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Keine Fata Morgana: Balthazar und ihr neues Album „Sand“

Zwei Jahre ist es her, dass Balthazar ihr letztes Album „Fever“ veröffentlicht haben. Ein Album, das ich rauf und runter gehört habe und zu einer meiner Top-Alben aus dem Jahre 2019 zählt. Umso gespannter war ich als die Band letzten November ihr fünftes Album „Sand“ ankündigte. Seitdem sind bereits drei Single-Auskopplungen erschienen, die einen Vorgeschmack auf das neue Album geben. 


Balthazar ist eine fünfköpfige Indie-Rock Band aus Belgien, die seit 2004 gemeinsam Musik machen. Es sind die zwei Frontmänner Maarten Devoldere und Jinte Deprez, die perfekt harmonieren und der Band mit ihren Stimmen einen besonderen Charakter verleihen. Während die Band ihre ersten Alben „Applause“ (2011) und „Rats“ (2012) selber produziert haben, ist ihr drittes Album „Thin Walls“ mit dem britischen Produzenten Ben Hillier entstanden, der bereits mit Depeche Mode und Blur zusammengearbeitet hat. Ein Geheimtipp sind die Belgier allerdings nicht mehr. Neben dem legendären Glastonbury Festival konnte man Balthazar schon auf dem Southside/Hurricane oder dem Pinkpop live erleben. In ihrem Heimatland Belgien gab es natürlich auch schon zahlreiche Gigs, unter anderem auf dem Rock Werchter oder dem Pukkelpop Festival.


„Losers“

Die erste Single-Auskopplung “Losers” lässt seit dem Release im Oktober 2020 schon erahnen, in welche Richtung das neue Album musikalisch gehen könnte – die Reise nach „Fever“ wird fortgesetzt. In “Losers” trifft grooviger Bass auf Synthies und hohem Gesang im Refrain. 


“There’s a theme running through
these tracks, waiting, restlessness,
not being able to live in the moment or
putting your trust into the future.“


Die Anfänge von “Sand” entstanden bereits während ihrer letzten Tour. Auf Grund der schwierigen Zeiten und der begrenzten Möglichkeiten entwickelte sich der Sound des neuen Albums jedoch in eine andere Richtung. Gemeinsame Studiotermine waren nicht mehr möglich, wodurch viel mit Samples und elektronischen Instrumenten gearbeitet wurde. Balthazar verarbeiten in “Sand” Themen wie Ungeduld und Rastlosigkeit („Moment“, „Hourglass“), gescheiterte Beziehungen („You Won’t Come Around“, „Leaving Antwerp“) oder das mentale Feststecken in bestimmten Lebensphasen („On A Roll“). Teilweise passt die Thematik der Songs also ziemlich gut zur aktuellen Lage. 


“On A Roll”

“On A Roll” – der letzte Song, der bereits vor dem Album-Release das Licht der Welt erblickte. Dieser handelt von einem Mangel an Kontrolle und dem Gefangen sein in immer wiederkehrenden Gewohnheiten. Inspiriert von der Idee, dass die eigene Psyche ein Käfig ist, aus dem man nicht herauskommt. 


„Linger On“ und „Hourglass“ 

Linger On” spielt mit Bass- und Synthie-Sounds, die zum Tanzen einladen und dich sofort catchen. Zeit ist dabei ein Thema, das sich durch das ganze Album zieht und auch in “Linger On” eine Rolle spielt. In “Hourglass” thematisieren Balthazar das Gefühl von Ungeduld und Rastlosigkeit. Passend zum Albumtitel findet sich diese Thematik in Form einer Sanduhr Metapher im Song wieder. Während das Intro von Streichern und Percussion-Instrumenten dominiert wird, ertönt mit dem Einsatz des Gesangs das typische Balthazar-Bass-Motiv. Ein ziemlich mitreißender Song, aber welcher Song der Jungs tut das eigentlich nicht?


Band-Pause und neuer Sound 

Ihr letztes Studioalbum „Fever“ erschien 2019 nach einer längeren Pause, die beide Frontmänner für ihre Soloprojekte genutzt haben. Der frische Wind tat dem Album verdammt gut, vor allem aber der Band, verriet einer der beiden Sänger im Interview. Die Neuorientierung bleibt auch musikalisch nicht unentdeckt. „Fever“ vereint all das, was Maarten Devoldere und Jinte Deprez aus ihren Solo-Projekten mitgenommen haben. Es kombiniert bass-lastige Sounds mit eleganten Melodien und Streichern.

Dieser „Fever“-Sound lässt sich auf “Sand” definitiv wiederfinden. Das neue Album bleibt dem zuvor gefundenen Sound treu und führt diesen lediglich weiter aus – kein klassischer Indie-Rock, dafür mehr Electronic Pop. Ähnlich wie auf „Fever“ spielen Bass und Synthies eine prägnante Rolle, hinzukommen Drum-Samples. Das Album lässt dich entspannt mitwippen und hat dennoch einen catchy Vibe, der gute Laune verbreitet. Traurige und melancholische Songs sind hier Fehlanzeige!


„Halfway“

“Losers” ist nicht der erste Song, der vom neuen Album veröffentlicht wurde. Im Februar 2020, während der andauernden „Fever“-Tour, veröffentlichten Balthazar bereits die Single “Halfway“. Hier stehen die Drums klar im Fokus des Songs und fordern zum Tanzen auf – Ohrwurm-Potenzial!


„Leaving Antwerp“ und „Powerless“

Mit “Leaving Antwerp” liefern Balthazar einen Breakup-Song aus Sicht der Person, die sich einen Neuanfang wünscht. Auch hier sind Synthies und Bass wieder prägnant im Vordergrund und werden in der Bridge durch Saxophon und Streicher ergänzt. Mein persönlicher Favorit ist der letzte Track. “Powerless” ist eine groovige Klavier-Ballade, die von Drums und Bass begleitet wird und den Feierabend einläutet. Der Song handelt von Machtlosigkeit, wobei er musikalisch eher das Gefühl von Souveränität und Selbstbewusstsein vermittelt. Diesen ausdrucksstarken Charakter bekommt er vor allem durch die Backing-Vocals. 


Fazit

Balthazars fünftes Album „Sand“ ist nicht nur der logische Nachfolger von „Fever“, sondern setzt den neugefundenen Sound weiter fort. Der elektronische Indie-Pop Sound zieht sich wie ein roter Faden durch das Album und verleiht diesem eine leichte und unbekümmerte Atmosphäre. Zeit wird immer wieder als Thema in den Songs aufgegriffen und lässt sich auch im Albumtitel wiederfinden. Es ist der Sand in einer Sanduhr, der in direkter Verbindung mit Zeit aber auch Unruhe und Ungeduld steht. Da steckt eine Art Konzept hinter – mag ich!

Die begrenzten Möglichkeiten hat die Band genutzt, um neue Dinge auszuprobieren, was dem Album nicht geschadet hat. Es ist ein neuer Balthazar-Sound oder wie die Band selbst sagt: ein neues Kapitel.

Fotocredit: Alexander D’Hiet

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