Kategorie: untold stories

  • Power Plush im Interview: „Wir wollen einen Safe Space, in dem man das Gefühl hat, sich mitteilen und äußern zu dürfen“

    Power Plush im Interview: „Wir wollen einen Safe Space, in dem man das Gefühl hat, sich mitteilen und äußern zu dürfen“

    Weicher, sonniger Indie-Pop mit mehrstimmigem Gesang aus Chemnitz, der von ehrlichen Gefühlen handelt. Genau das bieten Power Plush auf ihrer Debüt-EP „Vomiting Emotions„, die vergangenen Monat erschien. Ein Intro und fünf Songs, die beim Hören das warme Gefühl, gut aufgehoben zu sein, hinterlassen. Wie der Titel bereits hindeutet, liegt der Fokus ganz darauf, Emotionen freien Lauf zu lassen und vor allem sie zu zu lassen. Mit dieser süßen Message im Gepäck bringen Svenja, Nino, Maria und Anja die passenden Soundtracks zum Tagträumen an Sonntagen im Bett oder Spaziergängen an lauwarmen Abenden mit. Bereits am Anfang des Jahres habe ich die Band zum Vorstellungsinterview eingeladen (hier geht’s zum Artikel), aber seit dem hat sich bei ihnen eine Menge getan. Power Plush haben einige Gigs und Supportshows für unter anderem Bands wie Von Wegen Lisbeth, Leoniden, Rikas und Pabst gespielt, sind nun beim von Blond gegründeten Musiklabel „Beton Klunker„, haben mehr Songs veröffentlicht und in der Szene Fuß gefasst. Beste Voraussetzungen, um jetzt richtig durchzustarten! Und seien wir ehrlich, wenn man ein Mal die herzliche, liebe Art, die auch in ihren Songs durchkommt, erlebt hat, schließt man die Vier direkt in’s Herz.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen ‚
    ‚

    Maria und Anja von Power Plush im Interview

    Dascha: Hey ihr Lieben, schön, dass das geklappt hat! Könnt ihr euch nochmal vorstellen für alle die euch noch nicht, aber hoffentlich bald, kennen?

    Anja (Power Plush): Sehr gerne! Wir sind die Band Power Plush aus Chemnitz und seit letztem Jahr machen wir in dieser Konstellation Musik. Wir sind zu viert: Maria an Gitarre und Vocals, Svenja auch an Gitarre und Vocals, Nino am Schlagzeug und ich, Anja, am Bass und Vocals. Ich würde sagen wir machen dreamy Indie-Pop-Rock und wir bringen jetzt unsere EP raus. Unsere erste!

    Dascha: Und wie geht’s euch damit? Seid ihr aufgeregt?

    Maria (Power Plush): Schon!

    Anja (Power Plush): Es gibt noch ein paar Sachen vorzubereiten und wir machen ja auch noch eine Releaseparty. Währenddessen wird man langsam schon etwas aufgeregt. Ich fange langsam an zu checken, dass die EP jetzt wirklich rauskommt.

    Maria (Power Plush): Dito, ich war diese Woche im Record Store und hab mich mit den Menschen dort unterhalten, die wollen Exemplare unserer Platte verkaufen. Das war für mich total absurd, aber auch schön. Ich freu mich darauf, wenn wir in den Plattenladen gehen können und einfach unser Baby da liegt.

    Dascha: Wie schön! Und wann hattet ihr die Realisation, dass ihr jetzt wirklich an eurer Debüt EP arbeitet? Hattet ihr so einen bestimmten Moment?

    Anja (Power Plush): Ich würde schon sagen, dass wir so einen Moment hatten. So gegen Ende letzten Jahres hatte es sich abgezeichnet, dass wir ziemlich viele gute Songideen haben. Da waren wir kurz vor Release unserer dritten Single und wir dachten „Hmm, jetzt nochmal Singles wär eigentlich Quatsch. Wieso packen wir das nicht in ein Ganzes?“. Und dann dachten wir „Hey, lass uns doch einfach eine EP machen!“. Das war schon so ein Knackpunkt.

    Maria (Power Plush): Ja, ich würde auch sagen, Ende letzten Jahres wurde das unser Plan für dieses Jahr. Wir wussten da zwar noch nicht genau, auf was für ein Endprodukt es letztendlich hinauslaufen würde. Aber spätestens als wir uns im Februar getroffen hatten, um über die Produktion zu sprechen, war es klar für uns.

    Dascha: Ihr habt eure ersten Singles aber nicht auf die EP gepackt, wieso habt ihr euch dazu entschieden sie wegzulassen?

    Anja (Power Plush): Die ersten Singles waren für uns eher viel ausprobieren. Also die EP ist natürlich auch noch viel ausprobiert, aber die Singles waren eher eine Art Vorstellung. Bei den ersten drei Songs hat jede von uns jeweils ein Mal die Mainvocals gesungen. Das war eher so „Lasst uns den Leuten mal ungefähr zeigen wer wir sind!“ und auch um für uns rauszufinden, wie es sich anfühlt Sachen zu releasen. Aber damit war das dann abgeschlossen.

    Maria (Power Plush): Ich würde mich dem anschließen. Intern haben wir das immer unsere „Vorstellungs-Ära“ genannt. (lacht)

    Anja (Power Plush): Auf der EP wollten wir dann zeigen was wir in der Zeit schon gelernt haben und anwenden können.

    Maria (Power Plush): Die Singles sind ja auch ganz unterschiedlich, einerseits untereinander, aber andererseits auch im Vergleich zur EP. Für uns selbst ist das was ganz getrenntes, da waren wir noch nicht so weit mit unserem Instrumental-Können, so nenne ich es mal, aber auch einfach vom Klang, weil wir jetzt mit anderen Leuten zusammengearbeitet haben.

    Dascha: Wie würdet ihr euren Songwriting Prozess beschreiben? Es kommt ja auch nicht so häufig vor, dass es mehrere Mainvocals in einer Band gibt. Denkt ihr, das hat gewisse Vorteile für euch?

    Anja (Power Plush): Also die Mainvocals zu wechseln hat auf jeden Fall als Vorteil, dass man sich ein bisschen entspannen kann, wenn man gerade nicht dran ist. (lacht) Was das Songwriting angeht, wir bringen alle immer mal Songskizzen mit, die dann gemeinsam ausgearbeitet werden. Ich glaube ein Vorteil wenn mehrere Leute die Songs schreiben ist, dass es einfach etwas diverser wird. Man kann viel mehr unterschiedliche Ideen in den Prozess reinnehmen. Ich glaube das kann sich nur positiv auf die Songs auswirken.

    Maria (Power Plush): Ich finde es auch immer schön einander mit den Stimmen kennenzulernen. Da kann man gucken, welche Stimme in welchem Kontext total gut passt. Manchmal schreibe ich eine Songskizze und denke mir „Uff, das ist ganz schön hoch, da komm ich gar nicht hin“, dann hab ich halt die Möglichkeit Anja zu fragen, ob sie Lust hat das zu singen. So kann man jegliche Ideen auch tatsächlich verwirklichen.

    Anja (Power Plush): Genau, da ist einfach mehr Spielraum.

    Maria (Power Plush): Das klingt vielleicht seltsam, aber live mag ich es viel lieber nicht zu singen. (lacht) Man kann viel besser viben und sich dem Song hingeben, wenn man nicht an das Mikrofon gebunden ist.

    Dascha: Wie habt ihr die Reihenfolge der Tracks bestimmt?

    Anja (Power Plush): Also natürlich entscheidet man da auch sehr viel nach Bauchgefühl. Wenn man die Songs aufnimmt lernt man die Songs nochmal ganz neu und intensiv kennen. Bei Smth Cool hatten wir das Gefühl, dass sich da wirklich etwas öffnet und dass der deswegen an den Anfang muss. Das ist so welcoming und so offen und frei, das hätte nicht zum Ende gepasst. So haben wir nach und nach die Tracklist erstellt. Bei Feelz ist es so ein abruptes Ende, dass man denkt „Kommt da jetzt noch was?“. Vielleicht haben die Leute dadurch am Schluss Bock sich die EP nochmal anzuhören. Vielleicht gibt das den Anreiz, dass man mehr möchte.

    Dascha: Das hatte bei mir tatsächlich auch diese Wirkung. Ich hab immer vergessen, dass Feelz schon am Ende war und war kurz verwirrt, wieso da nichts kam. Und hab’s dann einfach im Loop laufen lassen.

    Maria (Power Plush): Sehr gut, es hat funktioniert! (lacht)

    Dascha: Mich hat I Need to Rearrange My Life sehr gecatched, den mag ich sehr sehr gerne. Wollt ihr mal erzählen, was der Hintergrund ist und was für Gedanken dahinter stecken?

    Anja (Power Plush): Wir haben zwar keine Corona-Songs geschrieben, aber viele Songs sind halt in dieser ganz akuten Zeit der Pandemie entstanden. Da merkt man schon auch ein bisschen den Einfluss. Das war eine Zeit in der ich viele Entscheidungen treffen musste, von denen ich im Endeffekt dachte, es seien die falschen Entscheidungen, weil es am Anfang nicht so lief, wie ich es mir vorgestellt habe. Und wenn man sich dabei noch in dieser kompletten Ausnahmesituation befindet, denkt man „Du hast alles falsch gemacht, du musst komplett neu starten“ und hinterfragt alle Entscheidungen. Dann gerät man in so eine Starre, in der man dann gar nichts mehr macht, weil man einfach mal auf „Stop“ oder eher auf „Reset“ drücken muss. Aus diesem akuten Gefühl ist der Song entstanden, weil ich dachte „Boah, ich muss jetzt mal alles umstellen“. Obwohl im Endeffekt alles gar nicht so schlimm ist, wie es sich in dem Moment anfühlt.

    Dascha: Welcher Gefühl soll die EP an eure Hörer und Hörerinnen vermitteln? Was erhofft ihr euch da?

    Maria (Power Plush): Ich glaube unser EP-Titel „Vomiting Emotions“ ist da ein bisschen unser Lebensmotto. Wir als Band gehen relativ offen mit Emotionen, Stimmungen und Ängsten um, damit machen wir sehr positive Erfahrungen. Wir wollen den Leuten an die Hand geben, dass wenn sie etwas beschäftigt, Gefühle auskotzen wichtig und gesund ist. Im Idealfall kommt man sich dadurch noch näher und kann ein konkretes Verständnis für einander entwickeln.

    Anja (Power Plush): Genau, wir wollen einfach einen Safe Space, in dem man das Gefühl hat, sich mitteilen und äußern zu dürfen. Das ist das, was wir uns immer von unserer Umgebung wünschen und vor allem in der Band auch haben. Das wollen wir auch nach Außen tragen und Leuten mitgeben.

    Dascha: So schön! Funfact: Ich finde das Cover trägt zu dem Gefühl bei. Ich bin sehr picky bei Covern und finde das macht viel aus, euer EP-Cover und die von den Singles passen farblich so gut und sieht genauso aus, wie es klingt.

    Anja (Power Plush): Oh, danke, das freut uns sehr!

    Dascha: Ihr habt euch ja direkt als Band zusammengefunden, beziehungsweise ihr wurdet verkuppelt ohne euch vorher richtig gekannt zu haben. Glaubt ihr, es macht einen Unterschied, ob man sich für die Musik zusammenfindet oder ob man vor der Band schon lange befreundet war?

    Anja (Power Plush): Ich glaube schon, dass es einen Unterschied macht. Wenn man vorher befreundet war, hat man ja direkt einen anderen Umgang miteinander und hat nicht erstmal diese Herantast-Phase. Fühl ich mich wohl? Trau ich mich, meine Ideen zu äußern? Sowas. Das hatten zwar sehr stark am Anfang, aber das war eigentlich ganz sweet, weil es uns allen so ging. Ich finde wir hatten extrem Glück, dass wir uns gefunden haben, weil wir uns so gut verstehen. Es gibt bestimmt auch Leute, die sich für die Musik zusammenfinden und dann passt es bei denen doch nicht so gut. Wobei ich glaube, dass wenn man schon ganz jung zusammen angefangen hat Musik zu machen oder aus diesem klassischen Schulband-Kontext kommt, da läuft das alles ganz organisch ab. Weil man sich aus anderen Situationen und die Persönlichkeitsmerkmale schon so gut kennt.

    Maria (Power Plush): Wir hatten wirklich Glück! Am Anfang waren wir sehr pragmatisch, aber zum Glück sind schnell Freundschaften daraus entstanden.

    Anja (Power Plush): Im Endeffekt gibt es ja nachweislich beide Formen. Aber uns hat es auf keinen Fall geschadet, dass wir uns erst als Band kennengelernt haben. Wir hatten halt extrem diese Energie, um direkt etwas zu veröffentlichen und gleichzeitig extremes Glück, dass wir uns so gern haben.

    Dascha: Ich hab letztens an unser Interview im Winter im Lockdown zurück gedacht und daran, dass wir darüber geredet haben, wie geil es wäre, wenigstens mal sorgenfrei ein Bier mit Freund*innen trinken zu gehen. Jetzt sitzen wir hier und im Sommer ist doch noch eine Menge möglich gewesen. Vor allem bei euch, ihr habt ja einige Konzerte und große Supportshows gespielt! Wie war das für euch? Im Lockdown anzufangen Songs zu releasen und jetzt so richtig loszulegen?

    Anja (Power Plush): Es war auf jeden Fall crazy. So im Frühling hatten wir schon ein paar Anfragen bekommen, wo wir einfach nur dachten „Geil, wir können ein, zwei Konzerte spielen!“ Aber dass es dann so richtig Fahrt angenommen hat, war total verrückt für uns. Es hat ja angefangen mit dem Rikas Konzert in Berlin, wo wir Support waren, das war unser erstes Konzert dieses Jahr und unser erstes Konzert überhaupt zusammen mit Nino am Schlagzeug. Und direkt danach kam die Anfrage für das Leoniden Konzert wo wir uns einfach nur dachten „Whaaaaat?“

    Maria (Power Plush): Das war ja so groß und so eine riesen Bühne! 1500 Leute oderso.

    Anja (Power Plush): Das war überhaupt nicht vorstellbar für uns. Aber es ist auch einfach geil. Jedes Konzert mach auch einfach so viel Spaß! Wenn wir zusammen auf der Bühne stehen, ist es immer einfach nur schön. Das kann ruhig gerne so weitergehen. (lacht)

    Dascha: Hattet ihr auch ein Lieblingskonzert diesen Sommer?

    Anja (Power Plush): Ich würde sagen der Atomare Sommer.

    Maria (Power Plush): Ja, das war auch einfach ein Heimspiel für uns.

    Anja (Power Plush): Da gab es auch unseren aller ersten Moshpit in der Bandgeschichte! Das war schon ziemlich cool.

    Maria (Power Plush): Das war so ein schöner Tag, kein Stress, wir hatten ja gar keine Anreise und kannten so viele Leute dort.

    Anja (Power Plush): Und die Leoniden waren da! Wir lieben die Leoniden! Die sind einfach so so lieb.

    Dascha: Das stimmt! Mal ein etwas anderes Thema – Habt ihr das Gefühl, dass Künstlerinnen und nichtmännlich besetzte Bands in der deutschen Indie-Szene Nachteile erfahren? Falls ja, was wünscht ihr euch für die Zukunft? Was soll sich ändern?

    Maria (Power Plush): Das ist ja ein ganz großes Thema, aber aus eigener Erfahrung und von dem, was wir bisher kennen gelernt haben, muss ich sagen, dass es bisher positiv lief. Ich würde das aber auf sehr wichtige Vorarbeit von anderen Bands, wie zum Beispiel Blond, zurückführen. Nichtweibliche Bands legen mittlerweile auch mehr Wert darauf, dass zum Beispiel zumindest ein diverserer Support engagiert ist, damit das Line-Up nicht nur cis-männlich ist. Ich würde sagen, dass es sicherlich noch Nachteile gibt, wir haben die aber noch nicht so gespürt, weil wir ein super gutes Netzwerk und Umfeld haben, das uns unterstützt. Wir haben sehr viel Interesse zu spüren bekommen. Ich glaube es kommt aber auch auf’s Genre an. Bei Hip-Hop und Rap bin ich mir unsicher, wie gut es da für nichtmännliche Acts läuft. Aber generell buchen sehr große Veranstaltungen natürlich immer noch sehr männlich dominiert. Es gibt ja so so viele nichtmännliche Acts, die man buchen könnte. Wir wurden viel gebucht, das ist schön, aber wenn man sich andere Line Ups anschaut, gerade auf Festivals, ist es schon echt ernüchternd. Man fragt sich so „Hä, wo sind denn die ganzen Acts die ich höre, wieso werden die nicht gebucht?“

    Anja (Power Plush): Es gab ja nachweislich in den letzten Jahrzehnten auf jeden Fall Nachteile für Frauen in der Musikbranche generell. Die Sichtbarkeit war einfach nicht da. Es gab zwar hin und wieder mal weibliche Bands, aber die hatten nie die Plattform wie männliche Bands. Ich würde sagen, jetzt schaffen es endlich auch nicht cis-männliche Acts Raum einzunehmen. Wir sind zum Glück bisher sehr in einer Bubble, in der sie sich diesen Raum auch nehmen dürfen. Langsam merkt man, da tut sich was und verändert sich was. Was man aber trotzdem manchmal spürt sind Sachen wie, dass man oft mit weiblichen Bands verglichen wird und nicht mit Bands generell. Oder dass einem an manchen Stellen nicht das selbe zu getraut wird wie cis-männlichen Bands oder das von einem bestimmte Sachen erwartet werden. Aber das waren die einzigen Sachen, die wir zu spüren bekommen haben, ansonsten haben wir wirklich Glück. Dadurch, dass mittlerweile viel mehr Menschen aware sind und etwas ändern wollen, bekommen wir diesen Raum.

    Maria (Power Plush): Ich glaube es ist auch gut, dass wir auch immer Kritik äußern können. Wir geben uns nämlich keinen sexistischen Scheiß. Wenn sich die Person gegenüber nicht nach unseren Vorstellungen verhält, dann nehmen wir uns den Raum und Möglichkeit darüber zu sprechen. Somit passiert das anderen Personen vielleicht nicht mehr. Ich glaube Bands mussten da vorher einfach schon sehr viel abfedern und viele blöden Erfahrungen machen. Dann wurde aber auch viel Kritik geäußert und ich glaube in den letzten Jahren hat sich die Situation schon gebessert.

    Dascha: Voll schön, dass ihr so positive Erfahrungen machen konntet! Das ist ein Thema, was mich auch beschäftigt. Jedes mal, wenn ein neues Festival Line Up veröffentlich wird, fällt mein Blick erstmal darauf, wie viele nichtmännliche Personen spielen. Meistens ist die Erkenntnis aber sehr traurig.

    Anja (Power Plush): (Imitierend) Aber es gibt doch einfach gar nicht so viele female Bands!

    Dascha: Ich habe gestern wieder die Kommentare unter einem Post gelesen, der das kritisiert hat und sehr viele Leute meinten da „Dann ist die Musik der Frauen halt einfach nicht gut genug“. Es ist immer wieder das selbe, ich kann’s nicht mehr lesen.

    Anja (Power Plush): Aber es wird sich was ändern, ich glaube daran!

    Dascha: Wer sind denn nichtmännliche Bands und Künstlerinnen, die ihr im Moment sehr gerne hört?

    Anja (Power Plush): Also bei ist es momentan THALA. Ich höre sie gerade so so viel, ich lieb’s einfach. Ich mag ihre Musik total, ich mag ihre Art total, ihre Artworks, ihre Musikvideos – einfach top.

    Maria (Power Plush): Es gibt dieses Jahr übelst viel geile Musik, das ist so schwer zu beantworten. Aber um mich mal zu beschränken: Mir hat es in diesem Jahr vor allem Frances Forever angetan. Das ist auch sehr sehr schöne Indie-Musik, manchmal etwas abgespaced. Aber ich finde dieses Jahr so crazy, was Musikveröffentlichungen betrifft, ich komme gar nicht drauf klar.

    Anja (Power Plush): Das girl in red Album fand ich auch übelst geil. Und auch MAY-A hat ihr Debüt veröffentlicht, fand ich auch super.

    Maria (Power Plush): Oder LAUREL oder Olivia Rodrigo, auch so gut – wow! Oder LOBSTERBOMB haben auch ihre EP rausgebracht.

    Dascha: Da sieht man mal, wie viel Auswahl es eigentlich gibt. Ich bin dann bei meiner letzten Frage, also einer untold story. Jetzt müsst ihr euch eine neue Geschichte überlegen, die ihr noch nicht erzählt habt.

    Anja (Power Plush): Wir haben dieses Jahr auf dem Jenseits von Millionen Festival gespielt, wo wir auch LOBSTERBOMB kennengelernt haben. Super Leute! Und danach mussten wir schon die Hälfte der Strecke zum nächsten Festival fahren, weil es sonst zu weit gewesen wäre. Wir kamen aber aus dem Ort, wo das Jenseits von Millionen war, einfach nicht raus. Wir sind alle möglichen Straßen lang gefahren, das Navi hat uns immer woanders hingeschickt und überall war Vollsperrung. In jeder einzelnen Straße.

    Maria (Power Plush): Der Ort ist so klein und hat nicht mal viele Straßen, aber wir sind da mindestens eine dreiviertel Stunde rumgefahren. Man hatte auch keinen Internet-Empfang dort!

    Anja (Power Plush): Wir sind mit zwei Autos unterwegs gewesen und mussten uns am Telefon irgendwie zusammen lotsen, um da rauszukommen.

    Maria (Power Plush): Alle Wege aus der Stadt heraus waren gesperrt und wir wussten auch nicht genau, wo wir sind. Ich dachte zwischendrin echt, dass wir nie mehr rauskommen. (lacht)

    Anja (Power Plush): Wir haben währenddessen schon angefangen Hörspiel-Ideen darüber zu erfinden. Vielleicht können wir das ja mal in Kooperation mit Blond machen, die haben ja Hörspiel-Erfahrung. Aber was vielleicht auch noch eine sweete untold story ist: Wir knüpfen ja gerne Band-Kontakte und wir planen das mit unserem portablen Nagelstudio. Wir bringen nämlich zu jedem Gig eine Variation an Nagellacken mit und dann Fragen wir die anderen Bands vor Ort, ob sie zufällig Nagellack wollen. Dann sitzt man ganz gemütlich da, lackiert sich gegenseitig die Nägel und lernt sich kennen. Das haben wir auf dem Jenseits von Millionen mit LOBSTERBOMB und Dolphin Love gemacht. Da saßen wir gemeinsam am Tisch und haben uns die Nägel lackiert.

    Maria (Power Plush): Bands, die schon mal mit uns gespielt haben, schicken uns dann schon Bilder von ihren Nägeln.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen

    Foto Credits: Daniel Fransk

  • EASY EASY im Interview: »Die besten Texte habe ich in unter 20 Minuten geschrieben«

    EASY EASY im Interview: »Die besten Texte habe ich in unter 20 Minuten geschrieben«

    Bei Indie Surf Pop denkt man jetzt nicht direkt an Köln. Die Band EASY EASY zeigt allerdings, dass entspannter Surf Pop nicht immer aus Australien kommen muss, sondern genauso gut aus NRW funktioniert. Vielleicht kommt euch die Band ja aus unserer „on the rise“-Playlist bekannt vor. Ich hab den Sänger Carlo im Interview getroffen und mit ihm darüber gesprochen, wie es zu dem Sound von EASY EASY kam und was wir in Zukunft noch so von den Newcomern erwarten können.

    EASY EASY im Interview

    Anna: Hi, cool, dass du hier bist. Magst du dich und die Band zu Beginn vielleicht einfach erst einmal vorstellen?

    Carlo: Hi, ich bin Carlo. Ich sing bei EASY EASY. Und ja, wir sind so eine Indie Band aus Köln. Es sind noch sechs andere Jungs mit am Start. Auf der Bühne sind wir aber nur zu fünft. Zwei von uns sind Producer. And that’s it.

    Anna: Ok, danke, kurzer Abriss zu eurer Bandhistorie: Ihr habt das Bandprojekt ja erst letztes Jahr gestartet. Ich würde mal sagen, das ist jetzt eher ein ungewöhnlicher Zeitpunkt. Also für mich war das eher so eine Zeit, wo irgendwie alle erst mal selbst auf sich klarkommen mussten und auf ihr Leben. War das für euch irgendwie eine Art des Umgangs mit der Pandemie, um sich auf die Musik fokussieren zu können? Oder wie ist das entstanden?

    Carlo: Ach nee, es war eigentlich eher zufällig, dass die Pandemie war. Also wir hätten uns auch zum genau gleichen Zeitpunkt wahrscheinlich gegründet, wenn die Pandemie nicht gewesen wäre. Dass die jetzt war, war insofern Fluch und Segen gleichzeitig, als dass wir viel Zeit im Studio verbringen konnten, weil wir ja uns nicht darum kümmern mussten, irgendwo live zu spielen. Genau, aber um mal an den Anfang zurückzuspringen: Ende 2019 hat Leon uns auf einer Party angesprochen, weil der so ein Song von unserer alten Band gehört hat, wo Luis und ich mitgespielt haben und Merdi. Und den fand er irgendwie gut. Das war dieser „all about u“-Song und dann wollte er den aufnehmen mit uns. Dann bin ich irgendwann zu ihm gefahren und das hat dann so viel Spaß gemacht und die andere Band zieht sich dann auch aufgelöst zu dem Zeitpunkt, dass wir gesagt haben „lass doch einfach weiter so Songs aufnehmen“. Und dann irgendwann erst nachdem wir auch die ersten Songs rausgebracht haben und alles wieder so ein bisschen gelockert wurde und man wieder Konzerte spielen konnte, da haben wir dann noch Robin und Julien in die Band geholt. Einfach, weil es mittlerweile eine Live-Band brauchte. Ja und seitdem sind wir eine große Familie.

    Aus Zufall wurde eine Band wie eine Patchwork-Familie

    Anna: Kanntet ihr euch eigentlich alle schon vorher und wart befreundet oder ist das quasi durch die Band entstanden, dass ihr jetzt so eine Familie seid?

    Carlo: Ja, den Luis kenn ich schon ganz lange, bestimmt schon seit 7 Jahren oder so. Damals in der Schule waren wir schon Homies. Und dann haben wir so vor 2 Jahren oder so angefangen Musik zusammen zu machen. Darüber haben wir Merdi, den anderen Gitarristen kennengelernt. Mit dem haben wir dann in anderen Formationen gespielt. Das war aber irgendwie alles auch super beschissen und so und dann hat sich das dann irgendwie aufgelöst. Bis wir dann auf der einen besagten Party die beiden Leons kennengelernt haben. Mit denen haben wir dann ne Weile rumgehangen und übers Internet haben wir dann erst Julien und Robin kennengelernt. Und seitdem hängen wir viel zusammen rum.

    EASY EASY beim Familienfoto

    Anna: Gibt es bei euch eine bestimmte Aufteilung: Also zum Beispiel, dass du immer die Songs schreibst und Luis sich um den Sound kümmert oder ist es eher so, dass jeder was beisteuert und dann zusammen halt geschaut wird, was man daraus macht?

    Carlo: Also jeder trägt trägt auf jeden Fall seinen Teil irgendwie bei und jeder hat so seinen kleinen Aufgabenbereich gesucht. Aber zum Beispiel die Songs schreiben Luis und ich und produzieren die dann mit den beiden Leons. Robin zum Beispiel macht den Merch Julien kümmert sich um diese ganzen Sachen wie Steuern, GbR und den ganzen Scheiß. Merdi macht viel Booking. Irgendwie hat so jeder seinen eigenen Stuff, aber schaut auch mal bei dem anderen mit über die Schulter.

    Anna: Euch gibt es jetzt seit einem Jahr und ihr haut einfach direkt eine komplette EP raus. Kam das einfach so, dass ihr so einen Schreib-Produktions-Flow hattet und gesagt habt „So, jetzt hauen wir einfach mal direkt die Songs alle raus“? Oder wie kommt das zustande?

    Carlo: Ja, wir hatten wir einfach viele Ideen rumliegen und so. Dann hatten wir wie gesagt auch echt das Glück, dass wir ja keinen externen Produzenten bezahlen mussten oder in einem Studio bezahlen mussten, sondern dass wir einfach da mit den beiden Leons produktiv sein konnten. Und die hatten irgendwie auch Bock auf ne EP. Und dann haben wir das einfach gemacht. Also ehrlich gesagt sind wir da jetzt auch gerade schon wieder so ein bisschen dabei. Wir produzieren schon wieder vor. Wir wollen, wenn’s gut läuft, vielleicht so Mitte bis Ende Dezember unsere zweite EP raushauen.

    Selbstgezeichnete Cover passend zum Song

    Anna: Sehr cool, da bin ich gespannt! Was ich bei euren Singles und EPs auch immer total cool finde ist das Artwork. Also wie kommen eure Cover zustande?

    Das Cover zu „Hony Tawk“ von EASY EASY

    Carlo: Achja, das ist das eine Freundin von mir und die ist einfach lieb genug uns ihre Zeichnungen zur Verfügung zu stellen. Sie malt generell einfach super viel und gerne und und ganz ganz toll. Und dann habe ich sie einfach ganz am Anfang mal gefragt. Mir gefallen ihre Bilder generell total gut. Seitdem hat sich das irgendwie so eingependelt, dass ich sie frage, immer wenn wir was neues releasen. Obwohl ich auch ein bisschen das Gefühl hab, dass ich sie so langsam auch ein bisschen nerve. Entweder sie hat noch so Bilder rumliegen oder sie hat gerade neue gemacht oder ob Bock was zu zeichnen. Sie ist einfach so eine sweete Person und sagt immer „klar“. Dann schicke ich ihr den Song und dann hört sie sich den an und malt. Es kommt auf jeden Fall immer was krasses dabei raus. Checkt sie mal auf Insta aus unter @artbydanai.

    Anna: Nice! Das check ich doch gleich mal aus. Ich habe gelesen, ihr labelt euer Genre von Musik Indie Surf Pop. Mal abgesehen davon, dass Genres oft Interpretationssache sind. Aber wie seid ihr auf dieses Genre gekommen? Surfen liegt ja jetzt irgendwie nicht so nahe in Köln.

    Carlo: Also wir hatten einfach das Gefühl, dass die Musik so relativ surfig klingt. Ich glaube es liegt auch daran, dass Luis und ich eine Zeit lang unglaublich viel so Mucke gehört haben, die sich im Surf Rock Genre einordnet. Zum Beispiel sowas wie Hockey Dad, Peach Pit, Skeggs oder Vanilla Gorilla, diese typischen australischen Bands. Und wenn man da guckt auf Spotify, dann werden die auch irgendwie immer in Surf Rock Playlists gepackt. Dann haben wir einfach beschlossen, dass wir uns auch dort einordnen. Aber in unserer Band fließen auch extrem viele verschiedene Musik Einflüsse zusammen, weil wir alle extrem unterschiedlichen Kram hören. Je nach Song hat dann irgendwie einer mehr Einfluss als der andere. Größtenteils machen wir aber einfach das, worauf wir Bock haben.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen
    Das Video zur neuesten Single „right“ von EASY EASY

    Anna: Und wie sieht es bei den Texten aus: Habt ihr da bestimmte Themen, die ihr favorisiert? Oder gibt es sogar irgendwas, wo du sagen würdest, dass du darüber nicht schreiben kannst oder es nicht so gerne in einem Song behandeln möchtest?

    Carlo: Ich tue mich schwer mit so Love Songs, weil ich da irgendwie einfach das Gefühl habe, ich kann das nicht gut schreiben. Aber ansonsten viel Party, viel Bier trinken, Skateboard fahren, Sonnenschein. Ich mag das auch einfach manchmal, wenn man an einem Text nicht so geisteskrank lange überlegt. Ich finde die Texte, die mir am meisten Spaß machen, sind auch immer noch die, die ich in unter 20 Minuten geschrieben habe. Auch so völlig ohne, dass ich in dem Moment wusste, worüber ich die geschrieben habe. Ich mag es manchmal auch, wenn der Text sich selber nicht zu ernst nimmt. Und vor allem jetzt mal hands down: Gerade bei uns in Deutschland, wo sehr viel auch auf Deutsch veröffentlicht wird, da hört man bei einer Band wie uns mit englischsprachigen Texten ja jetzt auch nicht geisteskrank auf den Text. Und wir haben auch Songs geschrieben, wo wir einfach nur eine Strophe geschrieben haben. Oder wenn wir mit der zweiten nicht weitergekommen sind haben wir uns gesagt „fuck it, wir singen einfach die erste noch mal“ Und das ist bis heute auch keinem aufgefallen.

    „Deutsche Texte klingen sehr schnell kitschig. Da habe ich Angst vor.“

    Anna: Okay wow, das ist mir tatsächlich auch noch gar nicht so genau aufgefallen. War es für euch eigentlich eine aktive Entscheidung, dass ihr auf Englisch schreibt oder haltet ihr es euch auch offen, Songs auf Deutsch zu schreiben?

    Carlo: Ist immer noch offen, ich habe auch mit meinen Homies auch schon mal Texte auf Deutsch geschrieben. Die klingen aber irgendwie bisher immer noch blöder. Vielleicht schreiben wir mal irgendwann einen auf Deutsch. Ich glaube, dass wir uns da nicht so extrem festlegen. Aber aktuell glaube ich, fühlen wir uns ganz wohl mit Englisch. Ich glaube, Deutsch ist immer die größere Herausforderung. Ich glaube, als Muttersprachler kann dich ein deutscher Text krasser berühren als ein englischer Text. Also ich glaube, ein gut geschriebener deutscher Text ist gefühlvoller als ein gut geschriebener englischer Text für deutsche Zuhörer:innen. Aber man ist im Deutschen auch extrem dazu geneigt sehr kitschig zu klingen. Da habe ich ein bisschen Angst vor. Denn wenn man auf Deutsch singt, achtet man ja sofort viel stärker auf den Text. Das wäre doch irgendwie komisch, wenn ich mich auf die Bühne stelle und singe „Ich liebe dich unterm Sternenhimmel“. Das ist direkt so privat. Mann kann gar nichts mehr verstecken.

    Anna: Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Was würdest du sagen, ist für euch so die größte musikalische Inspiration momentan?

    Carlo: Das ist schwierig so allgemein zu sagen. Also ich kann jetzt erst einmal von mir reden, das ist dabei bei uns allen sieben irgendwie bei jedem anders. Ich glaube bei mir hört man momentan die Musik, die ich gerne höre nicht aus der Musik heraus, die ich mache. Ganz am Anfang von unserer Band habe ich zum Beispiel extrem viel Skeggs gehört. Diese australischen Surf Skate Punkbands fand ich extrem cool letztes Jahr. Und dann muss ich selber mal gucken, was habe ich denn hier heute gehört? (schaut in seinem Spotify Verlauf nach) Ich habe heute die 2018er Platte gehört von Das Paradies. Kennst du die?

    Anna: Nee, sagt mir tatsächlich gerade nichts.

    Australian Surf Pop als Inspiration für den EASY EASY Sound

    Carlo: Kannst du dir auf jeden Fall mal anhören, die ist richtig nice. Ansonsten habe ich in letzter Zeit super viel Sports Team gehört. New Order finde ich im Moment aber auch wieder krass. Ja so, die Bands würde ich so aktuell nennen, aber es ist doch immer sehr tagesformabhängig bei mir. Ich. Finde schwierig zu sagen, welcher Künstler einem die größte Inspiration war. Ich glaube die erste Band, die bei mir ausgelöst hat, Musik zu machen war damals Sticky Fingers.

    Anna: Was meinst du wäre für eure Band ein Traum-Feature Artist? Oder lieber keine Features?

    Carlo: Auf jeden Fall Features! Ich glaube, man hätte eine sehr gute Zeit mit Mac DeMarco. Ich glaube, das macht Spaß mit dem zu produzieren. Ansonsten, was wäre noch krass … (überlegt) 
    Ja, LCD Soundsystem wäre für mich aktuell krass, das höre ich sehr viel im Moment und mit James Murphy im Studio zu stehenwäre schon krass. Ich glaube, dass wir mit dem einen richtigen Dance-Song produzieren könnten.

    EASY EASY auf der Bühne

    Anna: Oha, ja, das sind beides krasse Künstler! Aber zurück zu euch: Wie war für dich und euch als Band denn so der Sommer jetzt? Ich habe gesehen, dass ihr eure erste kleine Tour gemacht und die Songs live gespielt habt. Wie fühlt sich das an?

    Carlo: Es hat einfach so Spaß gemacht! Da haben wir auch wieder gemerkt, dass wir fünf Jungs einfach eine Live-Band sind. Merkt man denn auch bei allen so, dass das genau der Grund ist, warum wir das machen. Also klar, Musik im Studio machen ist auch toll, aber live ist nochmal was anderes. Das ist das geilste Gefühl, was du durch Musik bekommen kannst. Und Ende August haben wir zum Beispiel ein Konzert gespielt mit den Boys von Sakropolis zusammen hier bei uns in Köln in so einem Kiosk. Auf einmal kamen ganz viele Leute , sodass es am Ende um die 100 waren alleine in dem Kiosk! Und dann haben die auch so die Texte mitgesungen und das war krass. Das hat so Spaß gemacht und da geht man auch wirklich runter von der Bühne und ist den ganzen Abend happy. Da singen einfach Leute die Texte mit, die man teilweise nachts um 5 Uhr im Suff geschrieben hat. Darauf musst du erstmal klarkommen. Ist ein krasses Kompliment irgendwie.

    Das Glücksgefühl nach einem Live-Konzert ist nicht zu toppen

    Anna: Ist denn für die Zukunft schon mehr geplant?

    Carlo: Auf jeden Fall! Im Oktober spielen wir noch vier oder fünfmal, drei Mal in Köln und einmal (hoffentlich zweimal) in Hamburg. Und dann im Januar gehen wir auf unsere erste richtige, größere Tour. Hoffentlich. Mal schauen, ob das funktioniert, da sind wir gerade noch in der Planung.

    untold story

    Anna: Sehr cool! Okay, letzte Frage für heute: Was ist eure EASY EASY untold story? Untold stories sind bei uns in Interviews Geschichten von Bands und Künstler:innen, die sie noch nie in einem Interview erzählt haben, die aber eigentlich total lustig, spannend, interessant zu erzählen sind. Fällt dir da zufällig etwas ein?

    Carlo: Doch, es fallen mir auf jeden Fall ein paar Geschichten ein. Das Problem ist nur: Die Geschichten, die wir in Interviews nicht erzählen, die können wir auch nicht erzählen. Aber es gibt Sachen, dass man selber keinen Gefallen mit, wenn wir das erzählen, beziehungsweise die sollten wir lieber niemandem erzählen (schmunzelt). Aber du hast Glück: Da gibt es doch noch eine aktuelle Story, die ganz lustig ist. Und zwar habe ich mir den Fuß verbrannt auf der Bühne vor ein paar Wochen. Da haben wir auf auf dem Bulli Summer Festival gespielt am Freitag und das hat den Veranstaltern so sehr gefallen, dass sie uns gefragt haben, ob wir am Samstag noch einmal spielen wollen. Und natürlich hatten wir Bock! Dann sind wir noch kurz vor knapp zum Baumarkt gefahren, also Schlafsäcke hinzu geholt, uns da ein Zelt organisiert, alle da gepennt und dann am nächsten Tag mit so zwei Stunden Schlaf und übertrieben verkatert noch so drei Sets gespielt. Eins von den Sets war wirklich so extremst in der Sonne und ich war so gut drauf, da hab ich gesagt „So Leute, ich spiele jetzt barfuß“. Dann bin ich da so ein bisschen rum gezappelt, wie ich es halt immer auf Konzerten mache. Und irgendwann habe ich so gedacht, ich jetzt einen nicen Move und wollt so ganz cool, meinen Fuß so vorne auf den Monitor drauf stellen. Und dann habe ich aber nicht bedacht, dass der halt zwei Stunden lang in der prallen Sonne die ganze Zeit stand, da ich meinen Fuß so drauf und dann so direkt meinen Fuß übelst verbrannt. Es hat wirklich eine ganze Woche lang übertrieben wehgetan. Kann ich also nicht empfehlen. Aber ansonsten hat Luis sich zum Beispiel auf der Bühne einmal fast übergeben. Ich weiß nicht, ob er seine Haare oder eine Zigarette verschluckt hatte, eins von beidem. Und dann musste er fast kotzen auf der Bühne. Das war lustig – also für uns zumindest, für ihn eher weniger.

    Anna: Aua, so einen verbrannten Fuß stelle ich mir echt sehr schmerzhaft vor. Aber danke, dass du die Stories mit mir geteilt hast und danke für das Interview. Bis zum nächsten Mal!

    Hier könnt ihr in die Debüt-EP „Lemon Squeezy“ von EASY EASY reinhören!

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen ‚
    ‚

    Fotocredit: Marco Peters (letztes Foto)

  • Shelter Boy im Interview: „Ich habe eigentlich alles, was ich mal machen wollte, hier ausprobiert“

    Shelter Boy im Interview: „Ich habe eigentlich alles, was ich mal machen wollte, hier ausprobiert“

    Im September war es so weit: Endlich, endlich, endlich hat Shelter Boy sein Debütalbum veröffentlicht. Obwohl er sich mit seinen vorherigen EPs schon erfolgreich bewies und sich in der Indie-Szene einen Namen schaffte, zeigt er mit Failure Familiar, dass in ihm noch viel mehr steckt, als wir bisher kannten. Shelter Boy öffnet sich und zeigt eine emotionale und verletzliche Seite, aber auch rein musikalisch kriegen wir viele Facetten geboten. Von richtigen Bangern wie Atmosphere (hier geht’s lang zum untoldency-Interview zur Single), zum herzzerreißenden Forever You’ll Be Known bis hin zu wohltuenden Sommergefühlen in Terrace. Und obwohl Failure Familiar auf seinen 11 Tracks schon viel weiter entwickelt und vielseitiger klingt, verliert Shelter Boy nicht den Sound und die Art, für die wir ihn alle lieben gelernt haben. Zwar verneinte er die Frage, ob er seinen Sound schon gefunden habe, in einem kürzlich gehaltenen Instagram-Story Q&A und doch bekommt man den Eindruck, dass er genau weiß, was er tut. Ganz besonders bekommt man Shelter Boys Liebe zu britischen Bands zu spüren, deren musikalischen Einfluss man hier nicht abstreiten kann. Die Mischung aus genau dem, seinem ganz eigenen Stil und seiner markanten Stimme machen Failure Familiar zu einem abgerundeten und vor allem sympathischen Album, an dem man sich so schnell nicht satt hören wird.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen ‚
    ‚

    Dascha: Guten Morgen! Wie geht’s dir? Du bist gerade in Manchester, oder? Hab ich das richtig gesehen?

    Shelter Boy: Guten Morgen! Ja, genau. Voll schön hier und krass, weil einfach mega gutes Wetter hier ist.

    Dascha: Nice! Und was machst du da?

    Shelter Boy: Wir spielen heute Abend tatsächlich ein Konzert hier. Außerdem bin ich quasi das erste Mal beim Label zu Besuch, haben hier also ein paar Termine.

    Dascha: Und wie ist es da mit Corona-Regeln bei Konzerten? Könnt ihr ganz normal spielen?

    Shelter Boy: Es ist wild, weil hier halt niemand irgendwo Maske trägt. Also wirklich nirgendwo! Das fühlt sich ein bisschen weird an, vor allem wenn man in einen Laden reingeht… Es ist allen egal.

    Dascha: Glaub ich dir! Übermorgen ist es soweit und das Album kommt raus. Wie planst du den Release zu feiern?

    Shelter Boy: Wir machen eine kleine Party in Leipzig, ein paar Freunde legen auf, wir werden uns ordentlich betrinken, that’s it.

    Dascha: Klingt nach einem guten Plan. Zu erstmal muss ich sagen, dass ich das Album sehr sehr geil finde! Wann hast du angefangen daran zu arbeiten? Hattest du irgendwann so einen Punkt an dem du wirklich realisiert hast, dass du an deinem Debütalbum arbeitest?

    Shelter Boy: Dankeschön! Ich hatte nach der zweiten EP schon die ganze Zeit Songs geschrieben, das war aber alles ein bisschen lose. Ich glaube ich hab dann so im März 2020 im Lockdown wirklich konkret angefangen darauf hinzuarbeiten. Calm Me Down war da der erste. Dann hat das langsam Form angenommen.

    Dascha: Ich hab auch den Eindruck, dass du auf dem Album viel ausprobiert hast und verschiedene Facetten zeigen willst. Musstest du dafür aus deiner Komfortzone rauskommen oder ging das easy?

    Shelter Boy: Mmmh ne, ich habe eigentlich alles, was ich mal machen wollte, hier ausprobiert. Davor hatte ich schon noch sehr diesen Surf-Dream-Pop-Stempel drauf, es gibt aber viel mehr was ich selbst gerne an Musik konsumiere und geil finde. Deswegen gibt es auch einen Song wie Failure Familiar, der so ein sehr ruhiger Klavier-Song ist. Ich wollte das alles einfach mal ausprobieren, auch mit den Streichern. Ich bin halt riesiger Beatles Fan und ich glaube daher kommt das, dass man einfach Bock hat so vieles zu machen.

    Dascha: Ich find’s auch echt schön wie viel du gezeigt hast und dass du dich so weiter entwickelt hast von den EPs. Wonach hast du Reihenfolge der Tracks bestimmt? Ich liebe es, dass dieses besondere Ende von I Can Be Sad das ganze Album abschließt.

    Shelter Boy: Genau das stand auch als erstes fest, dass das der letzte Song werden wird. Es ist tatsächlich auch eine Referenz an einen Beatles Song „A Day in the Life„. Da werden die Streicher auch komplett wild am Ende und das Album endet mit einem Knall. Das war dann von mir ein bisschen eine Verneigung vor den Beatles. Der Rest hat sich dann einfach ergeben, ich hab viel rumprobiert. Es gibt aber keinen Konzept-Album mäßigen roten Faden. Deswegen hab ich ein bisschen hin und her geschoben und so hat es für mich einfach Sinn ergeben. Calm Me Down als Opener, direkt so Rock n Roll Song.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen

    Dascha: Hast du selbst auch einen Liebling unter den Songs?

    Shelter Boy: Ich glaube I Can Be Sad. Auf den bin ich am meisten stolz.

    Dascha: Ich glaube meiner ist Gazeback. Der hat mich live schon direkt gecatched und ist mir im Kopf geblieben. Magst du mal etwas mehr zum Song erzählen?

    Shelter Boy: Schön, das freut mich! Ich hab bei dem Track sehr probiert an das 16-jährige Ich von mir zu denken. Die Bridge ist ja „I like it too much / To drink too much / Why care so much / ‚Cause life is so tough„, ich dachte da wirklich an so ein Tumblr-Zitat aus der Zeit. Das war die Zeit wo ich eigentlich nur auf Partys gehen wollte und es gab auch keine richtigen Probleme, weil am nächsten Tag sowieso nur Schule war. Dieses Gefühl hab ich versucht aufzugreifen. So klingt der Song für mich auch. Wie so ein Shout out loud-mäßiger Indie-Song, der halt früher in der Indie-Disco hätte laufen können.

    Dascha: Ist dir gelungen, ich finde genau so kommt’s auch rüber. Du hast diesen Sommer ja auch einige Songs vom Album schon live gespielt. Gab es einen von den neuen Songs, der dir bei Shows besonders viel Spaß gemacht hat?

    Shelter Boy: Atmosphere macht mega Bock! Wir haben ja auch auf dem About You Pangea Festival gespielt und das war ja so ein Pilot-Projekt, das heißt da waren das erste Mal wieder ordentlich Leute vor der Bühne. Genau davon hab ich geträumt, den mal vor so vielen Leuten zu spielen. I Can Be Sad ist auch jedes mal mega schön, weil ich das dann mit Mitsing-Part mache und das funktioniert einfach gut. Die beiden Tracks also, ja. Gazeback ist für mich immer mega anstrengend, weil der Refrain sehr anstrengend zu singen ist, das ist auf jeden Fall ganz schön wild für die Stimme.

    Dascha: Aber hey, es lohnt sich! Wie ist eigentlich das Album Cover entstanden?

    Shelter Boy: Das war mit Philipp Gladsome, mit dem ich ja ganz ganz viel mache. Mit dem hatte ich einfach ein Brainstorming. Ich finde Album Cover gut, wenn sie offensiv sind, wenn sie klatschen, wenn da starke Farben sind. Ich denke da immer wieder ganz altmodisch, wenn man durch einen Plattenladen läuft und da was rauszieht. Wenn ich da ein beiges Cover, auf dem ganz verwaschen was drauf ist, sehe… Ne, ich hätte da gern was, was knallt. Da kamen wir halt auf die Idee mit dem Blut. Vielleicht auch ein bisschen von The Weeknd inspiriert. Das Blau hatte ich mir dann noch ausgesucht und dann waren wir bei Philipp im Studio, an dem selben Tag, an dem wir das Atmosphere Musikvideo gedreht hatten. Direkt dann auch das Album Cover geschossen.

    Dascha: Um nochmal auf dein Boy Pablo Feature zusprechen zu kommen – wie lief der Prozess für euch? Ihr wart ja dabei räumlich weit von einander entfernt.

    Shelter Boy: Der Track selber kam tatsächlich von mir. Ich hatte den komplett fertig, auch schon aufgenommen, dann hatte ich ihn gefragt, ob er Bock hat. Er hat den Song mega gefeiert, aber dann ist erstmal ganz lange nichts passiert. Ich dachte wirklich „Scheiße, das wird eh nicht klappen“. Wir waren zwar die ganze Zeit in Kontakt, aber er hat zu der Zeit auch sein Album rausgebracht und noch eine EP zusammen mit einem anderen Artist von Triple Seven. Er war aber trotzdem so „Ich hab aber Bock und will das unbedingt machen“. Dann irgendwann hat er mir spuren von seiner Strophe geschickt und an dem Tag bin ich wirklich fast zusammen gebrochen. Das ist auch für mich ein sehr großes Ding gewesen, weil ich auch echt ein Fan von ihm und seiner Musik bin.

    Dascha: Voll schön! Jetzt er eine sehr random Frage – Wenn du nur für immer nur noch drei Alben konsumieren könntest, welche wären das? So ganz spontan.

    Shelter Boy: Also, Beatles – Revolver, Blonde on Blonde von Bob Dylan und Loyle Carner – Yesterday’s Gone.

    Dascha: Die Antwort kam ja sehr schnell! Ich bin jetzt auch schon bei der letzten Frage, das ist bei uns ja immer eine untold story. Hast du noch eine Geschichte auf Lager, die du noch nicht öffentlich erzählt hast?

    Shelter Boy: Ich überlege, das ist schwierig. Hmmm naja, ich hab gerade ein Thunfisch Sandwich gegessen, das mega geil war!

    Wer nicht genug von Shelly bekommen kann, sollte sich diese Playlist abspeichern:

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen ‚
    ‚

    Foto Credit: Philipp Gladsome

  • School of X im Interview: »A fulfilled life does not exist for me«

    School of X im Interview: »A fulfilled life does not exist for me«

    Hinter dem charismatischen Sound von School of X steckt kein Kollektiv oder eine geheimnisvolle Vereinigung (aus irgendeinem Grund denke ich bei dem Namen an die X-Men Academy, obwohl ich gar nicht auf Marvel stehe). Nein, es steckt bloß ein Mann dahinter: Rasmus Littauer. Und Rasmus ist gar kein Unbekannter in der Szene. Der in Kopenhagen lebende Däne ist fester Bestandteil der MØ-Crew und unterstützt sie seit Jahren am Schlagzeug. Nach bahnbrechenden Releases wie Destiny und Armlock, erblickt jetzt das dritte Werk des Genre-Akrobats Dancing Through The Void das Licht der Welt. Ich habe mit dem sympathischen Dänen gequatscht und einiges Interessantes über ihn, das neue Album Dancing Through The Void und seinen Schreib-Prozess erfahren.


    School of X im Interview

    Evelin: Hey Rasmus, first thing’s first: Happy Release! How are you feeling putting out all of your work finally?

    Rasmus: It feels great. Honestly I really love cutting the ties to my music. It’s a blessing and a curse to be finished with something and only having it yourself. So releasing it feels really good to me.

    Evelin: On Dancing Through The Void you touch on different topics within life itself: love, childhood, fatherhood, the meaning of life in general. What are the main messages of the album in your eyes?

    Rasmus: I think you’re catching it quite well actually. It definitely has a more full circle storytelling then my previous work. Basically it’s about going through life and fighting for your dreams and the life you wanna live with the ups and downs it brings. Maybe mostly the downs on this album haha.

    Evelin: In this collection of songs, but also in previous work you ask these existential questions about life. I was wondering what a fulfilled life looks like for you personally and if this has changed over the years?

    Rasmus: It has changed a lot during the years. I think such thing as a fulfilled life does not exist for me. But recognizing that, is a great, if not fulfilling thought. I think throughout your whole life you’re learning and changing and moving and that should be interesting and full of emotions. Or at least trying to make it that, will make me the most happy I can be.




    „I live for those moments“

    Evelin: Your songs are generally very personal and honest. How does your writing process look like? Do you work more with fragments of unfinished songs from the past, or do you rather prefer dealing with your current feelings?

    Rasmus: On the album I’m pretty sure all the lyrics were written during 10 months from last year in March ‘til this year in January-ish. BUT I often find good things musically in previous work and also sometimes lyrics. With lyrics I write them as intuitively as possible so they are mostly really current and mostly written in one day or so. It can be about old feelings or stories from the past.

    Evelin: You love to experiment with sounds and storytelling. Which song on this album did you enjoy making the most?

    Rasmus: I think mostly it has been the song Away or If You’re Ever Gonna Be Like Me. They were both written and recorded in one day each and when that happens it is just so much fun to make music. BUT I will tell you that I had 7 terrible days in the studio where zero happened before I did IYEGBLM. And sometimes it can be many more days. It’s ups and downs and the ups are often shorter to me but they can be so magical. I live for those moments.


    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen


    „It’s about being there for someone who’s struggling“

    Evelin: In a few songs (e.g. Away, New Friend) you talk about failed relationships and being sort of disappointed with the way things turn out after the end of any relationship. You do this from both a rational and an emotional side. Are you someone who looks back at the past more resentfully or realistically?

    Rasmus: Naaah I wouldn’t say so. I think I mostly look forward. I told myself though when I was around 20 years old that I would try and live my life so that I would never be afraid of bumping into anyone on the street. You know, have no really bad relations out there.

    Evelin: I think my favourite song on the album is Heart Turned Cold because it’s both sad and beautiful at the same time. Can you explain the meaning behind the song?

    Rasmus: I’m so glad that you’re saying that. I feel the same way too about it. To me it’s about being there for someone who’s struggling (which is beautiful). Though the point is also that being there for someone who only can solve the issues themselves can be regressive. If you uphold the hard times be stretching it because you’re there. Does it make sense?


    „Collabs open up ideas in ways I couldn’t do myself“

    Evelin: On Heart Turned Cold, other songs on the album and previously, you like to collaborate with other artists. Even the name School of X stems from this cooperative approach. What is the added value you see in this collaborative energy?

    Rasmus: I will say that collabs on this album have made quite a lot of the songs become much better. Kim Tee in Heart Turned Cold is outstanding I think. Bag of Bones was quite an unfinished piece before Søren Holm came in and made it magical. A song like 1989 was originally made with Frederik Valentin aka 1985 so that one would never have existed. I think collabs open up ideas in ways I couldn’t do myself. Also it makes it more fun to make music 😊

    Evelin: If You’re Ever Gonna Be Like Me is almost a sort of hymn addressed to your son. First of all: Congratulations on the new addition to your family! What is a trait of yourself or in general that you would like your son to inherit?

    Rasmus: Thank you! Well that song is mostly about what he shouldn’t inherit. But to answer your question then maybe I think it’s important always to be 100% open minded to everyone you meet.


    „It completely changed my way of thinking“

    Evelin: At the end of each interview, we always ask for an untold story. This could be a random fact about you, an anecdote, something funny that happened during recording, etc. Anything that you haven’t shared with the world yet, but want to now.

    Rasmus: 6 years ago I started running every second day and I still do. It completely changed my way of thinking and being creative. I think my energy level has quadrupled since then. That was around the same time I started writing the first songs for this project too.


    Verliert euch in der einzigartige Stimme von School of X und lasst euch von seinem eigensinnigen aber auch überaus sympathischen dänischen Charme auf Dancing Through The Void verzaubern. Aber nicht nur digital könnt ihr euch Rasmus gönnen, sondern auch live: am 22.11.21 in Hamburg, Häkken und am 23.11.21 in Berlin, Maschinenhaus. Das sind die einzigen Shows in Deutschland, also keine Sekunde länger warten! 😉

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen ‚
    ‚


    Fotocredits: Jonas Bang

  • Tora im Interview: »We need unity not division.«

    Tora im Interview: »We need unity not division.«

    Heute dürfen wir euch eine der spannendsten Bands Australiens vorstellen. Vielleicht kennt ihr sie schon, vielleicht lernt ihr sie jetzt erst kennen. Either way müsst (solltet) ihr in ihr neues Album “A Force Majeure” reinhören. Es ist das mittlerweile vierte Album der Elektro-Indie Band Tora und auf jeden Fall einer der top Alben diesen Jahres – jedenfalls für mich. Im Interview mit Leadsänger Jo geht es um die ihren 6-monatigen Studio-Lockdown, das derzeitige Chaos auf der Welt und wie sie auf dem Weg vom Nürnberg Pop Früchte pflücken und Kuchen backen waren. Ihr habt richtig gelesen, hier geht’s um gute Musik und Kuchen – die zwei besten Sachen auf der Welt. Ich kann’s nur empfehlen.

     
    Tora im Interview

    Anna: Hey, thanks for taking the time!  How are you, a few days before releasing your third studio record?

    Jo: Thanks for having us! We’ve been anticipating this moment for quite some time. I’m feeling very excited to finally put this album out in the world.

    Anna: To start with a confession: I deeply fell in love with your latest album “Can’t Buy the Mood” and been waiting for new music since. I didn’t have to wait too long, shortly after releasing Can’t Buy the Mood you went back into the studio to work on this record. Was that something you planned or something that just happened because, well, the pandemic happened?

    Jo: Haha nice confession, I’m sure people have been guilty of worse things…We had intended to tour the world through 2020 with Can’t Buy The Mood, but of course things changed in a big way. The pandemic started just a couple of weeks after arriving in Amsterdam, where we have been based ever since. We were fortunate enough to find a studio, so we planted ourselves in there for at least 6 months and just poured our hearts out.

    Anna: Did you have a clear picture in mind when you started working on this record? How was it different to the albums before?

    Jo: This recording process was certainly different in the sense that we were essentially locked in a studio for an extended period of time with no distractions. Nothing to do but reflect, so we dove deep into ourselves and also thought a lot about the bigger picture. Before long we started to realise there was a narrative forming in the album that was very much relating to change, transformation, growth, acceptance, as we observed the shift of society into a new paradigm. So we chose the name A Force Majeure quite early on.

    Tora, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, tora, force majeure, in too deep
     
    “We must strive to understand each other so that we can solve the larger issues together.”

    Anna: Listenting to “Fire Apartment” the first mental picture that came into my mind was the “this is fine” meme. Am I totally off or does this song capture this “the world is burning” feeling?

    Jo: You’re certainly not off! This is where we were coming from with ‘all the alarms are disarmed as the temperatures rise’. It’s not only in reference to climate change, but also the political climate which appears to be spiralling out of control in an ever more polarising fashion. We need unity not division, we all share more in common than our differences. We must strive to understand each other and the world around us so that we can solve the larger issues together.

    Anna: What are others topics you worked through on this album?

    Jo: Some of the songs were quite personal relating to things like love, heartbreak and internal reflection. But the ones that felt quite important were songs like ‘Put Down Your Phone’ and ‘In Deeper’ which shine light on the darkness of tech addiction. How it is impacting our relationships with the people around us, causing division between friends, families and lovers, making people feel numb and out of touch with their nature. Technology can bring prosperity and innovation is beautiful but let us not lose our humanity and our sanity along the way.

     
    “Amsterdam is a place where thinking outside the box is encouraged.”

    Anna: If you’d have to choose: What song from the album is your current fav? And why?

    Jo: This question is very difficult, it’s a bit like asking a parent to chose which is their favourite child. The truth is we are proud of them all. Different ones bring the right feelings at different times, depending on the mood and the context. Right now I’m feeling ‘In Deeper’ as it feels most relevant to the times. It feels the most important right now.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen

    Anna: Something I couldn’t miss noticing: you have a thing for aesthetic single covers and I love that. What is the story behind these different strokes on the covers for this album cycle?

    Jo: Yes! So the album cover and the single covers were a combined effort between photographer Rein Kooyman and Jai Piccone. Jai is in the band, but also happens to be a graphic artist. When we were in France in September 2020 shooting the video for ‘Why Won’t You Wait’, Rein along with others built an art installation in the forrest where we did a photoshoot. Jai took those photos, printed them and painted over them by hand.

    Anna: Since you already mentioned it: You’re now based in Amsterdam, but you all grew up in Australia, Bryon Bay. What are the things you miss the most? Do you regret it sometimes?

    Jo: Yes true we are a long way from home. We miss the beach, the waves, the nature, the good weather. But there’s not a lot to regret right now as most of the country is in lockdown and they aren’t allowed outside. So we are happy to be here right now. Amsterdam is a beautiful city, the bike culture gives it a very social energy. It’s a hotspot for spontaneous interactions, diversity and liberty, a place where thinking outside the box is encouraged.

    Anna: Also because I’m really into the Aussie music scene in general: What are your hot recs when it comes to Australian music we should definitely all check out?

    Jo: Rufus Du Sol, Lastlings, Tame Impala, Parcels, Kllo, Crooked Colours, Hayden James, Cassian, Mall Grab, Andras, Angie Hudson, Hein Cooper.

    Anna: Our last question is always asking for an untold story. That can be a funny tour anecdote, a random fact or just something you really want to tell your German fans.

    Jo: One old story that comes to mind was when we were staying in a small German town called Michelstadt for a few months back in 2015 during our first EU tour. One day we had forgotten to buy groceries before leaving to play at Nürnberg Pop Festival. When we were driving back home deep through the forrest we remembered that on Sundays in Germany the shops are closed and we had no food. Luckily we stumbled across some wild berries and apples in the middle of nowhere. We stopped the van, got on each other shoulders and picked the fruit which we made into pies. Sometimes you have to just adapt to the situation, haha.

     

    Hier geht’s direkt zum Album, das Kuchenrezept gibt’s dann nächstes Mal: 

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen ‚
    ‚

     

    Und weil’s so schön ist, hier auch das Vorgänger-Album Can’t Buy The Mood:

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen ‚
    ‚
     

    Fotocredit: Rhiannon Cook

  • Maple & Rye im Interview: »Playing live is addictive, you can’t get these emotions in daily life«

    Maple & Rye im Interview: »Playing live is addictive, you can’t get these emotions in daily life«

    Zum Abschluss unserer Interview-Reihe zu den Acoustics Concerts stelle ich euch die Band Maple & Rye vor. Maple & Rye – das sind Milton, Leo, Henrik und Gustav. Die vier Jungs kommen aus Göteborg, Schweden, und haben sich dort und in der Scandifolk-Szene bereits etabliert. Für die Acoustics Concerts am 06.09. in Berlin und am 08.09. in Hamburg packen die Schweden ihren Van voll Equipment und machen sich auf den Weg nach Deutschland. Ich habe Maple & Rye vorher bereits in Göteborg auf ein Interview getroffen. Ja, ihr lest richtig – so ganz in real life und vor Ort. Ihr könnt euch vorstellen, wie glücklich wir alle waren, nach über einem Jahr endlich mal wieder Interviews in Person führen zu können. Ich habe mit Milton, Leo, Henrik und Gustav über neue Musik und alte Songs gequatscht und nachgehakt, wie es ist eigentlich so ist in einer musikalischen Stadt wie Göteborg eine Band zu starten.

    Maple & Rye im Interview

    Anna: Hej guys, nice to meet you, hope you’re all good! To anyone who has not listened to your music before: Describe the sound of Maple & Rye in one sentence.

    Milton: At least we get one sentence. Usually it’s like one word (laughing). There’s one description that we have previously used a little tag of folk inspired indie-pop. Yeah, I guess that’s still pretty true. We tried to combine all the genres we play into one phrase.

    Anna: So, it’s been a little bit more than a year now since you released your first album. How do you feel about it now? If you would have done the same album again, would you have done something differently? Or still completely stand behind it as it is?

    Leo: Great questions (starts thinking about it). I mean, we have better songs now.

    Gustav: Exactly. Yeah, that’s where I always go in as well. We could like replace songs with those.

    Milton: I agree, we do have some new songs that we’ve written since we recorded and released the album that we like even more, but at the same time, the package of that album makes a lot of sense. I think the songs, there’s a common theme in the entire album musically and somatically, production-wise, instrumentally. Yeah, I wouldn’t exchange any of the new ones for that album. But I’m very excited to release the new stuff. That’s gonna be a new package.

    Henrik: Yeah, no if we did the same album at the same time, like one year ago again, not like now: Then I would probably have done the same.

    Anna: It’s probably also like capturing that time, like how you felt about the music at that time.

    Henrik: Yeah, exactly. And it’s hard, I mean: Would you would you have done anything differently? Maybe, but that’s what you felt like doing at that time. So why dwell on that really?

    Milton: Any improvements we can apply to the next thing. We should write a song about that.

    „We’ve reached a point where we have a certain sound“ – Is there gonna be change in the future?

    Anna: So, when is the next album going to be released?

    Maple & Rye Untoldency Interview

    Henrik: It’s not on the horizon just yet. We have loads of material. But we haven’t started really recording and producing anything yet. But that’s next on the agenda.

    Milton: Yeah. And then we’ll see, I guess, if it is a full album that we’ll do or if we’ll do an EP. I think we feel that we’ve reached a point to a little bit where we have a certain ‚Maple & Rye‘ sound. And there still is a clear kind of common theme towards where we’re developing into, but it’s a little bit of turning a page with what we’re doing next. And it might be that maybe an EP or a couple of singles to kind of introduce this maybe slight change of genre or tweak and what we’ve done before, might be a good little taster before going for the full album. We’ll see, we have a lot of strategy discussions to that.

    Anna: At least you have a strategy!

    Henrik: Yeah! And at least we have music. That’s the baseline, that we didn’t lose our inspiration on the way.  I mean, that happens to a lot of artists.
    So we’re really lucky that we’re still creating a lot.

    Milton: Absolutely. I’m always excited to release the next thing. But it’s also slight curse, because it means that the second you release something you’re already over. You’re excited for the next idea.

    Henrik: From what I’ve heard, that’s basically always true for musicians because it takes so long from the moment you write something to the moment you finish it, and then you record it, and then produce it and mix it. And then, like, you have a release date, but then it’s like, three months until we can actually release it. And then by that time, you heard the song like 200 times. And listened to every minimal detail. So yeah, I’ve heard a lot of people working in music saying that they hate every song they release, like they love it, when they start doing it. And they had to remember that they do actually have that feeling. But then when they release it, like, I don’t want to hear that song for a long time. But then they like remarried a song after a while, and they’ve gotten some distance to it. And like, okay, yes, that was actually a great song.

    Milton: Because it kind of sucks because as soon as you release it, that’s when it’s life starts. Yeah, that’s when everyone else gets to hear it. We have to go promote it and go on tours. And that’s why it’s really important to write songs that you like playing live. Because that’s what you’re going to have to do, for the most part.

    Love stories à la Maple & Rye about relationships and remarrying songs

    Anna: Do you sometimes feel like that with songs, certain songs, that you can’t really play them anymore at concerts?

    Milton: We’ve definitely had songs like that, where we’ve been like, okay, this song is now over and done. But then we’ve often remarried to where we’ve, with a little bit of space in between that song and the present. You’re able to look back at it and think that okay, well, this is a song that at least got this reception. Or you could think back to how you felt when you released it. And then it’s okay to start playing it again. Like we’ve had one or two songs like that, which we thought, okay, we’re never playing this again. And we did stop playing them for a long time. And now already in this summer, like last, for example, our first song that we ever recorded and released. There was a time where we didn’t play it at all for two years, maybe. And now we’ve played it a little bit as like, the third encore song when you have to chuck something else out in there. Yeah, that’s been fun.

    Henrik: There’s always also, it’s been for us at least, when you go to play live, when you hear people say that they want you to play certain songs. And a lot of the time, there’s songs that we have, like not even thought about playing. Like ’no, doesn’t really fit the live set‘. But you know, people have relationships to all the songs on our album, even though we think that maybe that’s not like the most common song that people will like, there’s always some people who do like it and want to hear it live. So therefore, we kind of pick them up and need to be ready to play them anyway. And that also is a reason I think that some of them get like reintroduced to us as well. And like, okay, yeah, I actually do like the song more than I thought.

    Playing songs live vs. recording an album: the differences

    Anna: Do you have your favourites on the album? Like, very personal songs or so? That’s probably individual, I guess and differs for each one?

    Maple & Rye Untoldency Interview

    Henrik: Yeah, it does. I think we have some that are high, all of our individual lists, but they’re definitely individuals.

    Milton: I think there’s definitely a common one that we each enjoy. I think all of us like to play that one live: ‚Con of the Century‘. Now speaking for everyone, but it looks like I’m getting some nods. It’s a song that we’ve played live since before we started the band almost. You know, it’s been with us since the very beginning. And we’ve been waiting to release it to try and find the right album and the context and producer and everything like that. And then we did release it on the album. And we continued to play it live and it’s one of the highlights.

    Henrik: Yeah, it’s a very special very live song, a very good song to play live. It works well in that context. Although we have changed it quite a lot. We actually play it as it was originally played. That’s what we continue playing live, which differs from what we actually recorded, like instrumentally. It’s quite different. Both because we don’t really have brass instruments with us all the time when we go out on the road and stuff, because none of us play it. And it’s really expensive to hire musicians to go with you. We do like to have them with us when you’re playing bigger shows, because it really brings a lot of awesome stuff in a live set. But that’s one of the things that differs quite a lot. But then also when you play live, it’s more heavy drums, like more classic punk rock feel, sort of. But like the other recordings, like just a kick drum and some tambourine really is the rhythm section. And here is more like a full drum kit.

    Gustav: And it’s a drum solo as well.

    Henrik: And it’s really like a sing along song. Instead of, I don’t know if you know the song, but the hook that’s played by brass instruments on the recording, but that whole thing we just sing the melody.

    „All four of us write music and we share experiences – there is always something to write about“

    Anna: Sweet. So, this is more of like a typical question that you probably get a lot, but where do you draw inspiration for when you write songs?

    Henrik: And you’re going to get the most boring answer that everyone says: Everywhere! Life! (laughing) But I don’t know. Like, that is true, it’s sort of everywhere. But I think we have some more common ones. Like stories from other people, books, movies, stuff like that. We have a couple of songs that are written very explicitly, like, sort of, not about a book but drawn straight from a book, like the inspiration for it. Yeah, stuff like that. We have a couple of those.

    Gustav: And also emotions!

    Milton: Yeah. Like, I think they’re, they’re a couple of things that we have recurring at least were one of them is definitely you know, books or movies and stuff like that, where it could either be about the book, or it is an adaptation of the book. So like the story told by the book, the character in the book or something like that, and we write a song about that person with that story. And like you said, emotions, there’s certain times that we’ve just heard a word about an emotion. For example, ‚Monterey‘, which is about, I can’t remember it’s got a really cool word, namely, this emotion. Anyways, it’s the emotion of not feeling good enough. And always feeling like you don’t live up to your own or other people’s expectations. It’s almost like a phobia. No, it is a phobia, an inadequacy. I think it’s really interesting, just emotions. Because it’s something that absolutely everyone feels, at some point to certain degrees. You know, like, if you’re in a relationship and you’re worried that that person is gonna leave you because you’re not good enough. You’re in a job and you’re scared of not doing well enough to get a promotion or to stay in your job. Or you’re playing in a football team, and you feel like you missed a pass and you made the team lose. There are so many examples in everyday life. And I think one good thing that we have, is that there’s four of us in the band. All four of us write music, and lyrics. So we can all pick different things from our own lives or experiences we share or discussions we’ve had and stuff like that. And since it’s four people, it means that the breadth of things, the stories we want to tell, is wider. And it also means that if one of us has no inspiration, there’s three other people to kind of pick up the slack.

    Maple & Rye Untoldency Interview
    Das Interview mit Maple & Rye habe ich bei Milton im Wohnzimmer geführt. Leo war leider noch in Quarantäne und über FaceTime hinzugeschaltet. Man beachte, dass alle vier unabgesprochen im Partnerlook aufgetaucht sind!

    Anna: Would you say that maybe living in Gothenburg influences you and your music? Because I feel like there’s always lots of music around. Different types of music and lots of live music. And in general, I feel like people here are very, creative and you’re not so judged in what you do. I hope that makes sense to you.

    Milton: I think definitely, Gothenburg is a very open city where there’s people of all kinds and types and backgrounds and cultures doing different things and expressing themselves in different ways. And traditionally at least, Gothenburg has been a very open place for that. Which is I think one of the reasons which has created Gothenburg the music city or the art city. That is quite predominant, at least in Sweden. We always look at Germany and think: Hamburg and Berlin is the Mecca of creative things in Europe, you know? (grin on his face) But I think that has been very important for us. We’ve found each other here in Gothenburg. It made us Maple & Rye. It’s not like any of us really were deep in the culture scene in Gothenburg before we started playing music, but when we found each other and found this joint ambition, being in Gothenburg already opened up certain doors. In a way that there were people around us, there were music studios, we could go to. There were live music venues that we could play at. Everything from tiny little places where we had our first ever shows to the larger venues, where we’re now maybe playing and hopefully at some day, even larger arenas and stuff like that, which would be the dream.

    „People in Gothenburg were always using music as a way to tell their stories“

    Henrik: But I think in terms of getting inspiration from Gothenburg, I totally agree that it’s a very cultural city. I think it started long ago, like early 1900s. Maybe like the 20s, or something, I don’t even know. I think that sort of where Gothenburg’s music heritage started. And it’s just been present all the time. And I think that it gets out into everything around the city. And because of that, there’s so many people that really put their hearts and put a lot of effort into the music scene, to make it work, to make all these small places be able to run so that small bands and artists can get somewhere to play. That’s where they can find the crowd and then grow. So yeah, I think that really is quite inspiring, just to be in that sort of energy.

    Milton: I think it’s also very tied to the kind of political and social economic history of Gothenburg in many ways because it’s always been this working class town with the big harbour, being like the big source of income. And historically, the music scene has been very tied to that as well with like, you know, the progressive rock. People were using music as a way to tell their stories.

    „Playing live is addictive“

    Anna: That’s a lovely view of the city, I can only agree. How important is it for you to be able to play live?

    Gustav: Of course, it is a major part of playing music. And I think it’s also connected to, at least for me, motivation for writing music and everything that is connected to music – it’s playing for other people. So, yeah, it’s a major part.

    Milton: Yeah, I think, it’s been tough the last year. I think, for everyone, just getting that motivation. A lot of people have been really innovative and found different ways of sharing their music through livestream things and, you know, getting inspiration in other ways and thinking outside the box. But overall, I think it’s been shit for everyone.

    Gustav: And it’s also hard to find another place in your life where you get all these kind of emotions when you play and get that rush of adrenaline. And that’s there is a very rare thing in daily life.

    Milton: Oh yeah, it’s addictive. You kind of like you go into some heroin withdrawal and then you get reminded again of how it feels.

    Henrik: And I mean, we are a live band. We’ve always been a live band. We like to write our music so that we can play live. And therefore, the songs are organic, and are meant to be played live by us, you know. So, yeah, it’s a really big part of what we are as artists – of what Maple & Rye is.

    Anna: What would you say was your best live experience so far? Was there one that really stood out?

    Gustav: A lot of them. But I would say the show at Pustervik (concert venue in Gothenburg). When we released our EP and we didn’t realise that it was going to be sold out. That was just such an extreme experience.

    Maple & Rye Untoldency Interview
    Maple & Rye auf ihrem Konzert in Pustervik, Göteborg, 2018.

    Henrik: Yeah, definitely. That was just such a jump up from the venues we have played before. Everything was so much more professional. Everything around it, you know, all the arrangers and audio technicians and everything’s like a completely different level. So yeah, that was definitely a memory.

    Milton: Standing backstage just before going on to stage, and we’re all just sitting there scared shitless but also, just the adrenaline pumping. The doors would open sometimes with people sorting things out, and you see the crowd. That was pretty unbeatable.

    Henrik: Yeah, it was. But more of a recent one, I really remember is playing in Norway.

    Anna: Oh, yeah, I saw a video of that concert. The scenery was just incredible!

    Henrik: Yeah, when you’ve seen that footage … like, do I need to saw more? Yeah, that scenery, and just having a stage there. It’s just insane. So memorable in two completely different ways.

    Milton: But there have been a couple of those where we were just in some incredible places. And then other ones where we’re just somehow ended up in some weird, incredible place, because we play music and we have to stop and be like ‚What is going on?‘ It’s been like Norway, where you’ve got this beautiful stage. And this beautiful scenery. Or when we went to California and played, there were pretty small gigs that we were playing. But we were also like, we’re on the other side of the planet. It’s 30 degrees warm, and we’re walking around Los Angeles, and we’re gonna play a pretty small gig. But we’re still playing in front of Americans all of a sudden, because we play music. Just small things like that, which are really special and memorable. In completely different ways.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen
    Das ist das Video über Norwegen, von dem wir sprechen. Es ist zum Musikvideo für den Song „Monterey“ von Maple & Rye geworden. Anschauen lohnt sich!

    Anna: I’m very curious right now because I always keep asking this questions to German bands aswell if they sing in English. Was it an active decision for you to sing in English? Because I think the Swedish indie scene is even more focused on performing in their mother tongue, aka Swedish. So I feel like that’s really big thing. Was that ever up for discussion?

    Milton: I think we’ve all just naturally written in English.

    Henrik: I don’t even remember it. We have definitely talked about it. Sort of in the bypass.

    Milton: But there it’s been more: Should we write something in Swedish?

    Henrik: Yeah, maybe to just try it out. That could be fun. But it’s not really been like ‚oh, we should switch to Swedish‘. I don’t think that’s on the agenda, not for now at least. But you never know.

    Milton: I think it could be really fun to do something in Swedish. It would be a whole different process. My brain isn’t wired in that manner.

    Henrik: Yeah. You know, like one of the biggest Swedish bands ever: Kent. They used to write in English at first and trying to go big outside of Sweden. And then they switched to Swedish and became the biggest Swedish band ever. So maybe that’s what we should do. We’ll see. (laughing)

    Matching tattoos and the album cover

    Anna: Haha, keep me updated! But to wrap it up: At the end of an interview, we always have a question that we kind of established to ask in every interview by now. You can take some time to think about it. Do you have an untold story of yours? It could be band related, so a special Maple & Rye story or something you want to say privately as a group of friends that you have never mentioned in any interview before. Kind of like a fun fact or so.

    Milton: I’m always really bad at coming up with stuff like that. It’s just like my brain just freezes completely.

    Album Cover "For Everything"

    Henrik: Well, we do all have matching tattoos. That could be an interesting background story to tell. We got them before we made the album. Or kind of when we were in the decision of the cover for the album. Yeah, we were in the process of the album. And then we all got these tattoos at a festival where we played. And when we had decided … wait or was it after?

    Leo: No, I think we just made that decision when we did it. We all got small record players tattooed. And then we looked at each other and we’re like, I guess we know what we’re putting on our album cover.

    Henrik: And then we did this for the cover, but a lot more stuff. But yeah, that was like the basis on the album cover.

    Anna: Okay, cool, that’s it for me then. Thanks a lot for the interview and I’m looking forward to the next opportunity to see a live performance of Maple & Rye!

    Hier könnt ihr in das Album „For Everything“ von Maple & Rye reinhören!

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen ‚
    ‚

    Fotocredit: Emil Daniel (1,2 & 4), Anna Niere (3)

  • Luis Ake im Interview: „Liebe ist mein Lieblingshobby“

    Luis Ake im Interview: „Liebe ist mein Lieblingshobby“

    An einem kühlen August-Nachmittag traf ich Luis Ake für ein Gespräch vor seinem Konzert mit Edwin Rosen, mit dem er eine blitzschnell ausverkaufte Tour spielte. Der aufsehenerregende Künstler hat schon jetzt eine auffallende musikalische Entwicklung hingelegt. Wo auf seinem ersten Album noch düstere Songs mit morbidem Beigeschmack lauerten, bieten die neuen Singles mehr Euphorie als Trauer. Songs wie der energische Trance-Hit Sommer zeigen eine ganz neue Facette von Luis und machen neugierig auf das im September erscheinende zweite Album. Ich bin absoluter Fan von beiden Seiten und wünsche mir, dass noch viel mehr Leute das von sich behaupten können.

    Um mich kurz selbst aus einem älteren Artikel über Luis Ake zu zitieren: Hier geben sich Rave und Schlager die Hand. Und jetzt mehr denn je. Während er sich irgendwo zwischen NDW, Schlager, Pop und elektronischer Musik bewegt, gelingt es ihm die Hand freundlich auszustrecken und Hörer:innen mit auf ein Abenteuer zu nehmen. Skurrile Live-Performances, der Wechsel zwischen tiefem Sprechgesang zu hoher Kopfstimme und immer im Retro-Anzug vorzufinden, das alles macht Luis Ake als Erscheinung aus. Man ist sich nicht sicher, ob er nicht gerade aus einer Zeitmaschine gestiegen und eigentlich fremd in der heutigen Zeit ist. Genau das macht ihn wohl so spannend. Während des Konzerts am Abend im Bumann und Sohn beobachtete ich aufmerksam die Blicke des Publikums während seiner Show. Oft war es ein erstaunen und erschrecken, dann ein lachen, dann ein jubeln, dann ein fragendes Gesicht voller „Irgendwie versteh ich das nicht so ganz“. Und ich denke, diese Reaktionen treffen es genau auf den Punkt.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen ‚
    ‚

    Luis Ake im Interview

    Dascha: Hey Luis, wie geht’s dir?

    Luis Ake: Gut, mir geht’s prima. Ich hab viel geschlafen, wenig Kater. Nur ein bisschen. Das ist gut, so kann das Wochenende beginnen.

    Dascha: Sehr schön! Willst du dich mal selbst ein bisschen vorstellen, für die, die dich noch nicht kennen? Und wie würdest du deine Musik selbst beschreiben?

    Luis Ake: Mein Name ist Luis Ake, ich bin 26 Jahre jung und ich mache hauptsächlich Liebeslieder. Popmusik, würde ich sagen. Ich beschäftige mich sehr viel mit dem Thema Liebe. Romantische Liebe, muss man dazu sagen. Oder eher Beziehungsliebe. Romantische Liebe kann ja auch viel anderes sein.

    Dascha: Da du heute Abend hier ein Konzert spielst – Wie läuft die Tour gerade?

    Luis Ake: Gut, es gab schon lange keine Tour mehr, das ist schön jetzt. Wenig schlafen, viel Action, gute Laune die ganze Zeit. Ich kann mich nicht beklagen! Morgen hab ich frei, das ist für mich sehr entspannend.

    Dascha: Gibt’s auch etwas am touren was du nicht so gern magst?

    Luis Ake: Hmmm, also am liebsten bin ich alleine auf Tour. Es ist zwar auch schön mit anderen zu touren, so wie jetzt gerade mit Leuten, die ich richtig gerne mag. Ich toure ja gerade mit Max (Flawless Issues), Edwin (Rosen) und Luca, das sind sehr gute Freunde von mir, deshalb ist es sehr sehr schön. Man kommt halt selten in den Genuss mal kurz einen Moment nur für sich zu haben. Aber das ist nicht schlimm, das gehört einfach dazu. Es gibt eigentlich nichts am touren, das ich gar nicht mag. Außer, dass ich nicht so viele Anzüge mitnehmen kann. Dann werden die schmutzig und das nervt mich ein bisschen. Ich hab jetzt nur zwei dabei für zehn Tage, das muss man sich mal überlegen. Ich reise nämlich gerne mit wenig Gepäck. Lieber hab ich zu wenig, als zu viel dabei. Ich finde beim Packen gibt es eine goldene Regel: Immer die Sache, die man am Ende noch mitnehmen will, nicht mitnehmen.

    Dascha: Und warum?

    Luis Ake: Na dann hat man zu viel dabei. Man muss immer das, was man in Frage stellt mit „nein“ beantworten.

    Dascha: Das werde ich mir für’s nächste Mal merken! Jetzt erscheint ja auch deine nächste Single „Blumen„. Magst du mal was zu dem Hintergrund erzählen? Was bedeuten die Blumen für dich? Deine Mama spricht auf dem Song auch einen Teil, wie kam es dazu?

    Luis Ake: Weil meine Mama eine großartige Frau ist! Und weil sie eine tolle Stimme hat. Dieser Sprechteil in dem Lied hat sich einfach wunderbar dafür angeboten. Sie hat sofort Lust darauf gehabt, meine Mama ist auch großer Fan. So hat sich das perfekt angeboten und ich bin sehr glücklich darüber. Zu dem Lied gibt es eigentlich viel zu sagen. Bald wird ja auch mein Album erscheinen, das ist insgesamt eine größere Arbeit. Da spielen die Songs schon eine entscheidende Rolle, da sie Teile von einem größeren Puzzle sind. Nämlich hab ich eine Maschine erfunden, die Beziehungsfragen beantworten kann. Jedes Lied hat einen Teil in diesem Mechanismus. Die Maschine besteht aus zehn Teilen und ein Teil ist eben das sogenannte Reich der Blumen. Das muss man sich vorstellen wie einen Stadtpark einer sauberen, reichen, gepflegten Kleinstadt und wenn man da hineingeht wird man sich sofort verlieben. In dem Lied an sich geht es darum, dass die Liebe wie eine Blume ist, die man gut pflegen muss. Damit sie groß und stark wachsen kann und damit sie den kalten Winter übersteht.

    Dascha: Das passt auch schon zu meiner nächsten Frage. Hast du dich schon beim Schreiben der Songs auf dem Album thematisch an dem Konzept festgehalten?

    Luis Ake: Die Auswahl der Songs erfolgte so, um jede Facette dieser Beziehungsliebe abzudecken. Diese Liebe ist ein bisschen wie ein Zyklus, der einen immer wieder packt. Ich war frustriert davon, dass ich immer wieder in dem selben Gemütszustand lande, der immer wieder gleich schmerzhaft oder gleich freudig ist. Die Maschine versucht sozusagen diesen Kreislauf zu ergründen, um am Ende größere Gelassenheit für den, der sich damit auseinander setzt, zu garantieren. Es ist sozusagen eine Studie zum Thema Liebe. Die hab ich erst nur für mich gemacht, aber im Rahmen des Albums öffne ich sie. Aber ich habe die Maschine wirklich auch als physisches Objekt gebaut, die wird man dann bei der Platte zu sehen bekommen.

    Dascha: Dann bin gespannt und jetzt echt neugierig. Schreibst du am liebsten nur über Liebe oder kommen auch andere Themen für dich in Frage? Woher nimmst du deine Inhalte?

    Luis Ake: Aus dem Alltag, einfach jeden Tag. Liebe ist mein Lieblingshobby, könnte man sagen. Darüber kann ich mich nicht emanzipieren, über die Macht der Romantik. Und so liegt es auch nah, dass sich das in einer Art Selbsttherapie in meinen Liedern widerspiegelt.

    Dascha: Und wie würdest du sagen hast sich deine Musik von früher zu jetzt verändert? Ich würde schon behauptet, dass sie von düster zu hell gewandelt ist. Was hatte darauf Einfluss?

    Luis Ake: Düstere Musik zu machen bedeutet meistens ja auch düstere Gedanken zu haben und eher Schmerz statt freudige Gefühle zu verarbeiten. Zu der Zeit damals gab es eben eher solche Sachen zu verarbeiten. Es ist total wichtig, dass es das negative Gefühl, was auch unheimlich schön ist, gibt. Trauer, Schmerz, sind ja alles Formen der Verarbeitung. Das ist irgendwie viel leichter zu greifen. Es ist wie ein Kaugummi-artiges Gefühl, man kann es richtig breit treten, man kann sich richtig in der Trauer suhlen. Irgendwie ist es auch schön, es zieht einen richtig nach unten und dann erreicht man den Boden und darunter kommt erstmal nichts. Das heißt man ist erstmal auf einer sicheren Plattform. Man kann es auch auf Dauer ziehen, heute fange ich an einen traurigen Song zu schreiben und ich weiß, morgen bin ich wahrscheinlich immer noch traurig, dann kann ich da wunderbar weitermachen.

    Wohingegen glückliche Lieder, von denen es welche auf dem Album gibt, viel schwieriger zu greifen sind. Das Glücksgefühl ist so flüchtig, es verpufft so schnell. Sobald man es anschaut, ist es schon wieder weg. Davon gibt es immer nur einen kurzen Moment, davon handelt das Lied Ein schöner Traum. So ist innerhalb des Albums auch die Maschine aufgebaut. Das Hohe, die Glücksmomente, die werden mit einer Wolke verglichen. Dann gibt es noch das Tiefe, den Boden. Zwischen diesen zwei Extremen wird Liebe irgendwie verhandelt. Ich wollte dieses Mal alles abdecken, ich denke das ist mir auch ganz gut gelungen. Glückliche Lieder zu schreiben ist viel schwieriger, deswegen habe ich versucht positive Musik mit positiven Gefühlen zu machen. Einfach, weil ich das auch können wollte.

    Dascha: Na dann bin ich auch sehr gespannt auf’s Album. Wie bist du eigentlich dazu gekommen Musik zu machen?

    Luis Ake: Ich bin in einer sehr musikalischen Familie aufgewachsen. Mein Vater ist Gitarrist und meine Mutter ist Sängerin. Da hab ich schon sehr sehr früh Musik gemacht, natürlich auch beeinflusst durch meine Eltern. Musik war immer da und man konnte immer alles fragen. Ich hab früher viel Gitarre gespielt, dann hat sich das so entwickelt und ich hab erst vor zwei Jahren angefangen zu singen. Davor hab ich eher in Bands Gitarre gespielt, viel Produktion, moderne Tanzmusik, Hip Hop alles mögliche. Und jetzt bin ich hier.

    Dascha: Was sind deine Ziele und Pläne, die du in deiner Musiklaufbahn noch erreichen willst?

    Luis Ake: Mich einfach nicht wiederholen. Eine Sache, die ich echt nicht will, ist immer dasselbe zu machen. Es ist einfach eine persönliche Reise, du hast ja auch schon festgestellt, dass sich die Songs verändert haben. Jetzt gerade ist es eine größere Arbeit für mich noch andere Dinge zu ergründen und so muss es einfach weitergehen. Ich will nichts zwei Mal machen. Allein dadurch kommt man ja immer weiter und immer weiter. Ich hab keine bestimmten Ziele, ich will einfach nur glücklich sein, das machen, worauf ich Lust hab und irgendwann sterben. Das wär perfekt so.

    Dascha: Mal kurz zurück zu 2020: Du hast letztes Jahr zusammen mit dem russischen Künstler Dima Midborn den billingiualen Song Hey Du/Эй, Ты gemacht. Der war einer meiner Lieblingssongs des Jahres! Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

    Luis Ake: Der Kontakt kam von außen. Ich hab Fans in Russland, ich bin sehr Russland-affin und mag das Land unheimlich gerne. Ist vielleicht sogar mein Lieblingsland. Ich hör auch viel russische Musik und so war das schon immer ein Traum von mir, dass ich mal einen russischen Song machen kann. Da hat das mit dem Dima super gepasst. Ich denke, das ist eine ganz nette Nummer geworden.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen

    Dascha: Geht mir auch so. Ich höre sehr viel russische Musik, deswegen war das eine Kombination, die mir viel Freude bereitet hat.

    Luis Ake: Zweisprachige Songs gibt’s ja auch leider nicht so oft. Ich finde Deutsch und Russisch sind sich von der Härte oder vom Gefühl schon ähnlich. Ich hab so eine wilde Theorie, dass jemand, der die deutsche Sprache beherrscht, diese selbe Härte sucht, mit der man irgendwie connecten kann. Deutsch und Russisch haben so eine natürliche Verbindung, die sind auf einer ähnlichen Wellenlänge, anders als Deutsch und Französisch zum Beispiel. Würdest du mir da zustimmen?

    Dascha: Ja, doch, schon. Wobei ich finde, dass Russisch noch weicher ist als Deutsch.

    Luis Ake: Ja, das stimmt. Vielleicht kommt daher die Faszination vieler Russen und Russinnen für deutsche Musik.

    Dascha: Das kann sein. Es gibt wirklich viele Leute in Russland die deutsche Musik lieben, auch wenn sie es nicht verstehen.

    Luis Ake: Ich habe jetzt auch einen Remix für Nürnberg, eine Band aus Weissrussland, gemacht. Da hab ich zum ersten Mal auf Russisch gesungen, das war cool. Ich würde gerne Russisch lernen und am liebsten für eine längere Zeit dort leben.

    Dascha: Oh, das ist sehr cool! Nürnberg hör ich sehr gerne. Naja, zurück zu Stuttgart. Da gibt es ja schon einige Musiker:innen momentan. Gibt es da deinem Gefühl nach eine feste Szene? Wirkt sich das aufeinander aus?

    Luis Ake: Sicherlich. Ich muss aber gestehen, dass diese Künstler:innen, die gerade im Atemzug mit anderen Stuttgarter:innen genannt werden, erst recht spät kennengelernt hab. Klar, ich war zum Beispiel mit Max Rieger auf der Schule, ich war aber nie in dieser Szene drin. Erst jetzt im nachhinein, als ich gar nicht mehr dort gewohnt hab, hab ich alle kennengelernt. Ich würde mich eher als Einzelgänger beschreiben. Es ist aber trotzdem schön, eine Verbindung zueinander zu haben. Heute sind wir hier wieder eine richtige Stuttgarter Gruppe. Das ist schon ein schönes Gefühl, aber ich hab darüber nie wirklich nachgedacht.

    Dascha: Und wo hast du dann gelebt?

    Luis Ake: Ich hab viel Zeit in Karlsruhe verbracht. Dann in Berlin und mal hier und dort. Ich hatte eigentlich keinen festen Wohnort, immer noch nicht.

    Dascha: Welche Musiker oder Musikerinnen aus Deutschland kannst du empfehlen? Wen magst du im Moment besonders gerne?

    Luis Ake: Gerade mag ich Marion Maerz sehr gerne. Das ist eine Schlagersängerin aus den 60er, Anfang 70er Jahren. Wunderbar, ganz ganz toll, kann ich nur jedem empfehlen. Liebe auf den ersten Blick ist zum Beispiel sehr schön. Das hör ich Moment viel, aber ansonsten immer viel Ausdrucks-Pop und natürlich NDW, da kann man sich nie satthören. Der Schlager, nicht aus dieser Zeit, ist auch immer sehr gut und ergiebig, wenn man sich die Zeit nimmt und sich öffnet.

    Dascha: Ich glaube bei Schlager haben viele diese Blockade im Kopf, dass sie das gar nicht erst an sich ranlassen wollen.

    Luis Ake: Ja, das stimmt! Die hab ich zum Glück nie gehabt. Die will ich auch nie haben. (lacht)

    Dascha: Dann kommen wir auch schon zur letzten Frage: Das ist bei uns immer eine untold story. Also ein Geheimnis, eine Geschichte oder einen Fakt über dich, den noch nicht viele wissen.

    Luis Ake: Auch wenn ich vielleicht nicht so aussehe, versuche ich ein ziemlich primitives Leben zu leben. Ich liebe zum Beispiel Fußball, vor allem den Verein Vfb Stuttgart. Ich bin da ein sehr sehr dedicated Fan. Und ich liebe es KFZ als Hobby zu haben, ich liebe es an Autos rumzuschrauben. Das sind Dinge, die man vielleicht nicht von mir erwarten würde.

    Bis das neue Album von Luis erscheint, könnt ihr euch hier noch an seinen bisherigen Songs erfreuen:

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen
    Foto Credit: Alexander Theis
  • L I N im Interview: »Du bist nicht alleine und wir stellen uns deinen Dämonen gemeinsam – wenn du magst.«

    L I N im Interview: »Du bist nicht alleine und wir stellen uns deinen Dämonen gemeinsam – wenn du magst.«

    L I N hat am Freitag ihre Debüt-EP Colours veröffentlicht. Die Newcomerin aus Mainz wirbelt darauf einmal alle Themen auf, die, obwohl eigentlich immer, vielleicht gerade jetzt besonders wichtig sind. Es geht um die eigene Existenz auf der Welt, die eigenen Entwicklungen und Zweifel und mental health. Aber auch darüber, was das geile am Schlagzeugspielen ist. Außerdem haben wir über creepige Musikvideos gesprochen. Genug Clickbait?

     
    L I N im Interview

    Anna: Hey LIN, als erste vielleicht random erscheinende, aber dann doch naheliegende Frage: Was ist deine Lieblingsfarbe und warum?

    L I N: Meine Lieblingsfarbe ist blau. Es war schon als Kind so, dass es mir wahnsinnig wichtig war bei Gesellschaftsspielen die blaue Figur zu haben. Warum weiß ich nicht, aber vielleicht mochte ich das Tiefe, Dunkle und Weite an der Farbe.

    Anna: Naheliegend weil: deine Debüt-EP heißt Colours, im Titelsong singst du „we need to draw ourselves with as many colours as there are”. Wofür steht die Farben-Metapher? Und mit welchen Farben würdest du dich selbst malen?

    L I N: Eine Farbpalette ist, wenn man die Schattierungen jeder Farbe mit einbezieht, quasi unendlich. Und das sind auch die Möglichkeiten, die wir als Menschen haben, uns zu entwerfen und neu zu zeichnen. Das gilt natürlich nur im persönlichen Entwicklungsbereich. Leider sind wir auf der Erde extrem unterschiedlich privilegiert und haben nicht die gleichen Gestaltungs- und Bewegungsfreiheiten. Aber gerade nach existentiellen Erfahrungen ergibt sich die Möglichkeit, Licht einfallen zu lassen und eine neue Perspektive auf die Ereignisse zu gewinnen – sie sprichwörtlich in einem neuen Licht zu sehen. Und ein neuer Lichteinfall lässt auch Farben ganz anders aussehen und bringt sie neu zum Leuchten. Außerdem rekuriert die Farben-Metapher auf die Regenbogenfarben und ist explizit eine Einladung an alle queeren Menschen sich in meiner Musik eingeladen und aufgehoben zu fühlen. Ich selbst würde mich ebenfalls in bunten Regenbogenfarben malen. Nur nicht grün im Gesicht, das steht mir nicht. 😉

    Anna: Du bist eine Newcomerin aus Mainz, vom Sound deiner ersten Singles her würd ich aber sagen, du machst schon länger Musik. Was war dein musikalischer Weg bis du bei deinem aktuellen Solo-Projekt gelandet bist?

    L I N: Ich habe schon früh als Kind Klavier und Schlagzeug gelernt und habe mir später mehr schlecht als recht Gitarre beigebracht. Dann habe ich viele Jahre Schlagzeug in Bands und im klassischen Kontext gespielt und dabei gemerkt, dass ich eigentlich am liebsten (auch) singen würde. Das konnte ich dann in meinem nächsten Projekt „Bender & Schillinger“ umsetzen. Wir haben dann nach Ende meines Studiums sieben Jahre lang im professionellen Kontext Musik gemacht. Vor zwei Jahren habe ich dann angefangen am Soloprojekt zu schrauben und es mit Hilfe meines guten Freundes David Hoffmann von der Theorie in die Live-Praxis umgesetzt.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen
     
    „Ich hab manchmal das Gefühl, nur mithilfe vom Beat in den Rhythmus der Welt zu passen.“

    Anna: Zu Carolin hast du letztes Jahr schon eine Home-Session aufgenommen, kürzlich eine Piano-Version mit Nik Heimfahrt. Welche von beiden Versionen hat mehr Spaß beim Aufnehmen gemacht bzw. inwiefern unterscheiden sie sich bei der Auffassung/Umsetzung des Songs?

    L I N: Muss ich mich entscheiden? Ich hatte großen Spaß bei beiden Versionen! Am Aufwendigsten war auf jeden Fall die Home-Session, weil ich mir vorher keine Gedanken darüber gemacht habe, wie ich das filmen will. Ich hab einfach losgelegt und dann das Handy in die Tasse, auf die Kiste, auf den Mülleimer, auf den Stuhl gestellt, um den richtigen Winkel zu kriegen – alles mehrfach abgestürzt. Die Pianoversion mit Nik aufzunehmen war dagegen fast wie eine sehr lange, sehr angenehme Massage, weil mich Klavierspiel immer extrem runterbringt. Er hat ja auch wirklich sehr schön gespielt.

    Anna: Viele der Instrumente auf deiner EP spielst du selbst, aber wenn du dich entscheiden müsstest: Welches ist dein Lieblingsinstrument und warum?

    L I N: Schlagzeug. Immer wieder Schlagzeug, weil es bei mir eine unfassbare Leidenschaft entfesselt. Ich habe manchmal das Gefühl, nur mithilfe vom Beat in den Rhythmus der Welt zu passen. Groove hat eine unglaubliche Energie. Gerade im gemeinschaftlichen Musizieren ist es ein unmittelbares Verbindungselement, das ohne Sprache auskommt und deshalb verschiedenste Menschen zusammenbringen kann.

    Anna: Eine Frage, die mir auch ein bisschen brennt: Welche Geschichte erzählst du mit dem Musikvideo zu Doubts? Und warum ist es so creepy?

    L I N: Die Geschichte zum Musikvideo von Doubts habe ich mit zwei tollen Künstlern aus Luxemburg, EDSUN und Isaiah Wilson entwickelt. Sie beschreibt das Treffen zwischen mir und meinen Zweifeln – verkörpert in der Figur der IRENE, die in dem Video auftritt. Wir wollten dabei die unterschiedlichen Stadien abbilden, die man bei einem Zweifelsprozess durchläuft. Angefangen von der Einladung, also dem Sich mental öffnen gegenüber selbstkritischen Fragen, über das Größerwerden und die Dominanz des Zweifels und die versuchte Aussöhnung mit den eigenen Zweifeln (die Nährungsszene, in der IRENE in meinem Schoß liegt) bis hin zu der Rückkehr zum Anfang und zur gleichen Szenerie wie zu Beginn des Videos. Wir wollen verdeutlichen, dass die Zweifelsprozesse nie mit einem Mal abgetan sind, sondern in kreisförmigen Bewegungen wiederkehren und man einen Umgang mit dieser Tatsache finden muss. Man wohnt mit ihnen unter demselben Dach sozusagen.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen

    Creepy ist es, das stimmt. Vor allem die Stelle, wo ich weiße Kontaktlinsen trage und von meinen eigenen Dämonen besessen das Zweifelsmantra spreche. Aber die Momente im wirklichen Leben, in denen man sich so mit sich selbst auseinandersetzt, sind oft wesentlich beängstigender als das bisschen weiße Linse im Auge 😉

     
    „Ich hoffe, dass trotzdem manchmal etwas durch diesen Nebel durchringen kann.“

    Anna: Million Reasons ist der Song, mit dem ich das erste Mal auf dich aufmerksam geworden bin. Ganz anders zu Doubts ist er voller positiver upbeat-Vibes, und das, obwohl es inhaltlich ein eigentlich sehr sensibles Thema ist. Wie hast du für dich den Umgang mit engen Personen in deinem Umkreis, die an Depressionen leiden, gefunden?  

    L I N: Das stimmt, der Song ist viel freundlicher. Er sollte bewusst positiv klingen, weil er ein Aufmunterungssong sein sollte für einen Freund von mir, der an starken Depressionen litt. Dabei war immer klar, dass der Grat zwischen Aufmunterung und gefühltem Kleinreden des Problems sehr schmal verläuft. So im Sinne von „ach komm ist doch alles nicht so schlimm, komm wir tanzen eine Runde“. Das sollte auf gar keinen Fall das Gefühl sein, das ich mit dem Song vermitteln wollte.

    Ich glaube, dass eine Person, die nicht an Depressionen leidet, selbst nicht nachempfinden kann, wie allumfassend und vernichtend sich alles anfühlt. Aber ich hoffe, dass trotzdem manchmal etwas durch diesen Nebel durchdringen kann. Und wenn das ein Gefühl ist von „Jemandem ist es wichtig, dass es mich gibt“, kann das vielleicht ein kleines Gegengewicht zu den sonstigen Abgründen darstellen. Und genau das ist die Botschaft von dem Song: Du bist nicht alleine und wir stellen uns deinen Dämonen gemeinsam – wenn du magst. Ich glaube, das ist der größte Grund zu bleiben. Das Gefühl, dass es nicht egal ist, ob man da ist oder nicht.

     
    „Die Tatsache, dass man wieder Musik gemeinsam erleben kann, hat etwas Magisches.“

    Anna: Du wirst deine EP auch an ein paar Orten live spielen. Wie empfindest du Live-Konzerte, selbst als Gast aber auch als Künstlerin, nach so langer Pause?

    L I N: Also erst mal bin ich sehr glücklich nicht mehr in Kameras oder vor Autos zu spielen. Das erste Live-Konzert nach Corona hat mich einfach nur umgehauen, obwohl es noch ein Sitzkonzert mit Abstand etc. war. Aber die Tatsache, dass man wieder Musik gemeinsam erleben kann (ob auf oder vor der Bühne) hat etwas Magisches. Ich bin sehr glücklich und dankbar, dass das wieder möglich ist.

    Anna: Die letzte Frage ist bei uns immer eine untold story. Was ist etwas, was du noch nie in einem Interview erzählt hast, aber immer erzählen wolltest?

    L I N: Ich habe zwei Laster, die so überhaupt gar nicht Rock ‚n’ Roll sind: Socken und Bügeln. So, jetzt isses raus.

     

    Hier könnt ihr in die ganze Colours EP reinhören:

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen ‚
    ‚
     

    Fotocredit: Sandra Ludewig

  • Selma Judith im Interview: »I want to change the perception of women being angry.«

    Selma Judith im Interview: »I want to change the perception of women being angry.«

    Selma Judith ist eine dieser Künstlerinnen, die Musik zu mehr machen als nur zu einem weiteren Pop-Song, der nach Schema xy aufgebaut ist. Selma Judith macht Musik, um zu inspirieren. Um Genres zu brechen, um Instrumenten wieder ihren Platz einnehmen und wirklich mal wirken zu lassen. Im Interview mit ihr hab ich gelernt, dass Harfe ein Instrument ist, dass schon die Beatles benutzt haben, und viel öfter in Songs vorkommt, als ich dachte. Ich hab aber auch gelernt, dass in keinen dieser Songs Harfe so schön klingt wie in ihren. „Dieses Album ist eine Liebeserklärung an die Musik“, sagt Selma. Und ich stimme zu.

     
    Selma Judith im Interview

    Anna: Hey Selma, thank you for taking the time! How are you, how’s summer treating you?

    Selma: Hi Anna! I’m good, thanks for asking. I have had a nice summer – I spent a lot of my time finishing the album.

    Anna: And now you are going to release it! What does the release of your debut album “Getting Angry, Baby” mean to you?

    Selma: The release means a lot! I’m so happy to finally be sharing it, as it has been a long process. It has also been a liberating process, as I have worked in a more free format than I’ve done earlier in my career, which has been cool! It has meant a lot to how I feel about the album.   

    Anna: You learned how to play the harp when you were 15. What made you wanna learn how to play it in your teens?

    Selma: Ever since I was a child, I have always wanted to learn how to play an instrument – but it wasn’t something I was “forced” to do, as a lot of other children are in Denmark. Around the age of 15, I was convinced that I was too old to ever learn to play an instrument, but in this period one of my friends and I listened a lot to Joanna Newsom’s music and I became inspired to play. Also, the fact that I didn’t want to compete with my friend, who was like a sister to me, played a role. She played all kinds of instruments, which is why I ended up with the harp because she hadn’t been playing that.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen
     
    ”The harp adds a unique sound to my work.”

    Anna: Even though it’s such a beautiful instrument, it’s not often that you can hear it, especially in modern music. Why do you think, is that? And what do you find are the perks of combining sounds of the harp to modern R’n’B?

    Selma: It actually isn’t atypical to include harp in pop music. I think when you first have learned to characterize the harp as an instrument, you’ll find that a lot of musicians have been using it for a long time, take for example the Beatles. I think – for me – the perks of including the harp occurs when I’m writing the music, as I then have the accords. Also, the harp is very characteristic. It has a distinctive sound, which adds a unique sound to my work. I also believe that including the harp can have some disadvantages because of its very in-your-face like tone. It has actually been a challenge sometimes to not include the harp all the time because even though the harp can make a song come alive, there are also plenty of songs where it doesn’t fit.

    Anna: What I find while listening to the album, is that there are so many instruments, besides the harp, that are very present – and I love that. It also makes me feel like every song was treated with so much care and time. Did you encounter any challenges while composing the songs?

    Selma: Most of the songs have taken a long time to make and I’m thrilled that you also get a feeling of this when listing to the album because we have put a lot of effort into the songs! I’m also glad you noticed the instrumentation, as it has been one of my biggest passions for the album. I want to showcase all the super talented and capable musicians and give it a bigger focus that music is about more than only the storytelling, lyrics and the voice who sings it. There is so much more to be told through the instruments.  

    Selma Judith, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, selmajudith, getting angry baby, betterthingsberlin
     
    “I’m tired of women always having to excuse themselves”

    Anna: To deep dive into your debut album now: Why are you getting angry? And at whom?

    Selma: I’m angry because there are so many things to be angry about. I’m tired of people keep on feeding the myth about women’s anger always has to be due to either them being hysterical or sexy. I want to change the perception of women being angry. I’m tired of women always having to excuse themselves and having a reason to be angry. Like; ‘oh you’re just angry due to pms’. I think it is ridiculous that women aren’t allowed to just be angry. As when men are angry, you don’t need a reason and you often give them space.

    Another reason why I’m angry is due to the world we are living in right now. I think it’s embarrassing how all the world leaders are handling all the different situations. This is something I’m super pissed and also highly pessimistic about.

    Furthermore, I’m tired of how – with everything going on in the world – it seems that people only have enough brains to think about what pictures they want to post and how they can look their skinniest. I’m angry about the culture that exists when it comes to who has the coolest clothes and who hasn’t – of course, people are allowed to choose their own interests but I think it’s a kind of hysteria of identity, and I think it is absurd when looking at some of the things happening around the world.

    https://youtu.be/OS1iI6_5E8A

    Anna: You wrote and recorded the album over two years – what were the topics that you worked through in your songs?

    Selma: First and foremost, the anger that I mentioned in the last question, but also a vulnerability in the sense of a kind of wounded pride. Also, topics as longing and coming to terms with an acceptance of one’s difficult sides. The world situation has also had a big role in my work, with all the wars and the pandemic.

     
    ”I’m super excited to play the album live”

    Anna: What is the most personal song on the record and why?

    Selma: They are all pretty personal, but if I have to choose one I would say Don’t Fall due to the fact that it is super transparent. The song is about how it can be difficult to be with someone you really love when you are vulnerable and at times strange. It is about that guilty feeling you can have when you have a difficult time aligning expectations in a relationship. Like, you want to give this person everything you got, but at the same time, you have to acknowledge that it isn’t possible.    

    Anna: And what’s the song on the record that you really dig right now and are excited to play live?

    Selma: Overall, I’m just super excited to play the album live! It’s always fun – and especially with the pandemic going on we haven’t done a lot of live shows in a long time. But one of the songs I like a lot right now is Bleeding Blue. I think it is because it is one of the newest songs we made. We have been working for a year or so on a lot of the other songs. So yeah, Bleeding Blue. 

    Anna: You’re from Denmark and I’m always interested in new music input outside of Germany. Who are the artists to watch that you’re really into at the moment?

    Selma: I listen to a lot of different genres actually! But at the moment I listen to Summer Walker, as she has a cool RnB pop vibe, which often makes me feel nostalgic. I think she is really something special, and I love that. Also, SZN like, where do I even begin. She is just so excessively good and talented. 

    Anna: The last question is always an untold story – something you haven’t shared in an interview before. That can be about the album, a fun fact about you – anything.

    Selma: A hard question actually! Hmmm. I just got a new niece who I love so much. So now I have two cute nieces, which is amazing!

     

    Hier kommt ihr auf direktem Wege zu Selma Judiths Debütalbum „Getting Angry, Baby“:

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen ‚
    ‚
     

    Fotocredit: Agnes Vera Kaufmann

  • Leoniden im Interview: „Liveshows sind quasi immer der Schlüssel zu unserer Musik“

    Leoniden im Interview: „Liveshows sind quasi immer der Schlüssel zu unserer Musik“

    Am vergangenen Freitag veröffentlichten die Leoniden ihr drittes Album „Complex Happenings Reduced To A Simple Design„. Langeweile, Ruhe und Eintönigkeit? Fehlanzeige. Mit der ständigen Überschreitung von Genregrenzen zeigt das 21 Tracks lange Album, was die fünf Jungs aus Kiel drauf haben. Und dass sie bei weitem noch mehr Facetten zu bieten haben, als sie uns bisher gezeigt haben. Mit voller Begeisterung habe ich mich beim ersten Durchhören gedanklich zu den Liveshows der Leoniden zurückgesetzt gefühlt. Um das kurz festzuhalten: Ich glaube, es gibt keine geilere Liveband in Deutschland als die Leoniden. Die unfassbare Energie und der Spaß, den sie mit- und rüberbringen, machen jedes Konzert zu einem ganz besonderen, mitreißenden Erlebnis.

    Vielleicht müssen sich einige Hörer:innen zunächst die Zeit und die Offenheit rausnehmen, sich wirklich in das Album reinzuhören – aber dafür lohnt es sich komplett. Ich bin von der Diversität der Songs mindestens so begeistert, wie ich es bei jeder Leoniden-Liveshow bin. Deswegen habe ich Jakob, dem Sänger der Band, an einem netten Montagmorgen meine Fragen zum Album gestellt und auch währenddessen wieder einmal gemerkt, wie sehr diese Band Bock auf das hat, was sie tut. Wie kann man sie nicht lieben?

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen ‚
    ‚

    Jakob von Leoniden im Interview

    Dascha: Hey, guten Morgen, Jakob! Wie geht’s dir? Wie fühlst du dich nach dem Release-Wochenende?

    Jakob (Leoniden): (zeigt beide Daumen hoch) Richtig gut! Das Wochenende hat sich fast schon ein bisschen inszeniert angefühlt. Fast so als wäre ich in der Truman Show oderso. Erstmal, dass wir in Kiel reinfeiern durften, obwohl man in Pandemie-Zeiten nie richtig etwas planen kann. Der Release steht ja schon seit 9 Monaten fest, aber das Konzert eben nicht, aber dass es dann genauso klappt! Dann am Release-Tag selbst in Hamburg auf dem Dockville Gelände zu spielen, wo wir auch schon krasse Momente hatte. Und dann als großes Finale am Samstag auf dem About You Pangea Festival ohne Corona-Abstände zu spielen… Pass auf ich zeig dir ein Bild. (Holt sein Handy raus) Das sieht da einfach so aus als wären wir Rammstein mit dem krassen Feuer da!

    Dascha: Seid ihr doch, fast.

    Jakob (Leoniden): Lennart meinte mal, wir sind Rammstein für Kinder. Naja, das Festival war wirklich verrückt. Wir haben natürlich auch gut gefeiert. Müsste ich heute singen, müssten wir wahrscheinlich alles ein paar Töne runtersetzen.

    Dascha: Wann habt ihr eigentlich angefangen an dem Album zu arbeiten? Stand euch der Lockdown irgendwie im Weg?

    Jakob (Leoniden): Nee, gar nicht. Wir haben irgendwann Mitte 2019 angefangen an L.O.V.E. zu schreiben. Wir hatten auch viele Songs die auf älteren Skizzen basieren, das haben wir auch bei den vorherigen Alben schon so gemacht. Das heißt theoretisch haben wir schon viel früher angefangen. Aber der erste richtige Schritt zum neuen Album war Mitte 2019, vor zwei Jahren. Und der erste richtig obvious Schritt war im Dezember 2019, da haben wir uns das erste Mal mit Markus Ganter getroffen, der das Album mitproduziert hat. Da haben wir L.O.V.E. aufgenommen, aber da war auch noch kein Lockdown in Sicht. Wir wollten dann im März 2020 für mehr Songs ins Studio fahren, nach Leipzig, damit auch Magnus Wichmann mitproduzieren kann. Das mussten wir aber verschieben, die Pandemie kam direkt am ersten Studiotag dazwischen. Dann haben wir nochmal nach hinten geschoben, dann ging’s.

    Dascha: Wir habt ihr es geschafft in der Lockdown-Zeit kreativ zu bleiben? Bei mir zum Beispiel war es irgendwann so, dass ich gar keine Lust mehr auf irgendwas hatte, weil alles so gleich und langweilig war.

    Jakob (Leoniden): Find ich schwer zu beantworten, weil ich nicht will, dass das falsch rüberkommt. Ich weiß, dass es nicht bei allen so ist, aber bei mir ist es einfach nicht von sowas abhängig. Wenn ich mich hinsetze, um kreativ zu sein, dann bin ich kreativ. Klar gibt’s auch Tage bei denen keine Sachen rumkommen, die ich lange gut finde. Aber meistens ist es bei mir einfach eine Entscheidung das Ventil aufzudrehen und alles rauszulassen, was da so drin rumfliegt. Ich glaube aber das liegt auch daran, dass wir eine Band sind, die sich selbst immer so pusht und wenn es Limits gibt, immer guckt, was man in dem Limit am meisten machen kann. Deswegen gab es, als der Lockdown kam, direkt diese Rhodes-Medley-Dinger, die ich auf Instagram gemacht habe. Da konnte man sich ja Songs wünschen und dann kam in der nächsten Woche ein Medley mit den Songs. Dann hab ich dieses Looper Video gemacht, wo ich mit der Bohrmaschine Samples für Alone aufnehme. Solche Sachen halt – immer wenn ein Deckel von oben kommt, dann gucken wir, wie man da möglichst nah noch was daran machen kann und das hält uns irgendwie wach.

    Dascha: Voll gut, dass ihr das einfach aus den Umständen machen könnt!

    Jakob (Leoniden): (Schaut an die Decke und macht einen Luftkuss) Danke, wer auch immer dafür verantwortlich ist!

    Dascha: Eigentlich ihr selbst, i guess! Wieso habt ihr euch für ein Doppelalbum entschieden? Welche Vorteile hatte das für euch?

    Jakob (Leoniden): Auch das war auf jeden Fall der Pandemie geschuldet. Wir waren mit dem Album schon mehr oder weniger fertig, gemastert war es noch nicht, aber zusammengestellt, gemixt und aufgenommen. Da hatte es 12 oder 13 Songs. Wir waren so „Hm, joa, ist doch ein ganz geiles Album. Aber was machen wir jetzt?“. Da war schon klar, dass es eh erst in einem Jahr rauskommt und Konzerte können wir eh noch nicht spielen. Dann dachten wir, wir nutzen die Zeit in dem wir weitermachen, als wär nichts gewesen. Dadurch haben wir uns mehr Platz geschaffen um zu experimentieren. Hatten wir aber, ehrlich gesagt, im Vorfeld auch schon. Durch die Pandemie gab es einfach genug Zeit jedes Experiment, was nach drei, vier Versuchen gescheitert ist nicht einfach gescheitert in den Schrank zu stellen, sondern nochmal ranzugehen. Dadurch haben es Songs wie Disappointing Life drauf geschafft. Das war eine der ersten Skizzen die wir für’s Album hatten. Die hatte ich alleine gemacht und die anderen waren so: „Joa, ist irgendwie geil, aber schon echt heftig Grunge. Ich weiß nicht genau, ob wir das so machen können.“ Aber irgendwann waren alle so: „Ach komm, wir finden es doch eigentlich alle geil. Lass es uns einfach machen.“ Diese Momente gab es zum ersten Mal bei uns.

    Dascha: Denkt ihr beim Songwriting auch schon direkt darüber nach, ob der Song live gut funktionieren wird? Ihr seid ja schließlich eine krasse Live-Band.

    Jakob (Leoniden): (Wie aus der Pistole geschossen) Ja, klar! Schuldig! Auf jeden Fall! Aber nicht so, dass ein Song dann Abstriche macht in der Studioversion. Also nicht so, dass etwas nur so sein muss, weil es live geil ist, so ist es nicht. Wir schreiben ja nicht so DJ-Drop-Style orientierte Songs und sagen dann „Das ist hier extra obvious“, weil die Songs sind ja an vielen Stellen alles andere als offensichtlich. Da kommen ja genug Überraschungen. Aus der Live-Perspektive wäre das ja eigentlich nicht so dienlich, dass da viele Überraschungen kommen, die Leute sollen ja auch kriegen, was sie wollen. Da geht’s eher um das Energielevel, das Tempo und die Aufgekratztheit, die uns da immer sehr wichtig ist. Wir finden, dass wir bei dieser Platte das erste Mal geschafft haben, das auch so auf die Platte zu kriegen. Bei den Alben davor war es schon so, dass man die Songs immer mindestens ein bis zwei Mal live sehen musste, um zu checken, wo wir überhaupt mit unserer Musik hinwollen. Und jetzt hat Markus Ganter die Kompressoren auf jeden Fall gut eingestellt, sodass das Schlagzeug richtig reinhaut. So sind die Live-Leoniden und die Album-Leoniden ein bisschen näher zusammen gekommen.

    Dascha: Das merkt man beim Hören auch, finde ich.

    Jakob (Leoniden): Ja? Geil! Das ist schön. Das wäre jetzt auch blöd, wenn ich hier irgendwas erzähle und du dir denkst „Ehmmm, nö.“ (lacht)

    Dascha: Was denkst du, welcher von den neuen Songs ein richtiger Live-Favorit wird? Welche Songs vom Album werden richtig geil auf der Tour?

    Jakob (Leoniden): Ein paar haben wir ja diesen Sommer schon gespielt. Was ich richtig cool finde ist, dass wir es mit diesen Complex Happenings Skits geschafft haben, ein bisschen diese jammige Ästhetik, die wir live haben, auch auf die Platte zu kriegen. Der, der nach New 68 auf der Platte ist, ist auch in leicht abgewandelter Form im Live-Set, das find ich richtig cool. Der haut gut rein. Bei welchen Shows warst du diesen Sommer nochmal dabei?

    Dascha: Fulda und Frankfurt.

    Jakob (Leoniden): Ey, Fulda war lustig. Fulda war richtig lustig! Das war echt das Überraschungskonzert für uns.

    Dascha: Verständlich! Es war vor allen Dingen sehr laut.

    Jakob (Leoniden): Oh ja, es war sehr laut! Ansonsten, freu ich mich krass auf die Features. Wenn die mal auf Festivals, wo wir alle abhängen, auch live umgesetzt werden können und Erik, Max und Ilgen dabei sind. Ansonsten hat jeder Song seine Vorteile. Ich freu mich auf Paranoid, auf diese Größe, auf das Pompöse, das wir so vielleicht noch nie hatten. Ich freu mich aber auch auf Songs wie Boring Ideas, der einfach nur reinknallt.

    Dascha: Ich muss zugeben, dass Funeral mich am Anfang beim Single Release nicht so abgeholt hat, aber nachdem ich ihn live erlebt hab, ich doch sehr in love bin und ihn ständig höre. Das ist irgendwie der Leoniden-Effekt.

    Jakob (Leoniden): Ich glaube das bleibt bei uns auch so, aber das find ich auch gut so. Liveshows sind quasi immer der Schlüssel zu unserer Musik. Das ist auch der Grund, wieso wir nie einen Erfolg im Ausland haben könnten ohne da gespielt zu haben. Man muss das einfach mit uns live verknüpfen. Das find ich aber auch toll, das macht die Liveshow unersetzlich. Auf der Platte sind Live-Leoniden und Album-Leoniden zwar näher aneinander, aber sie sind natürlich nicht das gleiche. Können sie wahrscheinlich auch niemals sein.

    Dascha: Voll, genauso hab ich euch damals angefangen zu hören. Einmal auf einem Festival gesehen und direkt komplett überzeugt.

    Jakob (Leoniden): Das ist einfach die Leoniden-Lovestory!

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen

    Dascha: Oh ja, das ist bei fast jedem, den ich kenne, mit eurer Musik so gewesen. Auf dem neuen Album gibt’s ja absolut keine Grenzen, vor allem keine Genregrenzen. Woher stammen die musikalischen Einflüsse? Fiel es euch schwer, euch von eurem gewohnten Sound, auch wenn ihr schon immer vielseitig wart, loszureißen?

    Jakob (Leoniden): Nö, gar nicht! Das war mega easy. Es war nur eine Entscheidung. Wir mussten ja auch nicht noch neu studieren wie man Grunge-Akkorde schreibt, das war alles schon drin. Ich glaube wir sind fünf sehr wild musikalisch sozialisierte Leute, man könnte uns den Hahn zu neuer Musik einfach abdrehen und wir würden trotzdem unendlich viel Musik weiterschreiben können. Wir sind alle so voller verrückter Ideen. Es war nicht schwierig, wir haben irgendwann gesagt „Können wir das machen?“ und dann gesagt „Ja, natürlich!“. Es ist 2021, Leute teilen sich eh nicht mehr in Rap- und Rockhörer*innen auf. Selbst die größten Indieheads kennen alle B-Seiten von Travis Scott. Aber von Bands erwartet man immer noch voll, dass sie ein bestimmtes Genre fahren. Das finde ich eigentlich ein bisschen weird. Man muss nicht sein Leben lang nur Grunge studiert haben, um es zu machen. Na gut, so hab ich angefangen, mit Nirvana Covern (lacht). Aber ich find das völlig in Ordnung und ich finde das Korsett, das man sich als Band anzieht, ein bisschen altbacken.

    Dascha: Ist ja im Endeffekt für die Hörer:innen auch interessanter.

    Jakob (Leoniden): Ja, voll! Es ist auf eine Art und Weise auch eine größere Challenge. Es gibt ja auch Leute, die sehr verkopfte, anspruchsvolle Musik mit sehr langen Songs und vertrackten Rhythmen wollen und das ist eine Art von Abenteuer, auf das man sich einlassen kann. Aber bei uns ist es halt anders. Bei uns ist es manchmal wie eine hakende CD zwischen den frühen 2000ern und jetzt und einem fliegt alles um die Ohren. Stück für Stück kann man es ganz einfach konsumieren, aber so im gesamten Kontext fordern wir schon ein bisschen Offenohrigkeit. Deswegen hören wir bei jedem Release in den Reviews auch oft sowas wie „Die sollen sich mal entscheiden, das ist viel zu wild“. Und ich denk mir so eyyy maaaann, hör es dir doch erstmal zehn Mal an. Zu wild? (lauter werdend) Zu viel auf einem Album? Was soll das denn heißen? Ich glaub, mein Kopf platzt. (lachend) „Das Album kann man so schlecht einfach nebenbei hören“, na gut mein Freund, dann freu dich doch!

    Dascha: Stimmt, zu viel kann es eigentlich nicht geben. Ihr habt auf dem Album auch zum ersten Mal Features drauf. Wie kam es zu dieser Entscheidung jetzt andere Künstler*innen mit bei euch rein zu lassen? War das anders?

    Jakob (Leoniden): Das ist ein guter Punkt! Bei den Alben davor war es wirklich explizit nicht so. Da war es uns sogar wichtig, dass wir keinen Platz für Features machen. Die Feature-Entscheidung kam jetzt ziemlich am Ende, die kam erst dieses Jahr. Da waren ein paar der neueren Songs noch nicht vollendet besungen, dann haben wir daran gedacht, wie nice es wäre Erik von Pabst da drauf zu haben. Und dann dachten wir, kommt, wir überlegen mal, wer featuren könnte, wenn wir Features machen würden. Dann war es ganz schnell klar und alle hatten mega Bock. Alles ging super schnell, einfach voll geil. Ich mag den Schulterschluss daran, dass wir damit sagen, wir als Indie-Bubble können auch zusammen Musik machen.

    Dascha: Ich finde die Features sind auch passend gewählt! Wie ist denn eigentlich der Name des Albums entstanden? Wer hatte die Idee?

    Jakob (Leoniden): Definitiv Lennart. Er am aber zunächst an mit „Leute wie wärs wenn wir das Album Complex Happenings Reduced To A Simple Design Which Enables The Individual To Make It’s Own Bad Decisions nennen?“ und wir alle so „Boah, Lennart, den nehmen wir!“ Zwei Tage später gedacht, dass es doch ein bisschen übertrieben ist. Aber dann ist uns aufgefallen, dass die Hälfte dieses Satzes schon viel mehr für uns aussagt, als es der vollständige Satz es getan hätte. Das ist zum einen, das, was wir beim Songs Schreiben machen. Ich meine, wie hoch kann man denn bitte greifen, wenn man ein Lied L.O.V.E. nennt und es geht nur drei Minuten lang? Das ist schon ein Widerspruch in sich, Menschen versuchen seit der Entstehungsgeschichte der Menschheit Liebe zu verstehen und schaffen es immer noch nicht. Und dann kommen wir mit einem drei Minuten Song an. Aber das ist natürlich ein subjektiver Auszug aus dem Liebesthema, den wir dann darein gebracht haben. Hinter der ganzen Arbeit, die dahinter steckt, bleibt dann am Ende immer ein sehr simples Design. Dann kam noch das Albumcover von No Talent dazu, die brennende Welt. Dann war es einfach komplett klar, dass das Album so heißt. Angewandt auf verschiedene Themen hat es einfach was in uns ausgelöst. Dass man sagt, hey, die Welt brennt, das kann ich dir ganz einfach zeigen. Aber die Gründe dafür – puh, nicht so simple.


    Dascha: Wirklich eine sehr schöne Antwort! Von hier mal zu New 68: Wie kam es dazu, dass ihr einen politischen Song, vor allem mit den Videos dazu, veröffentlich habt? Gab es einen bestimmten Auslöser dafür? Findest du Bands sollten sich mehr politisch positionieren bzw. hast du das Gefühl, dass ihr damit etwas anregt oder bewirkt?

    Jakob (Leoniden): Der Auslöser war definitiv unser Konzert bei der Fridays For Future Demo 2019 in Hamburg. Weil da einfach 12 Tausend Schüler*innen waren, die für eine Sache einstehen, die die Generationen darüber verkacken und sie das aber ausbaden müssen. Ich fand das krass, wie sehr die das alles begriffen haben. Wir sind auch schon immer politische Menschen gewesen und oft auf Demos gewesen, aber früher war die Bewegung, die Menschenwürde und Nachhaltigkeit auf Platz 1 fordert, noch nicht so groß. Ich finde es mega wichtig- (wird von JP, dem Bassisten der Band, aus der Ferne unterbrochen)

    (Rufend und jubelnd) Jaaaaa, geil! JP meint, wir laufen grad im Radio, mega geil!

    Dascha: Nice, welcher Song?

    Jakob (Leoniden): Warum auch immer: Where Are You. Aber ist auch ein geiler Song! Ehm, ja, also ich fand die Demo sehr inspirierend. Und ich finde es super wichtig, dass Leute mit einem Publikum, das ihnen vertraut, eine politische Haltung haben, die sie auch kommunizieren, wenn es gefragt ist. Ich finde es aber nicht so wichtig, dass jede Band, jede Künstlerin oder jeder Künstler politische Musik macht. Ich finde in Musik darf es auch um andere Themen gehen. Witzigerweise hab ich letztens ein Interview von uns gefunden beim Kosmonaut Festival, das war so drei Wochen nach der Fridays For Future Demo. Da wurden wir gefragt, ob wir nicht irgendwann mal einen politischen Song machen wollen. Da meinten wir „Hm, joa, vielleicht probieren wir es beim nächsten Album mal“, das hatte ich vergessen, aber jetzt ist es einfach passiert. Und zum letzten Teil deiner Frage – ja, wir haben total das Gefühl, dass es etwas gebracht hat. Es ergab sich echt viel Diskurs daraus. Erstmals gab es auch viel Fläche darüber zu reden, so wie jetzt hier zum Beispiel, das ist auch sehr gut. Mir selbst hat es auch wirklich viel gebracht! Ich als links-zeckig groß gewordene Person hatte immer ein zwiespältiges Verhältnis zu parlamentarischer Politik. Das konnte mir Aminata (Touré) aber total augenöffnend erklären.

    Dascha: Richtig schön! Ich hab letztens auch eine Doku im Fernsehen geschaut, in der sie viel gesprochen hat, das war echt interessant.

    Jakob (Leoniden): Ja, oder? Sie ist echt eine krasse Persönlichkeit!

    Dascha: Ja, das glaub ich auch. Habt ihr eigentlich schon mal darüber nachgedacht, wie es musikalisch in Zukunft für euch weitergeht? Weil ihr auf dem Album schon so viel verschiedenes ausprobiert habt. Besteht da vielleicht der Gedanke, das auf dem Nachfolger nicht steigern zu können?

    Jakob (Leoniden): Ich weiß, es ist noch zu früh, um das zu sagen, aber ich muss es einfach sagen: Wir haben schon angefangen weiterzuschreiben. Einfach sofort angefangen. Wir haben jetzt schon fünf neue Skizzen für Songs. Und – schnallt euch an, ey (lacht). Es gibt noch viel viel viel zu tun. Genau das meinte ich vorhin, ich glaube Kreativität ist ein bodenloser Brunnen. Es ist unerschöpflich. Und ich glaube, wenn man uns in einen Keller sperrt und sagt „Schreibt Musik“, dann hören wir erst auf, wenn wir rausgelassen werden. Ich mache mir gaaaar keine Sorgen, dass wir irgendwann denken „Was machen wir jetzt, wir haben schon alle Genres der Welt gemacht“, das wird einfach nie passieren.

    Dascha: Yay, sehr gut! Du hast vorhin gepostet, dass du dir ein Tattoo stechen lassen hast, war das wirklich noch heute morgen?

    Jakob (Leoniden): Ne, ne, das war auf dem About You Pangea Festival. Der Fahrer und Fotograf von Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys hatte eine Nadel dabei, dann hab ich mir von ihm das Blue Hour Auge stechen lassen.

    Dascha: Ah, sehr cool! Dann sind wir hiermit schon bei der letzten Frage. Die ist bei uns immer eine untold story, also ein kleines Geheimnis oder eine Geschichte, die du noch nicht öffentlich geteilt hast.

    Jakob (Leoniden): Ja, ich hab eine Geschichte! Magnus Wichmann, einer der beiden Produzenten, ist ein langjähriger Freund von uns. Schon bevor ich bei den Leoniden war, waren wir schon super gut befreundet. Der war auch bei unserem DIFFUS Musikvideo Dreh dabei, bei dem wir Augenklappen anhatten, was wir für Freaks gedreht haben. Magnus ist eher etwas soziophob und manchmal etwas körperklausig. Er saß alleine in einem Boot und hat sich schön viel Bier reingeballert. Dann beim Aussteigen aus dem Boot – er war schon sicher auf dem Steg – ist er ungelogen 20 Sekunden lang gefallen. Kennst aus dem Deichkind Video von Richtig Gutes Zeug diese Szene, wo Lars Eidinger vor dem Bierregal hängt? So, aber noch viel geiler! Es war die beste Szene, die an diesem Tag passiert ist, die hat keiner gesehen außer uns fünf. Wir standen da auf einer Brücke, haben Magnus gesehen und er uns auch. Er ist wirklich einfach 20 Sekunden lang gefallen, das war das Beste, was ich dieses Jahr gesehen hab! Ich kann es leider nicht vormachen, ich kann es nicht zeigen, aber es ist für immer hier drin (klopft aufs Herz). Ich liebe dich Magnus, ich liebe dich über alles!

    Dascha: Sehr schöne Geschichte. Ich danke dir für deine Zeit, bis bald!

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen
    Foto Credit: Joseph Strauch