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SALÒ sehnt sich in “Oxytocin” nach Zuneigung und Zärtlichkeit

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Im Sommer 2019 veröffentlichte SALÒ seine erste Single „Tränen zu Wein“. Im letzten Jahr folgte dann die gleichnamige EP. Mit seiner aktuellen Single „Oxytocin“ befindet sich der Österreicher gerade auf dem Weg zur zweiten EP, die „120 Jahre Einsamkeit“ heißen wird. Jule nimmt euch daher heute mit in die verrückte Soundwelt von SALÒ und wirft auch ein Auge auf das grandiose Musikvideo zu „Oxytocin“.


Das erste Mal bin ich auf SALÒ aufmerksam geworden, als seine EP in meiner Bubble die Runde machte. Laut seinem Pressetext macht er „Musik für Hundestreichler*innen, Arbeitsverweigernde und alle, die sonst noch Gefühle haben“. Da fühle ich mich auf mehreren Ebenen angesprochen. Bis heute gehört „Elektroplasma“ übrigens zu einem meiner Lieblingssongs – und befindet sich deshalb auch in unserer Team-Playlist unter den drei von mir ausgewählten Hits. Der in Wien lebende SALÒ vereint mit seinem Sound eine wilde Mischung aus EBM, Pop und verträumtem Elektropunk. Es klingt irgendwie dreckig, aber liebevoll und ehrlich. Seine Texte handeln zu einem hohen Prozentsatz von der, wie er sie nennt, schönsten Geisteskrankheit der Welt: Liebe.


„Da wo ich heute hin will ist verbotenes Revier, ich will zu dir“

Auch in „Oxytocin“ geht es um Liebe bzw. darum, diese in Zeiten des Lockdowns und Alleineseins höchstens virtuell, aber nicht körperlich zu erleben. Oxytocin ist das sogenannte „Kuschelhormon“, das der Körper sowohl bei der Geburt als auch bei jeglicher Form von körperlicher Nähe ausschüttet. SALÒ beschreibt in dem gleichnamigen Song gnadenlos seine Erfahrungen mit dem plötzlichen Wegbrechen sozialer Kontakte und den kalten Entzug von eben jenem Hormon. Ein Aspekt seiner Musik, die sie für mich eben so besonders macht, ist die Lyrik, mit der SALÒ seine Geschichten erzählt. Seine Wortwahl ist unmissverständlich, manchmal sogar brachial. Aber sie ist so ehrlich, dass ich immer das Gefühl habe, sein pures Innerstes präsentiert zu bekommen. Ein persönlicher Pluspunkt: Ich habe einen kleinen Crush auf seinen österreichischen Akzent, den man hier und da mal raushören kann.

Der Sound von „Oxytocin“ ist geprägt von elektronischen Beats, die eindringlich hämmern und mir durch ihren psychedelischen Klang tatsächlich das Gefühl eines Entzuges vermitteln. Der dazu von SALÒ fast wie eine Offenbarung vorgetragene Text und das immer wieder laut nach Luft schnappen wirkt so eindringlich auf mich, dass ich das bestechende Bedürfnis habe, ihn einfach mit einer herzlichen Umarmung aus seinem Kampf zu befreien. Das klingt extrem pathetisch, i know, ist aber genau das, was „Oxytocin“ in mir auslöst.



Das Musikvideo zu „Oxytocin“ erzählt die Geschichte dann noch einmal auf einem völlig anderen Level. Aufgrund der fehlenden sozialen Kontakte und Zuneigungen stürzen wir uns gezwungenermaßen in die digitale Welt. Versuchen dort (meistens kläglich) das zu bekommen, was uns im realen Leben gerade fehlt. In dem Video, das von Marlon Nicolaisen gezaubert wurde, rennt ein animierter SALÒ wie ein wildgewordener Sims-Charakter durch ein altes Windows-Betriebssystem. Auf einem absurd großen Mauscursor surft er vorbei an all den abgelegten Ordnern seiner Festplatte – ständig auf der Suche nach dem so schmerzlich vermissten Oxytocin. Eine Bildsprache, die nicht passender zum Song hätte passen können.

Checkt SALÒ auf jeden Fall mal aus. Ein Vöglein hat mir gezwitschert, dass wir auch gar nicht mehr lange auf den nächsten Vorboten zur „120 Jahre Einsamkeit“-EP warten müssen. Und bis dahin könnt ihr euch entweder das Musikvideo in Dauerschleife reinziehen, oder den Song ganz easy in eure Spotify-Playlist packen!


Fotocredit: Kurt Bauer

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