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  • EASY EASY im Interview: »Die besten Texte habe ich in unter 20 Minuten geschrieben«

    EASY EASY im Interview: »Die besten Texte habe ich in unter 20 Minuten geschrieben«

    Bei Indie Surf Pop denkt man jetzt nicht direkt an Köln. Die Band EASY EASY zeigt allerdings, dass entspannter Surf Pop nicht immer aus Australien kommen muss, sondern genauso gut aus NRW funktioniert. Vielleicht kommt euch die Band ja aus unserer „on the rise“-Playlist bekannt vor. Ich hab den Sänger Carlo im Interview getroffen und mit ihm darüber gesprochen, wie es zu dem Sound von EASY EASY kam und was wir in Zukunft noch so von den Newcomern erwarten können.

    EASY EASY im Interview

    Anna: Hi, cool, dass du hier bist. Magst du dich und die Band zu Beginn vielleicht einfach erst einmal vorstellen?

    Carlo: Hi, ich bin Carlo. Ich sing bei EASY EASY. Und ja, wir sind so eine Indie Band aus Köln. Es sind noch sechs andere Jungs mit am Start. Auf der Bühne sind wir aber nur zu fünft. Zwei von uns sind Producer. And that’s it.

    Anna: Ok, danke, kurzer Abriss zu eurer Bandhistorie: Ihr habt das Bandprojekt ja erst letztes Jahr gestartet. Ich würde mal sagen, das ist jetzt eher ein ungewöhnlicher Zeitpunkt. Also für mich war das eher so eine Zeit, wo irgendwie alle erst mal selbst auf sich klarkommen mussten und auf ihr Leben. War das für euch irgendwie eine Art des Umgangs mit der Pandemie, um sich auf die Musik fokussieren zu können? Oder wie ist das entstanden?

    Carlo: Ach nee, es war eigentlich eher zufällig, dass die Pandemie war. Also wir hätten uns auch zum genau gleichen Zeitpunkt wahrscheinlich gegründet, wenn die Pandemie nicht gewesen wäre. Dass die jetzt war, war insofern Fluch und Segen gleichzeitig, als dass wir viel Zeit im Studio verbringen konnten, weil wir ja uns nicht darum kümmern mussten, irgendwo live zu spielen. Genau, aber um mal an den Anfang zurückzuspringen: Ende 2019 hat Leon uns auf einer Party angesprochen, weil der so ein Song von unserer alten Band gehört hat, wo Luis und ich mitgespielt haben und Merdi. Und den fand er irgendwie gut. Das war dieser „all about u“-Song und dann wollte er den aufnehmen mit uns. Dann bin ich irgendwann zu ihm gefahren und das hat dann so viel Spaß gemacht und die andere Band zieht sich dann auch aufgelöst zu dem Zeitpunkt, dass wir gesagt haben „lass doch einfach weiter so Songs aufnehmen“. Und dann irgendwann erst nachdem wir auch die ersten Songs rausgebracht haben und alles wieder so ein bisschen gelockert wurde und man wieder Konzerte spielen konnte, da haben wir dann noch Robin und Julien in die Band geholt. Einfach, weil es mittlerweile eine Live-Band brauchte. Ja und seitdem sind wir eine große Familie.

    Aus Zufall wurde eine Band wie eine Patchwork-Familie

    Anna: Kanntet ihr euch eigentlich alle schon vorher und wart befreundet oder ist das quasi durch die Band entstanden, dass ihr jetzt so eine Familie seid?

    Carlo: Ja, den Luis kenn ich schon ganz lange, bestimmt schon seit 7 Jahren oder so. Damals in der Schule waren wir schon Homies. Und dann haben wir so vor 2 Jahren oder so angefangen Musik zusammen zu machen. Darüber haben wir Merdi, den anderen Gitarristen kennengelernt. Mit dem haben wir dann in anderen Formationen gespielt. Das war aber irgendwie alles auch super beschissen und so und dann hat sich das dann irgendwie aufgelöst. Bis wir dann auf der einen besagten Party die beiden Leons kennengelernt haben. Mit denen haben wir dann ne Weile rumgehangen und übers Internet haben wir dann erst Julien und Robin kennengelernt. Und seitdem hängen wir viel zusammen rum.

    EASY EASY beim Familienfoto

    Anna: Gibt es bei euch eine bestimmte Aufteilung: Also zum Beispiel, dass du immer die Songs schreibst und Luis sich um den Sound kümmert oder ist es eher so, dass jeder was beisteuert und dann zusammen halt geschaut wird, was man daraus macht?

    Carlo: Also jeder trägt trägt auf jeden Fall seinen Teil irgendwie bei und jeder hat so seinen kleinen Aufgabenbereich gesucht. Aber zum Beispiel die Songs schreiben Luis und ich und produzieren die dann mit den beiden Leons. Robin zum Beispiel macht den Merch Julien kümmert sich um diese ganzen Sachen wie Steuern, GbR und den ganzen Scheiß. Merdi macht viel Booking. Irgendwie hat so jeder seinen eigenen Stuff, aber schaut auch mal bei dem anderen mit über die Schulter.

    Anna: Euch gibt es jetzt seit einem Jahr und ihr haut einfach direkt eine komplette EP raus. Kam das einfach so, dass ihr so einen Schreib-Produktions-Flow hattet und gesagt habt „So, jetzt hauen wir einfach mal direkt die Songs alle raus“? Oder wie kommt das zustande?

    Carlo: Ja, wir hatten wir einfach viele Ideen rumliegen und so. Dann hatten wir wie gesagt auch echt das Glück, dass wir ja keinen externen Produzenten bezahlen mussten oder in einem Studio bezahlen mussten, sondern dass wir einfach da mit den beiden Leons produktiv sein konnten. Und die hatten irgendwie auch Bock auf ne EP. Und dann haben wir das einfach gemacht. Also ehrlich gesagt sind wir da jetzt auch gerade schon wieder so ein bisschen dabei. Wir produzieren schon wieder vor. Wir wollen, wenn’s gut läuft, vielleicht so Mitte bis Ende Dezember unsere zweite EP raushauen.

    Selbstgezeichnete Cover passend zum Song

    Anna: Sehr cool, da bin ich gespannt! Was ich bei euren Singles und EPs auch immer total cool finde ist das Artwork. Also wie kommen eure Cover zustande?

    Das Cover zu „Hony Tawk“ von EASY EASY

    Carlo: Achja, das ist das eine Freundin von mir und die ist einfach lieb genug uns ihre Zeichnungen zur Verfügung zu stellen. Sie malt generell einfach super viel und gerne und und ganz ganz toll. Und dann habe ich sie einfach ganz am Anfang mal gefragt. Mir gefallen ihre Bilder generell total gut. Seitdem hat sich das irgendwie so eingependelt, dass ich sie frage, immer wenn wir was neues releasen. Obwohl ich auch ein bisschen das Gefühl hab, dass ich sie so langsam auch ein bisschen nerve. Entweder sie hat noch so Bilder rumliegen oder sie hat gerade neue gemacht oder ob Bock was zu zeichnen. Sie ist einfach so eine sweete Person und sagt immer „klar“. Dann schicke ich ihr den Song und dann hört sie sich den an und malt. Es kommt auf jeden Fall immer was krasses dabei raus. Checkt sie mal auf Insta aus unter @artbydanai.

    Anna: Nice! Das check ich doch gleich mal aus. Ich habe gelesen, ihr labelt euer Genre von Musik Indie Surf Pop. Mal abgesehen davon, dass Genres oft Interpretationssache sind. Aber wie seid ihr auf dieses Genre gekommen? Surfen liegt ja jetzt irgendwie nicht so nahe in Köln.

    Carlo: Also wir hatten einfach das Gefühl, dass die Musik so relativ surfig klingt. Ich glaube es liegt auch daran, dass Luis und ich eine Zeit lang unglaublich viel so Mucke gehört haben, die sich im Surf Rock Genre einordnet. Zum Beispiel sowas wie Hockey Dad, Peach Pit, Skeggs oder Vanilla Gorilla, diese typischen australischen Bands. Und wenn man da guckt auf Spotify, dann werden die auch irgendwie immer in Surf Rock Playlists gepackt. Dann haben wir einfach beschlossen, dass wir uns auch dort einordnen. Aber in unserer Band fließen auch extrem viele verschiedene Musik Einflüsse zusammen, weil wir alle extrem unterschiedlichen Kram hören. Je nach Song hat dann irgendwie einer mehr Einfluss als der andere. Größtenteils machen wir aber einfach das, worauf wir Bock haben.

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    Das Video zur neuesten Single „right“ von EASY EASY

    Anna: Und wie sieht es bei den Texten aus: Habt ihr da bestimmte Themen, die ihr favorisiert? Oder gibt es sogar irgendwas, wo du sagen würdest, dass du darüber nicht schreiben kannst oder es nicht so gerne in einem Song behandeln möchtest?

    Carlo: Ich tue mich schwer mit so Love Songs, weil ich da irgendwie einfach das Gefühl habe, ich kann das nicht gut schreiben. Aber ansonsten viel Party, viel Bier trinken, Skateboard fahren, Sonnenschein. Ich mag das auch einfach manchmal, wenn man an einem Text nicht so geisteskrank lange überlegt. Ich finde die Texte, die mir am meisten Spaß machen, sind auch immer noch die, die ich in unter 20 Minuten geschrieben habe. Auch so völlig ohne, dass ich in dem Moment wusste, worüber ich die geschrieben habe. Ich mag es manchmal auch, wenn der Text sich selber nicht zu ernst nimmt. Und vor allem jetzt mal hands down: Gerade bei uns in Deutschland, wo sehr viel auch auf Deutsch veröffentlicht wird, da hört man bei einer Band wie uns mit englischsprachigen Texten ja jetzt auch nicht geisteskrank auf den Text. Und wir haben auch Songs geschrieben, wo wir einfach nur eine Strophe geschrieben haben. Oder wenn wir mit der zweiten nicht weitergekommen sind haben wir uns gesagt „fuck it, wir singen einfach die erste noch mal“ Und das ist bis heute auch keinem aufgefallen.

    „Deutsche Texte klingen sehr schnell kitschig. Da habe ich Angst vor.“

    Anna: Okay wow, das ist mir tatsächlich auch noch gar nicht so genau aufgefallen. War es für euch eigentlich eine aktive Entscheidung, dass ihr auf Englisch schreibt oder haltet ihr es euch auch offen, Songs auf Deutsch zu schreiben?

    Carlo: Ist immer noch offen, ich habe auch mit meinen Homies auch schon mal Texte auf Deutsch geschrieben. Die klingen aber irgendwie bisher immer noch blöder. Vielleicht schreiben wir mal irgendwann einen auf Deutsch. Ich glaube, dass wir uns da nicht so extrem festlegen. Aber aktuell glaube ich, fühlen wir uns ganz wohl mit Englisch. Ich glaube, Deutsch ist immer die größere Herausforderung. Ich glaube, als Muttersprachler kann dich ein deutscher Text krasser berühren als ein englischer Text. Also ich glaube, ein gut geschriebener deutscher Text ist gefühlvoller als ein gut geschriebener englischer Text für deutsche Zuhörer:innen. Aber man ist im Deutschen auch extrem dazu geneigt sehr kitschig zu klingen. Da habe ich ein bisschen Angst vor. Denn wenn man auf Deutsch singt, achtet man ja sofort viel stärker auf den Text. Das wäre doch irgendwie komisch, wenn ich mich auf die Bühne stelle und singe „Ich liebe dich unterm Sternenhimmel“. Das ist direkt so privat. Mann kann gar nichts mehr verstecken.

    Anna: Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Was würdest du sagen, ist für euch so die größte musikalische Inspiration momentan?

    Carlo: Das ist schwierig so allgemein zu sagen. Also ich kann jetzt erst einmal von mir reden, das ist dabei bei uns allen sieben irgendwie bei jedem anders. Ich glaube bei mir hört man momentan die Musik, die ich gerne höre nicht aus der Musik heraus, die ich mache. Ganz am Anfang von unserer Band habe ich zum Beispiel extrem viel Skeggs gehört. Diese australischen Surf Skate Punkbands fand ich extrem cool letztes Jahr. Und dann muss ich selber mal gucken, was habe ich denn hier heute gehört? (schaut in seinem Spotify Verlauf nach) Ich habe heute die 2018er Platte gehört von Das Paradies. Kennst du die?

    Anna: Nee, sagt mir tatsächlich gerade nichts.

    Australian Surf Pop als Inspiration für den EASY EASY Sound

    Carlo: Kannst du dir auf jeden Fall mal anhören, die ist richtig nice. Ansonsten habe ich in letzter Zeit super viel Sports Team gehört. New Order finde ich im Moment aber auch wieder krass. Ja so, die Bands würde ich so aktuell nennen, aber es ist doch immer sehr tagesformabhängig bei mir. Ich. Finde schwierig zu sagen, welcher Künstler einem die größte Inspiration war. Ich glaube die erste Band, die bei mir ausgelöst hat, Musik zu machen war damals Sticky Fingers.

    Anna: Was meinst du wäre für eure Band ein Traum-Feature Artist? Oder lieber keine Features?

    Carlo: Auf jeden Fall Features! Ich glaube, man hätte eine sehr gute Zeit mit Mac DeMarco. Ich glaube, das macht Spaß mit dem zu produzieren. Ansonsten, was wäre noch krass … (überlegt) 
    Ja, LCD Soundsystem wäre für mich aktuell krass, das höre ich sehr viel im Moment und mit James Murphy im Studio zu stehenwäre schon krass. Ich glaube, dass wir mit dem einen richtigen Dance-Song produzieren könnten.

    EASY EASY auf der Bühne

    Anna: Oha, ja, das sind beides krasse Künstler! Aber zurück zu euch: Wie war für dich und euch als Band denn so der Sommer jetzt? Ich habe gesehen, dass ihr eure erste kleine Tour gemacht und die Songs live gespielt habt. Wie fühlt sich das an?

    Carlo: Es hat einfach so Spaß gemacht! Da haben wir auch wieder gemerkt, dass wir fünf Jungs einfach eine Live-Band sind. Merkt man denn auch bei allen so, dass das genau der Grund ist, warum wir das machen. Also klar, Musik im Studio machen ist auch toll, aber live ist nochmal was anderes. Das ist das geilste Gefühl, was du durch Musik bekommen kannst. Und Ende August haben wir zum Beispiel ein Konzert gespielt mit den Boys von Sakropolis zusammen hier bei uns in Köln in so einem Kiosk. Auf einmal kamen ganz viele Leute , sodass es am Ende um die 100 waren alleine in dem Kiosk! Und dann haben die auch so die Texte mitgesungen und das war krass. Das hat so Spaß gemacht und da geht man auch wirklich runter von der Bühne und ist den ganzen Abend happy. Da singen einfach Leute die Texte mit, die man teilweise nachts um 5 Uhr im Suff geschrieben hat. Darauf musst du erstmal klarkommen. Ist ein krasses Kompliment irgendwie.

    Das Glücksgefühl nach einem Live-Konzert ist nicht zu toppen

    Anna: Ist denn für die Zukunft schon mehr geplant?

    Carlo: Auf jeden Fall! Im Oktober spielen wir noch vier oder fünfmal, drei Mal in Köln und einmal (hoffentlich zweimal) in Hamburg. Und dann im Januar gehen wir auf unsere erste richtige, größere Tour. Hoffentlich. Mal schauen, ob das funktioniert, da sind wir gerade noch in der Planung.

    untold story

    Anna: Sehr cool! Okay, letzte Frage für heute: Was ist eure EASY EASY untold story? Untold stories sind bei uns in Interviews Geschichten von Bands und Künstler:innen, die sie noch nie in einem Interview erzählt haben, die aber eigentlich total lustig, spannend, interessant zu erzählen sind. Fällt dir da zufällig etwas ein?

    Carlo: Doch, es fallen mir auf jeden Fall ein paar Geschichten ein. Das Problem ist nur: Die Geschichten, die wir in Interviews nicht erzählen, die können wir auch nicht erzählen. Aber es gibt Sachen, dass man selber keinen Gefallen mit, wenn wir das erzählen, beziehungsweise die sollten wir lieber niemandem erzählen (schmunzelt). Aber du hast Glück: Da gibt es doch noch eine aktuelle Story, die ganz lustig ist. Und zwar habe ich mir den Fuß verbrannt auf der Bühne vor ein paar Wochen. Da haben wir auf auf dem Bulli Summer Festival gespielt am Freitag und das hat den Veranstaltern so sehr gefallen, dass sie uns gefragt haben, ob wir am Samstag noch einmal spielen wollen. Und natürlich hatten wir Bock! Dann sind wir noch kurz vor knapp zum Baumarkt gefahren, also Schlafsäcke hinzu geholt, uns da ein Zelt organisiert, alle da gepennt und dann am nächsten Tag mit so zwei Stunden Schlaf und übertrieben verkatert noch so drei Sets gespielt. Eins von den Sets war wirklich so extremst in der Sonne und ich war so gut drauf, da hab ich gesagt „So Leute, ich spiele jetzt barfuß“. Dann bin ich da so ein bisschen rum gezappelt, wie ich es halt immer auf Konzerten mache. Und irgendwann habe ich so gedacht, ich jetzt einen nicen Move und wollt so ganz cool, meinen Fuß so vorne auf den Monitor drauf stellen. Und dann habe ich aber nicht bedacht, dass der halt zwei Stunden lang in der prallen Sonne die ganze Zeit stand, da ich meinen Fuß so drauf und dann so direkt meinen Fuß übelst verbrannt. Es hat wirklich eine ganze Woche lang übertrieben wehgetan. Kann ich also nicht empfehlen. Aber ansonsten hat Luis sich zum Beispiel auf der Bühne einmal fast übergeben. Ich weiß nicht, ob er seine Haare oder eine Zigarette verschluckt hatte, eins von beidem. Und dann musste er fast kotzen auf der Bühne. Das war lustig – also für uns zumindest, für ihn eher weniger.

    Anna: Aua, so einen verbrannten Fuß stelle ich mir echt sehr schmerzhaft vor. Aber danke, dass du die Stories mit mir geteilt hast und danke für das Interview. Bis zum nächsten Mal!

    Hier könnt ihr in die Debüt-EP „Lemon Squeezy“ von EASY EASY reinhören!

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    Fotocredit: Marco Peters (letztes Foto)

  • School of X im Interview: »A fulfilled life does not exist for me«

    School of X im Interview: »A fulfilled life does not exist for me«

    Hinter dem charismatischen Sound von School of X steckt kein Kollektiv oder eine geheimnisvolle Vereinigung (aus irgendeinem Grund denke ich bei dem Namen an die X-Men Academy, obwohl ich gar nicht auf Marvel stehe). Nein, es steckt bloß ein Mann dahinter: Rasmus Littauer. Und Rasmus ist gar kein Unbekannter in der Szene. Der in Kopenhagen lebende Däne ist fester Bestandteil der -Crew und unterstützt sie seit Jahren am Schlagzeug. Nach bahnbrechenden Releases wie Destiny und Armlock, erblickt jetzt das dritte Werk des Genre-Akrobats Dancing Through The Void das Licht der Welt. Ich habe mit dem sympathischen Dänen gequatscht und einiges Interessantes über ihn, das neue Album Dancing Through The Void und seinen Schreib-Prozess erfahren.


    School of X im Interview

    Evelin: Hey Rasmus, first thing’s first: Happy Release! How are you feeling putting out all of your work finally?

    Rasmus: It feels great. Honestly I really love cutting the ties to my music. It’s a blessing and a curse to be finished with something and only having it yourself. So releasing it feels really good to me.

    Evelin: On Dancing Through The Void you touch on different topics within life itself: love, childhood, fatherhood, the meaning of life in general. What are the main messages of the album in your eyes?

    Rasmus: I think you’re catching it quite well actually. It definitely has a more full circle storytelling then my previous work. Basically it’s about going through life and fighting for your dreams and the life you wanna live with the ups and downs it brings. Maybe mostly the downs on this album haha.

    Evelin: In this collection of songs, but also in previous work you ask these existential questions about life. I was wondering what a fulfilled life looks like for you personally and if this has changed over the years?

    Rasmus: It has changed a lot during the years. I think such thing as a fulfilled life does not exist for me. But recognizing that, is a great, if not fulfilling thought. I think throughout your whole life you’re learning and changing and moving and that should be interesting and full of emotions. Or at least trying to make it that, will make me the most happy I can be.




    „I live for those moments“

    Evelin: Your songs are generally very personal and honest. How does your writing process look like? Do you work more with fragments of unfinished songs from the past, or do you rather prefer dealing with your current feelings?

    Rasmus: On the album I’m pretty sure all the lyrics were written during 10 months from last year in March ‘til this year in January-ish. BUT I often find good things musically in previous work and also sometimes lyrics. With lyrics I write them as intuitively as possible so they are mostly really current and mostly written in one day or so. It can be about old feelings or stories from the past.

    Evelin: You love to experiment with sounds and storytelling. Which song on this album did you enjoy making the most?

    Rasmus: I think mostly it has been the song Away or If You’re Ever Gonna Be Like Me. They were both written and recorded in one day each and when that happens it is just so much fun to make music. BUT I will tell you that I had 7 terrible days in the studio where zero happened before I did IYEGBLM. And sometimes it can be many more days. It’s ups and downs and the ups are often shorter to me but they can be so magical. I live for those moments.


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    „It’s about being there for someone who’s struggling“

    Evelin: In a few songs (e.g. Away, New Friend) you talk about failed relationships and being sort of disappointed with the way things turn out after the end of any relationship. You do this from both a rational and an emotional side. Are you someone who looks back at the past more resentfully or realistically?

    Rasmus: Naaah I wouldn’t say so. I think I mostly look forward. I told myself though when I was around 20 years old that I would try and live my life so that I would never be afraid of bumping into anyone on the street. You know, have no really bad relations out there.

    Evelin: I think my favourite song on the album is Heart Turned Cold because it’s both sad and beautiful at the same time. Can you explain the meaning behind the song?

    Rasmus: I’m so glad that you’re saying that. I feel the same way too about it. To me it’s about being there for someone who’s struggling (which is beautiful). Though the point is also that being there for someone who only can solve the issues themselves can be regressive. If you uphold the hard times be stretching it because you’re there. Does it make sense?


    „Collabs open up ideas in ways I couldn’t do myself“

    Evelin: On Heart Turned Cold, other songs on the album and previously, you like to collaborate with other artists. Even the name School of X stems from this cooperative approach. What is the added value you see in this collaborative energy?

    Rasmus: I will say that collabs on this album have made quite a lot of the songs become much better. Kim Tee in Heart Turned Cold is outstanding I think. Bag of Bones was quite an unfinished piece before Søren Holm came in and made it magical. A song like 1989 was originally made with Frederik Valentin aka 1985 so that one would never have existed. I think collabs open up ideas in ways I couldn’t do myself. Also it makes it more fun to make music 😊

    Evelin: If You’re Ever Gonna Be Like Me is almost a sort of hymn addressed to your son. First of all: Congratulations on the new addition to your family! What is a trait of yourself or in general that you would like your son to inherit?

    Rasmus: Thank you! Well that song is mostly about what he shouldn’t inherit. But to answer your question then maybe I think it’s important always to be 100% open minded to everyone you meet.


    „It completely changed my way of thinking“

    Evelin: At the end of each interview, we always ask for an untold story. This could be a random fact about you, an anecdote, something funny that happened during recording, etc. Anything that you haven’t shared with the world yet, but want to now.

    Rasmus: 6 years ago I started running every second day and I still do. It completely changed my way of thinking and being creative. I think my energy level has quadrupled since then. That was around the same time I started writing the first songs for this project too.


    Verliert euch in der einzigartige Stimme von School of X und lasst euch von seinem eigensinnigen aber auch überaus sympathischen dänischen Charme auf Dancing Through The Void verzaubern. Aber nicht nur digital könnt ihr euch Rasmus gönnen, sondern auch live: am 22.11.21 in Hamburg, Häkken und am 23.11.21 in Berlin, Maschinenhaus. Das sind die einzigen Shows in Deutschland, also keine Sekunde länger warten! 😉

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    Fotocredits: Jonas Bang

  • Maple & Rye im Interview: »Playing live is addictive, you can’t get these emotions in daily life«

    Maple & Rye im Interview: »Playing live is addictive, you can’t get these emotions in daily life«

    Zum Abschluss unserer Interview-Reihe zu den Acoustics Concerts stelle ich euch die Band Maple & Rye vor. Maple & Rye – das sind Milton, Leo, Henrik und Gustav. Die vier Jungs kommen aus Göteborg, Schweden, und haben sich dort und in der Scandifolk-Szene bereits etabliert. Für die Acoustics Concerts am 06.09. in Berlin und am 08.09. in Hamburg packen die Schweden ihren Van voll Equipment und machen sich auf den Weg nach Deutschland. Ich habe Maple & Rye vorher bereits in Göteborg auf ein Interview getroffen. Ja, ihr lest richtig – so ganz in real life und vor Ort. Ihr könnt euch vorstellen, wie glücklich wir alle waren, nach über einem Jahr endlich mal wieder Interviews in Person führen zu können. Ich habe mit Milton, Leo, Henrik und Gustav über neue Musik und alte Songs gequatscht und nachgehakt, wie es ist eigentlich so ist in einer musikalischen Stadt wie Göteborg eine Band zu starten.

    Maple & Rye im Interview

    Anna: Hej guys, nice to meet you, hope you’re all good! To anyone who has not listened to your music before: Describe the sound of Maple & Rye in one sentence.

    Milton: At least we get one sentence. Usually it’s like one word (laughing). There’s one description that we have previously used a little tag of folk inspired indie-pop. Yeah, I guess that’s still pretty true. We tried to combine all the genres we play into one phrase.

    Anna: So, it’s been a little bit more than a year now since you released your first album. How do you feel about it now? If you would have done the same album again, would you have done something differently? Or still completely stand behind it as it is?

    Leo: Great questions (starts thinking about it). I mean, we have better songs now.

    Gustav: Exactly. Yeah, that’s where I always go in as well. We could like replace songs with those.

    Milton: I agree, we do have some new songs that we’ve written since we recorded and released the album that we like even more, but at the same time, the package of that album makes a lot of sense. I think the songs, there’s a common theme in the entire album musically and somatically, production-wise, instrumentally. Yeah, I wouldn’t exchange any of the new ones for that album. But I’m very excited to release the new stuff. That’s gonna be a new package.

    Henrik: Yeah, no if we did the same album at the same time, like one year ago again, not like now: Then I would probably have done the same.

    Anna: It’s probably also like capturing that time, like how you felt about the music at that time.

    Henrik: Yeah, exactly. And it’s hard, I mean: Would you would you have done anything differently? Maybe, but that’s what you felt like doing at that time. So why dwell on that really?

    Milton: Any improvements we can apply to the next thing. We should write a song about that.

    „We’ve reached a point where we have a certain sound“ – Is there gonna be change in the future?

    Anna: So, when is the next album going to be released?

    Maple & Rye Untoldency Interview

    Henrik: It’s not on the horizon just yet. We have loads of material. But we haven’t started really recording and producing anything yet. But that’s next on the agenda.

    Milton: Yeah. And then we’ll see, I guess, if it is a full album that we’ll do or if we’ll do an EP. I think we feel that we’ve reached a point to a little bit where we have a certain ‚Maple & Rye‘ sound. And there still is a clear kind of common theme towards where we’re developing into, but it’s a little bit of turning a page with what we’re doing next. And it might be that maybe an EP or a couple of singles to kind of introduce this maybe slight change of genre or tweak and what we’ve done before, might be a good little taster before going for the full album. We’ll see, we have a lot of strategy discussions to that.

    Anna: At least you have a strategy!

    Henrik: Yeah! And at least we have music. That’s the baseline, that we didn’t lose our inspiration on the way.  I mean, that happens to a lot of artists.
    So we’re really lucky that we’re still creating a lot.

    Milton: Absolutely. I’m always excited to release the next thing. But it’s also slight curse, because it means that the second you release something you’re already over. You’re excited for the next idea.

    Henrik: From what I’ve heard, that’s basically always true for musicians because it takes so long from the moment you write something to the moment you finish it, and then you record it, and then produce it and mix it. And then, like, you have a release date, but then it’s like, three months until we can actually release it. And then by that time, you heard the song like 200 times. And listened to every minimal detail. So yeah, I’ve heard a lot of people working in music saying that they hate every song they release, like they love it, when they start doing it. And they had to remember that they do actually have that feeling. But then when they release it, like, I don’t want to hear that song for a long time. But then they like remarried a song after a while, and they’ve gotten some distance to it. And like, okay, yes, that was actually a great song.

    Milton: Because it kind of sucks because as soon as you release it, that’s when it’s life starts. Yeah, that’s when everyone else gets to hear it. We have to go promote it and go on tours. And that’s why it’s really important to write songs that you like playing live. Because that’s what you’re going to have to do, for the most part.

    Love stories à la Maple & Rye about relationships and remarrying songs

    Anna: Do you sometimes feel like that with songs, certain songs, that you can’t really play them anymore at concerts?

    Milton: We’ve definitely had songs like that, where we’ve been like, okay, this song is now over and done. But then we’ve often remarried to where we’ve, with a little bit of space in between that song and the present. You’re able to look back at it and think that okay, well, this is a song that at least got this reception. Or you could think back to how you felt when you released it. And then it’s okay to start playing it again. Like we’ve had one or two songs like that, which we thought, okay, we’re never playing this again. And we did stop playing them for a long time. And now already in this summer, like last, for example, our first song that we ever recorded and released. There was a time where we didn’t play it at all for two years, maybe. And now we’ve played it a little bit as like, the third encore song when you have to chuck something else out in there. Yeah, that’s been fun.

    Henrik: There’s always also, it’s been for us at least, when you go to play live, when you hear people say that they want you to play certain songs. And a lot of the time, there’s songs that we have, like not even thought about playing. Like ’no, doesn’t really fit the live set‘. But you know, people have relationships to all the songs on our album, even though we think that maybe that’s not like the most common song that people will like, there’s always some people who do like it and want to hear it live. So therefore, we kind of pick them up and need to be ready to play them anyway. And that also is a reason I think that some of them get like reintroduced to us as well. And like, okay, yeah, I actually do like the song more than I thought.

    Playing songs live vs. recording an album: the differences

    Anna: Do you have your favourites on the album? Like, very personal songs or so? That’s probably individual, I guess and differs for each one?

    Maple & Rye Untoldency Interview

    Henrik: Yeah, it does. I think we have some that are high, all of our individual lists, but they’re definitely individuals.

    Milton: I think there’s definitely a common one that we each enjoy. I think all of us like to play that one live: ‚Con of the Century‘. Now speaking for everyone, but it looks like I’m getting some nods. It’s a song that we’ve played live since before we started the band almost. You know, it’s been with us since the very beginning. And we’ve been waiting to release it to try and find the right album and the context and producer and everything like that. And then we did release it on the album. And we continued to play it live and it’s one of the highlights.

    Henrik: Yeah, it’s a very special very live song, a very good song to play live. It works well in that context. Although we have changed it quite a lot. We actually play it as it was originally played. That’s what we continue playing live, which differs from what we actually recorded, like instrumentally. It’s quite different. Both because we don’t really have brass instruments with us all the time when we go out on the road and stuff, because none of us play it. And it’s really expensive to hire musicians to go with you. We do like to have them with us when you’re playing bigger shows, because it really brings a lot of awesome stuff in a live set. But that’s one of the things that differs quite a lot. But then also when you play live, it’s more heavy drums, like more classic punk rock feel, sort of. But like the other recordings, like just a kick drum and some tambourine really is the rhythm section. And here is more like a full drum kit.

    Gustav: And it’s a drum solo as well.

    Henrik: And it’s really like a sing along song. Instead of, I don’t know if you know the song, but the hook that’s played by brass instruments on the recording, but that whole thing we just sing the melody.

    „All four of us write music and we share experiences – there is always something to write about“

    Anna: Sweet. So, this is more of like a typical question that you probably get a lot, but where do you draw inspiration for when you write songs?

    Henrik: And you’re going to get the most boring answer that everyone says: Everywhere! Life! (laughing) But I don’t know. Like, that is true, it’s sort of everywhere. But I think we have some more common ones. Like stories from other people, books, movies, stuff like that. We have a couple of songs that are written very explicitly, like, sort of, not about a book but drawn straight from a book, like the inspiration for it. Yeah, stuff like that. We have a couple of those.

    Gustav: And also emotions!

    Milton: Yeah. Like, I think they’re, they’re a couple of things that we have recurring at least were one of them is definitely you know, books or movies and stuff like that, where it could either be about the book, or it is an adaptation of the book. So like the story told by the book, the character in the book or something like that, and we write a song about that person with that story. And like you said, emotions, there’s certain times that we’ve just heard a word about an emotion. For example, ‚Monterey‘, which is about, I can’t remember it’s got a really cool word, namely, this emotion. Anyways, it’s the emotion of not feeling good enough. And always feeling like you don’t live up to your own or other people’s expectations. It’s almost like a phobia. No, it is a phobia, an inadequacy. I think it’s really interesting, just emotions. Because it’s something that absolutely everyone feels, at some point to certain degrees. You know, like, if you’re in a relationship and you’re worried that that person is gonna leave you because you’re not good enough. You’re in a job and you’re scared of not doing well enough to get a promotion or to stay in your job. Or you’re playing in a football team, and you feel like you missed a pass and you made the team lose. There are so many examples in everyday life. And I think one good thing that we have, is that there’s four of us in the band. All four of us write music, and lyrics. So we can all pick different things from our own lives or experiences we share or discussions we’ve had and stuff like that. And since it’s four people, it means that the breadth of things, the stories we want to tell, is wider. And it also means that if one of us has no inspiration, there’s three other people to kind of pick up the slack.

    Maple & Rye Untoldency Interview
    Das Interview mit Maple & Rye habe ich bei Milton im Wohnzimmer geführt. Leo war leider noch in Quarantäne und über FaceTime hinzugeschaltet. Man beachte, dass alle vier unabgesprochen im Partnerlook aufgetaucht sind!

    Anna: Would you say that maybe living in Gothenburg influences you and your music? Because I feel like there’s always lots of music around. Different types of music and lots of live music. And in general, I feel like people here are very, creative and you’re not so judged in what you do. I hope that makes sense to you.

    Milton: I think definitely, Gothenburg is a very open city where there’s people of all kinds and types and backgrounds and cultures doing different things and expressing themselves in different ways. And traditionally at least, Gothenburg has been a very open place for that. Which is I think one of the reasons which has created Gothenburg the music city or the art city. That is quite predominant, at least in Sweden. We always look at Germany and think: Hamburg and Berlin is the Mecca of creative things in Europe, you know? (grin on his face) But I think that has been very important for us. We’ve found each other here in Gothenburg. It made us Maple & Rye. It’s not like any of us really were deep in the culture scene in Gothenburg before we started playing music, but when we found each other and found this joint ambition, being in Gothenburg already opened up certain doors. In a way that there were people around us, there were music studios, we could go to. There were live music venues that we could play at. Everything from tiny little places where we had our first ever shows to the larger venues, where we’re now maybe playing and hopefully at some day, even larger arenas and stuff like that, which would be the dream.

    „People in Gothenburg were always using music as a way to tell their stories“

    Henrik: But I think in terms of getting inspiration from Gothenburg, I totally agree that it’s a very cultural city. I think it started long ago, like early 1900s. Maybe like the 20s, or something, I don’t even know. I think that sort of where Gothenburg’s music heritage started. And it’s just been present all the time. And I think that it gets out into everything around the city. And because of that, there’s so many people that really put their hearts and put a lot of effort into the music scene, to make it work, to make all these small places be able to run so that small bands and artists can get somewhere to play. That’s where they can find the crowd and then grow. So yeah, I think that really is quite inspiring, just to be in that sort of energy.

    Milton: I think it’s also very tied to the kind of political and social economic history of Gothenburg in many ways because it’s always been this working class town with the big harbour, being like the big source of income. And historically, the music scene has been very tied to that as well with like, you know, the progressive rock. People were using music as a way to tell their stories.

    „Playing live is addictive“

    Anna: That’s a lovely view of the city, I can only agree. How important is it for you to be able to play live?

    Gustav: Of course, it is a major part of playing music. And I think it’s also connected to, at least for me, motivation for writing music and everything that is connected to music – it’s playing for other people. So, yeah, it’s a major part.

    Milton: Yeah, I think, it’s been tough the last year. I think, for everyone, just getting that motivation. A lot of people have been really innovative and found different ways of sharing their music through livestream things and, you know, getting inspiration in other ways and thinking outside the box. But overall, I think it’s been shit for everyone.

    Gustav: And it’s also hard to find another place in your life where you get all these kind of emotions when you play and get that rush of adrenaline. And that’s there is a very rare thing in daily life.

    Milton: Oh yeah, it’s addictive. You kind of like you go into some heroin withdrawal and then you get reminded again of how it feels.

    Henrik: And I mean, we are a live band. We’ve always been a live band. We like to write our music so that we can play live. And therefore, the songs are organic, and are meant to be played live by us, you know. So, yeah, it’s a really big part of what we are as artists – of what Maple & Rye is.

    Anna: What would you say was your best live experience so far? Was there one that really stood out?

    Gustav: A lot of them. But I would say the show at Pustervik (concert venue in Gothenburg). When we released our EP and we didn’t realise that it was going to be sold out. That was just such an extreme experience.

    Maple & Rye Untoldency Interview
    Maple & Rye auf ihrem Konzert in Pustervik, Göteborg, 2018.

    Henrik: Yeah, definitely. That was just such a jump up from the venues we have played before. Everything was so much more professional. Everything around it, you know, all the arrangers and audio technicians and everything’s like a completely different level. So yeah, that was definitely a memory.

    Milton: Standing backstage just before going on to stage, and we’re all just sitting there scared shitless but also, just the adrenaline pumping. The doors would open sometimes with people sorting things out, and you see the crowd. That was pretty unbeatable.

    Henrik: Yeah, it was. But more of a recent one, I really remember is playing in Norway.

    Anna: Oh, yeah, I saw a video of that concert. The scenery was just incredible!

    Henrik: Yeah, when you’ve seen that footage … like, do I need to saw more? Yeah, that scenery, and just having a stage there. It’s just insane. So memorable in two completely different ways.

    Milton: But there have been a couple of those where we were just in some incredible places. And then other ones where we’re just somehow ended up in some weird, incredible place, because we play music and we have to stop and be like ‚What is going on?‘ It’s been like Norway, where you’ve got this beautiful stage. And this beautiful scenery. Or when we went to California and played, there were pretty small gigs that we were playing. But we were also like, we’re on the other side of the planet. It’s 30 degrees warm, and we’re walking around Los Angeles, and we’re gonna play a pretty small gig. But we’re still playing in front of Americans all of a sudden, because we play music. Just small things like that, which are really special and memorable. In completely different ways.

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    Das ist das Video über Norwegen, von dem wir sprechen. Es ist zum Musikvideo für den Song „Monterey“ von Maple & Rye geworden. Anschauen lohnt sich!

    Anna: I’m very curious right now because I always keep asking this questions to German bands aswell if they sing in English. Was it an active decision for you to sing in English? Because I think the Swedish indie scene is even more focused on performing in their mother tongue, aka Swedish. So I feel like that’s really big thing. Was that ever up for discussion?

    Milton: I think we’ve all just naturally written in English.

    Henrik: I don’t even remember it. We have definitely talked about it. Sort of in the bypass.

    Milton: But there it’s been more: Should we write something in Swedish?

    Henrik: Yeah, maybe to just try it out. That could be fun. But it’s not really been like ‚oh, we should switch to Swedish‘. I don’t think that’s on the agenda, not for now at least. But you never know.

    Milton: I think it could be really fun to do something in Swedish. It would be a whole different process. My brain isn’t wired in that manner.

    Henrik: Yeah. You know, like one of the biggest Swedish bands ever: Kent. They used to write in English at first and trying to go big outside of Sweden. And then they switched to Swedish and became the biggest Swedish band ever. So maybe that’s what we should do. We’ll see. (laughing)

    Matching tattoos and the album cover

    Anna: Haha, keep me updated! But to wrap it up: At the end of an interview, we always have a question that we kind of established to ask in every interview by now. You can take some time to think about it. Do you have an untold story of yours? It could be band related, so a special Maple & Rye story or something you want to say privately as a group of friends that you have never mentioned in any interview before. Kind of like a fun fact or so.

    Milton: I’m always really bad at coming up with stuff like that. It’s just like my brain just freezes completely.

    Album Cover "For Everything"

    Henrik: Well, we do all have matching tattoos. That could be an interesting background story to tell. We got them before we made the album. Or kind of when we were in the decision of the cover for the album. Yeah, we were in the process of the album. And then we all got these tattoos at a festival where we played. And when we had decided … wait or was it after?

    Leo: No, I think we just made that decision when we did it. We all got small record players tattooed. And then we looked at each other and we’re like, I guess we know what we’re putting on our album cover.

    Henrik: And then we did this for the cover, but a lot more stuff. But yeah, that was like the basis on the album cover.

    Anna: Okay, cool, that’s it for me then. Thanks a lot for the interview and I’m looking forward to the next opportunity to see a live performance of Maple & Rye!

    Hier könnt ihr in das Album „For Everything“ von Maple & Rye reinhören!

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    Fotocredit: Emil Daniel (1,2 & 4), Anna Niere (3)

  • Eyeclimber im Interview: »Wenn ich mich alleine fühle, dann fängt mich Musik auf«

    Eyeclimber im Interview: »Wenn ich mich alleine fühle, dann fängt mich Musik auf«

    Anfang August hat Eyeclimber seine erste EP namens Petrichor veröffentlicht. Auf fünf Songs verhandelt er Themen wie Selbstliebe, Reflexion und das Leben im Hier und Jetzt in einem super dreamy Sound. Aber nicht nur der Sound der EP lässt Platz für Träumereien, sondern auch der nostalgische Touch der dazugehörigen Musikvideos bringt einen ganz besonderen Vibe mit sich. Darüber hinaus hat uns Dominik im Interview noch weitere Details über seinen Aufnahmeprozess und seine Liebe zu analogen Geräten verraten. Aber lest selbst:

    Franzi: Hey Dominik! Zuallererst: Happy belated Release! Wie geht’s dir, jetzt wo deine EP vor ein paar Wochen das Licht der Welt erblickt hat? Wie sind die Reaktionen bis jetzt?

    Eyeclimber: Vielen lieben Dank! Ich bin super happy, sie endlich draußen zu haben. Die Songs sind im Laufe der Pandemie entstanden in einer Zeit,  als ich mit sehr vielen Fragen und Selbstreflektion zu kämpfen hatte. Umso schöner fühlt es sich an, dass die Songs jetzt auch verstanden, geliebt und gefeiert werden.

    Franzi: Hast du einen Favoriten auf deiner EP?

    Eyeclimber: Ich persönlich habe keinen Favoriten, nein. Die Songs bedeuten mir alle die Welt und es wäre genauso, wie als Familienvater ein Lieblingskind zu nennen.

    Franzi: Deine Songs klingen alle sehr dreamy (was ich persönlich liebe) und so, als könnte man sich einfach in Träumereien fallen lassen. Würdest du dich selbst auch als Tagträumer bezeichnen oder woher kommt dieser Einfluss?

    Eyeclimber: Definitiv! Ich liebe es, mich in Musik zu verlieren und die Gedanken baumeln zu lassen. Wenn ich mich alleine fühle, dann fängt mich Musik auf. Sie gibt mir das Gefühl, verstanden zu sein und für jede Situation gibt es den richtigen Song. Genau das möchte ich auch mit meiner Musik bieten. Ich versuche die Songs so offen zu halten, dass jeder Hörer noch Raum zur Interpretation auf sein Leben hat. 

    Franzi: Bei dir ist der Produktionsprozess etwas anders, als man das gewohnt ist. Du legst viel Wert auf den Klang von analogen Geräten. Magst du uns verraten, was du daran so besonders findest und wie der Produktionsprozess bei dir ungefähr aussieht?

    Eyeclimber: Absolut. Ich finde, dass moderne Musikproduktionen oft so feinpoliert und sauber klingen, dass es unnatürlich wirkt. Wenn man sich z.B. Spuren von Queen anhört, dann sind da Atmer, Huster, und massenweise Rauschen, was heute jeder rausschneiden würde. Ich finde, dass genau das einem Song Charakter gibt. Ich will gar nicht zu technisch werden, aber ich arbeite viel mit einer Tonbandmaschine aus den 1970er Jahren, um dem Klang meiner Musik eine nostalgische Wärme zu verleihen. Ebenso versuche ich möglichst auf echte Verstärker, Drums und analoge Synths zu setzen. Einerseits, weil ich es liebe, das Zeug zu sammeln, aber auch weil es einfach eine Wärme erzeugt, die dir digitale Plugins oder Emulationen nicht bieten können.

    Franzi: Zu der analogen Aufnahmetechnik passt auch wunderbar dieser nostalgische Vibe, den man z.B. beim Video zu Acid Wash durch diese alte Camcorder Ästhetik bekommt. Gehen für dich Musik und Artworks/Musikvideos als Gesamtkonzept zusammen, oder siehst du das nur als Ergänzung?

    Eyeclimber: Es steckt definitiv ein Gesamtkonzept dahinter. Wie man vielleicht schon merkt, neige ich zu Nostalgie und ich denke, das ist auch meine Sprache in der bildlichen Welt. Das Video zu Acid Wash ist eine Mischung alter Filmaufnahmen von der Kindheit meines Vaters in den 60ern sowie meiner eigenen in den 90ern/2000ern. Es bedeutet mir viel, da es zeigt, was für eine glückliche Kindheit ich hatte und wie dankbar ich für meine Familie bin und wo ich herkomme.

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    Franzi: In deinem Song All Inside You gibt es die Zeile „don’t wait for the stars, just shine your own light“, die ich übrigens echt schön finde. Ist Selbstliebe auch ein Thema, das dich im letzten Jahr und in der Entstehungsphase der EP beschäftigt hat?

    Eyeclimber: 100%! Genau darum geht es in All Inside You, und gewissermaßen auf der ganzen EP.

    Ich denke jeder von uns hat Luft nach oben, was Selbstliebe angeht. Ich neige dazu, mich oft darin zu verlieren, andere glücklich zu machen, und merke dann, dass ich mich selbst im Stich gelassen habe. Durch die Pandemie und das viele Alleinsein habe ich gelernt, alleine glücklich zu sein und nicht auf die Liebe und Anwesenheit Anderer zu setzen.

    Franzi: Deine EP hat den Titel Petrichor. Das ist auch der Begriff für den Geruch von Regen auf trockener Erde (was ich bis jetzt noch nicht wusste :D). Darüber hinaus steht es aber auch als Metapher für Veränderungen im eigenen Leben. Magst du uns erzählen, wie du das genau meinst?  

    Eyeclimber: Ich habe diesen Duft der Natur schon immer geliebt. Menschen sehen Veränderungen meist als unangenehm an und versuchen sie zu vermeiden. Genau wie den Regen. Ich finde aber, wenn man ihnen eine Chance gibt und lernt aus der Komfortzone auszutreten, kann man genau das lieben lernen. Genau wie diesen wunderschönen Duft eines Sommerregens. Auf der EP habe ich sehr viel Veränderung in meinem Leben verarbeitet, vor allem in meinem Denken, und daher erschien mir der Titel passend.

    Franzi: Außerdem wird gemunkelt, dass du bereits an deinem ersten Album arbeitest, das nächstes Jahr erscheinen soll. Kannst du uns darüber schon etwas Kleines verraten?

    Eyeclimber: Genau, ich stecke mitten in den Aufnahmen zu meinem ersten Album und hoffe es Anfang nächsten Jahres mit einem passenden Label zu veröffentlichen. Das sind definitv die stärksten und besondersten Songs, die ich je geschrieben habe und ich kann es nicht erwarten, sie euch zu zeigen.

    Franzi: Ich finde es auch immer total spannend, was Künstler:innen selbst an Musik hören. Hast du eine Band, eine Künstlerin oder Künstler oder einen bestimmten Song, den du im Moment in Dauerschleife hörst?

    Eyeclimber: Ich höre gerade einen Künstler namens Kainalu rauf und runter. In seiner Musik kann man sich echt verlieren, ich würde den Song Kamikaze Mushroom Palace empfehlen. Außerdem das neue Album von Benny Sings für einen entspannten Sonntag Morgen mit gutem Kaffee.

    Franzi: Als letzte Frage kommt bei uns immer ein Platzhalter für eine bzw. deine untold story. Hast du eine Geschichte oder Anekdote, die du noch nie in einem Interview geteilt, aber diese jetzt erzählen möchtest?

    Eyeclimber: Ich habe nichts, außer: Liebt euch Leute. Nehmt euch Zeit für euch, seid gut zu euch und offen für unangenehme Wahrheiten. Nur wenn ihr euch selbst liebt und kennt könnt ihr jemals wen anders wirklich lieben. Ted Talk over, haha. Thanks for listening.

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    Also für alle meine dreamy people out there: klare Hörempfehlung! 🥰

  • SIND im Interview: „Live Auftritte sind nach wie vor das A und O für jede Musikerin und jeden Musiker“

    SIND im Interview: „Live Auftritte sind nach wie vor das A und O für jede Musikerin und jeden Musiker“

    Endlich wieder live Musik! Nach zwei Alben und zwei neu erschienen Singles können die Jungs von SIND es wohl auch kaum erwarten heute bei den Acoustic Concerts aufzutreten. Davor habe ich mit Hannes gesprochen und er hat lang und ausführlich geantworte. Dabei ging es um die Lieblingskneipen, Kulturförderung und Social Media. Und um einen quasi musikalischen Ritterschlag! Aber lest selbst:

    Franzi: Hi Hannes, etwas spät, aber besser als nie: Happy Release! Wie geht’s euch damit? Wie sind die ersten Reaktionen auf die ersten zwei Singleauskopplungen bis jetzt?

    Hannes: Vielen Dank! Wir sind auf jeden Fall sehr glücklich mit beiden Releases. Gerade nach einem schwierigen letzten Jahr, war es für uns wichtig, direkt weiter zu machen und neue Musik herauszubringen. Die beiden Singles haben für uns eine große Bedeutung. Um die Single „Café Miami“ haben wir eine Aktion gestartet und für das Video Bars und Kneipen in verschiedenen Städten portraitiert, dort gedreht, aber auch die Wirt*Innen erzählen lassen und das Ganze dokumentiert. Herausgekommen ist ein sehr emotionales Video und viele berührende Geschichten, die man sich auf www.cafemiami.de anschauen kann. Da gab es auch viel und tolles Feedback und einem selbst ist noch einmal bewusst geworden, welch wichtige Rolle Bars und Kneipen in den Kiezen und in den Leben der Menschen spielen.

    Mit „Deine Likes“ haben wir eine andere Seite der Pandemie beleuchtet. Die immer weiter fortschreitende Entfremdung durch den Fokus auf digitale Medien, die wir ja auch selbst intensiv nutzen. Das ganze haben wir dann versucht, im Video sehr überspitzt darzustellen. Natürlich auch, um mit dem Finger auf uns selbst zu zeigen. 😉 Mit www.sind24.tv haben wir uns den Traum eines eigenen Teleshoppingkanals erfüllt – schaut mal rein 😉

    Franzi: Könnt ihr denn schon verraten, wann das Album erscheint? Oder noch ein paar kleine Hints auf weitere Singles geben?

    Hannes: Das kommende und dritte Album wird im Frühjahr 2022 erscheinen. Vorab wird es noch weitere Singles geben, auf die wir uns schon jetzt sehr freuen. Mehr Details wollen wir vorerst noch nicht verraten. Und wenn die aktuelle Situation es erlaubt, wollen wir natürlich wieder live dazu spielen.

    Franzi: Die erste Singleauskopplung „Café Miami“, die ihr dieses Jahr veröffentlicht habt, ist eine Art Liebeserklärung an die Lieblingsbar. Dabei schwingen viel Nostalgie und Erinnerungen mit, gerade nach diesen zwei Jahren. Ihr habt zu der Single auf eurem Social Media Kanal, sowie eurer Website, eine Fotoreihe und kleine Vorstellungsvideos geteilt, in denen verschiedene Bars und Kneipen vorgestellt werden. Worauf wolltet ihr damit aufmerksam machen? Und wieso genau diese sechs Kneipen?

    Hannes: Das “Café Miami” ist eher als Prototyp zu verstehen. Jeder von uns hat doch seine Eck- oder Stammkneipe, der Ort, an dem man sich immer wieder mit Freund*innen trifft, an dem man die Bedienung kennt, andere Gäste, der Ort, an dem man immer ins Gespräch kommt, wie ein zweites Wohnzimmer. Und uns fehlen pandemiebedingt diese Orte, welche eine bedeutende soziale Aufgabe erfüllen. Durch Corona sind sie geschlossen. Und zu diesen Orten gehören eben die Menschen, die sie betreiben und bewirtschaften, ihnen wollten wir einmal eine Stimme und die Aufmerksamkeit geben.

    Franzi: Ihr sprecht durch diese Aktion auch aktuelle Umstände in der Kulturbranche und die Auswirkungen der Pandemie an. Findet ihr Bands und Musiker:innen sollten ihre Reichweite mehr für kulturelle und kulturpolitische Themen nutzen?

    Hannes: Uns ist es immer wichtig, Themen die uns am Herzen liegen, auch in unseren Songs, Videos und Aktionen anzusprechen bzw. unsere Aufmerksamkeit zu nutzen. Man hat durch die Musik besondere Möglichkeiten und einen künstlerischen Weg, Dinge anzusprechen, wie wir es bei „Café Miami“ zum Beispiel gemacht haben.

    Und natürlich ist es gut, wenn Künstler*Innen Ihre Reichweite und den Einfluss nutzen, um auf gewisse Themen aufmerksam zu machen. Gerade jetzt in der Pandemie wurden viele in der Kulturindustrie vergessen. Es sind ja nicht nur die Menschen auf der Bühne, sondern sehr viele Beteiligte, durch die das überhaupt alles möglich wird: Licht- und Tontechnik, Booking, Management, Veranstalter*Innen usw. Jene wurden in vielen Hilfsprogrammen einfach übergangen oder vergessen und hatten nicht die Möglichkeit, sich groß Gehör zu verschaffen. Deshalb hat sich ja auch das Bündnis Alarmstufe Rot gegründet. Da war es wichtig, dass bekannte und reichweitenstarke Musiker*Innen Stellung bezogen. Und bei Themen wie Rassismus und Ausgrenzung ist es noch wichtiger!

    Trotzdem sollte man auch nicht jede/n kritisieren, der/ die nicht in jedem zweiten Song oder bei jedem Konzert nur politische Ansagen macht. Musik ist in erster Linie ein Gefühl, Denkanstoß und eine Emotion, die man teilt. Und das sollte es auch bleiben. Positionieren, Einbringen und die Stimme erheben, gehören dazu, aber das beginnt schon im Kleinen und Alltäglichen.

    Franzi: Euer drittes Album wird durch die Initiative Musik und Neustart Kultur gefördert. Wie findet ihr die Entwicklung von Kulturförderung der letzten Jahre? Sollte da im Bereich Pop Musik (auch im Vergleich zu klassischer Musik) noch mehr getan werden?

    Hannes: U.a. die Initiative Musik und das Musicboard haben schon vor der Pandemie viele Künstler*Innen unterstützt und können dies Dank der BKM Hilfe in der letzten Zeit noch einmal deutlich stärker. Wir freuen uns riesig, dass wir diesmal auch dabei sind, denn ohne diese Förderung wäre es nach einem Jahr ohne Konzerte deutlich schwieriger geworden. Auch die Music Commission hat ja viele Programme, wie zum Beispiel die Listen to Berlin Compilation, die uns zwar nicht finanziell geholfen hat, aber uns und anderen eine Plattform und letztlich eine Bühne gaben, in einer Zeit, in der wir sonst nicht spielen konnten. Darüber hinaus sind wir dabei mit unserem Song “Karlshorst” in die Rotation bei RadioEins gekommen und konnten so neue Zuhörer*innen gewinnen. 

    Wenn man wirklich eine tolle und vielfältige Indie- und Pop-Szene haben möchte, braucht es Fördertöpfe, um es Künstler*innen und kleineren Labels überhaupt zu ermöglichen, Musik zu machen und zu veröffentlichen. Und dann braucht es natürlich auch Plattformen dafür. Zum Einen das immer noch und überaus wichtige Radio, zum Anderen sind Live Auftritte nach wie vor das A und O für jede Musikerin und jeden Musiker. Nur dort lernt man neue Leute und Zuhörer*Innen kennen und nur da kann man sich wirklich richtig präsentieren. Das heißt im Umkehrschluss, dass auch viel mehr Unterstützung an Veranstalter*innen und Festivals gehen muss. Jene, die nicht von großen Marken gesponsert werden, sondern die sich darum kümmern, ein vielfältiges Programm auf die Beine zu stellen. Das Immergut Festival oder das Mayfeld Derby haben zum Beispiel eine grandiose Musikauswahl und haben schon viele Bands entdeckt, bevor sie groß waren. Das ist ein grundlegender Beitrag zu und für unsere Musiklandschaft. Aber das sind eben auch Festivals, die kaum etwas verdienen und mit sehr viel Zeit und ehrenamtlichem Engagement das Ganze umsetzen. Deshalb braucht es auch in diesem Bereich viel Unterstützung, um noch mehr zu bewirken. Es ist also einiges passiert und es gibt bereits viele gute Unterstützungsmöglichkeiten, aber es bedarf noch einiges an Arbeit.

    Franzi: „Café Miami“ ist ja nicht der erste Song, der einer Bar gewidmet ist. Auf eurem ersten Album „Irgendwas mit Liebe“ habt ihr den Song „Danke Kim“, in dem es um die KIM-Bar in Berlin geht. Spielen eure Lieblingsbars in eurer Bandgeschichte eine zentrale Rolle? Ist das so eine Art Inspirationsort für euch?

    Hannes: Die KimBar war damals unser zweites zu Hause. Wir haben uns dort oft und viel mit Freund*innen getroffen und schließlich am 16.01.2014 auch unser erstes SIND Konzert gespielt. Damals sind in der KimBar darüber hinaus auch viele Texte meines Gedichtbandes entstanden, welche dann zur Inspiration bzw. Vorlage für einige Texte von uns wurden.

    Generell sind Bars immer ein Bestandteil unseres Lebens, weil man dort auf neue Menschen und Geschichten trifft, sich selber auch mal die Zeit nimmt, einfach nur zu erzählen, mal runter- oder auch entsprechend hochzufahren.

    Franzi: Neben Bars greift ihr auch oft andere gesellschaftliche Themen auf. Wie z.B. in dem zweiten Song „Deine Likes“ des kommenden Albums redet ihr über Social Media. Dabei merkt ihr einige Punkte kritisch an. Was haltet ihr also persönlich von Social Media? Nutzt ihr das auch im privaten Bereich oder eher nur zu Band-Zwecken?

    Hannes: Das Thema Social Media ist ja durch das vergangene Jahr noch einmal mehr in den Fokus gerückt bzw. sind wir alle mehr in die durch die Isolation bedingte Abhängigkeit gerutscht. Zum Einen ist da die Sehnsucht nach anderen Eindrücken und Geschichten außerhalb der eigenen vier Wände. Und zum Anderen die Möglichkeit zu schauen, wie es Freund*innen aber auch anderen Leuten geht und was sie so treiben. Und teilweise geht das eben auch zu weit. Der Drang sich zu präsentieren und darzustellen, entfremdet dann doch so manche menschliche Beziehung, was schade ist. Und deshalb taucht dieses Thema ab und zu in unseren Songs auf. Wir selber nutzen das natürlich auch, hauptsächlich jedoch zu Bandzwecken, privat sind wir nicht ganz so aktiv und suchen da lieber das Zwischenmenschliche, verbunden mit einem Kaltgetränk. Umso mehr freuen wir uns, dass wir jetzt wieder ein paar Konzerte spielen, neue Menschen kennenlernen und alte Freund*Innen wiedersehen können. Darum geht es ja am Ende.

    Franzi: Ich finde, in eurem Song kommt der Wandel vieler Social Media Plattformen auf den Punkt: angefangen bei einem Weg mit Freunden und Bekannten in Verbindung zu bleiben, hin zu einem weiteren Kanal durch den man immer mehr mit Werbung, Promolinks und Produkten überschwemmt wird. Ist das mehr Fluch als Segen, auch wenn man sich selbst in diesem Hamsterrad befindet?

    Hannes: Gute Frage, als Band ist man natürlich stark darauf angewiesen, weil die sozialen Medien eine der wenigen Möglichkeiten sind, Musik und Inhalte zu teilen und zu verbreiten. Besonders wenn keine Konzerte möglich sind und man als Band in den sonstigen Medien nicht allgegenwärtig ist. Auf der anderen Seite sind diese Kanäle mittlerweile überfüllt, manchmal mit tollen, geistreichen oder lustigen Inhalten, meist aber leider doch einfach nur mit Werbung und Quatsch. Es ist also schwer, sich da durchzusetzen und Menschen zu erreichen, dennoch überwiegt für uns aktuell die Möglichkeit, mit Leuten direkt und persönlich in Kontakt zu kommen und das was wir machen und lieben, unsere Musik, weiter zu teilen.

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    Franzi: Aber um nicht ganz pessimistisch zu sein: Social Media hat natürlich auch Vorteile, gerade für Bands was die Interaktion mit Fans angeht. Wie seht ihr das? Macht euch das Spaß, oder seht ihr das eher als weiteren Punkt auf euren to do Listen?

    Hannes: Das ist eine der wirklich guten Seiten der sozialen Medien, das man direkt mit den Zuhörer*Innen in Kontakt treten kann bzw. sie mit uns. Man bekommt direktes Feedback und kann sich austauschen. Auch die Möglichkeit Inhalte mit seinen Freund*Innen zu teilen und Künstler*Innen auf direktem Wege zu unterstützen. Auch wir bleiben so mit anderen Bands und Wegbegleiter*Innen in Kontakt, die man jetzt nicht allzu oft sieht.

    Beim Posten selber haben wir uns in den letzten Jahren etwas schwerer getan. Vorher gab es immer Konzerte oder andere Neuigkeiten, die man teilen konnte. Durch Corona ist Vieles deutlich ruhiger geworden, auch das posten. Man muss nichts erzwingen, aber so langsam nimmt das Ganze wieder Fahrt auf.

    Franzi: Die letzte Frage ist bei uns immer ein kleiner freier Platz für eine Untold Story. Hast du/habt ihr eine Geschichte, Anekdote oder einen Fun Fact, den ihr noch nie erzählt habt, aber das an dieser Stelle mit der Welt teilen wollt?

    Hannes: Ja, da gibt es eine sehr schöne Geschichte, die auch ganz gut zum Thema „Deine Likes“ und Social Media passt. Wer uns in den letzten Jahren mal live gesehen hat, weiß, dass wir auf Konzerten oft Più Bella Cosa von Eros Ramazzotti gecovert haben. Das waren damals meine ersten Versuche am Mikrofon auf der Bühne. Auf dem zweiten Album, bei Trockeneis, haben wir dann auch eine kleine Hommage an ihn und diese Zeit eingebaut.

    Nachdem wir aber diesen Song 2018 ungefähr 50 mal gespielt hatten, spielten wir ihn bis dato zum letzten Mal im Dezember 2018 in Wien bei einem Konzert zusammen mit Flut. Und eine Dame aus dem Publikum hat diesen Auftritt gefilmt und Eros Ramazzotti bei Instagram verlinkt und Eros hat es geliked und einen Daumen hoch zurück geschickt. Da war die Freude dementsprechend groß, wir haben das einfach Mal als einen musikalischen Ritterschlag vom Schnulzenkönig verstanden. Musikalisch hatten wir ab diesem Punkt also alles erreicht. Was jetzt kommt, ist die Zugabe. 😀

    Wer auf andere Coverversionen und musikalische Ritterschläge spekuliert, sollte sich auf jeden Fall überlegen bei den zwei Auftritten von SIND bei den Acoustic Concerts vorbei zu schauen. Alle Termine gibt’s hier.

  • Bruckner im Interview: »Der Fuji-Dreh war eine einzige Party für uns«

    Bruckner im Interview: »Der Fuji-Dreh war eine einzige Party für uns«

    Vor gut einem Monat haben Bruckner ihre neue Single „Fuji“ veröffentlicht – gut ein Jahr nach dem Release ihres Debütalbums „Hier„, mit dem sie es zum Beispiel auch in unsere Pop-Playlist zum Jahresrückblick 2020 geschafft haben. Die beiden Brüder aus Bayern knüpfen mit der neuen Nummer an ihre gewohnten gute Laune Deutschpop-Vibes mit einer guten Portion Melancholie an. Im Interview habe ich mit den beiden über „Fuji“, ihre persönlichen Worst Case Bands und das Leben in ihrer 6er-WG geredet.

    Bruckner im Interview

    Anna: Hey ihr beiden, schön, dass ihr am Start seid. Ich habe natürlich euren neuen Song „Fuji“ gehört – natürlich schon seit Release – aber vorhin nochmal so ganz intensiv reingehört. Und auch Texte und Musikvideo habe ich mir angeschaut und bin sehr happy, dass jetzt nach gut einem Jahr wieder was Neues von euch kommt. Auf jeden Fall ein geiler Song, hab richtig Bock auf Sommer jetzt. Für mich hat „Fuji“ sehr viel Potenzial als Sommerhit, weil es einfach gute Laune macht und mir so ein bisschen aus dem Herzen spricht, weil wir einfach alle wieder Lust haben feiern zu gehen. Gibt es etwas, das ihr zu „Fuji“ noch loswerden möchtet, dass vielleicht aus dem Song oder aus dem Musikvideo irgendwie noch nicht so sehr transportiert wird oder was dahinter steckt?

    Jakob: Ist irgendwie crazy, dass das alle den Song so als Sommer und gute Laune Hit sehen. Ich finde in „Fuji“ ist schon sehr viel Melancholie drin, muss ich sagen. Für mich schwingt so ein bisschen dieses Gefühl mit von ‚Wir wissen nicht so richtig, wo unser Platz ist‘. Weißt du was ich meine? Unsere Generation, die so jede Möglichkeit hat und irgendwie auch so ein bisschen Verzweiflung und so der Wunsch von ‚Ich will mich mal loswerden und diesen ganzen Hirnfick, den ich habe, einfach vergessen‘ und deswegen so diese Sehnsucht nach Feiern. Also für mich ist der Song nicht nur euphorisch feiern, sondern schon auch so bisschen melancholisch. Aber geil, dass die Leute bei „Fuji“ gute Laune kriegen! (lacht)

    „Es war eine einzige Party für uns“

    Anna: Wie war der Dreh zum „Fuji„-Musikvideo für euch? Ich muss dazu sagen das Video macht was mit mir: Ich habe jetzt permanent Lust Flunkyball zu spielen.

    Matti: Es war eine einzige Party für uns. Wir hatten eine mega gute Zeit und durften die ganzen Sachen machen, die man sonst halt jetzt gerade gar nicht so machen darf. Also es wurden natürlich immer alle getestet. Aber ja, es hat mega Spaß gemacht!

    Jakob: Ja, es war alles voll gewissenhaft was die Corona-Bedingungen betraf. Ich muss sagen wir haben uns echt ein bisschen verliebt in den Regisseur Miguel und seine Crew. Wir werden bestimmt noch mehr zusammen machen.

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    Das offizielle Musikvideo zu „Fuji“
    „Es wird auf alle Fälle noch mehr neue Musik geben“

    Anna: Ich hab das Gefühl, man muss diese Frage immer stellen, wenn es eine neue Single nach längerer Zeit gibt und „Fuji“ lässt mich etwas hoffen: Können wir auf ein Album oder eine EP hoffen, die demnächst oder im Laufe des Jahres erscheint?

    Jakob: (zögert) Auf jeden Fall ist Hoffnung immer gut. Es wird auf alle Fälle noch mehr neue Musik geben. (schmunzelt)

    Anna: Okay, ich merke schon, dass ihr nicht mehr verraten möchtet. Um ein bisschen von den Standardfragen wegzukommen: Was ist eure persönliche Worst Case Band?

    Jakob: Ohhhh (zögert) Ich habe verschiedene!

    Anna: Top 3!

    Matti: Okay, bei mir unter den Top 3 ist auf jeden Fall Bon Iver.

    Jakob: Bei mir ist Pine Grove und Vampire Weekend auf jeden Fall unter den Top 3. Und dann noch Daft Punk!

    Matti: (überlegt ziemlich lange) Ich hör auch in solchen Phasen dann gerne mal ein bisschen was Deftiges. Ich glaube, Bring Me the Horizon ist da auch bei mir mit dabei. Auch wenn’s in eine ganz andere Richtung geht. Aber das brauche ich manchmal. Sag mal deine!

    Worst Case Band = „die Band, die einen aus dem Loch wieder rausholt“

    Anna: Oh, damit hab ich jetzt nicht gerechnet, lass mich kurz überlegen. Ich glaube Bon Iver ist bei mir auch ziemlich weit vorne dabei. Auf jeden Fall noch Alt-J. The Neighbourhood geht auch immer! Was macht eine Worst Case Band für euch eigentlich aus?

    Jakob: Eine Worst Case Band ist quasi die Band, die man rauszieht im Worst Case. Also wenn es einem so richtig mies geht. Dann ist das die Band, die einen aus dem Loch wieder rausholt und sozusagen die Wunden versorgt.

    Anna: Schöne Erklärung! Ihr habt vorhin schon gesagt, ihr seid gerade in eurer WG. Ich habe mir das Sputnik Interview angeschaut, wo ihr im März wart und von der WG erzählt habt. Und ihr habt dort gesagt, dass alles sehr harmonisch läuft. Deswegen meine Frage: Ist es immer noch so harmonisch?

    Matti: Auf jeden Fall! Das wird immer besser. Wir werden immer bessere Freunde und gehen durch dick und dünn. Es hat natürlich jeder Mal seine Ups und Downs und den Wechsel man aber dann auch immer so schön zusammen. Und es ist geil zu sehen, wie man sich gegenseitig da wieder rausholt. Unser letztes akutes Down war als unser Refi Kili seine Lehrprobe halten musste und war die zwei Wochen davor wirklich nicht zu gebrauchen und hat quasi sämtliche Aufgaben im Haushalt bis in Gänze vernachlässigt. Aber auch seine eigene Körperhygiene. Also er war echt ein Wrack. Und jetzt ist er wieder back. Er hat schon wieder Maultaschen für uns gekocht und Salat heute mittag.

    Anna: Ja, ich glaube, das kennt man aus jeder gut funktionierenden Studenten-WG.

    „Meditativste Beschäftigung aller Zeiten übrigens, wenn man Dienstagvormittags mit lauter Rentner:innen aufm Acker arbeitet“

    Matti: Ey, großes Upgrade auch gerade und der Grund, warum wir doppelt so gut drauf sind: Wir haben unsere ersten Ernte-Eträge von unserem kleinen Feld und jetzt gibt’s erstmal Salat und Kohlrabi. Also das ist so eine krasse Empfehlung in einer WG zu wohnen für jeden, der*die es noch nicht gecheckt hat. Es empfiehlt sich so krass, vor allem für uns ist es auch der Luxus. Wir könnten uns halt niemals so ne Butze leisten. So viel Fläche und so viel Freiraum und zu sechst ist das überhaupt kein Problem.

    Anna: Wait a minute, wenn ihr Feld sagt, meint ihr da ein Feld im Garten oder wie?

    Matti: Ne, am Dorfrand haben wir so 30-40 Quadratmeter Feldstück mit ganz vielen anderen Leuten zusammen. Es wird irgendwo von der Stadt vermietet oder so, glaube ich. Und genau den können wir beackern.

    Jakob: Meditativste Beschäftigung aller Zeiten übrigens, wenn man Dienstagvormittags mit lauter Rentner:innen aufm Acker arbeitet. Das ist wirklich ganz cool!

    Anna: Okay, das klingt echt ganz cool, jetzt habt ihr mich etwas angefixt (lacht). 
    Letzte Frage: Was ist eure untold story? Also eine noch nie erzählte Geschichte von euch? Irgendetwas super Absurdes, Interessantes, was ihr bisher in noch keinem Interview erzählt habt.

    Jakob: Ich habe da was, aber das ist keine richtige Geschichte, eher ein Fakt. Hast du was, Matti? Hau mal raus und ich guck mal, ob ich das dann noch erzählen will? Nee, nee, es ist zu privat. Ich müsste erst fragen, ob ich das erzählen darf.

    Matti: (lacht so vor sich hin) Ich musste nur gerade dran denken, dass wir mal eine Zeit lang in Regensburg den ‚Erzähl mir dein Geheimnis‘-Dienstag hatten. Kennst du denn noch, was du da mit dabei? Das war zusammen mit Basti, Benni und Hanni. Da haben wir uns jeden Dienstag in der Bar getroffen und haben dann den Abend damit eingeleitet, dass jeder ein Geheimnis erzählt hat, dass er davor noch niemanden erzählt hat. Jetzt bin ich natürlich geneigt dazu von Basti, Benny oder Hanni irgendein Geheimnis zu erzählen, damit ich meins nicht erzählen muss. Aber tatsächlich hab ich auch gerade kein sinniges auf Lager. Mir ist es nur gerade eingefallen. (zu Jakob) Jetzt hau deins raus!

    Jakob: Ahh neee, ich weiß echt nicht.

    Anna: Alle Namen können auch anonymisiert werden bei Bedarf.

    Dorfgeschichten aus der Jugend

    Matti: Ok, ich habe was! Ich kann die Geschichte erzählen, die ich mir im Puls Interview gespart hab. Wir kommen ja richtig vom Dorf, Jakob und ich, und da gibt’s irgendwie keine Busse oder es gab halt einen Bus, der so in die nächst Stadt nach Traunstein gefahren ist, wo wir zum Feiern waren. Und sonst muss halt immer irgendwer – die Mutter oder der Vater von irgendwem – uns abholen. Und dann dieser eine Bus, der vom Nachbardorf aus ging, wo man schon irgendwie noch zusammen hin gehen musste, so 15 Minuten. Der hatte immer denselben Busfahrer und er hat uns gehasst, als wir so 15, 16, 17 waren. Also ich verstehe auch, warum er uns gehasst hat, weil wir halt immer relativ knülle auch dann in den Bus eingestiegen sind. Der hat den Bus immer hingefahren und dann auch nachts um drei wieder zurück. Und das sag ich jetzt gleich dazu: Mittlerweile, wenn wir dann mal wieder da mit gefahren sind verstehen wir uns mit ihm echt gut. Aber so der Zenit war erreicht, als wir dann eines Nachts heim gefahren sind. Und da hatten wir noch einen Kumpel dabei, der da sonst irgendwie nicht so mit dabei war. Und der hat ihm dann so kurz bevor die Haltestelle erreicht war … Auf alle Fälle hat der Kumpel dann kurz vor der Haltestelle noch in den Bus gekotzt. Dann sind wir alle als er stehen geblieben ist und die Türen auf sind, sind alle rausgelaufen und sofort weggelaufen. Und im Weglaufen sehen wir noch, wie ihm hinten auf seinen Bus noch ein Auto drauf fährt. Und das war dann quasi sein Feierabend. Ihm wurde er in den Bus gekotzt von den asozialen Jugendlichen und es wurde ihnm noch sein Bus geschrottet, irgendwie von dem anderen Auto. Naja, aber wir haben uns bei ihnen entschuldigt und wir sind im Guten jetzt … Jakob, du hattest doch auch noch was!

    Untold Band Story

    Jakob: Ja, ich habe noch eine Band-related story! Wir haben vor kurzem Musik gemacht bei einer Veranstaltung. Da haben für die Arbeiter:innen aus der Musikbranche Geld gesammelt auf dem Hausboot von Finn und Olli. Da haben wir einen Song gespielt und in Hamburg gepennt. Wir waren an dem Abend danach halt noch bisschen um die Häuser ziehen, so in der kleinen Gruppe, haben noch gefeiert. Ich hatte nachts meinen Geldbeutel irgendwo liegen lassen. Als ins Hotelzimmer gekommen sind, habe ich dann erstmal alle Karten sperren lassen von mir. Hab dann direkt darauf die Nachricht gesehen auf Instagram ‚Hey Jacob, hier ist dein Geldbeutel, soll ich ihn dir bringen?‘ Hab ihn dann geholt, bin wieder zurück ins Hotelzimmer. Matti hat schon gepennt, als ich ins Hotelzimmer gekommen bin. Meine Karte ging nicht. Ich habe ultra laut klopfen müssen, um ihm rauszukriegen aus. Er hat mir die Zimmertür aufgemacht und ich habe ihn gefragt, wann denn der Zug morgen früh geht. Matti ist, der Organizer bei uns mit, quasi der Tourmanager. Er hat mir die Zeit für den Zug gesagt. Ich glaube, es war halb acht. Und ich stell den Wecker auf halb sieben, damit wir rechtzeitig zum Zug kommen und Matti hat sein Zeug schon gepackt. Also wache ich auf, um halb sieben, fang an mein Zeug zu packen. Wirbel rum, sag mehrmals ‚Matti, steh auf, wir müssen los, steh auf, wir müssen los‘. Irgendwann frage ich, weil ich nicht checke, warum er nicht aufsteht. Er reagiert eigentlich immer so leicht. Er steht aber nicht. Ich so: ‚Matti, wann geht nochmal unser Zug?‘ Matti: ‚Halb 10!‘ Ich: ‚Alter, ist das dein scheiß Ernst? Das kannst du mir auch mal früher sagen, ich bin jetzt hellwach!‘ Reg mich dann halt total auf. Leg mich wieder hin. Muss mich zwingen, wieder einzuschlafen. Ich zwinge mich wieder einzuschlafen. Mega schlimm. Der Wecker klingelt um dreiviertel 9. So, ich steh auf, alles gepackt. Ich versuch wieder Matti zu wecken. Er kommt wirklich wieder sehr schwer in die Gänge. Ich putz noch mal Zähne, räum das letzte Zeug ein und sag so ‚los Matti‘. Er wacht irgendwie aus seinem Schlaf, völlig überrascht und aus dem Häuschen: ‚Fuck, wie spät ist es?‘ ‚Dreiviertel 9!‘ ‚Fuck, wir haben den Zug verpasst!‘ Ich bin stinksauer und dann ging es so hin und her. Er war wohl wirklich überrascht, dass er das gesagt hatte.

    Matti: Ich habe ihn dann angemault, warum er mich denn nicht eher aufweckt, wenn er doch wach ist.

    Jakob: Dann ging es weiter mit: Der Zug hat Verspätung und er ist dann 55 Minuten später gekommen. Haben dann noch irgendeinen Anschluss verpasst. Es war die Hölle am Bahnhof. Hat viel Geld und Zeit gekostet.

    Anna: Danke für die Story und vielen Dank für’s Interview! Schönen Tag euch noch und bin gespannt auf die neue Musik, die noch kommt!

    Falls ihr „Fuji“ noch nicht gehört habt, dann könnt ihr das hier ganz schnell nachholen!

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  • Maxim im Interview: »Schlechte Laune vertreibe ich mit Musik schreiben«

    Heute gibt es ein weiteres Interview in Kooperation mit den Acoustics Concerts und zwar mit Maxim! Er spielt in Hamburg, Hannover und Essen vom 14. bis 16.7. Der deutsche Singer-Songwriter sollte wohl so ziemlich jedem bekannt sein. Ich verbinde vor allem mit seinem Song „Meine Soldaten“ eine große Portion Nostalgie, die mich zurück in die Jugend und den ersten Liebeskummer versetzt. Aber auch seine neuen Songs und Alben, wie zum Beispiel das neueste Album „Grüne Papageien“ gehen nach ein paar Mal Hören nur schwer aus dem Kopf. Im Interview habe ich mit Maxim über die Veränderungen des Musikbusiness und seinen Umgang mit motivationslosen Phasen gesprochen.

    Maxim im Interview

    Anna: Hi, danke, dass du dir die Zeit nimmst. Wie geht’s dir?

    Maxim: Danke, mir geht’s gut!

    Anna: Zu Beginn direkt mal eine harte Entweder-Oder-Frage: Bist du ein Herz- oder Kopfmensch?

    Maxim: Definitiv Kopfmensch. Ich denke immer erst einmal nach und entscheide nicht so oft aus dem Affekt.

    Anna: Was kommt bei dir meistens zuerst: Text oder Musik?

    Maxim: Das kommt bei mir immer gleichzeitig. Ich trenne es nicht so wirklich, weil es für mich immer zusammen aufkommt.

    „Ein Album ist für mich ein Gesamtwerk“

    Anna: Was ist deine Meinung zu Features? Ich habe auf deinen Alben nur einen Feature Song mit Marteria gefunden.

    Maxim: Ein Album ist für mich eher ein Gesamtwerk und das macht es schwierig andere Features mit einzubringen. Ich mag es aber auch gerne mit anderen Künstler:innen zusammen an Songs zu arbeiten. Da wird auch in Zukunft noch etwas kommen. Es gibt allerdings auch noch ein paar mehr Features, die halt nur nicht auf den Alben zu finden sind, zum Beispiel auch ein paar Reggae Tracks oder Features von mir auf Alben anderer Künstler:innen.

    Anna: Das kann ich gut verstehen. Deine Reggae-Songs kenne ich noch gar nicht, da werde ich nachher erst einmal reinhören. Anderes Thema: Wie stehst du zu deinem Song “Meine Soldaten”? Wahrscheinlich wirst du ziemlich oft auf das Lied angesprochen, da du dadurch ja irgendwie bei den meisten erst so richtig auf der Bildfläche erschienen bist. Nervt es dich, dass du manchmal darauf reduziert wirst?

    Maxim: Ehrlich gesagt passiert das gar nicht so oft. Journalist:innen bereiten sich ja auf Interviews vor und gehen durch meine gesamte Musik, recherchieren Hintergründe und so weiter. Klar, werde ich dann auch mal was zu dem Song gefragt, aber meistens geht es eher um das aktuelle Album. Außerdem ist „Meine Soldaten“ auch ein guter Song. Ich mag ihn immer noch. Hab schon schlechtere Songs geschrieben, aber natürlich auch schon bessere.

    Das Video zu „Meine Soldaten“ ist genauso ergreifend wie der Song selbst

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    Anna: Was hat sich in dem Musikbusiness verändert seitdem du angefangen hast?

    Maxim: Das ist ja jetzt schon ein so langer Zeitraum: Sehr viel, eigentlich alles. Alleine in den letzten zwei Jahren hat sich mit der Pandemie und der Nutzung von Spotify ja einfach grundlegend schon so viel verändert. Aber ich hab noch nie darauf geachtet, irgendwas gerecht zu machen, also meine Songs an den Algorithmus und die Streaming-Gewohnheiten anzupassen. Das kann ich nicht, entspricht nicht meinem Charakter und ist meiner Meinung nach auch zum Scheitern verurteilt. Die Songs werden dadurch nicht besser oder schlechter. Ich bewerte den Song danach, ob er geil ist oder nicht. Ich bin auch einfach ein 3:30 Minuten Mensch.  Für mich ist das dramaturgisch für den Song sinnvoll und ich bin es gewohnt, weil ich damit aufgewachsen bin. Eine Sache, die mir in letzter Zeit auch extrem aufgefallen ist, ist Autotune. Das ist gerade auch ganz groß. Ich finde es meistens eher nervig, nicht schlecht generell, aber mich nervt es größtenteils. Die Stimmen klingen dadurch schnell so ähnlich und der Charakter geht total flöten. Andererseits muss ich auch sagen, dass zum Beispiel die Amy Winehouse Platte „Back to black“ einfach richtig gut ist, da stört es mich gar nicht.

    Motivationslosigkeit als Quelle der Inspiration

    Anna: Ohja, da stimme ich dir zu! Auf dich bezogen: Gab es in den letzten Jahren öfters mal Phasen, in denen du überlegt hast mit der Musik aufzuhören? Und was machst du in so einem Motivationstief gegen die fehlende Inspiration?

    Maxim: Sowas passiert immer mal wieder, also solche Phasen.Ich mache es ja wirklich schon sehr lange, fast 20 Jahre und da bleiben solche Momente nicht aus. Es gibt immer eine Existenzangst. In dem Sinne, dass ich denke, das nächste Album ist das letzte und danach geht nichts mehr. Das ist dann so ein Schema im Kopf, das man wegbekommen muss. Ich versuche das dann auch als Motivationsquelle zu sehen und mir selbst zu sagen: ‚Ich würd‘s am liebsten anders machen können‘ und dann schauen wie das geht. Das passiert auf jeden Fall alles nicht bewusst. Wie mit allen negativen Gefühlen ist es ja so, dass man das nicht steuern kann. Kann man es in dem Moment nicht analysieren. Ich versuche dann meine schlechte Laune mit Musik schreiben zu vertreiben. Mir ist das auch kürzlich erst klar geworden, dass ich da so mit umgehe. Vielleicht sollte ich es nicht mehr so machen und mir eine andere Art suchen mit diesen motivationslosen Phasen umzugehen.

    „Man kann negative Gefühle nicht steuern“

    Anna: Solange zu weiterhin Musik machst und nicht aufhörst gerne! Zum Abschluss habe ich noch unsere typische Frage: Was ist deine untold story?

    Maxim: Ich habe keine, sowas sollte besser ungesagt bleiben. Überleg mal, wenn ich in jedem Interview eine Story rauskloppen sollte, müsste ganz schön viel Interessantes passieren in meinem Leben. Ich bin nicht so der Typ, der von stories mit den Freunden erzählt, das behalte ich dann doch lieber privat. Das einzige, was mir gerade spontan einfällt ist, dass letzte Woche ein Igel in unserer Nachbarschaft überfahren wurde. Das war traurig.

    Anna: Oh, das ist wirklich traurig, RIP Igel. Ich hoffe, dass du die gedämpfte Stimmung bis zum Konzert wieder vergessen kannst und wünsch dir ganz viel Spaß auf der Bühne bei den Acoustic Konzerten und bedank mich für’s Interview!

    Wer sich schonmal auf das Konzert vorbereiten möchte, kann hier in das neueste Album von Maxim reinhören!

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  • Lina Maly im Interview: »Ich bin emotional viel angreifbarer geworden«

    Lina Maly im Interview: »Ich bin emotional viel angreifbarer geworden«

    Die Acoustics Concerts sind bereits im vollen Gange und wir bei untoldency haben die Ehre euch mit geilem Content zu allen wundervollen Künstler:innen zu versorgen! How exciting für uns, wie für euch! 😍 Auch die Hamburger Songwriterin Lina Maly ist am Start. Mit ihrer gefühlvollen Stimme wird sie euch am 11.07. in Offenbach und am 18.07. in Dresden verzaubern. Ich habe mit ihr über die anstehenden Konzerte sowie über ihr im Oktober erscheinendes drittes Album gesprochen. Wenn es euch jetzt schon in den Fingern juckt, bestellt das Album hier bereits vor.

    Lina Maly im Interview

    Evelin: Hey Lina, so langsam geht es jetzt ja auch für dich in Richtung Normalität los mit ein paar Konzerten. Wie sehr freust du dich auf deine zwei Shows mit Acoustics Concerts?

    Lina: Ich bin total aufgeregt, wie das alles wird! Ich habe letztens schon zwei Shows gespielt und es war sehr, sehr schön. Ich habe das Gefühl die Leute sind dankbarer als vorher. Sie haben supergut zugehört und waren ganz aufmerksam. Die kamen danach auch zu mir und haben gesagt, dass sie es so schön finden, dass es das jetzt wieder gibt. Man merkt, dass die Leute auch mega Bock darauf haben, dass sie es fast brauchen. Und das freut mich natürlich, dass ich ihnen das wieder geben kann.

    „Es sind sehr intime Texte“

    Evelin: Kommen wir zum neuen Album. Nach und nach kommt jetzt Single für Single raus und am 29.10.2021 dann das Album Nie zur selben Zeit. Das ist alles bestimmt super aufregend! Willst du mir erklären, worum es in dem Album gehen wird?

    Lina: Erst mal kann ich sagen, dass es das erste Album ist, wo ich mitproduziert habe. Es ist eine Koproduktion und deswegen ist es für mich noch viel aufregender, weil es quasi mein Produzentinnen-Debut ist. Das ist auf jeden Fall sehr besonders an diesem Album.

    Es geht viel um Liebe. Ich habe die beiden Platten davor auf die Gesellschaft gestützt und mich da ausgetobt. Ich habe viele Sachen gesehen und viel thematisiert. Jetzt bin ich wahrscheinlich auch wegen der Pandemie mit mir allein gewesen und habe viele Gefühle in mir selbst gefunden, die sehr persönlich sind. Es sind sehr intime Texte, weil ich über Sehnsucht, Schmerz, unerwiderte Liebe, auch über erwiderte Liebe singe, über das Aufkeimen von Liebe, die Trauer, meine Großtante verloren zu haben. Und diese Momente, die einen auch dazu bringen, dass, wenn man Filme guckt, heult. Das ist ja nicht unbedingt, weil es dich first hand berührt. Es berührt einen, weil man das mit irgendwas verbindet. Ich habe letztens Die Wilden Hühner wieder gesehen und ich habe so geheult, weil mich das an eine Zeit erinnert hat, die vorbei ist.

    In dieser Pandemie ist Berlin auch mega traurig gewesen. Es waren gar keine Touris da, die man ja normalerweise alle hasst. Aber zu diesem Zeitpunkt hätte man sie gerne gehabt, weil es so leer war. So traurig, so grau dieser Winter. Ich habe das Gefühl, dass ich emotional noch mal viel angreifbarer geworden bin. Ich bin viel isoliert gewesen, was auch eine interessante Erfahrung war. Aufgrund meines Jobs war ich natürlich immer sehr viel unterwegs, habe viele neue Leute kennengelernt und hatte diese ständig um mich rum, wahrscheinlich auch fast ein bisschen zu viel. Als dann alles weggebrochen ist, war ich mit mir allein. Was aber langfristig gesehen total die gute Erkenntnis war, weil Gefühle aufkamen, die ich ganz oft auch unterdrücke. Mein Leben lenkt mich, wie es immer war, auch jetzt wieder wird, gut von meinen eigenen Problemen ab.

    „Vor sich selbst hat man keine Scham“

    Evelin: Was willst du deinen Hörer:innen mitteilen? Was erhoffst du dir, dass sie aus dem Album für sich mitnehmen?

    Lina: Viele Songs haben etwas Hoffnungsvolles. Ich habe einen Song darübergeschrieben, wie es sich anfühlt, Opfer von sexueller Gewalt zu sein. Das begleitet mich jetzt schon super lange. Der wird aber zum Ende hin total hoffnungsvoll. Ich habe mich damit auseinandergesetzt, was man als Opfer hören möchte; das weiß ich ja auch selbst. Der Song heißt Schmerz vereint und da erhoff ich mir natürlich, dass es den Leuten Halt und Kraft gibt oder dass man sich nicht so alleine fühlt. In einem anderen Song geht es darüber, dass du in einer grauen Stadt wohnst und alle anderen Städte sind für dich auch grau. Bis diese eine Person kommt, die das alles aufbricht und ein Kuss kann halt alles verändern. Ein anderer Song heißt Wir bleiben wach. Er fängt zwar auch sehr düster an, aber bricht dann auf mit diesem Kuss im Refrain.

    Wahrscheinlich ist es alles das, was ich selbst gebraucht habe (lacht). Ich habe noch nie ein Konzeptalbum gemacht. Das ist einfach eine Sammlung von Songs, die entstanden sind und mir viel bedeuten. Ich glaube dadurch, dass es eine düstere Zeit für uns alle war, vor allem für die Kulturbranche, habe ich auch viele hoffnungsvolle Enden und Teile versteckt.

    Evelin: Du hast ja schon erwähnt, dass du generell sehr persönlich schreibst. Ist das manchmal besonders kraftraubend und erschöpfend?

    Lina: Nein, es ist überhaupt nicht kraftraubend für mich. Es schenkt mir total viel, es ist eine Art Therapie. Als würde man einer Freundin ein Geheimnis gestehen: Wenn man es ausspricht, ist es wirklich schon besser. Es tut mir total gut, darüber zu singen. Manchmal hat man ein Gefühl und weiß nicht, wo das herkommt. Ich mache das so, dass ich einfach drauf losschreibe oder spiele und dann kommt irgendwas raus, was mich gerade beschäftigt. Ich merke in dem Moment manchmal erst, wie doll mich das beschäftigt. Das Unterbewusstsein macht so viel und es ist gut darüber zu reden, es auszusprechen und darüber einen Song zu schreiben, weil es einen dann auch erleichtert. Für mich ist es das Gegenteil. Und dazu kommt noch, dass man vor sich selbst ja gar keine Scham hat, das ist mega befreiend. Selbst bei der besten Freundin hast du Themen, worüber du nicht reden kannst.

    „Ich kann das doch!“

    Evelin: Nie zur selben Zeit handelt ja von einer Art Reifeprozess. Was gibt dir Kraft, dich weiterzuentwickeln und nicht auf einer Stelle stehen zu bleiben?

    Lina: Ich habe mega Bock, Musik zu machen. Es macht mir Spaß, Musik zu hören, neue Musik zu entdecken, mich inspirieren zu lassen, mich in Genres weiterzubilden. Ich habe im Moment voll die Neo-Soul Affinität. Ich höre super viel Cleo Sol und 1000 verschiedene Künstler:innen. Das ist einfach meine Neugierde, für alles, was noch da ist. Ich fände es total langweilig immer das gleiche zu machen. Das passt einfach nicht zu meinem Charakter. Ich würde jetzt auch nicht 50-mal hintereinander an den gleichen Ort fahren, um da Urlaub zu machen (lacht). Ich mag es neue Sachen zu entdecken. Und das macht auch total Spaß, neue Instrumente auszuprobieren, gerade am Computer. Wenn du die Tasten einigermaßen beherrschst, dann kannst du einfach Kontrabass mit einem Keyboard spielen (lacht). Das macht einfach mega Spaß, Musik zu machen. Man schreibt ja auch nicht zweimal denselben Song.

    Evelin: Hast du dich deswegen entschieden, dieses Album mit zu produzieren?

    Lina: Es war gar keine Entscheidung, das war von Anfang an klar. Beim ersten Album konnte ich gar nicht produzieren. Beim Zweiten habe ich angefangen, Skizzen aufzunehmen, ganz simpel. Und dann habe ich angefangen, mich da ein bisschen reinzufuchsen und habe letztes Jahr mit Dead Rabbit zusammen die EP Winter veröffentlicht. Wir haben es nicht Koproduktion genannt, aber da habe ich auch schon sehr viel mit am Computer gesessen und ausprobiert. Und jetzt habe ich einfach gedacht: „Ich kann das doch, dann kann ich das auch zugeben.“ Es war eher ein Teil des Weges, keine Entscheidung.

    Ich hoffe natürlich, dass ich mit den nächsten Platten immer mehr Erfahrung sammle und irgendwann so gut bin, dass ich das vielleicht komplett alleine machen kann. Wobei das ja auch Spaß macht, wenn noch ein kreativer Kopf mit dabei ist. Wenn man die Vorproduktion fertig hat, sitzt man manchmal davor und denkt: „Ja, ist das jetzt geil? Ich weiß auch nicht, ob man das besser machen kann oder nicht“ (lacht). Du hast dieses Pingpong nicht. Wenn du das in dem Moment hast, hast du direkte Rückmeldung, dass es mindestens einer Person schon mal gut gefallen hat. Es gibt mir eine Gewissheit, dass es gut ist.

    Evelin: Ja, wenn du immer ein und dasselbe machst und nur du die Augen darauf hast, dann verschiebt das auch deine Wahrnehmung total.

    Lina: Volle Kanne! Aber das hatte ich jetzt auch schon wieder, auch als Koproduktion. Zweifeln kann ich auch sehr gut (lacht). Ich habe nicht selten Songs komplett verworfen und gesagt: „Nein, die Produktion ist falsch! Noch mal neu machen!“ Aber das gehört ja dazu.

    „In einer Gruppe von Menschen können wir auch etwas bewegen“

    Evelin: Gibt es einen Song auf dessen Reaktionen du am meisten gespannt bist?

    Lina: Ja, bei Schmerz vereint, wo es um sexuelle Gewalt geht. Mir geht es darum, dass die, die nicht wissen, wie sich das anfühlt, verstehen, wie sich das anfühlen könnte. Und für die, die es wissen, sich nicht allein fühlen. Sondern, dass sie wissen: „Jemand teilt den Schmerz und wir sind viele. In einer Gruppe von Menschen können wir auch etwas bewegen und uns gegenseitig helfen. Wir sind füreinander da.“ Emotional ist das für mich der wertvollste Song auf dem Album, weil es schwer war darüber zu schreiben.

    Ansonsten bin ich irgendwie so selbstbewusst, weil ich das selbst so toll finde (lacht). Ich stelle gar nicht infrage, ob das jemand gut findet, sondern eher, wer. Wenn du selbst überzeugt bist von einer Sache, dann bist du viel weniger angreifbar, weil du einfach sagst: „Es ist egal, ob es dir nicht gefällt, weil ich find es geil.“ (lacht) Und diesen Zustand habe ich auf jeden Fall jetzt zum ersten Mal so doll. Das beschreibt das Album ganz gut.

    Evelin: In Die Liebe blüht und in vielen anderen Songs sind Blumen und die Natur oft ein zentrales Thema. Selbst in deinem Bundle hast du Blumensamen miteingefügt. Woher kommt diese Faszination?

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    Lina: Ich liebe Pflanzen (lacht). Das Meer und Bäume oder Pflanzen sind für mich das Heilsamste. Ich war alleine Urlaub in Norwegen, stelle mich in Wald und fange an zu heulen, weil mich das so glücklich macht, von Natur umgeben zu sein. Es erdet mich so, ich kann das gar nicht beschreiben. Ich bin so demütig und dankbar vor der Natur. Das hört sich jetzt so esoterisch an, aber etwas Tiefes in mir ist dann beruhigt. Wenn man viel in der Stadt unterwegs ist, ist das Einzige, was mich beruhigen kann, wenn ich irgendwo in Wald fahre, auf einen Berg oder ans Meer. Ich bin auch so eine Bescheuerte und schwimme immer raus. Drei Feuerquallenstiche habe ich, weil ich immer rausschwimmen muss. Ich finde das auch so magisch, wenn man Ableger von Pflanzen neu einpflanzt. Für mich ist das etwas Beruhigendes und Faszinierendes, deswegen benutze ich das viel als Bildsprache.

    „Diese Momente, wenn man richtig berührt wird“

    Evelin: Auf welchen Song freust du dich am meisten, ihn bei Acoustics Concerts live zu performen?

    Lina: Wir spielen einen neuen Song live, den wir auch nie vorher gespielt haben: Wolken, der jetzt gerade rausgekommen ist. Und da wir gerade in den Proben stecken, weiß ich auch überhaupt nicht wie der wird (lacht). Aber da freu ich mich drauf! Man freut sich eh immer darüber, wenn man neue Songs spielt. Das erste Album ist jetzt auch schon 5 Jahre alt und es gibt Songs, die habe ich gefühlt 300-mal schon gespielt. Klar kann man die immer mal anders spielen oder in einer anderen Tonart oder akustisch. Aber wenn man dann einen neuen Song hat, freut man sich einfach darüber. Mal schauen, wie viele neue Songs wir spielen. Auf jeden Fall mindestens Wolken!

    Ich gehe selbst so gerne auf Konzerte und denke dann manchmal, was das für wundervolle Momente sind, wenn man komplett abdriftet. Diese Momente, wenn man richtig berührt wird und darüber freue ich mich eigentlich, dass ich selbst diese Person sein darf, die das wiederum bei anderen auslöst. Ich kenne mich ja selbst: Ich bin für mich der normalste Mensch, den es gibt. Aber dass ich für andere Leute diese Momente kreieren darf, ist für mich so absurd, aber wunderschön. Darauf freue ich mich natürlich, vor allem auch für die Leute.

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    „Wenn mich das berührt, dann wird es auch anderen Leuten helfen“

    Evelin: Wie gehst du mit dem Druck um, dass Leute so viel aus deiner Musik ziehen und sie ihnen durch schwere Zeiten hilft? Siehst du das überhaupt als Druck?

    Lina: Nee, also das ist kein Druck, live vor allem nicht. Das Einzige, wovor ich manchmal Angst habe auf der Bühne ist, dass ich nicht loslassen kann. Am besten bin ich, wenn ich in der Musik versinke. Dann mache ich die Augen zu und singe. Man spürt selbst, wenn man singt und so eine Welle an Emotionen durchs Publikum schickt. Wenn man es wirklich fühlt, weiß man auch, dass es die anderen fühlen. Manchmal habe ich eher Angst davor, dass ich diesen Zustand nicht erreiche, weil ich selbst mit anderen Gedanken zu tun habe, sodass ich nicht abschalten kann.

    Wenn ich Songs schreibe, denke ich fast gar nicht über die nach, die das hören. Ich habe es natürlich im Hinterkopf, aber ich habe immer den Gedanken: „Wenn mich das berührt, dann wird es auch anderen Leuten helfen.“ So unterschiedlich sind wir auch alle nicht. Ich habe jetzt schon einige Songs veröffentlicht, die Themen wie Tod und Trauer beinhalten. Da kriege ich viele Nachrichten dazu, dass das auf Beerdigungen gespielt wird oder Leuten bei der Trauer geholfen hat. Das ist das schönste Kompliment, das man bekommen kann.

    Evelin: Am Ende jedes Interviews fragen wir nach einer untold story. Gibt es etwas, was du noch nicht mit der Welt geteilt hast und jetzt gern offenbaren würdest? 😊

    Lina: Ich habe einen Song auf dem Album, der heißt Wo sind die Jahre hin. Da beschreibe ich einen Moment, wie ich einer ganz alten Person gegenübersitze und die Person hat kurz einen wachen Moment und erzählt mir Dinge und ist ganz zart, streichelt zärtlich meinen Kopf. Und alles was ich da singe, ist zu 100 % genau so passiert. Ich habe einfach nur das aufgeschrieben was passiert ist.

    Evelin: Lina, vielen lieben Dank für das schöne Interview. Ich wünsche dir noch viel Spaß beim Proben und natürlich bei den Acoustics Concerts!

    Hört bereits in die veröffentlichten Singles von Lina Maly rein und verpasst sie nicht bei den Acoustics Concerts: am 11.07. in Offenbach am Main und am 18.07. in Dresden! Tickets gibt es hier.

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    Fotocredits: Antje Burchert

  • LAUREL im Interview: »This EP represents me growing into a woman«

    LAUREL im Interview: »This EP represents me growing into a woman«

    Throwback 2014: Ich bin wieder bereit die nächste Vampire Diaries Folge zu schauen (don‘t judge, es war eine weirde Zeit). Plötzlich ertönt ein Song im Hintergrund. Sofort checke ich das Lied: Fire Breather von LAUREL. Und so begann meine Liebe für die britische Sängerin. Damals noch etwas finsterer unterwegs, assoziiert man die britische Sängerin heute mit plüschigem Synth-Pop. Ihr Debütalbum DOGVIOLET war gezeichnet von leichter Melancholie, dagegen klingt Limbo Cherry viel leichter und träumerischer. Irgendwie retro und futuristisch im selben Ton. Zusammen mit der 80’s-Pop-Princess haben wir kurz vor dem Release über ihre neue EP Limbo Cherry (mittlerweile schon draußen), Frauen im Musikbusiness und ein Glas, das zum Verhängnis wurde, gesprochen.

    LAUREL im Interview

    Evelin: Hey Laurel! How are you?

    Laurel: Yeah, good! Record comes out tomorrow, so things are quite busy.

    Evelin: How do you feel a day before your release? Do you still get nervous since releasing has kind of become a routine for you?

    Laurel: No, I don’t really get nervous. It’s funny, I get really excited a few weeks before and then the actual few days before, I don’t even think about it. You just get into a shock almost and don’t think about it. You’re just kind of on ‘go, go, go’-mode, so you’re not really thinking. But I am really excited! I am a little bit nervous for people to get the notes. There’s always that, you know.

    „This side is the water emotion“

    Evelin: I really enjoy the EP and have my own interpretation of it. Can you explain the meaning behind Limbo Cherry in more detail?

    Laurel: It’s the second part of my previous EP Petrol Bloom, which was much more fiery and passionate and a lot of adrenaline in the emotions. This side is the water emotion, the opposite end of the spectrum for me. And this EP really represents me growing into a woman. I’m in my mid-twenties and in this limbo state of being a child, a teenager, to being a woman. And I think the emotions that you can feel in between. The Limbo Cherry is what it represents. Growing into a woman but finding yourself stuck in this limbo state in love, with the world but also coming to realize what the world really is.

    Evelin: Would you say that the two EPs are two parts of your personality or that you’ve grown more into ‘Limbo Cherry Laurel’ or are you still feeling like you are in this limbo state?

    Laurel: I think they’re both me. I think there’s two sides to everyone. Tracks like Scream Drive Faster on Petrol Bloom, that’s very much me as well when I’m full-charging, ready to go, full of life and just wanting to party. And then the other side of me, which is Limbo Cherry, much more innocent and naïve and maybe reflective of emotions. I wrote Limbo Cherry during the pandemic and the lockdown when I had time to be on my own and be reflective. So, I think that side of me came out more in this EP. I had a bit of space, and I think that’s probably why I wrote this vibe.

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    „I’m not sure what me as a woman is yet“

    Evelin: You said that the theme of the EP revolves around you becoming a woman, stepping into these female emotions. How do you define your womanhood?

    Laurel: Uh that’s hard (laughs). It’s definitely something I’m going through right now. Before now I never had any thought about my gender at all. I just was me, and I guess there’s a lot of talk in the air right now about gender and different gender roles. It’s definitely made me think about my own. Whether I identify with my own gender. And I’m not sure, to be honest. I think I’m very much exploring all of that. I’m not sure what me as a woman is yet. I think I’m growing into it. It makes me feel a bit uncomfortable actually, if anything. Figuring it all out, I’m not quite blossomed (laughs).

    Evelin: That’s definitely happening to a lot of us at the moment. There’s both female and male energies in us. But I don’t know if you really have to find an answer to that, if you have to decide on something.

    Laurel: I think that defining things sometimes makes it harder to understand. People always try to understand things and put them into words and thought. Whereas a lot of these things are actually just feelings, and they don’t need to be ever defined. So, I quite like living in this space where I don’t need to ever define certain things, and that’s kind of where I’m at now. It feels good.

    Evelin: I think sometimes when you define things, you can feel restricted or stuck. There might not be room for exploration.

    Laurel: I guess for some people, defining themselves in roles of gender is very important and really understanding that as well. I guess because I was born into being a woman and I do feel somewhat like a woman, I feel there’s more room in me to explore those feelings. Rather than having to decide anything, because it’s kind of decided for me.

    „I fought to prove that I was more than something to look at“

    Evelin: So, there’s definitely not enough recognition for female artists and producers. Since you have produced most of your work completely on your own, did you ever feel pressure to DIY everything, because you felt like you had to prove yourself as a woman in the industry? And how did that change now, with you collaborating with Chrome Sparks on both EPs?

    Laurel: There probably was a part of me which felt pressured to prove myself. I definitely experienced a lot of people saying “you’re attractive”. I also have a big interest in fashion, I do a lot of photoshoots and there’s a whole other side to me. Which I think some people don’t think is always compatible with being intelligent, being skilled or having your own mind. And I think I definitely fought to prove that I was more than something to look at, which is a shame because I don’t think you have to do that with men, actually.

    I think there was a part of me that was doing that, and another part of me which is just very, very stubborn and strong-minded. I just knew exactly what I wanted and I wasn’t finding it with anybody else. So, I just decided to take it on myself. I was very open to working with people at some point, but I just never found the right collaborator. And that made me realize that I was meant to do the record on my own. And so, I did.

    Now working with Chrome Sparks there probably is a part of me that has grown up, matured a bit and realized I don’t need to do everything on my own. My art is as valuable and as credible with the help of people. And I was open to collaborate on this record, that was my intention. Jeremy (Chrome Sparks) being a friend, we were sitting around one day, and it really clicked. I got quite lucky there. It was a bit by accident, but I feel very liberated by working with other people now. Before, I was very closed-off to it.

    „It really shows my true personality“

    Evelin: My personal favourite is Obsessed. Especially because initially, it came from a very negative perspective, and you switched to a more positive one. What is one song that means the most to you and for what reason?

    Laurel: Obsessed is my favourite track on the record, because it’s so fun. The one that means the most to me is Drown in Sunlight, the last track. I tried so hard to write a happy song with this one and I really felt happy at the time and like I needed to write something very different. But these lyrics kept coming to my head, they were unchangeable. I tried so many times to rewrite the lyrics, but they just worked so perfectly. In the end, I gave up and came back to it about a year later. These lyrics are so true to me and everything I’ve been through. It’s funny, I was revisiting them so much, trying to write something happy. But they mean the most to me. It really shows my true personality in the way that the lyrics are written, it really feels like me.

    Evelin: Drown in Sunlight is very interesting to me as well. I can relate to a lot of the things you say, but I can’t really pinpoint the exact meaning of the song. Can you explain it in more detail?

    Laurel: For me there’s two sides. The first is, being in a long-term relationship. There’s these waves that you get, where there’s times of relation and there’s times of doubt. For me, I’m on the other side of the world from my boyfriend. The song is about love, blind love. That no matter what, you’re so in love with somebody. All you can see is that you love them. But there’s so much going on around you, and this is in on these phases of doubt.

    Where you’re really not sure where you’re at with somebody at all. But no matter how unsure you are of the logical situation; you know your true feelings. So, I think this song is about meeting somebody in the middle and finding out where you both are and also being realistic. A lot of songs – especially some of mine – are very romantic and like “oh, we’re so toxic but so in love, it’s amazing”. But this one’s really like “let’s be real about where we are as humans” and at the moment I’m doubting. You always get those waves. It’s never just one thing, it’s always changing.

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    „I don’t want to be in limbo forever“

    Evelin: Over the whole EP, but especially in the song You’re the One you explore this ambivalence of emotions, this teenage state of mind. Are these emotions that we feel in lust, in ecstasy, while we drink more genuine and truer because we don’t overthink them? Or are they rather deceiving?

    Laurel: I think they’re very deceiving. They’re feelings more in the ego than the heart. But that’s not a bad thing, because sometimes that’s where you’re at, and you just want something that is lighter because you can’t always handle that. It’s not that they’re bad or good. But I would say they’re not totally true. We’re talking about the more addictive side of personality where you want something, but your brain is like “no, you shouldn’t have that” but you want it so much. And that for me is very much based on our egos. It’s fun but it’s not lasting.

    Evelin: You’ve grown a lot, in the past year and that’s amazing. Do you feel the pressure to achieve substantial growth with every release? That it has to show something different, something new and bigger?

    Laurel: 100%. I’m always going to make what I make, that’s just what happens. I’m not thinking about what other people are going to think when I’m writing a song. But at some point, when you’re about to release something, you get nervous, because you know what they say: “You’re only as good as your last song, book or painting”. Everybody wants to grow. We never want to stay the same, that’s boring. I don’t want to be in limbo forever. Of course, every record, I want to do better than my last. And every record feels more like me. Of course you want that version of you to be liked as much as every other version, because it’d be like rejecting yourself. You can’t get too attached, but there’s no way you’re not. It’s your art, it’s who you are. So, I hope you like it. No pressure (laughs).

    Evelin: (laughs) I do, I really enjoy it.

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    „My life needs to replicate a holiday“

    Evelin: When you do feel that pressure, what do you do to reconnect with yourself?

    Laurel: For me, I have to get off my phone. Every Sunday I have a tech-sabbath. I don’t use technology on Sunday and it’s life changing. Monday I’m so renewed, I feel like a different person. It forces you to do a lot of things where you can’t use your phone. It’s also not that easy to suddenly meet up with a friend on Sunday. I’m spending a lot of time reading. I love reading, it’s my big thing. I like doing arts and crafts and play music. Getting out of the city is a big one for me also. The city (London) is a major overload with all the senses, they build up on top. You need to bring that down again. So, I have to leave the city as much as I can. I can’t always do it. And when I can’t do it, I take my tech-sabbath.

    Evelin: I get you, this hustle culture is very toxic, with people working on weekends next to their actual work for example.

    Laurel: Yeah, I’m not like that. I’m the opposite. My life needs to replicate a holiday, otherwise I’m not having a good time. So, I’m more for working less.

    „If it doesn’t come quite instant, I drop it“

    Evelin: Do you tend to overthink your songs and sit on some details more than you maybe should?

    Laurel: I’m not a detailed person, I’m a really quick worker. I don’t work for a long time, I probably have a bit of ADHD to be honest. I just can’t do details, I write pretty quickly, and then maybe I’ll come back and have a look at it again and I’ll try and rework something. But if it doesn’t come quite instant, then I drop it. My attention span is not good for that. But that’s why I like working with Jeremy (Malvin, Chrome Sparks), because he’s the opposite. He has all the attention in the world for the details. We’re balancing out.

    Evelin: I know that you love poetry and you write it yourself. Is there any collection you can recommend? Something you’ve read recently or one of your all-time favourites?

    Laurel: I haven’t read a lot of poetry recently. I’m about to read a poetry book. My favourite poem ever is The Love Song of J. Alfred Prufrock by T.S. Eliot, which is just the best poem in the world.

    Evelin: Next to the EP, is there something else that you’re excited about? A new book, a craft that you took up?

    Laurel: I’m writing another book. I’m just trying to finish it right now. I’m not sure when we will put that out, but I’d hope not too far away, because I’ve been writing it for a while now. So yeah, I want to release another book and I’m starting to write for my next album, That’s the next big project on the horizon.

    The exclusive on the broken tooth

    Evelin: That’s a good project to have! We always ask for an untold story at the end, is there anything that comes to mind?

    Laurel: I don’t know if this is even relevant at all, but it just happened. I think I’ve broken my tooth, I promise I haven’t told anyone. But I hit my glass with water, a really thick glass, on my tooth. And I looked in the mirror before this interview and it’s got a crack down there. So, I’m quite upset. I don’t know whether it’s going to fall off or not. You might see me looking quite different after this interview.

    Evelin: Oh my god, I didn’t expect that.

    Laurel: I didn’t expect it either, and I really like my teeth. So, I’d be really upset if this actually happens. I couldn’t tell and then I looked and was like “omg, it’s terrible“. So yeah, that’s my untold story. Because I’ll tell you what: I tell everyone everything. So, I’m pretty sure that’s probably the only thing that’s worth talking about that hasn’t been told to someone. Because I talk a lot. So you got the exclusive on my broken tooth.

    Evelin: That’s going to be the headline: “Singer Laurel lost her tooth!” Though it didn’t happen doing something cool, it was just a glass of water.

    Laurel: No, I know! It’s so annoying. It was just a glass of water. It was a really thick glass. So, I’m not going to use that glass again, that’s for sure.

    Evelin: I guess you have to call your dentist now, but thank you and good luck with everything. I had a wonderful time!

    Laurel: Yeah, me too! Thank you so much for chatting, see ya!

    Packt Limbo Cherry auf jeden Fall in eure Warteschlange und setzt eure Retro-Brille auf. Im Idealfall habt ihr einen DeLorean in der Garage stehen und fahrt dem Sonnenuntergang entgegen.


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    Fotocredits: Lewis Vorn

  • Musik gegen Rechts: deutsche Künstler:innen werden politisch

    Ausländerfeindliche Übergriffe, steigende Gewaltbereitschaft und wachsende Wahlerfolge der AfD – der Rechtsruck in Deutschland ist deutlich zu spüren. Ein Großteil der Bevölkerung hat es jedoch satt. Doch wie kann rassistisches Gedankengut am effektivsten bekämpft werden? Am besten vermittelt man es durch etwas, das jedem Spaß macht: Musik. Deshalb zeigen mittlerweile viele Musiker:innen, wo sie politisch stehen. Das hört man in ihren Songs, sieht man bei ihren Konzerten und liest man auf Social Media. Das ist ihre Strategie: So mischen sich deutsche Künstler:innen in die Politik ein!


    „Es gibt viele Feinde der freien Gesellschaft.“
    Christoph Sell, Feine Sahne Fischfilet



    #WIRSINDMEHR – Doch was bleibt nach dem Hashtag?

    Es ist der 26. August 2018 und es ereignet sich auf den Straßen der Chemnitzer Innenstadt. „Volksverräter, Schweinehunde, Faschisten!“, rufen die Rechtsextremist:innen während sie auf die Polizisten einschlagen. Ihre geplante Hetzjagd auf Migrant:innen ist in vollem Gange. Alles, was sich gegen sie stellt wird angegriffen – egal, ob Polizist:in, Journalist:in oder Passant:in. Sie lassen ihrer Wut freien Lauf. Der Auslöser für ihren Zorn: Am Vortag gingen ein Syrer und ein Iraker mit einem Messer in einem Streit auf eine andere Gruppe Männer los, wobei einer tödlich verletzt wurde. Grund genug für die rechte Szene, sich mit Gewalt auf der Straße an den ausländischen Mitbürger:innen zu rächen. Die fremdenfeindlichen Ausschreitungen an diesem Tag sind gefolgt von Demonstrationen und einem Trauermarsch der AfD und Pegida an den folgenden Tagen.


    Chemnitz – eine Stadt im Ausnahmezustand
    Musik gegen Rechts: Marteria und Casper auf dem #wirsindmehr-Konzert


    Doch bevor Chemnitz den Stempel als Hochburg der rechten Gewalt aufgesetzt bekommt, meldet sich Kraftklub zu Wort. Die Band um Frontsänger Felix Brummer will nicht zusehen, wie ihre Heimatstadt von Neonazis instrumentalisiert wird. Sie organisieren zusammen mit dem Chemnitzer Stadtmarketing ein kostenloses Konzert. Das Konzept dahinter: Deutsche Musiker:innen positionieren sich klar und deutlich gegen die Rechtsgewalt und nutzen ihre große Reichweite, um den Hetzern zu zeigen, dass sie in der Unterzahl sind. Das Motto lautet „Wir sind nicht allein, wir sind mehr!“ und gibt der Veranstaltung den Namen #wirsindmehr. Unter dem Hashtag wird das Konzert innerhalb kürzester Zeit ein viraler Hit. Immer mehr Künstler:innen schließen sich der Bewegung an.


    #wirsindmehr

    Am 3. September 2018 ist es dann soweit. 65.000 Besucher:inneb machen sich auf den Weg nach Chemnitz um durch ihre gemeinsame Liebe zur Musik ein Zeichen gegen den Rechtsruck zu setzen. Auf der Bühne stehen neben Kraftklub weitere deutsche Künstler:innen: Die Toten Hosen, Casper, Feine Sahne Fischfilet, K.I.Z, Marteria, Nura und Trettmann. Das Konzert wird auf YouTube im Livestream und auf 3sat im Fernsehen übertragen. Alles läuft friedlich und störungsfrei ab.


    Ziel erreicht!

    Wenn mehr als 50 Tausend Leute „Nazis raus!“ rufen, dann hat wohl auch das dickköpfige, unbelehrbare AfD-Mitglied verstanden, dass es hier nicht willkommen ist.

    Die Social Media-Gemeinde ist sich da allerdings nicht ganz so einig. n-tv kritisiert über Twitter, dass „nur die üblichen Verdächtigen“ vor Ort seien und die komplette Deutschpop-Front nicht vertreten ist. Helene Fischer kontert darauf, indem sie sich per #wirsindmehr zum Konzert bekennt. Größtenteils ist das Feedback aber positiv. Die spontane und trotzdem einwandfreie Organisation wird gelobt und die Künstler:innen sind für viele ein Vorbild. Deutschlandfunk stellt klar: Die schweigende Mehrheit Sachsens ist zwar immer noch da, wird aber so langsam wach.

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    https://twitter.com/DrWaumiau/status/1036616923520409602?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1036616923520409602%7Ctwgr%5E%7Ctwcon%5Es1_c10&ref_url=https%3A%2F%2Fpreview.shorthand.com%2FzbHsb4lJwaQIR7et

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    Aber es bleibt nicht nur bei dem einen #wirsindmehr-Konzert. Im Juli 2019 findet in Chemnitz die nächste Veranstaltung mit Musik gegen Rechts statt. Das Kosmos-Festival unter dem Motto „Wir bleiben mehr“ zählt 50.000 Besucher:innen, die zu Künstler:innen wie Alligatoah, Herbert Grönemeyer oder Tocotronic wieder ein Zeichen setzen wollen, dass die Rechten nicht das Zepter der Stadt in ihren Händen haben.  


    #wirbleibenmehr

    #wirsindmehr ist nicht einfach ein einmaliges Konzert. Der Hashtag ist heute Synonym für eine bunte, offene und von rechter Gewalt freie Gesellschaft. So schleicht sich #wirsindmehr immer wieder unter die Twitter-Trends, wenn es einen Angriff rechtsradikaler Gruppen gibt. Auch im Jahr 2021 ist es wichtiger denn je, der rechten Szene zu kontern und zu zeigen, dass sie nicht die Oberhand in Deutschland hat.


    #wirsindschonlangemehr

    Musiker:innen, die sich gegen rechte Gewalt auflehnen – das ist keine Entdeckung des 21. Jahrhunderts. In den letzten Jahrzehnten gab es immer wieder Bewegungen, Initiativen und Aktionen der linken Musikszene, die sich deutlich gegen Unruhen durch Fremdenhass, rechte Hetze und für die Freiheit aller einsetzen. Ein Großteil findet seinen Ursprung im Deutschpunk, aus dem auch das heutige Flaggschiff der linken Musik entstanden ist: der Politpunk. Hier kurz einmal einige wichtige Eckpunkte der deutschen Punkgeschichte, an die heutige Musikevents wie #wirsindmehr erinnern:


    FEINE SAHNE FISCHFILET – Politpunk gegen Rechts

    Dass Rechtsextremismus in Sachsen ein großes Problem ist, ist mittlerweile bekannt. Doch die Ausschreitungen in der ehemaligen Karl-Marx-Stadt lassen ein anderes Bundesland oft im Hintergrund stehen: Mecklenburg-Vorpommern. Der Ostsee-Bezirk bekommt von den meisten Deutschen nur einmal im Jahr Aufmerksamkeit, nämlich dann, wenn es zum Sommerurlaub nach Rügen oder an den Timmendorfer Strand geht. Doch wohnen möchten dort die wenigsten. Meilenweite freie Flächen, kleine Dörfer, abgeschottet von der Außenwelt – kein Wunder, dass sich die Einwohner:innen von der Regierung oft vernachlässigt fühlen. Das Problem an der Situation: Viele geraten dadurch in die rechte Szene. Der 35-Einwohner Ort Jamel ist sogar als Nazidorf bekannt, dort leben die Menschen nach dem Motto „frei, sozial, national“ und haben das auch auf ihren Häusern verewigt. Auch wenn Jamel ein Extremfall ist, ist der Ort leider nicht das einzige Sorgenkind in Mecklenburg-Vorpommern.

    Schwer vorstellbar, in so einer Region öffentlich zu seiner antifaschistischen, linken Haltung zu stehen. Für die Politpunk-Band Feine Sahne Fischfilet aus Jarmen gibt es allerdings gar keine Alternative: Auch sie machen Musik gegen Rechts. In ihrem Musikvideo zu „Alles auf Rausch“ machen Sie das mehr als deutlich.

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    Das Aufwachsen auf dem Land hat die Einstellung der Band und wie sie mit bestimmten Situationen umgehen bedeutend geprägt. In Jarmen gab es nur wenige andere Punkbands und ab und zu kleine Demos der linken Szene, die die Gewaltbereitschaft der Rechten eher gefördert als gefordert hat. Laut Gitarrist Christoph gewöhnt man sich an sowas aber schnell.


    „Man nimmt es immer einfach so auf. Aber eigentlich ist es total skandalös, was da abgeht.“
    Monchi von Feine Sahne Fischfilet

    Den Zuständen in Jarmen haben die DIY-Punker gepflegt getrotzt und einfach ihr eigenes Ding gemacht. Von der Organisation von Veranstaltungen bis hin zum Presse-Statement, Feine Sahne Fischfilet hat sich alles selbst erarbeitet und beigebracht. Das hebt sie von vielen anderen Bands ab. Die Jungs aus dem Osten haben dabei auch gelernt, sich immer den Humor zu behalten und die Lebenslust nicht zu verlieren. Das hört man auch in ihren Songs.

    Den aufmerksamen Zuhörer:innen fällt schnell auf, dass Feine Sahne in ihren Songs ganz unverblümt zu Gewalt aufrufen. Andererseits positionieren sie sich deutlich gegen rechte Gewalt. Wie passt das zusammen? Ganz einfach, gegen die rechte Szene anzureden bringt leider meistens nichts. Das mussten Feine Sahne Fischfilet selbst auf die harte Tour lernen.


    „Wenn du immer noch deine andere Wange mit hinhälst, wenn du mal einen in die Fresse kriegst, dann hast du irgendwann keine Zähne mehr im Maul. Das bringt gar nichts!“


    Seitdem schlagen die Jungs auch mal zurück. Dabei geht es ihnen nicht nur um die bloße körperliche Tat, sondern viel mehr die Botschaft dahinter: Wir lassen uns das nicht gefallen. Wir sind gegen euch und stehen dazu! Sie sind bereit für ihren Grundsatz zu kämpfen, nämlich für eine freie Gesellschaft, würden aber selbst nicht behaupten, dass sie für Gewalt einstehen, sondern viel mehr von den Nazis und Rechten dazu gezwungen werden, da diese sonst die Oberhand bekommen würden.


    „Das finde ich total notwendig: Wenn Nazis auf dem Land aktiv sind und alles einschüchtern, was irgendwie für eine bunte Gesellschaft und eine freiheitliche Gesellschaft steht, dann muss sich diese Gemeinschaft wehren!“


    Vor ihrem Konzert am 30.11.2019 in Lingen habe ich mit Feine Sahne Fischfilet über ihre Texte, den Rechtsruck und die deutsche Politik geredet. Das sind die Antworten von Christoph und Olaf:

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    „‘Wir sind mehr‘ ist für mich immer noch ein Leitsatz, an den ich glaube.“

    #wirsindmehr ist nicht die einzige Kampagne, für die die Punker aus Jarmen sich bereits eingesetzt haben. Zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern 2016 starteten sie selbst die Kampagne „Noch nicht komplett im Arsch – Zusammenhalten gegen den Rechtsruck!“. Ihr Ziel: Das Wir-Gefühl stärken! Dass die AfD zu dem Zeitpunkt wieder neue Wahlerfolge erzielen konnte und das rassistische Klima im Land wuchs, war den Jungs bewusst. Dass sie das durch die Kampagne auch nicht aufhalten konnten, auch das war ihnen bewusst. Trotzdem war es wichtig, ein Zeichen zu setzen und der rechten Front etwas Gegenwind zu bieten – und das unabhängig von Parteien. Eine Reihe von Veranstaltungen sollte die Bürger:innen vor Ort informieren und aufmerksam machen. Lesungen, gemeinsames Singen, Gesprächsrunden und Grillen stand auf dem Plan, außerdem spielte Marteria ein Konzert in Anklam. Den krönenden Abschluss bildete das „Wasted in Jarmen“-Festival, das seitdem jährlich wiederholt wird und ein beliebter Schauplatz für Musik gegen Rechts geworden ist.


    KEIN BOCK AUF NAZIS – Die Kampagne gegen Rechts

    Sei es durch klare Worte oder ohrwurmverdächtige Sounds, Musik verbindet Menschen einfach. Wenn dann auch noch eine politische Message dahintersteckt, kann Musik sogar bildende Eigenschaften haben. Doch in der Politik erreicht man damit leider wenig. Das ist den Musiker:innen bewusst. Viele wollen das auch gar nicht unbedingt.

    Die Punkband ZSK hat die Schnauze voll, denn sie haben Kein Bock auf Nazis und bereits 2006 die gleichnamige Kampagne ins Leben gerufen. Sie wollen vor allem die Jugend damit erreichen. Jugendliche können sich über Kein Bock auf Nazis zum Thema Rechtsextremismus informieren und sich vernetzen. Wer Hilfe beim Organisieren von Demonstrationen oder Infoständen braucht oder in der Schule das Thema behandeln möchte, findet hier Unterstützung. Dazu gibt es eine kostenlose DVD, Broschüren, Plakate, Sticker und weiteres Infomaterial. Vor allem in den Schulen wird das Angebot sehr gut angenommen. Viele Lehrer:innen bauen die Materialien und den Film mittlerweile in ihren Unterricht ein, um Präventionsarbeit zu leisten. ZSK ist dabei nur wichtig, dass sich keiner auf den Lorbeeren anderer ausruht, sondern selbst etwas startet und sich mit Freund:innen zusammentut. Jeder soll selbst die Initiative ergreifen.

    Die Kampagne hat eine breite Basis an Unterstützern. Bands wie Die Ärzte, Die Toten Hosen, Fettes Brot oder Deichkind stehen hinter dem Projekt. Auch Feine Sahne Fischfilet engagiert sich aktiv für Kein Bock auf Nazis. Die Vertreter:innen von Musik gegen Rechts wollen es nicht einfach nur bei ihren Songs belassen, sondern auch Initiative ergreifen. ZSK-Sänger Joshi ist begeistert von dem Rückhalt, den seine Band und die Kampagne in der deutschen Musikszene genießt:


    „Ich finde es wichtig, dass man bei ganz vielen Bands weiß, dass sie im richtigen Moment auf der richtigen Seite stehen.“
    Musik gegen Rechts: ZSK auf der Bühne mit Banner "Make racists afraid again


    Bei der Gründung von Kein Bock auf Nazis wurde die Bands von vielen Seiten belächelt, doch das Thema der Kampagne ist mit den Jahren immer aktueller und wichtiger geworden. Was steckt also heute noch hinter dem Projekt und wer ist die Band dahinter?


    „Ich hätte mir gewünscht, dass vieles, was ich damals gesungen habe, heute nicht mehr aktuell wäre. Aber so ist es nicht.“


    Politische Texte mit einer klaren Message – das steht bei den Songs von ZSK im Mittelpunkt. Sie wollen nicht „einfach nur“ Musik machen, sie wollen bewusst politisch sein. Laut Sänger Joshi ist die deutsche Gesellschaft momentan in zwei Extreme gespalten: AfD, NSU und Anschläge auf der einen Seite stehen Hambi-Demos, Antifa und Ende Gelände auf der anderen Seite gegenüber. ZSK positioniert sich klar und deutlich: Alerta, Alerta, Antifacista! Sie unterstützen eine Vielzahl an antifaschistischen Organisationen und nehmen diese auch immer wieder gerne mit auf Tour. Vor ihren Konzerten findet man so gut wie immer Infostände gegen Rechtsextremismus. Sänger Joshi erinnert das Publikum auch auf der Bühne regelmäßig daran, sich gegen den Rechtsruck zu wehren. Ein gemeinsamer Antifa-Ruf darf da natürlich nicht fehlen. Man könnte also sagen, die Band lebt in ihrer Nazi-freien Blase. Damit geben sich die Punker allerdings nicht zufrieden. Ihrer Meinung nach unternimmt die Politik viel zu wenig bis gar nichts gegen den Rechtsruck in Deutschland. Deswegen nehmen die Jungs das Ganze lieber gleich selbst in die Hand. Getreu dem Motto „Do it yourself“. Mit der Kein Bock auf Nazis Kampagne haben sie ihre Filterblase aufgelöst und leisten Präventionsarbeit für die ganze Gesellschaft.


    Es hilft dir auch keine Polizei oder keine Politiker:innen, die immer sagen: „Zivilcourage finden wir ganz toll. Und wenn es dann aber beim Nazi-Aufmarsch eine Sitzblockade gibt, eine friedliche, und alle kriegen Pfefferspray ins Gesicht, dann sind die Politiker:innen nicht da.“
    Musik gegen Rechts: Joshi, der Sänger von ZSK

    #WIRWERDENIMMERMEHRSEIN – Wieso das Konzert nicht einfach nur ein Konzert war

    #wirsindmehr, Kein Bock auf Nazis und Noch nicht komplett im Arsch! – alle drei Projekte sind Kampagnen gegen den Rechtsruck in Deutschland, ins Leben gerufen durch Musiker:innen. Sie stehen beispielhaft für den Einsatz deutscher Künstler:innen für die politische Lage der Nation. Die Bands und ihre Musik gegen Rechts werden für ihr Engagement immer wieder gelobt, oft auch aus der Politik. Das prominenteste Beispiel dafür ist wohl Frank Walter Steinmeiers Aufruf, das #wirsindmehr-Konzert zu besuchen, für das er allerdings Kritik von Annegret Kramp-Karrenbauer einstecken musste.

    Die große Frage, die seit #wirsindmehr kontrovers diskutiert und immer wieder bei Kampagnen ähnlicher Art aufkommt, ist wohl diese: Hat das Konzert eine Veränderung schaffen können? Ist nicht alles noch genauso wie vorher?


    Was bleibt am Ende noch über?

    Joshi von ZSK kann solche Ansichten nicht verstehen. Die Leute, die sich über so etwas beschweren, seien eigentlich nur neidisch, dass es nicht ihre eigene Idee war. Er findet, dass das Konzert wahnsinnig viel gebracht hat. Joshi bringt es auf den Punkt:


    „Da waren 65 Tausend Leute. Selbst, wenn nur 1% davon danach sagt: ‚Das war so ein überwältigendes Erlebnis. Ich mach jetzt in meiner Stadt auch was gegen Nazis.‘ – Alleine dann hat sich das gelohnt. Dieses ganze Gejammer, das Konzert hätte ja gar nichts gebracht, geht mir wahnsinnig auf die Nerven. Dann macht doch was anderes, besseres. Aber ich glaube das war ein super Signal und das sollte es ruhig öfter geben!“
    Christoph von Feine Sahne Fischfilet


    Feine Sahne Fischfilet macht es vor: #wirsindmehr war nicht einfach nur eine einmalige Veranstaltung. Es ist ein Leitsatz, nachdem jeder einzelne sein alltägliches Handeln ausrichten sollte. Seit dem Konzert engagieren sich deutlich mehr Bands politisch. Das ist vor allem bei der Europawahl im Mai 2019 aufgefallen, bei der ein Großteil der deutschen Musiker:innen ihre Fans zur Stimmabgabe bei der Wahl aufgerufen hat. Dadurch werden auch Leute erreicht, die sich sonst nicht aktiv politisch einsetzen und lieber stille Beobachter:innen sind. Die Aufmerksamkeit für ihren eigenen politischen Aktivitäten steigt. Es geht dabei nicht einmal darum, die Menschen in eine bestimmte Richtung zu lenken, sondern einfach Bewusstsein für das eigene Handeln zu schaffen. Natürlich ist das nichts Neues für aktive Antifa-Mitglieder oder die Supporter:innen der AfD. Aber es geht hierbei doch auch vielmehr um das schweigende Mittelfeld und die Message: Bilde dir deine Meinung und steh dazu! (und höre Musik gegen Rechts)