassen wir die Schubladen weg und hören einfach mal direkt rein. Denn wer weiß, vielleicht ist SUKIE ja noch eine nachträgliche Entdeckung für jemanden. Für mich auf jeden Fall.
„We are chaos of chemistry„
Der erste Song der EP heißt Action/Reactionund meine erste Assoziation ist der Film „Die Kinder des Monsieurs Mathieu“, den ich irgendwann mal im Französisch Unterricht geguckt hab. Hängen geblieben ist außer diesem berühmten Motto nicht viel, er war halt auf französisch. Diese erste Assoziation beiseite, ist SUKIES Interpretation von Action/Reaction um Welten schöner. Mit treibenden Percussions und Drums schafft sie eine angespannte Spannung mit dem Opener Song, der das ständige Hin und Her einer Beziehung beschreibt, aus der sie ausbrechen möchte:
„we are chaos of chemistry, i am asking to break the chain“
Der zweite Track ist Sober, der meiner Meinung nach zurecht am bekanntesten Song der EP. Auch SUKIE selbst sagt über Sober:
„Wer schon mal aufgewacht ist, um zu merken, dass man letzte Nacht im Rausch ein bis fünf Nachrichten an jemanden gesendet hat, die nicht unbedingt hätten abgeschickt werden müssen, findet sich bei Sober wieder.“
Geschrieben innerhalb von 10 Minuten, beschreibt der Song genau dieses. Die „Fick dich, dann halt nicht“-Phase vier Tage nach der Trennung. Dominiert wird der Song von einem Synth-Riff, der basslastige Beat wird immer wieder unterbrochen und SUKIES Vocals singen gegen mehrstimmige Stimmen an, die wie Engelchen und Teufelchen auf der Schulter hocken (Beschreibung geklaut von dem offiziellen Pressetext). Alles an Sober ist ein treibender Fluss, der wütend und resigniert zugleich ist. Definitiv ein Reinhören wert:
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Not Quite markiert den ruhigen Part der Love and Impatience EP. Hier kommen definitiv SUKIEs Singer-Songwriter Qualitäten zum Tragen. In der ersten Minute nur getragen von ihrer Stimme und den Melodien eines Chors, kommt ein so klares Klavier hinzu, dass ich kurz denke, es steht direkt vor mir. Ich kann die Trauer praktisch spüren. Die Ruhe wird von einer tiefen Drum unterbrochen, die mich auch fast vor Schmerz zerreißen lässt. Wer wissen will, ob ich theatralisch übertreibe, oder ob sich das wirklich so anfühlt, hört am besten selbst rein.
Der schmerzhafte Verlust in Not Quite gipfelt im nächsten Song Hit Me. Die Hamburgerin tanzt auf dem schmalen Grat zwischen Zerbrechlichkeit und unerschütterlicher Stärke. Ich verspüre ganz leichte Selena Gomez Vibes, warum, kann ich nicht erklären. Auf jeden Fall find ich’s gut.
SUKIE gibt sich aber nicht dem Schicksalschlag einer gebrochenen Liebe hin, sondern kämpft. This Is War ist nicht nur der letzte Song der EP, sondern auch der, der mich am meisten überrascht hat. Während die Strophen ruhig und schön sind, bricht im Refrain ein Synthie-Beat aus, der absolut das bewirkt, was er soll: Krieg ausrufen.
Schon fast zynisch schließt This Is War das erste musikalische Kapitel ab, mit der SUKIE in unsere Musikszene einmarschiert. Mein Hut fällt zu Boden und ich möchte mehr hören.
Hört hier Love and Impatience rein und überzeugt euch selbst:
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Amilli verbindet R’n’B, warmen Soul und poppige Melodien. Die junge Bochumerin ist seit letzten Jahr weitbeachteter Kritikerliebling und beweist mit ihrer neuen EP Pulling Punches, wieso. Anna hat sie vorm Lockdown zum Interview getroffen, um nicht nur ihren Weg bis hier hin, sondern auch darüber zu reden, wie wichtig es ist, dass sich mehr weibliche Personen in die Musikszene trauen.
Amilli im Interview
Anna: Hey! Cool, dass das geklappt hat. Wie geht’s dir?
Amilli: Ja, sehr gerne! Mir geht’s gut, bisschen müde, aber gut 😊
Anna: Deine neue EP Pulling Punches ist seit ein paar Wochen draußen. Wie geht’s dir damit? Bist du noch ein bisschen aufgeregt?
Amilli: Ach, das geht eigentlich, ich war eigentlich gar nicht aufgeregt (lacht). Ich freu mich einfach nur mega, dass es jetzt draußen ist und so gut angekommen ist.
Anna: Bevor wir da aber im Detail drüber reden, würde ich gerne noch ein bisschen über deinen Weg dahin und dich als Künstlerin reden. Deine Soundästhetik wird immer wieder mit Lana Del Rey-Vibes aus Los Angeles verglichen. Wie würdest du sie selbst beschreiben?
Amilli: Das ist witzig, weil viele benutzen immer diesen Lana Del Rey Vergleich, aber ich weiß gar nicht so richtig vorher das kommt, weil ich nie so richtig viel Lana Del Rey gehört hab (lacht). Ja, keine Ahnung, ich hab immer schon viel amerikanische Musik gehört, viel Soul und Hip Hop und so. Ich glaube, das es das halt einfach unterbewusst beeinflusst hat. Vielleicht kommt’s daher. Ich find das aber auch immer ein bisschen schwierig, das in so Schubladen zu stecken. Wenn ich es einordnen müsste, dann ist es wahrscheinlich so Neo-Soul, bisschen R’n’B und bisschen Pop.
Anna: Du hast ja auch schon sehr früh angefangen, Musik zu machen. Wann wusstest du, dass du „so richtig“ Musik machen willst?
Amilli: Ich spiel seit ich sechs bin Klavier und hab auch mal in so einem Chor gesungen und für mich selbst, aber nie gedacht, ich möchte jetzt richtig Sängerin werden oder so. Ich hab dann so einen Song mit 17 oder so aus Spaß gemacht und dann wurde der auf Soundcloud auf einmal voll groß. Dadurch hab ich dann Leo kennengelernt und wir haben angefangen Musik zu machen. Und dann mit der Krone eigentlich erst kam das dann so, dass ich dachte, krass, jetzt mach ich jetzt Musik (lacht).
Anna: Wie oft wirst du nach Rarri gefragt und was der Song für deine Karriere bedeutet hat?
Amilli: Wie oft ich gefragt werde? Oft (lacht). Es war halt so der Kick-Off Song.
Anna: Hat sich deine Beziehung zu dem Song dadurch verändert?
Amilli: Auf jeden Fall. Also das ist eigentlich bei allen Songs so, je länger die draußen sind, desto mehr entfern ich mich da ein bisschen von. Ich glaube, das ist auch was Positives, weil man sich halt weiterentwickelt und irgendwann hat man nicht mehr so die Verbindung zu den Songs, wie man sie zu dem Zeitpunkt hatte. Aber das ist glaub ich voll normal und auch voll okay.
Anna: Hättest du gedacht, dass der so durch die Decke geht?
Amilli: Never. Also ich hatte ja auch überhaupt keinen Plan, dass das überhaupt geht so von null auf hundert (lacht). Also nee, hätte ich niemals gedacht.
„Es macht auch einfach mega Spaß“
Anna: Ich hab tatsächlich wie viele andere auch deine Karriere verfolgt, seit du den 1 Live Förderpreis gewonnen hast. Ich hab auch, mal kurz am Rande, direkt nach der Verleihung immer mal wieder geguckt, wie viele Follower du hast und das ist ja alle zwei Minuten unfassbar gestiegen. Wie war das für dich auf einmal mit so 10.000 Followern mehr am nächsten Tag?
Amilli: Krass. Also, die Zahl ist gar nicht so wichtig, sondern eher die Tatsache, dass es einfach so viele Leute gibt, die die Musik gut finden und da immer mehr zukommen. Und das ist einfach schön.
Anna: Seitdem hat sich ja unfassbar viel für dich verändert, Musik ist jetzt zu deinem Beruf geworden. Wie fühlt sich das an, hast du dich mittlerweile an diese „neue Normalität“ gewöhnt oder bist du manchmal immer noch ein bisschen geflasht davon?
Amilli: Auf jeden Fall, immer wieder. Manchmal packts mich wieder so. Ich weiß gar nicht, wenn ich so Nachrichten bekomme von Leuten, die mega rührend sind oder immer, wenn man’s im Radio hört, ist das schon immer noch krass.
Anna: Ich kann mir vorstellen, dass diese riesengroßen internationalen Vergleiche und Erwartungen an deine Karriere auch vor allem am Anfang mit noch jungen Jahren sehr viel Druck ausüben. Wie gehst du damit um?
Amilli: Also am Anfang gab’s natürlich schon so Momente, wo ich von außen schon Druck verspürt hab, aber das war nie so krass irgendwie. Ich hab mir eher Druck selber gemacht irgendwie. Aber, ja, es war jetzt nie so, dass ich mich so krass von außen hab beeinflussen lassen.
Anna: Jetzt hast du deine zweite EP „Pulling Punches“ veröffentlicht, die ich sowohl inhaltlich als auch musikalisch sehr stark finde. Welche Themen hast du mit der EP verarbeitet?
Amilli: Es geht natürlich viel um Beziehungen und so, aber auch um die Rolle als Frau in Beziehungen und der Gesellschaft. Damit hab ich mich auch einfach viel beschäftigt in den letzten Monaten.
Anna: Hast du einen Lieblingssong?
Amilli: (überlegt) Schwierig, aber ich glaube, es ist Pulling Punches. Das ist der einzige Song, der schon ein bisschen älter ist und auch einer der ersten Songs ist, die ich überhaupt geschrieben habe.
Seit ich den gemacht hab, war das eigentlich mein Lieblingssong. Also das ist so ein Song, auf den ich wirklich stolz drauf bin. Wir haben den auch seitdem wir den aufgenommen haben kein bisschen verändert, es ist immer noch die gleiche Aufnahme.
Anna: Würdest du generell sagen, dass du bei der zweiten EP jetzt Sachen anders gemacht hast verglichen zur ersten?
Amilli: Ja, ich hab mich einfach voll weiterentwickelt. Sowohl persönlich als auch musikalisch und das spiegelt diese EP glaub ich ganz schön wieder. Die EP jetzt ist ein bisschen organischer, bisschen weniger elektronisch und ich hab auch ein bisschen mehr selbst beim Produzieren mitgeholfen. Ich kann’s immer noch nicht so richtig krass, aber ich hab jetzt mehr Ahnung als früher. Es macht auch einfach mega Spaß. Man entwickelt dann irgendwann so ein Gefühl, ob der Song das macht, was er für einen machen soll, oder ob irgendwas fehlt.
Anna: Den Titeltrack Pulling Punches hast du kürzlich auch erst mit einem Streichquartett über die Loft Art Frames live performt – ich find’s richtig geil. Wie fandest du’s?
Amilli: Das war krass (leuchtet auf). Die haben mich gefragt, ob ich das machen möchte, und ich hatte natürlich mega Bock, das mit Streichern zu machen, das ist doch voll der Traum (lacht). Dann haben wir denen den Song geschickt und die haben quasi komplett alleine so ein Arrangement dafür gemacht. Ich kam dahin und hatte noch gar nichts gehört und dachte, dass wir irgendwie erst proben oder so, aber die waren alle so nee, wir sind fertig (lacht). Und dann hab ich da halt einfach angefangen zu singen und die haben dazu gespielt, das war richtig krass.
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Anna: Hat das für dich auch noch mal ne andere Perspektive auf den Song gegeben?
Amilli: Mega, also es ist voll anders den Song nochmal auf so ne ganz andere Art interpretiert zu hören. Und diese Vorstellung, dass ich als klein Amelie diesen Song zuhause in meinem Zimmer geschrieben hab und dann drei Jahre später da mit einem Steicherquartett stehe und diesen Song spiele, war krass.
Anna: Was waren früher deine „unerreichbaren“ Ziele?
Amilli: Mhm… Ich war nie so mega die Person, die sich krasse Ziele gesetzt hat, eher so kleinere und halt weiß ich nicht, ich bin lieber immer einfach im Hier und Jetzt, so cheesy das auch klingt (lacht).
Anna: Und gibt es neben dem Hier und Jetzt auch größere Sachen, die du erreichen möchtest?
Amilli: Na klar möchte ich so viele Leute wie möglich mit meiner Musik begeistern, das ist natürlich klar. Und es gibt auch so ein paar Venues oder so, wo ich gerne mal spielen möchte. (überlegt) Zum Beispiel gibt es in England die Royal Academy, sowas wär krass. Aber das ist halt so die créme de la créme (lacht).
Anna: Was würdest du jungen Künstlerinnen sagen, die noch ein bisschen am Zweifeln sind, ob das wirklich alles was wird?
Amilli: (überlegt) Ich glaube, wahrscheinlich so die Tatsache, dass nicht alles immer über Nacht passiert. Das ist nicht normal (lacht). Also klar ging das bei mir schon irgendwie sehr schnell und bisschen über Nacht, aber ich bin halt immer noch kein Superstar und das hat alles seine Zeit. Man kann nicht von Tag 1 an der selbstbewussteste Mensch sein, der alles schon kann. Das kann man alles irgendwie noch lernen und man braucht einfach Zeit, um sich weiter zu entwickeln. Man sollte sich nicht so einen Stress machen und sich nicht mit anderen Leuten vergleichen, die über Nacht irgendwie 2 Millionen Aufrufe haben oder so.
Anna: Schön! Damit würd ich auch zur letzten Frage kommen, die bei uns immer als blank space dient. Jegliche letzten Gedanken kannst du jetzt noch loswerden! 😊
Amilli: Also falls ihr ein Mädchen oder eine Frau seid, dann macht Musik! Lasst euch von nichts aufhalten. Es gibt so wenige weibliche Personen, die Musik machen und sich trauen. Und folgt Florence Given auf Instagram, das ist eine feministische Aktivistin, die sehr hilfreiche Dinge postet.
Hört hier in Amillis EP Pulling Punches rein:
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Unser Jahresrückblick in Playlisten neigt sich dem Ende zu und natürlich kommt das Beste zum Schluss. Vielleicht habt ihr schon bemerkt, was fehlt, denn es ist das wohl Offensichtlichste: 2020 in Indie und in Rock. Tatsächlich bildet diese Playlist den Schlusssprint, weil sie auch am längsten gedauert hat – es gab einfach viel zu viel zu viel gute Indie-Musik in diesem Jahr. Außerdem ist es die Playlist, die uns dann irgendwie doch am meisten am Herzen liegt. So here you go: untold indie love 2020. Wir lieben’s.
Women Make The Best Rock Music
Den Anfang bilden absolut selbstredend niemand anderes als HAIM. Die drei Schwestern beweisen zu Recht: Women make the best rock music. Ihr Album Women In Music Pt. III kann nicht nur absolut empfohlen werden, sondern ist auch für einen fucking Grammy nominiert (language ist hier angebracht). Wir wollen mehr davon.
Weiter geht’s mit Leoniden, ich kann denke ich für uns alle sprechen, wenn ich sage, dass ich nächstes Jahr auf fast Nichts so hyped bin wie das neue angekündigte Album der Jungs aus Kiel. Die abgesagte Leoniden-Touren waren wahrscheinlich eins der traurigsten Dinge dieses Jahr. Umso mehr machtL.O.V.E. Bock auf alles, was da noch kommt.
Dann haben wir Giant Rooks – müssen wir nicht mehr drüber sprechen oder? Pure Liebe für die Jungs und jeder Song auf diesem unfassbar guten Album. Falls jemand das Bedürfnis hat, eine umfangreichere Lobeshymne auf Rookery zu lesen, folgt hier die Verlinkung.
Hit auf Hit geht’s weiter mit WizTheMc, den wir erst gestern als einen unserer watch out 2021 Artistsgekürt haben. Wiz beim groß werden zugucken, macht einfach nur Spaß. For A Minute zu hören, auch. Genau wie JEREMIAS, Nothing But Thieves (dieses ALBUM), Fil Bo Riva und Cassia. Soll ich weiter machen? Provinz, All diese Gewalt, Blond (kreativstes Video 2020), Gus Dapperton, AnnenMayKantereit, wo hört man da auf? Weil es sich gerade anbietet: 12 von AnnenMayKantereit ist so viel besser als die Unmengen an Kritiken im Internet denken lassen. Wirklich, hört es euch von vorne bis hinten an und sagt mir, dass das nicht auf seine Art ein einfach wunderschönes Konzept-Album ist. Vom Inhaltlichen mal ganz abgesehen.
Fragen über Fragen und ein Guiness World Record
Die meisten eben genannten Künstler:innen haben dieses Jahr neue Alben released und vielen von uns damit 2020 gerettet. Aber viele haben auch ihr neues Album für nächstes Jahr angekündigt. Darunter: Blackout Problems. Für mich ist BROTHEReins der besten Releases dieses Jahr. Blackout Problems schaffen es einfach mein Bedürfnis nach lauten Gitarrenriffs auf eine Art zu stillen, die irgendwie alles auf den Punkt trifft. Falls Michael das gerade liest: bitte bring mir bei, so zu drummen. Ebenfalls möchte ich an dieser Stelle MINNEAPOLIS aka Konrad von der Casper Live-Band fragen, wann bitte endlich was Neues von ihm kommt. Ich warte.
So viel zu meinen Fragen an Menschen, die das hier vielleicht gar nicht lesen. Bei Gelegenheit fragen wir sie einfach selbst.
Kommen wir zu einem weiteren Highlight diesen Jahres – die Live-Versionvon Level Of Concern von meiner allerliebsten Herzenband Twenty One Pilots. Bestimmt schon 100 Mal gehört dieses Jahr lad ich euch hiermit auch zum Jammen ein. Fun Fact: Für das never-ending music video von Level Of Concern haben sie vor ein paar Tagen den Guiness World Record für das längste Musikvideo der Welt gebrochen. Seit Juni hat die Fanbase 4264 Stunden Material für das Video erstellt bis Drummer Josh den Stecker gezogen hat. Das ist einfach ein neues Level von Coolness.
Wer zuerst Weißwein ruft, gewinnt
Ebenfalls ein prägender Song 2020: Hurtvon Arlo Parks. Es ist wahrscheinlich einer der letzten Möglichkeiten, Arlo zu feiern bevor der Rest der Welt miteinsteigt. You heard it here first.
Auch Luke Noa, zu dem Julia eine Liebeserklärungda ließ, wird nächstes Jahr ganz groß. So viele spannende Künstler:innen auf dem aufsteigenden Ast machen mich ganz euphorisch.
Und wie gut ist eigentlich Worst Case Bandvon den BRUCKNER Brüdern?? Liebe glaube kein Lied der beiden so sehr wie dieses. AuchRub My Eyes von Hearts Hearts ist eine astreine Empfehlung und lässt auf mehr hoffen der kleinen unterschätzen Indie-Band aus Österreich. Jadu Heart und Burning Hour?!? Was da los. Ganz doll verliebt hab ich mich auch in Happen To Mevon Neuseeland-Newcomerin Benee. Es ist eine harmonische Decke aus Musik, mit der ich mich seit November fast täglich zudecke. Komische Metapher. Aber diese Gitarre einfach-
Ihr merkt, es geht hier nur Satz an Satz, Song nach Song durch die Playlist, weil einfach alles SO GUT ist. Ich will hier auch gar nicht zu weit ausschweifen (zu spät?), sondern euch einfach nur eine geile Selektion von Indie-Tracks ans Herz legen. Nicht ganz ne Weihnachtsplaylist, aber ist eh alles anders dieses Jahr, also ist es vielleicht doch eine Weihnachtsplaylist. Tanzt mit Glühwein, Kakao oder ganz klassischem Weißwein durch die Wohnung. Einfach alles vergessen und in Musik verlieren – das ist das, warum wir das hier doch eigentlich alle machen.
Und damit schnapp ich mir jetzt mein eigenes Weißwein-Glas und leite Weihnachten ein. Enjoy:
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Natürlich darf gerade in einem Lockdown-2020 auch der langsame und beruhigende Musikpart nicht fehlen. Wir haben dafür die schönsten Releases für euch zusammengestellt. Schnappt euch ne Kuscheldecke, heiße Schokolade und macht die Lichterketten an: hier sind die untold melancholic tunes 2020.
Rika’s Lieblingsalbum 2020
Ein bisschen clickbait, aber in unserem Insta-Live Interview mit den Rikas (könnt ihr euch auf unserem Account angucken) verriet uns Chris, dass sein Lieblingsalbum aus diesem Jahr wahrscheinlich Notes Of A Conditional Form von The 1975 ist. Das kann ich absolut so unterstützen, meine wirklich sehr detaillierte aber mit Liebe geschriebene Begründung lest ihr hier. Deshalb – absolut zu Recht – auf dem Cover unserer Playlist: Jesus Christ 2005 God Bless America leitet das melancholische 2020 ein.
Auch 1/4 Life ist von einem Album, welches ich in seiner Gänze empfehlen kann: Panda Lux und Fun, Fun, Fun. Wieso, könntet ihr, wenn ihr wolltet, hier lesen. 1/4 Life beschreibt auf eine musikalisch ausgeklügelte und harmonische Art und Weise, wie sich das Leben mit Mitte 20 so anfühlt – die Quarter-life-crisis halt. If you know, you know. Aber nicht nur 1/4 Life stach aus diesem Album hervor, sondern auch Staub, dass SO gut ist, dass es immer wieder extra Ernennungen verdient. Bitte hört es an.
Alle guten Dinge sind drei: auch Trilles Debüt-EP Phase kann bedenklos empfohlen werden. Songbeispiele hier: Rotwein und Phase. Wer Trille nicht auf dem Schirm hat, hat Trille nicht auf dem Schirm.
Ebenfalls nur Liebe für James Blake, der mich mit You’re Too Precious komplett aus den Schuhen gefegt hat (sagt man das so noch? hat man es je so gesagt?). Wirklich, schließt eure Augen und lasst euch in die Welten James Blakes fallen, ihr werdet da nie so richtig wieder rauskommen. Wie ein unendlicher Strudel wunderschönen Sounds.
„Mio, Mio aus der Flasche“
Einen Menschen, über den ich seit Jahren schwärme und jedem das Ohr abquatsche, ist Allan Rayman. Allan ist alles, was ich an der Musikwelt so faszinierend finde. Dass einfach absolute Genies existieren und Musik veröffentlichen, aber trotzdem unter dem Radar bleiben. Und gerade das ihren Charme ausmacht. Ich könnte hier jetzt einen sehr langen Absatz draus machen, aber vielleicht verlink ich auch hier einfach weiter.
Auch wenn es letzte Woche erst rauskam, ist mio von JEREMIAS natürlich auch hier vertreten. „Warum tut mir jeder scheiß Gedanke weh“ – die Mood für 2020. Diese Band trifft es einfach immer auf den Punkt. Jeremias‘ Stimme wickelt mich ein und ich will’s den ganzen Tag einfach nur auf Repeat hören und mich nicht bewegen.
Speeding things up, diese absolut unfassbar guten Songs sind ebenfalls dabei: Californian Soul von London Grammar, By Any Means von Jorja Smith, google luv von Sam Topkins (i’m not crying you are) und Air Forces von Mustafa.
“There’s a girl in the wall and she’s moving”
Das sind die ersten Zeilen des Songs Whirling von A Tale Of Golden Keys. Seitdem ich das die Jungs ganz intim und akustisch im Proberaum spielen hören hab (kann runter von meiner Bucketlist), ist es einer meiner Top Songs 2020. Übereinander gelegte akustische Gitarren, Elena Steris engelsgleiche Stimme als Feature und die sehr schöne aber auch lustige Geschichte dazu. All das lässt Whirling als sehr besonderen Song für mich dieses Jahr hervorstechen. Welche Geschichte, fragt ihr? Lest sie hier.
Ich weiß, das sind viel zu viele Querverweise, aber was soll ich machen. Hab auch wirklich eine Schwäche für schöne, melancholische Musik. Und darum geht’s hier ja. Auch wenn ich nicht zu jedem Song was hierlassen kann (wer würde sich das durchlesen), hab ich mich absolut in jeden einzelnen ganz doll verliebt – Status: es ist ernst.
Wildfire von SAULT, You Won’t Come Around von Balthazar (!), The Space von Catt – ich bin hoffnungslos ergeben. Auch nicht unerwähnt bleiben soll Cry von Sam Himself, er hat sich mit diesen starken The National-Vibes direkt in Jules Herzgesungen.
Perfektes Self-Care Date vor Weihnachten
Mit nur einem Lied vertreten, aber dafür mit einem Dauerplatz in meinem Herz ist Haux. Der Kanadier hat die sanfteste Stimme der Welt, kann irgendwie auch machen, was er will, ich find’s toll. Hiermit ist er auf eurem Schirm. Ebenfalls ein Muss auf eurem Schirm: Col3trane. Der Londoner hat auch eine der schönsten Stimme, die ich je gehört hab, einfach ein tausendfacher Erkennungswert. Und guckt doch, wie cute er auch ist. Entdeckt hab ich ihn, wie viele, mit Penelope, was zwar nicht aus diesem Jahr ist, aber vielleicht wollt ihr ja trotzdem mal reinhören.
Den Abschluss der Playlist bilden Babeheaven, Matija, Billie Eilish und noch viele, viele mehr. Also, Kuscheldecke einmal rum, aufs Sofa oder Bett und die Playlist hören. Bald ist Weihnachten und alles ist gerade irgendwie scary, also kann man auch mal ein bisschen traurig schöne Musik hören. Mehr als legitim. Ich hab mir deshalb auch größte Mühe gegeben, eine gute Auswahl zu treffen. Fehlt bestimmt viel, aber ist vielleicht auch viel drin, was ihr vorher nicht kanntet. So here they are – best of melancholic tunes 2020:
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Wir haben nun ja alle beschlossen, 2020 war eher so meh. Auch musiktechnisch war’s teils durchwachsen, aber auch teils einfach nur genial gut. So wie Jule fass ich hier also nun meine sechs besten Alben aus diesem Jahr zusammen und puh. Albummäßig war 2020 ganz schön was los. Und das, obwohl das Konzept „Album“ bekanntlich immer mehr zurückgeht. Streaming-Algorithmen sei Dank. Nichtsdestotrotz hab ich mich in so viele Wunderwerke verliebt, dass mir es echt sehr schwerfiel, mich zu entscheiden. Aber wen’s doch interessiert, welche Alben mich verzaubert haben, please keep reading below.
Giant Rooks – Rookery
Ich hab sehr viele Gefühle über dieses Debütalbum – wahrscheinlich wie ihr alle. Detailliert könnt ihr sie hierlesen, weil ich mich schon sehr ausführlich darüber ausgelassen hab, wie toll ich es finde. Aber Giant Rooks haben wirklich einfach abgeliefert. Nach langem Warten (nicht so lang für mich, weil ich bin dem Zug nicht mal hinterhergerannt, so spät war ich) haben sie mit Rookery ein mehr als stabiles Debütwerk hervorgezaubert. Es öffnet mit The Best Of Both Worlds, endet mit Into Your Arms und hat zwischendrin einfach nur H I T S. Mein favs: Very Soon You’ll See, Silence und What I Know Is All Quicksand.
Nothing But Thieves – Moral Panic
Eigentlich verdient dieses Album eine komplette Review nur für sich. Wer Nothing But Thieves noch nicht kennt, sollte sie auf jeden Fall mit diesem Album auf dem Schirm haben. Die Band aus Southend, England haben mit Moral Panic ihr drittes Bandalbum veröffentlicht und mich komplett aus den Socken gehauen. Wenn ihr gute Riffs aber auch Alternative Rock mit dem richtigen Gefühl für poppige Melodien mögt – checkt sie aus. Es eröffnet mit alarmierenden Sirenen und heftigen Riffs in Unperson, breitet sich in voller Genre-Bandbreite in der Mitte aus und endet mit fast Orchester-Vibes in Before We Drift Away – der Titel sagt alles aus. Einfach die Zeile “As we sing this familiar song, I thought, I’m gonna miss your love when it’s gone” trifft völlig in mein Herz, imma say it like it is. Da dies aber keine komplette Review ist (vielleicht kommt sie ja noch), leg ich euch erstmal meine drei Lieblingssongs ans Herz: Is Everybody Going Crazy?, Phobia und eben genanntes Before We Drift Away.
Dua Lipa – Future Nostalgia
Ebenfalls etabliert ist Dua Lipas Future Nostalgia als bestes Pop-Album 2020. Nicht viel zu diskutieren, einfach top. Checkt in dem Zuge doch unsereuntold pop hymns 2020 Playlist aus, dessen Cover sie auch ziert. Es ballert einfach richtig schön von vorne bis hinten, ob’s Don’t Start Now ist oder Levitating, niemand konnte sich dieses Jahr Dua entziehen. Die Lieder, die ich am meisten gehört hab: Don’t Start Now, Cool und Pretty Please.
Glass Animals – Dreamland
Jedes Mal, wenn ich Dreamland von Glass Animals höre, denk ich mir: BESTES Album 2020 einfach. Viel zu spät drauf aufmerksam geworden, aber umso mehr drin verliebt. Hier wurde mehr als einmal mit Kopfhörern auf durch die Wohnung getanzt dabei und es hat mir Ohrwürmer für Tage beschwert. Ich bin immer noch begeistert von der Range an Beats, Instrumenten und Song-Aufbaus des ganzen Albums. Hiervon drei Lieder zu picken war auch hier einfach nur schwer, aber nach mehreren Um-entscheidungen sind es jetzt: Space Ghost Coast To Coast (Titel auch einfach), It’s All So Incredibly Loud undHeat Waves.
Allan Rayman – Christian
Ich hab einen riesen Schwachpunkt für geile Stimmen. Ganz oben im Game dabei ist Allan Rayman und jeder, der mich entweder kennt oder öfter Sachen von mir liest (pls reach out, I’m so touched), wird das schon viel zu oft gehört haben. Um mich selbst zu zitieren: „Allans Stimme hat Sexappeal.“ There it is, it’s out. Aber es ist so, Allan Rayman ist einfach mein persönlicher, klein unterschätzter GOAT (Greatest Of All Time). Dieses Level an musikalischem Genie, ich weiß auch nicht. Über’s Album hab ich mich schon einmal hierausgelassen. Lieblingslieder: Madhouse, Pretty Please (ein kleines @Dua hier lol) und Hello To Me.
Taylor Swift – folklore
Ich hab lange überlegt, welche Alben es in meine Top-Auswahl schaffen und irgendwie sind es, bis auf Rookery, nur internationale. Wieso, weiß ich auch nicht genau, es kam sehr viel Gutes aus eigenen Reihen, aber als Gesamtwerke haben mich die obigen einfach am meisten abgeholt. So wie folklore von Taylor Swift. Viel gehatet, oft unterschätzt, aber dieses Jahr einfach mal die ganze Musikindustrie völlig überrascht.
folklore und evermore (letzte Woche erst gedroppt) sind Teile der gleichen Welt, nicht geplant sondern einfach entstanden. Beide Alben kamen völlig aus dem Nichts. Und sie klingen total anders. Taylor ist dafür bekannt, sich stetig weiterzuentwickeln und macht so anstatt Pop einfach mal Folk. Und sie macht’s unfassbar gut. Die Ästhetik heißt Taylor im Herbstwald, inmitten einer von ihr geschriebenen Märchenwelt, die einen an die Hand nimmt und begleitet, sobald man auf Play drückt – die Reise in ein alternatives 2020. Lieblingslieder aus folklore: cardigan, exile (da ist Bon Iver mit drauf, ich hatte keine Wahl) und this is me trying.
Zum Mithören, hier die Playlist:
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Dieser Soundtrack an Alben hat also mein Jahr bestimmt. Von Indie zu Rock, zu Pop, R’n’B und Folk – eigentlich eine ganz gute Mischung. Ich hab hier auch bestimmt alles mindestens einmal umgeschrieben, weil ich mich einfach nicht entscheiden konnte. Ging einfach nicht. Bin immer noch ein ganz leichtes bisschen unzufrieden mit meiner finalen Auswahl. Deshalb, um mein Gewissen zu beruhigen, diese Alben waren auch einfach nur GEIL:
Runde zwei des Jahresrückblick in Form von Musik. Heute: alles, was an Deutschrap und UK/US Hip-Hop gedroppt ist. Auch wenn wir grundsätzlich eher Richtung Indie orientiert sind, ist das eine kleine Herzensplaylist von mir. Ich hör nicht unfassbar viel Rap, aber „wenn, dann guten“. Ist also eine sehr subjektiv ausgewählte Reihe an Songs, die ihr hier zu hören bekommt. Für krasse Deutschrap Fans fehlt da bestimmt einiges, also Disclaimer: Hier ist kein BHZ, kein Ufo, kein Underground Newcomer zu finden. Dafür anderer geiler Shit, also ganz unvoreingenommen einfach mal reinhören: untold rap flows 2020.
Drunken Masters feat. Serious Klein
Angeführt wird unsere Playlist mit „Everyday Thursday“ von den Drunken Masters, die auch dieses Jahr einfach nur abgeliefert haben. Mit Serious Klein haben sie sich wen dazu geholt, der weiß, wie man auf so einem Beat abliefert. Gefühlt schon 100 Mal gehört dieses Jahr und immer wieder einfach nur geil. Genauso mit Eminem, der sein ich-hab-aufgehört-zu-zählen Album Anfang 2020 rausgebracht hat. Auch wenn Music To Be Murdered To nicht so 100% meine Erwartungen getroffen hat, so ist Godzillaunbestritten durch die Decke gegangen. Nicht nur Juice Wrlds Feature trägt dazu bei, sondern einfach Eminems unbestreitbarer Flow, der Typ ist einfach viel zu schnell für uns alle.
Okay, ich hatte doch einen Underground Newcomer auf dem Schirm gehabt: Symba, der mitMario Run unfassbare 13 Millionen Streams gesammelt hat und das, obwohl er erst seit 2019 so richtig offiziell im Game dabei ist. Die Emo-Trap Ballade (offizielle Genre-Zuordnung, don’t ask me) ging bei mir genauso ins Ohr wie Majans Monoton. Letzteres könnte tatsächlich was sein für unsere Indie-Herzen, weil melodisch trägt Majan seine Stimme direkt in mein Deutschrap Herz, das dominiert ist von den alten Casper-Zeiten. Megaloh und Schmyt geben dem ganzen dann eine vor allem stimmliche Tiefe. Talking about Schmyt. Der hat mit Niemand Anfang des Jahres eine ganz andere Art von „Rap“ geliefert, die ich sehr liebe. Keine 16 Bars, dafür eine Produktion, die sehr theatralisch beginnt und sich immer mehr öffnet. Einfach richtig, richtig gut. Lest hierin mein Interview mit ihm rein.
Wo ist der Grammy für Joyner Lucas
Die Grammy Nominierungen kamen letzte Woche raus und ich tu jetzt gar nicht so, als wäre ich so deep im Game, um die alle beurteilen zu können. Wer aber meiner Meinung nach wirklich eine verdient hätte, ist Joyner Lucas. Allein dieses Jahr hat er zwei Alben veröffentlicht, die nicht nur thematisch vieles auf den Punkt treffen, aber musikalisch einfach fire sind. Das ist nur meine eigene, kleine Meinung, aber Revenge??? Dieser Aufbau, dieser Flow, dieses Alles 🔥. Guter Anspieltipp aber auch der Will Remixmit Will Smith Feature, den ich lange nicht mehr rappen gehört hab, aber Leute wie Will Smith verlernen das ja nicht. Er ist immerhin Will Smith.
Okay, talking about Grammys. Wie können den Cardi B und Megan Thee Stallion eigentlich nicht gewinnen. WAPist die Hymne 2020 wenn es um female empowerment geht, vor allem im US-Rap. Da geht nichts dran vorbei, das ist einfach jetzt schon ein Kult-Song. Genau wie Da Baby mit Rockstar. Der hat einen nicht ganz so positiven Background wie WAP, weil nichts hat Amerika dieses Jahr so bewegt wie die wieder aufkommende Rassismus-Debatte. Allein, dass es eine „Debatte“ sein soll, ist schon einfach krank. Auch in Deutschland gab’s dieses Jahr vieler dieser vermeintlichen Debatten, die meinen Blutdruck gerade sehr hochsteigen lassen, wenn ich nur dran denke, weil wo fängt man an und wo hört man auf. Aber: Der Wo du herkommstRemixvon SAM (hope you rest in peace) mit Nura, Kelvyn Colt, Ahzumjot und vielen mehr greift das Thema hier doch ziemlich gut auf. Vor allem Ahzumjots Parts kriegt mich immer wieder. Hört rein. Hört zu.
Saxophon-King Masego
Unbedingt auf euren Zettel muss Masego. Der R’n’B-Jazz-Hip-Hop Künstler mit Wurzeln in Jamaica ist schon so gut, dass er bald kein Geheimtipp mehr sein wird. Mit King’s Rant ist er in meinen Top 5 Songs des Jahres gelandet, weil das ist einfach ein fucking Hit. Auch in Mystery Lady hab ich mich sehr krass verliebt. Ein bisschen chilliger und loungiger, führt Masego mit seiner unverkennbaren Stimme Genres zusammen und kreiert einen Soundbild, welches ohne einen Saxophon-Part nicht auskommt. Wenn ihr in mal in Action sehen wollt, guckt euch die live aufgenommene Version von Tadowan, die er mit FKJ in den Red Bull Studios aufgenommen hat. It’s just soothing.
Ebenfalls einfach gut und in der Playlist sind SiR, Anderson.Paak, Headie One, Lary, WEEKEND mit der Anti-Rechts Aggro-Parole GEH WEG, und unser Homeboi Kaltenkirchen mit ballernd-schönen Kummer Vibes in Trocken. Vom feinsten etablierten US-&UK-Rap zu ein paar Deutsch-Diamanten ist alles dabei.
Deutschrap 2020 in gut
Wie schon erwähnt, bin ich nicht der riesengrößte Fan vom aktuellen Deutschrap-Standard. Es gibt aber auch viel, was nicht in der Hauptszene stattfindet, sondern in der Indie-Rap (ich nenn’s jetzt einfach so) Bubble aufkommt. So zum Beispiel Goldroger, der mit seinen zwei EPs dieses Jahr gesagt hat: Er ist auch mit dabei. Auch Fayzen hat eine sehr schöne Single dieses Jahr hervorgezaubert. Mit Indie-Gitarren im Hintergrund hatTanz in den Mai einen melodischen und fast balladenartigen Aufbau mit Indie-Gitarren, den ich einfach schön finde. Genauso schön wie VegasAm Boden Bleiben, was erst letzten Monat rauskam und mich aus dem Nichts vollkommen erwischt hat. Casper einfach. Hol ihn dir auf jeden Song deiner Wahl und er zerreißt. Mit dieser Wucht an Gefühlen hab ich wirklich nicht gerechnet als das rauskam. Bin immer noch ein bisschen sprachlos wenn ich’s höre.
Auch Frauenpower im Deutschrap gab’s. Keke mit „Ladies“ist die WAP-Hymne 2020 in deutsch und nur ein Paradebeispiel davon: „Das ist für die Babies, die Bitches, die Tomboys, die Puppies, […] die Schlampen, Lesben, die trans und die Tussis, […] – das ist für die Ladies“. – Wie kann man’s nicht feiern. Auch Haiyti dominiert wie keine andere das Game, zwei Alben allein dieses Jahr und auch wenn nicht alles meins ist, sind ein paar Songs einfach unabsprechbar gut. 2020 kommt man definitiv nicht an ihr vorbei.
Was noch? Audio88 und Yassin haben wieder von sich hören lassen und selten hat ein Song so viel Festival-Vermissung ausgelöst wie Schlechtes Gewissen. Diese Sirenen eröffnen einen inneren Moshpit. Bin hyped und traurig zugleich – ist das 2020?
Listen here: bester rap 2020
Für eine bunte Mischung Rap-Releases listen below. Im Christmas-Spirit könnt ihr mir auch gerne eine Freude machen und der Playlist folgen. Für Beschwerden, Danksagungen oder einfach Songs, die fehlen, holla@me.
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Es ist Dezember und ich kann gar nicht fassen, dass das Jahr wirklich schon fast vorbei ist. Whole mood 2020: ???? Aber das bedeutet auch, es ist Zeit für Jahresrückblicke. Von überall trudeln sie ein, und obwohl das Jahr so schnell wie noch nie umging, hat es sich auch irgendwie so lang wie noch nie gezogen. Keiner kann das C*-Wort mehr hören, ich habe gefühlt nicht eine Band live spielen sehen, der Planet brennt und Rassismus tötet IMMER NOCH, Hanau, zwei alte weiße Männer lassen tagelang die Welt stehen und ich hab mich mit 24 das erste Mal arbeitslos gemeldet. Das Gefühl von es ist viel zu viel passiert in der ganzen fucking Welt geht Hand in Hand mit es ist rein gar nichts passiert in meiner kleinen Lockdown Wohnung und das ist einfach nur absurd.
2020 in einen kleinen Einleitungsabsatz zusammenzufassen ist mir genauso gut gelungen, wie 2020 halt gelaufen ist – nämlich gar nicht. Deshalb hier ein ganz anderer Jahresrückblick: 2020 in Musik. Lasst euch das auf der Zunge zergehen, denn das, was an Musik dieses Jahr rauskam? *chef’s kiss* Viel zu viel um es in eine ultimative Playlist zu packen und deshalb packen wir es in vier. Ich mach es kurz, hier ist die erste: Untold pop hymns 2020.
Dua Lipa for Queen of England
Dua Lipa hat mit Future Nostalgia einfach das beste Pop-Album des Jahres rausgebracht. Punkt. Da kann ich eigentlich fast schon aufhören. Dass Dua seit ein paar Jahren auf einer Senkrechtstartrakete (wer konnte das Wort beim ersten Mal lesen) ist, ist keinem von uns entgangen. Ihr self-titled Debütalbum ist das meist gestreamte Album einer weiblichen Künstlerin auf Spotify, New Rules der erste Song, der 45 Wochen auf den Billboard Pop Charts war (das sind 10 Monate) und allein dieses Jahr ist sie für 6 Grammy nominiert. 🤯. Deshalb absolut zu Recht auf dem Cover unserer besten Pop-Songs 2020 Playlist. Ich habe öfter zu Pretty Please in meiner Küche getanzt als zu jedem anderen Song. Heute kamen die Spotify-Wrapped-Playlisten und ich kann sagen – These ist confirmed. Einfach diese Bassline, Leute. I just can’t.
Ganz eng hinter Pretty Please und in der Küche tanzen kommen – klar – Giant Rooks. Denn das ist hier keine “Pop“ Playlist mit der negativen Charts-Assoziation, die wir alle haben, sondern alles, was ihr hier finden werdet, ist einfach nur gute Laune. Von Dua Lipa Pop zu Giant Rooks Indie-Pop und nachher kommt sogar bisschen was elektronisches 👀. Aber jetzt erstmal zu Heat Up. Jeder von euch kennt’s, jeder liebt’s und falls ihr mehr meiner Gefühle zu dem besten Indie Album des Jahres wissen wollt, könnt ihr das hier.
Glass Animals und ganz viel Bass
Next up ist vielleicht mein Album Nr. 1 diesen Jahres (konnt mich noch nicht final entscheiden): Dreamlands von Glass Animals. Warum diese Band bis Heatwaves(klar auch auf der Playlist) zu diesem Album komplett an mir vorbeigegangen ist, weiß ich bei bestem Willen nicht. Space Ghost Coast To Coast hat alles, was es braucht: viel Bass, Synthies, bisschen Autotune und Melodie. Und nochmal Bass.
Next up ist ein Song, den ihr vielleicht nicht kennt, bei mir aber seit letztem Monat auf Dauer-Repeat läuft: All That von LA R’n’B Duo Emotional Oranges. Auch das ist im weitesten Sinne „Pop“, weil diese Bassline einfach Dinge mit mir macht (ihr erkennt ein Pattern). Emotional Oranges, unabhängig vom ultracoolen Namen, sollten auf jeden Fall auf euren Radar, wenn ihr auch gerne mal was in Richtung R’n’B hört.
Die Pop Hmynen gehen weiter. Über JEREMIAS (duh), England Wunderkind Alfie Templeman, Newcomer Sören, Indie-Pop Brüder-Duo Bruckner und basslastigen Would You von The Vamps. Ganz weit oben auch dabei MELE, die sich schon in einige unserer Herzen gespielt hat (checkt hierJules Review zu genau eben Rosalieaus). Selbst ich, die sich eigentlich ziemlich weit weg von Deutsch-Pop bewegt, muss nur einmal das Wort Rosalie lesen und sing den Refrain laut durch die ganze Wohnung. Anders bei Childish Gambino, der auch einfach einer dieser Künstler ist, der ein Konzept-Album voll mit komischen Zahlencodes als Songtitel raushauen kann, und es funktioniert. 35.31 hat zwar ein komisches und bisschen langes Outro, ist aber trotzdem ein sorgenfreier Vibe, der euch auch nur tanzen lassen kann. In meinem Kopf seh zwar ich die ganze Zeit Troy von Community, aber das macht es irgendwie auch nur besser.
Soft Pop vs. Deutsch Pop
Ein weiterer Künstler, den ihr auf dem Schirm haben solltet, ist Dominic Fike mit seinem Album What Could Possibly Go Wrong. Noch mega jung hat Dominic schon eine große Fanbase um sich aufgebaut und mit Double Negativeund Vampirezwei Songs auf dem Album, die genau die Art von Soft-Pop mit allen möglichen Einflüssen trifft, die ihn noch ganz hoch bringen werden.
Aprops Soft-Pop. Auch wenn ich mich auch in dem Text hier stark gegen Charts-Pop ausgesprochen habe, hab auch ich meine weak spots. Einer davon ist blackbear, der mit queen of broken hearts und vor allem clown solche Ohrwürmer hervorgezaubert hat, dass ihr die jetzt auch haben müsst. Sorry not sorry.
Zurück im Deutsch-Pop hat da natürlich unbestritten Fynn Kliemann das ganze Game gewonnen. Von dem MTV Awards zur 1Live Krone hat er auch Preismäßig alles für sein zweites Album POP abgeholt, was irgendwie geht. Alles was ich hab wird für viele im Sountrack 2020 dabei gewesen sein. Wenn man euch an dieser Stelle für ein Interview mit Fynn abwerben kann, dann klickt hier. Definitiv auch einer meiner absurdesten Momente dieses Jahr. Mit Fynn Kliemann skypen. Kann runter von meiner Bucketlist.
Wer Fynn folgt, ist auch auf Trille gestoßen. Schon lange unser kleiner Herzenskünstler, ist Trille mit Santa Monicaauf jeden Fall einer der Leute, die ihr jetzt schon vor allen anderen hypen könnt, denn bald ist er nicht mehr so exklusiv, sondern zieht die ganze Republik in seinen Bann. Das hat auch schon Jule festgestellt, lest hierdie Review zum Song.
Auch Yukno haben dieses Jahr im Deutsch-Pop Game mitgespielt. Sowohl Brumm Brummmit Oehl und Autodrom als auch Hautmit Lina Maly gehen einmal ins Ohr und dann nicht mehr raus.
Women fucking rule
Okay, jetzt kommt ein Song, den ich bestimmt schon über 200 Mal dieses Jahr gespielt hab. Jedenfalls gefühlt. Cinnamonvon Paramore Frontsängerin Hayley Williams ist musikalische Genialität. Der Aufbau ist so unfassbar vielschichtig, dass wenn alles ab 1:30 droppt, ich gar nicht weiß, wohin mit meiner Begeisterung. Das ist einfach Gold.
Generell hat sich die Frauen Power dieses Jahr wieder selbst übertoppt. Neben Dua hat auch Halsey ein Album in die Welt gelassen, dass mich wirklich noch einmal so viel tiefer in meinem Girlcrush fallen ließ als poor gay me sowieso schon war. Die ganze Energie von Manic ist ehrlich und progressiv und beweist, warum sie zu Recht ganz oben mitspielt. I’m Not Madist definitiv mein Liebling. Auch Fletchers THE S(EX) TAPES und Bitter strotzt vor weiblichem Selbstbewusstsein und zeigt, dass wir uns rein gar nichts mehr gefallen lassen. And I am so here for that.
Die elektronischen Vibes dieser Playlist und meines Jahres bringen Elderbrook und Mindchatter. Auch wenn ich mich normalerweise von Elektro-Musik fernhalte, sind ihre Alben die Ausnahmen. Sowohl Numbals auch Blame Gamehaben mich einfach bekommen. Was soll ich sagen.
Wen ich an dieser Stelle auch noch mal groß mit einbringen will, ist Blanks. Mit Favorite Nightmare hat er nicht nur eine sehr indie-poppige EP eröffnet, sondern ist selbst auch einfach ein absolutes Musik-Genie voller Energie. Ich hab mich wirklich ganz doll verliebt. Checkt seinen YouTubeKanal aus und guckt ihm mit offenem Mund zu wie er Hits wie Blinding Lights von The Weeknd komplett neu erfindet oder mit seiner Insta-Community zusammen Lieder produziert. Dazu ist er einfach nur ein laufendes Meme.
Ich vermiss Mac Miller
Auch wenn Spotify heute gesagt hat, dass Blue Worldvon Mac Miller nicht mein meistgehörter Song des Jahres ist, so fühlt sich das trotzdem so an. Ich hab den so oft gehört, dass sich der nicht wie 2020 anfühlt, sondern wie so ein Song, der einen schon Jahre lang begleitet. Vielleicht vermisse ich Mac aber auch einfach nur mega doll. Zu Fullax und MOA kann ich nichts sagen, das ist vollkommenes Spielfeld unserer Kasseler-Abteilungsleitung Jule. Beide haben dieses Jahr absolut auscheckbare Alben veröffentlicht, deren Rezension ihr hierund hierlesen könnt/sollt.
Abschluss bildet Billie Eilish, die mit Therefore I Am dafür sorgt, dass man auch sie in diesem für sie Release-armen Jahr nicht unterschätzen sollte. Ich bin wirklich immer wieder begeistert, was die jungen Menschen unserer Generation an guter, neuer Musik hervorbringen.
Also wenn ihr bis hier hin gelesen habt, Danke. Wenn ihr ein bisschen durchgescrollt habt, um zu gucken, was alles so in unserem POP 2020 Rückblick los war, dann auch danke. Aber was sagt mehr als Worte? Genau, die Musik selbst. Deshalb folgt der Playlist und feiert einfach in den letzten Monat des Jahres rein.
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Wir dürfen mit super viel Aufregung und ganz viel Freude unsere neue Kategorie ankündigen: Die Homestory. Es ist keine Review, es ist kein Interview, es ist alles kombiniert und noch viel besser. In unseren Homestoriesnehmen wir euch einmal im Monat mit zu uns sehr ans Herz gewachsenen Künstler*innen, die kurz vor einem wichtigen Release stehen –und dann reden wir darüber. Wir treffen uns an einem Ort, der für die Entstehung des Albums wichtig war und dann wird wie früher in der Bravo einmal alles hervorgekramt. Von Bandgeschichte zu Studioanekdoten und kleinen Fan-Insidern. Ganz ausführlich, ganz ehrlich und vor allem auch ganz nah. Das sind unsere Homestories.
A Tale Of Golden Keys –Der Geheimtipp der Indie-Szene
Für unser eigenes Debüt, wenn man so will, treffen wir uns mit A Tale Of Golden Keys, der lang etablierten dennoch leicht unterschätzten Indie-Pop-Rock-Band aus Nürnberg. Nürnberg liegt bekanntlich im schönen Süden Deutschlands, Berlin bekanntlich nicht. Das heißt für mich 3.5 Stunden Zug fahren, am letzten schönen Spätsommertag in Berlin mit romantischen 21°. War ich ein bisschen wehmütig? Ja, vielleicht. Aber war ich umso aufgeregter, das erste Mal ganz offiziell professionell in einen ICE zu steigen? Ja. Ja, doch, definitiv.
Nach dreieinhalb Stunden war ich im süßen Nürnberg angekommen und Jonas, der Drummer der Band, holt uns ab. Von hier geht es nochmal 20 Minuten weiter, ins noch süßere Dorf Eckersmühlen, wo sich die Jungs für ihre Albumproduktion eingenistet haben. Wir werden begrüßt von Hannes (Gesang, Gitarre) und Flo (Bass), die das Trio komplett machen. Beide haben im Gastgeber-Game in der Sekunde gewonnen, als sie uns einen Tisch voll mit belegten Nürnberger Brezeln präsentierten, für die ich locker Geld gezahlt hätte, so gut sahen die aus. Bei der Rundführung erfahre ich ein bisschen mehr über das Haus: „Jonas’s Oma hat hier vorher gewohnt, wir sind 2011 dann reingezogen. Und da sah’s noch so aus als … würde sie hier noch leben. (lacht) Dann haben wir alles nach und nach so ausgeräumt und eher zweckmäßig für Bandproben und so genutzt. Jetzt haben wir es endlich ein bisschen renoviert“.
Jeder Anfang hat einen Bandnamen, mit dem niemand zufrieden ist
Natürlich gelten in so einem Haus auch Hausregeln. Eine davon ist die Hausschuh-Regel, die mich gleich wie zu Hause fühlen lässt. Aber nehmen wir uns doch erstmal kurz die Zeit, um die Band-Geschichte der drei Nürnberger ein bisschen aufzuarbeiten. Ein paar von euch werden diesen schön klingenden Namen, A Tale Of Golden Keys, schon mal irgendwo in ihren Spotify-Listen aufgeschnappt haben. Vor allem ihr Debütalbum von 2015 ist stark als Geheimtipp in die Indie-Szene eingeschlagen. Anspieltipp von mir und von Spotify mit mehr als 4 Millionen Streams: All Of This.
Als sie vor 10 Jahren angefangen haben, Musik zu machen, waren Hannes, Flound Jonas mitten in ihrem Abi. Die Frage nach ihrem Bandnamen wird überraschend negativ aufgefasst. Während ich ihn sehr schön finde, sind alle drei eher so mäßig zufrieden: „Das klingt so nach Herr-der-Ringe-Musikband“ –„Ich hab auch mal gehört, Tale of Golden Keys, das klingt ja wie Butter The Bread With Butter oder sowas, da will ich nicht hin, das klingt voll nach Metal“ (lacht). Trotz dieser leichten Unzufriedenheit, die man nicht mehr ändern kann, denken sie bei Weitem nicht mehr so viel darüber nach wie früher: „Es kam auch nie was auf, was dem Konkurrenz machen würde, also ist er vielleicht doch ganz gut“.
Eine Rose zur Rosenhochzeit
A Tale Of Golden Keys feiern also dieses Jahr ihr kleines eigenes Jubiläum – wären sie verheiratet, dürfte man ihnen zu ihrer Rosenhochzeit gratulieren. Nach Bandnamenfindung haben sie mit den ersten Demos bei einem lokalen Bandcontest mitgemacht und prompt einen Auftritt beim Rock im Park 2011 gewonnen. Mit dem Preisgeld haben sie ihre erste EP aufgenommen, von denen 500 Stück verkauft wurden und danach für immer verschollen waren: „Wir haben die einen Tag nach Silvester aufgenommen und das hört man auch. Es war nicht wirklich scheiße, aber wir können uns damit einfach nicht mehr identifizieren –wir waren halt 20“.
Danach wurde es aber deutlich besser. Nach zwei weiteren EPs kam 2015 ihr Debütalbum „Everything Went Down As Planned“, welches tatsächlich ein kleines Indie-Schätzchen ist. Das zweite Album „Shrimp“ hatte im Gegensatz zu dem langen Entstehungsprozess des ersten Albums nur ganze 10 Tage im Studio: „Wir hatten damals so zwei bis drei Songskizzen und haben 10-12 Tage Studio gebucht und waren so, okay, wir schauen halt mal, was da bei rumkommt. Dann war das Album fertig und wir waren alle happy damit, es hat einfach gepasst“. A Tale Of Golden Keys erfinden sich also immer wieder neu. Ein Soundtrack-Album hat es auch in ihre Diskografie geschafft, was ihnen den Weg zur Selbstproduktion geleitet hat. Jetzt ist Album Nummer vier am Start und während ich im Zug schon in die zu dem Zeitpunkt noch nicht veröffentlichte Songs reinhören durfte, wurde mir klar – das ist nochmal eine ganz andere Nummer.
Was macht man, wenn ein Song fast fertig ist, aber einen Schnuff zu langsam? Genau, löschen.
Das neue Album heißt „The Only Thing That’s Real” und vereinigt vielleicht deutlicher als alle Alben zuvor, was A Tale Of Golden Keys ausmacht. Es ist das erste eigene Album was sie in kompletter Eigenregie aufgenommen haben. Sie haben sich Zeit genommen und das erste Mal auch wirklich intensiv an jedem Schritt des Albums zusammengearbeitet. „Es war so organisch wie noch nie“. Früher haben Hannes und Flo meist Songs zuhause auf der Gitarre geschrieben, wie man sich das so richtig Singer-Songwriter like vorstellt. Dann wurde untereinander ausgetauscht, und Texte auf Melodien geschrieben. Jetzt haben sie sich alle mehr Gedanken gemacht, was sie inhaltlich verarbeiten wollen und die Texte entstanden mit der Musik zusammen. Hannes war hauptverantwortlich für die Vorproduktion und hat viel selbst arrangiert, Flo hat sich vor allem textlich wieder selbst übertrumpft und „Jonas, merkt ihr, der ist viel am Handy, der macht Social Media“.
Der neue Workflow hat das Beste aus A Tale Of Golden Keys herausgekitzelt: „Shrimp war auch saugeil, das ging mega schnell und war super befriedigend, aber jetzt im Nachhinein ist es durch die Arbeitsweise jetzt viel vielfältiger geworden.“ Und diese Vielfältigkeit lässt sich hören.Von melancholischen und fast schon akustik-klingenden Balladen über überraschende Synthies und sogar Autotune-Passagen bis hin zu fast schon rotzigem Indie-Rock.„Ich hab viel gelöscht“, so Leadsänger Hannes. „Viel löschen, das kann ich jedem nur empfehlen“. So wie mit „Hostility“. „Der lag lang rum, war ne sehr schwere Geburt.“ Es war alles fertig und dann stellten sie fest, das klingt zu langsam. Also zwei Wochen Arbeit gelöscht und alles nochmal schneller aufgenommen. Aber sowas zahlt sich aus. „Hostility“ ist nicht nur einpolitisch sehr aufgeweckter Song (es geht um die fehlende Empathie in der Flüchtlingskrise), sondern auch musikalisch vielleicht mein Lieblingstrack des Albums.
A Tale Of Golden Keys feat. Lena Mayer-Landrut
Mein zweiter Lieblingstrack ist „Whirling“. Die Single, die im August das Album ankündigte, ist auch die erste Single mit Feature.Während wir am Tisch in ihrer kleinen Küche sitzen, erzählt mir Flo die Geschichte dahinter. „Wir haben im Literaturseminar in der Uni die amerikanische Kurzgeschichte ausdem 19. Jahrhundert „Yellow Wallpaper“ behandelt. Die Story hat mich sehr inspiriert“ . Inhaltlich geht es um den Fall einer Frau, die, weil sie Depressionen hatte, in einem Zimmer eingesperrt wurde: „Du brauchst einfach mal deine Ruhe“ als sehr problematischer Lösungsansatz mentaler Krankheiten. Natürlich ist die Frau durch diese extreme Isolation immer mehr durchgedreht und begann eine tanzende Frau in der gelben Tapete zu sehen. „There’s a girl in the wall and she’s moving“ – die erste Zeile
des Songs “Whirling”. “Wir haben uns gedacht, bei so einer feministischen Geschichte, ist es falsch, wenn drei Männer das singen –eine weibliche Stimme bietet sich also an“.
Flo hat seine Connections spielen lassen und die Managerin von Lena Mayer-Landrut gefragt: „Joa, wie schauts aus, ach übrigens, wir haben hier so einen Song, zeig den doch mal der Lena, ob die Bock drauf hätte, da den einen Vers zu singen“. Einfach mal auf blöd gefragt und viele Lacher seiner Bandkollegen geerntet, hat Flo ein negatives Feedback zurückbekommen. „Sie hat’s wohl gezeigt bekommen und meinte, es sei nicht so ihr Ding, aber ich weiß auch nicht, ob die Managerin das nicht einfach vorher ausgesiebt hat“. Eine witzige Story ist es allemal. Und mit Elena Steri, die selbst auch auf dem aufsteigenden Ast Singer-Songwriterin in Nürnberg ist, haben A Tale Of Golden Keys auch eh die bessere Stimme zu gefunden. Für mich ist es nämlich gerade die Kombination aus beiden sanften Stimme mit ausklingendem Kanon am Ende, die den Song besonders machen.
„Der Song hat alles, was ich an Get Well Soon scheiße finde!“
Wir verfangen uns in Geschichten über Lieblingssongs vom Album. „Ich könnt dir jetzt von jedem Song ‘ne Geschichte erzählen, wieso ich ihn am geilsten finde“, so Flo. „Ja los, mach!“, kontert Hannes. Jonas, der kurz draußen war, sein Auto umparken, wird auch direkt gefragt –und antwortet ohne zu zögern: „All Banks are Dry“. Flo: „Siehst du, der sagt einfach einen!“. Auf die Frage, warum, antwortet Jonas, dass der Song ein klein bisschen nach Wirtshaus klingt. Damit kann ich so gar nichts anfangen, wird wohl so ein Bayern-Ding sein (das ist der erste und einzige Bayern-Witz, einer sollte drin sein oder). „All Banks Are Dry“ ist auch einer der letzten Songs vom neuen Album, an denen sich alle lange den Kopf zerbrochen haben. Hannes hat ihn nach mehreren Night-Sessions auch ihrem Produzenten des Vertrauens Jan geschickt, der nur meinte: „Der Song hat alles, was ich an Get Well Soon scheiße finde!“
Nach einem langen Hin und Her entscheiden sich aber auch Flo und Hannes für einen Lieblingssong. Für Flo schwankt es zwischen „Hockey Pants“ und „Hostility“, Hannes entscheidet sich für „Rainbow Melancholy“. Auch wenn das hier keine interaktive Geschichte ist, würde mich schon sehr interessieren, was euer Lieblingssong vom Album ist. Drop it in the comments below. So ganz unironisch.
Glorifizierende Schlüsselmomente und bescheuerte Album-Titel
Eine ebenfalls interessante Geschichte gibt es zu „Hockey Pants“. Die Inspiration hierfür kam von Hannes, der rauchend Flo zum Schreiben aufgefordert hat („Schreib mal ‘n Text!“). Daraus sind schnell die ersten Zeilen des Songs entstanden: handrolled cigarettes, smoked in flamboyant style. Der daraus entstehende Schlüsselmoment (Jonas war dieses Wort in dem Artikel sehr wichtig), hat die Band vielleicht sogar noch ein klein bisschen enger zusammengebracht. Sie haben eine Nacht in Erinnerungen geschwelgt, wie man früher in seiner Jugend geraucht hat, um vor seinem Schwarm „cool“ zu wirken. Ich, als langweilige Nicht-Raucherin, kann das nicht ganz so nachvollziehen, aber es war ja auch nicht mein Schlüsselmoment. Am Ende waren sich aber alle einig „Drauf geschissen, wir können auch mal Love Madness singen! Paar cheesige Synthies runter, fertig“.
Im Interview habe ich öfter das Gefühl, dass die drei wirklich einfach nur lustige Typen sind mit der gemeinsamen Leidenschaft für Musik. Ihre Art für Humor spiegelt sich aber nicht nur im Gespräch wider, sondern lässt sich auch in den Artworks aller vorherigen Alben finden. Über Dinos, zu der Shrimp-Taube bis hin zum Familienporträt mit Axolotl (Credits hier gehen alle an Yvonne vom Kreativbüro Würzburg, die hat einfach mal ein extra Shoutout verdient). Aber auch die Suche nach dem Albumnamenstellte sich als sehr witzig heraus. Dafür hatten A Tale Of Golden Keys extra einen Chat nur für diese Diskussion erstellt, aus der mir Hannes unter kleinen Tränen seine Lieblingsvorschläge zum Besten gibt. Zur „Auswahl“ waren unter Anderem „salted caramel kisses, doctor brokkoli, doctor dentist, hits hits hits vol.2“ und „party noise“.
Dr. Brokkoli sagt, ihr sollt dieses Album anhören!
Auch wenn der Albumtitel nicht ganz so witzig geworden ist wie „Doctor Brokkoli“, ist es dennoch ein unfassbar gutes Album. Von „No Endodontic Treamtent“, was entstand, weil Jonas Zahnschmerzen hatte und keine Wurzelbehandlung wollte, zu „Gin Tonic State Of Mind“, der einfach nur wegen des Songtitels eine extra Benennung verdient hat. Das gesamte Album stellt A Tale Of Golden Keys in ihrer vielleicht endlich gefundenen Grundessenz dar. Ohne Angst, sich auszuprobieren und auch ohne großen Druck (Coroni hat das gesamte Jahr ja sehr entschleunigt) haben sie erneut bewiesen, dass man sich als Indie-Band in Deutschland mit immer wieder neuen, guten Releases eine stabile Fangemeinschaft erspielen kann. Und sich währenddessen nicht nur weiterentwickelt, sondern vielleicht sogar selbst findet. Wenn das kein deeper Abschluss ist, weiß ich auch nicht.
Heute haben wir wirklich einen kleinen Rohdiamanten für euch, jedenfalls für diejenigen unter euch, die Fans von Britpop sind: Darcey aus München/Augsburg/Regensburg (wenn man zu fünft ist, darf man aus drei Städten kommen). Die Jungs kombinieren trotzigen Gitarrensound mit Indie-Pop Elementen und all dem Drum und Dran, welches sie ganz kurzerhand auf unseren Radar geholt hat. Ich sage Rohdiamant deshalb, weil sie wirklich noch ziemlich klein sind –das könnt ihr ändern. Darceys neue Single „Jukebox“ feiert bei uns heute Videopremiere und ist, meiner Meinung nach, der perfekte Song, um die Band und ihre Musik sehr lieb zu gewinnen. Und DANN kommt da ja noch das Video hinzu!
„Jukebox ist dieses EINE Lied.“
Tatsächlich möchte ich bevor ich mich in Schwärmereien verliere, euch erstmal das Video ans Herz legen. Alleine auch deshalb, weil ich die belegbare These (Quelle: ich) aufgestellt habe, dass ihr den Song keine fünf Sekunden hören könnt, ohne euch zu denken: geil. Das ist meine These und ich lade euch herzlich dazu ein, sie zu widerlegen:
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Wer jetzt fünf Sekunden gehört hat und es nicht mag, muss auch nicht unbedingt weiterlesen (yes, full offense). Ich hab die These jetzt schon mehrfach getestet und bin jedes Mal, wirklich jedes Mal, auf’s neue total hin und weg. Darcey machen alles richtig, diesen Song durch so ein fettes Gitarrenriff zu eröffnen.Ich weiß nicht, wie sie die Gitarre getuned haben, dass es sich so geil anhört, aber nur diese paar Sekunden erwecken in mir sehr viele Gefühle. Und genau das soll Jukebox auslösen. Ich lass dazu mal die Jungs sich kurz selbst zitieren:
„Jukebox ist dieses eine Lied, das einen mit einem positiven Gefühl auf eine alte zerbrochene Liebe zurückschauen lässt. Musik hat etwas Intuitives, das uns dabei hilft, Beschwerlichkeiten zu vergessen und die Momente mehr zu genießen. Jukebox strahlt genau diese Intuition aus.“
Nach dem phänomenalen Anfang gleitet Jukebox in einen Vibe, der sehr an den Indie-Rock aus den 80er und 90er in britischen Garagen erinnert: Britpop halt. Es ist unfassbar zugänglich und strahlt pure Unbeschwertheit aus. Jeder Übergang fühlt sich organisch an und macht einfach Bock, zu tanzen. Und genau darum geht es ja auch in Jukebox. Sich nicht nur melancholisch-beschwert an vergangene Momente und Beziehungen zu erinnern, sondern glücklich in Erinnerungen schwelgen, die mal waren.
‘xcuse me, ich muss mal kurz fühlen
„Es gibt immer dieses eine Lied, das einen mit einem positiven Gefühl auf die alte zerbrochene Liebe zurückschauen lässt“. –Darcey
Das ist meine Überleitung zurück auf’s Video, welches ihr jetzt ja schon geguckt habt. Und ganz kurz unter uns: i felt things. Das Video zu Jukebox folgt einer sehr simplen Story, ist überhaupt nicht aufwendig gedreht und spielt sich auch nur in einem einzelnen Raum ab. Das Video schafft zu zeigen, was der Song in seiner Grundessenz aussagen möchte: Musik ist intuitiv. Gefühle sind intuitiv. Es braucht keine aufwendig erzählte Geschichte, wenn es nur um das Gefühl geht, was Musik in einem auslöst. In diesem Fall war es die romantische Reise in die Vergangenheit eines alten Kegelbahnbesitzer, der mit dem bloßen Anspielen eines Songs auf der Jukebox in seine jungen Erwachsenenjahre zurückkatapultiert wurde. Sobald sich der Raum mit Musik füllt, sieht er Erinnerungen an sich selbst und seine junge Liebe. Es ist diese schöne und dennoch beschwerliche Melancholie, die Darcey da perfekt eingefangen haben. Das sprichwörtliche lachende und weinende Auge. Auch Darcey selbst sneaken sich in die romantischen Erinnerungssequenzen und spielen auf der Bühne den Song, zu dem das Paar tanzt, und machen das Video damit komplett.
Chima, wahrscheinlich euch allen bekannt von dem 2012 Hit „Morgen“, ist wieder da! Immer noch im Deutsch-Pop unterwegs, will er jetzt nach ein paar Jahren Pause das Musikbuizz nochmal angreifen. Anna traf ihn ihm Interview und hat mit ihm über seinen neuen Song „Keine Liebe“, Zukunftspläne und das Rassismussproblem in Deutschland geredet. It’s spannend, wie man so schön nicht sagt, also lest euch rein!
Chima im Interview
Anna: Hey! Du bist ja wahrscheinlich gerade viel mit Promo unterwegs, deshalb freut es mich, dass es geklappt hat!
Chima: Ja, mich auch!
Anna: Viele werden dich ja wahrscheinlich von Songs wie „Morgen“ kennen, der 2012 rauskam, direkt gechartet ist und Sprungbrett für dein erfolgreiches Debütalbum war. Wie hat sich das alles für dich damals angefühlt? Hast du mit dem Erfolg gerechnet?
Chima: Nee, ich hab damals nicht mit dem Erfolg gerechnet, das kam alles sehr überraschend für mich. Natürlich war das die Ambition, aber wenn sich das dann tatsächlich so einstellt, ist das auf jeden Fall ‘ne Herausforderung für so ne Biographie, weil das dann nochmal ein völlig neuer Horizont ist. Alles, was du erlebst, ist neu und damit muss man auch umgehen.
Anna: Jetzt hast du mit „Keine Liebe“ deine erste Solo-Single seit fast 6 Jahren veröffentlicht und bist offiziell wieder zurück im Musik-Game. Was hat deine damalige Entscheidung zu einer Pause bewirkt und was hat dich jetzt dazu getrieben, wieder zurück zu kommen?
Chima: Sagen wir es mal so, ich war sehr intensiv beschäftigt damit, zu leben und Dinge über mich und meine Umgebung rauszufinden. In letzter Konsequenz ist das alles für das zuträglich, was jetzt kommt, aber das waren tatsächlich auch die Gründe dafür, warum in der Zwischenzeit nicht wirklich was rausgekommen ist. Ich hatte einfach nicht die Muße, den ganzen Prozess von einer offiziellen Albumveröffentlichung durchzuziehen und war eher mit Vorbereiten und Sammeln beschäftigt.
Anna: Also hast du in der Zwischenzeit schon Musik gemacht?
Chima: Ich hab die ganze Zeit Musik gemacht, ja. Bin jetzt schwer bewaffnet (schmunzelt) mit richtig tollen Songs, aber es war davor einfach nicht möglich zu veröffentlichen.
Anna: Aber jetzt…
Chima: (gestikuliert) *Pam Pam* …jetzt bin ich am Steezy (lacht)
„Alles, was ich schreibe, hat eine autobiographische Note.“
Anna: In deinem aktuellen Song „Keine Liebe“ zitierst du deinen Papa, der von dir erwartet, nicht aufzufallen, immer hart zu arbeiten, um es in dieser Gesellschaft hier „zu schaffen“. Im Gegensatz dazu steht aber die Aussage des ganzen Songs, genau daraus auszubrechen und manchmal impulsiv zu handeln, anstatt alles zu zerdenken. Wie nimmst du diesen Gegensatz der Werte wahr und wie ist der dir in deinem Leben begegnet?
Chima: Alles, was ich schreibe, hat eine autobiographische Note. Ich bin ein Kind in zweiter Generation mit Migrationshintergrund. Mein Vater ist aus Nigeria hergekommen, um hier zu studieren, und das sind halt genau die Werte, mit denen er seinen Weg hier erfolgreich bestritten hat. Und das wünscht er sich natürlich auch für die nächste Generation, weil er das Gefühl hat, dass es gerade für jemanden mit meinem Hintergrund schwieriger sein könnte, wenn man nicht diszipliniert, fokussiert und unauffällig ist. Aber wie das dann halt so ist, können Eltern mit so einem Hintergrund es auch übertreiben mit solchen Glaubenssätzen und unter Umständen die Gelegenheit versäumen, irgendwann anzukommen und nochmal die eigenen Werte abzugleichen mit denen der Umgebung. Ich glaube, das ist generell ein Thema von Generationenkonflikt, und deswegen ist es die Aufgabe der nächsten Generation für sich selbst zu filtern, was nehm ich von den Eltern mit und wo muss ich dieses Wertegerüst aufbrechen. Das war der Prozess, in dem ich mich befunden hab. Mein Vater ist konservativ, aber auch sehr liebevoll und setzt auf Kontrolle und Sicherheit. Ich hab für mich persönlich, allein über die Berufswahl, festgestellt, dass es auch seinen Reiz haben kann, genau auf das Gegenteil zu setzen. Und in der Mitte davon will ich mich dann irgendwann einfinden.
„Ich mag es, immer mal wieder auszubrechen.“
Anna: Wie war das, als du dich bewusst für die Musikkarriere entschieden hast? Wie haben deine Eltern diese Entscheidung aufgenommen?
Chima: Meine Eltern unterstützen mich in dem, was ich tue, sehr. Mein Mutter mehr als mein Vater, der ist eher so ein kritischer Dude und hätte gern für mich gehabt, dass ich Architektur studiere, Arzt werde oder in die Bank gehe, also das, was die ganzen anderenNigerianer in zweiter Generation auch machen: akademische Grade und Ansehen bekommen. Und das hab ich versucht und war auch gar nicht unerfolgreich, aber habe gemerkt, so ey, wie will ich denn damit arbeiten? Mit der Musik hab ich deutlich mehr Spaß und außerdem mag ich es, auch immer mal wieder auszubrechen und mich zu spüren. Und ich glaube, du kannst dich sehr intensiv spüren, wenn du das Regelwerk um dich herum aufbrichst und an deine Bedürfnisse anpasst. Man sagt ja, „um Regeln zu brechen, muss man sie erst lernen“. Es geht aber auch der andere Weg, du kannst erst die Regeln brechen…
Anna: … und dann draus lernen.
Chima: Genau. Dann kann man die Regeln nachjustieren. Regeln, die in der Vergangenheit ihre Berechtigung hatten, müssen jetzt nicht mehr zwingend gültig sein. Obwohl ich ein großer Fan von Binsen-Weisheiten bin, da steckt sehr viel Wahrheit drin. Wir werden direkt in der Kindheit mit solchen Weisheiten konfrontiert, wissen aber gar nicht, was unsere Eltern jetzt von uns wollen. Dann stehen wirauf unseren eigenen Beinen, in manchen Situationen kommt uns der eine oder andere Spruch bekannt vor, aber wir nehmen sie noch nicht zwingend an. Dann werden wir 30 und merken, die sind doch ganz gut (lacht), ich übernehm mal ein paar. Und mit 40 ist es dann so, dass du deinen Kindern genau die gleichen Sprüche nochmal sagst. Erinner dich an meine Worte! (lacht).
„Ich bin weder anti-rechts, noch anti-links.“
Anna: In deiner Musik vereinst du beide Kulturen, setzt dich ein für Toleranz und Akzeptanz und hast früher auch sehr aktiv an Anti-Rechts-Projekten mitgewirkt. Wie nimmst du diese Situation knapp 15 Jahre später wahr?
Chima: Ist die gleiche. Es ist die gleiche Situation und du kannst sie auch nicht ändern. Für mich ist wichtig, dass man diese Dinge einzuordnen lernt. Du hast gesagt „Anti-Rechts“, aber ich hab mit Anti-Rechts nichts zu tun, ich bin nur ein Gegenpol dazu. Es wird immer Menschen geben, die das Gefühl haben, dass ihnen was weggenommen wird. Das ist ein ganz typisches Phänomen bei Mehrheiten in Gesellschaften. Da gibt es immer eine, meist konservative, Fraktion, die das Gefühl hat, die Traditionen verschwinden, wir werden überschwemmt usw. Das gibt es überall. In Deutschland wird es halt historisch bedingt anders diskutiert. Immer dann, wenn ich das Gefühl hab, dass Menschen aus den Augen verlieren, dass sie über die Grenzen und Würde von anderen Menschen trampeln, dann mach ich meinen Mund auf. Das geht aber in beide Richtungen. Ich bin also weder anti-rechts noch anti-links, sondern Humanist.
„Hier fühl ich mich wohl.“
Anna: Themensprung: 2013 hast du als Support Act bei der Tim Benzdko Tour in der Waldbühne vor 22.000 Menschen gespielt. Ich kann mir das nur als eine sehr heftige Erfahrung vorstellen. Wie war das für dich, dieser starke Kontrast zu den sonst nur kleinen Läden, in denen du getourt hast?
Chima: Also ich würd jetzt gern bescheiden klingen, aber ich fand das angemessen (lacht). Ich spiel auch kleine Konzerte sehr, sehr gerne, aber ich hab das sehr genossen und es war ein wunderschöner Ausblick, den der Tim mir da ermöglicht hat. Ich hab mir gesagt „ja genau, hier möchte ich auch spielen, in der Waldbühne, ich fühl mich wohl“. Tatsächlich war das ja irgendwie überhaupt der Beweggrund für mich, in die Musik einzusteigen. Dass ich irgendwann in meiner sehr eingeschränkten Welt über mein konservatives Elternhaus schon früh diese Träume hatte in so einem Atrium zu stehen vor GANZ vielen tausend Menschen. Ich hab da so ein imaginäres Englisch gesprochen, und mit jedem Wort, was ich gesagt hab, haben die Massen gejubelt. *gestikuliert* „LOOOVE …. POWEER..“ (lacht). Und als ich in der Waldbühne war, hatte ich mal wieder das Gefühl, ja, das war’s, davon hab ich geträumt.
Anna: Da kannst du doch auch richtig stolz drauf sein.
Chima: Worauf?
Anna: Na, was du alles schon geschafft hast.
Chima: Ich werde alles schaffen, was ich mir vornehme.
Anna: Und was nimmst du dir noch so vor?
Chima: Einiges. Aber ich möchte jetzt ein bisschen bescheidener wirken (lacht). Ja, ich bin tatsächlich gar nicht stolz auf die Waldbühne, weil da war ich ja nur im Support. Da müsste ich ja stolz drauf sein, dass der Tim mich nett findet. Ich bin bei mir tatsächlich auf relativ wenige Sachen stolz, aber eine davon ist meine Resilienz und meine Ausdauer. Egal, was kommt, wenn ich mir was in den Kopf gesetzt hab, zieh ich’s irgendwie durch. Und darauf bin ich stolz.
„Wenn Fraktion, dann Fraktion Positiv.“
Anna: Und apropos zukünftige Pläne, was kommt da noch so auf uns zu?
Chima: Ich würd ganz gern, dass die neue Single jetzt anläuft und den Leuten gefällt. Und wenn das gegeben wäre, ist das ein guter Nährboden, um dann das Album darauf zu droppen. Das sind so meine mittelfristigen Ziele.
Anna: Hast du denn auch wieder Bock (erstmal kleinere) Touren wieder zu spielen? Auch wenn das Corona mäßig jetzt gerade sehr schwierig ist, zu planen.
Chima: Ja, klar. Ich hab die ganze Zeit Bock, live zu spielen und in Interaktion mit Menschen zu sein. Wenn ich mich zu einem Lager zähle, dann gehör ich zur Fraktion Positiv. Wenn allegerade Trübsal blasen, denk ich mir, ahh unterschätz mal nicht die Menschheit. Wir haben immer irgendwelche Lösungen gefunden. Es gibt so Grundbedürfnisse, die sind nicht zu unterdrücken. Das Bedürfnis nach Zusammensein und Gemeinschaft gehört da dringenddazu. Wir werden Wege finden, damit es weiter geht und dann wird es weitergehen.
Anna: Abschlussfrage bei uns ist immer der blank space. Den Platz kannst du als Künstler komplett frei nutzen, wie du willst.
Chima:Keine Liebe ist jetzt draußen. Das ist ein Song, in den ich sehr viel Liebe gesteckt hab. Geht raus, hört euch den an! Da ist für jeden was dabei – du hast ja in dem Interview schon sehr schön ausgeführt, was da alles drinsteckt. Geht einfach raus, supportet den Song, und lasst die Sonne für euch scheinen.
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