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Figure Beach im Interview: »Wir möchten die Dinge einfach passieren lassen«

Nicht nur der Kalender hat den Frühlingsanfang eingeleitet, sondern auch Figure Beach begrüßen die neue Jahreszeit mit ihrer Debüt EP „No Drama“. Figure Beach sind ein Trio aus Nürnberg, von welchem wir hier bei untoldency nicht das erste Mal und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch nicht das letzten Mal berichten. Sie selbst beschreiben Ihre Musik als Nullerjahre Indie Rock. Lara hat sich mit 2/3 der Band auf Zoom getroffen und sich mit ihnen über ihr erstes Tape unterhalten, welches morgen, am 25.03 das Licht der Welt erblickt.


Figure Beach im Interview

Lara: Hi. Schön, euch kennenzulernen. First of all, wie geht es euch vor dem Release? 

Patrick: Ja. Wir sind voller Vorfreude und wir sind gesund. Ich meine, das ist auch nicht so häufig momentan. Ich bin gespannt, ob wir in einer Woche, wenn das Konzert stattfindet, dass wir dann auch gesund sind. Uns geht es gut. Hannes Stimmt das? Geht es uns gut? 

Hannes: Ja, mir geht’s auf jeden Fall auch gut. Ich denke noch gar nicht so viel ans Release. Ist ja erst nächste Woche, in neun Tagen um genau zu sein. 

Lara: Also alles noch ganz entspannt. Schön. Meint ihr, ihr seid entspannter als beim Release euren ersten Single? Oder wart ihr da auch so entspannt wie jetzt? 

Patrick: Ich denke mal, beim ersten Single Release waren wir schon sehr neugierig, wie das alles wird und wie die Leute das aufnehmen. Weil unsere erste Single We Didn’t Fit Together At All war halt irgendwie auch so der Startschuss von dieser Band. Und da war es halt total interessant, einfach die Reaktionen der Leute mitzubekommen. Wie reagieren Sie jetzt darauf? Welche Musik macht diese Band? Das ist so der erste Eindruck, den man so hat. Da war ich schon aufgeregter, das gebe ich zu. 

Lara: Wie würdet ihr denn einer Person, die eure Musik noch nicht gehört hat, diese beschreiben? 

Hannes: Wie Nullerjahre Indie-Rock. Der Indie-Rock, den man vor 10 bis 15 Jahren gehört hat. Oder 10 bis 20 Jahren quasi.

Lara: Ihr seid ja eigentlich zu dritt. Wie habt ihr zusammengefunden? Wie kam es, dass ihr zusammen Musik macht? 

Patrick: Also, zusammengefunden haben Paul und Ich, weil wir in der gleichen Grundschulklasse waren. Paul, Hannes und Ich, weil wir aus demselben Ort kommen bzw. aus annähernd demselben Ort. Und wir waren dann alle in verschiedenen musikalischen Projekten und haben auch immer mitbekommen, was die anderen alles so treiben und welche Musik die so machen. Dann waren wir an dem Punkt, wo Hannes und ich gemerkt haben, dass das, was wir jetzt gerade machen, noch eine*n Bassist*in vertragen könnte. Und Paul spielt praktischerweise Bass. Dann meinte Paul naja, wenn ihr echt niemanden Besseren findet, dann können wir das schon machen. Und es hat sich als sehr gute Entscheidung herausgestellt, weil Paul auch im Studio dabei war und einige Songs der EP dann auch mitgespielt hat. Also er kam zu uns, während wir die EP gerade geschrieben und aufgenommen haben und ist jetzt auf jeden Fall festes Mitglied. Ja, so würde ich das sagen. Wir kennen uns schon sehr lange und haben auch mitbekommen, was die anderen so machen. Und jetzt sind wir in derselben Band gelandet. 

Lara: Wie alt wart ihr da ungefähr?

Patrick: Wir waren im Grundschulalter. Und dann Hannes, wir zwei waren ungefähr 16? 

Hannes: Ich war 14. 

Patrick: Dann war ich 15. 

Hannes: Also schon echt eine Weile. Paul und ich haben eine Zeit lang zusammen in Dresden gewohnt und haben dort zusammen in einer Band gespielt und sind dann beide wieder in Nürnberg zurück gelandet. Und genau da haben wir eine*n Bassist*in gebraucht und wir kannten Paul und Paul und hatte Zeit. Und wir sind ja Live auch zu viert. Also nicht, dass dieser Eindruck entsteht, dass wir nur mit drei Musikern auf der Bühne sind.

Lara: Good to know! Wie haben sich eure Projekte vorher angehört? In welche Richtung gingen die? 

Patrick: Hannes und ich hatten eben so mit 15, 16 die Idee, wir können ein bisschen zusammen Gitarre spielen und das hat sich dann immer so weiterentwickelt. Wir haben Songs gecovert und dazu blöde Videos gemacht. Und eines Tages hatten wir eine eigene Song Idee und haben einen eigenen Song geschrieben. Um deine Frage zu beantworten das war so ja Akustik Indie-Folk, das war diese Mumford & Sons Zeit, als die richtig cool waren. Und dann dachten wir, wir machen auch so was. Rückblickend würde ich sagen, eigentlich war das gar nicht so, sondern es hatte schon sehr starke Indie Züge. Weniger Folk, sondern mehr Indie. Und dann wurde es schrittweise immer mehr mit elektrischen Instrumenten versehen. Dann kam eine E-Gitarre mit rein, dann haben wir bisschen Demos aufgenommen, dann haben wir auch einen Bass mit reingespielt.

Lara: Und wie seid ihr zu eurem jetzigen Sound gekommen? Hat sich das einfach so natürlich daraus entwickelt, oder hat noch etwas Anderes, etwas Neues mit eingespielt? 

Patrick: Also ich glaube, dass es so passiert ist. Ich glaube, es kam mit den ganzen Instrumenten und auch die ganzen Möglichkeiten, welche diese Instrumente bieten. Also wenn du auf die E-Gitarre wechselst, dann kannst du mit Effekten viel mehr arbeiten als bei meiner Akustik Gitarre. Wir haben aber auch ein bisschen unterschiedliche Einflüsse. Also bei mir zum Beispiel ist es auch sehr stark Punk, der etwas meine musikalischen Vorlieben und den Sound den ich mag prägt. Bei Paul, der heute nicht hier ist, spielt wohl eher dass jazzy-bluesige mit rein. Das, was seine Bassspielweise auch prägt. Und Hannes, du kannst für sich selber sprechen. 

Hannes: Ich weiß nicht, ob mein elektronischer Einfluss bei uns irgendwie Platz findet. Ich glaube irgendwie bis jetzt nicht. Also bei mir kommt es, weil ich einfach seit 14 Jahren sehr viel Indie Rock Musik höre. Angefangen mit damals den Strokes und den Arctic Monkeys. So wurden wir sozialisiert und im Endeffekt ist es ein Produkt aus unserem Projekt, das sich jetzt über sehr viele Jahre entwickelt hat. Und wie Patrick schon gemeint hat, irgendwann kamen andere Musikinstrumente und andere Musiker*innen dazu und dann war es halt auf einmal weg. Also es ist jetzt nichts vorgefallen, wo wir gesagt haben, okay, wir machen jetzt ganz neue Musik.

Lara: Um jetzt mal zu eurer ganz bald erscheinenden EP zu kommen bzw. auch zu den einzelnen Singles. Wie sind diese wunderschönen Cover entstanden? 

No Drama EP Cover

Hannes: Es gibt zwei Frauen, welche ich auf Instagram gefunden habe. Die nennen sich weareyawn  Und die machen sehr viel für andere Indie Musiker*innen. Die entwerfen auch Zeug für Giant Rooks und Shelter Boy und darüber habe ich die dann im Endeffekt gefunden. Anstatt irgendwie selber etwas zu malen, so wie es in den Jahren davor war, oder die Nachbarin zu fragen ob sie uns für lau etwas hinkritzelt, haben wir uns gedacht, wir gehen das alles mal wirklich ernsthaft an und fragen mal richtig professionelle Leute an, ob sie uns etwas entwerfen. Und dann waren es eben die Mädels und wir sind auch sehr zufrieden, mit den schönen Artworks. 

Lara: Verständlicherweise. Ich finde auch, die Singlecover so wie das der EP haben einfach einen richtig guten Wiedererkennungswert.
Weiter gehts! Habt ihr einen favourite Song auf der EP?

Patrick: Puh, ich bin ein sehr großer Fan von unserer ersten Single, weil er mir soundmäßig einfach so gut gefällt.

Hannes: Wenn ich mich entscheiden müsste, wäre es wahrscheinlich Waves. Also Waves und knapp dahinter, wahrscheinlich ein Song der noch kommt. 

Patrick: Ja, den finde ich auch gut. 

Lara: Bevor wir zum Ende kommen. Habt ihr schon Ideen für nächste Projekte? 

Hannes: Also wir sind natürlich super froh und stolz, dass diese fünf Songs jetzt auch für andere Leute endlich mal zu hören sind. Aber wir haben in der Zwischenzeit natürlich auch neue Songs geschrieben und bereiten uns gerade sehr stark für unsere Live Zeit vor. Es sieht so aus, als könnten jetzt Konzerte wirklich wieder ganz normal stattfinden und so planen wir jetzt auch. Wir haben am 26. März unsere Release Show, für die wir natürlich ein ganzes Set spielen und nicht nur unsere EP und mit fünf Songs. Wir freuen uns sehr, endlich Live spielen zu können. Darauf liegt jetzt auch der gesamte der Fokus. Wir haben viele Songs geschrieben, die noch nicht aufgenommen sind, weswegen es sich lohnt, sich das eben auf Tour anzuschauen (lacht). Ich würde sagen, das ist, was gerade besonders den Vorrang hat. Dass wir schauen, dass die neuen Songs, auch Live gut rüberkommen. 

Patrick: Also wir haben eigentlich auch erst ein Konzert gespielt, das war im Oktober und dann war die Szene wieder dicht. Von daher war’s das. Aber was uns da ein bisschen hilft, ist, dass wir Songs eigentlich generell ziemlich simpel schreiben und in der Art und Weise, dass wir sie auch sehr einfach wiedergeben können. Also wir haben keine 20 Geigen und nen Chor mit drauf, sondern halt einfach unsere Instrumente im Kern. Und von daher überlegen wir uns gerade, wie wir das live am besten arrangieren und wie wir auch einfach unsere neuen Songs am besten mit einbringen können. 

Lara: Dann sind wir es auch schon bei unserer Schlussfrage. Und zwar richtet die sich immer ein bisschen nach unserem Konzept bei untoldency. Und zwar fragen wir nach einer untold Story. Also einfach irgendetwas, was ihr noch nie in einem Interview oder in der Öffentlichkeit erzählt habt. Das könnte eine kleine Anekdote sein, irgendwas Witziges oder einfach irgendetwas, was euch auf dem Herzen brennt und unbedingt in die Welt hinaustragen wollt. 

Patrick: Hast du was? 

Hannes: Wir haben unsere tolle Story eigentlich leider schon bei der Untold Tea Time verbraten. 

Patrick: Also wir haben jetzt nichts Weltbewegendes, aber unsere EP heißt No Drama und wir finden, das passt sehr zu unserer Art und Weise, am Songwriting ranzugehen. Denn wir möchten die Dinge einfach passieren lassen. Das finden wir ganz schön. Wenn sich das alles aber so seinen Weg sucht und wir keinen großen Aufriss drum machen. Ja, und dann, als wir uns entschieden hatten, dass das eigentlich ein passender Titel ist für die Veröffentlichung, ist uns halt der richtig miese Dadjoke aufgefallen, dass No Drummer ein bisschen ähnlich klingt, also nach Drama und Drummer. Und wir sind eine Band, die keinen festen Schlagzeuger hat, sondern halt mit Live Drummern arbeitet. Es ist weder witzig noch ist es interessant, aber dafür ist eine Untold Story

 

Dadjokes aside, könnt ihr euch hier die “No Drama” EP von Figure Beach anhören:


Fotos: Florian Weichelt

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