„The biggest song I’ve ever written” – Mit diesem Satz beschreibt Luke Noa seine neuen Song “21“, der letzte Woche veröffentlicht wurde. Für ihn ist es ein ganz besonderer Release, denn es handelt sich um ein Feature mit der Künstlerin THALAaus Berlin. Auf seine letzten beiden energiegeladenen Singles „Your Smile Should Have Been Mine“ und „Lady From The North” folgt nun eine wunderschöne Ballade.
Die träumerische und klare Stimme der Dreampop-Musikerin könnte hier nicht besser passen. THALA hat bereits mit ihrer ersten Single „Serenade“ internationales Interesse geweckt und supportete Bands wie Current Joys oder Surf Curse. Ihr letztes Jahr veröffentlichtes Debütalbum vereint träumerische Gitarrenklänge, ein sanftes Nostalgie-Gefühl und eine spielerische Leichtigkeit, die dich für einen Moment die Zeit vergessen lassen.
“well I don’t even know what the hell I was thinking, cause time is running but I keep standing still”
Umso mehr habe ich mich über diese Kollaboration gefreut. 21 ist eine innige Klavierballade, die auf musikalischer Ebene ein Gefühl von Hoffnung transportiert und dennoch Unzufriedenheit und Selbstzweifel mit Hilfe des Textes vermittelt. Der Song klingt warm, wie eine Umarmung oder eine Stimme, die Zweifel nehmen möchte, aber auch nach Sehnsucht. Sie beginnt als ruhige Ballade und entwickelt mit dem Zusammenkommen beider Stimmen einen dynamischen, kraftvollen, vielleicht sogar epischen Chorus. Gezeichnet ist dieser vor allem durch Streicher und Bläser, die das Gänsehaut-Potenzial endgültig hervorrufen. Die Stimmen von Luke Noa und Thala gleichen sich perfekt aus und harmonieren deshalb so unheimlich gut miteinander.
Die Lyrics des Songs scheinen simpel, sind aber genau der richtige Weg um die zahlreichen Gefühlszustände wie Angst, Schmerz und Zweifel so eindeutig zu vermitteln. Das Gefühl von Überforderung wird hier ziemlich gut beschrieben. Manchmal sind es die einfachen Worte, die es schlussendlich am besten auf den Punkt bringen. Und obwohl alles so deutlich scheint, kann man am Ende eben doch nicht genau sagen, welches Gefühl im Vordergrund steht. Luke Noa und Thala haben uns eine berührende Ballade mit ganz viel Gefühl und Harmonie gezaubert.
Luke Noa und sein größtes Musikvideo
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Das Musikvideo zum Song zeigt verschiedene Charaktere und ihre Geschichten. Es erinnert wieder an einen analogen Arthouse-Film, der die Stimmung des Songs anhand seiner Farben widerspiegelt. Das Video wirkt bedrückend und gleichzeitig träumerisch, als würde die Zeit still stehen. Bevor die Stimmen der beiden im Chorus zusammenkommen, stoppt die Musik im Video und lässt die Zeit tatsächlich kurz still stehen. Ein schönes Musikvideo, das die Emotionen und Gefühle aus 21 visuell erzählt.
Eines, was man immer wieder bei Luke Noa merkt, ist, dass viel Mühe und Liebe hinter alldem steckt, was er tut. Das hört man in seiner Musik und sieht man in den Artworks und Musikvideos. Ich für meinen Teil, verbinde jeden Song mit einer bestimmten Zeit aus den letzten zwei Jahren und damit auch mit Gefühlszuständen, in denen ich mich befunden habe. Viel mehr Bedeutung kann Musik gar nicht für mich haben. – die Songs von Luke Noa bleiben im Herzen.
Nun kann man vielleicht erahnen, dass eine neue EP von Luke Noa auf dem Weg ist. Bereits mit „Your Smile Should Have Been Mine“ hat sich das Farbschema auf den Artworks der Singles geändert. Na, ist da etwa eine neue Ära im Anmarsch? Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt auf das, was noch kommt. Aktuell ist Luke Noa zusammen mit BROCKHOFF und PANOauf Tour – also nicht verpassen!
Hier könnt ihr euch den Song auf Dauerschleife anhören:
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Nach langen zweieinhalb Jahren Warten startete Anfang April endlich die Rookery-Tour der Giant Rooks. Mit im Gepäck hatten sie ihr Debütalbum „Rookery“, das die Band im August 2020 veröffentlichte und nun erstmals so richtig live spielen konnte.
Dabei hat sich bei den Giant Rooks so einiges getan in den letzten Jahren – Neues Album, neuer Merch, eine Reihe an Festival-Gigs und vor allem eine rasant wachsende Fanbase, die weder über Social-Media noch auf Konzerten zu übersehen ist. Ende letzten Jahres war die Band aus Hamm als Support mit Milky Chance in den USA unterwegs. Ihre darauf angekündigten Konzerte in den USA waren in kürzester Zeit ausverkauft. Chapeau! Nun fand im April die langersehnte Rookery-Tour statt und ich dufte beim Stopp in Hannover dabei sein.
Support aus Australien: TORA
Beim Betreten der Swiss Life Hall war ich erstmal kurz baff. Da wurde mir bewusst, was sich alles in den letzten zwei Jahren getan hatte. Wo die Band doch schon 2019 eigentlich kein Geheimnis mehr war, ist mir spätestens beim Betrachten der Halle (die übrigens eine Kapazität von fast 6.000 Besucher*innen hat) klar geworden, dass es die Giant Rooks schon weit gebracht haben. Eine viereckige LED-Leinwand in Form eines Fensters zierte das neue Bühnensetup der Band und machte neugierig auf mehr. Die australische Band TORAhatte an diesem Abend ihr Debüt als Vorband für die nächsten Konzerte der Tour. Eine Band, über dessen Support Ankündigung ich mich wahnsinnig gefreut habe. Ihr elektronischer/Indie-Pop Sound ist eher ruhig, vibey aber dennoch mit viel Dynamik. Tora lieferte einen schönen Start in den Abend.
Das Konzert begann mit Rainfalls als kleiner Opener und einem anschließend eindrucksvollen Auftakt mit Birth Of Worlds, der ebenso in das Debütalbum einleitet. Ein toller Einstieg mit Gänsehautpotenzial, wenn ihr mich fragt. Von Sekunde eins an ist die Bühne samt der fünf Jungs mit Energie geladen und man weiß sofort: Das wird ein guter Abend! Nun hieß es kurz Luft holen, denn bereits beim zweiten Song Heat Upkonnte kaum jemand stillhalten. Der Song fasst ein Giant Rooks Konzert ganz gut zusammen – ausgelassenes Tanzen und Mitsingen! Wenn dann auch noch Sänger Frederik Rabe auf der Bühne tanzt, ist die Ansteckungsrate hoch.
Selbstverständlich gab es auch Songs der alten EPs zu hören, wie Bright Lies oder Mia & Keira (Days To Come), die mir erstmal ein Nostalgie-Gefühl verpasst haben. Zu meinem Entsetzen hat leider ein wunderschöner Song auf der Setlist gefehlt – und zwar Chapels, der 2017 auf der „New Estate“-EP veröffentlicht wurde. Vielleicht spielen die Giant Rooks mit ein wenig Glück diesen Song ja bald wieder live, *hust*.
Giant Rooks präsentieren zwei neue Songs
Mit Bedroom Exile und Morning Blue stellte die Band zwei neue Songs vor, die an den Sound von Rookery anschließen. Beide sind sehr indie-poppig und dancy mit Ohrwurm-Potenzial. Vor allem Bedroom Exile hat mir sehr gefallen – ein dynamischer Song mit träumerischer Atmosphäre. Die neuen Songs schienen gut bei den Fans anzukommen.
Nightingales Of The Walled City ist mein persönliches Giant Rooks-Konzert-Highlight. Es handelt sich da um einen unveröffentlichten Song, den die Band seit Jahren nur live spielt (und damit hoffentlich niemals aufhört). Der Song ist schlichtweg ein sieben Minuten andauernder Banger und damit ebenso Auslöser für sämtliche Moshpits. Anschließend muss das Publikum ziemlich fertig ausgesehen haben, denn Sänger Fred sorgte erstmal für genügend Wasserflaschen, die er dann ins Publikum warf – „Wasser auf Giant Rooks Nacken“, scherzte er danach. Sweet.
Giant Rooks sind, und das kann man ihnen wirklich nicht absprechen, eine wahnsinnig gute Live-Band. Die Energie und Freude, die jeder der Bandmitglieder auf die Bühne bringt, reißen einen mit und ich muss sagen, mir fehlte das ein oder andere Mal wirklich die Luft. – Also pure Glücksgefühle.
Nach eineinhalb Stunden neigte sich dann das Konzert langsam dem Ende zu. Als Zugabe gab es unter anderem eine wunderschöne Pianoversion von All We Are zu hören, die mir erneut Gänsehaut verpasste. Mit Watershed haben die Giant Rooks dann die Halle zum letzten Mal an diesem Abend so richtig aufgeheizt. Alle trommelten mit ihren Füßen auf den Boden, die Stimmung war nicht zu toppen. Fazit des Abends: Ein sehr gelungenes Konzert bei dem ich viel geschwitzt, getanzt und gesungen habe.
Nun geht es für die Giant Rooks weiter auf Nordamerika und Europa-Tour. Es war mir mal wieder eine besondere Freude, herzlichen Dank für den schönen Abend! Ich hab’s vermisst.
Und falls ihr nicht genug bekommt:
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Mit der Newcomer-Band Coach Party präsentieren wir euch heute erfrischend neuen Indie-Rock von der Isle of Wight in Großbritannien – und viel Women Power. Das Quartett besteht aus den beiden Frontwoman Jess Eastwood (Gesang/Bass) und Steph Norris (Gitarre) sowie Gitarrist Joe Perry und Schlagzeuger Guy Page. 2019 veröffentlichte die Band ihre erste Single. Mittlerweile spielen Coach Party auf großen britischen Indie-Festivals wie dem Truck-, Y Not?- oder Tramlines-Festival. Letzte Woche veröffentlichte die Band nun ihren neuen Song „Weird Me Out“ und damit einen weiteren Vorgeschmack auf die kommende dritte EP „Nothing Is Real“, die am 29. April erscheint.
Coach Party über unrealistische Maßstäbe
Wenn ihr Social-Media nutzt, kennt ihr wahrscheinlich folgendes Szenario – das Romantisieren jeglicher Inhalte, mit denen wir in Berührung kommen. Da passiert es schnell, dass uns Social-Media sehr unrealistische Ideen und Bilder von Beziehungen vermittelt, die wir aufgreifen und verfestigen. Genau von dieser Thematik handelt Coach Partys neuer Song „Weird Me Out“. Die Band greift den Gedanken auf, sich selbst oder die andere Person verändern zu wollen, um dem Bild einer perfekten Beziehung gerecht zu werden.
“Don’t be yourself, cause I want something better.”
Gleichzeitig geht es zwischen den Zeilen auch darum, sich eben nicht verstellen zu wollen und mit anderen zu vergleichen, um den Standards von Social-Media gerecht zu werden. »Why do I care? I’m better than that. « Völlig energiegeladen mit prägnanten Drums im Vordergrund fordert „Weird Me Out“ zum Tanzen auf und ist vor allem durch den catchigen Refrain ein richtiger Banger. Der Song powert bis zum Ende durch, wobei die Bridge nochmal ein schönes harmonisches Zwischenspiel darstellt. Textlich geht es da um das, worum es in einer Beziehung eigentlich geht, nämlich um die Zuneigung zueinander. Die starken Vocals von Bassistin Jess sind dabei definitiv ein Highlight.
„Take me back to when we first met,
We just met,
I cared about nobody but you,
Didn’t care what they said.“
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Der visuelle Aspekt scheint der Band nicht unwichtig zu sein, wenn man sich die Musikvideos zu „Weird Me Out“ oder der letzten Single „FLAG (Feel Like a Girl)“ anschaut. Beides zwei sehr gelungene Videos, die ich auch ästhetisch ziemlich ansprechend finde.
Neben der neuen Single haben Coach Party seit 2019 zwei EPs veröffentlicht – nicht wenig für so einen Zeitraum. Dabei ist ihr Sound durchweg indie-rockig, mit viel treibenden Guitar- und Drum-Sounds. Zu ihren musikalischen Vorbildern und Inspirationen gehören unter anderem Sonic Youth, The Strokes oder Wolf Alice. Das passt ganz gut, finde ich. 2020 veröffentlichte Alfie Templeman seine EP „Happiness in Liquid Form“, auf der Coach Party im Song „My Best Friend“ gefeatured sind.
Songs über den alltäglichen Wahnsinn
Auf ihrer ersten EP „Party Food“ (2020) veröffentlichte die Band die beiden Songs „Bleach“ und „Breakdown“, die sich mit gegenwärtigen Themen beschäftigten, wie Ängsten in einer Beziehung oder dem Frustriert- und Unzufrieden sein durch den eigenen Alltag. Ihre meistgehörten Songs wie „Everbody Hates Me“, „Can’t Talk, Won’t“ oder „i’m sad“ (mein persönlicher Favorit) befinden sich auf ihrer zweiten EP „After Party“, die bereits 2021 folgte. Beim Durchhören ihrer Diskographie ist mir aufgefallen, dass Coach Party anscheinend nur catchige Hits schreiben können – reinhören lohnt sich also sehr!
Das Indie-Quartett hat großes Potenzial und sind auf gutem Wege in ihrem Heimatland England durchzustarten. Von ihrer kommenden EP im April ist neben dem Song „FLAG (Feel Like a Girl)“ nun auch „Weird Me Out“ draußen. Mit ein bisschen Glück erleben wir Coach Party dann bald auch hier live.
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Die Londoner Band Palace veröffentlichte vor Kurzem ihr drittes Studioalbum „Shoals“. Wer melancholisch-, träumerischen und sanften Indie-Rock liebt, ist hier genau richtig.
Passend zum Titel des Albums, ziert eine grün-bläuliche Unterwasserwelt das Cover. Damit bleibt die Band ihrer Farbthematik treu, die sich bereits auf den Vorgänger-Alben wiederfinden lässt. Ich finde die Thematik und der Sound spiegelt sich besonders in der Ästhetik der Band wider. Mal davon abgesehen, dass ich es grundsätzlich mag, wenn sich Gedanken um die Ästhetik der Cover gemacht wird. Für Palace spielt der Artwork eine zentrale Rolle, was sich vor allem auf dem aktuellen Album zeigt.
Ein Liebesbrief an die Angst
In ihrem dritten Album Shoals, zu deutsch „Untiefen“, zieht sich das Thema Angst wie ein roter Faden durch die zwölf Songs. Egal ob es um den Verlust eines geliebten Menschen durch den Tod geht („Where Sky Becomes Sea“), oder um nächtliche Ängste und Phobien („Gravity“), in Shoals werden sämtliche Formen der Angst thematisiert. Dabei soll diese nicht unbedingt als etwas Schlechtes dargestellt werden. Sie gehört zum Leben dazu und macht es lebendig. „Untiefen“ – Ich glaube ich hätte keinen besseren Titel für ein Album finden können, das sich mit den komplexen Gefühlen des Menschen auseinandersetzt. Auch das Meer spielt eine zentrale Rolle auf Shoals. Es dient als Metapher für den Geist des Menschen, der eben so tief und komplex ist.
Der Sound von Palace ist träumerisch, ruhig und dennoch dynamisch. Gerade das neue Album vermittelt das Gefühl sich in den Tiefen eines Ozeans zu befinden. Die Songs hören sich gedämpft und schwebend an, wie in einer Welt ohne Zeitempfinden. Palace arbeiten viel mit Hall und Echo-Elementen, sodass alles aus der Ferne klingt. Shoals beginnt mit „Never Said It Was Easy”, ein Track mit viel Klavier und Drum-Sounds, die in das Thema Ängste und Schmerzen einleiten. „Shame on You“, einer der sechs Single-Auskopplungen, ist der zweite Track auf dem Album und im Vergleich viel energiegeladener mit klassischer Bandbesetzung. Besonders der Refrain des Songs ist super harmonisch und stimmig.
Die Lyrics sind einer der Gründe, warum ich bei Palace hängengeblieben bin. Mit ihrer Musik erzählen sie Geschichten und nutzen Metaphern, die es einem manchmal schwierig machen, den Song zu verstehen – aber das muss und soll vielleicht auch nicht. Was ich dabei besonders mag, ist die Art, wie die Band Gefühlszustände und Emotionen in Worte verpackt.
„Sounds insane but I need the pain ’cause it helps me breathe living for the rain.“
Mit „Gravity“ sind wir beim ersten Song gelandet, der von Shoals veröffentlicht wurde. Der Song handelt von Gedanken und Ängsten, die uns in der Nacht wachhalten, solche, die Paranoia in uns auslösen. Es geht um Gedanken, die unsere Existenzen in einem unendlichen Universum in Frage stellen. Gravityist ebenso musikalisch kein „fröhlicher“ Track. Wie ist es wohl im Weltraum belanglos rumzuschweben? Ich finde Gravity gibt so eine monotone und gleichgültige Stimmung wieder, die dieses Gefühl ganz gut beschreibt. „Give Me The Rain“ beginnt mit dem Instrumental, mit dem Gravity aufhört und gehen damit nahtlos ineinander über. Der Track hört sich schon viel positiver an. Das Ängste nichts Schlechtes sind und zum Leben dazu gehören, bringt dieser Song ziemlich gut auf den Punkt. Wir brauchen den Regen, um die Sonne zu sehen, oder wie war das nochmal?
Palace hört sich an wie der Ozean mit all seinen ruhigen und stürmischen Phasen. Das Meer-Motiv zieht sich durch die ganze Diskographie der Band und überall lassen sich Referenzen erkennen. Das wird auf Shoals auch ziemlich deutlich. Die Band Foals kam mir zuerst in den Sinn, als ich zum ersten Mal Songs von Palace gehört habe – weniger Power, mehr Melancholie. Neben Foals sind auch alt-J und James Blake auf ihrer Inspirations-Playlist für das neue Album zu finden.
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Einer meiner liebsten Songs auf dem Album ist „Lover (Don’t Let Me Down)“, der sich mit der Angst vor Verlust und dem Verlassen werden beschäftigt. Irgendwie klingt er für mich wie bedingungslose Liebe, sehnsüchtig, schön, aber dennoch ein wenig traurig – „I would, I would do anything, I will give you everything, ‚cause you make my heart sing.“ Der letzte Song auf dem Album heißt „Where Sky Becomes Sea“ und hört sich musikalisch genauso schön an, wie sein Titel. Die sanfte Gitarrenballade handelt von dem schmerzhaften Gedanken, eine geliebte Person durch den Tod zu verlieren, sie aber dennoch irgendwann wiederzufinden: „When it’s all said and done and we’re rivers that run, will we be together beyond?“ – Palace haben einfach ein großes Talent, diese Gedanken in Worte zu fassen, da bekomme ich jedes Mal Gänsehaut, wenn ich den Song höre.
Shoals ist ein Album über Ängste und ihre verschiedensten Auslöser. Da trifft träumerischer Gitarrenrock auf viel Melancholie und psychedelische Elemente. Die Londoner Band hat sich auf ihrem neuen Album ausprobiert, wobei sie dennoch ihrem alten Sound treu gebelieben sind. Shoals ist der perfekter Soundtrack für gedankenverlorene Tage.
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Als großer The Wombats Fan war ich nach der Ankündigung des neuen Albums „Fix Yourself, Not The World“ ziemlich aus dem Häuschen. Geschlagene vier Jahre ist es her, dass ihr letztes Album „Beautiful People Will Ruin Your Life“ erschien und bei mir damals Euphorie auslöste. Es ist also langsam an der Zeit für neue The Wombats Banger, wie „Let’s Dance To Joy Divison“ oder „Greek Tragedy“, der letztes Jahr zum TikTok-Hit wurde. Das neue Album bietet auf jeden Fall neue solcher Songs, die im Ohr bleiben.
Bereits an den Single-Auskopplungen konnte man erahnen, dass es sich wieder um eine Indie Guitar-Pop Platte mit viel Potenzial handelt. „If you Ever Leave, I‘m Coming with You” und “Everything I love Is Going To Die” gaben vor dem Release einen Vorgeschmack auf den typischen Wombats-Sound, der auch auf diesem Album nicht zu überhören ist. Das Album lässt sich als ein Selbsthilfe-Leitfaden für Unzufriedene lesen, so Frontman Matthew Murphy. Es geht quasi darum, sich besser zuerst mit sich selbst auseinanderzusetzen, bevor man es am Rest der Welt auslässt. Logisch.
Während „If you Ever Leave, I‘m Coming with You” von exzessiver Hingabe und Abhängigkeit handelt, geht es in “Everything I love Is Going To Die” um den Gedanken, dass Leben so gut es geht zu genießen und auszuleben. Der Song ist super catchy und bringt gute Laune, wenn man den Titel mal beiseite lässt. Das offizielle Musikvideo zum Song veröffentlichte die Band bereits letztes Jahr und ist vom Album-Artwork inspiriert. Im Animationsvideo werden The Wombats und die 8-Bit Stadt zum Leben erweckt.
„Icarus Was My Best Friend, So I’m Gonna Make Him Proud In The End.“
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Das Album beginnt mit dem Disco-Funk Song „Flip Me Upside Down“. Ein passendes Intro für ein Album, das voll mit energiegeladenen Songs ist, die zum Tanzen einladen. Er erinnert allerdings nicht direkt an den altbekannten Wombats-Sound. Prägnanter Bass und treibenden Drums sind im Vordergrund des Songs, machen ihn groovy und heben ihn so ziemlich vom Rest des Albums ab.
Über’s Loslassen
Mit „Method to the Madness“ kam 2021 der erste Song des neuen Albums raus. Eine musikalisch eher ungewöhnliche und ruhigere Ankündigung für die Band, die sich damit zum ersten Mal auf der neuen Platte ausprobieren. Im Song hat Frontman Murphy einen „breaking point“ und schafft es endlich seine Ängste zu bekämpfen und loszulassen. Der sanfte Track der Platte überrascht zum Ende hin mit neuem Refrain, der mit Strophen wie «Fuck my sadness» wie eine Kampfansage klingt. Mit den Drums kommt die Spannung und es folgt ein rockiges Finale, wie man es von der Band gewohnt ist. Das ist auch der Part des Songs, wo ich jedes Mal Gänsehaut bekomme. Man fiebert mit.
Einer meiner liebsten Songs auf dem Album ist „People Don’t Change People, Time Does“, der mich wieder sehr an den Sound der Band erinnert. Er handelt von der Stadt Los Angeles, die für viele junge und talentierte Künstler:innen sehr hart sein kann, wenn man dort versucht seine Träume zu verwirklichen. Dabei mag ich den Titel total. „Wildfire“ ist einer von den Tracks, die sich ein bisschen neuer anhören, weiter weg von allem Alten. Das liegt vielleicht an den Trompeten in der Besetzung, die ebenso in „Ready for the High“ vorkommen. Mit der Hookline hat der Song neben großem Live-Potenzial ebenso sehr die Chance, dein nächster Ohrwurm zu werden.
„It’s not, it’s not, it’s not paranoia if it’s really there.„
„Um, I worry, uh, I’m pretty much worried about everything really, I worry that I’m worrying so much maybe I’m gonna, you know, have some kind of pattern.” Mit einem gesprochenen Intro beginnt der elfte Song “Worry“ – zugegebenermaßen sehr relatable. Eigentlich geht es im Song mehr um Zwangsstörungen (OCDs). „It’s supposed to be inside the head of someone who’s loosing it a bit“, so Murphy. Musikalisch ist der Song eher das Gegenteil – fröhlich, locker und reißt einen förmlich mit. Auch hier liegt der Gedanke nahe, wie gut sich der Song wohl live anhören würde.
Fix Yourself, Then The World
Leicht abgeändert vom Titel des Albums, schließt “Fix Yourself, Then The World” als Outro das Album ab. Der Song dröhnt aus der Ferne, klingt verzerrt und gleichzeitig schwebend. Es fühlt sich an, als würde sich der Song und die Stimme des Sängers langsam auflösen und derartig das Ende des Albums ankündigen. Es ist ein eintöniges Outro, aber ein Schönes.
The Wombats haben erneut ein super catchiges Album gezaubert, auf dem sie neue Genres ausprobieren und sich musikalisch an ihre Grenzen gebracht haben. Ein sehr gelungenes Album, das gute Laune auslöst, obwohl es thematisch gar nicht danach aussehen mag. In „Fix Yourself, Not The World“ geht es um die Auseinandersetzung mit sich Selbst, aber auch darum, dass es immer irgendwie weitergeht. Bessere Zeiten kommen.
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Um ehrlich zu sein, weiß ich gar nicht, wo ich überhaupt anfangen soll. 2021 war – a lot. Mein Spotify-Jahresrückblick war zwar alles andere als überraschend für mich, allerdings habe ich mich rückblickend sehr viel Neuem zugewendet. Neben meinen üblichen Hörgewohnheiten zu denen Sam Fender, Elliot Smith, The Smiths, Giant Rooks oder Nada Surf gehören, habe ich vor allem durch Untoldency sehr viel Neues konsumiert. Um mal ein paar Beispiele zu nennen: Novaa, Zimmer90 oder Mar Malade – an dieser Stelle ein Herzchen an meine Team-Kolleg:innen für den erstklassigen Content.
Indie-Pop Queens on repeat
Zugegebenermaßen habe ich bisher kaum weiblichen Künstlerinnen besonders große Aufmerksamkeit geschenkt. Das hatte mit diesem Jahr auf jeden Fall ein Ende. Schock-verliebt bin ich von einem Album ins Nächste gehüpft und ja – dass sah man spätestens in meinem Spotify-Jahresrückblick (girl in red macht da einfach den zweiten Platz?!). Daher kann ich gar nicht anders als zuerst über meine zwei liebsten Künstlerinnen aus diesem Jahr zu schwärmen. Arlo Parks und Holly Humberstone haben 2021 all meine Beachtung bekommen.
Arlo Parks – „Eugene“
Im Januar lief das Debut-Album von Arlo Parks „Collpased In Sunbeams“ bei mir rauf und runter. Ein unglaublich gutes Album, über das ich (fast) ein Jahr später immer noch nicht hinweg bin. „Eugene“ war der erste Song, den ich gehört habe und laut Spotify auch mein meistgehörter Song aus diesem Jahr. Arlo verarbeitet im Song ihre Gefühle für eine enge Freundin, für die sie Gefühle entwickelt hat, die allerdings nicht erwidert werden. Für mich ist der Song an Schönheit und Verletzlichkeit einfach nicht zu übertreffen. Im Video passiert szenisch nicht viel. Alles spielt sich in, auf und neben einem Bett ab. Es ist unfassbar passend, weil es visuell alle Emotionen verdeutlicht. Aber seht selbst.
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Neben Arlo Parks hat sich auch Holly Humberstone über BBC Introducing in der UK einen Namen gemacht – und das vollkommen zu Recht. Dieses Jahr hat sie ihre zweite EP „The Walls Are Way Too Thin“ veröffentlicht, die mich absolut nicht enttäuscht hat. Bereits letztes Jahr war ich obsessed mit ihrem Song „Overkill“, den ich bis jetzt noch auf Dauerschleife suchte. Möglicherweise muss ich zugeben, dass „Scarlett“ den Song abgelöst hat – zumindest für den Moment.
„We go together like bad British weather on the one day I made plans.“
Nun kam vor ein paar Tagen mein Dream-Collab raus: Sam Fender featuring Holly Humberstone mit einer Akustik-Version von „Seventeen Going Under“. Davon mal abgesehen, dass die beiden musikalisch unfassbar gut harmonieren, scheinen sie sich auch noch sehr gut zu verstehen. Sam hat ihr dann persönlich, im Zuge der Performance, die Neuigkeit überbracht, dass sie den 2021 BRITS Rising-Star-Awardverliehen bekommen hat. (Worauf sieerstmal mit „fuck off“ antwortete – irgendwie sympathisch.)
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Im Mai diesen Jahres veröffentlichte Luke Noa endlich seine erste EP „Bleach“. Ich glaube kaum ein Release hat mich dieses Jahr so emotional gemacht, wie diese fünf Songs. Wobei ich sagen muss, dass ich bereits Ende 2020 „Roccastrada“ auf Dauerschleife gehört habe. Zum Glück muss ich mich nicht für einen der Songs entscheiden, dass wäre nämlich unmöglich.
„Relief“ habe ich sicherlich am meisten von allen gehört und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass mir beim Hören nicht auch ein paar Tränen entflossen sind – eigentlich jedes Mal. Für mich ist es die Mischung aus den melancholischen Texten und Lukes unfassbarer schönen Stimme, welche die Emotionen der Songs ziemlich passend rüberbringt. So passend, dass ich das Gefühl habe, ich hätte selbst ein schmerzendes Herz. Aber genug von traurigen Songs. Auf der EP befinden sich ebenso (neben „Roccastrada“) zwei weitere Banger: „She Looms“ und „Bleach“. Da wären wir wieder bei meiner altbekannten Liebe für Indie-Rock angelangt. Fazit: sehr empfehlenswert. Ich warte bereits auf ein Album.
Weitere Release-Schätze aus 2021
So viel zu meinen absoluten Highlights aus diesem Jahr. Allerdings verspüre ich noch das Bedürfnis, ein paar Alben mit euch zu teilen, die dieses Jahr das Licht der Welt erblickt haben. Zu einem handelt es sich um das Debüt-Album von Inhaler „It Won’t Always Be Like This“, sowie das neue The War On Drugs Album „I Don’t Live Here Anymore“ (der Titelsong ist so genial) und girl in red’s Debüt „if i could make it go quiet“ (auch wahnsinnig tolles Album). Das neue Sam Fender-Album befindet sich selbstverständlich ganz oben auf meiner Liste. Rückblickend ein gar nicht mal so schlechtes Jahr, zumindest was die musikalischen Veröffentlichungen angeht. Trotzdem kann ich es nicht mehr abwarten, bis Konzerte wieder zur Normalität werden – live music just hits different.
Da ich hier aber nicht alles erwähnen kann, habe ich mal eine Playlist mit meinen liebsten Releases aus diesem Jahr erstellt.
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Zwei Jahre nach seinem Debüt-Album ist Sam Fender zurück mit seinem zweiten Album „Seventeen Going Under“, das sich definitiv als ein würdiger Nachfolger herausstellt. Es ist ein sehr persönliches und verletzliches Album mit vielen Emotionen und autobiografischen Texten. Wie bereits auf seinem Debüt „Hypersonic Missiles“, verarbeitet er auf dem neuen Album seine Kindheit („Getting Started“, „Spit Of You“), mentale Probleme („Paradigms“) und Selbstzweifel („Last To Make It Home“). Auch politische Themen wie Klassismus und die Kluft zwischen Links und Rechts („Aye“) beschäftigen den 27-Jährigen in seinen Songs. Es ist ein Album über Unsicherheiten und das Erwachsenwerden, aber vor allem auch über Selbstfindung. Evelin und Julia haben reingehört und teilen hier nun gemeinsam ihre Gedanken um diese starke LP!
TRIGGERWARNUNG!
In diesem Text werden selbstzerstörerische und suizidale Gedanken sowie Mobbing und mentale Probleme thematisiert. Diese Themen können einige Leser:innen beunruhigen. Wenn es dir mit diesen Themen nicht gut geht, bitten wir dich, genau abzuwägen, ob du den Text wirklich lesen möchtest. Auch möchten wir auf die Nummer der Telefonseelsorge hinweisen: 0800 1110111, 0800 1110222.
Seventeen Going Under
Evelin: „Seventeen Going Under“ fühlt sich an wie der perfekte Start in dieses Album, deswegen sicher auch der Albumtitel 😀 Schon, wenn ich die ersten Klänge höre, setzt die Nostalgie sofort ein. Sam schafft es irgendwie, dass man sich, selbst wenn man im tiefsten Deutschland aufgewachsen ist nach der britischen Jugend sehnt. Der Song blickt aber keineswegs mit rosaroter Brille der Teenager-Zeit nach, sondern befasst sich auch mit der toxischen Seite von Kindheitserinnerungen.
Julia: Genau das. Der Song gibt mir ein richtiges Nostaligiegefühl und sobald das Schlagzeug einsetzt, kann ich nicht mehr aufhören mitzuwippen. Textlich wie auch musikalisch ist dieser Song einfach perfekt als Einleitung und kündigt bereits die Zerbrechlichkeit und Emotionalität des Albums an. Und dieses Saxophon…
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Evelin: Einer meiner Favourites und auch ein sehr persönlicher Song, was eigentlich sehr untypisch für Sam Fender ist. Normalerweise dreht es sich um die Geschichten anderer, nicht um seine. Er selbst sagt:
“I find it easier to write about other people because I can be completely honest about them. I can’t be honest about myself, because everyone would think I’m a miserable c*nt.”
Aber diese Ehrlichkeit steht ihm gut. Familie ist selten einfach und in „Getting Started“ schafft Sam es, aus einer mehr als schlechten Ausgangslage auszubrechen. Er zeigt, dass man sich manchmal voranstellen muss, um nicht durch die eigene Verantwortung runtergezogen zu werden. Ich fühl den Song und den Inhalt echt mit jeder Pore.
Julia: Dieses Album ist so persönlich und man hat das Gefühl, man lernt Sam Fender ein bisschen besser kennen, was toll ist. „Getting Started“ ist einer der ersten Songs, die er geschrieben hat und vermittelt anhand seiner Dynamik eben auch, dass man nicht aufgeben sollte. Dieses sich selbst auch mal voranstellen, darüber sollte echt gesprochen werden. I like it.
Aye
Evelin: Schon mit den ersten Gitarrenklängen fühlt man Sams Rage. Der Song gibt mir richtige Punk Vibes. Weniger Melodie, dafür sehr viel politische Kritik. Man kann die Frustration geradezu greifen. Der Song pulsiert durch Gefluche und Geschrei vor Energie und Emotion. Ich finde, er spiegelt unsere Verzweiflung mit der Welt momentan 1:1 wider. Genau wie viele von uns, fühlt Fender sich auf missverstanden und nicht von der jetzigen Politik gesehen.
Julia: Das habe ich mir auch direkt gedacht. Der Rage-Mode kommt musikalisch einfach sehr gut rüber. „Aye“ ist quasi der Nachfolger von “Hypersonic Missiles” und “Play God” und behandelt zudem Klassismus aus der Sicht der Arbeiterklasse. Der Refrain verdeutlicht Sams Emotionen mit seiner Eintönigkeit in Sachen Melodie sowie auch Text. Es könnten Protestschreie sein: «Poor, hate the poor, hate the poor, hate the poor […]». „Aye“ istein Protestsong, ganz klar.
Get You Down
Evelin:„Get You Down“ lässt mich irgendwie zwiegespalten zurück. Nicht weil ich den Song nicht mag, ganz im Gegenteil! Die Melodie hat im Vergleich zu der aus dem letzten Song einen viel positiveren Touch. Dabei ist das Thema Selbsthass ein ganz und gar nicht Positives. Finde das Thema einfach sehr schwierig und delikat. Zusammen mit den Streichern klingt diese Selbstverachtung schon fast majestätisch, wenn er singt:
“I catch myself in the mirror
See a pathetic little boy”
Julia: Der Song klingt positiver als er ist, da gebe ich dir recht. Die Streicher geben mir Gänsehaut, vor allem in Hinblick auf das Thema. Es geht um Unsicherheiten und Selbstzweifel, die sehr nah und greifbar sind. Ich finde es wichtig, solche Themen und Gefühle musikalisch darzustellen. Viele können sich damit identifizieren.
Long Way Off
Evelin: Ich glaube, ich habe diesen Song schon gefühlt 3485 Mal hintereinander gehört. Ich bleibe jedes Mal bei „Long Way Off“ hängen und dann wird nur das in Dauerschleife gespielt. Das ist ohne jegliche Zweifel, mein Lieblingssong auf der Platte, wenn nicht sogar in der ganzen Diskografie Fenders. Ich finde hier merkt man richtig extrem, wie gut Sam Fenders Songwriting nach „Hypersonic Missiles“ geworden ist. Der Song ist richtig rund und gibt mir jedes Mal aufs Neue pure Gänsehaut. Mehr will ich auch gar nicht dazu sagen, hört euch den Banger einfach selbst an!
Julia: „Long Way Off“ ist definitiv auch einer meiner liebsten Songs auf diesem Album. Das Intro holt mich schon richtig ab und ich freu mich einfach jedes Mal auf den Song. Die Lyrics von Sam sind grundsätzlich einfach unfassbar gut und sicherlich ein wichtiger Grund für meine Liebe für seine Musik.
Spit Of You
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Evelin: So entspannt dieser Song klingt, zeigt sich Sam Fender hier unfassbar verletzlich. Es geht um seinen Vater, der ihn damals aus seinem Haus geschmissen hat. Die Vergangenheit und auch die Gegenwart schmerzt ihn, aber gleichzeitig weiß er, dass er seinen Vater nie einfach so loslassen kann. Ein traurig schöner Song über das Verhältnis von Vater zu Sohn, der melodisch sehr viel entspannter klingt als die Beziehung selbst.
Julia: Ich finde „Spit Of You“ einfach musikalisch unglaublich schön. Auch das Thema des Songs berührt mich jedes mal so krass, bekomme immer Gänsehaut bei dem Song. (Und das Saxophon wieder, uff). Es geht zudem darum, dass sich Sam selbst sehr in seinem Vater wiedererkennt und damit auch die fehlende Fähigkeit zu kommunizieren oder Emotionen zu zeigen, meint. Sam bezeichnet den Song übrigens als Liebeserklärung an seinen Vater.
Last To Make It Home
Evelin: Ach was sind Balladen nicht schön. Ich seh’ schon Tausende von Menschen mit Feuerzeugen zu „Last To Make It Home“ das Stadion erleuchten lassen. Ich kann mich nicht so recht einigen, was die Message des Songs genau ist. Ist es Kritik am Glauben, Kritik an oder Zynismus gegenüber der eigenen Existenz oder alles zugleich? Ich weiß nicht so recht, aber umso schöner macht das den Song. Also Augen zu und genießen.
Julia: Hier bekomme ich auch immer Gänsehaut, vielleicht kann ich das einfach bei jedem Song hinzufügen. In „Last To Make It Home“ geht es um Frustration und den Gedanken, nicht gut genug zu sein. Der Song klingt sehr sehnsüchtig, vor allem mit den Streichern im Hintergrund.
The Leveller
Evelin: Okay, nach der Ballade ist jetzt wieder Zeit für ein bisschen Action. „The Leveller“ verzeiht musikalisch wie lyrisch nichts. Fender lässt kein Blatt vor dem Mund, macht er sowieso nie. Und der Song trifft die Emotionen der Jugend, besonders der in der UK auf den Punkt.
“As little England rips itself to pieces
Buried my grandma along with her world
And this twisted mutation is where I reside”
Sag ich ja, kein Blatt vorm Mund. Auch musikalisch wird die Message durch den extrem starken Refrain unterstützt (erinnert mich leicht an Songs von The Pale White). In der ganzen Wut gibt Sam aber Hoffnung und ermutigt, das hier als Wendepunkt hin zu besseren Zeiten zu sehen.
Julia: „The Leveller“ klingt wie eine Kampfansage. Die vorantreibenden Drums und die Gitarre bringen keine Ruhe in den Song. Es fühlt sich an, als würde man rennen und nicht zum stehen kommen. Als würde Sam nicht zum atmen kommen. Zum Ende hin hört sich die Gitarre sogar schmerzverzerrt an. Er klingt zwar wütend, gleichzeitig bringt der Song aber Ermutigung im Refrain mit sich. Mag ich.
Mantra
Evelin: Muss ehrlich sagen, dass der Song mich musikalisch nicht vom Hocker haut und eher ein Filler-Song für mich ist. Nichtsdestotrotz ist das Thema natürlich wieder mehr als relevant. Sam singt über den Struggle, den besonders junge Leute und auch er mit Selbstzweifel und dem Drang, anderen zu gefallen, haben. Aber das wir doch alle oft dasselbe durchmachen, es nicht einfach ist, aber wir es immer wieder von Neuem versuchen sollten. Und irgendwie passt die musikalische Aufmachung dann doch irgendwie. Wisst ihr, in dem Stil dieser manifestations auf TikTok…ja ich bin eindeutig in dem Astrology Loch auf TikTok gelandet.
Julia: „Mantra“ ist tatsächlich einer meiner Lieblingssongs auf dem Album. Gerade die ersten Verse in der ersten Strophe finde ich ziemlich eindrücklich.
„Please stop tryin‘ to impress people who don’t care about you, I repeat as a mantra.„
Ich mag die Message des Songs sehr gerne. Das eigene Selbstwertgefühl sollte man nicht daran festmachen. Ich glaube, diesen Struggle kennen viele. Musikalisch lässt mich der Song immer ein bisschen runterkommen. Er klingt wie ein lauer Sommerabend. Und dann kommt zum Ende hin das lange musikalische Outro mit der Brass-Sektion, ich liebe es.
Paradigms
Evelin: „Paradigms“ ist eine Art Erklärung zum Song davor. Der Song beantwortet die Frage, woher alle diese Selbstzweifel stammen. Als ich durch das Album gehört hab, mir die Lyrics durchgelesen hat, ist mir gerade an dieser Stelle aufgefallen, wie viel Trauer und Verzweiflung in diesem jungen Mann eigentlich steckt. Ich kam auch gar nicht drum rum, mir ernsthafte Sorgen zu machen. Es scheint, als würde Sam sich nicht nur mit seinen eigenen Problemen befassen, sondern er nimmt sich die Probleme eines jeden auf die eigene Kappe.
Julia: Das ist er, mein liebster Song auf dem Album. Für Sam ist „Paradigms“ thematisch eine Zusammenfassung von “Seventeen Going Under”. Die Drums geben dem Song eine unfassbare Energie. Musikalisch wirkt er sehr positiv und stark. Achtet man auf die Lyrics, bekommt man zu Beginn eher das Gefühl von Verzweiflung. Der Chor am Ende gibt mir wirklich jedes Mal Gänsehaut, wenn in der Bridge gesungen wird: «No one should feel like this.» Der Song arbeitet quasi auf diesen einen Vers hin und findet in ihm seinen Höhepunkt. Mir ging es allerdings ähnlich wie Evelin. Es tat mir teilweise weh, dieses Album zu hören und den Schmerz und die Verzweiflung von Sam zu fühlen.
The Dying Light
Evelin: Zum Ende des Albums hin fühl’ ich mich mittlerweile richtig down. Es wird viel Schweres in dem Album thematisiert, soziale wie persönliche Themen. Aber diese Themen müssen auch ihren Raum haben. Genauso wie der letzte reguläre Song auf dem Album. „The Dying Light“ wird dominiert durch Klavierklänge und führt durch die alten Straßen von North Shields. Alles wirkt genau wie immer, nichts hat sich verändert. Doch dann wird der Himmel etwas heller in der Heimatstadt von Sam Fender: musikalisch wie textlich. Sam erkennt, dass er das alles nicht alleine durchstehen muss, sondern nach Hilfe fragen kann und sollte. Eine wirklich wertvolle Message zum Ende eines genauso wertvollen und tollen Albums hin.
Julia: Diese Klavier-Ballade am Ende des Albums ist ein schöner, aber auch schwerer Abschluss. „The Dying Light“ wirkt wie eine Weiterführung des Songs „Dead Boys“ von Sam, die sich allerdings viel mehr auf den Weg hin zur Hilfe und zur Therapie fokussiert. Ab der zweiten Strophe ist von der ruhigen Klavier-Ballade nicht mehr viel übrig. Gitarre und Drums kommen hinzu und bauen Spannung auf. Der Song schenkt Hoffnung und findet mit seinem Outro eine musikalische Krönung. Nach dem Hören musste ich erstmal tief durchatmen. „The Dying Light“ hat mich einfach berührt.
Fazit
„Seventeen Going Under“ ist ein sehr persönliches, ehrliches, aber auch schmerzvolles Album. Sam Fender spricht über seine Kindheit, die politische Lage in England und die Auswirkungen von Selbstzweifeln, dem Erwachsenwerden und Depressionen. Man merkt, dass Sam sich auf diesem Album wortwörtlich alles von der Seele spricht. Musikalisch übertrifft er sich wieder aufs Neue. Neben dem Saxophon sind die Songs von Streichern und Sams typischen E-Gitarren Sound umgeben – beim Hören besteht konsequent Gänsehaut-Potenzial.
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Passender könnte der Titel für das Debütalbum von INHALER nicht sein, das in Zeiten wie diesen veröffentlicht wurde. Kurz vorweg: Thematisch geht es hier nicht offensichtlich um Corona, sondern eher um die Nebenwirkungen und den faden Beigeschmack, den der Lockdown mit sich brachte. Die Entstehung des Albums ist erheblich von der Pandemie geprägt. Bereits im März 2020 wollte die vierköpfige Band mit den Aufnahmen für ihr Debüt beginnen, allerdings wurden ihre Pläne durchkreuzt. Für INHALER war es ein Zeichen, sich noch weiter mit ihrem Sound auseinanderzusetzen und an neuen Ideen zu arbeiten. Nun ist ihr Debütalbum letzten Monat endlich erschienen.
INHALER startete in Dublin als Schülerband mit Sänger und Gitarrist Elijah Hewson, dem Bassist Robert Keating, Gitarrist Josh Jenkinson und Schlagzeuger Ryan McMahon. Zu ihren Vorbildern zählen Bands wie Joy Division, The Strokes oder Kings Of Leon. Seit 2017 veröffentlichte die Band immer wieder neue Songs. Es folgte ein Hit nach dem nächsten, wodurch sich die Fangemeinde der Band stetig vergrößerte. Darunter fallen Songs wie „My Honest Face“ oder „Ice Cream Sundae“, die definitiv Lust auf mehr machen. INHALER kannte man also längst nicht mehr nur in Irland, sodass ihr Debüt sogar auf Platz 1 der UK Album Charts landete.
INHALER kreieren einen hoffnungsvollen Soundtrack
Aber zurück zum Album – Ein Mix aus alten und neuen Songs. Thematisch geht es viel darum, sich selbst zu finden, und herauszufinden wer sie eigentlich als Band sein wollen. Das Album handelt vom Tagträumen, dem Wunsch woanders zu sein sowie von mentaler Gesundheit und zwischenmenschlichen Beziehungen. Das Songwriting ist geprägt vom Lockdown und hat die Band reifen lassen. Es geht um den Sprung vom Teenager-Leben hin zum Erwachsen werden und fokussiert sich grundsätzlich auf ernstere Themen. Dabei sollen sich die Songs positiv anfühlen und Spaß machen, weil es eben nicht für immer so sein wird wie jetzt. In meinen Augen haben INHALER das ganz klar geschafft.
“There’s a sense of optimism on this album and the song „It Won’t Always Be Like This“ is the main catalyst for that” – Elijah Hewson –
Der Titelsong ist eine neu aufgenommene Version der Single, die ursprünglich 2019 veröffentlicht wurde. Zudem ist es der Erste, den die Band gemeinsam aufnahm. Von den Fans wird er immer wieder auf unterschiedliche Art und Weise interpretiert. Und genau das ist Sinn und Zweck von Songs, dass sie eben nicht von jeder Person gleich interpretiert werden, so Ryan McMahon. Nun empfindet nicht jeder Mensch das Gleiche, wenn er einen Song hört. Meist ist das gefühls- und situationsabhängig. Ich glaube, wir kennen das alle! Nun hat der Song mit Beginn der Pandemie eine ganz andere Bedeutung für mich eingenommen. Positive Stimmung und Hoffnung spielen da eine große Rolle.
„It Won’t Always Be Like This“ist der erste catchige Song der Band, der bereits mit dem Intro verdammt viel Spaß macht. Schlagzeug und E-Gitarren definieren den Sound der Band und stehen auch hier maßgeblich im Vordergrund. Wie ich finde ein passender Song und somit auch Titel für das Debüt von INHALER.
MY HONEST FACE
Ähnlich wie „It Won’t Always BeLike This“ hat auch der zweite Song “My Honest Face”Hitpotenzial – ein richtiger Banger halt. Da ist es quasi unmöglich still zu sitzen, wenn die Drums mit Beginn des Songs einsetzen. Der Text behandelt dabei viele Problematiken in unser heutigen Gesellschaft und schafft damit einen gewissen Gegensatz zum eher fröhlichen und unbeschwerten Sound. Die Lyrics spiegeln toxisches Verhalten und eine „Fakeness“ wieder, die in unser Gesellschaft fast schon zur Norm geworden ist. Der Weg zur Selbstfindung könnte hier ebenso thematisch mitschwingen, da der Protagonist vergeblich versucht sein „honest face“ zu finden. Ein Song, der den Sound der Band ziemlich gut widerspiegelt.
“Cheer Up Baby” war die letzte Single, die vor dem Album-Release erschienen ist und dient als „love letter“ an die Fans. Im Song geht es aber eigentlich um eine Konversation zwischen zwei Menschen, die auf Mental Health-Issues hinweisen soll, was vor allem auf den Vers »When I think of all the things I didn’t do, I can’t help but blame it on you«zurückzuführen ist. Musikalisch hingegen ist “Cheer Up Baby” ein weiterer Song, bei dem man zumindest mitsingen, wenn nicht sogar tanzen möchte. Ein Song, der Bock macht und am liebsten live erlebt werden möchte.
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Nach einem im Vergleich eher ruhigeren Intro mit vielen psychedelischen Elementen, ist “A Night On The Floor” zwar kein direkter Tanzsong, catched einen nichtsdestotrotz durch seine Energie und Atmosphäre. Nach dem ersten Hören war ich sofort hin und weg von der Melodie des Songs. „My King Will Be Kind“ ist ein sanfter Song, der mich trotz seiner Energie irgendwie runterbringt. Eine Akustikgitarre kommt hier zur Abwechslung ins Spiel. Toxisches Verhalten und die Gefahr der negativen Beeinflussung durch das Internet sind Thema im Song. Ganz klar einer meiner Favoriten auf dem Album.
“We started writing this when we were teenagers and now we’re adults.”
„When It Breaks” – ein weiterer (bekannter) Banger, der im Lockdown entstanden ist. Was bringt die Zukunft – eine von vielen Fragen, die sich die Band im Song stellt. Möchte man in die Welt zurück, in der wir vor der Pandemie gelebt haben oder nutzt man diese Gelegenheit, um wirklich etwas zu verändern? Der Song drückt die Sehnsucht nach einem Leben aus, wie wir es kannten, mit Festivals, Parties und Freunden. Wie alle anderen Songs auf dem Album klingt er hoffnungsvoll und energieladen, kommuniziert aber das Angstgefühl, das uns alle in der Pandemie begleitet hat.
» Life, what a strange time to be alive «
“Totally” ist ebenso einer meiner Favoriten. Für die vier Jungs fühlt es sich nach dem perfekten Schlusssong für ein Konzert an. Er vermittelt eine melancholische Stimmung, nimmt dabei trotzdem die Stellung eines catchigen Popsongs ein, der das Publikum am Ende des Gigs nochmal abholt.
Mit dem vorletzten Song “Strange Time To Be Alive” präsentiert INHALER ein wunderschönes Interlude, das als kleine Nachricht am Ende des Albums dienen soll. Während der Gesang nur gedämpft im Hintergrund zu hören ist, entsteht durch das Klavier und die Gitarre eine sehr sanfte Atmosphäre – pures Gänsehautfeeling. Damit ist der Song der einzig Ruhige auf dem Album und fällt damit aus dem Schema der sonst so rockigen Songs. Wie ich finde ein sehr schönes Zwischenspiel, das auf dem Album nicht fehlen dürfte.
Fazit
INHALER haben mich mit ihrem Debütalbum absolut überzeugt. Die neuen Songs knüpfen am bekannten Sound an und sorgen für gute Laune. Der Wunsch, über ernstere Themen zu singen und trotzdem das Gefühl von Hoffnung und Optimismus zu vermitteln, hat in meinen Augen ziemlich gut funktioniert. Ein Album ohne wirkliche Überraschungen, die am Ende auch nicht fehlen. „It Won’t Always Be Like This“ macht dem Indie-Rock sowie seinem Titel alle Ehre.
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Zwei Jahre ist es her, dass Balthazar ihr letztes Album„Fever“veröffentlicht haben. Ein Album, das ich rauf und runter gehört habe und zu einer meiner Top-Alben aus dem Jahre 2019 zählt. Umso gespannter war ich als die Band letzten November ihr fünftes Album „Sand“ ankündigte. Seitdem sind bereits drei Single-Auskopplungen erschienen, die einen Vorgeschmack auf das neue Album geben.
Balthazar ist eine fünfköpfige Indie-Rock Band aus Belgien, die seit 2004 gemeinsam Musik machen. Es sind die zwei Frontmänner Maarten Devoldere und Jinte Deprez, die perfekt harmonieren und der Band mit ihren Stimmen einen besonderen Charakter verleihen. Während die Band ihre ersten Alben„Applause“ (2011) und „Rats“ (2012) selber produziert haben, ist ihr drittes Album „Thin Walls“ mit dem britischen Produzenten Ben Hillier entstanden, der bereits mit Depeche Mode und Blur zusammengearbeitet hat. Ein Geheimtipp sind die Belgier allerdings nicht mehr. Neben dem legendären Glastonbury Festival konnte man Balthazar schon auf dem Southside/Hurricane oder dem Pinkpop live erleben. In ihrem Heimatland Belgien gab es natürlich auch schon zahlreiche Gigs, unter anderem auf dem Rock Werchter oder dem Pukkelpop Festival.
„Losers“
Die erste Single-Auskopplung „Losers“lässt seit dem Release im Oktober 2020 schon erahnen, in welche Richtung das neue Album musikalisch gehen könnte – die Reise nach „Fever“ wird fortgesetzt. In „Losers“ trifft grooviger Bass auf Synthies und hohem Gesang im Refrain.
“There’s a theme running through these tracks,waiting, restlessness, not being able to live in the moment or putting your trust into the future.“
Die Anfänge von „Sand“ entstanden bereits während ihrer letzten Tour. Auf Grund der schwierigen Zeiten und der begrenzten Möglichkeiten entwickelte sich der Sound des neuen Albums jedoch in eine andere Richtung. Gemeinsame Studiotermine waren nicht mehr möglich, wodurch viel mit Samples und elektronischen Instrumenten gearbeitet wurde. Balthazar verarbeiten in „Sand“Themen wie Ungeduld und Rastlosigkeit („Moment“, „Hourglass“), gescheiterte Beziehungen („You Won’t Come Around“, „Leaving Antwerp“) oder das mentale Feststecken in bestimmten Lebensphasen („On A Roll“). Teilweise passt die Thematik der Songs also ziemlich gut zur aktuellen Lage.
“On A Roll”
„On A Roll“ – der letzte Song, der bereits vor dem Album-Release das Licht der Welt erblickte. Dieser handelt von einem Mangel an Kontrolle und dem Gefangen sein in immer wiederkehrenden Gewohnheiten. Inspiriert von der Idee, dass die eigene Psyche ein Käfig ist, aus dem man nicht herauskommt.
„Linger On“ und „Hourglass“
„Linger On“ spielt mit Bass- und Synthie-Sounds, die zum Tanzen einladen und dich sofort catchen. Zeit ist dabei ein Thema, das sich durch das ganze Album zieht und auch in „Linger On“ eine Rolle spielt. In „Hourglass“thematisieren Balthazar das Gefühl von Ungeduld und Rastlosigkeit. Passend zum Albumtitel findet sich diese Thematik in Form einer Sanduhr Metapher im Song wieder. Während das Intro von Streichern und Percussion-Instrumenten dominiert wird, ertönt mit dem Einsatz des Gesangs das typische Balthazar-Bass-Motiv. Ein ziemlich mitreißender Song, aber welcher Song der Jungs tut das eigentlich nicht?
Band-Pause und neuer Sound
Ihr letztes Studioalbum „Fever“ erschien 2019 nach einer längeren Pause, die beide Frontmänner für ihre Soloprojekte genutzt haben. Der frische Wind tat dem Album verdammt gut, vor allem aber der Band, verriet einer der beiden Sänger im Interview. Die Neuorientierung bleibt auch musikalisch nicht unentdeckt. „Fever“ vereint all das, was Maarten Devoldere und Jinte Deprez aus ihren Solo-Projekten mitgenommen haben. Es kombiniert bass-lastige Sounds mit eleganten Melodien und Streichern.
Dieser „Fever“-Sound lässt sich auf „Sand“definitiv wiederfinden. Das neue Album bleibt dem zuvor gefundenen Sound treu und führt diesen lediglich weiter aus – kein klassischer Indie-Rock, dafür mehr Electronic Pop. Ähnlich wie auf „Fever“ spielen Bass und Synthies eine prägnante Rolle, hinzukommen Drum-Samples. Das Album lässt dich entspannt mitwippen und hat dennoch einen catchy Vibe, der gute Laune verbreitet. Traurige und melancholische Songs sind hier Fehlanzeige!
„Halfway“
„Losers“ ist nicht der erste Song, der vom neuen Album veröffentlicht wurde. Im Februar 2020, während der andauernden „Fever“-Tour, veröffentlichten Balthazar bereits die Single „Halfway„. Hier stehen die Drums klar im Fokus des Songs und fordern zum Tanzen auf – Ohrwurm-Potenzial!
„Leaving Antwerp“ und „Powerless“
Mit „Leaving Antwerp“liefern Balthazar einen Breakup-Song aus Sicht der Person, die sich einen Neuanfang wünscht. Auch hier sind Synthies und Bass wieder prägnant im Vordergrund und werden in der Bridge durch Saxophon und Streicher ergänzt. Mein persönlicher Favorit ist der letzte Track. „Powerless“ ist eine groovige Klavier-Ballade, die von Drums und Bass begleitet wird und den Feierabend einläutet. Der Song handelt von Machtlosigkeit, wobei er musikalisch eher das Gefühl von Souveränität und Selbstbewusstsein vermittelt. Diesen ausdrucksstarken Charakter bekommt er vor allem durch die Backing-Vocals.
Fazit
Balthazars fünftes Album „Sand“ist nicht nur der logische Nachfolger von „Fever“, sondern setzt den neugefundenen Sound weiter fort. Der elektronische Indie-Pop Sound zieht sich wie ein roter Faden durch das Album und verleiht diesem eine leichte und unbekümmerte Atmosphäre. Zeit wird immer wieder als Thema in den Songs aufgegriffen und lässt sich auch im Albumtitel wiederfinden. Es ist der Sand in einer Sanduhr, der in direkter Verbindung mit Zeit aber auch Unruhe und Ungeduld steht. Da steckt eine Art Konzept hinter – mag ich!
Die begrenzten Möglichkeiten hat die Band genutzt, um neue Dinge auszuprobieren, was dem Album nicht geschadet hat. Es ist ein neuer Balthazar-Sound oder wie die Band selbst sagt:ein neues Kapitel.
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Newcomer LUKE NOA veröffentlichte letzten Monat seine neue Single „Femme Fatale“. Ein verträumter und melancholischer Song, der perfekt in die kalten Wintertage passt. Im Interview erzählt er uns von der Entstehung seiner Songs, was ihn inspiriert und seinen Wünschen für die Zukunft.
Luke Noa im Interview
Julia: Hi Luke, erstmal danke, dass du dir Zeit genommen hast! Wie geht’s dir denn so?
LUKE NOA: Mir geht‘s gut! Ich meine, klar, jeder hat die Pandemie im Nacken sitzen. Aber ansonsten geht es mir gut, ich kann mich eigentlich nicht beschweren. Gerade erblickt auch viel Musik von mir das Licht der Welt, das macht die Zeit etwas einfacher.
Julia: Das freut mich zu hören! Möchtest du dich vielleicht kurz vorstellen, für alle, die dich noch nicht kennen?
LUKE NOA: Ich bin Luke, 22 Jahre alt und Songwriter und Sänger. Ich bin geboren in Biberach, im tiefsten Süden Deutschlands. Aufgewachsen bin ich allerdings in der Schweiz. Seit 10 Jahren bin ich wieder in Deutschland, auch wieder hier in Biberach. Das ist quasi meine „Heimat Heimat“, hier lebt auch meine ganze Familie.
Julia: Du hast ja vor knapp zwei Wochen deine neue Single Femme Fatale veröffentlicht. Möchtest du ein bisschen was über den Hintergrund und die Entstehung des Songs erzählen?
LUKE NOA: Ich habe mir viele Gedanken gemacht wie ich darüber sprechen möchte, es war auch vorab die Frage, die mich am meisten beschäftigt hat. Es ist ein sehr intimer Song und ich möchte inhaltlich gar nicht so sehr ins Detail gehen – finde es immer spannender als Künstler den Raum für Interpretationen groß zu halten. Es ist auf jeden Fall ein Song, indem es um Vertrauensbruch geht – ein distanzierter Vertrauensbruch. Man befindet sich im Beobachter-Modus, sieht zu wie die Dinge geschehen ohne etwas daran ändern zu können. Ich schreibe Songs generell sehr gerne über gewisse Momente oder Zeiträume. Bei Femme Fatale ist es ganz spezifisch, weil der Zeitraum sehr kurz gewesen ist. Es war nur ein kleiner Moment, 10 Sekunden, die die emotionale Durchschlagskraft hatten um die Grundlage für diesen ganzen Song entstehen zu lassen.
Über den Entstehungsprozess
Der Song ist schon zwei Jahre alt und die Anfänge habe ich im Spätsommer 2019 geschrieben. Ich hatte recht früh eine Vorstellung davon, wie es mit dem Intro klingen soll – diese Fläche mit der Stimme und der Gitarre. Kleiner Funfact – die Gitarre, die man am Anfang hört, habe ich hier zuhause in meinem Zimmer aufgenommen. Die hat es auch bis zum Ende in die fertige Aufnahme geschafft. Ab da ist dann viel mit meinem Produzenten Alex Sprave entstanden, der die Reise fortgeführt hat. Der Entstehungsprozess war sehr vielschichtig und ich finde es ist etwas Schönes, wenn über die Zeit ein Song so reifen darf.
Julia:Da stimme ich dir auf jeden Fall zu. Du hast ja auch ein Musikvideo zum Song veröffentlicht. Das fand ich richtig schön, wobei mir das letzte zu Roccastrada auch schon sehr gefallen hat. Wie kommst du eigentlich auf die Ideen für die Musikvideos? Steckst du dahinter?
LUKE NOA: Ich bin auf jeden Fall sehr involviert. Das ist mir auch wichtig. Ich finde Musikvideos sind mit das Schwerste in diesem Beruf und auch ein extremer Kraftakt. Aber es ist auch das, was am meisten Spaß macht, wenn man erstmal ein Konzept hat und es läuft. Bei Roccastrada war es relativ klar, denn der Song war da und ich kannte den Ort bereits. Wir haben in der Toscana in Italien gedreht und ich kannte die ganzen Kulissen auch schon – der Strand mit dem Schwimmholz und das toskanische Landhaus. Ich hatte die Kulissen also schon vor Augen und wusste genau, wie es dort aussieht. Die Schwierigkeit lag dann darin, es wirklich zu tun. [lacht] Die Umsetzung war schwerer als die Idee, aber die Idee war recht schnell da.
Femme Fatale ist dann in einem sehr kleinen Kreis – mit Bernhard Schinn entstanden, der auch das erste Video gemacht hat. Da ging es darum, den Vibe des Songs, das Mysteriöse und Schwebende in Bilder zu übersetzen. Ich lege auch einen großen Wert auf die Ästhetik. Die beiden Videos haben nicht die krasseste Handlung, aber es wird viel über Bildsprache erzählt. Oft habe ich dann schon bestimmte Shots im Kopf. Das Femme Fatale-Video ist gewissermaßen aus der Not raus entstanden. Bevor wir überhaupt ein Konzept hatten, war klar, dass wir uns auf den deutschen Raum beschränken müssen. In Ulm gab es eine ganz besondere Location, wo wir dann gedreht haben. Ebenfalls wieder mit Jaqueline, einer guten Freundin von mir, die auch im ersten Video mitgewirkt hat. Mir war es wichtig, dass man eine Verbindung zwischen den zwei Songs schlägt.
Julia: Man merkt auf jeden Fall, dass dir die Ästhetik wichtig ist. Die Cover-Artworks der beiden Singles ähneln sich ja auch ziemlich. Hat das einen Grund, dass die beiden verbunden sind?
LUKE NOA: Das hat auf jeden Fall einen Grund. Die erste EP ist so ein abgeschlossenes Ding und jetzt kommt das nächste Kapitel, ohne zu viel zu verraten. Da ist es mir schon ganz wichtig, dass alles einen sehr einheitlichen Look hat.
Julia: Gibt es Dinge, bezüglich deiner Karriere, wo du sagst, das muss ich unbedingt mal gemacht haben?
LUKE NOA: Ich glaube der absolute Traum ist das Glastonbury Festival in England. Es würde schon reichen dort nur als Besucher hinzugehen. Das ist einfach ein Spektakel, das man auf keinem anderen Festival findet. Dort spielen zu können wäre natürlich eine große Ehre – generell in England. Was ich schon immer machen will, ist mehr in der Schweiz spielen. Ich bin ja dort aufgewachsenen und habe deshalb eine sehr gute und enge Verbindung zu diesem Land. Bis jetzt habe ich dort leider nur auf einem Festival gespielt.
Julia:Das kann ja noch kommen! Aber englische Festivals sind auch einfach hammer! Wir sind da eben schon ein bisschen darauf eingegangen, aber du scheinst ja auch Interesse an der Kunst zu haben, richtig? Ich habe auf Instagram gesehen, dass du malst. Ist das als Lockdown-Hobby entstanden?
LUKE NOA: Ja, hast du richtig erkannt! Ich habe mich schon immer sehr für die Kunst interessiert und in der Schule die künstlerische Laufbahn eingeschlagen. Ich war eigentlich schon immer künstlerisch aktiv, habe aber dann im ersten Lockdown angefangen mir Ölfarben zuzulegen und mich mit der Ölmalerei ein bisschen zu beschäftigen. Im Sommer hab ich dann auch Corona-Kunstdrucke gemacht. Das ist auf jeden Fall ein Teil von mir, den ich mal mehr mal weniger ausleben kann, gerade auch wegen der Musik.
Julia:Das wäre jetzt auch meine zweite Frage gewesen. Beeinflussen sich Kunst und Musik gegenseitig?
LUKE NOA: Ich glaube sie beeinflussen sich nicht wirklich. Das was mich beschäftigt, verarbeite ich sowohl in der Musik als auch in der Kunst. Ich glaube, wo sich beides wieder trifft, ist beim Artwork. Ich bin da involviert und lege viel Wert darauf, dass Dinge einheitlich sind.
Julia:Im Oktober letzten Jahres hast du ja Roccastrada veröffentlicht. Das ist ein sehr persönlicher Song und wie du zu Beginn bereits angedeutet hast, ist Femme Fatale auch ziemlich persönlich. Gibt es noch andere Dinge, neben deinen eigenen Erfahrungen und Gefühlen, die dich beim Songwriting-Prozess beeinflussen oder inspirieren?
LUKE NOA: Andere Musik beeinflusst mich natürlich ganz krass! Mein Onkel ist Musikenthusiast und lebt in einer Wohnung voll mit Schallplatten, CDs und Postern – ein Musikerschlaraffenland. Man betritt die Wohnung und hat sofort das Gefühl, als würde einen die Inspiration attackieren. Ich habe in dieser Wohnung ganz viel Musik gemacht – die Demos von Roccastrada und Femme Fatale sind dort ebenso entstanden. Ich habe durch meinen Onkel ganz viel neue Musik entdeckt, auch solche, die ich normalerweise nicht hören würde. Das hatte direkten Einfluss auf die beiden Songs. Ich glaube andere Musik ist schon die größte Inspirationsquelle und dadurch erweitert man auch seinen Horizont.
Julia: Und ansonsten schreibst du am liebsten über deine eigenen Erfahrungen?
LUKE NOA: Es gibt bei mir so einen Punkt, ab dem ich spüre, okay, jetzt will ich den Song nicht schreiben, jetzt muss ich ihn schreiben. Das ist immer das Schönste, wenn man auf eine positive Art keine Wahl hat und diesen Song schreiben muss. Dann ist nichts erzwungen und alles fühlt sich richtig an. Es gibt aber auch Songs wo ich sage, das Thema beschäftigt mich und darüber möchte ich jetzt gerne einen Song schreiben. Allerdings ist es am schönsten, wenn es einfach raus muss.
Julia: Hilft dir das dann beim Verarbeiten?
LUKE NOA: Ja, absolut! Gerade bei Roccastrada und Femme Fatale war es ganz extrem. Da war dieses Gefühl, dass man es machen muss auf jeden Fall da.
Julia: Steht da denn im Moment etwas in Arbeit? – Eine weitere EP oder vielleicht sogar ein Album?
LUKE NOA: Ich möchte noch nicht zu viel verraten, weil es sehr bald frische News gibt. Aber schön, dass du den Zusammenhang der beiden Cover erwähnt hast. Es wird auf jeden Fall ein zusammenhängendes Ding kommen!
Julia:Spannend!Dann komme ich auch schon zu meiner letzten Frage an dich – Die weicht allerdings ein bisschen vom Thema Musik ab: Gibt es ein Buch, dass du gerne weiterempfehlen würdest?
LUKE NOA: Eins würde ich vor allem für Musik-Interessierte und Musiker:innen empfehlen: die Biografie von Moby. Mit ihm bin ich aufgewachsen und deswegen hat er auch einen ganz besonderen Stellenwert für mich. Das ist eine zweiteilige Biografie, in der er über sein Leben als New Yorker berichtet, sowohl über den Erfolg als auch über den Fall. Es geht um ganz wichtige Themen und wie sich diese im Laufe der Zeit für ihn verändern, auch im Zusammenhang mit Erfolg. Meine eigentliche Buchempfehlung ist aber Dr. Sex von T. C. Boyle. Grün ist die Hoffnungist auch super von ihm, aber Dr. Sex hat mich persönlich sehr mitgerissen. Der Roman handelt von einem fiktiven Protagonisten, der auf echte historische Personen trifft.
Julia: Mega! Ich danke dir für das schöne Interview!
LUKE NOA: Freut mich auch sehr, dass es geklappt hat!
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