Kategorie: untold music

  • Emotional und fesselnd —„Kreise“ von SERPENTIN

    Emotional und fesselnd —„Kreise“ von SERPENTIN

    Die Berliner Newcomerin SERPENTIN veröffentlichte am 8. Januar mit „Kreise“ ihre gefühlvolle erste Single und dazu ein bemerkenswertes Musikvideo. Diese Review dient eigentlich als dringende Empfehlung, also hört und schaut anschließend unbedingt rein.

    Vor kurzer Zeit bin ich auf die Debütsingle aufmerksam geworden und sie hat mich direkt mitgerissen. Schon in der ersten Sekunde erklingt die Stimme der Sängerin in einem ernsten Ton, es gibt kein großartiges Intro, man befindet sich direkt mitten in der Geschichte. 

    Die Kreise schließen sich

    Eine außergewöhnliche Stimme, wuchtige und melancholischen Melodien, bewegende Texte gepaart mit organischem Schlagzeug und intensiven Synthesizer-Klängen. Die enorme Energie die dieser Song in sich trägt und frei lässt ist überwältigend. In den Refrains hat sich bei mir die Assoziation erweckt, dass das alles mitten in einem unberechenbaren Sturm passieren würde. Für SERPENTIN ist Musik „ein Ort, wo diese Energie sich entladen und zelebriert werden darf. Mit meiner Musik versuche ich für mich und andere genau diesen Raum zu öffnen.“ Und ich finde, das hat hier ziemlich gut funktioniert.

    Kreise klingt keines Wegs nach einer Debütsingle einer ahnungslosen Anfängerin. Die Single klingt so stark, dass man davon überzeugt ist: SERPENTIN weiß, was sie macht. Die 24 jährige Musikerin fing schon im frühen Jugendalter an Musik zu machen, um sich weniger allein zu fühlen und mit ihren Gefühlen umgehen zu können: „Ich schreibe Musik, weil ich sie brauche, um nicht überzulaufen.“

    Beeindruckt hat mich, dass sie schon mit 14 Jahren begann an genau diesem Song zu schreiben. Nun, 10 Jahre später, schließt sie den Kreis und vollendet ihn. Dementsprechend verarbeitet der Song was in dieser langen Zeit geschah und erzählt eine Geschichte von dem Streben nach Freiheit, Loslassen und ihrem inneren Kind. 

    Das Musikvideo bestärkt den Song nur noch mehr in dem, wie er klingt und was er aussagt. Zwischen rot- und orangefarbenen Lichtern sieht man die Musikerin alleine. Sie ist eingewickelt und gefangen in verschiedenen Materialien und Stoffen während sie ebenso versucht sich daraus zu befreien. Kombiniert mit dem äußerst emotionalen Song wirkt es so mutig, so intensiv und treffend, dass es etwas in meinem Inneren berührt hat.

    „Ich weiß, du willst frei sein, aber frei sein heißt, sich loszulösen, bevor man wieder Luft holt“

    Es passiert so viel, denn der Song baut sich trotz Höhen und Tiefen immer weiter auf. Beim Hören des letzten Refrains hat man das Gefühl, es ist das große Finale, es kommt ein noch größerer Energieschub am Höhepunkt und dann ist plötzlich alles vorbei. Der Sturm legt sich. Somit endet der Song doch noch ganz ruhig und sanft mit Klavierklängen, ebenso wie das Musikvideo, das die Musikerin ruhig sitzend, befreit und nachdenklich zeigt. Auch als Zuhörerin hatte ich das Gefühl, nach vier Minuten Power, am Ende, wenn auch nur kurz, Luft holen zu können und mich zu beruhigen.

    Zwar ist Kreise das Ende einer nun abgeschlossenen Geschichte, jedoch bedeutet das gleichzeitig, dass eine neue beginnen kann. Ich werde SERPENTIN definitiv weiter verfolgen und bin sehr gespannt, was für Geschichten sie noch erzählen wird.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen
    Foto und Video Credit: Fiona Kutscher
  • Melancholischer Januarstart mit Mei River und „On My Own“

    Melancholischer Januarstart mit Mei River und „On My Own“

    Wir sind Mei River schon lange eine ausführliche Empfehlung schuldig. Der Singer-Songwriter aus Schweden, der eigentlich Fredrik Eriksson heißt, macht einfach nur wunderschöne Musik. Letztes Jahr mit seiner Debüt-EP „Tall Trees Never Fall“ hat er sich schon auf unseren Radar geschlichen und seine neuste Single „On My Own“ hat dann den entscheidenden Stupser gegeben. Hier für euch nun endlich in einer ausführlichen Review.

     
    On My Own schleicht sich in nur zehn Sekunden in mein Herz

    Ganz inspiriert von der weltumgreifenden Pandemie, hat sich Mei River eine Gitarre geschnappt und einen Song über die Angst vor dem Alleinsein geschrieben. Passt also genau in die winterliche Lockdown-Mood, in der wir alle notgedrungen schwelgen. Draußen schneits, drinnen ballert die Heizung und die Lichterketten hängen auch noch. Vielleicht habt ihr euch einen Kakao zur Feier des Tages gemacht oder knabbert noch an übrig gebliebenen Lebkuchen von Weihnachten. Gedankenverloren macht ihr Spotify an (wir haben vielleicht bald genau die richtige Playlist dafür) und dann kommt On My Own. Die akustische Gitarrenmelodie wird sich ihren Weg in eure Herzen in genau 10 Sekunden schleichen. Zupfend öffnet sie ein paar Türen und späht erst hinein. Und dann ist Mei River auch schon drin.

    Bevor ich mich ganz in gemalten Bildern von Herzen verlieren, komm ich vielleicht wieder zum Musikalischen zurück. On My Own beginnt sehr stripped down und mit nur einem taktgebenden Bass im Hintergrund. Mei Rivers Stimme legt sich sanft drüber und wickelt mich in einen Schlafsack aus Chor, hoher gezupfter Gitarrentöne und melodischen Strophen.

    I don’t know who I wanna be

    I don’t know where to go

    felt like I’ve lost myself

    Es geht um die innere Leere der Ungewissheit, wer man selbst ist und wo man eigentlich hinwill. Mei singt aber auch von der Angst mit dieser Ungewissheit alleine zu bleiben. Mitten in einer Pandemie ist es nicht einfach, sich in einer Existenzkrise zu verlieren und sich dann eben nicht einsam zu fühlen.

    Mei River, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, meiriver, tall trees never fall, on my own, untold music

    Nach eineinhalb Minuten gibt es einen kleinen Twist, Mei steigt aus seiner gesungenen Liedmelodie aus und schwere Klavierakkorde erheben sich. Alles wird ein bisschen lauter und bleibt trotzdem in dem musikalisch vorgesteckten Feld von On My Own. Das macht den Song zum Ende hin nicht nur noch mal richtig interessant, sondern gibt mir auch alles, was ich von einer melancholischen Januarballade erwarte. Kombiniert ist es einfach nur wunderschön.

    I’m feeling ways

    don’t know what to say

    Baby I’m so alone

    Hört hier in On My Own rein. Und wenn’s euch gefällt, dann hört auch in seine EP Tall Trees Never Fall rein, denn Mei kann auch ziemlich guten Indie-Pop. Aber alles natürlich mit der sanften Mei River Note. Und davon soll es dieses Jahr auch noch mehr geben, so munkelt man.

     

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen ‚
    ‚

    Fotocredit: Columbia

  • shame und ihr zweites Album „Drunk Tank Pink“

    shame aus South London ist längst kein Geheimtipp mehr. Nach ihrem erfolgreichen Debüt 2018 veröffentlicht die Post-Punk Band den Nachfolger „Drunk Tank Pink“ beim Label Dead Oceans. Und dieses Album erwischt mich wie der Schneeball von Justin aus der vierten Klasse, den ich nicht kommen sah. Es ist eiskalt und kribbelt, während es langsam wieder warm wird und sich irgendwie gut anfühlt.

    Für viele Junge Musiker und Bands, die mit ihrem Debütalbum Erfolg hatten, ist das zweite Werk eine große Herausforderung. Es sollte innovativ sein, aber an die altbewährten Sounds anknüpfen. Und oft muss es schnell gehen, denn Label und Fans warten sehnsüchtig. shame hat sich dieser Herausforderung gestellt und einen absoluten Brecher an den Start gebracht, der das Debüt „Songs of Praise“ in vielen Punkten in den Schatten stellt.


    Von 100 auf 0

    Ich muss schon sagen, ich habe offensichtlich eine Schwäche für rüpelhafte englische Bands wie shame. Ich mag wie sie fluchen, jammern und traurige Angelegenheiten so stark verzerren, dass man am Ende darüber lachen möchte. Obwohl es überhaupt nicht komisch ist.

    Was diese Band auf ihrem zweiten Album antreibt sind Themen wie Identitätskrisen, Realitätsverlust und Psychosen. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass diese fünf Jungs seit ihrem 16. Lebensjahr nichts anderes machen, als durch die Welt zu touren und eine unfassbar hohe Anzahl an Konzerten zu spielen. Die Corona-Pandemie hat sie in einer gewissen Art und Weise zurück auf den Boden der Tatsachen geholt und diese Gefühle haben sie eindrucksvoll in „Drunk Tank Pink“ verarbeitet. Der Opener, der passenderweise „Alphabet“ heißt, gibt die Richtung der folgenden elf Tracks vor. Treibendes Schlagzeug und ein ebenso treibender, dröhnender Basslauf. Dieses Ensemble eingebettet in einen Noisefloor mit kurzen, akzentuierten Gitarren. Und textlich kann ein Album wahrscheinlich auch kaum schöner beginnen:

    „Now what you see is what you get,
    and I still don’t know the alphabet“

    Mit diesen Worten bringt shame die Maschinerie ihres neuen Werks ans Laufen. Ein Motor, den man nicht mehr abstellen will, auch wenn die giftigen Gase dieser schwerwiegenden Themen langsam durch den Schlauch am Fenster ins Auto dringen.


    It’s about silence

    Wenn man shame einmal live gesehen hat oder die Streams von KEXP kennt, merkt man, wie viel Energie diese fünf Musiker aufbringen können. Umso schwerer vorzustellen, dass diese Energie von jetzt auf gleich ausgebremst wird und sich der Alltag radikal ändert. Im Song „Nigel Hitter“, der erst vor wenigen Tagen als letzte Single released wurde, singt Sänger Charlie Steen eben von diesen Problemen. Alles, was für uns Normalos wie das Alltäglichste der Welt scheint, muss neu entdeckt und gelernt werden. Die Faszination verschiebt sich. Im Instrumental spiegelt sich diese Verschiebung in rhythmischen Überlagerungen der Gitarren wider, die von Drums und Bass gekontert werden. Spätestens jetzt wird deutlich, wie sehr sich die Band musikalisch gewandelt hat und wie vielschichtig ihr neuer Sound geworden ist.

    An Zeilen wie diesen merkt man, wie kaputt sich diese Band gemacht hat. Dazu sagt Steen selbst:

    „You become very aware of yourself and when all of the music stops, you’re left with the silence. And that silence is a lot of what this record is about.”

    Dass die Musiker von shame überanstrengt und müde waren, ist nach bis zu 300 Konzerten pro Jahr wohl nachvollziehbar. Trotzdem haben sie es offensichtlich geschafft, zu neuen Kräften zu kommen. Und als perfekt eingespielte Band unglaublich gute neue Musik zu schreiben. Das beweist auch der nächste Song „Born in Luton“, der nach meiner Interpretation die Schwierigkeiten des „Irgendwo-Ankommens“ und „Zuhause-Seins“ versinnbildlicht.

    „Buzzer’s broken, I guess I’ll just wait,
    No umbrella and it’s starting to rain,
    There’s never anyone in this house“


    Rosa beruhigt die Nerven

    shame, Drunk Tank Pink, postpunk, postrock, british, south london, album, review, untoldency, untold reviews, alphabet, nigel hitter, born in luton, march day, water in the well, snow day, human for a minute, great dog, 6/1, harsh degrees

    Die Songstrukturen auf „Drunk Tank Pink“ sind ebenfalls deutlich komplexer geworden im Vergleich zu ihrem Debüt „Songs of Praise“, wahrscheinlich in Analogie zu shames inneren Gefühlswelt. Bei „Born in Luton“ ändert sich das Tempo mitten im Song und leitet einen epischen, Post-Hardcore-artigen Downtempo Part ein, der einen ganz tief in den Sessel drückt. Wie ein nervender Wecker-Jingle kommt folgend der Song „March Day“ daher. Verspielte Gitarren, ineinander verzahnt und verwurstet plus die unangenehme aufgesetzte Fröhlichkeit in der Stimme von Charlie Steen sorgen für ein hyperaktives Hörbild. Ironischerweise geht es im Text darum, nicht schlafen und runterkommen zu können. Ich werde schon fast irre, wenn ich den Song ein paar Mal hintereinander höre, die Kulisse stimmt also.

    „In my room, in my womb,
    Is the only place I find peace,
    All alone, in my home,
    Yes I still can’t get to sleep“

    „Womb“, also Gebärmutter, nennt die Band die kleine Abstellkammer, in der sich Charlie Steen zurückgezogen hat, um die Texte des neuen Albums zu schreiben. Angeblich in einem Rosa-Ton gestrichen, der auch die Nerven von Insassen einer Ausnüchterungszelle beruhigen soll, ist diese kleine Kammer für mich das ganze Album über gut vorstellbar und sehr präsent. Daher rührt wahrscheinlich auch der Albumtitel, „Drunk Tank Pink“.

    Mit „Water in the Well“ schließt die erste Hälfte des Albums ab und lässt mich sprachlos und sabbernd zurück. „Water in the Well“ ist ebenfalls schon vorab als Single erschienen und ich habe es so dermaßen abgefeiert wie keinen anderen Song in letzter Zeit. Ich glaube immer noch, das ist einer der besten Songs, die ich je gehört habe. Hier wird das ganze Kompositions-Genie der Band deutlich. Trotz der relativ kurzen 03:08 Minuten besteht das Stück aus verschiedenen Parts, und jeder Part kommt mit einer neuen Idee um die Ecke. Die Art und Weise, wie shame überleiten und die Parts miteinander verknüpfen ist so außergewöhnlich gut, davon werde ich wirklich süchtig. Die Instrumentierung des Songs erinnert mich außerdem auch an eine meiner Lieblingsbands, nämlich die Talking Heads, die auf diesem Album öfter mal als Einfluss zu vernehmen sind.


    How do we deal with reality?

    Düster und unheilvoll leitet „Snow Day“ die zweite Hälfte ein. Der shame-typische Spoken Word-Stil kommt hier perfekt zur Geltung, wenn Steen uns mit einer unheimlichen Stimme von Realitätsängsten und Fieberträumen erzählt.

    „And everything comes together at once,
    It looks like the ocean,
    And you wanna just dive in“

    Zwischendurch lockern funkige Gitarren das Stimmungsbild etwas auf. Die auf dem ganzen Album außergewöhnlich ausgefeilte Rhythmik der Musik rückt auch hier wieder in den Vordergrund und beendet den Song anders als zunächst vermutet. Das Stück „Human for a Minute“ könnte von der erst kürzlich gescheiterten Beziehung Steens handeln. Die besonders tiefe emotionale Ebene aller Texte auf dem Album kommt hier noch mal richtig zur Geltung, begleitet von dem insgesamt ruhigsten Instrumental. Das mit nicht mal zwei Minuten sehr kurze Stück „Great Dog“ versprüht eine spritzige Punk-Attitüde und leitet in den Song „6/1“ über, der von Identitätsproblemen und Selbstzweifeln handelt.

    „I pray to no God,
    I am God“

    Mit Konventionen brechen

    shame, Drunk Tank Pink, postpunk, postrock, british, south london, album, review, untoldency, untold reviews, alphabet, nigel hitter, born in luton, march day, water in the well, snow day, human for a minute, great dog, 6/1, harsh degrees

    Besonders prägnant sind hier die klingelnden Gitarren und deren frische Sounds. An solchen Stellen hört man gut, dass Sean Coyle-Smith, einer der beiden Gitarristen, keine Lust mehr auf „langweilige“ Gitarrenmusik hatte.

    „For this album I was so bored of playing guitar. The thought of even playing it was mind-numbing. So I started to write and experiment in all these alternative tunings and not write or play in a conventional ‘rock’ way.”

    Außerdem wird in diesem Song nicht nur die eigene Identitätskrise angesprochen, denn die Band merkte im Schreibprozess schnell, dass dieses Thema nicht nur sie selbst beschäftigt, sondern ihre ganze Generation. Dazu Coyle-Smith:

    „It didn’t matter that we’d just come back off tour thinking, ‚How do we deal with reality!?’… I had mates that were working in a pub and they were also like, ‘How do I deal with reality!?’ Everyone was going through it.”

    Nach „ Harsh Degrees“, das sich chaotisch und noisy aufbäumt und den Kontrollverlust durch eine Marionetten-Metapher verkörpert, folgt auch schon der letzte Streich von „Drunk Tank Pink“. Der Song „Station Wagon“, übersetzt etwa „Kombi“, beginnt leise mit einem Bassriff und steigert sich über die Länge des Songs in ein lautes und ausartendes Getöse, das einem Hören und Sehen vergehen lässt. Charlie Steen schreit am Ende in kompletter Ekstase seine rhetorische Rede ins Mikrofon und lässt mich verstört zurück. Und ich verstehe zwar kaum ein Wort, aber ich glaube ihm jedes Einzelne.


    Fazit

    Ihr habt wahrscheinlich gemerkt, dass ich nicht ganz so kühl und neutral bleiben konnte. „Drunk Tank Pink“ hat das Potenzial für einen Klassiker und ich bin gespannt, was diese Band als nächstes macht. Für mich ist dieses Album perfekt. Punkt.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen

    Fotocredit: Sam Gregg

  • International Music: Songpremiere auf dem ESNS-Festival

    International Music sind zurück. Das ist mittlerweile schon kein Gerücht mehr, denn dass das neue Album 2021 kommt, hat die Band aus dem Ruhrgebiet schon vor einiger Zeit angekündigt. Nun haben sie in einem kurzen Live-Set auf dem Eurosonic Noorderslag Festival sogar einen neuen Song gespielt und einen prickelnden Vorgeschmack geliefert.

    Dass wir jetzt, Anfang 2021, Konzerte immer noch etwas seltsam erleben, ist ja keine Neuigkeit. Aber ich hab auch echt nichts dagegen, ist doch schön. Popcorn gemacht (sogar zwei verschiedene Sorten) Füße hoch und ab gehts. Die Stimmung könnte nicht besser sein, so reden wir es uns jedenfalls ein. Der Screensaver kündigt International Music bereits an, ich sitze mit meinen beiden Mithörerinnen vor der Glotze und warte.

    Ich hatte das Glück, International Music im Dezember 2019 noch einmal richtig live gesehen zu haben. Und zwar im Makroskope in Mülheim a.d.R., einem super kleinen und gemütlichen Subkulturzentrum. Wir haben geschwitzt, gesungen und ich habe am Ende sogar geheult. Entsprechend groß war die Freude nach langer Funkstille die drei Musiker jetzt wieder live zu sehen.


    Endlich wieder farbiges Licht

    Und dann geht’s endlich los. Die ersten Takte von „Country Girl“ erklingen. Unsere Käsemauken wippen auf dem Couchtisch im lethargischen Rhythmus der Musik. International Music, bestehend aus Pedro am Bass, Peter an der Gitarre und Joel am Schlagzeug, stehen in einem leeren Club auf einer professionell abgefilmten Bühne. Super cool steht der eine da im Schlabber-Strickpulli und die anderen beiden in all-black und machen einfach nur Musik. Mitverantwortlich für den unverwechselbaren Sound der Band ist ohne Zweifel der zweistimmige Gesang, den die beiden Frontpersonen Peter und Pedro auch in „Country Girl“ zum Besten geben.

    „Wie gesagt, du bist elektrisch,
    wie du siehst bin ich elektrisiert“

    Und elektrisiert sind wir auch! Schlussakkord, der Song ist vorbei. Es geht irgendwie wahnsinnig schnell. Kein Applaus. Außer von uns mit unseren klebrigen Popcornfingern. Muss reichen. Wie die Faust aufs Auge passt dann der nächste Titel zu unserer mood. „Farbiges Licht“, eines der Herzstücke auf dem 2018 erschienenen Debüt-Klassikers „Die Besten Jahre“. Die Lyrics sprechen mir sowas von aus der Seele.

    „Endlich wieder farbiges Licht,
    Endlich wieder freie Sicht auf Nichts“

    Jawohl, endlich wieder farbiges Licht. Scheinwerfer! Bühnenperformance! Livekonzerte! Sag mir, wer das nicht alles vermisst. Schön, dass die Lichtshow im Konzertstream jetzt auch ne Schippe drauflegt und richtig die Sau raus lässt. Es funkelt und blendet und rotiert. „Freie Sicht auf Nichts“ stimmt allerdings nicht ganz, denn Peter und Pedro liefern uns sogar eine kleine wechselseitige Tanzperfomance, die ziemlich ironisch, aber auch ziemlich lässig aussieht. Wir sind begeistert, die Crowd tobt.


    Die langersehnte Hörprobe

    Und jetzt, ja jetzt, kommt der Moment, auf den wir alle gewartet haben. International Music spielen uns einen neuen Song namens „Museum“.
    Ein düsteres, gezupftes und mit allerlei subtilen Effekten belegtes Gitarrenintro erklingt. Beim ersten Hören etwas undurchsichtig in der Harmoniefolge, aber deshalb umso interessanter. Pedro singt hier diesmal allein mit seiner eindringlichen Stimme die ersten Zeilen:


    „Weinen will ich nicht,
    Das befeuchtet mein Gesicht zu sehr“

    Und so ruhig bleibt der Song auch weiterhin erstmal. Nur ab und zu ein paar Akzente des Schlagzeugs und überzeugende Gesten von Pedro während der Gesangseinlage.

    „Fass bitte nichts an,
    Das ist mein Museum,
    Hab ich dir gesagt“

    Textlich definitiv wieder einer dieser typischen International-Music-Momente, für die ich sie so sehr liebe. Langsam und schleichend baut sich dann ein Klimax auf, Joel steigert die Frequenz der Schläge auf den Toms in Analogie zu meinem Herzschlag. Ein lakonisches Fill, eine Pause und etwas unbeholfen stolpert der Song dann in den Drop zum Endpart. Vollinstrumentiert lässt der Song jetzt Platz zum Wirken und Entfalten. Und man kann wunderbar über diesen eindrucksvollen Text nachdenken, während der Song gemächlich ausklingt und die ersten Zeilen, diesmal gesungen von Peter, wiederholt werden.

    „Weinen will ich nicht,
    Das befeuchtet mein Gesicht zu sehr“

    Tja, und das war’s dann auch schon. Drei Stücke und nur ungefähr 11 Minuten. Zugegeben kurz, aber wirklich schön. Meine Mithörerinnen und ich haben jedenfalls mega Bock auf’s neue Album. Das wird ganz groß.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen

    Fotocredit: Alfred Jansen, ESNS

  • RAZZ mit „1969 – Conrad“: Ein Song, viele Emotionen

    Das Ende des Jahres 2020 hatte doch noch einen kleinen Moment der Freude für mich übrig: RAZZ haben drei Jahre nach ihrem letzten Album Nocturnal eine neue Single veröffentlicht: 1969 – Conrad. Wie sie klingt, was dahintersteckt und ein paar Hintergrundfacts lest ihr jetzt.


    Drei Jahre sind ganz schön lang. In dieser Zeit ist natürlich auch eine Menge passiert. Und es war zugegebenermaßen auch viel Müll dabei, besonders politisch. Das alles einzuordnen, zu verarbeiten und für sich selbst zu reflektieren, fällt da nicht immer leicht. Manche schreiben Songs drüber. So auch RAZZ. Im Interview mit hoers.de hat Sänger Niklas erzählt:

    „Ich glaube, als ich den Text angefangen habe, gab es irgendein Zitat von Björn Höcke mit einem Wortlaut von wegen „… die Jungs von ’45 …“. Deswegen bin ich auf diesen ganzen Text gekommen, auf das Thema Fake News und einfach dieses Zurechtrücken der Wissenschaft und dieses die Dinge so hinzulegen, wie es einem gerade passt.“


    „Bang my head against the wall, I’m tired of it“

    Dass drei Jahre lang keine Songs von RAZZ erschienen sind, bedeutet nicht, dass die Jungs keine Musik gemacht haben. Vielmehr befanden sie sich in einem Prozess, ihren Sound weiter zu finden und auszuarbeiten. Side fact: Ich bin ein absoluter Routine-Mensch. Ich mag es zu wissen, was mich erwartet, wenn ich etwas anfasse, aufschlage oder anhöre. Daher liegt Freud und Leid sehr nah beieinander, wenn ich lese, dass Künstler:innen und Bands ihren Sound überdenken – und auch ganz natürliche Entwicklungsprozesse machen mich immer ein bisschen (means: ganz schön doll) nervös.

    Als ich 1969 – Conrad dann aber das erste Mal höre, bin ich mehr als beruhigt. Der Sound klingt super vertraut – einfach nach RAZZ. Spätestens als Niklas‘ Stimme ertönt, weiß ich auch wieder, warum ich die Jungs schon seit ihrem 2015 erschienen Debütalbum With Your Hands We’ll Conquer feier. Rockige Gitarrenriffs, sanfte Synthies, sehr geile Bass-Highlights und Drums, die mich sofort mitreißen. Der Song ist zwar „nur“ 2:39 min. lang, dafür aber mit Unmengen der für die Jungs nicht untypischen musikalischen Spielereien gespickt. Wer da beim Hören nicht laut mitsingen und tanzen will, der hat’s einfach nicht verstanden.


    RAZZ können‘s noch.. und wie!

    Die obige Beschreibung von Sänger Niklas zur Songinspiration hört man auf jeden Fall raus. 1969 – Conrad durchlebt genau die Stadien, die man auch durchmacht, wenn man die von ihm zitierten Sprechdurchfall-Aussagen von sog. „Politikern“ liest. Fassungslosigkeit, Wut und Resignation par excellence in einen Song umgewandelt. Ich bin wunschlos glücklich.

    Razz, 1969 Conrad, Review, New Music, Indie, Rock, Pop, Online, Blog, Blogger, Musikmagazin, untoldency, untold music

    Zusammenfassend kann ich also sagen: Die soundtechnische Weiterentwicklung hört man natürlich. Aber 1969 – Conrad zeigt ziemlich eindrucksvoll: RAZZ haben ihren Sound längst gefunden. Liegt vielleicht auch daran, dass die Jungs bereits seit 2012 und damit seit früher Jugend zusammen Musik machen. Sie haben alle Weiterentwicklungen, Präferenzen und Wünsche gemeinsam angepackt und erlebt – und das hört man auch. Auf Instagram haben sie sich sichtlich berührt dafür bedankt, dass ihre Hörer:innen auch nach drei Jahren noch so am Start sind. Wundert mich nicht, haben sich RAZZ doch in den letzten Jahren eine wirklich große und gefestigte Fangemeinde erspielt. Und wir (ja, ich zähle mich absolut zu dieser Fangemeinde) sind halt sau gespannt, was uns in Zukunft von den Jungs erwarten wird.

    Als RAZZ-Fan der fast ersten Stunde ist mir natürlich auch das Songtitel-Spiel aufgefallen. Auf ihrem ersten Album gibt es einen Song, der immer der Eröffnungssongs bei Konzerten war: 1953 – Hillary – benannt nach dem ersten Menschen auf dem Mount Everest. Und nun gibt es eben 1969 – Conrad, benannt nach dem dritten Menschen auf dem Mond. Es ist also ein Song, den man gut und gerne als Einleitung für das dritte Album von RAZZ sehen darf. Mindblowing, oder?

    Passenderweise greift dann auch das Musikvideo zu 1969 – Conrad den Songtitel-Bezug bezüglich Mond wieder auf. Falls ihr also mal kurz entsprechende Vibes braucht, gerne auschecken:

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen

    Fotocredit: Martha Friedel

  • Rikas mit „Overthinking“: Ein bisschen tanzen, ein bisschen weinen

    Rikas mit „Overthinking“: Ein bisschen tanzen, ein bisschen weinen

    Vierköpfige Band aus Stuttgart, sympathische Liveauftritte, einzigartiger Musikstil, sogar Show-Band bei einer Late Night Show. Eine Band, die man definitiv auf dem Schirm haben sollte: Rikas. Nach dem Debütalbum Showtime in 2019 wurde am 11.12.2020 mit der neuen Single Overthinking abgeliefert. Ein Song über Einsamkeit und das Viel-zu-viel-nachdenken.


    Overthinking, Overthinking 

    Im nervigen und langweiligen Lockdown wird es dafür nie langweilig mit Rikas, denn die neue Single hat typischen Rikas-Sound mit Wiedererkennungseffekt, unterscheidet sich klanglich dennoch etwas von der vorherigen Musik. Overthinking klingt so frisch, ja sogar schon etwas nach Frühling, und lässt mich so entspannt fühlen. Trotz der bedrückenden Lyrics.

    „You know I‘ve been so lonely,
    I‘ve been super-lonely again.“

    Der Song fühlt sich beinahe ironisch an, wenn man auf den frustrierenden Text achtet und gleichzeitig die liebevoll gesungenen Harmonien und die sonnige Melodie hört. Vielleicht ist es genau das, was man in so einer runterziehenden Zeit gebraucht hat. Rikas schaffen es aus negativen Gedanken etwas so positives zu erzeugen. Ich tanze jedenfalls sehr gerne dazu in meinem Zimmer. Fühle aber ebenso mit, denn in Corona-Zeiten bleibt ja nicht viel außer zu Hause zu sein und overthinken, overthinken, overthinken.

    „I’m staring at the ceiling,
    trying to find a meaning.“

    Passend dazu verriet Sam von Rikas bei Diffus im Podcast-Interview, dass die Jungs dieses Jahr an einer Schreibblockade litten und sich oft gefragt haben, was sie als Band überhaupt eigentlich machen wollen. Dass Overthinking dann so leicht und makellos klingt, ist tatsächlich überraschend. 


    A Wes Anderson copy needs some perfection

    … singen Rikas in ihrem Song Wes Anderson Theme. Ja, es stimmt einfach: Das Musikvideo zu Overthinking erinnert unumgänglich an Wes Anderson-Filme. Und das auch nicht umsonst, denn die Band lehnt in dem Video mit Outfits und Szenen stark an Moonrise Kingdom und The Royal Tenenbaums an. Dafür hat sich die Band wohl in die zwei Filme aufgeteilt und jeder erinnert an einen Charakter daraus. Suzy, Scout Master Ward, Chas, Richie, they’re all there!

    Ebenso gilt das für das ähnliche Color Grading, was das Video sehr ansehnlich macht, die Leichtigkeit und den angenehm eingebrachten, ganz besonderen Humor. Meine Augen sagen Danke!

    Overthinking Video VS. Moonrise Kingdom

    Doch trotz der auffälligen Parallelen des clever durchdachten Musikvideos, kann es auch ganz für sich allein stehen. Und ist auch dann wundervoll anzuschauen. Es wirkt nicht krampfhaft parodiert oder verkleidet, sondern ganz natürlich und sympathisch. Dabei wird der Vibe des Songs perfekt eingefangen. Besonders einprägsam ist der Einschnitt ganz am Ende des Videos, in dem Sam eine Träne über sein Gesicht fließt. Genau das zeigt auch die zwei Seiten des Songs. Davor noch eine süße lustige Choreografie zu sehen, aber am Ende doch eigentlich auch mit einem weinenden Auge.

    Die Jungs haben sich das Konzept selbst ausgedacht, Saschas Mitbewohner Samuel Mueller hat gedreht. Die schönen Kulissen aus dem Video befinden sich in ihrer Heimat, also Stuttgart, wie uns Chris am Abend vor dem Single Release auch in unserem untoldency-Livestream (kann man hier nachschauen) erzählte.

    Overthinking Video VS. The Royal Tenenbaums
    Fazit

    Rikas waren eine meiner meistgehörtesten Bands in 2020 und Overthinking wurde noch kurzfristig zu einem meiner Lieblingssongs des Jahres. Ich lehne mich mal so weit aus dem Fenster zu sagen, dass die Single sogar der bisher beste Song der Band ist. Man merkt definitiv eine musikalische Steigerung im Vergleich zu vorherigen Veröffentlichungen, es hört sich einfach weiterentwickelt und selbstbewusster an. Vor allem die Details des Musikvideos und die Kreativität der Band, immer ihren eigenen kleinen Kosmos zu kreieren, lassen mein Herz höher schlagen. Ich bin mir sehr sicher, dass Rikas sich noch oft neu erfinden und sich dabei trotzdem nicht verlieren werden.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen
  • SUKIE entwirrt in ihrer Debüt-EP „Love and Impatience“ ein Chaos an Gefühlen

    SUKIE entwirrt in ihrer Debüt-EP „Love and Impatience“ ein Chaos an Gefühlen

    SUKIE ist eine junge Künstlerin, die sich Ende letzten Jahres mit ihrer Debüt-EP „Love and Impatience“ direkt in viele Herzen gesungen hat. Die Mischung aus Singer-Songwriter Vibes, die sie mit ihrer klaren Stimme sehr gut rüberbringen kann, und leichten elektronischen Pop-Einflüssen, die aber auch einen R’n’B Touch haben, lässt sie schwer in eine Schublade stecken. Den scheiternden Versuch habt ihr gerade gelesen. Deswegen lassen wir die Schubladen weg und hören einfach mal direkt rein. Denn wer weiß, vielleicht ist SUKIE ja noch eine nachträgliche Entdeckung für jemanden. Für mich auf jeden Fall.

     
    „We are chaos of chemistry„

    Der erste Song der EP heißt Action/Reaction und meine erste Assoziation ist der Film „Die Kinder des Monsieurs Mathieu“, den ich irgendwann mal im Französisch Unterricht geguckt hab. Hängen geblieben ist außer diesem berühmten Motto nicht viel, er war halt auf französisch. Diese erste Assoziation beiseite, ist SUKIES Interpretation von Action/Reaction um Welten schöner. Mit treibenden Percussions und Drums schafft sie eine angespannte Spannung mit dem Opener Song, der das ständige Hin und Her einer Beziehung beschreibt, aus der sie ausbrechen möchte:

    „we are chaos of chemistry, i am asking to break the chain“

    Der zweite Track ist Sober, der meiner Meinung nach zurecht am bekanntesten Song der EP. Auch SUKIE selbst sagt über Sober:

    „Wer schon mal aufgewacht ist, um zu merken, dass man letzte Nacht im Rausch ein bis fünf Nachrichten an jemanden gesendet hat, die nicht unbedingt hätten abgeschickt werden müssen, findet sich bei Sober wieder.“

    Geschrieben innerhalb von 10 Minuten, beschreibt der Song genau dieses. Die „Fick dich, dann halt nicht“-Phase vier Tage nach der Trennung. Dominiert wird der Song von einem Synth-Riff, der basslastige Beat wird immer wieder unterbrochen und SUKIES Vocals singen gegen mehrstimmige Stimmen an, die wie Engelchen und Teufelchen auf der Schulter hocken (Beschreibung geklaut von dem offiziellen Pressetext). Alles an Sober ist ein treibender Fluss, der wütend und resigniert zugleich ist. Definitiv ein Reinhören wert:

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen
     
    „Choose Your Weapon“

    Not Quite markiert den ruhigen Part der Love and Impatience EP. Hier kommen definitiv SUKIEs Singer-Songwriter Qualitäten zum Tragen. In der ersten Minute nur getragen von ihrer Stimme und den Melodien eines Chors, kommt ein so klares Klavier hinzu, dass ich kurz denke, es steht direkt vor mir. Ich kann die Trauer praktisch spüren. Die Ruhe wird von einer tiefen Drum unterbrochen, die mich auch fast vor Schmerz zerreißen lässt. Wer wissen will, ob ich theatralisch übertreibe, oder ob sich das wirklich so anfühlt, hört am besten selbst rein.

    Sukie, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, SUKIE, love and impatience EP, Sober1

    Der schmerzhafte Verlust in Not Quite gipfelt im nächsten Song Hit Me. Die Hamburgerin tanzt auf dem schmalen Grat zwischen Zerbrechlichkeit und unerschütterlicher Stärke. Ich verspüre ganz leichte Selena Gomez Vibes, warum, kann ich nicht erklären. Auf jeden Fall find ich’s gut.

    SUKIE gibt sich aber nicht dem Schicksalschlag einer gebrochenen Liebe hin, sondern kämpft. This Is War ist nicht nur der letzte Song der EP, sondern auch der, der mich am meisten überrascht hat. Während die Strophen ruhig und schön sind, bricht im Refrain ein Synthie-Beat aus, der absolut das bewirkt, was er soll: Krieg ausrufen.

    Schon fast zynisch schließt This Is War das erste musikalische Kapitel ab, mit der SUKIE in unsere Musikszene einmarschiert. Mein Hut fällt zu Boden und ich möchte mehr hören.

     

    Hört hier Love and Impatience rein und überzeugt euch selbst:

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen ‚
    ‚
  • Loslassen und frei sein: „Hoch“ von Cro

    Loslassen und frei sein: „Hoch“ von Cro

    Ich erspare mir die Beschreibung des Künstlers in diesem Fall, denn Carlo Waibel alias Cro sollte jedem schon lange ein Begriff sein. Nach seinem zuletzt 2017 erschienenen Album tru. meldet sich Cro 2020 mit einer Reihe neuer Singles und einer Albumankündigung für 2021 zurück.

    Es geht hoch

    Mit Fall Auf (feat. Badchieff) wurde im August der erste Track des kommenden Albums trip released. Für viele eine Überraschung, denn dieser klang überhaupt nicht nach dem zuletzt veröffentlichten Rap Album. Doch Cro war schon immer nicht in eine Schublade zu stecken und das bewies er auch mit den darauffolgenden Singles Endless Summer, LMF2, Dich und Hoch. Am 09.04.2021 sollen diese auf dem neuen Album erscheinen.

    Der Stuttgarter Musiker, der jetzt schon seit einiger Zeit auf Bali lebt, schlägt mit den neuen Singles eher eine Indie-Richtung ein, man hört Pop-Rock und psychedelische Einflüsse mit Tame Impala inspirierten Sounds. Am 03.12 wurde es mit Hoch jedoch wieder Rap-lastiger.

    „In einer Welt voller Gravitation
    macht deine Leichtigkeit den Unterschied.“

    Hoch steht für Freiheit, Loslassen, den Fokus des Lebens und klingt außerdem viel erwachsener als seine frühere Musik. Es wirkt so als würde Cro von oben auf das Leben schauen und dabei erwachsen und reflektiert über alles sprechen. Lebensweisheiten, die der 30 jährige wohl auf seinem Weg mitgenommen hat, machen den Song sehr persönlich und ehrlich. So schwerelos wie der Song auch klingt, ist der Text sehr inhaltsvoll und tiefsinnig.

    „Man fährt die Liebe in ’nem schicken Wagen
    an die Wand und merkt’s nicht,
    was für ein beschissenes Geräusch,
    wenn ein Herz bricht.“

    Der Refrain erinnert ein bisschen an das letzte Album von Kanye West, die Chöre erwecken religiöse Assoziationen. Ich hatte beim ersten Hören absolute Gänsehaut, man muss sich einfach zurücklehnen, den Song und vor allem seine Worte genießen. Das ist kein klassischer Hip Hop Track, Hoch kommt so unscheinbar und unspektakulär daher, aber verändert irgendwas im Inneren. Jedes weitere Mal, wenn ich ihn höre, bekomme ich dieses beruhigende „Hey, eigentlich ist alles voll okay“-Gefühl. Es ist so so schön!

    Cro, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, Cro Untold music, trip, Hoch

    Das dazugehörige Musikvideo ist sehr einfach und wirklich nichts besonderes. Zu sehen ist Cro alleine auf einem leeren Hügel, nur umgeben von Wasser und Inseln, größtenteils mit einer Drohne von oben gefilmt. Aber vielleicht spricht der Song auch einfach für sich, vielleicht sagt er schon alles aus, was er muss. Das Video scheint so, als ob Cro zeigen möchte wie frei er ist.

    Passend dazu erzählte er letztens in einem Q&A auf YouTube, dass ihn das Leben in Deutschland sehr gestresst hat, da alles immer auf Leistung und Erfolg ausgelegt war, wobei sein Leben in Bali nun komplett anders und ruhiger ist. Eine Entwicklung, die auch in seiner neuen Musik zu hören ist. Ich denke die neue Musik kann auch die überzeugen, die früher gar nichts mit Cro anfangen konnten.

    Zu empfehlen ist auch die Trapped in Paradise Livesession (Teil 1, Teil 2 folgt im Januar) mit neuen (auch unreleased) und alten Songs in ganz entspanntem Style und chilligen Sommervibes bei Sonnenuntergang: könnt ihr euch hier anschauen.

    Wie geht es weiter?

    Doch was genau kann man vom neuen Album erwarten? Cro will sich weiterhin nicht auf eine Richtung festlegen, deshalb wird das neue Album zwei Seiten haben, ein Doppelalbum also: Zwei verschiedene Cros mit sogar zwei verschiedenen Masken und dazu verschiedenen Musikrichtungen. Man kann nur gespannt sein!

    Vor Kurzem verriet Cro in seiner Instagram Story, dass trip sein allerletztes Album sein wird. Hört er nun wirklich mit der Musik auf, weil er bereits quasi alles erreicht hat als Musiker oder ist es nur ein geschickter Promo-Move? In einem darauffolgenden Livestream antwortete er auf Nachfrage, verdächtigerweise in dritter Person sprechend: „Ja, es wird Cro’s letztes Album sein, aber keine Sorge, ich werde nicht komplett verschwinden.“

    Wird es nach Cro vielleicht Musik unter einem anderen Künstlernamen geben? Oder wird Carlo nur noch in anderen Bereichen tätig sein? Malen, zeichnen und basteln, wieder Klamotten designen, als Producer für andere arbeiten oder sein eigenes Label truworks Records voranbringen, Möglichkeiten gäbe es da viele. An Kreativität und Vielseitigkeit mangelt es Carlo auf jeden Fall nicht und was es mit der Zukunft von Cro auf sich hat wird sich wohl zeigen. Für eine Überraschung ist er ja immer wieder zu haben.

    „Es geht nicht darum was geht,
    sondern darum was für immer bleibt.“

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen
    Credit für das erste Bild: @simone_cihlar auf Instagram

  • Träumen mit Newcomer Luke Noa und „Roccastrada“

    Träumen mit Newcomer Luke Noa und „Roccastrada“

    Nach dem Release seiner ersten Single After All sowie seiner ersten EP Adaption im Jahr 2019 folgte dieses Jahr nun die neue Single Roccastrada vin Luke Noa, die zum träumen einlädt.

    Dass Luke Noa nicht aus England kommt, sondern aus einer kleinen Stadt in Baden-Württemberg, klingt vermutlich überraschend für alle, die seine Musik kennen. Zumindest war es das für mich, nachdem ich den Song Roccastrada zum ersten Mal gehört habe. Britischer Indie-Rock – ganz sicher. Na gut, ist nicht der Fall, aber das macht ja auch nichts. Ich bin mir sicher, dass man ihn in Englands Clubs und auf Festivalbühnen noch früh genug sehen wird. In Deutschland war er schon mit den Rikas auf Tour und ist bereits als Support-Act bei Fil Bo Riva angekündigt. Luke Noa lässt sich von Künstlern wie The War On Drugs, The Strokes oder Bruce Springsteen inspirieren. Beim Stöbern in seiner Inspirations-Playlist fand ich auch Songs von den Giant Rooks, Phoebe Bridgers oder Mumford & Sons. 

    “I’ve been dreaming again last night,
    you showed up to the war in my mind”

    Roccastrada ist mein persönlicher Moodbooster aus dem Jahr 2020. Ich mache diesen Song an und zack, gute Laune! Er handelt von Traumbewältigung und ihr Verschwimmen mit der Realität. Thematisch irgendwie immer sehr passend und zeitlos. Bereits das Intro von Roccastrada hat mich gecatched. Die Dynamik bekommt der Song definitiv durch die zwei Strophen, während der Refrain vergleichsweise ruhig ist und das Traum-Thema zum Besten ausdrückt. Der Refrain lässt dich für einen kurzen Moment innehalten. Was mich aber jedes Mal aufs Neue mitreißt, ist der durchgängig rockige und gitarren-lastige Sound des Songs. Der wird auch nach 30x Mal hören nicht langweilig. 

    „And now both of those restless minds,
    slowly slip back into life,
    and now that all the lines divide,
    I hope we‘ll meet at another time“

    Mein Highlight ist die Bridge am Ende des Songs, die textlich wie auch musikalisch den Höhepunkt und gleichzeitig den Abschluss des Songs bildet. Die Lyrics in Roccastrada sind einfach schön und hören sich keineswegs einfach nur dahin geklatscht an. Es ist ein sehr persönlicher Song, der auch auf Grund eines gebrochenen Herzens und Schlaflosigkeit entstanden ist. Roccastrada ist übrigens ein Ort in Italien, an dem Luke Noa diesen Song vor zwei Jahren geschrieben hat.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen

    Für den Dreh des Musikvideos kehrte Luke Noa zu diesem Ort zurück – für ihn die einzig richtige Option, um die Geschichte des Songs visuell zu erzählen. Das Video spiegelt das träumerische Thema ziemlich gut wieder und hat mich beim Schauen sehr stark an die Ästhetik von Call Me By Your Name erinnert. Man sieht Sequenzen vom Meer und von Oliven-Feldern, die einem das Gefühl geben, man wäre Protagonist:in in einem italienischen Arthouse-Film. 

    Seine EP Adaption ist ebenso hörenswert und mit Roccastrada bin ich nun noch gespannter auf Luke Noa’s – hoffentlich bald – kommendes Debüt-Album. 

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen ‚
    ‚

    Fotocredit: Massimiliano Corteselli

  • artists to watch 2021: Die heißesten Künstler:innen

    artists to watch 2021: Die heißesten Künstler:innen

    Ein ereignisreiches Jahr 2020 geht zu Ende und in unseren Rückblicken haben wir es schon Revue passieren lassen. Doch anstatt in Erinnerungen zu schwelgen, wollen wir lieber in die Zukunft blicken. Genauer: In die Zukunft von 12 fantastischen Künstler:innen, die unserer bescheidenen Meinung nach 2021 richtig aufgehen werden – und deshalb unbedingt auf euren Radar sollten. Artists to watch – you heard it here first.


    2021 wird das Jahr von…


    Arlo Parks
    Arlo Parks, watch out 2021, untoldency, magazine, online, blog, blogger, indie, music, live, konzerte, review


    Wenn wir eine Prognose für nächstes Jahr geben müssten, dann würden wir alles auf Arlo Parks setzen. Die erst 20 Jahre alte Londonerin wird vermehrt schon als heißester Newcomer gehandelt und wir schließen uns dem vollkommen an. Kein vermeintlicher Mainstream-Hype, sondern ehrliche berührende Musik, die eine einzigartige Spanne zwischen R’n’B-Vibes und cozy Dream-Indie-Klängen schafft. Einmal hören und verlieben.

    Doch wer ist sie eigentlich? „Arlo Parks is the favourite artist of your favourite artist. She’s going to be the biggest star in the world one day.” – diese Worte sind geliehen von Anna Fliege, aber so zutreffend wahr, dass wir sie zitieren mussten.


    In her words she spent most of school feeling like
    that black kid who couldn’t dance for shit, listening to too much emo music
    and crushing on some girl in her Spanish class.

    Arlos Texte sind voller ehrlicher und persönlicher Geständnisse, an die sich ihre verträumte Musik anpasst. Sie schafft einzigartige Soundwelten, in denen man sich nur verlieren kann. In England schon voll etabliert, wurde sie letztes Jahr als BBC Introducing Artist Of The Year gekürt. Wenn man ihre Songs hört, weiß man auch, warum. Der Sprung auf die große Bühne ist deshalb nicht weit – unsere Prognose: 2021 ist es so weit. Debütalbum: Collapsed In Sunbeams am 29.01.2021.


    Jeremias 
    Jeremias, watch out 2021, untoldency, magazine, online, blog, blogger, indie, music, live, konzerte, review

    Ihr kennt sie alle und deshalb sind wir uns bei der nächsten Prognose auch alle einig: JEREMIAS werden nächstes Jahr ganz Deutschland erobern. Dieses Jahr haben sie sich mit einer EP und weiteren Single-Auskopplungen schon auf den großen Indie-Radar in Deutschland geschlichen. Was dieses Jahr Provinz war, sind nächstes Jahr JEREMIAS.

    Mit Liedern wie schon okay oder hdl spielen sie sich in immer mehr Herzen – und bleiben. Wer sie jetzt schon feiert, weiß, dass da ganz viel Potential für mehr drinsteckt. Die poppigen Indie-Riffs, Jeremias‘ erkennbare Stimme und das Gefühl für die richtigen Melodien – all das kombiniert macht den Sound von JEREMIAS, den man, einmal gehört, nicht mehr los wird.

    Wenn Konzerte nächstes Jahr stattfinden (fingers crossed), werden die Jungs ganz schnell ganz groß. Nervt eure Freunde jetzt schon mit ihnen, denn nächstes Jahr wird’s nur noch besser. Neue Musik in Arbeit.


    anaïs

    Aus der Bubble der Jeremias-Jungs entsprang in diesem Jahr anaïs. Im Juli 2020 veröffentlichte die erst 20-jährige ihre erste Single, die melancholische Pop-Ballade My World So Blue und hat damit so viel Zuspruch bekommen, wie ihn nur wenig Newcomer:innen bekommen. Die Hannoveranerin mit belgischen Wurzeln ist trilingual aufgewachsen und verwöhnt uns regelmäßig auf ihrem Instagram-Kanal mit Songs in englischer, deutscher und französischer Sprache.

    anais, watch out 2021, untoldency, magazine, online, blog, blogger, indie, music, live, konzerte, review

    Die Zerbrechlichkeit in ihrer Stimme ist wirklich einzigartig und mitreißend. Natürlich völlig zweit- oder sogar drittrangig, aber wenn man zu der akustischen Melancholie auch das bildhübsche Antlitz von anaïs erblickt, dann ist man ganz schnell verzaubert. Kurz vor Weihnachten hat sie ihre zweite Single Yellow Hearts, ein Feature mit Dillistone veröffentlicht, mit der sie eine weitere Facette von sich gezeigt hat. Es bleibt also spannend, in welche Richtung sich ihr Sound so entwickeln wird. Ihr stehen aktuell auf jeden Fall alle Türen offen.

    Wenn anaïs am Ball bleibt und uns 2021 vielleicht sogar mit einer EP beschenkt, dann dürfte ihr aus unserer Sicht eine steile Karriere sicher sein. Wir bleiben auf jeden Fall dran.


    Trille

    Genauso, wie wir das ganze Jahr über an Trille drangeblieben sind. Er ist studierter Musikwissenschaftler, Tonmeister und hat zudem auch noch einen Master in Popular Music. Und nachdem wir uns gefragt haben, wie und wann der 29-jährige das geschafft hat, erklärt genau das doch die Qualität seiner Musik. Irgendwie Indie, irgendwie Trap, irgendwie Pop und irgendwie Rap. Aber immer große Emotionen, sowohl stimmlich als auch textlich. Nicht selten haben wir gelesen, dass Hörer:innen weinen, wenn sie seine Songs hören.

    Trille, watch out 2021, untoldency, magazine, online, blog, blogger, indie, music, live, konzerte, review

    Nachdem niemand geringeres als Fynn Kliemann seinen Song Phase gesampelt hat, sind glücklicherweise noch viel mehr Menschen auf ihn aufmerksam geworden. Im Herbst erschien nach mehreren Singles dann die Phase EP – sein Jahr 2020 war daher schon ziemlich erfolgreich. Aber da schlummert noch so viel mehr in Trille, das dringend raus in die Welt und rein in unser Ohr muss.

    Wir sind auf jeden Fall große Fans von ihm und hoffen für das Jahr 2021 ganz doll auf ein Debütalbum oder eine neue EP, hauptsache voll von 808s, Vocoder- und Autotune-Sounds. Sollten unsere Hoffnungen in Erfüllung gehen, dann steht Trille mit Sicherheit ein großartiges Jahr bevor.


    Anoki

    Wo wir doch gerade bei Trille und seiner Phase EP waren.. Der folgende Künstler ist auf eben jener EP mit einem Feature vertreten: Anoki. In Utrecht geboren und in Schweinfurt aufgewachsen, landete er nach mehreren Zwischenstopps letztlich in Berlin. In seiner Jugend von Indie und Punk umgeben, macht er inzwischen urbanen HipHop, der seine früheren Einflüsse aber nicht verschweigt.

    Anoki, watch out 2021, untoldency, magazine, online, blog, blogger, indie, music, live, konzerte, review

    Jule ist auf Anoki aufmerksam geworden, als dieser aus vorgenanntem Grund bei Trille’s Release-Konzert im Oktober aufgetreten ist – und er hat sie schon in der ersten Sekunde voll von sich überzeugt. Drei Songs gibt es aktuell von ihm auszuchecken, die allesamt ziemlich geil sind (Profitipp: Winter in Berlin anhören). Er liefert ohrwurmlastige Texte und catchige Beats, gepaart mit einem krassen Flow. Und all diese Attribute begründen unseren Wunsch nach mehr Spotlight für ihn.

    Wir wissen nicht genau, was Anoki für das nächste Jahr geplant hat, aber wir halten sowohl Augen als auch Ohren offen. Egal mit was er uns dann 2021 versorgt, wir sind uns ziemlich sicher, dass es ein weiterer großer Schritt in Richtung unsäglicher Berühmtheit sein wird.



    Pessimist
    Pessimist, watch out 2021, untoldency, magazine, online, blog, blogger, indie, music, live, konzerte, review

    Weiter geht’s mit Pessimist, einem Künstler aus Saarbrücken, der schon seit 2019 regelmäßig Songs veröffentlicht – aber trotzdem noch immer irgendwie unter dem Radar läuft. Seine Songs bespielen super viele Genres. Sie pendeln von schmusigem Pop in ballernde Gitarrenriffs und weiter zu funkigen Synthie-Beats, die durch seinen Gesang allesamt einen Rapflow bekommen. Es geht genauso um good times wie um bad times, alles in sehr persönlichen Texte verpackt.

    Der Grund, weshalb wir ihn in dieser Liste aufzählen, ist, wenn man sich seine Diskografie mal komplett reinzieht, ziemlich obvious: Pessimist wird einfach von Song zu Song besser. Punkt. Die Songs klingen ausproduzierter, klarer und haben für sich genommen inzwischen eine richtig straighte Linie. Es ist super spannend, Künstler:innen bei ihren Entwicklungen zuzuschauen und bei ihm macht es uns besonders viel Freude.

    Nach fast zwei Jahren kontinuierlichem Releasen darf es nun also ruhig mal soweit sein, dass Pessimist die Aufmerksamkeit bekommt, die er sich verdient hat. Und wenn er 2021 so weitermacht, wie er 2020 aufgehört hat, dann stehen die Chancen wirklich gut.


    MELE
    MELE, watch out 2021, untoldency, magazine, online, blog, blogger, indie, music, live, konzerte, review

    Girlcrush-Alarm! Auch ein heißer Tipp fürs nächste Jahr ist MELE. Die 25-jährige, die in Osnabrück am Institut für Musik studiert, dürfte vielen bereits bekannt sein. Mit Songs wie deine cousine oder Rosalie hat sie sicherlich auch schon einen Platz in eurer Playlist gefunden. Falls nicht: dringend ändern. Sie macht unverblümte Popmusik und nimmt in ihren Songs kein bis wirklich gar kein Blatt vor den Mund.

    Wenn man ihre Musik hört, hat man einfach eine gute Zeit. Besonders gut wird die dann, wenn man MELE mit ihrer Band live spielen hört – war in diesem Jahr ja leider eher selten möglich. Aber auch abseits der Musik ist sie die Art von Mensch, die man einfach liebhaben muss. Sie ist witzig, herzlich und einfach nur sweet.

    Im Zuge unseres Adventskalenders hat sie uns im Livestream-Interview verraten, dass für das nächste Jahr eine EP geplant ist. Wir haben hohe Erwartungen aber wissen, dass die easy erfüllt werden. Und wenn dann Livespielen auch wieder möglich ist (fingers are still crossed), könnte 2021 wirklich MELEs Jahr werden.


    WizTheMC
    WizTheMC, watch out 2021, untoldency, magazine, online, blog, blogger, indie, music, live, konzerte, review

    WizTheMC ist auch einer unserer absoluten Newcomer-Tipps, den ihr nicht verpassen wollt. Der in Südafrika geborene und in Lüneburg aufgewachsene Rapper ist auf der Schwelle zum Durchbruch und das interessanterweise nicht unbedingt in Deutschland. Mit 17 ist er nach Kanada gegangen, mit nur einem Mikro, Laptop und Keyboard im musikalischen Gepäck. Inzwischen ist er 21 Jahre alt und kurz davor, Nordamerika zu erobern. 

    Und auch die Genre-Schublade „Rap“ scheint er immer mehr aufzubrechen. Er hat dieses Jahr zwei EPs rausgebracht, die auch immer mehr von energetischen Indie-Pop Elementen aufgemischt werden. Mit dem Ziel, sich immer weiterzuentwickeln, macht WizTheMC genau das:

    “Ich arbeite gerade an neuer Mukke und habe alleine musikalisch krasse Pläne für das nächste Jahr. Ich bin gespannt darauf, meine Musikevolution mit der Welt zu teilen.”

    WizTheMC hat als er angefangen hat, Musik zu machen, sich selbst einen 10-Jahresplan zu seinen Träumen aufgestellt. Nach 5 Jahren ist er jetzt schon bald da. Ihn jetzt schon auf dem Schirm zu haben, lohnt sich.


    MAJAN
    MAJAN, watch out 2021, untoldency, magazine, online, blog, blogger, indie, music, live, konzerte, review

    Ebenfalls krasse musikalische Pläne für nächstes Jahr hat MAJAN. Als Bester Newcomer Act bei der 1Live-Krone nominiert, dürfte er auch schon das ein oder andere Mal über euer 2020 gehuscht sein. Letztes Jahr hat er schon angekündigt, dass er gerade ein bisschen mehr Wind aufnimmt und noch viel zu erwarten ist. Ein Song, der 2019 in absoluter Endlosschleife lief: Tag Ein Tag Aus.

    2020 vor allem als großer Feature-Gast unterwegs, hat er Beats von BLVTH seine Stimme geliehen, zusammen mit Ahzumjot gearbeitet und zuletzt auch eine Single mit LEA gedroppt. Wenn das keine Ansage nach oben ist, wissen wir auch nicht. Für jeden, der sich in der deutschen Indie-Rap Szene wohlfühlt, könnte MAJAN jedenfalls der nächste große Hit sein. Laut Spotify was für Fans von badchieff, Kelvyn Colt, Tua, Bruckner und JEREMIAS.

    Nächstes Jahr sollte auf jeden Fall auch das Jahr von MAJAN werden. Wir sind unfassbar gespannt, was da noch alles kommt. Auf endlich wieder guten Deutschrap abseits von Capital und Co. oder?


    Betterov

    Wir wären super inkonsequent, wenn wir Betterov in unserer watch out 2021-Liste nicht erwähnen würden, oder? Der 26-jährige ist ausgebildeter Schauspieler und hat Ende 2019 angefangen, regelmäßig Musik zu veröffentlichen – die von Tim Tautorat produziert wird, der u.a. auch mit Faber oder AnnenMayKantereit zusammenarbeitet.

    Betterov, watch out 2021, untoldency, magazine, online, blog, blogger, indie, music, live, konzerte, review

    Er hat mit seinen Songs geschafft, einen perfekten Bogen zwischen Lethargie und Herzschmerz zu spannen, ohne kitschig oder ermüdend zu wirken. Sein Sound lebt von peitschenden Gitarrenriffs, wummernden Drums, aber vor allen Dingen von seiner tiefen, unverwechselbaren Stimme. Im März erschien seine EP Viertel vor Irgendwas, die (zu Recht) großen Anklang fand. Aber sich darauf auszuruhen kam für Betterov nicht in Frage – inzwischen hat er bereits zwei weitere Singles veröffentlicht.

    Auf Instagram war zu sehen, dass er vor dem Lockdown wieder im Studio war. Vielleicht erwartet uns 2021 also eine weitere EP oder sogar ein Album von Betterov? Wir wünschen uns das jedenfalls. Und wenn das so ist und er so weitermacht, wie er angefangen hat, dann wird auch er richtig große Erfolge feiern.


    Steiner & Madlaina

    Zugegeben, Nora Steiner und Madlaina Pollina aus Zürich, die zusammen das Duo Steiner & Madlaina bilden, sind alles andere als Newcomerinnen. Ihre Diskografie reicht schließlich bis in das Jahr 2015 zurück. Während die ersten EPs Ready to Climb und Speak noch hauptsächlich auf Englisch gesungen wurden, haben sie mit ihrem 2018 erschienenen Album Cheers das Augenmerk auf deutsche Texte gelegt, den Song Herz vorus id Wand singen sie sogar auf Schwyzerdütsch.

    Steiner & Madlaina, watch out 2021, untoldency, magazine, online, blog, blogger, indie, music, live, konzerte, review

    In den vergangenen Jahren haben die beiden sämtliche Bühnen der Lande bespielt – eigene Touren und Auftritte auf diversen Festivals, wie dem Deichbrand, Kosmonaut oder auch Lollapalooza. Für Kenner sind Steiner & Madlaina also längst etabliert. Ihr Sound bewegte sich zuletzt in der folkigen Popmusik. Und da kommen wir auch schon zu dem Grund, warum wir Nora und Madlaina hier aufzählen: Die in den letzten Wochen erschienenen Singles lassen erahnen, dass sich der Sound der beiden abermals weiterentwickelt hat.

    Am 29.01.2021 erscheint dann endlich ihr neues Album Wünsch mir Glück und wir sind unfassbar gespannt, was uns darauf erwartet. Wir prognostizieren, dass dieses Album und das Jahr 2021 der Beginn einer neuen Steiner & Madlaina-Ära ist.



    Luke Noa
    Luke Noa, watch out 2021, untoldency, magazine, online, blog, blogger, indie, music, live, konzerte, review

    Den Abschluss unserer 2021 Prognosen bildet Luke Noa. Wer ihn jetzt noch nicht kennt, wird ihn nächstes Jahr auf jeden Fall kennen lernen, da führt wenig dran vorbei. Erst vor Kurzem hat er seine Single Roccastrada veröffentlicht, die ihn auch auf unseren Radar gebracht hat. Was sich nach astreinem britischen Indie-Rock anhört, kommt aus Süddeutschland und mischt einfach so die ganze Szene einmal ordentlich auf. 

    Luke Noa macht nicht nur mit diesem Song große Ansagen. Auch mit der Ankündigung seines Supports bei der Fil Bo Riva Tour nächstes Jahr steht fest: Wir beobachten gerade einen Senkrechtstart in unsere geliebte Indie-Szene. Mit einer rauchig-verträumten Stimme lässt er bald alle Herzen weich werden und wir müssen sagen, wir sind dem schon vollkommen verfallen.

    Luke Noa – definitiv einer der heißesten Newcomer des englischsprachigen Indies aus Deutschland. Wer jetzt nicht dabei ist, wird’s bereuen.


    Das war’s also – unsere artists to watch 2021. Von ganz groß bis klein, von bereits geliebten Künstler:innen zu noch ungeschliffenen Diamanten. In allen sehen wir das Potential, 2021 zu ihrem Jahr zu machen und Wellen von neuen Fans anzuziehen. Weil aber Worte nur Worte sind und nur die Musik selbst so richtig überzeugen kann, ist hier die Playlist zu den Prognosen.

    Watch out artists 2021 prognostiziert von eurem neuen Musikmagazin des Vertrauens – untoldency.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen ‚
    ‚

    Fotocredits: BROCK / Lucio Vignolo / Lou / Haley / Anoki / MIKARI / Luisa Kummerfeld / Mica Daniels / MAJAN / Massimiliano Corteselli / Tim Wettstein / Bernhard Schinn