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  • Walking On Rivers im Interview: »Man zieht sich sprichwörtlich vor den Leuten aus«

    Walking On Rivers im Interview: »Man zieht sich sprichwörtlich vor den Leuten aus«

    Dortmund ist zugegebenermaßen nicht besonders bekannt dafür, das Zuhause von Indie-Bands zu sein. Walking On Rivers brechen dieses Vorurteil. Die Indie-Folk Band aus dem Ruhrpott besteht aus David, Borsti und Martin. Seit 2015 machen sie in teils wechselnder Besetzung Musik. Ihre Songs haben sich über die Jahre leicht verändert. Wenn das Ganze zu Beginn noch stark nach Folk klingt, gehen die neueren Songs eher in Richtung Pop oder Rock. Aber eins bleibt: die Stimme von Sänger David.

    Ich habe Walking On Rivers zum (digitalen) Interview getroffen und mit ihnen über ihre „Time to Lose Control“ EP geredet und aufgeklärt, was die Musiker immer noch im Ruhrpott hält.

    Das Setting

    Zwei der drei Bandmitglieder von Walking On Rivers sitzen in ihrem Home Studio in Dortmund. Über den Zoom-Bildschirm sehe ich 2 Männer auf Bürostühlen, die mehr oder weniger gut in den beschränkten und minimalistisch eingerichteten Raum, den sie Studio liebevoll nennen, passen. „Hier gibt es alles, was wir brauchen“, versichern sie mir. Die Nachbarn seien ebenfalls cool drauf und würden sogar ab und zu ein paar Songs mitsingen.

    Nach dem ersten Smalltalk und Lobliedern auf die Dortmunder Nachbarschaft, steigen wir in die Musik ein. Ich stelle manchmal gerne unangenehme Fragen, das scheint die Jungs von Walking On Rivers aber nicht zu stören und aus dem Konzept bringen lassen sie sich schon gar nicht.

    Walking On Rivers im Interview

    Anna: Dass ihr aus Dortmund kommt und da immer noch Musik macht, haben wir ja  schon geklärt. Jetzt frage ich mich: Woher kommt der Indiepop/ Folk Sound aus Dortmund? Das ist jetzt nicht gerade das Erste, was ich mit der Stadt oder mit dem Ruhrpott generell verbinde. Aber ihr könnt mich natürlich auch eines Besseren belehren.

    David: Ich würde nicht sagen, dass die Stadt uns zu dieser Musik inspiriert hat. Ich glaube, es ist einfach so ein bisschen herkunftsunabhängig. Wir sind aufm Dorf in NRW aufgewachsen und von dort aus irgendwie in den Pott gekommen irgendwann. Aber ich glaube, es ist eine Mischung aus allem, was wir so über die Jahre uns angehört haben an Musik. Und ich persönlich bin mit Punk eher sozialisiert worden, als ich anfing, Musik zu hören. Ich habe zwei Brüder, der eine Bruder hat sehr viel Punk gehört und der andere Bruder ist auch in die Richtung gegangen, aber noch mit ein bisschen Techno. Und von beiden hab ich mir dann so ein bisschen meine Sachen rausgefiltert. Dann ist es irgendwie bei dem jetzt gelandet.

    Borsti: Also die härtere Schiene kann ich auch vermelden in meinem Lebenslauf. Ich habe selber mal längere Zeit in einer Metal-Band … geschrien sogar. Also ich war Frontmann. Aufgewachsen bin ich irgendwie mit anderen musikalischen Einflüssen. Von meinen Eltern her habe ich viel klassische Musik mitgenommen. Mein zwei Jahre älterer Bruder, mit dem habe ich zusammen viel Jazzmusik gemacht. Und selber als Teenie habe ich dann halt in die härteren Musikgenres mal reingeschnuppert, da war ich so 12 oder 13: Rock, Hard, Rock, Metal, solche Geschichten. Das heißt, da ist jetzt nicht zwingender Weise der Indie Einfluss in der Musik, die wir machen, vorgeschrieben. Das entspringt eher aus ganz vielen anderen Einflüssen.

    Anna: Ich möchte das einmal kurz klarstellen: Du hast schon „geschrien“ und nicht „geschrieben“ gesagt, oder?

    Borsti: Ganz genau!

    Was Walking On Rivers an Dortmund lieben und warum sie nicht nach Berlin ziehen

    Anna: Okay, wild. Zurück zum Ruhrpott. Ich komme nicht von dort, wie ihr vielleicht schon bemerkt habt. Wie ist der Ruhrpott sonst so? Was hält euch noch da? Und warum zieht ihr nicht nach Berlin, wie jeder andere Indie Band?

    David: Das ist eine gute Frage. Berlin macht es einem natürlich einfacher, was das connecten und so angeht. Ich finde aber persönlich: auf dem Papier sieht es supergeil aus, wenn man nicht aus Berlin oder Hamburg oder Köln kommt, sondern vielleicht mal aus dem unkonventionellen Dortmund, was nicht so bekannt ist für die Bands, die aus dieser Stadt kommen. Was uns hier hält, ist glaube ich vor allem das Umfeld, das man sich in den letzten Jahren angelacht hat. Wir wohnen jetzt alle schon paar Jährchen hier. Ich mein, Borsti war zwischendurch auch mal in Darmstadt und in Luxemburg und natürlich auch in Berlin. Aber wir sind sehr verwurzelt hier. Das macht die Stadt einfach schön. Und ja, Berlin ist immer ganz nett am Wochenende, aber dann reicht’s mir auch meistens wieder.

    Borsti: Also Berlin hat einfach nicht so den Flair, der mich auf natürlicheweise anzieht. Zumindest nicht so, dass ich sage: Ich muss da unbedingt wegen der Musik hinziehen. Denn die kriegen wir hier in Dortmund auch ganz gut so hin und hier kann man halt günstiger wohnen. Musiker*innen haben sowieso nie Kohle. Ich finde das ist ein ziemlich guter, wenn auch sehr pragmatischer Grund hier zu leben.

    Anna: Da stimme ich dir voll und ganz zu! Ich bin noch mal ein bisschen zurückgegangen in eurer Band Historie und ihr habt zu dritt angefangen, wart dann zwischenzeitlich zu viert, zu fünft, jetzt aber wieder zu dritt. Wie kommt das, dass ihr so verschiedene Konstellationen hat? Habt ihr einfach gemerkt, es hat nicht geklappt und gesagt, wir gehen jetzt „back to the roots“?

    David: Ich bin eigentlich noch das einzige originale Überbleibsel aus dieser Dreierkonstellation. Da gab es am Anfang ja noch Markus und Flo. Dann kam Martin, der ja immer noch Trommler bei uns ist – derzeit leider nicht aktiv dabei, aber immer noch auch Teil der Band. Dann haben wir uns irgendwann noch jemand fünften dazugeholt an der E-Gitarre. Das war der Niklas. Und dann haben wir im Laufe der Entwicklung so ein paar Mitglieder verloren. Wie das halt immer so ist bei Bands: Wir waren dann alle irgendwie fertig mit dem Studium und manche wollten lieber auf die sichere Karte setzen. Da kam Borsti aber zum Glück genau zur richtigen Zeit zurück nach Dortmund. Und dann haben wir uns aber, als dann die diversen Mitglieder abgezogen sind, ganz bewusst dazu entschieden, das dann zu dritt weiter zu machen, weil es einfach sowohl kreativ als auch organisatorisch einfach nur Vorteile mit sich gebracht hat. Ich glaube, das war alles.

    Borsti: Und ich muss sagen, wir genießen es halt auch ziemlich, nur uns drei zu haben. Dadurch können wir schon ziemlich intensiv Songwriting betreiben. Von dem ganzen anderen Quatsch, den man als Band machen muss, braucht man jetzt gar nicht reden. Aber zumindest die kreativen Prozesse funktionieren halt super gut. Wenn wir zusammen Songs schreiben, dann wissen wir eigentlich schon immer, wenn wir bestimmte Songtitel haben oder bestimmte Melodien, wie die anderen darüber denken und haben uns mittlerweile ziemlich gut aufeinander eingeschossen. Wir ziehen eigentlich musikalisch immer an einem Strang und wenn nicht, dann sind halt auch schnell Entscheidungen getroffen. Da ist zwei gegen eins ist immer ein einfaches Demokratie-Verhältnis.

    Über Vergleiche und Inspiration

    Anna: Aber was beeinflusst denn jetzt wirklich den Sound von Walking On Rivers? Oder gibt es bestimmte musikalische Vorbilder, an denen ihr euch vielleicht manchmal orientiert?

    Borsti: Extrem viele, ja!

    David: Ich glaube, das war früher – also ganz am Anfang der Band – noch anders. Da war die Auswahl an Inspirationen kleiner. Damals hätten wir vielleicht so zwei, drei Bands genannt, die uns inspirieren. Heute ist das viel breiter gestreut. Früher hat man uns oft mit den Mighty Oaks oder Mumford Sons verglichen. Das war so ganz am Anfang, als das Projekt noch in den Kinderschuhen war. Und jetzt finde ich das schwieriger, Bands zu nennen.

    Borsti: In der letzten Zeit hören wir auch alle privat noch noch mehr Mucke als sonst schon. Das ist gar nicht so maßgebend ein bestimmtes Genre, sondern eigentlich ein bestimmter Sound. In welchem Genre oder bei welchen Artists sich das dann widerspiegelt, ist halt wirklich immer ein anderer Schuh.

    David: Ja, also wenn ich jetzt mal ein Beispiel nennen sollte: ich liebe die Fleet Foxes einfach abgöttisch. Was die Vocals angeht, ist das voll die krasse Inspiration.

    Anna: Euer Sound selbst hat sich ja auch ein bisschen verändert. Ich würde zumindest sagen, dass so die ersten Songs, die von euch draußen waren, so ein bisschen mehr in die folkige Richtung gehen und es jetzt eher so poppiger, rockiger wird. Kommt natürlich auch darauf an, welche Songs man sich jetzt rauspickt. Würdet ihr sagen, dass das einfach so eine natürliche Entwicklung war und die Musik mit euch zusammen erwachsen wird?

    Borsti: Also die Entwicklung ist schon ziemlich aus uns selbst herausgekommen. Aber das hat so einen kleinen Anstoß gebraucht. Als ich vor drei Jahren in die Band gekommen bin, habe ich genau das Bild gehabt, was du gerade beschrieben hast von dem Indie Folk. Die erste Zeit hab ich versucht, mich erst einmal so in das Bild einzufügen. Aber das Bandkonstrukt an sich hat sich ein bisschen verändert, weil zwei Leute rausgegangen sind aus der Band. Wir wollten uns einfach etwas professionelleren Sound verleihen als Band.

    David: Es wa eine gute Symbiose aus unseren Ideen und ein paar kleinen Arschtritten von unserem Produzenten Sven in eine andere Richtung. Wenn ich mir die Platte jetzt anhöre, denke ich sogar ist das gar nicht so krass, wie ich das damals empfunden habe.

    Die Sorgenkinder der „Time to Lose Control“ EP

    Anna: Welcher Song war der längste Prozess auf der EP „Time to lose control“ oder welchen mochtet ihr erst nicht?

    David: „Selfmade Delusion“ hat ziemlich lange gedauert. Der Song an sich stand schon – eigentlich so wie er ist mit den Chords und den Vocal Lines und so, aber das Arrangement hat so lange gedauert.

    Borsti: Der hat wirklich lange gedauert und hat irgendwie so viele verschiedene Arrangements gehabt. Da wurden dann immer wieder dazugeschriebene Parts rausgeschmissen und alles umgekrempelt, was bisher gewesen ist.

    David: „In Vain“ war der erste Song von der Platte und hat die meisten Entwicklungsschritte durchlaufen. Was mir am meisten Spaß gemacht hat, war „Time to lose Control„. Das ist ja auch der Titeltrack und am Anfang hatten wir eigentlich nur so eine Grundidee vom Song. Also es gab eine Akkordfolge und eine Melodie, aber auch nur für einen halben Song und den Rest haben wir im Studio dann geschrieben.

    Anna: Ich muss ja gestehen, dass es bei mir klassischerweise „Overachiever“ ist. Der Song hat mich zumindest von Beginn an am meisten gecatched. Merkt ihr sowas auch, bevor ihr die EP rausbringt, das ein bestimmter Song, der wird, den die Leute am meisten feiern?

    Borsti: Ja, wir haben uns das schon gedacht. Also das war von Anfang an einer meiner Lieblinge von der Platte. Mittlerweile würde ich sagen, ich habe gar keinen Liebling von der Platte mehr. Die Songs mag ich halt alle super gern. Aber wir waren uns ziemlich sicher, dass „Overachiever“ funktioniert und haben uns auch dazu entschlossen, den als allererste Single von der Platte rauszugeben. Das war auch ein guter Spagat zu dem, was wir vorher gemacht haben.

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    Anna: Ja, das kann ich gut nachvollziehen. Kommen wir jetzt mal zu eurem neuesten Song „Lights Go Out„. Der ist im Vergleich zur „Time to lose control“ EP doch schon eine deutliche Spur persönlicher und auch ruhiger. Wie kam es dazu, jetzt so einen kleinen Soundswitch einzubauen und auch textlich auf diese Ebene zu gehen?

    David: Wir hatten Bock auf einen Piano-Song, der einfach vom Klavier getragen wird. Und dann haben wir zu der Zeit irgendwie darüber gesprochen, was uns gerade beschäftigt. Und sonst ist ja in unseren Songs immer eher so was Gesellschaftliches drin oder auch mal Kritik. Aber zu der Zeit war es dieses interne, persönliche Beziehungskonstrukt, was uns beschäftigt hat. Es geht darum, dass man merkt, dass es nicht mehr so funktioniert, wie es vielleicht mal hat und das beide spüren, aber keiner traut sich so richtig, die Lichter auszumachen. Ich meine, bei so einem persönlichen und vielleicht ein bisschen melancholischen Text würde es ja auch komisch klingen, einen nach vorne gehenden Indie-Pop Sommerhit zu schreiben.

    Anna: War dann auch eine gewisse Skepsis dabei, den Song zu veröffentlichen? Oder wart ihr euch von Anfang an sicher, dass das funktionieren wird und dass es auch gar keine so eine Wagnis ist, sowas rauszubringen?

    David: Also skeptisch war ich jetzt nicht. Ich mochte den Song. Also klar, man zieht sich ja vor den Leuten immer sprichwörtlich aus, wenn man Musik rausbringt – egal worum es geht. Und das Gefühl kennen wir schon. Es ist da so, dass man etwas, was man in einem nicht so guten Moment sich ausgedacht hat, überlegt, das dann in Musik zu pressen. Ich habe mich eigentlich nur gefreut, den rauszubringen und zu gucken, was die Leute sagen. Ich glaube, am wichtigsten ist, dass man es selber mag und wenn man es dann rausbringt und es den Leuten gefällt und wenn nicht, dann hat man ja immer noch ein Stück, was einem selber gut gefällt.

    Und mit welchem Getränk bereitet ihr euch auf eine Show vor?

    Anna: Das ist, glaube ich, genau die richtige Einstellung! So jetzt als letztes ist noch die untold story an der Reihe. Habt ihr lustige, unerzählte Story parat?

    David: Vor jeder Show kommen wir noch mal in einen Kreis zusammen. Das machen ja viele Bands. Wir legen dann aber immer ganz spontan ein Motto fest für die Show. Das kann alles sein. Das muss dann immer spontan aus irgendwem heraus schießen und da waren schon sehr witzige Sachen bei. Meistens sind das irgendwelche komischen Wortspiele, die auch am besten niemand anderes hören sollte.

    Borsti: Aber meistens hat das was mit dem Tag oder mit der Tour zu tun. Mir fällt gerade kein gutes Beispiel ein.

    David: Spontan fällt mir auch nichts ein. Aber Martin trinkt auch immer eine Königs-Mische vor der Show. Das ist vielleicht auch noch eine witzige Geschichte.

    Anna: Was ist denn eine Königs-Mische?

    David: Er hat es selber so genannt. Das ist schon ziemlich ekelhaft eigentlich: eine Flasche Bier, ein Red Bull und ich glaube, noch ein Pfeffi. Das trinkt er dann nacheinander. Mit der Kombination ist er anscheinend bestens vorbereitet, aber wirklich Konzert.

    Anna: Naja, wenn’s ihm hilft. Aber wie muss ich mir das mit dem Motto vorstellen?

    Borsti: Wir sammeln uns im Kreis und rufen direkt vor der Show noch das Motto rein, um uns auf die Show einzustimmen. Und keiner denkt sich vorher was aus, sondern das muss halt wirklich erst eine Minute vor der Show gehen. Spontan!

    David: Da kommen manchmal schon sehr lustige Dinge bei raus.

    Anna: Ja, cool. Danke euch, dass ihr das geteilt habt und danke für das Interview. Macht’s gut!

    Borsti: Danke dir, Anna!

    Falls ihr es nicht längst schon getan habt: Dann könnt ihr hier jetzt in die „Time to Lose Control“ EP von Walking on Rivers reinhören:

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    Fotocredit: Thilo Rohländer

  • Oehl im Interview: »Wir müssen uns von den Privilegien unserer Zeit verabschieden«

    Oehl im Interview: »Wir müssen uns von den Privilegien unserer Zeit verabschieden«

    „Es tut mir leid, dass du wegen mir geweint hast“ – das sind die ersten Worte, die mir auf dem neuen Oehl-Album von Ariel in die Ohren geflüstert werden, nachdem ich ohne zu zögern auf Play gedrückt habe. Dass mich emotional vollgeladene Texte erwarten, war mir bewusst. Doch so eine persönliche Ansprache trifft dann doch nochmal anders.

    „Keine Blumen“ ist das zweite Album von Oehl. Bereits die erste Single des Albums „Weitergehen“ kündigte ein textstarkes Album an. Mir geben die Texte von Ariel oft das Gefühl ich würde einen Einblick in seine Gedanken bekommen – fast so als wäre ich exklusiv dabei, wenn er diesen einen Gedanken zum ersten Mal formuliert und fühlt. Es gibt wenige deutschsprachige Pop-Künstler*innen, die es (für meinen Geschmack) so gut schaffen, sich zwischen gefühlvollen Texten und verspielten Sounds nicht im Kitsch verlieren.

    „Gib mir mein Herz, gib es zurück. Denn ich hab lieber einen Stein als so ein Loch in meiner Brust„

    Auf „Keine Blumen“ geht es um das Leben. Es stellt das Leben in Frage. Es geht um Abschied, Geschlechterrollen, Zukunft, Sucht und Mental Health. „Du hast gesagt: Bitte keine Blumen mehr“ singt Oehl auf dem titelgebendem Song. Genau diese Ehrlichkeit zieht sich durch das gesamte Album.

    Ich habe Ariel von Oehl auf dem Appletree Garden Festival in Diepholz Anfang August getroffen und mit ihm nach seiner Show gequatscht. Im Folgenden reden wir über „Keine Blumen„. Ariel erzählt, wie es für ihn ist, jetzt als Solo-Künstler zu erscheinen und wie ihm sein Autismus schon das ein oder andere Mal im Weg stand.

    Oehl im Interview

    Anna: Magst du dich zu Beginn einmal vorstellen?

    Ariel: Ich bin ein bisschen zwiegespalten: Bin ich jetzt eine Band oder ein Solo Act? Also live bin ich auf jeden Fall eine Band. Und ansonsten bin ich vor allem der Ariel, der Musik macht und in Wien wohnt, und jetzt ein Album rausbringt – und das zum ersten Mal alleine.

    Anna: Das passt perfekt zu meiner Anschlussfrage: Wie ist es für dich, jetzt alleine Musik zu machen? Vorher hast du ja immer zusammen mit Hjörtur veröffentlicht.

    Ariel: Ach, das hat sich gar nicht so sehr verändert. Also ich sehe Hjörtur ja eh, wenn er in Wien ist – eigentlich jede Woche. Und im Studio-Prozess hat sich in den letzten Jahren eh dahin entwickelt, dass ich halt sehr viel zu Hause mache. Durch Corona hab ich auch sehr viel selber produziert. Dann kam es an den Punkt, wo auch er gemerkt hat, dass es am Anfang wichtiger war, dem Projekt Flügel zu geben, indem wir es gemeinsam machen, aber dann funktioniert es auch so. Da bin ich ein bisschen mehr zum Solo-Produzenten geworden. Für ihn war das auch, dass er noch seine anderen Projekte machen kann.

    Mir ist es aber wichtig, wenn wir live sind, dass wir als Band auftreten. Ich wollte nie so ein Artist sein, der mit der Gitarre da sitzt und allein spielt. Also ich glaube, Musikmachen lebt davon, dass Menschen gemeinsam etwas kreieren und schaffen. Deswegen fühlt es sich auch nicht so an als ich würde alleine Musik machen, weil ich immer Leute mit dabei habe. Hjörtur fehlt mir natürlich trotzdem in der Band, aber ich sehe ihn ja zum Glück auch so noch. Er hat einfach so eine Energie. Ich habe ihn ja auch kennengelernt, als er sich auf einer Bühne bewegt hat und ich war so begeistert davon. Also das werden wir vielleicht nicht wieder einholen und ersetzen können. Aber ich kann mein Bestes tun, seine Energie irgendwie aufzufangen.

    Oehl wäre nicht Oehl ohne die Sounds des Isländers Hjörtur

    Anna: Meinst du, dass es Oehl ohne Hjörtur auch nicht so geben würde, wie es jetzt ist?

    Ariel: Auf jeden Fall! Das ganze erste Album haben wir ja ganz viel zu zweit geschrieben und da haben wir auch diesen Sound entwickelt. Es hat angefangen mit einer Drum Machine und Hjörtur hat dazu Bass gespielt und gesungen. Dann hat er noch Keyboard gespielt und das war’s. Unsere ersten Demos zu „Keramik“ klingen auch so. Ich muss sagen, es hat seinen eigenen Charme.

    Anna: Stand es für dich/euch jemals zur Debatte, auf Englisch zu Singen?

    Ariel: Also Hjörtur spricht ja eher Englisch als Deutsch, einfach weil die Sprache ihm viel näher ist. Deswegen war das schon ein Ding. Er ist so ein kreativer Kopf und für ihn war das Singen für Oehl nie ein Thema. Deswegen singe ich auf Deutsch. Aber auf Englisch singen würde ich jetzt eher nicht. Was mich am Musikmachen interessiert, ist, irgendwas zu machen, was noch keiner gemacht hat oder ich will es zumindest probieren. Auf Englisch ist das viel schwieriger, nach mir zu klingen. Wenn ich Deutsch singe, dann weiß ich, es klingt nach mir.

    Musikmachen ist, etwas zu machen, was noch keiner so in der Form gemacht hat – das ist so meine Grundannahme der Musik. Es ist auch eine gewisse Challenge, den Song so zu schreiben, dass es nicht peinlich klingt. Es ist einfach nur super ehrlich. Du spürst, auch wenn es nicht ehrlich ist. So viel Deutsch-Pop klingt zwar mega emotional, aber ich spüre es nicht so als ehrlich. Es kann trotzdem gut sein, aber im Endeffekt kannst du jedes Wort umdrehen und auf die Waagschale legen.

    Anna: Würdest du sagen, dass man jetzt bei dem zweiten Album hört, dass du das alleine produziert hast?

    Ariel: Auf jeden Fall! Also es ist sowieso noch sehr viel im Austausch mit zwei Produzenten entstanden, aber ganz viel stand jetzt aber auch schon bei mir zu Hause. Es  entwickelt sich ja oder so immer weiter, aber da ist es mir wichtiger, was Spezielles zu erhalten. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht so genau, ob man es so stark hört. Das einzige, was auffällt, ist Hjörtur’s spezielles Bassspiel. Aber er hat auf diesem Album auch ein paar Sachen eingespielt. Also er ist auf dem Album auch nicht komplett weg und das ist auch gut so. Er wird auch in Zukunft vielleicht mal was einspielen. Aber für uns ist eher wichtiger, das nach außen zu trennen. Man wird es auf den Songs wahrscheinlich daran merken, dass der Bass meist etwas mehr im Hintergrund ist. Das war einfach so Hjörtur’s Rolle, die halt etwas weniger präsent ist jetzt.

    Anna: Ich hatte auch das Gefühl, dass dieses Mal wirklich der Text noch mehr im Vordergrund steht.

    Ariel: Vielleicht auch, weil ich bewusst mehr drauf geachtet habe. Das könnte es sein. Also ich schreibe jetzt einfach auch die Songs sehr persönlich. Also das erste Album war da etwas politischer, aber auch ein Mix aus allen möglichen Dingen, die mich beschäftigen. Ich hatte dieses Mal das Gefühl, ich kann da jetzt auch mehr meine Stimmung.

    „Wir sollten auch einfach mal mit weniger zufrieden sein können“

    Anna: Gibt es ein Überthema, eine Klammer auf „keine Blumen“?

    Ariel: Abschied ist ein großes Thema auf dem Album – gar nicht primär im Sinne vom Tod. Also es gibt auch ein paar Songs, wo der Tod eine Rolle spielt, aber für mich ist es mehr ein Symbol auch für Abschiede im Allgemeinen. Ich glaube, wir leben in einer Zeit, in der wir das Verabschieden noch lernen müssen. Also einerseits merken wir, dass es nie wieder so ökonomisch und ökologisch wird, wie es mal war. Das wissen wir halt einfach. Wir sind die erste Generation seit langem, die einfach weiß, dass es nicht mehr besser wird. Deswegen ist diese Übung im Verabschieden so ein Thema, was sich durchzieht auf dem Album.

    Abschied mit Chance zur Erneuerung

    Ariel: Ich will es aber auch nicht unbedingt als ein Weltuntergangs-Szenario sehen, sondern eher die Werte dahingehend verschieben, dass man genügsamer wird. Wir sollten einfach auch mit weniger zufrieden sein können. Deshalb geht es auch um den Abschied von gewissen Privilegien, die wir in unserer Zeit haben. Sehen wir es mal ganz pragmatisch: Es ist ein Privileg, dass wir einfach in einen Laden gehen können und vier Avocados, 20 Orangen und sonst was kaufen können. Ach und wenn die Küche nach acht Jahren kaputt ist, dann kauft man einfach eine neue bei Ikea. Da müssen wir einfach mal uns, die Gesellschaft und wie wir leben wollen, hinterfragen. In dem Sinne hat Abschied auch eine Chance zur Erneuerung für mich.

    In „Schönland“ geht es zum Beispiel auch darum, dass ich mich in gewisser Weise bei meinem Sohn entschuldige. Kinder zu kriegen ist zwar das schönste, was ich mir vorstellen. Aber es ist auch einfach sehr naiv. Ich muss ihm ja jetzt schon erklären, dass wir nicht wissen, was in 50 oder 60 Jahren ist. Das ist irgendwie eine große Verantwortung, die man da auch übernimmt. Ich merke auch, dass ich eine gewisse Schuld dem Kind gegenüber empfinde. Ich möchte einfach nicht noch mehr Scheiße bauen jetzt. Zumindest ein bisschen will ich dafür kämpfen, dass er auch noch eine Zukunft hat.

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    Anna: Ich habe gesehen, dass du im Podcast „Danke, gut“ von Miriam Davoudvandi über deinen Autismus gesprochen hast. Wie war das für dich? War das das erste Mal, dass du öffentlich darüber geredet hast?

    Ariel: Ja, es ist das erste Mal. Ich bin eigentlich eher so jemand, der seine Persönlichkeit nicht so in den Vordergrund drängen möchte. Ich dachte mir immer, das ist gar nicht so wichtig, denn es geht ja um die Musik. Aber ich habe erkannt, dass es jetzt, wo solo unterwegs bin, auch eine Chance sein kann. So habe ich vielleicht die Möglichkeit, über Themen zu reden, denen ich vorher keinen Platz gegeben habe.

    Der Podcast ist schon eine tolle Ehre, weil da noch ganz viele andere tolle Künstler*innen zu Besuch waren, die sich auch sehr ehrlich und verletzlich gezeigt haben. Gerade bei so einem persönlichem Thema möchte man ja auch eine Bühne haben, wo es wertgeschätzt wird, dass man das teilt und die man auch selbst wertschätzt. Dafür war der Podcast extrem gut. Ich hätte mich jetzt glaube ich nicht in eine Talkshow gesetzt mit sieben weiteren Leuten, um dann über meinen Autismus zu reden.

    „Es ist ein Missverständnis, dass Autisten nicht empathiefähig sind“

    Anna: Gab es schon einmal eine Situation, wo dich der Autismus in eine sehr unangenehme Lage gebracht hat oder dir im Weg stand?

    Ariel: Ja, auf jeden Fall. Ein großes Missverständnis ist ja zum Beispiel, dass Autisten nicht empathiefähig sind. Also die Asperger, die ich kenne, sind alle sehr viel weniger durch emotionale Reaktionen geleitet, sondern mehr durch Impulse – also in ihrer Sprache. Das heißt für Menschen, die das nicht wissen, sind wir oft schwer zu durchschauen. Mein Learning daraus ist auch, die Grenzen und Bedürfnisse anderer besser erkennen zu können. Es gibt Situationen, da ist es einfacher und dann gibt es noch so klassische Situationen, wie beispielsweise im Supermarkt, da kann es auch ein Struggle sein. Aber es ist natürlich permanent die Gefahr im Alltag, dass eine gewisse Überforderung da ist. So ein Festival kann ich auch privat kaum besuchen. Im Arbeitsmodus geht es viel besser. Da weiß ich, ich funktioniere jetzt. Privat sind mir da zu viele Menschen und Sounds.

    Anna: Das kann ich sehr gut verstehen, das geht mir auch manchmal so. Ich habe noch eine Frage zum Schluss: und zwar ist das die Frage nach deiner „untold story“?

    Ariel: Ah, da fällt mir was ein: Der Song „Keramik“ wäre fast nicht veröffentlicht worden. Irgendwie fand ich die Version ein paar Monate, nachdem ich den Song geschrieben hab, gar nicht mehr so gut und ich war kurz davor, den Song bei dieser Albumproduktion zu kicken und gar nicht rauszubringen. Ich weiß noch, es gab diesen einen Moment, als ich ihn gehört habe und mir gedacht habe: Oh Gott, ist es das? Gefällt mir dieses Intime? Gebe ich mich zu verletzlich? Ich weiß nicht, was es war, aber irgendwie konnte ich es nicht locker flockig rausgeben.

    Und dann saßen wir irgendwann mit unserem Booking im Büro in Wien und irgendwer meinte so: „Das ist mein Lieblingssong, wenn du den nicht rausbringst …“. Dann habe ich mich echt überreden lassen von Hjörtur. Naja, ich finde es jetzt auf jeden Fall auch gut, dass wir ihn mit drauf genommen haben. Es ist auch immer schön, wenn wir den Song live spielen. Mittlerweile würde ich sogar sagen, dass „Keramik“ für mich mit ein Grund war, weiterzumachen. Es ist ja der bekannteste Song von Oehl und ich merke einfach, wie gut er bei den Leuten ankommt und wie viele Türen er geöffnet hat.

    „Keramik“ handelt von der Zerbrechlichkeit seines Sohn bei der Geburt

    Ein weiterer Fact über den Song ist mir gerade auch noch eingefallen: Ich habe den Song gerade geschrieben, als mein Sohn im Bauch seiner Mutter war. Er war zwei Monate zu früh auf der Welt und die Zeit war nicht so einfach für uns. Diese Zerbrechlichkeit des Kindes, die ich in der Zeit gefühlt habe – die habe ich in dem Song beschrieben. Ich glaube, dass diese Intimität in dem Song und das Persönliche, Verletzliche eine besondere Stärke ist. Es ist halt einfach sehr ehrlich und ich kann nichts verstecken.

    Anna: Aber ich glaube, dass der Song gerade dadurch so gut funktioniert.

    Ariel: Der Song ist auch in einer Writing-Session entstanden. Also das ging so von Herz und Kopf in Schrift über.

    Anna: Danke, dass du die Geschichte geteilt hast. Jetzt wünsche ich dir noch viel Spaß hier auf dem Festival!

    Ariel: Gerne doch, dir auch!

    Wenn ihr es nicht schon längst getan habt, könnt ihr euch hier „Keine Blumen“ von Oehl anhören. Habt ihr schon einen Liebling auf dem Album? Meiner ist momentan „Schönland„, knapp gefolgt von „Weitergehen„.

    Und ihr eure Emotionen zu den Oehl Songs jetzt auch genauso wenig im Zaum halten könnt, dann lest doch auch gerne Anna’s (nein, nicht ich) Review zu „100% Hoffnung“ und sichert euch als Sahne-Häubchen obendrauf auch einfach schon Tickets für die Tour im Herbst.

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    Fotocredit: Tim Cavadin

  • Rhodes im Interview: »You have to be honest with yourself«

    Rhodes im Interview: »You have to be honest with yourself«


    Die Acoustics Concerts 2022 sind mittlerweile im letzten Drittel angelangt und neigen sich langsam, aber sicher dem Ende zu. Leider mussten zwischendurch ein paar Konzerte aus diversen Gründen abgesagt werden und somit bleiben noch neun Gelegenheiten im August, um Mittsommernächte den perfekten Soundtrack zu verleihen. Bis jetzt gab es eine Menge schöner Konzerte mit wunderschönen Settings und traumhafter Musik. Das versprechen auch die Konzerte, die noch darauf warten, besucht zu werden. Aus Erfahrung kann ich sagen: Es lohnt sich! Kauft Euch diese Karte und seid bei einem der zauberhaften Konzerte mit dabei! Neulich, am 12. August, war ich selbst in Essen und habe mich von einem der Acoustics Concerts überzeugen lassen. An diesem Abend wurde es unter anderem mit Rhodes sogar ein wenig international. Ich hatte das Glück, den britischen Musiker ungefähr einen Monat zuvor per Videocall interviewen zu können. Rückblickend war es ein unfassbar schönes, emotionales und privates Interview mit viel Sentimentalität und Selbstreflexion. Aber lest selbst:

    About escape and sanctuary

    Leif: Hello I’m Leif from music magazine untoldency, nice to meet you! How are you doing and how was your day so far?

    Rhodes: Thanks man, I’m doing good! Right now, I’m in London spending two weeks of time between touring. I have a little studio room here, where I can work on any ideas maybe for the next album.

    Leif: Sounds very creative then!

    Rhodes: Of course! Right now I’m spending most of my time doing songwriting and working on new ideas.

    Leif: First of all: How do you want to be called? Rhodes or David?

    Rhodes: Rhodes will do fine.

    Leif: Alright then, Rhodes. This is going to be a little introducing interview about yourself, and I would like to put focus on your music and how you came to make music but also on some of your new songs, if it’s okay for you. But since this is an introducing interview, would you please introduce yourself and tell me how you would describe your music to poeple who never listened to your music before?

    Rhodes: I’m a kind of ballad songwriter. So, most of my music is quite cinematic, introspective, heartfelt, real-life stories about struggling with those feelings of doubt, anxiety, and depression. But also, I really strive to bring an element of hope with my music, because music was my saviour when I grew up, and it still is my escape and my sanctuary. I hope that my music provides a bit of an escape for the people who hear it.

    Leif: I think especially in the new releases you can listen to this dealing with anxiety and as you said there’s always a little hope in your songs. But let’s go back to where it all started. How did you get in touch with making music for the very first time and how did it go on?

    Rhodes: I grew up with a very musical and creative household. My dad played guitar and I grew up watching him play and wanting to pick up a guitar as soon as I could. I actually still write and record most of my songs with his old guitar. It still is my main tool in the studio. That was really fortunate, and I think because I was surrounded by that I had this expansive and beautiful musical collection from a really young age. Even in primary school I used to try it and get a group of friends together and play whenever I could even if I could imagine that it sounded absolutely terrible. I’ve been in bands throughout my teenage years and when I moved to London for uni I started to play in more serious bands. We took ourselves more seriously and tried to get out there and do it for real. It was during my early twenties when I started to write my own music and although the guitar is my first instrument, somehow, I found myself playing bass in some bands. I started to really get lost into my own creativity, so I left that band and started to write my own songs. They were very small and very strict it was just like vocal and guitar, but it put together some bedroom demos.


    „You have to be honest with yourself, you have to be honest with the song“


    Leif: You are from England. Did your origin affect your way of understanding music and writing songs in general?

    Rhodes: I grew up in a small town just outside of London and it was very much one of those towns where wasn’t really much to do. Also, when I was young, I had a kind of fractured home life because my parents lived apart. That all formed my need for music. And looking back now and seeing a lot of my friends and what they’re doing, music is a huge part of everyone’s lives. I think living so close to a major city like London always felt like it was on my doorstep all the time. So, the big dream was always to go to London and do a show. That was what everyone was working for. The way I grew up and where I grew up gave me the feeling that it was possible and that it is down to you that you chase your dreams. 

    Leif: Speaking of songwriting: In your opinion, what are the most important ingredients when it comes to writing a good song?

    Rhodes: This is a good one. Because I think it is easy to get caught up in writing something that you think people want to hear. I’ve been signed to major labels, and I’ve been there, I’ve done that, and I’ve tried to do the thing that I think will please anybody. But actually, I think the most important thing – especially with the kind of music that I do – is honesty. You have to have honesty, you have to be honest with yourself, you have to be honest with the song. And you have to almost allow those initial, great ideas to hit you and then you have to nurture them.

    Leif: With that being said: Are your songs rather biographic or is it mostly storytelling?

    Rhodes: They’re biographic. They have evolved through the years. I have experimented with different things. Since opening my eyes up to collaboration and working with different people I’ve tried to explore this idea of storytelling and using my experiences to try and highlight things that other people might be feeling. But almost every song I’ve ever written comes from my own experience, so they’re mostly biographical.

    Leif: So, with the biographical songs mixed with the honesty you mentioned before you aim to create a specific intimate feeling, right?

    Rhodes: You can write ten songs about the same thing. It’s those moments when you land upon a really powerful statement. And then you can write a song around that. Some of them are more playful than others. Some of them are deep and introspective and hard to write. And on my next record I experimented more with the fun songs to write. But ultimately, I believe my favourite songs are the ones that I write in the middle of the night feeling nostalgic and melancholy. I try to capture these emotions I feel like everybody relates to. Because we might not tell the same stories, but the feelings stem from the same experiences. We’ve all experienced heartbreak and we’ve all experienced anxiety. And whilst we might not have all experienced things like, you know, depression, and medically kind of diagnosed mental health conditions, we’ve all experienced low days, we’ve all experienced these feelings of doubt and hopelessness. And I think, that’s a very important place to draw inspiration from because you can take that sadness and turn it into something positive, which is a song. And the song can help other people as much as it helps you. Just getting it out and just laying it down, creating something from nothing. That’s the best feeling, man. Like, that’s an amazing feeling. And if that day, you’ve spent labouring over this idea, and this feeling that you have inside can connect with someone else. That’s it’s just an incredible feeling.


    100 conversations at once


    Leif: It is, it really is. You can tell that there is a lot of deep and personal emotions going on in all of your songs and especially the new releases float between being truly in love and self-doubt. Would you consider yourself emotional or overthinking?

    Rhodes: Yeah, 100%. Like I, I’m deeply, deeply emotional, and connected spiritually to every nuance around me. I’m very affected by things and very affected by people and my relationships. And, you know, I’ve been affected by life just up to this point. We all carry trauma with us. And it’s difficult to let go of things. And they resurface, and they kind of come back and you find yourself in these, kind of, downward spirals. But I think ultimately, I do have amazing people in my life, and I do have amazing relationships, and I’m very grateful for them. And I acknowledge them a lot in my songs. I don’t know why I don’t know if there’s a reason for that. But I do. I do write a lot of songs about my love for people and how they affect me and the way I know I should be living my life. I also have ADHD as well, which is like a neuro diverse kind of condition that I’ve had since I was a kid. So, my head is just absolutely thinking all different outcomes or different possibilities, every single emotion, 100 conversations happening at once in my in my mind. It’s really easy for me to just absolutely downward spiral into these, kind of strange, murky depths of my brain and just like trying to figure stuff out. But luckily, I have people around me who can pull me out of that. Yeah, very important. And I guess that inspires quite a lot of my music.

    Leif: Alright. Yeah, your new song suffering? Yeah, I love the song. By the way. It’s a really good one.

    Rhodes: Thank you so much.

    Leif: “Suffering” is about the fear of hurting another person and the fear of not being enough because of the own doubts and mental state, I would guess. What advice would you give a person in that very situation?

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    Rhodes: Well, I think it’s tricky. I mean, you’re right. That is what it’s about. Ultimately, it’s about just not wanting to hurt somebody. But kind of knowing that you are, or you have. If someone’s in that position, I think it goes back to the honesty thing. You have to be honest with yourself. You have to be open, you have to be able to talk to somebody that you love, you know, I find that’s really important. I also find it really strange that it’s just not how a lot of people are. Some people are very, very closed and that makes it difficult to communicate. And I think people can end up running away from things whether that be with drinking, going out partying or just like having a relationship share it with someone and then just letting it break down and leaving. Because you’re unable to actually articulate the way you really feel, or you’re scared of what they might think. And yeah, I’ve been guilty of this in the past before just like running away from stuff, running away from my problems, and just not facing up to stuff. And I ended up making it worse. And that’s what the song is about. The message is, well, the message is clear in itself, but I think beneath the surface, it’s a song about what I would want to say to somebody, if I was in that position. I was, I knew I was making mistakes, I knew I was hurting somebody. And then the ultimate bottom line is, I don’t want to hurt this person. „I can’t, I don’t want to hurt you. So, I’m being honest with you. I’m being open with you about the way I feel.“.

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    Auch, wenn Rhodes das Trinken als einen Weg bezeichnet, vor den eigenen Gefühlen zu flüchten: In seinem neusten Song „Drink to this“ besingt er die guten Tage des Lebens.


    Leif: That’s really an important message. It sounds very reflecting and grown up. You beautifully managed to wrapped that into a song. In „The Love I Give“, another great song, you sing about the ups and downs in a relationship. Regarding love and life in general, do you think there is a no-good-without-bad-ying-and-yang-balance? And if so, why is that?

    Rhodes: Yeah, I really do think there is this kind of quest for happiness going on the whole time. And we’re all constantly told about this certainly is this inner peace kind of feeling. And to me, that’s hard because there are going to be struggles, there always will be. And it’s not going to be easy. A lot of the time, it’s going to be hard. A lot of the time it’s going to be good days and bad days. And I think you have to try and find a way to find balance in life, that’s for sure. But when you are happy, it’s important to just take hold of those moments and keep them and make them sacred and understand that happiness isn’t a moment. It’s not a constant state of being either. I don’t think anyone can be that. It’s just not how we’re programmed. Especially if you’re an empathetic person. And you’re constantly faced with what’s going on in the world. You are going to agree and disagree with people the whole time, you’re going to have to deal with things in life. It’s just impossible to imagine life without those hardships. But I think what it goes down to again, is just this feeling that, as long as you have people around you, who you love and who you trust, it goes the other way as well. You have to be that to somebody else too. You have to be somebody else’s rock. You know, even if that’s a friend or a partner, it’s important to make sure that you give out what you what you want to have back. We’re all going to have moments where we are feeling like a terrible person, and you’re going to make mistakes and you’re going to have things. But then, that’s what life is. It’s about experiences and it’s about learning and about working through those things. And that’s what the song really is about. It’s about “listen, I’ve got to tell you that this is how it is. But just know one thing, I love you. And this is what’s going to admit, and this will always remain there for you. Like, I’ll always be there for you. Just don’t beat yourself up on the bad days.”. That’s the sentiment. I do. I do think there is this kind of yin yang thing. It’s just always been there written into folklore and into religion and into everything. So, it is always going to be that. It’s just one of those.


    Just me on my guitar


    Leif: I totally agree on that. Coming on to the acoustic concerts. You are going to perform 7 shows during the acoustic concert series for example in Dresden, Berlin, and Hamburg. What do you like most about performing acoustically or unplugged?

    Rhodes: It’s amazing. It’s like music at its rawest form. One of the things I’ve really experienced first-hand is taking things all the way to the highest possible level of production, and then stripping it right back down to nothing. And the experience you get when it’s stripped right back down to nothing is incredible. When you’re playing a stadium, when I’ve played big arenas and big festival stages, you need a bit more of that production behind you when you’re onstage because it’s just so vast and big. Also, to hold people’s attention. I did a tour with Hozier back in 2016. And I played a bunch of massive arenas with him all around the world. And it was just me on my guitar. I was really lucky during that, because it showed his fans wanted to see someone with a guitar playing their songs. And they were there for a beautiful, peaceful spiritual experience. They weren’t there to party and get wasted. Because it’s Hozier, you know. But when I was up on that stage, I was like “Shit, you can do this just with a guitar.”. You don’t need a whole thing where I am in my career – I’m rebuilding from COVID, having these two years. I can’t wait to get on to these intimate little stages and just with a guitar and I’d bring a piano as well. I think the set is only half an hour every night. It’s just about me getting out there and showing people my voice and my songs in their rawest form. And they can really hear them. I love to perform like that. It’s great.

    Leif: But I think those are the hardest, like the most intimate concerts in bars or something with like 20 people in it. Those seem the hardest to me.

    Rhodes: Yeah, they are. They are the hardest. But it’s one of those things where it’s like, you’re pushing yourself to really be in the moment. And to really experience the whole thing with everyone else who’s there. Sort of, when I’ve done a big show or a big thing before in the past, people are like “Are you scared up there?” and I’m like I literally can’t see anyone when the lights are off and the spotlights on. I can’t see anybody out past the front row. So, it’s not scary at all. But when you’re in those smaller places, you can see everybody. You can see the guy in the back talking, like “Oh shit, you’re just talking did you enjoy it?”. But these are just the things that we do. I think back to one of my favourite artists of all time, Jeff Buckley. He started his career playing in coffee shops. So, it’s like, he’s playing in coffee shops, to people who are talking, chatting, doing other things, making coffee, ordering coffee, and he’s just playing. I love that. I think it’s really cool. And plus, at the end of the day, everyone’s going to be there to watch. That’s why they’re going to go buy a ticket. It’s going to be one of those things, I hope, where people want to enjoy it and not like talk the whole time.

    Leif: That’s true. Also, it would be quite disrespectful. As we do in all of our interviews, the last question is about an untold story. Is there any story, sidenote or fun fact of you, that you never told anybody and want to share with us right now?

    Rhodes: Oh my god, you’re putting me on a spot!

    Leif: I do!

    Rhodes: I have told this story before in the UK but not to Germany. When I was growing up, I had a really, really, really deep intense fear of singing. I don’t know what it stemmed from, but I resigned myself to just being a guitar player. And then it was my stepmother who pretty much begged me to sing a song with my dad on his 50th birthday party. I got up on stage and I was really drunk, and I sang “Crossroads” by Cream. And everybody loved that, and everybody wanted me to sing that again. From that day onwards, I was like “Okay, I think I can do this.”. That was my first experience of singing, like, the first time being on stage and opened my mouth and sung anything. Then I wrote two songs and one of them was the one that got me signed as a singer. I don’t know if that’s interesting enough, but I hope that it’s inspiring to somebody. Because I feel like so many people are afraid of expressing themselves. I know that it makes you feel naked and it’s very exposing. But if people are afraid of it, they just shouldn’t be, do you know what I mean?

    Leif: I do. But I can totally relate to the feeling of being exposed while singing or even performing. Otherwise, I think the story you told us is really helpful and inspiring to those who feel like this.

    Rhodes: I’d say you just gotta do it!

    Leif: With that being said, we came to the end of this interview. I am looking forward to these beautifully emotional concerts in august! Thank you for your time, I hope you enjoyed it a bit! Also thank you for this amazing interview, it was fun to me!

    See you on august 12th in Essen!

    Rhodes: I did! I really enjoyed it. Thank you so much and I see you in Essen on the 12th!

  • Pabst im Interview: »Die amerikanische Kultur hat einen großen Einfluss auf unsere Musik«

    Pabst im Interview: »Die amerikanische Kultur hat einen großen Einfluss auf unsere Musik«

    Ehrliche Texte, laute Gitarrenriffe und eine große Portion Energie stecken in den Songs von Pabst. Das Berliner Trio ist bekannt für seinen Garage Rock Sound. Seit ihrer ersten EP 2016 haben die Jungs das ein oder andere Mal ordentlich an ihrer Musik gepfeilt. Anfang September erscheint das mittlerweile dritte Album unter dem Namen „Crushed by the Weight of the World„. Die bisher veröffentlichten Singles mit starken Titeln wie „No Future? No Thanks!“ oder „Locker Room“ geben bereits den Ton an – auf dem neuen Pabst-Album geht es um Überforderung, Zweifel und das Gefühl von „I’m too fucking old for teenage angst“ (aus „No Future? No Thanks!„).

    Bassist Tilman spricht im Interview über die Einflüsse auf die Musik von Pabst, die Gedanken und Gefühle hinter „Crushed by the Weight of the World“ und seinen Eindruck von der deutschen Rock-Musikszene.

    Tilman von Pabst im Interview

    Anna: Hallo Tilman, schön, dass du dir die Zeit nimmst für das Interview heute. Magst du zu Beginn erst einmal die Band Pabst vorstellen (für alle, die euch noch nicht kennen sollten)?

    Tilman: Ja klar! Also wir sind eine klassische Power Rock Band in Drei-Mann-Besetzung, wenn man das so sagen kann – also mit also Schlagzeug, Gitarre und Bass. Wir kommen aus Berlin. Das ist ein relativ simples Konzept, würde ich sagen. Und ich glaube, darum ging es auch als die Band damals gegründet wurde. Ich war lustigerweise nicht dabei, als die Band gegründet wurde, sondern das haben Tore und Erik zusammen gemacht. Aber so die Prämisse des Ganzen war einfach: Nachdem wir alle in verschiedenen anderen Bands gespielt haben, die so ein bisschen elektronischer orientiert waren und wo dann das Songwriting immer komplizierter wurde und immer technischer, dass wir gesagt haben, nein, wir wollen mal wieder zurück zu unseren Wurzeln und uns einfach nur an die Instrumente setzen und dann zusammen Musik machen. Und das hat genau dazu geführt, dass Pabst gegründet wurde.

    Anna: Also würdest du sagen, das macht den typischen Pabst Sound aus: dieser „back to the roots“-approach? So in dem Sinne „Wir haben jetzt wieder klassische Rockmusik“.

    Tilman: Genau. Ich glaube schon, dass es auf jeden Fall eine bewusste Entscheidung von uns war, auch wenn wir jetzt nicht unbedingt nur auf so eine Musik irgendwie versteift sind. Wir haben auch viele andere Genres, die uns beeinflussen. Es ist jetzt gar nicht so, dass wir nur so was wollen wie wir selbst machen. Aber das ist halt das, was wir wahrscheinlich am besten können irgendwie. Und das macht uns auch am meisten Spaß.

    Anna: Ich finde, das hört man auch, dass es euch Spaß macht. Oder zumindest kommt das für mich so rüber. Ich habe gelesen, dass euer Bandname nach der amerikanischen Brauerei „Pabst Brewing“ benannt ist. Welchen Einfluss hat die amerikanische Kultur sonst noch so auf euch und eure Musik oder wie sehr hat sie überhaupt einen Einfluss?

    Tilman: Ja, also ich denke definitiv, dass es ein großer Einfluss ist. Also auch gerade was die Musik angeht. Und das ist ja auch eine Entscheidung als deutsche Band, englische Musik zu machen. Und da ist es bei uns allen so der Fall gewesen, dass eigentlich so die größten musikalischen Vorbilder eigentlich immer aus dem englischsprachigen Raum kamen. Wir haben zwar auch alle irgendwie Punk gehört früher, aber das war wahrscheinlich so eine der grundlegenden musikalischen Erfahrungen und da gab es zwar auch eine deutsche Entsprechung oder sowas, aber bis die rüber geschwappt ist, es hat alles ein bisschen länger gedauert. Aber auch das Thema Grunge ist eigentlich ganz lustig. Das wird uns ja auch immer mal wieder vorgehalten, dass wir so klingen am Ende des Tages. Das ist sicherlich auch voll nachvollziehbar, aber ein Großteil davon haben wir gar nicht bewusst irgendwie konsumiert. Also klar, haben wir alle Nirvana gehört, aber wurden immer mal wieder mit Dinosaur Jr. oder so was verglichen und lustigerweise haben wir alle diese Musik vorher gar nicht gehört bis wir damit irgendwie verglichen wurden. Also vielleicht hängt es auch damit zusammen, dass es so unbewussten Einfluss auf uns hatte. Manchmal ist man sich seinen Einflüssen wahrscheinlich gar nicht so sehr bewusst. So mag es schon sein, dass gerade die amerikanische Kultur wahrscheinlich einen großen unbewussten Einfluss auf uns hatte, was man gar nicht so sehr nennen kann.

    Anna: Ich finde es auch immer schwierig, das zu vergleichen. Also für mich steht ihr halt eher so in diesem deutschen Band Kosmos zwischen Leoniden, Drens und Bands, mit denen ihr auch zusammenarbeitet. Und ich finde, da hört man dann die Parallelen. Aber das kommt ja wahrscheinlich dann auch. Man hat eben zusammen Songs aufnimmt, dass man dann einen ähnlichen Sound hat.

    Tilman: Es ist spannend irgendwie, weil das ist ja auch eher was, was irgendwie gewachsen ist. Also gerade so mit den Leoniden. Das ist erst seit ein paar Jahren, dass wir uns besser kennengelernt haben. Und da gibt es sicherlich Ähnlichkeiten zwischen unseren Bands, aber sagen wir mal, als das erste Album rauskam, da hatten wir noch überhaupt gar keine Berührungspunkte mit denen. Also ich würde eher sagen, dass wir wie andere Bands klingen aus dem Ausland, aber nicht so sehr wie Leoniden oder Drens oder so was. Obwohl wir natürlich irgendwie eher mit den Jungs verbunden sind, auf eine gewisse Art und Weise.

    Anna: Wie kommt das denn eigentlich? Wie muss ich mir das vorstellen? Klopft dann irgendwann Jakob bei euch an der Tür an und sagt: Ey, lasst doch mal einen Song zusammen aufnehmen oder wie entsteht so was?

    Tilman: Das ist eine gute Frage. Also, wie wir uns das erste Mal getroffen haben, weiß ich ehrlich gesagt nicht mehr so zu 100 %. Auf jeden Fall wurden wir irgendwann eingeladen auf deren Tour damals. Ich glaube, das war 2018 oder 2019. Das war schon mal so einigermaßen überraschend und auch echt cool, dass das alles geklappt hat. Da hat man da irgendwie schon relativ schnell mitgekriegt, dass wir häufig auf ähnlicher Wellenlänge sind. Dann glaube ich, gibt es halt noch eine Verbindung zwischen unseren Produzenten. Also der Produzent von den Leoniden und auch von uns ist der Magnus Wichmann aus Leipzig. Mit dem haben wir immer unsere letzten Alben aufgenommen. Da gibt es, glaube ich, so einige Überschneidungspunkte mit den Leoniden. Und dann war das auch irgendwie in dem Zeitraum, in dem wir unser Album aufgenommen haben. Erik war irgendwie auch im Studio und da kam dann irgendwann die Idee, dass Erik einfach mal zu den Leoniden ins Studio fährt und schaut was geht irgendwie. Daraus hat sich dann das Feature ergeben.

    Anna: Hast du denn auch das Gefühl von der Musikszene, dass es eher so ein Support-Denken ist? Oder auch noch dieses Ellenbogen-Denken?

    Tilman: Schwierig ehrlich gesagt. Ich glaube, man kann sich da schon einen gewissen Zusammenhalt aufbauen. Ich glaube, wenn man Bands erst mal so kennengelernt hat, dann funktioniert es auch ganz gut. Und da ist es eher nicht so, dass man sich so mit den Ellenbogen gegenseitig wegdrückt, sondern schon versucht, irgendwie gemeinsam zu wuppen. Aber ich glaube, es ist relativ schwer, überhaupt Kontakte so richtig gut herzustellen. Wir sind zum Beispiel auch nicht irgendeiner bestimmten Szene oder sowas angehörig. Also es gibt ja genug Szene-Musik, die dann in bestimmten Szenen gut funktioniert und da haben wir zumindest nicht irgendwie das Gefühl, dass wir da irgendwo so rein gehören. Vielleicht gibt es ja eine Rock oder Garage-Szene oder so in Deutschland und wir wissen einfach nur nicht davon. Aber so richtig haben wir das Gefühl, gibt es das nicht. Ich glaube, das basiert nicht auf Ellenbogen-Denken in dem Fall. Also es ist jetzt nicht so, als würden sich die Bands es nicht gegenseitig gönnen, sondern da muss schon irgend so eine Art Hürde davor sein.

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    Anna: Ja gut, das Empfinden habe ich auch, aber es ist natürlich auch ein bisschen herum philosophiert. Ich bin gestern so ein bisschen durch euren Instagram Feed  gescrollt und habe mich da bei jedem zweiten Foto gefragt, wie viele Instrumente ihr auf so einer durchschnittlichen Tour zerstört?

    Tilman: (lacht) Also, ich weiß, dass Erik als wir jetzt in Madrid gespielt haben, am Wochenende zum Ersten Mal eine Gitarre kaputt gemacht hat live. Aber nicht willentlich. Also nicht, dass er die irgendwie geschrottet hatte, wie auf einen Verstärker oder sowas gekloppt hat, sondern es ging dagegen einfach nur was kaputt. Wir sind eigentlich relativ vorsichtig mit den Instrumenten, die wir haben, weil wir kein Bock haben, dass die Dinger kaputtgehen. Wir könnten es uns auf jeden Fall nicht leisten, alle dre Tourtermine neue Instrumente anschaffen zu müssen. Also klar, Drumsticks gehen schon so gefühlt zehn bei einem Konzert durch. Aber so was wie Gitarren und was das angeht, da sind wir dann doch relativ vorsichtig. Sieht dann vielleicht ein bisschen wilder aus, als es ist.

    Anna: Okay, das beruhigt mich etwas.

    Tilman: Also wir haben in dem einen Video zu „No Future? No Thanks!“, da haben wir tatsächlich mal Instrumente zerstört. Es war wirklich das erste Mal, dass wir das gemacht haben und so den Rockstar-Traum ausgelebt quasi. Aber normalerweise sind wir da eigentlich sehr verhalten, was das angeht und wollen, dass alles so bleibt.

    Anna: Aber fühlt sich das gut an, die zu zerstören auf der einen Seite oder denkt man sich „Scheiße, jetzt muss ich ein neues holen“?

    Tilman: Also es waren extra Sachen, die wir gekauft haben, damit die kaputt gehen können. Also wir haben wirklich für den Videodreh so für 100 € oder so was die Gitarren geholt oder weniger. Ich glaube so 60€.Auf jeden Fall war es irgendwie das Billigste, was es bei Ebay Kleinanzeigen gab und auch einigermaßen cool aussah. Wie sich das anfühlt, ist eigentlich mega lustig, weil sich das super schwer anfühlt. Es sieht immer so easy aus, dass einer mit einer Gitarre auf den Boden einkloppt, aber so einfach ist das gar nicht. Du musst da wirklich zehnmal rauf kloppen, bis irgendwas passiert. Die sind echt mega robust!

    Anna: Okay, dann lass uns mal ein bisschen über das neue Album reden, das ja Anfang September rauskommt. Und das wird „Crushed by the weight of the World“ heißen. Was können wir uns von dem Album erhoffen? Nach den ersten drei Singles, die jetzt schon raus sind.

    Tilman: Ich glaube, es wird das Album, wo wir ein bisschen spielerischer geworden sind. Es ist nicht mehr so geradlinig wie das vorherige. Und wir haben versucht, uns unseren Ideen noch mal ein bisschen mehr hinzugeben und denen mehr Raum zu lassen. Es gibt zum Beispiel ein paar mehr Synthesizer. Das wurde in den ersten Singles des neuen Albums ja auch schon so ein bisschen angedeutet, dass alles etwas gradliniger ist. Also das Album „Deuce ex Machina“ war halt wirklich so, dass wir da ins Studio gegangen sind, die Songs fertig gemacht haben und dann hat man nicht mehr viel Zeit damit verbracht. Oder wir hatten auch generell nur wenig Zeit, weil wir halt nicht so ein Budget hatten. Diesmal haben wir uns aber bewusst ein bisschen mehr Zeit genommen und irgendwie links und rechts noch ein paar Sachen ausprobiert. Ich glaube, das hört man dem Album auch an, dass es etwas durchdachter an der einen oder anderen Stelle ist.

    Anna: In den Songs merkt man auch, dass ihr thematisch sehr direkt da rangeht und sagt „hey, wir fühlen uns irgendwie komisch, aber es ist nicht mehr so dieses Teenage Angst Ding“. Ist das auch so das Thema, was sich durch das Album durchzieht oder kommen da noch andere Dinge auf?

    Tilman: Das ist durchaus das große Überthema, da es auch relativ pragmatisch mit dem Albumtitel zusammenhängt. Wir sagen es ganz deutlich mit dem „Crushed by The Weight Of The World“ Gefühl, also dass es so viele schreckliche Dinge gibt auf der ganzen Welt. Es können ja auch so kleine Tragödien sein, die nur für einen selber gelten. Da fragt man sich manchmal einfach selbst: Wie halte ich das alles noch aus? Wo ist der Ausweg bei dem Ganzen? Da gibt es wirklich viele Sachen, die da irgendwie mit reinspielen. Deshalb ist es auch ein bisschen dunkler geworden. Das Artwork ist auch komplett schwarz und weiß. Das war auch eine sehr bewusste Entscheidung. Die alten Alben waren da alle eher sehr bunt, kindisch und verspielt gestaltet.

    Anna: Bei welchem Song freust du dich am meisten, ihn jetzt auf Tour und auf Festivals live zu spielen?

    Tilman: Gute Frage. Ich glaube momentan ist das „Mercy Stroke“. Der macht richtig Spaß. Man merkt, die Leute haben ihn auch schon gehört und Bock, da mitzumachen. Aber ich mag auch „Daddy’s Boy“ sehr gerne. Der ist nämlich wirklich ein bisschen anders als unsere bisherigen Songs, würde ich sagen.

    Anna: Auf welche Weise anders?

    Tilman: Wir gehen nicht ganz so stark nach vorne, würde ich sagen. Also es ist auf jeden Fall nicht so eine schnelle Nummer, sondern ein bisschen langsamer, ein bisschen anders aufgeschrieben. Jetzt wird es spannend das live umzusetzen. Also wir haben ihn natürlich so geschrieben, dass wir den auch live spielen können. Und es gibt aber noch so ein paar Feinheiten, die wir gerne an dem live noch irgendwie verändern wollen würden. Ich würde da noch gerne ein weiteres Instrument mit hinzufügen. Also in meiner Vorstellung funktioniert es gut. Leider fehlt noch dieses eine Instrument, was ich mir leihen muss und dann kann es losgehen. Aber ich glaube auf der Tour spätestens wird das.

    Anna: Welches Instrument fehlt dir denn noch?

    Tilman: Ein Bass Synthesizer, der dafür gedacht ist, dass man ihn mit dem Fuß spielt. Also da hat man dann quasi so eine große weiße Klaviatur vor sich, die man halt wirklich mit den Füßen bedient. Und da kommen dann Bass Töne raus. In meinen Gedanken stelle ich mir das sehr cool vor!

    Anna: Ja, da bin ich gespannt, wie das dann live klingt. Dann lass uns doch noch kurz mal rüber zum Sziget Festival Kosmos wechseln – da spielt ihr ja als nächstes. Wart ihr oder warst du schon mal privat oder als Band in Budapest?

    Tilman: Also nicht auf dem Festival. Ich habe schon mal mit einer anderen Band auf so einem Boot gespielt. Ich bin aber sehr gespannt auf das Festival! Die ganze Band ist richtig heiß drauf.

    Anna: Worauf freust du dich da schon am meisten?

    Tilman: Wir hatten ja jetzt vor kurzem das erste andere große internationale Festival und ich finde, dass es so viel mehr Spaß macht, im Ausland auf Festivals zu gehen, als irgendwie zu Hause. Also da freuen wir uns auf jeden Fall schon mega drauf, dass wir in dem Umfeld von so vielen Künstler*innen unterwegs sein können und auch so ein paar echt gute Bands zu sehen bekommen. Leider bleibt nur meistens nicht so viel Zeit, sich selbst Bands anzuschauen, weil wir schon direkt zum nächsten Gig weiterfahren müssen – vor allem, wenn es etwas weiter weg ist. Also wir sind wahrscheinlich insgesamt drei Tage unterwegs mit allem.

    Anna: Das klingt auch echt nicht ohne! Aber trotzdem cool, dass ihr zumindest noch ein paar Konzerte mitnehmt. Kommen wir zur letzten Frage im Interview und das ist bei uns immer die Frage nach einer untold story!

    Tilman: Da fällt mir sogar direkt was ein! Das muss auch direkt in einer unserer ersten Festival Sommer gewesen sein. Es war glaube ich 2018 oder so. Wir haben auf dem „Jenseits von Millionen“ Festival in Fridland, irgendwo in Brandenburg gespielt. Es war schon relativ spät am Abend und wir hatten echt so einen ganz coolen Slot eigentlich. Wir hatten alle schon richtig Lust irgendwie, aber es war auch schon ein langer Tag, weil wir sehr lange gefahren sind. Dann hat sich jeder schon so sein erstes alkoholisches Kaltgetränk geholt und vielleicht auch noch ein zweites und drittes getrunken. Naja, auf jeden Fall waren dann alle recht hyped als wir gespielt haben. Irgendwann mitten im Set war ich ganz gut dabei und habe mich dann mehrfach um mich selbst gedreht, was ich so manchmal mache. Und irgendwann hatte ich aber keinen Boden mehr unter den Füßen. Ich hab es gar nicht mitgekriegt im ersten Moment. Und dann, eine Sekunde später, lag ich im Graben zwischen Bühne und Publikum und bin dann so ein bisschen benebelt wieder aufgewacht. Ich weiß gar nicht, ob ich da kurz benommen war oder nicht oder ob ich nur so runtergefallen bin und direkt wieder los. Ich lag dann da und hab mich gefragt: Wie bin ich denn hier gelandet? Irgendwie dachte ich in dem Moment nur, ich muss sofort weiterspielen. Ich muss sofort wieder auf die Bühne. Der Song ist noch nicht zu Ende. Das muss weitergehen. Und dann bin ich auf die Bühne und hab schnell versucht, den Song zu Ende zu spielen. So gegen Ende des Set ging es mir langsam durch meinen Kopf, was gerade passiert ist. Als wir dann danach zusammengebaut haben, habe ich mir das mal angeguckt und ich hatte echt ein mega Glück gehabt, dass ich da nicht irgendwo drauf gefallen bin. Das waren wirklich nur so ein paar Abstufungen. Direkt daneben war irgendwie noch der Ständer für so eine Lichtanlage oder sowas. Das war halt wirklich so eine riesige Schraube, die war einen Meter hoch und ich bin so ganz knapp daneben gelandet. Ja, das war auf jeden Fall Glück im Unglück, würde ich sagen. Aber schon immer wieder crazy, wenn ich drüber nachdenke.

    Anna: Klingt auf jeden Fall so! Da sind wir alle froh, dass du an die richtige Stelle gefallen bist und nicht diese Schraube mitgenommen hast. Danke trotzdem, dass du die Geschichte geteilt hast und danke für das Interview!

    Tilman: Gerne doch, hat mich auch gefreut. Mach’s gut!

    Das Album „Crushed by the Weight of the World“ kommt zwar erst am 02. September raus, hier könnt ihr euch aber schonmal ordentlich einstimmen und die bisher veröffentlichten Songs von Pabst pumpen:

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    Fotocredit: Roberto Brundo

  • Razz im Interview zu „Everything You Will Ever Need“: »Das ist Razz 2.0«

    Razz im Interview zu „Everything You Will Ever Need“: »Das ist Razz 2.0«

    Mittlerweile sind sie schon eine feste Größe im Indie-Kosmos Deutschland’s und dürfen in keiner guten Release-Playlist fehlen: Razz. Die vier Jungs aus Berlin haben ihr drittes Album unter dem Namen „Everything You Will Ever Need“ veröffentlicht. Mit einem deutlich poppigeren Sound und nachdenklichen Texten zeigt sich die Band in neuem Gewand. Für die alteingesessenen Razz-Fans dürfte das aber kein Schock sein, denn mit der zuletzt veröffentlichten EP „Might delete later“ kündigten Niklas, Steffen, Christian und Lukas bereits an: So wird Razz 2.0 nach gut drei Jahren Release-Pause klingen!

    Sänger Niklas gibt im Interview einen Einblick hinter die Fassade und erklärt, wie es zu dem neuen Sound kommt. Außerdem gibt’s zu lesen, warum er sich nicht mehr mit den Songs aus 2015 identifizieren kann, wie es zu dem Kurzfilm in den Musikvideos zum Album kam und welches Verhältnis er noch zu seiner Heimat hat. Wer dazu noch wissen will, was es mit dem Mann und der Kettensäge auf sich hat, dem empfehle ich bis zum Ende dran zu bleiben. Lohnt sich, versprochen. Jetzt geht’s aber los!

    Razz im Interview

    Anna: Hallo Niklas. Schön, dass du dir die Zeit genommen hast und mit mir ein bisschen  über euer neues Album „Everything You Will Ever Need“ redest. Zu Beginn aber erstmal eine ganz andere, banale Frage:  Gibt es ein Konzert, auf das du persönlich hingehst in nächster Zeit oder hast du da gar keine Zeit zu?

    Niklas: Also 24/7 nur beschäftigt sind wir zum Glück nicht. Nein, ich habe Gott sei Dank ein Privatleben. (lacht) ich muss mal schauen. Ich hatte gerade überlegt, das letzte Konzert, auf dem ich war, war bei KAYTRANADA. Der hat im Festsaal gespielt. Das war unfassbar gut. Und dann sehe ich gerade in meinem Kalender – da hätte ich mich drauf gefreut – Olivia Rodrigo. Das habe ich aber leider nicht geschafft. Dann habe ich noch überlegt, zu Betterov zu gehen.

    Anna: Oh ja, das Konzert hab ich vorhin auch in meine Mails eintrudeln sehen und würde super gerne hingehen. Da ärgere ich mich dann jedes Mal, dass ich nicht in Berlin wohne. Sing also ne Runde für mich mit!

    Niklas: Ah, wie ärgerlich. Er spielt auf jeden Fall im gleichen Club, wo wir jetzt auch auf der Tour waren. Dennis, der Gitarrist von Betterov, hat unser Album mitproduziert und ist da jetzt live als Gitarrist dabei. Hab ihn noch letzte Woche getroffen und da haben wir darüber gequatscht. Da hätte ich auf jeden Fall mega Bock drauf.

    Anna: Die Vorband ist auch ganz cool: Cinemagraph! Ich weiß nicht, ob du die schon kennst.

    Niklas: Warte mal, das sagt mir sogar was. Lass mich mal kurz schauen. Ich öffne mein Spotify. (vertieft in sein Handy) Nee, kenn ich doch nicht, aber sieht gut aus. Welchen Song kannst du empfehlen? In welchen Song muss ich reinhören?

    Anna: Ich glaube, der bekannteste ist „Smiling Face“. Aber ich mag auch den neuen ganz gerne „I Hate That We’ll Be Strangers In A While“ – das gibt mehr sehr große The 1975-Vibes.

    Niklas: Oho, dann bin ich ja gespannt. Ich hab beide Songs jetzt mal gespeichert. Danke. Ich freue mich immer über neue Musikempfehlungen.

    Von Tour-Alltag und Zukunftsgedanken

    Anna: Gerne doch! Aber kommen wir zurück zu Razz und dir. Wie fühlst du dich jetzt gerade vor Release des Albums? Ich glaube, Konzerte und Touren habt ihr jetzt gerade durch und es kommt so ein bisschen die Ruhe vor dem Sturm auf.

    Niklas: Ja, wir spielen jetzt noch einige Festivals. Haben nach der Tour auch schon wieder zwei, drei Festivals gespielt. Die Tour an sich hat mir ultra viel gegeben. Auf jeden Fall. Nach dieser langen Durststrecke war es mal wieder krass geil. Deswegen machen wir ja auch Musik. Das mit den Leuten interagieren oder halt auch die Songs live zu spielen war schon immer sehr essenziell und eine große Komponente. Und sonst? Ja, wir sind in den letzten Zügen von den Vorbereitungen. Das ist dann immer so mega unromantisch. Also ich freue mich schon, aber es ist gar nicht so die krasse Vorfreude, die man eigentlich immer erwartet, weil dieses Album ja schon ein bisschen länger fertig ist. Und man hat jetzt die alten Songs schon tausendmal gehört. Ich freue mich dann immer eher wieder die Songs live zu spielen. Ja und dann ist gerade mehr so die Planung in die Richtung: was geht danach schon wieder? Und so was.

    Die Entstehungsgeschichte von „Everything You Will Ever Need“

    Anna: Krass, ja das ist dann wohl mein Zeitpunkt, jetzt mal ein bisschen auf das Album direkt einzugehen. Wie, wann und in welcher Phase sind die Songs so entstanden? Das sind  ja ganz schön ne Menge Songs. Aber dann sind natürlich auch zwei Singles von der EP mit dabei. Wie ist es dazu gekommen?

    Niklas: Die EP und das Album sind so ein bisschen aus einem Guss. Also es ist ganz witzig, weil wir sehr viele Sessions hatten und ein paar Songs schon fertig waren. Und wir haben dann immer wieder weitergeschrieben und sind ins Studio. Aber das gehört für mich so ein bisschen zusammen. Ich weiß gar nicht, wie lange es war. Ich glaube, wir haben Ende 2019 angefangen zu schreiben und uns ein bisschen überlegt: Wie soll es klingen und in welche Richtung soll es gehen? Von daher hat sich das ziemlich gezogen und EP und Album sind zusammen entstanden. Deswegen ist das auch so ein bisschen der Grund, warum „Like You“ und „1969 – Conrad“ mit aufs Album gekommen sind. Sie schlagen glaube ich eine gute Brücke zu dem Album. Aber wir haben schon irgendwie so knapp zwei Jahre dran geschrieben. Das war erst ein kleiner Hustle, weil wir nicht genau wussten, ob das jetzt wirklich die Songs sind, die Razz 2.0 einläuten. Dann hatten wir aber so schnell noch mehr Songs geschrieben und „Ocean“ stand irgendwie auch so für sich, da musste einfach eine EP her. Wir hatten auch einfach Lust und haben uns dann entschieden, jetzt schon mal was rausbringen. Wir haben Songs, mit denen wir happy sind und dann machen wir einfach weiter und machen ein Album danach.

    Anna: Heißt das, dass „might delete later“ dann auch gelöscht wird, sobald das Album raus ist?

    Niklas: (lacht)Ne! Aber das wäre auf jeden Fall ein starker Move, wenn wir einfach so das Album oder die EP löschen würden. Es bleibt zumindest erstmal noch überall verfügbar und man kann es auch kaufen. Aber vielleicht in irgendeiner Zukunft. Das wäre auch eigentlich mal ein guter Kaufanreiz.

    Wenn man selbst der größte Fan vom eigenen Merch ist

    Anna: Du gehst ja auch mit gutem Beispiel voran und trägst euren eigenen Merch, wie ich sehe.

    Niklas: Haha ja, aber das war gar nicht mit Absicht. Ich find das T-Shirt einfach echt cool. Christian designt ja unseren Merch selbst. Von daher ist es ja gar nicht so sehr als unser Merch zu sehen. Aber ich bin da eher ein Fan von Christian’s Design, auch wenn das quasi meine Kritzeleien und meine Schrift ist. Aber zumindest Christian’s Idee. Ich supporte also auch Christian damit.

    Anna: Du musst dich gar nicht rechtfertigen, ich finde den Merch auch ziemlich schön. Da hat Christian einen guten Job gemacht. Ich finde es ist ja auch nicht so „in your face – das ist Razz Merch“, es stehen halt Lyrics von Songs drauf.

    Niklas: Ja, genau, das war uns auch sehr wichtig, dass es so ist. Ich mag das auch gar nicht, wenn auf dem Merch fett Albumtitel und vielleicht Bandname steht oder was weiß ich. Von daher war irgendwie das Augenmerk bei uns, ein bisschen mehr darauf, was irgendwie cool aussieht.

    Anna: Ich bin auch gespannt, wie die die Shirts alles aussehen, die ihr letztens selbst bemalt habt für die Sondereditionen von den Vinyls.

    Niklas: Da bin ich auch sehr gespannt. Aber ich glaube, einige trägt Christian gerade schon so ein bisschen warm. Also wir haben es ja selbst gemacht und hatten einen Kumpel dabei, Olli, der ultra gute Ideen hatte. Christian fand die Shirts so geil, dass er sich so zwei drei Stück gesneaked hat und die einfach andauernd selbst trägt. Wir müssen ihm noch irgendwie beibringen, dass die auch wieder mit in die Deluxe-Box müssen.

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    Anna: So ein, zwei Wochen hat er dann ja noch. Ok, zurück zum Album: Würdest du sagen, es gibt ein Hauptthema auf dem Album, das sich so thematisch durchzieht?

    Niklas: Im Gegensatz zu der EP ist das Album auf jeden Fall ein bisschen introvertierter, also auch sehr viel persönlicher. Also die EP ist ein bisschen mehr nach außen gerichtet und auf die Gesellschaft bezogen.Bei dem Album ist ein Thema, was auf jeden Fall dominiert oder häufig vorkommt dieser Heartbreak-Trennungs-Kosmos. Und ja, gleichzeitig auch so meine Gefühlslage,die ein bisschen in die deprimierende Musikrichtung geht und die ich hatte, als wir das Album geschrieben haben. Und das sind so die zwei Hauptthemen. Teilweise ist da aber auch so ein Funke an Euphorie oder Hoffnung immer dabei. Aber es ist schon sehr viel Nachdenkliches auf jeden Fall so grundsätzlich.

    Anna: Ich finde gerade auch die zwei Singles, die von der EP schon kommen, sind eher euphorisch als der Rest.

    Niklas: Textlich sind beide relativ euphorisch, das stimmt. Also ich finde es persönlich immer interessanter, wenn es ein bisschen offen gehalten ist. Aber die Hintergedanken bei den Songs sind auch schon sehr dystopisch. Vielleicht ein bisschen übertrieben, aber es sind Dinge, die mich genervt haben. Also beispielsweise dieses ständige Vermarkten müssen oder sich präsentieren müssen auf irgendwelchen Social Media Plattformen. Während und generell beim Album schreiben ist mir aufgefallen, dass wir in unserer Generation viel Wert auf Selbstverwirklichung legen. Also uns ist es wichtig, dass wir nicht nur sagen, dass wir welchen Job auch immer nehmen, sondern es soll schön sein und es muss Spaß machen. Du musst einfach happy damit sein. Und genau diese Generationsfrage ist da glaube ich noch mehr dabei in den Texten. Ich glaube, Corona war ein bisschen wie ein Brennglas, dass jeder sich so krass mit sich selbst konfrontiert fühlte und konfrontieren musste. Das hat das Album auf jeden Fall auch maßgeblich mit beeinflusst.

    „Manchmal frage ich mich auch: Was ist genau überhaupt das Problem? Da hilft das Songwriting“

    Anna: Hilft dir das dann, wenn du die Songtexte schreibst, selbst zu reflektieren und das aufzuschreiben und dadurch besser damit klar zu kommen?

    Niklas: Gute Frage. Ich glaube grundsätzlich, also ganz grundsätzlich glaube ich, dass Tagebuch führen oder Gedanken aufschreiben, super hilfreich sein kann. Dementsprechend glaube ich auch, dass es hilft, wenn man seine Gedanken ordnet und es in Songs aufschreibt. Manchmal frage ich mich auch: Was ist genau überhaupt das Problem und warum fühle ich gerade so? Ich glaube, da helfen Songs oder allgemein das Runterschreiben von Dingen auf jeden Fall, um das zu ordnen und klarer zu gestalten.

    Anna: Ja. Kann ich mir vorstellen. Ich wünschte auch manchmal, ich wäre so ein Mensch, der Tagebuch schreibt.

    Niklas: Aber das kannst du ja ganz einfach anfangen.

    Anna: Ja, das sagt man sich dann immer, aber macht es dann doch nicht.

    Niklas: Aber du musst es ja auch nicht regelmäßig machen. Ich schreibe auch kein Tagebuch, aber ich weiß von vielen Freunden auch oder Freundinnen, die das machen und das dann vielleicht auch eher unregelmäßig machen. Nur, wenn man vielleicht gerade den Drang dazu hat, etwas runter zu schreiben oder sich über irgendwas klar zu werden, kann es auf jeden Fall sehr hilfreich sein. Also dementsprechend einfach ein kleines Büchlein kaufen. Dann kann man immer wenn es einem gut geht oder vielleicht auch nicht gut geht, das dann runter zu schreiben.

    Anna: Ja doch, ich glaube auch, dass es wirklich hilft zur Reflexion.

    Niklas: Ja, voll! Also einfach den Vergleich zu haben, dann zu merken, wie habe ich die Situation vielleicht gehändelt und wie würde ich das eigentlich machen.

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    Anna: Ich wollte auch noch mal auf die Musikvideos eingehen zu den Singles, die bisher veröffentlicht sind. Es ist ja quasi ein durchgängiger Kurzfilm, wenn man die alle hintereinander schaut. Aber wie seid ihr auf die Geschichte gekommen? Sie hat sich jetzt irgendwie auch noch nicht so ganz fertig angefühlt.

    Niklas: Ja, das war so ein bisschen auch die Intention, das offen zu lassen. Die vierte Episode ist tatsächlich aber auch die letzte Episode. Wir haben uns ganz am Anfang gedacht: Okay, wir haben nicht so Bock auf einzelne Musikvideos. Wir hatten das Gefühl, dass wenn wir ein Musikvideo einfach so ins World Wide Web rein schießen, dann verpufft es einfach so. Das ist als Musiker*in glaube ich sehr schwierig. Es hat für mich irgendwie so was Belangloses. Und auch, weil so ein Album ein ganzes, zusammenhängendes Konstrukt ist, war unsere Idee eben einfach, vielleicht auch bei den Musikvideos was Zusammenhängendes zu machen. Also warum keinen Kurzfilm, der vielleicht mit einer Handlung zusammenhängt? Wir haben schnell gemerkt, dass eine Handlung vielleicht ein bisschen zu aufwendig oder zu verwirrend ist und haben dann diese drei Handlungsstränge genommen, die aber untereinander verwoben sind. Das Ganze haben wir im Oktober letzten Jahres geplant. Dann haben wir Jen Krause angeschrieben auf Instagram ganz spontan und die hatte da auch Bock drauf. Wir haben so zwei, drei Monate mit der Planung verbracht. Ich glaube die Stories können ein bisschen verwirrend sein, weil man sich manchmal den Sinn noch selbst suchen muss. Aber das finde ich manchmal ganz interessant und man muss es wahrscheinlich auch sehr aufmerksam schauen, dass man alle Storylines untereinander checkt. Aber wir mussten das schon ein bisschen vereinfachen. Also das heißt, das Grundgefühl haben wir dann von den Songs genommen und das in den Videos verpackt. Aber es war uns eben wichtig, dass es zusammenhängend ist und nicht nur so ein einzelnes Musikvideo.

    Anna: Ich finde, das hat echt gut geklappt!

    Niklas: Das freut mich, danke.

    Zwischen Hoffnung und Sicherheit

    Anna: Gibt es irgendwelche bestimmten Hoffnungen und Erwartungen, die du dem Album gegenüber hast? Oder hast du Angst vor bestimmten Reaktionen?

    Niklas: Angst tatsächlich nicht so. Ich habe generell immer so ein paar grundlegende Selbstzweifel, aber das ist jetzt nicht bei dem Album schlimmer. Ich kann auch sagen, dass ich mich relativ wohlfühle mit dem Album. Ich finde es ist ein sehr guter Querschnitt von Razz geworden. Eigentlich genauso, wie wir uns das vorgestellt haben. Naja und so eine klassische Hoffnung ist natürlich, dass wir gut in die Charts einsteigen.  Aber es kommt immer darauf an, welche Releases noch da sind. Ich weiß nur, dass wir mit den letzten Alben auch immer direkt eingestiegen sind. Also es war schon so eine kontinuierliche Steigerung. Von daher müsste jetzt das jetzige Album, wenn man dem nachgeht, höher starten als das letzte. Das wäre natürlich schön.

    Wie klingt denn jetzt Razz 2.0?

    Anna: Das bringt mich auch zum anderen Punkt, den du bereits angesprochen hast: Razz 2.0. Ihr seid als Band ja 2012, 2013 gestartet. Das ist offensichtlich schon sehr lange her und seitdem ist sehr viel passiert, ihr wart sehr jung und in einer ganz anderen Lebensphase. Das ist jetzt ein ziemlicher Break, der zwischen „Nocturnal“ und „Everything You Will Ever Need“ liegt. Was ist der grundlegende Unterschied zwischen Razz 1.0 und Razz 2.0 und warum?

    Niklas: Es gibt auf jeden Fall mehrere Sachen, die anders sind. Gerade bei den ersten beiden Alben, beim ersten aber noch viel mehr. Da habe ich sehr viele der Songs auf der Gitarre geschrieben, mit so einer gewissen Naivität. Und das gleiche haben wir jetzt bei dem Album gehabt, wo ich sehr viel auf dem Klavier geschrieben habe und. Ich bin jetzt nicht kein hammermäßig guter Pianist, aber vieles funktioniert und ich verstehe alles, wenn ich es analysieren würde. Aber ich finde es immer ganz spannend, wenn man sich an ein Instrument setzt und nicht zu sehr drüber nachdenkt und dann auch einfach Sachen passieren, die man nicht überlegt, sondern einfach macht, weil es gerade funktioniert. Und damit hatten wir diesen Effekt, den wir früher an der Gitarre hatten. Aber wie du ja auch meintest, es liegen knapp zehn Jahre dazwischen. Also die Texte behandeln auf jeden Fall andere Themen. Gleichzeitig hat sich natürlich auch unser Musikgeschmack verändert. Ich höre immer noch oft, dass wir mit Kings of Leon verglichen werden, aber die habe ich zum Beispiel schon ewig nicht mehr gehört oder würde sie auch nur voll selten hören –  auch eher aus nostalgischen Gründen. Es ist also auch schon so ein bisschen ein anderer Stil. Ich glaube auch poppig, ohne es irgendwie abwertend zu meinen. Ich mag Popmusik und ich glaube, das Album ist auf jeden Fall auch Popmusik im guten Sinne.

    „Es fällt mir schwer, mich mit den Songs von vor zehn Jahren zu identifizieren“

    Anna: Würde ich auch so unterschreiben. Vor allem auch im Vergleich zu den älteren Songs, die ja eher rockig sind. Magst du die alten Songs trotzdem noch? Spielt ihr die auch noch gerne auf Konzerten oder ist es eher so, dass ihr die einfach nicht mehr fühlt?

    Niklas: So eine Mischung, würd ich sagen. Für mich macht Musik mehr aus als nur schön zu sein. Unterhalten zu werden ist auch wichtig. Und das soll nicht heißen, dass unsere Musik mich nicht unterhält. Aber dadurch, dass ich die Songs schon tausendmal gehört habe und selbst geschrieben habe, weiß ich, was passiert ist und mir ist diese Spannung irgendwie genommen. Und wenn man halt andere Musik hört, dann ist man natürlich überrascht von Melodien oder Ideen, auf die man persönlich nicht selbst gekommen ist. Das fällt natürlich bei der eigenen Musik weg. Ich denke aber auch, ich finde es interessant, wenn Leute ihre eigene Musik hören. Finde ich immer faszinierend. Ich finde es nur teilweise schwer. Oder es fällt mir schwer, mich mit den Songs von vor zehn Jahren, die ich geschrieben habe, als ich 14 oder 15 war, zu identifizieren. Wir spielen einige der Songs teilweise trotzdem noch. Auch wenn immer man sich immer mit den aktuelleren Sachen mehr identifizieren kann, weil es einfach näher an dem persönlichen Geschmack ist. Also wir spielen schon mehr von den neuen Songs.

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    Anna: Hast du einen persönlichen Lieblingssong auf dem Album?

    Niklas: Das variiert immer so ein bisschen. Also bis vor ein paar Wochen war es „Lately„. Den finde ich gut, weil es ein Song ist, der ein bisschen heraussticht und einen etwas anderen Vibe hat. Finde ich zumindest. Wir haben auf der Tour auch „Rome“ gespielt, einer der Songs, die vorab noch nicht veröffentlicht waren. Der hat live ultra gut funktioniert und kam auch super gut an. Die Jungs wurden erst teilweise auf der Tour von dem Song überzeugt. Deswegen ist das jetzt gerade so ein bisschen mein Favorit. Obwohl es auch ein Song ist, den man nicht beim ersten Mal direkt bemerkt oder der direkt auffallen würde. Den muss man kurz bewusst hören.

    Ein bisschen Nostalgie für die Seele

    Anna: Genau, da muss ich leider gestehen, dass es mir bisher genauso ging, aber vielleicht bekomme ich jetzt einen besseren Zugang zu dem Song. Springen wir noch einmal etwas zurück in der Zeit: das letzte Mal, dass ich dich interviewt habe war 2018 auf dem Rocken am Brocken. Damals noch für das Campusradio Hannover. Ist also schon ein bisschen länger her. Das Interview habe ich mir gestern auch noch angehört und es ist echt einfach cringe.

    Niklas: Wahrscheinlich für beide Seiten.

    Anna: Ja, das stimmt wahrscheinlich. Naja, aber worauf ich hinaus wollte ist, dass du damals gesagt, dass du dich potenziell noch deiner Heimat immer sehr verbunden fühlst. Und ich wollte mal fragen, ob das jetzt immer noch so ist. Würdest du das jetzt vier Jahre später auch noch so unterschreiben?

    Niklas: Witzig, weil 2018 sind wir umgezogen. Rocken am Brocken war sogar genau das Wochenende, an dem wir umgezogen sind.

    Anna: Ach echt? Was ein Zufall!

    Niklas: Ja, an dem Wochenende vom Rocken am Brocken haben wir die ganze Zeit unseren ganzen Musik Kram dabei gehabt, aber dann hatte jeder noch so ein, zwei Koffer dabei und dann sind wir direkt weiter nach Berlin. Aber auf die Frage zurück: grundsätzlich ja. Heimat ist irgendwie immer Heimat. Aber es gibt einen Unterschied zwischen Heimat und Zuhause. Und ich glaube, diese kleine, komische, abgefuckte, ländliche Gegend, aus der wir kommen, wird auch immer noch unsere Heimat bleiben. Oder zumindest meine.

    Anna: Du darfst sie ruhig benennen, wenn du möchtest. Das ist nämlich auch meine Heimat.

    Niklas: Ok, also es geht um das Emsland. Wo kommst du dort her?

    Anna: Ich bin in eine Vorort von Lingen aufgewachsen.

    Die Heimat auf dem Land als Reset-Knopf vom Großstadt-Chaos

    Niklas: Achja, lustig, aber da ist Schöhningsdorf dann wohl doch nochmal etwas kleiner. Ich spüre die Verbundenheit zu dem Ort auf jeden Fall noch. Aber ich fühle mich auf jeden Fall jetzt gerade wohler in Berlin. Einfach weil das Angebot größer ist. Alleine die Leute, die man hier trifft. Wenn ich Lust habe, mega krasse Musiker oder Musikerinnen zu sehen, dann ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass die in den nächsten ein, zwei Wochen hier irgendwo spielen und ich die Möglichkeit habe, die zu sehen. Das ist einfach mega geil. Aber auch das kulturelle Angebot ist einfach so viel besser. Ich bin echt ein enormer Großstadt Fan geworden. Aber ich mags auch immer wieder nach Hause zu kommen, weil es halt einfach wie so ein kleiner Reset Knopf ist und meine Familie ist ja noch da. Also so ganz weg werde ich davon eh nicht kommen. Aber das ist auch, solange die da sind, noch gut.

    Anna: Da ich muss sagen, ich habe das auch in den Corona-Zeiten ein bisschen mehr wertschätzen gelernt. Weil man halt einfach dadurch, dass in der Großstadt dann nichts ging, man dann da so einen Ort der Zuflucht hatte. Also einfach im Emsland in den Wald gehen und rauskam. Man hatte halt viel mehr Möglichkeiten sich irgendwo aufzuhalten.

    Niklas: Ja voll! Wenn man mal so bedenkt, dass alles was eine Großstadt wie Berlin ausmacht, weg ist, wenn Corona ist. Also all die Vorzüge sind irgendwie nicht mehr da. Aber all die Vorzüge, die man in ländlichen Regionen hat, bleiben aber bestehen, weil sie nicht so abhängig sind von irgendwelchen Restriktionen oder was auch immer. Deswegen war es da auf jeden Fall entspannter, da zu sein.

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    Anna: Da stimme ich dir voll und ganz zu! Okay, ich habe noch zwei Fragen. Undzwar gibt es, bis auf das Feature mit Giant Rooks vor ein paar Jahren, nur eigene Songs  von euch und keine Features – ich habe zumindest keine gefunden. Hat das einen bestimmten Grund?

    Niklas: Nö, nicht so richtig. Ich finde halt Features ergeben sich meistens einfach so und bei den Rookies war es so. Findest du nur ein Feature untypisch?

    Anna: Gefühlt schon, ja – vor allem dafür, dass ihr schon ein paar Alben draußen habt, ist ja sonst oft.

    Niklas: Ich glaube das ergibt sich einfach wirklich. Also es war gar keine bewusste Entscheidung bei uns.

    Der Mann mit der Kettensäge

    Anna: Die Abschlussfrage in allen unseren untoldency Interviews ist die nach einer untold Story: also eine Geschichte, die du am besten bisher in keinem Interview erzählt hast und die irgendwie catchy oder besonders oder weird ist.

    Niklas: Ich glaube, das war letztes Jahr auf dem Rocken am Brocken. Musste vorhin dran denken als du das Festival angesprochen hasr. Das auch so eine absurde Geschichte, wo ich schon ewig nicht mehr drüber nachgedacht hab, aber wir haben letztes Jahr so ein kleines Corona-Konzert in abgespeckter Form dort gespielt. Alle Leute hatten natürlich ultra Bock und wir waren auch super hyped und sind mega lange noch dort geblieben. Wir haben uns alle Acts angeguckt waren dann noch auf dem Dancefloor hinten. (denkt drüber nach) Und es war einfach so eine absurde Story. Irgendwann sind wir wieder zurück ins Backstage und es war schon so zu 80 % leergefegt. Wir haben uns ein Bierchen zum Hotel mitgenommen. Wie aus dem Nichts stand dann irgend so ein Typ im Weg – ich weiß bis heute nicht, ob das ein Festivalhelfer war oder ob er einfach ein Zuschauer war – aber er stand auf einmal mit einer Kettensäge im Backstage. Meine Erinnerung ist da auch etwas getrübt, aber irgendwann hat er random Bäume umgesetzt im Backstage. Die nächste Erinnerung, die ich habe, war, wie unser Lichttechniker auch mit der Kettensäge neben mir stand. Also da stand er auf einmal mit einer Kettensäge im Backstage. Das ist so ein Bild, was ich auf jeden Fall noch im Kopf behalten habe. Die Situation war einfach so absurd. Stell dir mal vor: Backstage letztes Bier, einfach kurz dem Heimweg und auf einmal ist da so eine Kettensäge, die kursiert und wir waren alle so mega perplex. Was passiert hier gerade? So eine Mischung aus „ganz funny“, wenn man so leicht beschwipst ist, bis hin zu „okay, so fangen Horrorfilme an“.

    Anna: Ich habe auch direkt an einen Halloween- oder Horrorfilm gedacht. Aber weißt du woran mich das auch erinnert hat? Es gibt auf dem Rocken am Brocken immer eine Person aus dem Team, die über das Wochenende verteilt eine Figur aus Holz erarbeitet. Ich meine das wird auch mit Kettensäge gemacht. Aber ich weiß nicht, ob das letztes Jahr auch so gemacht wurde, weil es ja nicht so das richtige Festival war.

    Niklas: Das würde einiges erklären. Aber komisch ist es trotzdem noch. Was macht man mit so einer Kettensäge nachts um vier im Backstage?

    Anna: Ja, eigentlich machen die das auch nur tagsüber, wenn es hell ist.

    Niklas: Na gut, vielleicht hat da jemand nicht ganz so aufgepasst.

    Anna: Das hätte mich auf jeden Fall auch verwirrt. Aber danke, dass du diese Geschichte geteilt hast.

    Niklas: Sehr gerne. Ich kann Fotos nachliefern. Obwohl, vielleicht besser nicht. (lacht)

    Anna: Da müsste man die Person auf dem Foto wahrscheinlich auch erst einmal fragen, aber ich würd’s schon gerne sehen. Naja, danke dir! Vielen Dank für deine Zeit.

    Niklas: Hey, danke dir und noch einen schönen entspannten Tag!

    Hier könnt ihr das neue Album „Everything You Will Ever Need“ von Razz ab jetzt rauf und runter hören bis euch die Ohren bluten:

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    Fotocredit: Nils Lucas

  • Masha The Rich Man im Interview: »Der Krieg in der Ukraine hat mein Verständnis für die Musik geändert«

    Zum Beginn unserer Interview-Reihe zu den Acoustics Concerts stelle ich euch Masha The Rich Man vor, beziehungsweise wird sie das im Interview gleich direkt selbst machen. Deswegen möchte ich auch gar nicht so viel vorweg nehmen. Freut euch auf einen super interessanten Mix aus filmreifer Indie Pop-Folk Musik der ukrainisch-stämmigen Singer-Songwriterin. Für die Acoustics Concerts steht Maria Raykhman am 11.07. in Dresden, 12.07. in Berlin, 13.07. in Hamburg, 15.07. in Essen, 16.07. in Magdeburg und am 17.07. in Offenbach auf der Bühne.

    Masha The Rich Man im Interview

    Anna: Hallo Mascha. Schön, dass du dir die Zeit genommen hast. Ich wollte heute mal mit dir über dein Projekt „Masha The Rich Man“ reden. Du hast auf Spotify ja erst einen Song veröffentlicht und auch erst in diesem Jahr gestartet.

    Mascha: Ja, das stimmt. Ich mache eigentlich schon länger Musik, auch mit verschiedenen Projekten. Aber dieses Projekt ist jetzt tatsächlich sehr neu und deswegen auch kein Wunder, dass es noch nicht so bekannt ist.

    Anna: Genau, magst du dich und „Masha The Rich Man“ einfach mal vorstellen?

    Mascha: Okay! „Masha The Rich Man“ – das bin ich, Mascha. Eigentlich ist das Ganze aus Versehen entstanden oder mit langem Prozess des Dahinfindens oder wie auch immer man das betiteln möchte. Also ich hatte tatsächlich nicht so richtig vor, das zu machen und dann hat sich irgendwie das alles so dazu entwickelt. Dann kam halt Corona und ich eigentlich das Nichtstun irgendwann dann so ein bisschen angefangen habe zu genießen. Da habe ich gemerkt habe, dass irgendwas ziemlich stark gefehlt hat. Weil ich wie gesagt, schon recht aktiv Musik gemacht hab in verschiedenen anderen Projekten oder auch Songwriting, Sessions für andere, mit anderen, aber halt nie persönlich so richtig. Also ich habe irgendwie vorher nie versucht mein Innerstes nach außen zu bringen. Aber ja, Corona hat mir dann irgendwie gezeigt, dass mir das fehlt. Da hatte sich sehr lange viel aufgestaut, was dann doch raus wollte und verarbeitet werden wollte. Ein Kollege von mir hat mich auch schon seit Ewigkeiten dazu motiviert, dass ich irgendwie mal mein eigenes Ding machen sollte. Dann dachte ich mir immer: Warum? Was habe ich denn Großes zu sagen, dass ich jetzt noch ein weiteres Projekt in diese Welt schießen soll? Ich hab einfach nicht gesehen, was ich noch so relevantes Persönliches mit in diese ganze Welt hinaus katapultieren sollte. Und in der Corona-Zeit habe ich dann viel über konkretere Konzepte nachgedacht und überlegt, was mir denn wirklich wichtig ist. Allein das habe ich mir vorher nie so wirklich überlegt. Ich habe nicht darüber geschrieben, was mir wichtig war, sondern was halt irgendwie grad so anstand und gut ankam. Dann hatte ich plötzlich so viele Themen auf dem Radar, die ich jetzt auch gar nicht alle unterbringen konnte auf dem Album und deswegen auch schon ein zweites Album geplant habe. Ja, und das ist halt einfach sehr, sehr persönlich und autobiografisch und trotzdem überwältigend. Ich habe da quasi mein ganzes Leben rekapituliert. Alles, was ich irgendwie vorher versucht habe zu vermeiden: wie sich verletzlich oder klein zu zeigen – alles das war dann irgendwie auf einmal im Mittelpunkt. Das Ziel war, die ganzen Sachen, für die ich mich immer geschämt habe mal auszusprechen. Vielleicht motiviert das ja irgendwie irgendwen, auch zu Dingen zu stehen.

    Therapie-Stunden im Sinne von Mascha

    Anna: Das klingt sehr therapeutisch. Haben dir die Songs dann auch geholfen mit den Gefühlen besser umzugehen?

    Mascha: Ja mega, vor allem auch rückblickend auf bestimmte Situationen. Also vieles war gar nicht so aktuell unbedingt, sondern ich habe mal vieles verarbeitet, was halt schon passiert war, aber was ich vielleicht nie so richtig verarbeitet hatte. Das habe ich dann in Angriff genommen. Auch musikalisch wollte ich da auch alles reinpacken, was mich selbst irgendwie wirklich mitnimmt und berührt. Das sind auch musikalische Einflüsse, die ich oft mich vorher nicht getraut habe, anzugehen, weil es nicht cool genug war oder nicht dies oder das genug. Das war tatsächlich sehr schwierig, da dran zu bleiben. Ich habe das Gefühl, ich habe oft Musik umgesetzt, die ich nicht zu 100 % wollte. Einfach nur, weil ich dann doch lieber mit dem Trend mitgeschwommen bin. Ich dachte, das würde besser ankommen. Naja, aber nach langen Überlegungen habe ich dem Genre den Titel Cinematic Folk Pop gegeben.

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    Anna: Ja, das schließt auch perfekt an meine nächste Frage an: Was steckt hinter dem Begriff Cinematic Folk Pop? Wie bist du darauf gekommen?

    Mascha: Also ich habe wirklich super viel Zeit mit Brainstormen verbracht, um überhaupt von vornherein auf eine Idee zu kommen, was ich da vermitteln möchte. Dann habe ich ganz viele Begriffe gesammelt, die mich ansprechen, mit denen ich irgendwie was verbinde. Da war eben auch dieses klangliche Cinematische mit dabei. Und jetzt musikalisch konkret sind es dann wahrscheinlich die Streicher, die ich da einfach sehr schön finde.  Das ist sowieso etwas, was mich sehr bewegt in Songs. Also ein bisschen dieses Dramatische, Epische. Einfach so filmisch, dass Bilder entstehen.

    Anna: Ja, das klingt auf jeden Fall sehr schön. Würdest du sagen, dass so traditionellere Musik da auch einen Einfluss drauf hat? Weil du ja eben ukrainischen Wurzeln hast und die Musik dort ja doch nochmal deutlich anders geprägt ist.

    Mascha: Ja, die Überlegung war auch ursprünglich das Ganze Cinematic Folklore Pop zu nennen. Also ja, das hat es auf jeden Fall und das war auch voll die Intention. Ich wollte halt irgendwie eine Balance finden, dass das nicht Überhand nimmt. In meiner Studienzeit an der Popakademie in Mannheim bin ich auch sehr in diese traditionelle Polka-Richtung gedrückt worden. Es ist mir aber auch wichtig, zu zeigen und zu wissen, dass ich nicht nur diese Seite habe.

    Zwischen Freddy Mercury und Mine – Inspiration findet Mascha an vielen Ecken

    Anna: Gibt es bestimmte Künstler oder Künstlerinnen, die dich inspirieren?

    Mascha: Also, ich hatte mir tausende von diesen Spotify Listen  erstellt mit Referenzen zu dem Sound, den ich machen möchte. Das war noch bevor die Songs so richtig standen. Das sollte ein bisschen vorgeben, in welchen Klangwelten ich mich denn so aufhalten will. Am Anfang als noch nichts stand, war das nämlich ganz chön schwierig, sich festzulegen. Es gab da sowieso auch ganz viele schreckliche Momente, in denen ich gar kein Bock mehr hatte. Aber das kennen wir ja alle und das gehört auch mit dazu. Sonst wird es nicht gut. Manche Einflüsse, von denen ich dachte, dass sie zum Beispiel wichtig werden, waren dann gar nicht so wichtig. Aber Marina Diamonds mit den älteren Sachen habe ich viel gehört. Dann waren irgendwie auch immer viele Musicals dabei. Das feier ich auch sehr. Wer mich als Person aber auch noch sehr inspiriert, ist Freddy Mercury von Queen. Aber auch Queen generell. (überlegt weiter) Mine ist auch noch eine tolle Künstlerin. Im Laufe der Zeit habe ich dann auch immer mehr Anklang mit Aurora gefunden. Naja, aber wie du schon merkst: Die Liste war sehr lang.

    „Der Krieg in der Ukraine hat auch mein Verständnis für die Musik geändert“

    Anna: Worauf ich noch gerne eingehen würde ist deine Verbindung zur Ukraine in der momentanen Situation. Ich weiß nicht, ob du es noch hören kannst, aber durch deine ukrainischen Wurzeln, finde ich, kann man das halt einfach nicht ausklammern. Wie fühlst du dich gerade in der Kriegssituation? Beeinflusst es dein Denken und die Musik und verändert es dich in gewisser Weise?

    Mascha: Ja, also die Songs haben sich nicht verändert. Die waren nämlich schon größtenteils fertig. Aber mein Verständnis für die Musik und generell hat sich alles komplett geändert. Alleine meine Sicht auf Social Media. Ich habe gesehen, dass erstens alles super krass relativ ist. Aber andererseits auch doch, was man alleine für eine Macht hat, Dinge zu verändern, beziehungsweise einen Unterschied zu machen. Also ich habe vorher auch nicht so richtig viel gepostet oder Sachen geteilt. Und dann habe ich das sehr exzessiv gemacht und habe irgendwie versucht, an jeder Ecke, wo ich irgendwas Kleines gesehen hab, etwas nützliches zu verbreiten. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das echt viel bringt. Das hilft den Menschen hilft. Ich habe auch irgendwie gemerkt, dass alles politisch ist. Vorher habe ich das noch nie so am eigenen Leib gespürt. Alles wurde auf einmal so wichtig: Wie wer wozu steht und was man worüber denkt. Das war mir vorher nie so sehr bewusst.

    Auch auf der Straße zeigt Mascha ihre Anteilnahme und teilt dieses Foto später auf Instagram.

    Anna: Also ich musste sagen, ich habe sonst keine so starke Verbindung zur Ukraine gehabt, aber das hat mich natürlich trotzdem sehr mitgenommen. Und so die Nachrichtenlage dann auch immer zu checken und permanent ein komisches Gefühl dabei zu haben, das war neu. Man hat sich auch so eingeengt und unwohl gefühlt, obwohl mich das selbst ja eigentlich nicht wirklich betroffen hat.

    Mascha: Ja, total. Also ich hatte auch überhaupt kein Bedürfnis, irgendwas außerhalb dieser Thematik zu machen, weil wie gesagt alles dann komplett sinnlos erschien.

    KiKa und der Downfall danach

    Anna: Ok, es ist schwierig, jetzt mit so einem harten Cut das Thema zu wechseln, aber wollte nochmal über einen anderen Punkt in deiner Biografie sprechen. Undzwar habe ich gesehen, dass du bei „Dein Song“ auf KiKa mitgemacht hast. Wann genau warst du da? Wie kam es dazu und wie war es?

    Mascha: Ich war 2013 da. In dem Jahr, wo Lina gewonnen hat. Zu dem Zeitpunkt war das eine unfassbar tolle Sache für mich. Es war eigentlich das Beste, was mir je hätte geschehen können. Man fühlt sich da  wie so ein kleines Sternchen. Man wird plötzlich überall hingefahren und darf nach Ibiza, bekommt Hotel, Essen und Trinken, kann ins Tonstudio und dreht Musikvideos. Und ich weiß nicht, es war schon echt verrückt und ich habe auch ganz viele tolle Menschen kennengelernt, mit denen ich immer noch zu tun habe. Tatsächlich habe ich ja auch mit einem der Produzenten von der Show ein paar der Songs gemacht. Aber die Zeit danach war erstmal hart. Weil dann natürlich irgendwann alles vorbei war und wie man das so kennt, erhofft man sich natürlich trotzdem mehr davon. Es wurden von Seiten bestimmter Jurymitglieder auch irgendwie Hoffnungen geschürt, die sich dann aber verlaufen haben. Da hatte ich schon echt lange dran zu nagen, glaube ich.

    Anna: Das kann ich voll verstehen. Da werden ja auch irgendwie die Hoffnungen eines jungen Mädchens zerstört. Aber kommen wir mal wieder zu etwas Positiverem. Reden wir noch mal kurz über deine erste Single „His Rebel Heart“. Worum geht es in dem Song?

    Mascha: Also ich habe ja schon angekündigt, dass es viel um meine Vergangenheit und die Bewältigung von Dingen geht. Es geht zurück ins Jahr 1999. Da bin ich nämlich umgezogen, von Kyiv nach Deutschland. Und ich hatte in der Ukraine ein sehr enges Verhältnis mit meinem Bruder. Ich war vier und er war zwei Jahre älter. Wir haben die ganze Zeit abgehangen zusammen. Unsere Verbindung war sehr eng und er war für mich ein riesiges Vorbild – was ja bei kleinen Geschwistern oft so  ist. Aber dann sind wir halt umgezogen. Und das ist einfach sehr krass für ein Kind, wenn man in ein anderes Land emigriert. Wir haben uns da etwas auseinandergelebt. Ich kann und will mir gar nicht ausmalen, wie das jetzt für die die Menschen, die Kinder, ist, die hier gerade ankommen – speziell aus der Ukraine. Vor allem, weil es bei mir sehr lebensverändernd war. Es hat viel in unseren Abläufen verändert und irgendwie auch in den Persönlichkeiten. Und wir sind mit vielen Dingen nicht so richtig klargekommen und mussten es irgendwo anders kompensieren. Es ist sehr schwierig und schade für mich, weil ich mich immer sehr gesehnt habe nach dieser alten Beziehung, die ich zu meinem Bruder hatte. Dadurch, dass er ein kleines Problemkind war, war die Aufmerksamkeit meiner Eltern auch oft auf ihm und ich musste da als jüngere Schwester immer mit umgehen. Über diesen ganzen Konflikt ist irgendwie das Lied.

    Ziegen retten auf Abo und was die Tiefen des Internets noch so zu bieten hat

    Anna: Das ist eine sehr schöne Erklärung. Da merkt man den autobiographischen Zusammenhang, den du vorhin schon meintest. Ich habe noch eine letzte Frage, die wir in jedem Interview stellen und das ist die Frage nach deiner untold story!

    Mascha: Ich habe eine Idee! Also ich muss dazu sagen, dass ich ein großer Fan von Schafen und Ziegen bin. Vor ein paar Jahren bin ich da mal auf eine Seite gestoßen, die kümmern sich um behinderte Ziegen. Man kann da Mitglied werden und spenden und ja, was soll ich sagen? Das bin ich seitdem. Ich bezahle 1 € monatlich, dass sich die Leute um die behinderten Ziegen kümmern. Die posten dann auch Fotos von sich und den Ziegen auf ihrer Facebookseite. Das ist total total süß und toll, was die machen die. Die bauen dann nämlich, wenn die Ziegen keine Beine mehr haben, so diese Rollen, womit sie laufen können.

    Anna: Oh, die Geschichte ist sehr wholesome. Ich freue mich gerade sehr für die Ziegen. Danke dir für die Story und danke für’s Interview!

    Mascha: Danke dir für das Interview, das war schön!

    Bisher gibt es erst zwei Songs von Masha The Rich Man auf Spotify zu hören, das Album steht aber schon in den Startlöchern und wartet nur darauf, das Licht der Welt zu erblicken. Also merkt euch die Sängerin besser und hört in der Zwischenzeit „His Rebel Heart„:

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    Fotocredit: Edwas Edzend

  • Marie Bothmer im Interview: »Ich habe kurz gedacht, ich hör’ auf mit Musik«

    Marie Bothmer im Interview: »Ich habe kurz gedacht, ich hör’ auf mit Musik«

    Trennungsschmerz ist sicherlich etwas, was wir alle gern in die hinterste Ecke der hintersten Schublade stecken würden und so schnell wie möglich vergessen würden. Marie Bothmer dagegen hat sich bewusst mit ihrer Trennung im letzten Jahr auseinandergesetzt und den stechenden Schmerz in eine pointierte, dynamische und extrem starke Debüt-EP namens „Swimmingpool“ verwandelt.

    Ich habe mit der zuckersüßen Marie über ihr toughes letztes Jahr und die Musik, diedaraus hervorgegangen ist, im Interview gesprochen.


    Marie Bothmer im Interview

    Evelin: Heute reden wir insbesondere über eine EP “Swimmingpool”, die letztens erschienen ist. Erstmal Glückwunsch dazu!

    Marie: Dankeschön!

    Evelin: Es geht um das Ende einer Beziehung, genau genommen deiner. Releases sind ja immer mit sehr viel Aufregung verbunden und auch Erleichterung, besonders wenn’s ums Debüt geht. Da die EP so wahnsinnig persönlich und schmerzerfüllt ist, wie hast du dich gefühlt vor und jetzt nach dem Release?

    Marie: Ich glaube, ich bin dieses Mal irgendwie wahnsinnig entspannt gewesen und normalerweise geht mir richtig doll die Düse. Ich kann tagelang davor nicht schlafen und bin dann so: “Ist alles schon da? Haben wir ein Video? Was kann ich tun und was kommt auf mich zu?” Und das ist jetzt so abgerundet fertig geworden, dass ich dachte, es ist schon irgendwie ziemlich cool und alles was passiert, passiert. Und wenn auch mal was nicht klappt, dann ist es auch okay und dann macht man einfach weiter. Und ich bin sehr stolz auf diese EP.

    Evelin: Ist das eigentlich komisch, seine Gefühle und die Trennung immer aufs Neue auseinanderzunehmen, wie jetzt hier mit mir im Interview?

    Marie: Ja (lacht). Die EP ist fast chronologisch über diese Trennung und über das letzte Jahr. Live versuche ich richtig lustig über diese Trennung zu reden, weil dann ist hoffentlich keiner suizidgefährdet, wenn ich so wahnsinnig traurig singe. Ich versuche das ein bisschen aufzulockern und dadurch fasse ich das immer relativ knapp zusammen. In den Songs ist auch oftmals so, dass nicht jedes Bild komplett zutreffend ist zum Beispiel. Mein Expartner zum Beispiel kann gar kein Deutsch, der ist nämlich Däne. Ich hoffe, dass er das nicht in Google Translate eingibt. Weil da natürlich ein paar Dinge sind, wo ich mir denke: “schon sehr persönlich”. Aber wie gesagt, es ist auch die künstlerische Freiheit. Und es hat mir sehr geholfen, darüber wegzukommen.

    Evelin: Ich meine, okay, er spricht kein Deutsch, aber hattest du je den Gedanken gehabt, ob das jetzt das Richtige ist, alles Persönliche so in die Öffentlichkeit zu tragen?

    Marie: Muss er durch (lacht). Also keine Ahnung. Er ist auch Musiker. Deswegen ist es etwas, was er auch verstehen kann, denke ich. Und unsere Beziehung war auch teils öffentlich. Aber jetzt glaube ich nicht, dass die Leute checken, um wen es geht. Und ich würde niemals sagen, das ist übrigens über den und den. Aber er hat nichts gesagt und er hat auch über mich geschrieben. So verarbeitet man irgendwie. Und dann halt immer dieses Fiktive.


    „Ich bin ein totaler Quatschkopf“

    Evelin: Das Album ist in einem sehr kollaborativen Weise entstanden. Unter anderem haben Künstler:innen wie Nina, Madeleine Juno oder Blinker mitgeschrieben. Wo lag da der Mehrwert für dich speziell? Hast du das auch gebraucht, nicht allein zu sein während du alle deine Gedanken und Gefühle durchgehst?

    Marie: Das Schöne ist bei allen, die mitgeschrieben haben ist, dass die richtig gute Freundinnen und Freunde sind. Blinki (Blinker) ist ein richtig guter Freund. Und auch Nina (Chuba) kenne ich ganz lange schon. Madeline (Juno) auch. Wir saßen eh im Studio und die wussten eh, wie es mir ging. Die haben das alles in Realtime mitbekommen und dadurch war das relativ einfach als wenn man sich mit jemand Neues im Studio setzt und dann sagt: “So, das war so. An einem kalten Wintertag musste ich leider aus der Wohnung ziehen… (lacht)”

    So war alles klar und dann hat man richtig schön zusammen geschrieben. Ich schreibe auch lieber gemeinsam. Ich schreibe ab und zu noch zu Hause allein, aber manchmal fehlt mir die Motivation. Und wenn man dann zusammen im Studio ist, dann freut man sich so richtig, was zusammen zu schaffen.

    Evelin: Du bist jemand, die viel aus ihrem Leben teilt und viele wichtige, auch Tabuthemen anspricht und das oft mit viel Humor. Was möchtest du damit erreichen?

    Marie: Ich trage mein Herz schon sehr auf der Zunge. Und manchmal ist es auch ein bisschen zu unüberlegt, vielleicht. Ich als Künstlerin, meine Persönlichkeit und mein Charakter spielen so sehr in die Songs mit, dass ich niemals einen Song singen könnte, den ich nicht selbst geschrieben habe. Wenn die Leute mir auf Instagram folgen, dann ist das meine komplette Person und natürlich zieh‘ ich da auch oftmals Grenzen. Ich bin ein totaler Quatschkopf auf Instagram und manchmal geht es mir scheiße und dann bin ich so “Fuck, ich muss jetzt ‘ne Story machen”. Das ist auch für meine Mutter manchmal extrem schwierig, weil die sagt: “Ja, dir scheint es ja jetzt gerade total gutzugehen” und ich: “Eh ja auf jeden Fall…”


    Und dann auch gewisse Werte zu vertreten und einen gewissen Einfluss zu haben, seien es jetzt feministische oder politische Themen. Also ich versuche nicht so crazy aktivistisch zu sein. Das würde ich mir nicht rausnehmen. Ich bin keine öffentliche Aktivistin, sondern ich gehe gern auf Demos. Aber ich würde nie eine Demo unter meinem Namen veranstalten, weil ich mich darüber auch nicht profilieren will. Aber ich möchte auf jeden Fall eine gute Botschaft in die Welt senden und dann hoffen, dass Leute, die mich cool finden, sagen: “Marie fand das cool, dann mach‘ ich das vielleicht auch”.


    „Ich war gefangen in einem Loch“

    Evelin: Und was erhoffst du dir, dass deine Zuhörer:innen mitnehmen, wenn sie die EP hören?

    Marie: Ich hoffe, dass Leute, die auch durch Trennungen gegangen sind, ein bisschen Trost finden. “Temporär” zum Beispiel, da ging es mir schon wieder total gut und ich war so: “Ja, das tut manchmal noch weh. Es kommt immer mal wieder hoch, aber man weiß dann irgendwann, zum Glück okay, jetzt ist auch wieder gut. Morgen tuts dann nicht mehr so doll weh”. Und so sind halt Trennungen.

    Evelin: Das ist wahrscheinlich schwer zu entscheiden, weil jeder Song so persönlich ist, aber welcher Song liegt dir besonders am Herzen?

    Marie: Ich glaube, tatsächlich ist “Dopamin” der wichtigste. Während Corona habe ich kurz gedacht, ich hör‘ auf mit Musik. Ich hatte keine Muse und ich war gefangen in einem Loch, auch krass depressiv. Und dann war das der erste Song, den ich auch mit Nina geschrieben habe. In einem komplett neuen Setup und ich bin ins Studio gegangen, habe gesagt, ich will einfach einen Song machen, den ich fühl‘, ohne darüber nachzudenken, was ist. Der hatte auch gar keine richtige Struktur, sondern ist einfach nur ein Vibe. Ich glaube, deswegen musste das auch der erste Song auf der EP sein. Und es sind immer noch die Demo Vocals, komplett roh. Es geht um das Thema Depressionen, was Beziehungen auf jeden Fall erschweren kann und darüber, dass es nicht so leicht ist, damit umzugehen.


    „Ich wäre lieber kein analytischer Mensch“

    Evelin: In “Swimmingpool” hört man dich, wie du dir selbst vormachst, dass es dir gut geht nach der Trennung, es fast schon einfach unter Teppich kehrst, um es zu vertuschen. Konntest du deine Trauer akzeptieren? Wie kamst du zu dem Schritt?

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    Marie: Also „Swimmingpool“ habe ich geschrieben, da war ich auch noch mit dem zusammen. Es war eher so eine recycelte Geschichte, aber ich wusste schon die ganze Zeit okay, diese Beziehung ist jetzt bald zu Ende und das wird so schlimm. Wir haben den gleichen Freundeskreis und wie soll ich das machen? Es war wie ein Ausblick darauf. Tatsächlich habe ich mich dann nach der Trennung sehr darin gesuhlt und bin sehr viel aufgefangen worden. Dieses “Kugelsicher”-Thema passt auch ganz gut dazu, weil dann hab ich ganz schnell gesagt: “Jetzt bin ich nicht mehr traurig. Jetzt mache ich das und das.” Dann bin ich wahnsinnig viel rausgegangen und habe versucht mich abzulenken und habe mich komplett taub gemacht. Aber das Problem ist ja, dass du das dann nicht verarbeitest. Das musste dann irgendwann kommen, dass man dann einbricht und sich dem widmet, weil sonst bleibt man für immer in dieser Spirale.

    Evelin: Dieses Betäubtmachen in “Kugelsicher”. War das eine Art Schutzmechanismus und wie arbeitest du daran, diese aufgerichtete Wand wieder abzubauen?

    Marie: Ja, ich hab auch noch voll Probleme, neu zu daten. Weil ich denke, ich bin noch gar nicht so weit und ich will noch gar nicht wirklich. Und andererseits ist es aufregend, neue Leute kennenzulernen. Aber ich merke, dass ich total vorsichtig bin, mich neu zu öffnen und auch dieses Commitment Ding. Dass wenn ich jetzt loslegen würde mit jemand Neues, dann muss da alles perfekt stimmen, weil was, wenn das nicht passt? Und dann committe ich mich und es passiert das gleiche nochmal. Ich bin 26, eigentlich müsste ich das mittlerweile wissen (lacht). Aber es ist immer wieder schwer und das ist jetzt ein bisschen über ein Jahr her und ich glaube, es wird langsam. Ich muss mal ein bisschen loslegen (lacht).

    Evelin: Also bist du jemand, der jedes einzelne Gefühl und Gesagtes analysiert?

    Marie: Ja, ganz schlimm. Ich bin ganz, ganz, ganz doll reflektiert, was gut ist. Aber manchmal glaube ich zu reflektiert, und sag so: “Okay, das muss daran liegen. Das ist wahrscheinlich aus dem Grund. Und mein Vater und meine Mutter und meine Geschwister und was nicht alles.” Ich bin auch in Therapie, deswegen macht das total Sinn. Aber das ist manchmal gar nicht so gut. Manchmal wäre ich lieber kein analytischer Mensch, sondern eher Gefühlsmensch.


    “If you want to get over someone get under someone”

    Evelin: “Deadline”, das einzige Feature auf der EP. Auch wahnsinnig toller Track. Wie kam das Feature mit YRRE zusammen und in welchem Zeitpunkt des Verarbeitungsprozesses treffen wir dich in dem Song an?

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    Marie: Das gibt es auch als Originalversion mit zwei Strophen von mir. Und da war ich in dieser Phase, wo ich wusste, ich muss mich mit irgendwem ablenken. Im Live-Set sage ich immer: “If you want to get over someone get under someone”. Mir war das klar, dass ich da keine Beziehung anfangen möchte und keine neuen Gefühle aufbauen will. Aber dass ich wahnsinnig doll diese Nähe brauchte und dann dieses: “Ich muss es beenden, es geht ja gar nicht anders, aber es war ja auch nie etwas.” Also total komisch. Wir hatten das doch damals irgendwie abgesprochen, dass auf keinen Fall irgendwas daraus wird. Also sehr autobiografisch.

    Und YRRE fand ich super toll, habe ich ganz lange schon gehört und dem habe ich einfach auf Instagram geschrieben, ob er Bock hat und ihm ein paar Songs geschickt. Er hat sich “Deadline” rausgepickt, was total schön ist, weil das jetzt für mich auch total Sinn macht, dass er diesen Song singt. Weil das der einzige ist, der nicht über mein Expartner ist, sondern über jemand Neues. Das gibt dem Ganzen so ein gutes Gefühl. Dann hat er einfach seinen Part draufgeschrieben und ich hab’s sofort abgesegnet. Wir haben uns erst vor zwei Wochen beim Videodreh gesehen. Zum ersten Mal in echt, aber voll der tolle Mensch.


    „Ich hab‘ diesen Cut gebraucht“

    Evelin: Zu “Temporär”: Wie hast du gegen die Momente angekämpft, wo man einfach wieder versuchen will, alles zu reparieren und die Beziehung wieder zu flicken?

    Marie: Also, wir teilen uns ja einen Hund. Mein Exfreund und ich. Und das ist natürlich immer schwierig, weil eigentlich ging es mir dann schon total gut. Aber immer wieder, wenn wir diese Hund-Übergabe hatten – der liegt hier übrigens auch ganz brav – muss man sich sehen und ich habe mir am Anfang gedacht, jetzt schminke ich mich, jetzt mache ich mich total schön und ich kriege alles auf die Kette und bin ganz toll. Und er denkt sich, jetzt wird es bestimmt scheiße. Aber ich glaube, was mir da geholfen hat, war dieses: “Ey, wenn der nicht mit mir zusammen sein will, dann will ich auch nicht mehr mit ihm zusammen sein.” Warum sollte ich das versuchen, wenn es eh nicht geht? Und man kann ja auch niemanden überreden. Irgendwann habe ich gelernt, wenn ich ihn gesehen habe und danach traurig war, vor allem, wenn er den Hund abgeholt hat. Dass ich wusste, ich muss jetzt erstmal die Mama anrufen und dann geht es mir morgen aber auch schon viel besser. Es ist wie so ein kleiner Schnitt in den Fingern, der morgen aber wieder verheilt ist.

    Evelin: Für mich wär das extrem schwierig. Anderes Thema aber: Besonders in “Filmriss” merkt man den Stil-Change im Vergleich zu vorherigen Singles. Sehr gelungen, meiner Meinung nach. Alles klingt so wahnsinnig rund und einfach geil. Wie war das für dich so einen anderen Stil zu präsentieren?

    Marie: Das war der erste Song, den ich nach der Trennung geschrieben habe, nach einer Woche oder so. Ich war richtig doll traurig und wollte was richtig Düsteres machen, auch mit Nina zusammen und es war auch eher dieses “Komm, wir machen einfach mal irgendwas. Mal gucken, ob was daraus wird.” Da war genau dieses Thema, auch wieder mit “Kugelsicher” und ich brauch‘ einen Filmriss.

    Ich will jetzt fünf Monate pennen und dann wache ich auf und es ist Sommer und eh alles wieder gut. Und so funktioniert es ja leider nicht. Aber ich dachte dann, ich muss den rausbringen, weil es so ein krasser Cut ist. Auch zu dem, was ich davor gemacht habe. Ich wollte den eigentlich als Erstes rausbringen und nicht “Swimmingpool”. Ich habe das Gefühl gehabt, zum ersten Mal fühle ich die Songs zu 100.000 %. Nicht, um das Alte zu diskreditieren. Aber ich glaube, da war ich auch noch jünger und war noch nicht so gesettelt in dem, was ich will. Aber jetzt ist alles komplett meins und dann ich hab‘ diesen Cut auch gebraucht.


    „Hot Girl Summer und so“

    Evelin: Um beim Thema Neuanfänge zu bleiben: Du bist vor einiger Zeit nach Berlin gezogen. Wie hat der Umzug deine Musik beeinflusst? 

    Marie: Sehr. Ich war ja davor in München und da hat mein Produzent damals auch gewohnt, deswegen hat es total Sinn gemacht. Also in München ist sehr heile Welt und irgendwie passiert auch nicht so viel. Ich musste andauernd nach Berlin oder nach Hamburg reisen, für die Musik. Und ich dachte auch, ich brauche ein kleines Netzwerk an anderen Künstler:innen und Writer:innen und was nicht alles. Um mich so ein bisschen mehr zu etablieren, weil einfach niemand in München ist. Ich glaube, man kann wieder zurück nach München ziehen, wenn man dann Berlin lange genug erlebt hat. Und ich fühle mich hier auch sehr viel wohler. München war ein guter Start. Aber Berlin war auf jeden Fall die richtige Entscheidung. Ich glaube, ich bleibe auch hier.

    Evelin: Glaube, jeder gefühlt haha. Dann zur letzten Frage schon: Hast du eine untold story für uns? Etwas, was du noch nirgends geteilt hast?

    Marie: Ich muss mal überlegen, es gibt so ein richtig unnecessary Talent, aber das habe ich schon so oft gezeigt. Das ist gar nicht mehr untold. Aber es war noch nie in der Presse, glaube ich. Ich kann Tiergeräusche imitieren, zum Beispiel.

    Evelin: Was ist dein Go-To Tier?

    Marie: Der Delfin. Willst du ihn hören?

    Evelin: Das ist gar keine Frage.

    Hier für alle also: Marie, die Delfinflüsterin


    Marie: Also kannst du gern mit reinnehmen, aber das gibts schon auf TikTok. Ansonsten fällt mir gerade gar nichts ein, was ich noch nicht erzählt hätte. Ich teile wahrscheinlich auch einfach wahnsinnig viel… Ich habe bei Nina gewohnt. Ein Monat nach der Trennung. Das habe ich, glaube ich, noch nicht erzählt. Nach der Trennung hat sie mich direkt eingesammelt mit der Tram und gesagt: “Marie, Hot Girl Summer und so.” Dann habe ich da einen Monat bei denen im freien WG–Zimmer gewohnt. Das war sehr schön. Die erste Nacht auch mit Nina in einem Bett, weil ich so viel geweint habe.

    Evelin: Na ja, jetzt sind bessere Zeiten.

    Marie: Ja, auf jeden Fall. Ich habe heute Abend noch ein Date. Jetzt geht’s rund.

    Evelin: Dann halte ich dich nicht länger hier. Viel Spaß beim Date! War schön, mit dir gesprochen zu haben. 

    Marie: Danke für das Interview. Ciao!

    Obwohl die Tiergeräusche nicht in der EP gefeatured sind, ist „Swimmingpool“ definitiv ein Reinhören wert. Jetzt aber mal ohne Spaß: Die Richtung, die Marie mit der EP eingeschlagen hat, ist wahnsinnig erfrischend und so gut ausgearbeitet, dass jeder Song richtig rund und einfach geil klingt. Unten könnt ihr in die 6 tollen Songs reinhören 😊

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    Fotocredits: Zena Bala
  • BROCKHOFF im Interview: »Aus vermeintlich banalen, unwichtigen Situationen entstehen meine Songs«

    BROCKHOFF im Interview: »Aus vermeintlich banalen, unwichtigen Situationen entstehen meine Songs«

    Dass wir eine besonders große Vorliebe für Newcomer*innen aus der deutschen Indie-Bubble haben, ist wohl kein Geheimnis mehr. Deswegen freuen wir uns aber immer umso mehr, wenn wir euch mal wieder neue Künstler*innen vorstellen dürfen. Heute soll es um BROCKHOFF gehen.

    Im März kam mit „2nd Floor“ die erste Single der 22-Jährigen Sängerin aus Hamburg raus. Mit einer ordentlichen Portion E-Gitarre und rockigen Indie-Sounds reiht sich Lina Brockhoff in unseren Playlists easy neben Genre-Größen wie Phoebe Bridges oder Soccer Mommy ein. Ende Juni ist mit „Sharks“ die Debüt-EP von BROCKHOFF erschienen. Spätestens jetzt sollte die Indie-Rockerin auf dem Radar aller Liebhaber*innen des Genres angekommen sein. Im Interview mit Anna gibt Lina Einblicke in die Entstehungsgeschichte von BROCKHOFF und verrät, woher sie ihre Inspiration zieht.

    BROCKHOFF im Interview

    Anna: Hallo Lina! Schön, dass du hier bist. Ich würde sagen, für die meisten Leute ist BROCKHOFF noch ein sehr unbekannter Name. Magst du dich deshalb zu Beginn erst einmal vorstellen?

    Lina: Ja, ich bin Lina Brockhoff. Und ich arbeite jetzt seit zwei Jahren an dem Projekt BROCKHOFF. Im März diesen Jahres ging es endlich mit der ersten Single los. Ich wohne in Hamburg und hier fing es auch eigentlich alles an. Die ersten Songs hab ich im ersten Lockdown geschrieben. Also kurz nachdem ich hierher gezogen bin von meiner Heimat in der Nähe von Hildesheim.

    Anna: Wie bist du denn zur Musik gekommen? Kam das erst durch die Corona-Langeweile? Oder war das für dich immer schon präsent?

    Lina: Das war schon immer ein sehr, sehr präsenter Teil. Ich mach schon super lange Musik. Ich glaube, ich habe mal angefangen mit Flöte spielen und dann habe ich sogar lange Klavierunterricht gehabt, so seit ich acht Jahre alt bin. Irgendwann habe ich immer mehr angefangen zu singen, mich mit Klavier zu begleiten und dementsprechend dann auch mir irgendwann Gitarre beigebracht, weil es einfacher war zu transportieren. Vor diesem Projekt hatte ich noch ein Singer-Songwriter Projekt unter meinem richtigen Namen. Und so seit zwei Jahren arbeite ich jetzt an BROCKHOFF.

    BROCKHOFF als Startrampe in den Indie-Rock-Kosmos

    Anna: Gibt es davon noch Musik oder hast du’s einfach nur für dich selbst gespielt?

    Lina: Nee, da gibt es aktuell nichts zu hören von den alten Sachen. Das war für mich ein sehr großer Neustart.

    Anna: Wie kommt es, dass du dich dazu entschieden hast, deinen richtigen Nachnamen zu nehmen?

    Lina: Tatsächlich brauchte ich da auch erst mal lange, mich dafür zu entscheiden. Es wurde mir von unterschiedlichen Leuten unabhängig voneinander, als ich auf der Suche nach einem Künstlernamen war, so in den Raum geworfen. Und am Anfang dachte ich, ich will eher so nach einem nicen Fantasienamen oder so gesucht habe und es mir im ersten Moment eher fremd vorkam. Was ja auch total komisch ist eigentlich. Wenn man mit dem Namen geboren wird, dann ist einem der ja auch nicht fremd. Aber je mehr ich darüber nachgedacht habe, so cooler fand ich es auch irgendwie, weil es ein relativ ungewöhnlicher Nachname einfach ist, den es nicht so super oft gibt. Und er auch irgendwie erst mal ein bisschen hart klingt und auch eher männlich anmutend. Aber das fand ich dann irgendwie auch cool, weil es so im Kontrast steht zu mir als Person.

    Anna: Und dann muss man nicht immer erklären, wie man auf den ausgedachten Namen gekommen ist.

    Lina: So ist es eigentlich immer simpel. Es wurde mir quasi in die Wiege gelegt. Also es gab auch keine wirklichen anderen Optionen. Irgendwie war das dann doch das, was es ja was relativ schnell mir auch am besten gefallen hat. Und ich weiß noch, dass ich meine Eltern und meine Cousine auch beide gefragt hab. Meine Eltern fanden es erst etwas komisch, aber meine Cousine war direkt sehr gehyped. Das war damals irgendwie lustig.

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    Mehr Informationen

    Anna: Ok, kommen wir mal zu deiner EP ‚Sharks‘, die ich mir natürlich fleißig angehört habe. Magst du einmal vorstellen, worum es thematisch auf der EP geht?

    Lina: Es gibt kein übergeordnetes Thema, sondern es sind irgendwie einzelne Songs, die in unterschiedlichen Gefühlslagen und Lebenslagen entstanden sind oder aus unterschiedlichen Gefühlen heraus. Es ist jetzt nicht so, dass es ein Konzept gibt oder so, aber die Songs sind schon alle ungefähr in selben Phase entstanden. Sie verarbeiten unterschiedliche Geschichten. Und es sind vor allem sehr persönliche Erfahrungen von Beziehungen oder auch zwischenmenschlichen Erlebnissen, die mich zu der Zeit sehr beschäftigt haben.

    Anna: Wie und wann sind die Songs entstanden?

    Lina: Vor allem der Umzug nach Hamburg war für mich einer der größten Momente in meinem Leben, weil ich das erste Mal von zu Hause weg war und alleine wohnen musste. Man lernt ja auch super viele neue Leute kennen. Irgendwie habe ich in der neuen Stadt neue Inspirationen bekommen, vor allem auch musikalisch. Ich habe sehr viel auch erst mal ausprobiert, bevor dann überhaupt auf diesen Sound gekommen bin. Aber es geht in den Songs gar nicht konkret um meinen Umzug nach Hamburg oder die Erfahrungen, die ich durchs Leben gebracht habe, sondern über einzelne Beziehungen oder auch gescheiterte Beziehungen. Oder zum Beispiel bei ‚Sharks‚ einfach um eine super blöde Party, auf der ich war, die noch nicht mal in Hamburg war. Also das sind eher kleinere Geschichten, die ich in den Songs behandele und gar nicht das große Ganze mit dieser Lebensphase.

    „Eine Situation, die so vermeintlich banal und unwichtig ist“

    Anna: Aber ich finde, es funktioniert gerade deswegen ganz gut, weil es eine bestimmte Geschichte ist, durch die man sich trotzdem identifizieren kann mit der Situation.

    Lina: Das ist halt irgendwie schön, wenn das so ein bisschen automatisch passiert, dass man anhand von einem Erlebnis oder einer kleinen Geschichte oder Erfahrung sich mit dem Gefühl identifizieren kann. Also so funktioniert bei mir meistens auch das Songwriting generell, dass mir so eine kleine Situation vorschwebt, die so vermeintlich banal oder unwichtig war, aber ich irgendwie darum herum und den Song baue, weil es irgendwas in mir getriggert hat oder weil ich mich durch dieses Detail an etwas Bestimmtes erinnere. Und dann so die Geschichte drum herum baue, die dann noch irgendwie viel mehr ausdrückt als nur so eine kleine Sache.

    Von Pop zu Rock: Phoebe Bridges als Inspiration für den BROCKHOFF-Sound

    Anna: Wo wir gerade bei den Texten sind: Wie ist das bei dir? Schreibst du zuerst die Texte und überlegst dann, welcher Sound dazu passen würde oder kommt das organisch zusammen?

    Lina: In meinen Teenie Jahren habe ich super viel hauptsächlich Popmusik gehört. Aber ich glaube vor allem durch Phoebe Bridges bin ich dann in diesen Indie Rock und Rock Kosmos gezogen worden und über sie ich auch weitere Künstlerinnen gefunden, die ja bis heute meine größten Inspirationen auch für BROCKHOFF waren. Also durch die ganzen Sachen habe ich dann auch gemerkt, dass es mir viel mehr Spaß macht mit E-Gitarre zu spielen. Dann war mir auch schnell klar, dass ich mehr Indie-Rock machen möchte anstatt irgendwie Synth Pop. Und dann habe ich angefangen auch eine Playlist zu erstellen, mit Songs und mit Künstler*innen, die ich cool fand und bin damit zu meinem Produzenten Christian Hartung gegangen. Er hat da auch noch Songs reingepackt, die ihn sehr geprägt haben. Also es passte dann irgendwie ganz gut, wie wir beide von unterschiedlichen Seiten an diese Referenzen herangingen. Die Playlist ist mittlerweile so lang geworden, dass ich sie glaub ich noch mal aussortieren muss, bevor ich sie irgendwann teile. Aber sie ist eigentlich zu gut dafür, dass ich sie nicht irgendwann mal teilen kann.

    Anna: Gibt es einen bestimmten Song, wo du sagst, der bedeutet dir vielleicht persönlich am meisten auf der EP oder den fühlst du gerade am meisten?

    Lina: Es gibt nicht den einen Song. Manchmal wechselt es tatsächlich sehr, weil die Songs auchvon der Dynamik her sehr unterschiedlich sind. Es gibt ruhigere Nummern und eher so Tracks wie ‚Sharks‚. Das variiert total, in welcher Phase ich irgendwie mal so einen kleinen Liebling habe, aber im Moment würde ich tatsächlich sagen, dass es ‚Missing Teeth‚ ist.

    Anna: Woher hast du diese super genialen Fisch-Slipper, die man auf dem Cover der EP sieht?

    Lina: Die sind von Lotti, einer Freundin von mir, mit der ich auch die Artworks gemacht habe. Als wir uns auch gerade kennengelernt hatten lagen die bei ihr im Flur. Ihre Mitbewohnerin und sie hatten beide die selben Schuhe. Und wir haben die dann auch nur aus Spaß mitgenommen. Es war eigentlich gar nicht der Plan, damit wirklich Fotos zu machen. Wir haben die aus Spaß einfach spontan mit eingesteckt und damit dann irgendwie so ein bisschen rum experimentiert. Dann ist es wirklich einfach aus Zufall entstanden. Und da gab’s auch glaube ich den Song ‚Sharks‚ noch nicht mal. Also das Ganze ist ehrlich gesagt gar nicht so mit dem Hintergedanken entstanden, sondern wir fanden es einfach super cool und gegen Ende war dann irgendwie relativ schnell klar, dass das auf jeden Fall das Cover wird.

    Anna: Ich finde die ja genial und meine die irgendwo schon mal gesehen zu haben, aber ich weiß nicht mehr wo.

    Lina: Ich glaube, die gibt es im großen, weiten Internet zu kaufen. Es gibt sie auch in unterschiedlichen Farben.

    Der längst nötige Wandel in der Musikszene und die Frauenquote

    Anna: Haha klar, es gibt alles im Internet. Aber kommen wir zurück zur Musik. Du hast ja vorhin schon Künstlerinnen, ausschließlich Künstlerinnen genannt, die dich inspirieren. Und da finde ich immer ganz interessant sich mal die Frauenquote in seinen eigenen Playlists anzuschauen. Ich hab das Gefühl, dass vor allem die deutsche Musikszene noch ziemlich männerdominiert ist. Hast du einen ähnlichen Eindruck? Und hast du manchmal sogar das Gefühl, dass gewisse Vorurteile gegen Frauen, vor allem auch jüngere Frauen, mitschwingen?

    Lina: Auf jeden Fall ist mir das schon aufgefallen. Eben weil diese ganzen Namen, die ich vorhin genannt habe – Snail Mail, Beabadoobee, Soccer Mommy – sind ja alles weibliche Künstlerinnen, die da gerade vor allem hauptsächlich aus den USA irgendwie in dem Genre auftauchen. Und dass das hier noch nicht so verbreitet ist, ist mir auf jeden Fall aufgefallen. Ich finde schon, dass sich da gerade einiges tut und das finde ich auch sehr, sehr schön zu sehen. Ich sehe auch, dass es gerade schon zunehmend mehr junge Künstlerinnen gibt, die sich auch trauen, über den eher glatten Pop hinaus Musik zu machen und damit rauszugehen. In der Vergangenheit habe ich schon öfters auch mal das Gefühl gehabt, dass man mich nicht hundertprozentig ernst nimmt. Und tatsächlich habe ich das ja auch in dem Song ‚Sharks‘ mit verarbeitet. Also auf der Party, um die es in dem Song geht, gab es eben auch einige Anspielungen darauf und ich habe mich auch nicht ernst genommen gefühlt. Also ja, ich hatte schon Situationen, aber ich finde, dass da ein Wandel stattfindet. Das ist das, was ich gerade irgendwie fühle und mitbekomme.

    Für mehr Frauenpower in eurem Playlist-Kosmos, checkt gerne mal unsere „female fronted bubblegrunge“ Playlist aus:

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    Anna: Das Gefühl habe ich auch. Ich finde, wenn man einmal anfängt sich damit zu beschäftigen, dann findet man noch viel mehr tolle Künstlerinnen. Aber sie sind eben (noch) nicht so groß.

    Lina: Ja, ich glaube das ist so, weil es einfach erst seit gar nicht so langer Zeit diese Awareness gibt, dass zum Beispiel auf Festivals eine Quote eingeführt wird oder man speziell darauf achtet mehr Frauen ins Line-Up zu bekommen. Also das ist ja auch erst seit ein paar Jahren, wenn überhaupt so der Fall. Und da gab es ja auch diesen Shitstorm beim Rock am Ring, glaube ich, dass das so männerdominiert ist. Da fragt man sich dann auch, wie das eigentlich noch geht in der heutigen Zeit. Durch Freunde und Freundinnen, die bei kleineren Festivals auch aktuell arbeiten, bekomme ich mit, dass es da sehr viel Wert draufgelegt wird und sehr viel da rein gehangen wird dafür, dass sich da was ändert. Und deswegen kann ich selber nicht verstehen, wieso das auf so einem großen Festival nicht geht.

    Anna: Ich hoffe auch, dass es sich bei den großen Festivals im nächsten Jahr mal ändern wird. Genug gute Künstlerinnen gibt es ja. Was können wir uns denn in Zukunft noch von BROCKOFF erhoffen?

    Lina: Also es liegen einige Songs noch in der Schublade, bei denen ich es auch kaum erwarten kann, damit rauszukommen. Mit den Erfahrungen, die ich jetzt durch die ersten Veröffentlichungen und die erste EP gesammelt habe, habe ich noch mehr Lust bekommen, damit ins Studio zu gehen und daran zu feilen und zu arbeiten und auch irgendwie natürlich noch weitere neue Songs zusätzlich zu schreiben. Also es ist auf jeden Fall noch einiges in petto und es wird auch nach der EP noch einiges geben.

    Brocki’s Big Thief-Fangirl Moment

    Anna: Das ist eine gute Nachricht. Da freue ich mich schon drauf! Noch eine letzte Frage zum Abschluss: Was ist deine untold story?

    Lina: Wir haben letztens in Berlin auf einem Festival gespielt. Da haben auch Big Thief gespielt und ich bin riesengroßer Fan der Band. Dann habe ich tatsächlich relativ kurz vor unserem Auftritt – ich war so super nervös, muss ich dazu sagen – meine In-Ear Kopfhörer auf der Toilette vergessen vor dem Soundcheck. Ich musste also zurück sprinten auf die Toilette. Ich bin eine super vergessliche Person. Also sowas passiert mir eigentlich ständig. Sie lagen aber zum Glück noch genau da. Als ich mir dann nochmal die Hände gewaschen habe, habe ich auf einmal gesehen, dass Adrianne Lenker ein paar Meter weiter nehmen mir stand am Waschbecken. Das war glaube ich bisher mein einziger krasser Starstruck-Moment. Vor allem habe ich überhaupt nicht damit gerechnet, weil ich halt selber so im Stress war, wegen unseres eigenen Auftritts. Ich habe mich nicht getraut, irgendwas zu sagen. Ich hab nur ganz still die Hände gewaschen und dann im Spiegel  versucht ein paar Blicke zu erhaschen. Dann bin ich aber rausgegangen, habe mich nicht getraut, was zu sagen. Seitdem denke ich so viel darüber nach, was ich für lustige, coole, was auch immer Sachen hätte sagen können, aber mich einfach nicht getraut.

    Anna: Ich weiß aber auch nicht, ob ich mich an deiner Stelle in dem Moment getraut hätte, sie anzusprechen. Vor allem, wenn man selbst auch eigentlich gerade im Stress ist. Aber danke dir für diese Story und vielleicht ermutigt das ja, demnächst sich einfach mal zu trauen!

    Falls ihr es noch nicht gemacht habt, checkt jetzt unbedingt die Debüt-EP von BROCKHOFF aus. Für alle Indie-Rock-Liebhaber, Powerfrauen-Supporter und Menschen mit gutem Musikgeschmack:

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    Fotocredit: Charlotte Krusche

  • Aze im Interview: »Wir akzeptieren die Schattenseiten mit offenen Armen«

    Aze im Interview: »Wir akzeptieren die Schattenseiten mit offenen Armen«

    „Aze? Den Namen hab ich doch schon mal irgendwo gehört, oder?“ Vielleicht habt ihr euch den Namen des österreichischen Pop-Duos seit unserer Review von ihrer Doppel-Single „Sweet Talk / Sidewalk“ bereits hinter die Ohren geschrieben. Wenn nicht, dann bekommt ihr hier eure nächste Chance. Selbst beschreiben die zwei ihre Musik als „sad, sexy Pop“ und dieser überzeugt auf voller Länge.

    Die zwei Aufsteiger haben im Interview mit Evelin über ihr frisch erschienenes Debütalbum „Hotline Aze“, mentale Gesundheit und die Bedeutung ihrer engen Freundschaft gesprochen. Und was Justin Bieber mit der ganzen Sache zu tun hat, erfahrt ihr am Ende.



    Aze im Interview

    Evelin: Erstmal ein herzliches Hallo, Beyza und Ezgi! Wie geht es euch? Wie ist die Stimmung so kurz vor dem Release eures Debüt-Albums “Hotline Aze”?

    Beyza: Hiiii! Ich muss sagen, ich bin seit ein paar Tagen schon sehr aufgeregt, weil das Datum immer näher kommt. Es fühlt sich teilweise noch so surreal an, dass das jetzt wirklich passiert. Es war mir zu langsam und zu schnell zugleich haha. Aber ich würde sagen, meine Stimmung ist, trotz Nervosität, dennoch sehr positiv gestimmt – I’m simply excited for everything that is still to come!

    Ezgi: Hellooo!! Same here! Ich weiß echt nicht, was ich gerade fühlen soll. Meine Moods gehen von super exited bis super anxious und schwanken die ganze Zeit hin und her. Ich hab zwar kein Kind, aber ich schätz‘ mal, dass es sich so anfühlen muss als Elternteil, wenn ein Kind vom Elternhaus wegzieht hahah.

    Evelin: Den Vergleich mit dem Kind find‘ ich super, haha. Wie würdet ihr eure Musik denn, jemandem, der/die zum ersten Mal davor ist, eure Musik zu hören, beschreiben?

    Aze: Am liebsten würden wir sie gar nicht beschreiben wollen und uns wünschen, dass sich die Person einfach mal drauf einlässt und selbst fühlt. Uns würde es interessieren welche Gesichtsausdrücke das erste Mal Aze hören bei den Leuten auslöst. Aber wir beschreiben unsere Musik selbst immer als sad & sexy und wir finden, das trifft’s schon sehr gut.


    Hotline Aze, how can I help you?
    Aze Hotline Aze untoldency indie pop music magazine Amelie Strobl

    Evelin: Das Album dreht sich ja um das Konzept einer Art Mental Health Hotline, deswegen auch der Name. Auch durch das Album hinweg werden Sprachmemos und Telefongespräche als Stilmittel verwendet. Wie fiel die Entscheidung auf genau dieses Konzept?

    Beyza: Wir sind ins Studio gegangen, um einfach mal draufloszuschreiben und ohne viel nachzudenken, damit wir mal ein Gefühl kriegen, was überhaupt alles möglich ist. Die Idee mit den Sprachmemos war anfangs nicht ausgedacht, sondern hat sich ergeben. Ich habe ein paar Tage vor dem Studio, eine Sprachmemo mit einem Guitar Riff und einer Chorus-Idee an Ezgi geschickt, was dann zu „Sweet Talk“ geworden ist. Das war der erste Song, den wir geschrieben haben. Irgendwann sind wir auch musikalisch in diese Richtung abgeschweift und im richtigen Moment kam noch eine Sprachmemo von Ezgi’s Schwester, die perfekt auf ein Instrumental gepasst hat. Die Konzeptidee an sich hat dann eigentlich als Joke begonnen. Aber da wir eben genug Instrumentals hatten, die nach einer Warteschlange geklungen haben, haben wir diesen Joke einfach weitergeführt and here we are.

    Evelin: Wo kommt diese Affinität für die 90’s her?

    Aze (B&E): Wir wollen uns jetzt nicht so vehement auf bestimmte Jahre eingrenzen, aber wir feiern einfach die künstlerische Leichtigkeit, die die meisten Artists in den 90ern und 2000er hatten. Wir sind immer schon Riesenfans von Hip-Hop und R’n’B gewesen, und für uns ist diese Zeit sehr von diesen Genres geprägt. Nicht nur was Musik angeht, sondern auch mehr Lifestyle, Fashion, usw. Für uns sind die 90er eine perfekte Mischung aus Kitsch und Gangster and we love it. 

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    „Wir wollen nicht mehr in unserer Trauer versinken„

    Evelin: Gab es spezielle Momente während des Entstehungsprozesses von “Hotline Aze”, die euch in Erinnerung geblieben sind?

    Aze (B&E): Wir haben das Album in einer Woche geschrieben und für uns war der ganze Entstehungsprozess sehr besonders, da wir anfangs schon nervös waren, ob jetzt überhaupt was Gutes dabei rauskommt, aber wir dann einen Song nach dem anderen geschrieben haben, weil es so gut geflowed hat. Wir tun uns schwer einzelne spezielle Momente zu wählen, weil für uns das Ganze mit all dem Drum und Dran einfach sehr schön war. Für uns steckt im Album nicht nur Musik, die wir selbst gerne hören, sondern auch random Gespräche, die wir geführt haben oder die Chipspackung, die wir dabei gesnacked haben. Wir sagen immer, dass es sich für uns ein bisschen so anfühlt wie ein Kind auf die Welt zu setzen und dann mit 18 loslassen zu müssen. Die Freude und Aufregung in unseren Gesichtern nach jeder nicen Hook oder jedem Riff werden wir auf jeden Fall immer in Erinnerung behalten. 

    Evelin: Im Album geht es ja viel um den eigenen Struggle, toxische Verhaltensweisen, Weltschmerz etc. In welchem Mindset ist das Album entstanden?

    Aze (B&E): Das Album ist eigentlich in einem sehr lockeren und lighthearted Mindset entstanden. Es repräsentiert auch sehr gut, wo wir persönlich grade stehen. Wir wollen nicht mehr in unserer Trauer versinken und dem ganzen so viel Macht geben, sondern haben über die Jahre hinweg gelernt, dass ein lockerer Umgang mit bedrückenden Themen und ein bisschen Distanz und Humor, um das Ganze auch mal von außen betrachten zu können, sehr guttun kann. Die EP war für uns sehr intense, da es uns persönlich auch so ging. Wir haben uns weiterentwickelt und sind gewachsen, und so auch unsere Musik. Inzwischen akzeptieren wir die Schattenseiten mit offenen Armen aber wissen auch, dass sie uns nicht ausmachen.


    Eine wichtige Lektion über mentale Gesundheit
    Aze Hotline Aze untoldency indie pop music magazine Amelie Strobl

    Evelin: Ihr thematisiert den Umgang mit den eigenen mentalen Problemen ja auch teilweise ironisch. Man nehme allein schon das Konzept des Hilfetelefons, was ja eigentlich gar keins ist, sondern fast das Gegenteil. Ich finde das manchmal auch problematisch, wenn man anfängt Traurigkeit und Depression zu romantisieren. Wie sieht euer Umgang mit mentaler Gesundheit aus?

    Aze (B&E): Es ist auch irgendwo problematisch, Traurigkeit und Depressionen zu romantisieren, aber wir denken, wenn man sich so in diesen Gedanken und Gefühlen gefangen fühlt, kann es schwer sein, das zu erkennen. Mentale Gesundheit ist zwar etwas, das viele Menschen betrifft, aber dennoch sehr individuell und subjektiv. Es ist ein sehr wichtiges Thema, auf das oftmals nicht so viel Wert gelegt wird und eines, das sehr entfremdet dargestellt wird. Uns persönlich hilft Humor und Ironie, das Thema an uns ranlassen zu können, ohne dass es erdrückt. An seiner mentalen Gesundheit zu arbeiten, braucht viel Kraft und Zeit, wobei wir denken, dass man nie auslernt.

    Wir denken, es ist wichtig, es nicht als eine Aufgabe zu sehen, die einen gerade belastet und hoffentlich bald wieder vorbei ist, sondern als Gefühle und Gedanken, die, aus verschiedenen und validen Gründen, einen zurzeit begleiten und dass das okay ist. Es gibt keinen Leitfaden, wann welche Gefühle verschwinden und wann neue kommen müssen. Manchmal tut es gut es einfach mal so stehenzulassen wie es ist und es versuchen nicht zu zerdenken. Es gelingt uns natürlich auch nicht immer, aber dann erinnern wir uns, dass sowieso alles so kommt wie es kommt. Jede/r muss für sich seine Wege finden und das auch in seiner eigenen Zeit, ohne Druck und Erwartungen von anderen oder von sich selbst.

    Evelin: Richtig schöne Worte! Würdet ihr sagen, dass das Album ein optimistisches oder eher verbittertes ist?

    Aze: Es ist ein sehr lighthearded Pop Abum geworden. Ein bisschen Melancholie ist immer dabei bei uns, aber der Umgang ist auf jeden Fall optimistischer und lockerer geworden.


    „Ohne großes literarisches Ramtam„

    Evelin: Gibt es einen Song, der euch am meisten Spaß gemacht hat? Ob während des Schreibens, der Produktion oder einfach beim Hören.

    Beyza: Ich hab in jedem Song so meine favourite parts und meine Lieblingssongs vom Album ändern sich auch immer wieder mal, aber „Sad Sensations“ bleibt immer in der Liste. Ich finde, mit dem Song haben wir mal ein bisschen was anderes probiert und er gibt mir so ein richtiges old school – Band Feeling. „Showbiz, Baby!“ hat beim Schreiben sehr Spaß gemacht und macht mir beim Performen auch immer gute Laune. Und „Sweet Talk“ wird natürlich auch immer einen special place in meinem Herzen haben, weil damit alles angefangen hat. 

    Ezgi: Natürlich gibt’s in jedem Song favorite Parts und für mich als die, die den Text schreibt, verschiedene Sparten des “sich ausleben”. „My own Business“ hat mir gezeigt, dass nicht jeder Song gesungen sein muss, um “belebt” zu werden. „Waterfalls“ auf der anderen Seite, hat mich beim Aufnehmen im Studio so viel Kraft gekostet und am Ende bewiesen, dass der erste Take manchmal einfach der Beste ist. „Silk“ hat mir die Mut gegeben, meine Texte so zu formulieren, wie ich mir’s denk – ohne großes literarisches Ramtam. „Showbiz“ hat mir erlaubt meine RnB-Vocalist Fantasien auszuleben, mit Slow Fade am Ende und alles und „Talk Away“ berührt mich jedes Mal, wenn ich’s hör‘. Helins und Jakobs Stimme auf dem Track sind für mich die Manifestation der Liebe und Geborgenheit. Production-technisch hat mir das Pannen am meisten Spaß gemacht – I love a good stereo experience hahah.


    „Vor dem Album mussten wir immer in getrennten Räumen Musik schreiben„

    Evelin: Wie hat eure Freundschaft euren Musikschaffungsprozess beeinflusst?

    Beyza: Die Innigkeit und Verbundenheit spürt man denke ich in der Musik auch. Wir harmonieren und verstehen uns, ohne viel sagen zu müssen. Vor dem Album mussten wir immer in getrennten Räumen Musik schreiben. Inzwischen haben wir gelernt, dass es auch zusammen gut funktioniert, haha.

    Ezgi: Ich bin sehr froh, dass wir zwei miteinander in einer Band sind und nicht in getrennten – auch wenn man gerade viel arbeitet und nicht großartig viele Leute außerhalb der Band treffen kann, trifft man so halt automatisch die beste Freundin, hahah. Außerdem ist es auch sehr angenehm, gemeinsam wachsen zu dürfen. Ich bin sehr dankbar für die Situation in der wir uns befinden.


    Die Geschichte beginnt und endet hier mit Justin Bieber

    Evelin: Am Ende jedes Interviews fragen wir nach einer untold story. Das kann was sein, was während des Entstehungsprozesses des Albums passiert ist, ein random fact oder alles andere, was ihr noch nicht mit der Welt geteilt habt 😊

    Aze: Most random Aze Fact ever ist, dass der Grund, warum wir überhaupt so gut befreundet sind – glauben wir jetzt retrospektiv – Justin Bieber ist. Wir waren halt wie ca. alle round 2009 hardcore Beliebers. Die meisten Songs aus seinen ersten zwei Alben trauen wir uns zu wetten heute noch plus minus zu beherrschen. Unsere Eltern haben uns damals extra vom Land zum Konzert nach Wien gefahren, wo wir ca. 6 Stunden vor Beginn schon da waren, um realistisch einen okayen Platz zu bekommen. Und wir versprechen, wir waren davon überzeugt das nächste “One less lonely girl” würde eine von uns sein hahaha.

    Evelin: Wie geil ist bitte diese Story?! Lieb’s! Danke für eure Zeit, hat mich total gefreut 😊


    Das neue Album „Hotline Aze“ von Aze möchte ich euch hiermit nochmal ganz stark ans Herz legen. Das Konzept stimmt, der Sound stimmt und man merkt wie viel Arbeit hier reingesteckt wurde. Obendrein sind die zwei auch bezaubernd. Hört definitiv unten mal rein und wählt euch selbst in die Hotline ein (so gute Musik habt ihr noch in keiner Warteschleife gehört, da bin ich mir sicher)!

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    Fotocredits: Amelie Strobl

  • OK KID im Interview: „Wir sind über jeden einzelnen Song happy, das war bisher nie so“

    OK KID im Interview: „Wir sind über jeden einzelnen Song happy, das war bisher nie so“

    Es ist September 2021, eine warme Sommernacht in Gießen folgt einem bunten Tag, auf dem Gelände des Stadt ohne Meer Festivals wird es ruhiger – scheinbar. Eine große Überraschung haben OK KID auf ihrem eigenen Festival natürlich noch parat. Mit unangekündigtem Auftritt, eindrucksvoller Lichtinstallation und Feuerwerk kündigte die Band ihr neues Album DREI an. Inklusive Vorgeschmack auf die bis dahin unveröffentlichte Single Mr. Mary Poppins und Album Cover-Reveal. Nun sind Monate vergangen und DREI erblickte am 13.05. das Licht unserer Streaminganbieter und Plattenregale. Der spektakulären Ankündigung auf dem Festival sind OK KID auf jeden Fall gerecht geworden.

    Auf 11 Tracks, die aktueller und greifender kaum sein könnten, beweisen sie, wie viel Energie und Kreativität noch in ihnen steckt. Von mächtigen Rock-Sounds, politisch cleveren Bemerkungen bis hin zu gewohnt tiefgründigen Zeilen voller Melancholie decken OK KID alle Facetten gelungen ab. Facetten, die uns vielleicht bis hierhin noch gar nicht bewusst waren. Und eine Breite an Themen, die wir nur nach wiederholtem Hören vollständig begreifen. Zwar ist es nicht ihr drittes Album, doch mit dem Albumtitel knüpft die Band an ihr zweites Album Zwei (2016) an und zeigt seinen Hörer*innen, um wen es sich hier handelt. Nämlich um Jonas, Moritz und Raffi. Wie der Song „Nur wir 3„ schon in 2019 sehr ehrlich die Geschichte erzählte: Von Label, Management, Produzenten und Bookingagentur getrennt, arbeiteten die drei Wahlkölner nun völlig eigenständig. Und man hört, dass ihnen das gut tut! Auch die neu gesammelte Energie nach der ersten Auszeit von einander in 10 Jahren Bandgeschichte, scheint sich wohl gelohnt zu haben. 

    Man bekommt die Auf- und Umbruchstimmung als Hörer*in mit voller Wucht zu spüren. Sowohl die, die Bandintern geherrscht hat, als auch die, die musikalisch darin steckt. Mit höchstem Maß an Reflexion, sich selbst, seinem Umfeld und der Gesellschaft gegenüber, vermittelt das Album den Eindruck einer neu begonnenen Zeit. Oder ist alles doch schon immer so gewesen? OK KID wissen, wie sie mit ihrem kritisch betrachtendem Auge zum Nachdenken anregen und anstoßen. Und Sänger Jonas bewies schon immer, dass er weiß, wie er geschickt die passenden Worte findet. Selbst für die Dinge, die man weder aussprechen, noch wahrhaben möchte. Doch auf diesem Album ist es der Band vor allem gelungen, die Inhalte auch soundtechnisch genauso angemessen, überzeugend und ja, manchmal sogar angreifend, zu gestalten, wie ihre Aussagen. Die anhaltende Diskussion darüber, ob ihre Musik denn Rap oder Pop sei, ist nun noch irrelevanter als zuvor. Egal, wie sehr man drücken und pressen würde, DREI würde in keine Schublade hinein passen.

    Ursprünglich hatte ich keine bestimmten Erwartungen an das Album, ich war eigentlich bloß neugierig. Jetzt, wo ich das Album nun schon eine Weile hören und an mich ranlassen durfte, kann ich sagen, dass es objektiv und subjektiv die beste Veröffentlichung von OK KID ist. Als Cold Brew, der vierte Teil der Kaffee Warm-Reihe zum Release angesetzt war, hatte ich ein wenig Angst. Die bisherige Trilogie schien so perfekt, geliebt und gefeiert, wie ein langjähriger Begleiter. Und plötzlich eine Fortsetzung? Ja. Und im nachhinein kann ich nicht glauben, dass ich überhaupt eine Sekunde daran gezweifelt habe, dass sie dem nicht nochmal gerecht werden könnten. OK KID haben auch mir bewiesen, dass sie nicht einfach nur beständig sein können, sondern sich sogar steigern können. Wenn man durch die Tracklist stöbert, wird die Emotionalität der Songs wie Cold Brew und Leben light von totalen Überraschungen wie Bubblegum und Es regnet Hirn umklammert. DREI ist kein Album, das spurlos vorbeigeht und dann in der verstaubten Ecke der totgehörten Spotify-Playlist landet. Mal ist es eine verständnisvolle Umarmung und mal ein Tritt in den Magen, aber in beiden Richtungen verbleibt ein anhaltender Eindruck.

    Ehrlicherweise ist eine Sache, die mich an OK KID immer begeistert hat, das Gefühl, dass sie niemals aufhören zu sein. Auf erste Veröffentlichungen, die bis heute zeitlos wirken, folgten immer wieder neue Ideen, neue Anstöße, neue Projekte, Selbsterfindung und Wiederfindung. Und zwischen ihrem dauerhaften Streben nach Optimierung und angenehmer Konstante war das Gefühl beständig, dass “OK KID” das ein und alles für sie ist. DREI weist Gründe auf, um nachts nicht mehr schlafen zu können und bietet im selben Moment Hoffnung, um es doch endlich wieder zu tun. DREI fühlt sich wie ein aufbrechender Neuanfang und ein grandioses Finale in Einem an. Ich bin so froh, dass nun alle die Möglichkeit haben, dieses Album in das eigene Leben willkommen zu heißen. Und es hoffentlich nicht mehr gehen zu lassen.

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    Kurz vor dem Album Release trafen sich vier Gießener*innen per Zoom, drei davon sind Jonas, Moritz und Raffi.

    OK KID im Interview

    Dascha: Wie fühlt ihr euch so kurz bevor das Album endlich erscheint?

    Jonas (OK KID): Es ist schon so surreal, weil es auch schon mal verschoben wurde. Im September haben wir es angekündigt und dann gab’s die ganzen Verschiebungen, weil es keine Vinyl mehr gab und die Tourverschiebung, das ganze hin und her… Wir haben zwei und halb Jahre keine richtige Show mehr gespielt und sind sehr froh, dass jetzt was neues da ist, mit dem wir wieder auf Tour gehen können. Wir sind auch gespannt wie es ankommt, heute haben die ersten Menschen schon ihre Vinyl bekommen. Mega aufregend, was in den nächsten Tagen so abgehen wird.

    Dascha: Voll schön, dass da jetzt so viel passiert! Nennt mal ein paar Sachen, die für euch auf diesem Album ein erstes Mal waren?

    Raffi (OK KID): Wir haben zum ersten Mal auf Albumformat alles selber gemacht. Angefangen bei der Produktion, wir hatten ja keinen externen Produzenten, außer auf einem Song Tim Tautorat, ansonsten haben wir alles selbst produziert. Alles was drum herum passiert machen wir auch selber. Wir managen uns selber. Wir haben quasi noch ein Produktmanagement, also Leute die für uns in verschiedenen Promo-Bereichen arbeiten, aber alles mit unserer Abstimmung. Es ist alles ein riesen Haufen Arbeit. Aber das führt natürlich dazu, dass das Album einfach wir sind. In jedem Bereich. Es sieht alles ganz genau so aus, wie wir das wollten. Alles läuft genau so, wie wir das zusammen gebaut haben. Nicht nur die Mucke, sondern eben auch alles andere.

    Dascha: Ich finde, dass man das auch hört.

    Jonas (OK KID): Was ist deine Meinung zum Album? Du kennst uns ja schon so lange.

    Dascha: Ihr schon habt oft betont, dass Frühling Winter der dringlichste Song ist, den ihr je geschrieben habt. Aber ich finde das komplette Album klingt so super dringlich und reflektiert. Sowohl inhaltlich, als auch soundtechnisch klingt alles so episch und groß, viel mehr als früher. Da habt ihr euch krass weiterentwickelt.

    Jonas (OK KID): Geil, dankeschön! Wir haben Frühling Winter rausgebracht, als das Album noch gar nicht stand. Der Song war da und es war spannend das Album da anzusetzen, dass die Geschichte von DREI da beginnt. Auch, wenn es kein klassisches Konzeptalbum ist. Zum Beispiel welche Farben das Album braucht, was genau wir eigentlich erzählen wollen. Da hatten wir zum ersten Mal das Cover, bevor der Rest stand. Und das hat uns vergewissert und dabei geholfen zu wissen, wo es überhaupt hingeht. Gerade kriegt das Cover ja noch mehr Aktualität mit einem Twist, den wir damals gar nicht auf dem Schirm hatten.

    Dascha: Und wie kam es dazu, dass ihr so ein dringliches, wichtiges Album gemacht habt? Ich meine, ihr macht schon lange Musik, ihr könntet genauso gut sagen, hey wir machen jetzt nur noch was leichtes zum Spaß.

    Moritz (OK KID): Als wir uns im April 2020 nach einer Bandpause zusammengesetzt haben und gesagt haben, dass wir ein Album machen, waren wir uns einig, dass es keine Zeit für ironische und humorvolle Songs ist. Genau wie du das mit der Dringlichkeit gesagt hast, wir wollten etwas machen, was Relevanz hat und dringend raus muss. Das ist total schön zu hören, dass es bei dir auch so angekommen ist. Es war für uns klar, dass es ein Album werden muss, das mit der aktuellen Zeit und unserer aktuellen Stimmung geht.

    Dascha: Ich hab aber schon öfters mitbekommen, dass Menschen sagen, eure neuen Songs würden sie eher so ansprechen wie eure ersten Alben. Und ich meine mich zu erinnern, dass ihr auch schon gesagt hättet, dass die neue Musik eher an die vom Anfang anknüpft, die Fans der früheren Musik anspricht und wieder das „wahre OK KID“ sei. Wobei ich nicht finde, dass eure neue Musik wie die alte ist. Legt ihr denn viel Wert auf Feedback von außen? Sind euch andere Meinungen zu eurer Musik wichtig?

    Jonas (OK KID): Also uns ist relativ bewusst gewesen, dass als wir Sensation rausgebracht haben, es auf jeden Fall Leute abschrecken kann. Weil es was komplett anderes ist. Bei DREI wussten wir zum Beispiel bei Cold Brew, also Kaffee Warm 4, dass die Leute, die uns schon kennen, das feiern werden. Da sehen wir unsere Musik mit viel Objektivität. Wobei Es regnet Hirn auch was komplettes neues war. Vor allem vom Sound, wir hatten noch nie so einen tanzbaren Song wie den, aber trotzdem mit einem krassen Thema. Wir haben eine kleine Blase von Leuten, die wir gut kennen und denen wir vertrauen, denen spielen wir das dann vor. Wenn jemand von denen sagen würde „Ey, was ist das denn für Musik?!“, würden wir wahrscheinlich hinhören. Aber wenn wir den Song veröffentlichen, sind wir einfach happy damit. Wir sind über jeden einzelnen Song mega happy, das war bisher nie so. Es gab bisher auf jedem Album Songs, wo ich persönlich im nachhinein dachte: „Joa, in dem Moment fand ich’s geil, aber ich weiß nicht, ob ich mir den noch jeden Abend reinziehen würde“.

    Dascha: Voll schön zu hören, dass ihr euch jetzt so sicher fühlt!

    Raffi (OK KID): DREI ist schon nicht genau wie die alten Sachen. Es ist nicht wie das Album Zwei, aber es schließt eher daran an. Es ist eher die Fortführung und Weiterentwicklung von Zwei. Echt schön von dir zu hören, dass du die Weiterentwicklung bemerkst, weil ich sehe das genauso. Ich glaube wir haben uns in allen Bereichen sehr weiterentwickelt, sowohl inhaltlich, als auch soundlich. Bei diesem Album fallen auch jegliche Filler weg. Bei anderen Alben waren doch noch Tracks mit drauf, weil sie einfach gut reingepasst haben. Jetzt konnten wir glücklicherweise komplett auf sowas verzichten, jeder Song hat die Dringlichkeit vom ganzen Album. Da gibt es keinen Song, der irgendwie rausfällt.

    Dascha: Wo wir schon bei Feedback sind – Was sind die schönsten Komplimente zu eurer Musik? Was hört ihr gerne von anderen?

    Jonas (OK KID): Ich finde persönliche Worte eh viel schöner, als irgendwas im Internet zu lesen. Im Internet schmeißt man sehr gerne mit Superlativen rum. Ein mal in die positive und ein Mal in die negative Richtung. (lacht) Ich glaube es ist schön, wenn Menschen Musik nicht egal ist und sie sie in irgendeiner Weise berührt. Völlig egal wie. Es kann sein, dass jemand sagt “ Ey, ich hab durch die Musik mega Hass auf etwas bekommen“, dann ist das auch okay. Für mich ist Musik etwas gegen emotionale Stumpfheit. Etwas, das Sachen in dir aufrüttelt, was vielleicht ohne Musik gar nicht rausgekommen wäre. Wir wurden auch schon oft gefragt „Ihr seid doch so politisch, wünscht ihr euch, dass mehr Bands solche Statements in der Musik machen?“, dann sagen wir nein. Es muss auch nicht jede Band politisch sein, ich selbst hör gar keine politische Musik. Aber trotzdem krieg ich viel davon raus und es bringt mir sehr, sehr viel Musik hören, auch wenn sie keine Haltung hat. Wenn Leute sagen, unsere Musik hat sie zum Nachdenken angeregt oder berührt – das ist das Beste!

    Was wiederum unangenehm ist, ist wenn Leute ihr gesamtes ich auf uns projizieren. Wenn uns jemand sagt „Ohne euch hätte ich mich umgebracht“. Und sowas kam schon vor. Da wird man einfach in so eine große Verantwortung gebracht. Das ist too much. Mit so einem Feedback ist es sehr schwer umzugehen, auch wenn es natürlich schön ist, dass die Musik Leuten hilft. Aber wenn jemand zu krass von deiner Musik positiv berührt ist, kann es genau so 180 Grad in’s Negative gehen, wenn du eine Sache machst, die der Person missfällt. Wir hatten auch schon Leute, die Bücher über uns geschrieben haben. Und letztens haben wir ein Tattoo gesehen, da hat einer seine komplette Brust, seinen ganzen Oberkörper, mit einem Foto von uns tätowiert. Da sagen wir nicht unbedingt „Ey, geil!“, das wollen wir nicht positiv oder negativ bewerten. Das muss der oder diejenige für sich wissen, ob man das wirklich so sehr feiert.

    Dascha: Das ist krass! Als ich beim Prelistening das Album zum ersten Mal gehört habe, ist mir Hausboot am See am meisten hängengeblieben. Der lag mir sehr schwer im Magen. Deswegen würde ich gern inhaltlich darauf eingehen. Was würdet ihr raten, ab wann sollte man eine zwischenmenschliche Beziehung, oder eher Freundschaft, beenden? Ab wann sollte man sein Umfeld oder seine Bubble aussortieren?

    Jonas (OK KID): Der Song ist der persönlichste Song auf dem Album, das ist keine Überraschung. Es gab diesen Junggesellenabschied, es gab dieses Hausboot. Die Dinge haben sich dort so zugespitzt, dass es dazu geführt hat, dass wir keine Freunde mehr sind. Das ist also keine Geschichte, die ich nur für das Album genutzt habe. Nicht jede Zeile ist eins zu eins so in der Abfolge passiert, aber es ist eins zu eins die Situation, die es gab. Voll oft hängt man sich bei alten Freundschaften und Beziehungen an Bindungen fest, die in der Vergangenheit liegen, weil man früher mal eine tolle Zeit miteinander hatte. Dann sieht man sich ein paar Jahre nicht und der Gedanke sich wieder zu treffen ist mit einer wunderschönen Romantik erfüllt. Und wenn man sich dann endlich trifft merkt man, es ist gar nicht mehr so. Außer der Vergangenheit gibt es kaum noch etwas, was dich mit den anderen Personen verbindet.

    Das ist also ein bisschen eine Aufforderung an Freundschaften zu arbeiten. Die Freundschaften und Beziehungen müssen im jetzt existieren können. Eine Freundschaft muss hier und jetzt von Vertrauen, Inspiration, von Sachen teilen können, sich Geborgenheit geben, leben. Das kann die Vergangenheit oft eben nicht mehr. Mir ist es in den letzten Jahren oft passiert, dass ich mich von solchen Beziehungen aktiv entfernt habe, weil sie mir einfach nichts mehr bringen. Dann sagen andere „Du musst doch loyal sein, ihr habt so viel zusammen erlebt“. Und wahrscheinlich wäre ich wie bei Familie auch wieder da, wenn etwas ganz Ernstes passieren würde, aber man braucht keinen Kontakt und keine aktuellen Verbindungen mehr.

    Dascha: Ich glaube auch, dass es sehr wichtig ist, das zu können.

    Jonas (OK KID): Ja, ich glaube das braucht viel Mut und Kraft. Gerade auf dem Dorf stell ich mir das noch viel schwieriger vor. Da hast du meistens nur diese drei Leute, mit denen du halt abhängen musst.

    Dascha: Ja, das stimmt wirklich. Was würdet ihr den früheren Moritz, Raffi und Jonas sagen oder als Rat mitgeben, wenn ihr jetzt um 10 Jahre zurückreisen würdet?

    Raffi (OK KID): 2012, das war also sogar noch vor dem ersten Album. Dann würde ich sagen: „Jungs, freut euch, das wird jetzt richtig geil!“ Eine Fehleranalyse aus der Vergangenheit würde ich nicht machen, ich würde empfehlen, wenn du es machen willst, dann mach es einfach. Nicht über irgendwelche anderen Optionen nachdenken und was man im nachhinein anders machen könnte. Ich glaube, wir drei können über die letzten 10 Jahre ziemlich glücklich sein. Natürlich kann man im nachhinein irgendwelche Moves anders bewerten, als zu dem Zeitpunkt, aber im Großen und Ganzen sind wir ziemlich happy.

    Jonas (OK KID): Ja. Mir selbst würde ich „Lass doch mal los“ sagen. Das kann ich jetzt besser als früher.

    Moritz (OK KID): Der Band hätte ich gesagt „Lasst uns mal nach Berlin ziehen“.

    Raffi (OK KID): Geil, in dem Interview in dieser anderen Realität sagst du dann: „Ey Jungs, zieht auf keinen Fall nach Berlin!“ (alle lachen)

    Moritz (OK KID): Wir haben ja damals als Band entschieden nach Köln zu ziehen. Ich war eigentlich immer für Berlin, aber letztendlich bin ich der Band auch dankbar. Ich glaube meine damalige und jetzige Beziehung hätte das sonst nicht ausgehalten. Hier hat es also privat sehr viele Vorteile, beruflich wahrscheinlich auch. Man weiß ja nie, wo wir jetzt stehen würden, wenn wir nach Berlin gezogen wären. Aber das würde ich der Band damals trotzdem sagen.

    Dascha: Haha, trotzdem nochmal versuchen zu überzeugen. Dann kommen wir jetzt zu unserer letzten Frage, der untold story. Also einem kleinen Geheimnis oder einer Geschichte, die ihr noch nicht öffentlich erzählt habt. Habt ihr was auf Lager?

    Jonas (OK KID): Wir haben nie richtig von unserem schlimmsten Gig ever erzählt. Das war als wir mal vor Deichkind gespielt haben.

    Dascha: Ey, ich war da! Damals auf dem Hessentag, richtig?

    Jonas (OK KID): Ach stimmt, du warst da! Auf dem Hessentag in Herborn. Nichts gegen Deichkind, die können nichts dafür, aber die Leute, die wegen denen da waren, waren einfach extrem strange. Wir waren da nicht als klassische Vorband, aber schon so reingebucht. Die waren alle nur wegen Deichkind da, das war ja auch ganz früh, 2014 oder so. Dann stehen wir auf dieser Bühne „Hallo, wir sind OK KID aus Gießen“ und dann buhen alle, weil für die Herborn so cool ist und Gießen in dem Kontext so „Naja, die aus der Großstadt, oder was?!“ war. Dann kommt auch noch die Moderatorin auf die Bühne und bestimmt um die 200 Vollottos brüllen auf ein mal „Ausziehen! Ausziehen!“. Wir haben uns gefragt, auf welchem Jahrmarkt wir hier gelandet sind. Danach fingen wir an zu spielen, es waren schon um die 10 Tausend Leute da und wir guckten einfach in nichtssagende, starrende, leere Gesichter. Naja, die Positiven waren nichtssagend, der Rest war so „Fickt euch, wir wollen Deichkind“. Und wir mussten einfach eine ganze Stunde spielen.

    Dascha: Witzigerweise ist meine Erinnerung von eurer Deichkind Show gar nicht so schlecht.

    Jonas (OK KID): Dann warst du da wohl irgendwie verblendet, der Vibe war auf jeden Fall furchtbar. Das war die schlimmste Konzerterfahrung für uns. Obwohl, als wir noch mit der alten Band als Jona:S mal in Frankreich in einer Kneipe gespielt haben, war das noch schlimmer. Wir waren da bei so deutschen Surfcamps dabei und konnten da dann Musik machen. Dann dachten wir, wir mieten uns mal einen Laden für einen Gig und dann können die Deutschen dahin kommen. Was wir nicht wussten ist, dass an dem Tag auch holländischer Karneval war. Die einen dachten „Juhu, es kommt eine Band“ und haben halt Leute mitgebracht und die anderen 300 in dem Club waren verkleidet und eigentlich nur da, um Karneval zu feiern. Als wir gespielt haben wurden die dann so aggressiv, dass sie angefangen haben die Kabel rauszureißen.

    Raffi (OK KID): Die sind zum Gitarristen hin und haben die Saiten verdreht und irgendwelche Dudes wollten Bier über meinen Laptop kippen.

    Jonas (OK KID): Ja, diese besoffenen Holländer haben uns dafür gehasst, dass wir deutsch sind. Dann haben die auch noch „The Germans are gay“ gesungen. Das war das einzige Mal, dass wir eine Show abgebrochen haben.

    Raffi (OK KID): (Singt in der Melodie von Seven Nation Army) All the Germans are gayyy!

    Um zu verhindern, dass sich solche Gigs wiederholen, könnt ihr die Band hier auf ihrer großen DREI-Tour im Herbst besuchen.

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    Foto Credits: Niren Mahajan