Autor: Julia

  • Julias Jahresrückblick: Musikalische Neuentdeckungen auf Dauerschleife

    Julias Jahresrückblick: Musikalische Neuentdeckungen auf Dauerschleife

    Alljährlich werden wir im Dezember mit diversen Jahresrückblicken berieselt, die einem so oft auch mal einen Kloß im Hals verpassen. Hinter meinem musikalischen Jahresrückblick verbirgt sich zum Glück nur Freude über die großartigen Künstler*innen, die mich 2024 so fleißig begleitet haben. – Eine Reihe musikalischer Neuentdeckungen auf Dauerschleife, gute Konzerte und viel Altbewährtes mit meinen Top-Songs und -Alben aus diesem Jahr.


    MEINE TOP SONGS AUS 2024

    In diesem Jahr war ich mir zum ersten Mal ziemlich sicher, welcher Song es auf Platz 1 meiner meist gehörten Songs schaffen wird – laut Statistik. Keinen Song habe ich 2024 so dermaßen auf Dauerschleife gehört wie „Messy“ von Lola Young. Ein – für mich – sehr feministischer Song, in dem Lola Young beschreibt, wie man es nie irgendjemandem recht machen kann. Sie reflektiert dabei vor allem auch sich selbst. Ein Ohrwurm, den ich bis heute nicht loswerde (und auch nicht möchte).


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    Neben Lola Young hat mich auch Olivia Dean wieder in den Bann gezogen, diesmal mit ihrem Song „Time“. An zwei Orten gleichzeitig sein, jeder Person im Leben alles geben zu können und dabei auch Zeit zu für sich selbst zu haben? Der Song klingt so wunderschön leicht und hin- und hergerissen zu gleich. Ich halte ihre Stimme einfach für perfekt. Nach ihrem Debütalbum bekomme ich nicht genug von ihr und ihrem Songwriting.

    Nun, was wäre dieser Jahresrückblick ohne die Nennung der australischen Neuentdeckung Royal Otis? Um ehrlich zu sein, könnte hier vermutlich jeglicher Song der Band stehen, denn ihre ganze Diskographie hat mich in diesem Jahr ununterbrochen begleitet. Mit „Foam“ habe ich den letzten meiner Top-3 Songs gekürt, der den Vibe der Band ziemlich gut widerspiegelt – locker, schwungvoll, mit dem perfekten Bass. Ein Muster lässt sich bisher auf jeden Fall erkennen: Neuentdeckungen machen sich gut auf Dauerschleife.

    Da 2024 noch viele andere gute Songs rausgekommen sind, die man gehört haben muss, folgt eine Sneak Peak aus meiner Jahresrückblick-Playlist: „Lullaby for the Lost“ von Current Joys, „Flowers“ von Jordan Rakei, „Son“ von Palace, „Flicker of Light“ von Lola Young, „Sundowner“ von Fontaines D.C., „Me And the Dog“ von Sam Fender, „Showtime“ von Catfish and the Bottlemen.


    MEINE TOP ALBEN AUS 2024

    Hach, wer hätte das gedacht. Royal Otis landen mit ihrem Debütalbum „Pratts & Pain“ zum zweiten Mal in diesem Jahresrückblick. Anders ginge das auch nicht, denn kein Album habe ich mehr verschlungen. Von Songs wie „Merry Mary Marry Me“, „Always Always“ oder „Till The Morning“ habe ich mich bis heute nicht erholt. Es passiert zwar nicht allzu selten, aber auf diesem Album gibt es einfach keine Flops. Nun durfte ich Royal Otis dieses Jahr zwei Mal live erleben und kann überzeugt behaupten, dass das Duo auch live und in Farbe Herzrasen bei mir verursacht hat. Gleichzeitig ist das relativ amüsant, denn beide erinnern mich mit ihrer gleichgültigen und lässigen Attitude auf der Bühne an Liam und Noel Gallagher von Oasis.

    Über das folgende Album habe ich im vergangenen Februar bereits eine Review geschrieben und darf hier natürlich nicht fehlen. Declan McKenna ist keine Neuentdeckung für mich, sondern gehört eher zum Standard-Inventar meines Hörverhaltens. Mit „What Happened to the Beach?“ hat der Brite eine Platte geschrieben, die mich immer an den Frühling erinnert und mir gute Laune bringt, wenn sie dringend benötigt wird.


    IT’S MUCH BETTER LIVE

    Auch in diesem Jahr habe ich wieder viele gute Konzerte erlebt. Neben Royel Otis und Declan McKenna, die ich live sehr empfehlen kann, war ich noch auf einigen anderen Konzerten, die mir in Erinnerung geblieben sind. Zum einen kann ich sagen, dass Coldplay Konzerte wirklich so gut sind, wie alle immer sagen, vielleicht noch besser. Im Februar war ich bei Charlie Cunningham, der mich live fast zum Weinen gebracht hätte (natürlich im Positiven) und die langersehnten Gigs von Nothing But Thieves und Holly Humberstone zählen auch zu meinen diesjährigen Highlights.


    Hier könnt ihr meinen Jahresrückblick nachhören:

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  • „I’ve just been on a journey of loving myself“– girl in red mit „I’M DOING IT AGAIN BABY!“

    „I’ve just been on a journey of loving myself“– girl in red mit „I’M DOING IT AGAIN BABY!“

    SHE’S DOING IT AGAIN BABY! – Die norwegische Künstlerin girl in red ist zurück mit ihrem zweiten Album und schafft damit einen würdigen Nachfolger ihres Debüts „if i could make it go quiet“ (2021). Der Release des zweiten Albums ist immer schwer, vor allem, wenn das Erste durch die Decke ging. Die Erwartungen waren also hoch – so auch bei mir, als ich das erste Mal in das neue Album reingehört habe. 

    Seit der Veröffentlichung ihres Debütalbums sind ein paar Jährchen vergangen, die auf der neuen Platte deutlich zu hören sind. Ihre Stimme ist klarer, die Stimmung positiver und selbstbestimmter. Was gebelieben ist, sind die ehrlichen und humorvollen Lyrics, die einen intimen Einblick in den Kopf von girl in red geben. Selbstbewusst, energievoll und trotzdem sensibel erzählt das Album von Selbstliebe, der Liebe für das Leben und einen ganz besonderen Menschen in ihrem Leben. Dabei klingt die Platte vor allem selbstreflektiert.


    „I’m on a new level, something’s got me feeling so good (I could be inflammable, and I might be), My energy is through the roof (I’m gonna light it up) Yeah, nothing’s gonna stop me now“

    SHE’S BACK 

    Schon der Titel „I’M DOING IT AGAIN BABY!“ zeigt, wie viel Entschlossenheit und Positivität im neuen Album steckt. Dabei ist der Sound immer noch typisch girl in red, im Gegensatz zum Debüt sind die Songs jedoch ein wenig abwechslungsreicher. Im gelungenen Opener „I’m Back“ beschreibt Marie den Prozess nach ihrer Depressionserkrankung, wieder zurück zu sich selbst gefunden zu haben. Die verspielte Klavierballade lässt das Album schon von Beginn an selbstbewusst und hoffnungsvoll klingen.


    Der Titeltrack „I’M DOING IT AGAIN BABY!“ ist die Hymne des Albums und ein Song, den man so bisher noch nicht von der Künstlerin gehört hat. Dieser strahlt nur so vor Selbstliebe und Energie, ein Song, der einfach nur Spaß macht. Thematisch knüpft „I’M DOING IT AGAIN BABY!“ an „I’m Back“ an. Das Gefühl, sich gut zu fühlen, äußert sich dort auf eine schräge, überdrehte Art und Weise.  

    Die ersten Klänge von „Too Much“ haben mich sehr an das erste Album erinnert. Hier verarbeitet die Norwegerin, dass sie von außen immer als „zu viel“ wahrgenommen wird. Obwohl in dem Song auch ein wenig Traurigkeit steckt, vermittelt er viel mehr ein Gefühl von Ermutigung, dass man genau so viel sein kann, wie man eben muss. „Phantom Pain“ ist ein energie- und humorvoller Song über das Verliebtsein. Kann man Herzschmerz bekommen, obwohl man die Person nicht mal richtig kennt? girl in red bezeichnet dieses vermeintliche Gefühl von Herzschmerz als „Phantom Pain“, das sie nach einer Abweisung beim Kennenlernen ihrer Freundin verspürt hat. 


    Musikvideo zu „Too Much“

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    „You Need Me Now?“ ist das einzige Feature auf dem Album und ein weiterer Empowerment-Song. Zusammen mit Sabrina Carpenter erzählt girl in red von einer toxischen Ex-Beziehung, die sie hinter sich lassen möchte. Gerade der treibende Sound und die Rock-Elemente machen den Song zu einer Feier der Selbstpriorisierung. Ob das Feature nötig gewesen ist, darüber lässt sich allerdings streiten. Nun fehlt noch der Song über die eine große Liebe. „A Night To Remember“ handelt von der Nacht, in der Marie ihre Freundin kennengelernt hat: „Can you feel the chemical reaction? You triggered my desire and attraction, everything in me wants this to happen“. Ein typischer girl in red Song, der als langsame Ballade beginnt und später lebendig wird.


    „It was a night to remember, nothing ever felt like, The moment I met her, I met the rest of my life“


    Meine zwei Favoriten auf dem neuen Album sind unter anderem „Pick Me“ und „New Love“. Beide Songs mag ich vor allem in musikalischer Hinsicht. Die melodievolle Klavierballade „Pick Me“ baut eine Dramatik im Song auf, die zum ersten Mal nach Sehnsucht und Schmerz klingt und thematisch wieder an das letzte Album erinnert. Mit dem vorletzten Track „New Love“ möchte Marie ein Kapitel schließen, dass sich vermutlich auch auf die Thematik von „if i could make it go quiet“ bezieht. Die gleichbleibende Dynamik und das lange Outro lassen den Song demnach als guten Abschluss stehen.

    girl in red hat mit „I’m Doing It Again Baby!“ ein hoffnungsvolles und ermutigendes Album geschrieben, das Selbstliebe und -achtung in den Fokus nimmt, Selbstreflexion thematisiert aber auch über Ängste und Schmerz spricht. Das neue Album klingt nach girl in red, ehrlich, verspielt und nun auch selbstbewusster.

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    Foto Credits: Heather Hazzan

  • Declan McKenna mit seinem neuen Album „What Happened to the Beach?“

    Declan McKenna mit seinem neuen Album „What Happened to the Beach?“

    Drei Jahre nach Release seines Sophmore-Albums „Zeros“ ist Declan McKenna zurück mit seinem neuen Album „What Happened to the Beach?“

    2015 gewann der gerade mal 16-jährige Brite den „Emerging Talents“-Wettbewerb des Glastonbury-Festivals und ist seither nicht mehr von den UK-Festivalbühnen wegzudenken. Mit der Kombination aus Upbeat-Sound und rockigen Elementen wird seine Musik oftmals mit Britpop verglichen. Aufrichtig, locker und ganz und gar nicht nullachtfünfzehn — Gerade für das Schreiben seiner politischen Texte (z.B. „British Bombs“ (2019), „Brazil“ (2015)) wird McKenna gelobt. Dabei richtet sich viel an seine eigene Generation.

    Nun veröffentlichte er sein drittes Studioalbum mit sechzehn Tracks, die mich in vielerlei Hinsicht überzeugt haben. Der Sound von „What Happened to the Beach?“ ist ein wenig anders als der seiner Vorgänger — experimenteller, aufregender und dennoch vertraut. Zwischen Beatles-Klängen („I Write The News“), 2000er-Indie-Rock Songs („The Phantom Buzz (Kick In)“) und typischen McKenna-Ohrwürmern („Nothing Works“, „Sympathy“) bietet das Album sehr viel Abwechslung. Von einer Platte, auf der sich jeder Song gleich anhört, fehlt hier jede Spur. Auf dem neuen Album herrscht ein entspannterer Vibe, als auf seinen Vorgängern. Die Songs sind langsamer und fühlen sich durchdachter an.



    “Opening up and embracing the simple things in life has helped me make something that is more authentically me than ever before.”


    „What Happened to the Beach?“ ist ein sehr persönliches Album, das nun mehr die Freuden als Katastrophen der Welt in den Fokus stellt. Für Declan scheint eine neue Zeit angebrochen zu sein, jene, die ihn befreiter Songs schreiben lässt. Er ist angekommen und selbstbewusster in dem, was er tut. Das Album beschreibt gleichermaßen die letzten Jahre, die nicht nur gobal sondern auch in persönlicher Hinsicht von Dunkelheit geprägt waren. In der Ballade „It‘s An Act“ zeigt sich diese emotionale und verletzliche Seite der Platte. 



    „If every song features a lyrical statement then it loses some of its impact, too. I haven’t let go of that aspect of myself but I don’t want to live out that style forever.”

    Das Album ist insbesondere von dem Ort geprägt, an dem es produziert wurde: dem sonnigen Los Angeles. Gefühle von Leichtigkeit und Sonnenschein, die Declan dort aufgesogen hat, lassen sich unter anderem auf dem Artwork wiederfinden, das übrigens ABBA-inspired ist. Musikalisch werden diese positiven Gefühle von den poppigen Tracks wie „Sympathy“, „Wobble“ oder „Elevator Hum“ eingefangen. 

    Mit „Mystery Planet“ folgen drei zusammenhängende Interludes, die nur auf der physischen Platte zu hören sind. Part I beginnt mit einem kurzen von Declan eingesprochenem Intro, dass später in den Song übergeht. Nach Track sieben folgt „Mystery Planet Pt. 2“, der sich eher nach kurzen abgehackten Ausschnitten anhört, um am Ende erneut den Song anzuteasern. Neben „I Write The News“ hört man auch hier die Beatles heraus. „Mystery Planet Pt. 3“ schließt das Album mit lauten, rockigen Drums ab. Als einer meiner Favoriten macht „The Phantom Buzz (Kick In)“ seinem Titel alle Ehre und ist mit seinen verzerrten Gitarren einer der rockigsten und energievollsten Songs auf dem Album. 

    „What Happened to the Beach“ ist trotz seines neuen Sounds ein klassisches Declan McKenna Album. Obwohl es im Gegensatz zu den vorhergingen Alben eher eine entspanntere Atmosphäre hat, wirkt die Platte durch seine experimentellen Einflüsse und psychedelischen Elemente viel aufregender und abwechslungsreicher. Ein Album, das von Anfang bis Ende durchdacht und vollendet wirkt, aber vor allem Spaß macht zu hören. 

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  • Julias Jahresrückblick: Vertraute Konstanten und eine handvoll Neues

    Julias Jahresrückblick: Vertraute Konstanten und eine handvoll Neues

    Es ist wieder soweit – die Zeit der (musikalischen) Jahresrückblicke. Hier bekommt ihr eine Zusammenfassung meines Hörverhaltens aus dem Jahre 2023 – kurz & knackig. 

    Am Ende jeden Jahres erstelle ich mir eine Playlist, die mein Jahr musikalisch widerspiegelt. Wie eine Art Tagebuch, auf das ich immer wieder zugreifen kann, nur halt mit Musik. Und wenn ich mal gefragt werde, mit wem ich 2019 so meine Zeit verbracht habe: zack, Playlist! Das hat die letzten Jahre ziemlich gut funktioniert und deshalb gab es auch in diesem Jahr eine. Naja, und dann gibt es natürlich noch eine zweite Playlist, aber nur mit Songs, die auch im besagten Jahr veröffentlicht wurden. Meine Top 2023 Alben bekommen hier selbstverständlich auch ihren wohlverdienten Platz, aber dazu später.


    Vertraute Konstanten

    Kommen wir nun zu meiner ersten Playlist. Ich versuche mich kurz zu halten, denn hier wiederholt sich vieles aus den letzten Jahren. Die Band Blaenavon begleitet mich schon eine Weile und auch in diesem Jahr sind Songs wie „I Will Be The World“ oder „Skin Scream“ in meinen Playlisten gelandet. Mittlerweile hat sich die Band zu meinem Bedauern aufgelöst *schnief*, aber zum Glück bleibt die Musik. 

    Songs, die jedes Jahr auftauchen, sind zum Beispiel „Inside Of Love“ von Nada Surf (einer meiner absoluten Lieblingssongs) und „Bright Blue Berlin Sky“ von The Shutes, mit dem ich emotional sehr viel verbinde. An dieser Stelle soll gesagt sein, dass es okay ist, nicht immer nur nach Neuem zu suchen, sondern auch auf Vertrautes zurückzugreifen.


    Alles neu in 2023?

    Um Veröffentlichungen aus dem Jahr 2023 von bereits bekannten Künstler*innen, aber auch von Neuentdeckungen meinerseits, soll es in der zweiten Playlist gehen. Während Arlo Parks ihr zweites Album „My Soft Machine“ veröffentlicht hat, auf das ich mich sehr gefreut habe, (zu Recht), konnten Two Door Cinema Club mit ihrer Single „Sure Enough“ zeigen, dass sie es definitiv noch können. Und wie gut war bitte der Soundtrack zu Daisy Jones & The Six?

    Viele Neuentdeckungen sind mal wieder dem Reeperbahn Festival geschuldet: Blush AlwaysSophie May, Marissa BurwellTemplesArt School Girlfriend oder Soft Loft, um mal ein paar zu nennen. Dass ich diese tollen Künstler*innen bisher verschlafen habe, versuche ich jetzt zu kompensieren. 

    Olivia Dean hat mich dieses Jahr nicht nur mit ihrem Song „Dive“ umgehauen, der mich mit seiner Leichtigkeit bis heute in seinen Bann zieht, sondern auch mit ihrem grandiosen Debütalbum „Messy“

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    Alben aus 2023

    Zwei Alben haben es mir in diesem Jahr besonders angetan, die ich hier mehr als nur nennen möchte. Das Debütalbum „Good Riddance“ von Gracie Abrams war mein persönlicher Dauerbrenner in diesem Jahr. Da kann ich wirklich von Glück sprechen, dass es bereits im Februar veröffentlicht wurde und mir somit in jeglichen Situationen in diesem Jahr zur Seite gestanden hat. Dabei hat mich nicht nur ihre unfassbar schöne Stimme angesprochen, sondern vor allem der Charakter des Albums – irgendwie wohltuend und umarmend, aber dennoch schmerzvoll. 

    Der Band Nothing But Thieves habe ich mein Herz schon vor längerer Zeit geschenkt, zuletzt nach dem Release ihres Albums „Moral Panic“ im Jahr 2020. Auch wenn ich denke, dass „Dead Club City“ diesen Platz nicht einnehmen kann, hat das neue Album sehr viele Banger zu bieten – typischer NBT-Sound, der zumindest mich überzeugt hat. Das Album gehört als einer meiner meist gehörtesten Alben natürlich in meine Top 3. Nächstes Jahr darf ich die Band dann endlich live sehen, wuhu!


    Das war’s von mir, wir sehen uns in 2024!

    Eine Playlist mit meinen liebsten Neuerscheinungen aus 2023? Here you go:

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  • Indie-Folk aus London: Matilda Mann mit ihrer EP „You Look Like You Can’t Swim“

    Indie-Folk aus London: Matilda Mann mit ihrer EP „You Look Like You Can’t Swim“

    Warme, träumerische Melodien und sanfte Gitarrenklänge – Indie-Folk Singer- und Songwriterin Matilda Mann veröffentlichte im Juli ihre vierte EP „You Look Like You Can‘t Swim”. Eine sehr intime 5-Track-EP mit Songs, die aufrichtige Zuneigung, Verlust und den Weg den eigenen Platz in der Welt zu finden, thematisieren. 

    Die Newcomerin aus London macht Musik, die neben einer vertrauten Atmosphäre vor allem Geborgenheit schafft. Ihre sanfte und helle Stimme verleiht den Songs eine Leichtigkeit, die ziemlich gut zum Rest passt. Ihr ehrliches Songwriting und die damit verbundene Fähigkeit jegliche Emotionen in innige Texte zu verwandeln, lässt sie insbesondere als Songwriterin herausstechen.


    The Day That I Met You

    Der erste Song The Day That I Met You” ist mein persönlicher Favorit auf der EP. Im Song wird das Gefühl beschrieben sich viel zu oft allein zu fühlen. Der Gedanke, dass die ganze Welt gegen einen ist, wird durchbrochen durch das Begegnen dieser einen Person, die dich alle negativen Gefühle vergessen lässt. 


    I forgave the world the day that I met you.”


    Für mich ist der Song ein Paradebeispiel für ihr unglaublich gutes Songwriting: „It’s like lavender came and never left”. Muss ich da mehr sagen?

    Ihr Debut feierte Matilda Mann 2020 mit ihren EPs „If That Makes Sense“ und „Because I Wanted You to Know“. Ein Jahr später folgte die EP Sonder”. Seither war sie unter anderem mit Arlo ParksTom Grennan und dodie auf Tour und spielte bereits einige Headline UK-Shows. In der UK ist Matilda also längst als Newcomerin angekommen. Im August spielt sie auf der renommierten BBC Introducing Stage beim Reading & Leeds Festival, die schon einigen britischen Künstler*innen zum Erfolg verholfen hat. Auf den Streaming-Plattformen sieht es mit mehreren Millionen-Streams auch nicht schlecht aus. 


    In Plain Sight

    Stellt euch vor, ihr lauft an einem Spätsommerabend an einem Sonnenblumenfeld vorbei, während die Sonne schon tief am Himmel steht. Und durch eure Kopfhörer dröhnt dieser eine Song, der euch an eure Lieblingsperson erinnert. Jawoll, super kitschig, aber „In Plain Sight“ fühlt sich genau danach an  – mit seiner unfassbar positiven Energie wird der Track zu einer indie-folk Hymne über die eine große Liebe.


    Margaux & If Only

    Mit „Margaux“ beschreibt Matilda die Abwesenheit eines wichtigen Menschen und die Gefühle, die mit dem Verlust einhergehen: „Margaux left and nothing felt the same.“ Während ihre fast flüsternde Stimme im Fokus steht, ist der musikalische Track mit sanften Akustikgitarrenklängen eher simpel gehalten. Trotz der Thematik klingt der Song aber alles andere als traurig.

    Den melancholischen Part auf der EP übernimmt der vorletzte Track If Only“. Eine schmerzvolle Ballade, die vor allem durch die Streicher ihre epische, träumerische Atmosphäre bekommt.

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    You Look Like You Can’t Swim

    Der Titelsong der EP ist laut der Newcomerin eine Metapher, um zu sagen, dass jemand nicht danach aussieht etwas schaffen zu können. Während es so scheint, als hätten alle anderen ihren Platz in der Welt bereits gefunden, ist man selbst ein Fisch im Meer, der nicht schwimmen kann. Neben Selbstzweifeln äußert sie im Song die Angst, nie genug zu sein. „You Look Like You Can’t Swim“ steckt voller Ehrlichkeit und Mut.


    It seems an awful waste to give me so much space

    I never seem to know exactly what’s my place.“


    Für das Musikvideo hat Matilda selbst Regie geführt und es geschafft, die Entschlossenheit und Zweifel im Song visuell darzustellen. Die Protagonistin, die von Matilda selbst gespielt wird, versucht sich immer wieder in Wasser zu wagen. Der Weg dahin kostet sie Überwindung und zeigt wie sie scheitert, aber dennoch niemals aufgibt. In den letzten Sequenzen des Videos sieht man Matilda, wie sie es letztendlich schafft zu schwimmen. 

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    Foto Credits: Caity Krone

  • M.Byrd im Interview: »Mit dem Album wollten wir etwas pflanzen, dass Comfort bringt«

    Im Rahmen der Acoustics Concerts 2023 haben wir uns mit Max von M. Byrd zum Interview getroffen und unter anderem über die Entstehung und Produktion seines Debütalbums „The Seed“ gesprochen, das letzten Freitag erschienen ist. Der Sound des Albums erinnert an warme nostalgische Sommertage, die Sehnsucht nach einem Roadtrip schaffen. Es thematisiert das Leben mit all seinen Herausforderungen, Träumen und Ängsten, aber vor allem geht es bei „The Seed“ um Wachstum.

    In Hamburg (21.06.) und Essen (22.06.) könnt ihr M. Byrd diese Woche noch mit einem Akustikset bei den Acoustics Concerts live erleben.


    M. Byrd im Interview


    Julia: Hi Max, erstmal schön dich kennenzulernen! Ich freue mich sehr, dass wir heute miteinander quatschen. Wie geht’s dir?

    Max: Mir geht’s gut. Ich war gerade zehn Tage in Prag, Berlin und Leipzig unterwegs und habe drei Tage gebraucht, um wieder in meiner derzeitigen Heimatstadt Kopenhagen anzukommen. Ich bin noch ein wenig fertig von der Reise, aber es war sehr schön!

    Julia: M. Byrd ist für mich träumerischer Indie-Rock. Wie würdest du eure Musik beschreiben?

    Max: Das passt schon sehr gut! Wenn man die Drums, den Gesang und das ganze Große rausnimmt, hat es für mich wie ein Ambient Projekt begonnen. Das war am Anfang eher ein Experiment. Deswegen würde ich es vielleicht Ambient Rock nennen – so in die Richtung. 

    Julia: Bei M. Byrd geht es gar nicht unbedingt nur um dich als Solokünstler, sondern viel mehr um ein Kollektiv. Wer seid ihr denn?

    Max: Wir sind viele Leute, die sich über die Jahre kennengelernt haben und mit denen ich in verschiedenen Projekten Musik gemacht habe. Den Kern bilden mein guter Freund Andre, der auf den Aufnahmen Schlagzeug spielt und Eugen Koop aus Detmold, der sein Studio zur Verfügung gestellt hat, um die Aufnahmen zu machen. Wir sind ein Kollektiv aus Menschen, die ich mit der Zeit auf meinem musikalischen Weg zusammengesucht habe und indem jede*r seine Stimme dazu gibt. In der Livebesetzung haben wir gerade zwei neue Leute dabei. Doreen, die Sängerin, die auch die Chöre auf der Aufnahme gesungen hat, ist im Mutterschutz, weil sie im Juni zusammen mit unserem Drummer ein Kind bekommt. Ich finde es schön, dass diese Familie, die sich um dieses Projekt bindet, mit der Zeit einfach immer größer wird. Das ist ein gutes Gefühl.

    Julia: Das glaube ich gern!

    Max: Dann bleibt es auch spannend. Ich bin nicht jemand, der allein im Studio sitzen kann. Klar, tue ich das auch mal, wenn vorher schon was zusammengekommen ist. Ich finde die Magie passiert immer dann, wenn Menschen etwas gemeinsam machen. Das ist ein unbekannter Faktor, den man versucht zu steuern.

    Julia: Im Februar kam dein Song „Outside Of Town” raus und du hast bei Instagram geschrieben, dass der Song für einen Freund ist, der dein Leben verändert hat. Man kann es zwar am Text ein wenig erahnen, aber möchtest du die Geschichte dazu erzählen?

    Max: Die ganze Idee des Songs war die Geschichte von einer Person zu erzählen, die flüchten muss, aber es so offen zu lassen, dass es quasi jeder sein könnte, dem dieses Schicksal widerfährt. Deswegen kann ich die Geschichte nicht genau erzählen. Es ist ein Bild im Song entstanden, in dem sich jemand in einer „safe zone“ befindet – wie auf einer Insel oder in einer Stadt.

    Drumherum herrscht überall Krieg. Und dann hat jemand trotzdem das Gefühl über den Horizont herausschauen zu wollen, obwohl es gefährlich ist. Trotzdem möchte man einen anderen Zustand oder ein anderes Leben haben. Das kann man nicht nur auf Krieg beziehen, sondern auch auf klimatische Bedingungen. Ich finde Menschen faszinierend, die hinter diesen Horizont blicken wollen, egal was von außen gesagt wird und von dem man denkt, was möglich ist. Das erfordert einfach sehr viel Mut. – Und ich habe damals in Hamburg jemanden kennengelernt, der mich inspiriert hat diesen Song zu schreiben. 

    Julia: Der Song setzt das auf jeden Fall sehr gut um. Deine Texte sind sehr träumerisch und lassen viel Spielraum für Interpretationen. Ich bin selbst sehr großer Fan davon, wenn Songs mich aus der Realität wegholen. Findest du, dass da ein gewisser Reiz hinter steckt, wenn man Lyrics nicht eindeutig interpretieren kann? 

    Max: Manchmal kann ich das selbst gar nicht. Es gibt Leute, die mir nachher sagen, was sie alles aus den Texten rausgelesen haben. Songwriting war für mich immer eine unterbewusste Sache und etwas, bei dem ich das Gefühl habe, dass es sich für mich besser anfühlt, wenn ich in diesen Zustand selbst reinkomme. So öfter ich die Songs spiele und die Räume in den Songs kennenlerne, umso mehr bemerke ich auch Sachen über mich selbst. Manchmal schreibe ich meine eigene Zukunft in Songs auf und deswegen sind diese vielleicht auch dreamy. 

    Der Sänger Jacob Collier hat mal gesagt, dass die besten Songs für ihn diejenigen sind, in denen Leute ihren eigenen Raum haben können. Ich gebe dir einen Song von mir und dieser wird zu deinem Raum und gehört nicht mehr mir. Ich bin kein Fan davon, jemandem genau zu sagen, was meine Songs bedeuten. It’s art – die Leute finden das meistens selbst raus oder vielleicht auch nicht.


    Entstehung des Debütalbums

    Julia: Da stimme ich dir zu! Ich finde es auch schön, wenn Menschen unterschiedliche Sachen in Songs interpretieren. Am 16 Juni veröffentlichst du dein Debütalbum „The Seed“. An dieser Stelle schon mal Glückwunsch! Obwohl, dafür ist es wahrscheinlich noch zu früh, was?

    Max: Ich finde es schon okay, *lacht*, in meinem Kopf ist das Album schon lange draußen.

    Julia: Na dann! Kannst du uns etwas über die Entstehung erzählen und worüber das Album thematisch handelt?

    Max: Das ganze Album hat einen Prozess durchlaufen, wie ich ihn eben schon beschrieben habe. Wir haben dieses Projekt begonnen und meistens während der Durchreise einen Stopp gemacht und einen Tag aufgenommen. Dabei ist zum Beispiel ein Song wie „Mountain“ entstanden. Irgendwann haben wir die EP gehabt und veröffentlicht – und das war schon während Corona. Wir haben das aber gar nicht so wahrgenommen, sondern wollten in der Zeit einfach Musik releasen. In Detmold haben wir dann begonnen das Album aufzunehmen. Das Studio war quasi ein sechs Meter hoher Raum, eine Squashhalle entstanden aus einem alten Bunker, wo wir uns zu dritt einsperrt haben, als man niemanden treffen konnte.

    Gerade in den letzten Tagen, an denen wir die Aufnahmen gemacht haben, haben wir uns gefragt, warum wir das eigentlich machen. Da hat auch der Ukrainekrieg begonnen. Wir haben einen Freund in Detmold, der ist an die Grenze und wieder zurückgefahren, um Freunde einzusammeln. Es war absurd in dieser Zeit ein Album zu machen und sich auf sich selbst zu konzentrieren. Als wir dann den letzten Song „Seed“ aufgenommen haben, war schnell klar, dass wir das mit der Musik einfach machen müssen. Wir werden uns niemals von der Welt abkoppeln können und haben gemerkt, dass das Album genau diese Gemeinschaft festhält, die wir in dieser Zeit geschaffen haben. Es hat jedem von uns Comfort gegeben, in einer Zeit, in der man eigentlich kein Geborgenheitsgefühl finden konnte. 

    Julia: Hat der Titel des Albums auch inhaltlich eine Bedeutung? Geht es um Wachstum?

    Max: Ja, voll! Gerade in so einer dunklen Zeit wollten wir etwas pflanzen, das uns und vielleicht auch anderen Menschen Comfort bringt. Es ist das erste Album, das wir aufgenommen haben. Ich habe vorher noch nie ein ganzes Album aufgenommen und wusste nicht, wie es wird. Wir wollten damit einen Raum pflanzen, der Menschen Geborgenheit gibt. 

    Julia: Gibt es einen Unterschied im Entstehungsprozess der Orion-EP und dem kommenden Album? 

    Max: Vom reinen Schaffungsprozess her haben wir auf dem Album viel in einem Raum zusammen live eingespielt. Bei der Orion-EP haben wir eher mal Drums aufgenommen und hier und da ein bisschen gemacht. Aber auf dem Album haben wir fast alle Songs mit Bass, Gitarre und Schlagzeug gemeinsam in einem Raum aufgenommen. Heutzutage ist das ein besonderer Prozess für Musiker*innen, weil es nicht mehr wirklich aktuell ist. Das war der grundlegende Unterschied für mich. Es ist alles sehr organisch entstanden, würde ich sagen. 


    M. Byrd geht im September und Oktober auf Tour

    Julia: Du gehst im September und Oktober auf eigene Tour und das nicht nur durch Deutschland. Was ist das Schönste für dich am unterwegs sein?

    Max: Ich habe besonders in den letzten Tagen gemerkt, dass das Schönste die Leute sind, die man auf seinem Weg trifft. Man merkt einfach, dass man drei Stunden irgendwo hinfahren kann und immer einen Platz hat, wo man sein kann. Mich empfängt immer jemand oder hat einen Platz auf der Couch frei. Das sind grundlegende Dinge, die man zu schätzen weiß. Das ist das Schönste für mich – die anderen Menschen, die ich dabei treffe. 

    Julia: Du hast ja auch Erfolg in anderen Ländern und spielst Konzerte außerhalb von Deutschland. Wie hast du das wahrgenommen?

    Max: Ich freue mich natürlich total, wenn mir zum Beispiel Leute aus Chile schreiben. Ich bin sehr dankbar dafür, dass die Musik das kann. Ich habe das aber noch nicht als einen Erfolg wahrgenommen. Heutzutage hast du als Künstler*in einen sehr klaren Überblick über Zahlen und Statistiken deiner Musik und erfährst, wo die Leute deine Musik hören und so weiter. Für mich ist es ungreifbar, wenn 4000 Leute monatlich in der Türkei meine Musik hören. Ich verstehe das erst, wenn wir eine eigene Tour spielen, die wir jetzt auch angekündigt haben. An diesem Punkt verstehe ich dann, dass Leute meine Musik hören und sich damit verbinden. In der echten Welt bedeuten diese ganzen Zahlen für mich nichts. Es ist natürlich ein großer Erfolg, dass ich in Prag ein Konzert spielen kann und sehe, wie viele Menschen meine Musik kennen. Das ist etwas, was ich richtig wahrnehme.

    Julia: Dann frage ich dich nochmal nach der Tour!

    Max: Ja! Ich bin wirklich sehr gespannt.

    Julia: Jetzt mal eine ganz andere Frage: Die Musikbranche ist sehr schnelllebig und verlangt viel. Wie gehst du als Künstler damit um, gerade auch in Hinblick auf die eigene, mentale Gesundheit? Fühlst du dich manchmal unter Druck gesetzt?

    Max: Das ist eine gute Frage! Ich habe an einem Punkt begonnen, an dem ich schon viele Erfahrungen und Umgang mit dem Musikbusiness sammeln konnte. Deswegen habe ich bereits ein gewisses Bullshit-Radar aufgebaut, dass mir sagt, mit wem ich zusammenarbeiten möchte und mit wem nicht. Den größten Druck mache ich mir selbst. Ich habe einen großen Qualitätsanspruch an das, was ich mache und möchte manchmal auch alles tun.

    Aber ich glaube, ich habe meinen Weg gefunden mit diesen Sachen umzugehen. Ich habe ein Team und Menschen, denen ich hundertprozentig vertraue und die auch mich sehr gut kennen. Es gibt einfach Personen, die mir helfen und den Druck abfedern. Das sind die guten Leute, mit denen man zusammenarbeitet. Das Publikum, so viel ich es auch zu schätzen weiß, dass ich Leute habe, die meine Musik wirklich gerne mögen, sind immer die Leute, an die ich erst denke, wenn die Musik schon gemacht ist. Am Ende mache ich die Musik auch für mich selbst und habe sie ein bisschen als meine eigene Medizin. 

    Julia: Ich finde es auch wichtig nicht zu vergessen, dass man keine Erwartungen von außen erfüllen muss. Nun kommt die obligatorische „Wo siehst du dich in fünf Jahren“-Frage, aber ich formuliere sie anders. Was würdest du in musikalischer Hinsicht noch gerne in den nächsten Jahren machen?

    Max: Da gibt es so viele Sachen. Gerade sammle ich schon wieder Ideen und Sounds und schaue nach Strukturen, die sich anbahnen oder mache mir Gedanken, wie es weitergehen könnte. Das ist nicht auf M. Byrd bezogen, sondern einfach mein Interesse Ideen zu sammeln. Ich hoffe, dass ich das mit der Musik so lange wie möglich machen kann und es mich weiterhin so thrilled, wie es das aktuell tut. Das klingt immer einfach, aber ich möchte Sachen machen, die ich genieße. Wenn ich irgendwann das Gefühl habe sollten, es nicht mehr zu genießen, dann mache ich es nicht mehr. Ich liebe Musik und mit meinen Leuten Musik zu machen und deswegen hoffe ich, dass das in fünf Jahren immer noch so sein wird und mir weiterhin so viel zurückgibt, wie es das gerade tut. 

    Julia: Das ist schön. Das wünsche ich dir natürlich auch! Unsere letzte Frage ist immer eine untold story – also eine Geschichte oder Anekdote, die du noch nie irgendwo erzählt hast. Was wäre deine untold story?

    Max: Hmm. *überlegt* Ich habe mal aus Versehen mit dem Gitarristen von KISS gejammt und wusste es nicht. 

    Julia: Okay, das hört sich nach einer sehr guten Story an. *lacht*

    Max: Ich komme ursprünglich aus dem Saarland und habe dort während der Schulzeit bei einem Verstärkerhersteller ein zwei-wöchiges Praktikum gemacht. An einem Tag sollte ich den Raum aufbauen, in dem die Verstärker gespielt werden, weil jemand vorbeikommen würde, um die zu testen. Irgendwann kam ein Typ mit zwei anderen Leuten rein und hat angefangen, die Verstärker auszuprobieren. Er hat sich dann zu mir gesetzt und wir haben ein bisschen gejammt. Ich habe gemerkt, dass er Amerikaner ist und ihn daraufhin gefragt, wo er herkommt und was er so macht. Er meinte dann, dass er in KISS spielt, während ich an irgendeine KISS-Coverband gedacht habe. Auf die Nachfrage hin, ob er wirklich eine KISS Tribute-Band meint, antwortete er nur: „Nein, die wirklichen, die echten KISS“. Joa und dann haben wir zehn Minuten zusammen Gitarre gespielt.

    Julia: Ja, sehr nice Story auf jeden Fall. Das fand er bestimmt sympathisch.

    Max: Ich hoffe! *lacht* Bei KISS erwartet man ja auch, dass sie geschminkt sind und auch geschminkt zu einem Termin kommen. Aber ich war auch erst sechzehn. 

    Julia: Ganz lieben Dank dir für das schöne Interview und deine Zeit! Ich hatte sehr viel Spaß!

    Max: Ja, auf jeden Fall! Danke Dir! Ciao, Julia!

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    Foto Credits: Miriam Marlene

  • Till Otter im Interview: »Ich brauchte diesen Song selbst«

    Till Otter im Interview: »Ich brauchte diesen Song selbst«

    Wie klingt die Hoffnung auf wärmere Tage und den Frühling, einen Neuanfang und ein Danach? – Till Otter beantwortet diese Fragen mit dem Song Eure Blumen, der letzten November erschien. Während sich their letzte EP Morgentau (2021) mit their Depressionserkrankungen auseinandersetzt, handelt Eure Blumen nun von einem Neuanfang. Passend dazu unterstreicht der neue Synth-Pop-Sound den von Hoffnung und Mut handelndem Song und macht Lust auf mehr. Letzte Woche haben wir mit Till über Eure Blumen gesprochen, wie es them im letzten Jahr erging und warum they den Song selbst gebraucht hat.


    Eure Blumen ist für mich ein Liebesbrief an all die aktuelle Popmusik, die mir zeigte, wie mein Leben und wie ich sein kann. An all die Musik, die mir Hoffnung gab und mich spüren ließ: Es gibt ein Danach.“

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    Till Otter im Interview


    Julia: Hi Till! Schön, dass wir heute miteinander quatschen. Magst du dich kurz vorstellen, für alle Menschen, die dich noch nicht kennen? 

    Till: Hi! Mein Name ist Till und ich bin Musiker, ansässig in Köln. Ich mache Musik die man, glaube ich am ehesten als deutschsprachigen, theatralischen Pop bezeichnen könnte. 

    Julia: Eine wichtige Frage zu Beginn, wie geht es dir? 

    Till: Gut, gut. Ich habe nicht so viel geschlafen, weil das Dschungelcamp gestern sehr aufwühlend war. *lacht* Das hat mich ein bisschen mitgenommen, aber ansonsten geht es mir gut. Ich bin gut ins neue Jahr gekommen und alles läuft so, wie es soll. 

    Julia: Das ist schön zu hören! Du hast im November letzten Jahres deinen neuen Song Eure Blumen veröffentlicht. Eine Hoffnungs-Hymne, für die man in dieser grauen Jahreszeit sehr dankbar ist. Möchtest du kurz erzählen, was deine Gedanken hinter dem Song waren?

    Till: Das ist schön zu hören. Das war auch der Gedanke dabei, diesen Song im Winter zu releasen, wenn alles so trist und trüb draußen ist und man dann einen Song hat, der einem fröhliche Frühlings- und Sommergefühle vermittelt. Aber der Song bedeutet mir selbst auch sehr viel. Erstmal ist es für mich ein Song nach meiner EP, die sich sehr stark mit Depressionen, die ich hatte, auseinandergesetzt hat. Es ist ein Song, der aufbricht in eine hoffnungsvollere und positivere Zukunft – mal ein fröhlicher Song mit einem glücklicheren Sound. Gegen Ende meiner EP hatte sich das schon langsam angebahnt, aber ich wollte einfach mal irgendeinen Song haben, der nicht komplett depri ist. Ich brauchte diesen Song selbst, einer der mir gute Laune und Mut macht. Das ist Eure Blumen geworden.

    Gleichzeitig ist es für mich der Song gewesen, der sich mit meinem alten Coming Out auseinandergesetzt hat und nun auch mit meinem Neuem. Ich habe mich nämlich mit 20 oder 21, jedenfalls spätestens bei meiner Familie, als homosexuell geoutet und vor allem in den letzten paar Jahren gemerkt, dass ich immer noch sehr viel internalisierten Kram zu verarbeiten hatte und mir selbst auch gar nicht erlaubt habe, aufzublühen und die Person zu sein, die ich eigentlich sein will und sein kann. Ich glaube, dass steckt auch im Song mit drin – das Ausbrechen aus Erwartungen. Am Ende dieser Entwicklung stand nun mein zweites Coming Out als non-binär. Ich sehe den Song jetzt in einem anderen Licht, weil ich das Gefühl habe, dass ich mich langsam von sehr vielem frei mache, was mich lange Zeit eingeschränkt und belastet hat. 


    „Denn die Blumen die aus meinen Narben wachsen,
    ergeben sicher einen schönen Strauß.“


    Julia: Die Gefühle, die du gerade beschrieben hast, kommen im Song auch ziemlich gut rüber. Man hat einen gewissen Übergang gesehen, von deiner letzten EP Morgentau hin zu Eure Blumen. Der letzte Song der EP beginnt mit „Aus meinen Wunden wuchsen Blumen“ – wie ich finde ein sehr schöner und cleverer Übergang. Ich mag aber vor allem die Blumen-Matapher total gern.   

    Till: Kleiner Funfact! Ich hatte selbst vergessen, dass ich diese Zeile im Song Morgentau geschrieben hatte.

    Julia: *lacht* Echt jetzt? 

    Till: Ja, ich habe dann kurz bevor der Song rauskam, vier oder fünf Wochen vorher, nochmal die EP und eben diese Zeile gehört und war so, what? Ich habe dann mit ein paar Freund:innen geredet und gefragt, ob denen das aufgefallen ist. Die haben auch gedacht, dass sei mit Absicht gewesen.

    Julia: Okay, funny! Es passt auch einfach gut. Du bist zwar schon kurz darauf eingegangen, aber war das Schreiben des Songs für dich eine Art Erlösung?

    Till: Ich hatte vor allem in der Zeit nach der EP eine Schreibblockade. Mehr Leute sind auf mich und meine Musik gestoßen, gerade wegen der EP, und damit wuchs der Druck in mir, dass ich etwas machen wollte, was diesen Leuten auf jeden Fall gefallen wird. Ich bin dann erstmal gar nicht weitergekommen und habe mich aber irgendwann davon losgelöst und zu mir selbst gesagt, dass ich einfach Musik mache, auf die ich Bock habe. 

    Ich weiß nicht, ob ich das Wort Erlösung benutzen würde, aber abseits des Schreibens hat mir gerade das Hören des Songs Freude bereitet und mich auf eine Art und Weise beruhigt. Letztes Jahr war bei mir viel los mit Stress, einer Angststörung und Panikattacken, die aufgetreten sind und mit denen ich vorher noch keine intensiven Erfahrungen gemacht habe. Deswegen habe ich den Song auch einfach selbst gebraucht.

    Julia: Du hattest ja eben schon gesagt, dass der Song nicht kurz vor Release entstanden ist. Wie lange hat der Entstehungsprozess denn gedauert? 

    Till: Vincent, mit dem ich meine EP produziert habe, und ich haben an mehreren Songs und Ideen gleichzeitig gearbeitet. Das heißt, es hat sich schon über eine gewisse Zeit gezogen. Wir haben auch ein bisschen gebraucht, um den Sound zu bekommen, den ich haben wollte. Aber als sich der gefunden hat, ging es flott. Der Text stand auch relativ schnell. Ich glaube im Februar haben wir die Vocals recorded und im März/April kam das Mixing. 

    Julia: Wo du gerade den Sound ansprichst, da hat sich auf jeden Fall was geändert. Ich würde mal sagen, weniger Melancholie und mehr Euphorie. Wird es bald nochmal traurig?

    Till: Es gibt ja schon Songs, die geschrieben und fast fertig sind. Teilweise sind die auch trauriger und düsterer. Es sind aber trotzdem keine Songs wie Apokalypse Wow, in denen irgendwelche Weltuntergangsbilder gezeichnet werden. Die Songs sind ein bisschen realitätsnäher und sehr viel direkter geschrieben. Und auch wenn sie düsterer sind, werden sie definitiv mehr Fun sein. I don’t know. Sie wiegen nicht mehr so schwer wie die, die ich bisher geschrieben habe, glaube ich.

    Julia: Speaking of fun… Du hast vor kurzem dein Musikvideo zu Eure Blumen veröffentlicht und scheinst beim Dreh großen Spaß gehabt zu haben. Was hat es eigentlich mit dem gelben Mantel auf sich? War das Zufall?

    Till: *lacht* Nein, das war kein Zufall. Ich habe lange überlegt, was ich da anziehen kann und hatte dann irgendwann die Idee, die sich dann auch im Artwork der Single wiederfindet – mit der Sonnenblume. Ich dachte mir eine Sonnenblume ist ganz schön, die reckt sich immer dahin, wo die Sonne scheint und das ist auch irgendwie das Bild des Songs. Ich fand die Idee mit dem Regenmantel eigentlich ganz nice, weil ich so die Farben der Sonnenblume angenommen habe – grüne Joggingshose und gelber Regenmantel. Passte dann gut, als wäre ich selbst in den Farben von einer Sonnenblume aus dem Berliner Blumenacker rausgekommen, den wir da gebaut haben.

    Julia: Hast du auch schon live getragen!

    Till: Der Mantel ist mein favourite piece of clothing aktuell. Der macht mich sehr, sehr glücklich, muss ich sagen.

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    Julia: Was sind denn deine Lieblingsblumen? Das muss jetzt gefragt werden.

    Till: Ohh, ähhm…

    Julia: Meine ist die Sonnenblume. Hehe. 

    Till: Ja, irgendwie komme ich mir auch doof vor, wenn ich jetzt nicht Sonnenblume sage. *lacht* Andererseits wäre es auch ein bisschen langweilig. Ähm, warte kurz. Ich muss einmal sichergehen, dass ich nicht die Falsche sage. *googelt* Ach, das ist sie doch! Hyazinthe. Ich sage Hyazinthe. Die sind doch schön.

    Julia: Sehr gute Wahl! Du hast es eben schon angesprochen, aber dann können wir davon ausgehen, dass weitere Releases dieses Jahr kommen? Möchtest du was verraten?

    Till: Wir haben ein paar Akustikversionen von Songs aufgenommen, die ich schon released habe. Die werden nach und nach in den nächsten Wochen eintrudeln. Es wird wahrscheinlich im Laufe des Jahres eine Reihe an Singles erscheinen, die aber nicht unbedingt an ein EP-Konzept gekoppelt sind. Es sind halt eher einzelne Songs, die auch gut für sich stehen. Ich kann natürlich noch nicht verraten, wann sie erscheinen. Nach der Morgentau EP war es ja erstmal eineinhalb Jahre still und das wird dieses Mal nicht so sein.  

    Julia: Ich stelle mir „Eure Blumen“ live richtig gut vor. Wie sieht deine Besetzung auf der Bühne aus? 

    Till: Das ist eine Sache, an der ich gerade arbeite. Ich hatte im Dezember das Glück, relativ spontan für die Künstlerin Sofia Portanet im Gleis 22 in Münster Support spielen zu dürfen. Da habe ich mit Vincent, mit dem ich auch produziere, relativ flott ein Live-Setup gebastelt, was gut funktioniert und auch Spaß gemacht hat. Aktuell werde ich entweder alleine oder zu zweit oder zu dritt auftreten. Mir liegt auch viel daran, dass so viel wie möglich von den Instrumenten live gespielt wird und wenig vom Band kommt. Gleichzeitig muss man natürlich gucken, wie viel davon umsetzbar ist.

    Julia: Hast du einen Wunsch für dieses Jahr, hinsichtlich deiner Musik, was du gerne erreichen würdest?

    Till: Ja, da habe ich mehrere. Erstmal würde es mich sehr dolle freuen, wenn am Ende diesen Jahres mehr Leute meine Musik hören. Das wäre sehr schön. Und wenn es die Leute glücklich macht und ihnen Freude bringt, weil auch dafür mache ich Musik. Mein zweiter Wunsch ist sehr spezifisch, aber in Köln gibt es das Artheater und dort gibt es das Artheater Basement. Ich finde beides super toll! Da habe ich letztes Jahr bei der c/o pop Festival viele tolle Gigs gesehen, die mich sehr glücklich gemacht haben. Das ist meine Dreamlocation und es wäre ein Traum dort mal zu spielen und ich hoffe, dass das irgendwie in naher Zukunft passieren wird. Ich würde da sehr gerne eine sehr volle, schwitzige, laute und wilde Show spielen. 

    Julia: Ich drücke die Daumen! Die letzte Frage ist bei uns immer eine untold story, also eine Geschichte oder Anekdote, die du noch nie irgendwo erzählt hast. Was wäre deine untold story?

    Till: Es gibt wahrscheinlich Milliarden… Aber Ende letzten Jahres wurde ich ganz lieb von Lisa-Marie auf Instagram angeschrieben. Sie hat mir erzählt, dass sie sehr gerne malt und angefangen hat eine Leinwand zu bemalen, die von der Morgentau EP inspiriert ist. Ihr Ziel war es, ein Bild zu machen, dass man nur versteht, wenn man die EP gehört hat. Und diese Leinwand hat sie mir geschickt. *zeigt mir die Leinwand*

    Julia: Wow? Das sieht mega aus! Crazy. Großes Kompliment. 

    Till: Das ist auf jeden Fall richtig toll! Ich habe die EP ja während der Pandemie veröffentlicht und dadurch auch wenig direktes Feedback bekommen, weil man einfach nicht so viele Leute gesehen hat. Man hat dann immer das Gefühl, alles verpufft im Netz. Das war für mich total schön, weil da eine Person auf meine Musik gestoßen ist und ihr anscheinend so viel Freude gemacht hat, dass sie angefangen hat eine Leinwand zu bemalen. Das war einer meiner Happy Moments aus 2022. 

    Julia: Das ist wirklich ein schöner Abschluss!

    Till: Das stimmt!

    Julia: Ich danke dir für das schöne Gespräch, Till! 

    Till: Ich danke dir und freue mich!


    Fotocredits: Moritz Holstein

  • Julias Jahresrückblick: I played guitar while you painted the romance

    Julias Jahresrückblick: I played guitar while you painted the romance

    Das Jahr 2022 neigt sich langsam dem Ende zu und ein paar persönliche Meilensteine wurden erreicht – der Bachelorabschluss, ein neuer Job und Tickets für die nächste Harry Styles Tour wurden ergattert. Letzteres hat mich wie zu erwarten meine Nerven gekostet. 2022 gab es endlich wieder Konzerte und Festivals, aber vor allem viel gute Musik.


    Songs aus 2022

    Beginnen wir mit zwei Songs, die mich dieses Jahr begleitet haben und komischerweise nicht in meinem Spotify Wrapped aufgetaucht sind. Paolo Nutini hat dieses Jahr sein Album „Last Night In The Bittersweet“ veröffentlicht, auf dem sich der Song „Acid Eyes“ befindet. Ein wunderschöner Song, den ich dieses Jahr auf Dauerschleife gehört habe und von dem ich bis jetzt nicht genug bekomme. Das ganze Album ist genial, also bitte reinhören. Ein weiterer Song von dem ich nicht genug bekommen konnte, ist „End Of The Beginning“ von Djo, mit großem Ohrwurmpotenzial – (ich spreche hier aus Erfahrung.) Beim Hören des Songs entstehen bei mir immer Gefühle von Nostalgie und Gelassenheit – ein passender Soundtrack zum Autofahren, wenn ihr mich fragt. Auch hier blieb es natürlich nicht bei dem einen Song, der mich gecatched hat. „End Of The Beginning“ wurde 2022 auf seinem Album „Decide“ veröffentlicht, das noch weitere Banger wie „Change“ oder „Gloom“ zu bieten.

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    Alben aus 2022

    Auch wenn ich großer Fan von selbst erstellten Playlists bin, höre ich noch am liebsten ganze Alben. „five seconds flat“ von Lizzy McAlpine ist dieses eine Album aus 2022, das mir in jeglichen Gefühlszuständen bei Seite stand. Im November war ich für Untoldency auf ihrem Konzert in Köln zu Gast und war hin und weg – ihre Stimme klang wie von der Platte. Das Konzert war perfekt, aber leider viel zu schnell vorbei. Mein Artist Of The Year Award goes to her!

    Beim nächsten Album hätte ich nicht gedacht, dass es Platz in meinem Jahresrückblick einnehmen wird. Wir kommen zu meinen Favoriten aus dem Genre Pop. Zugegebenermaßen handelt es sich hierbei nicht um eine Neuentdeckung, sondern eher um ein Stück Nostalgie. „Harry’s House“ war mein Gute-Laune-Booster und Soundtrack im diesjährigen Sommer. 2013 habe ich noch zu „Live While We’re Young“ getanzt, und nun? – er rockt die Bühne alleine.

    Ein weiterer Release, der es mir dieses Jahr angetan hat, ist das „Midnights“ Album von Taylor Swift. Insbesondere „Would’ve, Could’ve, Should’ve“ läuft bei mir hoch und runter – musikalisch wie auch textlich ein unfassbar guter Song.

    Mit Untoldency ging es dieses Jahr für mich unter anderem zum Reeperbahnfestival. Vier spannende Tage gefüllt mit Businesskram und Livemusik. Neben Gigs von Sharktank, Blanks oder Luke Noa, habe ich mir M. Byrd‘s Konzert in einer Kirche angeschaut und mich bei Beachpeople in Samtsesseln entspannt – ein Clubfestival mit vielen spannenden Newcomer*innen halt. Und apropos: Die Künstlerin THALA ist eine weitere Musikentdeckung aus diesem Jahr. Ihre leichte und träumerische Stimme hat mich vor allem auf ihrem Album „Adolescence“ sehr berührt, das 2021 erschienen ist. 


    Back to comfort

    Selbstverständlich habe ich mich ebenso in meiner Comfortzone aufgehalten und Artists gehört, die ich schon länger kenne und mich auch in 2022 mit ihrer Musik beglückt haben. Sam Fender und Holly Humberstone, zwei meiner absoluten Lieblinge, sind ganz oben dabei wie auch The Wombats, The 1975, Death Cab For Cutie und Two Door Cinema Club, die neue Alben veröffentlicht haben. 

    Was höre ich, wenn ich Ruhe brauche und keine Lust auf etwas Neues habe? Neben den oben genannten sind es sicherlich Elliott Smith oder ABBA.


    Alle meine 2022 Faves, gemixt mit alten Favoriten in einer Playlist? Here you go:

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  • Exklusive Videopremiere: M. Byrd und „Flood“

    Exklusive Videopremiere: M. Byrd und „Flood“

    Träumerisch sanfte Indie-Rock Melodien, die sich nach einem warmen Herbstspaziergang anhören – Genau diese Gefühle von Wärme, Nostalgie und Sehnsucht schafft M. Byrd mit seinen Songs und das nicht nur durch die Musik. 

    Der Singer-Songwriter und Multiinstrumentalist aus Hamburg veröffentlichte 2020 seine Debut-Single Mountain, die ihm seither den Status als vielversprechender Indie-Newcomer eingebracht hat. Letztes Jahr veröffentlichte M. Byrd dann seine erste EP Orion, die mit drei weiteren Tracks den sanften Indie-Rock Sound weiterführt. Vor allem die Texte sind malerisch und verträumt.


    „When I wake up in the night, And my mind is still cascading,
    In your eyes I try to find, How to make it through these changes”

    Vor zwei Wochen veröffentlichte M. Byrd nun seinen neuen Song Flood, der im Gegensatz zu seinen vorherigen Releases ein wenig dynamischer klingt. Die träumerische Atmosphäre bleibt trotz des treibenden Charakters des Songs bestehen und verleiht dem Sound von M. Byrd einen Wiedererkennungswert. Flood handelt von Dingen, mit denen wir alle irgendwann mal in unserem Leben konfrontiert werden: Liebe, Distanz, Verwirklichung und dem Loslassen. Musikalisch spiegelt Flood mit seinem konstanten und forttreibenden Sound die Turbulenzen im Leben ziemlich gut wieder – wie ein Wasserfall eben. Er klingt nach Freiheit und Leichtigkeit.

    Das offizielle Musikvideo zum Song zeigt Aufnahmen von M. Byrd inklusive Band auf Tournee. Abwechselnd bekommt man Einblicke von der Band auf der Bühne, unterwegs im Tourbus oder wie sie bei einem Tourstop Paris erkunden – mal in schwarzweiß, mal in Farbe. Als Zuschauer*in hat man das Gefühl Teil dieser Reise zu sein, sodass sich der Song ziemlich gut als Soundtrack für ein Roadmovie eignet. 


    Flood“ Acoustic-Session live in Paris
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    „Tonight, we’ll try to split the ocean“


    Heute veröffentlicht M. Byrd eine ganz besondere Version des Songs: eine Acoustic-Session. Aufgenommen wurde das Video in Paris, während M. Byrd dort ein ausverkauftes Konzert gespielt hat. Gemeinsam mit seiner Gitarristin und seinem Bassisten, die ihn lediglich mit Gesang begleiten, sitzt der Sänger mit seiner Akustik-Gitarre unter einem Steinpavillon in Paris. Auch in diesem Video gibt es abwechselnd Sequenzen in schwarzweiß und in Farbe. Das Schöne an einer Akustik-Version? Alles ist so roh und ehrlich. Aus dem dynamischen Song wird eine sanfte Version, die genauso träumerisch klingt und die Bedeutung des Songs auf eine andere Ebene bringt. Die visuelle Ästhetik der schwarzweiß Sequenzen vermittelt umso stärker ein Gefühl von Sehnsucht und Nostalgie.

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    Fotocredit: Joseph Strauch

  • Unsere Highlights vom Reeperbahn Festival 2022

    Unsere Highlights vom Reeperbahn Festival 2022

    Im vergangenen Monat waren wir auf dem Reeperbahn Festival unterwegs, das dieses Jahr zum 17. Mal stattgefunden hat. Vier Tage lang bietet das größte Clubfestival in Europa neben zahlreichen Konzerten auch Workshops und Vorträge an, die sich rund um die Popkultur drehen. Das Festival dient jedes Jahr als ein Ort des Zusammenkommens von Künstler*innen, Musik- und Kulturinteressierten sowie Fachbesucher*innen aus der ganzen Welt. Diskussionsrunden zu aktuellen Entwicklungen in der Musikwirtschaft sind ebenso im Programm. Das Reeperbahn Festival lohnt sich für alle, die Bock auf Livemusik haben und neue Acts entdecken wollen.


    Auftakt mit BILBAO und Beachpeople

    Musikalisch hat das Reeperbahn Festival für uns am Mittwoch mit der Band BILBAO im Spiegelzelt der Festival Village gestartet. Die Indie-Pop Band aus Hamburg lieferten einen energievollen Start in das Programm. Für die Jungs dürfte der Auftritt wohl etwas ganz besonderes gewesen sein, denn die Idee für die Gründung von BILBAO kam auf dem Reeperbahn Festival 2019. Passender als ihr tanzbarer Spätsommer-Indie-Pop hätte der Anfang nicht sein können.

    Ganz anders ging es mit Beachpeople weiter. Bei gemütlicher Atmosphäre in den roten Samtsesseln des Imperial Theaters konnten wir dort sanften melancholischen Träumereien lauschen. Zwischen der enormen Lebhaftigkeit des Festivals konnte man sich dort der Musik völlig hingeben und vergaß jegliches Zeitgefühl.


    Kaftklub legen die Reeperbahn lahm

    Die Stimmung auf dem Reeperbahn Festival war krass. Wie könnte man das toppen? Eine Frage, die leicht zu beantworten ist. Auf dem Spielbudenplatz lief die Bavarian Export Session mit Elena Steri. Ein kurzer Blick über den Zaun und man sah, wie die komplette Reeperbahn abgesperrt wurde und eine Bühne mitten auf der Straße stand. Menschenmassen strömten auf die Bühne zu und es war kein Ende in Sicht. Was das bedeutet, merkte man ungefähr 30 Sekunden nachdem Elena Steri ihr Set auf der Bühne beim Spielbudenplatz beendet hatte.

    Ein paar Meter weiter setzen Gitarren ein und Menschen jubelten. Und dann war Kraftklub da! Die Stimmung war nicht zu toppen. Einen Tag nach Album-Release sind alle im Kraftklub Fieber. Als dann auch noch Special Guest Casper auf die Bühne kommt, weiß man, dass dieser Gig zum Festival-Highlight werden könnte. Zum Schluss sprang noch Bill Kaulitz bei „Fahr mit mir (4×4)“ auf die Bühne.


    Moshpit mit Paula Hartmann

    Erwartungsvoll machten wir uns auf den Weg zu Paula Hartmann. Beim Uebel & Gefährlich angekommen, sahen wir schon viele andere in der Halle stehen. Die Vorfreude war natürlich nicht unbegründet! Friso kam als erster auf die Bühne. Ein Moshpit nach dem anderen spielte sich in der Mitte ab und Paulas melancholische Texte sangen alle mit, während zu den Beats getanzt wurde. Gegen Ende ihres Sets stimmte sie noch ihre Version von „Another Love“ von Tom Odell an. Stolz erzählte sie, dass sie am Tag vorher in Hamburg auf einem Konzert von ihm war. Genauso schön war es, als auch bei diesem Track alle mitsangen. Nach dem Konzert waren wir verschwitzt, aber vor allem glücklich und voller Euphorie.


    Malerischer Indie-Rock mit M.Byrd und Luke Noa

    Die St. Pauli-Kirche in Hamburg vermutet man erstmal nicht als Location für ein Musikfestival. Steht man aber im Gang neben den Kirchenbänken und schaut auf die Bühne, entwickelt sich ein unglaublicher Charme. Die beiden Künstler M.Byrd und Luke Noa haben dort im Rahmen des Festivals ein Konzert gegeben und mit ihrer Musik eine ganz besondere Atmosphäre kreiert. Das Zusammenspiel von Klang und Kulisse verlieh dem Clubkonzerte-Alltag eine schöne Abwechslung.

    Die Kulisse war perfekt für den träumerischen Indie-Rock Sound von M.Byrd. Auch Luke Noa hat auf der Humming Records Labelnight im Drafthouse eine wahnsinnig gute Show mit Full-Band Line Up hingelegt. Seinen aktuellen Song „21“ hat er am Ende mit Sängerin Lina von Brockhoff performt – das war magisch.


    Tränen bei der Betterov & Friends Session im Michel

    Magisch ist auch das perfekte Wort für das Betterov & Friends Konzert im Michel. So besonders wie das Setting in der beeindruckenden Kirche, war auch die Setlist. Betterov betrat die Bühne, hinter ihm die Streicher, dirigiert von Tim Tautorat. Wir hörten Songs des neuen Albums und „Viertel vor Irgendwas“-Tracks, die sich warm und bekannt anfühlten. Im Verlauf des Konzerts kamen die Special Guests auf die Bühne. Novaa, Paula Hartmann, FIL BO RIVA und Olli Schulz performten jeweils einen Betterov-Track und einen eigenen Song im Duett. Irgendwann hatten wir aufgehört die Gänsehaut-Momente zu zählen – es waren sehr viele! Vor allem das Duett von Betterov und Paula Hartmann mit „Nie Verliebt“ war wunderschön. Zweistimmig sangen die beiden den letzten Chorus, dann setzen die Live-Streicher mit dem Outro ein. Der Klang der Kirche hat der*m einen oder anderen glitzernde Tränen über die Wangen geschickt.


    Das offizielle Aftermovie vom Reeperbahn Festival 2022
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    Fotocredits: Amélie Ostara Freund