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Kaltenkirchen mit “Trocken” und seinem Umgang mit Panikattacken

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Unser Lieblings-Antischlager Kaltenkirchen hat seine neue Single “Trocken” veröffentlicht, mit der er auf das auch ihn betreffende Thema Panikattacken aufmerksam macht. Die hard facts zum Song erfahrt ihr jetzt vom Kaltenkirchen-Fan der ersten Stunde, Jule.

Es gibt so Nachrichten, über die freut man sich einfach mehr als über andere. „Hey Jule, am 16.10. erscheint eine neue Kaltenkirchen-Single“ gehört eindeutig dazu. Auch wenn das Thema des Songs, ihn quälende Panikattacken, nicht das Erfreulichste ist, ist es doch umso schöner, dass Kaltenkirchen mit seiner Musik darauf aufmerksam machen will. Um den offenen Umgang damit und mit psychischen Erkrankungen im Allgemeinen zu fördern und Betroffenen zu sagen: „Du bist nicht allein“.


Hoffentlich bald wieder trocken, runter von dem Scheiß

Schon mit der ersten Sekunde des Songs, der mit panischem, schwerem Atmen von Kaltenkirchen beginnt, wird mir ein bisschen anders. Ich muss dazu sagen, dass ich riesengroßes Glück habe und von psychischen Erkrankungen bisher verschont wurde. Ich kann diese Gefühle daher nicht nachvollziehen, versuche aber bestmöglich, sie zu verstehen. Der einsetzende und sich durch den Song ziehende Beat, der wie ein heftiger Herzschlag klingt, gibt mir irgendwie ein beklemmendes Gefühl. Ich kann das, was Kaltenkirchen mir im Interview zu seiner letzten Single “Gehst Du Davon” über seine Panikattacken erzählt hat, plötzlich irgendwie spüren. In “Trocken” behandelt er aber nicht nur die Panikattacken selbst. Sondern auch das auf Psychopharmaka angewiesen sein. Von den Medikamenten, die ihm helfen, diese Phasen zu überstehen. Von denen er aber dennoch lieber gestern als heute wieder loskommen möchte. Um sein Leben wieder selbstbestimmt und bestenfalls ohne Panikattacken zu leben.

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Ich wach’ auf, schweißgebadet,
sehe Dinge, die nicht da sind.
Das Szenario, ein Betrug.
Bin auf kaltem Entzug.

Auch soundtechnisch hört man Kaltenkirchen an, dass er sich gerade in einer neuen Phase seines Lebens befindet. Oder in einer, in der er sich schon lange befindet, es jetzt aber erst akut bemerkt. Im oben schon angesprochenen Interview hat er erwähnt, in letzter Zeit viel Kummer gehört zu haben. Yes, diese Inspiration kann man gut raushören. Die von ihm gern genutzten und von Produzent Niklas Pichler mal wieder vorzüglich in Szene gesetzten Synthies erzeugen inzwischen aber eine andere, weniger liebliche Atmosphäre. Selbst ohne Gesang hört man dem Sound sehr Schwermütigkeit an.

Psychische Erkrankungen, die tausend Gesichter haben können, werden heutzutage noch immer gerne totgeschwiegen. Ich zitiere Kaltenkirchen einmal, weil den Nagel bereits selbst auf den Kopf getroffen hat: „Bei Problemen mit der Leber oder einem gebrochenen Bein geht man ja auch zum Arzt, aber scheut sich davor, sich bei psychischen Problemen behandeln zu lassen. Dabei ist das völlig normal und sollte auch viel transparenter besprochen werden“. Mit genau dieser Attitüde sollten wir alle durch’s Leben gehen. Haltet die Augen offen. Achtet auf eure Mitmenschen. Und vor allen Dingen: Achtet auf euch selbst und auf die Zeichen, die euer Körper euch gibt. Schämt euch nicht, wenn es euch nicht gut geht. Schämt euch für nichts. Denn dieses Thema darfnicht länger ein Tabu sein. Und Kaltenkirchen hat mit Trocken vielleicht einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung Enttabuisierung gemacht. Danke.

Hier könnt ihr euch auch gerne noch das Musikvideo zu “Trocken” anschauen, viel Spaß:

Fotocredit: Steffen Geldner

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