Kategorie: untold stories

  • NOTH im Interview: »Natürlich ist ein Start-Up Beschäftigter auch immer noch ein Mensch«

    NOTH im Interview: »Natürlich ist ein Start-Up Beschäftigter auch immer noch ein Mensch«

    Ich habe die Ehre, euch heute einen ganz besonderen Geheimtipp ans Herz zu legen: NOTH — das sind vordergründig die beiden Songwriter Luis Schwamm und Linus Kleinlosen. Für ihr am 13.05. erscheinendes Album „Die Wahrheit über Arndt“ haben sie sich in kleinteiliger Detailarbeit ein eigenes literarisches Universum erschaffen und dieses dann geschmackvoll vertont.

    Zwischen Bürostühlen und Kaffeeautomaten spannen die beiden den Vorhang des theatralischen Schauplatzes und stellen uns ihre tragische Hauptfigur vor: den Büroangestellten Arndt. Mit einer musikalischen Untermalung zwischen Folk, Avantgarde-Pop und Jazz ist das nicht nur etwas für Literaturnerds, sondern auch für Liebhaber durchdachter musikalischer Arrangements. Das Konzeptalbum ist zurück!

    Im Interview konnte ich mit Luis und Linus über ihre neue Video-Livesession, die Gentrifizierung der Städte und — natürlich — über Arndt sprechen. Viel Spaß!

    NOTH im Interview

    Lukas: Hallo Luis, hallo Linus. Ich freue mich, euch zu sehen! Vielleicht könnt ihr euch für unsere Leser*innen ganz kurz vorstellen: wer seid ihr, was macht ihr in eurer Band und was hat es mit Arndt auf sich?

    Luis: Wir sind Luis und Linus, leben in Köln und Hamburg und haben zusammen die Musik und die Story unseres bald erscheinenden Albums geschrieben, das konzeptuell aufgezogen ist. Es geht um die Geschichte einer Figur namens Arndt. Er ist 38 Jahre alt, inzwischen fast 39 – er hat am 01.07. Geburtstag – und arbeitet in Hannover in einem Start-Up. Und er hat keinen Bock mehr auf seinen Job. Das spürt man im Album, das zerrt ziemlich an ihm. Ich singe auf dem Album und spiele Gitarre. Linus spielt Saxophon und Synthesizer und hat alles für die volle Bandbesetzung arrangiert. Live haben wir nämlich noch Verstärkung; gerade haben wir erst eine Live Session aufgenommen und diese dann gestern veröffentlicht. Dafür hatten wir super coole Leute am Start!

    Lukas: Ja, diese Live-Session zum Song „Nur zu“ konnten wir gestern ja schon bewundern! Eine ziemlich spektakuläre Location, die ihr da gefunden habt. Wo war denn das genau?

    Linus: Das war eine sehr schöne Kegelbahn in Bergedorf, ein Stadtbezirk von Hamburg.

    Lukas: Wirkt herrlich provinziell. So, wie man sich das vorstellt!

    Linus: Ja, und die Leute waren auch genau so, wie man sich das vorstellt! Die waren so richtig nett und interessiert und haben noch gefragt: „Dürfen wir das teilen, wenn es rauskommt?“ Und dann sah man da zwei ältere Herren, Joachim und Dieter, glaube ich. Die fanden es richtig schön! Die haben sich gefreut, dass Leute da waren.

    Lukas: Hat es auch so nach Bockwurst gerochen? Meine letzten Erinnerungen ans Kegeln riechen irgendwie immer nach Bockwurst.

    Linus: Nee, das gar nicht. Aber die haben uns freundlicherweise ihren Kaffee angeboten, weil wir unseren vergessen hatten. Später haben sie uns sogar eine Kaffeemaschine gebracht.

    Luis: Wir haben am Ende des Tages erfahren, dass der Kaffee entkoffeiniert war. Und dann wussten wir auch, warum wir so müde waren nach diesem Videodreh! (lacht)

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    Lukas: Wenn man sich die drei bisher veröffentlichen Singles von euch anhört, wird relativ schnell klar, dass da nicht nur zwei Personen am Werke sind. Das klingt ja stellenweise schon nach einem kleinen Orchester, oder nach einem größeren Kollektiv. Ist die Band aus dem Video jetzt quasi fest im Boot? Oder wer steckt auf der Platte hinter diesem Sound?

    Linus: Wir haben ein bisschen getauscht. Die Bläser sind eigentlich zum größten Teil Konstantin, der auch im Video mitspielt, und ich. Wir haben noch eine weitere Saxophonistin gefunden, nämlich Conny, die ich auch schon seit Ewigkeiten kenne. Wir haben probiert, eine Band in Hamburg aufzubauen, denn bis auf Luis leben alle in Hamburg. Deswegen mussten wir für die Livebesetzung ein bisschen tauschen, weil der Bassist auf der Platte, Dan, zum Beispiel in Amsterdam lebt. Für Silvan, der auf der Aufnahme spielt, ist Max am Schlagzeug zu uns gestoßen und Falco ist quasi der neue Bassist der Band. Das ist jetzt schon mit dem Ziel ausgelegt, dass diese Band sich dann auch so entwickeln darf.

    Luis: Mit unserem Schlagzeuger Max und Bassisten Falco durften wir kürzlich auch direkt unsere erste Supportshow in Hamburg spielen. Daher konnten wir das, was wir jetzt für die Videos zum ersten Mal zusammen ausprobiert haben, dann auch gleich auf der Bühne umsetzen. Das war sehr, sehr nice.

    Lukas: Luis, du wohnst in Köln, Linus wohnt in Hamburg und die weiteren Musiker*innen ganz woanders – wie habt ihr das mit dem Proben und Aufnehmen koordiniert? Das stelle ich mir schwierig vor.

    Luis: Ich bin relativ oft für lange Wochenenden nach Hamburg gekommen. Das war so die Zeit, in dem wir das ganze Zeug geschrieben und auch die ersten Sachen aufgenommen haben. Teilweise erstmal als Guide Tracks*, manche dieser Spuren sind aber tatsächlich dann in der Endversion geblieben. Nachdem dann die Band ihre Parts aufgenommen hatte, haben Linus und ich die Songs nach und nach vervollständigt. Im Grunde haben wir aber alles in Hamburg gemacht.

    Linus: Wir haben aber auch über Remote** gearbeitet, das ist auch ein bisschen Corona geschuldet. Damals waren wir alle noch im Lockdown, sonst wäre ich zum Beispiel auch für die Bassaufnahmen nach Amsterdam gefahren.

    Lukas: Wart ihr denn für den Rest so richtig klassisch im Tonstudio, oder gehört ihr auch zu den Bedroom-Producern?

    Linus: Für die Schlagzeugspuren waren wir im Studio, für den Rest haben wir uns ein Studio eingerichtet. Ich hatte einen kleinen Raum bis vor kurzem, da konnten wir das gut umsetzen. Also es war jetzt nicht Zuhause im Wohnzimmer oder so.

    Luis: Wobei es eine Vocalspur gibt, die quasi fast noch eine Demoaufnahme ist. Die habe ich auf dem Sofa, wo wir jetzt sitzen, eingesungen. Kurz nachdem wir den Song geschrieben hatten. Und die haben wir tatsächlich einfach behalten, weil da der Vibe komplett gestimmt hat.

    Lukas: Hat es direkt gefunkt bei euch beiden? Wie habt ihr euch kennengelernt?

    Luis: Ja, es ging schon ziemlich schnell. Die Idee von der Charakterstudie habe ich Linus direkt beim ersten Treffen erzählt und ihm Musik gezeigt. Er hat sich dann direkt drangesetzt und Harmonien ausgearbeitet. Wir haben uns beim Popkurs in Hamburg kennengelernt, das ist eine Songwriting Masterclass. Dort hatten wir aber nicht die Ruhe, das Projekt jetzt innerhalb dieses Kurses auch direkt umzusetzen. Aber es war klar, dass wir genug Bock hatten, dass auch weiterhin aus eigenem Antrieb zu verfolgen.

    Linus: Was uns auch im Popkurs verbunden hat, ist, dass wir beide nicht so richtig in den Mainstream reinpassen. Wir haben verschiedene Qualitäten, die sich ganz gut ergänzen. Ich habe zum Beispiel vorher nie auf Deutsch geschrieben, was Luis sehr gut kann.

    Luis: Ja und ich schreibe immer die gleichen vier Akkorde und Linus kennt noch ein paar mehr. (lacht)

    Linus: Das entwickelt einfach eine Tiefgründigkeit, wenn man diese verschiedenen Qualitäten zusammenwirft. Und da funkt es dann..

    Lukas: Jetzt heißt ihr ja NOTH, mit th. Das ist ja irgendwie auch erst mal ungewöhnlich. Was hat es damit auf sich? Gibt es da eine Story zu?

    Luis: Also irgendwie war der Name einfach da. Wir haben uns zuerst darauf geeinigt und dann im Nachhinein die sehr wahrscheinliche Quelle dieses Namens gecheckt. Da, wo wir aufgenommen haben, hing nämlich eine Tafel. „Die Entwicklung des Lebens“ stand darauf. Da waren dann ganz viele Phasen der Erdentwicklung abgebildet. Und dann gab es tatsächlich einen Dino, der hieß Nothosaurus, und ich vermute, dass das bei mir hängen geblieben ist. Der Nothosaurus ist ein Wasser-Dino und übersetzt heißt das „falsche Echse“. Habe ich rausgefunden, über Wikipedia. Man könnte jetzt versuchen, das zu deuten, aber wir haben uns NOTH genannt, bevor wir überhaupt gecheckt haben, dass es daher kommt. (lacht)

    Lukas: Okay, sehr aufschlussreich! Ich dachte zwischendurch noch an das deutsche Wort „Not“…

    Luis: Das ist dann Interpretationssache. Eine gewisse Not steckt in dem Album schon drin. Aber wir haben tatsächlich wenig über die „Not“ nachgedacht, als wir den Namen genommen haben.

    Lukas: Du hast vorhin ja schon ein bisschen über die Geschichte des kommenden Albums erzählt. Es trägt den Titel „Die Wahrheit über Arndt“ und laut Pressetext handelt es sich um biographische Auszüge eines Büroangestellten Ende 30. Die einzelnen Songs sind dann sozusagen als kleine Kapitel aus seinem Leben zu verstehen. Wie kamt ihr denn auf diesen Arndt? Gibt es da ein reales Vorbild?

    Luis: Als wir uns das erste Mal zusammengesetzt haben, gab es zwei Songskizzen und wir haben über Andy Shauf gesprochen. Cooler kanadischer Singer/Songwriter, der ganz fantastische Figuren schreiben kann. Und so eine Figur zu entwickeln, das war irgendwie interessant für uns. Diese Songskizzen konnten wir dann weiter ausbauen, dieses Charakterstudien-Konzept hatten wir aber wieder so ein bisschen aus den Augen verloren. Als dann die Hälfte des Albums fast fertig war, konnten wir das nochmal aufgreifen. Wir haben dann festgestellt, dass diese Idee immer noch gut zu den Songs passte. Die Figur hat sich sozusagen von selbst entwickelt. Und nach diesem Vorbild haben wir dann quasi die zweite Hälfte des Albums fertig gemacht.

    Linus: Für uns gab es dann einen Punkt, an dem es umgeschlagen ist. Ich glaube, es war der Song „Anita“, bei dem wir relativ konkret plötzlich eine Geschichte vor Augen hatten. Und dann wussten wir, so funktionieren die anderen Songs auch. Damit war unser Interesse geweckt. Ich meine, man stellt sich vor die Herausforderung, sich immer neu zu entdecken. Und in diesem Fall war es für uns interessant, künstlerisch einen Bogen zu spannen.

    Das Thema Konzeptalbum hat mich sowieso auch gereizt. Wir haben uns dann erstmal an verschiedenen Künstlern orientiert, zum Beispiel Randy Newman, der in seinen Songs auch häufig über dieselben Charaktere schreibt. Ab da haben wir angefangen, entweder noch Details anzupassen oder eben Stücke auch spezifisch für diese Geschichte zu schreiben. Und wir haben uns gefragt, wie können wir die Geschichte vertiefen? Wie können wir einen Charakter schaffen, der vielseitig ist und uns auch interessiert? Und an dem man sich auch selbst hinterfragen kann.

    Luis: Mir hat mal jemand als Feedback zu dem Album geschrieben: „Es klingt wie ein Album für oder gegen BWL-Studenten, aber eher für“. Er war sich nicht ganz sicher. (lacht) Da gibt es einen schönen Deutungsspielraum.

    Lukas: Also wenn ich das richtig verstehe, ist Arndt eine Art Bürohengst-Stereotyp, den ihr beschreibt?

    Luis: Einerseits ja. Ich würde sagen, das Umfeld dieses Menschen, so dieses hippe Start-Up Umfeld, ist heute natürlich irgendwie ein Stereotyp. Aber uns war wichtig, eine Figur darin zu beschreiben, die durch etwas aus der Masse raussticht. Denn natürlich ist ein Start-Up Beschäftigter auch immer noch ein Mensch außerhalb des Start-Ups.

    Wenn man jetzt über eine Figur schreibt, die super simpel stereotypisiert werden kann, ist es natürlich das Einfachste, sich darüber lustig zu machen und dieses Leben runter zu ziehen. Aber was wir beide viel spannender finden, und was man auch bei vielen unserer Vorbildern findet, ist, diesen Figuren trotzdem noch ihre Vielschichtigkeit zu lassen. Zu ergründen, wo welcher Charakterzug herkommt. So, dass Empathie noch möglich ist, denn sonst ist die Figur natürlich viel zu flach. Und so ein Arndt hat dann natürlich auch seine Hintergründe. Wenn wir die wegließen, wäre das ganze Szenario wahrscheinlich ziemlich unecht.

    Lukas: Konntet ihr euch denn in Arndts Lebenssituation besonders gut reinversetzen? Ist dieses „Büroleben“ vielleicht auch Teil eurer eigenen Realität gewesen, oder warum war euch dieses Thema so wichtig?

    Linus: Wenn man in der Stadt lebt, ist man natürlich mit diesen Themen konfrontiert. Es geht um Gentrifizierung, bzw. wie sich die Städte in der Zukunft gestalten. Das ist für mich persönlich ein großes Thema. Ich habe lange in Holland gelebt und Amsterdam ist extrem gentrifiziert. Dort war ich umgeben von International Expats. Und die sind ja alle nett. Die Menschen sind nämlich überhaupt nicht das Problem. Ich meine, Arndt ist jemand, den ich mögen könnte. Ich würde mit ihm ein Bier trinken gehen. Aber trotzdem ist die Art, wie sich die Stadt gesellschaftlich entwickelt etwas, das mich als Künstler irgendwie aus diesem Umfeld verdrängt. Ich merke das auch in Hamburg immer mehr. Die Läden, die hier öffnen und die Sachen, die sich in der Stadt entwickeln, sind meistens nicht für mich konzipiert. Und ich muss irgendwie ausweichen. Aber ich nehme es diesen Leuten nicht übel.

    Lukas: Ich habe mich beim ersten Hören gefragt, ist das irgendwie jetzt alles ironisch gemeint? Ist das eine Lebenssituation, die die beiden total absurd finden, und deswegen jetzt hier zur Schau stellen wollen?

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    Linus: Es war uns auf jeden Fall ein Anliegen, uns nicht über Leute lustig zu machen, denen es schlecht geht. Denn das war die Gefahr, auf die wir wirklich achten mussten. Es ging immer darum, dass Arndts Probleme schon auch ernstgenommen werden.

    Lukas: Es ist ja auch so, dass dieser Arndt seinem Alltag irgendwie entfliehen möchte. Er ist zwar Teil dieses Systems, aber sehnt sich eigentlich nach einem Lebenswandel. Ist das von eurer Seite der Hinweis auf die Missstände, die eine solche Gentrifizierung mit sich bringt? Und wenn ihr einen Vorschlag zur Verbesserung hättet, wie sähe dieser aus?

    Linus: Das ist auf jeden Fall eine Kritik an der Konsumgesellschaft, irgendwo. Aber es ist ambivalent. Es ist hochnäsig zu sagen, dieses sei das „falsche Leben“. Denn wir können uns in allen Dingen, die wir tun, verwirklichen. Die Missstände sind da, aber es ist zu oberflächlich, nur den Kapitalismus zu kritisieren. Interessanter ist es, zu erforschen, warum wir das eigentlich alle mitmachen und warum Arndt das mitmachen muss. Denn er ist eigentlich ein guter Typ mit guten Wünschen, er hängt seiner Jugendliebe nach und hat im Grunde keine schlechten Prinzipien. Er wurde einfach in ein System gedrückt, das ihn unzufrieden werden lässt.

    Lukas: Also ihr gebt diesem Problem durch Arndt sozusagen ein Gesicht, das finde ich sehr spannend! Das ganze Konzept hat mich irgendwie auch sehr an ein Märchen erinnert. Und diese Geschichte hat etwas sehr romantisches, obwohl sie ja im ersten Moment an vielen Stellen ganz muffig und öde wirkt. Dadurch fiebert man mit möchte Arndt auf die Beine helfen. Würdet ihr sagen, es gibt auch eine Art Moral?

    Luis: Also ich finde es super cool, dass es so rüberkommt! Es ist für mich etwas mega Gutes, in so drögen Alltäglichkeiten etwas Interessantes zu finden. Ich weiß nicht… Wenn es eine Moral gibt, dann ist es vielleicht sogar genau das. (lacht) Irgendwie zu versuchen, in solchen Situationen das Positive zu sehen und sich daran auch zu orientieren. Auf der faktischen Ebene gibt es in dieser Erzählung zwar Probleme und Sehnsüchte, aber eine Lösung wird ja im Grunde nicht vorgeschlagen. Es geht vielmehr darum, das Problem überhaupt zu sehen und zu verstehen.

    Lukas: Könnt ihr vielleicht den Handlungsstrang der Geschichte mal kurz skizzieren, dass wir da mal in die Welt eintauchen können?

    Luis: Also man kann auf jeden Fall sagen, dass Arndt ja so ein bisschen in seine Funktion hineingedrängt wird, sich in diesem Startup um die Finanzen zu kümmern. Und dass er sich da definitiv in so legale Grauzonen vorwagt. Das belastet ihn natürlich, weil er, wie Linus gesagt hat, ein guter Kerl ist und das nicht aus eigenem Antrieb machen würde. Das trägt dazu bei, dass er immer weiter abdriftet. Und die Tagträumereien werden dann im Verlauf zu einer wachsenden Psychose. Und im letzten Song, „Waldbad“, findet die Geschichte dann so ein bisschen ihr vorzeitiges Ende.

    Linus: Es gibt Stellen, die wir auch untereinander noch offengelassen haben. Man muss immer aufpassen, dass man den Zauber nicht nimmt, indem man zu viel vorweg deutet. Denn es ist auch immer schön, wenn die Leute das anders interpretieren.

    Lukas: Ich freue mich auf jeden Fall, dieses Album bald auch als Vinyl in den Händen halten zu können!

    Luis: Die Platte wird auch super schön gestaltet sein. Heutzutage Tonträger zu machen kann man sich auch sparen, wenn man da nicht noch einen Mehrwert liefert. Und wir haben da einen tollen Gestalter an der Hand, der da ein cooles Ding draus gemacht hat. Man kann die nämlich aufklappen und da nochmal schön in der Geschichte rumstöbern. Da sind dann auch Texte drin und einiges an Bildmaterial. Das ist im Grunde eine Erweiterung des musikalischen Projektes.

    Lukas: Habt ihr denn das nächste Projekt schon in Planung? Wird das wieder eine Charakterstudie?

    Luis: Wir denken im Moment noch drüber nach. Wir haben großen Gefallen daran gefunden, dass so ein Albumprojekt einen roten Faden hat. Es entwickelt eine ganz eigene Zugkraft, wenn man daran arbeitet. Weil es da noch etwas anderes gibt und es im Album nicht nur um uns beide geht. Wir haben schon ein paar Ideen, aber was das genau wird, wird sich zeigen.

    Lukas: Ist ja schon ein Alleinsstellungsmerkmal im deutschsprachigen Raum, findet ihr nicht?

    Luis: Gute Frage. Grundsätzlich ist das Album natürlich obsolet geworden, Singles und Playlists sind im Moment wichtiger als kohärente Anhäufungen von Songs. Vielleicht ist das Konzeptalbum aber deshalb auch ein schönes Gegengewicht, um etwas auf mehr Raum erzählen zu können. Die Höchste Eisenbahn oder Moritz Krämer schreiben oft auch sehr szenisch und über Figuren. Das ist so von dem Zeug, was ich kenne, am nächsten dran.

    Lukas: Ein paar Einflüsse habt ihr uns ja schon verraten. Was hat euch denn sonst noch inspiriert?

    Luis: Woran ich viel denken musste und worüber wir auch viel gesprochen haben ist George Saunders, ein amerikanischer Autor, der hauptsächlich durch seine Kurzgeschichten bekannt ist. Und anhand von sehr persönlichen und konkreten Geschichten, schreibt er über benachteiligte Milieus in den USA. Er ist jemand, dem es wahnsinnig wichtig ist, nicht auf etwas oder jemanden herunterzuschauen, sondern widerzuspiegeln, wie die Menschen sich fühlen. Das kann natürlich auch ein Geschmäckle gewinnen, wenn man sich so als der Sprecher einer sozialen Schicht darstellt. Aber wenn das gut gemacht ist, ist das sehr viel besser als Geschichten grundsätzlich zu ironisieren und Personen als Witzfiguren zu inszenieren. Wir haben eigentlich oft auch Bücher untereinander ausgetauscht, Italo Calvino haben wir zum Beispiel beide gelesen. Und was die Klanglichkeit angeht, fanden wir z.B. Nick Drake, Elliot Smith und Black Country, New Road sehr inspirierend.

    Lukas: Das macht auf jeden Fall große Lust auf „Die Wahrheit über Arndt“! Vielen Dank euch beiden für das schöne Gespräch und die Musik. Viel Erfolg weiterhin!

    Luis & Linus: Vielen Dank!

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    * Guide Track: eine Demo-Pilotspur, die bei Instrumentenaufnahmen für Orientierung sorgt
    ** Remote: In diesem Kontext Aufnahmen von Zuhause aus, die zum Schluss zusammengefügt werden

    Fotocredit: Rebecca Kraemer

  • Figure Beach im Interview: »Wir möchten die Dinge einfach passieren lassen«

    Figure Beach im Interview: »Wir möchten die Dinge einfach passieren lassen«

    Nicht nur der Kalender hat den Frühlingsanfang eingeleitet, sondern auch Figure Beach begrüßen die neue Jahreszeit mit ihrer Debüt EP „No Drama“. Figure Beach sind ein Trio aus Nürnberg, von welchem wir hier bei untoldency nicht das erste Mal und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch nicht das letzten Mal berichten. Sie selbst beschreiben Ihre Musik als Nullerjahre Indie Rock. Lara hat sich mit 2/3 der Band auf Zoom getroffen und sich mit ihnen über ihr erstes Tape unterhalten, welches morgen, am 25.03 das Licht der Welt erblickt.


    Figure Beach im Interview

    Lara: Hi. Schön, euch kennenzulernen. First of all, wie geht es euch vor dem Release? 

    Patrick: Ja. Wir sind voller Vorfreude und wir sind gesund. Ich meine, das ist auch nicht so häufig momentan. Ich bin gespannt, ob wir in einer Woche, wenn das Konzert stattfindet, dass wir dann auch gesund sind. Uns geht es gut. Hannes Stimmt das? Geht es uns gut? 

    Hannes: Ja, mir geht’s auf jeden Fall auch gut. Ich denke noch gar nicht so viel ans Release. Ist ja erst nächste Woche, in neun Tagen um genau zu sein. 

    Lara: Also alles noch ganz entspannt. Schön. Meint ihr, ihr seid entspannter als beim Release euren ersten Single? Oder wart ihr da auch so entspannt wie jetzt? 

    Patrick: Ich denke mal, beim ersten Single Release waren wir schon sehr neugierig, wie das alles wird und wie die Leute das aufnehmen. Weil unsere erste Single We Didn’t Fit Together At All war halt irgendwie auch so der Startschuss von dieser Band. Und da war es halt total interessant, einfach die Reaktionen der Leute mitzubekommen. Wie reagieren Sie jetzt darauf? Welche Musik macht diese Band? Das ist so der erste Eindruck, den man so hat. Da war ich schon aufgeregter, das gebe ich zu. 

    Lara: Wie würdet ihr denn einer Person, die eure Musik noch nicht gehört hat, diese beschreiben? 

    Hannes: Wie Nullerjahre Indie-Rock. Der Indie-Rock, den man vor 10 bis 15 Jahren gehört hat. Oder 10 bis 20 Jahren quasi.

    Lara: Ihr seid ja eigentlich zu dritt. Wie habt ihr zusammengefunden? Wie kam es, dass ihr zusammen Musik macht? 

    Patrick: Also, zusammengefunden haben Paul und Ich, weil wir in der gleichen Grundschulklasse waren. Paul, Hannes und Ich, weil wir aus demselben Ort kommen bzw. aus annähernd demselben Ort. Und wir waren dann alle in verschiedenen musikalischen Projekten und haben auch immer mitbekommen, was die anderen alles so treiben und welche Musik die so machen. Dann waren wir an dem Punkt, wo Hannes und ich gemerkt haben, dass das, was wir jetzt gerade machen, noch eine*n Bassist*in vertragen könnte. Und Paul spielt praktischerweise Bass. Dann meinte Paul naja, wenn ihr echt niemanden Besseren findet, dann können wir das schon machen. Und es hat sich als sehr gute Entscheidung herausgestellt, weil Paul auch im Studio dabei war und einige Songs der EP dann auch mitgespielt hat. Also er kam zu uns, während wir die EP gerade geschrieben und aufgenommen haben und ist jetzt auf jeden Fall festes Mitglied. Ja, so würde ich das sagen. Wir kennen uns schon sehr lange und haben auch mitbekommen, was die anderen so machen. Und jetzt sind wir in derselben Band gelandet. 

    Lara: Wie alt wart ihr da ungefähr?

    Patrick: Wir waren im Grundschulalter. Und dann Hannes, wir zwei waren ungefähr 16? 

    Hannes: Ich war 14. 

    Patrick: Dann war ich 15. 

    Hannes: Also schon echt eine Weile. Paul und ich haben eine Zeit lang zusammen in Dresden gewohnt und haben dort zusammen in einer Band gespielt und sind dann beide wieder in Nürnberg zurück gelandet. Und genau da haben wir eine*n Bassist*in gebraucht und wir kannten Paul und Paul und hatte Zeit. Und wir sind ja Live auch zu viert. Also nicht, dass dieser Eindruck entsteht, dass wir nur mit drei Musikern auf der Bühne sind.

    Lara: Good to know! Wie haben sich eure Projekte vorher angehört? In welche Richtung gingen die? 

    Patrick: Hannes und ich hatten eben so mit 15, 16 die Idee, wir können ein bisschen zusammen Gitarre spielen und das hat sich dann immer so weiterentwickelt. Wir haben Songs gecovert und dazu blöde Videos gemacht. Und eines Tages hatten wir eine eigene Song Idee und haben einen eigenen Song geschrieben. Um deine Frage zu beantworten das war so ja Akustik Indie-Folk, das war diese Mumford & Sons Zeit, als die richtig cool waren. Und dann dachten wir, wir machen auch so was. Rückblickend würde ich sagen, eigentlich war das gar nicht so, sondern es hatte schon sehr starke Indie Züge. Weniger Folk, sondern mehr Indie. Und dann wurde es schrittweise immer mehr mit elektrischen Instrumenten versehen. Dann kam eine E-Gitarre mit rein, dann haben wir bisschen Demos aufgenommen, dann haben wir auch einen Bass mit reingespielt.

    Lara: Und wie seid ihr zu eurem jetzigen Sound gekommen? Hat sich das einfach so natürlich daraus entwickelt, oder hat noch etwas Anderes, etwas Neues mit eingespielt? 

    Patrick: Also ich glaube, dass es so passiert ist. Ich glaube, es kam mit den ganzen Instrumenten und auch die ganzen Möglichkeiten, welche diese Instrumente bieten. Also wenn du auf die E-Gitarre wechselst, dann kannst du mit Effekten viel mehr arbeiten als bei meiner Akustik Gitarre. Wir haben aber auch ein bisschen unterschiedliche Einflüsse. Also bei mir zum Beispiel ist es auch sehr stark Punk, der etwas meine musikalischen Vorlieben und den Sound den ich mag prägt. Bei Paul, der heute nicht hier ist, spielt wohl eher dass jazzy-bluesige mit rein. Das, was seine Bassspielweise auch prägt. Und Hannes, du kannst für sich selber sprechen. 

    Hannes: Ich weiß nicht, ob mein elektronischer Einfluss bei uns irgendwie Platz findet. Ich glaube irgendwie bis jetzt nicht. Also bei mir kommt es, weil ich einfach seit 14 Jahren sehr viel Indie Rock Musik höre. Angefangen mit damals den Strokes und den Arctic Monkeys. So wurden wir sozialisiert und im Endeffekt ist es ein Produkt aus unserem Projekt, das sich jetzt über sehr viele Jahre entwickelt hat. Und wie Patrick schon gemeint hat, irgendwann kamen andere Musikinstrumente und andere Musiker*innen dazu und dann war es halt auf einmal weg. Also es ist jetzt nichts vorgefallen, wo wir gesagt haben, okay, wir machen jetzt ganz neue Musik.

    Lara: Um jetzt mal zu eurer ganz bald erscheinenden EP zu kommen bzw. auch zu den einzelnen Singles. Wie sind diese wunderschönen Cover entstanden? 

    No Drama EP Cover

    Hannes: Es gibt zwei Frauen, welche ich auf Instagram gefunden habe. Die nennen sich weareyawn  Und die machen sehr viel für andere Indie Musiker*innen. Die entwerfen auch Zeug für Giant Rooks und Shelter Boy und darüber habe ich die dann im Endeffekt gefunden. Anstatt irgendwie selber etwas zu malen, so wie es in den Jahren davor war, oder die Nachbarin zu fragen ob sie uns für lau etwas hinkritzelt, haben wir uns gedacht, wir gehen das alles mal wirklich ernsthaft an und fragen mal richtig professionelle Leute an, ob sie uns etwas entwerfen. Und dann waren es eben die Mädels und wir sind auch sehr zufrieden, mit den schönen Artworks. 

    Lara: Verständlicherweise. Ich finde auch, die Singlecover so wie das der EP haben einfach einen richtig guten Wiedererkennungswert.
    Weiter gehts! Habt ihr einen favourite Song auf der EP?

    Patrick: Puh, ich bin ein sehr großer Fan von unserer ersten Single, weil er mir soundmäßig einfach so gut gefällt.

    Hannes: Wenn ich mich entscheiden müsste, wäre es wahrscheinlich Waves. Also Waves und knapp dahinter, wahrscheinlich ein Song der noch kommt. 

    Patrick: Ja, den finde ich auch gut. 

    Lara: Bevor wir zum Ende kommen. Habt ihr schon Ideen für nächste Projekte? 

    Hannes: Also wir sind natürlich super froh und stolz, dass diese fünf Songs jetzt auch für andere Leute endlich mal zu hören sind. Aber wir haben in der Zwischenzeit natürlich auch neue Songs geschrieben und bereiten uns gerade sehr stark für unsere Live Zeit vor. Es sieht so aus, als könnten jetzt Konzerte wirklich wieder ganz normal stattfinden und so planen wir jetzt auch. Wir haben am 26. März unsere Release Show, für die wir natürlich ein ganzes Set spielen und nicht nur unsere EP und mit fünf Songs. Wir freuen uns sehr, endlich Live spielen zu können. Darauf liegt jetzt auch der gesamte der Fokus. Wir haben viele Songs geschrieben, die noch nicht aufgenommen sind, weswegen es sich lohnt, sich das eben auf Tour anzuschauen (lacht). Ich würde sagen, das ist, was gerade besonders den Vorrang hat. Dass wir schauen, dass die neuen Songs, auch Live gut rüberkommen. 

    Patrick: Also wir haben eigentlich auch erst ein Konzert gespielt, das war im Oktober und dann war die Szene wieder dicht. Von daher war’s das. Aber was uns da ein bisschen hilft, ist, dass wir Songs eigentlich generell ziemlich simpel schreiben und in der Art und Weise, dass wir sie auch sehr einfach wiedergeben können. Also wir haben keine 20 Geigen und nen Chor mit drauf, sondern halt einfach unsere Instrumente im Kern. Und von daher überlegen wir uns gerade, wie wir das live am besten arrangieren und wie wir auch einfach unsere neuen Songs am besten mit einbringen können. 

    Lara: Dann sind wir es auch schon bei unserer Schlussfrage. Und zwar richtet die sich immer ein bisschen nach unserem Konzept bei untoldency. Und zwar fragen wir nach einer untold Story. Also einfach irgendetwas, was ihr noch nie in einem Interview oder in der Öffentlichkeit erzählt habt. Das könnte eine kleine Anekdote sein, irgendwas Witziges oder einfach irgendetwas, was euch auf dem Herzen brennt und unbedingt in die Welt hinaustragen wollt. 

    Patrick: Hast du was? 

    Hannes: Wir haben unsere tolle Story eigentlich leider schon bei der Untold Tea Time verbraten. 

    Patrick: Also wir haben jetzt nichts Weltbewegendes, aber unsere EP heißt No Drama und wir finden, das passt sehr zu unserer Art und Weise, am Songwriting ranzugehen. Denn wir möchten die Dinge einfach passieren lassen. Das finden wir ganz schön. Wenn sich das alles aber so seinen Weg sucht und wir keinen großen Aufriss drum machen. Ja, und dann, als wir uns entschieden hatten, dass das eigentlich ein passender Titel ist für die Veröffentlichung, ist uns halt der richtig miese Dadjoke aufgefallen, dass No Drummer ein bisschen ähnlich klingt, also nach Drama und Drummer. Und wir sind eine Band, die keinen festen Schlagzeuger hat, sondern halt mit Live Drummern arbeitet. Es ist weder witzig noch ist es interessant, aber dafür ist eine Untold Story! 

     

    Dadjokes aside, könnt ihr euch hier die „No Drama“ EP von Figure Beach anhören:

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    Fotos: Florian Weichelt

  • doppelfinger im Interview: »Trotz aller schwierigen Situationen und Emotionen ist die eigene Existenz etwas Schönes und Wertvolles«

    doppelfinger im Interview: »Trotz aller schwierigen Situationen und Emotionen ist die eigene Existenz etwas Schönes und Wertvolles«

    Den Österreicher doppelfinger haben wir euch im November schon mal vorgestellt – damals mit seiner wunderschönen Single „seasonal affective disorder“. Nun gibt er mit seinem letzte Woche erschienenden Debütalbum „by design„ dem Ganzen einen Kontext und uns noch mehr Lieder zum Verlieben. Was doppelfinger auszeichnet, ist nicht nur seine Affinität an der Gitarre, sondern auch das Treffen dieser ganz bestimmten Note zwischen „das ist so traurig, ich möchte weinen“ und „das ist so schön, ich möchte nichts anderes hören“. Und genau deswegen haben wir ihn jetzt für euch im Vorstellungsinterview!


    doppelfinger im Interview

    Anna: Hey Clemens, wie geht’s dir? Magst du dich vielleicht erst einmal für alle, die dich noch nicht kennen, vorstellen?

    doppelfinger: Ich bin Clemens aus Wien, mache unter dem Namen doppelfinger Musik. Mir geht’s ok, bin hier in Österreich ja doch in einer eher privilegierten Situation wenn man sich die Geschehnisse in anderen EU Ländern ansieht. Kann mich also nicht beschweren.

    Anna: Es ist dein erstes Album, was du in die Welt lassen wirst. Wie fühlt sich das jetzt, ein paar Tage davor, an zu wissen, dass da bald ein gesammeltes Werk der Musik & Gefühle von dir draußen ist?

    doppelfinger: Es fühlt sich sehr surreal und an stellen ein wenig überfordernd an. Ich bin trotzdem voller Freude, dass es dann endlich nicht mehr nur für mich existiert. Ich hoffe einfach, dass es die Menschen erreicht, die es vielleicht gebrauchen können.


    „Ohne Licht kein Schatten und so.“

    Anna: Wie hast du deinen Weg zur Musik gefunden? Kann man ein paar deiner Einflüsse auch auf „by design“ hören?

    doppelfinger: Klassische Geschichte: musikalische Familie, Blockflöte, Posaune, etc.
    So richtig eigenständig gemerkt, wie wichtig mir Musik ist, habe ich als ich die Gitarre für
    mich entdeckt habe und dann trotz meiner Ungeduld versucht habe, mir das spielen so gut
    wie möglich selbst beizubringen. Über die doch recht simpel gestrickten Folk Klassiker (z.B.
    von Pete Seeger, Dylan, Guthrie) bin ich wohl einfach in diese Schiene gerutscht und
    diese ist definitiv am Album präsent. Irgendetwas hat sich da einfach sehr richtig angefühlt und das tut es bis heute.

    Anna: Warum „by design“? Was steckt hinter dem Albumtitel?

    doppelfinger: Für mich heißt by design soviel wie „mit Absicht“ – oder „so passend“. Zum einen spiele ich damit an meinen Projektnamen an – doppelfinger ist ja ein Teil von mir (habe einen zweiten Finger auf meiner rechten Hand) – ich bin damit geboren, es war quasi so bestimmt. Auch wenn es mich von anderen differenziert, hat es trotzdem so sein sollen.
    Und dies war auch die Idee in Bezug auf den Inhalt des Albums. Einige Songs thematisieren doch eher schwere persönliche Emotionen & Situationen – mit dem Titel wollte ich aber sagen dass diese Problematiken auch Ihre Berechtigung haben. Ohne Licht kein Schatten und so.

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    „Ich möchte weder tiefe Traurigkeit noch immens positive Ideen.“

    Anna: Viele der Songs auf dem Album entschleunigen und machen gleichzeitig auch ein kleines bisschen traurig. Was sind die Themen, die du auf „by design“ verarbeitet und behandelt hast?

    doppelfinger: Mein Album ist für mich ein erstes “Hallo” meinerseits. Wir haben Ghostwriter für diese Arbeit gewählt. Das Thema das sich für
    mich durchzieht ist ein Spiegeln von Dingen. Ohne Hoffnungslosigkeit keine Hoffnung, ohne Gut kein Schlecht, ohne Einschränkung keine Freiheit, usw. Ich versuche dies in meiner Musik zum Beispiel mittels des Gegenüberstellens von “schön” klingenden Harmonien zu Texten, die dann eher weniger schöne Dinge behandeln. Ich möchte weder tiefe Traurigkeit, noch immens positive Ideen kommunizieren. Ich möchte beide gegenüberstellen und behandeln.

    Anna: Hast du einen aktuellen Lieblingssong vom Album?

    doppelfinger: Ich glaube „quite alright“ ist für mich persönlich einer der wichtigeren Songs auf dem Album. Er gibt dem Album eine gewisse Leichtigkeit und nimmt den dann doch emotional eher schwereren Songs ein wenig den Druck. Er umfasst für mich einfach den roten Faden des Albums. „Quite alright“ ist für mich so gesehen irgendwie eine Reaktion auf die anderen Songs am Album und sagt, dass trotz aller schwierigen Situationen und Emotionen die eigene Existenz etwas Schönes und Wertvolles ist – und sogar noch schöner und wertvoller wird durch alle persönlichen Kämpfe.

    Anna: In deinem Pressetext heißt es, dass die ersten Lieder, die du geschrieben hast, ursprünglich nie dafür bestimmt waren, von anderen gehört zu werden. Warum? Und was hat dich überzeugt, sie doch zu veröffentlichen?

    doppelfinger: Weil ich nicht das Gefühl hatte, dass sie unbedingt gut genug waren. Ich war damals aber an einem Punkt angelangt, an dem ich mir gedacht habe, dass es jetzt eh nicht vieles zu verlieren gibt. Da hab ich dann beschlossen die Songs einfach mal live auszuprobieren. Über dies kam ich dann zum Aufnehmen.

    Anna: Kannst du dich noch an das erste Lied, was du geschrieben hast, erinnern?

    doppelfinger: Die erste Songstruktur, an die ich mich erinnern kann, war ein Song, in dem ich so bisschen meine vergangenen Fehler und „Sünden“ aufzählen wollte, ich glaub das war so mit 16. Der Chorus ging dann irgendwie – „so i don ́t know if i belong, in the sky lord – in the sky“ – ich hab den aber nie fertig geschrieben, aus Angst dass er religiöser wirkt, als er für mich eigentlich gemeint war.

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    „Die kleine Bubble in Österreich ist sehr divers und mutig.“

    Anna: Du machst aber nicht nur Musik als doppelfinger, sondern wirkst auch bei vielen anderen Projekten mit, wie zum Beispiel dem von OSKA. Da hab ich auf den Acoustics die sehr süße Story gehört, wie ihr euch als scheinbar verlorene Kindergartenfreunde ganz zufällig auf Instagram wiedergefunden habt. Fühlt sich das für euch ein bisschen wie Schicksal an, dass ihr jetzt wieder zusammen Musik macht?

    doppelfinger: Definitiv. Wir reden sehr oft darüber, aber wenn man so oft wie wir miteinander abhängt, dann denkt man manchmal auch nicht darüber nach. Und wenn einem das dann wieder einholt und man sich wieder bewusst wird, wie speziell es ist, dass wir nicht nur gemeinsam Musik machen, sondern uns auch so gut verstehen und so lange kennen, dann ist das schon ein bisschen ein verrücktes Gefühl.

    Anna: Wie nimmst du die österreichische Musikszene wahr? Für mich bist du in einer sehr
    angenehmen Bubble, aus der selten was Schlechtes kommt, muss ich sagen.

    doppelfinger: Ich finde die kleine Bubble in Österreich auch relativ erfrischend. Man hätte auch die Sorge haben können, dass viele Artists nach Erfolgen von Bilderbuch oder Wanda versuchen würden, auf ähnliche Richtung Erfolg zu haben. Dem war aber nicht so, die österreichische Szene ist gefühlt sehr divers und mutig – was ich sehr schätze.

    Meine Lieblings Acts aus Österreich derzeit: Lukas Lauermann, Sophia Blenda, OSKA.

    Anna: Zum Schluss fragen wir immer nach einer untold story, etwas, das du noch nie in einem Interview erzählt hast.

    doppelfinger: Puh, schwierig. Ich hab mich mal versehentlich als 8-jähriger auf einem Bauernhof in der Toilette bei den Kühen eingesperrt. Da hab ich dann ca. 3 Stunden mit Beten und Kloputzen verbracht, bis mich meine Schwester aus der Situation befreite. Als ich da endlich wieder rauskam war mir auf jeden Fall bewusst – es gibt keinen Gott und das Putzen von Toiletten hilft somit maximal dem Bauern aber keiner größeren Macht.

     

    Wir würden das Album ehrlich gesagt für alles empfehlen außer fürs Toilette-Putzen, aber vielleicht kickt es auch da nochmal besonders, wer weiß:

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    Fotocredit: Sophie Löw

  • OSKA im Interview: »Was wäre, wenn jetzt die Welt untergehen würde?«

    OSKA im Interview: »Was wäre, wenn jetzt die Welt untergehen würde?«

    Vor einem Jahr haben wir die österreichische Singer-Songwriterin OSKA im Interview zu ihrer Debüt-EP vorgestellt, danach hat sie uns auf der Acoustics-Tour im Sommer zusammen mit Stu Larsen begeistert und seitdem kommt eigentlich kaum noch jemand an ihr vorbei. Ende Februar kam ihr Debütalbum „My World, My Love, Paris“ raus und passend dazu, haben wir mit ihr über die Einflüsse hinter dem Album, Familie und das Musikbusiness gesprochen. Und die Frage aufgegriffen, die wir alle seit 2020 sehr fühlen: Was wäre, wenn jetzt die Welt untergehen würde?


    OSKA im Interview

    Anna: Hey, super schön, dass wir uns jetzt wieder zusammenfinden! Vor fast genau einem Jahr haben wir zu deiner Debüt-EP „Honeymoon Phase“ gesprochen, damals hattest du das Album schon ein bisschen angeteasert. Wie hast du das letzte Jahr seit deinem EP-Release wahrgenommen? 

    OSKA: Eigentlich ganz gut! Ich hab extrem viel live gespielt, womit ich irgendwie gar nicht gerechnet hab.  Also ich war schon für die Verhältnisse der Situation viel unterwegs. Das erste Mal mit einer Band! Wir waren auf dem Reeperbahn Festival, das waren 5 sehr intensive Tage und extrem cool. Da war ich auch nominiert für einen Anchor Award. Und dann haben wir das Album fertig gemacht. Also es war sehr viel zu tun (lacht). Aber nur schöne Sachen. 

    Anna: Ich hab dich letztes Jahr tatsächlich auch ein Mal live sehen können, bei den Acoustics Concerts in Berlin mit Stu. Das gab es einen sehr süßen Moment, als es angefangen hat zu regnen und die andere Band des Abends zu euch auf die Bühne mit Regenschirmen gesprintet kam. 

    OSKA: (lacht) Ja, daran kann ich mich auch erinnern! 

    Anna: Haben Momente wie diese den ganzen Pandemie-Frust von 2021 auffangen können?  

    OSKA: Schon irgendwie tatsächlich! Also ich seh andere Freunde und Freundinnen von mir, die auch Musik machen, die nicht so viel live spielen konnten. Ich schätze mich dann schon sehr glücklich. Es gab die Acoustics-Tour und vereinzelte Konzerte, und wir hatten schon ein bisschen das Gefühl von “ok, es geht wieder bergauf”. Es ist dann schon noch komisch, so die Leute mit den Masken beim Konzert zu sehen. Aber selbst daran gewöhnt man sich irgendwie? Es ist schon komisch, dass wir dann schon so Gewohnheitstiere sind und doch irgendwie damit leben können. Aber es ist schon komisch, also ich freu mich, wenn es irgendwann nicht mehr so ist.  


    “Zwischen Stu und mir ist voll die schöne Freundschaft entstanden.” 

    Anna: Anknüpfend an die gemeinsame Acoustics-Tour mit ihm komm ich natürlich nicht umhin Stu Larsen zu erwähnen. Hast du während der Zeit Sachen von ihm gelernt? 

    OSKA: Voll! Der Stu hat so viel Erfahrung einfach. Er ist wirklich einfach Singer Songwriter und macht das schon so lange. Wir haben viel drüber geredet, wie man mit bestimmten Situationen und Menschen auf der Tour umgeht. Ich mein, das ist eh irgendwie klar, aber trotzdem ist es gut zu sehen, wie er damit umgeht. Er macht das alles extrem gut, finde ich, da kann man sich jeden Fall was abschauen. Es ist voll die schöne Freundschaft draus entstanden und ich glaube, man merkt es eh, dass wir uns alle einfach sehr gern haben. Clemens, mein Gitarrist, und ich waren jetzt zu Besuch bei ihm im Studio. Er hat uns nach Italien eingeladen, wo er zurzeit wohnt, und ich weiß noch gar nicht, ob ich es erzählen darf? Aber ich geh jetzt im Mai mit auf seine nächste Tour!  


    “Es fühlt sich schon nochmal wie mehr an.” 

    Anna: Gab es für dein neues Album einen Unterschied zum Aufnehmen deiner ersten EP? Und war waren die größten Einflüsse, die es geprägt haben? 

    OSKA: Ja, beim Album hab ich gar nicht mehr so viel Zeit zum Überlegen gehabt. Es war doch alles sehr knapp. Wir sind heim kommen von der Tour in Deutschland und es war tatsächlich extrem überfordernd, weil wir nur noch bis Anfang November eigentlich Zeit hatten, das Album fertig zu machen und dann die Deadline verschieben mussten. Da war eigentlich nicht viel Zeit, um richtig nachzudenken, was manchmal auch ganz gut ist. So einfach machen und irgendwie alles rausholen, was irgendwie dann geht. 

    Zu den Einflüssen: es ist so schwer alles zusammenzufassen. Die letzten Jahre und natürlich auch die Musik, die man gehört und geliebt hat, beeinflussen das Ganze. Aber was ich dann gemerkt hab, waren die Einflüsse von früher. Ich bin schon viel aufgewachsen mit auch irischer Musik und Musik, wo viele Geigen, irische Filz, drin sind. Und ich hab gemerkt, dass ich das extrem gerne in meine Musik mit einbauen will und das bis jetzt irgendwie noch nicht so Thema war. Deshalb haben wir am Schluss noch Streicher-Sessions gemacht und jetzt hat das Album einige Streiche und so drauf. Aber dieser Drang oder dieser Wunsch kam erst irgendwie zum Schluss, so “ah jaa, das wollte ich ja eigentlich immer!” (lacht) 

    Anna: Dann fühlt sich ja sicher der Release jetzt auch ganz anders an als bei deiner EP. 

    OSKA: Es fühlt sich schon nochmal wie mehr an. Es sind ja auch mehr Songs und dann hab ich schon das Gefühl, mich teilweise doch ein bisschen mehr aus dem Fenster gelehnt und noch mehr getraut zu haben mit dem Album. Hier, ich kann’s dir zeigen! (hält ganz stolz das Album in die Kamera). Ich hab die CD bekommen und hab sie einfach nicht loslassen können, den ganzen Tag hab ich mich so gefreut. Aber ja, es ist schon noch einmal anders, weil es ein größerer Ausschnitt aus den letzten Jahren ist und das spür ich schon. 


    “Was ist ein Song eigentlich noch wert?” 

    Anna: Willst du thematisch kurz anreißen, welche Themen du auf dem Album besprichst? 

    OSKA: Der erste Song, Too Nobody, da geht’s im Grunde darum, mit dem Musikbusiness zurechtzukommen und dem Gefühl, man muss immer mehr machen. Fragen wie: was ist ein Song eigentlich noch wert? Da spielen so viele Themen rein, wie die eigene Unsicherheit, mit der man eh schon zu kämpfen hat und dann auch diese Ausbeutung, mit der Musik einhergeht.  

    Anna: Und wie gehst du damit um? 

    OSKA: Oh, ich weiß es ehrlich gesagt noch nicht. Das ist eine Frage, die ich mir gerade stelle, weil irgendwie muss man so seinen Weg finden. Ich glaube, ich hab es geschafft, mit Leuten zu arbeiten, denen ist Musik das wichtigste und das, um was es geht. Das war mir auch schon relativ früh klar, dass ich nicht das Gefühl haben will, da ist irgendwer im Team, der das ausnutzen möchte oder so. Keine Ahnung, ich kann das ganz schwer beschreiben. Aber dann ist man natürlich auch an gewisse musikalische Plattformen gebunden, wo die Musik gespielt wird. Ich mein, wir wissen’s eh alle, wie wenig ein Stream wert ist. Und dann fallen Konzerte auch noch weg und eben dieses Gefühl von “ok, wie verdiene ich jetzt mein Geld und wie kann ich davon leben?”  

    Es geht in dem Song auch darum, dass wenn niemand zuhört, ich es halt auch noch für mich machen würde. Das ist auch mein Weg damit umzugehen wahrscheinlich! Ein Lied darüber zu schreiben und mich selber daran zu erinnern, warum ich das alles mach. 

    Das zweite Lied ist „My World, My love, Paris” – so heißt ja auch das Album. Ich hab das Anfang der Pandemie geschrieben und da war ja, überspitzt gesagt, ein bisschen Weltuntergangsstimmung (lacht). Da hab ich mich in die Lage versetzt, ok was wäre, wenn jetzt die Welt untergehen würde? Welche Gespräche würde man dann miteinander führen? Es gibt diesen Song von Edith Piaf, “Non, je ne regrette rien” – “Nein, ich bereue nichts”. Und ich habe mir die Frage gestellt: würden wir das immer noch? Oder würde wir sagen: “I’m sorry, my world, my love, Paris”.  Paris steht so ein bisschen als Symbol dieser schönen Welt, auf der wir leben, aber auf die wir halt nicht immer so ganz gut aufpassen.  

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    “Der Abnabelungsprozess von meiner Familie hat sehr spät eingesetzt.” 

    Anna: Familie ist auch ein zentrales Thema auf dem Album. Inwiefern würdest du sagen definierst du dich selbst über deine Familie? Und wie unterscheidest du dich vielleicht auch von ihr? 

    OSKA: Ich hab eine irgendwie sehr große und sehr bunte Familie würde ich sagen. Und auch eine sehr coole! Ich hab mich schon jahrelang über meine Geschwister und Familie definiert, dieser Abnabelungsprozess hat bei mir glaube ich ein bisschen spät eingesetzt (lacht). Ich war so gern in meiner Familie, auch als Jugendliche. Oft fängt das ja an, dass man sich dann irgendwie abkapselt und das habe ich sicher auch zu einem gewissen Teil getan, aber irgendwie waren wir sehr close immer, gerade auch zu der Zeit.  Seit ich in Wien bin, hat dieser Abnabelungsprozess begonnen. Und jetzt fühle ich mich gerade an einem Punkt, wo ich mich nicht mehr so stark über meine Familie definier. Wir sind jetzt auch alle älter und jeder ist verantwortlich für sein eigenes Leben. Und das ist ein sehr befreiendes Gefühl auch. 

    Anna: Was würdest du sagen sind die nervigsten oder auch bemerkenswertesten Eigenschaften deiner großen Geschwister? 

    OSKA: (überlegt) Ich glaube, was bei uns so speziell ist und was auch andere Leute immer sagen, ist, dass wir so extrem eng miteinander sind und uns gut verstehen. Und ich glaube, das Coolste an meinen Geschwistern ist, wie liebevoll wir alle miteinander sind. Und das ist etwas, was glaube ich sehr bemerkenswert ist! Ich mag das, wenn Menschen herzlich sind und liebevoll miteinander umgehen. Das ist sicher auch was, was ich von meinen Geschwistern gelernt hab.   

    Und das Nervigste? Ja, wir wohnen halt nicht mehr zusammen, also früher hätt ich dir da ganz viel sagen können (lacht). Aber mittlerweile nerven wir uns nicht mehr so stark tatsächlich.  

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    “Ich darf das Album dieses Jahr sehr schön touren.” 

    Anna: Du hast auch das Glück, dein Album dieses Jahr zu touren! 

    OSKA: Ja, ich kann’s tatsächlich touren, was extrem cool ist. Ich spiel auch ein bisschen Support dieses Jahr. Es sind eigentlich viele Shows geplant. Ich werde in den Niederlanden sein, ich werd mit Stu auf Tour sein, ich glaub, das darf ich schon sagen. Also ja, ich darf das Album tatsächlich dieses Jahr sehr schön touren.  

    Anna: Wenn du dir eine Person aussuchen könntest, mit wem würdest du gerne mal die Bühne teilen?  

    OSKA: Ah, da gibt’s so viele! Phoebe Bridges mag ich sehr gerne. (überlegt) Ich bin aufgewachsen mit Joan Baez, die hat mit Bob Dylan viel zusammen gemacht. Ich guck mir gerade extrem viel alte Konzerte von ihr auf YouTube an, das wär irgendwie auch ziemlich legendär.  

    Anna: Ich weiß nicht, ob du dich vom letzten Jahr dran erinnern kannst, aber zum Schluss fragen wir immer nach einer untold story, also etwas, was du noch nicht in einem Interview geteilt hast. 

    OSKA: Was hab ich denn da letztes Jahr erzählt? 

    Anna: Da hast du von dem Videodreh erzählt, bei dem dein Ex-Freund dich zum Weinen gebracht hat. 

    OSKA: Ah jaa! Wow, ganz schön viel passiert dieses Jahr.  

    (überlegt) Mir glaubt es ja keiner, aber ich kann nicht kochen. Also so gar nicht. 

    Anna: Gar nicht gar nicht? 

    OSKA: Gar nicht. Also ich weiß nicht, wozu ich ne Küche hab (lacht).  

    Anna: Und was machst du dir, wenn du alleine zuhause bist? 

    OSKA: Cini Minies (lacht).  

     

    Wer sich zu einer Schüssel Cini Minis dieses wunderschöne Album anhören mag, der folge diesem Link:

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    Fotocredit: Hanna Fasching

  • Mavi Phoenix im Interview: „»Marlon« ist frech, erfinderisch aber trotzdem irgendwie klassisch“

    Mavi Phoenix im Interview: „»Marlon« ist frech, erfinderisch aber trotzdem irgendwie klassisch“

    Marlon ist nicht nur Mavi Phoenix‘ bürgerlicher Name, sondern nun auch der Titel seines zweiten Studioalbums. Passend zum Release, durfte ich (Lara) mit Marlon, über Marlon sprechen, was am 25.02.2022 erschienen ist.

    Musikalisch bewegt sich Mavi Phoenix zwischen Lo-Fi-Pop, Trap und modernem R&B. Ausserdem finden sich auf seinem neuesten Release Gitarrensounds wieder. Nach dem Coming Out als Transmann und der Veröffentlichung seines Debütalbums „Boys Toys“ verabschiedete sich Marlon Nader 2020 von Social Media, nahm eine Auszeit und widmete sich seiner persönlichen sowie musikalischen Transition.

    In wie fern Mavi Phoenix seinen neuen Gitarrensound seinem Vater zu verdanken hat, wie der Albumprozess bei Marlon ablief und was seine persönlichen Lieblinge der Platte sind, könnt ihr jetzt hier im Interview lesen.


    Interview mit Mavi Phoenix

    Lara: Hallo Marlon, schön dass das geklappt hat. Du steckst ja aktuell mitten in der Promophase. Zum Einstieg frage ich dich erstmal, was du heute schon so gemacht hast.

    Mavi Phoenix: Ich war heute tatsächlich schon bei einem Interview, mal wieder Face to Face, in einem Cafe, für ein österreichisches Magazin. 

    Lara: Face to Face ist ja auch mal wieder ganz nice. Wie geht es dir? In 2 Wochen ist es soweit, dann kommt dein zweites Album Marlon raus. Wie geht es dir, so kurz vor dem Release? 

    Mavi Phoenix: Ja eigentlich ganz gut! Ich freue mich echt mega auf’s Album und ich realisiere auch gerade eigentlich erst, dass es bald wirklich rauskommt. Ich freue mich einfach wirklich sehr und auch, dass es danach dann auch endlich weitergehen kann.

    Lara: Das kann ich gut nachvollziehen. Unterscheidet sich der Release von Marlon zu dem von Boystoys? 

    Mavi Phoenix: Ich glaube, ich bin tatsächlich ein bisschen entspannter. Wahrscheinlich auch, weil ich voll an das Album glaube. Ich habe das Gefühl, dass es ein gutes Album geworden ist und freue mich einfach. Natürlich ist mir auch voll wichtig, was die Leute dann damit machen und wie sie es finden, aber ich bin da ziemlich gefestigt und denke schon, dass es den Leuten gefallen wird. Hoffentlich.(lacht)

    Lara: Also ich hab natürlich schon mal etwas reingehört und ich bin mir ziemlich sicher, dass es den Leuten gefallen wird. Weisst du schon, wie du den Release feiern wirst? 

    Mavi Phoenix: Jaa, ich werde in Berlin tatsächlich meine erste Releaseparty überhaupt machen! Beim letzten Album war da ja der erste Lockdown und da kam dann leider nichts zu Stande. Jetzt ist es natürlich auch irgendwie blöd mit Corona, aber wir werden dann hoffentlich mit 2G+ vielleicht auch mal ein Bisschen den Release feiern können.

    Lara: Nice, muss ja auch mal wieder sein. Jetzt back zum Album; wie lief der Albumprozess ab und wann hast du angefangen, die ersten Songs für Marlon zu schreiben?

    Mavi Phoenix: Bei mir ist es eigentlich so, dass ich ständig schreibe. Es ist nicht so, dass ich mir denke „jetzt habe ich das eine Album fertig und jetzt mache ich eine Pause“ sondern ich mache das natürlich voll gerne und es hat für mich auch irgendwie etwas therapierendes dabei. Ich brauche das Musik machen auch einfach irgendwie und deshalb mache ich echt ständig Musik. Nach Boystoys gab es dann ein paar Monate in denen ich auch Musik gemacht habe, aber davon ist dann zum Beispiel auch nichts auf dem Album gelandet. Da war ich dann auch kind of in einer Findungsphase um zu schauen, was mir überhaupt gefällt, zu schauen was ich in Zukunft machen möchte und um mich auszuprobieren.

    Irgendwann hat es klick gemacht

    Dann ist es aber auch eigentlich ganz schnell gegangen! Ich habe meine Gitarre gepackt, neu herumexperimentiert und auch wieder selbst produziert. Dazu hat sich auch noch meine Stimme verändert und dann hat einfach alles voll schön zusammengepasst! Richtig entstanden ist das ganze Album dann also zwischen Sommer 2020 bis Sommer 2021.

    Irgendwann hat es dann wie klick gemacht. Ich muss dazu sagen, dass ich zu der Zeit auch von den Demos her einen echt krassen Output hatte. Wir haben auch sicher die Hälfte der Songs weggehauen, die dann nicht aufs Album gepasst haben. Es war dann auf jeden Fall genug Output dabei, dass es für ein Album gereicht hat (lacht).

    Lara: Ja, verstehe ich auf jeden Fall voll. Next Question: Du hast einige unterschiedliche Sounds auf Marlon, unter anderem die Gitarre. Gitarren waren ja vorher nicht so typical Mavi Phoenix. Wie kam es dazu?

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    Albumcover Boys Toys

    Mavi Phoenix: Ja true! Auf Boys Toys gibt es den Song Family, da habe ich das erste mal Gitarren etwas in meine Musik einfliessen lassen. Also da gab es schon so erste Anzeichen dafür, dass, es mich reizen würde, aber dann bei dem Album Marlon habe ich es dann tatsächlich so als mein neues Instrument entdeckt.

    Lara: Ich finde auch, dass es auf jeden Fall stimmig ist und total gut zu allem passt. Was hat dich denn letztendlich zur Gitarre gebracht?

    Mavi Phoenix: Es war so, dass mein Papa mir die Gitarre geschenkt hat, als ich 15 war. Die steht auch tatsächlich gerade neben mir! Die ist eigentlich wirklich Jahrelang in Linz in meinem Elternhaus verstaubt. Irgendwann habe ich die dann einfach mal hergeholt. Durch die Hormontherapie habe ich dann auch gemerkt, dass sich die Stimme verändert und ich die Töne die ich vorher erreicht habe, jetzt nicht mehr erreichen kann. Und irgendwie hat die Gitarre für mich dann so etwas neues aufgetan, auch beim Musik schreiben.
    Ich schreibe ja wirklich schon lange Musik, aber irgendwie hatte ich dann durch die Gitarre plötzlich auch einen ganz anderen Blickwinkel gesehen, weil du mit der Gitarre eben auf ganz andere Melodien kommst. Das hat mir was das Album betrifft echt einige Türen geöffnet und das Album zeigt glaube ich, auch einfach voll dieser Moment, als ich die Gitarre und dadurch auch mich neu entdeckt habe.
    Deswegen klingt es glaube ich auch glaube ich so fresh, im Sinne von innocent und neu an.

    Lara: Was für eine schöne Story dahinter! 

    Mavi Phoenix: Jaa, vor allem wollte ich früher auch die in den Gitarrenunterricht gehen! (lacht)

    Lara: Das fühle ich.  Jetzt zur nächsten Frage: Hast du einen Lieblingstrack auf dem Album?

    Mavi Phoenix: Boah, schwer zu sagen. Natürlich mag ich eh alle Tracks, aber meine aktuellen Favoriten sind aber glaube ich trotzdem gerade Nothing good und So Happy I’m Useless.

    Lara: Und wie kommt’s?

    Mavie Phoenix: Bei Nothing good ist es glaube ich so, dass ich das auch mega feiern würde, wenn den jemand anderes gemacht hätte. Ich hab mir bei dem Track halt auch nicht so viel bei gedacht und ich finde das merkt man auch. Ich finde ihn frech und es kommt einfach so natürlich heraus. Da hatte ich auch einen Moment, wo ich dann mit der Gitarre ein Riff entdeckt habe und rumexperimentiert habe. Und es war auch einer der ersten Tracks, den ich überhaupt ganz mit Gitarre geschrieben habe.

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    Lara: Jetzt zu einem leider unvermeidbaren Thema: Die Pandemie. Welche Einflüsse hatte diese auf den Albumprozess?

    Mavi Phoenix: Wäre die Pandemie nicht dazwischen gekommen, wäre ich eigentlich auf Boys Toys Tour gegangen, was sicher auch mega nice gewesen wäre. Durch die Pandemie war das Musikmachen meine Prio. Das war dann in sofern nice, dass ich dann wirklich die Zeit hatte, mich neu zu erfinden und halt neue Sachen auszuprobieren. Aber to be honest, jetzt wäre es auch mal nice, wenn die Pandemie ein Ende findet. (Lacht)

    Lara: Mit welchen Worten würdest du dein Album Marlon beschreiben?

    Mavi Phoenix: Hm, ich würde auf jeden Fall sagen, irgendwo frech, erfinderisch, aber trotzdem irgendwie auch klassisch. Einfach, weil ich einen Mix aus all dem drauf habe.

    Lara: Und passend zur vorherigen Frage; mit welchen Worten würdest du dich, Marlon beschreiben?

    Mavi Phoenix: Ich würde sage, ich bin kreativ, aber auch nervös (lacht) und ich glaub ich hab einfach Lust aufs Leben? Lebenslustig? Wenn man das so sagen kann.

    Lara: Bevor wir zum Ende kommen, interessiert es mich, wie es in naher Zukunft bei dir ausschaut. Bist du froh, dass jetzt erstmal alles done ist, oder magst du dich am liebsten gleich ins nächste Projekt stürzen?

    Mavi Phoenix: Ich bin froh, dass es jetzt done ist, aber vor allem auch, weil das jetzt abgeschlossen ist und jetzt wieder neu starten kann. Bei jedem Album fängt man halt bei Null an. Also zumindest ist es bei mir so, dass ich dann nicht nochmal Sachen aufgreife, die ich gemacht habe, sondern ich versuche immer etwas neues machen. Aber nicht mit dem Gedanken, „uh, das muss jetzt neu sein!“ Sondern eigentlich entsteht das voll natürlich. Wenn ich jetzt zum Beispiel einen Song machen würde, der klingt, als würde er auf das Marlon Album passen, fände ich das wahrscheinlich sehr fade.
    Aber ich bin wie gesagt schon froh, dass es done ist, ich werde mir bald auch mal etwas Urlaub gönnen und dann kann es weitergehen (lacht).

    Lara: Alright!  Damit sind wir auch schon am Ende. Unsere Schlussfrage richtet sich ein bisschen nach unserem Konzept bei Untoldency und fragt nach einer untold story. Kannst du uns da was erzählen, was du so vorher noch nie in einem Interview erzählt hast? Das kann eine kleine Anekdote sein, gerne irgendetwas witziges oder einfach irgendetwas, was dir auf dem Herzen brennt und du unbedingt in die Welt hinaustragen möchtest.

    Mavi Phoenix: Jaa, da gibt es einen random fact! Während meiner Transition habe ich auf dem Laptop mit dem ich jetzt hier mit dir rede, auf Fotobooth Videos über meine Transition aufgenommen, die ich aber höchstwahrscheinlich doch nicht posten werde (lacht). Jetzt in der Retrospektive waren die wohl doch eher nur so für mich. 

    Lara: Ah nice! Ich habe mir mal dein This is my Voice… Video angesehen.

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    Mavi Phoenix: Jaa, das habe ich mich dann auch getraut zu posten. Aber die anderen Videos finde ich jetzt irgendwie fast etwas cringe und werde sie wahrscheinlich nicht veröffentlichen.

    Mavi Phoenix‘ zweites Studioalbum Marlon ist am 25. Februar 2022 bei LLT Records erschienen. Hier könnt ihr nun herausfinden, wie dieses klingt

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    Fotos: Tereza Mundilova

  • YRRRE im Interview: »Ein Album fühlt sich jetzt richtig an«

    YRRRE im Interview: »Ein Album fühlt sich jetzt richtig an«

    Eindringliche Texte, verpackt im schönsten Wortgewand. Musikalisch bewegt sich der Musiker zwischen HipHop und Trap, aber auch mit Punk- und Pop-Elementen kann er dienen. Produziert von Cap Kendricks und gefeatured unter anderem von Maeckes, Christopher Annen und John on a Mission. Hört sich nicht schlecht an, oder? Die Rede ist hier von YRRRE mit seinem neuem Album Feinstaub. Wer YRRRE immer noch nicht auf dem Schirm hat, hat jetzt die Chance dies zu ändern und ich empfehle auch dringends, dies zu tun. You will not regret it!


    YRRRE im Interview

    Lara: Hallo YRRRE, schön, dass das geklappt hat. Wie geht es dir, so kurz nach dem großen Release?

    YRRRE: Um ehrlich zu sein, gar nicht mal sooo gut (lacht). In der Zeit vor dem Release war immer so viel los, es gab immer was zu tun. Es war sehr anstrengend und jetzt ist der Release done, was ich auch erstmal verarbeiten muss und zeitgleich geht es ja irgendwie auch direkt weiter. Der Release bedeutet ja nicht, dass ich im Anschluss daran gar nichts mehr zu tun habe.  

    Lara: Das verstehe ich total. Bevor wir direkt zum Album kommen, liegt mir eine Frage auf dem Herzen, welche ich mir schon damals, direkt beim ersten mal lesen gestellt habe. Die da wäre: Wie kamst du auf deinen schönen Künstlername YRRRE?

    YRRRE: Das war garnicht mal so spektakulär, wie man denkt (lacht). Ich war auf der Suche nach einem Namen und der stand eben schon länger in meinen Notizen. Ausserdem wollte ich einen Namen, der nicht gleich auf das Genre rückschließen lässt. Und cool musste er sein, auf jeden Fall. Dann habe ich meinen damaligen Mitbewohner gefragt, ob YRRRE cool klingt und er meinte: Jup, ist cool. 

    Lara: Ach krass, das mit dem cool hast du auf jeden Fall erreicht, YRRRE hört sich nicht nur cool an, sondern schaut auch sehr schön geschrieben aus. Jetzt zu deinem Album. Hat sich der Release von deinem Debüt unterschieden? Hattest du mehr Druck, oder war es vielleicht sogar entspannter, eben weil es nicht dein erster Albumrelease war?

    YRRRE: Also wenn ich ehrlich bin, hat sich Feinstaub wie mein Debütalbum angefühlt. Das erste Album habe ich irgendwie komplett alleine, in meinem damaligen WG-Zimmer zusammengeschustert. Auch ohne, dass ich es jemandem gezeigt habe oder so. Bei meinem zweiten Album war die gesamte Arbeitsweise schon ganz anders! Ich bin alles von Anfang an viel offener angegangen und  hatte dann eben auch Mittel zur Verfügung und Leute mit denen ich zusammengearbeitet habe. Das war schon eine Erfahrung, die ich so vorher noch garnicht hatte. Deswegen hat sich der Release von Feinstaub wohl so angefühlt wie der eines Debütalbum.

    Lara: Und wie hast du den Release gefeiert, wenn ich fragen darf?

    YRRRE: Voll viele von meinen Leuten waren krank, deshalb habe ich es mir gespart in großer Runde zu feiern. Aber ich war mit Cap Kendricks, meinem Produzenten im Proberaum und wir haben eine Flasche Champagner geholt, das Album gehört und uns einfach gefreut (lacht).

    Lara: Ach, so ganz gemütlich ist ja auch schön.

    YRRRE: Genau, voll. Wobei, es war eigentlich gar nicht so gemütlich wie wir es geplant hatten (lacht). Es ist dann doch irgendwie ein bisschen eskaliert, aber alles eben im ganz kleinen Rahmen.

    Lara: Ah, ich verstehe! Hört sich aber auf jeden Fall trotzdem sehr passabel an. Jetzt zurück zum Album. Mich interessiert es immer total, wie lange Künstler*innen an ihrem Album gearbeitet haben. Wie lief der Albumprozess bei Feinstaub ab? 

    YRRRE: Also die ersten Skizzen hatte ich relativ schnell nach dem Debütalbum. Aber wenn ich mich nicht irre, habe ich so Mitte 2019 so richtig doll angefangen. Und von da an haben wir dann auch tatsächlich echt durchgezogen und kontinuierlich dran gearbeitet, bis ich dann an dem Punkt war, wo ich gesagt habe „so, ich mache jetzt ein Album, das fühlt sich jetzt richtig an.“ Aber es hat auf jeden Fall alles schon gedauert, ich denke insgesamt so zwei Jahre.  

    Lara: Kannst du dich noch an den Moment erinnern, als du dich entschieden hast, das Album zu machen? 

    YRRRE: Ich habe bei dem ersten Album eigentlich gar nicht damit gerechnet, dass es sich in „den richtigen Kreisen“ verbreitet und ich mir dadurch erstmal eine Perspektive schaffen konnte. Dann war das dann plötzlich alles da und dann musste ich halt auch nachlegen, weil ich kurz vorher meinen Job geschmissen hatte und mich erstmal voll und ganz auf die Musik konzentrieren wollte. Das habe ich jetzt auch in den letzten zwei Jahren gemacht und auch unglaublich viel dabei gelernt. Mir war es aber auch wichtig, dass ich jetzt nicht total schnell hinterher schieße, sondern dass ich mir wirklich Zeit lasse und mir auch ein eigenes Soundgewand erschaffe und auch da alles drauf reinsetze, bis ich letztendlich zufrieden bin. 

    Lara: Wie viele Tracks hattest du ready, die es nicht aufs Album geschafft haben?

    YRRRE: Also ready nicht, ich arbeite immer etwas Skizzenhaft an den Sachen. Da entsteht immer irgendetwas und ich schreibe, ich brauche dann aber immer auch die richtige Stimmung um etwas dann total auszuarbeiten. Aber so an Skizzen hatte ich dann safe so circa 60 Songs für das Album. Also es war schon echt viel und irgendwann wurde es dann auch echt unübersichtlich. Ich musste mich dann voll auf mein Bauchgefühl verlassen, was nun klug oder unklug ist, weiterzuverfolgen. Da habe ich mich dann auch oft mit Cap Kendricks ausgetauscht. 

    Lara: Bei 60 Songs kann man auch schonmal den Überblick verlieren.

    YRRRE: Ja, wir hatten halt auch irgendwann einen ganz guten Zug drauf, weil wir immer woanders hin weggefahren sind. Wir haben uns dann auch permanent eingeschlossen und waren zwei Wochen mal hier und zwei Wochen mal dort und so. Und da haben wir von Morgens bis Abends nur Musik gemacht und uns ausprobiert und experimentiert. Da kam dann auch relativ schnell viel zusammen.

    Lara: Also habt ihr euch zum Musik machen richtig isoliert?

    YRRRE: Ja, das mache ich auch eigentlich echt am liebsten. Ich mag es wirklich, wenn ich mich dann so richtig hoch konzentriere und mich dann auch gar nicht so wirklich ablenken kann. Also, dass  ich dann Abends rausgehe und mit Leuten treffe. Da schließe ich mich schon sehr gerne ein und verliere mich dann auch gerne voll in der Stimmung.

    Lara: Ein Thema, um das wir natürlich nicht herum kommen, ist die Pandemie. Hat sie den Albumprozess beeinflusst?

    YRRRE: Schwierig zu sagen, also bei mir war es halt so, dass ich mich ja schon vorher für das Album mehr oder weniger isoliert habe und als ich dann mal wieder raus in die Welt treten wollte, es dann eben garnicht mehr ging. Und das hatte dann eben schon auf jeden Fall Einfluss auf das Album genommen. Natürlich waren dann alle irgendwie isoliert und das hat einen dann schon ich an der Stange gehalten, dass man sich dann vielleicht sogar besser drauf konzentrieren konnte als vorher. 

    Lara: Das kann ich auf jeden Fall nachvollziehen. Jetzt eine Frage zu deinem Albumtitel: wie und wieso hast du dich dazu entschieden, das Album Feinstaub zu nennen?

    YRRRE: Also alles in allem mochte ich nicht unbedingt diesen Begriff, der da drüber schwebt, sondern eher die Wortzusammensetzung. Das hat das Album vom Start aus eigentlich sehr gut zusammengefasst, weil ich zum einen über viele negativen Sachen rede, aber es versucht habe in ein schönen Wortgewandt zu packen. Der Titel stand eigentlich schon recht früh auf nem Zettel und je länger sich das Album entwickelt hat, desto treffender wurde es auch. Ich glaube, ich habe tatsächlich auch ganz lange mit diesem Begriff im Hinterkopf gearbeitet und deshalb klingt es wahrscheinlich auch wie es klingt.

    Lara: Ich finde auch, dass der Titel einfach zum gesamten Vibe des Albums passt. In deinem Song Netflix gibt der Refrain Raggae Vibes, in Ellenbogen kann man Garage-Punk-Klängen lauschen und in Laufmaschen gibt es verspielte Synthies. Woher kamen die Inspirationen für diese unterschiedlichen Sounds?

    YRRRE: Auf Netflix war das zum Beispiel so, dass wir in einem Haus in Brandenburg zwei Wochen gearbeitet haben. Da stand dann so ein verstaubtes, altes Klavier, welches dann auch diese Drum-Loops drauf hatte. Als wir die dann durchgegangen sind, sind wir bei dem irgendwie hängen geblieben und dachten, der passt einfach sehr gut. Wir hatten am Anfang auch gar nicht geplant, so einen leicht Raggeaartigen Song zu machen. Der war dann am Anfang auch ganz roh, ohne Drums, nur die Akkorde und ich quasi. Und dann hat das alles ganz gut gepasst und hat sich dann eigentlich total natürlich entwickelt.

    Bei Ellenbogen war es wahrscheinlich einfach der Vibe. Wir haben den Track im AnnenMayKantereit Proberaum aufgenommen und ich glaube, dass man das Umfeld irgendwie etwas aufsaugt und sich dass dann auch im Song widerspiegelt. Wir sind jetzt generell an keinen Song rangegangen und haben gedacht, wir müssen jetzt unbedingt dies oder das machen. Ich hatte sowieso Bock mich auszuprobieren und wollte gerne alles mal versuchen.

    Lara: Du hast am Anfang schonmal gesagt, dass die letzte Zeit eher anstrengend war. Bist du froh, dass es jetzt erstmal done ist, oder willst du dich am liebsten schon gleich ins nächste Projekt stürzen? Was werden wir in Zukunft von dir hören?

    YRRRE: Ich merk auf jeden Fall, dass ich allmählich schon etwas geschlaucht bin, aber ich hab schon eigentlich voll Bock mich ins nächste Projekt zu stürzen. Ich hab auch schon voll viele Ideen in meinem Kopf, die ich gerne weiterverfolge und vor allem auch den Sound weiter denken möchte. Ich glaube, da möchte ich auch gar nicht so viel Zeit verstreichen lassen und zusehen, dass ich gleich wieder los lege. Ich glaube, die Energie sollte man nutzen.

    Lara: Da werden sich bestimmt viele freuen, alsbald Neues von dir zu hören. Damit sind wir auch schon fast am Ende unseres Interviews angelangt.  Die Schlussfrage richtet sich immer etwas nach unserem Konzept bei untoldency und fragt nach einer untold story, nach etwas, was du bisher in keinem Interview verraten hast. Das könnte zum Beispiel etwas Lustiges sein, was während des Albumprozesses passiert ist, irgendeine kleine Anekdote, oder einfach irgendetwas, was dir auf dem Herzen brennt und du schon immer mal in die Welt hinaustragen wolltest.

    YRRRE: Puh, da muss ich erstmal kurz überlegen. Als wir King Kong Kicks aufgenommen haben, das war in Leipzig, in so einem kleinen Kellerstudio in welches wir uns eingemietet haben. Es war dann bestimmt so fünf Uhr Morgens als ich die Strophen eingesungen habe und irgendwann lief halt nur noch der Beat weiter. Als ich dann mal in. Den Regieraum gegangen bin, hab ich dann nur einen im Sitzen schlafenden Cap Kendricks aufgefunden.
    Das fand ich auf jeden Fall sehr schön, weil das alles so ein bisschen eingefangen hat, dass wir sehr viel Nachts gearbeitet und uns verausgabt haben, dass es irgendwann einfach nicht mehr ging.

    Wer jetzt neugierig geworden ist und wissen möchte wie Feinstaub klingt, kann das Album hier hören:

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  • Samuel Breuer im Interview: » Ich dachte, es muss immer alles kompliziert sein. Aber das braucht es nicht«

    Samuel Breuer im Interview: » Ich dachte, es muss immer alles kompliziert sein. Aber das braucht es nicht«

    Letzten Freitag veröffentlichte Samuel Breuer mit seiner neuen Band die erste Single seit sechs Jahren. „Wackelkontakte“ ist ein surfrockiger Song über flatterhafte Beziehungen und on-off Freundschaften, ohne einen Schuldigen finden zu wollen. Außerdem der Vorbote für das im Herbst angekündigte Debütalbum, denn obwohl Samuel schon sehr lange Musik macht, gab es bisher keinen Langspieler.

    Samuel Breuer kommt eigentlich aus Düsseldorf, aber ist einfach ein Bonner Original und kannte dort Gott und die Welt. Wenn man mit ihm durch die Straßen schlenderte, kam er meistens nicht unerkannt voran. Wir kennen uns von gemeinsamen Konzerten und schönen Abenden, tauschen uns auch heute noch über neue Musik aus und schätzen unser gegenseitiges Feedback. Auch wenn er und ich vielleicht auch so etwas wie „Wackelkontakte“ sind. Deswegen war es umso schöner, mit ihm hier ausführlich über seine Vorstellung von Freundschaft, sein neues Label und sein Umzug nach Berlin sprechen zu können.


    Lukas: Lieber Samuel, schön, dass du dir Zeit für uns nimmst! Wir beide haben uns vor gefühlt ewigen Jahrtausenden in Bonn kennengelernt, bevor wir beide dann von dort wegzogen. Du bist dann vor ein paar Jahren in Berlin gelandet. Erzähl doch mal, was dich dorthin verschlagen hat und was Berlin mit dir gemacht hat!

    Samuel: Ich habe in Bonn studiert und war dort sehr viele Jahre als Singer-Songwriter unterwegs. Bin durch die Lande gefahren mit meiner Akustikgitarre und habe das total genossen. Aber ich habe dann, vor allem zum Ende hin, immer mehr das Gefühl gehabt, dass es nicht ganz das ist, wonach mein Herz schreit. Ich war aus Bonn irgendwie rausgewachsen. Ursprünglich wollte ich die Stadt schon nach dem ersten Semester wieder verlassen, bin dann aber doch zehn Semester geblieben. (schmunzelt)

    Samuel Breuer, Wackelkontakte, Indie Rock, Interview, Singer Songwriter, untoldency, untold stories

    Ich bin dann für meine Masterarbeit nach Berlin gezogen und wusste auch irgendwie, das wird ein kompletter Neuanfang. Sowohl für meine Persönlichkeit, als auch für mein musikalisches Schaffen. Als ich hier ankam, habe ich erstmal super viele Pop- und Schlagersessions gemacht und Songs für viele Künstler mitgeschrieben. Das war eine schöne Erfahrung und gleichzeitig konnte das gut parallel neben meiner Masterarbeit laufen. Aber sobald ich diese abgegeben hatte, war nur noch Platz für meine eigenen Songs, für meine Musik.

    Ich habe mir dann hier eine neue Band zusammengesucht. Und ich wollte diesmal eine Band, die einfach fix am Start ist. Ich habe auch vorher auch schon in Duos, Trios, oder Quartetten gespielt, aber es war immer so, dass ich die Konzerte organisiert habe und diese Konstellationen immer sehr lose und unverbindlich waren. Ich wollte zwar immer noch meine Songs spielen und meine Geschichte erzählen, aber mit einem Team, auf das ich mich verlassen kann. Und das habe ich jetzt! Wir haben im Laufe der letzten zwei einhalb Jahre ganz viele tolle Dinge zusammen erlebt, trotz Corona, und dafür bin ich richtig dankbar.

    Lukas: Deine letzte Veröffentlichung ist mittlerweile sechs Jahre her. Da ist einiges an Wasser den Rhein runtergeflossen, wie man bei uns im Rheinland sagt. Wenn wir jetzt mal bei deiner Musik bleiben: Sind diese neuen Songs jetzt irgendwie Songs, die du von früher mitgenommen hast? Inwiefern knüpft da die neue Musik an deine Musik von früher an?

    Samuel: Da sind teilweise Songs dabei, die wie eine Übergangsphase für mich sind. Hier und da erkennt man noch meine Handschrift, zum Beispiel die abstrakten Bilder in meinen Texten. Gleichzeitig markiert das Album einen Neustart, weil kein einziges Mal eine Akustikgitarre in den Songs auftaucht. Das, was ich mitgenommen habe sind tendenziell die sprachlichen Bilder, die ich benutze. Da merke ich allerdings sehr, welche Songs auf dem Album älter sind.

    Meine Schreibe hat sich im Laufe dieses Neustarts sehr stark verändert. Ein großer Einfluss war sicherlich die Celler Schule. Eine Songwriting Masterclass, bei der ich sehr viel Input bekommen habe. Da konnte ich lernen, mit einer kritischeren Distanz auf meine Texte zu schauen. Manchmal klangen Texte in meinem Kopf halt irgendwie geil, aber es war überhaupt nicht verständlich, was ich damit sagen wollte. Die Sprache in den neueren Songs ist sehr viel klarer geworden.

    Lukas: Möchtest du denn, dass deine Zuhörer*innen immer direkt kapieren, was du meinst? Oder findest du es nicht auch interessant, diesen abstrakten Gedanken Raum zu lassen, ohne dass sie jemand versteht?

    Samuel: Ich finde das vom Prinzip total interessant, sonst hätte ich es auch lange Zeit nicht so gemacht. Allerdings hat sich das auch einfach bei mir selbst geändert. Ich denke weniger abstrakt als früher und das spiegelt sich in meinen Songs wider. Ich höre immer noch total gerne Musik, die versteckt schreibt. Aber das, was im Moment aus mir raussprudelt, ist von der Sprache immer klarer geworden. Noch vor vier oder fünf Jahren hätte ich das nicht nur für nicht möglich gehalten, ich habe sogar Musik, die so klar und eindeutig war, ein bisschen belächelt. Ich dachte, es muss auch immer alles kompliziert sein. Aber das braucht es nicht.

    Lukas: Deine Musik wirkt nicht nur sehr authentisch, sie ist sehr authentisch. Ich merke, dass du alles so singst, wie du es meinst. Und obwohl ihr jetzt ja eine feste vierköpfige Band seid, trägt das Ganze noch deinen richtigen, bürgerlichen Namen. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

    Samuel: Das war auch ein Prozess. Als ich mit unserem Gitarrist Simeon angefangen habe, die Songs zu arrangieren, habe ich ihm gesagt: „Simeon, ich will keine Akustikgitarre mehr. Ich möchte Indierock machen!“ Wir haben dann an den Songs gearbeitet und durch den Bandcharakter kam dann die Idee, das „Samuel“ zu streichen und das Projekt einfach nur „Breuer“ zu nennen. Ich habe das dann längere Zeit mit mir rumgetragen, aber letztendlich gemerkt, dass diese Songs einen Vornamen brauchen. Diese Songs sind eben so persönlich für mich und so sehr meins, dass ich da den Eindruck hatte, die Songs verlangen, dass ich mit meinem vollem Namen dahinterstehe.

    Lukas: Vielleicht hättet ihr euch sonst irgendwann auch über einen dämlichen Bandnamen geärgert, so etwas entsteht ja auch nicht selten aus einer Laune heraus…

    Samuel: Ja, und hinzu kam noch, dass ich diese Musik ja auf jeden Fall für immer mache. Ich wollte mich nie abhängig machen von einem Bandkonstrukt, das nur als solches besteht. Ich liebe meine Band und mein Traum ist, dass wir das einfach ewig so weitermachen können. Wir haben so tolle Dinge gemeinsam erschaffen und sind ein grandioses Team. Aber sollten sich ein oder zwei dazu entscheiden, irgendwann andere Wege zu gehen, möchte ich nicht in die Lage geraten, nach einem neuen Namen, einer neuen Identität suchen zu müssen.

    Lukas: Ihr wart dann für die Produktion des Debütalbums im Tonstudio in Hennef (meiner Heimatstadt btw) mit eurem neuen Produzenten. Wie kam es dazu?

    Samuel: Ich habe unseren Produzenten Thorsten 2017 kennengelernt. Ich hatte ihm ganz viele Demos von meinen anderen, alten Songs gezeigt. Und als wir die neuen Demos fertig hatten, haben wir ihm das geschickt und er wollte das mit uns ausarbeiten. Tja, dann haben wir einen Studiotermin festgelegt im Oktober 2019. Und ich habe noch ganz blauäugig gedacht, wir spielen da in zwei Wochen das gesamte Album ein, obwohl wir uns in dieser Formation vielleicht vier Monate kannten. Ich bin dann im Laufe des folgenden Jahres wirklich oft hin und her gefahren, um die Songs fertigzustellen. Und es war anstrengend, aber jedes Mal wenn ich da war, gab es die restliche Welt nicht mehr.

    Samuel Breuer, Wackelkontakte, Indie Rock, Interview, Singer Songwriter, untoldency, untold stories

    Lukas: Lass uns zu deinem Release kommen! „Wackelkontakte“ ist letzten Freitag erschienen, die erste Singleauskopplung aus dem kommenden Album. Was sind für dich denn eigentlich Wackelkontakte?

    Samuel: Es gibt verschiedene Arten von Wackelkontakten. Sie eint, dass man immer wieder in Kontakt ist und dann immer mal wieder Ewigkeiten nicht. Aber ohne, dass es jemand böse meint. Und man weiß, dass man sich total gerne hat. Man kommt einfach nicht dazu, sich beieinander zu melden, obwohl man es so lange unbedingt mal wieder hätte machen wollen. Und manchmal braucht so ein nächstes Mal eben ein paar Jahre.

    Lukas: Findest du denn, man braucht solche Wackelkontakte im Leben? Oder anders, brauchst du welche in deinem Leben?

    Samuel: Ich habe lange gebraucht um zu verstehen, dass das Teil des normalen Lebens ist. Ich musste lernen zu akzeptieren, dass man nicht mit allen Menschen so eng Kontakt halten kann, wie man es vielleicht möchte. Ich kann durch die Verarbeitung in diesem Lied jetzt viel besser damit umgehen. Manche Menschen sehe ich halt nur einmal in drei Jahren und höre auch sonst nichts von ihnen, aber wenn wir uns sehen ist alles total schön und ich freue mich total. Im Song habe ich schon fast einen sarkastischen Blickwinkel darauf gewählt, der zum größtem Teil aus meinem damaligen Frust entstanden ist. Mittlerweile hat sich dieser Frust gelegt, ich kann das inzwischen mit einem lachenden Auge sehen. Ob ich Wackelkontakte brauche – würde ich verneinen.

    Lukas: Es ist ja so eine unerklärliche Mischung aus Faulheit und Pflichtbewusstsein. Ich finde das Thema total interessant. Ich denke mir oft, irgendwie werden gerade ganz viele Freunde in meinem Leben zu Wackelkontakten. Der Song ist so herrlich unentschieden, denn es ist ja keine Anschuldigung, sondern einfach eine Feststellung. Da habe ich mich gefragt, ist der Song für dich ein Wunsch den Status Quo zu ändern, oder ist es die Akzeptanz dieser Beziehungen?

    Samuel: Das hat sich sehr gewandelt! Ich kann das mittlerweile viel entspannter betrachten. Es gab aber Zeiten, da hatte ich wirklich eine regelrechte Wut auf solche Situationen. Immer kommt das Leben dazwischen und das hat mich richtig wütend gemacht. Er ist so herrlich unentschieden… Ich finde es schön, dass du das sagst!

    Lukas: Ja ich weiß einfach nicht, ob ich jetzt abhaten oder mich freuen soll, denn wenigstens besteht ja überhaupt noch Kontakt. Ich dachte auch beim ersten Hören, es kommt vielleicht noch ein Twist in deinem Text. Also, dass dann die Rache folgt, von wegen „du kannst mich mal“. Aber das kommt eben nicht! Ich glaube, viele Hörer*innen können solche Beziehungen gut nachvollziehen. Vor allem weil ich auch glaube, dass es etwas mit unserem Alter zu tun hat. Wie siehst du das?

    Samuel: Ich glaube das auch. Das ganze kommende Album handelt ja auch vom Älter- und Erwachsenwerden. Und da ist genau das auch einer dieser Punkte. Unsere Freunde gehen ihres Weges und es bleibt nicht mehr für alle Platz. Und die Zeile, die für mich den Song auf den Punkt bringt, ist „keine böse Absicht“. Es ist ein „tut mir Leid“ und ein „ist schon okay“ zugleich. Eine Bitte um Entschuldigung und eine Vergebung!

    Lukas: Du hast ja jetzt auch ganz frisch noch ein Label gegründet! Wie kam es denn dazu?

    Samuel: Wir haben lange überlegt, wie wir die Veröffentlichung angehen wollen. Und ich habe von Anfang gedacht, es wäre ja schon geil, ein eigenes Label zu gründen. Die Musikindustrie hat sich sehr verändert im Laufe der letzten zehn Jahre. Und ein Label macht im Endeffekt wenig mehr, als du ohnehin als Künstler oder Band in unserer Größenordnung selbst machen musst. Ich fand den Gedanken charmant, alles selbst in der Hand zu haben und alles selbst bestimmen zu können. Wir hätten auch einfach eine Selbstveröffentlichung machen können, aber das hätte sich unvollständig angefühlt. Und unsere Bewerbungen bei den Labels stieß nie auf die gewünschte Resonanz. Dazu kam noch, dass viele kleine Indie-Labels wegen Corona gerade so ein bisschen untergehen. Und dann dachte ich, let’s do it, lass es uns einfach selber machen. Harry Potter hat am Anfang ja auch keiner gewollt.

    Lukas: Ich weiß nicht ob es wirklich etwas mit „nicht wollen“ zu tun hat. Viele gehen ja gerade diesen Schritt, eben weil man sowieso fast alles selber machen muss. Und wenn dann was übrig bleibt, kannst du es wenigstens alles behalten. Ich finde das mutig und ziemlich cool! Kritzel Records finde ich auch einen einprägsamen Namen. Wie seid ihr darauf gekommen, hat das eine tiefere Bedeutung?

    Samuel: Ich habe den Slogan „Ich kritzel Bilder für deine Ohren“ für mich gefunden, einfach weil meine Texte sehr visuell sind. Weniger Leonardi Da Vinci-Style, sondern halt eher gekritzelt. Und Thorsten kam dann am Ende auf die Idee, dem Ganzen diesen Namen zu geben.

    Lukas: Wie stellt ihr euch das denn jetzt weiterhin vor, wächst dieses Label jetzt parallel zur Musik eigenständig weiter oder ist das eher ein Mittel zum Zweck?

    Samuel: Ich träume schon davon, dass das ein richtiges Label wird! (grinst breit) Ich habe Bock auf diese Arbeit. Ich habe Bock, Künstler zusammenzubringen, die ähnliche und geile Mucke machen! Kitzel Records ist ein Zuhause für diejenigen, die sich in der popkulturellen Musiklandschaft obdachlos fühlen.

    Lukas: Sehr schön gesagt. Das könnte ja schon weitreichendes Interesse regen! Arbeit gibt es ja genug und sicherlich auch viele Künstler*innen, die sich bei dir melden würden.

    Samuel: Erstmal geht es aber um unseres eigenes Ding. Kritzel Records ist ein Hafen für unser eigenes Boot, welche Boote dann dazu kommen, werden wir sehen!

    Lukas: Wir bleiben gespannt. Vielen Dank für dieses schöne Gespräch! Viel Erfolg mit eurer Musik – bis bald!

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  • Verifiziert im Interview: „Ich denke sehr viel nach, mein Kopf ist immer unter Strom“

    Verifiziert im Interview: „Ich denke sehr viel nach, mein Kopf ist immer unter Strom“

    Manchmal hab ich Momente oder Situationen, in denen ich jeden Song skippe, weil mich jede, auch meine liebste, Musik stresst oder nervt. Dafür habe ich letztes Jahr endlich eine Lösung mit dem Namen Verifiziert gefunden. Obwohl ihre Musik mich immer entspannt und runterholt, wenn alles andere es nicht schafft, ist sie aber keines Wegs langweilig. Mit ihren anschaulich beschriebenen Texten malt die Wiener Künstlerin ihren Hörer*innen ein imaginäres Bild verschiedener Szenarien unterlegt mit angenehm sanften Hiphop-Beats und Melodien. Ob es sich dabei noch um Rap oder schon Pop handelt, sei dahingestellt, aber auch vollkommen egal. Fakt ist, Verifiziert ist eine derzeit einzigartige Bereicherung für die deutschsprachige Musik. Und das ganz ohne Zwang. Ihre Tracks und beinahe filmischen Erzählungen klingen so natürlich leicht und weich, als könnte sie niemals etwas anderes tun. Im vergangenen November veröffentlichte sie 40100, bestehend aus neun Songs. Schon da war das Verfestigen des eigenen Stils und eine deutliche Steigerung zu bisherigen Releases zu erkennen und lässt auf jeden Fall gespannt auf ihre musikalische Zukunft blicken.

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    Dascha: Hi, wie geht es dir?

    Verifiziert: Hi, ganz gut, ein bisschen müde, aber sonst passt alles. Und dir?

    Dascha: Nice, mir auch. Ist einfach so eine müde Zeit im Moment. Kannst du dich mal Anfang selbst kurz vorstellen?

    Verifiziert: Also ich bin die Veri, bin 25 Jahre alt und eine Wiener Künstlerin. Ich bin ein bisschen in’s Musik Machen reingerutscht ohne jegliche Erwartungen und jetzt bin ich nicht mehr ohne.

    Dascha: Wie würdest du deine Musik in nur drei Wörtern beschreiben?

    Verifiziert: So eine Frage hatte ich letztes Jahr schonmal und da hab ich gesagt „Nacht, betrunken und verliebt.“ Ich glaube schon, dass es immer noch passt, vielleicht würde ich statt „verliebt“ aber eher „verträumt“ sagen.

    Dascha: Ich finde auch, dass das gut passt! Wie kam es dazu, dass du dich Verifiziert nennst?

    Verifiziert: Also mein Spitzname ist Veri. Ich wollte eigentlich vor ungefähr vier Jahren nur einen witzigen Instagram-Namen haben, wo halt mein Spitzname vorkommt. Dann hab ich direkt Verifiziert nachgeschaut und war voll überrascht, dass das überhaupt noch auf Instagram als Name verfügbar war. Mir wurde sogar schon Geld für den Namen geboten, weil’s so rare ist. (lacht) Dann hab ich mich einfach nicht mehr umbenannt. Es war eigentlich nie als Künstlerinnenname gedacht, mein Insta-Name ist einfach geblieben.

    Dascha: Du kommst ja wie bereits erwähnt aus Wien. Wie viel Wien steckt in deinen Songs und speziell in deinem neusten Tape drin?

    Verifiziert: Schon sehr viel, weil alles, was ich bis jetzt geschrieben hab Erinnerungen oder Geschichten aus Wien sind. Weil ich halt einfach die meiste Zeit hier bin, die meisten Friends und Family hier hab und die meisten Songs auch in Wien entstanden sind. Deswegen glaub ich schon, dass das sehr wichtig ist. Ich merke, dass es was anderes ist in Wien Musik zu machen als in Berlin. In Berlin bin ich dann im Studio und es wird gearbeitet. Hier bin ich halt bei Friends zu Hause und wir machen vielleicht Musik oder quatschen einfach nur. Ich mag beides, aber hier ist es einfach ein bisschen entspannter.

    Dascha: Es gibt ja noch einige andere coole Künstler*innen aus Wien oder auch Österreich generell. Würdest du sagen da gibt es eine feste Szene und siehst du dich als Teil davon?

    Verifiziert: Ob ich mich als Teil sehe weiß ich gar nicht so genau. Es gibt schon Bubbles, aber da bin ich nicht wirklich in einer drinnen. Aber ich versteh mich mit allen gut. Es gibt bei der Musikszene zum Beispiel den Swift Circle oder Skofi und Skyfarmer, mit denen ich auch schon zusammengearbeitet habe. Oder Heiße Luft, das ist ein Musiklabel bei dem mein Produzent food for thought auch drin ist. Es gibt ganz viel, wenn es in die Richtung „Deutschrap“, wenn’s überhaupt noch Deutschrap ist, geht. Da kennen sich alle über Ecken. Allerhöchstens über zwei Ecken. Ich weiß gar nicht, ob das wirklich so eine Bubble ist oder ob Wien einfach so klein ist, dass man sich so oder so kennt.

    Dascha: Und du arbeitest ja viel mit Florida Juicy zusammen. Wie ist es dazu gekommen?

    Verifiziert: Als mein erster Song im Radio war und so drei Tausend Streams hatte, hat mein Management mich über Instagram entdeckt. Die sind Berliner und gut mit Florida Juicy’s Management befreundet. Dann wurde ich gefragt, ob wir uns nicht einfach mal kennen lernen wollen, weil sie sich eine coole Zusammenarbeit ganz gut vorstellen könnten. Ich war meeega nervös, weil ich voll der Erotik Toy Records Fan war. Ich war so „Oh Gott, ich treffe Florida Juicy„. Wir haben uns dann in Berlin getroffen und sofort so gut verstanden. Es ist jetzt auch so, dass wir wöchentlich Kontakt haben, nicht nur wegen Musik, wir sind echt gute Freunde geworden. Ich glaube auch sehr an Schicksal. Das war kein Zufall, dass wir beide uns so richtig gut verstehen.

    Dascha: Sehr cool! Du hast ja vor ungefähr drei Monaten dein Tape 40100 rausgebracht. Ich finde du thematisiert in deinen Songs oft alltägliche Situationen und Eindrücke. Sind das Momente, die du erlebst und du achtest deswegen vermehrt darauf oder sind die erfunden?

    Verifiziert: Die meisten sind schon irgendwie mal passiert. Manchmal ist mir was davon passiert und ich male dann noch ein paar Sachen im Kopf dazu. Oder ich verbinde zwei Geschichten. Zum Beispiel auf Skit hab ich zwei unterschiedliche funny Stories, die mir passiert sind, connected. Sowas mach ich voll gern. Oder dass ich mal Situationen nehme, die Freund*innen passiert sind. Ich denke generell sehr viel nach, mein Kopf ist immer unter Strom und immer voll. Das hat Vor- und Nachteile. Ich glaube dadurch schaffe ich es, mir aus voll langweiligen oder mega normalen Sachen ein großes Bild draus zu machen.

    Dascha: Wo wir schon dabei sind – Ist die Story aus Skit mit dem Tattoo auf dem Arsch so passiert?

    Verifiziert: Vielleicht! Man weiß es nicht. (lacht)

    Dascha: Na gut, es ist auf jeden Fall eine funny, unerwartete Line. Mein Lieblingstrack von dir ist aber Stromausfall. Den hör ich sehr, sehr oft. Deswegen würde mich interessieren, aus was für einem Gefühl und Setting der Song entstanden ist. Was war das für eine Zeit?

    Verifiziert: Danke! Ich hab den in Berlin geschrieben, das war der zweite, den ich mit Florida Juicy gemacht hab. Mir ging’s da voll gut, aber ich hab sehr viel reflektiert. Ich hab sehr an die Zeit vor damals einem Jahr gedacht, weil das die Zeit war, wo ich es finally geschafft habe, alleine happy zu sein. Ich hab früher einsam und allein nie unterscheiden können. Wenn gerade niemand bei mir war, hab ich mich sofort einsam gefühlt. In dem Song hab ich ja eher abstrakt drum geschrieben, aber ich habe schon sehr an dieses Gefühl gedacht. Dass man es endlich schafft, es zu appreciaten alleine zu sein. Das war die Phase, wo ich alleine sein richtig gut fand.

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    Dascha: Voll schön, das kommt beim Hören auch durch! Ansonsten kommt in deinen Songs auch oft was zu Schlaflosigkeit oder einfach das Wort „schlaflos“ vor. Schläfst du wirklich so wenig?

    Verifiziert: Zur Zeit geht’s voll. Ich schlafe, glaube ich, normal viel. Aber ich habe immer ganz starke Einschlafschwierigkeiten, weil ich da immer richtig viel nachdenke. Ich hab jetzt gemerkt, dass ich nur normal einschlafen kann, wenn mein Freund noch was schaut und ich nicht meine eigenen Gedanke höre, sondern die Serie oder so. Normalerweise plane ich beim Einschlafen meine nächsten zehn Jahre im Kopf oder gehe Szenarien von vor fünf Jahren durch. Damit hab ich schon Probleme. Also, es ist nicht mega schlimm, aber mein Kopf arbeitet in der Nacht einfach am stärksten.

    Dascha: Voll, versteh ich. Wie würdest du sagen haben sich deine Songs oder auch du selbst von deinen Anfängen bis jetzt verändert?

    Verifiziert: Ich rede jetzt einfach mal auch über Sachen, die noch kommen werden. Ich glaube es ist alles viel selbstbewusster geworden. Einerseits war es am Anfang wirklich nur for Fun, also jetzt macht es natürlich auch Spaß, aber am Anfang habe ich gar nicht nachgedacht. Vor und während 40100 war es mit viel Nachdenken verbunden, aber schon selbstbewusster, weil ich auch mehr Bestätigung von außen bekommen hab. Hätte ich nicht gedacht, aber das macht schon sehr viel aus, wenn plötzlich fremde Leute deine Musik hören. Das ist schon ein sehr special Feeling. Mittlerweile ist die Musik wirklich sehr viel selbstbewusster geworden, es geht mir einfacher über die Lippen. Es ist bei den nächsten Songs auch nicht mehr so viel Herzschmerz dabei wie bei den vorherigen Songs. Es wird einfach cooler, nicht im Sinne von „ich bin cool“, sondern im Sinne von nicht zu viel nachdenken.

    Dascha: Also würdest du sagen, du bist auch selbstbewusster geworden mit der Zeit?

    Verifiziert: Hmm ja, es gibt natürlich ups and downs. Wie bei jedem, glaube ich. Ich hab auch früher immer schon gedacht „Hä, wieso hören Leute meine Musik?“, ich fand das immer total strange. Jetzt mittlerweile hab ich aber die Bestätigung, dass es viele Leute gibt, die cool finden, was ich mache. Vor allem Leute, denen es irgendwie hilft, davon bekomme ich auch viele Nachrichten. Das gibt mir voll viel Stärke.

    Dascha: Und wer oder was inspiriert dich selbst oder hilft dir? Sei es musikalisch oder menschlich.

    Verifiziert: Ich merke bei jeder Studiosession und bei jeder Person, die ich treffe, mit der ich über Kunst und Musik rede, dass ich mir da Inspirationen hole. Ich finde wirklich alle Musiker*innen, mit denen ich zu tun habe, inspirierend. Aber auch alle anderen Artists, sei es Grafikdesign oder Malerei. Meine beste Freundin malt sehr viel und wenn ich ihre Bilder anschaue, krieg ich auch direkt Ideen. Ich kann mir da aus meinem Umfeld schon sehr viel rausholen. Und aus meinen eigenen Gefühlen. Also, wenn man Gefühle die man hat oder mal hatte, reflektiert.

    Dascha: Gibt es Musik oder Musiker*innen die du sehr feierst, bei denen man es anhand von deiner eigenen Musik nicht unbedingt von dir erwartet?

    Verifiziert: Ich hör voll viel klassische Musik. Also nicht nur so Calming Piano Sachen, sondern auch Symphonien, Beethoven zum Beispiel. So richtig epische klassische Stücke. Dann hör ich auch noch viel Drum and Bass, weil ich damit ein bisschen aufgewachsen bin. Das ist die Musikrichtung, die ich am aller meisten gehört habe seit ich 13 bin. In Wien war die Drum and Bass Szene immer sehr groß, auch was Clubbing betrifft. Ich fand Techno nie so nice, Drum and Bass war immer cooler.

    Dascha: In welcher Location oder auf welchem Festival würdest du gerne mal spielen? Egal wo.

    Verifiziert: Ich glaube, dass das Melt mein Traum wäre. Da war ich selbst schon 2018 und 2019 und ich fand’s so geil! Da war so eine schöne Atmosphäre und alle waren irgendwie so wholesome.

    Dascha: Ferropolis ist auch einfach mega nice als Location. Wo wir schon bei Liveshows sind: Hast du Pläne für eine Tour?

    Verifiziert: Ja, das ist gerade in Planung. Wir überlegen, ob es vielleicht Ende des Jahres eine gibt. Aber dadurch, dass man gerade nur schwer fest planen kann, kann ich da leider nichts versprechen. Es wird auf jeden Fall irgendwann mal eine Tour geben. Und auf einigen Festivals bin ich auch!

    Dascha: Yes, auf einem Festival werden wir uns auch sehen. Bleiben wir mal bei Träumen und Zukunft, gibt es da für dich ein Traumfeature?

    Verifiziert: Also so im „möglichen“ Bereich ist das voll schwer zu sagen, da hab ich kein absolutes Traumfeature. Im unmöglichen Bereich würde ich Frank Ocean oder Young Lean sagen, weil ich finde das sind die absolut besten Musiker. Oder Charli XCX. Aber es gibt viele, mit denen ich eigentlich gerne mal Musik machen würde, zum Beispiel auch Viko36 und penglord. Ich hab immer lieber kleine Träumchen, die ich mir irgendwann wirklich erfüllen kann.

    Dascha: Ein Feature mit Longus Mongus hast du ja schon auf Rotkäppchen. Aber was ist dein Lieblingsdrink?

    Verifiziert: Zur Zeit glaube ich Mimosa. Ich weiß nicht genau, wie man den im Original macht, aber ich mache oft Sekt in ein Glas mit Orangensaft und gefrorenen Erdbeeren, die ich im Blender cremig mache. Das schmeckt zusammen so geil, das hab ich in letzter Zeit am liebsten getrunken. Also gerade ist es auf jeden Fall Sekt.

    Dascha: Das klingt so lecker, jetzt will ich das auch ausprobieren. Aber eine sehr wichtige Frage hab ich noch. Wieso ist dein Spotify-Profilbild du, aber als Shrek?

    Verifiziert: (lacht) Ich hatte vor dem Shrek-Bild ein Bild von mir mit so einer ganz kleinen Schwimmbrille auf. Dann war ich ein mal in einer Modus Mio-Rankingliste von female Artists. Und alle hatten so richtig hotte Pics, wo sie ihre schönen Beine zeigen und full on Make-Up, richtig gute Fotos. Und das letzte Foto war meins mit dieser Schwimmbrille. Ich fand das so lustig, dass ich mir gedacht habe, das will ich noch eine Weile durchziehen, dass ich Trash-Fotos von mir nehme. Irgendwie hab ich mir gedacht: Mood.

    Dascha: Ich find’s auch immer funny, wenn ich dein Spotify öffne und dieses Grün direkt aufploppt.

    Verifiziert: Es ist vielleicht aber auch deshalb, weil ich merke wenn ich Bilder von mir poste oder wenn es um Cover geht, denke ich sooo lange darüber nach, ob das gut ausschaut. Und ob es den Leuten gefallen wird. Bei sowas hab ich mega Insecurities und Anxiety. Aber wenn ich so Trash-Fotos verwende, zeige ich mir selbst, dass es eigentlich eh scheiß egal ist. Hauptsache irgendwie real. Oder halt real als Shrek. Das fällt mir einfach leichter als lange zu überlegen, was besser ausschaut. Das find ich irgendwie immer ein bisschen toxic.

    Dascha: Kann ich verstehen! Jetzt hatte es doch einen tieferen Hintergrund, als man denken könnte.

    Verifiziert: Ja, vielleicht schon. (lacht)

    Dascha: Unsere letzte Frage ist immer eine untold story, also eine Geschichte oder ein kleines Geheimnis, das du noch nicht öffentlich erzählt hast. Fällt dir da was ein?

    Verifiziert: Ich hab zwei Goldfische, weil ich im Musikvideo zu Asphalt unbedingt eine Szene haben wollte, wo durch ein Aquarium durch gefilmt wird während da Goldfische schwimmen. Ich hab dem Kamerateam im Stress gesagt, wenn’s easier ist, die Goldfische gleich zu kaufen, statt sie auszuborgen, dann kann ich sie auch behalten. Dann hab ich innerhalb von drei Tagen Goldfische bekommen und hab sie immer noch bei mir. Obwohl ich davor nie Fische wollte, find ich’s mittlerweile irgendwie geil.

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    Foto Credits: Kayra Aslan

  • Maverick Sabre im Interview: »Real change never needed everyone«

    Maverick Sabre im Interview: »Real change never needed everyone«

    Bei manchen klingelt’s sofort, wenn sie den Namen Maverick Sabre hören. Anderen geht erst ein Licht auf, wenn Sie den Klang seiner Stimme hören, denn die ist wirklich unverwechselbar. Vor ein paar Wochen ist sein viertes Album „Dont Forget To Look Up“ erschienen und ich habe mit dem charismatischen Soul-Sänger gesprochen.

    Die Einleitung halte ich beabsichtigt kurz, denn in der halben Stunde, die ich zusammen mit Maverick hatte, hat sich so ein ausführliches und überaus interessantes Interview ergeben inklusive einem Abschweifen in ein paar brennende Existenzfragen. Lest selbst, es spricht für sich selbst.


    Maverick Sabre im Interview

    Evelin: Welcome, I’m happy this worked out! How are you?

    Maverick: I’m doing very well, thank you!

    Evelin: Congratulations on your album release! How has the response been so far since the record came out on Friday?

    Maverick: Yeah, it’s been beautiful. I think most musicians can vote for this. But once the music’s finally out there, it’s not really yours anymore and becomes everybody else’s. So it’s a nice space to let people live and breathe with a record and it’s been beautiful so far, people are connecting with it.

    Evelin: Are the reactions what you’ve expected or wished for? Or what did you want people to take away from this album?

    Maverick: Um, it’s hard to ever know what people will take away from songs. You might write a song, and for it to have a specific theme or a feeling. And then the audience takes away something completely different from it. So for me, it’s always just about: Are people connecting with it, and does it hit people’s hearts? And I think with this record it seems to be doing that. So, I’m happy.

    Evelin: The album centers around the broad theme of love. What facets of love are you touching on and why was it important for you to address those in particular?

    Maverick: I think for me with this record, it was just about being very honest about how I felt over the last 2-3 years. And every situation that I was writing about I was in or I was feeling. So I think if anything, this was maybe like an anti-lockdown album, not as an “anti lockdown”. It was everything else that was going on indoors, it wasn’t the world. Everything that was going on outside, in my head, my relationships. It was anti what was going on in the world. I would say it was just everything that was going on within.

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    „It just took me away from everything“

    Evelin: In the past you have addressed a lot of societal as well as political issues. Now that you focused more internally on yourself: What is the difference in your writing process when you write about other people’s stories vs. your own internal ones?

    Maverick: I don’t know if there is a difference really. I think it just comes down to inspiration. And I think, for anyone who’s a creative or expresses themselves in some form of art, I think you just go with what strikes you first. Maybe the only difference is if I write about the world around me,I think I can figure out a way of presenting it. Like I pre-plan it a bit more. So I’ve got an idea of how I want my message to be in a song. Whereas when I write about myself, and what’s going on inside, it just kind of comes out and there’s no pre-plan. Whatever pure emotion comes out, comes out and that’s it.

    Evelin: Were there special moments during the process of „Don’t Forget To Look Up“ that still stick with you? I think you wrote and/or recorded the album in Jamaica, is that right, or at least partly?

    Maverick: No I didn’t. One of the tunes “Something Special” was written in Jamaica. Because it was initially going to be a four track EP, which because of the prolonged period over the last two years, I ended up continuing to write and it formed into an album. There was a period at the end of 2019, where I’d put my last album out. And then when I got to the end of the year, I hit a bit of a stomp creatively. I couldn’t write, there was nothing coming out.

    So I went to Jamaica, and I was meant to bring all my equipment with me. I was going to start a new project there. Anyway, I got to my friend’s house and I realized, by the time I got to the airport, I brought all my equipment, but no laptop. So I had nothing to connect anything to. So when I got to my friend’s house in Jamaica, she lived in the countryside. I found a guitar and I just started writing songs on it. I had no phone or laptop, none of that for about 10 days. It was beautiful. It was meant to be because it took me away from everything. And I wrote one of the songs out there, but that was part of the process that was kind of needed.

    Evelin: Do you need to get away from everything that’s happening at home from time to time to spark some creativity?

    Maverick: Yeah, I think what I’ve realized definitely over the last two years is that I need to force myself sometimes to just switch off. It’s the same for a lot of people, I think. Once you know, you can work off your laptop. And once you know you can work at home, the work never stops. My passion is both my work, my hobby, what pays the bills, but what I also have fun with so it’s all the same thing. I have to, well, let’s say I’m figuring out a better way of being able to switch off and go: “Right just stop for a minute, switch it off and let your mind be clear for a moment”. I think that’s healthier to come back in. And you’re more focused when you come back in.



    „Find as much peace in your life as you can“

    Evelin: Overall, I really enjoy the album, I love the vibe and that it is so vulnerable. It addresses heavy and sensitive topics in a sort of soft tone. I think my favorite song on the record is „Like This“. Because rap verses are so gripping, almost hypnotic. Can you tell me more about what the song is actually about?

    Maverick: I suppose that’s more like an inner confessional moment at that point. The rest of the record are quite vulnerable love songs, or reflections around love. I think we’ve all had moments where you feel like you’re on the edge mentally. Yeah, and I think that in the mix of everything is what that song really reflects. It’s a kind of inner conversation about feeling just on the edge.

    Evelin: You can tell that you are very emotionally aware of yourself and your surroundings. Does opening up about personal subjects natural to you? Or did you have to actively work towards becoming someone who’s that self-aware and put your own ego behind to achieve spiritual growth?

    Maverick: I think it’s both to be honest. I’ve always been a pretty open sensitive soul as. One side of that question I can’t really answer because I’ve got music in my life. Because of music, I’ve probably found my space where I can write and say whatever I want. And that then has come back into just me as an individual anyway. So if I didn’t have music, it’d be probably more of an interesting answer to who I’d be in what I would be and how I would be because I know I’d still be a sensitive soul.

    Or if I didn’t have music, would I have gone down the path of self reflection as much and being able to speak about what’s going on? Maybe not, I don’t know. So yeah, I find it very easy to speak about what’s going on in my head because I need to. If I didn’t write about it, I don’t know where I would be, to be honest. But then, as well, no matter how easy it is to speak about how you feel, I think we all need work. So I definitely still have to sit and go: “Could I have done that better? What am I learning from this? Let me not make that mistake again“.

    We carry things through life that can weigh heavier on us as we grow older, if we don’t get rid of them. And sometimes certain things are very hard to get rid of. So you have to consciously make an effort to work through them. I’ve tried to do that as much as I can and I continue to try and do that because you want to try and find as much peace in your life as you can. I think that’s the goal for most of us, right? It’s peace and whatever that means.

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    „It’s definitely me being particular“

    Evelin: Good that music is already like doing some of the therapy work. What was one song that was the most fun creating and which one was a rather challenging one? 

    Maverick: I think probably the funnest tune to make was probably “Get Down” which is the last record on the album. I’ve got a beat tape, a producer project that I’ve had mid-lockdown at the end of 2020 and I haven’t put it out yet. It’s just a collection of beats. And there was a beat on it, an instrumental, almost felt like KAYTRANADA inspired 4-to-the-floor wonky, dance house tune. I played it to Zach Nahome who’s the producer of “Get Down” and we turned it into an organic funk record. It’s wonky and it’s still strange. And we got Nile Rodgers to play some guitar on it. That’s probably the funnest song on the record. It came together very easily, it feels very light hearted and fun. It just always gets me in the same movement when I put it on.

    The toughest record to finish was probably “Time Away”, because I always have songs on each album that normally end up having about 40 different versions. And that was the one on this record. So I had a lot of different verses. Production sounded different at points and yeah there’s always one on a record for me anyway. I’ve got his track record of always having one song on an album ends up having about 50 versions and you’re not sure what one to go with. So that was the song I was probably toughest on that.

    Evelin: Why do you think it was the toughest to work on? Was it the subject matter or just you being particular.

    Maverick: It’s definitely me being particular that’s guaranteed. I just think sometimes there’s certain records on the album where there’s something special or a place in time or that the record just was what it was. I made it and it didn’t really change from the very first time I made it. Like the mix might have got a bit better or whatever. In essence those songs were what they were. And then “Time Away” just had many different versions. I think for me if I don’t nail exactly what it’s meant to sound like in that first second, it can go around and around and I start overthinking.



    A love for album covers

    Evelin: As a film-enthusiast yourself, you obviously have an eye for visuals. I was wondering what the idea behind the album cover was?

    Maverick: I can’t really take any credit for the cover. It’s a friend of mine called Rashid Babiker. He was the director for the video to “Slow Down” that I had with Jorja (Smith) on the last record and did a couple of visuals on the last record. He came to my flat, we took some really plain photos and then sent me the album cover a couple of days later. And when I saw the album cover, it then sparked me off to call the album “Don’t Forget To Look Up” and then it just tied the record together. It was more of his input.

    And I always love album covers. When I go into a record store, I try and pick out a record every now and then that I buy just for the album cover. I’ve never heard it. I go through sh** and if I see something I’m like: “That looks really interesting” and I buy it. So when he sent me that, it gave me that feeling that I thought: For the life of this record, for however long there’s a physical version or stream version of this record online, for people to be able to get that album, this cover will always drag me in.

    Evelin: You feature some powerful women on the record, which is amazing to see. Who are some other rising female artists that you’re loving right now?

    Maverick: Well the obvious: Demae, Sasha Keable. There’s a brilliant singer from North London called Raheaven. I’ve worked quite a lot with another Irish artist called Biig Piig. Jamilah Barry is another great singer from the UK. Lily Moore is another wicked singer. Yeah, there’s some great female vocalists at the moment in a wide variety of sounds as well. But they’re the first ones that come to the top.

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    *** Achtung, hier geraten wir in eine sehr interessante philosophische Diskussion. Lohnt sich zu lesen, aber wer nicht mag, weiter unten geht’s wieder ganz normal weiter 😉

    Evelin: A more existential question because I’m quite curious about your answer. Looking at the current state of the world, how do you feel?

    Maverick: (laughs) It’s quite a broad question, it’s a difficult one. I think that answer has got to be split into two, because there’s two sides to it. We’re probably at a time in humanity’s history where we’re the closest connected that we’ve ever been. If you look at the positive side of it, right? The world has become the smallest it’s ever been, where news, opinions can travel immediately, whether that’s a positive or negative. A 16 year old now probably has more in common with other 16 year olds around the world, creatively, artistically and culturally, than there ever has been before. Because everyone’s listening to the same stuff.

    It’s all instant. It’s not like back in a day where we used to have to wait for four weeks for an American album to come out and go to the shop. Everything’s instantly connected. Culture, lifestyle, fashion, hopefully thoughts and way of thinking are all being shared very quickly. So in that, I think that potentially these and the next generations have the greatest possibility to gather together some momentum for change, right? Because if the world’s the smallest it’s ever been, potentially, then you can use that that the next generation can unify and go: “Right, we want a better world for the next generation, for ourselves or for our kids”. And I think there’s something quite powerful in that.


    „Everything’s fake“

    Maverick: On the other side, there’s a couple of dangerous places we’re moving towards. Our interaction with technology, I don’t think, is balancing on the healthy side. I think as much as we could potentially be unified and connected through technology, we’re probably becoming more disconnected in one sense, where we’re not looking at each other anymore. We’re spending more of our time in this fake reality. How many people do you know that only put pictures of their faces up or their kids’ faces up with filters on it? So we’re constantly living in an augmented reality. Everything’s fake, from followers to perception of personas online. It’s all this strange, weird world, It’s not actually real. It’s just living for something else. I think that’s quite dangerous, because who controls that world? What narrative do you spin and how does that make us feel about ourselves?


    And then I think what’s just become more evident is that as a society, we’re still – no matter how connected or progressive we are, – we’re still driven by fear a lot. Whether it’s fear of the way we look or who we are, how we’re manipulated by companies to buy into stuff or what’s a perfect look, what’s a perfect style. And how easily manipulated we are by fear. I think it’s a concerning thing. When you add that up with corrupt politics, and technology that seems to only be for making money and advancement in technology and not the advancement of humanity. I think that’s a dangerous route to go down.

    So there’s that side, which is quite concerning. But then there’s the other side where I do feel something’s happening in society. It might not be everyone. But real change never needed everyone. At any point of real change or any point in history, it wasn’t because the masses changed together. It was because a small, consistent amount of people were like: “No, we need change”. From whatever revolutions there were to any real acts of change. It was never really a mass change at one time. So there’s positives there. 


    „We need to have understanding discussions“

    Evelin: Yeah, it’s scary. But then also, you can see that there’s hope in some parts. When it comes to gender identity, environmental issues and so on. You can now actually feel a bit of the change, hopefully.

    Maverick: Yeah. I think the one thing we’ve got to maintain in all of this, is conversation and discussion. And realize that there’s loads of discussions that are being brought up in the last couple of years that are being brought up all at one time. And that’s a lot for people to take in. So I think we’ve got to remember that we’re not always right, we’re gonna make mistakes, we have to allow people to be at different levels of understanding than we are.

    Have empathy, and understand that not everyone is going to be at the same page on certain things. And it’s better to have a discussion with someone than shut people down or cancel people, because I don’t think that gets us anywhere. And I think that even ends up playing into the hands of the corrupt. Because if we’re not unified, and we’re not having discussions, we’re easily manipulated. So I think, with any of these discussions – gender identity, with sexism, racism, corruption in politics, climate change, – we need to have very real and honest discussions. But we need to have understanding discussions and make sure we’re not banishing people to the side, because that’s only going to create more problems. We need some harsh discussion, but we do need immediate change.

    Sorry to keep rambling (laughs). I might be misquoting this. But someone said: “You need to be a romantic to be a revolutionary”. Not that I’m sat here calling myself a revolutionary, I’m saying to want real change. Or we might as well not think about it. I might as well just go buy McDonald’s every day. That’s a simple metaphor, but I might as well just not care. We can have ways of thinking in our minds that go: “Right, actually, as our individual selves together, collectively, we can implement change”. But I think you’ve got to have a romantic view of the world to think of any real revolutionary change.

    Evelin: Yeah, because otherwise you shut yourself down.

    Maverick: Yeah, and just give up. There’s loads of things to think about right now that make it feel pretty heavy, and pretty pessimistic. So that won’t get us anywhere.


    *** Hier geht’s wieder um die leichteren Dinge im Leben

    Evelin: What else is coming up for you after the release? Is there something you’re particularly looking forward to?

    Maverick: I’m looking forward to being back on the road and being back touring, because I think in everything we’ve just discussed, going back and seeing live music and being around people … there’s something natural in us as humans that makes us want to sing together, and dance together. I just think there’s something very pure in us that no matter how far we’ve advanced or gone with technology or whatever, being in a room with other people and singing, there’s this feeling that I know everyone who’s experienced it gets. And I think we need more of that. I think that’s part of a solution. 



    „There was a point where I fell out of love with the whole album“

    Evelin: You said numerous times that music is all about a message for you, about untold stories. As our magazine is called untoldency, we always ask for an untold story at the end of every interview.

    Maverick: I don’t know if I have told this. I may have mentioned it, but there was a point where I wasn’t even gonna put the out the album. It was probably because doing this record was a bit different than any other records that I’ve done before because initially, it wasn’t going to be an album and then I was kind of in lockdown. So I wasn’t out playing shows. I wasn’t really playing them to my family. They are all my testers. I’m like: “What do you think it is?” It’s different ears and they as a collection dictate what I feel about records. Obviously, I’ve got the records that I really love. But there’s also this general consensus of certain records.

    So there was a point where I fell out of love with the whole album if I’m being honest. Because I’d heard it so much, I was just way too close to it. And I was like, I don’t know what I want to do with this. I don’t know if I want to do any of it with anything. Maybe I just need to step back from everything for a moment. So I went and I sat down with Dan Utters, who ended up finishing the album for me.

    He mixed it and added production on it. He’s someone that I’ve worked with since I’ve been 19. He’s worked on pretty much every album at some point. I just really trusted his ear and I brought this collection of songs to him. I was like: “I don’t know what else to do with these. I’m done, here. I need your ears”. And he was like: ”No, I really like this as a feeling. Here’s a couple of things I’d do to it”. And that was it. So yeah, there was a point where I completely fell out of love with this. That’s the untold story. It nearly never was now.

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    Evelin: Well, I’m glad you fell in love with it again.

    Maverick: I did I did.

    Evelin: So that was everything. Thank you for talking. I hope that despite some things we discussed, our outlook will remain a bit more positive on the world. 

    Maverick: Thank you. It was a lovely interview. No, it is. You have to reflect on the reality of the situation, which sometimes can be dark or heavy. But you got two choices. It’s like, alright, the world is either burning and we leave it burn, or we keep some hope and go: “What can I do to implement some change that if I die tomorrow, at least we’ve left some bit of positivity”. And that’s all we can do, or else we just give up and then we never have this conversation again. We either go down that lane or we don’t.

    Evelin: That’s a good way to end the interview (both laugh). Thank you and have a good day.

    Maverick: You do too and take care. Bye bye!

    Hier gibt es das neueste Album „Don’t Forget To Look Up“ von Maverick Sabre zu hören!

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    Fotocredits: Rashid Babiker, Mike Excell
  • Wet Leg im Interview: „Whatever it is you want to do: You can do it!“

    Wet Leg im Interview: „Whatever it is you want to do: You can do it!“

    (Bild von Hollie Fernando)

    Na, wie oft habt ihr schon Songs darüber gehört, dass der Ex erzählt hat ihr seid in seinem feuchten Traum letzte Nacht erschienen? … Wet Leg nehmen sich selbst nicht so ernst, denn die beiden machen eigentlich einfach nur das, was sie schon immer machen wollten: Musik ganz nach ihren eigenen Vorstellungen. „Es soll einfach nur Spaß machen“, so Rhian. Genau deshalb entstehen vermutlich solch geniale Zeilen wie „Is your muffin buttered? Would you like us to assign someone to butter your muffin?“.

    Das Debütalbum des Duos aus Großbritannien erscheint am 8. April – und ich (Sarah) hatte am Freitag die Chance, die beiden persönlich in Berlin kennenzulernen um sie dazu ein bisschen auszufragen. Und eins soll gesagt sein: Ich habe selten eine Band getroffen die es schafft, SO … effortlessly cool zu sein wie Rhian und Hester von Wet Leg.

    Im Moment haben die beiden nur vier Songs auf Spotify – wenn ihr wissen wollt wie es um die nächste Single Release steht bleibt dran, denn es ist schon bald soweit!

    In einem von außen etwas unscheinbaren Wohnhaus in Prenzlauer Berg sitze ich in der Küche und mache noch schnell einen Coronatest, als plötzlich die Tür aufgeht und die beiden hereinkommen um sich noch eine Tasse Tee aufzusetzen. Wir quatschen kurz, aber dann müssen wir auch gleich weiter, denn ein Interview mit Wet Leg? Heiß begehrt und knapp!

    Hester und ich setzen uns also auf das Sofa in den Raum nebenan, und los geht’s!

    Sarah: First of all – thank you so much for taking the time! How are you doing?

    Hester: I’m good, thank you! It’s just been a whirlwind of a week, we’ve been doing a press tour. So it’s all new and scary! (laughs)

    Sarah: That sounds fun though! Now, I apologize in advance if people keep asking this question – but how did you come up with the name Wet Leg? I tried to find answers online, but all I know now are alternatives for the name you ended up with.

    Hester: Oh, really? It was just one day that Rhian dropped her water bottle on the floor and it got on her leg, and she was like „WET LEG!!“. It was just a fun thing to say, and it just kinda stuck I think? We were looking for other names at the time so it was a relief to feel like „this is the one“.

    Sarah: You’re releasing your debut album April 8th – let’s talk about that: How was the process of working on the album? Did you have a clear picture in mind or did you kind of just go along with whatever you came up with?

    Hester: It wasn’t really planned at all, we went to the studio with our file of demos… I think usually there is an element of preparation, like knowing what songs you want to do, or knowing the arrangement, but none of that was really set in stone! So it was amazing to work with Dan Carey, because he was kind of like leading us and we were like „Yeah! That’s how the song is supposed to sound!“.

    Sarah: In your interview with Alt Press you said you had finished the entire album before even dropping a single: Did that affect how you felt about releasing the first few songs? Like, do you think that it added some nervousness about how people would like them? Since the rest of ‚em were already in the bag?

    Hester: Yeah we were nervous, but also I think the fact that it was all recorded before Chaise Longue came out… it really meant that we could just not have any noise from the outside, kind of like expecting a certain sound. We feel really lucky that we got to do it this way round! I think the album would have inevitably sounded a lot different, had we released the first singles before we went in to recording. I think for us it feels a bit more pure… 

    Sarah: … just what you REALLY wanted your music to be like?

    Hester: Exactly! Which is a really important thing for artists in general. It feels the most authentic that way I think.

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    Sarah: I don’t remember exactly how I found Chaise Longue all those months ago, but I immediately realised that your music scratches a very specific itch in my brain. Maybe it is the fact that you don’t take yourselves too seriously? I mean, I don’t know many songs about being in someone’s Wet Dream…. As for the album: do you have any topics that you found yourself writing about more often than others?

    Hester: Well most of the songs are written by Rhian, so I can’t really speak too much on her behalf about it. I think a lot of people have been expecting a more positive sounding album but it actually is sprinkled with the sadness that we all feel. It’s a ying and a yang, a push and a pull. We write from our own life experiences, that’s just the good and the bad, happy and sad…

    Sarah: Like someone said: Sad music for party people, party music for sad people.

    Hester: (laughs) Yes!

    Sarah: Out of the songs you haven’t released yet – which one is your favourite and why? I think mine is Ur Mum.

    Hester: Oh, that one is really cool! We love playing it live. My favourite is actually a song called Angelica, because it was written before we were signed and we had such a fun time recording it. And it’s another one that’s just so much fun to play live!

    Sarah: What I’m also very curious about: can we expect another release before the album drops?

    Hester: Yeah! Angelica is coming out in TWO WEEKS!! I don’t know if it’s announced yet but I’m telling everyone because I’m so excited!!! (laughs)


    „I don’t know what I’m even doing here
    – I was told that there would be free beer“

    „Angelica“ – Wet Leg

    Sarah: You’ve already played shows opening for Declan McKenna and Inhaler, gave a performance on Saturday Night Live, and you’re gonna be at South By South West next month, which is IMPRESSIVE considering you only have four released songs right now …… Do you have a bucket list festival, or band you would like to tour with?

    Hester: Well, we did get to support Idles, which was really wild for us because it was something we joked about since we started the band – so the fact that really happened is mind blowing. Also  End of the Road Festival, it’s our favourite festival that happens every year in Dorset in the UK. We’ve played there a couple of times before with previous projects, but it’s where Wet Leg was born, we’d just really like to …

    Sarah: … go full circle?

    Hester: Yeah! And just have a really cool weekend there. But right now there’s so much in our calendar that’s really overwhelming and we’re like „how has this happened??“

    Sarah: You are one of our „Artists to Watch 2022“. Is there any artist or band that you want to recommend to our readers?

    Hester: We saw some great bands last year at the festivals we went to. There’s a band called Honeyglaze, they are so good to watch live! Also Katy J Pearson, it just feels like she’s from another era. She writes these beautiful anthems. Those are two I’d say!

    Foto: Hollie Fernando

    Sarah: Well thanks for your recommendation, I’ll make sure to check them out! Now, our last question is always asking for an untold story: Something you’ve never shared in an interview before but want to share now. That can be anything from a funny tour anecdote, a random fun fact or just something you really want to tell your German fans.

    Hester: Whoever needs to hear it – if you want to do something but you’ve got no experience, give yourself the chance and try it. Because it would be like a gift to yourself. It may open up a whole new world! No matter how big or small it is, just lean into the fear and do it anyway! When lockdown happened, Rhian and I bought longboards, those longboards you see all over Instagram. We’d just go to the carparks on Isle of Wight and we would fall loads trying to learn these tricks and stuff, but it was so fun to try something we were scared of but wanted to do! I’m not saying this very eloquently, but I feel like ……..

    Sarah: It’s a message from the heart?

    Hester: Yeah! And it’s something I would have liked to hear earlier in my life, because it is really easy to let fear stop you from exploring things.

    Sarah: Ugh, that kinda makes me want to start learning how to play guitar.

    Hester: Do it!! Yeah, do it!!!

    Sarah: I tried, so many times! But I just couldn’t get it right, and then my hand kept cramping. And I was like „I am NOT made for this.“

    Hester: Honestly… Rhian had never played guitar before we started Wet Leg, which I find SO inspiring. Do you have any friends that play guitar?

    Sarah: Yeah, I feel like half my friends are musicians. (laughs)

    Hester: Cool!! Then you could just ask them to teach you a simple progression. But yes, you should definitely do it!! Also, to women and girls: there are so many amazing roles in the music industry, and it is definitely male dominated. We need equality! So whatever it is you want to do: You CAN do it!

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