Kategorie: untold music

  • Sam Vance-Law erweckt mit seiner „NDW“-EP die 80er zu neuem Leben

    Sam Vance-Law hat nach seinem 2018 erschienen Debütalbum „Homotopia“ endlich neue Musik veröffentlicht. Seine letzte Woche erschienene „NDW“-EP ist, wie der Titel es bereits erahnen lässt, eine Hommage an die Neue Deutsche Welle. Wie die vier deutschen Songs, denen der in Berlin lebende Kanadier nun seinen Stempel verpasst hat, klingen, und warum Drangsal 30 Jahre zu spät geboren wurde, lest ihr jetzt in der Review von Jule.


    Ich habe etwas festgestellt: Ich glaube ich wurde geboren, um Fan zu sein. Ich habe offenbar absurd viel Liebe übrig und verteile diese auch super gerne. Aber es gibt einen Menschen, der bekommt ganz besonders viel davon ab. Einen Menschen, den ich seit Jahren als einen meiner absoluten Lieblingskünstler benenne. Dessen Debütalbum für mich immer noch eines der besten und wichtigsten Werke unserer Zeit ist. Und der einer der nettesten und süßesten Menschen ist, die ich je getroffen habe: Sam Vance-Law. Seitdem ich für Musikmagazine schreibe (und jetzt für mein eigenes, wie geil?), warte ich sehnsüchtig darauf, mich endlich auch mal auf dieser Ebene mit ihm beschäftigen zu können. Lange hat es gedauert but now my time has finally come.

    Als man mir gezwitschert hat, dass eine EP auf dem Weg ist, blieb mein Fangirlherz original einfach so für 2 Minuten stehen. Schließlich habe ich nicht vor Ende 2021 mit neuer Musik gerechnet. Und jetzt gibt es direkt vier Songs? Auf Deutsch? Der Mann, der für mich einfach Geige und mehrstimmige englische Songs bedeutet, covert Neue Deutsche Welle-Songs? Gimme a second. Begründen tut Sam die Entstehung der EP damit, dass er einfach mal wieder etwas machen wollte, das Spaß macht. Und Deutsch ist. Das klingt völlig fair, oder?


    Eisbären müssen nie weinen

    Der erste Song der EP ist der von der Schweizer Band Grauzone im Jahr 1981 veröffentlichte Song „Eisbär“. Für mich ein völlig logischer und konsequenter Opener, denn dieses Lied gehört seit Jahren zur festen Setlist eines jeden Sam Vance-Law-Konzerts. Er hat live wirklich immer unfassbar viel Spaß gemacht. Glücklicherweise konnten Sam und seine Band diesen Song noch vor der Pandemie live aufnehmen – denn als ich ihn nun auf der EP höre, kommt bei mir direkt Konzertstimmung auf. Ein bisschen fehlt mir jedoch der Anblick von Gitarrist Aidan, der beim finalen Gitarrenpart des Songs auf der Bühne jedes Mal um sein Leben gespielt und dabei so gut wie immer seine Saiten zerstört hat. Hach, das waren noch Zeiten…


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    Was bei „Eisbär“ auf jeden Fall auffällt: Sam Vance-Law versucht nicht krampfhaft, etwas Neues aus dem Song zu machen. Vielmehr ehrt er ihn so wie er ist und verleiht ihm einfach nur seine persönliche Note. Toller Song, der toll umgesetzt wurde und in mir noch tollere Erinnerungen weckt.


    Von heute an will ich nicht älter werden

    Der zweite Song, „Ich will nicht älter werden“, der Hannoveraner Punkband Bärchen und die Milchbubis war mir bisher ehrlicherweise unbekannt. Bei dem Cover dieses ebenfalls 30-jährigen Songs handelt es sich um ein Feature mit Drangsal. Sam Vance-Law und er sind nicht nur durch dasselbe Label miteinander verbunden, sondern auch befreundet. Beim Bielefelder Ausgehen mit Freunden-Festival 2019 standen sie sogar einmal gemeinsam für einen Drangsal-Song auf der Bühne. Seit diesem Tag hegte ich den tiefen Wunsch nach einem Feature. Well, here we are. Ich habe mir natürlich auch das originale „Ich will nicht älter werden“ angehört und stelle erneut fest: Das Cover klingt zwar frischer, aber auch hier wurde nicht versucht, den Song in seinen Strukturen zu verändern. Es lässt sich aber auch feststellen, dass Drangsal eindeutig 30 Jahre zu spät geboren worden ist. Wenn seine Stimme nicht wirklich zu 120 % für solche Lieder gemacht ist, weiß ich auch nicht.


    „Dann läuft die Nase, ich hab ein Raucherbein

    Die Zähne fallen aus, ich krieg‘n Heiligenschein“


    Dass die beiden den Song im Wechselgesang arrangiert haben, gibt ihm auf jeden Fall einen funny Twist. Macht mir beim Mitsingen einfach auch mega Spaß, wenn ich für die Parts von Drangsal hoch und für die von Sam wieder tiefer singe – man sollte mir dabei nur nicht unbedingt zuhören müssen…


    Ich sprüh‘s an jede Wand…
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    … „Neue Männer braucht das Land“. So heißt der dritte Track der „NDW“-EP. Im Original von Ina Deter ziemlich angriffslustig und rotzig gesungen, bekommt er in der Version von Sam Vance-Law irgendwie etwas Liebevolles eingehaucht. Das liegt vielleicht weniger daran, dass das gewollt ist, als dass seine Stimme naturgegeben einfach sehr warm und raumfüllend klingt. Und das kann man hier ganz besonders gut hören. An dieser Stelle auch einfach mal ein shout out an seine Band, die den Instrumentals lediglich die Vollmundigkeit gegeben haben, die sie 1982 noch nicht hatten.

    Die im Refrain jodelartig gesungenen Worte „jede“ und „Wand“ hat Sam an sich und seine Tonlage angepasst. Ich habe selbst mal versucht, diesen Wechsel von Brust- auf Kopfstimme nachzumachen. No way, keine Ahnung wie Ina Deter das hinbekommen hat, ohne dass es völlig krumm und schief klingt.

    Wie dem auch sei, ich liebe den Song und ich liebe seine Umsetzung. Es lässt sich richtig gut dazu durch die Wohnung tanzen, das sag ich euch.


    Dann hebt er ab und, naja ihr wisst schon…

    Es gibt wahrscheinlich kaum einen Song der Neue Deutsche Welle, der so häufig und bis heute immer noch, auch international, regelmäßig gecovert oder melodisch genutzt wird. Die Rede ist von „Major Tom“, dem Gassenhauer von Peter Schilling aus dem Jahr 1982. Ich bin mir ziemlich sicher, dass jede und jeder im deutschsprachigen Raum diesen Song kennt und auf Kommando den Refrain mitsingen kann. Es liegt also auf der Hand, dass er auch auf der „NDW“-EP von Sam Vance-Law einen wohlverdienten Platz bekommt.


    „Im Kontrollzentrum da, wird man panisch
    Der Kurs der Kapsel, der stimmt ja gar nicht“


    Ziemlich geil ist hier die stimmliche Umsetzung. Die Strophen werden zweistimmig gesungen und bekommen so die perfekte Harmonie. Im Refrain wurde Sam’s Stimme dann mehrfach übereinandergelegt, was im Zusammenspiel mit der für ihn eher untypischen Tonlage einen richtig guten Effekt ergibt. Gerade weil der Song so bekannt ist, ist der Grat zwischen „gefällt mir nicht, weil klingt nicht wie das Original“ und „das hat ja gar nichts mit dem Original zu tun“ sehr schmal. Ich persönlich finde die Umsetzung sehr gelungen, weil es eben nah am Ursprung ist, ohne eine billige Kopie sein zu wollen. Besonders die Synthies liebe ich hier sehr.


    Fazit

    Was ich den ganzen Artikel über vermieden habe zu sagen, aber einfach das Allerallerbeste an dieser Platte ist: Sam‘s Akzent! Ich kann mir nicht helfen, aber das ist wirklich einfach nur unfassbar cute. Als ich ihn das erste Mal die Worte „Kontrollzentrum“, „Erdanziehungskraft“ und „Karstadt“ habe singen hören, musste ich wirklich lachen. Ein bisschen so wie man lachen muss, wenn ein kleines Kind auf den Hintern fällt– man will nicht, aber man kann es sich auch nicht verkneifen. Weil es für mich im ersten Moment auch wirklich ein bisschen absurd klang. Ist ja schon ein großer Schritt zwischen „Homotopia“ und der „NDW“-EP. Inzwischen hat mein Hirn diesen musikalischen Ausbruch in die 80er aber ganz wunderbar verarbeitet und liebt jede Sekunde davon.

    Wie schon erwähnt ist „Neue Männer braucht das Land“ mein absoluter Favorit der EP. Was natürlich zu einem Großteil an Sam Vance-Law selbst liegt, aber auch daran, dass das einfach ein richtig guter Song ist. Ich finde es toll, dass er die Songs so honoriert wie sie sind und ihnen lediglich seine persönliche Note verliehen hat. Wobei man das eigentlich allen vier Songs lassen muss. Außerdem sind die Sounds nicht immer bis zum Äußersten perfektioniert, wodurch sie einen tollen Live-Charakter bekommen. Ich bin mit der EP auf jeden Fall nochmal mehr Fan von ihm geworden (falls das geht).

    Die Vorfeude darauf, dass Sam seine NDW-Songs irgendwann auch live zum Besten geben kann, ist riesig. Ich kann die Leute schon „vöööööllig losgelööööst“ gröhlen hören. Das wird ein Fest. Aber bis dahin wird einfach fleißig die EP gehört:


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    Fotocredit: Jannik Morton Schneider

  • SALÒ sehnt sich in „Oxytocin“ nach Zuneigung und Zärtlichkeit

    Im Sommer 2019 veröffentlichte SALÒ seine erste Single „Tränen zu Wein“. Im letzten Jahr folgte dann die gleichnamige EP. Mit seiner aktuellen Single „Oxytocin“ befindet sich der Österreicher gerade auf dem Weg zur zweiten EP, die „120 Jahre Einsamkeit“ heißen wird. Jule nimmt euch daher heute mit in die verrückte Soundwelt von SALÒ und wirft auch ein Auge auf das grandiose Musikvideo zu „Oxytocin“.


    Das erste Mal bin ich auf SALÒ aufmerksam geworden, als seine EP in meiner Bubble die Runde machte. Laut seinem Pressetext macht er „Musik für Hundestreichler*innen, Arbeitsverweigernde und alle, die sonst noch Gefühle haben“. Da fühle ich mich auf mehreren Ebenen angesprochen. Bis heute gehört „Elektroplasma“ übrigens zu einem meiner Lieblingssongs – und befindet sich deshalb auch in unserer Team-Playlist unter den drei von mir ausgewählten Hits. Der in Wien lebende SALÒ vereint mit seinem Sound eine wilde Mischung aus EBM, Pop und verträumtem Elektropunk. Es klingt irgendwie dreckig, aber liebevoll und ehrlich. Seine Texte handeln zu einem hohen Prozentsatz von der, wie er sie nennt, schönsten Geisteskrankheit der Welt: Liebe.


    „Da wo ich heute hin will ist verbotenes Revier, ich will zu dir“

    Auch in „Oxytocin“ geht es um Liebe bzw. darum, diese in Zeiten des Lockdowns und Alleineseins höchstens virtuell, aber nicht körperlich zu erleben. Oxytocin ist das sogenannte „Kuschelhormon“, das der Körper sowohl bei der Geburt als auch bei jeglicher Form von körperlicher Nähe ausschüttet. SALÒ beschreibt in dem gleichnamigen Song gnadenlos seine Erfahrungen mit dem plötzlichen Wegbrechen sozialer Kontakte und den kalten Entzug von eben jenem Hormon. Ein Aspekt seiner Musik, die sie für mich eben so besonders macht, ist die Lyrik, mit der SALÒ seine Geschichten erzählt. Seine Wortwahl ist unmissverständlich, manchmal sogar brachial. Aber sie ist so ehrlich, dass ich immer das Gefühl habe, sein pures Innerstes präsentiert zu bekommen. Ein persönlicher Pluspunkt: Ich habe einen kleinen Crush auf seinen österreichischen Akzent, den man hier und da mal raushören kann.

    Der Sound von „Oxytocin“ ist geprägt von elektronischen Beats, die eindringlich hämmern und mir durch ihren psychedelischen Klang tatsächlich das Gefühl eines Entzuges vermitteln. Der dazu von SALÒ fast wie eine Offenbarung vorgetragene Text und das immer wieder laut nach Luft schnappen wirkt so eindringlich auf mich, dass ich das bestechende Bedürfnis habe, ihn einfach mit einer herzlichen Umarmung aus seinem Kampf zu befreien. Das klingt extrem pathetisch, i know, ist aber genau das, was „Oxytocin“ in mir auslöst.


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    Das Musikvideo zu „Oxytocin“ erzählt die Geschichte dann noch einmal auf einem völlig anderen Level. Aufgrund der fehlenden sozialen Kontakte und Zuneigungen stürzen wir uns gezwungenermaßen in die digitale Welt. Versuchen dort (meistens kläglich) das zu bekommen, was uns im realen Leben gerade fehlt. In dem Video, das von Marlon Nicolaisen gezaubert wurde, rennt ein animierter SALÒ wie ein wildgewordener Sims-Charakter durch ein altes Windows-Betriebssystem. Auf einem absurd großen Mauscursor surft er vorbei an all den abgelegten Ordnern seiner Festplatte – ständig auf der Suche nach dem so schmerzlich vermissten Oxytocin. Eine Bildsprache, die nicht passender zum Song hätte passen können.

    Checkt SALÒ auf jeden Fall mal aus. Ein Vöglein hat mir gezwitschert, dass wir auch gar nicht mehr lange auf den nächsten Vorboten zur „120 Jahre Einsamkeit“-EP warten müssen. Und bis dahin könnt ihr euch entweder das Musikvideo in Dauerschleife reinziehen, oder den Song ganz easy in eure Spotify-Playlist packen!


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    Fotocredit: Kurt Bauer

  • Die Mode mit „Spür mein <3": Da hilft kein Arzt, da hilft nur tanzen

    Aufgepasst, dieser Artikel serviert euch einen astreinen Ohrwurm, der von Die Mode kreiert wurde und auf den Namen „Spür mein <3“ hört. Fans des gepflegten Synthie-Pops und Indie-Rocks, die wie Jule nicht nur die Texte, sondern auch die Instrumentals ihrer Lieblingssongs gerne sehr laut mitgröhlen, werden hier mit hoher Wahrscheinlichkeit extrem auf ihre Kosten kommen. Aber lest und hört selbst.


    Mir ist aufgefallen, dass ich neue Musik in letzter Zeit vermehrt über Instagram entdecke. So ist mir das auch glücklicherweise mit dem Duo Die Mode passiert. Producer Justus Fischer und Sänger Max Stulle haben sich Anfang 2019 in Berlin zusammengetan und am 12.02.2021 ihre erste Single „Spür mein <3“ veröffentlicht. Durch wen oder wie genau ich auf die Jungs und ihren Song gestoßen bin, weiß ich leider nicht mehr. Aber Fakt ist: Ich bin mir sicher, hier mal wieder die Anfänge von etwas zu beobachten, was mal ganz groß werden kann. Schon ein Blick auf ihren Instagram-Account reicht aus, um ein Gefühl dafür zu bekommen, mit welcher Art von Menschen man es hier zu tun hat. Herzlich, offen und mitunter wirklich unfassbar witzig. Spoiler: Genau diese Attribute finden sich übrigens auch in dem Song wieder. Très chic.

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    Der Song beginnt extrem sympathisch mit den Zeilen: „Ich kann den Text nicht mehr, glaub ich. Aber das macht nichts, ich improvisiere den Text“. Ich liefere dazu auch gerne eine kurze Erklärung: Wenn Max seine Vocals an Justus schickt, baut er gerne ein paar lustige Impros mit ein, die Justus beim Produzieren dann einfach wild pitcht. Über diese Ergebnisse amüsiert sich Max dann wiederum sehr. Also einfach mehr Spaß für alle.

    Und so wird es wahrscheinlich auch diese Zeile in den Song geschafft haben. Als Max dann anfängt zu singen fällt mir sofort seine Stimme auf, die habe ich sofort richtig lieb. In „Spür mein <3“ geht es, Quarantäne und Lockdown geschuldet, um die Leere, die man während der Isolation gespürt hat und immer noch spürt. Um das Gefühl, man selbst sei der/die Einzige, der/die alleine Zuhause rumhängt, während wahrscheinlich alle anderen Spaß haben – und man ist nicht dabei. FOMO, wir kennen’s inzwischen alle, oder?



    „Meine Freunde gehen heute aus
    Doch ich fühl mich viel zu taub“


    Aber anstatt in Angst und Leere zu versinken, umarmen Die Mode diese Feelings lieber mit Sounds, bei denen man schon fast gezwungen wird, gute Laune zu bekommen. „Spür mein <3“ teilt sich stimmungstechnisch in so viele verschiedene Ebenen auf, viel mehr wäre in 3:40 min. fast nicht möglich gewesen. Die Synthies sind erst sanft und entwickeln sich dann zu einem kleinen Rave für Zuhause. Zwischendrin gibt’s melodisch-rockige E-Gitarren-Riffs und dazu eben Max‘ süße Stimme – die singt, dass er bei mir vorbeikommen soll, aber seine Beine so schwer sind. Wenn ich ehrlich bin, fühl ich total. Aber du bist natürlich trotzdem herzlich willkommen, wenn das mit deinen Beinen wieder besser ist! (Ja, wenn jemand meinen Namen in einem Song erwähnt, fühle ich mich persönlich angesprochen, das ist richtig).

    Also mich hat „Spür mein <3“ völlig abgeholt. Seit Tagen pfeife ich die Synthies in den mir höchstmöglichen Tönen nach, singe den Refrain vor mich hin und baue die Lyrics in meinen Alltag ein. „Man ey, wo habe ich denn jetzt schon wieder meine Socken hingepackt? … Ich weiß es auuuch nicht meeehr, nz nz nz nz“. Oder auch: „Ich find das Salz, find das Salz nich“. Dieser Song macht einfach in so vielen Situationen Spaß. Für mich ist er ein absoluter Hit. Und schon nächsten Monat veröffentlichen Die Mode ihre nächste Single „Monaco“. Außerdem ist für Ende 2021 eine EP geplant. Das sind doch rosige Aussichten, oder? Ich bin mir sicher, dass wir von den Jungs in Zukunft noch viel hören werden. Und da freue ich mich drauf.

    Bis dahin einfach gerne „Spür mein <3“ pumpen, ihr werdet es nicht bereuen!


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  • Jadu Heart mit „Hyper Romance“: Doesn’t get more mystical than that

    Jadu Heart mit „Hyper Romance“: Doesn’t get more mystical than that

    Lust sich in den Tiefen eines geheimnisvollen Waldes zu verirren und allerlei magische wie verhexte Dinge anzutreffen? All good, lässt sich einrichten! Jadu Heart versetzt mich mit „Hyper Romance„ und seinem mystischen Vibe in genau dieses Szenario. Mit seinen unüblichen und sphärischen Klängen hat mich das Album derart verzaubert, dass es sich einen Platz in meinen Top Albums 2020 ergattert hat. Auf die Reise würde ich euch gerne entführen.

    Jadu Heart würde man wahrscheinlich erstmal in die Elektro-Schublade stecken, dabei schaffen Diva und Alex es gekonnt zahlreiche Genres in ihre Werke einzubinden. „Hyper Romance“ bespielt Elemente aus dem Indie, Trance Pop und Elektro. Außerdem kommt Jadu Heart’s Liebe zu verzerrten und ungewöhnlichen Klängen alles andere als zu kurz auf dieser Platte. Ich persönlich finde es schwierig, die Musik der Band richtig festzunageln, weil sie eben von einer Minute zur anderen oder von einem Song zum nächsten so unterschiedlich sein kann. Aber warum ist das auch nötig? The more the merrier, oder nicht?


    Welcome to the Dark Side

    Trotzdem, der mystische Schleier über der Band legt sich langsam. Einst im Schatten ihrer Alter Egos Dina und Faro, zwei mythologische Kreaturen von einem fremden Planeten (weird, sag ich ja) zeichnet „Hyper Romance“ eine Art Ausbruch aus dieser Idee. Masken abgesetzt, Alter Egos zur Seite gestellt, begeben sich Jadu Heart auf ihre musikalische Self-discovery.


    “Dina and Faro are two kids from Koshui which is one of many planets in the Yahroo system. They discovered a magic MPC that cursed them into crystal monsters when they tried to play it. We met them in Walthamstow a few years ago, and have been telling their story through music ever since.”

    Notion, 2018


    Die zwei nehmen uns mit auf einen Trip durch den Rausch der Liebe, mit ihren Höhen und Tiefen, zwischen Ekstase und Tragödie. Sicher nicht die originellste Idee, zugegeben. Aber die finstere und mysteriöse Art des Storytellings macht es für mich einzigartig. Ich habe zwar keine beachtliche Erfahrung als Tourguide, aber lasst es mich mal versuchen und euch durch die Reise leiten.

    „Another Life“ heißt einen gekonnt in die Welt von Jadu Heart willkommen. Mithilfe der sphärischen Synths, die uns schon fast in ein anderes Universum, diesen magischen, verborgenen Wald versetzen. Bereits mit dem Beginn des Albums wird klar, das hier wird keine rosige Fahrt. Neben dem plötzlichen Einsatz von rockigen Gitarrenklängen mid-Song wird auch mit wenigen Worten deutlich: Diese Liebesgeschichte nimmt kein gutes Ende.


    “As I walk beyond the borderline, I feel so alive. Oh, with you. But nothing’s left for us. Another day, another year of this. Maybe in another life, we’ll be okay.”


    „Klopf, klopf!“ – „Wer ist da?“ – „Toxische Beziehung lässt grüßen.“

    Mit „Dead Again“ und „Walk the Line“ wird klar: diese Beziehung, die hier beschrieben wird, ist alles andere als gesund. Ständiges Hin und Her, Stimmungsschwankungen und eventuelle mentale Probleme der Protagonisten sind die charakteristischen Merkmale. Die Thematik wird nochmal später auf der Platte aufgriffen. „Caroline“ offenbart uns, wie betäubend und wahnhaft dieser Struggle sein kann, für beide Partner. Die Songs sprechen etwas an, was – wie ich finde – oft untern Teppich gekehrt wird, wenn es um Beziehungen geht. Gehen wir manchmal Beziehungen ein, nur weil wir uns von der Gesellschaft und unserer Umwelt unter Druck gesetzt fühlen, weil sie uns suggerieren, dass wir jemanden bräuchten? Aber gleichzeitig sind wir uns bewusst, dass wir viele äußere Umstände und Persönlichkeitsmerkmale ignorieren oder schönreden. Und dann haben wir den Salat.


    Der Teufelskreis

    Puh, jetzt wird’s aber heiß in hier. „Woman“ kommt sehr verführerisch da her und malt ein sehr bestimmtes Bild von einer Frau, die einen mit bloß einem Wimpernschlag in ihren Bann ziehen kann und in ihren Garten lädt. Jegliche Wehr ist nutzlos. Dieses Ausgeliefertsein an seine Emotionen wird untermalt mit reizvollen Gitarrenriffs und ‚Unterwasser-Sounds‘. Diese Leitung von Gefühlen wird nochmals deutlich im Standout-Song „Metal Violets„, sowie der Teufelskreis in dem sich die zwei Hauptfiguren befinden.


    “And when the cards unfold, the cards unfold again. […] You paint the red inside your chest and not your head. And now the heat takes over, and your Purple Heart is blue. I know the worst ain’t over, yeah I find it hard with you.”


    Der Song wirkt etwas cleaner und ich finde gerade dadurch kommt die besondere Essenz von Jadu Heart richtig zur Geltung. Die Reise durch „Hyper Romance“ ist nicht nur eine durch die Ups and Downs einer Liebesgeschichte, aber auch eine über die musikalische Findung von Jadu Heart. Die im Großen und Ganzen mehr als gelingt, aber zu anderen Momenten ein bisschen Marie Kondo Magic braucht.


    ‚Und langsam fallen Sie in einen tiefen Schlaf…‘

    Nein, wir lassen die Finger von Hypnose und kommen zum mit Abstand geilstem Song auf diesem Album! „Burning Hour“ ist mein absoluter Lieblingstrack, ich finde man kann sich richtig in dem Song verlieren. Zuerst denkt man „Burning Hour“ zeichnet eine Art Abschluss, eine Offenbarung, dass es schließlich doch nicht so weitergehen kann. Aber dieser Moment von Erleuchtung bleibt nur sehr kurz. Der Teufelskreis bleibt immer noch bestehen und die beiden finden sich immer zu in leeren und ein und denselben Entschuldigungen und Ausreden wieder.


    “Promise me you’ll make it up to me.”


    Trotz der Thematik versetzt der Song mich in eine Art träumerischen, sogar meditativen Zustand. Die Vocals von Diva und Alex tanzen so natürlich miteinander, von einem zum anderen, fast schon wie ein Gespräch zwischen den beiden. Ich kriege gar nicht genug von dieser trippy Energie, die einen in eine Art Trance leitet. Natürlich in ganz legaler und auf musikalische Weise 😉

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    Auch die anderen Tracks auf der Platte fügen sich gekonnt in das Gesamtkonzept ein, sie unterstützen den Zwiespalt zwischen einerseits mehr von seinem Gegenüber zu wollen und andererseits erkennen, dass es ein Ende haben muss und man sich im Endeffekt selbst zerstört.

    Mit „Hyper Romance“ haben sich Jadu Heart ihren Masken entledigt und sich auf die Reise zur musikalischen Selbstentdeckung begeben. Sie haben ein Meisterstück kreiert, das zugleich düster und wunderschön ist und gekonnt die Komplexität aus Liebe und Verzweiflung widerspiegelt. Jadu Heart’s atmosphärischer Grunge mit all seinen versteckten Metaphern öffnet euch die Tür zu einer fernen, aber auch wahnsinnig faszinierenden Welt, die euch definitiv in den Bann ziehen wird.

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    Fotocredit: Ben Brook

  • Keine Fata Morgana: Balthazar und ihr neues Album „Sand“

    Keine Fata Morgana: Balthazar und ihr neues Album „Sand“

    Zwei Jahre ist es her, dass Balthazar ihr letztes Album „Fever“ veröffentlicht haben. Ein Album, das ich rauf und runter gehört habe und zu einer meiner Top-Alben aus dem Jahre 2019 zählt. Umso gespannter war ich als die Band letzten November ihr fünftes Album „Sand“ ankündigte. Seitdem sind bereits drei Single-Auskopplungen erschienen, die einen Vorgeschmack auf das neue Album geben. 


    Balthazar ist eine fünfköpfige Indie-Rock Band aus Belgien, die seit 2004 gemeinsam Musik machen. Es sind die zwei Frontmänner Maarten Devoldere und Jinte Deprez, die perfekt harmonieren und der Band mit ihren Stimmen einen besonderen Charakter verleihen. Während die Band ihre ersten Alben „Applause“ (2011) und „Rats“ (2012) selber produziert haben, ist ihr drittes Album „Thin Walls“ mit dem britischen Produzenten Ben Hillier entstanden, der bereits mit Depeche Mode und Blur zusammengearbeitet hat. Ein Geheimtipp sind die Belgier allerdings nicht mehr. Neben dem legendären Glastonbury Festival konnte man Balthazar schon auf dem Southside/Hurricane oder dem Pinkpop live erleben. In ihrem Heimatland Belgien gab es natürlich auch schon zahlreiche Gigs, unter anderem auf dem Rock Werchter oder dem Pukkelpop Festival.


    „Losers“

    Die erste Single-Auskopplung „Losers“ lässt seit dem Release im Oktober 2020 schon erahnen, in welche Richtung das neue Album musikalisch gehen könnte – die Reise nach „Fever“ wird fortgesetzt. In „Losers“ trifft grooviger Bass auf Synthies und hohem Gesang im Refrain. 


    “There’s a theme running through
    these tracks, waiting, restlessness,
    not being able to live in the moment or
    putting your trust into the future.“


    Die Anfänge von „Sand“ entstanden bereits während ihrer letzten Tour. Auf Grund der schwierigen Zeiten und der begrenzten Möglichkeiten entwickelte sich der Sound des neuen Albums jedoch in eine andere Richtung. Gemeinsame Studiotermine waren nicht mehr möglich, wodurch viel mit Samples und elektronischen Instrumenten gearbeitet wurde. Balthazar verarbeiten in „Sand“ Themen wie Ungeduld und Rastlosigkeit („Moment“, „Hourglass“), gescheiterte Beziehungen („You Won’t Come Around“, „Leaving Antwerp“) oder das mentale Feststecken in bestimmten Lebensphasen („On A Roll“). Teilweise passt die Thematik der Songs also ziemlich gut zur aktuellen Lage. 


    “On A Roll”

    „On A Roll“ – der letzte Song, der bereits vor dem Album-Release das Licht der Welt erblickte. Dieser handelt von einem Mangel an Kontrolle und dem Gefangen sein in immer wiederkehrenden Gewohnheiten. Inspiriert von der Idee, dass die eigene Psyche ein Käfig ist, aus dem man nicht herauskommt. 


    „Linger On“ und „Hourglass“ 

    „Linger On“ spielt mit Bass- und Synthie-Sounds, die zum Tanzen einladen und dich sofort catchen. Zeit ist dabei ein Thema, das sich durch das ganze Album zieht und auch in „Linger On“ eine Rolle spielt. In „Hourglass“ thematisieren Balthazar das Gefühl von Ungeduld und Rastlosigkeit. Passend zum Albumtitel findet sich diese Thematik in Form einer Sanduhr Metapher im Song wieder. Während das Intro von Streichern und Percussion-Instrumenten dominiert wird, ertönt mit dem Einsatz des Gesangs das typische Balthazar-Bass-Motiv. Ein ziemlich mitreißender Song, aber welcher Song der Jungs tut das eigentlich nicht?


    Band-Pause und neuer Sound 

    Ihr letztes Studioalbum „Fever“ erschien 2019 nach einer längeren Pause, die beide Frontmänner für ihre Soloprojekte genutzt haben. Der frische Wind tat dem Album verdammt gut, vor allem aber der Band, verriet einer der beiden Sänger im Interview. Die Neuorientierung bleibt auch musikalisch nicht unentdeckt. „Fever“ vereint all das, was Maarten Devoldere und Jinte Deprez aus ihren Solo-Projekten mitgenommen haben. Es kombiniert bass-lastige Sounds mit eleganten Melodien und Streichern.

    Dieser „Fever“-Sound lässt sich auf „Sand“ definitiv wiederfinden. Das neue Album bleibt dem zuvor gefundenen Sound treu und führt diesen lediglich weiter aus – kein klassischer Indie-Rock, dafür mehr Electronic Pop. Ähnlich wie auf „Fever“ spielen Bass und Synthies eine prägnante Rolle, hinzukommen Drum-Samples. Das Album lässt dich entspannt mitwippen und hat dennoch einen catchy Vibe, der gute Laune verbreitet. Traurige und melancholische Songs sind hier Fehlanzeige!


    „Halfway“

    „Losers“ ist nicht der erste Song, der vom neuen Album veröffentlicht wurde. Im Februar 2020, während der andauernden „Fever“-Tour, veröffentlichten Balthazar bereits die Single „Halfway„. Hier stehen die Drums klar im Fokus des Songs und fordern zum Tanzen auf – Ohrwurm-Potenzial!


    „Leaving Antwerp“ und „Powerless“

    Mit „Leaving Antwerp“ liefern Balthazar einen Breakup-Song aus Sicht der Person, die sich einen Neuanfang wünscht. Auch hier sind Synthies und Bass wieder prägnant im Vordergrund und werden in der Bridge durch Saxophon und Streicher ergänzt. Mein persönlicher Favorit ist der letzte Track. „Powerless“ ist eine groovige Klavier-Ballade, die von Drums und Bass begleitet wird und den Feierabend einläutet. Der Song handelt von Machtlosigkeit, wobei er musikalisch eher das Gefühl von Souveränität und Selbstbewusstsein vermittelt. Diesen ausdrucksstarken Charakter bekommt er vor allem durch die Backing-Vocals. 


    Fazit

    Balthazars fünftes Album „Sand“ ist nicht nur der logische Nachfolger von „Fever“, sondern setzt den neugefundenen Sound weiter fort. Der elektronische Indie-Pop Sound zieht sich wie ein roter Faden durch das Album und verleiht diesem eine leichte und unbekümmerte Atmosphäre. Zeit wird immer wieder als Thema in den Songs aufgegriffen und lässt sich auch im Albumtitel wiederfinden. Es ist der Sand in einer Sanduhr, der in direkter Verbindung mit Zeit aber auch Unruhe und Ungeduld steht. Da steckt eine Art Konzept hinter – mag ich!

    Die begrenzten Möglichkeiten hat die Band genutzt, um neue Dinge auszuprobieren, was dem Album nicht geschadet hat. Es ist ein neuer Balthazar-Sound oder wie die Band selbst sagt: ein neues Kapitel.

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    Fotocredit: Alexander D’Hiet

  • Kaltenkirchen und die „PHASE 1: PANIK“-EP: Mit Musik ist alles nur noch halb so schlimm

    Kaltenkirchen aus Wien haben letzten Freitag eine neue EP veröffentlicht. Sie ist die erste von insgesamt vier EPs (!), die in einem 7-wöchigen Rhythmus (!) erscheinen und jeweils 3 bis 4 Songs beinhalten werden. Thematisch werden die Phasen, die Sänger Philip mit seiner Panik verbindet, und der Umgang damit behandelt. Den Grundstein für dieses Konzept legten Kaltenkirchen schon mit der im letzten Herbst erschienene Single „Trocken“. Den Anfang des EP-Quartetts macht nun aber erst einmal „PHASE 1: PANIK“, deren drei Songs sich Jule seeehr aufmerksam angehört hat (und dabei nicht wenig überrascht wurde).


    Bevor wir aber mit der EP starten, gibt’s noch etwas, was ich unbedingt noch loswerden möchte: Kaltenkirchen ist keine Onemanshow – sondern ein musikalisches Duo. Neben Sänger und Songwriter Philip Maria Stoeckenius gibt es da nämlich auch noch Produzent Niklas Pichler. Ohne den einen funktioniert das andere nicht, versteht ihr? Das geht leider manchmal etwas unter, deshalb: Niklas, I see you!

    Jetzt geht’s aber wirklich los: Es ist Freitagabend vor zwei Wochen, als ich mir „Phase 1: PANIK“ das erste Mal anhöre. Ich habe einen völlig (und damit meine ich: völlig) beschissenen Tag hinter mir. Mir geht’s schlecht und ich habe eine Stunde lang geheult, peace. Da ich aber weiß, dass mich eigentlich immer alles, was mit Kaltenkirchen zu tun hat, aufmuntert, beschließe ich, mich mit der EP auf andere Gedanken zu bringen.


    Nur noch 5mm.. bis meine Kinnlade den Boden erreicht

    Der erste Song heißt „5MM“ und klingt in den ersten Sekunden nach dem mir vertrauten Kaltenkirchen-Sound. Sanfter, elektronischer Beat, leichter Hall auf der Stimme, lieb ich. Aber dann der Refrain… Ich glaube, in diesem Moment in der Küche gestanden zu haben, als ich kurz ziemlich perplex bin. Das ist nicht unbedingt mein musikalisches Fachgebiet, aber ich lausche gerade astreinen Rap-Vibes? Ich kann mich im ersten Moment gar nicht auf die Lyrics konzentrieren, weil ich das erstmal verarbeiten muss. Es ist anders, wirklich komplett anders als alles, was Kaltenkirchen bisher war. Ich bin ehrlich, ich muss „5MM“ repeaten, um mich auch den Lyrics widmen zu können.


    „Noch 5mm, bis der Faden reißt
    Nur noch 5mm, bis zum Knochen im Fleisch“


    Was man dem Text sofort anhört: Er kommt aus einer ganz anderen Stelle des Herzens als beispielsweise die Texte des Debütalbums „Im Namen der Liebe“. Es ist nicht das Verarbeiten von Situationen, die man passiv miterlebt. Es ist vielmehr das Verarbeiten höchstpersönlicher Gefühle. Man hört aus den Strophen die Verzweiflung und Machtlosigkeit sprechen. Warum schaut ihr nur zu? Warum helft ihr nicht? Warum kann ich mir gerade selbst nicht helfen? Ich würde hier am liebsten sämtliche Zeilen zitieren, weil sie mehr sagen als ich es je könnte. Das ist auf jeden Fall ein soundmäßig komplett überraschender und äußerst berührender Opener. Ich bin all in, weiter geht’s.


    Panik und Ausgelassenheit – der Twist macht’s
    Kaltenkirchen, Kim Hoss, Phase 1 Panik, EP, 5MM, Panik, Risiko, Anoki, Antischlager, Indie, Musik, Online, Blog, Blogger, Magazin, untold, untoldency


    Auf den zweiten Song der EP bin ich persönlich sehr gespannt. Denn „PANIK“ ist ein Feature mit Anoki, den ich euch auch schon als heißen Tipp bei unseren artists to watch 2021 ans Herz gelegt habe. Der Song startet mit überraschend fröhlichen Upbeats, die Stimmung ist eine völlig andere als noch eben bei „5MM“. Ich, immer noch in meiner Küche stehend, kann mir ein kleines Tänzchen jetzt absolut nicht verkneifen. Und dann folgt diese Textzeile: „Du bist Panik, ich bin Philip / aber irgendwann ist Schluss“. Also wer hier nicht wenigstens mal kurz zusammenzuckt, ist wirklich frei von sämtlichen Gefühlen. Ich unterbreche mein Rumgezappel und werde mir kurz, aber intensiv, wieder der Realität bewusst. Ich bin hin- und hergerissen zwischen Philips lieblicher Stimme, Anokis erstem Mal, sich musikalisch mit seinen Panikattacken auseinanderzusetzen, und dieser geilen Melodie.


    „Ich bin eins mit meiner Panik
    Ich hab Angst sie zu verlieren
    Bin allein auch wenn sie da ist

    Was wär ich nur ohne sie?“


    Mit „PANIK“ haben Kaltenkirchen und Anoki einfach abgeliefert. Dieser Twist aus Panik fühlen und sich darauf einlassen, sie ja eigentlich sogar zu feiern – ich brülle. Der Vibe könnte gegensätzlicher fast nicht sein und ergibt dennoch so eine harmonische Symbiose. Dieser Song macht einfach völlig Sinn. Ich erwische mich dabei, dass ich ihn noch drei bis siebzehn Mal höre, bevor ich mich dem letzten Track widmen kann. „PANIK“ hat mich völlig in seinen Bann gezogen. An dieser Stelle auch einfach ehrlich ein heftiges shout out an Niklas. Dieser Mann ist einfach ein Hits produzierendes Genie, ich kann’s nicht anders sagen.


    Gib‘ uns einfach noch mehr Risiko

    Der letzte Song der EP heißt „RISIKO“ und kratzt wieder etwas mehr an den früheren Sounds von Kaltenkirchen. Wobei das geschulte Ohr auch dezente Kummer-Vibes raushören kann. Textlich hebt sich dieser Song total von den beiden davor ab – er verfällt nämlich dem von mir immer noch sehr geliebten Muster, Interpretationsspielraum zu lassen. Der Song thematisiert das Spielen mit den Extremen, um von der Panik loszukommen. Die Leichtigkeit von eben weicht einem Adrenalinstoß, der dich einfach nur ausbrechen lassen will.


    „Komm wir springen jetzt hier rein
    Vergessen Raum, vergessen Zeit
    Spürst du auch dass du so leicht bist?
    Spürst du auch, dass du soweit bist?


    Nicht, dass es bei „5MM“ und „PANIK“ nicht so wäre, aber ich kann mir „RISIKO“ einfach so richtig geil in live vorstellen. Die Melodien und der Refrain laden förmlich dazu ein, laut mitzugröhlen und zum Beat durch einen stickigen Club zu springen. Ich kann’s jedenfalls kaum abwarten, bis das endlich so weit sein wird. Und dann will ich euch alle sehen und hören. Das wird wunderschön.


    Fazit

    Also wer diesen Artikel aufmerksam gelesen hat, dem ist mehr als bewusst, wie begeistert ich mal wieder von Kaltenkirchen bin. Der Sound hat sich verändert, so wie auch die Menschen dahinter sich verändert haben. Eigentlich tu ich mich mit Veränderungen immer etwas schwer, aber hier hat sie mich einfach nur von den Socken gehauen. Mir ging es beschissen, bevor ich die Songs gehört habe. Aber danach war alles einfach nur noch halb so schlimm.

    Mein absoluter Favorit der EP ist obviously „PANIK“, weil er durch seine Gegensätzlichkeit ganz spielerisch und wie von allein Freud und Leid miteinander verbindet. Er zeigt ganz wunderbar, dass man dem Leid auch immer etwas Positives abgewinnen kann, auch wenn’s schwer fällt. Und weil er einfach ein absoluter Hit ist, ich Anoki total feier und dieses Feature mich einfach nur glücklich macht. Nicht mehr und nicht weniger.

    Die Intention hinter allem, nämlich den offenen Umgang mit dem Thema Panikattacken bzw. mental health im Allgemeinen zu fördern und den Diskurs voranbringen, kann für uns alle, ob betroffen oder nicht, nur förderlich sein. Und ich bin mir sicher, dass Kaltenkirchen mit „PHASE 1“ wieder ein paar mehr Menschen an die Hand genommen hat. Mich allemal.

    Und übrigens, noch eine kleine Bitte: Ihr könnt aktuell beim österreichischen Radiosender FM4 die Neuvorstellungen für die FM4 Charts wählen. Und nu ratet mal, für welches tolle Feature ihr da abstimmen könnt? Exakt. Einfach hier klicken und etwas Gutes tun. Danke!


    Wer jetzt die „PHASE 1: PANIK“-EP von Kaltenkirchen hören möchte, der kann das hier tun:

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    Fotocredits: Kim Hoss / Steffen Geldner

  • Paul Weber packt seine Sachen und ist „Auf und davon“

    Die deutschsprachige Indiepop-Szene hat einen neuen Song zum in Dauerschleife hören: Paul Weber, der wahrscheinlich einzige Mensch, an dem Rollkragenpullover wirklich toll aussehen, hat nach seiner 2019 erschienen EP endlich wieder Musik veröffentlicht. Sein neuster Streich heißt „Auf und davon“ und hat mich direkt ein bisschen in Aufbruchsstimmung versetzt. Wieso, weshalb, warum? Das lest ihr jetzt.


    Die Freude im Hause Jule war riesengroß, als angekündigt wurde, dass eine neue Single von Paul Weber auf dem Weg ist. Wie oben schon erwähnt ist seine letzte EP „Ein neuer Tag“ nämlich schon knapp 1,5 Jahre alt. Meiner persönlichen Fan-Meinung nach war das daher jetzt aber auch echt allerhöchste Eisenbahn. Das Livestream-Konzert, welches er im Dezember im Rahmen unseres Adventskalenders gespielt hat (das findet ihr auf unserem IGTV, gern geschehen), hat mich noch etwas ungeduldiger gemacht. Ihr könnt euch also vorstellen, wie ich auf „Auf und davon“ gegeiert habe. Also nicht lang schnacken, lasst uns den Song einfach direkt starten.


    Ich packe meinen Koffer und nehme mit…

    Bevor ich auf Play drücke, erwische ich mich kurz bei der Hoffnung, dass der Song mich bitte irgendwohin entführen wird. Schon der Titel „Auf und davon“ sagt halt genau das aus, wonach ich mich gerade sehne. Die wichtigsten Dinge und Personen einpacken und einfach mal für ein paar Tage raus. Raus aus den vier Wänden, die man sich nun wirklich sattgesehen hat, und endlich mal wieder irgendwas entdecken. Als der Song dann beginnt, wirft er mich genau in diesen Modus. Ich habe Paul noch keine einzige Textzeile singen gehört, aber habe trotzdem schon die entsprechenden Roadtrip-Vibes. Kräftige Drums und energische Gitarren, die, wie ich, mal wieder was von der Welt sehen wollen. Der Sound beschwingt mich und erzeugt sofort gute Laune.


    „Lass uns irgendwo hin,
    wo uns kein Netz erreicht.
    Wo braune Haut türkises Wasser streift.“


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    Paul Weber hat es schon immer irgendwie geschafft, mich mit seinen Texten mitzureißen. Sei es mit Herzschmerz, Verbundenheit oder Ausgelassenheit. Er hat eine ganz wunderbare Art, mit seinen Texten bei mir die entsprechenden Emotionen hervorzurufen – ohne dabei schmierig oder gar theatralisch zu sein. Bei ihm klingt’s einfach immer.. echt. Ich bin überzeugt, dass wir beide einfach gerade dasselbe Fernweh fühlen und aus unserem seltsamen Lockdown-Alltag ausbrechen wollen. Man könnte sich sogar die Lyrics von „Auf und davon“ kurz wegdenken und würde den Vibe trotzdem fühlen, weil nur die Instrumente ihn schon absolut greifbar machen.

    Für mich kommt der „Auf und davon“ also genau im passenden Moment. Durch seinen uptempo-Beat erzeugt er schöne Gefühle von Freiheit. Und auch, wenn die nächste Welt-Erkundungstour wohl noch ein bisschen auf sich warten lässt, Paul Weber hat auf jeden Fall einen tollen Song geliefert, der die Wartezeit bis zum nächsten Kofferpacken um Einiges erträglich macht.


    Auch im dazugehörigen Musikvideo werden die Roadtrip-Vibes übrigens toll dargestellt. Es stammt mal wieder aus der Feder von Marian Hirschfeld, mit dem Paul Weber eigentlich schon seit Anbeginn der Zeit zusammenarbeitet. Vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass die Videos einfach immer super harmonisch zu den Songs passen. Aber schaut’s euch doch gerne einmal selbst an und lasst euch auf die Reise mitnehmen. Viel Spaß!

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    Fotocredit: Tim Löbbert

  • Zimmer90 mit ihrer Single „Baby“ (Frühlingsgefühle inklusive)

    Zimmer90 mit ihrer Single „Baby“ (Frühlingsgefühle inklusive)

    Darf ich euch Zimmer90 vorstellen? Das sind Joscha, Michi und Finn aus Stuttgart. Für die einen oder anderen, die sich in der deutschen Indie-Musiklandschaft zuhause fühlen, sind sie vielleicht schon kein Geheimtipp mehr, aber die drei haben auf jeden fall noch mehr Aufmerksamkeit verdient. Mit ihrem Indie-Electropop, wie sie es selbst betiteln, reihen sich die Jungs perfekt zu Bands wie Rikas, Shelter Boy oder Cinemagraph ein. Nicht umsonst findet man genau diese Bands auf der Spotify-Seite von Zimmer90 unter „Was anderen Fans gefällt“.


    Ein bisschen Feelgood-Indie zum Mitnehmen, bitte
    Zimmer90_2_(c)@mariopixic

    Das Trio hat sich bereits einen kleinen Namen in der Stuttgarter Gegend erspielt. 2020 haben sie sich dazu entschieden, ihre Musik auch mit dem Rest der Welt zu teilen – zum Glück! Ihr Song „Baby“ ist seit einer Woche in meinem Kopf stecken geblieben, vor allem die melodischen Synthies und Joscha, wie er „Baby, tell me, why i need your love, why i need your loooove“ singt. Je öfter ich den Song höre, desto lieber mag ich ihn. Er klingt nach einer Cabriofahrt am ersten richtig warmen Tag im Frühling, nach „das ersten mal Eis essen“ im Jahr. Nach der Slowdance-Szene auf dem Abschlussball eines Coming of Age-Film, ein bisschen kitschig, aber so schön! Oder nach „im Park liegen, in den Himmel schauen und vor sich hinträumen“.


    Gibt es eine rosarote Brille für die Ohren?

    Beim Schreiben kommt mir die Frage, ob es eigentlich ein Pendant zur rosaroten Brille, bloß für die Ohren, gibt? Wenn ja, hab ich wahrscheinlich genau das!

    Auch wenn der Sound super leicht und verträumt klingt, ist der Text dann doch eine Spur nachdenklicher und zweifelnder. Es werden Fragen aufgeworfen, wieso man eigentlich genau die Liebe des Gegenüber braucht oder wieso man so sehr daran festhält. Aber im Endeffekt kommt die richtige Erkenntnis:


    „All we know, all we know:
    love is nothing we should hide“


    Mit der Aussage bin ich ganz bei den drei Jungs von Zimmer90. Gerade jetzt sollten wir, glaube ich, versuchen noch ein bisschen mehr unsere Liebe zu zeigen und die positiven Dinge irgendwie zu betonen, so gut es eben geht. So wie ich hier mit meinem kleinen Liebesbrief an diesen Song.

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    Fotos: Mario Simic

  • Elena Steri verdeutlicht in „Pavement“: Auch ein stilles „Nein“ heißt „Nein“

    Elena Steri verdeutlicht in „Pavement“: Auch ein stilles „Nein“ heißt „Nein“

    Ein Song, ein Herzschlag. Das ist das erste, was mir einfällt, wenn Pavement, die neue Single von Singer Songwriterin Elena Steri, anspielt. But let’s rewind first. Wer ist Elena Steri und was macht Pavement zu so einem berührenden Song, dass mein erster Gedanke so kitschig zu sein scheint?

     
    Manchmal kommen die schönsten Klänge aus einer kleinen Ukulele

    Elena Steri ist eine von vielen talentierten Singer-Songwriter:innen da draußen und doch sticht sie heraus. Durch ihre Art, ihr Gefühl für Melodien, ihre persönlichen Geschichten hinter den Songs. Und ja, dazu kann man sich durchaus mal ne Ukulele schnappen. Das erste Mal von ihr gehört hab ich von den Jungs der Indie-Band A Tale Of Golden Keys als ich sie in Nürnberg besuchen war. Sie haben Elena als erstes und einziges Feature auf ihrer Single Whirling. Mit Pavement hat sie jetzt ihre erste Single dieses Jahr veröffentlicht und dazu eine sehr wichtige Message dagelassen. Ich lass euch erstmal erste Eindrücke im Video sammeln:

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    Ihr werdet merken, dass ich mit dem Herzschlag gar nicht so daneben lag. Kitschig ist es auf alle Fälle aber nicht. Eher das Gegenteil – es fühlt sich an wie kurz vor einer Panikattacke. Und wenn man das in dem lyrischen Kontext von Pavement setzt, dann macht das auch Sinn.

     
    Auch ein stilles „Nein“ heißt „Nein“.

    Pavement macht auf das Thema Missbrauch in Beziehungen aufmerksam, sowohl physisch als auch emotional. Es geht um die Situationen, in denen man nicht mehr unterscheiden kann, was ist okay und was ist es nicht. Um Momente, in denen man Dinge aus Angst oder aus Liebe tut, ohne „Nein“ zu sagen, aber definitiv „Nein“ zu meinen. Wer nicht „Ja“ sagt, sagt halt einfach nicht „Ja“. Eigentlich recht simpel. Pavement fängt diese Momente getrieben von Angst und Unwohlsein ein. Elena Steri schafft es mit ihrer klaren Stimme durch Strophen und Refrains zu leiten. Sie nimmt einen an die Hand während man die Reise, die Pavement ist, antritt. Der panische Herzschlag wird abgelöst von schönen Gitarrenmelodien, wechselt von erdrückend zu melodisch, baut sich ständig wieder auf, um dann wieder in seiner Quintessenz zurückzukehren. Diese Quintessenz ist Elena und eine Bridge, nur unterlegt von Klavier, die mir sehr viel Gänsehaut gibt:

    You always thought that I radiated peace

    But truthfully it was the silent fear you set in me

    You’d make me shiver ten feet apart

    Elena sagt selbst über den Song:

    “Ich habe mit einigen Leuten (vor allem Frauen) über diesen Aspekt von Beziehungen geredet. Fast allen ist im Nachhinein aufgefallen, dass da auf irgendeine Art und Weise Grenzen überschritten wurden, die im Nachgang eine Belastung hervorgerufen haben. Leider ist das auch immer noch ein Thema, über das gerade in der Musik eher wenig geredet wird, obwohl das was ist, was jedem passieren kann und vielen passiert.“

    Ihr merkt, Pavement ist nicht nur ein sehr schöner Song, sondern auch ein unglaublich wichtiger. Auch wenn es seit der #MeToo-Bewegung, die 2017 gestartet hat, immer mehr Impulse in diese Richtung gibt, so sind wir immer noch ganz weit weg, diese Probleme auch nur annähernd gelöst zu haben. Es ist einfach so tief verwurzelt, dass wie Elena in ihren Gesprächen gemerkt hat, man es manchmal gar nicht selbst merkt oder eingestehen will. Offen darüber zu sprechen und dieses Thema nicht ruhen zu lassen, sind wichtige Schritte in die richtige Richtung.

     
    “this just makes me sad in a good way and happy in a sad way”

    Elena Steri, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, elena steri, nürnberg, pavement, a tale of golden keys, whirlingDas ist ein YouTube Kommentar unter dem Video und ich fand es so passend, ich hab’s für Überschrift-Zwecke geklaut. Ihr habt das Video gerade ja schon geguckt (wenn nicht, scrollt hoch oder klickt hier), deshalb wisst wir, was ich meine, wenn ich sage: Wow. Es startet mit Elena selbst in einer Club-Toilette (mega unpassender Gedanke, aber ich vermisse Clubs) und stellt immer mehr Menschen vor, die sich in einem anderen Raum befinden. Bekleidet nur mit Unterwäsche und einer Maske erscheinen die Lyrics auf ihren Körpern – und ziehen mich völlig in den Bann. Im ersten Teil des Songs, der von diesem panischen Herzschlag getrieben wird, weiß auch die Kameraführung, wie sie mich mulmig fühlen lässt. Es wird rein- und rausgezoomt, die Szenenbilder drehen sich um 180° bis alles auf dem Kopf steht. Alles wirkt intim, aber auch ernst. Denn trotz viel nackter Haut geht es nicht darum, sondern um die Message, die auf ihr zu lesen ist:

    „In dem Video wollte ich zeigen, dass es jedem passieren kann. Deswegen haben die Statist*innen meistens Masken auf – um anfangs zu zeigen „Hey, da könnte jetzt absolut jeder stehen“ und am Ende „Das ist kein Thema, das unter den Tisch gekehrt werden sollte“. Außerdem wollten wir mit dieser leider oft immer noch überhöhten Körper-Ästhetik in Musikvideos brechen und Menschen einfach mal so zeigen wie sie sind. “

    Das hat Elena Steri auf jeden Fall gemacht. Das Musikvideo zu Pavement ist berührend auf eine intime Art, fühlt sich gleichzeitig aber auch sehr ernst und empowernd an. Das kombiniert mit den dann doch sehr schönen Klängen der Single zeigt, dass wir hier etwas ganz Besonderes haben. 

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    Fotocredit: Zoe Jungmann

  • Friday the Fifth und ihre Debüt-EP „Fresco“: Cheesy, ohne kitschig zu sein

    Heute gibt’s mal wieder was für alle Newcomer-Liebhaber: Am 05.02.2021 haben Friday the Fifth ohne große Vorankündigung ihre erste EP „Fresco“ rausgehauen. Und bestätigen damit meine seit langem bestehende These: Kassel gehört einfach zu den Top-Musikstädten Deutschlands. Punkt. Was die EP mit einer Pizza, Pokémon und O.C. California zu tun hat, lest ihr jetzt in der Review.


    Zwar ist es das erste richtige musikalische Lebenszeichen des Trios, kennen tun sich Friday the Fifth, die aus Chris Umbach, Tobias Kolle und Leonard Hildebrand bestehen, aber schon ewig. Und wer den Youtube-Channel mal auscheckt, der findet auch raus, wie lange „ewig“ schon ist. Wer aber denkt, dass viel Zeit dafür draufgegangen ist, den gemeinsamen Sound zu finden, der irrt sich. Laut eigener Aussage dauerte es genau eine Probe, bis sie sich dessen sicher waren. Seitdem haben sich die Jungs aber auch ausgiebig darum gekümmert, die perfekte vierte Zutat der „Cheezi Margherita“ zu finden. Was ich da laber, fragt ihr euch? Ja, da muss ich wohl etwas ausholen: Die „Cheezi Margherita“ ist eine Wunschpizza, die man mit vier Zutaten nach Wahl belegen lassen kann. Bei Ananas, Gorgonzola und Jalapenos waren sie sich einig. Aber welche Zutat macht die Pizza nun zu einer perfekten? Ihr fragt euch abermals, was ich da laber und wieso? Wartet ab, das macht gleich Sinn. Denn wisst ihr, wo man diese „Cheezi Margherita“ bekommt? Bei Pizza Fresco in Kassel.


    Ja, das habe ich gerade wirklich geschrieben. Ich konnte es im ersten Moment auch nicht glauben. Aber nachdem ich kurz Dr. Google gefragt habe, bin ich tatsächlich auf Pizza Fresco gestoßen und auch die erwähnte „Cheezi Margherita“-Pizza habe ich gefunden.

    Wir merken uns also erst einmal: Friday the Fifth haben ihre erste EP tatsächlich einer Pizzeria gewidmet. Dass man bei der „Cheezi Margherita“ eben aus vier Zutaten wählen kann und auch die „Fresco“-EP mit vier Songs belegt ist, ist übrigens reiner Zufall… Aber dann lasst uns jetzt doch mal abchecken, ob’s schmeckt und ob der Käserand ballert:


    Schon zum Anfang lautet die Devise: „Getting Higher“

    So wie meistens, wenn ich mir neue Musik anhöre, hänge ich sitzliegend auf der Couch, als ich auf Play drücke und „Getting Higher“ starte. Doch es dauert nur ein „one, two, three, four“ und ich naja, ich stehe jetzt. Ich bin in einem Universum voll von E-Gitarren und Drums und spüre direkt meine große Konzert-Sehnsucht. Für die einsetzende Strophe wird’s bisschen softer und ich kann mich kurz wieder setzen. Inhaltlich geht es um den Wunsch, aus seinen Ängsten auszubrechen, weil es doch noch so viel mehr gibt. Aber es ist manchmal gar nicht so einfach, über seinen Schatten zu springen und das Ziel von higher getten zu erreichen. Irgendwie aufmunternd bricht „Getting Higher“ im Refrain wieder aus – und ich stehe erneut tanzend vor meiner Couch. Lyrics und Vocals stehen stimmungsmäßig in einem krassen Kontrast zu den Instrumentals. Der Gesang könnte nämlich auch problemlos als Ballade verpackt werden. Das sind genau die Spielereien, die ich liebe!

    „Getting Higher“ ist auf jeden Fall ein catchy Opener und ein Song, der so richtig abgehen wird, wenn Friday the Fifth den irgendwann mal live spielen dürfen und man nicht alleine im Wohnzimmer feiern muss. Denn er fordert ganz von allein zum Tanzen auf und dazu, einfach mal kurz alles von sich abzuschütteln. I like that schon mal sehr.


    „Mew“, also so wie das Pokémon. Oder?

    Weiter geht’s mit einem Song, der mich mit einem starkem Bass-Beat begrüßt, der sich von meinen Ohren direkt in meine Bauchregion katapultiert. Kennt ihr dieses Basskribbeln? Wie auch immer. Die Lyrics von „Mew“ holen mich sofort völlig ab, weil sie eigentlich genau die Mood wiedergeben, in der ich mich seit einem Jahr befinde. Der Song klingt lediglich zu 200 % belebter und beschwingter als ich es zwischenzeitlich war, naja.


    „Don’t ask, just live, there is so much to give
    Do not hesitate, there is a chance to take“


    Neben dem Text finde ich aber noch einen Aspekt des Songs richtig geil: Die Melodie des Refrains. Die ist irgendwie so völlig anders als das, was man aus „typischen“ Pop-Refrains kennt. Ich gebe zu: Ich habe „Mew“ das komplette Release-Wochenende über in Dauerschleife laufen lassen, weil ich einfach nicht genug von der Melodie bekommen konnte. Und während ich das hier gerade tippe, summe ich sie schon wieder vor mich hin. Auf jeden Fall mein persönlicher Favorit der EP und ein Song, von dem ich jetzt schon weiß, dass er mich noch ganz lange begleiten wird.

    Was genau er aber nun mit Miauen oder dem gleichnamigen Pokémon zu tun hat, weiß ich nicht so genau. Ich habe nach der Pizzeria-Hommage aber auch ein bisschen Angst vor der Antwort, muss ich sagen. Ich finde den Song auf jeden Fall mega geil und nur darauf kommt es ja letztendlich an (ja, das habe ich mir gerade schön geredet, gut kombiniert).


    Nicht nur die Liebe geht „Different Ways“

    Dem nächsten Track, „Different Ways“, hört man schon in den ersten Sekunden an, dass der Vibe hier ein völlig anderer ist. Etwas lieblicher, aber ohne auf die prägnanten (geilen!) Riffs zu verzichten. Ganz offensichtlich geht’s hier um das mal mehr, mal weniger schöne Thema Liebe. Die Lyrics erzählen eine bisschen süße Geschichte, die trotzdem irgendwie resigniert vorgetragen wird. Das Song-Tempo ist etwas reduzierter als zuvor. Ich konzentriere mich deshalb auf eine völlig andere Art auf die Stimme von Sänger Tobias – die für meine Ohren übrigens eine unfassbar schöne Klangfarbe und einen krassen Wiedererkennungswert hat. Ein riesiges Highlight des Songs ist aber auch das Ende: Friday the Fifth liefern da nämlich einen astreinen Gitarrenslot ab, der für mich noch ewig hätte weitergehen können. Hach, ich kann euch gar nicht sagen, wie sehr ich das live hören möchte…

    Als vorletzter Song gibt „Different Ways“ der EP einen richtig gut gesetzten Twist. Nachdem ich erst getanzt und dann einen neuen Ohrwurm in meinem Gehirn begrüßt habe, bekomme ich hier die nötige Portion Emotion gereicht, die trotz des Pizza-Hintergrunds der EP nicht cheesy wirkt. Super geil umgesetzt.


    Ein Waldspaziergang mit „Autumn Girl“

    Der letzte Song der „Fresco“-EP beginnt abermals mit einem geilen Bass-Riff. Ich bemerke also erneut, wie geil ich gepflegte E-Bass-Riffs finde. „Autumn Girl“ beamt mich ziemlich fix an einen leicht grauen Herbsttag und einem lonely Spaziergang im Wald, bei dem man versucht, seine Gedanken zu ordnen. Die Bildsprache der Lyrics tut da ihr Übriges. Der Sound selbst ist aber auch ziemlich spannend, geht er doch teilweise schon fast ins Jazzige. Friday the Fifth zeigen also auch hier wieder einen völlig anderen Aspekt ihre Musik.


    „All the leaves become brown,
    desiccate and then fall down.
    Wishing you were here by me
    to end this fucking misery“


    Kennt hier eigentlich noch jemand O.C. California? Wenn ja, dann kennt ihr sicher auch noch die Songs, die da immer liefen. Und jetzt soll mir mal jemand sagen, dass „Autumn Girl“ nicht perfekt in den Soundtrack passen würde? Zwar würden die Protagonisten nicht zwingend einen herbstlichen Waldspaziergang machen, aber auch am Strand von Newport Beach kann man ja gedankenverloren langspazieren, während das perfekt gewellte Haar leicht im Wind weht.


    „Fresco“ ist cheesy, ohne kitschig zu sein

    Das war’s also, ich bin also durch mit der Debüt-EP von Friday the Fifth – und sie hat mich durch die Bank weg komplett überzeugt. Das beginnt mit der Pizza-Story, geht über den geilen Miau-Song, weiter zu meiner neu entdeckten Liebe für E-Bass und endet in einem Villenviertel in Kalifornien. Viel mehr kann man von vier Songs eigentlich nicht erwarten, oder? Dann noch der Umstand, dass die Jungs ernsthaft eine MySpace-Seite führen… Dieses Konzept unterhält mich extrem und holt mich und mein 14-jähriges Ich völlig ab.

    Mit „Fresco“ zeigen die Jungs schon mit ihrem Einstieg, wie versiert, aber doch gradlinig ihr Sound ist. Mir war nicht eine Sekunde lang langweilig, weil die Instrumentals mich einfach mit auf eine Reise genommen haben. Und wenn die mal eben durchatmen, dann sind da immer noch die tollen Vocals, die mich liebevoll auffangen.

    Dieses Debüt ist also ohne Abzüge völlig gelungen. Und wie ich schon mehrfach erwähnt habe: Wartet mal ab, bis ihr die Songs live auf einer Bühne hört, das wird nochmal ein ganz anderes Level. Und ratet mal, wer nach Kassel fahren und bei Pizza Fresco eine „Cheezi Margherita“ ausprobieren wird, sobald das wieder möglich ist…

    Von mir gibt’s jedenfalls eine absolute Hörempfehlung und zwar umgehend, denn iht könnt euch „Fresco“ von Friday the Fifth direkt hier anhören, viel Spaß:


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    P.S.: Die perfekte vierte Zutat auf der „Cheezi Margherita“ sind laut Friday the Fifth übrigens „Spaghetti“. Ich werde berichten.