Kategorie: untold music

  • Schmyt gibt mit seiner EP “Gift” Trennungsschmerz endlich einen angemessenen Soundtrack

    Schmyt gibt mit seiner EP “Gift” Trennungsschmerz endlich einen angemessenen Soundtrack

    2021, der Deutschrap fährt wieder auf. Schmyt ist die Empfehlung für alle, die mit dem Deutschrap von Samra, Capo und wie sie alle heißen nicht wirklich viel anfangen können. Aber auch für alle, die es tun! Das muss heißen, es ist gut oder? Manche könnten ihn als Feature auf Majans Monoton mal gehört haben. Wer ihn im Zuge dessen mal ausgecheckt hat und seine ersten beiden Singles gehört hat, wusste – wenn hier was Größeres kommt, wird das unglaublich gut. Und so ist es auch. Schmyts Debüt-EP Gift ist seit nun knapp zwei Wochen draußen und seitdem bin ich von allen Songs einfach nur gefesselt. Wieso, lest ihr jetzt.

     
    „Hier hat jeder einen Schaden, das ist mir sympathisch“

    Vor fast genau einem Jahr kam seine erste Single Niemand, im Juni 2020 dann Taximann. Beide Singles sind in die Szene eingeschlagen und auf einmal hatte jede Person im Deutschrap-Kosmos auf einmal Schmyt auf dem Radar. Und dann – Stille. Schmyt ließ uns fast 9 Monate warten bis er jetzt endlich seine Debüt-EP veröffentlich hat. Und das ist okay, denn wenn es 9 Monate sind, die es braucht, um diese sechs absolut starken Songs fertigzustellen, dann ist das so. Doch sammeln wir uns erstmal und fangen an:

    Als Opener der EP hat sich Schmyt niemand anderen als RIN dazugeholt. RIN. Tschuldiung, ich sags nur zwei Mal, damit wirklich klar ist, was das für ein mordsmäßiges Feature ist. Es wurde geheim gehalten bis kurz vor Release und hatte somit noch zusätzlich einen Überraschungseffekt. Das Warten hat sich gelohnt, würde ich sagen. Mit Gift eröffnet Schmyt die gleichnamige EP und ich komm nicht umhin, die Boxen lauter zu drehen. Der Beat zieht einen ab Sekunde eins in den Bann, baut sich mit seiner wirklich sehr schönen Stimme in der ersten Strophe auf, um im Refrain mit RIN dann zu einem völligen Hit zu werden.

    Inhaltich geht es um den Frust und den Schmerz nach einem Beziehungsende, den man mit allen Mitteln versucht, wegzutrinken. Gift gegen ein gebrochenes Herz, so viel, bis man den Schmerz nicht mehr spürt: „Unfähig zu gehen, halbseitig gelähmt, dann bin ich okay“. Wir wissen, man ist offensichtlich ganz weit weg von „okay“, wenn man halbseitig gelähmt in einem Club die ganze Karte trinkt. Aber dann wiederum ist es manchmal das Einzige, was in solchen Momenten hilft. Ein kleiner Hauch von Crazy kommt dazu, wenn ein sehr creepiges Lachen zum Refrain ertönt, aber auch das passt komplett zum Thema. Wer sich so abschießt, ist sich ja keiner fünf Sinne mehr bewusst.

     
    „Fahr zur Hölle, Mann, gib Gas!“

    Niemand war der erste Song, mit dem Schmyt seine Solokarriere vor einem Jahr startete. Doch war er bis Dato ein nicht ganz unbeschriebenes Blatt: Man könnte ihn vielleicht als Mitglied der deutschen Hip Hop/Elektro/Raggae Band Rakede kennen, die sich 2020 auflöste. Mit Niemand startete Julian Schmit, so sein richtiger Name, dann aber solo und, wie gesagt: Ein Jahr später schafft es dieser Song immer noch, mich emotional so zu fesseln, dass ich es nicht hören kann, ohne Gänsehaut zu bekommen. Das Thema des Songs ist, wie auch im vorherigen das gebrochene Herz nach einer unglücklich geendeten Beziehung. Die Ex-Freundin hat einen neuen Freund und auf die Frage, wer ihr Ex ist, antwortet sie „Niemand“. Talk about being cruel. Schmyt nimmt sich dieses „niemand“ so zu Herzen, dass er dem ein ganzes Lied gewidmet hat.

    Die Ballade, unterlegt von einem tiefen Klavier, strotzt vor selbstzerstörerischer Sehnsucht nach etwas, was nicht mehr da ist. In den drei Minuten spür ich diesen Schmerz wirklich ganz stellvertretend. Und dann kommen da ja noch die Drums hinzu, die diesen Herzschmerz auf eine brachiale Weise untermalen und mich absolut fasziniert zurücklassen. Zusammengehalten von Schmyts schönen Stimme ist Niemand ein ganzes Statement. Wenn man sich fragt, warum dieser Newcomer im Deutschrap so gehyped wird, dann deswegen.

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    Auch Taximann zeichnet sich durch Schmyts Gefühl für schmerzhafte Verzweiflung aus. Wie viel kostet eine Taxifahrt zur Hölle? Schmyt will es wissen. Was man für die Fahrt aber auf jeden Fall braucht: Boxen mit einem guten Bass. Denn auch Taximann ist ein Song, den man eigentlich wirklich super laut hören muss. Am Besten wenn man nachts im Auto auf leeren Straßen fährt. Ein sehr spezifisches Szenario, aber falls ihr mal in so einer Situation seid, denkt an mich und versucht es – es funktioniert unfassbar gut. Auch lyrisch beweist Schmyt, wie auch in allen anderen Songs, was ihn so auszeichnet: sein Sprachgefühl. Mit wenigen Worten beschreibt er Szenarien, die unter die Haut gehen:

    „Drück aufs Gas, Mann, ich zahl‘ EC
    Und ich hab‘ keinen Grund, heimzugehen
    Denn da wartet das Nichts, kauert im Dunkeln und grinst
    Schiebt mir den Ballermann hin, flüstert: „Du kannst nicht gewinn’n“
    Ohrenbetäubende Stille, ich will da nicht hin“

     
    Das hier ist nicht „nur“ Deutschrap, das ist einfach auch richtig gut produzierte Musik

    Schmyt, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, derschmyt, julian schmit, rakede, taximan, gift EP, RINDas, was in der Zwischenüberschrift steht: Das hier ist nicht „nur“ Deutschrap, das ist auch einfach richtig gut produzierte Musik. Alles ist durchdacht und fein aufeinander abgestimmt. Ich hab wirklich das Gefühl, dass jeder einzelne Song wie eine Welt für sich erschafft. Alles ist mystisch, sehnsüchtig und dramatisch. Wo gibt’s das sonst im Deutschrap? Poseidon greift Schmyts Liebe für Literatur und Poesie auf und nimmt mich einfach komplett in diese von ihm erschaffene Welt. Wirklich nur musikalisch gesehen, ist das einfach was komplett anderes zu allem, was da draußen so rumschwirrt. Man konnte es bis hier hin wahrscheinlich nicht rauslesen, aber ich find‘s wirklich richtig gut.

    Auch Jenny kriegt mich Schmyt wieder direkt mit der ersten Zeile „Kipp‘ Rosé auf den Schmerz und dein Herz in mein’n Grinder / Sag mir, sind wir zusamm‘ oder nur zusamm‘ einsam?“ – ich find’s genial. An dieser Stelle auch einfach mal ein s/o an das Produzenten-Team um Schmyt herum. Mit Bazzazian hat er sich Haftbefehls „Hauptproduzenten“ geschnappt, und auch Alexis Troy und Farhot sind etablierte Größen in der Szene. Diese Kombination aus ihren kompromisslosen und soliden Beats und Schmyts beeindruckender Stimme und seinem Gefühl für Sprache ist, jedenfalls für mich, einzigartig. Sie setzen den thematisierten Herz- und Trennungsschmerz in einen musikalischen Rahmen, der schon beim ersten Mal Hören einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Ich beweg mich zugegebenermaßen nicht super viel im Rap-Game rum, aber so ein paar Sachen machen mich immer wieder schwach. So wie das hier.

     
    „Ist die Reise schon der ganze Sinn?“

    Der letzte Song 100 Euro beendet die Gift EP dann nochmal mit einem richtigen Knall (wortwörtlich, wenn man bis zur allerletzten Sekunde hört). Ich muss ein bisschen an Lass Die Scheine Fliegen von den Gloomy Boyz denken (wer das hier kennt und feiert, hello old friend), aber das nur als side note. 100 Euro kommt einfach geil. Vor allem nach all den relativ ruhigen Liedern der EP haut Schmyt noch einmal völlig raus und zeigt, dass er zurecht einer der vielversprechendsten Newcomer da draußen ist. Die Hauptfrage in 100 Euro ist „Sag mir, wohin geht die Reise?“ und handelt von einem leichten Absturztrip mit jemanden, der so gut zu einem passt wie „ein Zippo und Benzin“. Wohin Schmyts Reise geht, kann ich nicht sagen, aber die düster-dystopischen Produktionen haben ja schon ab Track eins angedeutet, dass das eher eine Reise Richtung Selbstzerstörung ist.

    Fazit: Gift ist für mich jetzt, Stand April, schon eine der besten Platten im Deutschrap dieses Jahr. Aber – es gibt auch bald das Debüt-Album von Schmyt. Also muss ich meine eigene Aussage dann vielleicht revidieren. Bis dahin, hört hier rein:

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    Fotocredit: Lea Bräuer, Marco Justus Schöler

  • Giant Rooks heilen mit „What I Know Is All Quicksand (rookery live tapes)“ unser aller Konzert-Vermissung

    Giant Rooks heilen mit „What I Know Is All Quicksand (rookery live tapes)“ unser aller Konzert-Vermissung

    Ich weiß, ich bin drei Wochen nach Release hier sehr „spät“ dran. Aber eigentlich ist man nie zu spät, um von Giant Rooks zu schwärmen. Vielleicht gibt es ja noch eins bis zwei Menschen, die sie noch nicht kennen, und auch die müssen wir abholen. Denn Giant Rooks will man nicht länger verpassen als nötig. Das sag ich aus erster Quelle, ich hab mich in Leadsänger Fred und alle anderen erst letztes Jahr, kurz vorm Albumrelease von Rookery verliebt. Mit What I Know Is All Quicksand (rookery live tapes) haben sie jetzt eine komplette live aufgenommene Version von Rookery angekündigt. Und ich habe nicht gewusst, wie sehr ich das brauche.

     
    Ein Konzerterlebnis umsonst und auf Dauer-Repeat

    Ich hab Giant Rooks wirklich noch nie live spielen sehen, außer bei ihrer digitalen Record Release Show im Tempodrom. Und auch wenn das wirklich sehr geil war, war es weit weg von dem, was ein Live Konzert eigentlich gewesen wäre. Wisst ihr noch, so wie in 2019, mit anderen Menschen, alle viel zu eng vor einer Bühne, tanzend, singend, schreiend. Weinend. Puh, die Emotionen. Endorphine, die durch den Körper pumpen, Adrenalin was hinterherschießt. Ich klinge wie auf Entzug, aber das sind wir doch wirklich alle. Auch wenn es faktisch nur 1 Jahr und ein bisschen her ist, seit dem Incident, fühlt es sich easy schon an wie zweieinhalb. What is life.

    In all diese Gedanken und Gefühle fall ich sobald der erste Gitarrenton von Giant Rooks anspielt. Es hört sich 1:1 an als würde ich in der Columbiahalle stehen, inmitten 2000 Menschen. Das live tape ist wirklich ein Konzerterlebnis umsonst, man muss nur die Augen schließen und man ist da. Freds Stimme ist so nah, die Gitarre so klar. Dann der Hall – schon in der ersten Minute hat mein ganzer Körper Gänsehaut. Ich kann die aufbauende Lichtshow fast schon sehen, die passend zum Song die Bühne anleuchtet. Dann kommt mit dem Bass und den Schlagzeug Tempo rein und mir fehlen zum zweiten Mal innerhalb von zwei Minuten die Worte. Wer What I Know Is All Quicksand kennt, sollte haargenau wissen, was ich meine. Dieser Aufbau vom Song ist wirklich unvergleichbar.

     
    Wer hier keine Gänsehaut bekommt, ich weiß auch nicht

    Als nach drei Minuten, wo Lieder sonst eigentlich immer zu Ende gehen, der ruhige Part des Songs eingeleitet wird, ist die Gänsehaut zurück. Fred nimmt die ganze Power aus dem Song mit einem Schlag raus und verleiht ihm stattdessen eine fast schon beruhigende Sanftheit. Die anderen Bandmitglieder steigen mit ein und in ein paar Sekunden, einfach so, wird aus dem Indie-Pop Hit eine Indie-Ballade. Ich weiß, es spielt sich nur auf meinen Kopfhörern ab, aber wenn ich die Augen schließe, kann ich praktisch hören, wie das ganze Publikum mit einsteigt. Künstler*innen bringen immer wieder Live-Sessions heraus, aber bei wenigen fühl ich das, was ich gerade bei Giant Rooks spüre. Das ist das Nähste, das ich an ein Konzert in den letzten gefühlten zweieinhalb Jahren gekommen bin.

    Wer denkt, nach vier Minuten und diesem Twist ist das Lied jetzt aber wirklich das Ende, liegt falsch. Giant Rooks bilden eine instrumentale Überleitung aus diesem ruhigen Abschluss zurück zum Song auf und riesen Sorry für den Ausdruck, aber fuck me. Was auf diesen live tapes abgeht– ohne zu lügen, ich spüre das Endorphin, was ich sonst nur auf Konzerten hatte. Ich will einfach nur das befreiende Gefühl einatmen, das Musik in einem auslöst. Wie gut ist diese Live-Session.  

     
    Wenn die Live-Session die Studio-Version wegkickt

    Ich hab mir im Laufe des Artikels auch noch mal die Original-Version von What I Know Is All Quicksand angehört und der Unterschied ist wie Tag und Nacht. Diese live tapes nehmen das, was die Studioversion des Songs aufgebaut hat, und machen es einfach 10x besser. Welche Band klingt auf Live-Aufnahmen 10x besser als im Studio?? Die offensichtliche Antwort: Giant Rooks. Die Original-Version wirkt im Vergleich fast ein bisschen farblos – dabei ist sie auch so gut! Ich hab sie bis zum live tapes Release auch ständig gehört. Aber jetzt ist sie ganz dreist ersetzt worden. Der erste Ton dieser live Gitarre gehört und war von Sekunde eins völlig verloren. Komplett. Auch jetzt, drei Wochen und zig Dauerloops später ist es genau wie beim ersten Mal. Was Fred da im Übergang mit dem Klavier macht ist einfach – ich hab keine Worte. Diese Spannung, er hält sie bis ins Unendliche. Bis sie reißt und der ganze Song in sich selbst zusammen fällt. Und das ist einfach alles, was ich an Live-Musik brauche. Das ist das, was glücklich macht, was die Endorphine in mir rumwirbeln lässt. Wenn ihr wissen wollt, was ich meine: guckt es euch an. Hört es euch an. Und dann erzählt es weiter.

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  • Motivationscoach Frith Vogel und sein neues Aufputschmittel „Ich bin stark“

    Wer kennt’s? Gerade aufgewacht und eigentlich ist der Tag schon gelaufen. Ins Badezimmer geschlurft, einen neuen Pickel entdeckt. „Und wie sehen eigentlich meine Haare aus? Naja. Erstmal einen Kaffee, dann sieht die Welt schon ganz anders aus. Jackpot, schmeckt nur nach Wasser“. Und dann die Einsicht: „Alles klar, heute ist nicht mein Tag“ … Aber das muss doch nicht sein! Frith Vogel hat mit „Ich bin stark“ nämlich kürzlich einen Song veröffentlicht, mit dem man sich in nur knapp 2 Minuten wieder in den richtigen Modus bringen kann. Alle Infos zum Song und zu Frith Vogel selbst serviert euch Jule jetzt – natürlich standesgemäß im Trainingsanzug, ist doch klar.


    Na, wer hat sich im Einleitungstext wiedererkannt? Ich denke, jede:r von uns hat mal genau diesen Tag. Da ist morgens einfach schon klar: Das wird heute alles nix. Aber das ist okay. Und wahrscheinlich sind solche downer auch wichtig, um mal wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzukehren und die guten Tage (wenigstens kurz) ein bisschen wertzuschätzen. Wenn man sich diesen morgendlichen bad vibes aber nicht hingeben will, dann kann ich euch Frith Vogels neue Single „Ich bin stark“ nur ans Herz legen.

    Frithjof Vogelsang, wie er bürgerlich heißt, macht seit ca. einem Jahr als Frith Vogel Musik, nachdem er lange in einer Band Schlagzeug gespielt hat. Am Vornamen lässt es sich vielleicht schon erkennen, dass er ursprünglich aus Nordfriesland kommt. Er hat im letzten Jahr z.B. auch einen Song namens „Ich will mit dir nach Dagebüll“ (das ist halt in Nordfriesland) veröffentlicht. Seine Songs haben allesamt super energetische Vibes, die mir einfach immer ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Ich muss mich aber auch dahingehend outen, dass ich Menschen aus Norddeutschland mit ihrer offenen Art und ihrem geilen Dialekt einfach sowieso sehr gerne mag.


    Frith Vogel ist stark und ich will das auch sein
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    „Ich bin stark“ beginnt mit unaufdringlichen uptempo-Synthies und Claps, die per se schon mal ziemlich aufheiternd auf mich einwirken. In den Lyrics spricht Frith Vogel sich (und mir) gut zu: Wir sind stark, wir sind stabil, wir sehen gut aus. Hat auf eine beschwingte und coole Art ein bisschen was von einem Motivationscoaching. Im Laufe des Songs gesellen sich dann auch Percussions und eine E-Gitarre dazu und machen die rhythmische Aufmunterung damit für mich nahezu perfekt.

    Zur Entstehung des Songs sagt Frith Vogel: „Ich bin nicht unbedingt für meine Körperkraft bekannt. Doch eines Abends fand ich mich vor dem Spiegel stehend, die Schlafanzughose bis über den Bauchnabel hochgezogen, der Oberkörper frei. Ich sah wie ein Boxer aus, fand ich. Richtig stark. Am nächsten Tag hatte ich eine Prüfung im Studium zu bestehen. Vielleicht rührten daher das künstliche Aufputschen und der Wunsch, sich stark und der Situation gewappnet zu fühlen“.

    Zugegeben, der Text ist nicht sonderlich tiefgründig, aber darum geht es hier auch überhaupt nicht. „Ich bin stark“ ist ein Song, der dir mit der nötigen Prise an Humor ein gutes Gefühl geben will, wenn dir das gerade mal abhandengekommen ist. Ich meine, am Ende des Songs gibt’s tosenden Applaus. Wenn das nicht aufputscht, dann weiß ich auch nicht?


    Frith Spaßvogel ist für alle da

    Eine Sache, die ich am Sound von Frith Vogel auch sehr mag: Er macht Musik, weil er Spaß daran hat. Wir haben es hier nicht mit Songs zu tun, die von 392 Produzent:innen „perfektioniert“ worden sind. Und ich liebe es, dass ich hier den puren Künstler zu hören bekomme – der mir (sorry, dass ich mich wiederhole, aber es ist einfach so) immer gute Gefühle gibt. Es lohnt sich aber auch, auf kleine Details zu achten. Wer sich „Ich bin stark“ auf Spotify anhört, der wird entdecken, dass als Label die „Aufzeichnungsgesellschaft Vogel mit Nestsitz im Frithwald“ angegeben wurde. Und damit beende ich diesen Artikel, denn besser lässt sich sein Spirit nicht erklären.


    Hier könnt ihr euch das Musikvideo zu „Ich bin stark“ anschauen:

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    Fotocredit: Chiara Linzenmeier

  • NF zeigt mit „CLOUDS“ warum er mit das Beste ist, was amerikanischer Hip Hop zu bieten hat

    NF zeigt mit „CLOUDS“ warum er mit das Beste ist, was amerikanischer Hip Hop zu bieten hat

    Wir fühlen uns alle in unser Indie-Pop-Rock Bubble super wohl. Hier ist es ja auch einfach unfassbar gemütlich drin, ich lieb’s auch. Aber ab und zu geh ich mal raus gucken, was sonst noch so geht, und da geht so viel! Tatsächlich ist der Künstler hier einer meiner absoluten (und ich mein wirklich absoluten) Herzenskünstler. Noch bevor ich je eine Zeile über Musik geschrieben habe, hat jede Person in meiner Umgebung schon mal einen Monolog zu NF gehört. Jetzt ist er einer der meist gestreamten Künstler weltweit, hat mit seinem letzten Album vor zwei Jahren niemand anderen als Chance The Rapper von der Billboard-Spitze gestoßen und läuft trotzdem immer noch ein kleines bisschen unterm Radar. Macht euch bereit und welcome your next favorite rapper: NF.

     
    Rap mit mental health awareness

    NF. Einfach nur zwei Initialen hinter denen eine volle Wucht an Gänsehaut-Beats, heftigen Flows und ausgefeilten Lyrics stehen. Tatsächlich ist NF auch einer der wenigen Künstler, wo ich sagen kann: I was here before he was famous. Mit 15 Millionen Streams und 2,8 Millionen Insta-Followern kann man nicht mehr von einem Geheimtipp sprechen – oder? Auch ihr müsstet eigentlich alle Let You Down kennen, NFs erster internationaler Hit, der auch in Deutschland rauf und runter lief. Als ich das zum ersten Mal im Radio gehört hab, muss ich ganz ehrlich zugeben, war ich ein ganz großes bisschen stolz.

    NF ist zwar ein mittlerweile sehr erfolgreicher Musiker mit einer starken Fanbase, hat aber auch seine Päckchen zu tragen. Seine Lieder sind persönlich, immer ehrlich und zugegebenermaßen oft sehr traurig. Vor ein paar Jahren wurde er mit einer Zwangsstörung diagnostiziert, hat als Jugendlicher seine Mutter an Drogen verloren und kämpft schon lange mit Depressionen. Das sind alles Sachen, die ihn und seine Texte definieren, aber auch Sachen, die ihn gerade für seine Fans so herausstechen lassen. Dazu ist er noch ein ungemein privater Typ. Er kommt mit Social Media nicht so klar, fühlt sich in Interviews unwohl und mag diesen kleinen Hauch von Mysterium um seine Person. Trotzdem füllt er Hallen aus, sobald er auf Tour geht – weltweit. Und trotzdem verkauft er seine Alben und steht in den obersten Charts – weltweit. Er ist ein Underdog mit mental health problems, der trotz dem ansteigenden Druck immer weiter liefert.

     
    Head in the Clouds

    Eigentlich macht NF Konzept-Alben, erzählt eine Geschichte und geht damit auf Tour. Doch die Pandemie hat seine Pläne ein bisschen durchkreuzt und so hat er sich dazu entschieden, seine unveröffentlichten Songs in Form eines Mixtapes trotzdem zu veröffentlichen. Und das hat mein 2021 jetzt schon gerettet. Opener Song ist CLOUDS und das müsst ihr euch wirklich ansehen, um zu verstehen:

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    Es ist nicht übertrieben, wenn ich sage, CLOUDS ist cinematic. Der Aufbau, sowohl musikalisch als auch in seinem Flow, ist einfach unvergleichbar. Und das Musikvideo, es könnte eins meiner absoluten Lieblingsvideos sein. Diese Übergänge?? Alles an CLOUDS ist für mich einfach over the top unfassbar geil. Zugegeben, NF sieht unscheinbar aus, wie ein kleiner Emo-Rapper, dressed all in black. Aber das ist er ja auch. Und gerade deshalb wird er oft unterschätzt und muss sich Hate im Internet geben, weil er über Therapiesitzungen rappt anstatt über fette Autos und Weed. Weil er mehr schwarze Hoodies hat als Goldketten und mehr Selbstzweifel als Money und Bitches. Aber dann droppt er halt auch einfach solche Lines mit einem mehr als scheppernden Beat, der mir auch beim xten Mal noch Gänsehaut gibt:

    Who are you kidding?

    How could you doubt me, I’ve always delivered

    Rippin’ the teeth out of the back of my mouth’s the closest you get to my wisdom

    […] They cover they heads up whenever I drop

    Shake the whole industry, put them in shock

    Come out the clouds like a meteor rock

    Then land on the earth like “ready or not”

    Im gleichen Atemzug macht er aber auch klar, dass obwohl er so erfolgreich geworden ist, Hollywood und diese ganze Szene drum rum nichts für ihn ist. NF ist tatsächlich einer der wenigen erfolgreichen Künstler:innen aus den USA, bei dem ich keine Angst haben muss, dass er abheben könnte. Im Gegenteil, er hat sich das alles so hart erarbeitet und auch trotz oder gerade wegen seines Erfolgs noch mehr mit seiner mental health zu kämpfen gehabt, dass ich ihm alles von Herzen gönne. Er hat’s einfach völlig verdient. Und ihm bei seiner Reise zusehen zu dürfen, wie er Album zu Album immer besser wird, war, muss ich zugeben, auch einfach sehr besonders. Und ist es immer noch.

     
    “Just chew on this ‘til the records built”

    CLOUDS kündigte sein Mixtape Anfang des Jahres an und seitdem hab ich dem Release so sehr entgegengefiebert wie selten. Bevor ich irgendwelche anderen Songs an dem Release-Freitag gehört hab, lief NFs Mixtape ganze zwei Mal durch. Ich war so hyped, ich konnte nichts nebenbei machen. Hört euch den zweiten Song THAT’S A JOKE an und ihr wisst, wieso. Inhaltlich ist es ein slap für die gesamte Industrie und jede*n, die in ihn nicht als vollwertigen Spieler im Rap-Game sehen. Er reflektiert, wie hart er in den letzten Jahren gearbeitet hat und seine Musik dadurch stetig besser geworden ist.

    NF, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, untold music, nfrealmusic, nate feuerstein, clouds mixtape, paid my duesDas zeigt THAT’S A JOKE. Diese Power im Song – ich musste wirklich von meinem Schreibtischstuhl aufstehen, so geflasht war ich als ich es das erste Mal gehört hab. Mit Kopfhörern auf voller Lautstärke bin ich durchs Zimmer gesprungen und meine Katzen haben mich angeguckt, als wär ich verrückt. Allein mit der allerersten Zeile macht Nate klar, was Stand ist: I’m not on your radar? Then your radar’s broke. Und jap, unterschreib ich so. Das ist eine andere League, in der NF sich aufhält, es wird niemand so oft mit Eminem verglichen wie er und das zu Recht. Wie er zwischen verschiedenen Flows in nur einem Song switcht, ist einfach unfassbar. Allein in THAT’S A JOKE sind’s – ohne Refrain – sechs. Versucht da mit Genius-Lyrics mal mitzurappen, das geht gar nicht.

     
    Ein bisschen Melancholie und cinematische Musikvideos

    Während die ersten beiden Songs mich mit ihrer Power komplett weggefegt haben, zeigt der dritte Song die softe und melancholische Seite NFs. JUST LIKE YOU ist unterlegt mit einem Piano und einem vergleichbar sanften Beat. Inhaltlich geht es um die Angst, allein zu sein, ein Gefühl, das viele von uns, trotz so unterschiedlicher Leben, teilen. Nate philosophiert darüber wie klein das eigene Leben wirkt, wenn man den ganzen Tag Selbstzweifel vor sich herschiebt und denkt, man sei sowieso nicht genug, um glücklich zu sein. So krass, wie er auch abliefert, sind das die eigentlichen Kernthemen, mit denen Nate sich beschäftigt. Er hat so viel erreicht und kämpft trotzdem täglich mit den Stimmen in seinem Kopf, die sagen, das sei alles nicht genug. Mit JUST LIKE YOU versucht er, anderen, die sich so fühlen, die Hand zu reichen, und zu zeigen, dass sie in dem Gefühl des Allein-Seins nicht allein sind.

    Der nächste Song STORY ist komplett anders zu allem, was NF bisher gemacht hat. Wer sich vorhin das Video zu CLOUDS angeguckt hat, müsste schon den Eindruck bekommen haben, dass der Typ ein Gefühl für geile Musikvideos hat. Und das stimmt auch, alle Musikvideos von NF sind durchdacht und viel mehr als nur eine visuelle Untermalung des Songs. STORY greift diese Liebe auf und macht aber einfach mal einen kleinen Mini-Film draus. Ohne das Video wirkt STORY musikalisch zuerst ein bisschen off, ergänzt sich aber visuell auf eine beeindruckende Weise. Nate verschwindet in einer ausgedachten Narrative einer Frau, die Zeugin eines Raubüberfalls wird. Ist ein bisschen dark, aber ich hab selten ein Musikvideo so gespannt geguckt wie dieses. Absolute Gänsehaut und ich kann’s euch auch wirklich nur ans Herz legen, es ist ne kleine Erfahrung.

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    Mit voller Power und fetten Features in eure Playlists

    Anzumerken an dieser Stelle ist, dass unsere Vorstellung der Länge eines Mixtapes nicht der von NF entspricht. CLOUDS beinhaltet ganze 10 Songs. Was für andere mittlerweile eine solide Albumlänge geworden ist, ist für NF ein Mixtape für zwischendurch. Ebenfalls anzumerken sind die Features. Mit Hopsin hat er einen auch absolut fantastischen Rapper mit auf meinen Radar geholt, der da vorher nicht da war. Mit Tech N9ne wiederum hat er sich etabliertes Talent dazu geholt. Wer ein bisschen im Hip Hop unterwegs ist, kam vor allem früher nicht um ihn herum. Beide Features fungieren nicht als Füller auf den Songs, sondern komplementieren sie auf einer Weise, die man einfach feiern muss. LOST und TRUST fügen sich deshalb nahtlos in den neuen Musik-Content von Nate an.

    LAYERS zeigt NFs wortwörtliche Layers und gibt uns einen Haufen an Flow-Variationen. Aber auch der Beat hält einen von Sekunde eins am Ball. Wenn ich mir vor Augen führe, dass das nur die Songs sind, die bei ihm so rumlagen und er schon am Arbeiten für’s Album ist, bin ich echt kurz ein bisschen sprachlos. DRIFTING ist wieder ruhiger und vielleicht mein versteckter Lieblingssong auf dem ganzen Mixtape. Erinnert mich alles sehr an die alten „Emo“-Zeiten und treffen deshalb nochmal ganz andere Nerven auch bei mir. Wenn das am Ende dann alles nochmal so intensiv explodiert –

    Zum Schluss, und ich bin wirklich sehr aufgeregt, das zu sagen, hat NF keinen anderen Song als PAID MY DUES mit raufgepackt. Hab ich gerade gesagt, DRIFTING sei mein Lieblingslied? Scratch that. PAID MY DUES ist nochmal ein absolut ganz anderes Level und to date, trotz den genialen neuen Content, mein Top1 Lied von NF. Es kam (mit genialem Musikvideo) 2019 als eigenständige Single raus, nachdem sein Album The Search Chance The Rapper von der 1 gestoßen hat. Mit diesem Erfolg kam auch super viel Hate, vor allem aus der Musikindustrie selbst. Artikel und Rezensionen, die sein Album auseinandernahmen, ohne sich eigentlich mit ihm auseinanderzusetzen. PAID MY DUES ist die absolut beste Antwort, die NF da hätte geben können. Auch wenn ihr bis hierhin alles nur überflogen habt und Rap eigentlich nichts für euch ist – bitte hört euch das an. Es zerreißt wirklich einfach alles.

    Und damit hör ich auf, denn PAID MY DUES kann man einfach nicht toppen.

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    (Nachgeschobener Tipp an alle, die durch diesen Artikel NF zu ihren Playlisten zufügen sollten – eignet sich alles sehr für eure Workout-Playlist. Auch das alte Zeug, das ist alles >>)

  • Twenty One Pilots und ihre neue Single „Shy Away” – Was wirklich dahintersteckt

    Twenty One Pilots und ihre neue Single „Shy Away” – Was wirklich dahintersteckt

    Diese Single Review schreibe ich genau 3 Stunden nach Release, an einem durchschnittlichen Mittwoch-Abend. Aber nichts an diesem Mittwoch-Abend ist durchschnittlich. Denn was sich lange angebahnt hat, ist endlich passiert: Twenty One Pilots haben ihre neue Single veröffentlicht. Und ich hör sie seit den 3 Stunden auf Dauerloop. Warum Shy Away musikalisch mit das Beste ist, was 2021 passieren konnte und was Twenty One Pilots da wirklich an metaphorischen Welten mit dem Song ausbauen, lest ihr jetzt. 

     
    Welcome to the new era – A Deep Dive

    Eine Sache, die man über Twenty One Pilots wissen muss, ist, sie bringen nicht einfach nur Musik raus. Wer sich ein ganz kleines bisschen mit der Band auseinandergesetzt hat (über Stressed Out hinaus), weiß, dass sie eine super enge Bindung zu ihren Fans haben. Seit ihrem Album Blurryface verpacken sie ihre Musik in einem größeren Kontext. Mit versteckten Metaphern und ganzen Handlungssträngen erwecken sie fiktive Charaktere zum Leben und interagieren auch selbst mit dieser Welt. Ich bin zugebenermaßen erst seit ihrem letzten Album Trench völlig dabei. Aber einmal „meaning of trench“ in YouTube eingegeben, kommt ihr in einen Tunnel aus Fan-Theorien zum Album, die euch einfach nur baff vor dem Bildschirm sitzen lassen. Vorab-Warnung für alle, die sich nicht für codierte Nachrichten und Easter Eggs begeistern lassen – ihr dürft runter scrollen, denn hier kommt jetzt ein ganzer Input der Welt hinter Trench und wie sich die neue Ära anschließt.

    Also, absoluter Deep Dive jetzt: Schon in Trenchs Vorgängeralbum Blurryface steckte viel mehr drin als nur Stressed Out – nämlich Vorahnungen auf die Welt, die sich uns erst erschließen sollten. Vor Release von Trench tauchten mystische URLs auf, die zu einer Website leiteten. Die kryptischen Nachrichten auf dieser Website waren Nachrichten von Clancy, einem fiktiven Charakter. Eingebettet war auch eine Karte von DEMA, einer Stadt, die von neun Bischofs regiert und kontrolliert wurde. Clancy war in dieser Stadt gefangen und beschreibt in seinen Briefen, wie er selbst alles rund um DEMA erst zu verstehen beginnt. Aus den kryptischen Nachrichten entschlüsselte sich unter Anderem auch EAST IS UP, Lyrics aus späteren Songs. Wenn man das auf die Karte anwandte und sie mit Osten nach oben drehte, richteten sich die neun Bischofs in der Mitte mit den Kreisen vom Blurryface Cover aus und somit auch mit den einzelnen Songs auf dem Album.

    Still with me? Ich muss zugeben, ich hab mich zwischendurch auch kurz nochmal verloren. Aber das hat alles einfach so viele Ebenen. So wie auch das letzte Musikvideo der Band aus der Blurryface-Ära, Heavydirtysoul die ganze Geschichte schon andeutete. Dort sieht man wie Tyler, der Protagonist, der uns allen Einblick in die Welt hinter den Songs gibt, aus DEMA flüchtet. Das Musikvideo zu Jumpsuit, der ersten Single aus Trench, knüpft genau dort an und begleitet seine Flucht. In den weiteren Musikvideos zu Nico and the Niners und Levitate wird diese Story visuell festgehalten, also wer Bock hat, hier einfach durchklicken:

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    Tatsächlich empfehl ich euch diese Videos wirklich, weil dann das, was ich hier so vor mir rumerzähle, auch viel mehr Anhaltspunkte für euch hat. Um es aber schlicht zusammenzufassen: Jeder Akteur in dieser Geschichte stellt etwas Metaphorisches dar. DEMA könnte unsere eigene aus Dämonen geformte dunkle Gedankenwelt sein, die man betritt, wenn man mit mental illness kämpft. Die Bischofs beschützen und kontrollieren diese Stadt, könnten demnach für die Manifestierung unserer Unsicherheiten und Zweifel stehen. Die Banditos, die Tyler bei der Flucht aus DEMA helfen, tragen Gelb, was der ganze Farbcode der Trench-Ära ist und für Hoffnung steht. Trench selbst ist der Ort, den wir durchqueren müssen, wenn wir DEMA verlassen, aber noch nicht ganz auf der anderen Seite sind – das Zwischendrin sozusagen. Die Identität von Clancy ist noch immer viel umstritten, könnte aber für jede Person stehen, die in DEMA gefangen ist und einen Weg raussucht.  

     
    Scaled And Icy – Clancy Is Dead

    So weit, so gut. Doch wie knüpft hier das neue Musikvideo zu Shy Away an? Nach außen hin war es ein überraschender Release der Band, aber die Fanbase brennt schon seit Wochen. Ihr Banner auf Twitter hat so langsam die Farbe gewechselt und wurde immer blasser, bis ihr Bandlogo genau eine Woche vor Release ganz verschwunden war. Dann kursierten erste Gerüchte einer neuen Website rum, die verkündigte, dass Clancy tot ist. Was dann folgten war ein vermeintlicher Albumname, Leaks einer Tracklist, Live-Stream Daten und erste Promobilder des neuen Albums: Alles unter Vertrieb der DMAORG* wenn man genauer hinsieht. Und warum das erst die ganze Story so richtig in Gang bringt, erzähl ich euch jetzt.

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    Album Artwork

    Ich könnte jetzt wirklich Millionen Theorien runterschreiben, die sich in den letzten Tagen ergeben haben (Discord ist a rabbit hole). Aber das wäre vielleicht doch ein bisschen viel. Aber ich bin so aufgeregt!! Alles hat eine tiefere Bedeutung und ist einfach so durchdacht. Wo wird man mit Musik noch so entertained? Bottom Line für Shy Away ist aber: Tyler ist zurück in DEMA und das neue Album ist pure Propaganda für die Gefängnisstadt. Der Albumname Scaled And Icy ist ein Anagramm für Clancy Is Dead. Und auf dem Cover für die Weihnachtssingle Christmas Saves The Year letztes Jahr war die Nachricht „SAI is propaganda“ versteckt. SAI – Scaled And Icy. Alles einfach nur 🤯


    Ebenfalls super suspekt ist den Fans das Aussehen der beiden. Promofotos und auch andere Interviews von Twenty One Pilots waren bisher immer mit Josh links und Tyler rechts – jetzt ist es umgekehrt. Für die Flucht aus DEMA hat sich Tyler die Haare damals abrasiert – jetzt trägt er sie lang. Und beide scheinen Sachen um ihren Hals zu tragen, die, wie damals bei Blurryface, für die Kontrolle von außen zu stehen scheint. Dazu noch das Wording, das neue Logo und die bunten Farben – alles ganz und gar nicht Twenty One Pilots. Außer sie sind zurück in DEMA und werden für Propaganda Zwecke missbraucht.

    Falls ihr euch jetzt denkt – was hab ich gerade gelesen??? Dann same. So fühl ich mich. Ich finde es aber beyond faszinierend, dass diese weltbekannte Band neue Musik veröffentlicht, nach außen gefeiert wird, und es aber eine absolute Parallelwelt nur für ihre Fans zu geben scheint. Erzählt mal jemanden, das neue Twenty One Pilots Album ist Propaganda für DEMA und Clancy ist tot. Die gucken euch an wie ihr mich jetzt wahrscheinlich. Aber wie spannend ist diese Geschichte auch, wenn man sich die Zeit nimmt, sie zu erklären??

     
    2000s-Indie called, es will seine Hits back

    Und damit komm ich auch endlich zum Musikalischen. Shy Away ist einfach nur geil. Twenty One Pilots wissen einfach, wie man liefert. Ich bin ihnen wirklich musikalisch absolut erlegen, sie hätten droppen können, was sie wollen, ich hätte es gefeiert. Aber Shy Away??? Toppt jegliche Erwartungen. Ich bin in Gedanken wieder 14, höre The Kooks und springe durch mein Zimmer. Unten beschweren sich meine Eltern und ich dreh den Indie-Rock auf meinen Boxen lauter. Genau das ist Shy Away. Es hat so einen unvergleichbaren 00s Vibe, dass ich 10 (hypothetische) Euro wette, dass ihr’s auch nur lieben könnt. Auch wenn ihr beim ersten Teil des Artikels nur so Hä was will sie gedacht habt, alles egal. Shy Away ist tanzbarer Indie at its finest und ihr würdet es bereuen, nicht reinzuhören.

    Und er hat so viele Ebenen! Von der absoluten Ohrwurm-Hook bis hin zu dem Emo-Rock Drittel am Ende lässt es mich so-viele-Dinge fühlen. Tyler screamt!! Ich bin Mitte zwanzig und meine gesamte Gefühlswelt steht Kopf. Wenn ich Shy Away höre, sind mir auch die etlichen Bedeutungstheorien hinter dem Song und der Ära absolut egal. Es ist mir egal, dass wir uns immer noch in einer Dauer-Pandemie befinden und ich das nächste Mal Live-Konzerte 2023 erleben darf. Mir ist egal, dass es ein Schneesturm durch ganz Deutschland fegt und ich noch zwei Erwachsenenbriefe an meine Krankenkasse schreiben muss. Twenty One Pilots sind zurück und das mit voller Power.

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    Fotocredit: Ashley Osborne

  • Erfrischend cooler Kaugummi-Pop: Amanda Deff mit „Ass Minze“

    Erst kürzlich hat der Berliner Musiker Amanda Deff seine Doppelsingle „Ass Minze“ veröffentlicht. Nachdem 2016 sein Album „ABCDEFF“ und 2018 seine EP „SPAM“ erschien, meldet sich Amanda Deff 2021 mit erfrischenden Lebenszeichen zurück.

    Als „Hybrid-Pop“ bezeichnet David alias Amanda Deff selbst seine Musik. Das ist äußerst passend, denn die verschiedenen Genreeinflüsse fliegen nur so kreuz und quer durch seine bisherigen Veröffentlichungen. Da steht Synthfunk neben Lofipop und von irgendwo ganz hinten ruft uns noch ein Mac DeMarco ein „Hallo“ herüber. Ein Hybrid auch bei der Sprache seiner Texte: zuerst noch hauptsächlich auf Englisch gedichtet, sind die beiden neuen Songs „Ass“ und „Minze“ vorwiegend in deutscher Sprache verfasst.


    Ein Ass im Ärmel
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    Ich habe ja ein großes Herz für alternative Popmusik und Amanda Deff passt da ganz hervorragend rein. Hier ist nichts vorhersehbar. Und so lassen mich die Lyrics von „Ass“ auch zunächst ziemlich ratlos im Regen stehen. Hier treffen sich viele kleine Metaphern aus der Welt des Gamblings und außerdem ein paar diskret eingeflochtene Zitate aus Klaus Lages „1000 und 1 Nacht“, dem Song, zu dem unsere Eltern in flippigen Kellerdiskos schon Zärtlichkeiten ausgetauscht haben (auf die ich aber wirklich nicht näher eingehen möchte). Kernthema des Textes also: die verpasste Chance zwischen zwei Menschen, immer und immer wieder. Tausend mal berührt, tausend mal ist nichts passiert. Die Sehnsucht nach mehr bringt uns Amanda Deff hier wirklich unaufdringlich näher und beschreibt damit eines der aufregendsten, aber auch oft schmerzvollsten Gefühle ever.

    Dieses Phänomen einer Freundschaft mit ungewissem Status scheint ja quer durch die Gesellschaft wirklich häufig zu existieren, vielleicht hat sogar jede*r von uns schon einmal Herzschmerz aus dieser Richtung erfahren. Eine ganz besondere Beziehung zu einem ganz besonderen Menschen: Man kennt sich lange, man vertraut sich, man liebt sich. Und entweder es wird dann tatsächlich mehr – oder eben nicht. Die Kartenspielmetaphern im Text untermalen dieses Bild zusätzlich: es gleicht einem Spiel, es geht hin und her, es wird „gecheckt“, dann wieder ausgeteilt. Alles auf eine Karte, das Ass im Ärmel – für den richtigen Moment. Das angenehme an Amanda Deffs Art des Textens ist der Flow seiner Gedanken. Er möchte uns in seinen Lyrics am Glück oder am Schmerz teilhaben lassen, zwingt es uns aber nicht auf, wenn wir dem roten Faden nicht folgen wollen.


    „Tausend mal ist nichts passiert
    verdammt ich hab es satt
    die Welt gehört doch uns
    ok wir wollten es nur wissen

    Ich hatte noch heute nachgedacht
    was du schon letztens sagen wolltest
    und es hat zoom gemacht“


    Die Vocals, eingehüllt in einen weichen Autotuneeffekt, werden in „Ass“ von verschiedenen Synthesizern begleitet. Musikalisch baut der Song auf seinen recht kurzen 2:23 immer wieder Spannungen durch angetäuschte Build-Ups und Hi-Passfilterfahrten in den Drums auf, die sich aber nie wirklich und gänzlich in einen Drop entladen können. Denn ganz passend zur Thematik besteht das besungene Beziehungskontrukt ja auch aus genau diesen Spannungen, die sich einfach nicht abbauen wollen.


    „Kauen together, Classic forever“
    Amanda Deff, Ass, Minze, single, review, indiepop, pop, hybrid pop, alternative pop, untold music, untoldency

    Deutlich definierter instrumentiert ist hingegen die andere Hälfte der Doppelsingle, nämlich „Minze“. Die Drums treiben uns ab der ersten Sekunde durch den Song. Beim ersten Hören klingt „Minze“ nach einer Liebeserklärung an den Kaugummi. Und je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr wird mir bewusst, was der Kaugummi eigentlich für ein interessantes Produkt ist. Er ist oft ein Retter in der Not, man denke nur an all die Situationen des schlechten Atems, der inneren Zwiebel in uns. Am Morgen-Danach auf dem Zeltplatz unseres Lieblingsfestivals. Kurz vor dem Bewerbungsgespräch. Oder vor dem ersten Kuss. Andererseits ist der Dauerkauer natürlich auch ein Zeichen der Provokation. Gegenüber Älteren ja sowieso, aber auch am Tisch mit offenem Mund gekaut, als gelangweilt zerplatzende Kaugummiblase, oder banal vor unsere Füße gespuckt.

    Alles ganz wunderbare Metaphern, um Gefühle auszudrücken. Und ich glaube genau das will Amanda Deff in diesem Song. Denn wenn er singt „so please never never never leave me“, kommt mir unweigerlich der vergangene Geschmack eines einst wirklich leckeren Kaugummis in den Sinn. Bitte verlass mich nicht! Genau wie in der Liebe: was früher einmal erfrischend, fruchtig und aufregend war, wird mit der Zeit immer blasser und fader und dann fragen wir uns: warum kauen wir eigentlich noch? Ja, die Liebe ist wohl wie ein Kaugummi.


    „Lass dich kauen
    in dir steckt nämlich Wut
    und Kapitulation
    das steht dir gut
    aber das haste nicht gewollt“


    Musikalisch erinnert mich der Song, mit der Mischung von Synthezisern und Indiebeats, zum Beispiel an Bands wie MGMT oder The National. Das Ganze dann hübsch geschmückt mit Falco-Vibes in Amanda Deffs Vocalperformance, diesmal ganz ohne Autotune. Das flowt und macht direkt gute Laune.


    Fazit!

    Amanda Deff schafft etwas, was sich viele IndiemusikerInnen für die eigenen Songs wünschen: es klingt absolut authentisch. Seine Texte wirken zunächst unfassbar simpel und plakativ, doch je öfter man hört oder liest, desto mehr Kleinigkeiten, Referenzen und Genialitäten findet man zwischen den Zeilen. Für mich bringt Amanda Deff, der zudem auch noch alles selbst produziert, ein Stückchen Avantgarde in die manchmal etwas langweilig gewordene, deutschsprachige Popmusik zurück. Dabei muss man keineswegs all seine Texte bis aufs letzte Wort verstehen, dafür sind sie wahrscheinlich einfach zu abstrakt . Aber die dadurch gewonnene Freiheit einfach mal zuhören zu können, ist wirklich sehr angenehm. Ein Kaugummi, der mir zumindest noch lange schmecken wird!

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  • Sorglos glücklich: Luis Ake und „Ein schöner Traum“

    Sorglos glücklich: Luis Ake und „Ein schöner Traum“

    Bei Luis Ake geben sich Schlager und Rave die Hand und werden Freunde. Vor Kurzem erschien passend zu den ersten Frühlingstagen seine neuste Single „Ein schöner Traum„, produziert von Konrad Betcher (Casper, Dagobert, Minneapolis). Obwohl einige der vorherigen Songs von Traurigkeit geprägt waren, bildet diese Veröffentlichung eine euphorische Wohlfühl-Hymne über das Glück und die Wolken als dessen Träger. Dazu sagt Luis Ake selbst: „Glück ist, anders als Traurigkeit nur schwer zu greifen oder festzuhalten. Für mich ist eine Wolke das perfekte Sinnbild dafür. Sie schwebt über uns hinweg, ist immer in Bewegung und damit unmöglich zu greifen.“

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    Musikalische Neuentdeckung

    Seit ich Luis Ake bei meinem letzten normalen Konzert vor Corona-Zeiten als Support Act gesehen habe, war er für mich einer meiner liebsten musikalischen Entdeckungen in 2020. Eigentlich kann ich es gar nicht glauben, dass er nicht schon viel mehr Aufmerksamkeit bekommt. Immer in Hemd oder Anzug angezogen und in Musikvideos (positiv) merkwürdig tanzend, könnte man meinen, er stamme nicht aus unserer Zeit. Doch genau das macht ihn so interessant. Der Stuttgarter bewegt sich zwischen Neue Deutsche Welle, Synth-Pop und elektronischer Musik. Er belebt scheinbar eingerostete Stile wie kein anderer. Zwar fernab des Mainstreams, aber unglaublich mitreißend für Liebhaber:innen vergangener Jahrzehnte oder die, die auf dem Weg sind, solche zu werden.

    Wobei sein Debüt-Album Bitte lass mich frei noch kalt wie der Winter klang, ist davon jetzt nichts mehr zu spüren. Klanglich eingekleidet im Mantel des 80er-Pop thematisiert Ein schöner Traum einen einfachen sorglosen Moment. Auch hier steht Luis der Wechsel zur hohen Falsettstimme im Refrain, wie in vielen seiner anderen Songs, äußerst gut. Tatsächlich fühlt sich der Song beim Hören genau so an, wie seine Aussage. Man fühlt sich als Hörer:in in diesen drei Minuten wie in einen Rausch der Euphorie hineingezogen. Vor allem zelebriert die Single den Zustand des puren Glücklichseins, an dem es zur Zeit leider einigen Menschen mangelt. Luis Ake kommt wie ein Bote des Glücks und bringt uns diesen Song, um an das Gefühl zu erinnern. Vielen Dank dafür!

    „Ich nehm deine Hand und sag:

    Dieser Traum, ist für uns wahr geworden“

    Zur Single erschien auch ein Musikvideo, bestehend aus völlig unterschiedlichen fünfzehn Sekunden langen Clips, die auf einem Handybildschirm vorgeführt werden. Um dabei nicht nur seine eigene Perspektive des Glücks zu zeigen, hat Luis Ake zwölf Kunstschaffende Personen darum gebeten, ihre Interpretation eines kurzen Musikvideos zu erstellen: „Ich habe im Zuge dieses Liedes viel über den Moment des Glücks nachgedacht. Auch über seine Zeitlichkeit. Instagram diktiert uns z.B. das ein Glücksmoment fünfzehn Sekunden lang andauert. Das finde ich sehr spannend.“

    Als großer New Wave-Fan bin ich sehr froh, hiermit einen weiteren fantastischen Musiker zu haben, der die Musik der Neuen Deutschen Welle neu belebt und frisch poliert. Auch die bilinguale Vorgänger-Single Hey Du/Эй, Ты zusammen mit dem moskauer Musiker Dima Midborn hatte mich im Herbst 2020 komplett für sich begeistert. Nun lässt mich Ein schöner Traum nach warmen Tagen mit Sonnenschein sehnen, die wir uns alle mehr als verdient haben. Bei Luis Ake handelt es sich um einen einzigartigen Künstler mit eigenem, wieder erkennbarem Sound und Stil, der sich mit seinen Releases immer weiter steigert. Ich wünsche mir sehr, dass er und seine Musik noch absolut durch die Decke gehen. Denn das wäre die einzig gerechtfertigte Konsequenz.

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    Foto Credit: Tereza Mundilová

  • Florence Arman schafft mit “Out of the Blue” eine Indie-Pop Hymne über den Break Up einer Freundschaft

    Florence Arman schafft mit “Out of the Blue” eine Indie-Pop Hymne über den Break Up einer Freundschaft

    Irgendwo zwischen Phoebe Bridgers und Feist – so kann man die Musik der britischen Newcomerin Florence Arman beschreiben. Melodischer Indie-Pop, den man nicht an sich vorbeigehen lassen will. Mit ihrer neuen Single „Out of the Blue“ beweist sie, dass sie musikalisch das Potential für ganz oben hat. Und obendrauf ist sie auch eine unfassbar sympathische junge Künstlerin. Wie sie diesen Eindruck entstehen lässt und warum das Musikvideo zur Single das vielleicht lustigste ist, das ich dieses Jahr gesehen hab, lest ihr jetzt.

     
    Verletzlichkeit im Indie-Pop Gewand

    Out of the Blue erzählt die Geschichte einer verlorenen Freundschaft. Doch anstatt es in einer intimen Ballade zu verpacken, zaubert uns Florence Arman eine zuckersüße Melodie ins Ohr. Es sind locker-leichte Indie-Pop Melodien wie diese, die ich, einmal gehört, wochenlang im Ohr summen habe.

    One day, maybe when I’m older

    And a little wiser, I’ll get over you

    But until then I wish you the best, friend

    Hope that one day you’ll show up out of the blue

    Tatsächlich trifft mich das Lied aber inhaltlich wirklich ziemlich. Zerstrittene Freundschaften, vor allem beste Freundschaften, sind etwas, über das man leider nie so redet wie über beendete (romantische) Beziehungen. Dabei ist es, wenn es passiert, irgendwie fast schlimmer. Jede Person, die schon mal ihren besten Freund oder beste Freundin verloren hat, weiß das. Sowas zu verarbeiten, dauert, und genau wie bei Florence, trifft es einen manchmal aus dem Nichts: Im Studio macht sie sich, britisch wie sie ist, einen Tee und sieht die Tasse mit dem Namen drauf. Für sie war das der Breaking Point, der sie zum Schreiben des Songs veranlasst hat:

    “At the time, I was having a hard time getting over a friendship that had ended in a very mysterious way and in that session when we took a little break, I went to make myself a cup of tea in the studio kitchen. I picked up a mug from the shelf that happened to have this friend’s name on it (not such a coincidence with hindsight, he has a pretty generic name). Then I had a little cry on the loo and wrote down a bunch of stuff I needed to get off my chest, and that became a large part of lyrics.”

     
    Kurzer Deep-Talk Einschub

    Freundschaften wachsen über Jahre, werden enger je mehr Sachen man miteinander durchlebt. Sie sind was unfassbar Starkes, aber irgendwie auch unfassbar zerbrechlich. Wenn sich das eigene Leben durch Umziehen, Karriere oder andere Interessen ständig verändert, fällt es manchmal schwer, an den Jahren festzuhalten, die die Freundschaft so geprägt haben. Ich würde nie wieder 14 sein wollen (god no), aber ich hatte viele Freundschaften, die ich jetzt nicht mehr hab. Was ja irgendwie einfach Teil des Lebens ist (ich hör mich an wie meine Mutter), trifft aber bei den Freundschaften, die deeper waren als einfache Schulfreunde, mehr. Die Person zu verlieren, der man jahrelang alles anvertraut hat und die man einfach unglaublich mag, ist ein Heartbreak. Wenn es dann auch noch, wie bei Florence, auf Weisen passiert, die ihr nicht mal erklärt werden – Danke für nichts, würde ich mal sagen.

    Okay, damit beende ich auch meinen kleinen eingeschobenen Deep-Talk über verlorene Freundschaften und geh wieder über zum Song. Oder noch besser, direkt zum Musikvideo. Da könnt ihr (1) den Song direkt hören, und (2) auch sehen, warum mir Florence Arman mit jedem neuen Song mehr ans Herz wächst. Es ist einfach wirklich zu sympathisch und lustig, um es nicht zu gucken:

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    Florence Arman präsentiert: How-To-Go-On-A-Run-After-Your-Friend-Breaks-Up-With-You

    In dem Musikvideo zu Out of the Blue hat sich Florence was einfallen lassen, das nach außen hin sehr amüsant wirkt. Für diesen Kontrast alleine muss man sich das Video eigentlich angucken. Florence kombiniert Alkohol, Zigaretten und Schokolade mit Joggen. Was sich komplett absurd anhört, ist es auch. Doch manchmal wird es absurd, wenn man über etwas hinweg kommen will, es trotzdem nicht komplett aus seinem Kopf bekommt. Es gibt also den symbolischen Versuch des Neustarts, der immer wieder von aufkommenden Lastern überschattet wird. Und das war auch hinter der Kamera lustig:

    “The worst scene to shoot was the chocolate eating scene. I had been looking forward to that scene because I bought Oreo chocolate in eager preparation, and didn’t realise I accidentally bought Oreo mint (!) chocolate. I don’t know what kind of a sadist thought this would be a good flavour, but it made me feel so sick, especially because we had to shoot it a bunch of times. But the beer scene definitely made up for it. That of course we had to film a few times too, every time opening a fresh can of beer, and by the end we had many many beers to finish, so we sat on a park bench and drank all of them, feeling slightly ashamed but had the best time ever. All in all it was a fantastic experience, even though I felt very sick most days (I don’t drink or smoke).”

    Pro Tipp von Florence also: niemals Oreo-Mint kaufen (gibt’s hier aber glaub ich eh nicht). Und beim Joggen immer ein Bier mitnehmen, was man danach mit seinen Freunden auf der Bank trinken kann.

    Zusätzlicher Pro Tipp von mir: Out of the Blue von Florence anhören und mitsummen.

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    Fotocredit: Marcella Ruiz Cruz

  • Eine düstere Offenbarung: Micro Circus und ihr neues Album „Black Swan“

    Am 26.03. hat Micro Circus aus Nürnberg bzw. München ihr neues, bereits zweites Album „Black Swan“ veröffentlicht – beachtliche acht Jahre nach dem Vorgänger „Bliss made of plastic“. Seitdem ist viel Wasser die Isar runtergeflossen und diese Zeit hat das Duo sinnvoll genutzt, um sich nicht nur musikalisch weiter zu entwickeln, sondern auch um eine beeindruckende neue Platte zu produzieren.


    Eine düstere Offenbarung

    Das Erste, was mir beim Hören auffällt, ist die unglaublich professionelle Produktion dieser elf neuen Tracks. Ich bin da wirklich kleben geblieben und der Sound hat mich verschlungen, obwohl ich die ersten beiden Songs nur auf Handylautsprechern gehört habe. Ein Grund mehr, sich das mal genauer anzuhören. Musikalisch präsentiert uns Micro Circus auf „Black Swan“ ein Album mit Konzept. Elektronische Drumloops treffen auf vintage Synthesizer, zerbrechliche Vocals auf verzerrte Gitarren. Klingt zwar nach einer bunten Mischung, fühlt sich aber so an, als dürfte es gar nicht anders sein.

    Den Start in die Welt von Micro Circus macht der Song „Revelation“. Im wahrsten Sinne des Wortes ist dieser Song eine Eröffnung von etwas Verborgenem. Nämlich einem Gefühl, das viele Menschen gerade in sich tragen: Resignation. Wir haben es verbockt, so sieht es aus. Unsere Gesellschaft ist auf Perfektion abgerichtet und abgestumpft von schlechten Nachrichten und Katastrophen, jeden Tag. Da bleibt nicht mehr viel übrig als zuzuschauen und abzuwarten, wie wir allmählich die Kontrolle über all das verlieren. So sieht es zumindest der wunderbar dystopische Text des Songs, der im Chorus einen ironischen Toast auf unsere grandiose Spezies ausbringt:


    „Hooray! A cheer for revelation
    We are greatest of all creations
    We’re dedicated to perfection
    Yes, we are“


    Der Song, der vorab schon als Single erschien, glänzt außerdem mit einem spannenden Aufbau. Zu einem Loop eines Drumcomputers gesellt sich anfangs lediglich die glasklare Stimme des Sängers Chris. Zugegeben, ich als absoluter Radiohead-Ultra war da schon hin und weg, denn die ganze Art und Weise wie hier Musik gemacht wird, erinnert mich sehr an die experimentellen Phasen von Thom Yorke & Co., aber zum Glück ohne wie eine Kopie zu klingen. Die Steigerung durch das akustische Schlagzeug und die breiten, verzerrten Gitarren, gibt dem Song zum Ende hin den nötigen Raum, um richtig wirken zu können.


    Beware of aggressive swans
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    Während ich mich so von Track zu Track höre, überlege ich, welche Bands aus Deutschland dieses etwas verschrobene Genre denn noch so repräsentieren. Eine Mischung aus Indierock und Alternative, das alles aber irgendwie introvertiert und experimentell, gespickt mit elektronischen Klängen. Spontan fallen mir da Bands wie The Notwist oder vielleicht noch Moderat ein, die beide für einen sehr internationalen Sound bekannt sind. Allerdings ist diese Art von Musik und deren Tiefe und Eindringlichkeit auf dem deutschen Musikmarkt relativ selten zu finden. Bemerkenswert also, dass Micro Circus sich hier selbstbewusst einreiht und einen Vergleich tatsächlich nicht scheuen muss.

    Der durch seinen Breakbeat ziemlich groovige Song „Water“ leitet uns weiter flußabwärts in ruhigere Gewässer, in denen wir auch den „Black Swan“ des Albums treffen sollen. Wer schon mal von einem attackiert wurde, weiß, dass Schwäne einfach nur verdorbene, charakterlose, aggressive Miesepeter sind. Auch wenn sie wunderschön aussehen. Ich weiß es seit Kindheitstagen und bin deswegen schwer traumatisiert. Das Titelstück des Albums erinnert mich sofort an das „The Resistance“-Album von Muse und ich bekomme immer mehr das Gefühl, dass Micro Circus und ich wohl mit der gleichen Musik sozialisiert worden sind. Im Song prophezeit die Band das Zuschnappen des schwarzen Schwans und dessen unumgängliche Jagd auf uns. Der schwarze Schwan steht in der Mythologie seit jeher für ein unerwartetes bzw. unwahrscheinliches Ereignis und gibt dem Song dadurch eine sehr tiefe philosophische Ebene. Nichts ist vorhersehbar, wir können uns nicht auf alles vorbereiten und das Schicksal bekommt uns, egal wo wir uns verstecken. Die Zeilen in der zweiten Strophe passen da ganz besonders gut:


    „All glass balls are defect(ive)
    So everyone is wrong
    Everyone is wrecked
    This is the Worst Case Scenario
    Time has come to jump out the window“


    Aus den Fugen geraten

    Die Abwechslung zwischen ruhigen, introvertierten Songs und einigen aufbrausenden Pophymnen, ist über das Album verteilt sehr angenehm. „Statues“ ist zum Beispiel einer dieser großspurigen, epischen Songs. Hier geben sich verhallte Drums und dicke Gitarrenwände die Hand und tragen eine äußerst radiotaugliche Melodie in unsere Ohren, die dort lange bleiben will. Auch „Sparks“ schlägt hier durch angenehm harmonische Akkorde, gezupfter Gitarre und positiven Vibes in den Lyrics eine etwas poppigere und gefälligere Richtung ein. Im Kontrast dazu stehen dann Stücke wie „Next“ über Chaos, Leid und Schmerz oder „Vs.“ über Abhängig- und Abwechslungslosigkeit, zum Beispiel in einer Beziehung. Beide Stücke sind dann auch deutlich minimalistischer und düsterer instrumentiert und lassen ein ganz besonderes, elektronisches Instrument erklingen: das „Melotron“. Dieses wurde schon von Bands wie den Beatles oder Led Zeppelin in den 60er und 70er Jahren verwendet und klingt auch heute noch einzigartig.

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    Dass Micro Circus auch mitreißende Balladen kann, hören wir dann ganz eindrucksvoll bei „Scientists“. Ein ganz lethargisches und leicht verstimmtes Klavier, bei dem wir sogar das Knarzen des Pedals hören können, schafft eine intime Atmosphäre. Der Klang der Vocals hat hier, ganz ohne das despektierlich zu meinen, einen ganz leichten Touch of Robbie Williams in seinen besten Jahren. Das Stück handelt von einem aus den Fugen geratenen Leben und auch dieser Text lässt sich wieder ganz wunderbar auf die aktuelle gesellschaftliche und politische Situation auslegen. Der Wunsch nach Führung und die Sehnsucht nach einem Wegweiser, z.B. durch die Wissenschaft, wird hier besonders ausgesprochen. Zeilen wie „The perfect circle’s out of tune“ oder „surrounded by the cage of doubts“ treffen den Ton der andauernden Krisen momentan ganz vorzüglich.


    „Write on, write on, dear Scientists
    I’m waiting for your promises
    I’m faced with things I’ve never missed before
    Write on, write on, dear Scientists
    You are the last ones on my list
    Come on! Lead me somewhere I belong“


    Fazit

    Die beiden Musiker Chris und Ole von Micro Circus haben sich auf ihrem zweiten Album wirklich die Ärmel hochgekrempelt und ein richtig gutes Album geschaffen. Die Qualität von „Black Swan“ ist hervorragend – vom Songwriting über die Aufnahmen bis hin zum Mix. Das macht beim Hören einfach Spaß und ich glaube es gibt so einige Major-Produktionen, die deutlich schlechter klingen. Wenn ich einen Kritikpunkt suchen müsste, dann wäre es die Länge bzw. das Format des Albums. Ich weiß, das ist Geschmackssache, aber ich hätte mir hier auch gut zwei EPs vorstellen können. Aber hey, kann man zu viele gute Songs auf einer Platte haben? Wahrscheinlich eher nicht!

    Ich würde sagen, wir sollten gemeinsam daran arbeiten, dieses Stück Musik weiter zu verbreiten. Hört es euch an! Der schwarze Schwan schnappt auch bei euch zu. Versprochen.

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    Fotocredit: Andreas Groh
    Artwork: Phlipp Holle

  • KOKO x Nina Chuba x Dillistone wecken uns mit “22s” aus der Lockdown-Müdigkeit

    KOKO x Nina Chuba x Dillistone wecken uns mit “22s” aus der Lockdown-Müdigkeit

    Ladies, Gentleman and Nonbinaries: auch wenn wir uns noch mitten im Lockdown befinden und alles langsam aber sicher auf die Mentalität einschlägt – wir haben wieder einen Grund zum Feiern. Dieser Grund ist Musik und in diesem Fall ist es ein Song, der unseren krummen Rücken und die Couch-eingesessenen Muskeln wieder anspannen lässt. Die absolut geniale Kombination dreier Acts macht es möglich: Bristoler Energie-Trio KOKO, Hamburger Sängerin Nina Chuba und Produzent Dillistone. Zusammen haben sie mit ihrer neuen Single „22s“ vielleicht meine Power-Hymne des ersten 2021-Quartals geliefert.

     
    Chipsreste von der Couch, it’s party time

    Ich sag’s euch wie’s ist: House, Elektro, Techno, das ist alles wirklich nur sehr grenzwertig mit meinem Musikgeschmack kompatibel. Deshalb auch meine anfängliche Skepsis, als ich mir folgenden Song zum ersten Mal angehört habe. Aber – ich find’s einfach nur geil. Seit Release vor zwei Wochen hör ich es eigentlich mindestens einmal am Tag. Vor allem in Momenten, in denen man einen kleinen Push braucht, funktioniert er einfach top. Beim Sport machen, Abwaschen oder einfach nur, um den Homeoffice-Alltag zu brechen. „22s“ ist eine Anti-Hymne gegen Erwartungen in einer Beziehung, ein Stehen zur eigenen Imperfektion. Alles ist ziemlich close zu einem Desaster und voller Frustration. Diese Frustration in einen Song zu verpacken, der genauso vielschichtig ist wie KOKO, Nina Chuba und Dillistone, haut mich tatsächlich immer noch ein bisschen von der Couch. Im wahrsten Sinne des Wortes.

    Bevor ich den Song musikalisch aufarbeite, erst mal ein bisschen über die Künstler:innen selbst: KOKO sind ein Trio aus Bristol, UK und veröffentlichen seit 2019 Musik. Getroffen haben sie sich auf einer Party, ohne sich vorher zu kennen, und seitdem verstehen die drei sich so gut, dass sie als KOKO düsteren Elektro Alt-Pop veröffentlichen, der ins Ohr geht und bleibt. Mit zwei EPs 2020 haben sie einen ersten Eindruck hinterlassen und bewiesen, dass sie vor allem über etwaige Genre-Beschreibungen hinaus funktionieren:


    „We wanted to create a hybrid sound and not be too pigeonholed by the label of a genre. We write depending on our mood that day. That’s probably why people never know what we are going to offer up next.”


    Nina Chuba sollte man ebenfalls auf dem Schirm haben, vor allem wenn es um neue Impulse in der deutschen Hip Hop Szene geht. Wenn auch auf Englisch, ist jeder neue Song eine weitere Ansage für die manchmal eingeschlafene Musikindustrie. Auf 22s beweist sie erneut, wieso. Ihr zur Seite steht Dillistone, ein Produzent aus Dänemark based in Berlin. Er hat letztes Jahr auch unter Anderem Yellow Hearts mit aniis veröffentlicht.

     
    Nina Chuba brings a gun to knife fight – and it’s loaded

    Von der UK über Deutschland und Dänemark – zusammen haben KOKO, Nina Chuba und Dillistone eine Kollaboration zustande gebracht, die mich wirklich von Sekunde eins an überzeugt. Und damit sind wir (endlich) beim musikalischen Teil dieser Review. Macht euch bereit auf volle Bässe und eine gelungene Mischung aus Elektro, Dance und Hip Hop.

    KOKO steigen auf dem anfangs bisschen leiser gedrehten Beat ein und zeigen, wohin es hier stilistisch geht. 22s baut sich immer weiter auf, wird zur Bridge ein bisschen ruhiger und, sorry für den etwas hilflosen Ausdruck, ballert zum Refrain dann völlig rein. Dieser Beat, ich kann den Hut schon gar nicht mehr vor Dillistone ziehen, weil ich mittlerweile wirklich nur noch am Tanzen bin. 22s lässt mich Clubs vermissen wie selten ein anderer Song und legt gleichzeitig ein bisschen Balsam auf diese nun schon seit einem Jahr offene Wunde. Dabei ist der beste Part noch gar nicht erreicht, der beste Part kommt erst jetzt: Entry Nina fucking Chuba.

    Falls ihr von Nina bis jetzt noch nie was gehört habt, werdet ihr nach eurem Part komplett baff dasitzen und euch fragen, warum. Jedenfalls hab ich das. Alles an ihrer Strophe ist absolute Bad Bitch Power und ich lieb’s.


    I bring a shotgun to a knife fight and it’s loaded.
    I’m all bad, bad decisions the bad way to cope with ‘em, yeah
    I do a hundred mile an hour out on black ice just to feel nice,
    I got problems and I made ‘em myself
    They are my babies and I love them, I love nobody else


    Wenn das keine Bars sind, die sagen „Nina Chuba rules„, dann weiß ich auch nicht.

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    Fazit

    Fazit ist, ihr müsst euch jetzt „22s“ anhören. KOKO, Nina und Dillistone haben ihre ganze Energie in diesen Song gesteckt, um uns in diesen ermüdenden Zeiten wieder aufzuwecken. Von vorne bis hinten ist es Power, gute Laune und treibende, satte Elektro-Beats, die sich optimal durch die ganze Wohnung dröhnen lassen. Also lasst uns das auch machen.

     

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    Fotocredit: Andy Bibey