Kategorie: untold stories

  • Van Holzen im Interview: »Wir haben das neue Album ordentlich an die Wand gefahren«

    Van Holzen im Interview: »Wir haben das neue Album ordentlich an die Wand gefahren«

    So richtige „Auf die Fresse“-Musik zum Moshen, Pöbeln oder einfach Mitfühlen – das ist für mich Van Holzen. Die drei Ulmer Florian, Jonas und Daniel sind gerade einmal 22 und veröffentlichen heute ihr drittes Album „Aus der Ferne“. Im Gegensatz zu den vorherigen Alben, haben die Jungs diesmal auf eigene Faust im bandeigenen Studio produziert. Beweisen müssen sie sich und ihrer Musik aber schon längst nicht mehr, denn die Van Holzen-Jungs wissen genau, was sie machen und was sie wollen. Ich habe im Interview mit Sänger und Gitarrist Florian einen Blick auf die Bandhistorie geworfen und über die Hintergründe zum neuen Van Holzen Album „Aus der Ferne“ gequatscht.

    VAN HOLZEN im Interview

    Anna: Hi, schön dich zu sehen. Darf ich fragen wo du gerade bist? Ist das euer Proberaum im Hintergrund?

    Florian: Ja! Ich sitze nur gerade draußen, weil anscheinend ist WLAN irgendwie im Arsch ist. Deswegen versuche ich es jetzt mit meinem Hotspot. Schau mal, so ist gerade mein Ausblick hier. (dreht die Kamera um, man sieht Felder und Wald)

    Anna: Sehr idyllisch, aber ziemlich grau und nebelig.

    Florian: Ja, ich bin in Ulm und Ulm ist so ein richtiger Nebelkessel. Da scheint die Sonne sehr wenig. Hitze in der Jahreszeit hier. Aber genau, ich sitz hier vorm Studio.

    Anna: Das ist ja auch irgendwie das klassische Novemberwetter. Naja, kommen wir mal weg vom Wetter und hin zu Van Holzen. Ich fang mal einfach ganz vorne an in eurer Bandhistorie. Ihr habt ja als Schülerband gestartet. Wie war das für euch quasi so früh schon die Musik in den Vordergrund zu stellen? Meinst du, dass dadurch der Druck auch größer ist, wenn man so früh anfängt?


    Anfänge als Schülerband

    Florian: Es kam irgendwie so. Wir waren sogar noch jünger eigentlich, als wir zum ersten Mal angefangen haben. Da waren wir so zehn Jahre alt, würde ich sagen. Also Jonas und ich, Daniel war damals noch gar nicht in der Band. Das war eher so, dass die einen halt irgendwie Handball oder Fußball gespielt haben und wir haben halt einfach Musik gemacht und haben damit unsere Wochenenden voll geballert. Am Anfang war da gar kein Druck. Es war wirklich eigentlich wie so ein Sportverein und auch vergleichbar vom Arbeitsaufwand gewesen. Wir haben zu der Zeit auch noch gar keine Konzerte gespielt und dann irgendwann so mit 12 haben wir begonnen die ersten Shows zu spielen. Da war dann der Daniel auch dabei. Und ja, dann haben wir relativ schnell gemerkt, als wir dann mit 15 Van Holzen gegründet haben, dass wir das so richtig ernst machen möchten. Dann ist da natürlich auch ein bisschen mehr Druck dahinter. Aber erstmal auch Druck, den man sich dann selbst macht, weil man natürlich auch gewisse Leute erreichen möchte und jetzt nicht für immer in irgendwelchen Jugendhäusern zocken will – auch wenn es geil war. Aber es soll ja auch so ein bisschen größer werden. Solange der Spaß den Druck überwiegt oder solange der Spaß da ist, ist auch mit dem Druck völlig klarzukommen. Da ist gar kein Problem für uns. Solange wir drei uns hier einschließen können und Musik machen dürfen. Also ich würde nicht sagen, dass es irgendwie mehr Druck war, weil wir so früh angefangen haben. Eher im Gegenteil. Also als wir aus der Schule rauskamen hatten wir schon einen ordentlichen Erfahrungsschatz, aus dem wir schöpfen konnten. Wir waren auch sehr relaxed in ganz vielen Situationen im Vergleich zu Bands, die jetzt mit 18 oder 19 beginnen und da ihre ersten Erfahrungen machen. Und dann kommt natürlich auch die Frage: Wann studiert ihr? Was studiert ihr? Und zu dem Zeitpunkt, wussten wir schon, dass wir Musik machen wollen. Das hat glaube ich vieles auch einfacher gemacht.

    Selbständigkeit und Unterstützung der Eltern

    Anna: Haben eure Eltern euch da von Anfang an unterstützt oder waren sie eher skeptisch? Ich meine sie mussten euch ja immerhin auch zu den Gigs hinfahren und euch da die ganze Zeit unterstützen?

    Florian: Die haben uns volle Kanne unterstützt! Das ist eigentlich das größte Glück für uns. Ich glaube sonst würde es die Band so auch gar nicht mehr geben. Wie du sagst, sie haben uns halt zu den Gigs gefahren bis wir 18 waren. Also wir hatten dann irgendwann so ab 16/17 auch mal eine Crew, die hat uns dann gefahren und so, da waren dann die Eltern nicht mehr die ganze Zeit dabei. Das wollten wir schon möglichst früh dann nicht mehr. Aber wir sind denen übelst dankbar, dass sie das immer noch für uns tun und da voll hinter uns stehen. Und ohne das wär es gar nicht möglich. Wie gesagt, es ist auch ein riesiger Zeitaufwand, den wir da betreiben. Und hätten wir jetzt Eltern im Nacken sitzen, die sagen ‚Ihr müsst jetzt aber auch mal studieren‘ oder ‚macht mal was Vernünftiges‘ oder so, dann gibst du da auf. Aber die stärken uns schon sehr den Rücken. Früher wie heute.

    Anna: Also war das für euch quasi auch nie so wirklich eine Option, jetzt zu studieren zu gehen oder ‚was vernünftiges‘ zu machen? Sondern es war einfach von Anfang an klar, dass ihr mit der Musik euer Ding durchzieht nach der Schule?

    „Wir haben schon immer unser Ding gemacht“

    Florian: So war es! Also hat sich ganz natürlich entwickelt, weil wir 2017 Abi gemacht haben und da dann kurz vor unserem Abi das Debütalbum rauskam. Und dann waren wir halt erst mal das ganze Jahr auf Tour und das was andere dann so als Gap-Year oder Auslandsjahr machen, da haben wir einfach Touren gespielt. Und dann waren wir halt auch so … Ja okay, also solange wir hier was zu tun haben, solange wir das Gefühl haben, wir kommen voran und das ist das, was wir lieben und woran wir Spaß haben, machen wir es einfach weiter. Und es gab dann auf jeden Fall mal ne Phase, so Ende 2018, da hatte ich das Gefühl, ich müsste noch etwas anderes machen. Ich glaube, das kam aber auch so ein bisschen aus dem Umfeld. Wir sind ja hier in einer sehr dörflichen Gegend, sehr ländlich. Und natürlich fragen auch die Leute, ob man nicht noch einen Plan B hat. Irgendwas Vernünftiges mit ganz viel Sicherheit, Sicherheit, Sicherheit! Das wollen hier ja alle immer. Und ich glaube, da habe ich mich so ein bisschen von verleiten lassen. Und weil ich mich sowieso auch für Psychologie interessiere, habe ich dann ein Fernstudium angefangen und versucht, so ein bisschen nebenher das zu machen. Obwohl es interessant war, habe ich dann auch gemerkt, das es zu viel ist. Die Zeit, die ich dafür benötige, habe ich einfach gar nicht. Und seitdem kann ich stolz sagen, dass ich einfach Selbststudium mache und wir unser Ding hier machen, Musik machen. Denn das ist das, was wir lieben.

    Anna: Puh, vor allem Psychologie stell ich mir auch besonders krass vor als ‚Nebenbei-Studium‘. Aber ich finde man muss ja auch gar nicht immer in dieses perfekte Raster reinpassen, was einem den Weg vorschreibt. Ich habe heute Morgen das Interview geschaut, was ihr vor circa zwei Jahren mit Diffus gemacht hat, diese Coverstory. Und da habt ihr auch viel über diese schwäbische Mentalität geredet. Dieses klassische: Du machst die Schule fertig, du machst einen Job und dann baust oder kaufst du ein Haus und gründest Familie und so was alles. Habt ihr das mittlerweile komplett abgelegt oder hast du immer noch mal wieder das Gefühl, es kommen so Phasen auf, wo du dir denkst ‚Oh shit, ich muss jetzt auch irgendwie in dieses Raster reinpassen‘? Ihr habt ja auch immer noch euer Studio auf dem Land und seid in derselben Umgebung. Das beeinflusst dann ja irgendwie schon, oder?

    Einfach mal aus dem Raster fallen

    Florian: Also es braucht auf jeden Fall viel Kraft, merke ich immer wieder. Und in Momenten, in denen man dann vielleicht auch mal Rückschläge hat und es in der Musik gerade mal nicht so läuft, da hinterfragt man es natürlich schon mal. Aber an sich ist der Zug voll abgefahren für mich. Ich kann jetzt zwar gerade nur für mich sprechen, aber von den anderen weiß ich es auch. Wir können es so nicht. Ich glaube, jeder von uns wird früher oder später irgendwas selbst auf die Beine gestelltes arbeiten. Und deshalb wir machen hier unser Ding und ich habe da zum Glück auch einen coolen Freundeskreis. Wir supporten uns da gegenseitig. Und ich sehe auch, dass sie ihr Ding machen und wie dann der Weg genau aussieht, ob das ein Studium ist oder was anderes. Aber klar, es gab auch mal Momente, wo es anstrengend war da seiner Linie treu zu bleiben und zu sagen ‚Nee, ich mach das jetzt so, ich habe mir das jetzt so vorgenommen‘. Und dieser Versuch mit dem Psychologiestudium hat das noch mal bestätigt, dass  ich auch auf anderen Wegen zu meinem Ziel komme. Und jetzt bin ich auch Mitte des Jahres nach Berlin gezogen und da ist ein bisschen einfacher sein Ding zu machen. Obwohl ich sagen muss, dass ich auch noch viel Zeit hier verbringe, weil wir die Platte fertig machen. Aber Berlin fragt niemand mehr, was du studierst oder arbeitest. Da macht jeder sein Ding.


    Anna: Kann ich total nachvollziehen. Ich bin auch auf dem Dorf aufgewachsen und die typischen Sprüche, die man dort immer wieder zu hören bekommt. In der Großstadt ist das gleich ganz anders. Aber man stellt sich dann doch manchmal selbst in Frage. Das ist glaub ich normal. Meinst du, es hat auch einen Einfluss auf die Musik und wie ihr Musik macht? Dadurch, dass sie quasi in Ulm aufgewachsen sei, dort euer Studio habe, dort noch größtenteils wohnt ist es ja einfach ein Großteil eures Lebens. Auch, wenn es wahrscheinlich schwierig zu trennen ist. Macht es einen großen Unterschied?

    Florian: Auf jeden Fall. Aber ich muss sagen, ich glaube unsere Musik hat es hier ganz gut getan. Es gibt zwar auch hier in Ulm eine Musikszene, aber die floriert nicht so richtig. Da geht nicht wirklich viel ab. Und wir haben uns eigentlich isoliert von vielen anderen Bands hier entwickelt und unseren Musikstil gefunden. Ich glaube, wenn du in der großen Stadt bist, wo du gleichgesinnte Menschen triffst und dich aneinander orientierst, da schlägt man vielleicht eher so in eine Kerbe und findet dann da auch so eine Szene, die dann eine bestimmte Musikrichtung ausmacht. Und bei uns war es halt nicht so. Wir waren hier in keiner Szene. Deshalb konnten wir auch einen sehr speziellen Sound entwickeln. Wir haben uns einfach nur an uns selbst und was uns gefällt orientiert. Hier auf dem Dorf gibt es auf jeden Fall niemanden, der noch so eine Band hat.

    „Ohne Weiterentwicklung wäre unsere Musik ganz schön langweilig“

    Anna: Würdest du sagen, dass eure Musik so ein bisschen mit euch erwachsen geworden ist? Ich finde es immer schwierig zu sagen, ab wann man sich erwachsen fühlt. Aber würest du sagen, dass sie mit euch wächst?

    Florian: Auf jeden Fall. Also ich habe mir jetzt vor kurzem auch mal wieder unsere alten Platten reingezogen und es ist schon witzig. Ich finde es voll geil so von 15 bis 22 Alben rausgebracht zu haben und dann zu hören, wie sich alles verändert. Die Stimme, die Texte, die Inhalte, die Stimmungen und so. Ich hoffe, das hört nie auf, sich weiterzuentwickeln und kommt nie zu diesem Punkt, wo man sagt jetzt ist es ausgereift, jetzt ist es erwachsen. Also wenn wir alle zwei Jahre ein Album rausbringen, dann fühlt man sich schon auch alle zwei Jahre irgendwie ein bisschen anders oder ist woanders oder macht sich andere Gedanken. Man sucht ja dann auch immer nach Inhalten, um die Texte zu schreiben. Also ich musste schmunzeln, als ich unsere Ideen von 2016 gehört habe und was wir da so sagen. Ich liebe aber auch den Spirit, den wir damals hatten. Es war halt so übelst rotzig und scheißegal. Ich feier es, dass wir das so durchgezogen haben. Aber ich hänge da jetzt auch nicht irgendwie so nostalgisch dran. Ich will nicht denken ‚früher war alles geiler‘. Sondern es ist einfach schön, das aufgenommen zu haben und festgehalten zu haben.

    Anna: Das kann ich mir gut vorstellen. Es ist ja auch irgendwie eine schöne Momentaufnahme. Ich glaube, wenn ihr den Song jetzt auf den Konzerten dann noch mal spielt, fühlt sich das auch wieder anders.

    Florian: Ja und das muss es auch. Ohne Weiterentwicklung wäre unsere Musik ganz schön langweilig.

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    „Aus der Ferne“ und ein gewohnt düsterer Sound

    Anna: Kommen wir doch mal zum neuen Album. Ich habe natürlich vorab schon reingehört. Beschreib mal, wie klingt deiner Meinung nach das neue Album? Und dann verrate ich dir, was ich denke.

    Florian: Ich finde, das neue Album klingt stellenweise sehr hart. Das liegt vor allem auch an der Art und Weise, wie wir es produziert haben. Wir haben es schon ordentlich an die Wand gefahren, haben geguckt, dass es Extremen und Kanten hat. Es ist aber auch wieder sehr düster geworden. Und dann gibt es hier und da aber auch mal schöne Momente und Momente, die so ein bisschen über den Tellerrand des Alternative Rocks schielen und sich so ein bisschen an anderen Musikstilen orientieren. Das würde ich sagen. Aber soundmäßig auf jeden Fall hard und Volume 100. Ja, was sagst du?

    Anna: Ich würde auf jeden Fall nicht empfehlen es mit Kopfhörern auf Volume 100 zu hören! Ansonsten finde ich, dass es auf jeden Fall mehr über die Genregrenzen hinausgeht. Also mehr tatsächlich so Richtung Alternative oder vielleicht auch Indie. Ich finde es eh immer schwierig, Genres festzulegen. Ich fand es ein bisschen weniger punkig als die ersten beiden Alben, aber gefühlt auch sehr viel Fokus auf den Texten. Also kommt natürlich immer auf den Song drauf an. Aber an mehreren Stellen ist der Sound eher so ein bisschen zurückgenommen und dafür der Fokus auf Texten, die irgendwie viel Nachklang haben.

    „Wir sind eine Band, die sehr kryptisch schreibt“

    Florian: Cool. Das freut mich! Also das war auch tatsächlich der Anspruch dieses Mal. Ich meine, wir sind eine Band, die sehr kryptisch schreibt. Immer noch, aber vor allem auf den ersten beiden Alben. Das erste war super, super kryptisch. Da haben Leute sich teilweise auch nach dem zehnten Mal anhören gefragt, um was es denn geht. Ich find’s auch eigentlich ganz geil, wenn man so viel drüber nachdenkt. Aber dieses Mal wollten wir ein bisschen mehr Futter zum Hören geben. Quasi einen Einstieg liefern, damit man auch mehr versteht und das bisschen konkreter wird.

    Anna: Schreibt ihr eigentlich die Texte alle drei zusammen oder wie läuft es bei euch?

    Florian: Also ich schreibe zu 90 Prozent die Texte. Aber es kommt schon auf jeden Fall vor, dass irgendwie ein Thema gemeinsam besprochen wird oder die Jungs mal eine Zeile reingeben und die dann auch im Song landet. Aber das ist bei uns sowieso alles sehr, sehr offen. Die beste Idee gewinnt. Jetzt klingt es so, als hätte ich immer die besten Ideen. (lacht) Ja gut, aber wir sind ja nunmal auch nur zu dritt. Da ist es einfacher sich zu einigen, als wenn man jetzt so eine super große Band dahinter stehen hat. Ich liebe es, dass wir ein Trio sind. Also du kannst easy einen überstimmen, wenn es mal Unstimmigkeiten gibt. Es ist eine geile Demokratie bei uns. Und du bist irgendwie nie zwei gegen zwei Stimmen. Ist einfach sehr smart bei uns.

    Anna: Ja, stimmt. Das ist super praktisch. Zurück zum neuen Album. Als ich dann durch das Album so weiter durchgegangen bin und so von Song zu Song gesprungen bin, hatte ich das Gefühl, es geht sehr viel um die eigene Wahrnehmung und so ein bisschen der Umgang damit, aber auch um die Welt um euch herum. Und ich hatte schon das Gefühl, dass es auch viel um den Umgang mit dem letzten Jahr geht. Auch wenn ich jetzt natürlich nicht weiß, wann ihr angefangen habt mit der Produktion. Ich will jetzt nicht immer den den Elefanten im Porzellanladen ansprechen, aber ich glaube, du weißt, was ich meine. Beim Song „Arche“ sprecht ihr ja zum Beispiel sehr deutlich den Aluhut an. Geht es um Querdenker und Leute, die sich gegen das System und gegen die allgemeine Wahrnehmung sträuben? Habt ihr da selbst Erfahrungen gemacht oder wie kommt es dazu, dass ihr euch entschieden habt, so einen Song zu veröffentlichen?

    Zwischen Verschwörungstheorien und Gegenwartsgesellschaft

    Florian: Also ursprünglich ist „Arche“ lustigerweise zwei Wochen bevor Corona nach Deutschland kam geschrieben worden. Ursprünglich soll es in „Arche“ um Klimaleugner gehen, also Klimawandelleugner. Und genau dann war der Song fertig, die Demo war geschrieben und es kam Corona. Dann gingen wir in den Lockdown und dann dachte ich, das ist ja ein gelegtes Ei und hab ein bisschen den Text umgeschrieben. Und klar, kann man den Song jetzt auch so verstehen, aber wenn du den anhörst und weißt, es geht um Klimawandelleugner, dann macht es auch Sinn. Mir war es wichtig, das auch beizubehalten und nicht das Wort Corona im Song fallen zu lassen, sondern da so bisschen Interpretationsspielraum zu lassen. Aber natürlich interpretiert ihn gerade jeder so, völlig zu Recht.

    Anna: Meinst du, es tut dem Ganzen gut, wenn man so einen allgemeinen Welthass an den Tag bringt, wenn man solche Songs schreibt?

    Florian: Hin und wieder ja. Ich würde es jetzt vielleicht nicht direkt Welthass nennen, aber starke Emotionen. Starke Emotionen gegenüber einem bestimmten Sachverhalt oder irgendetwas, das gerade der Welt passiert, hilft auf jeden Fall beim Texten. Weil dann kommt glaube ich auch die Emotion deutlicher bei den Hörer:innen an.

    „Ich träume vom Leben, das keiner regiert“

    Anna: Woher kommt diese Aussage? Was steckt dahinter?

    Florian: Auch diese Aussage wurde im Verlauf der Produktion von „Aus der Ferne“ etwas zweideutig. Es hat damot begonnen, dass wir 2020 entschieden haben, dass wir jetzt DIY weitermachen möchten. Wir hatten ja die zwei Platten davor mit Warner Music veröffentlicht. Nach den beiden Alben war die Zusammenarbeit quasi beendet und wir haben gesagt „Hey, wir wollen jetzt mal alles selbst machen und wir möchten bestimmen was rauskommt, wie das alles aussieht und so weiter“. Also nicht, dass wir das davor nicht durften, aber es ist doch dann immer mit so einem großen Team und natürlich auch viel finanziellen Mitteln etwas mehr Druck dahinter. Und damit hat der Song eigentlich begonnen. Während Corona hat es dann nochmal eine ganz andere Bedeutung bekommen. Nicht, weil wir keinen Bock haben auf die Beschränkungen und so weiter, sondern weil wir echt gemerkt haben, dass Leute, die da das Risiko nicht ernst nehmen und dafür sorgen, dass Lockdown nach Lockdown kommt, dass sie auch so ein bisschen die Kontrolle über unser aller Leben gewonnen haben und uns immer wieder in den Lockdown geschickt haben. Wir selbst waren jetzt nicht übervorsichtig, aber zählten schon zu denen, die gesagt haben, wir spielen so lange nicht, bis die Lage sich entspannt. Deswegen haben wir auch die Tour verschoben. Natürlich wünschen wir uns, dass irgendwie alle an einem Strang ziehen.

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    Um die Zeit bis zur Tour 2022 zu überbrücken, könnt ihr euch auf dem YouTube-Kanal von VAN HOLZEN Impressionen der letzten Tour aus 2019 anschauen.

    Anna: Hast du momentan einen Lieblingssong vom neuen Album?

    Florian: Ich mag „Deiner Meinung“ total. Damit haben wir auch eine Live Session aufgenommen im Studio. Die bringen wir demnächst noch raus. Der Song macht einfach übelst Bock live zu spielen. Und ich glaube der wird auf den Konzerten der Tour dann auch richtig abgehen.

    Anna: Wann steht das erste Konzert wieder an?

    Florian: Erstes Konzert ist jetzt Ende November. Wir überlegen gerade aber noch, weil wir die Tour verschoben haben ins nächste Jahr. Das war uns noch ein bisschen zu unsicher.

    Anna: Ihr wart aber im Sommer doch auch bestimmt auf Open-Air Konzerten …

    Florian: Gar nicht. Das haben wir gar nicht gemacht. Das war natürlich dann auch ein großes Thema, gerade mit diesen ganzen Picknick Konzerten und so weiter. Aber wir haben uns dann einfach dazu entschieden, das Van Holzen da nicht reinpasst. Wir brauchen halt einfach das Moshpit. Wir brauchen Leute die sich irgendwie die Köpfe einschlagen können – liebevoll natürlich – und nicht auf Picknickdecke stehen. Ich fand das eigentlich ein cooles Konzept. Aber wir haben gesagt, wir müssen geduldig bleiben und kommen dann mit einem richtigen Bang zurück.

    Anna: Ja, also ehrlich gesagt kann ich mir auch nur schwer ein Van Holzen Picknick Konzert vorstellen. Okay, wir haben am Ende von Interviews bei uns immer die tolle Kategorie „untold stories“. Ich weiß, das ist immer super schwierig auf Teufel komm raus jetzt eine krasse Geschichte zu droppen. Aber fällt dir gerade eine lustige, absurde oder interessante Geschichte ein, die ihr bisher in keinem Interview erzählt habt?

    Die Geheimwaffe des Van Holzen-Bassisten Jonas

    Florian: Lass mich kurz überlegen. Sie sollte wahrscheinlich schon jugendfrei sein, oder? (lacht) Aber nee, ich hab was. Das ist kein einzelnes Erlebnis. Es ist nicht an einem Tag passiert oder so. Aber es war ein ganzes Jahr und ich musste gestern wieder daran denken. Unser Bassist Jonas – liebe ihn – hat ein super nices Selbstbewusstsein und früher war das noch viel krasser, so von wegen: Wir sind die Geilsten, wir sind einfach die Geilsten. Und ja, 2016 haben wir ziemlich viele Band Contests gespielt. Und Jonas wurde im Verlauf des Jahres zu so einem richtigen Orakel. Er hat ganz oft gesagt, als wir dann auf dem Weg zur Bahn waren: „Leute, ich habe heute ein echt gutes Gefühl. Wir gewinnen das und wir sind gut.“ Und dann haben wir gewonnen. Und manchmal war es aber auch so, dass er meinte: „Leute, ganz ehrlich, das wird heute gar nichts, das wird heut einfach nichts.“ Dann haben wir da nicht gewonnen, egal wie klein und unbekannt der Contest war. Jonas beweist heute noch einen richtig guten Riecher bei sowas. Das wissen die Leute nicht. Und jetzt erfahren sie es. Und ich hoffe, dass sie ihn nicht als Orakel uns wegnehmen und ihn für externe Jobs buchen. (lacht)

    Anna: Es funktioniert halt auch einfach nur bei Van Holzen Auftritten.

    Florian: So ist es! Ich hoffe unsere Mailbox ist demnächst nicht mit so kranken Anfragen voll.

    Anna: Ich drück die Daumen! Hey, vielen Dank für das Interview und ich will dich auch gar nicht weiter vom Proben abhalten!

    Florian: Anna, Vielen Dank dir! Hat Spaß gemacht.

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    Fotocredit: Ilkay Karakurt

  • Cloudy June im Interview: Mental Health und Bad Bitch Vibes

    Cloudy June im Interview: Mental Health und Bad Bitch Vibes

    Dienstagmittag, das Wetter grau und verregnet, aber der Sonnenschein am anderen Ende von Zoom strahlt trotzdem! Die Rede ist von Cloudy June – mit der sich Sarah anfang der Woche unterhalten hat. Und der Titel sagt schon alles aus: wer Bad Bitch Anthems zum Beispiel von UPSAHL, Doja Cat oder Kali Uchis liebt, ist genau richtig hier!

    Sarah: Freut mich mega, dass es geklappt hat! Wie geht’s dir denn?

    Cloudy June: Ja mich auch! An sich geht’s mir gut, bin nur ein bisschen krank – aber kein Corona! Ich glaub fast jeder, der ich kenne hat gerade irgendwie ne Erkältung. Gut, dass es Zoom gibt! Dann kann ich dich wenigstens nicht anstecken.

    Sarah (lacht): Dann schon mal gute Besserung! … Möchtest du dich vielleicht kurz vorstellen, für alle unsere Leser:innen, die dich vielleicht noch nicht kennen?

    Cloudy June: Helloooo, ich bin Cloudy June und ich schreibe Songs und mache Musik seit ich 10 Jahre alt bin. In den letzten Jahren hab ich meinen Sound gefunden – Popmusik. Davor hab ich drei Jahre in einer Death Metal Band gesungen.

    Sarah: Damit wollte ich auch überleiten zur nächsten Frage! Ich hab dich nämlich durch ein Insta Reel gefunden, und dann hab ich weiter gescrollt und rausgefunden, dass du mal bei einer Death Metal Band warst. Genretechnisch ist das ja schon ein ziemlicher Sprung, wie kam es dazu?

    Cloudy June: Ich hab schon vor der Metal Band Gitarre gespielt und meine eigenen Songs geschrieben – und die waren dann natürlich nicht Metal, sondern mehr so Singer/Songwriter Folk Vibes.

    Meine erste richtige Lieblingsband waren die Killerpilze.

    Das ist jetzt auch kein Metal – aber das hab ich gehört als ich so 8 Jahre alt war. Das heißt eine Rock-Affinität war schon immer da. Irgendwann hab ich mir dann ein AC/DC Album geholt und bin in die Schulband gegangen. Am Anfang haben wir noch Hardrock gemacht, aber es hat sich dann ziemlich schnell verdüstert, bis wir wirklich, full on, Death Metal gemacht haben. Arch Enemy oder Jinjer fand ich ziemlich nice, und die haben ja auch female Sängerinnen, die krass growlen… Und dann wollte ich das auch können! Irgendwann hab ich dann aber mit der Band aufgehört, weil ich Musik zu meinem Hauptding machen wollte, und für die anderen war das mehr so ein Hobby. 

    Sarah: Seit wann gibt es das Projekt Cloudy June dann? Weil ich auf Spotify gesehen hab, dass die ältesten Songs von Anfang 2020 sind.

    Cloudy June: Es gab bis vor einem Monat noch mehr Songs, ich hab tatsächlich alte Sachen runtergenommen! Ich hab anfangs noch unter einem anderen Namen Musik gemacht, unter meinem Nachnamen – den konnte aber keiner aussprechen, deswegen bin ich jetzt Cloudy June. 2018 hab ich meine erste EP rausgebracht, die ich jetzt aber von Spotify runtergenommen hab, weil ich gar nicht mehr damit zufrieden war. Seit High Waist To Hell weiß ich: das ist das was ich machen will.

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    Sarah: Ich hab auch gesehen du sprichst sehr offen über Mental Health und Queerness, welche Themen verarbeitest du denn sonst noch in deiner Musik?

    Cloudy June: Ich will eigentlich noch viel mehr Songs machen über Mental Health, aber das ist manchmal auch ein richtig schweres Thema um einen Song drüber zu schreiben. Da ist einmal Monsters in my Mind, der aber mehr so Bad Bitch Vibes hat, und eigentlich geht’s ja irgendwie darum, dass die Gedanken in deinem Kopf die Monster sind.

    Wir haben einen Song, der diesen Monat noch rauskommt! Da geht’s um Sucht und Drogen, um Substance Abuse – zwei Menschen, die damit zu kämpfen haben. Mehr sag ich noch nicht… aber es wird tatsächlich ein Rock-Song! Das ist ein neues Thema, und ein bisschen so zu den Roots zurück.

    Sarah: Ja cool! Dann bin ich auf jeden Fall schon mal gespannt. Und, wenn wir schon beim Thema sind: Was inspiriert dich denn? Gibt es Künstler:innen von denen du sagen würdest, dass sie dich sehr beeinflusst haben? Als ich deine Musik das erste Mal gehört hab, musste ich zum Beispiel direkt an UPSAHL denken, die mag ich auch sehr gerne.

    Cloudy June: Jaaaaa, same! UPSAHL wär so ein krasser Traum, mit ihr mal ne Session zu machen und nen Song zu schreiben, irgendwann mal nen Song zusammen zu machen. Das wär krass. Also sie find ich super cool, einfach weil ich ihre Attitude feier und sie richtig talentiert ist. Mothica find ich mega cool, weil sie auch krass offen über Mental Health spricht und kein Blatt vor den Mund nimmt – und das find ich voll bewundernswert, das inspiriert mich sehr! Und Yungblud zum Beispiel, von ihm bin ich auch großer Fan just cause the music slaps und er ist auch so unapologetically himself. Ja, das sind Artists die ich super cool finde.

    Sarah: Also da würde ich auf jeden Fall mitziehen! … War für dich dann eigentlich von Anfang an klar, dass du deine Musik auf Englisch machen möchtest? Oder könntest du dir vorstellen, auch mal auf Deutsch oder einer anderen Sprache zu singen?

    Cloudy June: Das ist echt ne gute Frage, weil ich denke in letzter Zeit oft darüber nach – dass meine Musik voll gut im englischsprachigen Raum ankommt, und ich aber als deutscher Artist gar nicht mal eben in Amerika auf Tour gehen kann. Sondern eher eine größere deutsche Audience bräuchte sozusagen, damit ich da gute Shows spielen kann.

    Deswegen hab ich drüber nachgedacht „soll ich Songs auf Deutsch machen?“, aber ich hör eigentlich fast nur englischsprachige Musik und ich fühl das auch daher viel mehr.

    Ich hab mal Songs auf Deutsch geschrieben, aber es ist irgendwie einfach nicht so das Richtige für mich. Einer meiner ersten Songs, die ich geschrieben habe – mit 8 Jahren – war auf Deutsch. Aber selbst in der Grundschule hab ich schon auf Englisch geschrieben! Was ich mal überlegt habe war, irgendwann in der Zukunft einen Song auf Spanisch zu machen. Ich kann zwar noch kein perfektes Spanisch, aber meine Mutter kommt aus Kuba und da dachte ich es wäre cool. Aber jetzt ist erst mal Englisch das Hauptding. Deutsch wahrscheinlich eher nicht.

    Sarah: Kann ich auch verstehen! Ich hab tatsächlich auch sehr lange gebraucht um meinen Weg zu deutschsprachiger Musik zu finden.

    Cloudy June: Same! Ich hab so ein paar Songs, ein paar Artists gefunden, die ich ganz gerne mag. Es hat sich auch etwas geändert, dass ich jetzt mehr höre. Ich hätte auch echt Bock, mit deutschsprachigen Artists zusammenzuarbeiten und gemeinsam Songs für deren Projekte zu machen. Das wär cool!

    Sarah: Auf jeden Fall! Dann hab ich noch eine etwas schwierigere Frage für dich. Für Musiker:innen ist es ja meistens nicht so einfach, wenn man seine eigenen Babys betrachtet da einen favourite rauszuziehen. Aber wenn du dich entscheiden müsstest: Für welchen deiner Songs würdest du dich denn entscheiden, und warum?

    Cloudy June: Es ändert sich immer, aber gerade ist es Monsters in my Mind. Der Vibe macht grade einfach am meisten Spaß, und das Intro. Ich stell mir vor, wenn wir den live spielen… das würde richtig Bock machen. Wir haben alle Songs ja auch schon geprobt für ein Live-Set, und der macht schon RICHTIG Spaß. Aber oft ist es auch so, dass ich den Song am meisten feier, der auch als nächstes rauskommt. Bei dem Song, der jetzt als nächstes released wird, da haben wir auch ein Feature drauf von ner Band die ich sehr feier! Deswegen ist das gerade so mein Baby.

    Sarah: Ein Feature mit ner Band? Da bin ich jetzt aber gespannt.

    Cloudy June: Sameee! Ich frag mich wie der ankommt, weil es ist einfach ein bisschen anders dieses Mal.

    Zwischendurch richtig auf die Fresse und… i love it!

    Sarah: Geil! Du meintest ja ihr seid schon fleißig am Proben. Wie sieht es denn im Moment aus mit Liveshows?

    Cloudy June: Damals, als ich noch alleine mit Gitarre auf der Bühne stand und es noch gar nicht so viel Produktion und Backing Tracks gab… da hab ich ein paar Konzerte gespielt. Aber jetzt wo ich die Band hab mit der ich die ganzen Live Songs probe, fühlt es sich schon an als wäre das jetzt der Anfang, als würden wir die ersten Konzerte spielen. Deswegen ist nächstes Jahr, wenn dann die Shows los gehen, quasi auch gleich die Premiere!

    Sarah: Dann hoffe ich mal, dass ich es nächstes Jahr auch zu einer deiner Shows schaffe! Und ich seh gerade, du hast meine nächste Frage tatsächlich vorhin schon beantwortet. Die war: Deine letzte Single „Kill Your Darling“ wurde ja am 23. September released – darf man sich schon auf weitere neue Musik freuen oder ist das alles noch top secret?

    Cloudy June: Nicht mehr top secret! Am 19. November kommt die neue Single!

    Sarah: Yeahhh!! Dann sind wir auch schon bei unserer letzten Frage, eine „Untold Story“, irgendwas das du noch nie in einem Interview erzählt hast. Etwas, das du jetzt gerne teilen möchtest. Das kann eine witzige Geschichte sein, ein random Fun Fact, ein Motto das du unseren Lesern gerne mitgeben möchtest…

    Cloudy June: Okay bei Motto hast du mich! Ich hatte gerade kurz Panik und dachte „Oh Gott, ich hab nichts cooles zu erzählen“. Aber ich hab in letzter Zeit voll viel Erfahrung gemacht wie es ist, wenn du als Artist anfängst, dich mit anderen Artists zu vergleichen. Das kann ja sein ob du jetzt Musiker:in bist oder ob das einfach im Job ist. Und da hat UPSAHL tatsächlich ein Zitat gepostet, was ich super cool finde und mir immer wieder in Erinnerung rufe, und vielleicht hilft das ja jemandem:

    Vergleiche dich nicht mit anderen Menschen, sondern mit dir selbst vor einem Jahr.

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    Fotos: Frank Koppen

  • Lyian im Interview: „Ich will für andere die Musik machen, die ich selbst gebraucht hätte“

    Lyian ist einer der Newcomer, die wir im Jahr 2021 sehr ins Herz geschlossen haben. Nicht umsonst findet ihr bei uns sowohl eine Review zu seiner ersten Single „Methadon“ als auch zum Nachfolger „Hollywood“. Ende September hat Lyian dann mit „Kind deiner Zeit“ nachgelegt. Vorab hat sich Jule mit ihm aber schon im Sommer zum Interview verabredet. Bei einer gemeinsamen Bootsfahrt über die Berliner Spree und einem anschließenden Bierchen im Park erzählt er über seinen musikalischen Werdegang, seine Affinität zum Rap, aber auch über Zukunftsängste. Wer Lust hat, Lyian ein bisschen besser kennenzulernen, ist hier an der absolut richtigen Adresse.


    Lyian im Interview

    Erstmal steht das Interview-Date unter keinem guten Stern. Aufgrund eines Polizeieinsatzes kommen weder Lyian noch ich mit der S-Bahn voran. Ein paar panische Telefonate und Grübeleien, über welche Umwege wir noch pünktlich zum Boot kommen, später haben wir es dann aber doch irgendwie zur Anlegestelle geschafft. Das Boot ist allerdings ohne uns losgefahren. Nur aufgrund des freundlichen Mitarbeiters (s/o an den Seemann), der uns einfach bei der nächsten Tour mitfahren ließ, hatten wir aber doch noch die Chance, Berlin einmal vom Wasser aus zu erleben. Ein kurzes Kennenlernen und eine Weinschorle später geht es schnell um Lyians Musik.


    Jule: Wie lange machst du schon Musik?

    Lyian: Ziemlich lange, seit meiner Jugend. Aber das war immer so On/Off. Es hat lange gedauert, bis ich das etwas fokussierter gemacht habe. Es war ein langer Prozess, bis ich wirklich richtig ernst genommen habe. Ich habe irgendwann aber einfach gemerkt, dass es anders nicht geht. Ich hatte früher allerdings eine gewisse Antihaltung gegen den ganzen Businesskram, „Marketing“ oder „Image“ waren immer eher Schimpfwörter für mich. Aber irgendwann habe ich begriffen, dass es nicht anders geht und ich da einfach mitspielen muss. Ich habe das alles aber nie wirklich gelernt, also irgendeine musikalische Ausbildung oder so. Mit Storys à la „ich habe mit 3 Jahren angefangen Klavier zu spielen“ kann ich leider überhaupt nicht dienen (lacht).

    Jule: Welche Musik hörst du denn so privat?

    Lyian: Wahnsinnig viele verschiedene Sachen. Viel Deutschrap tatsächlich, Sachen die ich immer noch mag. Damit bin ich aufgewachsen, ich habe früher auch sehr lange selbst gerappt. Ich komme eigentlich auch selbst aus dem Rap, da bin ich mit sozialisiert. Ich habe erst mit diesem Projekt angefangen zu singen. Es war schon sehr früh so, dass ich mich nicht zwischen The Smiths und Aggro Berlin entscheiden konnte und viele Sachen gehört habe, die man nicht unbedingt unter einen Hut bringen kann (lacht). Das war und ist teilweise sehr widersprüchlich. Heute ist das ja fast schon normal, dass in der gleichen Playlist Jeremias und Haftbefehl sein können.

    Jule: Welche widersprüchlichen Künstler:innen sind das bei dir?

    Lyian: Also so richtig explizite Artists die ich abfeiere, habe ich aktuell gar nicht. Ich habe gerade eine Phase, in der ich selbst sehr viel Musik mache. Da gucke ich, dass ich nicht zu viel andere Musik höre, damit ich bei dem bleiben kann, was ich gerade selber produziere. Sonst höre ich einen Song und denke „Oh ja, das könnte ich auch machen, mit dem und dem Drumgroove“, aber ich will mich lieber darauf konzentrieren, einen Song fertig zu machen, als 10 neue Songs anzufangen.


    „Ich finde diese Online-Geschichte schon sehr interessant“

    Jule: Hast du denn eigentlich auch Live-Auftritte geplant? Oder setzt du dich damit noch gar nicht auseinander?

    Lyian: Ich setze mich damit schon auseinander, habe auch eine Liveband. Aber gerade ist die Situation einfach noch extrem schwierig. Man muss da so viel Arbeit reinstecken. Ich hoffe, dass ich so schnell wie möglich ein paar kleine Konzerte, zumindest in Berlin, spielen kann. Das wäre sehr wünschenswert. Ich finde es aber gerade auch geil, vieles einfach nur online zu machen. Man muss das inzwischen ja nicht mehr so aufziehen, dass man Konzerte spielt und dadurch bekannter wird. Ich finde diese Online-Geschichte schon sehr interessant.

    Jule: Du machst auch alles rund um Lyian selber, oder?

    Lyian: Ja, ein Freund von mir, Marius Gold, der in meiner Band auch Bass spielt, der ist Co-Produzent und hilft mir im final mixing. Mit ihm nehme ich auch die Vocals auf. Ich hole mir dann ab und an Leute, die besser Instrumente spielen können als ich, z.B. Theo Kraus aus der Drangsal-Band, der viel besser Gitarre spielt und die dann für mich aufnehmen muss (lacht). Aber ansonsten mache ich die Produktion und sowas alles selber, ja – kein Label, kein Management, nur ich. Das habe ich auch ein bisschen unterschätzt. Ich wollte eigentlich nur Musik machen. Jetzt bin ich die halbe Zeit damit beschäftigt, E-Mails zu schreiben (lacht).

    Jule: Hast du in der Vergangenheit auch mal in Bands gespielt?

    Lyian: Nee, nie ganze Bands, ich habe immer viel alleine gemacht. Mein letztes Projekt war mit einem Freund zusammen, das war auch ein Rap-Projekt. Wir haben damals auch eine EP fertiggemacht, aber das hat sich dann irgendwann aufgelöst. Danach habe ich mich auf mein Soloprojekt konzentriert und damit bin ich auch gerade sehr happy. Gefällt mir irgendwie besser, wenn ich das alleine mache und weiß, dass das jetzt zu 100% das ist was ich mag und ich keine Kompromisse eingehen muss. Aber in dem vorherigen Projekt habe ich super viel gelernt. Ich habe da schon viel geschrieben und ich würde sagen, dass das echt das Einzige ist, was ich so richtig kann. Produzieren und der Rest ist so… ja, mache ich auch (lacht).


    Unser Gespräch wird kurzzeitig von zwei Dingen unterbrochen. Einem süßen Welpen, von dem wir hoffen, dass er nicht über Bord geht und der Tatsache, dass sich Menschen auf Booten dauerhaft gegenseitig zuwinken müssen. Wir stellen fest, dass das, ähnlich wie das Klatschen im Flugzeug auf dem Weg in den Urlaub, einfach ein seltsamer menschlicher Reflex sein muss.
    Nachdem die Bootsfahrt dann doch schneller ein Ende fand als wir dachten, haben Lyian und ich beschlossen, uns in der Gegend noch einen Spot zu suchen, an dem wir uns niederlassen können. Kurz in den nächsten Späti gesteppt und ab in den Monbijoupark, der aufgrund der sommerlichen Temperaturen von Familien und Sportler:innen gleichermaßen gut besucht ist. Nachdem wir einen etwas ruhigeren Platz in der Sonne gefunden haben, quatschen wir weiter.

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    „Ich wusste lange nicht, welche Richtung ich verfolgen wollte“

    Jule: Deine bisher veröffentlichten Singles bedienen die unterschiedlichsten Genres. Wie kommt es dazu?

    Lyian: Bis vor ein paar Jahren habe ich ja wie gesagt nur Rap gemacht, „Hollywood“ deutet das ja auch ein bisschen an. Ich finde das für mich total spannend, weil ich sehr lange damit gehadert habe. Ich wusste ganz lange nicht genau, welchen Sound und welche Richtung ich verfolgen wollte. Bis ich dann entschieden habe, ich mache einfach alles. Es gibt ja inzwischen viele Artists, die das so machen. Trotzdem ist es noch relativ „neu“, dass du eine:n Künstler:in hast, die auf dem einen Song rappen und beim nächsten dann Rockdrums auftauchen. Für mich fühlt sich das aber genau richtig an.


    Jule: Möchtest du erstmal dabei bleiben, Singles zu releasen oder ist schon eine EP geplant?

    Lyian: Erstmal werde ich nur Singles veröffentlichen, ja. Ich finde es auch voll spannend, dass das auch bei uns gerade eine legitime Form ist, seine Musik zu veröffentlichen. Ich meine, in den USA machen das sowieso schon gefühlt alle so und auch im Rap-Bereich in Deutschland ist das fast sowas wie Standard. Aber sonst ist ja immer die Idee, dass man mit einem Album viel mehr machen und irgendwelche großen Promoaktionen starten kann. Ich finde es zu meiner Musik aber gerade auch einfach passend, dass regelmäßig eine neue Single kommt und man nicht so genau weiß, was ich als nächstes mache, so „welches Genre reitet er jetzt ab?“ (lacht). Die nächsten Songs werden vielleicht nicht alle mit Video erscheinen, das ist ja auch einfach mal eine Kostenfrage. Ich stehe aber total auf geile Videos, die auch nach was aussehen…

    Jule: … wie das Video zu „Methadon“, das finde ich richtig schön. Habe ich mir auch schon richtig oft angeguckt.

    Lyian: Oh, das freut mich. Der Dreh hat auch total Spaß gemacht. Ich kenne glücklicherweise ein paar Menschen aus dem Filmbereich, dementsprechend war die Crew auch einfach toll, das hat es mir sehr leicht gemacht.


    Ich erzähle Lyian von meinem ersten „Methadon“-Hörerlebnis. Als ich kochend in der Küche stand und den Text so uff fand, dass ich erstmal den Herd ausmachen musste. Der Text, der mich irgendwie anders berührt hat und das Sackenlassen der Geschichte.

    „Es geht um die größte Idee von Freundschaft“

    Lyian: Wow, das freut mich richtig. Schön zu hören, wie der Song auf andere wirkt. Aber ja, es wundert mich auch nicht, der ist schon heavy. Gerade der Chorus, das ist natürlich kein Fun. Der Song ist eigentlich aus verschiedenen Geschichten zusammen entstanden. Es geht einfach um die größte Idee von Freundschaft, aber auch um Einsamkeit. Ich habe auch vor Kurzem erst selbst bemerkt, dass gerade der Chorus ein so heftiges Bild von Freund- und Seelenverwandtschaft malt, das ist ja schon fast unerreichbar. Vielleicht geht es auch ein bisschen darum. Dass aus der totalen Einsamkeit diese Sehnsucht nach so viel Intimität besteht, die man eigentlich gar nicht erreichen kann. „Methadon“ war auch einer der ersten Songs, den ich als Lyian geschrieben habe. Es hat sich deshalb auch total richtig angefühlt, und tut es immer noch, dass ich mit dem als erstes rausgegangen bin.


    Jule: Bist du sonst auch längerfristig mit Songs zufrieden oder verwirfst du viel?

    Lyian: Ich verwerfe schon sehr viel. Dadurch dass ich so genreoffen bin, fange ich nie einfach mit einem Beat an. Ich habe immer schon eine genaue Idee, bei der ich schon eine Phrase oder ein Thema habe. Der Song wechselt dann aber während des Prozesses mehrfach das Genre. Manchmal fängt er mit einer Gitarre an, dann fliegt die raus und stattdessen sind da 808-Drums drin und er geht in eine Trap-Richtung. Dann mache ich den noch 30 bpm schneller und am Ende wird’s eine Disconummer (lacht). Ich habe immer so eine Idee für einen Song und bis der dann so ist, kann da sehr viel passieren. Auch „Methadon“ hat eine solche Reise hinter sich.

    Jule: Könntest du dir auch vorstellen, für andere Künstler:innen zu schreiben?

    Lyian: Oh ja, das könnte ich mir sogar sehr gut vorstellen. Ich habe das bisher aber tatsächlich noch nie gemacht. Da hätte ich aber auch mal total Bock drauf.

    Jule: Und Songs zu singen, die andere für dich geschrieben haben?

    Lyian: Interessant, da habe ich echt noch nie drüber nachgedacht. Also eher nicht, im ersten Moment wirkt das gerade ein bisschen befremdlich auf mich. Ich wüsste auch nicht genau, warum ich den Text einer anderen Person verarbeiten sollte, das kann ich doch selber (lacht). Da würde ich doch lieber musikalisch mit jemandem zusammenarbeiten oder mit jemandem zusammen einen Song schreiben. Aber so live auf der Bühne einen Song zu covern, das wäre eigentlich geil.

    Jule: Welchen Song würdest du da covern?

    Lyian: „Griechischer Wein“ von Udo Jürgens (lacht). Oder irgendwas von Ideal oder so, auf jeden Fall ein paar NDW-Hits.


    In diesem Moment kommen wir auf die „NDW“-EP von Sam Vance-Law zu sprechen und beschwören uns gegenseitig, wie toll wir Sam finden. Lyian wirft „Der charismatischste Mensch, dem jemals begegnet bin, unverschämt!“ in den Raum und ich kann dem nur zustimmen. Es ufert aus in einem längeren Philosophieren über „Homotopia“ und einem abschließendem „Good job, Sam“. Ich führe das nicht weiter aus, möchte es aber nicht unerwähnt lassen, weil es für mich ein kleiner bonding moment mit Lyian war, ich geb’s zu.

    „Ich sehe mich nicht mehr mit 50 auf einer Bühne stehen“
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    Beweisfoto: Boot

    Jule: Wenn du dir etwas für deine Musik wünschen könntest, was wäre das?

    Lyian: Eigentlich ein bisschen lame, aber erstmal wäre es, dass sie von mehr Leuten gehört wird. Letztendlich will ich für andere die Musik machen, die ich vielleicht selbst gebraucht hätte. Ich schreibe ja schon sehr einfühlsame Songs und ich kann mir vorstellen, dass es eine Menge Menschen gibt, die das fühlen würden. Da möchte ich gerne hin. Deswegen… schön, dass wir dieses Interview führen (lacht). Ich hätte schon Bock, einmal alles mitzunehmen, einmal Öffentlichkeit, den ganzen Instagram-Kram durchspielen und mich dann irgendwann zurückzuziehen. Aber ich sehe mich nicht mehr mit 50 auf einer Bühne stehen oder so, auch wenn ich das sehr respektabel finde. Ich sitze dann irgendwann in einer Hütte in Frankreich, bin dann raus und schreibe nur noch Bücher (lacht).


    Während unseres Gesprächs kommen wir auf das Thema „Ängste“ zu sprechen. Weil ich, während wir so im Sonnenuntergang auf der Wiese sitzen, mehrfach lautes Schreien und Wegrennen unterdrücken muss, weil ich Angst vor Insekten habe. Mein noch geschlossenes Bier rühre ich nicht an, weil es sich inzwischen 30 Ameisen darauf bequem gemacht haben.


    Lyian: Ich glaube, ich habe eine gute Mischung aus dem Repertoire, was so an gängigen Ängsten gibt, gerade was die Zukunft angeht. Aber auch sozial eben, gerade auch der Lockdown war heftig, wenn man eh zum Alleinesein neigt. Mir fällt es nicht immer leicht, mit Menschen umzugehen und wenn man dann 1,5 Jahre super viel alleine ist, macht es das nicht leichter. Soziale Ängste, auch zwischenmenschlicher Art, begleiten mich auf jeden Fall. Aber ich kenne auch wenig Menschen ohne solche Ängste.

    Jule: Ängste schützen einen aber auch. Man wird ja viel aufmerksamer für die Dinge die man tut, oder eben nicht tut. „Angst“ ist so ein negativ behaftetes Wort, dabei kann Angst bis zu einem gewissen Punkt auch etwas Gutes sein.

    Lyian: Ja, voll. Diese negative Behaftung kommt auch daher, dass Angst oft auch einfach total irrational ist. Oft ist es nichts Fundiertes, man hat Angst vor Ameisen, die am Bier hochkrabbeln – und das ist sowohl legit als auch eben nicht legit (lacht). Und so wie die Zukunft wahrscheinlich auch gar nicht so düster sein, wie ich mir das manchmal ausmale.


    „Ich mag es, wenn ich mich auf Sachen verlassen kann“

    Jule: Gehst du manchmal Risiken ein?

    Lyian: Geht so. Ich bin schon eher jemand, der immer versucht, sich seine comfort zone einzurichten. Und auf keinenFall bin ich jemand, der ständig nach einer neuen krassen Erfahrung sucht oder sich überwinden muss, um sich zu spüren. Ich mag es, wenn ich mich auf Sachen verlassen kann und die safe sind. Dass die Beziehungen zu meinen Freund:innen safe sind, dass ich meine Wohnung habe. Das ist mir wichtiger als das nächste heftige Abenteuer.


    Wir fragen uns, wo wir hinziehen würden, wenn man zwingt, Berlin zu verlassen. Während ich wahrscheinlich in den Norden – sowohl Deutschlands als auch im Zweifel Europas – gehen würde, wäre es bei Lyian wohl eher der Süden. Dorthin hat es ihn bisher immer eher verschlagen. Da wir beide in Berlin leben, ich als Gebürtige und er als Zugezogener, sprechen wir auch darüber, wie schwierig es für Menschen sein kann, als Dorfkind plötzlich dem Trubel der Großstadt ausgesetzt zu sein. Dass manche es lieben und andere nach kurzer Zeit wieder Reißaus nehmen.

    „Ich kam mir sehr lange sehr jung vor“

    Jule: Was war denn für dich der Grund, nach Berlin zu ziehen?

    Lyian: Das war irgendwie schon immer klar. Schon als ich 14 Jahre alt war oder so hat mich das gereizt. Allein durch die Musik tatsächlich, ich dachte immer „wie krass ist das denn da?“. Für mich war das immer klar. Als ich mit der Schule fertig war bin ich sofort einen Monat später weg gewesen. Komplett ohne Plan, nur mit meiner Tasche. Das war damals radikaler als es hätte sein müssen. Ich habe dann auch fast alle Kontakte abgebrochen, weil ich das so konsequent wie möglich durchziehen wollte und einfach angepisst von der Dorfsituation war. Dann habe ich aber wiederum richtig lange gebraucht, um in Berlin klarzukommen. Das war für so einen naiven 18-jährigen auch einfach richtig viel Input (lacht).

    Jule: Würdest du das heute nochmal so machen?

    Lyian: Ich glaube nicht. Ich würde mich wohl eher mit einer etwas kleineren Stadt rantasten. Berlin ist auch nicht unbedingt eine Stadt für planlose 18-Jährige. In meinem Umkreis sind damals fast alle in so Studi-Städte gezogen, Göttingen oder Hildesheim. Wenn du da abends unterwegs bist, sind halt alle in deinem Alter. In Berlin war das für mich anders, hier waren alle älter, ich kam mir sehr lange sehr jung vor in dieser Stadt. Es hätte mir sicher nicht geschadet, auch erstmal nach Göttingen oder so zu gehen. Aber dieser radikale Wunsch nach Berlin war einfach viel zu lang da.


    Plötzlich hören wir den Gesang eines Straßenmusikers, der am Spreeufer spielt. Weil wir sowas seit 1,5 Jahren nicht erlebt haben, lassen wir uns in Richtung Sonnenuntergang und Spree treiben, um dem jungen Mann aus Italien zuzuhören. Und dann habe ich einfach vergessen, Lyian nach seiner untold story zu fragen, die ihr sonst aus unseren Interviews kennt. Verzeiht mir das, aber das war das erste Interview seit vielen Monden, das ich persönlich geführt habe – und dann war es auch noch so ein schönes.
    Aber wenn ihr jetzt einfach fleißig die Songs von Lyian auf Spotify hört, gibt’s vielleicht irgendwann noch ein Interview – dann auch mit untold story, versprochen!

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    Fotocredit Titelbild: Stephi Proem

  • Blanks im Interview: „When I learned about „saudade“ I related to the feeling immediately“

    Blanks im Interview: „When I learned about „saudade“ I related to the feeling immediately“

    Simon de Witt, besser bekannt unter dem Namen Blanks, ist, wie er sich selbst beschreibt, ein „overexcited music boy“. Meiner Meinung nach, kann man ihn aber nicht nur als „music boy“, sondern auch als „YouTube boy“ betiteln. Denn mittlerweile hat der niederländische Musiker über 1,3 Millionen Abos auf der Videoplattform. Auf seinem YouTube Kanal kann man nicht nur „normale“ Musikvideos finden, sondern auch die unterschiedlichsten Videoformate. Angefangen mit normalen V-Logs, hat Blanks vor allem durch Formate wie „Style Swap“ oder der „One Hour Song Challenge“ die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Vor allem seine Version des Songs „Better Now“ von Post Malone war und ist so erfolgreich, dass der Song auf Spotify veröffentlicht wurde und mittlerweile über 20 Millionen Streams hat. Letzten Freitag war es dann so weit. Am 30. Oktober brachte Blanks nun endlich sein Debütalbum „Nothing Lasts Forever And That’s OK“ raus. Ich durfte ihm ein paar Fragen stellen.


    Blanks im Interview

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    Lara: Hi Simon! How are you, shortly before the album release?

    Blanks: Nervous and excited!!! I can’t wait to share all the music with my fans!!

    Lara: Your EP „Never Have I Ever“ just came out in September. How come, your debut album is released this soon after?

    Blanks: The EP is actually the first 4 singles of the album, so some sort of teaser! We decided to bundle them with the release of “Never Have I Ever” .

    Lara: The music videos for the EP build on each other and tell a story. Where did the idea come from and how far will this be continued in the upcoming album?

    Blanks: My coming of age memories are heavily intertwined with the music I listened to at that time. You could say they were the soundtrack of my coming of age era. With that idea me team and I came up with the storyline for the music video. I wanted to write a coming of age storyline were my album is the soundtrack of the story. About continuing the story: I haven’t given that any thought yet! I am focusing on the release of this album right now, but I don’t rule out the possibility the story might continue…

    Lara: Do you have a favorite song or a favorite music video on your album?

    Blanks: This is the hardest question!! I love every song, but if I had to pick I’d say “I’m Sorry” and “What You Do To Me”, where the music video for “I’m Sorry” is one of my favorites.

    Lara: How long did it take to create the entire album? Did the lockdown disturb the progress? Or was it maybe even helpful?

    Blanks:Much longer than I expected haha! The first song I wrote was 1,5 years ago. The lockdown did definitely not disturb the process: it started it. I was releasing singles every 2/3 months, and when covid hit, I decided it was time to start working on an album. So you could say it was helpful!

    Lara: The name of the album will be “Nothing Lasts Forever And That’s OK”. Where did the inspiration for this title come from?

    Blanks: The album title is inspired by the Portuguese word ‘saudade’ which describes an emotional state of nostalgic melancholic longing for something or someone that one cares about, knowing the object of longing might never be had again. I have so many memories that I’ll never forget (summer nights with friends, going to Paris with a loved one, people you meet over summer, get really close with and then never see again) that I wish I could relive and feel exactly the same, but I can’t. So when I learned about ‘saudade’ I related to the feeling immediately. However, this feeling made me realize you have to fully enjoy every present moment – it might turn into a deeply cherished memory! When I explained this train of thought to a friend of mine (the same friend I wrote “I’m Sorry” with, the fifth track on the album) we concluded: “Nothing Lasts Forever And That’s OK”. And that just felt right the moment we said it. 

    So when I learned about „saudade“ I related to the feeling immediately.

    Blanks

    Lara: Watching your videos on YouTube, it’s easy to see how passionate you are about music. How did this passion come about? And how has it developed in your life?

    Blanks: I feel like everything I ever did, I did it with passion. Music has been the biggest challenge so far, so I continue to bring passion to it! I just keep finding new things and exciting ideas! It’s like an infinite playing field I enter when I’m in the studio!

    Lara: It’s very impressive how many instruments you can play. Is there any instrument you would love to be able to play, but you can’t (yet)?

    Blanks: Thank you! And yes, I would love to be able to play the saxophone!

    Lara: In your videos and in your songs, you can hear and see a clear preference for the 80s. How did it come that you are such an 80s fan?

    Blanks: I feel fake nostalgic whenever I think about the 80s. The music sounds so good, the sounds are so warm, and the songwriting is impeccable: I just love it! 

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    Lara: You already played a few shows after the big forced break, aka the pandemic. How was it to play in front of so many people again? What was your highlight?

    Blanks: It was AMAZING! And also strange! You aren’t used to that many people anymore, so the first show I walked on stage I was so blown away I completely forgot my first few lyrics haha! The highlight was everyone singing along to the lyrics, that is an indescribable feeling. 

    Lara: At the end of each interview, we always ask for an untold story. This could be a random fact about you, something funny what happened, etc. Anything that you haven’t shared with the world, but want to.

    Blanks: I want to give my brother a shoutout! When I started playing live with Blanks, he played the drums, but he was still studying. When our agenda started to fill up, he made the hard decision to focus on his study and leave the band, and this week he graduated!

    Lara: Thank you Simon, I wish you a happy release!

    Hier geht’s zum Debütalbum von Blanks!

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    Foto: Jantina Talsma

  • HONNE im Interview: „We stopped second-guessing ourselves“

    HONNE im Interview: „We stopped second-guessing ourselves“

    Was würdet ihr tun, wenn die Welt in einer Woche untergehen würde?

    Diese Frage haben sich Andy und James von HONNE in ihrem neusten Album gestellt. LET’S JUST SAY THE WORLD ENDED A WEEK FROM NOW, WHAT WOULD YOU DO? erschien Freitag letzte Woche, und Sarah hat mit den beiden bereits ein paar Tage vor Release zum Album gesprochen.

    Sarah: Hey, thanks for taking the time to talk to us about your new album! How do you feel, just a few days before the release?

    HONNE: Thank you for having us! We’re feeling very good. The process of creating an album from start to finish is definitely a long one, so it’ll feel great to finally put these songs out into the world and see everyone’s reaction.

    Sarah: That’s great to hear! Was the process of creating this album different to the last ones? Since you mentioned that this time you “were on a mission to make it as satisfying to listen to as possible”?

    HONNE: I think this was the first album that we’ve written where we stopped second-guessing ourselves. It’s very easy to over analyse when you’re 6 months into writing an album. But with this one we just wanted to write great songs. If the song made us feel something and took us where we wanted to go, we put it on the album. The result is quite a varied selection of songs, stylistically. And that’s been fresh and interesting for us.

    Sarah: Yeah, it’s definitely refreshing to listen to, from my outside perspective, as well! The first thing I noticed about this album were the many collabs with other artists. What made you choose to feature all these different artists  – especially after your last project not having any features at all?

    HONNE: Yeah so this is the other big change. Over the last 7 years of being in HONNE, we’ve met and become friends with so many amazing artists at festivals, on tour, on social media etc. And we wanted to bring some of these amazing voices to our music on this album.

    We are passionate about unique and interesting voices. Voices that you can hear for 2 seconds and are instantly recognisable. So that’s what we were looking for. And somehow we’ve managed to convince all these amazing artists to join us on these songs. It’s really special for us and we’re so grateful to Khalid, Griff, NIKI, Pink Sweat$ and Sofía Valdés for taking these songs to another level!

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    Sarah: I think my favourite feature is Coming Home feat. NIKI, your voices fit together so perfectly. (And the song makes me feel nostalgic for some reason) Now, I don’t wanna put you in a tough spot and ask which one was your favourite collab… but is there one that’s special in some way?

    HONNE: You know we couldn’t possibly answer that question! The way in which one of the collabs came to be is one of my favourite stories though, because it was such a coincidence. And that was NIKI (like you mentioned). We’d been big fans of NIKI for ages and messaged her on Instagram years ago but she’d never seen it or replied. Then back in January 2020 we were in LA in Gold-diggers Studios, in a session with Dâm-Funk. As he was about to leave he said ‘oh by the way, I bumped into Pomo in the hallway, he’s in a session with NIKI a couple of rooms down’. We were very excited. But it turned out that Pomo went and told NIKI the same, and she was equally as excited!

    Anyway, we ended up going into their studio and having a big chat, eating some food and sharing music with each other. We played NIKI ‘Coming Home’ and cheekily suggested that she could sing on it, and to our surprise she was up for it! A couple of days later we went back to the same studio with NIKI, and ‘Coming Home’ was born. It was one of those times that you read about happening to other artists, but never happens to you. So that was a stroke of good luck for sure.

    Sarah: That’s such a sweet story – it just seems like it was meant to be!

    Now, if we’re looking at no song without you, it is obvious that the prevalent topic is love. What are some topics you worked through on this album?

    HONNE: Having been with my partner for 14 years, of course writing about love is going to be something that comes naturally to me. So this album, like a lot of our albums, is always going to continue celebrating that. For us, love is the most important thing in our lives.

    But we delve into different aspects of relationships. The importance of communication and openness in ‘Talk To Me’, and asking for help and support in ‘Heartsong’ and ‘Easy On Me’. 

    Aside from love, ‘Three Strikes’ is one of the more reflective songs on the album. I’m sure this song will mean different things to different people, but for me it’s about those moments in life when you just don’t feel yourself and all you can think about is retreating into yourself. Speaking as an introvert these are thoughts I have quite often and it feels like you have a huge weight hanging over you. Hopefully this song will offer some comfort knowing that it’s okay to feel like this way.

    Sarah: Ahh, yes, as an introvert myself I can definitely relate to that.

    Some other thing I’ve noticed is, that ’no song without you‘ is in all lowercase letters – but LET’S JUST SAY THE WORLD ENDED A WEEK FROM NOW, WHAT WOULD YOU DO?  is in all uppercase letters. Does that add to your album concept and is there a story to it? I mean, in BACK ON TOP there’s a line that says: “I go from lower into uppercase”, so I feel like it was definitely an intentional choice made?

    HONNE: Well spotted! That’s one of our favourite lines on the album actually.

    There’s not necessarily a story to it. But with each album we think about every detail of how it will be presented, and this is one of those details. I’m not sure why, but ‘no song without you’ felt like an all lowercase album, sonically speaking. But this new album feels uppercase. It’s bright, bold and open.

    Sarah: Well I’m glad I caught it then! And yeah, that makes perfect sense!

    So… I love love love the dream edits (gotta say I’m a sucker for slow songs) – do you have any plans to release remixes of this album as well?

    HONNE: Thank you! We love making those versions of the songs. It’s really fun to have the chance to show the songs in a different light.

    We’ve already released a stripped back version of ‘Coming Home’ with Niki – it’s called ‘COMING HOME feat Niki (Long Distance Recording)’. I can’t promise anything, but it’s always possible that some acoustic versions will appear at some point.

    Album Cover / Art Director: Daisy King

    Sarah: Let’s jump to a different topic: How did you come up with the cover for this album? The colour palette is so beautifully curated.

    HONNE: So it all started with the idea of the light beam. Rather than being an alien abduction or something ‘sci-fi’, for us it represents hope – a light at the end of the tunnel. And us hugging on the album cover essentially answers the question that our album title poses. If the world was ending a week from now, we would stay close to the people we care about the most. The colour palette is beautiful isn’t it! We can’t take credit for the whole thing. We worked with an amazing creative team, led by Art Director Daisy King. She has played such an integral part in making the visual world of this album come together.

    Sarah: Your last release was in July 2020 – did covid speed up album cycles for you? (Since there were no live shows last year, and basically everyone just stayed home for a while)

    HONNE: The short answer to this is – yes most definitely! Under normal circumstances we would tour for about a year and a half to two years after releasing an album. So being at home gave us time to continue being creative in the studio.

    Sarah: Our last question is always asking for an untold story: Something you’ve never shared in an interview before but want to share now. That can be anything from a funny tour anecdote, a random fun fact or just something you really want to tell your fans in Germany.

    HONNE: Ok, here is a little story about sheep (from Andy) – I grew up on a farm and I used to go out into the barn and sing and dance amongst all the sheep. They would stare and “baaaa” at me. I honestly thought they loved it, until one day, from out of nowhere a ram came in from the side and head butted my body knocking me down onto the floor. It hurt, a lot and I ran home crying. It was way too embarrassing to tell my family about it so I just kept it quiet. There isn’t really a moral to the story but it does make me realise that I’ve always liked performing in front of an audience even if they do tackle me to the floor halfway through.

    Hier könnt ihr jetzt noch ins Album reinhören! Sarah’s favourites sind COMING HOME, BACK ON TOP, HEARTSONG.

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  • Gundelach im Interview: »I try not to be too inspired and just go with the flow«

    Gundelach im Interview: »I try not to be too inspired and just go with the flow«

    Dass Genre-Grenzen mittlerweile der Vergangenheit angehören, sollte für die meisten wohl keine Neuigkeit mehr sein. Trotzdem finde ich es immer wieder beeindruckend, wie manche Künstler:innen immer wieder neue Wege finden, Musikstile zu mixen. Ein Künstler, der diese Kunst besonders gut beherrscht, ist Gundelach. Der Norweger mischt in seiner Musik Elemente aus Pop, Electronic, R&B und Folk, inspiriert vom Sound der 80er-Jahre. Dem ganzen liegt eine Art melancholischer Schleier über. Kai Gundelach – ja, sein Nachname ist auch sein Künstlername – schafft durch diese Mischung einen einzigartigen Sound, der schwer zu vergleichen ist. Ich habe Gundelach gefragt, wie seine Musik entsteht, was in inspiriert und was wir vom neuen Album, das für das nächste Jahr geplant ist, erwarten können.

    Gundelach im Interview

    Anna: Hej Kai, thank you for taking some time for the interview. Let’s start by introducing your and your music. If you were to introduce yourself and your music to someone who doesn’t know you or your music, how would you do that?

    Kai: I usually say that I make alternative pop music. I would describe both myself and my music as quite melancholic and nostalgic as well.

    Anna: What were your main musical influences throughout the years? Did it change from the time you were a DJ until now?

    Kai: It really changes from day to day. I buy vinyl that I still DJ with and I try to keep informed and on track with all the music around me. I am really inspired by electronic music but also a lot of other genres – hip hop, pop, black metal. There’s an old Norwegian singer “Radka Toneff” who is a big inspiration to me. But in general I try not to be too inspired by things, I want to keep a distance between my music consumption and the music I make myself.

    „Seeing Bon Iver live was really emotional for me“

    Anna: What is your favourite song from your debut album and why? Did that change in the past years?

    Kai: Duck Hunting is my favourite from that album. It went through a lot of different versions – I tried working with other producers and experimented with a lot of different stuff, but eventually ended up going back and using my own version, and now it is my most streamed song!

    Anna: What was the most memorable live experience you had so far?

    Kai: I saw Bon Iver at Øyafestivalen in 2010. I had been listening to his music for 3 years really obsessively but hadn’t seen it live yet and so it was a really emotional moment for me. And they were so so good. Karpe diem were closing on another stage at the same time as Bon Iver played so most people were at the other stage which is so random. At one point he asked someone to light a cigarette and at the same time it was lit, all these fireworks went off from the other stage, which was a total coincidence and everyone thought it was planned, it was so cool.

    Gundelach hat einen Song zu einem Selbstporträt Edvard Munch’s geschrieben

    Anna: I saw that you wrote your song „Bolder“ for the opening of the (new) Munch Museum part in June 2020. Why did you choose Munch’s painting „self-portrait in hell“ for that?

    Kai: I chose that picture because it was the one that resonated the most with me. I thought it would be easier to make a self-portrait rather than interpreting the other more known images.

    Anna: How was the process of writing „Bolder“ for you? Was it different from your songs before?

    Kai: It was different because it was a commissioned piece, but it was actually really nice because I had a deadline to stick to. I made it pretty fast, I had the whole rough idea within a week. I had this drum machine called the electon analog rytm and I made the whole basis of the track with just that. It was my first time having a visual stimulus, but since then I have done some work with film and commercial stuff. But it was nice with “Bolder” because I got to use it as my own song afterwards as well.

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    Acoustic-Session von „Riverside„, der neuen Single von Gundelach
    New album – new Gundelach – new sound?

    Anna: Why did you choose to publish „Vi er nærme nå“ in Norwegian (and not like your other songs before in English)?

    Kai: I don’t know really, I just felt like it. I normally have one song title in Norwegian on an album, even if the song itself is in English. But this time the chorus was in Norwegian when it came out of my head and I just decided to keep it. For me it’s not so important what language it’s in, it’s just about what I felt.

    Anna: Disclaimer: I listened to the demos of your new tracks and I feel like there are more folk elements in the new tracks compared to your previous songs. What would you say that we can expect from potential new tracks? Are there more changes in the sound?

    Kai: Yes, definitely more folk, country and guitar elements in there. With this album, I have tried to be really fluid and just have fun with friends and playing live instruments. My band mates have been a big part of the recording process this time, so you can expect a much more live approach.

    „I don’t want to push inspiration, I like to make things flow“

    Anna: That sounds very promising! What is your main inspiration for writing new songs at the moment?  

    Kai: That’s a hard question but I think I’m really inspired by life, walking, and things around me. I try to walk a lot and to absorb the scenery around me. But I also meditate a lot and practice yoga and I think that is inspirational for me. I am not so good at reading anymore, but I like to go into old books I’ve read and just take a few sentences away – I find that pretty inspiring. For me it is just about having the attitude of trying to make things flow instead of pushing it and sitting in the studio for 10 hours when you don’t want to be there. I just try to make stuff whenever I feel inspired, even if it is just for 15 minutes in one day.

    Gundelach’s Zusammenarbeit mit anderen Künstler:innen

    Anna: How important is collaborating with other artists for you?

    Kai: When I am collaborating with someone then it is very important to me, but when I’m not it is not something I feel like I have to do. It is really inspiring when someone says they are a fan of my work and want to collaborate, then it is usually a really quick process. When I work by myself it takes longer because I don’t get that instant validation. But it is really special when a good collaboration comes along.

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    Letztes Jahr veröffentlichte Gundelach den Song „Cynical Mind“ mit der norwegischen Sängerin AURORA

    Anna: How was the collaboration with AURORA?

    Kai: That was really cool. We actually wrote the song as part of this song camp in Bergen, which is not something I would normally go to, but this time I went and as a big fan of hers it was really special to work together. We wrote the song in 5 hours. She is a really special human being, so kind. I have never seen someone lay down vocal harmonies as fast and cleanly as she does.

    Anna: That really sounds like an inspiring collaboration. Thanks again for talking so openly about your music. I’m really looking forward to the new Gundelach album!

    Hier könnt ihr Gundelach’s neueste Single „Vi er nærme nå“ hören!

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    Fotocredit: Andres Dahl

  • FORWARD im Interview: „Man soll durch die EP das Gefühl haben, dass man Bock hat, seinen eigenen Weg zu gehen“

    FORWARD im Interview: „Man soll durch die EP das Gefühl haben, dass man Bock hat, seinen eigenen Weg zu gehen“

    FORWARD ist bei uns auf untoldency kein unbekannter Name mehr. Im vergangenen Monat sind sie ihren großen Schritt als Band gegangen und veröffentlichten ihre Debüt-EP „Overthinking My Mind At Large„. Die acht Jungs aus Hannover thematisieren darin vorwiegend die Zeit zwischen dem Schulabschluss und dem Erwachsenwerden. Immer wieder sticht dabei eine Message heraus: Seinen Weg zu gehen und sein eigenes Ding durchzuziehen. FORWARD finden sich zwischen Zukunftsängsten und zielgerichteten Träumen wieder. Dabei lassen sie aber nicht den Kopf hängen, denn ihr Gleichgewicht scheinen sie gefunden zu haben. Reflektierte Gedanken kombinieren sie ganz locker mit funky Indie-Pop, mal sehr tanzbar, mal sehr ruhig. Es gibt noch eine leckere Kirsche auf der Torte, denn drei Bläser schmücken die Band als fester Bestandteil und heben ihren Sound somit ganz klar von anderen Bands der deutschen Indie-Szene ab. Im Sommer bewiesen sie das auch live, in dem sie die ausverkauften Crowds bei ihren Support Shows von JEREMIAS überzeugten.

    Die sechs Tracks haben alle einen ganz besonderen Flair und fühlen sich, so kitschig das auch klingen mag, irgendwie nach einer warmen Umarmung an. Wer FORWARD verpasst und keine Umarmung haben will, fine. Aber dem entgeht eine vielversprechende, detailverliebte Newcomer Band, die vor Begeisterung für ihr eigenes Werk sprüht. Ich möchte an dieser Stelle gar nicht noch mehr dazu sagen, das habe ich schon in vorherigen Artikeln. Ich glaube, meine Position ist klar. Deshalb habe ich Tim, Arne und Ruben lieber selbst erzählen lassen.

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    FORWARD im Interview

    Dascha: Hey! Freut mich, dass das geklappt hat. Wie geht’s euch so kurz vor eurem Release?

    Ruben (FORWARD): Gut gut, aber langsam kommt die Nervosität.

    Tim (FORWARD): Jetzt realisiert man erst, dass man nichts mehr daran ändern kann, dass es veröffentlicht wird. Das ist ganz schön überwältigend, aber ich glaube, das ist auch normal. Wenn man zum Beispiel mit den JEREMIAS-Boys spricht, sagen die auch, dass es nicht abnimmt, weil ein Release immer wieder was besonderes ist.

    Dascha: Könnt ihr euch nochmal vorstellen, für alle, die euch noch nicht kennen?

    Ruben (FORWARD): Also wir sitzen stellvertretend für FORWARD hier. Eigentlich sind wir acht Leute, wir sind eine Band aus Hannover. Wir machen Indie-Pop, wobei es schwer ist, das so als Genre festzulegen, ich glaube aber jede Band hat dieses Problem. Wir machen seit zwei Jahren in dieser Konstellation Musik. Am Anfang war es so, dass echt nur Arne, Tim und Carl am Start waren. Dann kamen immer mehr Leute dazu.

    Tim (FORWARD): Ja genau, wir sind 3/8 der Band. Ich bin Tim, der Sänger, Ruben am Saxophon und Arne an der Gitarre.

    Dascha: Und wir habt ihr zusammengefunden?

    Tim (FORWARD): Also Arne und ich kennen uns schon ewig, seit der Krabbelgruppe und machen seit der Grundschule zusammen Musik. Auf der weiterführenden Schule ist dann unser Bassist dazu gekommen und wir haben erstmal Rock-Mucke gemacht, so ein bisschen AC/DC mäßig. Das hat sich dann über die Jahre immer weiter entwickelt. Seit zwei Jahren sind wir eben auch in dieser Besetzung mit den drei Bläsern und dementsprechend hat sich auch das Genre komplett gewechselt. Aber wir haben uns alle durch die Schule kennengelernt und die Musik als gemeinsamen Nenner gefunden. Nicht in irgendeiner Musikhochschule, sondern einfach auf dem Pausenhof.

    Dascha: Noch richtig real also!

    Alle: (lachen)

    Dascha: Wann habt ihr ganz bewusst angefangen an der EP zu arbeiten?

    Tim (FORWARD): Der erste bewusste Schritt, dass wir gesagt haben, wir nehmen jetzt eine EP auf, war eigentlich erst dann, als wir schon ein paar Songs hatten. Die EP ist eher so entstanden, dass wir uns als Band gefunden haben, unseren Sound gefunden haben, dann Songs geschrieben haben, die wir cool fanden und dann ist das so über diese zwei Jahre entstanden. Wir haben immer wieder neue Songs und Ideen mit eingebracht. Dann haben wir gemerkt, dass wir schon einige Songs haben und die sogar zusammen passen, sodass wir auch eine EP daraus machen können. Wir haben es also eigentlich erst im Prozess gecheckt.

    Dascha: Welchen Vibe oder welche Message soll die Hörer:innen der EP erreichen?

    Ruben (FORWARD): Das umfasst eigentlich so die ganze Zeit, in der die Songs entstanden sind. In der Zeit nach der Schule bis hier hin sind bei uns intensive Dinge passiert, zum Beispiel, dass man von zu Hause auszieht. Und man anfängt an sich damit auseinander zu setzen, was man machen will. Man merkt dabei auch, dass es Menschen gibt, die nicht so Fans davon sind, dass man das machen will und auch man selbst merkt, dass es gewisse Hürden gibt. Das sind Dinge, mit denen wir uns viel auseinander gesetzt haben und die einen wichtigen Teil der EP übernehmen. Aber das ist nicht nur negativ, weil wir dementsprechend auch versuchen, eine Antwort darauf zu finden. Da haben wir zum Beispiel On The Run, der eigentlich viel mehr Zuversicht ausspricht, dass man die Ziele doch irgendwie erreichen kann. Dass wenn man denkt, es geht nicht, es doch Wege gibt.

    Tim (FORWARD): Diese Suche nach sich selbst, was man eigentlich machen möchte und eben dieser Struggle, der von außen dazu kommt, was andere von einem erwarten. Wenn man die EP gehört hat, soll man das Gefühl haben, dass man Bock hat, seinen eigenen Weg zu gehen und sein eigenes Ding zu machen. Dazu zu stehen Fehler zu machen und das alles, was andere sagen, zweitrangig ist.

    Dascha: Sehr schön erklärt! Und wonach habt ihr die Reihenfolge der Tracks bestimmt? Hattet ihr einen roten Faden im Kopf oder hat es sich so einfach richtig angefühlt?

    Tim (FORWARD): Da steckt auf jeden Fall ein roter Faden dahinter und der ist an die Inhalte der Songs gebunden. Also es ist nicht so, dass die EP komplett konzipiert ist, wir haben ja schon erwähnt, dass die Songs peu a peu entstanden sind. Aber es steckt schon eine Chronologie dahinter. Die ersten Songs, Julia und Overdrive, haben so eine jugendliche Leichtigkeit und Aufbruchstimmung und dann kommen auf dem Weg Aspekte dazu, wo man merkt, dass es nicht immer so einfach ist. Man wird irgendwann losgelöst von diesem vorgelebten Schul- und Aufwachs-Kosmos, plötzlich kommen Probleme dazu, die es vorher nicht gab. Man hat mega Bock loszulegen, aber dann kommen eben Probleme, die vielleicht Zukunftsängste bergen und darum kümmern sich die Songs To Be Defined und Quarterlife Crisis. Diese Frage, ob man seine Träume verfolgt oder lieber doch etwas sicheres macht und alle im Umfeld happy damit sind. Und damit ist On The Run der Appell am Ende, der quasi beide Seiten zusammenbringt und aussagt, dass man sein Ding einfach durchziehen soll.

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    Dascha: Jetzt hast du es schon angedeutet, aber ich würde gerne nochmal auf To Be Defined zu sprechen kommen. das ist ja auch ein ganz neuer Song, der nicht schon vorher released war. Was genau bedeutet der Song für euch?

    Tim (FORWARD): To Be Defined ist auf zwei Seiten irgendwie ganz interessant. Einmal, weil es eben um diesen Konflikt geht, den ich eben schon angerissen habe. Bei mir war es oft so, dass ich in der Schule erwähnt habe, dass ich nach dem Abi am liebsten Mucke machen würde und ich oft schnippische Kommentare wie „Das ist doch nur brotlose Kunst“ bekommen habe. Und dann so „Aber was ist dann das Ernste, Richtige, was du noch machst?“ Und dann ist das so dieser fucked up Moment, wo du dir denkst „Ey, warum willst du das überhaupt wissen, du bist Bankkaufmann oder Bankkauffrau oder arbeitest seit 40 Jahren im selben Unternehmen“.

    Dann hat man halt den sicheren Weg gewählt, das will ich gar nicht judgen, aber dann hat man halt keine Ahnung, was das für mich bedeutet. Das ist so ein bisschen die Erkenntnis, die in dem Song rauskommt. Gleichzeitig war es auch ein Song, den Arne und ich in Berlin geschrieben haben, als wir das erste mal von zu Hause weggezogen sind. Arne hat ein bisschen Musik studiert in Berlin und ich hab ein Praktikum gemacht. Wir waren zusammen in einer Wohnung und hatten dieses Gefühl der Selbstständigkeit und eben diesen Berlin-Flair, das waren so viele Reize im Überfluss.

    Arne (FORWARD): Genau, der erinnert mich auch immer wieder an diese Zeit.

    Dascha: Ihr erzählt immer so in der Vergangenheit davon. Heißt das, ihr habt euch jetzt von diesen Meinungen von Außen losreißen können oder begegnet ihr dem immer noch?

    Ruben (FORWARD): Es ist schon etwas, womit man sich noch rumschlagen muss. Aber das Schöne ist, über die Zeit lernt man mehr Menschen kennen, die in dieser Musik-Szene sind und auch davon leben und merkt, dass es möglich ist. Und dass es nicht stimmt, wie einem oft gesagt wird, dass man extrem Glück haben muss oder man landet auf der Straße. Das zu sehen gibt einem total viel Zuversicht. Ich werde aber trotzdem häufig damit konfrontiert, dass es ja ein ganz nettes Hobby sei, aber was ich denn sonst so Richtiges mache. Aber ich bin mit mir im Reinen und ich weiß es gibt einen Weg. Man kann auch irgendwann viel besser gegen solche Leute argumentieren. Dann hat man auch mehr konkrete Argumente in der Hand und die Leute merken vielleicht „Okay, krass, da steckt ja viel mehr dahinter“. Aber ja, man wird mit sowas immer wieder konfrontiert und ich glaube das hört auch nicht auf, bis du mal bei Inas Nacht gespielt hast, oderso. (lacht)

    Tim (FORWARD): Ich würde das gar nicht so sehr nur auf das Musik machen beziehen, sondern das ist ja einfach omnipräsent für jeden Weg, den man geht. Es wäre auch unnatürlich, wenn man keinen Selbstzweifeln begegnen würde. Ich glaube dieser Konflikt ist am intensivsten in der Umbruchphase direkt nach dem Schulabschluss. Aber eigentlich besingt die EP ja die komplette Phase von Anfang 20 bis Mitte 30, sowas kann ja immer wieder kommen. Es ist ja auch schwierig zu sagen, dass man sein Ding gefunden hat und dann sein Leben lang dabei bleibt. Vielleicht sagt man 40 auch, dass man Bock hat sich komplett neu zu orientieren. Nicht, dass ich da schon drüber nachdenke, aber es wäre ja möglich.

    Ruben (FORWARD): Ich glaube das vergessen total viele Leute. Ich merke das immer, wenn ich ehemalige Mitschüler:innen treffe und höre, dass die ihr Studium mega schnell durch hustlen, um dann direkt zu arbeiten. Und ich denke mir immer so „Ja cool, jetzt seid ihr schon da, wo ihr hinwolltet, aber was passiert jetzt noch?“ Ich meine, ich hab so viele Leute kennengelernt, die mit 30 oder 40 angefangen haben, was neues zu studieren oder zu erlernen. Es ist halt nie zu spät, mit neuen Dingen anzufangen und ich finde das vergisst man viel zu oft. Dadurch machen sich so viele Leute Stress, aus einem Grund, der gar nicht wirklich existent ist.

    Dascha: Ich fühle mich gerade, als würde ich bei einer inspirierenden Lebensberatung sitzen.

    Tim (FORWARD): Du schaffst das, Dascha! Du musst nur auf dein herz hören! Wir werden jetzt Kalenderspruch-Band. (lacht)

    Dascha: Ihr seid ja von der Anzahl her eine vergleichsweise große Band. Wie läuft da das Songwriting ab? Wie kommt ihr untereinander klar?

    Arne (FORWARD): Manchmal ist es ein bisschen tricky, aber wir kommen klar. Ich würde sagen, dass Ruben und ich musikalisch die Hauptsongwriter sind. Wir kommen immer mit den neuen musikalischen Ideen an, wir sind jetzt auch zusammengezogen. Dann haben wir mehr Zeit uns da dranzusetzen und neue Ideen zu entwickeln. Dann basteln wir meistens eine kleine Demo zusammen, dann wird die an alle rausgeschickt und alle müssen sich die anhören. Danach bekommt jeder die Chance seinen Senf dazu zu geben. Manchmal ist das auch stressig, weil ja jeder eine andere Vorstellung von Songs hat und jeder sich einbringen will.

    Mit acht Menschen in einer Band ist es auch schwer, dass sich jeder auf seinem Instrument wirklich auf einem Song zeigen kann. Manchmal ist das Motto „weniger ist mehr“, manchmal muss man sich eben zurücknehmen. Es gibt auch Songs wo ich zum Beispiel keine Gitarre spiele, dann ist das halt so, solange es dem Song gut tut. So basteln wir dann daran und versuchen beim Prozess alle happy zu kriegen. Dann fängt Tim an dazu zu singen und schreibt den meistens Text nachträglich.

    Ruben (FORWARD): Also wir drei schreiben die Songs eigentlich, aber die Details kommen dann von allen acht individuell dazu. Das ist ganz schön, so ist von jedem aus der Band am Ende ein Fingerabdruck auf dem Song drauf.

    Arne (FORWARD): Wenn ich eine Song-Idee habe, habe ich immer schon eine sehr krasse Vorstellung davon, wie er am Ende klingen soll. Aber wenn die anderen dann noch ihre Ideen dazu geben, kommt am Ende trotzdem etwas besseres raus, als ich es mir am Anfang hätte vorstellen können. Das find ich aber schön, das macht unseren Sound wahrscheinlich auch aus. Das meinen wir damit, wenn wir sagen, es ist etwas schwer den Sound einzuordnen, weil wir alle unterschiedliche Einflüsse einbringen. Manche hören mehr Funk, manche Jazz, manche Rock oder Pop und dann kommt das da alles zusammen.

    Dascha: Und war euch von Anfang an klar, dass ihr englischsprachige Musik machen wollt oder wie seid ihr dazu gekommen?

    Tim (FORWARD): Ich singe seit Anfang an auf Englisch. Damals als Arne und ich diese Rockphase hatten, fanden wir das einfach am coolsten. Das war halt die Mucke von den ganz Großen. Mit der Musik konnte ich mich am meisten identifizieren. 90% der Musik, die wir in der Band hören ist englischsprachig und da zieht sich die meiste Inspiration raus. Was ich auch ganz schön finde ist, dass wenn man im deutschsprachigen Raum Musik auf Englisch macht, man niemandem diesen Text aufdrückt. Du kannst hinhören, wenn du möchtest, aber du tust es meistens nicht automatisch. Wenn man einen deutschen Song hört, ist man gezwungen auf den Text zu hören. Gerade bei unserer Mucke möchten wir, dass das Augenmerk auch auf andere Aspekte gelegt wird, um die ganze Bandbreite wahrzunehmen.

    Dascha: Stimmt, da hast du Recht. Mal ein anderes Thema: Ihr habt im Sommer ja mehrere größere Shows mit JEREMIAS gespielt. Was nehmt ihr davon mit?

    Ruben (FORWARD): Dass ich nichts anderes machen will! Ich weiß noch, dass ich nach der ersten Show in Köln total beseelt nach Hause gefahren bin und wir das alle erstmal verarbeiten mussten. Das war auch unser erstes Konzert in dieser Größenart. Da war so eine Energie, das war total krass. Ich hab danach mit meiner Mom telefoniert und meinte nur „Ey, ich hab gerade den Traum gelebt.“ Ich wollte am liebsten nur noch weiter rumfahren, Konzerte spielen und die Leute mit Musik überzeugen und begeistern. Das ist so ein krasses Gefühl, das sich da zum ersten Mal so in einer größeren Perfektion für mich gezeigt hat.

    Tim (FORWARD): Absolut! Das ist so ein ultra Privileg, dass wir das so kurz nach Lockdown erleben durften. In Köln, wo wir uns ja auch gesehen haben, war das für uns das erste Mal wieder so eine Masse an Menschen zu sehen und zusammen einen geilen Abend zu haben. Und dabei dann noch seine Musik präsentieren zu dürfen war ein einfach ultra krasses Erlebnis. Ich hab es immer noch nicht ganz verarbeitet.

    Arne (FORWARD): Ich fand es auch krass zu sehen, was bei so größeren Gigs auf professioneller Ebene noch alles dazu gehört. Das ist ja viel mehr, als sich einfach nur auf die Bühne zu stellen. Das ganze Umfeld, der ganze Prozess, da mal reinzuschnuppern, das fand ich richtig schön. Ich hab persönlich gemerkt, dass mir auch das Drumherum Spaß macht. Auch das Auf- und Abbauen und verkabeln und dort den Tag zu verbringen. Alles arbeitet auf diesen Auftritt hin und dann ist das ein richtig erfüllendes Gefühl am Abend.

    Ruben (FORWARD): Allein dieses Unterwegssein und rumfahren war so ein krasses Gefühl. Das hat vorher noch gar nicht so in meiner Gefühlswelt existiert. Letzte Woche sind wir zu dem Release-Konzert von den Power Plush’s gefahren und wir saßen so im Auto und dachten „Alter, es ist so ein geiles Gefühl wieder unterwegs zu sein“. In eine Stadt fahren, neues erleben und Leute kennenlernen, das ist einfach so schön.

    Dascha: Das klingt echt schön. Das hat mich auch nochmal an meinen Sommer erinnert. Habt ihr irgendwas, was ihr als Band unbedingt mal erreichen wollt in der Zukunft?

    Ruben (FORWARD): Für mich ist es auf jeden Fall eine eigene Tour zu spielen. Noch mehr unterwegs zu sein, noch mehr Konzerte zu spielen. Als Künstler seine eigene Mucke an neue Leute zu bringen und dafür durch Deutschland zu fahren. Das ist wirklich mein Traum zu sagen, wir sind jetzt die nächsten drei Wochen auf eigener Tour und sind jeden Tag in einer neuen Stadt.

    Tim und Arne (FORWARD): Ja, absolut!

    Dascha: Das klappt bestimmt! Dann bin ich jetzt bei meiner letzten Frage. Das ist ja bei uns immer eine untold story, also eine Geschichte, die ihr noch nicht erzählt habt.

    Tim (FORWARD): Als wir unsere EP aufgenommen haben, waren wir in Leipzig im Studio. Wir sind total euphorisiert da angekommen und haben alles aufgebaut und vorbereitet. Normalerweise sind wir die Band mit der besten Verpflegung: Das ist quasi schon mal die erste untold story. Du hast quasi gerade drei Profiköche vor dir sitzen.

    Ruben (FORWARD): Wir kochen wirklich sehr gerne, das wird auch immer sehr appreciated von den anderen.

    Tim (FORWARD): Aber am ersten Tag in Leipzig hatten wir es irgendwie vercheckt und vergessen einzukaufen. Dann dachten wir, wir holen uns einfach spät Abends auf dem Weg zum Airbnb was. Aber wir wussten noch nicht, dass in Leipzig ab 10 quasi nichts mehr offen ist.

    Ruben (FORWARD): Dann waren wir Nachts mit Fahrrädern unterwegs und es gab nichts. Wir waren bei zwei Restaurants, die auf Lieferando noch als geöffnet angezeigt wurden, aber dann doch geschlossen waren. Dann irgendwann haben wir doch noch was gefunden und dort Essen bestellt. Es wurde dann immer später und später, wir mussten relativ früh raus am nächsten Tag. Ende der Geschichte: alle aus der Band außer zwei haben schon gepennt und das Essen kam um vier Uhr morgens an. Als wir aufgewacht sind stand da dieses ganze Essen. Es war absolut nicht genießbar. Wir haben danach erst online gesehen, dass das Restaurant nur eins von fünf Sternen als Bewertung hatte.

    Wer den Vibe, den FORWARD gemeinsam haben und ihre Konzerte im Sommer nachempfinden möchte, sollte ich sich das unbedingt anschauen:

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    Foto Credits: Julius Bracke
  • Varley im Interview: »A lot of songs on the album are about finding peace with your inner demons.«

    Varley im Interview: »A lot of songs on the album are about finding peace with your inner demons.«

    Im Mai hatten wir sie euch bereits mit ihrer Single Push And Pull vorgestellt, jetzt haben wir sie mit ihrem Debütalbum im Interview. Das Indie-Pop Trio Varley bringt Dublin und Berlin zusammen und machen Musik auf eine so ehrliche und befreite Art, dass sie definitiv auf eurem Newcomer:innen-Zettel stehen sollten. Wir haben mit ihnen über ihre Texte und Songs auf „Smalltalk & DMCs“ gesprochen und darüber, welche Acts sie auf einem fiktiven „Varley curated festival“ platzieren würde.

     
    Varley im Interview

    Anna: Hey! To get right into the topic and feelings: “Smalltalk & DMCs” is your debut album as a band, how does it feel having your work and music out in the world after working on it for so long?

    Varley: It feels really good. We started working on the record a year and a half ago, so now having people listen to what we created feels really liberating. It can be a little bit daunting letting people peek inside your head. But all of the positive feedback that has come with releasing the album has made it all worthwhile.

    Anna: Let’s talk about that title, what does it mean?

    Varley: The album plays with a lot of contrast. We talk about a lot of uncomfortable topics such as loneliness and mental health but there are moments of defiance, strength and admiration for the people we look up to. We loved the line ‘finding a line between smalltalk & DMCs never fared well for me, I just shouldn’t speak’ from The Pressure and thought the contrast between smalltalk & DMCs summed up the album perfectly. DMCs means ‘Deep Meaningful Conversations’ by the way 🙂

    Anna: And while we’re already at the basics of the album: What does the pin on the cover stand for?

    Varley: It’s pretty much open to interpretation and you can take a lot of different things from it. For us it’s bursting the bubble, but not necessarily in a negative way. A lot of songs on the album are about finding peace with your inner demons, or letting go of baggage. So we felt the pin really fit this.

     
    “There was something so magical about them.”

    Anna: What song was the most fun making?

    Varley: There were a lot of fun moments making the record but two days really stick out to us. One of them being when we wrote Disease. Matze had just recorded the guitar lick and put some drums under it and asked Claire-Ann to sing something over it to get a rough idea of where it could go. Claire-Ann jammed out the whole song in one take, lyrics and all. In the end we took those ‘demo’ vocals for the finished production because there is something so magical about them.

    Another stand out moment was when Claire-Ann and Joschka wrote the bones of ‘Push Pull’ & ‘Feel It’ on the same day. Obviously it took way longer than that to finish them. Especially Feel It as we tried out a lot of things with it. So maybe that one was the most fun and the most work at the same time.

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    Anna: Are you someone that feels comfortable in small talks or do you rather have deeper conversations with people?

    Varley: We are all very different here and it really depends on who we are talking to. But in general we love a good dmc with our very close friends.


    “We found it sad that something so special can just fade away.”

    Anna: Referring to one of the songs on the record: If you would “go down where the wind blows”, where would that be?

    Varley: That’s somewhat different for each of us. Without saying which one of us chose were, these were the places that came up:

    • relaxing either in the alp skiing or in the south of France doing nothing,
    • anywhere where the wifi signal is so bad that one can completely shut off,
    • somewhere on the coast in a nice cabin.

    We talked about a trip to Ireland together, that might be nice, and a good possibility of wind blowing, too, hehe.

    Anna: In “A Little Bit Funny” you talk about friendships that grow apart over time. How did you experience that? And what are the songs that remind you of that time?

    Varley: We wrote the lyrics after a long chat about long lost friendships, which, at some point in life, we thought would last forever, and then years later you can’t even pinpoint the moment the relationship stopped. We found it so sad that something so special can just fade away. Although in saying that we are just grateful for the years that we had those friendships.

    Anna: For your second single this year “Push And Pull” you shot a music video with a 70s aesthetic that I found really fitting to the story of the song. How did you come up with that and how was shooting the video?

    Varley: That was actually so much fun! We worked together with Jen Krause and she told us about the Hotel that we filmed in. It actually has not changed since the 70s and everything there is original from that time. We thought it fit the vibe of the song really nice, the main character being stuck in the past, living with his parents trying to break free.

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    Anna: This one is difficult: If you had to put together a line up for one festival night only, which artists would headline the „Varley curated Festival night“?

    Varley: It changes so often depending on who we really love at the moment. But right now if we could pick three bands it would be Sophie Hunger, Alice Phoebe Lou and Alex Mayr.

    Anna: Last question is always an untold story. You can now share any story you want that you haven’t shared in an interview before but always wanted to.

    Varley: Back in 2018 we booked a house in Brandenburg to start writing for Varley . After spending the first 3 days on the couch watching Netflix we started to get a little bit freaked that we hadn’t written anything. So the boys gave Claire-Ann 20 minutes to write something before dinner was ready and in those 20 minutes our first single, Roamer, was written!

     

    Hier könnt ihr in das Debütalbum Smalltalks & DMCs reinhören. Anspieltipps: Bubble Up, Disease, A Little Bit Funny:

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    Fotocredit: Jen Krause

  • Power Plush im Interview: „Wir wollen einen Safe Space, in dem man das Gefühl hat, sich mitteilen und äußern zu dürfen“

    Power Plush im Interview: „Wir wollen einen Safe Space, in dem man das Gefühl hat, sich mitteilen und äußern zu dürfen“

    Weicher, sonniger Indie-Pop mit mehrstimmigem Gesang aus Chemnitz, der von ehrlichen Gefühlen handelt. Genau das bieten Power Plush auf ihrer Debüt-EP „Vomiting Emotions„, die vergangenen Monat erschien. Ein Intro und fünf Songs, die beim Hören das warme Gefühl, gut aufgehoben zu sein, hinterlassen. Wie der Titel bereits hindeutet, liegt der Fokus ganz darauf, Emotionen freien Lauf zu lassen und vor allem sie zu zu lassen. Mit dieser süßen Message im Gepäck bringen Svenja, Nino, Maria und Anja die passenden Soundtracks zum Tagträumen an Sonntagen im Bett oder Spaziergängen an lauwarmen Abenden mit. Bereits am Anfang des Jahres habe ich die Band zum Vorstellungsinterview eingeladen (hier geht’s zum Artikel), aber seit dem hat sich bei ihnen eine Menge getan. Power Plush haben einige Gigs und Supportshows für unter anderem Bands wie Von Wegen Lisbeth, Leoniden, Rikas und Pabst gespielt, sind nun beim von Blond gegründeten Musiklabel „Beton Klunker„, haben mehr Songs veröffentlicht und in der Szene Fuß gefasst. Beste Voraussetzungen, um jetzt richtig durchzustarten! Und seien wir ehrlich, wenn man ein Mal die herzliche, liebe Art, die auch in ihren Songs durchkommt, erlebt hat, schließt man die Vier direkt in’s Herz.

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    Maria und Anja von Power Plush im Interview

    Dascha: Hey ihr Lieben, schön, dass das geklappt hat! Könnt ihr euch nochmal vorstellen für alle die euch noch nicht, aber hoffentlich bald, kennen?

    Anja (Power Plush): Sehr gerne! Wir sind die Band Power Plush aus Chemnitz und seit letztem Jahr machen wir in dieser Konstellation Musik. Wir sind zu viert: Maria an Gitarre und Vocals, Svenja auch an Gitarre und Vocals, Nino am Schlagzeug und ich, Anja, am Bass und Vocals. Ich würde sagen wir machen dreamy Indie-Pop-Rock und wir bringen jetzt unsere EP raus. Unsere erste!

    Dascha: Und wie geht’s euch damit? Seid ihr aufgeregt?

    Maria (Power Plush): Schon!

    Anja (Power Plush): Es gibt noch ein paar Sachen vorzubereiten und wir machen ja auch noch eine Releaseparty. Währenddessen wird man langsam schon etwas aufgeregt. Ich fange langsam an zu checken, dass die EP jetzt wirklich rauskommt.

    Maria (Power Plush): Dito, ich war diese Woche im Record Store und hab mich mit den Menschen dort unterhalten, die wollen Exemplare unserer Platte verkaufen. Das war für mich total absurd, aber auch schön. Ich freu mich darauf, wenn wir in den Plattenladen gehen können und einfach unser Baby da liegt.

    Dascha: Wie schön! Und wann hattet ihr die Realisation, dass ihr jetzt wirklich an eurer Debüt EP arbeitet? Hattet ihr so einen bestimmten Moment?

    Anja (Power Plush): Ich würde schon sagen, dass wir so einen Moment hatten. So gegen Ende letzten Jahres hatte es sich abgezeichnet, dass wir ziemlich viele gute Songideen haben. Da waren wir kurz vor Release unserer dritten Single und wir dachten „Hmm, jetzt nochmal Singles wär eigentlich Quatsch. Wieso packen wir das nicht in ein Ganzes?“. Und dann dachten wir „Hey, lass uns doch einfach eine EP machen!“. Das war schon so ein Knackpunkt.

    Maria (Power Plush): Ja, ich würde auch sagen, Ende letzten Jahres wurde das unser Plan für dieses Jahr. Wir wussten da zwar noch nicht genau, auf was für ein Endprodukt es letztendlich hinauslaufen würde. Aber spätestens als wir uns im Februar getroffen hatten, um über die Produktion zu sprechen, war es klar für uns.

    Dascha: Ihr habt eure ersten Singles aber nicht auf die EP gepackt, wieso habt ihr euch dazu entschieden sie wegzulassen?

    Anja (Power Plush): Die ersten Singles waren für uns eher viel ausprobieren. Also die EP ist natürlich auch noch viel ausprobiert, aber die Singles waren eher eine Art Vorstellung. Bei den ersten drei Songs hat jede von uns jeweils ein Mal die Mainvocals gesungen. Das war eher so „Lasst uns den Leuten mal ungefähr zeigen wer wir sind!“ und auch um für uns rauszufinden, wie es sich anfühlt Sachen zu releasen. Aber damit war das dann abgeschlossen.

    Maria (Power Plush): Ich würde mich dem anschließen. Intern haben wir das immer unsere „Vorstellungs-Ära“ genannt. (lacht)

    Anja (Power Plush): Auf der EP wollten wir dann zeigen was wir in der Zeit schon gelernt haben und anwenden können.

    Maria (Power Plush): Die Singles sind ja auch ganz unterschiedlich, einerseits untereinander, aber andererseits auch im Vergleich zur EP. Für uns selbst ist das was ganz getrenntes, da waren wir noch nicht so weit mit unserem Instrumental-Können, so nenne ich es mal, aber auch einfach vom Klang, weil wir jetzt mit anderen Leuten zusammengearbeitet haben.

    Dascha: Wie würdet ihr euren Songwriting Prozess beschreiben? Es kommt ja auch nicht so häufig vor, dass es mehrere Mainvocals in einer Band gibt. Denkt ihr, das hat gewisse Vorteile für euch?

    Anja (Power Plush): Also die Mainvocals zu wechseln hat auf jeden Fall als Vorteil, dass man sich ein bisschen entspannen kann, wenn man gerade nicht dran ist. (lacht) Was das Songwriting angeht, wir bringen alle immer mal Songskizzen mit, die dann gemeinsam ausgearbeitet werden. Ich glaube ein Vorteil wenn mehrere Leute die Songs schreiben ist, dass es einfach etwas diverser wird. Man kann viel mehr unterschiedliche Ideen in den Prozess reinnehmen. Ich glaube das kann sich nur positiv auf die Songs auswirken.

    Maria (Power Plush): Ich finde es auch immer schön einander mit den Stimmen kennenzulernen. Da kann man gucken, welche Stimme in welchem Kontext total gut passt. Manchmal schreibe ich eine Songskizze und denke mir „Uff, das ist ganz schön hoch, da komm ich gar nicht hin“, dann hab ich halt die Möglichkeit Anja zu fragen, ob sie Lust hat das zu singen. So kann man jegliche Ideen auch tatsächlich verwirklichen.

    Anja (Power Plush): Genau, da ist einfach mehr Spielraum.

    Maria (Power Plush): Das klingt vielleicht seltsam, aber live mag ich es viel lieber nicht zu singen. (lacht) Man kann viel besser viben und sich dem Song hingeben, wenn man nicht an das Mikrofon gebunden ist.

    Dascha: Wie habt ihr die Reihenfolge der Tracks bestimmt?

    Anja (Power Plush): Also natürlich entscheidet man da auch sehr viel nach Bauchgefühl. Wenn man die Songs aufnimmt lernt man die Songs nochmal ganz neu und intensiv kennen. Bei Smth Cool hatten wir das Gefühl, dass sich da wirklich etwas öffnet und dass der deswegen an den Anfang muss. Das ist so welcoming und so offen und frei, das hätte nicht zum Ende gepasst. So haben wir nach und nach die Tracklist erstellt. Bei Feelz ist es so ein abruptes Ende, dass man denkt „Kommt da jetzt noch was?“. Vielleicht haben die Leute dadurch am Schluss Bock sich die EP nochmal anzuhören. Vielleicht gibt das den Anreiz, dass man mehr möchte.

    Dascha: Das hatte bei mir tatsächlich auch diese Wirkung. Ich hab immer vergessen, dass Feelz schon am Ende war und war kurz verwirrt, wieso da nichts kam. Und hab’s dann einfach im Loop laufen lassen.

    Maria (Power Plush): Sehr gut, es hat funktioniert! (lacht)

    Dascha: Mich hat I Need to Rearrange My Life sehr gecatched, den mag ich sehr sehr gerne. Wollt ihr mal erzählen, was der Hintergrund ist und was für Gedanken dahinter stecken?

    Anja (Power Plush): Wir haben zwar keine Corona-Songs geschrieben, aber viele Songs sind halt in dieser ganz akuten Zeit der Pandemie entstanden. Da merkt man schon auch ein bisschen den Einfluss. Das war eine Zeit in der ich viele Entscheidungen treffen musste, von denen ich im Endeffekt dachte, es seien die falschen Entscheidungen, weil es am Anfang nicht so lief, wie ich es mir vorgestellt habe. Und wenn man sich dabei noch in dieser kompletten Ausnahmesituation befindet, denkt man „Du hast alles falsch gemacht, du musst komplett neu starten“ und hinterfragt alle Entscheidungen. Dann gerät man in so eine Starre, in der man dann gar nichts mehr macht, weil man einfach mal auf „Stop“ oder eher auf „Reset“ drücken muss. Aus diesem akuten Gefühl ist der Song entstanden, weil ich dachte „Boah, ich muss jetzt mal alles umstellen“. Obwohl im Endeffekt alles gar nicht so schlimm ist, wie es sich in dem Moment anfühlt.

    Dascha: Welcher Gefühl soll die EP an eure Hörer und Hörerinnen vermitteln? Was erhofft ihr euch da?

    Maria (Power Plush): Ich glaube unser EP-Titel „Vomiting Emotions“ ist da ein bisschen unser Lebensmotto. Wir als Band gehen relativ offen mit Emotionen, Stimmungen und Ängsten um, damit machen wir sehr positive Erfahrungen. Wir wollen den Leuten an die Hand geben, dass wenn sie etwas beschäftigt, Gefühle auskotzen wichtig und gesund ist. Im Idealfall kommt man sich dadurch noch näher und kann ein konkretes Verständnis für einander entwickeln.

    Anja (Power Plush): Genau, wir wollen einfach einen Safe Space, in dem man das Gefühl hat, sich mitteilen und äußern zu dürfen. Das ist das, was wir uns immer von unserer Umgebung wünschen und vor allem in der Band auch haben. Das wollen wir auch nach Außen tragen und Leuten mitgeben.

    Dascha: So schön! Funfact: Ich finde das Cover trägt zu dem Gefühl bei. Ich bin sehr picky bei Covern und finde das macht viel aus, euer EP-Cover und die von den Singles passen farblich so gut und sieht genauso aus, wie es klingt.

    Anja (Power Plush): Oh, danke, das freut uns sehr!

    Dascha: Ihr habt euch ja direkt als Band zusammengefunden, beziehungsweise ihr wurdet verkuppelt ohne euch vorher richtig gekannt zu haben. Glaubt ihr, es macht einen Unterschied, ob man sich für die Musik zusammenfindet oder ob man vor der Band schon lange befreundet war?

    Anja (Power Plush): Ich glaube schon, dass es einen Unterschied macht. Wenn man vorher befreundet war, hat man ja direkt einen anderen Umgang miteinander und hat nicht erstmal diese Herantast-Phase. Fühl ich mich wohl? Trau ich mich, meine Ideen zu äußern? Sowas. Das hatten zwar sehr stark am Anfang, aber das war eigentlich ganz sweet, weil es uns allen so ging. Ich finde wir hatten extrem Glück, dass wir uns gefunden haben, weil wir uns so gut verstehen. Es gibt bestimmt auch Leute, die sich für die Musik zusammenfinden und dann passt es bei denen doch nicht so gut. Wobei ich glaube, dass wenn man schon ganz jung zusammen angefangen hat Musik zu machen oder aus diesem klassischen Schulband-Kontext kommt, da läuft das alles ganz organisch ab. Weil man sich aus anderen Situationen und die Persönlichkeitsmerkmale schon so gut kennt.

    Maria (Power Plush): Wir hatten wirklich Glück! Am Anfang waren wir sehr pragmatisch, aber zum Glück sind schnell Freundschaften daraus entstanden.

    Anja (Power Plush): Im Endeffekt gibt es ja nachweislich beide Formen. Aber uns hat es auf keinen Fall geschadet, dass wir uns erst als Band kennengelernt haben. Wir hatten halt extrem diese Energie, um direkt etwas zu veröffentlichen und gleichzeitig extremes Glück, dass wir uns so gern haben.

    Dascha: Ich hab letztens an unser Interview im Winter im Lockdown zurück gedacht und daran, dass wir darüber geredet haben, wie geil es wäre, wenigstens mal sorgenfrei ein Bier mit Freund*innen trinken zu gehen. Jetzt sitzen wir hier und im Sommer ist doch noch eine Menge möglich gewesen. Vor allem bei euch, ihr habt ja einige Konzerte und große Supportshows gespielt! Wie war das für euch? Im Lockdown anzufangen Songs zu releasen und jetzt so richtig loszulegen?

    Anja (Power Plush): Es war auf jeden Fall crazy. So im Frühling hatten wir schon ein paar Anfragen bekommen, wo wir einfach nur dachten „Geil, wir können ein, zwei Konzerte spielen!“ Aber dass es dann so richtig Fahrt angenommen hat, war total verrückt für uns. Es hat ja angefangen mit dem Rikas Konzert in Berlin, wo wir Support waren, das war unser erstes Konzert dieses Jahr und unser erstes Konzert überhaupt zusammen mit Nino am Schlagzeug. Und direkt danach kam die Anfrage für das Leoniden Konzert wo wir uns einfach nur dachten „Whaaaaat?“

    Maria (Power Plush): Das war ja so groß und so eine riesen Bühne! 1500 Leute oderso.

    Anja (Power Plush): Das war überhaupt nicht vorstellbar für uns. Aber es ist auch einfach geil. Jedes Konzert mach auch einfach so viel Spaß! Wenn wir zusammen auf der Bühne stehen, ist es immer einfach nur schön. Das kann ruhig gerne so weitergehen. (lacht)

    Dascha: Hattet ihr auch ein Lieblingskonzert diesen Sommer?

    Anja (Power Plush): Ich würde sagen der Atomare Sommer.

    Maria (Power Plush): Ja, das war auch einfach ein Heimspiel für uns.

    Anja (Power Plush): Da gab es auch unseren aller ersten Moshpit in der Bandgeschichte! Das war schon ziemlich cool.

    Maria (Power Plush): Das war so ein schöner Tag, kein Stress, wir hatten ja gar keine Anreise und kannten so viele Leute dort.

    Anja (Power Plush): Und die Leoniden waren da! Wir lieben die Leoniden! Die sind einfach so so lieb.

    Dascha: Das stimmt! Mal ein etwas anderes Thema – Habt ihr das Gefühl, dass Künstlerinnen und nichtmännlich besetzte Bands in der deutschen Indie-Szene Nachteile erfahren? Falls ja, was wünscht ihr euch für die Zukunft? Was soll sich ändern?

    Maria (Power Plush): Das ist ja ein ganz großes Thema, aber aus eigener Erfahrung und von dem, was wir bisher kennen gelernt haben, muss ich sagen, dass es bisher positiv lief. Ich würde das aber auf sehr wichtige Vorarbeit von anderen Bands, wie zum Beispiel Blond, zurückführen. Nichtweibliche Bands legen mittlerweile auch mehr Wert darauf, dass zum Beispiel zumindest ein diverserer Support engagiert ist, damit das Line-Up nicht nur cis-männlich ist. Ich würde sagen, dass es sicherlich noch Nachteile gibt, wir haben die aber noch nicht so gespürt, weil wir ein super gutes Netzwerk und Umfeld haben, das uns unterstützt. Wir haben sehr viel Interesse zu spüren bekommen. Ich glaube es kommt aber auch auf’s Genre an. Bei Hip-Hop und Rap bin ich mir unsicher, wie gut es da für nichtmännliche Acts läuft. Aber generell buchen sehr große Veranstaltungen natürlich immer noch sehr männlich dominiert. Es gibt ja so so viele nichtmännliche Acts, die man buchen könnte. Wir wurden viel gebucht, das ist schön, aber wenn man sich andere Line Ups anschaut, gerade auf Festivals, ist es schon echt ernüchternd. Man fragt sich so „Hä, wo sind denn die ganzen Acts die ich höre, wieso werden die nicht gebucht?“

    Anja (Power Plush): Es gab ja nachweislich in den letzten Jahrzehnten auf jeden Fall Nachteile für Frauen in der Musikbranche generell. Die Sichtbarkeit war einfach nicht da. Es gab zwar hin und wieder mal weibliche Bands, aber die hatten nie die Plattform wie männliche Bands. Ich würde sagen, jetzt schaffen es endlich auch nicht cis-männliche Acts Raum einzunehmen. Wir sind zum Glück bisher sehr in einer Bubble, in der sie sich diesen Raum auch nehmen dürfen. Langsam merkt man, da tut sich was und verändert sich was. Was man aber trotzdem manchmal spürt sind Sachen wie, dass man oft mit weiblichen Bands verglichen wird und nicht mit Bands generell. Oder dass einem an manchen Stellen nicht das selbe zu getraut wird wie cis-männlichen Bands oder das von einem bestimmte Sachen erwartet werden. Aber das waren die einzigen Sachen, die wir zu spüren bekommen haben, ansonsten haben wir wirklich Glück. Dadurch, dass mittlerweile viel mehr Menschen aware sind und etwas ändern wollen, bekommen wir diesen Raum.

    Maria (Power Plush): Ich glaube es ist auch gut, dass wir auch immer Kritik äußern können. Wir geben uns nämlich keinen sexistischen Scheiß. Wenn sich die Person gegenüber nicht nach unseren Vorstellungen verhält, dann nehmen wir uns den Raum und Möglichkeit darüber zu sprechen. Somit passiert das anderen Personen vielleicht nicht mehr. Ich glaube Bands mussten da vorher einfach schon sehr viel abfedern und viele blöden Erfahrungen machen. Dann wurde aber auch viel Kritik geäußert und ich glaube in den letzten Jahren hat sich die Situation schon gebessert.

    Dascha: Voll schön, dass ihr so positive Erfahrungen machen konntet! Das ist ein Thema, was mich auch beschäftigt. Jedes mal, wenn ein neues Festival Line Up veröffentlich wird, fällt mein Blick erstmal darauf, wie viele nichtmännliche Personen spielen. Meistens ist die Erkenntnis aber sehr traurig.

    Anja (Power Plush): (Imitierend) Aber es gibt doch einfach gar nicht so viele female Bands!

    Dascha: Ich habe gestern wieder die Kommentare unter einem Post gelesen, der das kritisiert hat und sehr viele Leute meinten da „Dann ist die Musik der Frauen halt einfach nicht gut genug“. Es ist immer wieder das selbe, ich kann’s nicht mehr lesen.

    Anja (Power Plush): Aber es wird sich was ändern, ich glaube daran!

    Dascha: Wer sind denn nichtmännliche Bands und Künstlerinnen, die ihr im Moment sehr gerne hört?

    Anja (Power Plush): Also bei ist es momentan THALA. Ich höre sie gerade so so viel, ich lieb’s einfach. Ich mag ihre Musik total, ich mag ihre Art total, ihre Artworks, ihre Musikvideos – einfach top.

    Maria (Power Plush): Es gibt dieses Jahr übelst viel geile Musik, das ist so schwer zu beantworten. Aber um mich mal zu beschränken: Mir hat es in diesem Jahr vor allem Frances Forever angetan. Das ist auch sehr sehr schöne Indie-Musik, manchmal etwas abgespaced. Aber ich finde dieses Jahr so crazy, was Musikveröffentlichungen betrifft, ich komme gar nicht drauf klar.

    Anja (Power Plush): Das girl in red Album fand ich auch übelst geil. Und auch MAY-A hat ihr Debüt veröffentlicht, fand ich auch super.

    Maria (Power Plush): Oder LAUREL oder Olivia Rodrigo, auch so gut – wow! Oder LOBSTERBOMB haben auch ihre EP rausgebracht.

    Dascha: Da sieht man mal, wie viel Auswahl es eigentlich gibt. Ich bin dann bei meiner letzten Frage, also einer untold story. Jetzt müsst ihr euch eine neue Geschichte überlegen, die ihr noch nicht erzählt habt.

    Anja (Power Plush): Wir haben dieses Jahr auf dem Jenseits von Millionen Festival gespielt, wo wir auch LOBSTERBOMB kennengelernt haben. Super Leute! Und danach mussten wir schon die Hälfte der Strecke zum nächsten Festival fahren, weil es sonst zu weit gewesen wäre. Wir kamen aber aus dem Ort, wo das Jenseits von Millionen war, einfach nicht raus. Wir sind alle möglichen Straßen lang gefahren, das Navi hat uns immer woanders hingeschickt und überall war Vollsperrung. In jeder einzelnen Straße.

    Maria (Power Plush): Der Ort ist so klein und hat nicht mal viele Straßen, aber wir sind da mindestens eine dreiviertel Stunde rumgefahren. Man hatte auch keinen Internet-Empfang dort!

    Anja (Power Plush): Wir sind mit zwei Autos unterwegs gewesen und mussten uns am Telefon irgendwie zusammen lotsen, um da rauszukommen.

    Maria (Power Plush): Alle Wege aus der Stadt heraus waren gesperrt und wir wussten auch nicht genau, wo wir sind. Ich dachte zwischendrin echt, dass wir nie mehr rauskommen. (lacht)

    Anja (Power Plush): Wir haben währenddessen schon angefangen Hörspiel-Ideen darüber zu erfinden. Vielleicht können wir das ja mal in Kooperation mit Blond machen, die haben ja Hörspiel-Erfahrung. Aber was vielleicht auch noch eine sweete untold story ist: Wir knüpfen ja gerne Band-Kontakte und wir planen das mit unserem portablen Nagelstudio. Wir bringen nämlich zu jedem Gig eine Variation an Nagellacken mit und dann Fragen wir die anderen Bands vor Ort, ob sie zufällig Nagellack wollen. Dann sitzt man ganz gemütlich da, lackiert sich gegenseitig die Nägel und lernt sich kennen. Das haben wir auf dem Jenseits von Millionen mit LOBSTERBOMB und Dolphin Love gemacht. Da saßen wir gemeinsam am Tisch und haben uns die Nägel lackiert.

    Maria (Power Plush): Bands, die schon mal mit uns gespielt haben, schicken uns dann schon Bilder von ihren Nägeln.

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    Foto Credits: Daniel Fransk

  • EASY EASY im Interview: »Die besten Texte habe ich in unter 20 Minuten geschrieben«

    EASY EASY im Interview: »Die besten Texte habe ich in unter 20 Minuten geschrieben«

    Bei Indie Surf Pop denkt man jetzt nicht direkt an Köln. Die Band EASY EASY zeigt allerdings, dass entspannter Surf Pop nicht immer aus Australien kommen muss, sondern genauso gut aus NRW funktioniert. Vielleicht kommt euch die Band ja aus unserer „on the rise“-Playlist bekannt vor. Ich hab den Sänger Carlo im Interview getroffen und mit ihm darüber gesprochen, wie es zu dem Sound von EASY EASY kam und was wir in Zukunft noch so von den Newcomern erwarten können.

    EASY EASY im Interview

    Anna: Hi, cool, dass du hier bist. Magst du dich und die Band zu Beginn vielleicht einfach erst einmal vorstellen?

    Carlo: Hi, ich bin Carlo. Ich sing bei EASY EASY. Und ja, wir sind so eine Indie Band aus Köln. Es sind noch sechs andere Jungs mit am Start. Auf der Bühne sind wir aber nur zu fünft. Zwei von uns sind Producer. And that’s it.

    Anna: Ok, danke, kurzer Abriss zu eurer Bandhistorie: Ihr habt das Bandprojekt ja erst letztes Jahr gestartet. Ich würde mal sagen, das ist jetzt eher ein ungewöhnlicher Zeitpunkt. Also für mich war das eher so eine Zeit, wo irgendwie alle erst mal selbst auf sich klarkommen mussten und auf ihr Leben. War das für euch irgendwie eine Art des Umgangs mit der Pandemie, um sich auf die Musik fokussieren zu können? Oder wie ist das entstanden?

    Carlo: Ach nee, es war eigentlich eher zufällig, dass die Pandemie war. Also wir hätten uns auch zum genau gleichen Zeitpunkt wahrscheinlich gegründet, wenn die Pandemie nicht gewesen wäre. Dass die jetzt war, war insofern Fluch und Segen gleichzeitig, als dass wir viel Zeit im Studio verbringen konnten, weil wir ja uns nicht darum kümmern mussten, irgendwo live zu spielen. Genau, aber um mal an den Anfang zurückzuspringen: Ende 2019 hat Leon uns auf einer Party angesprochen, weil der so ein Song von unserer alten Band gehört hat, wo Luis und ich mitgespielt haben und Merdi. Und den fand er irgendwie gut. Das war dieser „all about u“-Song und dann wollte er den aufnehmen mit uns. Dann bin ich irgendwann zu ihm gefahren und das hat dann so viel Spaß gemacht und die andere Band zieht sich dann auch aufgelöst zu dem Zeitpunkt, dass wir gesagt haben „lass doch einfach weiter so Songs aufnehmen“. Und dann irgendwann erst nachdem wir auch die ersten Songs rausgebracht haben und alles wieder so ein bisschen gelockert wurde und man wieder Konzerte spielen konnte, da haben wir dann noch Robin und Julien in die Band geholt. Einfach, weil es mittlerweile eine Live-Band brauchte. Ja und seitdem sind wir eine große Familie.

    Aus Zufall wurde eine Band wie eine Patchwork-Familie

    Anna: Kanntet ihr euch eigentlich alle schon vorher und wart befreundet oder ist das quasi durch die Band entstanden, dass ihr jetzt so eine Familie seid?

    Carlo: Ja, den Luis kenn ich schon ganz lange, bestimmt schon seit 7 Jahren oder so. Damals in der Schule waren wir schon Homies. Und dann haben wir so vor 2 Jahren oder so angefangen Musik zusammen zu machen. Darüber haben wir Merdi, den anderen Gitarristen kennengelernt. Mit dem haben wir dann in anderen Formationen gespielt. Das war aber irgendwie alles auch super beschissen und so und dann hat sich das dann irgendwie aufgelöst. Bis wir dann auf der einen besagten Party die beiden Leons kennengelernt haben. Mit denen haben wir dann ne Weile rumgehangen und übers Internet haben wir dann erst Julien und Robin kennengelernt. Und seitdem hängen wir viel zusammen rum.

    EASY EASY beim Familienfoto

    Anna: Gibt es bei euch eine bestimmte Aufteilung: Also zum Beispiel, dass du immer die Songs schreibst und Luis sich um den Sound kümmert oder ist es eher so, dass jeder was beisteuert und dann zusammen halt geschaut wird, was man daraus macht?

    Carlo: Also jeder trägt trägt auf jeden Fall seinen Teil irgendwie bei und jeder hat so seinen kleinen Aufgabenbereich gesucht. Aber zum Beispiel die Songs schreiben Luis und ich und produzieren die dann mit den beiden Leons. Robin zum Beispiel macht den Merch Julien kümmert sich um diese ganzen Sachen wie Steuern, GbR und den ganzen Scheiß. Merdi macht viel Booking. Irgendwie hat so jeder seinen eigenen Stuff, aber schaut auch mal bei dem anderen mit über die Schulter.

    Anna: Euch gibt es jetzt seit einem Jahr und ihr haut einfach direkt eine komplette EP raus. Kam das einfach so, dass ihr so einen Schreib-Produktions-Flow hattet und gesagt habt „So, jetzt hauen wir einfach mal direkt die Songs alle raus“? Oder wie kommt das zustande?

    Carlo: Ja, wir hatten wir einfach viele Ideen rumliegen und so. Dann hatten wir wie gesagt auch echt das Glück, dass wir ja keinen externen Produzenten bezahlen mussten oder in einem Studio bezahlen mussten, sondern dass wir einfach da mit den beiden Leons produktiv sein konnten. Und die hatten irgendwie auch Bock auf ne EP. Und dann haben wir das einfach gemacht. Also ehrlich gesagt sind wir da jetzt auch gerade schon wieder so ein bisschen dabei. Wir produzieren schon wieder vor. Wir wollen, wenn’s gut läuft, vielleicht so Mitte bis Ende Dezember unsere zweite EP raushauen.

    Selbstgezeichnete Cover passend zum Song

    Anna: Sehr cool, da bin ich gespannt! Was ich bei euren Singles und EPs auch immer total cool finde ist das Artwork. Also wie kommen eure Cover zustande?

    Das Cover zu „Hony Tawk“ von EASY EASY

    Carlo: Achja, das ist das eine Freundin von mir und die ist einfach lieb genug uns ihre Zeichnungen zur Verfügung zu stellen. Sie malt generell einfach super viel und gerne und und ganz ganz toll. Und dann habe ich sie einfach ganz am Anfang mal gefragt. Mir gefallen ihre Bilder generell total gut. Seitdem hat sich das irgendwie so eingependelt, dass ich sie frage, immer wenn wir was neues releasen. Obwohl ich auch ein bisschen das Gefühl hab, dass ich sie so langsam auch ein bisschen nerve. Entweder sie hat noch so Bilder rumliegen oder sie hat gerade neue gemacht oder ob Bock was zu zeichnen. Sie ist einfach so eine sweete Person und sagt immer „klar“. Dann schicke ich ihr den Song und dann hört sie sich den an und malt. Es kommt auf jeden Fall immer was krasses dabei raus. Checkt sie mal auf Insta aus unter @artbydanai.

    Anna: Nice! Das check ich doch gleich mal aus. Ich habe gelesen, ihr labelt euer Genre von Musik Indie Surf Pop. Mal abgesehen davon, dass Genres oft Interpretationssache sind. Aber wie seid ihr auf dieses Genre gekommen? Surfen liegt ja jetzt irgendwie nicht so nahe in Köln.

    Carlo: Also wir hatten einfach das Gefühl, dass die Musik so relativ surfig klingt. Ich glaube es liegt auch daran, dass Luis und ich eine Zeit lang unglaublich viel so Mucke gehört haben, die sich im Surf Rock Genre einordnet. Zum Beispiel sowas wie Hockey Dad, Peach Pit, Skeggs oder Vanilla Gorilla, diese typischen australischen Bands. Und wenn man da guckt auf Spotify, dann werden die auch irgendwie immer in Surf Rock Playlists gepackt. Dann haben wir einfach beschlossen, dass wir uns auch dort einordnen. Aber in unserer Band fließen auch extrem viele verschiedene Musik Einflüsse zusammen, weil wir alle extrem unterschiedlichen Kram hören. Je nach Song hat dann irgendwie einer mehr Einfluss als der andere. Größtenteils machen wir aber einfach das, worauf wir Bock haben.

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    Das Video zur neuesten Single „right“ von EASY EASY

    Anna: Und wie sieht es bei den Texten aus: Habt ihr da bestimmte Themen, die ihr favorisiert? Oder gibt es sogar irgendwas, wo du sagen würdest, dass du darüber nicht schreiben kannst oder es nicht so gerne in einem Song behandeln möchtest?

    Carlo: Ich tue mich schwer mit so Love Songs, weil ich da irgendwie einfach das Gefühl habe, ich kann das nicht gut schreiben. Aber ansonsten viel Party, viel Bier trinken, Skateboard fahren, Sonnenschein. Ich mag das auch einfach manchmal, wenn man an einem Text nicht so geisteskrank lange überlegt. Ich finde die Texte, die mir am meisten Spaß machen, sind auch immer noch die, die ich in unter 20 Minuten geschrieben habe. Auch so völlig ohne, dass ich in dem Moment wusste, worüber ich die geschrieben habe. Ich mag es manchmal auch, wenn der Text sich selber nicht zu ernst nimmt. Und vor allem jetzt mal hands down: Gerade bei uns in Deutschland, wo sehr viel auch auf Deutsch veröffentlicht wird, da hört man bei einer Band wie uns mit englischsprachigen Texten ja jetzt auch nicht geisteskrank auf den Text. Und wir haben auch Songs geschrieben, wo wir einfach nur eine Strophe geschrieben haben. Oder wenn wir mit der zweiten nicht weitergekommen sind haben wir uns gesagt „fuck it, wir singen einfach die erste noch mal“ Und das ist bis heute auch keinem aufgefallen.

    „Deutsche Texte klingen sehr schnell kitschig. Da habe ich Angst vor.“

    Anna: Okay wow, das ist mir tatsächlich auch noch gar nicht so genau aufgefallen. War es für euch eigentlich eine aktive Entscheidung, dass ihr auf Englisch schreibt oder haltet ihr es euch auch offen, Songs auf Deutsch zu schreiben?

    Carlo: Ist immer noch offen, ich habe auch mit meinen Homies auch schon mal Texte auf Deutsch geschrieben. Die klingen aber irgendwie bisher immer noch blöder. Vielleicht schreiben wir mal irgendwann einen auf Deutsch. Ich glaube, dass wir uns da nicht so extrem festlegen. Aber aktuell glaube ich, fühlen wir uns ganz wohl mit Englisch. Ich glaube, Deutsch ist immer die größere Herausforderung. Ich glaube, als Muttersprachler kann dich ein deutscher Text krasser berühren als ein englischer Text. Also ich glaube, ein gut geschriebener deutscher Text ist gefühlvoller als ein gut geschriebener englischer Text für deutsche Zuhörer:innen. Aber man ist im Deutschen auch extrem dazu geneigt sehr kitschig zu klingen. Da habe ich ein bisschen Angst vor. Denn wenn man auf Deutsch singt, achtet man ja sofort viel stärker auf den Text. Das wäre doch irgendwie komisch, wenn ich mich auf die Bühne stelle und singe „Ich liebe dich unterm Sternenhimmel“. Das ist direkt so privat. Mann kann gar nichts mehr verstecken.

    Anna: Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Was würdest du sagen, ist für euch so die größte musikalische Inspiration momentan?

    Carlo: Das ist schwierig so allgemein zu sagen. Also ich kann jetzt erst einmal von mir reden, das ist dabei bei uns allen sieben irgendwie bei jedem anders. Ich glaube bei mir hört man momentan die Musik, die ich gerne höre nicht aus der Musik heraus, die ich mache. Ganz am Anfang von unserer Band habe ich zum Beispiel extrem viel Skeggs gehört. Diese australischen Surf Skate Punkbands fand ich extrem cool letztes Jahr. Und dann muss ich selber mal gucken, was habe ich denn hier heute gehört? (schaut in seinem Spotify Verlauf nach) Ich habe heute die 2018er Platte gehört von Das Paradies. Kennst du die?

    Anna: Nee, sagt mir tatsächlich gerade nichts.

    Australian Surf Pop als Inspiration für den EASY EASY Sound

    Carlo: Kannst du dir auf jeden Fall mal anhören, die ist richtig nice. Ansonsten habe ich in letzter Zeit super viel Sports Team gehört. New Order finde ich im Moment aber auch wieder krass. Ja so, die Bands würde ich so aktuell nennen, aber es ist doch immer sehr tagesformabhängig bei mir. Ich. Finde schwierig zu sagen, welcher Künstler einem die größte Inspiration war. Ich glaube die erste Band, die bei mir ausgelöst hat, Musik zu machen war damals Sticky Fingers.

    Anna: Was meinst du wäre für eure Band ein Traum-Feature Artist? Oder lieber keine Features?

    Carlo: Auf jeden Fall Features! Ich glaube, man hätte eine sehr gute Zeit mit Mac DeMarco. Ich glaube, das macht Spaß mit dem zu produzieren. Ansonsten, was wäre noch krass … (überlegt) 
    Ja, LCD Soundsystem wäre für mich aktuell krass, das höre ich sehr viel im Moment und mit James Murphy im Studio zu stehenwäre schon krass. Ich glaube, dass wir mit dem einen richtigen Dance-Song produzieren könnten.

    EASY EASY auf der Bühne

    Anna: Oha, ja, das sind beides krasse Künstler! Aber zurück zu euch: Wie war für dich und euch als Band denn so der Sommer jetzt? Ich habe gesehen, dass ihr eure erste kleine Tour gemacht und die Songs live gespielt habt. Wie fühlt sich das an?

    Carlo: Es hat einfach so Spaß gemacht! Da haben wir auch wieder gemerkt, dass wir fünf Jungs einfach eine Live-Band sind. Merkt man denn auch bei allen so, dass das genau der Grund ist, warum wir das machen. Also klar, Musik im Studio machen ist auch toll, aber live ist nochmal was anderes. Das ist das geilste Gefühl, was du durch Musik bekommen kannst. Und Ende August haben wir zum Beispiel ein Konzert gespielt mit den Boys von Sakropolis zusammen hier bei uns in Köln in so einem Kiosk. Auf einmal kamen ganz viele Leute , sodass es am Ende um die 100 waren alleine in dem Kiosk! Und dann haben die auch so die Texte mitgesungen und das war krass. Das hat so Spaß gemacht und da geht man auch wirklich runter von der Bühne und ist den ganzen Abend happy. Da singen einfach Leute die Texte mit, die man teilweise nachts um 5 Uhr im Suff geschrieben hat. Darauf musst du erstmal klarkommen. Ist ein krasses Kompliment irgendwie.

    Das Glücksgefühl nach einem Live-Konzert ist nicht zu toppen

    Anna: Ist denn für die Zukunft schon mehr geplant?

    Carlo: Auf jeden Fall! Im Oktober spielen wir noch vier oder fünfmal, drei Mal in Köln und einmal (hoffentlich zweimal) in Hamburg. Und dann im Januar gehen wir auf unsere erste richtige, größere Tour. Hoffentlich. Mal schauen, ob das funktioniert, da sind wir gerade noch in der Planung.

    untold story

    Anna: Sehr cool! Okay, letzte Frage für heute: Was ist eure EASY EASY untold story? Untold stories sind bei uns in Interviews Geschichten von Bands und Künstler:innen, die sie noch nie in einem Interview erzählt haben, die aber eigentlich total lustig, spannend, interessant zu erzählen sind. Fällt dir da zufällig etwas ein?

    Carlo: Doch, es fallen mir auf jeden Fall ein paar Geschichten ein. Das Problem ist nur: Die Geschichten, die wir in Interviews nicht erzählen, die können wir auch nicht erzählen. Aber es gibt Sachen, dass man selber keinen Gefallen mit, wenn wir das erzählen, beziehungsweise die sollten wir lieber niemandem erzählen (schmunzelt). Aber du hast Glück: Da gibt es doch noch eine aktuelle Story, die ganz lustig ist. Und zwar habe ich mir den Fuß verbrannt auf der Bühne vor ein paar Wochen. Da haben wir auf auf dem Bulli Summer Festival gespielt am Freitag und das hat den Veranstaltern so sehr gefallen, dass sie uns gefragt haben, ob wir am Samstag noch einmal spielen wollen. Und natürlich hatten wir Bock! Dann sind wir noch kurz vor knapp zum Baumarkt gefahren, also Schlafsäcke hinzu geholt, uns da ein Zelt organisiert, alle da gepennt und dann am nächsten Tag mit so zwei Stunden Schlaf und übertrieben verkatert noch so drei Sets gespielt. Eins von den Sets war wirklich so extremst in der Sonne und ich war so gut drauf, da hab ich gesagt „So Leute, ich spiele jetzt barfuß“. Dann bin ich da so ein bisschen rum gezappelt, wie ich es halt immer auf Konzerten mache. Und irgendwann habe ich so gedacht, ich jetzt einen nicen Move und wollt so ganz cool, meinen Fuß so vorne auf den Monitor drauf stellen. Und dann habe ich aber nicht bedacht, dass der halt zwei Stunden lang in der prallen Sonne die ganze Zeit stand, da ich meinen Fuß so drauf und dann so direkt meinen Fuß übelst verbrannt. Es hat wirklich eine ganze Woche lang übertrieben wehgetan. Kann ich also nicht empfehlen. Aber ansonsten hat Luis sich zum Beispiel auf der Bühne einmal fast übergeben. Ich weiß nicht, ob er seine Haare oder eine Zigarette verschluckt hatte, eins von beidem. Und dann musste er fast kotzen auf der Bühne. Das war lustig – also für uns zumindest, für ihn eher weniger.

    Anna: Aua, so einen verbrannten Fuß stelle ich mir echt sehr schmerzhaft vor. Aber danke, dass du die Stories mit mir geteilt hast und danke für das Interview. Bis zum nächsten Mal!

    Hier könnt ihr in die Debüt-EP „Lemon Squeezy“ von EASY EASY reinhören!

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    Fotocredit: Marco Peters (letztes Foto)