Kategorie: untold stories

  • Sam Vance-Law im Interview: »Ich hatte nichts mehr in mir – keine Wut, keine Trauer, war einfach nur noch da«

    Endlich ist es da! Über vier Jahre (gefühlt: siebenundvierzig Jahre, mindestens!) mussten wir warten: Sam Vance-Law, der beliebteste in Berlin lebende kanadische Musiker ever, hat endlich sein zweites Album „Goodbye“ veröffentlicht. Nach seinem bis heute allseits beliebtem Debüt „Homotopia“ lässt er uns nun an einer Trennung teilhaben, die wir auf keinen Fall selbst erlebt haben wollen. Und doch reißt er uns mit seiner unvergleichlichen musikalischen Kraft direkt mit in Schmerz, Trauer und auch irgendwie Humor. Für Fangirl Jule ist ein kleiner (großer) Wunsch in Erfüllung gegangen, als sie sich kürzlich mit Sam Vance-Law zum Interview getroffen hat. Es geht – natürlich! – um die Entstehung des neuen Albums, aber auch um Witze und Weinen im Taxi. Viel Spaß beim Lesen!


    Sam Vance-Law im Interview

    Jule: Hey Sam, freut mich, dich zu sehen. Zuerst mal: Wie geht’s dir?

    Sam Vance-Law: Mir geht’s blendend. Wir haben Sommer, die Platte ist draußen in der Welt und ich habe frei. Also nein, das stimmt nicht so richtig, weil wir eben geprobt haben und ich dafür ja üben musste. Aber ansonsten habe ich mir die letzten Tage freigenommen, das finde ich sehr schön. Ich habe meine Steuern nicht gemacht, die schreiben mir ständig. Ich habe auch nicht abgewaschen. Es ist super gewesen (lacht). Irgendwann muss ich damit wieder anfangen, aber ja, also mir geht es gut, alles super.

    Jule: Das freut mich sehr! Du hast ja in den letzten Tagen bestimmt schon ein paar Reaktionen zu deinem neuen Album „Goodbye“ bekommen. Wie waren die für dich bis jetzt?

    Sam Vance-Law: Die sind bisher super gewesen, das finde ich top. Also die Kritiker*innen waren natürlich die ersten, die die Platte gehört und dann darüber geschrieben haben. Das war ein bisschen überfordernd, aber auch sehr schön. Jetzt kommen auch so „normale“ Menschen dazu und die finden die Platte bisher auch gut. Das sind auch eher Fans und Leute, die mich schon kennen, weil die eben die ersten sind, die Bock haben, eine neue Platte zu hören. Aber die sind bisher auch alle Fans davon und finden sie gut. Bisher kann es also echt nicht besser laufen.

    Jule: Dein Debütalbum „Homotopia“ hatte 2018 ziemlich großen Erfolg und ist sowohl in der queeren als auch besonders in der schwulen Musikkultur ein ganz wichtiges Werk. Hast du vor dem zweiten Album irgendwie Druck verspürt, so nach dem Motto „ich muss jetzt nachliefern, das muss genauso geil werden“?

    Sam Vance-Law: Ja, Leute haben mich ständig gefragt, wann „Homotopia 2“ kommt (lacht). Aber ähm, nein, eigentlich nicht. Hätte ich keine Trennung gehabt, wäre das wahrscheinlich ein Ding gewesen, dass ich mich gefragt hätte: „Worüber möchte ich schreiben? Was wollen die Leute? Was möchte ich? Habe ich noch was zu sagen?“. Aber das ist ja eh das Zweite-Platte-Problem. Anyway, ich habe dieses Problem nicht gehabt, denn da gab es eben diese Trennung. Ich war gar nicht glücklich und konnte daher auch nichts Anderes schreiben. Dann habe ich das geschrieben, was ich eben geschrieben habe. Also das hat es für mich auf jeden Fall viel einfacher gemacht, thematisch.


    »Irgendwas zu bereuen, worüber man keine Kontrolle hat, ist Irrsinn«

    Jule: Auf der anderen Seite muss man aber auch dazu sagen, dass, diese Trennung, von der „Goodbye“ handelt, ja rund um den Release von „Homotopia“ passiert ist.

    Sam Vance-Law: Ja genau, das war kurz vor dem Release.

    Jule: Wie war diese Zeit für dich? Konntest du diesen emotional-schönen Input, den du ja bekommen hast – die Reaktionen waren ja ziemlich lange ziemlich geil –genießen? Hast du das überhaupt mitbekommen? Oder hat es dich vielleicht sogar beflügelt?

    Sam Vance-Law: Nein, gar nicht, ich habe eigentlich alles verpasst. Es gab Freunde, Fans oder die Band, die gesagt haben „Ach, war das schön“ – und ich war nur so: „Ja, für euch, hoffentlich“ (lacht). Aber für mich war das so… Es war natürlich sehr schön, dass die Reaktionen so gut waren, aber ich konnte die absolut nicht annehmen, emotionalwise. But it’s a bit of a silver lining – dafür bin ich nicht super egoistisch oder eitel oder so was geworden, weil ich das alles nicht so richtig mitbekommen habe. Also weißt du, dieses Star-Gefühl, „ich bin es jetzt“ oder so (lacht). Also es hat mir schon was bedeutet, aber im Vergleich zu dem, was ich parallel noch alles erlebt habe, war es ziemlich wenig eigentlich. Jedenfalls in diesem Moment.

    Jule: Auch wenn es Blödsinn ist, aber würdest du das ändern, wenn du könntest?

    Sam Vance-Law: Irgendwas zu bereuen, worüber man keine Kontrolle hat, ist ja Irrsinn, das mache ich nicht. Ich bereue es nicht und ärgere mich daher auch nicht. Ja, vielleicht wäre es unter anderen Umständen schöner für mich gewesen. Vielleicht. Aber ziemlich viel wäre vielleicht irgendwie schöner gewesen.

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    Jule: Kommen wir mal ein bisschen zur Entstehung von „Goodbye“. Einige Songs scheinst du ja schon kurz nach dieser Trennung geschrieben zu haben. „Been Drinking“ habe ich schon 2018, also im „Homotopia“-Jahr auf deinen Konzerten gehört. Sind alle Songs zu dieser Zeit entstanden oder hast du manche auch so als eine Art Recap geschrieben, um das für dich nochmal zu verarbeiten?

    Sam Vance-Law: Nicht alle, aber ja, fast alle Songs wurden innerhalb des ersten Jahres angefangen. Außer „Get Out“, den habe ich erst drei Jahre später geschrieben. Aber du hast Recht, „Been Drinking“ war auf jeden Fall schnell da. Ich schreibe zuerst den Text und die Gesangsmelodie. Manchmal dauert es aber auch einfach, bis ich Lieder zu Ende schreibe, manchmal so anderthalb, zwei Jahre. Aber nee, ich musste nicht irgendwie zurückgehen, um die Lieder zu schreiben. Ich musste zurückgehen, um die Lieder zu arrangieren und aufzunehmen halt. Aber das Schreiben passierte einfach. Das ist auch das Ding an dieser Trennung, die ging, für mich zumindest, ewig. Also hatte ich eigentlich vier Jahre, in denen ich schreiben konnte, ohne zu sagen, dass ich es faken oder recapen muss.

    Jule: Und damit hast du uns jetzt einen allumfassenden Soundtrack für Herzschmerz geschenkt. Hast du denn auch Songs, die du selber gerne hörst, wenn es dir schlecht geht? So wie meine Freundin, die bei Herzschmerz IMMER James Blunt hört.

    Sam Vance-Law: Nein, gar nicht. Ich habe in der Zeit auch eigentlich gar keine Musik gehört, einfach weil ich nicht wollte. Aber ich habe ab und zu ein paar Sachen so für mich gecheckt. Ich saß mal in einem Taxi, nach einer Show. Und dann lief im Radio ein Lied von Robyn. Ich saß hinten im Taxi und habe einfach angefangen zu weinen. Das kam aus dem Nichts. Just Robyn doing her Robyn things. Aber dann habe ich mich auch gefragt: „Was meinte Joni Mitchell eigentlich? Oder Bill Withers? Oder Beyoncé?“ Es gibt so viele Lieder, die schön sind, aber mir persönlich nichts bedeutet haben, im Sinne von „das habe ich auch erlebt“. Aber nein, ich höre keine Musik, um mir zu helfen oder sowas. Ich schreibe, ich glaube, genau deswegen schreibe ich.


    »Ich finde ich es gut, wenn Leute sich das Album anhören, um sich zu helfen«

    Jule: Und wie ist das Gefühl für dich zu wissen, dass wir uns jetzt dein Album anhören werden, um uns zu helfen?

    Sam Vance-Law: Ich habe schon gecheckt, dass die Reaktionen diesmal ziemlich viel doller sind als bei „Homotopia“, viel mehr emotionaler. Damals war das mal ein „das war aber ein schönes Lied“ oder sowas. Und jetzt gibt es eben manchmal Tränen dabei. Also ich bin völlig okay damit, ich habe es ja auch geschrieben, um mir zu helfen. Wir wollen immer Musik schreiben und produzieren, die unfiltered ist. Aber das ist sie ja eigentlich gar nicht. Jedes Wort kann man umschreiben. Die Texte werden bearbeitet, die Musik arrangiert, komponiert, gemischt, gemastert. Und in jeder Sekunde, in der ich nicht happy damit bin, was andere Leute hören könnten, kann ich es ändern. Also das, was du jetzt hörst und die anderen hören, das ist genau das, womit ich okay bin, dass ihr es hört. Das war meine Entscheidung. Ich finde es also sehr gut, dass Leute sich das anhören, auch um sich zu helfen. Das war auf jeden Fall der Plan.

    Jule: Und er ist aufgegangen (lacht).

    Sam Vance-Law: Ja, und das finde ich super, dass die Leute sich mit Musik weniger allein fühlen. Wie deine Freundin, wenn sie James Blunt hört (lacht). Ich finde es sehr schön, wenn Menschen etwas haben, wo sie sagen können „heute geht es mir nicht gut, deswegen höre ich James Blunt oder deswegen höre ich Sam Vance-Law„ oder was auch immer.

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    Jule: Wer dich schon mal kennenlernen durfte oder auf einer Bühne erlebt hat, weiß, dass du ein sehr humorvoller Mensch bist. Das kann man aktuell ja auch auf TikTok erleben. Und auch auf „Goodbye“ gibt es Textstellen, die sehr humorvoll und manchmal fast ein bisschen zynisch sind. Ist Humor etwas, was dir in dieser Zeit geholfen hat, wieder mit dir selbst klar zu kommen?

    Sam Vance-Law: Oh mein Gott, ja, Humor rettet mich. Ich habe auf jeden Fall immer so einen kleinen Sam auf meiner Schulter sitzen, der mich auslacht. Ständig. Nicht auf eine gemeine Art und Weise. Aber dieser kleine Sam hilft mir auf jeden Fall, mich nicht zu verlieren in Trauer, Glück, Stolz oder was auch immer. Der ist immer da und sagt „yeah well, thats kinda funny though“.

    Jule: Hast du deshalb auch mit diesen TikTok-Videos angefangen, in denen du, na sagen wir mal, „Witze“ erzählst?

    Sam Vance-Law: (lacht) Hey, das sind Witze! Was daran ist kein Witz?

    Jule: Hm. Also. Weißt du… Weißt du, was halt einfach zu 95 % noch viel witziger ist als die Witze selbst? Dein Lachen danach.

    Sam Vance-Law: (lacht). Ja, also ich liebe Witze. Alle sagen, Witze seien out, aber ich finde Witze sehr funny. Und ich habe mich gefragt, was ich social-media-mäßig machen kann – besonders bei TikTok, das ist ganz neu für mich. Ich wollte etwas machen, womit ich ein bisschen austesten kann, wie das funktioniert und was das eigentlich ist. Und dann dachte ich mir: „Witze, ich liebe Witze, ich erzähle einfach Witze“.

    Jule: Kannst du mir jetzt einen Witz erzählen?

    Sam Vance-Law: Ich habe einen deutschen Witz, den finde ich top. Eigentlich ist es ein Schweiz-Witz. Also: Schweizer reden ja sehr komisches Deutsch, deren Grammatik ist super crazy und Verben sind… die sagen „gesein“ statt „gewesen“ und sowas. Also das ist das Setup für den Joke. Der Joke ist Folgender: Eine Deutsche geht über die Grenze in der Schweiz und steht am Zoll. Da fragt der Zoll-Mensch „Haben Sie Waren?“. Dann sagt die Deutsche: „Meinen Sie nicht „sind Sie gewesen“?

    (Sam lacht. Sam lacht sehr doll. Ich lache mit. Was soll ich denn machen? Habt ihr ihn schon mal lachen sehen?)

    Sam Vance-Law: Das ist so herrlich. Gut, oder? Also, siehst du, Witze sind funny. Heutzutage sind nur noch Memes unterwegs. Aber Witze sind doch auch geil.

    Jule: Ich erinnere mich noch, wie du vor einigen Jahren auf der Bühne einen ewiiiig langen Witz erzählt hast.

    Sam Vance-Law: Jaaa, der Motte-Witz (lacht).

    Jule: Ah, Motte, ich dachte, es wären Ameisen gewesen, naja. Ich habe vor ein paar Tagen noch überlegt, wie dieser Witz ging.

    Sam Vance-Law: Der ist ein Klassiker, leider nicht meiner, aber man kann ihn immer ändern, je nach Gefühl. Es gibt Setup und Punchline und man könnte den innerhalb von fünf Sekunden erzählen. Odeeeeer. Oder man redet ein bisschen in der Mitte und kommt mit einer random Geschichte raus und dann kann er 5 Minuten, 20 Minuten dauern, ein paar Tage, Monate. Aber die Punchline ist immer noch dieselbe und funktioniert einfach.

    Jule: Es war wirklich witzig, weil NIEMAND verstanden hat, was du da machst und worum es geht.

    Sam Vance-Law: „Was labert der denn? Was passiert denn hier überhaupt?“ (lacht)


    »Ich habe das Album so geschrieben, dass man sich nicht darauf vorbereiten kann«

    Jule: Kommen wir wieder zurück zu den ernsten Themen. Mit der Veröffentlichung von „Goodbye“ durchlebst du ja gezwungenermaßen nochmal deinen Kummer, den Schmerz, die Trauer. Und ich weiß, du bist nicht die erste Person, die das macht, aber: Hast du dich darauf irgendwie vorbereitet, auch im Hinblick auf die anstehenden Konzerte, dass du dich damit auf die Bühne stellst? Ich stelle mir das… schwierig vor.

    Sam Vance-Law: Wir haben letzte Woche zum ersten Mal geprobt, also so richtig. Und durch all die Lieder zu kommen, ohne zu weinen, ist schwierig. Aber auch durch die „Homotopia“-Lieder zu kommen, ist schwierig. Das sind für mich jetzt auch Lieder, die ich geschrieben habe, als ich ein anderer Mensch war. Oder wenn nicht ein anderer Mensch, dann ein glücklicherer, vielleicht naiverer Mensch. Es ist auch wieder dieser Humor, diese Humor-Trauer. Ich denke, das ist nicht unwichtig, weil Menschen wie ich… wir können uns sehr oft vor Gefühlen schützen, wenn wir das brauchen. Du sagst „Hey, es wird traurig“ und wenn ich nicht traurig sein möchte, dann bereite ich mich vor, no problem. „Es wird lustig, aber du darfst nicht lachen“ – das kann ich wahrscheinlich auch, wenn ich mich darauf vorbereitet habe. Aber wenn du sagst „Hey, hier ist ein Witz und by the way, hier ist was super Trauriges“, während ich noch beim Lachen bin, dann fange ich einfach an zu heulen, weil ich keinen Schutz mehr habe. Und das auf die Bühne zu bringen ist dann weird, because then I fall on my own sort. Ich habe gemacht, dass ein Publikum offen und verletzlich ist. Aber dann singe ICH das, und ich bin das ja auch. Leider. Ich kann mich darauf dann nicht vorbereiten, weil ich habe es ja genauso geschrieben, dass man sich nicht darauf vorbereiten kann. Aber es ist schön, dass man das auf der Bühne dann mit den Menschen teilen kann. Das ist viel besser als alleine. Und meine Gefühle sind auch nicht mehr die, die sie waren, als ich die Songs geschrieben habe. Ich bin dann nicht mehr mitten drin in meinem Leid, vielleicht einfach nur ein bisschen sad.

    Jule: Sad Vance-Law.

    Sam Vance-Law: Ja, Sad Vance-Law (lacht). Geil, I’m taking that. Thank you very much (lacht).

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    »Ich bin gespannt, wie das Publikum die neuen Songs finden wird«

    Jule: Du hast in den letzten Monaten ja öfter mal wieder auf einer Bühne gestanden, warst z.B. mit den Mighty Oaks auch auf Tour. Aber bald geht es wieder los, dass du wieder mit deinen eigenen Songs auftreten wirst.

    Sam Vance-Law: Wir haben neulich eine kleine Radioshow gespielt. Das war zwar nur die Hälfte der Band, aber zumindest live. Es gab ein Mini-Publikum und das war einfach so schön. Ich freue mich so sehr drauf, mit den neuen Liedern, und mit meiner Band – ich liebe meine Band – wieder auf Tour gehen zu können und auf Bühnen stehen zu dürfen und für Leute zu spielen. Ich bin auch so gespannt, wie das Publikum die neuen Songs finden wird.

    Jule: Oh ja, ich bin auch gespannt, wie ich reagiere, wenn ich „Goodbye“ das erste Mal live höre. Das ist ja doch nochmal ganz anders.

    Sam Vance-Law: Ja, und vielleicht wird es so, dass wir alle miteinander weinen, wenn ich die Setlist richtig bastele, mal sehen. Oder einfach nur… schöne Unterhaltungsmusik (lacht).

    Jule: Weißt du, wann ich beim ersten Mal „Goodbye“ hören wirklich Tränen in den Augen hatte? Ich habe mir die Singles vorher nicht angehört, weil ich mir diesen ersten Album-Moment nicht nehmen wollte. Ich wusste, worum es geht, habe mir Zeit genommen, aber ich war trotzdem… so unvorbereitet? Und dann kommt der letzte Song, „Thanks Again“. Dieser Text und dann deine gebrochen klingende Stimme, da war es bei mir wirklich vorbei.

    Sam Vance-Law: Oh wie schön, dass du das sagst. Das war mein Plan, der Plan dieser ganzen Platte, den ich so geil finde. Dieses Album ist so sad, sad, sad und du denkst, das hälst du durch. „Icarus“, „Get Out“ – sad but fun. Dann „Blissful Times“ in der Mitte, kann man auch durchhalten. Dann kommst du langsam zum Ende und „Too Soon“ hittet dann schon ein bisschen. „Been Drinking“, ALTER. Naja, zumindest der letzte Song kann ja jetzt nicht so schlimm sein. Und dann ist er einfach so sau viel schlimmer?! Das finde ich so top.

    Jule: Also dann hat dein Plan bei mir auf jeden Fall geklappt (lacht).

    Sam Vance-Law: Yes, YES, YES, ich liebs, danke schön. Sorry about that but that was the plan. Ich liebs so sehr, dass es bei dir geklappt hat. Und danke, dass du dir so viel Mühe gemacht und Zeit genommen hast.

    Jule: Und ich würde es immer wieder so machen! Aber hey, hören wir auf den Konzerten eigentlich auch Songs von deiner „NDW“-EP?

    Sam Vance-Law: Das kann ich doch noch nicht verraten (lacht). Ich möchte auf jeden Fall hauptsächlich meine eigenen Lieder spielen. Aber vielleicht auch ein oder zwei „NDW“-Hits, mal sehen… Das war sehr diplomatisch, oder? (lacht)

    Jule: Ja schon, also lassen wir uns einfach überraschen. Und damit komme ich auch schon zu meiner letzten Frage, die bei uns immer die nach einer „untold story“ ist – etwas, was du noch nie öffentlich erzählt hast, etwas zum Album, deine Morning Routine, was immer du willst.

    Sam Vance-Law: Also, du hast eben von „Thanks Again“ gesprochen und dazu möchte ich dir etwas erzählen. Dieser Text ist wie viele andere auch in Schottland entstanden, wo ich mit einem Kumpel war. Irgendwann habe ich mich gefragt, was das letzte Lied sein soll. Wir sind da im Winter 30 Kilometer durch die Highlands gewandert, haben uns so richtig ausgepowert, die ganze Zeit nur geredet. Irgendwann hatte ich nichts mehr in mir drin. Keine Wut, keine Trauer, war einfach nur noch da. Plötzlich sagt er zu mir, dass er uns was kochen geht. Und ich war so dankbar. Dann dachte ich: „You know what? Ich glaube, das ist es: einfach thank you“. Dann habe ich losgeschrieben, seitenlang. Später wollte ich den Song mit Wallis Bird aufnehmen, die die Gitarre spielt. Und ich hatte immer noch nur diesen seitenlangen Text aus Schottland. Also sage ich Wallis, dass ich es nicht geschafft habe, es zu kürzen. Und sie antwortet: „Oh don’t worry, it will take me 15 minutes to set up the microphones“. Weißt du, das ist der letzte Song, ich habe so viel zu sagen und muss es in nur einen einzigen Song packen. Und dann gibt mir Wallis einfach 15 Minuten (!), bis sie die Mikrofone vorbereitet hat. (lacht). Also das finde ich super.

    Jule: (lacht) Das ist eine sehr schöne und unterhaltsame untold story. Danke schön, Sam! Und auch danke für deine Zeit und dieses sehr schöne Interview, es war mir wirklich eine große Ehre und Freude! Wir sehen uns ja dann bald auch wieder im echten Leben!

    Sam Vance-Law: Darauf freue ich mich schon! Danke dir!


    Wer es bisher noch nicht getan hat oder, wie wir, nicht genug davon bekommen kann, der kann sich hier jetzt gerne „Goodbye“ auf Dauerschleife anhören und dann später in diesem Jahr auch unbedingt ein Konzert von Sam Vance-Law besuchen. Es wird sich lohnen, versprochen!

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    Fotocredit: Alexander Coggin

  • Juicy Gay im Interview: »Nach zwei Jahren Arbeit war ich nervös, dafür jetzt umso glücklicher«

    Juicy Gay im Interview: »Nach zwei Jahren Arbeit war ich nervös, dafür jetzt umso glücklicher«

    Es blitzt und donnert in der Nacht, wenn Juicy Gay sein Tape dropped. Ich habe in dem Wetterbericht vom 29.04. nachgeschaut, allerdings – zumindest in meiner Umgebung – keine Unwetterwarnungen gefunden. Laut wurde es bei mir zum Hause aber auch ohne Gewitter, denn ich habe in voller Alexalautstärke das Album Blitz und Donner von Juicy Gay und Mosa gepumpt. Und weil das so gut war, habe ich mich nicht nur mit meiner Alexa, sondern auch mit Juicy Gay über sein zweites Album unterhalten.


    Hallo, wie geht’s?

    Lara: Hallo Juicy Gay, ihr habt gerade frisch euer Album veröffentlicht. Wie geht es dir so kurz nach dem Release?


    Juicy Gay: Also jetzt kurz nach dem Release bin ich sehr froh, dass es draußen ist, weil wir sehr, sehr viel Zeit investiert haben. Also es war schon eine sehr intensive Zeit, vor allem vorher alles zu organisieren wie Musikvideodrehs, Interviews und ja, ich bin sehr froh und ein bisschen erleichtert, dass es jetzt raus ist. 

    Aber an sich, abgesehen vom Album, war es auch danach übelst stressig. Ich habe Release Party gefeiert, habe übelst gesoffen, dann hatte ich nur zwei Stunden gepennt. Dann musste ich nach Hause zu mir in die Heimat. Meine Mama hatte Geburtstag und da haben wir extrem viel Alkohol getrunken und dann musste ich wieder mega besoffen zurück. Ich hatte kaum gepennt, musste arbeiten und gestern habe ich dann, ich schwöre, zwölf Stunden geschlafen. Ich bin beim Serie gucken einfach eingepennt. Und heute ist der erste Tag, wo ich mich wieder ein bisschen fresh fühle.

    Lara: Na, das hört  sich ja nach einem sehr guten Release Wochenende an.


    Juicy Gay: Ja, wir haben voll schön reingefeiert. Wir sind dann noch in die Kneipe und haben auf dem Spielplatz reingefeiert. Kennst du da diese Schaukeln? Eigentlich eher wie eine Seilbahn. Da habe ich die ganze Zeit Leute angestupst und bin mit gerannt. Dabei habe ich erst mein Portemonnaie verloren, das dann wiedergefunden und dann meine Bankkarte verloren.  


    Lara: Oh Shit, Funfact:… (an dieser Stelle haben wir noch das Thema betrunkene Spielplatzabenteuer vertieft, darüber schreibe ich vielleicht ja mal ein anderes Mal)


    Lara: Na ja, auf dem Spielplatz ist immer am besten. Weiter geht’s. Hast du schon Autotune für das Interview angestellt?

    Juicy Gay: (Lacht) Das hast du bei Twitter gelesen, stimmt’s? Ich würde es machen, wenn ich die Interviews aufnehmen würde. Gestern wurde es mir leider nicht erlaubt.

    Lara: Merke ich mir auf jeden Fall fürs nächste mal. Du hast ja jetzt schon den ein oder anderen Release hinter dir, auch wenn es jetzt erst dein zweites offizielles Album ist.


    Juicy Gay: Ja, aber ich bin mir selber immer unsicher, was ein Mixtape und was ein Album ist. Ich definiere das selber für mich immer nur als Projekt.


    Nach zwei Jahren Arbeit war ich nervös, dafür jetzt umso glücklicher

    Lara: Haben sich die Releases mit der Zeit verändert? 


    Juicy Gay: Dadurch, dass jedes Release einen bestimmten Arbeitsaufwand mit sich bringt, habe ich das Gefühl, dass ich eigentlich je nach Arbeitsaufwand eigentlich nervöser werde, je mehr es ist. Zum Beispiel habe ich die Quarantäne EP vor zwei Jahren gemacht und die habe ich dann an einem oder zwei Tagen festgestellt und dann einfach hochgeladen. Und da war ich natürlich gar nicht nervös, weil das ja einfach so das ist, was ich eben mal so mache. Bei dem Album haben wir jetzt aber echt zwei Jahre, wenn nicht noch länger dran gearbeitet und da ist man doch schon relativ nervös, wie das ankommt. Nach zwei Jahren Arbeit war ich nervös, dafür jetzt umso glücklicher, wie gut es angekommen ist.

    Lara: Wie lief so der Prozess ab? 

    Juicy Gay: Der erste Song ist tatsächlich schon 2018 entstanden. Und zwar Villa und Yacht, den haben wir dann erst mal übers Internet gemacht. Ich habe nämlich damals von Alpha Mob, einem Memphis Underground Produzenten Beats bekommen und der meinte dann yo, der Beat ist mit Mosa und macht doch mal was zusammen. Und dann hatten wir aber erst ein, zwei Jahre gar nichts mehr gemacht. Und tatsächlich ist auch Villa und Yacht in einem Kinofilm mal gewesen. In so einem deutschen Kinofilm. Bonnie und Bonnie heißt der. Es geht da um lesbisches Paar. Ich habe den selber noch nicht gesehen, aber soll wohl ganz okay sein. Ich weiß es nicht. Deutsche Filme immer schwierig (lacht).

    Dann hatten wir uns Anfang 2020 wieder getroffen, weil ich dann in Berlin gelebt habe und er sein Studio und Kreuzberg bei mir in der Nähe hatte. Und da haben wir dann angefangen, Songs zu machen. Fresher denn je, glaube ich als erstes, allein manchmal als Zweites und dachten dann, nach so vier, fünf Songs, jetzt können wir eine EP machen. Und dann hatten wir uns mit Alpha Mob, der auch den Villa und Yacht Beat mitproduziert hat, noch mal zusammengesetzt und das besprochen. Er meinte, dann macht doch ein Album. Dann haben wir noch vier fünf Songs dazu geschraubt, was aber auch nochmal ein Jahr gedauert hat. Wir haben die ganzen Songs zusammen gemacht. Also recorded haben wir alles zusammen. Ideen kamen eigentlich alle von mir, aber bei der Umsetzung kam dann auch viel von Mosa.

    Wir haben auch sehr viel zusammen gemischt. Wir hatten sehr viele Gastmusiker/innen. Bzw. glaube ich eigentlich nur Gastmusiker, jetzt abgesehen von den Rap Features. Es hat jemand Posaune eingespielt und wir hatten verschiedene Gitarristen die uns geholfen haben. Und genau, so war der Prozess. Eigentlich war ich immer bei Mosa im Studio. Mosa ist nämlich Sounddesigner und macht Sounddesign für Filme, Musikvideos und Werbung und hat dementsprechend ein krasses Studio, wo wir uns dann musikalisch ausleben konnten.


    Lara: Wie war das mit der Pandemie? Hat sie auch in den Albumprozess miteingespielt? 


    Juicy Gay: Ja. Ähm, also die Pandemie hat auf jeden Fall auf dieses Album einen großen Einfluss gehabt, weil es in dem Album ja auch irgendwie viel um Einsamkeit geht. Ich hatte dann auch eine Trennung in der Pandemie und das habe ich irgendwie alles verarbeitet auf diesem Album. Und es gab ja auch die Quarantäne EP, die ein bisschen lustiger war, wo ich mich damit auseinandergesetzt habe. Aber auf dem Album habe ich versucht, irgendwie ernst meine Probleme in dieser Zeit, gerade auch in der Pandemie umzusetzen.

    Albumcover Blitz und Donner


    Lara: Habt ihr einen Lieblings Track auf dem Album?

    Juicy Gay: Mein liebster Track ist die Stadt brennt, einfach weil er so einen Hyper Pop Vibe hat. Und von Mosa, da weiß ich gar nicht den Lieblingssong. Ich würde sogar vielleicht auch sagen, dass er Die Stadt brennt sagen würde, weil der einfach so super experimentell ist und wir uns da einfach freien Lauf gelassen haben und es so gemacht, wie wir wollten. Aber es wechselt auch gefühlt wöchentlich was mein Lieblingssong ist.


    Lara: Die Stadt brennt ist tatsächlich auch mein Favorit.

    Juicy Gay: Cool freut mich voll. Ja, ich meine bei so einem Colabo Album muss man ja auch immer viele Kompromisse eingehen. Und eigentlich ist das gerade genau mein Film, da ich eigentlich sehr, sehr viel Hyper Pop höre und auch diesen Einfluss dann in dem Song unterbringen wollte. Es ist aber auch Soundtechnisch viel, viel Einfluss von Mosa mit reingekommen. Aber natürlich auch von mir.

    Lara: Gab es Tracks, die es nicht aufs Album geschafft haben?

    Juicy Gay:: Tatsächlich nicht. Da wir eigentlich an jedem Song so lange gefeilt und rumgeschrieben haben, Beats neu gemacht, tausendmal abgemischt haben, bis der für uns perfekt war und deswegen hatten wir gar keinen. Ich meine, wenn ich Songs alleine mache, dann mache ich super viele Songs und habe auch viele Wegwerf Songs, wo ich einfach im Nachhinein denke, ja lohnt sich nicht den rauszubringen. Ich  glaube die Hälfte oder so von den Songs die ich sonst so mache, kommt eigentlich gar nicht raus. Aber bei dem Album war das jetzt nicht so, weil wir eigentlich versucht haben, das, was wir gemacht haben, zu perfektionieren.

    Lara: Wie sieht es eigentlich bei dir live mäßig aus? Ist da schon was geplant mit dem Album?

    Juicy Gay: Mit dem Album jetzt spezifisch keine Tour. Allerdings habe ich ein zwei Solo Auftritte jetzt die nächsten Monate und dann kommt noch ein cooles Album mit MC Smook. Wahrscheinlich im September oder vielleicht auch vorher. Und dazu machen wir eine Tour im September und planen da gerade und haben da auch schon einige Gigs fest. Und wenn dann die ganze Tour zu Ende geplant ist, dann nutzen wir das. Und da freue ich mich sehr drauf. Da werden dann natürlich auch viele Songs von mir präsentiert.

    Lara: Wie nice!

    Juicy Gay: Ja, man, ich freue mich schon mega drauf. Ich wäre eigentlich zum Anfang der Pandemie auf Tour gewesen, das musste aber ja leider ausfallen. Super schade. Das hittet richtig hart im Nachhinein.

    Lara: Das glaube ich. Hast du einen Song, auf den du dich ganz besonders freust live zu performen?

    Juicy Gay: Ähm, eigentlich auf 100.000 Ketten. Da habe ich den auch so geschrieben, dass der live irgendwie gut performed werden kann. Und ja, eigentlich performed man am liebsten immer die Banger. Da freue ich mich am meisten drauf. Ich freue mich aber auch, allein manchmal und Songs, die ich bisher nicht in meiner Diskographie hatte, auch mal live zu spielen und bin gespannt, wie das ankommt. Da habe ich noch gar keine Erfahrung mit.

    Ehrlich, gefährlich

    Lara: Jetzt zu einer Frage, die nichts mit dem Album zu tun hat, mich aber trotzdem brennend interessiert. Und zwar gibt es bei Instagram bei @hiphoparchiv so ein schönes Bild von dir mit einem Graffiti aus 2015. Was hat es damit auf sich?

    Juicy Gay: (Lacht) Ich bin manchmal bei mir in der Heimatstadt, in Borken. Und jetzt mal hier an die Polizei In Borken: Das ist nicht von mir! Weil das wäre auch noch nicht verjährt. Das haben wir nämlich auf Facebook gesehen und wir wussten dann auch, wo das ist. Und dann haben wir ganz schnell das Foto gemacht, einen auf den (lacht). Aber ich habe es damals auch nur so gepostet, als hätte ich das gemacht. Also Shoutout an den Gay Mob. Das sind meine Freunde aus Borken, mit denen habe ich in der Heimatstadt immer viel Schabernack gemacht.

    @hiphoparchiv auf Instagram

    Lara: Achso, na dann, alles klar. Du bist ja generell ein sehr gefährlicher Typ und polizeibekannt. Wobei, jetzt ja nicht mehr, das hast du ja gerade geklärt.

    Juicy Gay: (Lacht) Doch doch, in Borken bin ich auch Polizeibekannt. Aber wegen sowas wie auf der falschen Straßenseite Fahrrad fahren, oder weil mein Fahrradlicht kaputt war. Da war auf jeden Fall viel Action.

    Lara: Ach herrje. Und wann rechnest du mit der nächsten Anzeige von der AfD?

    Juicy Gay: Also das Ding ist, ich habe ja noch nie eine Anzeige von der AfD bekommen. Die hatten mir immer nur gedroht damit. Bzw. haben die schon sowas geschrieben wie „Anzeige an diesen jungen Herren ist raus“. Da hatte ich auch ein bisschen Angst, dass was kommt. Und ich weiß auch aus persönlicher Erfahrung, dass jemand aus meiner Heimatstadt auch immer wieder AfD Plakate abreißt. Und ja, ich hoffe, dass das keine Folgen hat und denke das auch. Also ich bin da eh komplett raus und bin sicher, dass da keine Anzeige kommen wird. Und Björn Höcke dürfen wir auch ein Faschisten, denn da kann auch nichts passieren.

    Lara: Das stimmt, na dann ist ja gut. Damit sind wir schon fast am Ende von unserem kleinen Interview. Unsere Schlussfrage bei untoldency richtet sich immer ein bisschen nach unserem Konzept hier. Und zwar fragen wir immer nach einer untold story, also irgendwas, was du vorher noch in keinem Interview vorher erzählt hast. Das kann eine kleine Anekdote sein oder irgendwas witziges, was beim Albumprozess passiert ist oder irgendetwas, was dir einfach auf dem Herzen liegt und du gerne in die Welt hinaustragen möchtest.

    Juicy Gay: Muss ich kurz überlegen. Ich bin ja so ein Vollidiot der immer sofort alles twittert. Also, was ich bis jetzt nur einmal erzählt habe, war, dass ich mit 14 bei Haftbefehl mal auf der Bühne war und gerappt habe, weil der in Münster aufgetreten ist. Das war zur Chabos wissen wer der Babo ist Zeit. Da habe ich gerade auch selber erst angefangen Texte zu schreiben unter dem Namen Kellerkind. Da waren dann vielleicht so 300 Leute und er hat dann gefragt ob irgendwer hier Rappen will. Dann hat niemand was gesagt und dann habe ich eben irgendwann so kleinlaut aufgezeigt und er meinte nur so Bruder, komm hoch! Dann habe ich da so mega schlecht Acapella gerappt. Aber die Leute haben mich mega abgefeiert.
    Das habe ich zwar schon einmal erzählt, aber das weiss eigentlich keiner.

    Lara: Na gut, das geht aber durch.

    Nach so einem lieben Interview kann man doch nur Bock bekommen haben das Album zu hören. Also hier, have fun:

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  • NOTH im Interview: »Natürlich ist ein Start-Up Beschäftigter auch immer noch ein Mensch«

    NOTH im Interview: »Natürlich ist ein Start-Up Beschäftigter auch immer noch ein Mensch«

    Ich habe die Ehre, euch heute einen ganz besonderen Geheimtipp ans Herz zu legen: NOTH — das sind vordergründig die beiden Songwriter Luis Schwamm und Linus Kleinlosen. Für ihr am 13.05. erscheinendes Album „Die Wahrheit über Arndt“ haben sie sich in kleinteiliger Detailarbeit ein eigenes literarisches Universum erschaffen und dieses dann geschmackvoll vertont.

    Zwischen Bürostühlen und Kaffeeautomaten spannen die beiden den Vorhang des theatralischen Schauplatzes und stellen uns ihre tragische Hauptfigur vor: den Büroangestellten Arndt. Mit einer musikalischen Untermalung zwischen Folk, Avantgarde-Pop und Jazz ist das nicht nur etwas für Literaturnerds, sondern auch für Liebhaber durchdachter musikalischer Arrangements. Das Konzeptalbum ist zurück!

    Im Interview konnte ich mit Luis und Linus über ihre neue Video-Livesession, die Gentrifizierung der Städte und — natürlich — über Arndt sprechen. Viel Spaß!

    NOTH im Interview

    Lukas: Hallo Luis, hallo Linus. Ich freue mich, euch zu sehen! Vielleicht könnt ihr euch für unsere Leser*innen ganz kurz vorstellen: wer seid ihr, was macht ihr in eurer Band und was hat es mit Arndt auf sich?

    Luis: Wir sind Luis und Linus, leben in Köln und Hamburg und haben zusammen die Musik und die Story unseres bald erscheinenden Albums geschrieben, das konzeptuell aufgezogen ist. Es geht um die Geschichte einer Figur namens Arndt. Er ist 38 Jahre alt, inzwischen fast 39 – er hat am 01.07. Geburtstag – und arbeitet in Hannover in einem Start-Up. Und er hat keinen Bock mehr auf seinen Job. Das spürt man im Album, das zerrt ziemlich an ihm. Ich singe auf dem Album und spiele Gitarre. Linus spielt Saxophon und Synthesizer und hat alles für die volle Bandbesetzung arrangiert. Live haben wir nämlich noch Verstärkung; gerade haben wir erst eine Live Session aufgenommen und diese dann gestern veröffentlicht. Dafür hatten wir super coole Leute am Start!

    Lukas: Ja, diese Live-Session zum Song „Nur zu“ konnten wir gestern ja schon bewundern! Eine ziemlich spektakuläre Location, die ihr da gefunden habt. Wo war denn das genau?

    Linus: Das war eine sehr schöne Kegelbahn in Bergedorf, ein Stadtbezirk von Hamburg.

    Lukas: Wirkt herrlich provinziell. So, wie man sich das vorstellt!

    Linus: Ja, und die Leute waren auch genau so, wie man sich das vorstellt! Die waren so richtig nett und interessiert und haben noch gefragt: „Dürfen wir das teilen, wenn es rauskommt?“ Und dann sah man da zwei ältere Herren, Joachim und Dieter, glaube ich. Die fanden es richtig schön! Die haben sich gefreut, dass Leute da waren.

    Lukas: Hat es auch so nach Bockwurst gerochen? Meine letzten Erinnerungen ans Kegeln riechen irgendwie immer nach Bockwurst.

    Linus: Nee, das gar nicht. Aber die haben uns freundlicherweise ihren Kaffee angeboten, weil wir unseren vergessen hatten. Später haben sie uns sogar eine Kaffeemaschine gebracht.

    Luis: Wir haben am Ende des Tages erfahren, dass der Kaffee entkoffeiniert war. Und dann wussten wir auch, warum wir so müde waren nach diesem Videodreh! (lacht)

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    Lukas: Wenn man sich die drei bisher veröffentlichen Singles von euch anhört, wird relativ schnell klar, dass da nicht nur zwei Personen am Werke sind. Das klingt ja stellenweise schon nach einem kleinen Orchester, oder nach einem größeren Kollektiv. Ist die Band aus dem Video jetzt quasi fest im Boot? Oder wer steckt auf der Platte hinter diesem Sound?

    Linus: Wir haben ein bisschen getauscht. Die Bläser sind eigentlich zum größten Teil Konstantin, der auch im Video mitspielt, und ich. Wir haben noch eine weitere Saxophonistin gefunden, nämlich Conny, die ich auch schon seit Ewigkeiten kenne. Wir haben probiert, eine Band in Hamburg aufzubauen, denn bis auf Luis leben alle in Hamburg. Deswegen mussten wir für die Livebesetzung ein bisschen tauschen, weil der Bassist auf der Platte, Dan, zum Beispiel in Amsterdam lebt. Für Silvan, der auf der Aufnahme spielt, ist Max am Schlagzeug zu uns gestoßen und Falco ist quasi der neue Bassist der Band. Das ist jetzt schon mit dem Ziel ausgelegt, dass diese Band sich dann auch so entwickeln darf.

    Luis: Mit unserem Schlagzeuger Max und Bassisten Falco durften wir kürzlich auch direkt unsere erste Supportshow in Hamburg spielen. Daher konnten wir das, was wir jetzt für die Videos zum ersten Mal zusammen ausprobiert haben, dann auch gleich auf der Bühne umsetzen. Das war sehr, sehr nice.

    Lukas: Luis, du wohnst in Köln, Linus wohnt in Hamburg und die weiteren Musiker*innen ganz woanders – wie habt ihr das mit dem Proben und Aufnehmen koordiniert? Das stelle ich mir schwierig vor.

    Luis: Ich bin relativ oft für lange Wochenenden nach Hamburg gekommen. Das war so die Zeit, in dem wir das ganze Zeug geschrieben und auch die ersten Sachen aufgenommen haben. Teilweise erstmal als Guide Tracks*, manche dieser Spuren sind aber tatsächlich dann in der Endversion geblieben. Nachdem dann die Band ihre Parts aufgenommen hatte, haben Linus und ich die Songs nach und nach vervollständigt. Im Grunde haben wir aber alles in Hamburg gemacht.

    Linus: Wir haben aber auch über Remote** gearbeitet, das ist auch ein bisschen Corona geschuldet. Damals waren wir alle noch im Lockdown, sonst wäre ich zum Beispiel auch für die Bassaufnahmen nach Amsterdam gefahren.

    Lukas: Wart ihr denn für den Rest so richtig klassisch im Tonstudio, oder gehört ihr auch zu den Bedroom-Producern?

    Linus: Für die Schlagzeugspuren waren wir im Studio, für den Rest haben wir uns ein Studio eingerichtet. Ich hatte einen kleinen Raum bis vor kurzem, da konnten wir das gut umsetzen. Also es war jetzt nicht Zuhause im Wohnzimmer oder so.

    Luis: Wobei es eine Vocalspur gibt, die quasi fast noch eine Demoaufnahme ist. Die habe ich auf dem Sofa, wo wir jetzt sitzen, eingesungen. Kurz nachdem wir den Song geschrieben hatten. Und die haben wir tatsächlich einfach behalten, weil da der Vibe komplett gestimmt hat.

    Lukas: Hat es direkt gefunkt bei euch beiden? Wie habt ihr euch kennengelernt?

    Luis: Ja, es ging schon ziemlich schnell. Die Idee von der Charakterstudie habe ich Linus direkt beim ersten Treffen erzählt und ihm Musik gezeigt. Er hat sich dann direkt drangesetzt und Harmonien ausgearbeitet. Wir haben uns beim Popkurs in Hamburg kennengelernt, das ist eine Songwriting Masterclass. Dort hatten wir aber nicht die Ruhe, das Projekt jetzt innerhalb dieses Kurses auch direkt umzusetzen. Aber es war klar, dass wir genug Bock hatten, dass auch weiterhin aus eigenem Antrieb zu verfolgen.

    Linus: Was uns auch im Popkurs verbunden hat, ist, dass wir beide nicht so richtig in den Mainstream reinpassen. Wir haben verschiedene Qualitäten, die sich ganz gut ergänzen. Ich habe zum Beispiel vorher nie auf Deutsch geschrieben, was Luis sehr gut kann.

    Luis: Ja und ich schreibe immer die gleichen vier Akkorde und Linus kennt noch ein paar mehr. (lacht)

    Linus: Das entwickelt einfach eine Tiefgründigkeit, wenn man diese verschiedenen Qualitäten zusammenwirft. Und da funkt es dann..

    Lukas: Jetzt heißt ihr ja NOTH, mit th. Das ist ja irgendwie auch erst mal ungewöhnlich. Was hat es damit auf sich? Gibt es da eine Story zu?

    Luis: Also irgendwie war der Name einfach da. Wir haben uns zuerst darauf geeinigt und dann im Nachhinein die sehr wahrscheinliche Quelle dieses Namens gecheckt. Da, wo wir aufgenommen haben, hing nämlich eine Tafel. „Die Entwicklung des Lebens“ stand darauf. Da waren dann ganz viele Phasen der Erdentwicklung abgebildet. Und dann gab es tatsächlich einen Dino, der hieß Nothosaurus, und ich vermute, dass das bei mir hängen geblieben ist. Der Nothosaurus ist ein Wasser-Dino und übersetzt heißt das „falsche Echse“. Habe ich rausgefunden, über Wikipedia. Man könnte jetzt versuchen, das zu deuten, aber wir haben uns NOTH genannt, bevor wir überhaupt gecheckt haben, dass es daher kommt. (lacht)

    Lukas: Okay, sehr aufschlussreich! Ich dachte zwischendurch noch an das deutsche Wort „Not“…

    Luis: Das ist dann Interpretationssache. Eine gewisse Not steckt in dem Album schon drin. Aber wir haben tatsächlich wenig über die „Not“ nachgedacht, als wir den Namen genommen haben.

    Lukas: Du hast vorhin ja schon ein bisschen über die Geschichte des kommenden Albums erzählt. Es trägt den Titel „Die Wahrheit über Arndt“ und laut Pressetext handelt es sich um biographische Auszüge eines Büroangestellten Ende 30. Die einzelnen Songs sind dann sozusagen als kleine Kapitel aus seinem Leben zu verstehen. Wie kamt ihr denn auf diesen Arndt? Gibt es da ein reales Vorbild?

    Luis: Als wir uns das erste Mal zusammengesetzt haben, gab es zwei Songskizzen und wir haben über Andy Shauf gesprochen. Cooler kanadischer Singer/Songwriter, der ganz fantastische Figuren schreiben kann. Und so eine Figur zu entwickeln, das war irgendwie interessant für uns. Diese Songskizzen konnten wir dann weiter ausbauen, dieses Charakterstudien-Konzept hatten wir aber wieder so ein bisschen aus den Augen verloren. Als dann die Hälfte des Albums fast fertig war, konnten wir das nochmal aufgreifen. Wir haben dann festgestellt, dass diese Idee immer noch gut zu den Songs passte. Die Figur hat sich sozusagen von selbst entwickelt. Und nach diesem Vorbild haben wir dann quasi die zweite Hälfte des Albums fertig gemacht.

    Linus: Für uns gab es dann einen Punkt, an dem es umgeschlagen ist. Ich glaube, es war der Song „Anita“, bei dem wir relativ konkret plötzlich eine Geschichte vor Augen hatten. Und dann wussten wir, so funktionieren die anderen Songs auch. Damit war unser Interesse geweckt. Ich meine, man stellt sich vor die Herausforderung, sich immer neu zu entdecken. Und in diesem Fall war es für uns interessant, künstlerisch einen Bogen zu spannen.

    Das Thema Konzeptalbum hat mich sowieso auch gereizt. Wir haben uns dann erstmal an verschiedenen Künstlern orientiert, zum Beispiel Randy Newman, der in seinen Songs auch häufig über dieselben Charaktere schreibt. Ab da haben wir angefangen, entweder noch Details anzupassen oder eben Stücke auch spezifisch für diese Geschichte zu schreiben. Und wir haben uns gefragt, wie können wir die Geschichte vertiefen? Wie können wir einen Charakter schaffen, der vielseitig ist und uns auch interessiert? Und an dem man sich auch selbst hinterfragen kann.

    Luis: Mir hat mal jemand als Feedback zu dem Album geschrieben: „Es klingt wie ein Album für oder gegen BWL-Studenten, aber eher für“. Er war sich nicht ganz sicher. (lacht) Da gibt es einen schönen Deutungsspielraum.

    Lukas: Also wenn ich das richtig verstehe, ist Arndt eine Art Bürohengst-Stereotyp, den ihr beschreibt?

    Luis: Einerseits ja. Ich würde sagen, das Umfeld dieses Menschen, so dieses hippe Start-Up Umfeld, ist heute natürlich irgendwie ein Stereotyp. Aber uns war wichtig, eine Figur darin zu beschreiben, die durch etwas aus der Masse raussticht. Denn natürlich ist ein Start-Up Beschäftigter auch immer noch ein Mensch außerhalb des Start-Ups.

    Wenn man jetzt über eine Figur schreibt, die super simpel stereotypisiert werden kann, ist es natürlich das Einfachste, sich darüber lustig zu machen und dieses Leben runter zu ziehen. Aber was wir beide viel spannender finden, und was man auch bei vielen unserer Vorbildern findet, ist, diesen Figuren trotzdem noch ihre Vielschichtigkeit zu lassen. Zu ergründen, wo welcher Charakterzug herkommt. So, dass Empathie noch möglich ist, denn sonst ist die Figur natürlich viel zu flach. Und so ein Arndt hat dann natürlich auch seine Hintergründe. Wenn wir die wegließen, wäre das ganze Szenario wahrscheinlich ziemlich unecht.

    Lukas: Konntet ihr euch denn in Arndts Lebenssituation besonders gut reinversetzen? Ist dieses „Büroleben“ vielleicht auch Teil eurer eigenen Realität gewesen, oder warum war euch dieses Thema so wichtig?

    Linus: Wenn man in der Stadt lebt, ist man natürlich mit diesen Themen konfrontiert. Es geht um Gentrifizierung, bzw. wie sich die Städte in der Zukunft gestalten. Das ist für mich persönlich ein großes Thema. Ich habe lange in Holland gelebt und Amsterdam ist extrem gentrifiziert. Dort war ich umgeben von International Expats. Und die sind ja alle nett. Die Menschen sind nämlich überhaupt nicht das Problem. Ich meine, Arndt ist jemand, den ich mögen könnte. Ich würde mit ihm ein Bier trinken gehen. Aber trotzdem ist die Art, wie sich die Stadt gesellschaftlich entwickelt etwas, das mich als Künstler irgendwie aus diesem Umfeld verdrängt. Ich merke das auch in Hamburg immer mehr. Die Läden, die hier öffnen und die Sachen, die sich in der Stadt entwickeln, sind meistens nicht für mich konzipiert. Und ich muss irgendwie ausweichen. Aber ich nehme es diesen Leuten nicht übel.

    Lukas: Ich habe mich beim ersten Hören gefragt, ist das irgendwie jetzt alles ironisch gemeint? Ist das eine Lebenssituation, die die beiden total absurd finden, und deswegen jetzt hier zur Schau stellen wollen?

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    Linus: Es war uns auf jeden Fall ein Anliegen, uns nicht über Leute lustig zu machen, denen es schlecht geht. Denn das war die Gefahr, auf die wir wirklich achten mussten. Es ging immer darum, dass Arndts Probleme schon auch ernstgenommen werden.

    Lukas: Es ist ja auch so, dass dieser Arndt seinem Alltag irgendwie entfliehen möchte. Er ist zwar Teil dieses Systems, aber sehnt sich eigentlich nach einem Lebenswandel. Ist das von eurer Seite der Hinweis auf die Missstände, die eine solche Gentrifizierung mit sich bringt? Und wenn ihr einen Vorschlag zur Verbesserung hättet, wie sähe dieser aus?

    Linus: Das ist auf jeden Fall eine Kritik an der Konsumgesellschaft, irgendwo. Aber es ist ambivalent. Es ist hochnäsig zu sagen, dieses sei das „falsche Leben“. Denn wir können uns in allen Dingen, die wir tun, verwirklichen. Die Missstände sind da, aber es ist zu oberflächlich, nur den Kapitalismus zu kritisieren. Interessanter ist es, zu erforschen, warum wir das eigentlich alle mitmachen und warum Arndt das mitmachen muss. Denn er ist eigentlich ein guter Typ mit guten Wünschen, er hängt seiner Jugendliebe nach und hat im Grunde keine schlechten Prinzipien. Er wurde einfach in ein System gedrückt, das ihn unzufrieden werden lässt.

    Lukas: Also ihr gebt diesem Problem durch Arndt sozusagen ein Gesicht, das finde ich sehr spannend! Das ganze Konzept hat mich irgendwie auch sehr an ein Märchen erinnert. Und diese Geschichte hat etwas sehr romantisches, obwohl sie ja im ersten Moment an vielen Stellen ganz muffig und öde wirkt. Dadurch fiebert man mit möchte Arndt auf die Beine helfen. Würdet ihr sagen, es gibt auch eine Art Moral?

    Luis: Also ich finde es super cool, dass es so rüberkommt! Es ist für mich etwas mega Gutes, in so drögen Alltäglichkeiten etwas Interessantes zu finden. Ich weiß nicht… Wenn es eine Moral gibt, dann ist es vielleicht sogar genau das. (lacht) Irgendwie zu versuchen, in solchen Situationen das Positive zu sehen und sich daran auch zu orientieren. Auf der faktischen Ebene gibt es in dieser Erzählung zwar Probleme und Sehnsüchte, aber eine Lösung wird ja im Grunde nicht vorgeschlagen. Es geht vielmehr darum, das Problem überhaupt zu sehen und zu verstehen.

    Lukas: Könnt ihr vielleicht den Handlungsstrang der Geschichte mal kurz skizzieren, dass wir da mal in die Welt eintauchen können?

    Luis: Also man kann auf jeden Fall sagen, dass Arndt ja so ein bisschen in seine Funktion hineingedrängt wird, sich in diesem Startup um die Finanzen zu kümmern. Und dass er sich da definitiv in so legale Grauzonen vorwagt. Das belastet ihn natürlich, weil er, wie Linus gesagt hat, ein guter Kerl ist und das nicht aus eigenem Antrieb machen würde. Das trägt dazu bei, dass er immer weiter abdriftet. Und die Tagträumereien werden dann im Verlauf zu einer wachsenden Psychose. Und im letzten Song, „Waldbad“, findet die Geschichte dann so ein bisschen ihr vorzeitiges Ende.

    Linus: Es gibt Stellen, die wir auch untereinander noch offengelassen haben. Man muss immer aufpassen, dass man den Zauber nicht nimmt, indem man zu viel vorweg deutet. Denn es ist auch immer schön, wenn die Leute das anders interpretieren.

    Lukas: Ich freue mich auf jeden Fall, dieses Album bald auch als Vinyl in den Händen halten zu können!

    Luis: Die Platte wird auch super schön gestaltet sein. Heutzutage Tonträger zu machen kann man sich auch sparen, wenn man da nicht noch einen Mehrwert liefert. Und wir haben da einen tollen Gestalter an der Hand, der da ein cooles Ding draus gemacht hat. Man kann die nämlich aufklappen und da nochmal schön in der Geschichte rumstöbern. Da sind dann auch Texte drin und einiges an Bildmaterial. Das ist im Grunde eine Erweiterung des musikalischen Projektes.

    Lukas: Habt ihr denn das nächste Projekt schon in Planung? Wird das wieder eine Charakterstudie?

    Luis: Wir denken im Moment noch drüber nach. Wir haben großen Gefallen daran gefunden, dass so ein Albumprojekt einen roten Faden hat. Es entwickelt eine ganz eigene Zugkraft, wenn man daran arbeitet. Weil es da noch etwas anderes gibt und es im Album nicht nur um uns beide geht. Wir haben schon ein paar Ideen, aber was das genau wird, wird sich zeigen.

    Lukas: Ist ja schon ein Alleinsstellungsmerkmal im deutschsprachigen Raum, findet ihr nicht?

    Luis: Gute Frage. Grundsätzlich ist das Album natürlich obsolet geworden, Singles und Playlists sind im Moment wichtiger als kohärente Anhäufungen von Songs. Vielleicht ist das Konzeptalbum aber deshalb auch ein schönes Gegengewicht, um etwas auf mehr Raum erzählen zu können. Die Höchste Eisenbahn oder Moritz Krämer schreiben oft auch sehr szenisch und über Figuren. Das ist so von dem Zeug, was ich kenne, am nächsten dran.

    Lukas: Ein paar Einflüsse habt ihr uns ja schon verraten. Was hat euch denn sonst noch inspiriert?

    Luis: Woran ich viel denken musste und worüber wir auch viel gesprochen haben ist George Saunders, ein amerikanischer Autor, der hauptsächlich durch seine Kurzgeschichten bekannt ist. Und anhand von sehr persönlichen und konkreten Geschichten, schreibt er über benachteiligte Milieus in den USA. Er ist jemand, dem es wahnsinnig wichtig ist, nicht auf etwas oder jemanden herunterzuschauen, sondern widerzuspiegeln, wie die Menschen sich fühlen. Das kann natürlich auch ein Geschmäckle gewinnen, wenn man sich so als der Sprecher einer sozialen Schicht darstellt. Aber wenn das gut gemacht ist, ist das sehr viel besser als Geschichten grundsätzlich zu ironisieren und Personen als Witzfiguren zu inszenieren. Wir haben eigentlich oft auch Bücher untereinander ausgetauscht, Italo Calvino haben wir zum Beispiel beide gelesen. Und was die Klanglichkeit angeht, fanden wir z.B. Nick Drake, Elliot Smith und Black Country, New Road sehr inspirierend.

    Lukas: Das macht auf jeden Fall große Lust auf „Die Wahrheit über Arndt“! Vielen Dank euch beiden für das schöne Gespräch und die Musik. Viel Erfolg weiterhin!

    Luis & Linus: Vielen Dank!

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    * Guide Track: eine Demo-Pilotspur, die bei Instrumentenaufnahmen für Orientierung sorgt
    ** Remote: In diesem Kontext Aufnahmen von Zuhause aus, die zum Schluss zusammengefügt werden

    Fotocredit: Rebecca Kraemer

  • Figure Beach im Interview: »Wir möchten die Dinge einfach passieren lassen«

    Figure Beach im Interview: »Wir möchten die Dinge einfach passieren lassen«

    Nicht nur der Kalender hat den Frühlingsanfang eingeleitet, sondern auch Figure Beach begrüßen die neue Jahreszeit mit ihrer Debüt EP „No Drama“. Figure Beach sind ein Trio aus Nürnberg, von welchem wir hier bei untoldency nicht das erste Mal und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch nicht das letzten Mal berichten. Sie selbst beschreiben Ihre Musik als Nullerjahre Indie Rock. Lara hat sich mit 2/3 der Band auf Zoom getroffen und sich mit ihnen über ihr erstes Tape unterhalten, welches morgen, am 25.03 das Licht der Welt erblickt.


    Figure Beach im Interview

    Lara: Hi. Schön, euch kennenzulernen. First of all, wie geht es euch vor dem Release? 

    Patrick: Ja. Wir sind voller Vorfreude und wir sind gesund. Ich meine, das ist auch nicht so häufig momentan. Ich bin gespannt, ob wir in einer Woche, wenn das Konzert stattfindet, dass wir dann auch gesund sind. Uns geht es gut. Hannes Stimmt das? Geht es uns gut? 

    Hannes: Ja, mir geht’s auf jeden Fall auch gut. Ich denke noch gar nicht so viel ans Release. Ist ja erst nächste Woche, in neun Tagen um genau zu sein. 

    Lara: Also alles noch ganz entspannt. Schön. Meint ihr, ihr seid entspannter als beim Release euren ersten Single? Oder wart ihr da auch so entspannt wie jetzt? 

    Patrick: Ich denke mal, beim ersten Single Release waren wir schon sehr neugierig, wie das alles wird und wie die Leute das aufnehmen. Weil unsere erste Single We Didn’t Fit Together At All war halt irgendwie auch so der Startschuss von dieser Band. Und da war es halt total interessant, einfach die Reaktionen der Leute mitzubekommen. Wie reagieren Sie jetzt darauf? Welche Musik macht diese Band? Das ist so der erste Eindruck, den man so hat. Da war ich schon aufgeregter, das gebe ich zu. 

    Lara: Wie würdet ihr denn einer Person, die eure Musik noch nicht gehört hat, diese beschreiben? 

    Hannes: Wie Nullerjahre Indie-Rock. Der Indie-Rock, den man vor 10 bis 15 Jahren gehört hat. Oder 10 bis 20 Jahren quasi.

    Lara: Ihr seid ja eigentlich zu dritt. Wie habt ihr zusammengefunden? Wie kam es, dass ihr zusammen Musik macht? 

    Patrick: Also, zusammengefunden haben Paul und Ich, weil wir in der gleichen Grundschulklasse waren. Paul, Hannes und Ich, weil wir aus demselben Ort kommen bzw. aus annähernd demselben Ort. Und wir waren dann alle in verschiedenen musikalischen Projekten und haben auch immer mitbekommen, was die anderen alles so treiben und welche Musik die so machen. Dann waren wir an dem Punkt, wo Hannes und ich gemerkt haben, dass das, was wir jetzt gerade machen, noch eine*n Bassist*in vertragen könnte. Und Paul spielt praktischerweise Bass. Dann meinte Paul naja, wenn ihr echt niemanden Besseren findet, dann können wir das schon machen. Und es hat sich als sehr gute Entscheidung herausgestellt, weil Paul auch im Studio dabei war und einige Songs der EP dann auch mitgespielt hat. Also er kam zu uns, während wir die EP gerade geschrieben und aufgenommen haben und ist jetzt auf jeden Fall festes Mitglied. Ja, so würde ich das sagen. Wir kennen uns schon sehr lange und haben auch mitbekommen, was die anderen so machen. Und jetzt sind wir in derselben Band gelandet. 

    Lara: Wie alt wart ihr da ungefähr?

    Patrick: Wir waren im Grundschulalter. Und dann Hannes, wir zwei waren ungefähr 16? 

    Hannes: Ich war 14. 

    Patrick: Dann war ich 15. 

    Hannes: Also schon echt eine Weile. Paul und ich haben eine Zeit lang zusammen in Dresden gewohnt und haben dort zusammen in einer Band gespielt und sind dann beide wieder in Nürnberg zurück gelandet. Und genau da haben wir eine*n Bassist*in gebraucht und wir kannten Paul und Paul und hatte Zeit. Und wir sind ja Live auch zu viert. Also nicht, dass dieser Eindruck entsteht, dass wir nur mit drei Musikern auf der Bühne sind.

    Lara: Good to know! Wie haben sich eure Projekte vorher angehört? In welche Richtung gingen die? 

    Patrick: Hannes und ich hatten eben so mit 15, 16 die Idee, wir können ein bisschen zusammen Gitarre spielen und das hat sich dann immer so weiterentwickelt. Wir haben Songs gecovert und dazu blöde Videos gemacht. Und eines Tages hatten wir eine eigene Song Idee und haben einen eigenen Song geschrieben. Um deine Frage zu beantworten das war so ja Akustik Indie-Folk, das war diese Mumford & Sons Zeit, als die richtig cool waren. Und dann dachten wir, wir machen auch so was. Rückblickend würde ich sagen, eigentlich war das gar nicht so, sondern es hatte schon sehr starke Indie Züge. Weniger Folk, sondern mehr Indie. Und dann wurde es schrittweise immer mehr mit elektrischen Instrumenten versehen. Dann kam eine E-Gitarre mit rein, dann haben wir bisschen Demos aufgenommen, dann haben wir auch einen Bass mit reingespielt.

    Lara: Und wie seid ihr zu eurem jetzigen Sound gekommen? Hat sich das einfach so natürlich daraus entwickelt, oder hat noch etwas Anderes, etwas Neues mit eingespielt? 

    Patrick: Also ich glaube, dass es so passiert ist. Ich glaube, es kam mit den ganzen Instrumenten und auch die ganzen Möglichkeiten, welche diese Instrumente bieten. Also wenn du auf die E-Gitarre wechselst, dann kannst du mit Effekten viel mehr arbeiten als bei meiner Akustik Gitarre. Wir haben aber auch ein bisschen unterschiedliche Einflüsse. Also bei mir zum Beispiel ist es auch sehr stark Punk, der etwas meine musikalischen Vorlieben und den Sound den ich mag prägt. Bei Paul, der heute nicht hier ist, spielt wohl eher dass jazzy-bluesige mit rein. Das, was seine Bassspielweise auch prägt. Und Hannes, du kannst für sich selber sprechen. 

    Hannes: Ich weiß nicht, ob mein elektronischer Einfluss bei uns irgendwie Platz findet. Ich glaube irgendwie bis jetzt nicht. Also bei mir kommt es, weil ich einfach seit 14 Jahren sehr viel Indie Rock Musik höre. Angefangen mit damals den Strokes und den Arctic Monkeys. So wurden wir sozialisiert und im Endeffekt ist es ein Produkt aus unserem Projekt, das sich jetzt über sehr viele Jahre entwickelt hat. Und wie Patrick schon gemeint hat, irgendwann kamen andere Musikinstrumente und andere Musiker*innen dazu und dann war es halt auf einmal weg. Also es ist jetzt nichts vorgefallen, wo wir gesagt haben, okay, wir machen jetzt ganz neue Musik.

    Lara: Um jetzt mal zu eurer ganz bald erscheinenden EP zu kommen bzw. auch zu den einzelnen Singles. Wie sind diese wunderschönen Cover entstanden? 

    No Drama EP Cover

    Hannes: Es gibt zwei Frauen, welche ich auf Instagram gefunden habe. Die nennen sich weareyawn  Und die machen sehr viel für andere Indie Musiker*innen. Die entwerfen auch Zeug für Giant Rooks und Shelter Boy und darüber habe ich die dann im Endeffekt gefunden. Anstatt irgendwie selber etwas zu malen, so wie es in den Jahren davor war, oder die Nachbarin zu fragen ob sie uns für lau etwas hinkritzelt, haben wir uns gedacht, wir gehen das alles mal wirklich ernsthaft an und fragen mal richtig professionelle Leute an, ob sie uns etwas entwerfen. Und dann waren es eben die Mädels und wir sind auch sehr zufrieden, mit den schönen Artworks. 

    Lara: Verständlicherweise. Ich finde auch, die Singlecover so wie das der EP haben einfach einen richtig guten Wiedererkennungswert.
    Weiter gehts! Habt ihr einen favourite Song auf der EP?

    Patrick: Puh, ich bin ein sehr großer Fan von unserer ersten Single, weil er mir soundmäßig einfach so gut gefällt.

    Hannes: Wenn ich mich entscheiden müsste, wäre es wahrscheinlich Waves. Also Waves und knapp dahinter, wahrscheinlich ein Song der noch kommt. 

    Patrick: Ja, den finde ich auch gut. 

    Lara: Bevor wir zum Ende kommen. Habt ihr schon Ideen für nächste Projekte? 

    Hannes: Also wir sind natürlich super froh und stolz, dass diese fünf Songs jetzt auch für andere Leute endlich mal zu hören sind. Aber wir haben in der Zwischenzeit natürlich auch neue Songs geschrieben und bereiten uns gerade sehr stark für unsere Live Zeit vor. Es sieht so aus, als könnten jetzt Konzerte wirklich wieder ganz normal stattfinden und so planen wir jetzt auch. Wir haben am 26. März unsere Release Show, für die wir natürlich ein ganzes Set spielen und nicht nur unsere EP und mit fünf Songs. Wir freuen uns sehr, endlich Live spielen zu können. Darauf liegt jetzt auch der gesamte der Fokus. Wir haben viele Songs geschrieben, die noch nicht aufgenommen sind, weswegen es sich lohnt, sich das eben auf Tour anzuschauen (lacht). Ich würde sagen, das ist, was gerade besonders den Vorrang hat. Dass wir schauen, dass die neuen Songs, auch Live gut rüberkommen. 

    Patrick: Also wir haben eigentlich auch erst ein Konzert gespielt, das war im Oktober und dann war die Szene wieder dicht. Von daher war’s das. Aber was uns da ein bisschen hilft, ist, dass wir Songs eigentlich generell ziemlich simpel schreiben und in der Art und Weise, dass wir sie auch sehr einfach wiedergeben können. Also wir haben keine 20 Geigen und nen Chor mit drauf, sondern halt einfach unsere Instrumente im Kern. Und von daher überlegen wir uns gerade, wie wir das live am besten arrangieren und wie wir auch einfach unsere neuen Songs am besten mit einbringen können. 

    Lara: Dann sind wir es auch schon bei unserer Schlussfrage. Und zwar richtet die sich immer ein bisschen nach unserem Konzept bei untoldency. Und zwar fragen wir nach einer untold Story. Also einfach irgendetwas, was ihr noch nie in einem Interview oder in der Öffentlichkeit erzählt habt. Das könnte eine kleine Anekdote sein, irgendwas Witziges oder einfach irgendetwas, was euch auf dem Herzen brennt und unbedingt in die Welt hinaustragen wollt. 

    Patrick: Hast du was? 

    Hannes: Wir haben unsere tolle Story eigentlich leider schon bei der Untold Tea Time verbraten. 

    Patrick: Also wir haben jetzt nichts Weltbewegendes, aber unsere EP heißt No Drama und wir finden, das passt sehr zu unserer Art und Weise, am Songwriting ranzugehen. Denn wir möchten die Dinge einfach passieren lassen. Das finden wir ganz schön. Wenn sich das alles aber so seinen Weg sucht und wir keinen großen Aufriss drum machen. Ja, und dann, als wir uns entschieden hatten, dass das eigentlich ein passender Titel ist für die Veröffentlichung, ist uns halt der richtig miese Dadjoke aufgefallen, dass No Drummer ein bisschen ähnlich klingt, also nach Drama und Drummer. Und wir sind eine Band, die keinen festen Schlagzeuger hat, sondern halt mit Live Drummern arbeitet. Es ist weder witzig noch ist es interessant, aber dafür ist eine Untold Story! 

     

    Dadjokes aside, könnt ihr euch hier die „No Drama“ EP von Figure Beach anhören:

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    Fotos: Florian Weichelt

  • doppelfinger im Interview: »Trotz aller schwierigen Situationen und Emotionen ist die eigene Existenz etwas Schönes und Wertvolles«

    doppelfinger im Interview: »Trotz aller schwierigen Situationen und Emotionen ist die eigene Existenz etwas Schönes und Wertvolles«

    Den Österreicher doppelfinger haben wir euch im November schon mal vorgestellt – damals mit seiner wunderschönen Single „seasonal affective disorder“. Nun gibt er mit seinem letzte Woche erschienenden Debütalbum „by design„ dem Ganzen einen Kontext und uns noch mehr Lieder zum Verlieben. Was doppelfinger auszeichnet, ist nicht nur seine Affinität an der Gitarre, sondern auch das Treffen dieser ganz bestimmten Note zwischen „das ist so traurig, ich möchte weinen“ und „das ist so schön, ich möchte nichts anderes hören“. Und genau deswegen haben wir ihn jetzt für euch im Vorstellungsinterview!


    doppelfinger im Interview

    Anna: Hey Clemens, wie geht’s dir? Magst du dich vielleicht erst einmal für alle, die dich noch nicht kennen, vorstellen?

    doppelfinger: Ich bin Clemens aus Wien, mache unter dem Namen doppelfinger Musik. Mir geht’s ok, bin hier in Österreich ja doch in einer eher privilegierten Situation wenn man sich die Geschehnisse in anderen EU Ländern ansieht. Kann mich also nicht beschweren.

    Anna: Es ist dein erstes Album, was du in die Welt lassen wirst. Wie fühlt sich das jetzt, ein paar Tage davor, an zu wissen, dass da bald ein gesammeltes Werk der Musik & Gefühle von dir draußen ist?

    doppelfinger: Es fühlt sich sehr surreal und an stellen ein wenig überfordernd an. Ich bin trotzdem voller Freude, dass es dann endlich nicht mehr nur für mich existiert. Ich hoffe einfach, dass es die Menschen erreicht, die es vielleicht gebrauchen können.


    „Ohne Licht kein Schatten und so.“

    Anna: Wie hast du deinen Weg zur Musik gefunden? Kann man ein paar deiner Einflüsse auch auf „by design“ hören?

    doppelfinger: Klassische Geschichte: musikalische Familie, Blockflöte, Posaune, etc.
    So richtig eigenständig gemerkt, wie wichtig mir Musik ist, habe ich als ich die Gitarre für
    mich entdeckt habe und dann trotz meiner Ungeduld versucht habe, mir das spielen so gut
    wie möglich selbst beizubringen. Über die doch recht simpel gestrickten Folk Klassiker (z.B.
    von Pete Seeger, Dylan, Guthrie) bin ich wohl einfach in diese Schiene gerutscht und
    diese ist definitiv am Album präsent. Irgendetwas hat sich da einfach sehr richtig angefühlt und das tut es bis heute.

    Anna: Warum „by design“? Was steckt hinter dem Albumtitel?

    doppelfinger: Für mich heißt by design soviel wie „mit Absicht“ – oder „so passend“. Zum einen spiele ich damit an meinen Projektnamen an – doppelfinger ist ja ein Teil von mir (habe einen zweiten Finger auf meiner rechten Hand) – ich bin damit geboren, es war quasi so bestimmt. Auch wenn es mich von anderen differenziert, hat es trotzdem so sein sollen.
    Und dies war auch die Idee in Bezug auf den Inhalt des Albums. Einige Songs thematisieren doch eher schwere persönliche Emotionen & Situationen – mit dem Titel wollte ich aber sagen dass diese Problematiken auch Ihre Berechtigung haben. Ohne Licht kein Schatten und so.

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    „Ich möchte weder tiefe Traurigkeit noch immens positive Ideen.“

    Anna: Viele der Songs auf dem Album entschleunigen und machen gleichzeitig auch ein kleines bisschen traurig. Was sind die Themen, die du auf „by design“ verarbeitet und behandelt hast?

    doppelfinger: Mein Album ist für mich ein erstes “Hallo” meinerseits. Wir haben Ghostwriter für diese Arbeit gewählt. Das Thema das sich für
    mich durchzieht ist ein Spiegeln von Dingen. Ohne Hoffnungslosigkeit keine Hoffnung, ohne Gut kein Schlecht, ohne Einschränkung keine Freiheit, usw. Ich versuche dies in meiner Musik zum Beispiel mittels des Gegenüberstellens von “schön” klingenden Harmonien zu Texten, die dann eher weniger schöne Dinge behandeln. Ich möchte weder tiefe Traurigkeit, noch immens positive Ideen kommunizieren. Ich möchte beide gegenüberstellen und behandeln.

    Anna: Hast du einen aktuellen Lieblingssong vom Album?

    doppelfinger: Ich glaube „quite alright“ ist für mich persönlich einer der wichtigeren Songs auf dem Album. Er gibt dem Album eine gewisse Leichtigkeit und nimmt den dann doch emotional eher schwereren Songs ein wenig den Druck. Er umfasst für mich einfach den roten Faden des Albums. „Quite alright“ ist für mich so gesehen irgendwie eine Reaktion auf die anderen Songs am Album und sagt, dass trotz aller schwierigen Situationen und Emotionen die eigene Existenz etwas Schönes und Wertvolles ist – und sogar noch schöner und wertvoller wird durch alle persönlichen Kämpfe.

    Anna: In deinem Pressetext heißt es, dass die ersten Lieder, die du geschrieben hast, ursprünglich nie dafür bestimmt waren, von anderen gehört zu werden. Warum? Und was hat dich überzeugt, sie doch zu veröffentlichen?

    doppelfinger: Weil ich nicht das Gefühl hatte, dass sie unbedingt gut genug waren. Ich war damals aber an einem Punkt angelangt, an dem ich mir gedacht habe, dass es jetzt eh nicht vieles zu verlieren gibt. Da hab ich dann beschlossen die Songs einfach mal live auszuprobieren. Über dies kam ich dann zum Aufnehmen.

    Anna: Kannst du dich noch an das erste Lied, was du geschrieben hast, erinnern?

    doppelfinger: Die erste Songstruktur, an die ich mich erinnern kann, war ein Song, in dem ich so bisschen meine vergangenen Fehler und „Sünden“ aufzählen wollte, ich glaub das war so mit 16. Der Chorus ging dann irgendwie – „so i don ́t know if i belong, in the sky lord – in the sky“ – ich hab den aber nie fertig geschrieben, aus Angst dass er religiöser wirkt, als er für mich eigentlich gemeint war.

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    „Die kleine Bubble in Österreich ist sehr divers und mutig.“

    Anna: Du machst aber nicht nur Musik als doppelfinger, sondern wirkst auch bei vielen anderen Projekten mit, wie zum Beispiel dem von OSKA. Da hab ich auf den Acoustics die sehr süße Story gehört, wie ihr euch als scheinbar verlorene Kindergartenfreunde ganz zufällig auf Instagram wiedergefunden habt. Fühlt sich das für euch ein bisschen wie Schicksal an, dass ihr jetzt wieder zusammen Musik macht?

    doppelfinger: Definitiv. Wir reden sehr oft darüber, aber wenn man so oft wie wir miteinander abhängt, dann denkt man manchmal auch nicht darüber nach. Und wenn einem das dann wieder einholt und man sich wieder bewusst wird, wie speziell es ist, dass wir nicht nur gemeinsam Musik machen, sondern uns auch so gut verstehen und so lange kennen, dann ist das schon ein bisschen ein verrücktes Gefühl.

    Anna: Wie nimmst du die österreichische Musikszene wahr? Für mich bist du in einer sehr
    angenehmen Bubble, aus der selten was Schlechtes kommt, muss ich sagen.

    doppelfinger: Ich finde die kleine Bubble in Österreich auch relativ erfrischend. Man hätte auch die Sorge haben können, dass viele Artists nach Erfolgen von Bilderbuch oder Wanda versuchen würden, auf ähnliche Richtung Erfolg zu haben. Dem war aber nicht so, die österreichische Szene ist gefühlt sehr divers und mutig – was ich sehr schätze.

    Meine Lieblings Acts aus Österreich derzeit: Lukas Lauermann, Sophia Blenda, OSKA.

    Anna: Zum Schluss fragen wir immer nach einer untold story, etwas, das du noch nie in einem Interview erzählt hast.

    doppelfinger: Puh, schwierig. Ich hab mich mal versehentlich als 8-jähriger auf einem Bauernhof in der Toilette bei den Kühen eingesperrt. Da hab ich dann ca. 3 Stunden mit Beten und Kloputzen verbracht, bis mich meine Schwester aus der Situation befreite. Als ich da endlich wieder rauskam war mir auf jeden Fall bewusst – es gibt keinen Gott und das Putzen von Toiletten hilft somit maximal dem Bauern aber keiner größeren Macht.

     

    Wir würden das Album ehrlich gesagt für alles empfehlen außer fürs Toilette-Putzen, aber vielleicht kickt es auch da nochmal besonders, wer weiß:

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    Fotocredit: Sophie Löw

  • OSKA im Interview: »Was wäre, wenn jetzt die Welt untergehen würde?«

    OSKA im Interview: »Was wäre, wenn jetzt die Welt untergehen würde?«

    Vor einem Jahr haben wir die österreichische Singer-Songwriterin OSKA im Interview zu ihrer Debüt-EP vorgestellt, danach hat sie uns auf der Acoustics-Tour im Sommer zusammen mit Stu Larsen begeistert und seitdem kommt eigentlich kaum noch jemand an ihr vorbei. Ende Februar kam ihr Debütalbum „My World, My Love, Paris“ raus und passend dazu, haben wir mit ihr über die Einflüsse hinter dem Album, Familie und das Musikbusiness gesprochen. Und die Frage aufgegriffen, die wir alle seit 2020 sehr fühlen: Was wäre, wenn jetzt die Welt untergehen würde?


    OSKA im Interview

    Anna: Hey, super schön, dass wir uns jetzt wieder zusammenfinden! Vor fast genau einem Jahr haben wir zu deiner Debüt-EP „Honeymoon Phase“ gesprochen, damals hattest du das Album schon ein bisschen angeteasert. Wie hast du das letzte Jahr seit deinem EP-Release wahrgenommen? 

    OSKA: Eigentlich ganz gut! Ich hab extrem viel live gespielt, womit ich irgendwie gar nicht gerechnet hab.  Also ich war schon für die Verhältnisse der Situation viel unterwegs. Das erste Mal mit einer Band! Wir waren auf dem Reeperbahn Festival, das waren 5 sehr intensive Tage und extrem cool. Da war ich auch nominiert für einen Anchor Award. Und dann haben wir das Album fertig gemacht. Also es war sehr viel zu tun (lacht). Aber nur schöne Sachen. 

    Anna: Ich hab dich letztes Jahr tatsächlich auch ein Mal live sehen können, bei den Acoustics Concerts in Berlin mit Stu. Das gab es einen sehr süßen Moment, als es angefangen hat zu regnen und die andere Band des Abends zu euch auf die Bühne mit Regenschirmen gesprintet kam. 

    OSKA: (lacht) Ja, daran kann ich mich auch erinnern! 

    Anna: Haben Momente wie diese den ganzen Pandemie-Frust von 2021 auffangen können?  

    OSKA: Schon irgendwie tatsächlich! Also ich seh andere Freunde und Freundinnen von mir, die auch Musik machen, die nicht so viel live spielen konnten. Ich schätze mich dann schon sehr glücklich. Es gab die Acoustics-Tour und vereinzelte Konzerte, und wir hatten schon ein bisschen das Gefühl von “ok, es geht wieder bergauf”. Es ist dann schon noch komisch, so die Leute mit den Masken beim Konzert zu sehen. Aber selbst daran gewöhnt man sich irgendwie? Es ist schon komisch, dass wir dann schon so Gewohnheitstiere sind und doch irgendwie damit leben können. Aber es ist schon komisch, also ich freu mich, wenn es irgendwann nicht mehr so ist.  


    “Zwischen Stu und mir ist voll die schöne Freundschaft entstanden.” 

    Anna: Anknüpfend an die gemeinsame Acoustics-Tour mit ihm komm ich natürlich nicht umhin Stu Larsen zu erwähnen. Hast du während der Zeit Sachen von ihm gelernt? 

    OSKA: Voll! Der Stu hat so viel Erfahrung einfach. Er ist wirklich einfach Singer Songwriter und macht das schon so lange. Wir haben viel drüber geredet, wie man mit bestimmten Situationen und Menschen auf der Tour umgeht. Ich mein, das ist eh irgendwie klar, aber trotzdem ist es gut zu sehen, wie er damit umgeht. Er macht das alles extrem gut, finde ich, da kann man sich jeden Fall was abschauen. Es ist voll die schöne Freundschaft draus entstanden und ich glaube, man merkt es eh, dass wir uns alle einfach sehr gern haben. Clemens, mein Gitarrist, und ich waren jetzt zu Besuch bei ihm im Studio. Er hat uns nach Italien eingeladen, wo er zurzeit wohnt, und ich weiß noch gar nicht, ob ich es erzählen darf? Aber ich geh jetzt im Mai mit auf seine nächste Tour!  


    “Es fühlt sich schon nochmal wie mehr an.” 

    Anna: Gab es für dein neues Album einen Unterschied zum Aufnehmen deiner ersten EP? Und war waren die größten Einflüsse, die es geprägt haben? 

    OSKA: Ja, beim Album hab ich gar nicht mehr so viel Zeit zum Überlegen gehabt. Es war doch alles sehr knapp. Wir sind heim kommen von der Tour in Deutschland und es war tatsächlich extrem überfordernd, weil wir nur noch bis Anfang November eigentlich Zeit hatten, das Album fertig zu machen und dann die Deadline verschieben mussten. Da war eigentlich nicht viel Zeit, um richtig nachzudenken, was manchmal auch ganz gut ist. So einfach machen und irgendwie alles rausholen, was irgendwie dann geht. 

    Zu den Einflüssen: es ist so schwer alles zusammenzufassen. Die letzten Jahre und natürlich auch die Musik, die man gehört und geliebt hat, beeinflussen das Ganze. Aber was ich dann gemerkt hab, waren die Einflüsse von früher. Ich bin schon viel aufgewachsen mit auch irischer Musik und Musik, wo viele Geigen, irische Filz, drin sind. Und ich hab gemerkt, dass ich das extrem gerne in meine Musik mit einbauen will und das bis jetzt irgendwie noch nicht so Thema war. Deshalb haben wir am Schluss noch Streicher-Sessions gemacht und jetzt hat das Album einige Streiche und so drauf. Aber dieser Drang oder dieser Wunsch kam erst irgendwie zum Schluss, so “ah jaa, das wollte ich ja eigentlich immer!” (lacht) 

    Anna: Dann fühlt sich ja sicher der Release jetzt auch ganz anders an als bei deiner EP. 

    OSKA: Es fühlt sich schon nochmal wie mehr an. Es sind ja auch mehr Songs und dann hab ich schon das Gefühl, mich teilweise doch ein bisschen mehr aus dem Fenster gelehnt und noch mehr getraut zu haben mit dem Album. Hier, ich kann’s dir zeigen! (hält ganz stolz das Album in die Kamera). Ich hab die CD bekommen und hab sie einfach nicht loslassen können, den ganzen Tag hab ich mich so gefreut. Aber ja, es ist schon noch einmal anders, weil es ein größerer Ausschnitt aus den letzten Jahren ist und das spür ich schon. 


    “Was ist ein Song eigentlich noch wert?” 

    Anna: Willst du thematisch kurz anreißen, welche Themen du auf dem Album besprichst? 

    OSKA: Der erste Song, Too Nobody, da geht’s im Grunde darum, mit dem Musikbusiness zurechtzukommen und dem Gefühl, man muss immer mehr machen. Fragen wie: was ist ein Song eigentlich noch wert? Da spielen so viele Themen rein, wie die eigene Unsicherheit, mit der man eh schon zu kämpfen hat und dann auch diese Ausbeutung, mit der Musik einhergeht.  

    Anna: Und wie gehst du damit um? 

    OSKA: Oh, ich weiß es ehrlich gesagt noch nicht. Das ist eine Frage, die ich mir gerade stelle, weil irgendwie muss man so seinen Weg finden. Ich glaube, ich hab es geschafft, mit Leuten zu arbeiten, denen ist Musik das wichtigste und das, um was es geht. Das war mir auch schon relativ früh klar, dass ich nicht das Gefühl haben will, da ist irgendwer im Team, der das ausnutzen möchte oder so. Keine Ahnung, ich kann das ganz schwer beschreiben. Aber dann ist man natürlich auch an gewisse musikalische Plattformen gebunden, wo die Musik gespielt wird. Ich mein, wir wissen’s eh alle, wie wenig ein Stream wert ist. Und dann fallen Konzerte auch noch weg und eben dieses Gefühl von “ok, wie verdiene ich jetzt mein Geld und wie kann ich davon leben?”  

    Es geht in dem Song auch darum, dass wenn niemand zuhört, ich es halt auch noch für mich machen würde. Das ist auch mein Weg damit umzugehen wahrscheinlich! Ein Lied darüber zu schreiben und mich selber daran zu erinnern, warum ich das alles mach. 

    Das zweite Lied ist „My World, My love, Paris” – so heißt ja auch das Album. Ich hab das Anfang der Pandemie geschrieben und da war ja, überspitzt gesagt, ein bisschen Weltuntergangsstimmung (lacht). Da hab ich mich in die Lage versetzt, ok was wäre, wenn jetzt die Welt untergehen würde? Welche Gespräche würde man dann miteinander führen? Es gibt diesen Song von Edith Piaf, “Non, je ne regrette rien” – “Nein, ich bereue nichts”. Und ich habe mir die Frage gestellt: würden wir das immer noch? Oder würde wir sagen: “I’m sorry, my world, my love, Paris”.  Paris steht so ein bisschen als Symbol dieser schönen Welt, auf der wir leben, aber auf die wir halt nicht immer so ganz gut aufpassen.  

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    “Der Abnabelungsprozess von meiner Familie hat sehr spät eingesetzt.” 

    Anna: Familie ist auch ein zentrales Thema auf dem Album. Inwiefern würdest du sagen definierst du dich selbst über deine Familie? Und wie unterscheidest du dich vielleicht auch von ihr? 

    OSKA: Ich hab eine irgendwie sehr große und sehr bunte Familie würde ich sagen. Und auch eine sehr coole! Ich hab mich schon jahrelang über meine Geschwister und Familie definiert, dieser Abnabelungsprozess hat bei mir glaube ich ein bisschen spät eingesetzt (lacht). Ich war so gern in meiner Familie, auch als Jugendliche. Oft fängt das ja an, dass man sich dann irgendwie abkapselt und das habe ich sicher auch zu einem gewissen Teil getan, aber irgendwie waren wir sehr close immer, gerade auch zu der Zeit.  Seit ich in Wien bin, hat dieser Abnabelungsprozess begonnen. Und jetzt fühle ich mich gerade an einem Punkt, wo ich mich nicht mehr so stark über meine Familie definier. Wir sind jetzt auch alle älter und jeder ist verantwortlich für sein eigenes Leben. Und das ist ein sehr befreiendes Gefühl auch. 

    Anna: Was würdest du sagen sind die nervigsten oder auch bemerkenswertesten Eigenschaften deiner großen Geschwister? 

    OSKA: (überlegt) Ich glaube, was bei uns so speziell ist und was auch andere Leute immer sagen, ist, dass wir so extrem eng miteinander sind und uns gut verstehen. Und ich glaube, das Coolste an meinen Geschwistern ist, wie liebevoll wir alle miteinander sind. Und das ist etwas, was glaube ich sehr bemerkenswert ist! Ich mag das, wenn Menschen herzlich sind und liebevoll miteinander umgehen. Das ist sicher auch was, was ich von meinen Geschwistern gelernt hab.   

    Und das Nervigste? Ja, wir wohnen halt nicht mehr zusammen, also früher hätt ich dir da ganz viel sagen können (lacht). Aber mittlerweile nerven wir uns nicht mehr so stark tatsächlich.  

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    “Ich darf das Album dieses Jahr sehr schön touren.” 

    Anna: Du hast auch das Glück, dein Album dieses Jahr zu touren! 

    OSKA: Ja, ich kann’s tatsächlich touren, was extrem cool ist. Ich spiel auch ein bisschen Support dieses Jahr. Es sind eigentlich viele Shows geplant. Ich werde in den Niederlanden sein, ich werd mit Stu auf Tour sein, ich glaub, das darf ich schon sagen. Also ja, ich darf das Album tatsächlich dieses Jahr sehr schön touren.  

    Anna: Wenn du dir eine Person aussuchen könntest, mit wem würdest du gerne mal die Bühne teilen?  

    OSKA: Ah, da gibt’s so viele! Phoebe Bridges mag ich sehr gerne. (überlegt) Ich bin aufgewachsen mit Joan Baez, die hat mit Bob Dylan viel zusammen gemacht. Ich guck mir gerade extrem viel alte Konzerte von ihr auf YouTube an, das wär irgendwie auch ziemlich legendär.  

    Anna: Ich weiß nicht, ob du dich vom letzten Jahr dran erinnern kannst, aber zum Schluss fragen wir immer nach einer untold story, also etwas, was du noch nicht in einem Interview geteilt hast. 

    OSKA: Was hab ich denn da letztes Jahr erzählt? 

    Anna: Da hast du von dem Videodreh erzählt, bei dem dein Ex-Freund dich zum Weinen gebracht hat. 

    OSKA: Ah jaa! Wow, ganz schön viel passiert dieses Jahr.  

    (überlegt) Mir glaubt es ja keiner, aber ich kann nicht kochen. Also so gar nicht. 

    Anna: Gar nicht gar nicht? 

    OSKA: Gar nicht. Also ich weiß nicht, wozu ich ne Küche hab (lacht).  

    Anna: Und was machst du dir, wenn du alleine zuhause bist? 

    OSKA: Cini Minies (lacht).  

     

    Wer sich zu einer Schüssel Cini Minis dieses wunderschöne Album anhören mag, der folge diesem Link:

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    Fotocredit: Hanna Fasching

  • Mavi Phoenix im Interview: „»Marlon« ist frech, erfinderisch aber trotzdem irgendwie klassisch“

    Mavi Phoenix im Interview: „»Marlon« ist frech, erfinderisch aber trotzdem irgendwie klassisch“

    Marlon ist nicht nur Mavi Phoenix‘ bürgerlicher Name, sondern nun auch der Titel seines zweiten Studioalbums. Passend zum Release, durfte ich (Lara) mit Marlon, über Marlon sprechen, was am 25.02.2022 erschienen ist.

    Musikalisch bewegt sich Mavi Phoenix zwischen Lo-Fi-Pop, Trap und modernem R&B. Ausserdem finden sich auf seinem neuesten Release Gitarrensounds wieder. Nach dem Coming Out als Transmann und der Veröffentlichung seines Debütalbums „Boys Toys“ verabschiedete sich Marlon Nader 2020 von Social Media, nahm eine Auszeit und widmete sich seiner persönlichen sowie musikalischen Transition.

    In wie fern Mavi Phoenix seinen neuen Gitarrensound seinem Vater zu verdanken hat, wie der Albumprozess bei Marlon ablief und was seine persönlichen Lieblinge der Platte sind, könnt ihr jetzt hier im Interview lesen.


    Interview mit Mavi Phoenix

    Lara: Hallo Marlon, schön dass das geklappt hat. Du steckst ja aktuell mitten in der Promophase. Zum Einstieg frage ich dich erstmal, was du heute schon so gemacht hast.

    Mavi Phoenix: Ich war heute tatsächlich schon bei einem Interview, mal wieder Face to Face, in einem Cafe, für ein österreichisches Magazin. 

    Lara: Face to Face ist ja auch mal wieder ganz nice. Wie geht es dir? In 2 Wochen ist es soweit, dann kommt dein zweites Album Marlon raus. Wie geht es dir, so kurz vor dem Release? 

    Mavi Phoenix: Ja eigentlich ganz gut! Ich freue mich echt mega auf’s Album und ich realisiere auch gerade eigentlich erst, dass es bald wirklich rauskommt. Ich freue mich einfach wirklich sehr und auch, dass es danach dann auch endlich weitergehen kann.

    Lara: Das kann ich gut nachvollziehen. Unterscheidet sich der Release von Marlon zu dem von Boystoys? 

    Mavi Phoenix: Ich glaube, ich bin tatsächlich ein bisschen entspannter. Wahrscheinlich auch, weil ich voll an das Album glaube. Ich habe das Gefühl, dass es ein gutes Album geworden ist und freue mich einfach. Natürlich ist mir auch voll wichtig, was die Leute dann damit machen und wie sie es finden, aber ich bin da ziemlich gefestigt und denke schon, dass es den Leuten gefallen wird. Hoffentlich.(lacht)

    Lara: Also ich hab natürlich schon mal etwas reingehört und ich bin mir ziemlich sicher, dass es den Leuten gefallen wird. Weisst du schon, wie du den Release feiern wirst? 

    Mavi Phoenix: Jaa, ich werde in Berlin tatsächlich meine erste Releaseparty überhaupt machen! Beim letzten Album war da ja der erste Lockdown und da kam dann leider nichts zu Stande. Jetzt ist es natürlich auch irgendwie blöd mit Corona, aber wir werden dann hoffentlich mit 2G+ vielleicht auch mal ein Bisschen den Release feiern können.

    Lara: Nice, muss ja auch mal wieder sein. Jetzt back zum Album; wie lief der Albumprozess ab und wann hast du angefangen, die ersten Songs für Marlon zu schreiben?

    Mavi Phoenix: Bei mir ist es eigentlich so, dass ich ständig schreibe. Es ist nicht so, dass ich mir denke „jetzt habe ich das eine Album fertig und jetzt mache ich eine Pause“ sondern ich mache das natürlich voll gerne und es hat für mich auch irgendwie etwas therapierendes dabei. Ich brauche das Musik machen auch einfach irgendwie und deshalb mache ich echt ständig Musik. Nach Boystoys gab es dann ein paar Monate in denen ich auch Musik gemacht habe, aber davon ist dann zum Beispiel auch nichts auf dem Album gelandet. Da war ich dann auch kind of in einer Findungsphase um zu schauen, was mir überhaupt gefällt, zu schauen was ich in Zukunft machen möchte und um mich auszuprobieren.

    Irgendwann hat es klick gemacht

    Dann ist es aber auch eigentlich ganz schnell gegangen! Ich habe meine Gitarre gepackt, neu herumexperimentiert und auch wieder selbst produziert. Dazu hat sich auch noch meine Stimme verändert und dann hat einfach alles voll schön zusammengepasst! Richtig entstanden ist das ganze Album dann also zwischen Sommer 2020 bis Sommer 2021.

    Irgendwann hat es dann wie klick gemacht. Ich muss dazu sagen, dass ich zu der Zeit auch von den Demos her einen echt krassen Output hatte. Wir haben auch sicher die Hälfte der Songs weggehauen, die dann nicht aufs Album gepasst haben. Es war dann auf jeden Fall genug Output dabei, dass es für ein Album gereicht hat (lacht).

    Lara: Ja, verstehe ich auf jeden Fall voll. Next Question: Du hast einige unterschiedliche Sounds auf Marlon, unter anderem die Gitarre. Gitarren waren ja vorher nicht so typical Mavi Phoenix. Wie kam es dazu?

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    Albumcover Boys Toys

    Mavi Phoenix: Ja true! Auf Boys Toys gibt es den Song Family, da habe ich das erste mal Gitarren etwas in meine Musik einfliessen lassen. Also da gab es schon so erste Anzeichen dafür, dass, es mich reizen würde, aber dann bei dem Album Marlon habe ich es dann tatsächlich so als mein neues Instrument entdeckt.

    Lara: Ich finde auch, dass es auf jeden Fall stimmig ist und total gut zu allem passt. Was hat dich denn letztendlich zur Gitarre gebracht?

    Mavi Phoenix: Es war so, dass mein Papa mir die Gitarre geschenkt hat, als ich 15 war. Die steht auch tatsächlich gerade neben mir! Die ist eigentlich wirklich Jahrelang in Linz in meinem Elternhaus verstaubt. Irgendwann habe ich die dann einfach mal hergeholt. Durch die Hormontherapie habe ich dann auch gemerkt, dass sich die Stimme verändert und ich die Töne die ich vorher erreicht habe, jetzt nicht mehr erreichen kann. Und irgendwie hat die Gitarre für mich dann so etwas neues aufgetan, auch beim Musik schreiben.
    Ich schreibe ja wirklich schon lange Musik, aber irgendwie hatte ich dann durch die Gitarre plötzlich auch einen ganz anderen Blickwinkel gesehen, weil du mit der Gitarre eben auf ganz andere Melodien kommst. Das hat mir was das Album betrifft echt einige Türen geöffnet und das Album zeigt glaube ich, auch einfach voll dieser Moment, als ich die Gitarre und dadurch auch mich neu entdeckt habe.
    Deswegen klingt es glaube ich auch glaube ich so fresh, im Sinne von innocent und neu an.

    Lara: Was für eine schöne Story dahinter! 

    Mavi Phoenix: Jaa, vor allem wollte ich früher auch die in den Gitarrenunterricht gehen! (lacht)

    Lara: Das fühle ich.  Jetzt zur nächsten Frage: Hast du einen Lieblingstrack auf dem Album?

    Mavi Phoenix: Boah, schwer zu sagen. Natürlich mag ich eh alle Tracks, aber meine aktuellen Favoriten sind aber glaube ich trotzdem gerade Nothing good und So Happy I’m Useless.

    Lara: Und wie kommt’s?

    Mavie Phoenix: Bei Nothing good ist es glaube ich so, dass ich das auch mega feiern würde, wenn den jemand anderes gemacht hätte. Ich hab mir bei dem Track halt auch nicht so viel bei gedacht und ich finde das merkt man auch. Ich finde ihn frech und es kommt einfach so natürlich heraus. Da hatte ich auch einen Moment, wo ich dann mit der Gitarre ein Riff entdeckt habe und rumexperimentiert habe. Und es war auch einer der ersten Tracks, den ich überhaupt ganz mit Gitarre geschrieben habe.

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    Lara: Jetzt zu einem leider unvermeidbaren Thema: Die Pandemie. Welche Einflüsse hatte diese auf den Albumprozess?

    Mavi Phoenix: Wäre die Pandemie nicht dazwischen gekommen, wäre ich eigentlich auf Boys Toys Tour gegangen, was sicher auch mega nice gewesen wäre. Durch die Pandemie war das Musikmachen meine Prio. Das war dann in sofern nice, dass ich dann wirklich die Zeit hatte, mich neu zu erfinden und halt neue Sachen auszuprobieren. Aber to be honest, jetzt wäre es auch mal nice, wenn die Pandemie ein Ende findet. (Lacht)

    Lara: Mit welchen Worten würdest du dein Album Marlon beschreiben?

    Mavi Phoenix: Hm, ich würde auf jeden Fall sagen, irgendwo frech, erfinderisch, aber trotzdem irgendwie auch klassisch. Einfach, weil ich einen Mix aus all dem drauf habe.

    Lara: Und passend zur vorherigen Frage; mit welchen Worten würdest du dich, Marlon beschreiben?

    Mavi Phoenix: Ich würde sage, ich bin kreativ, aber auch nervös (lacht) und ich glaub ich hab einfach Lust aufs Leben? Lebenslustig? Wenn man das so sagen kann.

    Lara: Bevor wir zum Ende kommen, interessiert es mich, wie es in naher Zukunft bei dir ausschaut. Bist du froh, dass jetzt erstmal alles done ist, oder magst du dich am liebsten gleich ins nächste Projekt stürzen?

    Mavi Phoenix: Ich bin froh, dass es jetzt done ist, aber vor allem auch, weil das jetzt abgeschlossen ist und jetzt wieder neu starten kann. Bei jedem Album fängt man halt bei Null an. Also zumindest ist es bei mir so, dass ich dann nicht nochmal Sachen aufgreife, die ich gemacht habe, sondern ich versuche immer etwas neues machen. Aber nicht mit dem Gedanken, „uh, das muss jetzt neu sein!“ Sondern eigentlich entsteht das voll natürlich. Wenn ich jetzt zum Beispiel einen Song machen würde, der klingt, als würde er auf das Marlon Album passen, fände ich das wahrscheinlich sehr fade.
    Aber ich bin wie gesagt schon froh, dass es done ist, ich werde mir bald auch mal etwas Urlaub gönnen und dann kann es weitergehen (lacht).

    Lara: Alright!  Damit sind wir auch schon am Ende. Unsere Schlussfrage richtet sich ein bisschen nach unserem Konzept bei Untoldency und fragt nach einer untold story. Kannst du uns da was erzählen, was du so vorher noch nie in einem Interview erzählt hast? Das kann eine kleine Anekdote sein, gerne irgendetwas witziges oder einfach irgendetwas, was dir auf dem Herzen brennt und du unbedingt in die Welt hinaustragen möchtest.

    Mavi Phoenix: Jaa, da gibt es einen random fact! Während meiner Transition habe ich auf dem Laptop mit dem ich jetzt hier mit dir rede, auf Fotobooth Videos über meine Transition aufgenommen, die ich aber höchstwahrscheinlich doch nicht posten werde (lacht). Jetzt in der Retrospektive waren die wohl doch eher nur so für mich. 

    Lara: Ah nice! Ich habe mir mal dein This is my Voice… Video angesehen.

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    Mavi Phoenix: Jaa, das habe ich mich dann auch getraut zu posten. Aber die anderen Videos finde ich jetzt irgendwie fast etwas cringe und werde sie wahrscheinlich nicht veröffentlichen.

    Mavi Phoenix‘ zweites Studioalbum Marlon ist am 25. Februar 2022 bei LLT Records erschienen. Hier könnt ihr nun herausfinden, wie dieses klingt

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    Fotos: Tereza Mundilova

  • YRRRE im Interview: »Ein Album fühlt sich jetzt richtig an«

    YRRRE im Interview: »Ein Album fühlt sich jetzt richtig an«

    Eindringliche Texte, verpackt im schönsten Wortgewand. Musikalisch bewegt sich der Musiker zwischen HipHop und Trap, aber auch mit Punk- und Pop-Elementen kann er dienen. Produziert von Cap Kendricks und gefeatured unter anderem von Maeckes, Christopher Annen und John on a Mission. Hört sich nicht schlecht an, oder? Die Rede ist hier von YRRRE mit seinem neuem Album Feinstaub. Wer YRRRE immer noch nicht auf dem Schirm hat, hat jetzt die Chance dies zu ändern und ich empfehle auch dringends, dies zu tun. You will not regret it!


    YRRRE im Interview

    Lara: Hallo YRRRE, schön, dass das geklappt hat. Wie geht es dir, so kurz nach dem großen Release?

    YRRRE: Um ehrlich zu sein, gar nicht mal sooo gut (lacht). In der Zeit vor dem Release war immer so viel los, es gab immer was zu tun. Es war sehr anstrengend und jetzt ist der Release done, was ich auch erstmal verarbeiten muss und zeitgleich geht es ja irgendwie auch direkt weiter. Der Release bedeutet ja nicht, dass ich im Anschluss daran gar nichts mehr zu tun habe.  

    Lara: Das verstehe ich total. Bevor wir direkt zum Album kommen, liegt mir eine Frage auf dem Herzen, welche ich mir schon damals, direkt beim ersten mal lesen gestellt habe. Die da wäre: Wie kamst du auf deinen schönen Künstlername YRRRE?

    YRRRE: Das war garnicht mal so spektakulär, wie man denkt (lacht). Ich war auf der Suche nach einem Namen und der stand eben schon länger in meinen Notizen. Ausserdem wollte ich einen Namen, der nicht gleich auf das Genre rückschließen lässt. Und cool musste er sein, auf jeden Fall. Dann habe ich meinen damaligen Mitbewohner gefragt, ob YRRRE cool klingt und er meinte: Jup, ist cool. 

    Lara: Ach krass, das mit dem cool hast du auf jeden Fall erreicht, YRRRE hört sich nicht nur cool an, sondern schaut auch sehr schön geschrieben aus. Jetzt zu deinem Album. Hat sich der Release von deinem Debüt unterschieden? Hattest du mehr Druck, oder war es vielleicht sogar entspannter, eben weil es nicht dein erster Albumrelease war?

    YRRRE: Also wenn ich ehrlich bin, hat sich Feinstaub wie mein Debütalbum angefühlt. Das erste Album habe ich irgendwie komplett alleine, in meinem damaligen WG-Zimmer zusammengeschustert. Auch ohne, dass ich es jemandem gezeigt habe oder so. Bei meinem zweiten Album war die gesamte Arbeitsweise schon ganz anders! Ich bin alles von Anfang an viel offener angegangen und  hatte dann eben auch Mittel zur Verfügung und Leute mit denen ich zusammengearbeitet habe. Das war schon eine Erfahrung, die ich so vorher noch garnicht hatte. Deswegen hat sich der Release von Feinstaub wohl so angefühlt wie der eines Debütalbum.

    Lara: Und wie hast du den Release gefeiert, wenn ich fragen darf?

    YRRRE: Voll viele von meinen Leuten waren krank, deshalb habe ich es mir gespart in großer Runde zu feiern. Aber ich war mit Cap Kendricks, meinem Produzenten im Proberaum und wir haben eine Flasche Champagner geholt, das Album gehört und uns einfach gefreut (lacht).

    Lara: Ach, so ganz gemütlich ist ja auch schön.

    YRRRE: Genau, voll. Wobei, es war eigentlich gar nicht so gemütlich wie wir es geplant hatten (lacht). Es ist dann doch irgendwie ein bisschen eskaliert, aber alles eben im ganz kleinen Rahmen.

    Lara: Ah, ich verstehe! Hört sich aber auf jeden Fall trotzdem sehr passabel an. Jetzt zurück zum Album. Mich interessiert es immer total, wie lange Künstler*innen an ihrem Album gearbeitet haben. Wie lief der Albumprozess bei Feinstaub ab? 

    YRRRE: Also die ersten Skizzen hatte ich relativ schnell nach dem Debütalbum. Aber wenn ich mich nicht irre, habe ich so Mitte 2019 so richtig doll angefangen. Und von da an haben wir dann auch tatsächlich echt durchgezogen und kontinuierlich dran gearbeitet, bis ich dann an dem Punkt war, wo ich gesagt habe „so, ich mache jetzt ein Album, das fühlt sich jetzt richtig an.“ Aber es hat auf jeden Fall alles schon gedauert, ich denke insgesamt so zwei Jahre.  

    Lara: Kannst du dich noch an den Moment erinnern, als du dich entschieden hast, das Album zu machen? 

    YRRRE: Ich habe bei dem ersten Album eigentlich gar nicht damit gerechnet, dass es sich in „den richtigen Kreisen“ verbreitet und ich mir dadurch erstmal eine Perspektive schaffen konnte. Dann war das dann plötzlich alles da und dann musste ich halt auch nachlegen, weil ich kurz vorher meinen Job geschmissen hatte und mich erstmal voll und ganz auf die Musik konzentrieren wollte. Das habe ich jetzt auch in den letzten zwei Jahren gemacht und auch unglaublich viel dabei gelernt. Mir war es aber auch wichtig, dass ich jetzt nicht total schnell hinterher schieße, sondern dass ich mir wirklich Zeit lasse und mir auch ein eigenes Soundgewand erschaffe und auch da alles drauf reinsetze, bis ich letztendlich zufrieden bin. 

    Lara: Wie viele Tracks hattest du ready, die es nicht aufs Album geschafft haben?

    YRRRE: Also ready nicht, ich arbeite immer etwas Skizzenhaft an den Sachen. Da entsteht immer irgendetwas und ich schreibe, ich brauche dann aber immer auch die richtige Stimmung um etwas dann total auszuarbeiten. Aber so an Skizzen hatte ich dann safe so circa 60 Songs für das Album. Also es war schon echt viel und irgendwann wurde es dann auch echt unübersichtlich. Ich musste mich dann voll auf mein Bauchgefühl verlassen, was nun klug oder unklug ist, weiterzuverfolgen. Da habe ich mich dann auch oft mit Cap Kendricks ausgetauscht. 

    Lara: Bei 60 Songs kann man auch schonmal den Überblick verlieren.

    YRRRE: Ja, wir hatten halt auch irgendwann einen ganz guten Zug drauf, weil wir immer woanders hin weggefahren sind. Wir haben uns dann auch permanent eingeschlossen und waren zwei Wochen mal hier und zwei Wochen mal dort und so. Und da haben wir von Morgens bis Abends nur Musik gemacht und uns ausprobiert und experimentiert. Da kam dann auch relativ schnell viel zusammen.

    Lara: Also habt ihr euch zum Musik machen richtig isoliert?

    YRRRE: Ja, das mache ich auch eigentlich echt am liebsten. Ich mag es wirklich, wenn ich mich dann so richtig hoch konzentriere und mich dann auch gar nicht so wirklich ablenken kann. Also, dass  ich dann Abends rausgehe und mit Leuten treffe. Da schließe ich mich schon sehr gerne ein und verliere mich dann auch gerne voll in der Stimmung.

    Lara: Ein Thema, um das wir natürlich nicht herum kommen, ist die Pandemie. Hat sie den Albumprozess beeinflusst?

    YRRRE: Schwierig zu sagen, also bei mir war es halt so, dass ich mich ja schon vorher für das Album mehr oder weniger isoliert habe und als ich dann mal wieder raus in die Welt treten wollte, es dann eben garnicht mehr ging. Und das hatte dann eben schon auf jeden Fall Einfluss auf das Album genommen. Natürlich waren dann alle irgendwie isoliert und das hat einen dann schon ich an der Stange gehalten, dass man sich dann vielleicht sogar besser drauf konzentrieren konnte als vorher. 

    Lara: Das kann ich auf jeden Fall nachvollziehen. Jetzt eine Frage zu deinem Albumtitel: wie und wieso hast du dich dazu entschieden, das Album Feinstaub zu nennen?

    YRRRE: Also alles in allem mochte ich nicht unbedingt diesen Begriff, der da drüber schwebt, sondern eher die Wortzusammensetzung. Das hat das Album vom Start aus eigentlich sehr gut zusammengefasst, weil ich zum einen über viele negativen Sachen rede, aber es versucht habe in ein schönen Wortgewandt zu packen. Der Titel stand eigentlich schon recht früh auf nem Zettel und je länger sich das Album entwickelt hat, desto treffender wurde es auch. Ich glaube, ich habe tatsächlich auch ganz lange mit diesem Begriff im Hinterkopf gearbeitet und deshalb klingt es wahrscheinlich auch wie es klingt.

    Lara: Ich finde auch, dass der Titel einfach zum gesamten Vibe des Albums passt. In deinem Song Netflix gibt der Refrain Raggae Vibes, in Ellenbogen kann man Garage-Punk-Klängen lauschen und in Laufmaschen gibt es verspielte Synthies. Woher kamen die Inspirationen für diese unterschiedlichen Sounds?

    YRRRE: Auf Netflix war das zum Beispiel so, dass wir in einem Haus in Brandenburg zwei Wochen gearbeitet haben. Da stand dann so ein verstaubtes, altes Klavier, welches dann auch diese Drum-Loops drauf hatte. Als wir die dann durchgegangen sind, sind wir bei dem irgendwie hängen geblieben und dachten, der passt einfach sehr gut. Wir hatten am Anfang auch gar nicht geplant, so einen leicht Raggeaartigen Song zu machen. Der war dann am Anfang auch ganz roh, ohne Drums, nur die Akkorde und ich quasi. Und dann hat das alles ganz gut gepasst und hat sich dann eigentlich total natürlich entwickelt.

    Bei Ellenbogen war es wahrscheinlich einfach der Vibe. Wir haben den Track im AnnenMayKantereit Proberaum aufgenommen und ich glaube, dass man das Umfeld irgendwie etwas aufsaugt und sich dass dann auch im Song widerspiegelt. Wir sind jetzt generell an keinen Song rangegangen und haben gedacht, wir müssen jetzt unbedingt dies oder das machen. Ich hatte sowieso Bock mich auszuprobieren und wollte gerne alles mal versuchen.

    Lara: Du hast am Anfang schonmal gesagt, dass die letzte Zeit eher anstrengend war. Bist du froh, dass es jetzt erstmal done ist, oder willst du dich am liebsten schon gleich ins nächste Projekt stürzen? Was werden wir in Zukunft von dir hören?

    YRRRE: Ich merk auf jeden Fall, dass ich allmählich schon etwas geschlaucht bin, aber ich hab schon eigentlich voll Bock mich ins nächste Projekt zu stürzen. Ich hab auch schon voll viele Ideen in meinem Kopf, die ich gerne weiterverfolge und vor allem auch den Sound weiter denken möchte. Ich glaube, da möchte ich auch gar nicht so viel Zeit verstreichen lassen und zusehen, dass ich gleich wieder los lege. Ich glaube, die Energie sollte man nutzen.

    Lara: Da werden sich bestimmt viele freuen, alsbald Neues von dir zu hören. Damit sind wir auch schon fast am Ende unseres Interviews angelangt.  Die Schlussfrage richtet sich immer etwas nach unserem Konzept bei untoldency und fragt nach einer untold story, nach etwas, was du bisher in keinem Interview verraten hast. Das könnte zum Beispiel etwas Lustiges sein, was während des Albumprozesses passiert ist, irgendeine kleine Anekdote, oder einfach irgendetwas, was dir auf dem Herzen brennt und du schon immer mal in die Welt hinaustragen wolltest.

    YRRRE: Puh, da muss ich erstmal kurz überlegen. Als wir King Kong Kicks aufgenommen haben, das war in Leipzig, in so einem kleinen Kellerstudio in welches wir uns eingemietet haben. Es war dann bestimmt so fünf Uhr Morgens als ich die Strophen eingesungen habe und irgendwann lief halt nur noch der Beat weiter. Als ich dann mal in. Den Regieraum gegangen bin, hab ich dann nur einen im Sitzen schlafenden Cap Kendricks aufgefunden.
    Das fand ich auf jeden Fall sehr schön, weil das alles so ein bisschen eingefangen hat, dass wir sehr viel Nachts gearbeitet und uns verausgabt haben, dass es irgendwann einfach nicht mehr ging.

    Wer jetzt neugierig geworden ist und wissen möchte wie Feinstaub klingt, kann das Album hier hören:

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  • Samuel Breuer im Interview: » Ich dachte, es muss immer alles kompliziert sein. Aber das braucht es nicht«

    Samuel Breuer im Interview: » Ich dachte, es muss immer alles kompliziert sein. Aber das braucht es nicht«

    Letzten Freitag veröffentlichte Samuel Breuer mit seiner neuen Band die erste Single seit sechs Jahren. „Wackelkontakte“ ist ein surfrockiger Song über flatterhafte Beziehungen und on-off Freundschaften, ohne einen Schuldigen finden zu wollen. Außerdem der Vorbote für das im Herbst angekündigte Debütalbum, denn obwohl Samuel schon sehr lange Musik macht, gab es bisher keinen Langspieler.

    Samuel Breuer kommt eigentlich aus Düsseldorf, aber ist einfach ein Bonner Original und kannte dort Gott und die Welt. Wenn man mit ihm durch die Straßen schlenderte, kam er meistens nicht unerkannt voran. Wir kennen uns von gemeinsamen Konzerten und schönen Abenden, tauschen uns auch heute noch über neue Musik aus und schätzen unser gegenseitiges Feedback. Auch wenn er und ich vielleicht auch so etwas wie „Wackelkontakte“ sind. Deswegen war es umso schöner, mit ihm hier ausführlich über seine Vorstellung von Freundschaft, sein neues Label und sein Umzug nach Berlin sprechen zu können.


    Lukas: Lieber Samuel, schön, dass du dir Zeit für uns nimmst! Wir beide haben uns vor gefühlt ewigen Jahrtausenden in Bonn kennengelernt, bevor wir beide dann von dort wegzogen. Du bist dann vor ein paar Jahren in Berlin gelandet. Erzähl doch mal, was dich dorthin verschlagen hat und was Berlin mit dir gemacht hat!

    Samuel: Ich habe in Bonn studiert und war dort sehr viele Jahre als Singer-Songwriter unterwegs. Bin durch die Lande gefahren mit meiner Akustikgitarre und habe das total genossen. Aber ich habe dann, vor allem zum Ende hin, immer mehr das Gefühl gehabt, dass es nicht ganz das ist, wonach mein Herz schreit. Ich war aus Bonn irgendwie rausgewachsen. Ursprünglich wollte ich die Stadt schon nach dem ersten Semester wieder verlassen, bin dann aber doch zehn Semester geblieben. (schmunzelt)

    Samuel Breuer, Wackelkontakte, Indie Rock, Interview, Singer Songwriter, untoldency, untold stories

    Ich bin dann für meine Masterarbeit nach Berlin gezogen und wusste auch irgendwie, das wird ein kompletter Neuanfang. Sowohl für meine Persönlichkeit, als auch für mein musikalisches Schaffen. Als ich hier ankam, habe ich erstmal super viele Pop- und Schlagersessions gemacht und Songs für viele Künstler mitgeschrieben. Das war eine schöne Erfahrung und gleichzeitig konnte das gut parallel neben meiner Masterarbeit laufen. Aber sobald ich diese abgegeben hatte, war nur noch Platz für meine eigenen Songs, für meine Musik.

    Ich habe mir dann hier eine neue Band zusammengesucht. Und ich wollte diesmal eine Band, die einfach fix am Start ist. Ich habe auch vorher auch schon in Duos, Trios, oder Quartetten gespielt, aber es war immer so, dass ich die Konzerte organisiert habe und diese Konstellationen immer sehr lose und unverbindlich waren. Ich wollte zwar immer noch meine Songs spielen und meine Geschichte erzählen, aber mit einem Team, auf das ich mich verlassen kann. Und das habe ich jetzt! Wir haben im Laufe der letzten zwei einhalb Jahre ganz viele tolle Dinge zusammen erlebt, trotz Corona, und dafür bin ich richtig dankbar.

    Lukas: Deine letzte Veröffentlichung ist mittlerweile sechs Jahre her. Da ist einiges an Wasser den Rhein runtergeflossen, wie man bei uns im Rheinland sagt. Wenn wir jetzt mal bei deiner Musik bleiben: Sind diese neuen Songs jetzt irgendwie Songs, die du von früher mitgenommen hast? Inwiefern knüpft da die neue Musik an deine Musik von früher an?

    Samuel: Da sind teilweise Songs dabei, die wie eine Übergangsphase für mich sind. Hier und da erkennt man noch meine Handschrift, zum Beispiel die abstrakten Bilder in meinen Texten. Gleichzeitig markiert das Album einen Neustart, weil kein einziges Mal eine Akustikgitarre in den Songs auftaucht. Das, was ich mitgenommen habe sind tendenziell die sprachlichen Bilder, die ich benutze. Da merke ich allerdings sehr, welche Songs auf dem Album älter sind.

    Meine Schreibe hat sich im Laufe dieses Neustarts sehr stark verändert. Ein großer Einfluss war sicherlich die Celler Schule. Eine Songwriting Masterclass, bei der ich sehr viel Input bekommen habe. Da konnte ich lernen, mit einer kritischeren Distanz auf meine Texte zu schauen. Manchmal klangen Texte in meinem Kopf halt irgendwie geil, aber es war überhaupt nicht verständlich, was ich damit sagen wollte. Die Sprache in den neueren Songs ist sehr viel klarer geworden.

    Lukas: Möchtest du denn, dass deine Zuhörer*innen immer direkt kapieren, was du meinst? Oder findest du es nicht auch interessant, diesen abstrakten Gedanken Raum zu lassen, ohne dass sie jemand versteht?

    Samuel: Ich finde das vom Prinzip total interessant, sonst hätte ich es auch lange Zeit nicht so gemacht. Allerdings hat sich das auch einfach bei mir selbst geändert. Ich denke weniger abstrakt als früher und das spiegelt sich in meinen Songs wider. Ich höre immer noch total gerne Musik, die versteckt schreibt. Aber das, was im Moment aus mir raussprudelt, ist von der Sprache immer klarer geworden. Noch vor vier oder fünf Jahren hätte ich das nicht nur für nicht möglich gehalten, ich habe sogar Musik, die so klar und eindeutig war, ein bisschen belächelt. Ich dachte, es muss auch immer alles kompliziert sein. Aber das braucht es nicht.

    Lukas: Deine Musik wirkt nicht nur sehr authentisch, sie ist sehr authentisch. Ich merke, dass du alles so singst, wie du es meinst. Und obwohl ihr jetzt ja eine feste vierköpfige Band seid, trägt das Ganze noch deinen richtigen, bürgerlichen Namen. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

    Samuel: Das war auch ein Prozess. Als ich mit unserem Gitarrist Simeon angefangen habe, die Songs zu arrangieren, habe ich ihm gesagt: „Simeon, ich will keine Akustikgitarre mehr. Ich möchte Indierock machen!“ Wir haben dann an den Songs gearbeitet und durch den Bandcharakter kam dann die Idee, das „Samuel“ zu streichen und das Projekt einfach nur „Breuer“ zu nennen. Ich habe das dann längere Zeit mit mir rumgetragen, aber letztendlich gemerkt, dass diese Songs einen Vornamen brauchen. Diese Songs sind eben so persönlich für mich und so sehr meins, dass ich da den Eindruck hatte, die Songs verlangen, dass ich mit meinem vollem Namen dahinterstehe.

    Lukas: Vielleicht hättet ihr euch sonst irgendwann auch über einen dämlichen Bandnamen geärgert, so etwas entsteht ja auch nicht selten aus einer Laune heraus…

    Samuel: Ja, und hinzu kam noch, dass ich diese Musik ja auf jeden Fall für immer mache. Ich wollte mich nie abhängig machen von einem Bandkonstrukt, das nur als solches besteht. Ich liebe meine Band und mein Traum ist, dass wir das einfach ewig so weitermachen können. Wir haben so tolle Dinge gemeinsam erschaffen und sind ein grandioses Team. Aber sollten sich ein oder zwei dazu entscheiden, irgendwann andere Wege zu gehen, möchte ich nicht in die Lage geraten, nach einem neuen Namen, einer neuen Identität suchen zu müssen.

    Lukas: Ihr wart dann für die Produktion des Debütalbums im Tonstudio in Hennef (meiner Heimatstadt btw) mit eurem neuen Produzenten. Wie kam es dazu?

    Samuel: Ich habe unseren Produzenten Thorsten 2017 kennengelernt. Ich hatte ihm ganz viele Demos von meinen anderen, alten Songs gezeigt. Und als wir die neuen Demos fertig hatten, haben wir ihm das geschickt und er wollte das mit uns ausarbeiten. Tja, dann haben wir einen Studiotermin festgelegt im Oktober 2019. Und ich habe noch ganz blauäugig gedacht, wir spielen da in zwei Wochen das gesamte Album ein, obwohl wir uns in dieser Formation vielleicht vier Monate kannten. Ich bin dann im Laufe des folgenden Jahres wirklich oft hin und her gefahren, um die Songs fertigzustellen. Und es war anstrengend, aber jedes Mal wenn ich da war, gab es die restliche Welt nicht mehr.

    Samuel Breuer, Wackelkontakte, Indie Rock, Interview, Singer Songwriter, untoldency, untold stories

    Lukas: Lass uns zu deinem Release kommen! „Wackelkontakte“ ist letzten Freitag erschienen, die erste Singleauskopplung aus dem kommenden Album. Was sind für dich denn eigentlich Wackelkontakte?

    Samuel: Es gibt verschiedene Arten von Wackelkontakten. Sie eint, dass man immer wieder in Kontakt ist und dann immer mal wieder Ewigkeiten nicht. Aber ohne, dass es jemand böse meint. Und man weiß, dass man sich total gerne hat. Man kommt einfach nicht dazu, sich beieinander zu melden, obwohl man es so lange unbedingt mal wieder hätte machen wollen. Und manchmal braucht so ein nächstes Mal eben ein paar Jahre.

    Lukas: Findest du denn, man braucht solche Wackelkontakte im Leben? Oder anders, brauchst du welche in deinem Leben?

    Samuel: Ich habe lange gebraucht um zu verstehen, dass das Teil des normalen Lebens ist. Ich musste lernen zu akzeptieren, dass man nicht mit allen Menschen so eng Kontakt halten kann, wie man es vielleicht möchte. Ich kann durch die Verarbeitung in diesem Lied jetzt viel besser damit umgehen. Manche Menschen sehe ich halt nur einmal in drei Jahren und höre auch sonst nichts von ihnen, aber wenn wir uns sehen ist alles total schön und ich freue mich total. Im Song habe ich schon fast einen sarkastischen Blickwinkel darauf gewählt, der zum größtem Teil aus meinem damaligen Frust entstanden ist. Mittlerweile hat sich dieser Frust gelegt, ich kann das inzwischen mit einem lachenden Auge sehen. Ob ich Wackelkontakte brauche – würde ich verneinen.

    Lukas: Es ist ja so eine unerklärliche Mischung aus Faulheit und Pflichtbewusstsein. Ich finde das Thema total interessant. Ich denke mir oft, irgendwie werden gerade ganz viele Freunde in meinem Leben zu Wackelkontakten. Der Song ist so herrlich unentschieden, denn es ist ja keine Anschuldigung, sondern einfach eine Feststellung. Da habe ich mich gefragt, ist der Song für dich ein Wunsch den Status Quo zu ändern, oder ist es die Akzeptanz dieser Beziehungen?

    Samuel: Das hat sich sehr gewandelt! Ich kann das mittlerweile viel entspannter betrachten. Es gab aber Zeiten, da hatte ich wirklich eine regelrechte Wut auf solche Situationen. Immer kommt das Leben dazwischen und das hat mich richtig wütend gemacht. Er ist so herrlich unentschieden… Ich finde es schön, dass du das sagst!

    Lukas: Ja ich weiß einfach nicht, ob ich jetzt abhaten oder mich freuen soll, denn wenigstens besteht ja überhaupt noch Kontakt. Ich dachte auch beim ersten Hören, es kommt vielleicht noch ein Twist in deinem Text. Also, dass dann die Rache folgt, von wegen „du kannst mich mal“. Aber das kommt eben nicht! Ich glaube, viele Hörer*innen können solche Beziehungen gut nachvollziehen. Vor allem weil ich auch glaube, dass es etwas mit unserem Alter zu tun hat. Wie siehst du das?

    Samuel: Ich glaube das auch. Das ganze kommende Album handelt ja auch vom Älter- und Erwachsenwerden. Und da ist genau das auch einer dieser Punkte. Unsere Freunde gehen ihres Weges und es bleibt nicht mehr für alle Platz. Und die Zeile, die für mich den Song auf den Punkt bringt, ist „keine böse Absicht“. Es ist ein „tut mir Leid“ und ein „ist schon okay“ zugleich. Eine Bitte um Entschuldigung und eine Vergebung!

    Lukas: Du hast ja jetzt auch ganz frisch noch ein Label gegründet! Wie kam es denn dazu?

    Samuel: Wir haben lange überlegt, wie wir die Veröffentlichung angehen wollen. Und ich habe von Anfang gedacht, es wäre ja schon geil, ein eigenes Label zu gründen. Die Musikindustrie hat sich sehr verändert im Laufe der letzten zehn Jahre. Und ein Label macht im Endeffekt wenig mehr, als du ohnehin als Künstler oder Band in unserer Größenordnung selbst machen musst. Ich fand den Gedanken charmant, alles selbst in der Hand zu haben und alles selbst bestimmen zu können. Wir hätten auch einfach eine Selbstveröffentlichung machen können, aber das hätte sich unvollständig angefühlt. Und unsere Bewerbungen bei den Labels stieß nie auf die gewünschte Resonanz. Dazu kam noch, dass viele kleine Indie-Labels wegen Corona gerade so ein bisschen untergehen. Und dann dachte ich, let’s do it, lass es uns einfach selber machen. Harry Potter hat am Anfang ja auch keiner gewollt.

    Lukas: Ich weiß nicht ob es wirklich etwas mit „nicht wollen“ zu tun hat. Viele gehen ja gerade diesen Schritt, eben weil man sowieso fast alles selber machen muss. Und wenn dann was übrig bleibt, kannst du es wenigstens alles behalten. Ich finde das mutig und ziemlich cool! Kritzel Records finde ich auch einen einprägsamen Namen. Wie seid ihr darauf gekommen, hat das eine tiefere Bedeutung?

    Samuel: Ich habe den Slogan „Ich kritzel Bilder für deine Ohren“ für mich gefunden, einfach weil meine Texte sehr visuell sind. Weniger Leonardi Da Vinci-Style, sondern halt eher gekritzelt. Und Thorsten kam dann am Ende auf die Idee, dem Ganzen diesen Namen zu geben.

    Lukas: Wie stellt ihr euch das denn jetzt weiterhin vor, wächst dieses Label jetzt parallel zur Musik eigenständig weiter oder ist das eher ein Mittel zum Zweck?

    Samuel: Ich träume schon davon, dass das ein richtiges Label wird! (grinst breit) Ich habe Bock auf diese Arbeit. Ich habe Bock, Künstler zusammenzubringen, die ähnliche und geile Mucke machen! Kitzel Records ist ein Zuhause für diejenigen, die sich in der popkulturellen Musiklandschaft obdachlos fühlen.

    Lukas: Sehr schön gesagt. Das könnte ja schon weitreichendes Interesse regen! Arbeit gibt es ja genug und sicherlich auch viele Künstler*innen, die sich bei dir melden würden.

    Samuel: Erstmal geht es aber um unseres eigenes Ding. Kritzel Records ist ein Hafen für unser eigenes Boot, welche Boote dann dazu kommen, werden wir sehen!

    Lukas: Wir bleiben gespannt. Vielen Dank für dieses schöne Gespräch! Viel Erfolg mit eurer Musik – bis bald!

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  • Verifiziert im Interview: „Ich denke sehr viel nach, mein Kopf ist immer unter Strom“

    Verifiziert im Interview: „Ich denke sehr viel nach, mein Kopf ist immer unter Strom“

    Manchmal hab ich Momente oder Situationen, in denen ich jeden Song skippe, weil mich jede, auch meine liebste, Musik stresst oder nervt. Dafür habe ich letztes Jahr endlich eine Lösung mit dem Namen Verifiziert gefunden. Obwohl ihre Musik mich immer entspannt und runterholt, wenn alles andere es nicht schafft, ist sie aber keines Wegs langweilig. Mit ihren anschaulich beschriebenen Texten malt die Wiener Künstlerin ihren Hörer*innen ein imaginäres Bild verschiedener Szenarien unterlegt mit angenehm sanften Hiphop-Beats und Melodien. Ob es sich dabei noch um Rap oder schon Pop handelt, sei dahingestellt, aber auch vollkommen egal. Fakt ist, Verifiziert ist eine derzeit einzigartige Bereicherung für die deutschsprachige Musik. Und das ganz ohne Zwang. Ihre Tracks und beinahe filmischen Erzählungen klingen so natürlich leicht und weich, als könnte sie niemals etwas anderes tun. Im vergangenen November veröffentlichte sie 40100, bestehend aus neun Songs. Schon da war das Verfestigen des eigenen Stils und eine deutliche Steigerung zu bisherigen Releases zu erkennen und lässt auf jeden Fall gespannt auf ihre musikalische Zukunft blicken.

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    Dascha: Hi, wie geht es dir?

    Verifiziert: Hi, ganz gut, ein bisschen müde, aber sonst passt alles. Und dir?

    Dascha: Nice, mir auch. Ist einfach so eine müde Zeit im Moment. Kannst du dich mal Anfang selbst kurz vorstellen?

    Verifiziert: Also ich bin die Veri, bin 25 Jahre alt und eine Wiener Künstlerin. Ich bin ein bisschen in’s Musik Machen reingerutscht ohne jegliche Erwartungen und jetzt bin ich nicht mehr ohne.

    Dascha: Wie würdest du deine Musik in nur drei Wörtern beschreiben?

    Verifiziert: So eine Frage hatte ich letztes Jahr schonmal und da hab ich gesagt „Nacht, betrunken und verliebt.“ Ich glaube schon, dass es immer noch passt, vielleicht würde ich statt „verliebt“ aber eher „verträumt“ sagen.

    Dascha: Ich finde auch, dass das gut passt! Wie kam es dazu, dass du dich Verifiziert nennst?

    Verifiziert: Also mein Spitzname ist Veri. Ich wollte eigentlich vor ungefähr vier Jahren nur einen witzigen Instagram-Namen haben, wo halt mein Spitzname vorkommt. Dann hab ich direkt Verifiziert nachgeschaut und war voll überrascht, dass das überhaupt noch auf Instagram als Name verfügbar war. Mir wurde sogar schon Geld für den Namen geboten, weil’s so rare ist. (lacht) Dann hab ich mich einfach nicht mehr umbenannt. Es war eigentlich nie als Künstlerinnenname gedacht, mein Insta-Name ist einfach geblieben.

    Dascha: Du kommst ja wie bereits erwähnt aus Wien. Wie viel Wien steckt in deinen Songs und speziell in deinem neusten Tape drin?

    Verifiziert: Schon sehr viel, weil alles, was ich bis jetzt geschrieben hab Erinnerungen oder Geschichten aus Wien sind. Weil ich halt einfach die meiste Zeit hier bin, die meisten Friends und Family hier hab und die meisten Songs auch in Wien entstanden sind. Deswegen glaub ich schon, dass das sehr wichtig ist. Ich merke, dass es was anderes ist in Wien Musik zu machen als in Berlin. In Berlin bin ich dann im Studio und es wird gearbeitet. Hier bin ich halt bei Friends zu Hause und wir machen vielleicht Musik oder quatschen einfach nur. Ich mag beides, aber hier ist es einfach ein bisschen entspannter.

    Dascha: Es gibt ja noch einige andere coole Künstler*innen aus Wien oder auch Österreich generell. Würdest du sagen da gibt es eine feste Szene und siehst du dich als Teil davon?

    Verifiziert: Ob ich mich als Teil sehe weiß ich gar nicht so genau. Es gibt schon Bubbles, aber da bin ich nicht wirklich in einer drinnen. Aber ich versteh mich mit allen gut. Es gibt bei der Musikszene zum Beispiel den Swift Circle oder Skofi und Skyfarmer, mit denen ich auch schon zusammengearbeitet habe. Oder Heiße Luft, das ist ein Musiklabel bei dem mein Produzent food for thought auch drin ist. Es gibt ganz viel, wenn es in die Richtung „Deutschrap“, wenn’s überhaupt noch Deutschrap ist, geht. Da kennen sich alle über Ecken. Allerhöchstens über zwei Ecken. Ich weiß gar nicht, ob das wirklich so eine Bubble ist oder ob Wien einfach so klein ist, dass man sich so oder so kennt.

    Dascha: Und du arbeitest ja viel mit Florida Juicy zusammen. Wie ist es dazu gekommen?

    Verifiziert: Als mein erster Song im Radio war und so drei Tausend Streams hatte, hat mein Management mich über Instagram entdeckt. Die sind Berliner und gut mit Florida Juicy’s Management befreundet. Dann wurde ich gefragt, ob wir uns nicht einfach mal kennen lernen wollen, weil sie sich eine coole Zusammenarbeit ganz gut vorstellen könnten. Ich war meeega nervös, weil ich voll der Erotik Toy Records Fan war. Ich war so „Oh Gott, ich treffe Florida Juicy„. Wir haben uns dann in Berlin getroffen und sofort so gut verstanden. Es ist jetzt auch so, dass wir wöchentlich Kontakt haben, nicht nur wegen Musik, wir sind echt gute Freunde geworden. Ich glaube auch sehr an Schicksal. Das war kein Zufall, dass wir beide uns so richtig gut verstehen.

    Dascha: Sehr cool! Du hast ja vor ungefähr drei Monaten dein Tape 40100 rausgebracht. Ich finde du thematisiert in deinen Songs oft alltägliche Situationen und Eindrücke. Sind das Momente, die du erlebst und du achtest deswegen vermehrt darauf oder sind die erfunden?

    Verifiziert: Die meisten sind schon irgendwie mal passiert. Manchmal ist mir was davon passiert und ich male dann noch ein paar Sachen im Kopf dazu. Oder ich verbinde zwei Geschichten. Zum Beispiel auf Skit hab ich zwei unterschiedliche funny Stories, die mir passiert sind, connected. Sowas mach ich voll gern. Oder dass ich mal Situationen nehme, die Freund*innen passiert sind. Ich denke generell sehr viel nach, mein Kopf ist immer unter Strom und immer voll. Das hat Vor- und Nachteile. Ich glaube dadurch schaffe ich es, mir aus voll langweiligen oder mega normalen Sachen ein großes Bild draus zu machen.

    Dascha: Wo wir schon dabei sind – Ist die Story aus Skit mit dem Tattoo auf dem Arsch so passiert?

    Verifiziert: Vielleicht! Man weiß es nicht. (lacht)

    Dascha: Na gut, es ist auf jeden Fall eine funny, unerwartete Line. Mein Lieblingstrack von dir ist aber Stromausfall. Den hör ich sehr, sehr oft. Deswegen würde mich interessieren, aus was für einem Gefühl und Setting der Song entstanden ist. Was war das für eine Zeit?

    Verifiziert: Danke! Ich hab den in Berlin geschrieben, das war der zweite, den ich mit Florida Juicy gemacht hab. Mir ging’s da voll gut, aber ich hab sehr viel reflektiert. Ich hab sehr an die Zeit vor damals einem Jahr gedacht, weil das die Zeit war, wo ich es finally geschafft habe, alleine happy zu sein. Ich hab früher einsam und allein nie unterscheiden können. Wenn gerade niemand bei mir war, hab ich mich sofort einsam gefühlt. In dem Song hab ich ja eher abstrakt drum geschrieben, aber ich habe schon sehr an dieses Gefühl gedacht. Dass man es endlich schafft, es zu appreciaten alleine zu sein. Das war die Phase, wo ich alleine sein richtig gut fand.

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    Dascha: Voll schön, das kommt beim Hören auch durch! Ansonsten kommt in deinen Songs auch oft was zu Schlaflosigkeit oder einfach das Wort „schlaflos“ vor. Schläfst du wirklich so wenig?

    Verifiziert: Zur Zeit geht’s voll. Ich schlafe, glaube ich, normal viel. Aber ich habe immer ganz starke Einschlafschwierigkeiten, weil ich da immer richtig viel nachdenke. Ich hab jetzt gemerkt, dass ich nur normal einschlafen kann, wenn mein Freund noch was schaut und ich nicht meine eigenen Gedanke höre, sondern die Serie oder so. Normalerweise plane ich beim Einschlafen meine nächsten zehn Jahre im Kopf oder gehe Szenarien von vor fünf Jahren durch. Damit hab ich schon Probleme. Also, es ist nicht mega schlimm, aber mein Kopf arbeitet in der Nacht einfach am stärksten.

    Dascha: Voll, versteh ich. Wie würdest du sagen haben sich deine Songs oder auch du selbst von deinen Anfängen bis jetzt verändert?

    Verifiziert: Ich rede jetzt einfach mal auch über Sachen, die noch kommen werden. Ich glaube es ist alles viel selbstbewusster geworden. Einerseits war es am Anfang wirklich nur for Fun, also jetzt macht es natürlich auch Spaß, aber am Anfang habe ich gar nicht nachgedacht. Vor und während 40100 war es mit viel Nachdenken verbunden, aber schon selbstbewusster, weil ich auch mehr Bestätigung von außen bekommen hab. Hätte ich nicht gedacht, aber das macht schon sehr viel aus, wenn plötzlich fremde Leute deine Musik hören. Das ist schon ein sehr special Feeling. Mittlerweile ist die Musik wirklich sehr viel selbstbewusster geworden, es geht mir einfacher über die Lippen. Es ist bei den nächsten Songs auch nicht mehr so viel Herzschmerz dabei wie bei den vorherigen Songs. Es wird einfach cooler, nicht im Sinne von „ich bin cool“, sondern im Sinne von nicht zu viel nachdenken.

    Dascha: Also würdest du sagen, du bist auch selbstbewusster geworden mit der Zeit?

    Verifiziert: Hmm ja, es gibt natürlich ups and downs. Wie bei jedem, glaube ich. Ich hab auch früher immer schon gedacht „Hä, wieso hören Leute meine Musik?“, ich fand das immer total strange. Jetzt mittlerweile hab ich aber die Bestätigung, dass es viele Leute gibt, die cool finden, was ich mache. Vor allem Leute, denen es irgendwie hilft, davon bekomme ich auch viele Nachrichten. Das gibt mir voll viel Stärke.

    Dascha: Und wer oder was inspiriert dich selbst oder hilft dir? Sei es musikalisch oder menschlich.

    Verifiziert: Ich merke bei jeder Studiosession und bei jeder Person, die ich treffe, mit der ich über Kunst und Musik rede, dass ich mir da Inspirationen hole. Ich finde wirklich alle Musiker*innen, mit denen ich zu tun habe, inspirierend. Aber auch alle anderen Artists, sei es Grafikdesign oder Malerei. Meine beste Freundin malt sehr viel und wenn ich ihre Bilder anschaue, krieg ich auch direkt Ideen. Ich kann mir da aus meinem Umfeld schon sehr viel rausholen. Und aus meinen eigenen Gefühlen. Also, wenn man Gefühle die man hat oder mal hatte, reflektiert.

    Dascha: Gibt es Musik oder Musiker*innen die du sehr feierst, bei denen man es anhand von deiner eigenen Musik nicht unbedingt von dir erwartet?

    Verifiziert: Ich hör voll viel klassische Musik. Also nicht nur so Calming Piano Sachen, sondern auch Symphonien, Beethoven zum Beispiel. So richtig epische klassische Stücke. Dann hör ich auch noch viel Drum and Bass, weil ich damit ein bisschen aufgewachsen bin. Das ist die Musikrichtung, die ich am aller meisten gehört habe seit ich 13 bin. In Wien war die Drum and Bass Szene immer sehr groß, auch was Clubbing betrifft. Ich fand Techno nie so nice, Drum and Bass war immer cooler.

    Dascha: In welcher Location oder auf welchem Festival würdest du gerne mal spielen? Egal wo.

    Verifiziert: Ich glaube, dass das Melt mein Traum wäre. Da war ich selbst schon 2018 und 2019 und ich fand’s so geil! Da war so eine schöne Atmosphäre und alle waren irgendwie so wholesome.

    Dascha: Ferropolis ist auch einfach mega nice als Location. Wo wir schon bei Liveshows sind: Hast du Pläne für eine Tour?

    Verifiziert: Ja, das ist gerade in Planung. Wir überlegen, ob es vielleicht Ende des Jahres eine gibt. Aber dadurch, dass man gerade nur schwer fest planen kann, kann ich da leider nichts versprechen. Es wird auf jeden Fall irgendwann mal eine Tour geben. Und auf einigen Festivals bin ich auch!

    Dascha: Yes, auf einem Festival werden wir uns auch sehen. Bleiben wir mal bei Träumen und Zukunft, gibt es da für dich ein Traumfeature?

    Verifiziert: Also so im „möglichen“ Bereich ist das voll schwer zu sagen, da hab ich kein absolutes Traumfeature. Im unmöglichen Bereich würde ich Frank Ocean oder Young Lean sagen, weil ich finde das sind die absolut besten Musiker. Oder Charli XCX. Aber es gibt viele, mit denen ich eigentlich gerne mal Musik machen würde, zum Beispiel auch Viko36 und penglord. Ich hab immer lieber kleine Träumchen, die ich mir irgendwann wirklich erfüllen kann.

    Dascha: Ein Feature mit Longus Mongus hast du ja schon auf Rotkäppchen. Aber was ist dein Lieblingsdrink?

    Verifiziert: Zur Zeit glaube ich Mimosa. Ich weiß nicht genau, wie man den im Original macht, aber ich mache oft Sekt in ein Glas mit Orangensaft und gefrorenen Erdbeeren, die ich im Blender cremig mache. Das schmeckt zusammen so geil, das hab ich in letzter Zeit am liebsten getrunken. Also gerade ist es auf jeden Fall Sekt.

    Dascha: Das klingt so lecker, jetzt will ich das auch ausprobieren. Aber eine sehr wichtige Frage hab ich noch. Wieso ist dein Spotify-Profilbild du, aber als Shrek?

    Verifiziert: (lacht) Ich hatte vor dem Shrek-Bild ein Bild von mir mit so einer ganz kleinen Schwimmbrille auf. Dann war ich ein mal in einer Modus Mio-Rankingliste von female Artists. Und alle hatten so richtig hotte Pics, wo sie ihre schönen Beine zeigen und full on Make-Up, richtig gute Fotos. Und das letzte Foto war meins mit dieser Schwimmbrille. Ich fand das so lustig, dass ich mir gedacht habe, das will ich noch eine Weile durchziehen, dass ich Trash-Fotos von mir nehme. Irgendwie hab ich mir gedacht: Mood.

    Dascha: Ich find’s auch immer funny, wenn ich dein Spotify öffne und dieses Grün direkt aufploppt.

    Verifiziert: Es ist vielleicht aber auch deshalb, weil ich merke wenn ich Bilder von mir poste oder wenn es um Cover geht, denke ich sooo lange darüber nach, ob das gut ausschaut. Und ob es den Leuten gefallen wird. Bei sowas hab ich mega Insecurities und Anxiety. Aber wenn ich so Trash-Fotos verwende, zeige ich mir selbst, dass es eigentlich eh scheiß egal ist. Hauptsache irgendwie real. Oder halt real als Shrek. Das fällt mir einfach leichter als lange zu überlegen, was besser ausschaut. Das find ich irgendwie immer ein bisschen toxic.

    Dascha: Kann ich verstehen! Jetzt hatte es doch einen tieferen Hintergrund, als man denken könnte.

    Verifiziert: Ja, vielleicht schon. (lacht)

    Dascha: Unsere letzte Frage ist immer eine untold story, also eine Geschichte oder ein kleines Geheimnis, das du noch nicht öffentlich erzählt hast. Fällt dir da was ein?

    Verifiziert: Ich hab zwei Goldfische, weil ich im Musikvideo zu Asphalt unbedingt eine Szene haben wollte, wo durch ein Aquarium durch gefilmt wird während da Goldfische schwimmen. Ich hab dem Kamerateam im Stress gesagt, wenn’s easier ist, die Goldfische gleich zu kaufen, statt sie auszuborgen, dann kann ich sie auch behalten. Dann hab ich innerhalb von drei Tagen Goldfische bekommen und hab sie immer noch bei mir. Obwohl ich davor nie Fische wollte, find ich’s mittlerweile irgendwie geil.

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    Foto Credits: Kayra Aslan